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HANWAG BERGPOST 1 / 2011 | 1

Neuigkeiten, Geschichten und Wissenswertes vom Bayrischen Bergschuster

Ausgabe 1 | Sommer 2011 | Kostenlos

90 Jahre alpine Erfahrung

Der Bergschuster wird 90! Hanwag ist ein Schuhhersteller, den es nicht erst seit gestern gibt. Neun Jahrzehnte sind vergangen, seit HANs WAGner seine Schuhfabrik hier im oberbayerischen Vierkirchen gründete. Till Gottbrath | München

T

radition und bewährte Strukturen sind nicht wegzudenken. Aber ohne neue Wege und innovative Technik könnten wir diesen runden Geburtstag nicht feiern. Bei uns in Vierkirchen bei Dachau wissen wir, was ein Bergschuh leisten muss und dass er einen wesentlichen Teil zur Sicherheit im Gebirge beiträgt. Wir wissen, wie er am besten hergestellt und später gepflegt wird. Alles dreht sich um die richtigen Materialien, die passende Torsionssteifigkeit, die geeignete Schafthöhe, verschiedene Schnürtechniken, sinnvolle Sohlenprofile, die Frage, ob es mit oder ohne Gore-Tex sein soll usw. Diese und ähnliche Gedanken machen sich unsere Mitarbeiter seit 90 Jahren. Wir entwickeln und forschen, tüfteln und testen – um (fast) jedem Fuß für (fast) jeden (meist alpinen) Zweck den passenden Schuh zu schustern. 2011 ist für uns bei Hanwag ein ganz besonderes Jahr: 90 Jahre sind vergangen, seit Hans Wagner das

erste Paar Schuhe in Vierkirchen schusterte. In diesen neun Jahrzehnten permanenten Lernens und beständiger Innovation entwickelte sich Hanwag zu einer weltweit renommierten Bergschuhmarke: Den Weg säumen unzählige Schuhmodelle, Ideen, Erfindungen und Patente. Bei einigen „neuen“ Sportarten wie Skihochtouren, Sportklettern und Gleitschirmfliegen gehörten wir zu den Pionieren fürs Schuhwerk. In den siebziger Jahren fertigten wir den „Haute Route“ – den ersten speziellen Skitourenschuh überhaupt. Zusammen mit Kletterlegende Sepp Gschwendtner entwickelten wir Kletterschuhe mit weichen Reibungsklettersohlen und brachten später – erneut in freundschaftlicher Arbeit mit dem „GschwendtnerSepp“ – spezielle Stiefel für Gleitschirmflieger heraus. Dieses Jahr feiern wir unseren 90. Geburtstag. Die Weichen für die Zukunft

Klein angefangen: Hans Wagner, seine Frau und Mitarbeiter in der Produktion vor 85 Jahren.

sind gestellt, aber die Kernwerte ändern sich nicht: Wir sind und bleiben bayrisch, bodenständig, ehrlich. Wir konzentrieren uns auf das, was wir am besten können: die Herstellung hochwertiger, Berg-, Trekking- und Wanderstiefel mit einer exzellenten Passform. Und als besonderes Geburtstagsgeschenk, bedanken wir uns bei der Gemeinde der Alpinisten mit einem großen, knallroten Geschenk. Mehr dazu auf der nächsten Seite…

In dieser Ausgabe:

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4 Der OMEGA GTX

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Mit dem Fachhandel im Gespräch: Flori Schuster

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Hanwag-Mitarbeiter Peter Wilson besucht eine Yakleder-Gerberei in Tibet

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ie – oder Du? (da geht doch gleich das Dilemma los) halten die erste Ausgabe der Hanwag Bergpost in der Hand. Aber bevor es zu den Hintergründen der neuen Zeitung geht, nochmals zur Frage nach dem „Sie“ oder „Du“. Am Berg heißt es, oberhalb von 2000 Metern werden alle geduzt. Auf dieser Höhe werden sich aber die Wenigsten in jenem Augenblick befinden, wenn sie die Hanwag Bergpost lesen… Also „Sie“. Nein, lieber nicht. 1. Wir sind eine alpine Marke – egal auf welcher Höhe sich unsere Leser gerade befinden. 2. In Bayern,

unserer Heimat, ist das „Du“ üblicher als weiter im Norden und ist dabei keinesfalls ein Zeichen mangelnden Respekts. 3. Wir pflegen zu vielen Kunden ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Da passt das „Du“ einfach besser. Warum machen wir die Hanwag Bergpost? Weil wir in der Vergangenheit etwas zu schüchtern und daher zu leise waren. So gibt es doch tatsächlich immer wieder Leute, die uns für eine asiatische Marke halten: Han Wag. Dabei sind wir urbayrisch – seit 90 Jahren. Hanwag steht für unseren Firmengründer HANs WAGner. Außerdem möchten wir Euch gerne etwas besser mit der Marke Hanwag vertraut machen: mit unseren Ideen, den Visionen, dem Produkt, vor allem aber auch mit den Menschen, die hinter der Marke stehen. Sie bilden das Herz und die Seele von Hanwag. Bei uns am

Stammsitz in Vierkirchen, einem kleinen Dorf (nahe München), gibt es Mitarbeiter, die seit über 40 Jahren hier arbeiten. Und auch bei unserem Partner in Kroatien, der exklusiv nur für uns fertigt, gibt es eine hohe Treue zur Marke.

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Hanwag ist eine Marke mit Herz und Seele, fest in Bayern verankert, aber in der ganzen Welt zu Hause. All dies möchten wir Euch mit der Hanwag Bergpost zeigen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen

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P.S.: Über jede Form von Feedback freuen wir uns natürlich, egal ob Lob oder Kritik. Per Mail an Bergpost@hanwag.de oder auf Facebook: www.facebook.com/Hanwag

Welcher Schuh für welchen Zweck – Selbsteinschätzung bei der Schuhwahl?

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Traditionelle Schuhmacherkunst: Die gezwickte Machart

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Menschen bei Hanwag: Hüda Öztürk

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Gewinnspiel: Startpakete für „24 Stunden von Bayern“

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Hanwag ProTeam: Peter Sürth

Jürgen Siegwarth und das Hanwag-Team

Interview mit Biwakschachtel-Architekt S. Zehl

Ein Schuh im Detail:

EDITORIAL Liebe Leser, oder, wie man bei uns sagt, „Grüß Gott miteinand’!“

Das große rote Geschenk: Eine Biwakschachtel für den Jubiläumsgrat.


