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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR 1911 bis 1982 zum 100. Geburtstag

ISBN 978-3-200-02294-2


Ketônet

Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Josef Stoitzner-Millinger links unten signiert

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Öl auf Leinwand Format: 120 x 110 cm 1958 – 1961

Die Priesterin darf aus dem Tempel nicht gehen. Du bewahrst die heilige Flamme, du bewahrst im Stillen das Schöne, dass ich es wiederfinde bei dir. Friedrich Hölderlin, Hyperion


Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR 4

Vor M Wort

it der Sonderausstellung „Josef Stoitzner-Millinger zum 100. Geburtstag“ befasst sich das Museum Bramberg zum vierten Mal mit dem Namen Stoitzner.

War es bei der Ausstellung 1981 und 2008 Josef Stoitzner, der Vater von Josef StoitznerMillinger, so stand die „Stoitznerausstellung“ 1994 unter dem Titel „Die Malerfamilie Stoitzner und Bramberg“, bei der auch Werke von Josef Stoitzner-Millinger gezeigt wurden. Die vierte Ausstellung 2011 ist nun zur Gänze Josef Stoitzner-Millinger gewidmet, da er in diesem Jahr 2011, am 12. Februar, 100 Jahre alt geworden wäre – ein Anlass, der verpflichtet, die Person und das Werk des Künstlers in Erinnerung zu rufen. Bramberg ist für Josef Stoitzner (1884 – 1951) durch die Eheschließung mit der Bramberger Arzttochter Anna Millinger zur zweiten Heimat geworden, besonders in seinen letzten Lebensjahren. Auch seine Kinder und somit auch Josef Stoitzner-Millinger hielten sich häufig in Bramberg auf und Enkel und Urenkel leben heute noch hier im sogenannten „Millingerhaus“. Prof. Hans Hönigschmid, langjähriger Volks- und Hauptschuldirektor in Bramberg, der vor 50 Jahren mit dem Aufbau des Museums Bramberg begann, hatte freundschaftliche Beziehungen zur Familie Stoitzner, sodass er auch für die ersten beiden Stoitznerausstellungen verantwortlich zeichnete. Die Ausstellungen 2008 und 2011 sind eine Fortsetzung dieser Initiative, in deren Rahmen auch eine „Stoitznerstube“ im Museum Bramberg eingerichtet wurde. Den Rahmen der Möglichkeiten voll ausschöpfend haben sich alle Verantwortlichen seitens des Museums und besonders seitens der Leihgeber der ausgestellten Werke engagiert, der Ausstellung jene Qualität zu verleihen, die dem Künstler Josef StoitznerMillinger gebührt. Besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Tochter des Künstlers Susanne Diefenbach und dem Neffen des Künstlers Prof. Dr. Jakob Wirz, sowie auch dem Kunsthistoriker und Kurator am Salzburg Museum, Dr. Nikolaus Schaffer und Dr. Herbert Giese, Kunsthandel Giese & Schweiger Wien. Bramberg, im Juni 2011 Waltraud Voithofer, Kustodin am Museum Bramberg

Mensch und Kultur


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Man könnte sagen, dass die Kunst eine zweifache Aufgabe hat; sie ist das Spiegelbild des Künstlers und ein Kommunikationsmittel, das andere Menschen befähigt, mehr über sich selbst zu erfahren. Yehudi Menuhin


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Zu gut für eine Nebenrolle Eine Würdigung des Schaffens von Josef Stoitzner-Millinger. Dr. Nikolaus Schaffer, Kunsthistoriker und Kurator am Salzburg Museum 7

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ass Künstler ihrerseits Künstler zu Vätern und Groß-

Der Stammvater Karl Stoitzner, ein zeichnerisch wie musi-

vätern haben, kommt nicht selten vor. In früheren

kalisch begabter Wanderlehrer, hatte es zuwege gebracht,

Jahrhunderten, solange die Verbreitung des Künstlerbe-

dass alle seine sechs Söhne Kunstmaler wurden. Aus

rufs durch Zunft und Familienbande beschränkt wurde,

diesen sechs Zweigen gingen in den nächsten beiden

war es der Normalfall. Aber auch heute, wo ausschließlich

Generationen wieder etliche Söhne und auch Töchter

Wunsch und Begabung den Ausschlag geben sollten, ver-

hervor, die berufsmäßig malten. Insgesamt kommt man

mehrt sich das „Künstler-Gen“ nicht wahllos, sondern folgt

auf 17 solcher Familienmitglieder.

einer gewissen erblichen Disposition; natürlich kann es aber auch ganz unvermutet „zuschlagen“. Künstler, die aus Künstlerfamilien stammen, haben es am Anfang im allgemeinen leichter, weil ihnen bei der

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on der Mehrheit dieser Stoitzner, die in Niederösterreich und Wien lebten, kann nichts Schmeichelhaf-

teres behauptet werden, als dass sie sich ihren Lebensun-

Durchsetzung ihres Berufswunsches die Wege geebnet

terhalt mit Bildermalen verdienten. Sie versorgten eine

sind, dafür rächt sich dieses mühelos errungene Selbst-

anspruchslose Klientel mit schlichten Dekorationsbildern

verständnis möglicherweise in der späteren Entwicklung,

und -bildchen. Insofern ist die Konjunktur der Familie

wenn eigenständige Profilierung und innovative Ansätze

Stoitzner auch ein soziologisches Phänomen, als damals

eingebracht werden müssen. Dann ist das selbstverständ-

offensichtlich immer mehr einfache Leute ein richtiges

liche Hineingewachsensein ins Metier vielleicht sogar ein

Ölbild besitzen wollten. Es handelte sich dabei zumeist um

Nachteil. In diesen Zusammenhang gehört das Schicksal

bescheidene Imitationen von Blumenstücken und Prunk-

von Söhnen berühmter Väter – für den umgekehrten Fall,

stillleben, wie sie im gründerzeitlichen Salon hingen. Sie

dass Söhne ihre Väter verdrängen und übertrumpfen, gibt

wurden offensichtlich im Handwerksbetrieb als Dutzend-

es allerdings ebenso viele Beispiele.

ware hergestellt und sind auch heute noch sehr zahlreich

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zu finden. Es gab jedoch unter all diesen Stoitzner auch osef Stoitzner-Millinger hatte einen als Maler bekann-

einige, die über dieses bescheidene Niveau hinauswuch-

ten Vater und Großvater und wollte aus eigenem, schon

sen oder gar zu akademischen Ehren gelangen. In der

frühzeitig gefasstem Entschluss ebenfalls Maler werden.

ersten Generation war es vor allem Konstantin Stoitzner

In einer Zeit, in der Traditionspflege im künstlerischen

(1863 – 1934), der Großvater von Josef Stoitzner-Millinger.

Bereich immer geringer geschätzt wurde, stellte dieser Um-

Das Familienklischee der Blumen- und Stilllebenmalerei

stand eine Hypothek dar, zumal der Familiengeist ein sehr

vertritt er auf besonders opulente Weise, am freiesten ist er

ausgeprägter war und der jüngste Spross nicht vorhatte,

in seinem eigentlichen Fach, der Landschaft, mit der er in

sich die einzuschlagende Bahn vorschreiben zu lassen.

die Nähe des sogenannten Stimmungsrealismus kam.


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er Klang des Namens Stoitzner leidet bis heute

nellen abzuweichen. Für Stoitzner-Millinger war es keine

darunter, dass man ihn an den minderwertigsten

leichte Aufgabe, aus dem Schatten von Großvater und

Hervorbringungen misst, die dieses Markenzeichen

Vater als eigenständige Persönlichkeit herauszutreten.

(meist ohne den zugehörigen Vornamen) aufweisen. Man versteht, dass dieses „Imageproblem“ einer angemes-

Das erste Signal in eine andere als die vorgegebene Rich-

senen Würdigung der qualitativ hochstehenden Leistun-

tung kann man schon darin sehen, dass der junge Stoitz-

gen innerhalb dieses Familienclans hinderlich ist.

ner klug genug war, sich an der Akademie in erster Linie

Im Gegensatz zu Zeiten, in denen Kontinuität über Origi-

mit figürlicher Malerei zu beschäftigen. Die Landschaft war

nalität gestellt wurde, ist im heutigen Kunstbetrieb nichts

ihm von Kindesbeinen an quasi von selbst zugefallen, das

weniger erwünscht als Namensgleichheit. Die Marke ist

ließ sich gar nicht vermeiden. Sie war die ausschließliche

zwar höchstes Gut, aber nur wenn sie im Singular auftritt.

Domäne des Vaters, dessen Selbstverständnis nie einer

Da für das Kunstverständnis das Erkennen einer Signatur

Belastungsprobe ausgesetzt war, nicht zuletzt deswegen,

nicht selten das entscheidende Kriterium ist, ergibt sich

weil er immer mehr Abnehmer fand, als er zufriedenstel-

natürlich eine beträchtliche Verunsicherung bei so vielen

len konnte. Er wäre darin schwer zu übertreffen gewesen,

Künstlern mit Namen Stoitzner, die ein derart starkes

durch den Metierwechsel konnte die allzu große Berüh-

Gefälle aufweisen. Trotz der enormen Qualitätsunterschie-

rungsgefahr hintangehalten werden.

de gibt es aber auch etwas allen Gemeinsames, die volkstümliche und handwerksmäßige Note, die sich schon aus den Motiven ergibt und eine gewisse Distanz zum hochgestochenen und elitären Kunstbetrieb signalisiert.

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eben den familienspezifischen Umständen hatte der jüngere Josef Stoitzner in seinem Werdegang mit

einer weiteren Erschwernis fertig zu werden, die viele seiner Altersgenossen betraf. Er gehörte zur Generation jener,

Das gilt selbst für Josef Stoitzner (1884 – 1951), mit dem

die einrücken und viele Jahre im Kriegsdienst zubringen

die Familie einen der vorzüglichsten österreichischen Ma-

mussten – verlorene und mit Erfahrungen verbundene

ler der Zeit und einen Künstler von außergewöhnlichem

Jahre, um die sie nicht zu beneiden waren. Das bedeute-

Format stellte. Zu dieser Einschätzung wird man jedenfalls

te auch, in einem fortgeschrittenen Alter und unter sehr

kommen, wenn man die für Kunstexperten typischen

schwierigen Bedingungen von vorne anfangen zu müssen.

