Servus in Niederösterreich

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IHR PERSÖNLICHES EXEMPLAR

NIEDERÖSTERREICH Im Reich der Reben

Unterwegs im malerischen Weinviertel

FERIEN AUF DEM LANDE Vom Mostviertel bis in den Wienerwald: Eine kulinarische Reise durch die Regionen Buntes Glück: Der Gartensommer in Langenlois Sommerfrische: Wie der Semmering neu erwacht Im Schloss, im Wald, am See: Kunst an magischen Orten Sattel-Fest: Radtouren für die ganze Familie


Besonders Erlebenswert!

Niederösterreichs 50 Top-Ausflugsziele

© istockphoto.com – pixdeluxe

Die 50 Top-Ausflugsziele Niederösterreichs sorgen 2021 an Land, zu Wasser, bergauf und bergab für ein buntes und qualitätsvolles Ausflugsangebot. Spannende Ausstellungen, erlebnisreiche Naturparks, Genuss-, Garten- & Erlebniswelten, historische Stifte, Klöster, Burgen und Schlösser versprechen unvergessliche Momente für die ganze Familie.

Mehr Infos unter:

top-ausflug.at

Viel Platz und durchdachte Hygiene-Konzepte machen Ihren Ausflug sicher und problemlos. Für Orientierung im „Ausflugsdschungel“ sorgt die Mobilitätskarte der Top-Ausflugsziele in digitaler & gedruckter Form.


VORWORT

DIE LEISEN TÖNE

Illustration: Andreas Posselt

Es gibt offene Geheimnisse, wie die verführerische Kraft der Wachauer Marillenknödel, den faszinierenden Anblick der Abermillionen Birnbaumblüten, die im Frühjahr das Mostviertel üppig schmücken, den Wein, der so gut schmeckt, dass gern auch ein zweites Achterl willkommen ist, oder die magischen Musik-Momente, die Sommer für Sommer das Schlossareal von Grafenegg verzaubern. Aber dann sind da auch die weniger bekannten Seiten, die leiseren Töne Niederösterreichs. Sie offenbaren sich etwa bei einem Spaziergang über den Waldviertler „Lebensweg“, der seine Besucher zur Stille führt. Oder bei einem Ausflug zur wundersamen Maria-LourdesGrotte, die einen zerklüfteten Felsen im Wienerwald

zu einem Ort des buchstäblichen Himmelsfriedens macht. Sie werden auch an einer Waldlichtung irgendwo zwischen Semmering und Rax spürbar, wo im Schatten des größten Rhododendrons in Mitteleuropa die Gedanken auf Reisen gehen dürfen und der Blick übers weite Land die Freiheit grenzenlos scheinen lässt. Solche Augenblicke würden wir am liebsten in den Rucksack packen für später. Wir können aber auch einfach noch ein bisserl länger bleiben. Wir wünschen Ihnen eine entspannte Reise und schöne Stunden mit unserer Niederösterreich-Ausgabe. Gundi Bittermann & die Redaktion

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6 Auf Sommerfrische Ankommen, durchatmen,

genießen – eine Bilderreise durch Österreichs größtes Bundesland

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26 Liebeserklärung Christian Seiler über Grammel­ knöderl und Süditalien mitten in Hadersdorf

14 Wussten Sie das? Die kleinste Stadt, der höchste

28 Ein Mann und sein Wein Besuch bei Winzer Wolfgang

16 Kunst am Gaumen

34 Der 20-Schilling-Berg Die Bahn, die Villen und Ferien

Berg, ein tonnenschwerer Stein, der wackeln kann: Niederösterreich zum Staunen

Junge Köche, alte Rezepte und der Geschmack der Regionen

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Seher und neun weitere Empfehlungen im Weinviertel

wie früher: wie der Semmering mit viel Geschichte neu erwacht

40 Eine stille Reise zu sich selbst Beim Fasten im Kloster Pernegg

im Waldviertel kann man einen klaren Blick und Leichtigkeit im Kopf gewinnen – und lernen, wie man dem Körper Gutes tut

52 Die Schätze an der Donau Von der Wachau bis Carnuntum:

eine Reise zu mächtigen Stiften und mittelalterlichen Städten, zu einer römischen Weltmetropole und rubinfarbenem Wein

Coverfotos: Philip Platzer, Stephan Mussil, Stephanie Golser, Niederösterreich Werbung/Stefan Fuert

INHALT


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Fotos Inhalt: Marco Rossi, Philipp Horak, Rita Newman, Stephan Mussil, Arche Noah/Rupert Pessl, Christoph Leditznig, Peter Podpera

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58 Einen Gartensommer lang Seltene Kulturpflanzen laden in Langenlois zum Lustwandeln ein

66 Wo die Musen küssen Konzerte im Schloss, Lieder

im Wald, Theater am See: Kunst und Kultur an magischen Orten

70 Der Spielplatz der Bohème Der „Schwimmende Salon“ in Bad Vöslau ist viel mehr als ein Theaterfestival: Angelika Hager über ihre Liebe zum Bad

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72 Gute Unterhaltung! Das nördlichste Theater

Österreichs und fünf Museen, die Lust auf Kunst machen

74 Wildes Wunder Der größte Urwald Mitteleuropas, dazu ein Himmelsglitzern, das den Atem raubt – Ausflug zum Dürrenstein

80 Sattel-Fest Den Genussgang einlegen: sechs

88 Stadt, Land, Fluss Im Windschatten der

Bundeshauptstadt kuschelt sich Klosterneuburg ins Gelände: vom Wandern, Wundern und Wohnen am Weingut

98 Mundart, Impressum Ein kleiner Sprachführer durch Niederösterreich

Radtouren für die ganze Familie

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NIEDERÖSTERREICH IN BILDERN

SOMMERFRISCHE Wo der Wein Geschichte hat, wo auf Gipfeln Gefühle fliegen lernen und wo blaues Wasser zu Hechtsprüngen ins Glück verführt. Vom Zauber eines Landstrichs.

Foto: Philip Platzer

TEXT: Gundi Bittermann

Unendliche Weiten. Wie fürs Bilderbuch gemalt liegt das Mostviertel da. Die Moststraße, die sich über 200 Kilometer durchs Land schlängelt, ist von Streuobstbäumen gesäumt. Jahr für Jahr werden hier herrliche Birnenspezialitäten geerntet – etwa Speck-, Dorsch-, Knoll- oder Pichlbirne.

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Fotos: Philipp Horak, Niederösterreich Werbung/Romeo Felsenreich

Die Wiege des Weins. Die malerischen Gassen von Gumpoldskirchen sind von Wien nur eine kurze Bahnfahrt entfernt. Eine lohnende Reise, kommen hier doch die Weinraritäten Rotgipfler und Zierfandler ins Glas.

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Raum für Hochgefühle. Ein Blick von der Hohen Wand zur richtigen Zeit offenbart magische Sonnen­untergänge über dem Wiener Alpenbogen.

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Ferienparadies. Eine sommerliche Boots­tour über den Ottensteiner Stausee ist immer eine gute Idee. Seine Wasser­ temperatur von rund 23 Grad verleitet zum Hechtsprung ins Badeglück, auf den warmen Inselfelsen lässt es sich dann herrlich lufttrocknen.

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Fotos: Schwarz-König, Niederösterreich Werbung/Daniel Gollner

Wasserwelt. Eine Reise über den großen Fluss lässt vieles klein erscheinen. Mit Macht durchfließt die Donau die umliegende Landschaft – wie hier in der Wachau, wo ganz hinten rechts der imposante Kirchturm der Wehrkirche in Weißenkirchen wie die Aussichtswarte des Zwergenkönigs aus der Kulisse ragt.

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Fotos: Astrid Bartl, Robert Herbst

Beflügelnder Ort. Wahrzeichen der Weinstadt Retz ist diese Windmühle. Sie liegt auf einer Anhöhe an der alten Straße von Retz nach Hofern und ist mit einem gemütlichen Spaziergang vom Ortszentrum in 20 Minuten erreichbar.

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Historischer Landstrich. Spaziergänger können auf dem Weg durch die Keller­ gassen des Weinviertels – wie hier bei Zellerndorf – über und unter der Erde in die Geschichte des Weinbaus eintauchen, geheimnisvolle Kellerröhren besichtigen und Weine verkosten.

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ZAHLEN & FAKTEN

WUSSTEN SIE SCHON? Welche ist die kleinste Stadt Österreichs? In welchem Kloster wurde ein oscarprämierter Film geschrieben? Woher hat St. Pölten seinen Namen? Hier erfahren Sie es! TEXT: Niki Nussbaumer ILLUSTRATION: Andreas Posselt

Mit 2.076 Metern ist der Schneeberg der höchste Berg Niederösterreichs. Lange Zeit hielt man ihn für einen Vulkan und für den höchsten Berg des gesamten Kaiserreichs Österreich.

In der Abgeschiedenheit einer Zelle im Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald schrieb Florian Henckel von Donnersmarck das Drehbuch zu seinem oscargekrönten Film „Das Leben der Anderen“.

Nicht in Wien, sondern im Wienerwald, zwischen Mödling und Hinterbrühl, fuhr ab 1883 die erste elektrische Straßenbahn Österreichs.

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In der Seegrotte, einem ehemaligen Gipsbergwerk in der Hinterbrühl bei Mödling, befindet sich der größte unterirdische See Europas.

An die 300.000 Birnbäume wachsen zwischen den Flüssen Ybbs und Enns – womit es sich um die höchste Dichte an Mostbirnbäumen in Mitteleuropa handelt. Insgesamt werden noch 200 Sorten im Mostviertel angebaut.

Der Name St. Pölten geht auf den heiligen Hippolyt von Rom zurück. Durch Lautverschiebungen wurde aus St. Hippolyt im Lauf der Jahrhunderte St. Pölten. Seit 1986 ist St. Pölten die Landeshauptstadt Niederösterreichs.


Seit 1873 strömt das Wasser aus dem Rax-SchneebergGebiet über die I. Wiener Hochquellenleitung 112 Kilometer in die Hauptstadt. Das Wasser fließt über 30 Aquädukte und Talquerungen und benötigt 16 Stunden, bis es in Wien eintrifft.

Die Thermalquelle in Bad DeutschAltenburg ist eine der stärksten Iod-Schwefel-Quellen in Mitteleuropa. Diese wurde bereits vor 2.000 Jahren von den Römern genutzt.

Direkt am Donauradweg bei der Fährstation St. Lorenz-Weißenkirchen ragt die „Wachauer Nase“ aus dem Boden. Sie ist vier Meter hoch, die Nasenlöcher bilden kleine Höhlen und sind begehbar.

Hardegg im Waldviertel zählt nur 84 Einwohner und ist damit die kleinste Stadt Österreichs.

Die Marktgemeinde Kapelln an der Perschling liegt exakt am Mittelpunkt von Niederösterreich.

Das Dickwurzel-Löffelkraut (Cochlearia macrorrhiza) zählt zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten Mittel­europas. Es kommt nur noch in wenigen Exemplaren an einem Stand­ort nahe Moosbrunn bei Bruck an der Leitha vor.

In Retz liegt der größte historische Weinkeller Österreichs – ein weit verzweigtes Labyrinth mit 20 km Gesamtlänge aus Röhren und Stollen, dichter ausgebaut als das oberirdische Straßenverkehrsnetz und drei Geschoße tief in den Sand gegraben.

Mit den Nationalparks Thayatal und Donau-Auen ist Niederösterreich das einzige Bundesland, in dem zwei Nationalparks angesiedelt sind. Im Nationalpark Thayatal sind bereits verschwundene Tierarten wie Elch und Wildkatze wieder gesichtet worden. Der 38 Kilometer lange Nationalpark Donau-Auen ist eine der größten weitgehend intakten Aulandschaften Mitteleuropas.

Der Wackelstein im Schremser Wald ist rund 105 Tonnen schwer – und kann dennoch in Bewegung versetzt werden, wenn man ihn an einer gewissen Stelle am linken Rand drückt.

Auf der Burg Dürnstein wurde im Mittelalter der englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten. Mit dem größten Teil des Lösegeldes – mehr als 23 Tonnen Silber – wurde Wiener Neustadt erbaut.

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KULINARISCHE REISE

KUNST AM GAUMEN In Österreichs größtem Bundesland hüpft das Feinschmeckerherz. Wir besuchten sechs ausgewählte Wirtshäuser und brachten neben gut gefüllten Mägen auch drei regionale Rezepte mit nach Hause.

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ie schmeckt Österreich zwischen Poysdorf und Hochkar, zwischen Weitra und Rax? Schon klar, nach Marille, Mohn und Mostbirne, aber der natürliche Rohstoff-Fundus Niederösterreichs ist noch viel größer. Da sind etwa die Donau- und Lunzer-See-Fische und der Waldviertler Karpfen, natürlich der berühmte Spargel aus dem Marchfeld, der herrliche Mostviertler Schofkas oder das Schneebergland-Rind. All diese kulinarischen Schätze sind für die Küchenchefs der Region der Stoff, aus dem echte Feinschmeckerträume sind. Eine neue Generation von Produzenten und Küchen­ künstlern ist gerade dabei, die bodenständige, traditionelle Küche der Region mit viel Wertschätzung zu entstauben und mit neuen, kreativen Ideen zu verzieren. Vom Hueber in St. Georgen an der Leys am oberen Ende des Melktals bis zum Stockerwirt in Sulz im Wienerwald ist diese Entwicklung zu sehen und zu verkosten. Wenn dann eine junge Gemüsebäuerin wie Stephanie Theuringer im Marchfeld, dem Zen­ trum des Spargellandes, Artischocken erntet, sieht man, dass diese Bewegung nicht nur in den Küchen, sondern auch auf den Feldern ihre Spuren hinterlässt. Und so kommen in den Gasthäusern und Landgasthöfen, von denen sich manche

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zu echten Feinschmeckertempeln gemausert haben, Gerichte auf den Tisch, die schon beim Studieren der Speisekarte den Mund wässrig machen: Forelle mit knusprigen Semmelwürfeln etwa, Sellerie-Cordon-bleu, aber auch Krautfleckerl wie früher, wie sie schon in der Kindheit geschmeckt haben. Patrick Friedrich vom Gasthaus Figl beschreibt sein Verständnis dieses österreichischen Küchenklassikers so: „Ich will das herausschmecken, was ich aus der Küche meiner Oma in meiner Erinnerung habe.“ DER GESCHMACK DER REGIONEN Man kann ohne Einschränkung sagen: Die Gastgeber Niederösterreichs halten den Geschmack der Regionen hoch. Das zeigt sich auch in regionalen Schlemmertreffen wie dem Gourmetfestival in der Wachau, den „Mostviertler Feldver­ suchen“, dem „Tafeln im Weinviertel“ oder der „Genussmeile“ in der Thermenregion Wienerwald. Und natürlich im Zusammenschluss von rund 220 Wirten, die unter dem Titel „Nieder­ österreichische Wirtshauskultur“ Spezialitäten der regionalen Landwirtschaft zu großer kulinarischer Kunst machen. Es gilt also für Hiesige und Dåsige genauso wie für Zuag’raste, Sommerfrischler und Ausflügler: kommen, kosten, glücklich sein.

Fotos: Niederösterreich Werbung/Rita Newman, Michael Reidinger, Philipp Horak, Eisenhut&Mayer

TEXT: Wolfgang Maria Gran


Genusstour. Stefan Hueber und Silvia Aigner aus dem Mostviertel; die Schafe vom „Apfelbauer“ in Miesenbach. Unten: prächtige Weinviertler Artischocken von Stephanie Theuringer; die Figl-Krautfleckerl aus dem Tullnerfeld.

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Sanft alpin. Die Wiener Alpen bilden den östlichsten Ausläufer der Nördlichen Kalkalpen. Sie reichen von der Buckligen Welt über Wechsel, Semmering und Schneeberg (hier am Horizont zu sehen) bis zur Hohen Wand.

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Wiener Alpen Gasthaus Apfelbauer

Holzofen und Heimweh Markus Kuchner (links mit Tochter Anna) vom Gasthaus Apfelbauer ist ein Wirtshauskind in sechster Generation, aufgewachsen zwischen Kachelofen und Schank, Frühschoppen und Stammtisch. „Mir ist gar nichts anderes in den Sinn ge­ kommen als zu kochen.“ Acht Saisonen war er auswärts und jedes Mal froh, wieder das heimatliche Ortsschild zu sehen. Vor sieben Jahren hat er das Gasthaus von den Eltern über­ nommen, die noch gern mit anpacken. Seine Küche: „Einfach, ehrlich, die Qualität muss passen, rundumadum haben wir die besten Zutaten.“ Bauern und Jäger aus der Umgebung liefern, alles wird im Ganzen gekauft und verwertet. Auf der Karte stehen Lammkeule aus dem Holzofen, Beuscherl und Sellerie-Cordon-­ bleu, Heumilch-Bergkäseknödel und hausgeräucherter Fisch – kein Wunder, dass einen die Ortstafel jedes Mal fröhlich stimmt. Ascherstraße 15, 2761 Miesenbach, apfelbauer.at

GESCHMORTE LAMMSTELZE

mit geräucherter Polenta Rezept von Markus Kuchner

Fotos: Franz Zwickl, Michael Reidinger

Zutaten für 4 Personen Zeitaufwand: 2½ Stunden Für das Lamm: 4 Lammstelzen Salz, Pfeffer Öl zum Anbraten 1 EL Butter 1 Zwiebel 3 Knoblauchzehen 80 g Karotten 80 g Sellerie 80 g Lauch 1 EL Paradeismark 150 ml Rotwein 2 Thymian­zweige 2 Rosmarinzweige 1 l Lammfond (oder Rindsuppe) Für die Polenta: 600 ml Selchfond 300 ml Obers 110 g Polenta 8 Scheiben Räucherkäse

Zubereitung 1. Lammstelzen salzen, ­pfeffern und auf allen Seiten kräftig anbraten. Herausnehmen, Fett abgießen. 2. In derselben Rein Butter aufschäumen. Zwiebel, Knoblauch und Wurzel­ werk grob schneiden und darin anrösten. Paradeismark einrühren, mit Rotwein ab­löschen, Kräuter und Stelzen zugeben und mit Fond übergießen. 3. Im vorgeheizten Backrohr zu­gedeckt bei 180 °C etwa 2 Stunden lang schmoren. 4. Für die Polenta Selchfond mit Obers aufkochen,

Po­lenta einrühren und bei schwacher Hitze zu­ gedeckt quellen lassen. Zum Anrichten auf vorge­ wärmten Tellern mit Käse im Backrohr gratinieren. 5. Wenn sich das Lammfleisch leicht vom Knochen löst, die Stelzen aus der Sauce heben und warm stellen.

6. Den Bratensaft durch ein feines Sieb passieren, nochmals erwärmen und nach Belieben leicht binden. 7. Stelze mit dem Gemüse zur Polenta anrichten und mit Lammsauce übergießen. Eventuell mit frischem Rosmarinzweig garnieren.

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Donauregion Gasthaus Figl

Ehrlich kocht am besten Er ist gebürtiger Schweizer und hat als Küchenchef internationale Gerichte rauf und runter gekocht. Trotzdem war es eine Art Heimkehr, als Patrick Friedrich (links) vor nunmehr fünf Jahren das Traditionsgasthaus Figl in Wolfpassing übernahm – stammt doch sein Vater ursprünglich aus einem Nachbarort. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass sich Patrick mit Leib und Seele der österreichischen Hausmannskost verschrieben hat. „Ich verarbeite hier großteils nur heimische Produkte, wir haben über dreißig Lieferanten und Produzenten im unmittel­ baren Umfeld“, schwärmt der Chef des Hauses, der sich für den Schwerpunkt Österreichische Küche entschieden hat, weil er hier „das Produkt spüren“ kann. Ehrliche Ware, ehrliche Küche, das ist Patrick Friedrichs Devise. Und deshalb sind hier Kraut­ fleckerl, Gulasch und Grammelknödel zum Niederknien gut. Wiener Straße 1, 3424 Wolfpassing, gasthaus-figl.at

KRAUTFLECKERL wie früher Rezept von Patrick Friedrich

Für die Krautfleckerl: 700 g Weißkraut 100 g Zwiebeln 8 EL Öl 50 g brauner Zucker Salz, Pfeffer ganzer Kümmel 20 ml dunkler Balsamico 200 g Fleckerl Zum Fertigstellen: 1 große Flocke Butter 1 Prise brauner Zucker fein geschnittener Schnittlauch 100 g Sauerrahm frischer Majoran

Zubereitung 1. Weißkraut vierteln, vom Strunk befreien und in grobe Fleckerl schneiden. 2. Zwiebeln schneiden und fein würfeln. In einem Topf Öl erhitzen und die Zwiebeln darin andünsten, bis sie Farbe annehmen. Kraut zugeben, mitdünsten. 3. Zucker, Salz, frisch ge­ mahlenen Pfeffer und Kümmel zugeben, mit Balsamico ablöschen und die Hitze reduzieren. Das Kraut langsam 20–30 Minuten weich dünsten. 4. Die Fleckerl in reichlich kochendem Salzwasser bissfest kochen. Abseihen und abschrecken.