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Hanwag schenkt den Bergsteigern eine neue Biwakschachtel für den Jubiläumsgrat

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Transporthubschrauber (vermutlich K-Max)

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Stahlseile

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Betonfundamente

Maße / Gewicht: 6 m x 2,45 m x 2,8 m / 2300 kg Material:  A luminiumrahmen, Aluminiumblech, Isolierung Innenausbau Holz Standorthöhe: 2684 m Schlafplätze: 12 (oder mehr...) Ausstattung: T isch, Pritschen, Schaumstoffmatten, Decken, Kissen

Foto: Andreas Strauß

Das groSSe rote Geschenk... 47°25'15.06"N, 011° 1'34.54"E

Till Gottbrath | München

Wie feiere ich angemessen einen hohen Geburtstag? Diese Frage stellten auch wir uns, als wir letztes Jahr über unserem Neunzigsten brüteten. Wir brüteten lange, bis unser Grafiker Franz Scholz und das ProTeam-Mitglied Joachim Stark auf eine Idee kamen, die allen sofort bestens gefiel und die eine lange Halbwertszeit hat: Wir stiften eine neue Biwakschachtel für das baufällige, alte Grathütterl auf dem Jubiläumsgrat.

„N

ur für Geübte“ warnt das kleine weiße Schild am Anfang des Jubiläumsgrats. Das sollte man ernst nehmen, denn die Tour ist die höchstgelegene alpine Grattour Deutschlands. Und sie ist nicht zu unterschätzen: erlebnisreich, sehr lang und anstrengend für geübte Bergsteiger im Sommer – anspruchsvoll und herausfordernd für Spezialisten im Winter. Obwohl einige hundert Meter mit Eisenstiften und Drahtseilen gesichert sind, müssen viele sehr exponierte, absturzgefährliche Stellen in freier Kletterei bis zum dritten Schwierigkeitsgrad gemeistert werden. Eine echte, hochalpine Grattour, die Ausdauer, Schwindelfreiheit und absolute Trittsicherheit voraussetzt. Jedes Jahr kommt es zu Unfällen und Rettungsaktionen, weil Bergsteiger (und eben Nicht-Bergsteiger) die Tour falsch einschätzen.

Die meisten Aspiranten beginnen die Tour direkt am Gipfel der Zugspitze und erreichen diesen bequem und kraftsparend mit der Seilbahn. Dann geht es ans Eingemachte: Fünf Kilometer Luftlinie liegt die 2628 Meter hohe Alpspitze entfernt, was die hochalpine Kletterstrecke auch bei besten Verhältnissen zu einer anstrengenden und tagesfüllenden Unternehmung macht. Mittendrin – genau auf 47°25'15.06"N, 011°1'34.54"E – steht bisher eine kleine Hütte, die aussieht wie ein Bauwagen ohne Räder. Es ist kein Bauwagen, sondern eine immer offene Biwakschachtel. Sie hat schon so manchem Bergsteiger Unterschlupf geboten oder sogar Leben gerettet.

Alles andere als ein Klettersteig… Im Winter, wenn man wegen schwieriger Verhältnisse am Grat nur langsam vorwärts kommt und die Tage ohnehin kurz sind, wird ein Biwak in der Schachtel meist von vornherein eingeplant. Und einige übernachten ganz spontan, wenn sie den Grat, der ja „eigentlich bergab geht“ unterschätzt haben. Trotz der negativen Höhendifferenz von 900 Metern hinab zur Bergstation der Osterfelderbahn legt man auch über 700 Höhenmeter im Aufstieg zurück. Zwar ist der ehemalige Höllentalgrat – er wurde 1894 anlässlich des 25-jährigen Bestehens der DAV-Sektion München zum „Jubiläumsgrat“ umbenannt – bereits Anfang des 20.

Jahrhunderts teilweise mit Stahlseilen gesichert worden. An vielen Stellen hat man diese Sicherungen aber wieder entfernt. Der Jubiläumsgrat ist also in keiner Weise ein Klettersteig: Stellen im II. und III. Grad (UIAA) sind frei zu klettern und die Ausgesetztheit an vielen, kaum halbmeterbreiten Passagen verlangt eine gute Psyche und starke Nerven. Das alte „Grathütterl“ ist mittlerweile baufällig geworden. Jahrzehntelang trotzte es hoch droben auf 2684 Metern Wind und Wetter, bot Unterschlupf für viel Alpinisten. Diese Bruchbude durch eine moderne Biwakschachtel zu ersetzen – das wäre ein schönes Geburtsgeschenk! Und so sprachen wir mit der Sektion München des DAV (Deutscher Alpenverein) und wurden uns schnell einig. Wir stiften die neue Schutzhütte, die Sektion München wird sie, wie auch schon das alte Grathütterl, gemeinnützig betreuen. Und alle Bergsteiger können sie nutzen.

Sie bietet Schlafplätze für vier Personen, doch es haben schon oft mehr als zehn Leute gleichzeitig in der Biwakschachtel übernachtet, wenn draußen der Sturm tobte und die Bergsteiger auf ihrer Tour langsamer vorankamen als gedacht. Die alte Hütte ist aus Stahlblech gefertigt und überschreitet mit rund 3,6 Tonnen die Lastgrenze des Hubschraubers. Sie wird also aus-

Wie der größte Schuhkarton der Welt...

Weg mit der alten Schachtel!

Was aus der Ferne wie der größte Schuhkarton der Welt aussieht, ist in Wirklichkeit die neue, knallrote Biwakschachtel. Sie wird offiziell Höllentalgrathütte heißen und im Bergsommer 2011 auf 2684 Metern Höhe montiert. Davor gibt es einiges zu tun: Das alte „Grathütterl“ muss weg. Seit Jahren steht die ständig offene Hütte hier oben und ist Teil unzähliger Bergerlebnisse geworden.

ben warten bereits Techniker, um die 2,4 Tonnen schwere Schachtel fest mit den sechs vorbereiteten Fundamentteilen zu verbinden. Eine zweite Sicherung bietet zusätzlichen Schutz bei Wind und Wetter – die Stahlseile, die den Transport ermöglichten, werden fest im Boden verankert, um die Hütte zu schützen. Und fertig ist die neue Biwakschachtel.

Ende Juli wird die neue Alu-Biwakschachtel mit einem speziellen Transporthubschrauber „am Stück“, mitsamt Matratzen und Decken, nach oben geflogen. einandergebaut, um anschließend die Einzelteile in mehreren Flügen runter ins Tal zu bringen. Anschließend wird das Gelände für die neue Notunterkunft hergerichtet: Die alten, mittlerweile beschädigten Fundamente kommen weg und sechs neue Betonfundamente werden eingelassen und mit passenden Gegenstücken für die neue Höllentalgrathütte befestigt.