Skrupel gegenüber einem gewissen bürgerlich-soliden Anstrich überwindet und für einen Moment die Doktrin, dass

Unter den neuen Verhältnissen war auch die Ausbildung

Qualität von Avantgardismus nicht zu trennen ist, vergisst.

zu einem gewissen Grad entwertet; es musste noch viel

Dann ist es faszinierend zu sehen, wie dieser Künstler aus

Überlebtes abgearbeitet werden. Die junge österreichische

den Vorgaben des Vaters und der redlich-handwerklichen

Künstler-Garde der Nachkriegszeit konnte sich ihre Mo-

Familientradition, einen Quantensprung schafft, ohne

dernität leichter und unbeschwerter erwerben, sie war

doch auch wieder sehr weit vom Gängigen, Konventio-

mit Sicherheit eine Nasenlänge voraus.


Für Stoitzner-Millinger war es keine leichte Aufgabe, aus dem Schatten von Großvater und Vater herauszutreten.

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toitzner-Millinger hatte nach dem Studium wie der

seinem facettenreich geschliffenen Stil besonders faszi-

Vater den Lehrberuf angestrebt, blieb aber jahrelang

niert zu haben scheint.

arbeitslos. In diese Zeit fällt sein Debut in der Secession

Zur Unterscheidung von seinem namhaften Vater hat sich

(1937), wo Stoitzner senior eine große Rolle spielte. Erst

der jüngere Josef Stoitzner bereits während seiner Stu-

nach dem „Anschluss“ fand er im „Reich“ eine Anstellung;

dentenzeit zusätzlich den Mädchenname seiner Mutter

nur für kurze Zeit, denn bald wurde er eingezogen. Er hatte

angeeignet und diese Namensversion über die Jahrzehn-

insofern ein großes Glück, als man ihn aufgrund seiner

te beibehalten. Diese biografische Spur führt uns in den

Qualifikation als Kartograf einsetzte, zunächst in

Salzburger Oberpinzgau. Großvater Konstantin hatte diese

Frankreich, dann in Russland, wobei der einigermaßen

äußerst abgelegene und naturbelassene, eben erst mit der

beruhigende Abstand zur Front das wichtigste war.

Eisenbahn erschlossene Gegend bald nach der Jahrhundertwende als eine seinen malerischen Ansprüchen sehr

Es war dem Künstler, der immer ein ebenso aufnahme-

entgegenkommende Landschaft für sich entdeckt. Der Ort

bereiter wie gesprächiger Mensch gewesen ist, sogar

Bramberg wurde zum Außenposten der Wiener Künst-

möglich, mit der einheimischen Bevölkerung in durchaus

lerfamilie, zumal die berufsbedingte Bevorzugung eine

freundschaftlich gefärbte Kontakte zu treten (teilweise

lebenslange Verbindung nach sich zog: die von Josef Sto-

wurden sie lange nach dem Krieg sogar erneuert) und

itzner und Anna Millinger, der Tochter des hiesigen Arztes.

künstlerisch in erstaunlichem Umfang tätig zu werden.

Stoitzner der Ältere stellte seine künstlerische Produk-

Das wertvollste Ergebnis waren die zahlreichen Bildnisse

tivität nunmehr fast gänzlich auf die Pinzgauer Berg-

von Russinnen, zumeist Soldatenbräuten mit oft genug

welt ab, verbrachte mit der Familie alljährlich mehrere

tragischem persönlichen Hintergrund. Die herbe, unexal-

Wochen in Bramberg, und auch die Kinder Josef und

tierte Auffassung liegt durchaus in der Familie. Stoitzner-

Anna genossen hier Heimatrecht.

Millinger hatte Karl Sterrer, einen Künstler von harter zeichnerischer Präzision und nüchterner Monumentalität, zum Akademielehrer gehabt, zeigt sich aber in diesen weicher gestimmten Frauenbildern mehr einer anderen

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n der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde das nicht gerade großzügig bemessene Bramberger Haus zum Sam-

melquartier der Familie. Neben den ansässigen Verwand-

Wiener Lehrerpersönlichkeit verpflichtet, nämlich Josef

ten und dem während des Krieges aus Wien geflüchteten

Dobrowsky. Überliefert ist – durch den Freund Ernst Höf-

Elternpaar Stoitzner wurde auch der Kriegsheimkehrer

finger – die persönliche Bekanntschaft mit dem allerdings

samt Frau und Kind beherbergt. Bei dieser Raumknapp-

sehr exzentrischen Maler Max Oppenheimer, der ihn mit

heit scheint künstlerisches Schaffen unvorstellbar – aber

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wie viele Stoitzner-Bilder entstanden gerade damals!

passionierten Wiener der einzige Wermutstropfen – in

Schon um sich den notwendigen Lebensunterhalt im

Innsbruck befand. Als Künstler fand er Anschluss an die

Tauschhandel zu sichern, musste viel gemalt werden. Zwei

Künstlervereinigung „Der Kreis“, die neben einigen weni-

skurrile figurenreiche Riesengemälde als Gemeinschaftsar-

gen Prominenteren eher nonkonformistischen, eigenbröt-

beit von Vater und Sohn entstanden damals, sowie etliche

lerischen Künstlernaturen ein Dach über dem Kopf bot,

Auftragsbilder für Gasthäuser der Umgebung. Der Junior

denen der Ehrgeiz, sich unbedingt exponieren zu wollen

beherrschte den Malstil seines Vaters bis zur Perfektion

ebenso fehlt, wie der avantgardistische Hochmut und eine

und machte zu dieser Zeit häufig Gebrauch davon.

allen gemeinsame Ausrichtung.

Josef Stoitzner gab in seiner Kunst ein seltenes Beispiel von statischem Gleichmaß, an dem der Sohn, wie es ja häufig zu geschehen pflegt, gelegentlich einen gewissen

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ie abstrakte Kunst lag in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg in der Luft, es war ihre große histo-

Anstoß nahm. Seine eigene Landschaftsmalerei ist nur

rischen Stunde. Ursprünglich eher eine esoterische Ange-

in der Grundstruktur verwandt mit der eher spröden

legenheit, trat sie nun mit dem charismatischen Anspruch

väterlichen, sie ist stilistisch näher am österreich-

einer Weltsprache der Kunst auf. Mit ihr verband sich die

ischen Spätexpressionismus.

Aussicht auf einen erschließbaren Kontinent von unge-

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heurer Ausdehnung. Der konkrete Bezug zum Gegenstand toitzner-Millinger drängte es schon damals, in

war vielen Künstlern durch die die Propaganda- und Re-

Bramberg, nach einer Neupositionierung seiner

klamemalerei diffamiert bzw. verleidet. Hier befand sich

Kunst und einem nachdrücklichen Ausscheren aus

die Kunst sozusagen auf einem wertfreien, nur ihr selbst

der von avantgardistischem Forscherdrang völlig

vorbehaltenen Boden, musste auch nicht mehr in die

unberührten Familientradition. Die notdürftigen Ver-

Allegorie ausweichen, wenn sie etwas Allgemeinverbind-

hältnisse der Nachkriegszeit verzögerten den Zeitpunkt

liches aussagen wollte. Man könnte meinen, es gehörte

seiner Emanzipation. Mit der Rückkehr nach Wien

damals nicht viel dazu, ein abstrakter Künstler zu werden.

änderte sich das und gegen 1950 ist die Weichenstellung

Selbst aus den Reihen der sogenannten „verschollenen Ge-

zur abstrakten Malerei endgültig vollzogen.

neration“ liefen sie in großer Zahl ins abstrakte Lager über.

Josef Stoitzner-Millinger wird als aufgeschlossen,

Damit unterschätzt man aber die eingefleischten Wider-

vielseitig interessiert, wissensdurstig und sehr belesen

stände, und gerade in Wien und Österreich stand man der

geschildert, darüber hinaus als ein gemütlicher und gut-

Abstraktion immer eher ablehnend gegenüber. Immerhin

mütiger Mensch. Er unterrichtete jetzt an einem promi-

sah sich selbst Altmeister Boeckl zu einem Abstecher ins

nenten Wiener Gymnasium und war daher als Künstler

abstrakte Lager veranlasst, während aus Stoitzners Gene-

unabhängig. Wie sein Vater war er ein Lehrer mit Leib

ration beispielsweise Carl Unger, Lucas Suppin und – am

und Seele, und wie sein Vater nahm er später einen

weitaus erfolgreichsten – Max Weiler eine vergleichbare

akademischen Lehrstuhl an, der sich – das war für den

Richtung einschlugen.