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5. Butter in eine Pfanne geben und braun werden lassen, Zucker darin leicht kara­ mellisieren. Das gedünstete Kraut zugeben und durch­ schwenken. 6. Die Fleckerl zugeben und heiß werden lassen. Mit Balsamico, Salz und Pfeffer abschmecken. Schnittlauch unterheben.

7. In tiefen Tellern anrichten, einen Löffel Sauerrahm dar­ aufsetzen und mit Majoran­ blättchen bestreuen.

Fotos: Victoria Schaffer, Stephanie Golser, Chiara Stocker, David Anselgruber

Zutaten für 4 Personen Zeitaufwand: 50 Minuten


Wienerwald Landgasthaus Stockerwirt

Charme im Grünen Wenn man hier auf der Karte von Rote-Rüben-Blattspinat-Kren-­ Risotto oder Entenleber mit Topinamburpüree liest, wird rasch klar, dass in dieser Küche auf hohem Niveau gearbeitet wird. Deshalb überraschen auch die zwei Hauben nicht, die man sich hier im Wienerwald erkocht hat. Katharina und Georg Stocker (unten) sind über so eine Würdigung naturgemäß zwar hocherfreut, wollen jedoch nicht nur damit punkten: „Eine gute Küche ist das eine, aber unser Landgasthof soll auch Charme haben und mit seinem Ambiente beeindrucken“, sagt Georg. Und das gelingt den Wirtsleuten hervorragend – mit einem Gastgarten direkt an einem Teich, offenem Kamin, Wintergarten und einer fulminanten Weinkarte mit mehr als 1.500 erlesensten Tropfen. Das ergibt die Kombination von gehobenem Niveau mit erhebender Umgebung mitten im Wienerwald-Grün. Rohrberg 36, 2392 Sulz im Wienerwald, stockerwirt.com

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Weinviertel Gemüsekulturen Theuringer

Disteln mit Herz Es ist das Herz. „Das Herz schmeckt unvergleichlich gut“, sagt Stephanie Theuringer aus der Marchfelder Gemüsebauernfamilie. Und dann holt sie ein Glas mit in Öl eingelegten Artischocken­ herzen hervor. Fragt man die junge Gemüsebäuerin (links), wie sie auf Artischocken verfallen ist – in einer Gegend, in der vor allem Spargel wächst –, sagt sie: „Ich esse sie einfach so gern.“ 2003 setzte sie zum ersten Mal probeweise welche aus. Das Anfängerglück war ihr hold. Und eines Tages wurden die Artischocken bei den Spargellieferungen an die Gastronomie mitgenommen, die Begeisterung war groß. Heute wird hier das distelartige Gemüse in unzähligen Erscheinungsformen geerntet: Da ist etwa die „Große Grüne von Laon“ oder „Green Globe“, kleine Sorten aus Italien genauso wie die großen französischen. Und alle haben eins gemeinsam: ein köstliches Herz. Altes Dorf 31, 2281 Raasdorf, theuringer.at

EINGELEGTE ARTISCHOCKEN

mit Kräutern und Gewürzen Zutaten für ein großes Einweckglas Zeitaufwand: 1½ Stunden 12 mittelgroße Artischocken Saft von 1 Zitrone 1 Bio-Zitrone 2 TL Meersalz 1 EL Zucker 2 Knoblauchzehen, in Scheiben geschnitten 1 Lorbeerblatt 3 Thymianzweige 1 fingergroßes Stück Bio-Orangenschale 1 TL Pfefferkörner 500 ml gutes Olivenöl

Zubereitung 1. Die Artischocken voll­ ständig von den Blättern befreien, bis nur noch die Knospenhaare übrig­ bleiben. Die Haare von den Artischockenböden schaben. Die Stiele auf 6–8 cm kürzen und dünn abschälen. Die Artischocken in eine Schüssel mit Zitronensaft und Wasser legen. 2. Bio-Zitrone in Scheiben schnei­den und mit den Artischocken in einem Topf mit Wasser, Salz und Zucker 20 Minuten kochen. 3. Die Artischocken mit einem Siebschöpfer aus dem Sud heben und auf einem

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Geschirrtuch ausdampfen lassen. 4. Die warmen Artischocken mit Knoblauch, Lorbeerblatt, Thymian, Orangenschale und Pfefferkörnern in ein sauberes Rexglas füllen, mit Olivenöl bedecken und fest verschließen.

5. Das Glas bis knapp unter den Deckelrand in kochendes Wasser stellen und 20 Minuten lang leicht köchelnd steri­lisieren.

Fotos: Daniel Gollner, Eisenhut&Mayer, Franz Michael Moser

Rezept von Stephanie Theuringer


Waldviertel Landgasthof Hinterleithner

Mix aus Feld und Welt Immer der eigenen Kreativität entlang – das ist das Motto von Küchenchef Hans Jörg Hinterleithner (unten), der das gleichnamige Landgasthaus von seinen Eltern übernommen hat und nun gemeinsam mit Lebensgefährtin Angeli Köchle (unten links) führt. Ein Weg, der zu zwei Hauben und neunzig P ­ rozent Stammgästeanteil geführt hat. Bodenständig, regional und ­saisonal gehört inzwischen ja schon fast zur Grundaus­stattung eines soliden Gasthauses. Aber Hans Jörg will Gaumen und Augen seiner Gäste immer wieder mit kreativen Raffinessen überraschen – weshalb bei ihm auch ein gebratener grüner Spargel auf dem Teller aussieht wie ein Frühlingsgemälde (links). So manches an Zutaten kommt vom eigenen Feld, aber im Hinterleithner macht auch immer wieder die weite Welt kulinarisch Station. „Ein Hauch Exotik darf schon sein“, schmunzelt Angeli, deren asiatische Wurzeln sich regelmäßig auch in der Speisekarte niederschlagen. Weinser Straße 95, 3681 Weins / Hofamt Priel, hinterleithner.at

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See mit Frischegarantie. Der Lunzer See, am Fuß des Dürrensteins gelegen, ist eines der schönsten Ausflugsziele im Mostviertel. Durch ihn fließt der Seebach, der das Wasser im See dreimal pro Jahr austauscht.

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Mostviertel

Hueber – Der Wirt in Bründl

Fotos: Philip Platzer, Niederösterreich Werbung/ Rita Newman

Altes Haus, neues G’wand Einst, im 19. Jahrhundert, war das ehrwürdige Haus im eher unscheinbaren Mostviertler Örtchen St. Georgen an der Leys ein Postamt. Seit Stefan Hueber (oben links bei der höchstpersönlichen Qualitätskontrolle von Stangensellerie) in bereits sechster Generation den Gasthof übernommen hat, geht hier endgültig auch kulinarisch so richtig die Post ab. Wenn er zum Beispiel ein „Gulasch im neuen G’wand“ (oben) mit Beiriedschnitte und Ochsenbackerl zaubert oder eine Neubrucker Forelle auf neue Wiener Art mit Erdäpfelsalat-Fond, knusprigen Semmelwürfeln, Preiselbeeren und Sardellen (links) zum Aha-Erlebnis macht. Stefan, der den Gasthof mit seiner Lebensgefährtin Silvia Aigner führt, hat ein einfaches Credo: „Ich will die klassische Küche meiner Mostviertler Heimat auf ein modernes Niveau führen.“ Das ist eine spannende Gratwanderung, die für ihn immer dann gelungen ist, wenn er auf Basis traditioneller Rezepte neue und überraschende kulinarische Kreationen geschaffen hat – und seine Gäste genüsslich schwelgen. Der junge Mostviertler arbeitet gern mit Gemüse, aber auch mit Fisch aus der Umgebung und Innereien. St. Georgen an der Leys 18, 3282 St. Georgen an der Leys, gasthof-hueber.at

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Liebeserklärung

CHRISTIAN SEILER

IM WEITEN LAND DES SITZENBLEIBENS Wo die Grammelknöderl zu acht auf den Teller kommen, wie man in der Wachau meditiert und was Süditalien mit Hadersdorf zu tun hat.

Niederösterreich ist groß. Es braucht einen gut geeichten kulinarischen Kompass, um die ful­ minanten Geschmäcker des weiten Landes auf­ zuspüren. Es gibt offene Geheimnisse wie die Ma­rillenknödel im Landhaus Bacher. Manchmal muss man aber auch über Nebenstraßen von Haders­dorf am Kamp zur Hofkäserei von Robert Paget tuckern, um dort zu kosten, was der Mann aus der Milch seiner Büffel herstellt – einen bes­ seren Mozzarella zum Beispiel gibt es vielleicht in Süditalien, aber auch das ist nicht sicher.

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Nicht jeder Zielort ist so idyllisch wie Chez Paget. Das beste Brot des Landes bäckt die Brotmanu­ faktur Joseph in einem schicken Gewerbegebäude in Burgschleinitz. Man kann den köstlichen Ur­ laib und Österreichs beste Semmeln probieren, während man durch große Glasscheiben hinaus in die Landschaft schaut. Das Land, sein Geschmack und der Genuss: Manchmal muss man die Verbindung suchen, aber in Niederösterreichs Weinregionen springt sie ins Auge. In der Thermenregion den Eichkogel besteigen und zwischen den Rebterrassen Rot­ gipfler kosten: Das ist schon ein gleichermaßen topografisches wie kulinarisches Privileg. Einen Wachauer Federspiel im Glas zu haben und der Donau beim Fließen zuzuschauen: eine gehobene Form der Meditation. Und beim Weingut von ­Johannes Hirsch in Kammern vorbeizuschauen und sich vom Meister persönlich die Vorzüge des Heiligenstein und des Gaisberg erklären zu las­ sen: Ich sitze dann vor dem Verkostungsraum, schaue in die Weinberge und träume davon, nie wieder aufstehen zu müssen. Wenn Hirsch in Form ist, kann dieser Traum ­übrigens ziemlich wahr werden.

Christian Seiler ist passionierter Esser, Trinker, Spaziergänger und Buchautor. Zuletzt erschienen: „Alles Gute. Die Welt als Speisekarte“ (Echtzeit).

Illustration: Roland Vorlaufer

Einer der schönsten Spaziergänge Niederöster­ reichs führt vom Tullner Bahnhof in die Bahnhof­ straße 48. Versteht mich nicht falsch, der Spazier­ gang ist nicht im eigentlichen Sinn schön. Also keine Berge, Seen und Wälder, dafür am Ende der acht Minuten langen Passage durch Tullns Peri­ pherie das Gasthaus zur Sonne. Hier ordiniert seit geraumer Zeit die Familie Sodoma, und ich kann beim Zustieg zum Wirtshaus schon den flaumigen Teig ihrer tischtennisballgroßen Gram­ melknöderl schmecken und habe eine Vorahnung der süßsauren Tiefe des Sauerkrautgeschmacks. Die Sodomas betreiben eines der besten Wirts­ häuser der Welt, also auch Niederösterreichs. Ich war zuletzt mit einer Exilösterreicherin aus Berlin dort, die sich vor lauter Sehnsucht nach dem puren, unverfälschten Geschmack dieser kleinen Vorspeise gleich acht Stück davon be­ stellte. Bekam sie, und gewundert hat sich auch niemand. Soll keiner sagen, dass die Sodomas nicht wissen, wie gut sie sind.


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LAND & LEUTE

EIN MANN UND SEIN WEIN Er mag Rebensäfte, wie die Großeltern sie gemacht haben. Er denkt über das Wetter in zehn Jahren nach, übers Weinviertel und über die Welt. Ein Besuch bei Wolfgang Seher, Winzer in Platt. TEXT: Sebastian Hofer FOTOS: Philipp Horak

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Weißheiten. Wolfgang Seher ­bewirtschaftet Weingärten auf 18 Hektar, fast zwei Drittel davon sind Weißweinsorten. Links: Weißburgunder-Traube.

A

m Ende der Allee, etwa auf halbem Weg von Hollabrunn nach Retz, steht eine Kirche. Sie stammt aus dem Jahr 1849, ist dem heiligen Ulrich von Augsburg geweiht und drei Nummern zu groß für das Dorf, in dem sie steht: Platt, Gemeinde Zellerndorf, 400 Ein­wohner. „Aber auch nur am Wochen­ende“, beharrt Wolfgang Seher, 49, dessen Elternhaus auf Num-

mer 28 liegt. Wolfgang Seher ist Winzer, er empfängt uns auf seinem Weingut. Der Uhu ruft, ein Nachbar sägt Holz, ­Seher muss sich noch schnell um­ziehen. Er kommt gerade aus dem Keller und ist ein bisschen dreckig geworden. Weinmachen ist Handarbeit. Und eine, die er eigentlich gar nicht machen wollte. „Ich bin halt dazu gedrängt worden.“ Er war in der Schule weniger gut als der große

Bruder, also wurde der zum Studieren nach Wien geschickt, der Wolf­gang auf die Weinbauschule. Das war 1986, ein Jahr nach dem Weinskandal. Die Wertschätzung, die seiner Branche damals entgegenschlug, entsprach der Nachrichtenlage. „In der Disco hast du auf keinen Fall sagen dürfen, dass du Weinbauer wirst. Dann warst du sofort Luft für die Mädchen.“ ➤

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Treiben lassen. Am Weingut Seher hat man das System im Griff. Und der mächtige Turm der Pfarrkirche Platt wacht über seine Reben.

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Sagen wir so: Es hat sich etwas getan im heimischen Weinbau seither. Wolfgang Seher hat diese Entwick­lung theoretisch und praktisch mit­bekommen. Nach der Matura war er, aufgrund eines akuten Generationen­konflikts, nur aushilfsweise im elter­lichen Betrieb tätig und wurde Weinbau­referent in der Landwirtschaftskammer. Das Erfolgsmodell Weinviertel DAC, eine der prägenden Entwicklungen der jün­geren ­österreichischen Weingeschichte, trägt auch seine Handschrift. Acht Jahre später wurde es doch noch etwas mit ihm und dem aktiven Weinbau. Es folgten Jahre des Ausprobierens und Lehrgeldzahlens. Seher: „Ich hab jeden Blödsinn mitge­macht.“ Vom Verkostungsraum, den Seher auf den alten Schweinestall gesetzt hat, sieht man über die Schindeldächer von Platt bis hinüber zum Sandberg, der höchsten Erhebung im Ort, 340 Meter über dem Meer, und zum Kapellenberg gleich daneben. Auf beiden Hügeln hat Seher wichtige Lagen, die Weine dazu sind, natürlich, vor allem Grüne Veltliner, aber auch diverse Burgunder und ein Barbera, wie er eigentlich im Piemont zu Hause ist. WEINE WIE DAMALS Sein Reserve­-Veltliner „Neue Zeit“ etwa ist ein eigensinniger Wein, gemacht wie in alter Zeit. Seher: „Mich interessiert der Weinbau vor der techni­schen Revolution. Die ‚Neue Zeit‘ ist ein Wein, wie die Großeltern ihn gemacht haben.“ Er stand also lange auf der Maische, wurde langsam und ohne Aufrühren ab­ gepresst und spontan vergoren. Die Hefe wurde erst nach eineinhalb Jahren abgesto­chen, so wie damals, als es noch keine Filtrierungstechnologie gab und man schlicht warten musste, bis sich der Trub abgesetzt hatte. Jetzt könnte man „Naturwein“ zur „Neuen Zeit“ sagen. Aber Seher ist da skeptisch: „Einen Naturwein gibt es nicht. Der Mensch hat den Wein erfunden. Wein ist ein Kulturprodukt. Ich treffe ständig Ent-

scheidungen beim Weinmachen. Ich ­begleite nicht, ich steuere.“ Man muss sich Weinbauern als ge­ dul­dige Menschen vorstellen. Einmal im Jahr erfahren sie, ob sie richtig ­lagen mit ihren Entscheidungen – oder nicht. Dann müssen sie es eben besser machen. Nächstes Jahr. Man kann den Weinbau­ern verstehen, der sich sein ­Leben mit technischen Hilfsmitteln ­erleichtert, mit Reinzuchthefen oder Pflanzenschutzmitteln. Wolfgang Seher kann das auch verstehen. Er ist kein Dogmatiker. Er hat seine eigenen Vorstellungen von sinnstiftender Landwirtschaft. Er probiert vieles aus, verteufelt nichts, außer er hat eigene Erfahrungen damit und kann es von Herzen verteufeln – wie den Einsatz von chemischen Unkraut­bekämpfungsmitteln. Es gibt auch andere Wege. Manche sind ziemlich exotisch, so wie Sehers „Wilde ­Reben“: Das sind Wein­gärten, in denen die Rebstöcke nicht – wie man es in der Weinbauschule lernt – auf ein, zwei ­Triebe zurückgeschnitten und dann in Drahtrahmen geflochten werden. Stattdessen lässt man den Reb­stock treiben, wachsen und schneidet ihn zweimal pro Jahr radikal, ist quasi mit der Heckenschere unterwegs. Natürlich muss man so ein System auch erst einmal in den Griff kriegen. Wolf­gang Seher hat es im Griff, und er freut sich auf seinen Veltliner „Wilde ­Reben“, den er füllen wird, wenn er sich so entwickelt hat, wie sich der ­Winzer das vorstellt. Wenn er mehr Zeit braucht, kriegt er die. Wolfgang ­Seher hat gelernt, dass man einen Wein nicht zwingen soll. Die Kirche schlägt dreiviertel. Der Uhu hat sich verzogen, der Nachbar ruht. Wolfgang Seher schaut über die Schindeldächer von Platt hinüber zum Kapellenberg. Er denkt schon an mor­ gen. Ans nächste Jahr.