Am Tag der Montage sind gutes Wetter und nicht zuviel Wind Voraussetzung für den Flug, dann kann es losgehen. Mit einem speziellen Transporthubschrauber wird die neue Alu-Biwakschachtel „am Stück“, mitsamt Matratzen und Decken, nach oben geflogen. Dafür hat Architekt Stephan Zehl vier Ösen anbringen lassen, an denen die Stahlseile für den Transport befestigt werden. Flug ab: hoch dro-

Fast, denn eine wichtige Sache fehlt noch. Der Blitzableiter wird erst installiert, wenn das neue knallrote Grathütterl fest auf dem Jubiläumsgrat steht. Der Schutz bei Wind und Wetter bekommt so eine ganz neue Bedeutung und die Biwakschachtel wird zur sicheren Unterkunft, auch wenn es draußen unwirtlich zugeht. Wir jedenfalls freuen uns schon sehr auf die Höllentalgrathütte. Denn sie hat viel mit der Marke Hanwag gemein: Sie ist bayrisch. Sie ist alpin. Sie hat mit „Sicherheit“ zu tun. Sie hält lange (so hoffen wir). Wer sie erreicht, hat schon viel hinter sich, aber auch noch viel vor sich. Und wenn das Wetter passt, ist die Aussicht einfach großartig!

Kurzinterview Stephan Zehl, Architekt der Biwakschachtel

Stephan Zehl, Architekt

Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Fertigstellung der Biwakschachtel. Was war die größte Herausforderung bei diesem ungewöhnlichen Projekt? Zehl: Wir konnten die Biwakschachtel in erstaunlich kurzer Zeit umsetzen, obwohl der Bau für uns eine völlig neue Aufgabe war und es uns an Erfahrung fehlte. Wann baut man schon Biwakschachteln!? Die größte Herausforderung für uns stellte die Suche nach Partnern zur Realisierung dar. Aber auch das hat gut geklappt. Welche Kriterien standen beim Bau der Biwakschachtel im Vordergrund? Zehl: Die wichtigsten Anforderungen waren eine optimale Raumnutzung, Komfort auf kleinstem Raum und Dichtigkeit. Um die Hütte dicht

zu kriegen, haben wir sie einfach fugenlos zusammen schweißen lassen, jede Baufuge wäre ein Schwachpunkt und verantwortlich für das Eindringen von Wasser und Frost. Und der Transport auf den Jubiläumsgrat spielte natürlich schon beim Bau eine große Rolle. Für den Hubschrauberflug darf die Biwakschachtel maximal 2,5 Tonnen wiegen und ihre Abmessungen müssen transportgeeignet sein. Nicht nur mit dem Hubschrauber, sondern auch mit dem LKW auf der Straße.

Hülle angenehmer und die Schale hält mehr aus. Die Größe der Biwakschachtel ist mit 12 Personen angegeben – was denkst du: Wie viele passen wirklich rein? Zehl: Wir haben den Platz bestmöglich genutzt – wenn man richtig zusammenrückt können auf jeden Fall 16 Personen übernachten. Aber dann wird’s schon ganz schön eng.

Welche Besonderheiten bietet die neue Notunterkunft und wie unterscheidet sie sich von der alten Biwakschachtel auf dem „Jubelgrat“? Zehl: Wir haben es geschafft, die Biwakschachtel nur unwesentlich zu vergrößern – und dennoch deutlich mehr Schlafplätze unterzubringen. In der aktuellen Biwakschachtel finden nur sechs Personen Platz, jetzt können auch zwölf Leute übernachten. Die neue Dachform bietet einerseits wenig Angriffsfläche für den Wind und bringt eine größere Raumhöhe, damit sich die Gäste nicht so eingepfercht fühlen. Und die neue Schachtel hat statt offener Styroporplatten eine richtige Innenverkleidung mit wasserfesten Holzplatten. Das macht die Berührung mit der

Näheres zur Biwakschachtel-Tour unter: www.hanwag.de


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EIN SCHUH im Detail:

OMEGA GTX

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Individuelle Volumenanpassung mittels einer zweiten Zunge (eine Zunge kann entfernt werden, um das Volumen zu erhöhen) und einer zusätzlichen Einlegesohle. Vari-Volume optimiert den Sitz.

Vari-Volume:

HOCHALPIN & STEIGEISENFEST Einsatzgebiet: Hochtouren, Gletschertouren, Eistouren

Futter: Wasserdicht und atmungsaktiv –

das Gore-Tex® Futter sorgt für warme, trockene Füße auch auf längeren Touren.

Bergrindleder: Für den Schaft verwenden  

wir 3 Millimeter starkes Bergrindleder – wasserabweisend, unverwüstlich, langlebig.



Reduced Seams: Weniger Nähte verringern das Risiko von

Click Clamp: Die Klemmschlaufe

potentiellen Druckstellen und Nahtverschleiß. Dafür sorgt unsere spezielle Abdrehtechnik, die es ermöglicht, mit wenigen Nähten einen leistengetreuen Schuh zu fertigen. Sieht einfach aus, ist es aber nicht. Wir beherrschen diese Technik und setzen sie ein.

ermöglicht eine unterschiedlich straffe Schnürung von Vorderund Oberteil des Schafts

Gewicht: 1140 Gramm bringt der Omega GTX in Größe 7,5 auf die Waage.

  

Heel-Fix: Einstellbare Fersenweitenfix-

Elevated Brim: Per Hand aufgezogener, um-

ierung durch eine aufgenietete Aluplatte: Mit Heel Fix wird die Fersenbreite des Stiefels genau dem Fuß angepasst. Nützlich besonders bei schmalen Fersen.

laufender Geröllschutz, der vor Abnutzung schützt und die Schuhform stabilisiert. Durch Erwärmung wird der Geröllschutz elastisch und so mit großem Kraftaufwand aufgezogen und mit dem Obermaterial verklebt.

Hanwag-Mitarbeiter Peter Wilson besucht die Yakleder-Gerberei in Tibet

Gutes vom Grunzochsen Fotos: Peter Wilson | Text: Peter Wilson



Kälteisolierung : bis –15 °C (getestet nach DIN EN 344-1)

Step-In Crampon: 100 Prozent steigeisen-

fester Sohlenaufbau und auch für vollautomatische Steigeisen geeignet.