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Zuckerdose und Mokkatasse Josef Stoitzner-Millinger links oben signiert テ僕 auf Holz Format: 35 x 24 cm 1949


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Stoitzner-Millinger war ein planender und konstruktiv denkender Künstler. Stoitzner-Millinger war keiner von den modebedingten Überläufern. Er stürzte sich nicht tolldreist in ein Aben-

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osef Stoitzner-Millinger war ein planender, konstruktiv denkender Künstler, bei dem die Wörter Improvisati-

teuer, sondern vollzog diesen Schritt mit äußerster Ge-

on oder Spontaneität fehl am Platz erscheinen. Abstrakte

wissenhaftigkeit und stets um Rückversicherung besorgt,

Richtungen wie Lyrisches Informel, die sich eines großen

und er war besonders motiviert in dem Verlangen, einen

Anhangs erfreuten, oder gestisch-dynamisch-expressive

zeitgemäßen Status in seiner Kunst zu erobern. Gegen

Tendenzen kamen für ihn nicht in Frage. Abgesehen von

1954 wagte er sich schon an großformatige und anspruchs-

dieser Einschränkung ist seine Formenwelt ziemlich hete-

volle Hauptwerke, nachdem es Annäherungen an die

rogen und an der Klassik der Moderne orientiert. Vielleicht

Abstraktion schon seit 1947 gab. Zerknittertes Zellophan

ist es Georges Braque, der Stoitzner-Millinger von allen Vor-

oder eine zerbeulte Tasse dienten ihm als erste Studienob-

bildern am nächsten stand. Fasziniert hat ihn selbstredend

jekte für eine neue Art der Beobachtung und Wiedergabe.

auch immer wieder Picasso. Einiges verband ihn mit den

Das Ungenügen an dem herkömmlichen Umgang mit der

jüngeren Vertretern der École de Paris wie Bazaine, Manes-

Wahrnehmung und das Unbefriedigende, Unzulängliche

sier, Èsteve oder Vieira da Silva.

der hergebrachten künstlerischen Begradigungsverfahren am visuellen Akt waren für ihn sicherlich ein wichtiger

Stoitzner-Millinger ist unermüdlich im Herstellen von

Anstoß. Die Lust am Spielerischen und

facettenreichen Formkonstellationen, von perspektivisch

Komplizierten äußerte sich darin, wie Stoitzner-Millinger

vielschichtigen Raumgebilden. Sie können sich von realen

– darin seinem Vater sehr ähnlich – Perspektiven und Spie-

Eindrücken herleiten, von einem damaligen Großereignis

geleffekte ins Labyrinthische, Kaleidoskopische überzog.

wie der Mondfahrt inspiriert sein, oder seltsame Stim-

Wie beim Vater lag ein Schwerpunkt seiner Begabung im

mungen wiedergeben, wie er sie etwa bei einer Operation

Bereich der angewandten Geometrie. Der analytische und

erlebte. In der Schweiz regten den Künstler kleine bunte

zerlegende Blick lenkten sein Interesse auf Konstruktivis-

Windräder zu mehreren Bildern an. Kerzen, die er in der

mus und Kubismus, die zu den bevorzugten Referenzsys-

Kathedrale von Grado wunderlich schimmern sah, lösten

temen bei seiner künstlerischen Neuorientierung wurden.

eine Serie von Bildern aus, in denen schwebende Scheiben

Die Grundlage dafür hatte ja unter anderem bereits die

unübersehbar sind. Auch die Fenstergitter des Bramberger

Wiener Stilkunst um 1900 mit ihrem formalen Reduktio-

Hauses wurden des öfteren zum Ausgangspunkt für Bild-

nismus und ihrem stilistischen Vereinheitlichungszwang

kompositionen genommen. Ähnlich ersann der Künstler

geschaffen. Damals war ein schon sehr weit gehender

aus unterschiedlichen Konstellationen von simplen Stüh-

Schritt in ein abstraktes Formverständnis getan worden,

len einfallsreiche Variationen.

und wer könnte dies besser bezeugen als Josef Stoitzner senior mit seiner geometrisch inspirierten Landschaftskunst? Der Abfall vom Familiengeist ist also nicht so radikal, wie es den Anschein hat.

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mmer wieder zog Stoitzner-Millinger seinen Lieblingsroman „Joseph und seine Brüder“ für Motiverfindungen

heran. Die Vorliebe für kryptische Titel versteht sich fast


von selbst, sind diese doch die genaue Entsprechung zum

poetischen Qualität dieser Bilder. Was der Künstler mittels

eindeutig beschreibbaren Status einer gegenständlichen

ausgefeilter Spachteltechnik an Strukturen und Oberflä-

Darstellung. In der mythischen Anmutung, in Magie und

chenwerten hervorbrachte, weist ihn als hochgradigen

Symbolik der Zeichen oder auch im schlechthin Rätselhaften

Ästheten aus. Dazu gehört eine Palette, die das Innova-

findet Vorbegriffliches und Übersprachliches seinen Aus-

torische der Formgebung eher mildert und die weichen,

druck, und auch die Titel sind auf dieser Ebene angesiedelt.

tonigen Abstufungen bevorzugt. Speziell seinen frühen

Was Stoitzner-Millinger ständig beschäftigte, war die Inte-

abstrakten Kreationen haftet ein gewisser Erdgeruch an,

gration des Figürlichen in seine „mechanischen“ Formkon-

ist ein robustes werkstatthaftes Gepräge eigen. Schließlich

stellationen. Fast zwangsläufig spielt hier die vermittelnde

ist ein Teil der Bilder im Pinzgau entstanden. Dies beden-

Sphäre des Theaters – bei ihm vorzugsweise in der Spiel-

kend hat sich der bekannte Kritiker Jorg Lampe seinerzeit

art des Balletts – mit hinein. Als imaginärer Schauplatz

wohlwollend über jenen Maler belustigt, der inmitten der

abstrakter Vorgänge und Verwicklungen, in dem jedoch

herrlichen Gebirgsnatur bei zugezogenen Vorhängen in

Menschen agieren, als „geistiger Raum“, ist die Bühne in

knifflige Kompositionsprobleme verstrickt ist.

dieser Zeit ein beliebter, für viele Künstler fast unumgänglicher Topos. Oft genügt bereits eine Rampe, ein Podest,

Aus dem Schaffensverlauf ist ersichtlich, dass die Gewiss-

um die Erscheinungen zu verorten, ihnen einen irdischen

heit unseres Künstlers, die richtige Ausdrucksform, die

und psychischen Resonanzraum zu verschaffen.

ihm entsprechende Art des Schaffens gefunden zu haben,

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zunimmt. Diese Souveränität ist ganz besonders anhand der m Spektrum zeitgenössischer Spielarten der abstrakten

Entwurfszeichnungen zu konstatieren, die von vollendeter

Malerei nehmen sich Stoitzner-Millingers Bilder durch

Lockerheit im Umgang mit einem spröden Formenvoka-

ihre handwerkliche Gediegenheit, ihre solide und feste

bular sind. Die Skizze wird dann, entsprechend der klassi-

„Bauweise“ ein wenig schwerfällig aus. Die abstrakten

schen Hierarchie, ins Großformat übertragen, in dem sich

Maler waren ja meistens bestrebt, die materielle Erschei-

die malerische Differenzierungskunst voll entfalten konnte.

nungsweise der Bilder herunterzuspielen und bevorzugten

Dazwischen stehen die mittelgroßen Arbeiten in Gouache

eher leichtgewichtige Techniken. Demgegenüber wirken

auf Papier, die noch zahlreicher und wegen der lockereren

Stoitzner-Millingers Gemälde wie gedrechselt, gezimmert

Machart vielleicht noch ansprechender sind als die gewich-

und gehobelt, er hielt an der akademischen Auffassung

tigen Gemälde. Als Fingerübung hat er gelegentlich und

fest, dass ein fertiges Bild an jeder Stelle hochgradig

meist nur auf Wunsch noch Landschaften gemalt, zu denen

durchgestaltet sein muss; auch das hat er – wie man

er die Motive in der nahen Umgebung Wiens fand.

so sagt – vom Vater. Ein gewisses Pathos der Bildform resultiert aus dieser kompakten Beschaffenheit. In der elaborierten Ausführung liegt freilich auch ein Gutteil der anschaulichen und

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osef Stoitzner-Millinger hatte einen schweren Stand neben seinem Vater, hat sich aber als „Ausreißer“

ein neues Terrain erobern und eindrucksvoll als selb-

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ständige Künstlerpersönlichkeit behaupten können.

Revolutionäre die Stimme erheben, vernachlässigbar er-

Bedingt durch die Gleichläufigkeit der Anlagen ist er

scheinen lässt. Vor allem seine den Formzusammenhang

dennoch ein „echter Stoitzner“ geblieben – allerdings erst

verfestigende Malkultur dürfte als ein eher retardierendes

auf den zweiten Blick. Leider hat er auch jene väterliche

Moment angesehen werden – man kann solche Einwände

Eigenschaft übernommen, sich um Geschäft und Geltung

aber stets ins Positiven wenden, denn niemals ist es die

in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht zu kümmern.

Richtung, ideologische Prägung oder Methode, die den

Beim Vater funktionierte das sehr gut, da die Nachfrage

Ausschlag für das künstlerische Gelingen gibt. Es müssen

nach seinen Bildern ohne Zutun stets groß war, und heute

viele Komponenten „stimmen“, um ein überzeugendes

ist er auf dem Kunstmarkt begehrter denn je. Die Bilder

Bild zu ergeben.

des Sohnes sind von vornherein schwerer zugänglich, was sich schon darin bekundet, dass die ausgewiesenen Stoitzner-Sammler im allgemeinen wenig übrig haben für die Werke von Stoitzner-Millinger.

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toitzner-Millinger hat seine Malerei immer nur aus einem höchst persönlichen Interesse und Schaffens-

drang heraus betrieben, was allerdings als Beweggrund ausreichte, um ein umfangreiches und exzellentes Œuvre

Dazu kommt, dass der Nimbus der abstrakten Kunst im

hervorzubringen. Zu Lebzeiten hatte er schöne Aus-

Abnehmen begriffen ist. Die utopische Perspektive von

stellungserfolge und etliche sichere Abnehmer, darunter

einst stellt sich aus heutiger Sicht beinahe zur Episode

auch öffentliche Sammlungen. Dreißig Jahre nach seinem

verkleinert dar, zumal sich das Formenvokabular der

Tod stehen wir allerdings vor der betrüblichen Tatsache,

klassischen Abstraktion schnell abgenützt hat.

dass dieses Œuvre teilweise in Vergessenheit geraten ist.

Stoitzner-Millinger gehörte auch nicht zur Speerspitze

Ein Zustand, der jedem, der gute Malerei zu schätzen

einer Richtung, was ihn für jene, die branchenbedingt oder

weiß, nicht gleichgültig sein kann.

aus Snobismus immer nur für das jeweils Neueste und

Josef Stoitzner-Millinger hat Malerei immer aus einem persönlichen Interesse und großen Schaffensdrang heraus betrieben.