Weingut Wolfgang Seher, 2051 Platt 28, weingutseher.at

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WEIN ERLEBEN EMPFEHLUNGEN FÜR GENUSSVOLLE BESUCHE BEIM WINZER

Tropfen mit Charakter Der weite Landstrich um Unterretzbach im nordwestlichen Zipfel des Weinviertels ist sanft, hügelig und fruchtbar. Auf dem verwitterten Lössboden gedeihen besonders charaktervolle Weine. Von Sigrid und Christoph Schleinzers Weingut Sonnenhügel kommen Tropfen aus biologisch bewirtschafteten Weingärten, natürlich der weinvierteltypische Grüne Veltliner, aber auch immer wieder prämierte Rotweine. Wein- und Schlafgut Sonnenhügel, 2074 Unterretzbach, Herrengasse 30, weingut-sonnenhuegel.at

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Reif von der Insel 13 Generationen, 300 Jahre, 250.000 Reben – mit großen Zahlen kennt man sich am Weingut der Familie Bauer auf der Weinviertler Rotweininsel Jetzelsdorf-Haugsdorf aus. Und mit großen Weinen sowieso. Neben den unkomplizierten Klassikern reifen hier auch ­Besonderheiten in den weitläufigen ­Sandkellern – Lagenweine von den ­warmen, hellen Südhängen der Region oder herrliche Reserve-Tropfen. Weingut Norbert Bauer, 2053 Jetzelsdorf 180, bauer-wein.com

Kosten und Köstlichkeiten Ein Himmelreich für Weißweinfreunde. Der idyllische Garten im Arkadenhof des Weinguts Bohrn ist wie geschaffen, um zu kosten: die fünf Veltliner-Sorten etwa, von denen eine nicht umsonst den ­Namen „Urknall“ trägt. Aber natürlich auch den Riesling, den Chardonnay, den Weißburgunder und den Gelben Muskateller. Und weil das lange Weinverkosten hungrig macht, gibt’s auch eine köstliche Jause mit regionalen Spezialitäten. Weingut Bohrn, 2171 Herrnbaumgarten, Hauptstraße 65, weingut-bohrn.at

Fotos: Weingut Sonnenhügel, Martin Sommer, Michael Reidinger, Andreas Hofer, Steve Haider

Winzer Christoph Schleinzer, Weingut Sonnenhügel


Schade, dass man Wein nicht streicheln kann. Kurt Tucholsky (1890–1935) Weingut Bauer

Tradition trifft Moderne In unmittelbarer Nähe zur Burg Falkenstein schmiegt sich das Weingut Stadler in die Hügel. Im modernen Haupthaus sind ein Heuriger, ein Verkaufsraum und fünf Gästezimmer untergebracht, im ­Keller reifen Weißweine im Stahltank, der Rote im großen Holzfass. Senior-­ Chefin Maria verwöhnt ihre Gäste mit traditionellen Schmankerln aus der Region. Weingut Stadler, 2162 Falkenstein, Stürzenbühel 104, weingut-stadler.com

Mit ruhiger Hand In den Gärten von Rosi und Karl Hindler in Schrattenthal wird naturnaher Weinbau gelebt. Mit Geduld und Ruhe entstehen hier handverlesene Weine – pfeffrige und vielschichtige Veltliner vom Löss und Urgestein etwa, feine Rieslinge, gehaltvolle Rote. Apropos Ruhe: Bei einer Übernachtung im stilvoll ausgebauten Kellerstöckl kann man sie durch und durch spüren. Weingut Hindler, 2073 Schrattenthal 13, weingut-hindler.at

Leidenschaft am Winzerhof Else Zuschmann und Peter Schöfmann sind passionierte Winzer, die in Martinsdorf ihre Leidenschaft leben. Auf ihrem biozertifizierten Weingut produzieren sie die regionstypischen Weißen, aber auch den hier deutlich selteneren Pinot noir. In der hofeigenen Greißlerei gibt’s ausgewählte Produkte aus dem Weinviertel, die Weinlodge lädt mit schönen Zimmern zum Urlaub am Winzerhof ein. Weingut Zuschmann-Schöfmann, 2223 Martinsdorf, Winzerstraße 52, zuschmann.at

Rot-weiß-gut Auf dem familiengeführten Weingut Hagn in Mailberg im Pulkautal können Genießer Wein in all seinen Facetten erleben. In der Weingalerie werden Chardonnay und Co sowie ein mehrfach prämierter Blauer Zweigelt verkostet, im Weindomizil trifft regionale Küche auf edle Tropfen aus dem Keller, und im Shop gibt’s neben den köstlichen Weißen und Roten auch Hochprozentiges, Schokolade und Säfte. Weindomizil Hagn & Weinerlebniswelt, 2024 Mailberg 422, hagn-weingut.at

Altes Wissen, neuer Mut Kennen Sie Keltenwein? Bei Ausgrabungen gefundene Traubenkerne belegen die jahrtausendealte Weinbautradition der Kelten auf dem Weinviertler Sandberg. Andreas Weber ist einer von sechs Winzern, die heute die besonderen Weine der Sandbergregion produzieren und vertreiben. Übernachtung am wunderschön ausgebauten Weingut empfohlen! Weingut Andreas Weber, 3714 Roseldorf 30, biowein-weber.at

Stolze Geschichte Harald Haimers Urgroßvater baute einst die erste Steinpresse in Poysdorf, der Großvater war der Erste, der veredelte Weinreben in dieser Gegend aussetzte. Man kann also durchaus behaupten, die Liebe zum Wein liegt dem Winzer im Blut. Und so wundert es nicht, dass die Weine vom Genießerhof Haimer Jahr für Jahr Medaillen tragen – am liebsten Gold, gerne auch Silber. Genießerhof Haimer, 2170 Poysdorf, Körnergasse 14–16, haimer.at

Weingut Hagn

Weingut Weber

Weingut Zuschmann

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LANDPARTIE

DER 20-SCHILLING-BERG Die Bahn, die Villen, der Duft der Sommerfrische: Am Semmering im Süden Niederösterreichs ist die Zeit ein bissl stehen geblieben. Und hält doch mit der Gegenwart Schritt. TEXT: Andreas Oberndorfer FOTOS: Marco Rossi

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Dornröschenschlaf. Eines der schönsten Häuser im Ort Semmering ist schon halb verfallen: das alte Südbahnhotel (links). Ähnliches galt auch für das am Gegenhang gelegene Kurhaus, das jedoch unter neuer Führung bald in altem Glanz wiedererstrahlen soll.

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usgerechnet in Niederösterreich. Nicht in Tirol, nicht in Salzburg, nein, nur etwa 80 Kilometer von Wien entfernt steht Österreichs berühmteste Felswand: die Polleroswand. Der Blick darauf ist eindrucksvoll, auch wegen der spektakulären Viadukte, über die heute noch die Bahn fährt, und wegen der schroffen Felswände, die durch Sprengungen beim Bahnbau entstanden sind. Diesen Blick, den sogenannten „Zwanzgerblick“, kennt jeder, der noch mit Schilling bezahlt hat – die in der Nähe von Breitenstein gelegene Felswand war von 1968 bis 1989 auf der Rückseite des 20-Schilling-Scheins abgebildet. WO DER ADEL SOMMERFRISCHTE Die Bahn hat das Semmeringgebiet zu dem gemacht, was es dann über ­hundert Jahre war: das bevorzugte Sommer­urlaubsziel der besten Wiener Gesellschaft. Im Gefolge des Kaiserhauses kamen bald auch Adel und gehobenes Bürgertum hierher. Das ehemals bäuerliche Voralpengebiet wurde zu einer Kulturlandschaft. Und die Hochstraße überhaupt zum Villenviertel. Das erste eindrucksvolle Gebäude, das man auf dieser Straße passiert, ist das Hotel Panhans. Das 1880 erbaute Haus bildete mit seinen noblen Geschwistern, dem Südbahnhotel und dem Kurhaus, das gesellschaftliche Sommerfrische-Zentrum der österreichisch-­ ungarischen Monarchie. Doch seit ➤

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Wanderers Lust. Das Lammfleisch vom Hof der Schneidhofers findet man in allen Wirtshäusern der Region. Neben der Speckbacher-Hütte wächst seit 1908 der heute vermutlich größte Rhododendron Mitteleuropas.

den 1960ern musste ein Hotel nach dem anderen schließen – immer mehr Leute hatten Autos und fuhren lieber nach ­Italien statt vor die Tore Wiens. Die ­Häuser fielen in einen Dornröschenschlaf. Und mit ihnen der gesamte Ort. Erst in jüngerer Zeit feiert der Semmering eine kleine Renaissance. Das Kurhaus soll unter der Führung einer bekannten Hoteliersfamilie aufwendig renoviert und als „Grand Semmering“ wieder eröffnet werden. Für die meisten Besucher ist dieses Erwachen wunderbar: Sie lustwandeln gerne in der Ruhe und genießen das nostalgische Flair. WO PFLANZEN ZU RIESEN WERDEN Fragt man in der Gegend nach einer Ausflugsempfehlung, wird ausdrücklich

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die Speckbacher-Hütte genannt. Früher wurden hier Wanderer und Tourengeher nur mit Deftigem wie Brettljause und Bauernschmaus versorgt. Seit Alexandra und Helmut Pirchmoser das Haus übernommen haben, spielt die Küche auch andere Stückerl. Natürlich gibt es einen Schweinsbraten mit Speckkrautsalat; im Unterschied zu „normalen“ Wirtshäusern wird aber der Speckproduzent auf der Karte angeführt. Und die Gusto­stückerl kommen aus der Region. Die Forellen zum Beispiel stammen von einer Zucht in der Nachbarschaft. Das Lamm, das zu hervorragenden Schmorgerichten verarbeitet wird, ist vom Kreuzberg – aber dazu später. Zuerst gibt’s hier noch einen Schatz zu bestaunen: Auf der Lichtung neben

der Hütte breitet sich ein mächtiges, dichtes Buschwerk aus. „Das ist der größte Rhododendron Mitteleuropas“, sagt Helmut. Tatsächlich: Hier, zwischen dem Semmering und der Rax, gedeiht prächtig eine Pflanze, die eigentlich am Himalaja heimisch ist. „Die Speckbacher-Hütte war ursprünglich ein Jagdhaus der Familie Rothschild. 1908 hat der Baron von einer ­seiner Reisen diesen Rhododendron mitgebracht und eingepflanzt.“ Seither macht sich dieser ungehemmt breit, ­mittlerweile auf einer Gesamtfläche von 131 Quadratmetern. Und jetzt zu den Lämmern. Der Althammerhof am Kreuzberg wird von Andrea und Julius Schneidhofer geführt. „Der Hof ist 1660 gebaut worden ➤


Zwanzgerblick. Die berühmteste Felswand Österreichs: Die Polleros­ wand zierte jahr­zehntelang die Rückseite des 20-Schilling-Scheins.

Wussten Sie, dass … … die Semmeringbahn die erste vollspurige Bergbahn Europas war? Auf der 41 Kilometer langen Strecke fahren die Züge seit 1854 über 16 Viadukte, 100 Brücken und durch 15 Tunnels.

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Gärtnerei mit Geschichte. Das Schloss Wartholz in Reichenau gehörte einst der Familie Habsburg. Heute liegt hier ein ausgedehnter Gärtnereibetrieb. In einem im alten Stil errichteten Pavillon befindet sich ein Café.

und war seither im Familienbesitz“, sagt Julius. Es wurde immer Land­ wirtschaft betrieben, heute baut man hauptsächlich Obst an. Wofür der Althammerhof aber be­ rühmt ist, ist die Schafzucht. Die meisten guten Gasthäuser in der Gegend werden von hier aus mit Lammfleisch beliefert. Außerdem kann man sich mit allerlei Lammspezialitäten eindecken: hervor­ ragendem Rohschinken zum ­Beispiel und natürlich Käse. FAST SO MONDÄN WIE FRÜHER Nach dem Ort Semmering ist Reichenau das zweite Zentrum des Sommerfrische-­ Zeitalters vergangener Tage. Schon sehr früh errichteten hier die Habsburger zwei kleinere Schlösser, die Rudolfsvilla

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und die Villa ­Wartholz, die ­vom Wiener Adel und dem gehobenen Bürgertum gerne besucht wurden. Die kleine Gemeinde ist heute leben­ diger als der Zwillingsort oben am Berg. Das liegt etwa an den Reichenauer Theaterfestspielen, die dem Ort eine starke Medienpräsenz verschaffen. Aber auch an Spitzenkoch Max Stiegl, unter dessen kulinarischer Leitung das legendäre Hotel Knappenhof nun wieder seine Tore öffnet. Wer der monarchistischen Tradition Reichen­aus nachfühlen möchte, kann das an einem herrlichen Platz: in der Villa Wartholz. Errichtet 1872 im Auf­ trag von Erzherzog Karl Ludwig, einem Bruder Kaiser Franz Josephs, ­geplant von Architekt Heinrich von ­Ferstel, der

in Wien etwa Votivkirche und Universi­ tät entwarf. Kaiser Karl von Österreich-­ Ungarn und seine Frau Zita verbrachten ihre Flitterwochen hier, im Herbst 1912 kam in der Villa der ­damalige potenziel­ le Thronfolger Otto Habsburg zur Welt. Heute ist die Villa Wartholz im Besitz des Ehepaars Blazek, das in der ehema­ ligen Orangerie eine Schlossgärtnerei mit angeschlossenem Café betreibt. Von dort geht’s wieder zurück zum Zwanzger­blick. Wie? Ganz einfach: ein Stück zu Fuß über den berühmten Bahn­wanderweg. Und dann – eh klar! – mit der Semmeringbahn.

Adressen & Ausflugsempfehlungen: wieneralpen.at


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Golfen in Niederösterreich

Golfglück hoch drei

Mit über 40 Golfanlagen befinden sich mehr als ein Viertel der Golfplätze Österreichs in Niederösterreich. Die umliegende Natur, die moderne Infrastruktur, aber auch die erstklassigen Golfhotels locken in- und ausländische Gäste.

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FOTOS: SPORTLAND

olfen ist in Niederösterreich reiner Genuss. Satte Wiesen, grüne Wälder und eine wasserreiche Umgebung machen das Bundesland zum idealen Ort für Golfplätze, die an Abwechslung, Natürlichkeit und Qualität kaum zu überbieten sind. Dies bringt auch seit vielen Jahren hochkarätige Golf-Turniere wie die

European Tour oder die Challenge Tour nach Niederösterreich. Egal ob Profi, Hobbygolfer oder Anfänger: Hier findet sich für jeden der passende Platz. Geschultes Personal ist für sämtliche Anliegen vor Ort da. Abends lehnt man sich in einem der Golfhotels zurück und lässt den Tag Revue passieren.

Diamond Country Club Atzenbrugg Golfer erwarten auf dem 18-Loch-­ „European Tour Diamond Course“ ­satte Fairways, ein kurz gemähtes Rough, perfekt gepflegte Greens so­w ie wunderschöne Wasserhindernisse rund um den zentral gelegenen See. Hier haben die Profis der European Tour schon mehrmals den Schläger geschwungen. Der familienfreundliche 9-Loch-„Diamond Park Course“ eignet sich für ­A nfänger. Der sportliche„Executive Country Course“ ist für entspannende Runden zwischendurch gedacht. Abends zieht man sich in das Diamond Apartment Hotel zurück.

Golfclub Adamstal Inmitten des niederösterreichischen Alpenvorlandes liegt die 27-Loch-­ Anlage des Golfclubs Adamstal, einer der spektakulärsten Golfplätze Europas. Egal ob der 18-Loch-„Championship-­ Course“ oder der 9-Loch-„Course ­Wallerbach“, alle 27 Löcher haben ihren eigenen Charakter: Designer Jeff Howes gelang es, Bäche und Geländestufen, Waldlichtungen und Felsformationen geschickt in die beeindruckende Landschaft zu integrieren. Der Club bietet zehn Komfortzimmer an, in denen man die Ruhe des Adamstals genießen kann.

Golf Area 36 Die Golf Area 36 macht ihrem Namen alle Ehre: 36 Golflöcher, 36 Grad warmes Thermalwasser und nur 36 Minuten von Wien entfernt. Gelegen im Südwesten Wiens, vereinigt die Area zwei Clubs – den Golfclub Linsberg und den Golfclub Föhrenwald. Wer auf Naturbelassenheit Wert legt, wird sich im Golfclub Föhrenwald wohlfühlen. Beim modernen Golfclub Linsberg wartet ein anspruchsvoller Platz. Die Links-Löcher mit den original Pott-Bunkern sind die Besonderheit am Platz. Anschließend erholt man sich in der nahegelegenen Linsberg Asia Therme.

countryclub.at

adamstal.at

golfarea36.at


NATUR­ APOTHEKE von PETRA SÖLLE

EINE STILLE REISE ZU SICH SELBST

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er deutsche Arzt Dr. Otto Buchinger (1878–1966), Begründer der nach ihm benannten Fastenmethode, die auch im ehemaligen Chorfrauenkloster Pernegg unweit der tschechischen Grenze praktiziert wird, hat es in einfachen Worten zusammengefasst: „Nach dem Fasten soll das Bewusstsein weiter sein als der Hosenbund.“ Folgt man den Anleitungen, lässt sich die Sache mit dem Hosenbund beim Buchinger-Fasten nicht vermeiden. Denn eine Woche bis maximal zehn Tage wird der Körper darauf umgestellt,

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von den eigenen Reserven zu zehren, und bekommt von außen nur noch Obst- und Gemüsesäfte, klare Fastensuppe und viel Wasser und Kräutertee zugeführt. Das soll die Entgiftung und Entschlackung fördern. Ein Prozess, der allerdings viel mehr als nur den Verzicht auf feste Nahrung benötigt. Das beginnt mit Bewegung an der frischen Luft, die fixer Bestandteil von Fastentagen sein muss. Und es setzt sich mit unterstützenden Anwendungen fort, die eine Entgiftung begleiten sollten. Diese reichen vom ayurvedischen

­ lziehen im Mund und Nasenspülungen Ö mit Salzwasser über Leberwickel und basische Fußbäder bis hin zu regel­ mäßigen Darmspülungen während der Fasten­tage. Es geht schließlich nicht vorrangig um Gewichtsverlust, sondern darum, Organe und Kreislauf in dieser Umstellungsphase zu unterstützen. AUSSTIEG UND RÜCKZUG Lassen wir nun den Hosenbund eng oder weit sein und wenden uns dem Bewusstsein zu. Das Fasten nach Buchinger hat nämlich auch spirituellen Tiefgang ➤

Illustrationen: Roland Vorlaufer, Andreas Posselt, Andreas Leitner

Das Kloster Pernegg im Waldviertel ist ein Fastenhaus, in dem nicht nur die Kilos purzeln. Hier kann man auch einen klaren Blick und Leichtigkeit im Kopf gewinnen.


Kräuter für Fastentees

DAS ZAUBERKRAUT Wermut (Artemisia absinthium) Normalerweise gibt es Kräuter, die den Appetit anregen, und solche, die ihn dämpfen. Wermut ist ein ­Zauberer, der beides kann – je nachdem, in welcher Form man ihn zu sich nimmt. Bei einer Fastenkur kommt zwangsläufig der Punkt, an dem Gedanken ans Essen übermächtig zu werden drohen. Dann empfiehlt sich aufgrund seiner Bitterstoffe der Wermuttee, um in der Spur zu bleiben. Bei der Dosierung gilt es allerdings, vorsichtig zu sein, denn sonst wird dieser Trank rasch ungenießbar. ­Deshalb lässt man bei der Verwendung als Fastentee e­ inen halben Teelöffel Wermutkraut in 750 ml Wasser nur 2 Minuten ziehen und verfeinert den Tee even­tuell mit einem Kamillenköpfchen.

DER MUNTER­MACHER Rosmarin (Salvia rosmarinus) Fasten kann eine Belastung für den Kreislauf sein und zu Phasen der Erschöpfung führen. Rosmarin als Tee hat nicht nur antioxidative, antibakterielle, durchblutungsfördernde und harntreibende Wirkung, sondern gilt auch als Muntermacher. Neben dem unten angeführten Mix-Tipp kann man Rosmarintee auch mit g ­ etrockneten Zitronen- oder Orangenschalen ­geschmacklich verfeinern. Tee-Mix-Tipp (für 750 ml ­Wasser): 1 TL Rosmarin, frisch gepresster Zitronen­saft, 1 dünne Scheibe Ingwer. 5 Minuten ziehen lassen.

Tee-Mix-Tipp (für 1 l Wasser): 2 TL Kamille, 2 TL Mariendistel, 2 TL Wermut. 3 Minuten ziehen lassen.

DER KRAMPFLÖSER Kümmel (Carum carvi) Schon seit der Antike ist seine wohltuende Wirkung auf den Verdauungstrakt bekannt. Als Fastentee ist Kümmel nicht in seiner Funktion als Appetitanreger gefragt, sondern es kommen seine Qualitäten als bewährter Krampflöser und Darmsanierer zum Tragen. Tee-Mix-Tipp (für 750 ml Wasser): 1 TL Kümmel, 1 TL Fenchel, 1 TL Kamille. 4–5 Minuten ziehen lassen.

DER ENTWÄSSERER Brennnessel (Urtica) Die Brennnessel ist durch ihre harntreibende und ent­ schlackende Wirkung geradezu prädestiniert als B ­ egleiterin bei Fastenkuren. D ­ ieser Tee regt den Stoffwechsel an, auch bei der Entgiftung von Leber und Galle wird ihm eine Rolle zugeschrieben. Tee-Mix-Tipp (für 1 l Wasser): 3 TL Löwenzahn, 3 TL Pfeffer­minze, 3 TL Brenn­ nessel. 5 Minuten ziehen l­assen.

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Rezepte zum Fasten

Wacholderbeeren

Nach der Fastenvorbereitung, die aus einem Obst-, Reis- oder Hafertag besteht, ist das einzig Feste, das noch gestattet ist, der Wille zum Durchhalten. Ansonsten gilt – frei nach dem griechischen Philosophen Heraklit – der Grundsatz: Alles fließt. In der Früh gibt es Kräutertee, zu Mittag Obst-/Gemüsesäfte und am Abend eine klare Gemüse-­Fastensuppe. Was sich nach Mangel und Verzicht anhört, liefert dem Körper dennoch alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe, stabilisiert den Blutzuckerspiegel und gleicht den Säure-­Basen-Haushalt aus. So beweist der Kräuter-, Obst- und Gemüsegarten der Natur einmal mehr, welche (Heil-)Kräfte in ihm stecken.