VIBRAM® ALPIN High-tech Sohle – steigeisenfest, torsionssteif,

Brandsohle: Das „Herz“ eines Schuhs – von

mit isolierenden Luftkammern, PU-Auftrittsdämpfung, selbst reinigendem Profil und einer schmalen Spitze mit spezieller Kletterzone. Die Sohle wurde von uns entwickelt, bei der Fertigung vertrauen wir unserem langjährigen Partner Vibram.

außen sieht man die Brandsohle nicht. Der Omega GTX hat eine Memory-Kunststoffbrandsohle mit durchgehender Versteifung für hohe Stabilität.

FACHHANDEL: INTERVIEW MIT FLORI SCHUSTER [SPORTHAUS SCHUSTER]

Einer ist Schuster. Einer heißt Schuster.

Zwei Mal Tradition, zwei Mal Bayern und zwei Mal Schuster: Wir haben uns mit dem Münchner Original Flori Schuster getroffen. Er leitet das bekannte Sporthaus Schuster, das seit fast hundert Jahren eine Institution bei den Outdoor-Fans in der Landeshauptstadt München ist.

Julia Englhart | München

Flori Schuster ist der Geschäftsinhaber vom Sport Schuster und führt das erfolgreiche Münchner Sporthaus in der dritten Generation. Foto: Sporthaus Schuster

Der Sommer steht vor der Tür. Was ist in diesem Jahr der wichtigste sportliche Trend in der Biergartenhauptsaison? Schuster: Da ändert sich wenig: Hin und wieder heim – wenn möglich – zu Fuß (mit entsprechendem Schuhwerk!) oder mit dem Radl. Und am Tisch ein nettes Vis-à-vis, entweder mit dem Dirndl und/oder dem Hendl. Man könnte Sie den Platzhirsch nennen, wenn es um Outdoor-Ausrüstung in München geht. Jetzt haben Sie mit Globetrotter mächtige Konkurrenz aus dem Norden bekommen. Was halten Sie davon? Schuster: In diesem Fall ist der Begriff „Platzhirsch“ ein bisserl verfehlt: Wir haben nicht vor, das Feld zu räumen, aber im Gegensatz zu Platzhirsch-spezifischen

Revierkämpfen erwarten wir einen gesunden Wettbewerb, der „das Geschäft belebt“. Insgesamt ist es meine Überzeugung, dass ein Mitbewerber wie Globetrotter den Standort München durchaus aufwertet – davon können alle Münchner profitieren. Und wenn schon Hirsch, dann sind wir immer noch der „MarienplatzHirsch“ und dieses „Münchner Revier“ ist mir halt doch viel lieber. Herr Schuster, erinnern Sie sich noch wann Sie zum ersten Mal von Hanwag gehört haben? Schuster: Das wird wohl mal bei uns daheim am Esstisch gewesen sein. Mein Vater hat so gut wie nie Ärger vom Geschäft mit nach Hause gebracht. Wenn er also was erzählt hat, war es immer was Erfreuliches. Da wird Hanwag bzw. der

Sepp Wagner sicher mal dabei gewesen sein. Sie haben eine lange Geschäftsbeziehung mit Hanwag. Wie ist diese entstanden? Schuster: Ich kann nur mutmaßen, dass schon damals seitens meines Großvaters ein tiefer Respekt vor dem selbstbewusst-qualitätsvollen Handwerk ein Grund war für ein frühes – fast selbstverständliches – Zusammenfinden. Das war gut, unsere Beziehung hat sich schließlich bis heute bewährt. Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie zwischen Hanwag und Sport Schuster? Schuster: Wie gerade erwähnt, habe ich Respekt und Bewunderung für den, der mit Überzeugung das macht, was er gern macht. Und das auch noch gut macht! Und der nie vergisst, woher er

kommt und wo seine Wurzeln sind. Ich behaupte, dass das auf uns beide zutrifft. Sie kennen die Wünsche der Kunden. Welche hören Sie beim Wanderoder Bergschuhkauf? Schuster: Passform, Passform, Passform! Dieser Wunsch drängt alles andere – Farbe, Optik und sogar den Preis – in den Hintergrund. Ein passender Leisten, die richtige Membrane und das Ganze so leicht wie möglich, so machen wir reihenweise Kunden glücklich! Und wenn dann noch „Made in Germany“ draufsteht… Was wünschen Sie Hanwag zum 90. Geburtstag? Schuster: Erst einmal alles Gute bis zum 100-sten. Und dass wir „in ein paar Jahren“ Hanwags 140-sten bzw. unseren 150-sten feiern: Zusammen!

Der Grunzochse ist ein asiatisches Hochgebirgsrind und besser bekannt unter dem Namen Yak. Sein Leder ist nicht nur in Nepal und Tibet begehrt, sondern auch bei uns. Wir fertigen eine spezielle Produktlinie aus edlem Yakleder, das außergewöhnliche Eigenschaften besitzt: Es ist auch in stärkerer Qualität noch sehr geschmeidig und viel robuster als das europäische Rindsleder.

Auslauf garantiert:

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ämtliches Yakleder, das wir bei Hanwag verarbeiten, stammt aus der tibetischen ‚Lhasa Leather Factory’. Die Lederfabrik sitzt in der tibetischen Hauptstadt Lhasa und wurde in den 1990er Jahren mit deutscher Entwicklungshilfe von der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) modernisiert. Seit mehr als zehn Jahren ist die ‚Lhasa Leather Factory’ unter selbständiger Verwaltung erfolgreich im Geschäft. Die GTZ als halbstaatliche Entwicklungshilfeorganisation bürgt natürlich für Seriosität. Trotzdem war ich gespannt, wie es dort wirklich aussehen würde… Ob tatsächlich die Umweltauflagen nach strengsten westeuropäischen Standards eingehalten werden… Und ob die Arbeiter anständig behandelt werden…

Von Oberbayern nach Tibet Wenn man vor dem Gebäude mitten in Lhasa steht, wirkt die Lhasa Leather Factory eher unscheinbar und klein. Drinnen die Überraschung: die großzügigen Arbeitsplätze sind ebenso modern wie die Maschinen. Rund 110 Angestellte zählt die Fabrik. Sie stammen ausnahmslos aus Tibet. Etwa 80 Leute arbeiten in der Produktion, die restlichen im Labor oder in den Büros. Dass die Lhasa Leather Factory eine sozial engagierte Firma ist und nach internationalen Standards fertigt, wusste ich bereits. Was ich jedoch nicht wusste und mich sehr überraschte: jeder Angestellte bekommt einen lebenslangen Arbeitsvertrag. Eine Woche verbrachte ich in der Lhasa Leather Factory und nahm sie wirklich unter die Lupe. Ich lernte die Menschen kennen und verbrachte den einen oder anderen Abend in einem belebten Esszimmer gastfreundlicher Tibeter. Ich weiß jetzt, wie aufwändig der Herstellungsprozess ist: Sind die Häute bei der Fabrik in Lhasa angekommen, werden sie zunächst fast vier Monate unter der Erde gelagert, um dort auszuhärten. Dann werden die

Trotz maschineller Unterstüzung ist bei der Reinigung der Herstellung von Leder Handarbeit gefordert.