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Zwei weibliche Halbfiguren Josef Stoitzner-Millinger links unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 75 x 55 cm 1953


Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Abendlicher Garten

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert Gouache auf Holz Format: 54 x 78 cm 1971


Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Figurale Komposition

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert Öl auf Leinwand Format: 120 x 94 cm 1952

Der alte Satz: Aller Anfang ist schwer, gilt nur für Fertigkeiten. In der Kunst ist nichts schwerer als beenden. Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen


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Josef Stoitzner-Millinger Wir wollen dahinter blicken …

A

us einer weit verzweigten und auch weithin tätigen

und Formkompartimente aufbrach, sich dabei immer

Malerfamilie stammend, hatte es Josef Stoitzner

„entlang der Natur“ (Cézanne) in Richtung Ungegenständ-

der Jüngere nur vermeintlich schwer, sich künstlerisch zu

lichkeit bewegte, und durchaus verwandt all denen, die

behaupten. Tradition und Zeitgeist waren zwar mächtig,

sich vom Zwang des Abbildes befreit, den autonomen

und auch der Einfluss des Vaters bzw. die ökonomischen

Qualitäten von Form (Zeichnung) und Farbe widmeten,

Zwänge waren unbestreitbare Bürden, aber der 1911 Gebo-

ging auch Josef Stoitzner-Millinger den spannenden Weg

rene war begabt, hartnäckig und fleißig genug, den eigenen

der künstlerischen Bewußtseinserweiterung. Denn auch

Weg einzuschlagen und auch nicht mehr zu verlassen.

für ihn gilt: die in seinem Œuvre gefundene Formensprache, die von ihm entwickelte „künstlerische Handschrift“

Der Erfolg des Vaters als aus der Stilkunst kommender,

ist mit deren Entstehen Teil der gestalteten Welt. Ab nun

weithin bekannter Landschafts- und Stilllebenmaler, der

ist diese unsere Welt auch mit seinen Augen zu sehen, ist

schon früh Zuspruch und Einkommen hatte, war verlo-

sein Repertoire über seine Kunst allgemein zugänglich.

ckend, auch hinderlich und – weil er dem Vater auch helfen musste – zeitraubend, doch Josef Stoitzner d.J. wusste

Gleichzeitig findet er neue und doch nachvollziehbare

zu warten und begann – praktisch unmittelbar nach dem

Möglichkeiten, Empfindungen mitzuteilen, Vorstellungen

Tode seines Vaters – eine eigenständige, auf der Höhe der

im Betrachter abzurufen.

Zeit stehende Karriere. Unbeeindruckt von der Ablehnung der abstrakten Malerei durch die breite Öffentlichkeit, ging

Das großformatige um 1960 entstandene Bild „Ketônet“

er den weitaus schwierigeren Weg der immer ungegen-

(Abb. Seite 2; rituelles Gewand des Hohepriesters zur Zeit

ständlicheren Kunst; mehr sich selbst und den eigenen

des Jerusalemer Tempels) zum Beispiel thematisiert Pries-

Vorstellungen verpflichtet als einem nach Dekoration

tertum, Kulthandlungen, Vergeistigung; aber nicht, indem

suchenden Markt.

es erzählt oder abbildet, sondern durch die Vermittlung von Bewegung, Haltung, Aktion hierarchischer, kultzuge-

Sein Weg zur Abstraktion war der des Weglassens, des Ver-

wandter Erscheinungen.

einfachens, des die Strukturen immer mehr Reduzierens. Ähnlich Mondrian, der einen blühenden Baum in seiner

Das fein nuancierte Bild „Februar“ (Abb. Seite 45) von 1959

Gegenständlichkeit immer weiter abstrahierte, auf seine

wieder will mit Farbe und Zeichnung erklären, was Stille

Grundformen zurück führte oder ähnlich Gino Severini,

heißt in der Natur und Ausruhen, was Warten meint und

der die Naturlebendigkeit zugunsten geometrischer Farb-

Innehalten; und wie sehr das Leben einer höheren Ord-


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nung unterliegt, einer Gesetzmäßigkeit, die außerhalb der Ratio liegt. Und auch ein Bild wie die „Ernte“ (Abb. Seite 47) unternimmt es, die Vorstellung von „geschaffener Fruchtbarkeit“ neu zu interpretieren. Die Gegenüberstellung von geraden, über das Rechteck definierten gelben und runden, rötlichen (bestenfalls fruchtähnlichen) Flächen will davon sprechen, wie viel menschliche Überlegung und Arbeit notwendig sind, um zu reicher Ernte zu kommen. Josef Stoitzner-Millinger arbeitet an der Ausbildung eines neuen Kanons, von neuartigen Ausdrucksmitteln jedenfalls, die dazu geeignet sind, die immer gleichen Fragen der Kunst nach dem Woher, dem Was und dem Wohin neu, das heißt zeitgemäß, zu beantworten. Die Ausstellung in Bramberg, der sommerlichen Wahlheimat der Stoitzners, offeriert eine ganze Reihe von Kunstwerken, die diese Arbeit des Beantwortens unternommen haben. Wunderbar erdachte, mit einem feinen Gefühl für Komposition und Farbgebung realisierte Beispiele eines künstlerischen Lebenswerkes, das unsere Zuwendung mehr als verdient. Dr. Herbert Giese, Kunsthandel Giese & Schweiger Wien


Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

September

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 110 x 85 cm 1980


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Tantra

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 80 x 90 cm 1962


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

o. T.

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 80 x 100 cm 1971


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Fテカhn

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 100 x 80 cm 1955

Fテカhn Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert Tempera auf Platte Format: 65 x 47 cm 1956


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Prima Sera

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert Gouache auf Platte Format: 44 x 63 cm 1958


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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 110 x 65 cm 1960


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 80 x 100 cm 1971


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April

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert Öl auf Leinwand Format: 150 x 70 cm 1956

Der Künstler hilft, denn er widmet sein Leben der Kunst, die ihn befähigt, die tiefere Wirklichkeit für andere verständlich zu machen. Anaïs Nin, Der Künstler als Magier


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Theorem 38

Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 160 x 130 cm 1965


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Insel Orplid

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Josef Stoitzner-Millinger links unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 100 x 100 cm 1960


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Ostern

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 111 x 85 cm 1981


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Februar

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 100 x 80 cm 1959


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Ernte

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Josef Stoitzner-Millinger nicht signiert テ僕 auf Platte Format: 54 x 82 cm 1958


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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 90 x 70 cm 1979


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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert Tempera Format: 42 x 42 cm 1978


Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Schekem

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Josef Stoitzner-Millinger links unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 100 x 110 cm 1960


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 80 x 100 cm 1982


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2. Februar

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 85 x 100 cm 1960


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o. T. 58

Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 81 x 90 cm 1982


Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Beschwテカrung

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 70 x 90 cm 1962


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Herbststele

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 168 x 108 cm 1965


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Sammlung

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert Tempera Format: 50 x 60 cm 1976


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Straßensignaturen

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Josef Stoitzner-Millinger links unten signiert Öl auf Leinwand Format: 82 x 103 cm 1960


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Nachmittag 68

Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert Tempera Format: 60 x 50 cm 1976


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 60 x 30 cm 1977


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 100 x 80 cm 1982


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 70 x 110 cm 1962


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

Changement

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 47 x 63 cm 1956


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR

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Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 80 x 100 cm 1982


Akkord 80

Josef Stoitzner-Millinger rechts unten signiert テ僕 auf Leinwand Format: 100 x 80 cm 1963


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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR 82


Onkel Pepo aus der Sicht seines Neffen

Wer war der Maler Josef Stoitzner-Millinger (1911 – 1982), der aus dem Schatten seines bekannten Großvaters Konstantin (1863 – 1933) und dem noch berühmteren Vater Josef (1884 – 1951) herausgetreten ist und sich über ein nicht alltägliches Lebenswerk auszuweisen vermag? Prof.Dr.med.dent. Jakob Wirz*

S

eit dem Tode vor 29 Jahren sind im öffentlichen Kunstgeschehen kaum mehr Werke von Josef Stoitzner-Millinger gezeigt worden. Es ist nun ein großer Verdienst

des Museums Bramberg, dass es unter der Direktion von Frau Waltraud Voithofer die anspruchsvolle Aufgabe übernommen hat, aus Anlass seines 100. Geburtsjahres, mit einer sorgfältig gestalteten Ausstellung Leben und Werk des Künstlers so zu würdigen, damit auch ihm endlich sein gebührender Platz in der Österreichischen Kunstgeschichte gesichert wird. Im Verlauf der letzten paar Jahre, nach Abschluss meiner vielseitigen beruflichen Tätigkeit, habe ich begonnen, sowohl vom Schaffen meines Großvaters Josef Stoitzner (J.S.) sowie auch vom Onkel Josef Stoitzner-Millinger (J.St.M) je ein Œuvreverzeichnis zu erstellen. Letzteres gestaltet sich wesentlich einfacher, da ich zu vielen seiner Arbeiten einen direkten persönlichen Bezug habe, viele Daten aus den unzähligen direkten Begegnungen und Erlebnissen mir noch in lebendiger Erinnerung erhalten sind. Deshalb erlaube ich mir, über meinen geliebten Onkel Pepo zu seinem Jubiläumsjahr eine,

Passfoto von Josef Stoitzner-Millinger aus dem Jahr 1932

wenn auch lückenhafte, bildgestützte Kurzbiographie zu entwerfen. Die Zeit seines eigentlichen künstlerischen Schaffens, von der Studienzeit bis zu seinem Tode, lässt sich in ein paar voneinander abgegrenzte Abschnitte unterteilen:

Abb. 1 „Burgruine Weyerhof“, Öl auf Leinwand Format: 44 x 50 cm, um 1939

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Studium und Weiterausbildung zum Mittelschullehrer (1930 – 1939)

Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR 84

W

ährend sich die zahlreichen Arbeiten vom jungen Stoitzner, die in der Zeit des Studiums an der Akademie der bildenden Künste in Wien bis 1934 entstanden

sind, mit einer Vielzahl verschiedenster Techniken und Motive mit Schwerpunkt Aktzeichnen (Abb. 2) befassten, entstanden in der 2. Hälfte der Dreißiger Jahre – im Zuge seiner Ausbildung und Etablierung zum Mittelschullehrer – vor allem Landschaften in Öl und Tempera (Abb. 1) sowie Farbholzschnitte (Abb. 3) von höchster Professionalität. Um künftigen Verwechslungen mit den Werken seines Vaters (J.St.) vorzubeugen, hat Abb. 2 „Weiblicher Akt halb bekleidet“ Bleistift, Format: 46 x 30 cm, 1931

der Sohn – bis 1938 noch unverheiratet – seinen Nachnamen Stoitzner mit dem Mädchennamen seiner Mutter Millinger ergänzt (J.St.M).