Salbei

KLARE GEMÜSESUPPE Zutaten 3 l Wasser, 600 g Gemüse ­(Karotten, ­Pastinaken, Sellerie, Lauch, Fenchel, Zucchini) frische oder getrocknete ­Kräuter (Thymian, Salbei, Rosmarin, Liebstöckl) ½ TL Kümmel, ½ TL Nelken ½ TL Wacholderbeeren 2 Lorbeerblätter 2–3 Knoblauchzehen

Zubereitung und Anwendung Gemüse fein schneiden, mit ­Gewürzen und Kräutern ­langsam zum Kochen bringen und ­mindestens 30 ­Minuten köcheln ­lassen. Während der Fasten­ aufbautage kann das Gemüse in der Suppe belassen werden, ­ansonsten abseihen und nur die klare Brühe zu sich nehmen.

völlig ohne Salz würzen, keine Suppenwürfel verwenden, beim ­Gemüse auf Bioqualität achten und die Suppe nach dem Auskochen ­abseihen und klar genießen. Gut zu wissen: Man kann mit einem Spritzer Orangen- oder Zitronensaft sowie mit geriebener Muskatnuss den Geschmack verfeinern.

Die wichtigsten Grundregeln bei der Zubereitung dieser Suppe sind:

Rote Rübe Fenchel

STÄRKENDE SÄFTE DIE TOLLE KNOLLE Fenchel & Apfel

KRAFT DER WURZEL Gelbe & weiße Karotten & Apfel

RUND UND G’SUND Rote Rüben & Apfel & Orange

Vom Apfel weiß man, was er kann, aber wem ist bekannt, dass Fenchel fast doppelt so viel Vitamin C hat wie eine Orange? ­Darüber hinaus liefert die tolle ­Knolle Folsäure, Betacarotin und Eisen.

Wohlschmeckend, basisch und vitaminreich ist diese Saftkombination – das ist bekannt. Die Karotten schützen mit ihren Carotinoiden außerdem auch die Zellen vor aggressiven Sauerstoffradikalen.

Diese Kombination liefert vor allem Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Magnesium sowie reichlich Vitamin C. Die Roten Rüben steuern überdies wertvolle Folsäure bei.

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Illustrationen: Andreas Posselt, Andreas Leitner

und sollte deshalb abseits des gewohnten Alltags erfolgen. Da ist ein ehemaliges Kloster als Rückzugsort und befristete Ausstiegsoase besonders geeignet. Das im 12. Jahrhundert erbaute und in den 1990er-Jahren gründlich renovierte Stiftsgebäude ist heute ein Fastenzentrum, das sich der „Entdeckung der Stille“ verschrieben hat. Hier kann der Mensch eine Reise zu sich selbst ­antreten. Und so wie jeder im Lauf dieser Tage herausfindet, welche Säfte und Tees ihm guttun, ist auch die psychische Entschlackung eine zutiefst individuelle Angelegenheit, denn von einem Zuviel in ein Wenig hineinzugehen ist nicht nur für den Körper herausfordernd. Da zieht sich die eine mit Büchern zurück, der andere verbringt Stunden an einem der märchenhaften Kraftplätze der Umgebung oder sucht Entspannung durch Massagen, Yoga und Meditation.

Aber alle eint das Bedürfnis, sich abseits von Trubel und Routine im Kern zu ­spüren, Bodenhaftung in der eigenen Persönlichkeit zu erlangen. Das ist nicht ­immer lustig und manchmal sogar sehr anstrengend. Aber offenbar in jedem Fall lohnend, denn sonst gäbe es nicht so viele „Wiederholungstäter“, die es ­immer wieder tun, immer wieder für sich den Reset-Knopf drücken, wenn sie zu sehr in alte Muster zurückgefallen sind.

zu stärken, und lernt das stimmige Maß für sich selbst kennen. Das Wichtigste ist aber in jedem Fall, die Erfahrungen während der Fastentage nicht herausgelöst aus dem eigenen ­Leben zu begreifen, sondern in weiterer Folge in den Alltag mitzunehmen. Denn eine Reise zu sich selbst ist schließlich kein Urlaub, sondern eine Erkenntnis.

LEERE UND LEICHTIGKEIT Das Fasten hat in diesem Fall nichts mehr mit Verzicht zu tun. Man macht sich vielmehr leer, um sich danach wieder erfüllen zu können. Und wenn man das richtig macht, entsteht ein Gefühl der Leichtigkeit im Kopf, man erhält einen klaren Blick auf Lebensgewohnheiten, die mehr schaden als nützen, erlebt, wie ungesunde Ernährung schwächt, statt

Petra Sölle ist Fastenleiterin im ehe­ maligen Chorfrauenkloster Pernegg im Waldviertel, wo auch Fasten nach der Buchinger-Methode praktiziert wird. Sie arbeitete ursprünglich im Tourismus, krempelte ihr Leben nach einem Fasten­ aufenthalt aber völlig um, absolvierte die nötigen Ausbildungen und machte ihre neu entdeckte Berufung zum Beruf. Informationen: klosterpernegg.at

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Großes Symbol. Die zweite Etappe des Lebensweges führt am fünf Meter hohen Herzstein vorbei.

AUF DEM PFAD DER ERKENNTNIS

SPAZIERGANG MIT AHNEN Der „Lebensweg“ im südlichen Waldviertel zeichnet die Stationen eines Menschenlebens nach. Die Natur soll Wanderer inspirieren, ihrer eigenen Geschichte zu begegnen – und sich selbst. TEXT: Wolfgang Maria Gran

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Am rauschenden Bach. In der Ysperklamm können Wanderer auf Brücken, Stiegen und Holzstegen das tosende Schauspiel der Großen Ysper beobachten.

Fotos: Waldviertler Tourismus/Studio Kerschbaum

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ünf Meter ragt er empor, der sagen­ umwobene Herzstein bei St. Oswald im südlichen Waldviertel. Der schmale Schlitz an seiner Unterseite verführt seit jeher Wanderer dazu, sich durchzu­ zwängen. In früheren, noch deutlich abergläubischeren Zeiten tat man das, um Leiden, Krankheiten, aber auch ­Sünden an diesem Kultstein in der Form eines aufgestellten Herzens abzustrei­ fen. Vor drei Jahren hat dieses Durch­ schlüpfen aber eine neue Bedeutung ­erhalten: Als Station des Waldviertler „Lebens­weges“ symbolisiert es die Ge­ burt des Menschen. Auf 13 Etappen zeichnet dieser 260 Kilometer lange Weitwanderweg die Stationen eines Menschenlebens nach. Von der Zeugung bis zu einem

­ eben nach dem Tod reicht die Wande­ L rung, und nicht ohne Grund ist dieser Lebensweg als Achterschleife angelegt, dem Symbol für Unendlichkeit. MIT AUSDAUER ANS ZIEL Und weil wir schon bei der Symbolik sind: Insgesamt 7.300 Höhenmeter, die über die volle Distanz zu bewältigen sind, verdeutlichen den Wanderern spürbar, dass es auch im Leben oft Schweiß, Überwindung und Ausdauer braucht, um ein angestrebtes Ziel zu ­erreichen. Der frühere Gastronom und Mitbegründer der niederösterreichi­ schen Bühnenwirtshäuser Dieter Juster hat diesen Weg lange als Vision mit sich herumgetragen und dann maßgeblich mitentwickelt.

Heute sagt der ehemalige Guten­ brunner Gastwirt, der in seinem frü­ heren Berufsleben 1.300 Kulturveran­ staltungen initiiert hat: „Hier sind die 22 Gemeinden, die sich am Projekt ­Lebensweg beteiligt haben, die Bühne.“ Und die atemberaubende Landschaft des Waldviertels bildet eine Kulisse, wie sie schöner und abwechslungsreicher nicht sein könnte. Da brennen die Waden beim Aufstieg auf den Peilstein, da bestaunen die Au­ gen die wilde Schönheit der Ysper­ klamm, und die Seele ruht in den dich­ ten Wäldern des Südlichen Waldviertels. Die Ohren bekommen an manchen Stel­ len nichts anderes zu hören als fröhli­ ches Vogelzwitschern, und falls man den ­Lebensweg allein beschreitet, kann ➤

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Chefin im Paradies. Alix de la Poëze d’Harambure-Fraye ist die Schlossherrin in Artstetten, der Station, die den Tod und das Leben danach symbolisiert.

es sein, dass Rehe, Hasen, Eichkätzchen oder Salamander über weite Strecken die einzigen Begleiter sind. Wenn Dieter Juster, der den gesamten Weg in zehn Tagen gegangen ist, sagt: „Auf 260 Kilometern spürt man sich schon“, so hat das auf diesem Weitwanderweg nicht nur eine körperliche Bedeutung. Die Idee hinter diesem Projekt war nämlich nicht, einfach nur den Ysper-­ Weitental-Rundwanderweg und den Kremstalweg miteinander zu verbinden und mit einem neuen Mascherl zu ver­ zieren. Der Lebensweg hat zwar seine Etappenziele, ist aber in erster Linie als Wanderung zu sich selbst angelegt. Im eigenen Tempo das eigene Leben durchwandern und sich seine eigenen Gedanken dazu machen – das wäre der tiefere

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Sinn. Ein In-sich-Ruhen in Bewegung, wenn man so will. Sich darauf einzu­ lassen kann eine lohnende und unvergessliche Erfahrung sein. Umgeben von den Naturschönheiten einzutauchen in Rückblenden, Zukunftsvorstellungen und vor allem in die Gegenwart des ei­ genen Lebens, aber auch die Lebenswelt der ­Ahnen heraufzuholen ins Bewusstsein – das bringt deutlich mehr als einen Stempel im Wanderpass. Eine, die das Leben ihrer Vorfahren ständig gegenwärtig bei sich hat, ist Alix de la Poëze d’Harambure-Fraye, die Ururenkelin von Erzherzog Franz ­Ferdinand von Österreich und heute Schlossherrin in Artstetten. Auf dem ­Lebensweg ist das die Station, die den Tod und das Leben danach symbolisiert,

was für Alix absolut nichts Furchterregendes beinhaltet: „Das Danach ist ja das Paradies, und das haben wir hier bei uns. Außerdem hat unsere Familiengeschichte immer eine gewisse Todes­ nähe beinhaltet, allein durch das At­ tentat in Sarajewo, dem mein Urur­ großvater und seine Frau Sophie von Hohenberg zum Opfer gefallen sind; aber auch durch seine Söhne Maximilian und Ernst, die den Zweiten Weltkrieg teilweise im ­Konzentrationslager Dachau verbracht haben.“ EIN WEG, DER VERÄNDERT Mit der Dauerausstellung „Durchs Schlüsselloch: Geschichte erzählt“ werden Leben und Wirken Franz Ferdinands in Schloss Artstetten, wo er in der


Eine Seelen-Wanderung In Form einer Achterschleife führt der „Lebensweg“ über 260 Kilometer in 13 Etappen durch die Stationen des menschlichen Daseins. Natur und Sehenswürdigkeiten sollen anregen, über die menschlichen Lebensabschnitte bewusst zu reflektieren – sich zu erinnern und Visionen zu entwickeln.

Fotos: Gregor Kuntscher/ASA12, Waldviertler Tourismus/Studio Kerschbaum, Lebensweg/Studio Kerschbaum, Waldviertel Tourismus/Weinfranz

„Geschichte kommt erst mit der Zeit im eigenen Leben an.“

Gruft mit seiner Sophie die letzte Ruhe gefunden hat, in einem eigenen Mu­ seum lebendig gehalten. Für die Haus­ herrin hat sich der Zugang dazu auf ihrem persönlichen Lebensweg auch verändert. Seit ihrer Rückkehr aus Paris vor sieben Jahren ist er intensiver ge­ worden: „Ich bin zwar hier aufgewach­ sen, aber seit meiner Rückkehr bin ich mehr zurück, als ich früher da war. Das hat auch damit zu tun, dass Geschichte erst mit der Zeit im eigenen Leben an­ kommt. Aber wenn sie dann einmal in einem lebendig geworden ist, wenn man merkt, wie spannend das ist, kann man gar nicht mehr nicht interessiert sein.“ Dass Artstetten eine Station des Le­ bensweges ist, freut sie sehr und spornt sie auch persönlich an: „Das Schöne an diesem Weg ist, dass man bei allen 13 Etappen direkt vor der Haustür los­ gehen kann, und ich möchte den un­ bedingt einmal ganz gehen. Zumal ich ohnehin täglich raus muss, weil ich ohne Natur gar nicht atmen könnte.“ So ist das eben mit einem Lebens­ weg: Wenn er sich vor einem auftut, will man ihn auch beschreiten. Und was sie in anderem Zusammenhang so schön gesagt hat, trifft wohl auf alle zu, die das dann auch tun: Man ist danach mehr zurück, als man vorher da war.

Informationen: waldviertel.at/lebensweg

Etappe 10: Aussicht ins Weitental 1. Liebe der Eltern – Zeugung Laimbach – Nöchling, 27 km 2. Schwangerschaft und Geburt Nöchling – Yspertal, 19 km 3. Die ersten Jahre Yspertal – Dorfstetten, 19 km 4. Lernen Dorfstetten – Gutenbrunn, 24 km 5. Pubertät – die wilden Jahre Gutenbrunn – Kirchschlag, 20 km 6. Lebensaufbau Kirchschlag – Els, 17 km 7. Integration, sesshaft werden Els – Sallingberg, 29 km 8. Bewusstwerdung, Zweifel Sallingberg – Bad Traunstein, 17 km

Etappe 4: Schlesingerteich 9. Ernte, die neue Freiheit Bad Traunstein – Martinsberg, 15 km 10. Körperlichkeit, Ruhestand Martinsberg – Raxendorf, 26 km 11. Weisheit, Frieden Raxendorf – Leiben, 21 km 12. Grenzüberschreitung Leiben – Maria Taferl, 15 km

Etappe 9: Edlesberger See

13. Ursprung – Großeltern und Ahnen Maria Taferl – Laimbach, 17 km

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UNTERWEGS AN DER

DONAU KREMS

Wo die Kunstmeile in der Kellergasse endet Als Tor zum UNESCO-Weltkulturerbe Wachau steht die Stadt Krems wie keine andere für Wein, Kultur und Genuss. Ein guter Ausgangspunkt für einen Tagesausflug ist die Flaniermeile in der historischen Altstadt. Die mittelalterlichen Gebäude wechseln sich mit Cafés, Lokalen und Geschäften ab. Der Blick auf die umliegenden Weinberge und die Donau macht Lust, die Region zu erkunden: Hier kann gewandert, geradelt, Schiff gefahren und verkostet werden. Danach empfiehlt sich eines der Museen der Kunstmeile. Ausklingen lässt sich der Tag am besten bei einem der Heurigen mit köstlichen Marillenknödeln oder einem Gläschen Veltliner.

GÖTTWEIGER BERG

Weingut Müller Die vierte Generation der Familie Müller führt eine lange Weinbautradition im malerisch gelegenen Weinort Krustetten im südlichen Kremstal fort. Die Philosophie ist, im Einklang mit der Natur zu arbeiten und die Gegebenheiten um den Göttweiger Berg zu nutzen, um das Beste aus jeder Riede herauszuholen. Tiefgründiger Löss und Verwitterungsgestein bringen hochqualitative und charaktervolle Grüne Veltliner und Rieslinge hervor! Neben der Zertifizierung „Nachhaltig Austria“ erhielt das Weingut auch eine Vielzahl an Auszeichnungen. Tipp: Die Weine können in der Vinothek am Weingut oder beim Top-Heurigen verkostet werden. Weingut Müller Hollenburger Straße 12, 3508 Krustetten weingutmueller.at

FOTOS: STADTMARKETING KREMS / ANDREAS HOFER, BRANDING BROTHERS / CHRIS LAISTLER

Wachau Info-Center Krems Körnermarkt 14, 3500 Krems/Donau Tel.: +43/2732/826 76, krems@donau.com krems.info


FOTOS: KASTNER.TV / PENSION GÄSTEHAUS HELLER, PHOTOGRAPHY.PFEFFEL, NETZWERK KULINARIK/POV.AT, FOTOSTUDIO THEO KUST

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WACHAU – WEISSENKIRCHEN

WACHAU – DÜRNSTEIN

Pension Gästehaus Heller

Gartenhotel & Weingut Pfeffel

Das beinahe 500 Jahre alte, mit viel Liebe renovierte Gästehaus ist ein idealer Ausgangspunkt, um die Wachau zu entdecken. Dass Bodenständigkeit hier gelebt wird, beweisen die herzlichen Gastgeber, welche gerne Tipps für Rad- und Wanderrouten, Heurigen und persönliche Lieblingsplätze geben.

Eingebettet in die hauseigenen Weingärten, genießt man hier luxuriöse Urlaubstage: Das Penthouse SPA verwöhnt mit Pool, Massagen und Behandlungen, während das Restaurant mit regionaler Küche und Weinen überzeugt. Gemeinsam mit den Zimmern mit Donaublick ist das Hotel das Richtige für wellnessaffine Erholungsurlauber.

gaestehaus-heller.at

pfeffel.at

WACHAU – WEISSENKIRCHEN

WACHAU – SPITZ AN DER DONAU

Hotel-Restaurant Kirchenwirt

Barock-Landhof Burkhardt

Ob Marillenknödel oder Mohnnudeln: Beim HotelRestaurant Kirchenwirt werden Gerichte der Hausmannskost zu Delikatessen auf Haubenniveau. Die gemütlichen Räumlichkeiten verbinden traditionelle mit modernen Elementen. Eine duftende Oase der Erholung ist der Rosenpavillon im Hotelgarten.

Das historische Landschlösschen eignet sich ­ estens für Individualurlaube: Sechs voll ausgestattete b ­Ferienwohnungen sowie ein Premium-Appartement mit 200 Quadratmetern bieten volle Freiheit. Die lauschigen Plätzchen des großen Gartens mit Obstbäumen genießt man bei einem Glas Wein der Region.

kirchenwirt-wachau.at

burkhardt.at

Mehr Infos unter: bestof-wachau.at


UNTERWEGS IM

MOSTVIERTEL MITTERBACH AM ERLAUFSEE

Die Welt der wilden Wunder Am Fuße der Gemeindealpe, im Naturpark ÖtscherTormäuer, liegt das Sportlerparadies Mitterbach am Erlaufsee. Erst kürzlich mit dem Wandergütesiegel ausgezeichnet, erwartet sowohl Hobbywanderer als auch sportliche Trailrunner ein weitläufiges Wanderwegenetz inmitten einer Naturlandschaft aus Almen, Wäldern, Schluchten und Berggipfeln. Wer es gemütlich angehen will, dem versprechen die Seen der Region Erholung ohne viel Anstrengung – ob beim genüsslichen Planschen, Fischen, Tauchen oder Bootfahren. Wilde Wunder: Bei einem der „Wilde Wunder“-Gast­ geber zu übernachten ist gemütlich und aben­teuerlich zugleich. Die kostenlose Wilde Wunder Card, die man zu jeder Übernachtung dazubekommt, beinhaltet viele Ausflüge und Ermäßigungen.

MARIAZELLERBAHN

Vom Dirndltal ins Mariazellerland Unterwegs mit der Mariazellerbahn, Österreichs längster Schmalspurbahn, ist es ein Muss, einen Blick aus dem Fenster zu machen: saftige Wiesen, bewaldete Täler, Flüsse und sanfte Berge sind eine Freude für das Auge – besonders im Panoramawagen. Dort werden Schmankerl und Getränke direkt zum Sitzplatz serviert. Langeweile kommt auf der 84 Kilometer langen Strecke keineswegs auf. An Samstagen von Mai bis Oktober und im Advent ist der Erlebniszug Ötscherbär auf Tour. Die Themenfahrten sind vor allem für Familien mit Kindern ideal. Im Spielewaggon warten Bioblo Spielsteine, eine Bücherkiste und Malsachen auf die kleinen Gäste. Luftig wird es in den Sommermonaten: Hier ist der Aussichtswagen mit Cabrio-Flair mit dabei. mariazellerbahn.at

FOTOS: WEGERBAUER, TVB MARIAZELLERLAND, FRED LINDMOSER, NÖVOG-LINDMOSER, NÖVOG/WEINFRANZ

mitterbach.at


FOTOS: DOMINIK STIXENBERGER, MOSTVIERTEL BALLOONING, DIE HOCHRIESS-DISTELBERGER GMBH & CO. KG

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KOTHMÜHLE IN NEUHOFEN AN DER YBBS

WAIDHOFEN AN DER YBBS

Ein Refugium der Erholung

Das Schloss an der Eisenstraße

Apfel, Birne oder doch Zwetschke? Die Zimmer des 4* RelaxResorts Kothmühle sind nach regionalen Früchten benannt und strahlen Natürlichkeit und Gemütlichkeit aus. Saunen, Dampf bäder, warme Pools, Klang­liegen und Massagen bieten Erholung – genauso wie der riesige Garten mit Naturbadeteich und Kneippwegen.