Die Hirten ziehen mit ihren Yakherden als Nomaden durch Tibet.

Passt wie angegossen: Ein Mitarbeiter der Lhasa Leather Factory mit seinem neuen Schuh.

etwa 1,5 Zentimeter dicken Häute drei Wochen lang gereinigt und aufwändig gegerbt. Anschließend spannen sie Mitarbeiter zum Trocknen auf die dafür vorgesehenen Holzvorrichtungen. Ein langer Weg bis zum fertigen Yakleder. Ich weiß aber auch – und das ist für uns als Unternehmen mit sozialer Verantwortung sehr wichtig – das wir unsere Yak-Schuhe mit gutem Gewissen verkaufen können. Natürlich bin ich weder Gerber, noch Arbeitsrechtler oder Umwelttechniker, aber soweit ich es mit gesundem Menschenverstand beurteilen kann, geht es in der Fabrik wirklich vorbildlich zu.

Nach einer fünfstündigen Fahrt treffen wir auf eine Herde und ihre Hirten. Sie haben ihre Zelte aufgebaut, große, braune Jurten – die mobilen Häuser der Nomaden. Die Szenerie wirkt fast romantisch. Aber auch hier Moderne: vor fast jedem Zelt steht ein kleines Motorrad und auf manch einer Jurte entdecke ich sogar eine Solaranlage. Zeit für Geschenke, ich habe ein Paar Yakschuhe von Hanwag mitgebracht – und Glück. Als Geschenk für unseren Gastgeber passen sie wie angegossen!

Raus in die freie Wildbahn Aber woher kommen die Häute, die später in Lhasa verarbeitet werden? Zehn erfahrene Mitarbeiter kaufen die besten Häute im Dezember auf drei Märkten ein – zwischen 4000 und 6000 Yakhäute verarbeitet die Fabrik pro Jahr. Mit Geschäftsführer Nyima Tashi mache ich einen Ausflug zu einer Yakherde. Eine Farm gibt es nicht. Die Hirten ziehen nomadisch mit ihren Tieren von Weidegebiet zu Weidegebiet. Je nach Jahreszeit auf höher oder tiefer gelegene Weidegebiete, wo genau entscheiden sie in der Regel spontan. Wir wissen also nicht, wo sie sich befinden.

Peter Wilson (51) ist Engländer und arbeitet als Grafiker in der Marketingabteilung bei Hanwag in Vierkirchen. Wir haben ihn nach Tibet geschickt, damit er nachschaut, woher das Leder für die Hanwag Yak-Schuhe tatsächlich kommt, wie es in der Gerberei aussieht und ob wir mit gutem Gewissen daraus Schuhe machen können. Hanwag-Schuhe aus Yakleder gibt es seit 2009. Die Serie ist so beliebt, dass die Nachfrage von Anfang an das Angebot übersteigt. Denn Yaks – und damit auch Yakleder – sind nur limitiert verfügbar.


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HANWAG BERGPOST 1 / 2011 | 7 FRAG FRIEDL

Was bedeutet eigentlich „gezwickte Machart“?

Foto: Peter Wilson

ALPIN

ROCK

TREK

Voll steigeisenfestes, robustes Schuhwerk für den alpinen Einsatz, wenn Gletscher-, Hoch- und Eistouren auf dem Programm stehen.

Technische und klettertaugliche Bergschuhe für alpine Felsrouten, kombiniertes Gelände oder den Zustieg zum Kletterfels.

Bequemes Schuhwerk, das einen festen und soliden Halt für mehrtägige Wanderungen mit viel Gepäck bietet, teilweise sogar bedingt steigeisenfest.

Foto: Joachim Stark

Foto: Joachim Stark

Der „Friedl“ weiß alles, wenn es sich um Schuhe dreht. Eigentlich heißt der gebürtige Österreicher Johann Friedl, aber so ruft ihn bei Hanwag niemand. Er arbeitet seit 2009 bei Hanwag als Schuhentwickler.

Julia Englhart | München

Wer unsere Website oder unseren Katalog aufmerksam durchschaut, liest immer wieder den Ausdruck „gezwickte Machart“. Was steckt dahinter? Wer zwickt hier wen? Das Zwicken ist eine Technik, um bei einem Schuh den Schaft mit der Brandsohle und der Sohleneinheit zu verbinden – und zwar sehr dauerhaft.

Foto: Till Gottbrath

DIE GEZWICKTE MACHART

F

Schuhschaft

Brandsohle

Sohleneinheit

TREK LIGHT

TRAIL

TRAVEL

Leichte und sehr komfortable Wanderschuhe mit einer flexiblen Sohlenkonstruktion für lange Wanderungen mit Tagesgepäck oder ausgedehnte Spaziergänge.

Leichtgewichtige Multifunktionsschuhe und echte Allroundtalente für sportliche Aktivitäten, Freizeit und alle Unternehmungen, die vielseitiges Schuhwerk erfordern.

Vielseitiges Schuhwerk, das mit seinem geringen Gewicht und einem hohen Tragekomfort zum perfekte Reisebegleiter wird und sich sehen lassen kann.

Foto: Franz Scholz

Foto: Franz Scholz

• Was willst Du machen? • Wie fit und erfahren bist du? • Wie viel Gepäck trägst du? •W  elches Wetter erwartet dich unterwegs? Kannst Du über Nacht die Schuhe komplett trocknen? Was willst Du machen? Einige Hersteller teilen ihr Programm in die Kategorien A, B, C und D. Schuhe der Kategorie A flexen butterweich und wiegen meist wenig. Mit ihnen ist man leicht und schnell unterwegs – auf Reisen, auf Wanderwegen, im Alltag. Schuhwerk der Kategorie B bietet einen ordentlichen Halt und einen soliden Sohlenaufbau für längere Wanderungen und leichte Trekkingtouren. Stiefel der Kategorie C sind bedingt steigeisenfest und eignen sich auch