Wehrdienstleistung (1939 – 1945)

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ach der militärischen Grundausbildung in Stockerau, Olmütz und Berlin führten die Wege des jungen, inzwischen verheirateten Österreichers als Angehöriger der

Deutschen Wehrmacht über Frankreich (Forges les Eaux in der Bretagne) 1942 bis tief in die Ukraine und nach den großen Niederlagen an der Ostfront wieder zurück nach Rumänien und dann vornehmlich zu Fuß über Ungarn bis nach Bramberg im Pinzgau. Inzwischen hatten auch die Eltern Anna und Josef, deren Wohnung und das große Atelier in Wien durch Bombardement 1943 zerstört worden waren, im großväterlichen Millingerhaus Einzug gehalten. Pepo hatte das große Glück, dass er sich als studierter Akademischer Maler besonders für die Erstellung taktischer Lagekarten eignete und somit während der ganzen Kriegszeit in einer Artillerie-Vermessungseinheit eingeteilt blieb. Diese bevorzugte Stellung Abb. 3 „Schneeschmelze“, Farbholzschnitt Format: 30 x 29 cm, 1938

erlaubte ihm – immer gut über die taktischen Lageverhältnisse informiert – hinter den Fronten ohne große Feindeinwirkungen als unentbehrlicher Kartograph zu arbeiten. Nicht ein Gewehr mit Munition, sondern genügend Zeichenpapier, Schreib- und Malutensilien waren seine Kriegsgeräte. Zudem stand ihm meist auch die nötige Zeit zur Verfügung, seinen künstlerischen Neigungen und Bedürfnissen Rechnung zu tra-


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Abb. 4 „Badestrand bei Forges les Eaux“ F Tempera, Format: 32 x 42 cm, 1942

Abb. 5 „Stadtrand von Stalino“ Tempera, Format: 51 x 75 cm, 1943

Abb. 6 „Nina“ (Stalino), Tempera, Format: 50 x 67 cm, 1943

gen. Die vielen stimmungsvollen Landschaften, die alle geographischen Stationen der Stoitznerischen Kriegsodyssee bildlich darstellen, dürfen heute als besondere Zeitdokumente gewertet werden. Die Abbildungen 4 und 5 sind Beispiele dieser großartigen Landschaftensammlung. Besondere Beachtung finden auch die zahlreichen Portraits von jungen Frauen. Das Mädchen „Nina“ (Abb. 6, 1943) mag stellvertretend die meisterhafte Qualität all der übrigen zahlreich hinterlassenen Portraits belegen. Ein besonders eindrückliches Kleinod aus dem Familienarchiv bildet die selbstgemalte Weihnachtskarte (Abb. 7), die Sohn Pepo mit dem rückseitigen Text im Dezember 1943 aus der Ukraine mit der Feldpost seiner Mutter zugestellt hat. Den damaligen StandAbb. 7 „Krassny Chutor“, Tempera Format: 11 x 15,7 cm, Dezember 1943

ort durfte er aus Geheimhaltungsgründen nicht nennen. Die seitlich später am Rande angebrachten Bemerkungen lassen sich als „Krassny Chutor“ südlich von „Tscherkessy“


(Ukraine) entziffern. Der abgebildete, verlassene Dorfrand hinter den halbverschneiten Feldern vor den zu erwartenden Winterstürmen und der Text lassen einerseits auf eine

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große Melancholie und andererseits auf ein tief empfundenes Heimweh schließen. Die Weihnachtswünsche auf der Rückseite der Karte: Meine innigst geliebte Mami! Hier sende ich Dir eine kleine Ansicht der Gegend hinter meinem jetzigen Quartier. Gleichzeitig soll diese Karte Dir Meine innigsten u. herzlichsten Wünsche für das Weihnachtsfest übermitteln!! Friede den „Menschen“ auf Erden! Es umarmt und küsst Dich Herzlichst Dein Dich innigst liebender Sohn Pepo

Nachkriegszeit in Bramberg (1945 – 1948)

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bwohl die ganze Familie Stoitzner – auf engstem Raum im Millingerhaus untergebracht – von den Kriegsereignissen und ihren Folgen mehrheitlich verschont

geblieben ist, gestaltete sich das Leben in Bramberg noch Jahre nach dem eigentlichen Kriegsende in allen Belangen und für alle Altersstufen außerordentlich schwierig. Die 1947 entstandene Gouache mit dem Millingerhaus und dem Elfer- und Zwölferkogel im Hintergrund lässt die karge und oft trostlose Nachkriegsstimmung leicht erahnen (Abb. 9).

Abb. 8 Tochter „Susi“, Öl auf Pressspan, Format: 30 x 36 cm, 1946

Abb. 9 „Millingerhaus von der Rückseite“, Mischtechnik, Format: 38,5 x 71,5 cm 1947


Pepo Stoitzner, als arbeitsloser Rückkehrer, meisterte zusammen mit seiner rührigen Gattin Paula die wirtschaftliche Situation zum Überleben mit dem Verkauf von vornehmlich aus Holz selbstgefertigten, kunsthandwerklichen Gegenständen. Bemalte Halsketten, Armbänder, Teller sowie ganze Holzpuppen und vieles andere mehr erinnern heute noch in vielen Familienbesitzen an die längst vergangenen harten Zeiten. Auch das Malen, nun hauptsächlich mit Ölfarben, bekam wieder einen bevorzugten Stellenwert. Landschaften der nahen Umgebung, Stillleben und Blumen bildeten, wie auch für Pepos Vater Josef, bevorzugte Motive (Abb. 10). Auch engste FamilienmitglieAbb. 10 „Wenns“, Öl auf Leinwand, Format: 38 x 58 cm, 1947

der mussten für Portraits Modell stehen beziehungsweise sitzen (Abb. 8).

Mittelschullehrer im Burgenland (1948/49)

I

m Jahr 1948 nahm J.St.M. mit Gattin und Tochter Susi wieder Wohnsitz in seiner geliebten Heimatstadt Wien. Gleichzeitig erfolgte seine erste besoldete Anstellung

nach Kriegsende als Mittelschullehrer im entfernten Eisenstadt, wo er als Wochenaufenthalter für sich einen 2. Wohnsitz eingerichtet hatte. Doch bereits nach einem guten Jahr kam die definitive Versetzung als Zeichen- und Handfertigkeitslehrer an das renommierte Gymnasium Stubenbastei im Zentrum von Wien. Die während seiner Burgenländerzeit entstandenen Ölbilder, vornehmlich mit Landschaften und Blumen (Abb. 11), besonders aber auch die drei in diesem kurzen Zeitabschnitt entstandenen

Abb. 11 „Gladiolen“, Öl auf Leinwand Format: 81 x 66 cm, 1949

Selbstporträts spiegeln sehr deutlich seine Motivation und Begeisterung für einen unbeschwerten Aufbruch mit seiner Malerei in die Zukunft wider.

Stoitzners Zeit in Wien (1949 – 1969)

D

ie Anstellung als Gymnasiallehrer im schwierigen Zeitalter des Wiederaufbaues sicherte der Familie des akribisch an seiner persönlichen Entwicklung als Maler

arbeitenden Stoitzner-Millinger eine solide Existenzgrundlage. Als gefragter Lehrer, mit außergewöhnlichen pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten ausgerüstet, vermittelte er während zwei Jahrzehnten nicht nur die Fächer Zeichnen, Malen, Handfertigkeit und Kunstgeschichte, sondern widmete sich mit viel menschlicher

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Wärme, Aufgeschlossenheit und Verständnis auch den Problemen der heranwachsenden Jugend und leistete oft – wenn Not am Manne war – praktische Lebenshilfe. Die

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Burschen der Stubenbastei waren von ihrem engagierten Lehrer begeistert und liebten ihn über alles. Nach dem Tode seines Vaters J.St. (1951) begann dann der wichtigste Abschnitt der künstlerischen Entwicklung von J.St.M. in dem die früher angewandte Darstellungstechnik allmählich vom Konkreten (Abb. 12) über halbabstrakte Personenbilder zu den vollabstrakten Darstellungen mutierte. Als kleiner Nebenaspekt darf speziell auf die Abstraktion „Evipan“ (Abb. 13) aus dem Jahr 1961 hingewiesen werden. Sie markiert als „Spätfolge“ einen unvergesslichen Fixpunkt im Leben meines Onkels. Er war damals zum ersten Mal in seinem Leben in ein Hospital zur Operation (Blinddarm) eingeliefert worden, und das Narkosemittel mit dem geheimnisvollen Namen Evipan hatte dem überängstlichen Patienten einen derartigen Respekt verpasst, dass ihm im faszinierenden Ölbild eine bleibende Würdigung zuteil geworden ist. Die rasante künstlerische Fortentwicklung mit dem Vorstoß in eine neue Kunstwelt der Abstraktion wird in einem aktuellen Beitrag in der angesehenen Kunstzeitschrift PARNASS und schwerpunktmäßig in dieser Ausstellungspublikation zum 100. GeAbb.12 „Wildbach“, Öl auf Leinwand Format: 95 x 59 cm, 1951

burtsjahr von Josef Stoitzner-Millinger von bestqualifizierten Fachautoren ausführlich dargestellt und gewürdigt. Die Landschaften als schwierig abstrahierend darzustellen wurden anfänglich eher vernachlässigt. Aber auf ständiges Drängen meinerseits überwand sich mein Onkel und schuf ab 1967 herrliche Landschaftsbilder in Öl (Abb. 14). Von der Wirkung dieser Gemälde, im herkömmlichen Stil gemalt, war Pepo selbst so überrascht, dass er sich in der Folge immer wieder ganz nebenbei im Stillen der Landschaftsmalerei widmete. Er folgte damit doch noch einer von Vater und Großvater ererbten Leidenschaft, Land-

