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einmal ohne mich es ist unerträglich! wo auch immer ich hinkomme, ich bin schon da. nichts geht ohne mich; offenbar bin ich unabkömmlich, zumindest hält man mich dafür. dabei liebe ich die Stille. nicht irgendeine; nicht die jungfräuliche Morgenstille, wenn der Tag noch nichts von sich weiß und die Nacht ihren Trauerflor dem Horizont zuträgt (da schlägt mein Puls mir schon zu laut), und auch nicht die sprichwörtliche Stille vor dem Sturm (ein abgeschmacktes Bild, ich weiß); selbst die Stille nicht, die ein Stromausfall verursacht und die reinigend wirkt auf mein Gemüt (namentlich in Einkaufszentren und Kaufhäusern, die ich tunlichst zu meiden suche; aber selbst dort begegne ich mir). nein, ich meine die Generalpause: dieses Loch in der Musik, in dem die Zeit stillzustehen scheint, diese Leere, in der nichts existiert als sie selbst. diesen Augenblick des Nichts suche ich, in dem ich – endlich! endlich! – nicht mehr vorkomme und einmal ohne mich bin Christoph Janacs

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Silent Salzburg | vision.salzburg.

Vision Salzburg - Weihnachtsausgabe 2013  

Zeit zu glänzen, Vision Salzburg Weihnachtsausgabe. 2013

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