für lange Touren in weglosem Gelände mit viel Gepäck. D steht für 100 Prozent steigeisenfeste Bergstiefel für anspruchsvolle Gletscher-, Hoch- oder Eistouren. Dieses Kategoriensystem ist einfach. Deshalb benutzen wir es auch. Aber: es sagt nicht alles! Denn die Zuordnung in die Kategorien A bis D erfolgt vor allem über die Steifigkeit des Schuhs. Aus diesem Grund unterteilen wir unsere Kollektion zusätzlich nach Einsatzbereichen in Alpin, Rock, Trek, Trek light, Trail und Travel, sowie Air (Gleitschirmfliegen) und Forest (Forst und Jagd). Nur unsere Kategorien Zwiegenäht und Yak fallen aus diesem Schema, denn diese definieren sich über die Machart (Zwiegenäht) bzw. das Material (Yak-Leder). Diese zusätzliche Unterteilung nach Einsatzbereichen macht Sinn, weil auch der Leisten, die Materialien und die Machart die Eignung mitbestimmen. Ein Rock-Stiefel hat zum Beispiel einen schmaleren Leisten und eine ganz andere Konstruktion als ein TrekStiefel – obwohl beide in die Kategorie C gehören. Unser Modell Approach ist zwar „nur“ ein Halbschuh, aber wegen seines festen Sohlenaufbaus trotzdem ein B-Schuh (mit Tendenz zur C). Auch die Polsterung unterscheidet sich erheblich. Unsere Rock-Stiefel tragen sich

straffer, damit man am Fels sauber antreten kann. Man kann sie mit dem Sportsitz in einem Rallyefahrzeug vergleichen. Der komfortabel gepolsterte Trek- oder Trek Light-Schuh ist dagegen eher mit einem weichen Sessel vergleichbar.

Wie fit und erfahren bist du? Auch körperliche Fitness und Erfahrung spielen eine große Rolle. Das Dilemma kennen viele Bergführer, wenn ihre Kunden fragen: ‚Warum muss ich die schweren Treter anziehen, wenn du mit Sportschuhen unterwegs bist?’ Die Antwort lautet: Weil der Bergführer muskulär so gut trainiert und trittsicher ist, dass er das eben kann.

Wie viel Gepäck trägst du? Es ist einfach ein erheblicher Unterschied, ob man drei Wochen mit einem 20 Kilo schweren Rucksack durch Nepal zieht oder mit 5 Kilo Tagesgepäck im Wilden Kaiser wandert. Und dies bezieht sich eben nicht nur auf die Sohlensteifigkeit, sondern auf die Konstruktion des gesamten Schuhs. Für lange Touren mit schwerem Gepäck empfiehlt sich ein festerer Stiefel, beispielsweise aus unserer Kategorie Trek. Steht eine gemütliche Tageswanderung mit kleinem Rucksack auf dem Programm, ge-

nügt auch ein leichter Schuh aus der Kategorie Trek Light.

Welches Wetter erwartet dich unterwegs? Und kannst du über Nacht die Schuhe komplett trocknen? Man könnte die Frage auch so formulieren: Schuhe mit oder ohne Gore-Tex® Membran? Gore-Tex® Schuhe sind nicht nur wasserdicht und atmungsaktiv, sie trocknen auch schneller. Bei Mehrtagestouren, hochalpinen Projekten (Gletscher), Regenwetter, Reisen in nassfeuchte Klimata, Wanderungen in sumpfigen Gebieten oder Wintertouren sind sie eindeutig erste Wahl. Vor allem dann, wenn nicht jede Nacht die Möglichkeit besteht, die Schuhe zu trocknen. Gore-Tex® Schuhe sollte man auch dann in Erwägung ziehen, wenn man nur ab und zu in solchen Verhältnissen unterwegs ist. Ein Lederfutter hat den Vorteil, dass es sich besser an den Fuß anpasst. Viele Alpinisten und Trekker schätzen die Bequemlichkeit und das angenehme Fußklima bei Volllederschuhen. Dauerhaft wasserdicht sind sie aber nicht. Es sollte unterwegs also möglichst trocken sein oder die Möglichkeit geben, die Schuhe über Nacht wieder vollständig zu trocknen. TG

Omega GTX®

ROCK:

Ferrata GTX®

TREK:

Alaska GTX®

TREK LIGHT:

Banks GTX®

TRAIL:

Performance XCR®

TRAVEL:

Sintra

Nur beim guten Fachhändler kaufen. Er hat Erfahrung, hilft bei der richtigen Selbsteinschätzung und kann daher perfekt beraten. Sicherheit geht vor: Im Zweifelsfall lieber den etwas stabileren Schuh wählen.

„Nenn’ mich einfach Herr Hüda!“

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igentlich heißt er Hüda Öztürk. Aber bei Hanwag nennt ihn fast jeder Herr Hüda. Seit bald 30 Jahren steht er Tag für Tag in unserer Schuhmanufaktur in Vierkirchen – heute als Werksleiter. Außerdem ist der Herr Hüda einer der wenigen Schuhmacher in Deutschland, die noch die traditionelle Kunst der Zwienaht beherrschen und das Wissen um diese Technik aufrechterhalten. „Rattattatta – rattattatta – rattattatta“ rumpelt die speziell zu diesem Zweck entwickelte Maschine aus der Kaiserzeit, und Herr Hüda zieht eine saubere doppelte Naht zwischen Brandsohle und Schaft. Aber als Werksleiter kümmert er sich nicht nur um die Zwiegenähten, sondern vor allem darum, dass in der Produktion „der Laden läuft“. „Herr Hüda, kimmst a moi?“ schallt es mehrmals am Tag durch die Halle oder (je nach Lärmpegel) den Telefonhörer. Gibt es Fragen im Lager, in der Näherei, Stepperei, Stanzerei oder an einer der Maschinen, der Herr Hüda ist garantiert zur Stelle. 1984 bewarb sich Hüda Öztürk bei Hanwag. Doch es gab keine freie Stelle. Kurze Zeit später allerdings klingelte sein Telefon und Josef

Wagner bot dem damals 21-jährigen Hüda einen Job in der Schuhproduktion an. Er nahm das Angebot an und weiß noch heute, wie froh er über die geregelte Arbeit war. Schon damals wohnte er mit seiner Frau, die zu dieser Zeit bereits bei Hanwag arbeitete, im nicht weit entfernten Pfaffenhofen. Der Gemeinde blieb er bis heute treu – wie auch unserem Unternehmen. Seit 27 Jahre arbeitet er mittlerweile in Vierkirchen. Er erlernte dort die Kunst des Schuhmacherhandwerks und ist heute Werksleiter. Hüda ist Deutscher – ursprünglich stammt er aus der Türkei, wo er 1963 als eines von vier Kindern