Abb. 13 „Evipan“, Öl auf Leinwand Format: 85 x 110 cm, 1961

schaften bildlich darzustellen (Abb. 15). Seit frühester Jugendzeit verbrachte Pepo – mit Ausnahme während der kriegsbedingten Landesabwesenheit – regelmäßig seine mehrwöchigen Sommerferien viele Jahre mit seinen Eltern, später dann mit der eigenen Familie im inzwischen hei-


misch gewordenen Bramberg. So wurde das großväterliche Millingerhaus zu seiner „Sommerresidenz“, während der Innsbrucker Universitätszeit temporär auch zum 2. Wohnsitz und Refugium, ausgerüstet mit einem funktionstüchtigen Atelier. Nach Inkrafttreten des Staatsvertrages 1955 und der damit verbundenen Aufhebung der Besatzungszonen im befreiten Österreich wurden die Modalitäten für internationale Reisen wieder normalisiert. Diese einschneidende Veränderung erlaubten Pepo Stoitzner die gegenseitigen Kontakte mit der Familie seiner in der Schweiz seit 1934 mit dem Zahnarzt Dr. Robert Wirz verheirateten Schwester Anna (zeitlebens liebevoll Mutz genannt) zu vermehren und zu intensivieren. Meine Geschwister und ich Abb. 14 „Winterlandschaft“, Öl auf Leinwand, Format: 35 x 44 cm, 1968

nutzten die Gunst der Stunde und machten in der Folge von den neuen Möglichkeiten regen Gebrauch, sowohl in der Schweiz wie auch in Österreich, vermehrt Stunden und Tage in Gesellschaft unseres hochgeschätzten Onkels Pepo zu verbringen. Die Gespräche mit ihm motivierten immer; sie zeugten von einem enormen universellen Wissen und praktischer Lebenserfahrung.

Ordinarius an der Universität Innsbruck (1969 – 1979) Abb. 15 „Herbst in Niederösterreich“ Öl auf Leinwand, Format: 67 x 126 cm, 1976

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ie Ernennung zum ordentlichen Professor und die Berufung zum Vorstand des sich noch im Aufbau begriffenen Institutes für Zeichnen und Malen an der Fa-

kultät für Bauingenieurwesen und Architektur an der Universität Innsbruck war eine außerordentliche und wohlverdiente Ehrbezeugung für sein bisheriges Schaffen und Wirken. Die Lebensweise des frisch gebackenen Universitätsprofessors hat sich damit aber grundlegend verändert, indem er mit vielen neuen, ihm bisher unbekannten, Herausforderungen konfrontiert wurde. Da er, als verwöhnter Wiener, der härteren Gangart und der Tiroler Mentalität eher etwas distanziert gegenüber stand, schaffte er sich mit nun drei Wohnungen die notwendigen Voraussetzungen, um all seinen vielfältigen Verpflichtungen als Maler, Lehrer, Organisator und Berater, den speziellen Bedürfnissen und Jahreszeiten optimal angepasst, nachzukommen. Der Lebensabschnitt in Innsbruck wuchs bei seiner ungehinderten Entfaltung zu den größten Höhepunkten seines künstlerischen Lebens heran. Darüber wurde von seinem langjährigen Schul-

Abb. 16 „Inn“, Öl auf Leinwand Format: 68 x 88 cm, 1973

und Jugendfreund Prof. Dr. phil. Heinz Schöny in der kunstvoll gestalteten Monographie STOITZNER (Inn-Verlag Innsbruck, 1977) kompetent berichtet.

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Zu den eindrücklichsten Erinnerungen an seine Innsbrucker Zeit zählen die beiden mir vom Onkel als Zeichen der besonderen freundschaftlichen Verbundenheit geschenkten

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Ölbilder mit den Titeln „Inn“ und „Dem letzten Ritter“ (Abb. 16 und 17). Der Inn hat den „verhinderten“ Landschaftsmaler Stoitzner bei seinen ausgedehnten Spaziergängen, oft bis hin zur imposanten Martinswand, immer wieder so beeindruckt, dass er heute noch im Lebenswerk von J.St.M. einen wichtigen Platz einnimmt. Das zweite Gemälde ist eine Hommage an Kaiser Maximilian I, genannt „der letzte Ritter“, der um 1490 seine wichtigste Residenz in Innsbruck besaß und bevorzugt in den wilden Jagdgründen rund um die faszinierende Martinswand Entspannung und Erholung fand. Das Bild hängt seit seiner Entstehung nebst einer großväterlichen und einer urgroßväterlichen Landschaft exponiert in meinem Arbeitszimmer und erinnert mich täglich an meinen großartigen Onkel Pepo.

Zeit als em. Professor in Wien (1979 – 1982) Abb. 17 „Dem letzten Ritter“, Öl auf Leinwand, Format: 88 x 69 cm, 1971

N

ach der Emeritierung entstanden im Wiener Atelier noch zahlreiche abstrakte Werke in Öl und Tempera, daneben auch faszinierende Landschaftsbilder mit

Motiven aus dem nahe gelegenen Niederösterreich, die gemessen an ihrer Zahl und den fröhlichen Farben noch keinerlei Spuren der inzwischen fortgeschrittenen Herzerkrankung des Künstlers aufwiesen. Pepo nutzte die verbliebene Zeit auch, um seine künstlerische Hinterlassenschaft systematisch zu ordnen. Die Leichtigkeit und Gelassenheit, mit denen er seine anspruchsvolle Arbeit trotz schwerster gesundheitlicher Beeinträchtigung erledigte, lässt schließen, dass er auf ein erfülltes Leben zurückblickend, mit sich und seinen Erfolgen mehr als zufrieden war. Sein plötzlicher Tod wurde für ihn zur willkommenen Erlösung, für die ganze Familie und seine Freunde zu einem großen Schock. Tröstlich aber ist, dass der Maler Josef Stoitzner-Millinger in seinen Werken, die zu einem großen Teil mit über 800 Arbeiten im Œuvreverzeichnis aktuell erfasst werden konnten, weiterlebt.

* Prof.Dr.med.dent. Jakob Wirz ist der jüngere Sohn von Pepos seit 1934 verheirateten Schwester Mutz; er leitete bis 2002 als Vorsteher das Institut für Zahnärztliche Werkstoffwissenschaft, Technologie und Propädeutik der Universität Basel. Er erstellt zurzeit je ein Werksverzeichnis seines Großvaters Josef Stoitzner und seines Onkels Josef Stoitzner-Millinger und erbittet Informationen über bisher noch unbekannte Bilder dieser Künstler in Privatbesitz: jakob.wirz@hispeed.ch


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Professor Josef Stoitzner 1911 geb. am 12. Februar in Wien

1930 Reifeprüfung; – 1934 Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Professor Karl Sterrer; 1934 Lehramtsprüfung für Mittelschulen; 1935 Probejahr in Wien 21.; 1937 Debut bei der Frühjahrsausstellung der Secession mit zwei Farbholzschnitten; 1938 Greiz/Thüringen, Ausstellung Kupferstichkabinett Wiedereinsetzung als Lehrer in Wien; 23. Juni Vermählung mit Paula Mann; 1940 17. Oktober Geburt der Tochter Susanne; – 1945 Wehrdienstleistung; 1944 Wien, Secession Ausstellung „Soldaten als Künstler“; 1945 Wohnhaft in Bramberg im Pinzgau; 1946 Ausstellung in Salzburg, „Maler der Gegenwart“; 1947 Ausstellung im Künstlerhaus, Wien, „Maler unter 40“; 1948 Rückkehr nach Wien; Anstellung als Mittelschullehrer in Eisenstadt; Ausstellung „Wiener Porträts“ des Kulturamtes der Stadt Wien in den Städtischen Bibliotheken: Arbeiten aus der Kriegszeit, mit der Folge einiger Porträtaufträge für die städtischen Sammlungen in Wien; 1949 Anstellung in Wien 1., Stubenbastei – Beitritt, Vorstandsmitglied der Künstlergruppe „Der Kreis“ von da an Teilnahme an den jährlichen Ausstellungen Galerie Würthle, Wien, „Der Kreis“; 1950 Künstlerhaus Wien, Ausstellung „Die Wienerin“ Ausgestelltes Werk: Bildnis Schauspielerin (Josefine KramerGlöckner) Öl (Eigentum der Städtischen Sammlungen); 1951 Galerie Würthle, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Das Fenster“ Öl, „Durchgang“ Öl und andere Arbeiten; 1952 Beteiligung an der Ausstellung der „Föderation moderner Kunst“ Gemälde und Plastiken in der Wiener Secession, Mai – August, ausgestellte Werke: „Espresso“ Öl auf Leinwand 96 x 60 cm, „Figurale Komposition“ Öl auf Leinwand 120 x 94 cm; Galerie Würthle, Wien, Juni, „Wiens Wohnbauten und Gärten“, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Schönbrunner Palmenhaus“ Öl auf Leinwand, „Bennoplatz“, „Donaukanal“ und andere Arbeiten; Galleria del Corso, Meran, „Der Kreis“; 1953 Arbon, Schweiz, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „September“ Gouache, „Komposition I“ Gouache, „Komposition II“ Gouache; Wien, bei Galerie Wolfrum, kleine Formate; Mödling, Scraffito; 1954 Ausstellung im Schloss Arbon: „Meisterwerke der Grafik und Zeichnung seit 1900“ Ausgestelltes Werk: „Gläserner Stadtplan“ Deckfarbe; Galleria d'Arte, Triest, „Mostra degli artisi viennesi“; Vorarlberger Landesmuseum, Bregenz „Der Kreis“, ausgestellte Arbeiten: „Mann und Frau“ Öl, „Stadt in Rot“ Aquarell, „Stillleben“ Aquarell; Markthalle Mosaik, Wien;