Romantik verspricht das Schloss an der Eisenstraße: Erbaut im 17. Jahrhundert, erwarten einen heute moderne Suiten, Fitness und Spa. Beim feinen Sechs-GängeCandle-Light-Dinner überraschen die Gastgeber mit kulinarischen Spezialitäten aus der Region. Als Aperitif wird der trockene Birnenschaumwein empfohlen.

kothmuehle.at

schlosseisenstrasse.at

HOCHRIESS IN PURGSTALL AN DER ERLAUF

STYX IM PIELACHTAL

Familienurlaub am Wildpark

Die Welt der Naturkosmetik

Direkt im waldreichen Hügelland liegt der Vierkanthof Hochrieß. Das Familienhotel punktet mit seinem großen Wildpark: 45 Tierarten leben hier und freuen sich darauf, gefüttert zu werden. Auch Geländeritte für Anfänger und Fortgeschrittene sind möglich. Abends genießt man die selbst gemachten Spezialitäten der Region.

Traditionelles Wissen, altbewährte Rezepturen und moderne Produktionsverfahren – die World of STYX ist der größte und einzige Naturkosmetik-Hersteller Österreichs, der Besuchern Einblick hinter die Kulissen seiner Produktion bietet. Die dazugehörige Schoko­ ladenmanufaktur sorgt für Genuss.

hochriess.at

styx.at Mehr zur Region unter: mostviertel.at


VON MELK BIS CARNUNTUM

SCHÄTZE AN DER DONAU Es sind wahre Perlen, die sich entlang der Donau aneinanderreihen: eine Reise zu mächtigen Stiften und mittelalterlichen Städten, zu einer römischen Weltmetropole und rubinfarbenem Wein.

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Stadt am Strome. Sanft schmiegt sich die Donau an Hainburg, die östlichste Stadt Österreichs.

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Foto: Christof Wagner

m Schwarzwald entspringt sie als Bächlein, ins Schwarze Meer ent­lädt sie sich in einem gewaltigen fünf­armigen Delta. Die Donau ist eine wichtige Lebensader Mitteleuropas. Aber nirgendwo sonst kann man sich einer solchen Harmonie aus Natur, Kunst und Kultur erfreuen wie entlang ihrer 218 Kilometer durch Niederösterreich. Bei Melk beginnt das bekannteste und wohl schönste Durchbruchstal der Donau, die Wachau. Dieses Engtal trennt das Waldviertel vom Dunkel­ steinerwald. Die Donau folgt dabei einer tektonisch vorgezeichneten Furche, die dreißig Kilometer geradewegs nach Krems verläuft. Über die Magie von Melk wurde viel geschrieben. Ob Herrscher oder Kirchenoberhäupter, alle waren sie hier: Papst Pius VI., Napoleon, der Dalai Lama. Melk und die Wachau wurden vom Magazin „National Geographic Traveler“ 2009 gar zur „besten historischen Destination der Welt“ gekürt. VIEL PRUNK, VIEL PARK Um 900 errichteten die Babenberger auf einem Felsen oberhalb der Donau ihre erste Residenz. Österreich wurde infolge hundert Jahre von Melk aus gelenkt. 1089 überließ Markgraf Leopold II. seine Burg den Benediktinern. Heute beherbergt die größte barocke Klosteranlage des Landes mit ihrem Stiftsgymnasium aus dem 12. Jahrhundert die älteste noch bestehende Schule Österreichs. Seit mehr als vierzig Jahren ist Pater Gottfried Glaßner, ein gebürtiger Waldviertler, der Bibliothekar von Melk. Sein Arbeitsplatz ist zum Niederknien schön: Kunstvolle Fresken und teure Intarsien, üppige Schnitzereien und antike Globen zieren den Prunksaal. Die Bibliothek existiert seit der Gründung und umfasst an die 100.000 Bände, dazu fast 800 Inkunabeln (kostbare Wiegendrucke) sowie 1.800 Handschriften, darunter ➤

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Kostbare Seiten. Im historischen Prunksaal der ­Stiftsbibliothek von Melk lagern Bücher von unschätzbarem Wert. Achtsam blättert Pater Gottfried in einer alten Handschrift. Der Benediktiner ist der Bibliothekar von Melk.

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Fotos: Michael Reidinger, Peter Podpera

Bis zum Horizont und weiter. Ein Ausflug ins Hinterland von Krems und Stein zahlt sich schon wegen des Blicks über die Weinterrassen bis Stift Göttweig aus (oben). Weiter flussabwärts windet sich die Donau um Stift Dürnstein.

das Fragment einer Abschrift des Nibelungenliedes aus dem 13. Jahrhundert. „Meine Aufgabe ist es, diese Schätze zu bewahren und der Nachwelt zu übergeben“, sagt Pater Gottfried. Seit Pater Martin Rotheneder die einst verwilderten Gärten des Stifts neu gestalten ließ und öffentlich zugänglich machte, kann sich jeder an der Parklandschaft und dem zauberhaften Barock­pavillon erfreuen. Herzstück des Parks ist der Paradiesgarten, dessen 22 Beete man nach dem Gedicht eines Benediktinermönchs bepflanzt hat. Hinter der Klostermauer stapft man steile Treppen hinunter in die Stadt. Über buckeliges Kopfsteinpflaster, vorbei an geschmiedeten Zunftschildern, verblichenen Fresken, alten Toren und Türmchen führt der Weg. Jedes Detail erzählt von der tausendjährigen Geschichte der Stadt Melk als Handels-, Handwerks- und Verkehrsmittelpunkt. WEIN UND WOHLSTAND Nach Melk wendet sich die Donau ein letztes Mal gegen Norden. Unten windet sich der Fluss um Spitz und Stift Dürnstein, darüber erklimmen schmale Terrassen die Hänge wie Stufen. Es sind kunstvoll angelegte Weingärten, die jeden Quadratmeter des kostbaren Lössbodens nutzen. Nördlich von Krems liegt eines der ältesten Siedlungsgebiete Österreichs. Hier fand man am Galgenberg die Frauenstatue Fanny, mit 32.000 Jahren das älteste Kunstwerk des Landes. Im Mittelalter waren Krems und Stein getrennte Handelsstädte mit eigenen Stadtmauern, Wehrtürmen und Kirchen. Handel, Schiffsverkehr und Weinbau brachten Wohlstand, der Künstler und Gelehrte anzog. Heute sind die Zwillingsstädte längst miteinander verschmolzen, pflegen aber getrennt ihren historischen Kern. In Stein locken Cafés, Heurige und Gaststätten Studierende der Donau-­ Universität sowie Besucher der ➤

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Hohe Kultur am großen Fluss Entlang der Donau wachsen nicht nur wunderbare Weine, hier blüht seit vielen Jahren auch eine lebendige Kunst- und Kulturszene. Ein Überblick von der Wachau bis Carnuntum.

Sommer in der Arena Bei den Sommerspielen Melk wurden unter der Leitung von Alexander Hauer (oben) seit 2002 neun Werke in der Wachau-Arena uraufgeführt und namhafte Autoren wie Karl Fer­ dinand Kratzl, Paulus Hochgatterer und Franzobel nach Melk geholt. Auf dem Spielplan stehen zeitgemäß interpretierte Theaterklassiker sowie Musiktheater für Kinder und Erwachsene. wachaukulturmelk.at/de/ sommerspielemelk Eine Tischlerei macht Theater In den ehemaligen Produktionsräumen einer Möbelfirma in Melk ist seit dem Jahr 2008 eine Kulturwerkstatt beheimatet. Die Stars der österreichischen Kabarett- und Musikszene zählen zu den Fixsternen im Programm, daneben werden auch Theaterstücke für Kinder und Jugendliche aufgeführt. wachaukulturmelk.at/de/tischlereimelk Für Kopf, Herz und Hand „Sich fühlen wie ein Künstler“, so lautet das Motto des ganzjährigen Kinderund Jugendprogramms „Kunstdünger“

56 Servus

Die stille Wachau als Bühne Die Schauspielerin Ursula Strauss zeigt die ruhigen und weniger bekannten Seiten ihrer Heimat, der Wachau. Bei „Wachau in Echtzeit“ wird in Begleitung von Künstlerkollegen an ganz besonderen Schauplätzen – etwa im Schloss Pielach oder in der Burgruine Aggstein – musiziert, gelesen, philosophiert und sogar das eine oder andere Rätsel gelöst. wachaukulturmelk.at/de/ wachauinechtzeit Musik im Kloster Immer zu Pfingsten finden im Stift Melk die „Barocktage“ statt. Die Festspiele sollen „den Geist des Barock durch das Zusammenspiel von Musik und Stift erlebbar machen“, sagt der Startenor und künstlerische Leiter Michael Schade, der dafür das einzigartige Orchester Concentus Musicus Wien verpflichtete. Und im August wird bei den Sommerkonzerten das Ambiente des Stifts zur Bühne für aufstrebende, aber auch für renommierte Musikerinnen und Musiker. Zu hören gibt es Klavierkammermusik, Orgelkonzerte, Bläserensembles und Jazz. stiftmelk.at/de/stift-melksommerkonzerte.html; wachaukulturmelk.at/de/ barocktagemelk/barocktage-melk

Lebendige Geschichte Vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. war Carnuntum eine römische Weltstadt an der Grenze des Römischen Reichs. Das ehemalige Legionslager an der Donau ist ein wahrer Schatz für Geschichtsinteressierte. Die wiederaufgebauten Häuser der römischen Lagerstadt, die beiden Amphitheater und das Museum Carnuntinum lassen die Antike eindrucksvoll wieder­auferstehen. carnuntum.at

Kunst in Krems Auf einer Strecke von nur einer Meile (1,6 km) finden sich in Krems zwischen Minoriten- und Dominikanerplatz etliche Kunststationen, bekannt etwa das Karikaturmuseum. In der Kunsthalle Krems wird Aktuelles nach 1945 gezeigt, die Landesgalerie Niederöster­ reich (oben) ist der neue Ausstellungsort für Österreichs Kulturschaffende, und im Museum Krems werden seit mehr als hundert Jahren die historischen Sammlungen der Stadt präsentiert. An acht Orten können Besucher Kunst, Kultur und Geschichte erleben. kunstmeile.at

Fotos: Daniela Matejschek, Faruk Pinjo, Christof Wagner

in Melk. Ziel ist es, Kopf, Herz, Hand und alle Sinne anzusprechen, um damit die Kreativität zu fördern und die eigene Fantasie anzuregen. Auf dem Programm stehen Workshops, Vorträge und Kreativcamps. wachaukulturmelk.at/de/kunstduenger


­ erühmtheiten. Das 15 Meter hohe Heidentor B (oben) ziert oft die Etiketten der Rotwein­ legende „Rubin Carnuntum“. Die römische Therme in Carnuntum ist für Besucher geöffnet – zum Eintauchen in eine andere Zeit.

Kunstmeile in die alten Gassen; in Krems wiederum wird viel altes Handwerk in Familienbetrieben fortgesetzt. Bevor sich die Donau aus Österreich verabschiedet, biegt sich ihr silbrig glänzendes Band in weitem Bogen um den Braunsberg. Eingebettet in diese märchenhafte Landschaft liegt Hainburg, die östlichste Stadt Österreichs. Mit 2,5 Kilometer langen Stadtmauern, drei erhaltenen Toren und fünfzehn Türmen aus dem 13. Jahrhundert besitzt Hainburg eine der ältesten und am besten erhaltenen Stadtbefestigungen Europas. Hier war seit jeher Grenzland. Das heutige Stadtgebiet lag im Einzugsgebiet von Carnuntum, der Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien. Einst diente Carnuntum nur als temporäres militärisches Winterlager. Durch die wichtige Lage zur Grenzsicherung an der Donau („Donaulimes“) und die Nähe zu großen Handelsrouten stieg es zu einer bedeutenden römischen Weltstadt auf. DIE RÄUME DER RÖMER Schmuckgegenstände, Skulpturen und feines Tafelgeschirr zeugen noch heute vom Luxusleben in der antiken Stadt. „Viele Fundstücke können im Museum Carnuntinum entdeckt werden“, sagt Anna-Maria Grohs von der Römerstadt Carnuntum. Weltweit einmalig wurde ein Teil eines römischen Stadtviertels am Originalstandort wieder aufgebaut. „Sogar eine römische Fußbodenheizung wurde nachgebaut und erwärmt die Räume der Therme in Carnuntum das ganze Jahr hindurch.“ Das gut erhaltene Amphitheater, das 8.000 Menschen fasste, gibt einen Einblick in das Leben der Gladiatoren. Österreichs berühmtestes römisches Denkmal, das 15 Meter hohe Heidentor, findet sich in Miniaturform auch auf den Etiketten kräftiger Rot­ weine, genannt „Rubin Carnuntum“ – an­gebaut auf den Löss- und Kalkböden am rechten Donauufer und gereift durch die Nähe zum kühlenden, stolzen Fluss.

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Blütenreich. Im Schaugarten der Arche Noah wachsen Gemüse und Kräuter in großer ­Vielfalt. Lauch entwickelt attraktive Samenstände (unten), die Blüten der Bohnen leuchten schon von weitem (unten rechts).

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NATUR & KULTUR

EINEN GARTENSOMMER LANG Den Wandel der Gärten genießen kann man diesen Sommer in und um Langenlois: wo der Schaugärtner der Nation eine Gartenwelt geschaffen hat und der Verein Arche Noah Kulturpflanzen schützt. TEXT: Veronika Schubert

Fotos: Arche Noah/Rupert Pessl

Z

wischen sechs und sieben Uhr morgens betritt Reinhard Kittenberger durch das Holztor seines Privatgartens direkt das Gelände der Erlebnisgärten in Schiltern. Das tut er jeden Tag, um seine Runde zu drehen. Es ist seine ganz per­ sönliche Zeit, die Blumen und Sträucher in all ihren Veränderungen wahrzu­ nehmen. Wo gestern noch eine Knospe spross, ist heute eine Blüte in voller Pracht zu sehen. Wo abends welke ­Halme hingen, hat die Frische der Nacht sie aufgerichtet. Vor allem im Frühjahr ex­ plodiert die Natur. Die Gehölze hüllen sich binnen weniger Tage in weiße, rosa­ farbene und gelbe Blütenwolken. Zartes Grün überzieht rasant die Zweige. Im Laufe der Zeit verändern sich die Gärten aber auch in ihrer Gesamtheit. „Manche Pflanzen müssen wir versetzen, da sie sonst verdrängt würden. Andere

schneiden wir zurück“, sagt Reinhard Kittenberger, „ein Gärtner lebt mit dem Wandel, manchmal fügt er sich, manch­ mal zähmt er die Natur.“ Wie ein Samenkorn hat der Schau­ gärtner vor etwa vierzig Jahren seine Idee hier in den Boden der Weinberge gepflanzt. Auf einer Studienreise nach England und Holland ließ er sich inspi­ rieren und gestaltete den ersten Schau­ garten, einen für Niederösterreich typi­ schen Waldviertler Heidegarten. Wie viele noch folgen sollten, konnte er da­ mals nicht ahnen. Die Anlage mit ihren fünfzig Themengärten umfasst heute eine Fläche von 60.000 Quadratmetern und zeigt eine Fülle an Gestaltungs­ möglichkeiten, kann aber noch etwas ­anderes, nämlich Sehnsüchte nach ­Reisen in f­ erne Länder ­stillen. Asiatische Gartenkunst trifft auf englischen ➤

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Goldene Zeit. Im Sommer strahlt der „Garten der Sehnsucht“ der Kittenberger Erlebnisgärten in berührenden Lichtstimmungen.

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s­ eltene Sorten vor dem Aussterben ­bewahrt. Schon neben dem Jagen und Sammeln züchtete der Mensch vor ein paar tausend Jahren Pflanzen und begann damit, die bunte Vielfalt in Gemüse-, Kräuter- und Blumengärten zu kultivieren. Seit 1900 aber ist der Artenreichtum an Kulturpflanzen weltweit um 75 Prozent zurückgegangen. Bernd Kajtna vom Verein Arche Noah erklärt seine Arbeit: „Damit traditionelle Lokalsorten nicht verschwinden, erhalten wir in unseren Gärten den Kreislauf vom ­Samenkorn zur Pflanze und wieder zum Samen. Das ist wichtig für die Vielfalt in Gärten, auf Märkten und letztlich auf unseren Tellern.“ Das Samenarchiv in Schiltern beherbergt 5.500 verschiedene

Kulturpflanzen, ­darunter 800 Bohnen-, 600 Tomaten- und 150 Erbsensorten. Dazu kommt die 200 Sorten umfassende Kartoffelsammlung. Hier lassen sich zahllose Raritäten bestaunen. Wer kennt etwa die Kerbelrübe, die auch als „Cham­ pagner unter den Wurzelgemüsen“ bezeichnet wird, oder die leuchtend rote Gartenmelde, die eine interessante Note in den Salat bringt? UNTER DER INDIANERBANANE Das Gartenleben an heißen S ­ ommertagen spielt sich bevorzugt unter dem satt­ grünen Blätterdach großer Bäume ab. Die Luft bleibt kühler und frischer, jeder Atemzug im Schatten ist eine Wohltat. Langenlois als Zentrum des diesjährigen

Fotos: Andreas Hofer

Landhausstil und fügt sich harmonisch zwischen öster­reichische Traditionen. Ein Glashaus wartet mit kulinarischen Genüssen ­zwischen Grünpflanzen auf, und auf der Suche nach der fantastischen Fangornwurzel, bekannt aus der Trilogie „Der Herr der Ringe“, lässt sich bei einer Rätsel­rallye spielerisch so manches Geheimnis entdecken. In diesem Gartensommer darf man sich im neuen Kittenberger Seelenbaumlergarten in der Hängematte ausruhen, bevor man den „Gartenweg Schiltern“ zur Arche Noah antritt. Er verbindet die Kittenberger Erlebnis­­gärten mit der Arche Noah, einem ­gemeinnützigen ­Verein, der sich für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzt und


Gartensommer Niederösterreich in Langenlois und Schiltern Unter dem Motto „Gärten in Veränderung – der Wandel als Gestalter“ lockt Niederösterreich von Mai bis September raus ins Grüne: zum Picknick, zum Spielen, zum Staunen und Lustwandeln. Programm: Themenführungen, GartenkunstInstallationen, Schau­gartenBesichtigungen und Veranstaltungen

Rosenträume. Prachtvoll leuchten die Blüten im Kittenberger Rosengarten.

Jederzeit frei zugänglich: • Archiv des Wandels – Gartenkunst im Kaiser-Josef-Park in Langenlois • Kunstinstallation „100 Bäume für den Wandel“ • Lehr- und Schaugärten der ­Gartenbauschule Langenlois • Wein | Genuss | Garten der ­LOISIUM W ­ einWelt in Langenlois • GARTENWEG Schiltern – ­„Rosen t­ anzen durch Schiltern“ • Therapiegarten Schloss ­Schiltern Informationen: gartensommer.at

Gartensommers sieht sich als Klima­ botschafter. Baumarten wie dem Leder­ hülsenbaum, der Winterlinde, der ­Kulturmandel, der Baumhasel und der Indianerbanane kommt 2021 eine be­ deutende Rolle zu: Mit ihrer Aufstellung in großen Erdsäcken sind sie am Holz­ platz Teil einer künstlerischen Inszenie­ rung. Für diese Aktion wurden bewusst Baumarten ausgesucht, die sich künftig in unseren Breiten gut durchsetzen ­werden. Im Herbst kommen sie dann im ­Gemeindegebiet verteilt auf ihren end­ gültigen Platz. Bis dahin bleibt jeder Ein­ zelne als Klimabaum und Lebensraum für Tiere und Insekten im Rampenlicht. Nicht weit von hier lassen sich im revitalisierten Langenloiser Kaiser-­Josef-

Park das „Archiv des Wandels“ und der „Wandel als Gestalter“ entdecken. Dafür wurden fünf Pavillons errichtet, die ­subtropische Pflanzen beherbergen, geologische und botanische Phänomene vorstellen oder sich gar als begehbares Samenkorn präsentieren. Vom Ursprung des Lebens geht es dann durch rund 157.000 Jahre Erdgeschichte in den Garten zum Aufatmen. Was aber ist denn nun eigentlich der „Wandel der Gärten“? „Gärten sind immer im Wandel“, sagt Reinhard Kitten­ berger dazu, „sie wandeln sich im Licht, vom Tag zur Nacht, verbunden mit den sich entfaltenden Gerüchen, sie wan­ deln sich im Verlauf der Jahreszeiten, aber auch durch den Klimawandel

­ enauso wie im Verlauf der Epochen g der Gartenkunst. Heute besinnt man sich gerne wieder der Wurzeln und freut sich an der Natürlichkeit im Garten.“ Hier in der Region, und daran besteht kein Zweifel, blüht der Sommer so rich­ tig auf und ermöglicht es, im Wandel der Gärten voller Lust zu wandeln.