Laufsohle). Diese wird an den Schuh geklebt und festgepresst. Bei Bedarf kann man das mehrfach machen: gezwickte Schuhe können problemlos wiederbesohlt werden! Sie sind außerdem formstabil und sehr langlebig, da das Leder unter die Brandsohle reicht. Gezwickt statt zugenäht! Eine preisgünstige, aber weit weniger solide Machart ist das Strobeln. Hier wird mit der nach ihrem Erfinder benannten Strobelnaht die Brandsohle an den Schaft genäht und anschließend die Sohleneinheit angespritzt. Im Englischen liest man für diese Herstellungsart oft „moulded sole“. Lauf- und Sportschuhe fertigt man so, weil sie hervorragend flexen müssen. Für einen Wander-, Trekking- oder Bergschuh taugt das Strobeln nichts – jedenfalls nicht, wenn man wirklich solides Schuhwerk herstellen möchte. Bei Hanwag gibt es deshalb keine gestrobelten Schuhe, egal ob Halbschuh oder Stiefel! Zwiegenäht oder klebegezwickt – etwas anderes kommt hier nicht in den Karton! Der Anspruch früherer Tage lebt bei uns in Vierkirchen weiter: das Schuhwerk soll passen und möglichst viel aushalten. Vor allem, wenn es ins Gebirge geht, denn dort tragen gute Schuhe auch wesentlich zur Sicherheit bei.

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MENSCHEN BEI HANWAG: HÜDA ÖZTÜRK

Tipps zur Schuhauswahl

ALPIN:

Vorteile:  lange Haltbarkeit, formhaltig, Schuhwerk ist wiederbesohlbar Nachteile: teurer als gestrobelte Machart, weil aufwändiger

Foto: Franz Scholz

Welcher Schuh für welchen Zweck? Die richtige Selbsteinschätzung Die wohl häufigste Frage, die wir von Endverbrauchern hören, heißt: „Welches ist denn nun der richtige Schuh für mich?“ Eine Frage, die sich kaum kurz beantworten lässt, denn viele Faktoren haben darauf Einfluss.

Gezwickte Machart

rüher war das mit den Schuhen ein bisschen anders, denn die Leute besaßen meist nur ein oder zwei Paar. Diese mussten deshalb passen und viel aushalten. Da war echtes Schuhmacherhandwerk gefragt. Die haltbarste, aber auch aufwändigste Machart ist das Zwienähen, erkennbar an der Naht, die außen die Sohle umläuft. Das Zwienähen ist weitestgehend Handarbeit und teuer. Die (klebe)gezwickte Machart ist jünger, erfordert auch viel Handarbeit – aber mit Hilfe kräftiger Maschinen – und kostet in der Produktion etwas weniger. Bevor ein Schuh „gezwickt“ werden kann, benötigen wir die Einzelteile. Wir brauchen den genähten Schaft, die Brandsohle und die Sohleneinheit. Der (von Hand genähte) Schaft wird über den Leisten – eine Art Fuß aus Plastik, der dem Schuh später seine (Pass)Form verleiht – gestülpt. Von unten befestigen wir dann die Brandsohle (das „Herz“ des Schuhs, das man später von außen nicht sieht) an den Leisten und zwicken sie mit dem Schaft zusammen. Der zuvor erwärmte Schaft wird dabei von der Maschine ein gutes Stück unter die Brandsohle gezogen und dort mit hohem Druck festgeklebt. Jetzt verpassen wir dem Schuh die richtige Sohleneinheit (bestehend aus Zwischen- und

geboren wurde. Mit nur 17 Jahren, das Abitur in der Tasche, kam er nach Bayern. Eigentlich wollte er studieren. Dass es nicht klappte, bereitete ihm damals einige Bauchschmerzen. 1987 bis 1991 konnte er jedoch ein Fernstudium in Volkswirtschaftslehre absolvieren – parallel zur täglichen Arbeit und zur Familie. Denn Herr Hüda und Frau Öztürk haben zwei Kinder. Während er erzählt klingelt mal wieder sein Telefon: „Ja bitte?“ und „Moment, ich komme sofort.“ Ein schnelles „Servus“ und weg ist er. Irgendwo in der Produktionshalle, wo gerade ein neuer Schuh entsteht. JE

Hanwag zählt zu den TopAnbietern von Berg-, Trekking- und Wanderschuhen. Wir beherrschen das Schuhmacherhandwerk und stellen seit 90 Jahren Schuhe her, die bekannt sind für höchste Qualität, Passform und bestechende Funktionalität. An unserem Firmensitz Vierkirchen (im Dachauer Land, bei München) fertigen wir noch heute von Hand traditionell zwiegenähtes Schuhwerk sowie Bergund Trekkingstiefel in der bewährten gezwickten Machart. Unser Handwerk und Wissen um die Schuhmacherei möchten wir weitergeben und suchen deshalb zur Verstärkung unserer Teams

zum 1. September 2011 einen / eine: Auszubildende/n zur / zum Schuhmacher / in Wir bieten: •E  ine vielseitige Ausbildung, in der wir echtes Handwerk vermitteln •M  itarbeit in einem motivierten Team und erfolgreichem Unternehmen • N  ähe zu den Bergen und zum Bergsport

Ihr Profil: • Qualifizierter Hauptschulabschluss oder Mittlere Reife • Handwerklich interessiert •T  eam-orientiert • Interesse an Wandern, Trekking, Bergsteigen Wenn Sie sich angesprochen fühlen, senden Sie uns bitte Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen an: Hanwag GmbH, z. Hd. Hartmut Trabert, Wiesenfeldstraße 7, 85256 Vierkirchen. E-Mail: hartmut.trabert@hanwag.de

IMPRESSUM

Fast Immer unterwegs: Herr Hüda in unserer Produktionshalle in Vierkirchen.

Foto: Peter Wilson

Impressum Hanwag Bergpost ist die Kundenzeitung der Hanwag GmbH und erscheint zweimal im Jahr kostenlos.