Neue Galerie Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Spiegelparavent“ Öl und andere Arbeiten; 1955 Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“ und Gäste aus Frankreich, ausgestellte Werke: „Cavatina Veris“ Öl, „Karyatiden“ Öl, „Mannequins“ Öl; Künstlerhaus, Wien, „10 Jahre Malerei und Plastik in Österreich“, ausgestellte Arbeit: „Komposition“ Öl; Neue Galerie, Linz, „Der Kreis“; Galerie Gurlitt, München, „Der Kreis“; Innsbruck, Genua und Salzburg, „ Der Kreis“; 1956 Landesmuseum Klagenfurt und Eisenstadt, „Der Kreis“; Bukarest, Ausstellung österr. Grafik und Malerei; Secession, Wien, „Querschnitt“ Malerei . Graphik . Plastik der letzten fünf Jahre in Österreich, ausgestellte Arbeit: „Föhn“ Öl, 100 x 80 cm; Künstlerhaus Wien, „10 Jahre Künstlergruppe Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Silbervlies“ 1947 Öl, „Stadtbild“ 1955 Öl, „April“ 1956 Öl, „Föhn“ Tempera, „Bühne“ Tempera; 1957 Galerie Arnaud, Paris: „art d'aujourd'hui en autriche“; Kritik aus Neues Österreich vom 10.04.1959: „Enfants perdu“ im Dschungel von Paris … Josef Stoitzners malerische Werte wurden in der Ausstellung nicht nur von Botschafter Vollgruber allein entdeckt und gewürdigt. Hiezu muss berichtet werden, dass der Botschafter, ein österreichischer Daniele Varé, sehr pointiert Anekdoten erzählt, vielleicht instinktiv in Stoitzner einen Born neuer Geschichten ahnte und auch sogleich eine Probe vorgesetzt erhielt, wie: der Maler fährt seit vielen Jahren jeden Sommer in eine der landschaftlich schönsten Gegenden Österreichs, nach Bramberg. Dort sperrt er sich in seine Kammer, zieht den Vorhang vors Fenster und malt Abstraktionen. Umkehrung der Anekdote von Leibl im „Lohengrin“: „Lassts mi aussi, i kan Ritter net segn“. ...; Esther Gentle Gallery, New York, „Der Kreis“; Galerie Wolfrum, Wien, „Werte des kleinen Formates“; Leykam Passage, Graz, „Werte des kleinen Formates“; 1958 Galerie Welz, Salzburg, „Der Kreis“; Künstlerhaus, Wien, Herbstausstellung „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Nachtfahrt“ Öl, „Garten“ Öl, „Prima Sera“ Gouache, „Textur“ Gouache, „Gambentrio“ Gouache, „Weg nach Koron“ Gouache; 1959 Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, Expressionisten und Informale – zwischen den Polen der Formgebung, ausgestellt 11 Arbeiten darunter: „Das Festspiel“, „Passage“, „Februar“, „Begegnung“; Kritik Österreichische neue Tageszeitung 16.09.1959, Dr. Walter M. Neuwirth: ... Der Maler mit der „Löwenpranke“ ist Josef Stoitzner, man wittert Gedankentiefe, Stimmung und Kraft und zollt dem genialen „Festspiel“ in Öl Beifall. ...; Salzburg, „Internationale Grafik der Gegenwart“; Hamburg, „Internationale Grafik der Gegenwart“; Wiesbaden, „Internationale Grafik der Gegenwart“; Berlin, „Internationale Grafik der Gegenwart“; 59/60 Johannesburg, „Graphik Art in Austria“ Austrian

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Josef StoitzNeR-MiLLiNGeR 94

Federation of Arts; (Katalog ohne Zeitangabe vermutlich 59/60) ausgestellte Arbeit: „Garden Plan“; Wien, „Internationale Grafik im Kulturamt“; Künstlerhaus, Wien, „ Der Kreis“, ausgestellte Werke: „2. Februar“ Gouache 60 x 46 cm, „Stillleben“ Gouache 58 x 46 cm, „Gärten“ Gouache 43 x 57 cm, „Ausklang“ Gouache 61 x 43 cm; 1961 Kairo, Modern graphik art in Austria“ Society of fine arts, ausgestellte Werke: „Woodland Scenery“ Gouache, „Grisaille“ Gouache, „Elegy“ Distemper; Ankara; Künstlerhaus, Wien, erste Kollektion von 20 Bildern bei der Herbstausstellung „Der Kreis“, zum 50. Geburtstag, ausgestellte Werke: „Clown und Tänzerin“ Öl 1949/50, 80 x 100 cm, „Mann und Frau“ Öl 1953, 85 x 63 cm, „Spiegelparavent“ Tempera 1955, 20 x 30 cm, „Februar“ Öl 1959, 100 x 80 cm, „Figuren“ Tempera 1959, 60 x 45 cm, „Ketônet“ Öl 1956/61, 120 x 110 cm, „Retirandum“ Öl 110 x 90 cm, „Festspiel“ Öl 110 x 170 cm, „Sesselstillleben“ Öl 1958/59, 80 x 100 cm, 2. „Februar“ Öl 1960, 85 x 100 cm, „Nacht“ Öl 1960, 80 x 90 cm, „Evipan“ Öl 1960, 85 x 110 cm, „Straßensignatur“ Öl 1960, 82 x 103 cm, „Maquette I“ Holz 172 x 60 cm, „Maquette II“ Holz 80 x 110 cm, „Schekem“ Öl 1960, 100 x 110 cm, „Insel Orplid“ Öl 1960, 100 x 100 cm, „Sommer“ Öl 1961, 100 x 100 cm, „Gründung“ Öl 1961, 100 x 100 cm, „Medreß“ Öl 1961, 80 x 100 cm Zitat Professor Jörg Lampe aus dem Katalog der Kreisausstellung: ... Stoitzner gehört nicht nur zu den besonders profilierten Malern der Künstlervereinigung „Der Kreis“, sondern auch zu denen, die sich die „Moderne“ zu einer sehr persönlichen Aufgabe machen, statt sich von ihr überwältigen zu lassen. ... Stoitzner lässt sich nicht ins „Informelle“ treiben, sondern er will auf seine Weise der auf ihn eindringenden Möglichkeiten des Bildnerischen, des Malerischen mächtig werden und bleiben und statt der wilden Töne schlägt er lieber die leisen an, ohne auf die kräftigen zu verzichten. Er hält sich bei den Maßen und in den Maßen, was bei der heutigen Verführung zur Losgelassenheit, der so häufig kein Vermögen zur Fülle zur Seite steht, einen schätzenswerten Zug zur Disziplin verrät. Denn solcher Disziplin entsprosst dann wirklich ein Reichtum an Gestalt, während die Losgelassenheit allein dem Chaos Vorschub leistet.“ Kritik von Ferry Tassiè: „Synthese von Malerei und Intelligenz ... gefundenen Formel, die restlos überzeugt ... von der Brillianz im Artistischen“ von Buchsbaum: „ ...hohen Malkultur“ in der „das Figurative immer mehr zum bloßen Anlass kultivierter Form- und Farbgespräche wird“ und sich der „Reichtum des Bildnerischen mit nobler ... Verhaltenheit paart“; Wien, Aufführung im Ateliertheater am Naschmarkt: 1960

1962

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„Gyges und sein Ring“ (Friedrich Hebbel) mit Bildern von Josef Stoitzner; Graz, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Retirandum“ Öl 110 x 90 cm, 2. „Februar“ Öl 96 x 100 cm, „Nacht“ Öl 80 x 90 cm, „Stillleben“ Tempera 63 x 46 cm, „Gartenplan“ Tempera 63 x 46 cm, „Adventbild“ Tempera 63 x 46 cm, „Innenraum“ Tempera 63 x 46 cm; Wien, Festwochen-Ausstellung Pocket Pictures, Galerie Willy, ausgestellte Werke: „Landschaft“ Gouache 17 x 11 cm, „Innenraum“ Tempera 11 x 13 cm, „Das Ziel“ Tempera 11 x 17 cm, „Figuren“ Tempera 10 x 15 cm, „Akt“ Gouache 11 x 15 cm; „Neuerwerbungen von Ölbildern“, Ausstellung des Kulturamtes der Stadt Wien, ausgestelltes Bild: „Sesselstillleben“ Öl 1958/59, 80 x 100 cm; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Akkon“ Öl 85 x 150 cm, „Föhn II“ Öl 130 x 160 cm, „Beschwörung“ Öl 70 x 90 cm, „Tantra“ Öl 80 x 90 cm; Ljubljana, „GRAFIKA IZ AUSTRIJE V LJUBLJANI“; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Akkord“ Öl 100 x 80 cm, „Figuren“ Mischtechnik 45 x 71 cm, „Interieur“ Tempera 65 x 48 cm, „Herbst“ Tempera 41 x 50 cm, „Imagination“ Tempera 42 x 57 cm; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Stillleben“ Öl 1948, 60 x 80 cm, „Moccatasse und Zuckerdose“ Öl 1949, 35 x 24 cm, „Sessel“ Eitempera 1949, 62 x 43 cm, „Februar“ Öl 1959, 100 x 80 cm, „Sesam“ Gouache 1964, 82 x 57 cm, „Stillleben II“ Gouache 1964, 55 x 27 cm, „Juninachmittag“ Gouache 1964, 54 x 74 cm; Artikel von Dr. Heinrich Schöny „Transformation – Zum Schaffen des Malers Josef Stoitzner“ in der Zeitschrift „Alte und moderne Kunst“ (9. Jahrgang, Heft 73); Wien, Aufführung der „Geschichte vom Soldaten“ von Igor Strawinsky durch das Ensemble „Kontrapunkte“ (Kammerorchester der Wiener Symphoniker) unter Leitung von Peter Keuschnig nach Bild („kleines Ornat“) und Idee von Josef Stoitzner in der Wiener Secession Regie: Robert Minder Dazu Kritik Gerhard Bauer: „In einer dem Wesen nach konzertanten Aufführung wurde hier von Josef Stoitzner erstmals der Versuch unternommen, den akustischen Eindruck durch eine, den musikalischen Ablauf der Partitur widerspiegelnde Musikgraphik, durch eine synchrone Farbanalyse zu verstärken, wobei allerdings nicht nur die musikalischen Bewegungsvorgänge erhalten, sondern auch die Textstellen zu äußerst wirkungsvollen Höhepunkten geführt werden. Das gesprochene Wort tönt hier in raffiniert ausgeklügelten Stereoeffekten vom Tonband, der Lauf des Geschehens wird durch eminent reizvolle pantomimische Schattenspiele markiert, für deren gekonnte und durchdachte Anordnung dem Regisseur Robert Minder nicht genug zu danken ist.“; Künstlerhaus, Wien, Ausstellung 20 Jahre „Der Kreis“,