Verein Arche Noah, Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt & ihre Entwicklung, Obere Straße 40, 3553 Schiltern, arche-noah.at Kittenberger Erlebnisgärten, Laabergstraße 15, 3553 Schiltern, kittenberger.at

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UNTERWEGS IM

KLOSTERNEUBURG

HAUERHOF 99 IN KLOSTERNEUBURG

Natur trifft auf Kultur

Kreative Landhausküche

Eingebettet in die Weinberge am Rande des Wiener­ waldes, die Sandbänke der Donau-Auen und überragt vom Chorherrenstift präsentiert sich Klosterneuburg als naturnaher Ruhepol mit hervorragendem Kulturangebot. Genuss versprechen die Produkte der Region und eine Tour durch den Wienerwald – zu Fuß und mit dem Rad.

Zum Übernachten und Erholen ist das Bio-Weingut Hauerhof 99 in Klosterneuburg eine gute Adresse. Liebevoll renovierte Ferienwohnungen, hauseigener Wein und Delikatessen lassen keine Wünsche offen. Das Heurigen-Restaurant mit kreativer Landhausküche zum Draußen- und Drinnensitzen hat tageweise geöffnet.

klosterneuburg.net

hauerhof.at

BERGHOTEL TULBINGERKOGEL

WIENERWALD

So nah und doch so fern

Grün, so weit das Auge reicht

Mitten im Biosphärenpark Wienerwald und dabei nur 20 Minuten von Wien entfernt, ist das Berghotel Tulbingerkogel der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbike-Touren. Die Gastgeber sind für ihre ausgezeichnete Küche bekannt. In der Weinkarte mit über 1.500 edlen Tropfen ist für jeden etwas dabei.

Rund um Wien tut sich eine Landschaft aus Eichen, Buchen, Weiden und Föhren auf: der Wienerwald. Die UNESCO-prämierte Biosphärenpark-Region ist ein Freizeitparadies für Genussradler, Mountainbiker und Wanderer. Neben der Natur locken Kultur, Weingenuss und Ausflugsziele – von traditionell bis modern.

tulbingerkogel.at

wienerwald.info

FOTOS: KERBL AM WEINBERG, ZENN MAAR, HERWIG MITSCH, NÖ-WERBUNG/HAUKE DRESSLER

WIENERWALD


FOTOS: RENE KUSSNOW, KARL SCHROTTER, AT THE PARK HOTEL, LOIS LAMMERHUBER / LUISA DÖRR

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BAD VÖSLAU IM WIENERWALD

HOTEL TURMHOF IN GUMPOLSDKIRCHEN

Wein, Wald und Wasser

Das Leben genießen

In der Kurstadt nah bei Wien kann man sich einfach nicht entscheiden: ein Abstecher ins Vöslauer Thermal­ bad, ein Spaziergang in der Wanderarena oder doch auf ein Achterl zu einem der über 20 Heurigen? Denn Bad Vöslau steht seit jeher für seine Reben, das Nah­ erholungsgebiet Wienerwald und heilsames Wasser.

So lässt es sich leben: Im Weinort Gumpoldskirchen bei Wien liegt unweit des alten Dorfzentrums das familiär geführte Hotel Turmhof. Gemütliche, modern eingerichtete Zimmer und Suiten mit Blick auf die Weinberge und die traditionsreichen Heurigen in unmittelbarer Nähe versprechen Erholung.

badvoeslau-tourismus.at/voeslauer-sommerfrische

hotel-turmhof.at

AT THE PARK HOTEL IN BADEN

FESTIVAL LA GACILLY-BADEN PHOTO

Geräumiges Zuhause auf Zeit

Europas größte Fotoausstellung

Angrenzend an die Thermen- und Weinregion, liegt das Hotel „At the Park“ mitten in Baden. Die Auswahl von 83 Zimmern in fünf Kategorien macht es zum ­optimalen Zuhause auf Zeit für Urlaube und Seminare. Fünf Tagungsräume bieten dafür alles an Ausstattung, was man für ein gutes Beisammensein benötigt.

VIVA LATINA! lautet der Titel des diesjährigen Festivals und wird Fotografien aus Lateinamerika zeigen, die stark von der Komplexität der Geschichte dieses Kontinents mit all seinen Revolutionen und Hoffnungen durchdrungen ist. Von 18. Juni bis 17. Oktober in Baden bei freiem Eintritt.

atthepark.at

tourismus.baden.at Mehr zur Region unter: wienerwald.info


UNTERWEGS IN DEN

WIENER ALPEN WIENER NEUSTADT

Auf Zeitreise durch die Hauptstadt der Wiener Alpen Wiener Neustadt gilt als Hauptstadt der Wiener Alpen in Niederösterreich. Die weithin sichtbare Silhouette der Stadt ist geprägt durch den spätromanischen Dom, die unter Maria Theresia gegründete Militärakademie sowie die aufwendig revitalisierten Kasematten. Die ehemalige Kaiserresidenz blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die sich innerhalb des neuen Angebots „Kaiser. Kutsche. Kasematten.“ erleben lässt. Gemeinsam mit einem Stadtführer, der mit dem Leben von Kaiser Maximilian I. bestens vertraut ist, begibt man sich auf eine Zeitreise durch die Stadt. Danach geht es im urigen Oldtimerbus durch die „Allzeit Getreue“.

MUSEUM ST. PETER AN DER SPERR

HILTON GARDEN INN

Von wegen bieder

Im Herzen von Wiener Neustadt

Das Museum St. Peter an der Sperr präsentiert sich seit 2020 mit neuem Gesicht. Neben der Präsentation der Sammlung der Stadt im Rahmen der Dauerausstellung „neuStadt erzählen“ bietet das Haus zusätzlich Raum für Sonder­ ausstellungen wie die aktuellen „wir essen die Welt“ und „Biedere Zeiten?“ und spricht somit alle Altersgruppen an.

Das 2019 eröffnete Hilton ist das erste internationale 4*-Hotel in Niederösterreich. Direkt im Stadtpark gelegen, nur fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt, lassen die 133 großzügig eingerichteten Zimmer keine Wünsche offen. Besonders fein dinieren kann man im Wintergarten des hauseigenen Restaurants „Neu-Stadt“.

museum-wn.at

hilton.com

FOTOS: WIENER ALPEN FRANZ ZWICKL, M ICHAEL WELLER, HILTON GARDEN INN

Mehr zu der Stadt gibt es unter: +43/2622/37 39 04 oder tourismus-wn.at


FOTOS: WIENERALPEN/BENECROY, KNAPPENHOF, NÖ WERBUNG / HELDENTHEATER, SCHNEEBERGHOF

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TRIAD IN BAD SCHÖNAU

KNAPPENHOF IN REICHENAU AN DER RAX

Haubenküche mitten im Grünen

Landhausstil in neuem Glanz

In Veronika und Uwe Machreichs Triad genießt man dreierlei: Restaurant, Übernachtung und Golf. ­Empfehlenswert ist das achtgängige Triad-Menü der Falstaff-ausgezeichneten Haubenküche. Mit Panoramablick ins Grüne lassen sich die Abendstunden im Naturzimmer „Bett in da Wies’n“ genießen.

Man darf sich schon mal freuen: Im Juni 2021 eröffnet der Knappenhof seine Pforten erneut. Gemeinsam mit dem Koch des Jahres, Max Stiegl, besinnt sich das Team rund um Hotelierin Helena Ramsbacher auf ­A ltbewährtes – eine Mischung aus Landhausstil und unaufdringlichem Luxus.

triad-machreich.at

knappenhof.at

HOTEL MOLZBACHHOF IN KIRCHBERG/WECHSEL

SCHNEEBERGHOF IN PUCHBERG AM SCHNEEBERG

Durchatmen im Holzhotel

Die entspannten Seiten des Lebens

Im Naturhotel Molzbachhof ist es leicht, die Verbindung zu den eigenen Wurzeln wiederzufinden. Bei den herz­ lichen Gastgebern rund um Familie Pichler genießt man neben dem „Paradiesgart’l“, den Thoma Holzzimmern und dem beheizten Outdoorpool auch eine exzellente ­Haubenküche und familiäres Ambiente.

Langsamer werden, den Alltag loslassen und sich ins Bewusstsein holen: Es ist immer der Augenblick, der zählt. Die ideale Voraussetzung dafür findet sich im Schneeberghof ****s. Die stilvolle Atmosphäre bietet alle Finessen der Erholung – die Naturkulisse des Schneebergs, Niederösterreichs höchsten Bergs, stets im Blick.

molzbachhof.at

schneeberghof.at Mehr zur Region unter: wieneralpen.at


LAND DER FESTIVALS

WO DIE MUSEN KÜSSEN Von einem unglückseligen Grafen, der dem Schloss Grafenegg seinen Namen gab, von Tanz, Theater und Zirkus unter freiem Himmel und von musikalischen Sternstunden an wahrlich magischen Orten.

Musik im Park. Vor der historischen Kulisse von Schloss Grafenegg und seinen Nebengebäuden erhebt sich der futuristische Wolkenturm. Alljährlich sind hier internationale Orchester und Ensembles zu Gast.

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Foto: Alexander Haiden

TEXT: Niki Nussbaumer


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ls Ulrich von Grafeneck im Jahr 1450 von Kaiser Friedrich III. ein Stück Land erhielt, war sein Besitz nicht mehr als „ein festes Haus mit Mauer und Graben“, wie eine Urkunde festhielt. Ulrich sollte nur eine Randnotiz der Geschichte bleiben: Er rebellierte gegen den Kaiser und musste sein Hab und Gut wieder abtreten. Was aber blieb, war der Name: Grafenegg. Jahrhunderte strichen ins Land, Besitzer und Besatzer kamen und gingen. Es war August Graf Breuner, der den Herrensitz im 19. Jahrhundert zu einem Schloss samt prächtigem Landschaftsgarten umgestalten ließ. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Familie Metternich-Sándor eine geplünderte Halbruine. Mit großem Aufwand wurde das Schloss wiederhergestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. ROSENDUFT UND PERFEKTE AKUSTIK Heute schlagen die Herzen von Musikfans höher, wenn von Grafenegg die Rede ist. Zwischen dreihundert Jahre alten Bäumen, duftenden Rosen und kleinen Naturteichen treffen sich Weltstars der Klassik unter freiem Himmel auf der Bühne des Wolkenturmes. Der futuristische Bau aus Beton, Stahl und Glas ist eine der schönsten Open-AirBühnen Österreichs und zählt zu den akustisch besten Freiluftbühnen der Welt. Alljährlich sind hier internationale Orchester und Ensembles zu Gast, wie das London Symphony Orchestra oder die Berliner Philharmoniker. ➤

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Ein Hoch der Kultur In Schlössern, auf Seebühnen und in Weinkellern – jeden Sommer locken außergewöhnliche Orte in Niederösterreich mit hochklassigen Darbietungen. Eine Auswahl.

Theater in der ganzen Stadt Im August ist Litschau Schauplatz des Festivals „Hin & Weg“ mit zeit­ genössischer Theaterunterhaltung – und zehn Tage lang wird die ganze Stadt zur Bühne. Das Motto lautet „hinkommen – weit weg sein – Emotionen erleben“. Tel.: +43/720/40 77 04, hinundweg.jetzt

Festival am See Der Lunzer See wird jeden Sommer zur Kulisse für „wellenklaenge“ – ein Festival für zeitgenössische Kunst. Ob Tanz, Theater, Zirkus oder bildende Kunst – rund um das Herzstück des Festivals, die preisgekrönte Seebühne, findet unter der künstlerischen Leitung von Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer (oben) Jahr für Jahr ein außergewöhnliches Programm statt. Tel.: +43/664/363 30 55, wellenklaenge.at

Musik liegt in der Luft Von August bis September findet im Waldviertel unter der Leitung von Vahid Khadem-Missagh das Kammermusikfestival „Allegro Vivo“ statt. Es umfasst rund 65 Konzerte an dreißig Spielorten sowie Musik­ kurse für Kinder. Tel.: +43/2982/43 19, allegro-vivo.at

Sommer im Salon Das wundervolle Ambiente der ehe­ maligen Kaiservilla ist sommerliche Kulisse für Opern, Operetten und Liederabende. Das ganze Jahr über präsentieren hochkarätige Autoren im Literatursalon Wartholz ihre neuesten Erscheinungen. Tel.: +43/2666/522 89, schloss-wartholz.at

Kultur im Kurort Bei den Festspielen Reichenau steht alles im Zeichen heimischer Autoren, die einst ihre Sommer im Kurort verbrachten, etwa Arthur Schnitzler, Stefan Zweig oder Johann Nestroy. Hier treffen sich die namhaftesten Künstler der großen Bühnen. Tel.: +43/2666/525 28, festspiele-reichenau.com

Kulturelle Sommerfrische Beim „Kultur.Sommer.Semmering“ im nostalgischen Höhenluftkurort Semmering versprechen die Stars der österreichischen Musik- und Theaterlandschaft neun Wochen lang eine kulturelle Sommerfrische im historischen Südbahnhotel. Tel.: +43/2664/200 25, kultursommer-semmering.at

In und um Rohrau An den schönsten Orten der Ge­ burtsregion der Komponistenbrüder Joseph und Michael Haydn finden unter dem Titel „HAYDN verzaubert“ Konzerte statt. Zu den Programm­ highlights gehören die Orchester­ konzerte im prachtvollen barocken Festsaal von Schloss Petronell-­ Carnuntum. Tel.: +43/2164/22 68, haydnregion-noe.at Unterhaltung auf dem Weingut Unter dem Titel „Kultur beim Winzer“ werden im Rahmen von Lesungen, Konzerten und Kabarettvorstellungen in Weingütern und Winzerhäusern ausgezeichnete Tropfen aus den acht niederösterreichischen Weinbau­ regionen kredenzt. niederoesterreich.at/ kultur-beim-winzer

Einmal um die Welt Mehr als 5.000 Besucher pilgern jährlich nach Krems und Umgebung, um beim Festival „Glatt & Verkehrt“ spannende Musikideen aus allen Erd­ teilen zu erfahren. Besonderen Reiz haben die Spielorte, etwa der Innenhof der Winzer Krems, Sandgrube 13. Tel.: +43/2732/90 80 30, glattundverkehrt.at

Informationen zu allen Veranstaltungen: festivalland.at 68 Servus

Fotos: Theresa Pewal, Sascha Osaka, Stephan Mussil

Es lebe das Wienerlied Litschau, die nördlichste Stadt Österreichs, gilt als die Wiege der berühmten Wiener Heurigenund Tanzmusik. Beim „Schrammel. Klang.Festival“ um den Herrensee spielen im Juli auf mehreren Naturbühnen die berühmtesten Interpreten des Genres. Tel.: +43/720/40 77 04, schrammelklang.at


Melodien unter Bäumen. Beim Schrammelklang-Festival in Litschau spielen unter anderem die Neuen Wiener Concert Schrammeln mit Peter Uhler, Nikolai Tunkowitsch, Walther Soyka und Peter Havlicek (von links).

Der 23 Meter hohe Wolkenturm ist die zentrale Spielstätte für die Sommerkonzerte und das Grafenegg Festival. „Die Natur, der Sommer und die Freude an der Musik stehen im Vordergrund“, schwärmt Pianist Rudolf Buchbinder, der künstlerische Leiter des Festivals. „Ich verfüge hier über zwei traumhafte Locations mit einer perfekten Akustik.“ Denn seit dem Jahr 2008 dient das Auditorium, ein moderner Konzertsaal mit einmaligem Klang, bei Regen als Ausweichmöglichkeit.

150.000 Menschen besuchen jährlich das zwischen Wachau, Kamptal und Wagram eingebettete Grafenegg. Im Sommer locken Weingüter und das Weltkulturerbe Wachau, im Winter der Grafenegger Advent, einer der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte des Landes. Wer will, bettet sich nachts ­nobel in einer der Grafenegg Cottages, die direkt im Schlossareal liegen. Für kulinarischen Genuss sorgt Haubenkoch Toni Mörwald in der „Schlosstaverne“. Gleich gegenüber, am Picknick-Pavillon,

kann man sich mit Getränken, Snacks und Eis versorgen und diese im 32 Hek­ tar großen Schlosspark genießen. Es wundert nicht, dass dieses Ambiente ­immer wieder als Drehort diente – von „Kommissar Rex“ und „SOKO Donau“ bis zu „Maximilian I.“ oder „Der kleine Lord“. Das hätte sich Ulrich von Grafen­ eck einst wohl nicht träumen lassen.

Schoss Grafenegg, Tel.: +43/2735/55 00, grafenegg.com

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Kolumne

ANGELIK A HAGER

DER SPIELPLATZ DER BOHÈME

Beim Durchschwimmen des Quellbeckens hielt ich manchmal die Augen geschlossen und stellte mir die Wiener Jahrhundertwende-Bohème bei allerlei Unfug im Vöslauer Bad vor – wie Arthur Schnitzler einer seiner vielen „Mizzis“ das Blaue vom Himmel log, indem er ihr ewige Treue schwor: „Glaube mir, es hat sich nicht das geringste Dienstmädchen ereignet.“ Wie Alma Mahler mit einem Federhut, groß wie ein Kutschenrad, ihre Verehrer gleich einer Zirkus­dompteuse in Schach hielt. Wo der junge Hugo von Hofmannsthal, der mit seinen Eltern in der Villa „Zur schönen Aussicht“ abgestiegen war, seine Sehnsüchte zu Gedichten formte. Es wunderte mich, dass der Theatermagier Max Reinhardt, der aus dem benachbarten Baden stammte, auf der steinernen Insel im Quellbecken nie Shakespeares „Sommernachtstraum“ inszeniert hatte. Erstaunlicherweise war noch niemand ­zuvor auf die Idee gekommen, das nostalgische ­Ambiente als Naturkulisse für Theater oder ­Lesungen zu benutzen. Ich schlug meine Vision den Eigentümern vor und bekam grünes Licht, ein Festival gestalten zu dürfen. Was für ein ­Luxus! Die Idee konnte zur Tat schrumpfen. Rauf auf die Spielwiese, um die dem Himmel sei Dank keine Verbotstafeln errichtet waren. Meine Liebesgeschichte mit dem Bad hatte ein Jahr zuvor begonnen. Die Einladung, einen

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­ ommer in einer Kabane im Föhrenwald zu verS bringen und in dieser Zeit einen Roman zu schreiben, in der das Ambiente eine wie immer geartete Rolle spielen sollte, nahm ich gerne an. Am Ende dieses Sommers hatte ich den Selbstfindungstrip von Mimi Stein, einer jungen Frau in einer Lebenskrise, die im Bad biografische Spurensuche betreibt und dabei tief in die versunkene Epoche der Jahrhundertwende und das Leben ihrer exzentrischen Tante Lou taucht, beendet. Der Roman heißt „Wer jung bleiben will, muss früh damit anfangen“ und erschien unter meinem Pseudonym Polly Adler. Im ersten Festivaljahr klingelte ich die Künstler durch, die ich durch meine Arbeit als Journalistin und Drehbuchautorin der TV-Serie „Polly Adler“ kennengelernt hatte: Philipp Hochmair, der das Publikum mit einer Extremvariante von Goethes „Leiden des jungen Werther“ anfangs irritierte, dann provozierte und letztendlich begeisterte. Er ist inzwischen Stammgast beim Festival; jeder ­seiner Auftritte zieht eine Fanmeile aus Damen der unterschiedlichsten Generationen nach sich. Beim ersten Auftritt zeigte sich eine Besucherin entsetzt. Sie war Kurgast und flüsterte mir verzweifelt ins Ohr: „Hören Sie, ich hab’s mit dem Herz. Ich vertrag keine Aufregung.“ Ich retournierte ihr damals das Eintrittsgeld. Die Arme ­sollte den besten Teil des Abends versäumen:

Illustration: Roland Vorlaufer; Fotos: Niederösterreich Werbung/Romeo Felsen, Katharina Schiffl

Als Michael Heltau in der Kabane philosophierte und Philipp Hochmair seine Badehose verlor – der „Schwimmende Salon“ in Bad Vöslau ist viel mehr als ein Theaterfestival. Über meine Liebesgeschichte mit dem Thermalbad.