Redaktion & Konzept Kern Gottbrath Kommunikation GbR, Ungererstr. 161, 80805 München, www.K-G-K.com

Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt Hanwag GmbH, Wiesenfeldstr. 7, 85256 Vierkirchen, +49 – (0)8139 – 9356 0, v.i.S.d.P.: Jürgen Siegwarth, www.hanwag.de, bergpost@hanwag.de

Redaktionelle Mitarbeit an dieser Ausgabe Julia Englhart, Till Gottbrath, Peter Wilson, Benedikt Braun, Jürgen Siegwarth, Stefan von Roth

Druckauflage: 20.000 Stück Druckerei: Offizin Scheufele, Tränkestraße 17, 70597 Stuttgart, www.scheufele.de

Grafik & Produktion B612 GmbH, Franz Scholz, Tübinger Str. 77-1, 70178 Stuttgart, www.b612-design.de


8 | HANWAG BERGPOST 1 / 2011 24 STUNDEN VON BAYERN

NEWS

Gewinne die letzten Startplätze für die Kultwanderung „Hanwag 24 Stunden von Bayern“ – wir verlosen 2x2 Startpakete

Trekking ohne FuSSabdruck

6 Minuten für 24 Stunden „Was mache ich hier eigentlich?“ denkt sich vermutlich der ein oder andere Teilnehmer der Rundum-die-Uhr-Wanderung „24 Stunden von Bayern“, die wir jedes Jahr zusammen mit Bayern Tourismus veranstalten. Morgens um 8 Uhr geht es los und der lange Marsch endet erst 24 Stunden später. Für die Teilnehmer ein einmaliges Erlebnis (das viele auch gerne wiederholen): 24 Stunden am Stück auf den Beinen, die Natur genießen, nette Gespräche führen, mit dem inneren Schweinehund kämpfen…Diese Momente und das gemeinsame Erlebnis machen die Wanderung aus und lassen müde Beine schnell in Vergessenheit geraten.

2011 geht es in den Naturpark Frankenwald. Der Startschuss fällt in Bad Steben am 18. Juni.

Gemeint ist der ökologische Fußabdruck: Hanwag versucht, diesen in der Natur zu reduzieren und stattet rund 20 Modelle mit dem zertifiziert CO2-neutral hergestellten Leder Terracare Zero® als Obermaterial aus. So beispielsweise den Trekking-Stiefel TATRA oder den neuen leichten Wanderstiefel OMAHA – für stabilen Tritt beim echten Fußabdruck!

444 Startplätze gab es und sie wurden am 4.4. um 4 Uhr 44 morgens verlost. Um 4 Uhr 50 – nach nur sechs Minuten – waren alle Tickets vergeben. Auf unserer Homepage verlosen wir bis 10. Juni 2011 2 x 2 Startpakete! www.hanwag.de/Verlosung In der kommenden Ausgabe werden wir ausführlich vom diesjährigen Wanderevent berichten. Wenn Ihr mehr darüber erfahren wollt, schaut mal hier: www.24h-von-bayern.de JE

Ausgezeichnet: Ferrata Combi GTX erhält Allround-Tipp von ALPIN Ausgezeichnet beim großen Bergschuhtest der Zeitschrift ALPIN: Das neunköpfige Testteam zeichnete den Ferrata Combi GTX von Hanwag mit dem Allround-Tipp aus. Für die Ausgabe 4/2011 waren die erfahrenen Tester mit zwölf Modellen der Kategorie C – feste, bedingt steigeisenfeste Bergschuhe – unterwegs. Das Fazit der Testtruppe zum Ferrata Combi GTX spricht für sich: „Es gab keinen Tester, der mit dem Schuh nicht zurechtgekommen wäre“, resümiert die ALPIN-Redaktion. „Er ist ein rundum gelungener Schuh und ein guter Kompromiss zwischen Wander- und Alpinschuh.“ Und der kommt nicht nur beim ALPIN-Team gut an: es gab bereits vier Auszeichnungen von den Magazinen Outdoor und Klettern.

Der persönliche Everest: Es geht nicht darum, schnell zu wandern, sondern 24 Stunden zu schaffen! Foto: Joachim Stark

HANWAG PROTEAM Peter Sürth: Alpenexpedition und die Suche nach den Wölfen

Peter Sürth, Wildtiermanager

Starke Typen mit Bewegungsdrang Jede richtige Outdoor-Marke hat Athleten unter Vertrag, die Dinge tun, von denen normale Menschen nur träumen können. Wir nicht. Wir engagieren keine Promis, die für Geld ihr Gesicht oder – in unserem Fall – ihre Füße zur Verfügung stellen. Stattdessen arbeiten wir mit fast 20 Outdoor-begeisterten Leuten zusammen, die vor allem eines sind: viel draußen. Sie sollen unser Schuhwerk an seine Grenzen bringen und Spaß daran haben, mit Anregungen zur Optimierung der Schuhe beizutragen. Sie sagen uns, was wir gut machen, was noch besser geht, aber auch, wo sie der Schuh drückt. Wir werden Euch die Teammitglieder in Zukunft ausführlicher in der Hanwag Bergpost vorstellen. Wer schon mal vorab schnuppern will, schaut auf unserer Website vorbei: www.hanwag.de/proteam

Peter Sürth ist weder Bergführer noch Extrembergsteiger, aber er verbringt wirklich viel Zeit auf den Beinen. Peter ist als Biologe und Wildtiermanager unterwegs, um die Migrationswege von Wölfen, Bären und Luchsen zwischen Alpen und Karpaten zu erforschen. Wie? Fast immer zu Fuß, gut ausgerüstet mit Schuhen von Hanwag. Der erste Teil seiner Alpenexpedition führte Peter im vergangenen September nach Österreich

und zeigte, dass die österreichischen Alpen zum großen Teil gute Lebensräume für Wölfe, Luchse und Bären bieten. Gleichzeitig musste Peter feststellen, wie schlecht die Menschen auf diese Wildtiere vorbereitet sind. Der zweite Teil seiner Alpenexpedition steht im Sommer 2011 auf dem Programm, dann wird er sich in der Schweiz, in Frankreich und Italien auf die Suche machen und beurteilen, wie dort der Lebensraum für die Tiere beschaffen ist. Weitere Informationen gibt es unter www.derwegderwoelfe.de JE

Up to date: Hanwag auf Facebook Aktuelle Informationen, Neuigkeiten auf einen Blick und Fotos bietet der bayerische Traditionsschuster nicht nur auf Papier, sondern auch online. Unter www.facebook.com / Hanwag können sich Interessierte informieren, aktiv mitreden, ihre Meinung kundtun, Vorschläge machen und Fragen an Hanwag stellen – die wird der Bergschuster mit Sicherheit beantworten.

Was in 90 Jahren SO alles passiert ist... • 1 Mal ist Hanwag umgezogen • Reiht man alle verkauften Schuhe hintereinander, reicht die Schlange von Vierkirchen bis Ouagadougou* • Rund 23.292 Kilometer Schnürsenkel stecken in unseren verkauften Schuhen • Alle Schuhkartons verkaufter Schuhe übereinander gestapelt sind etwa 88 Mal so hoch wie der Mount Everest

ProTeam-Mitglied Peter Sürth ist viel unterwegs - fast immer zu Fuß. Foto: Joachim Stark

• 5700 Kuhhäute werden pro Jahr zu Hanwag-Schuhen verarbeitet *(Hauptstadt von Burkina Faso / Westafrika)


HANWAG Bergpost