1967 1968 1969

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ausgestellte Werke: „Epigrammvotiv“ Öl 1958/59, 112 x 85 cm, „Evipan“ Öl 1961, 85 x 110 cm, „Herbstbild“ Tempera 1962, 41 x 80 cm, „Abrona“ Tempera 1964, 49 x 80 cm, „Theorem“ Öl 1965, 160 x 130 cm, „Spiegel“ Öl 1966, 92 x 120 cm; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Aufschwung“ Tempera 48 x 69 cm, „Grundstein“ Tempera 68 x 49 cm, „Übereinstimmung“ Tempera 36 x 70 cm, „Zwielicht“ Tempera 42 x 62 cm, „Kollektion“ Tempera 45 x 63 cm, „Nachsommer“ Tempera 69 x 48 cm, „Festplatz“ Tempera 49 x 64 cm, „Februar '66“ Tempera 44 x 63 cm; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Feierabend“ Tempera 51 x 77 cm, „Venezia“ Tempera 68 x 43 cm, „Erinnerung 1967“ Tempera 82 x 50 cm, „Zwielicht“ Tempera 70 x 50 cm, „Inselstadt“ Tempera 51 x 76 cm, „Festlicht“ Tempera 48 x 72 cm; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Estomihi“ Tempera 75 x 56 cm, „Sonntag“ Tempera 44 x 68 cm, „Erwartung“ Tempera 52 x 63 cm; Bregenz, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Venezia“ Tempera 68 x 43 cm, „Inselstadt“ Tempera 51 x 77 cm, „Festlicht“ Tempera 48 x 72 cm; 24. September, Berufung zum ordentlichen Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für Zeichnen und Malen an der Fakultät für Bauingenieurswesen und Architektur an der Universität in Innsbruck; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Besinnung“ Tempera 69 x 48 cm, „Interieur 1970“ Tempera 52 x 75 cm, „Jänner“ Tempera 73 x 50 cm; Secession, Wien, Ausstellungsteilnahme „25 Jahre Ankäufe des Kulturamtes der Stadt Wien“; Innsbruck, Antrittsvorlesung mit Ausstellung von 40 Werken (Öl- und Temperagemälde); Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, „Historien und Utopien“, ausgestellte Werke: „Vom letzten Ritter“ Tempera 84 x 56 cm, „Historischer Ornat“ Tempera 51 x 80 cm, „An Tibull“ Tempera 82 x 56 cm; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Stillleben '71“ Aquarell 38 x 80 cm, „Konvexion“ Tempera 1971, 56 x 81 cm, „Hieburg“ Tempera 54 x 78 cm, „Stillleben '72“ Tempera 80 x 55 cm; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“, ausgestellte Werke: „Theorem“ Öl 1965, 160 x 130 cm, „Orplid II“ Öl 1971, 100 x 80 cm, „Herbst“ Öl 1972, 100 x 100 cm, „Scene“ Öl 1972, 100 x 80 cm, „Gartenbank“ Tempera 1972, 56 x 78 cm, „Elegie“ Tempera 1969, 56 x 82 cm, „Gartenplatz“ Tempera 1969, 56 x 78 cm, „Rondo“ Tempera 1972, 81 x 81 cm, „September“ Tempera 1971, 79 x 55 cm, „August“ Tempera 1972, 78 x 49 cm, „Feierabend“ Tempera 1972, 80 x 55 cm; Innsbruck, Ausstellung an der Fakultät für Bauingenieurswesen und Architektur; Künstlerhaus, Wien, „Der Kreis“ Jahresausstellung, ausgestellte Werke: „Saba“ Tempera 60 x 81 cm, „Garten“

1977 1980 1981 1982 1982 1985 2004

Tempera 61 x 84 cm, „Dezember“ Tempera 55 x 82 cm, „Advent“ Tempera 62 x 85 cm, „Iris“ Tempera 59 x 78 cm, „Bukett“ Tempera 83 x 58 cm; Buch, Innverlag; Wien, 3. Festival der Aktuellen Kunst um die Wotrubakirche mit Malerportrait Josef Stoitzner; Rosenheim, Gemeinschaftsausstellung in der Sparkasse Rosenheim mit der Tochter Susanne Diefenbach-Stoitzner; Verleihung des „Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse“ im Bundesministerium für Unterricht und Kunst; Bramberg im Pinzgau, Heimatmuseum Gemeinschaftsausstellung Josef Stoitzner Vater und Sohn; Neuwaldegg, Bildungshaus, Neuwaldegger Hausgalerie Gemeinschaftsausstellung mit der Tochter Susanne Diefenbach-Stoitzner; Am 6. November stirbt Josef Stoitzner in Wien, Beisetzung am 19. November auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab der Stadt Wien; Wien, 19. März, Verkaufsausstellung, „Künstlervereinigung Der Kreis 1946 – 1980“ Hans J. Starl Kunsthandel; Hollersbach im Pinzgau, Ausstellung anlässlich der 16. internationalen Malerwochen;

Im Besitz des Bundesministeriums für Untericht und Kunst befinden sich folgende Werke: 1. „Fenster“ Öl auf Leinwand (Akademie für Musik und Darstellende Kunst) 2. „Cavatina Veris“ Öl auf Leinwand 63 x 79 cm 3. „Belebter Horizont“ Tempera 77 x 79 cm (Österreichische Botschaft in New York) 4. „Blattwerk auf Schwarz“ Tempera 83 x 63 cm 5. „Begegnung“ Tempera 45 x 67 cm 6. „Sommer“ Öl auf Leinwand 100 x 100 cm (Handelsschule in Waidhofen/Ybbs) 7. „Feierabend“ Tempera 53,5 x 81,4 cm 8. „Wiege“ Tempera 59 x 84 cm 9. „Stillleben 71“ Aquarell 10. „Vom letzten Ritter“ Tempera 85,4 x 59,5 cm 11. „Gartenbank“ Tempera Im Besitz des Kulturamtes der Gemeinde Wien befinden sich folgende Arbeiten: 1. „Steinsignatur“ Tempera 1959 46 x 58 cm 2. „Ausklang“ Aquarell 1960 63 x 44 cm 3. „Atelierstillleben“ Tempera 1960 44 x 63 cm 4. „Belegte Fläche“ Tempera 1960 47 x 61 cm 5. „Stillleben 1960/61“ Öl auf Leinwand 1961 90 x 100 cm 6. „Sesselstillleben“ Öl auf Leinwand 1961 80 x 100 cm 7. „Interieur“ Tempera 1963 64 x 48 cm 8. „Herbstbild“ Tempera 1966 45 x 54 cm 9. „Grundstein“ Tempera 1967 69 x 50 cm

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Herausgeber: Susanne Diefenbach-Stoitzner, Bramberg © 2011 Beiträge: Waltraud Voithofer, Kustodin Museum Bramberg Dr. Nikolaus Schaffer, Kunsthistoriker und Kurator am Salzburg Museum Dr. Herbert Giese, Kunsthandel Giese & Schweiger Wien Prof.Dr.med.dent. Jakob Wirz, Neffe von Josef Stoitzner-Millinger Gestaltung, Satz: Nindl Christian Grafik Design, Bramberg Konzeption und Buchbindung: Buchbinderei Christian Fuchs, Saalfelden Repro-Fotografie: Huber Fotografie, Mittersill Druck: Samson Druck, St. Margarethen Abb. Einband:

J.St.M., o. T., Ausschnitt,

Öl auf Leinwand, Format: 70 x 110 cm, 1962

Abb. Frontispiz: J.St.M., o. T., Ausschnitt,

Öl auf Leinwand, Format: 79,5 x 130 cm, 1948

Abb. Seite 5:

J.St.M., Maler und Modell, Ausschnitt,

Öl auf Leinwand, Format: 184,5 x 170 cm, 1950

Abb. Seite 6:

J.St.M., o. T., Ausschnitt,

Öl auf Leinwand, Format: 120 x 100 cm, 1962

Abb. Seite 21:

J.St.M., o. T., Ausschnitt,

Tempera, Format: 54,5 x 39,5 cm, 1958

Abb. Seite 91:

J.St.M., Begegnung, Ausschnitt,

Tempera auf Leinwand, Format: 51 x 36 cm, 1976

Erhältlich bei:

Susanne Diefenbach-Stoitzner

Stoitznergasse 38, 5733 Bramberg, T. 06566 20066

ISBN 978-3-200-02294-2


Die Erstellung dieses Buches wurde von nachstehenden Behörden, Firmen und Personen durch finanzielle Unterstützung oder Mitarbeit ermöglicht! Salzburger Volkskultur Gemeinde Bramberg HV Bau, Bramberg/Kitzbühel Holzbau Maier, Bramberg Raiffeisenbank Bramberg Christian Nindl Grafik Design, Bramberg Buchbinderei Fuchs, Saalfelden Huber Fotografie, Mittersill Dr. Nikolaus Schaffer Dr. Herbert Giese Prof. Dr. Jakob Wirz Museum Bramberg

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