Vöslauer Momente. Im historischen Thermalbad (links) üben sich Petra Morzé und Manuel Rubey (rechts oben) in Herzensschlampereien von Arthur Schnitzler. Philipp Hochmair setzt das Bad regelmäßig unter Strom.

Hochmairs Werther entschied sich für einen Selbstmord durch Ertrinken und verlor beim Sprung ins Wasser seine Badehose. Das Festival war damit auch irgendwie „defloriert“ worden. Inzwischen hat sich eine regelrechte Künstlerkolonie formiert, die sich immer wieder in den Ferienmonaten in der Milchbar oder dem Restaurant „Kabane 21“ sammelt: Maria Happel, die komödiantische Supermacht des Burgtheaters. Harald Schmidt, die deutsche Late-Night-Legende, der einen Narren an Vöslau gefressen hat: „Tatsächlich ist Salzburg Bad Vöslau für Arme.“ Petra Morzé, Manuel Rubey, Stefanie Reinsperger, ­Roland Koch, der mit seiner Frau Nicola Kirsch inzwischen die mir benachbarte Kabane bewohnt. Kochs Auftritte mit Michael Maertens, der mir unlängst schrieb „Ein Sommer ohne Vöslau – inzwischen undenkbar!“, sind inzwischen legendär. Einer der magischsten Momente in diesem Jahrzehnt Festival war, als Nicola Kirsch in der Rolle der Zelda Fitzgerald einen ­Totentanz hinlegte. Auf einem Holzboot, das von zwei Feuerwehr­ tauchern unter Wasser manövriert wurde, drehte

sie sich zu melancholischer Rapmusik unter dem Himmel, der sich plötzlich dunkelpink verfärbte. Solche Augenblicke kann kein Regisseur der Welt in dieser Intensität inszenieren. Der „Schwimmende Salon“ wurde auch vom damals jüngsten 82-Jährigen der Welt beehrt: Michael Heltau, für den ich eine Lesung aus Emigrantenbriefen zusammengestellt hatte, saß mit uns nach seinem Auftritt bis halb drei Uhr nachts in der „Kabane 21“. Am Tag danach rief ich ihn an und sagte: „Wenn ich groß bin, möchte ich auch einmal so 82 werden.“ Er lachte nur: „Gell, ich bin ein Tier!“ Und jedes Jahr denke ich im Frühling an Arthur Schnitzler, der gegen Ende seines Lebens über seine Zeit in Vöslau notierte: „Schöne Gegend […] Badeleben […] Kindheitserinnerungen“. Man könnte noch „Zeitreise“ und „Geborgenheit“ hinzufügen.

Angelika Hager ist Journalistin, Autorin und Inten­ dantin des Theaterfestivals „Schwimmender Salon“. Zuletzt erschienen: Polly Adler, „Echt. Jetzt!“ (K&S).

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SCHAUEN UND STAUNEN

GUTE UNTERHALTUNG Ein hundert Jahre alter Bauernhof in Pürbach wurde zum nördlichsten Theater Österreichs umfunktioniert. Und in Schlössern, Burgen und Museen tauchen wir in das kulturelle Leben in alter und neuer Zeit ein. TEXT: Niki Nussbaumer ILLUSTRATION: Tibo Exenberger

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enn in Niederösterreich, dem Land der Burgen und Schlösser, von einem „Hoftheater“ die Rede ist, dann denkt man unweigerlich an herrschaftliche Häuser und aristokratische Anwesen. Nichts davon trifft auf das Wald4tler Hoftheater im entrückten Örtchen Pürbach bei Schrems zu. Hier, auf 532 Meter Höhe, leben 239 Menschen – ohne Kaufhaus und ohne ­Schule. Und der Hof, von dem

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hier die Rede ist, war hundert Jahre lang ein Bauernhof. Der Musiker Harald Gugenberger und seine Frau, die Schauspielerin Stella Hierländer, retteten das Gehöft in den 1980er-Jahren vor dem langsamen Verfall und renovierten es in jahrelanger liebevoller Kleinarbeit. „Ursprünglich sollte ihnen der Hof als Ort der Erholung und Entspannung und zum krea­tiven Schaffen dienen“, erinnert sich Moritz Hierländer, der Sohn

der beiden. Unzählige Feste wurden im alten Hof gefeiert, bei denen man zusammen ­musizierte und Theater spielte. Einer der „theaternarrischen“ Freunde des Paares war der Schauspieler Wolfgang Böck. Gemeinsam gebar man eine Idee: Was wäre, wenn man aus dem alten Bauernhof einen Ort der künstlerischen Begegnung für das Waldviertel machen würde? „Das wird nicht funktionieren“, hörten die Künstler


Fotos: Atelier Olschinsky, Klaus Pichler

­ amals öfters. Und ließen sich davon d dennoch nicht beirren. An einem August-­ Wochenende im Jahr 1986 fand am Hof in Pürbach ein erster „bunter Abend“ statt, mit kabarettistischen Auffüh­ rungen und musikalischer Live-Unter­ malung. Der Abend war ein voller Erfolg – und führte zu weiteren Veranstaltungen und noch größeren Theaterprojekten. 35 Jahre später ist das Wald4tler Hoftheater schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern präsentiert sich als hochprofessioneller Betrieb mit 176 Sitzplätzen und einem ganzjährigen Spielplan. Bis zu 15.000 Theaterbegeisterte finden jedes Jahr den Weg nach Pürbach und erleben die Inszenierung mehrerer Eigenproduktionen. Auch Kabarett, Literatur und Musik waren im umgebauten Bauernhof schon zu sehen und zu hören; Alfred Dorfer und Josef Hader traten hier ebenso auf wie Kristina Sprenger und Oliver Baier. THEATER ZUM ANFASSEN Nach dem Tod von Harald Gugenberger im Jahr 2015 übernahm dessen Sohn Moritz Hierländer die Leitung des Hoftheaters. „Ich wusste, dass ich dieses ­Juwel am Leben erhalten muss. Wir sind ja so etwas wie die künstlerischen Pioniere im Waldviertel“, sagt er. In seinem Theater fungiert der 36-Jährige nicht nur als künstlerischer Leiter, er tritt auch als Schauspieler auf und schreibt die Musik zu den Stücken. Wie er sich den Erfolg seiner Bühne weit über die Grenzen des Waldviertels hinaus erklärt? „Wir spielen Theater auf hohem Niveau – aber zum Anfassen.“ Das bedeutet, dass in Pürbach die Schauspieler nach Ende des Stückes nicht hinter dem Vorhang verschwinden, sondern mit den Gästen gerne noch im begrünten Innenhof ein Glaserl trinken.

Wald4tler Hoftheater, 3944 Pürbach 14, Tel.: +43/2853/784 69, hoftheater.at

Vier Ausflüge für Wissensdurstige Niederösterreich ist das Bundesland mit den meisten Museen in Österreich. Nicht nur in den großen Städten, auch am Land findet man regionale Museen mit interessanten Ausstellungen.

Lebens widmen. Zeitzeugengespräche und animierte historische Aufnahmen ergänzen die Stationen seines künst­ le­rischen Schaffens. Tel.: +43/2272/645 70, schielemuseum.at

Das doppelte Museum „40.000 Jahre Mensch“ ist das Credo des Urgeschichtemuseums MAMUZ, das an zwei Standorten geführt wird. Im Schloss Asparn/Zaya sind Ur- und Frühgeschichte anhand von Originalen und historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden zu sehen (oben). Im Museum Mistelbach werden in jährlich neuen Ausstellungen Highlights aus diesen Epochen beleuchtet. Tel.: +43/2572/207 19, mamuz.at Ein Dorf wie früher Auf einer Fläche von 22 Hektar kann man im Museumsdorf Niedersulz in das Alltagsleben eines typischen Weinviertler Dorfes um 1900 ein­ tauchen. Zentrum sind die Dorfzeile mit Wohngebäuden und Werkstätten in originalgetreuer, historischer Architektur sowie der Dorfplatz mit Jägerhaus, Wirtshaus, Pfarrhof und Marienkapelle. Tel.: +43/2534/333, museumsdorf.at Auf den Spuren des Meisters Das Egon-Schiele-Museum im ehemaligen Stadtgefängnis an der Donaulände in Tulln zeigt in einer eigens eingerichteten Schatzkammer Originalwerke des Künstlers, die sich jeweils einem Kapitel seines

40 Tiere und ein Wachturm Tief in die Geschichte eintauchen und die heimische Flora und Fauna erkunden kann man in St. Pölten im Museum Niederösterreich. Der Mercedes von Leopold Figl, ein Wachturm vom Eisernen Vorhang oder der Morgenrock von Kaiser Franz Joseph I. sind Glanzstücke der Dauerausstellung im Haus der Geschichte. Das Haus für Natur beherbergt 40 lebende Tierarten in Aquarien und Terrarien. Tel.: +43/2742/90 80 90, museumnoe.at

Kunst und Kinderspaß Auf der Schallaburg, einem nach italienischem Vorbild erbauten Renaissanceschloss samt Garten­ anlage und einem Arkadenhof mit 1.600 Terrakotta-Figuren, finden jährlich große Ausstellungen statt (oben). Und: Wo einst Wettkämpfe veranstaltet wurden, können sich heute Kinder im Bogenschießen üben. Tel.: +43/2754/63 17-0, schallaburg.at

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NATUR ERLEBEN

WILDES WUNDER Der größte Urwald Mitteleuropas und ein Himmelsglitzern, das den Atem raubt. Am Dürrenstein im Mostviertel liegt eine verzauberte Welt, wie es sie sonst fast nirgendwo mehr gibt. TEXT: Wolfgang Gemünd, Josef Ruhaltinger

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Gestürzte Giganten. Fasrig, geborsten und zermürbt von Regen und Frost, werden ge­fallene Bäume eins mit dem Waldboden – Moos und Pilze decken sie zu.

Der Vogel mit dem Schlafzimmerblick. Der seltene Habichtskauz findet im alten Buchenbestand des Rothwalds genug Bruthöhlen.

Fotos: www.picturedesk.com, Christoph Leditznig

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ildnis hat einen unvergleich­ lichen Geruch. Leicht würzig, etwas ab­ gestanden. Dazu ein Schuss von Fäulnis, vermischt mit feuchter, warmer Luft – so riecht Moder. Wer an einem frühen Morgen im Wildnisgebiet Dürrenstein in die Nähe des Kerngebiets Rothwald kommt, erlebt den Geruch von zerfal­ lenem Holz in einer Intensität, wie sie in der Natur nur mehr schwer zu finden ist. Hier, im größten Urwald Mittel­ europas, modern gestürzte Baumriesen ­ungestört, über Jahrhunderte und ­Jahrzehnte unberührt. Sie sind fasrig, geborsten, zuletzt zermürbt von Regen und Frost – und am Ende ihrer Vergäng­ lichkeit nur mehr eine Silhouette am Waldboden. Moos und Pilze wachsen auf den gefallenen Bäumen. Das Gebiet umfasst 400 Hektar, die seit dem Ende der letzten Eiszeit – also schon seit gut 10.000 Jahren – keine Axt und keine Säge ge­sehen haben. Und Menschen

auch nur selten. Das gesamte Gebiet ­gehört zur strengsten Schutzkategorie der Welt­naturschutzunion IUCN – allge­ meines Betreten und jegliche Eingriffe sind verboten. Besucher erhalten nur in geführten Exkursionen Zutritt. MÄRCHENHAFTE LANDSCHAFT Der dominierende Baum hier ist die ­Buche, dazwischen viele Fichten und Tannen. Bis zu 60 Meter hohe Baum­ riesen bilden das Dach. Auffällig die ­Exemplare, deren Stämme oberhalb des Bodens erst eine sichelförmige Kurve machen, bevor sie kerzengerade zum Himmel streben. Diese Bäume wurden in jungen Jahren vom Schneedruck ­geformt und würden, weil sie für das Sägewerk unbrauchbar sind, in jedem Nutzwald aussortiert. Im Wildnisgebiet dürfen sie weiterwachsen. Neben den märchenhaften Land­ schaften besitzt das Wildnisgebiet ➤

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Ein Märchenland. Bei geführten Exkursionen können Besucher den wild gewachsenen Wald und so manches Wunder der Natur entdecken.

aber auch Bereiche bizarrer Brutalität, Stätten der Verwüstung. Nach Stürmen und Lawinen wird hier nämlich nicht aufgeräumt. Über die zersplitterten Baumleichen freuen sich nicht nur Tot­ holzkäfer, sondern auch Forscher, die hier studieren können, wie sich der Wald nach solchen Katastrophen erholt. Reinhard Pekny ist Ranger, Förster und unser Begleiter durch das Schutz­ gebiet Dürrenstein. Er lebt für die Idee des Wildnisgebiets: „Ich werfe hier täg­ lich einen Blick in eine Welt, wie sie vor tausenden Jahren entstanden ist.“ Sein Lieblingsplatz im Urwald ist am Fuß einer fast 50 Meter hohen Kandelaber­ tanne: Vor Jahrzehnten oder Jahrhun­ derten hat ein Sturm dem Baum den Wipfel genommen. Gleich fünf Äste strebten ins Licht, um die Aufgabe des Terminaltriebs zu übernehmen. Heute verbreitern sich die ebenmäßig gewach­ senen Wipfel zu einer fünfgliedrigen

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Baumkrone – jeder für sich von der ­Stärke eines ausgewachsenen Baumes. Das Alter seiner Lieblingstanne schätzt der Ranger auf 500 bis 600 Jahre. „Nir­ gendwo sonst hat ein Baum die Zeit, zu solchen Formen zu wachsen“, bedauert Pekny. Die Kandelabertanne ist im Ver­ gleich zur alten Eibe am Südwesthang des Dürrensteins freilich nicht mehr als eine Dame im besten Alter. Der verwun­ dene Nadelbaum krallt sich mit hunder­ ten armdicken Wurzeln in das Kalk­ gestein, durch sein Gift geschützt vor dem Appetit aberwitziger Gämsen und ­Hirsche. Als Christoph Kolumbus auf ­Hispaniola anlandete, war die Dürren­ steiner Eibe geschätzte 500 Jahre alt. Auch viele Tierarten finden am Dürren­stein paradiesische Zustände vor. Luchs und Steinadler haben hier wieder ihre Jagdreviere gefunden, seltene Spechtarten wie der Dreizehenspecht oder der Weißrückenspecht siedeln ➤

Fotos: Christoph Leditznig, Michael Reidinger

Riese auf der Jagd. Mit seiner beeindruckenden Flügelspannweite von mehr als zwei Metern ist der Steinadler im Wildnisgebiet unterwegs.


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Faszinierende Lebewesen. Zwischen Totholz und Moosen finden leuchtend rote Schleimpilze den idealen Nährboden.

Derzeit umfasst das Wildnisgebiet Dürrenstein 35 km², davon 4 km² Urwald, 25 km² naturnahe Wälder, 6 km² Almen, alpine Rasen, Gewässer sowie Fels. 88 % der Fläche sind Natur­ zone ohne menschlichen Eingriff. Das Schutzgebiet erstreckt sich zwischen 600 und 1.878 m Seehöhe. Der Dürrenstein ist die höchste Erhebung und Namensgeber des Wildnisgebietes. wildnisgebiet.at

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HIMMEL VOLLER STERNE Wenn Reinhard Pekny Gäste durch das Wildnisgebiet begleitet, kehrt er mit ­ihnen mitten im Wald um. Das Kern­ gebiet des Urwaldes darf ausschließlich von Rangern und eben Forschern mit entsprechender Erlaubnis betreten wer­ den. Aber wer im Sommer hier ist und einen wolkenlosen Tag erwischt, sollte überlegen, auch die Nacht im Gebiet zwischen Gaming und Göstling an der Ybbs zu verbringen. Der Nachthimmel

hier ist einzigartig und weist eine ähn­ liche Qualität auf, wie man sie sonst nur bei den großen Sternwarten der Welt in den chilenischen Anden vorfindet. Neben den rund 7.000 für das freie Auge sichtbaren Sternen zeigen sich über dem Wildnisgebiet auch ein seltsamer Licht­ kegel, das Zodiakallicht, und der soge­ nannte Gegenschein, dessen Anblick in Europa so rar ist wie der von fast ausge­ storbenen Tierarten. Aber für das Selte­ ne ist dieses Wildnisgebiet ja Spezialist.

Wildnis erleben. Das neu eröffnete „Haus der Wildnis“ in Lunz am See macht den Ur- und Naturwald in einer 700 m² großen Ausstellung für Besucher erlebbar: Wie haben Wasser und Eis die Landschaft geprägt? Wie sieht der Urwald aus Sicht des fliegenden Habichtskauzes aus? Was tut sich unter der Oberfläche von jahrhundertealtem Totholz? haus-der-wildnis.at

Foto: Hans Glader

Das Wildnisgebiet in Zahlen

hier häufiger als jene, die außerhalb ­relativ oft anzutreffen sind – wie etwa der Buntspecht. Der Habichtskauz – eigentlich in freier Wildbahn schon aus­ gestorben – wurde erfolgreich angesie­ delt. Seither gibt es in den heimischen Wäldern wieder rund 20 freinistende Brutpaare. Im Wildnisgebiet Dürren­ stein hat sich der Vogel mit dem Schlaf­ zimmerblick zum Symbol gemausert.


h c i e r r e t s ö r . e n d e r e ü Ni T t e .at s n u l f p f ö eco

Seit über 50 Jahren beraten und begleiten wir bei Betriebsansiedlungen und -erweiterungen, regionalen Förderungen und Internationalisierung, überbetrieblichen Kooperationen und Branchen Netzwerken, Forschung und Entwicklung. Wir verbinden Wirtschaft und Politik, Unternehmen und Verwaltung, Investoren und Initiatoren regionaler und internationaler Projekte.


DURCHS LAND RADELN

HIER LEGT MAN DEN GENUSSGANG EIN Bei diesen sechs Radtouren lohnt sich immer wieder der Schwung aus dem Sattel. Etwa um Windmühlenbrot zu kosten, im Schlauchboot durch den Keller zu fahren oder einfach die Füße im See zu kühlen.

Foto: Weinviertel Tourismus GmbH/Daniel Gollner

TEXT: Wolfgang Maria Gran ILLUSTRATIONEN: Andreas Posselt

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Über uns der Himmel so blau. Und um uns herum leuchten die Reben in sattem Grün. Wer sich in Niederösterreich in den Sattel schwingt, darf sich auf Wein, Kultur und jede Menge Genuss freuen.

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in bisschen ist es wie mit dem Gourmet und dem Gourmand. Der eine delektiert sich am Feinen, der andere am Vielen. Und so kann man natürlich auch beim Radfahren durch Nieder­ österreich auf die Anzahl der zurück­ gelegten Kilometer gehen, denn im größten Bundesland gibt es davon auch am meisten. Oder man legt den Genuss­ gang ein, lässt Birnbäume und Burgen, Weingärten und Windmühlen, Klöster und Kellergässchen nicht nur im kleinen Wahrnehmungswinkel an sich vorbei­ ziehen, sondern sich von ihrem Zauber und ihrer Schönheit in den Bann ziehen und zum Verweilen einladen. Das ist die lohnendere Art, dieses vielfältige Land vom Radsattel aus zu erforschen, und es gibt zahlreiche Tou­ ren, die jedes Interesse bedienen. Es lässt sich trefflich historisch radeln und dabei tief in die Kaiserzeit eintauchen. Vom Retzer Land bis zur Wachau kann man den Weinbau in allen möglichen Ausformungen kennenlernen – beim Rebenradeln, wenn man so will. Donau, Thaya oder Ybbs laden an ihren Ufern zu außergewöhnlichen Flusstouren ein. Und wer hoch hinaus will, kann bei einer Tagestour auf dem Mountainbike eine Ausfahrt auf den Hochwechsel wagen – und sich Zeit für prächtige Panoramablicke nehmen.

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VOM WALDVIERTEL NACH TSCHECHIEN

GRENZENLOSES ­RADLERGLÜCK Früher bahnten sich schnaubende Dampflokomotiven ihren Weg durchs nördliche Waldviertel. Die hundertjährige Eisenbahngeschichte entlang der Thaya ist seit dem Jahr 2000 ein geschlossenes Kapitel – in das man aber mit einer hochinteressanten Art von Schienenersatzverkehr weiterhin ­Einblick erhalten kann. Bei der familienfreundlichen Thayarunde wird es schon kurz nach dem Start in Göpfritz an der Wild historisch. An der Bahnstation Kirchberg/Schönfeld drehte Damiano Damiani 1987 nämlich für den Film „Der Zug“ mit Ben Kingsley als Lenin. Und dann sind da noch der Modellbahnhof in Göpfritz, die Jahrhundertwende-Waggons in Waldkirchen sowie die Eisenbahn­brücken über die Thaya, die uns staunend durch die alten Zeiten radeln lassen. Aber es gibt noch mehr Gründe, aus dem Sattel zu steigen: In Raabs thront das beeindruckende Schloss, und die nächste Etappe über die Grenze führt ins tschechische Renaissancejuwel Slavonice. In Písečné sollte man unbedingt den jüdischen Friedhof besuchen, und ist man zurück auf der österreichischen Seite, empfiehlt sich ein Besuch des Landgasthofes Haidl in Thaya, wo man nicht nur vorzüglich speisen kann, sondern auch in einem Schlauchboot durch den unter Wasser stehenden mittelalterlichen Erdkeller fahren.

THAYARUNDE

Gesamtlänge: 111 Kilometer Streckenführung: Göpfritz an der Wild — Groß Siegharts — Raabs an der Thaya — Písečné — Slavonice — Waldkirchen — Dobersberg — Thaya — Waidhofen an der Thaya — Windigsteig — Göpfritz an der Wild Mehr Informationen unter: waldviertel.at/thayarunde

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RUNDFAHRT DURCHS RETZER LAND

ZUR WINDMÜHLE IM WEINPARADIES Heruntergeradelt wären sie ja rasch, die 55 Kilometer der Weinviertel DAC Radtour, aber dann hätte man höchstens die Aussicht genossen und noch keine Einsichten gewonnen. Sehr empfehlenswert für diese Rundtour ist also, sich Zeit zu nehmen, bei mehreren Stopps Land und Leute in kleinen Eindruckshäppchen in sich aufzunehmen. Schon die Start- und Zielgemeinde Retz ist viel mehr als eine Etappe, und das 20 Meter unter der Erde: Ein 20 Kilometer langes, verzweigtes Labyrinth unterhalb der Weinstadt birgt unter anderem Österreichs größten historischen Weinkeller. Und über der Erde sollte man die Retzer Windmühle gesehen haben, eine

der beiden letzten betriebsfähigen in Österreich (die zweite steht im burgenländischen Podersdorf). Das alte Müllerhaus hat eine kleine Backstube, wo das einzigartige Windmühlenbrot entsteht. Es ist natürlich eine Radtour, die vom Wein geprägt ist – ob man nun durch malerische Kellergassen wie Nusswald in Platt, Maulavern in Zellerndorf oder die Öhlbergkellergasse in Pillersdorf radelt, in den Weiten der Ebenen Weingärten an sich vorbeiziehen lässt oder im 200 Jahre alten Weberkeller in Röschitz die Lehmschnitzereien bewundert. Einen außergewöhnlichen Blick aufs Retzer Land erhascht man, wenn man

bei Roseldorf auf den Aussichtsturm der größten keltischen Freilandsiedlung steigt. Und wenn man über die 7.500-jährige Geschichte dieser Gegend mehr erfahren möchte, erhält man im Steinzeit- und Keltenmuseum der urtypischen Wein­ gemeinde Platt viele Antworten.

WEINVIERTEL DAC RADTOUR Gesamtlänge: 55 Kilometer

Streckenführung: Retz — Waitzendorf — Pulkau — Rafing — Röschitz — Roseldorf — Platt — Zellerndorf — Pillersdorf — Retz Mehr Informationen unter: weinviertel.at/rad-weinviertel-dac

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IMMER AN DER YBBS ENTLANG

MILDES UND WILDES MOSTVIERTEL Der Start dieser Radtour ist wie ein zärtliches Seelenstreicheln. Sanfte Hügel, durch die sich wie Lebenslinien endlose Birnbaum­ zeilen ziehen, säumen die Moststraße, den ersten Streckenabschnitt des Ybbstal­ radweges. Alles an dieser Landschaft wirkt weich und rundlich, nur die mächtigen Vierkanthöfe oben auf den Hügeln thronen wie kleine Burgen über allem. Das Herzstück der Strecke ist der 55 Kilometer lange Abschnitt zwischen Waidhofen an der Ybbs und dem Lunzer See. Hier zeigt sich das Mostviertel nach seiner milden auch von seiner wilden Seite, wenn die Strecke in die alpinen Regionen der Eisenstraße übergeht. Da wird es felsig und scharfkantig wie im zerklüfteten Naturdenkmal „Ofenloch“, da führt der Weg über spek­takuläre Rundbogen­brücken und durch einen Tunnel, vorbei an historischen Hammer­ werken, ehe man Lunz erreicht. Es ist eine Tour durch die Elemente. Und das Wasser spielt dabei die zentrale Rolle, startet man doch bei den Donauauen und bleibt dann immer nahe an der Ybbs, bis man am See die müden Beine kühlen kann. Und wem die Wadeln nachhaltig streiken, der lässt sich einfach vom Radtaxi oder dem Radtramper-Bus abholen.

YBBSTALRADWEG

Gesamtlänge: 107 Kilometer Streckenführung: Ybbs — Amstetten — Waidhofen an der Ybbs — Opponitz — Hollenstein — St. Georgen am Reith — Göstling — Lunz am See Mehr Informationen unter: ybbstalradweg.at

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EIN KLEINES STÜCK DONAU

VOM WEINGARTEN BIS ZU DEN AUEN Wenn man ihn ganz genau nehmen will, braucht man viel Zeit, eine herausragende Kondition und holt sich wahrscheinlich eine Hornhaut am Gesäß. Denn der Donauradweg in voller Länge erstreckt sich über 2.850 Kilometer und führt von der Quelle in Donaueschingen in Deutschland durch acht Länder bis zur Mündung ins Schwarze Meer im rumänischen Sulina. Aber es reichen durchaus bereits die 260 Kilometer durch Niederösterreich von Ybbs/Persenbeug bis Hainburg nahe der slowakischen Grenze. Schon dieses knappe Zehntel des gesamten Donauradweges ermöglicht nämlich Touren für alle konditionellen Befindlich-

keiten, jeden Geschmack und eine Vielzahl individueller Interessen. Das Radeln entlang der Donau bietet sehr viel mehr als das beeindruckende Vorbeiziehen prachtvoller Landschaftsbilder: von den spektakulären Trockensteinmauern in den höher gelegenen Weingärten der Wachau bis hin zur unberührten Natur im Nationalpark Donau-Auen. Historisch Interessierten winkt hier auch eine Reise durch wechselvolle Geschichte, die man in der römischen Siedlung Carnuntum ebenso kennenlernen kann wie in Willendorf, wo einst der Fund der berühmten Venus 50.000 Jahre Besiedelung dieses Gebietes nachwies.

DONAURADWEG

Gesamtlänge in Niederösterreich: 260 Kilometer 10 Touren-Vorschläge: Ardagger — Melk (54 km) Emmersdorf — Krems (34 km) Melk — Mautern (33 km) Krems — Tulln (41 km) Mautern — Klosterneuburg (69 km) Klosterneuburg — ­Petronell (59 km) Tulln — Wien/Nordbrücke (35 km) Petronell — Bratislava (26 km) Wien/Nordbrücke — Hainburg (51 km) Hainburg — Bratislava (18 km) Mehr Informationen unter: donau.com/donauradweg

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DURCH WIENERWALD UND HELENENTAL

JEDE MENGE GESCHICHTE Diese Radtour ist nichts für Menschen, die 60 Kilometer rein sportlich abspulen möchten. Bei diesem Übermaß an Ge­ schichte am Wegesrand muss man sich die Zeit nehmen, immer wieder abzu­ steigen und innezuhalten. So schön das Radeln auf den verschlungenen Wegerln im Helenental oder unter dem sattgrünen Laubhimmel des Wienerwalds auch sein mag – die Klöster-Kaiser-Künstler-Tour ist fürs bloße Vorbeifahren zu schade. Das beginnt schon am Start im Schloss­ park Laxenburg der ehemaligen kaiser­ lichen Sommer­residenz. Es setzt sich fort im Stift Heiligenkreuz, dessen Mauern schon knapp neunhundert Jahre stehen.

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Und Schloss Mayerling war 1889 Schau­ platz der Tragödie von Kronprinz Rudolf und seiner Geliebten Mary Vetsera. Ein Stück weiter, in Hinterbrühl, tummel­ ten sich Anfang des 19. Jahrhunderts viele berühmte Künstler, die den Ort als ihr Refugium entdeckt hatten. Vor allem der Gasthof Höldrichsmühle, heute ein Hotel, hatte es einigen von ihnen angetan: Der Maler Ferdinand Georg Waldmüller verewigte das Haus auf mehreren Bildern, Franz Schubert soll hier zum Lied „Der Lindenbaum“ inspiriert worden sein, und Ludwig van Beethoven und Ferdinand Raimund flanierten gern am Rande des Wienerwalds.

In und um Baden sind beim jährlichen Festival La Gacilly von Juni bis Oktober auf einer Länge von sieben Kilometern 1.500 Fotografien ausgestellt, manche davon bis zu 280 Quadratmeter groß.

KLÖSTER-KAISER-­ KÜNSTLER-TOUR

Gesamtlänge: 62 Kilometer Streckenführung: Schlosspark Laxenburg — Baden — Heiligenkreuz — Siegenfeld — Gaaden — Hinterbrühl — Laxenburg Mehr Informationen unter: wienerwald. info/kloester-kaiser-kuenstler-tour


AUSFLUG INS WECHSELGEBIRGE

ZUM SCHWELGEN AUF DIE SCHWAIGEN Es markiert die Grenze zwischen dem steirischen Joglland und der Buckligen Welt in Niederösterreich und ist eine beliebte Destination für Wanderer. Aber das Wechselgebirge hat sich längst auch zum Anziehungspunkt für jene entwickelt, die mit dem Fahrrad höher hinaus wollen. Und dank E-Mountainbikes sind die Routen der Wexl Trails nicht nur etwas für Leistungssportler, sondern sehr familienfreundlich angelegt. Ein wenig plagen muss man sich auf diesen Strecken trotzdem, aber das wird auf jeden Fall belohnt. Denn nach den Waldpassagen auf die satten Almen zu gelangen, die hier Schwaigen heißen,

bietet herrliche Panoramablicke auf die Hohe Wand oder den Schneeberg. Dann auch noch entlang der Forststraßen den Gipfelsieg auf dem 1.743 Meter hohen Hochwechsel anzupeilen verleiht ein besonderes Hochgefühl. Eine gewisse Fitness ist jedenfalls Voraussetzung, selbst wenn ein Elektromotor unterstützt. Und es empfiehlt sich, die Touren in der Früh zu starten, spätestens um neun Uhr: Der Wechsel verdankt seinen Namen den Wetterkapriolen, die hier möglich sind. So kann es durchaus vorkommen, dass es bei strahlendem Sonnenschein losgeht und 1.000 Meter höher plötzlich Minusgrade hat. Auch

sanfte Aufsteiger sind hier schon sehr sportlich wieder hinuntergesaust.

HOCHWECHSEL-RUNDE Gesamtlänge: 29 Kilometer (1.370 Höhenmeter)

Streckenführung: Erlebnisarena St. Corona — Speicher­ teich — Almrauschhütte — Kamp­ steiner Schwaig — Feistritzer Schwaig — Dreiländereck — Hochwechsel — Marienseer Schwaig — Feistritzer Schwaig — Almrauschhütte — Speicher­ teich — Erlebnisarena St. Corona Mehr Informationen unter: wexltrails.at

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AUSFLUG

STADT, LAND, FLUSS Im Windschatten von Wien kuschelt sich Klosterneuburg zwischen Donau und Wienerwald ins Gelände. Land-Idylle für alle, die dem Lärm der Hauptstadt entfliehen wollen, aber ohne Trubel auch nicht können. TEXT: Uschi Korda FOTOS: Philipp Horak

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Wie gemalt. Die Weingärten z­ iehen grafische Linien, bevor sie sich im riesigen Mischwald verlieren, der die Hauptstadt wie ein grüner Ring ­umschließt. Weithin sichtbar: das Stift der Chorherren.

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Wie die Eschen, Buchen, Eichen und Föhren mit ihren Grüntönen, Blättern und Nadeln die Einzigartigkeit des Wienerwalds ausmachen, sind auch die Klosterneuburger eine Mischkulanz.

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en echten Klosterneuburger, gibt’s den? Wolfgang Ure runzelt die Stirn. Wir stapfen von Kierling aus ­Richtung Redlingerhütte und versuchen, dem Wesen des Klosterneuburgers auf die Spur zu kommen. Aber genauso wie die Eschen, Buchen, Eichen und Föhren ringsum mit ihren vielfältigen Grün­ tönen, Blättern und Nadeln insgesamt die Einzigartigkeit des Wienerwaldes ausmachen, sind auch die Kloster­ neuburger eine Mischkulanz. Genau ­genommen eine Wiener Mischkulanz. Junge Familien ziehen her, erwachsene Kinder ziehen wieder in die Stadt. Auch Wolfgangs Eltern sind in den 1960ern heraus nach Klosterneuburg-Kierling ­gezogen, um den Traum vom Leben auf dem Land zu verwirklichen. WENN DIE BADLEUT’ KOMMEN Klosterneuburg ist die drittgrößte Stadt Niederösterreichs, mit den Ortsteilen Kierling, Kritzendorf, Höflein, Weidling, Weidlingbach und Maria Gugging. ­Direkt an der Donau liegen nur Höflein und Kritzendorf, der Rest verstreut sich zwischen Weinhängen im Wienerwald. „Als Kierlinger war ich als Kind lieber im Wald, die Donau-Au hat gemiefelt“, sagt Wolfgang Ure. Doch wenn es warm wurde, bestimmte der große Strom mit seinen Gestaden eindeutig das Leben. „Allein wenn die Badleut’ kommen“,

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sagt Wolfgang Ure, „musste man dabei sein.“ Gemeint sind die Wiener, die ihre Kabanen im Strombad Kritzendorf mit Kind, Kegel, Kochtöpfen und jeder Menge Schmäh beziehen. Seit 1903 gibt es das Freiluftstrombad, das liebevoll „Riviera an der Donau“ genannt wird, auch weil sich dort vor dem Zweiten Weltkrieg die Wiener Kunst- und Kultur­ szene im Badekostüm zum Gedanken­ austausch an der frischen Luft traf. Ins Wasser ging hier aber nur, wer gut schwimmen konnte, zu stark war die Strömung, vor allem bis zum Bau des Kraftwerks Greifenstein 1985. „Einmal über die Donau schwimmen“, sagt Wolfgang Ure, „war natürlich bei uns die Mutprobe schlechthin.“ Wobei am meisten die Strudel gefürchtet ­waren, deren Sog einen unweigerlich in die Tiefe zieht. Früher gab man dem Donauweibchen die Schuld, heute weiß man, dass man lieber vorher trainieren sollte, bevor man den mächtigen Fluss herausfordert. Ebenfalls zu den Mutproben einer Klosterneuburger Jugend gehörte einst das Durchqueren der psychiatrischen Einrichtung Gugging. „Nur mit dem Rad“, sagt Wolfgang Ure. „Zu Fuß hat sich keiner getraut.“ Wie ein kleines Dorf im Dorf agierte die Heilanstalt bis 2007 – mit eigener Landwirtschaft, Feuerwehr, Wäscherei etc. und für

j­ edermann zugänglich. Auf dem riesigen Gelände residiert heute das IST Austria (Institute of Science and Technology Austria), eine Forschungsuni, in der Ge­ gend kurz „der Campus“ genannt. Falls einer der internationalen W ­ issenschaftler einen kleinen Spaziergang zum Hirn­ auslüften macht, nimmt er vielleicht auf der kunstvoll geschwungenen eisernen Bank in Form eines Labyrinths Platz. „Ist der Querschnitt eines Gehirns“, sagt Wolfgang Ure, der das Objekt für den Multimediakünstler Peter Kogler rea­ lisiert hat – in seiner Werkstatt in Wien-­ Floridsdorf, wo er Möbel und Kunst aus Metall herstellt. Schräg hinter der Bank führt der Weg auf einen Hügel und zum Museum Gugging, das Gäste aus aller Welt anzieht. Einer der bekanntesten war Popmusiker David Bowie, der sich 1994 einen ganzen Nachmittag lang bei den Künstlern von Gugging zu seinem Album „Outside“ inspirieren ließ und Bilder für seine Sammlung erstand. Eine Welt, in der man auf Schritt und Tritt den Atem der Geschichte spürt, ist das Chorherrenstift Klosterneuburg. Zwischen all den Schätzen könnte man wohl Wochen verbringen und sich etwa mit dem alten Streit beschäftigen, ob der Goldschmied Nikolaus von Verdun 1181 die Emailletafeln des berühmten Verduner Altars hier oder in seiner fran­ zösischen Heimat angefertigt hat. ➤


Wasser & Wald. Ab dem Frühjahr spielt sich das Leben an den Gestaden des großen Flusses ab. Vor allem im Strombad Kritzendorf, auch liebevoll die Riviera an der Donau genannt. Unten: Vater Hans und Sohn Simon Riegler schupfen gemeinsam die Redlingerhütte, ein Ausflugsgasthaus mitten im Wienerwald, so wie man es sich vorstellt. Ganz unten rechts: Wolfgang Ure auf der eisernen Bank vor dem Campus in Gugging, die der Metalltischler selbst realisiert hat.

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Kunst & Kultur. Kreuzgewölbe im Chorherrenstift Klosterneuburg. Um alle Schätze zu erkunden, würde man vermutlich Wochen brauchen. Unten links: Josef Bauer hat im Stift die alten Gärten revitalisiert und neue angelegt. In der Orangerie kümmert er sich um die Orchideen. Unten rechts: Seit den 1950er-Jahren sind die Künstler von Gugging weltberühmt, heute haben sie ein eigenes Museum und eine Galerie. Hier das Zimmer von August Walla (1936–2001).

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„Echte Klosterneuburger halt – im Grünen leben, aber die Stadt nur ja nicht aus den Augen verlieren.“

Oder über den Brautschleier der Agnes rätseln, der der Legende nach hierher verweht und erst neun Jahre später ­gefunden wurde, worauf 1114 ihr Gatte, der Babenberger Leopold III., zum Dank das Stift errichten ließ. Wissenschaftler haben anhand des Blütenstaubs bewie­ sen, dass es ein orientalischer Stoff aus dieser Zeit ist, den Agnes vermutlich ganz profan dem Kloster geschenkt hat. Wir haben inzwischen die Redlinger­ hütte erreicht, wo Walther Soyka gerade seine Knöpferlharmonika auspackt. Die Wiener Liedermacher rund um Ernst Molden kommen gerne in diese Oase, wo sich ihr Blues perfekt in die grüne Idylle schmiegt. „Ich habe mich vor 40 Jahren in die Ruine verliebt“, sagt Hans Riegler, der die Hütte mit eigenen Händen Stück für Stück renoviert hat. Er drückt seinem Sohn Simon das ­Tablett mit dem selbst gemachten Hollersaft zum Servieren in die Hände. 35 ist Simon Riegler heute. Er ist nach Wien gezogen und hat sich dort als DJ einen Namen gemacht. „Aber es zieht mich wieder aufs Land“, sagt Simon. Also schupft er mit dem Vater die Hütte, wohnt trotzdem in Wien und pendelt. „Echte Klosterneuburger halt“, sagt Wolfgang Ure und grinst von einem Ohr zum anderen. „Im Grünen leben, aber die Stadt nur ja nicht aus den Augen verlieren.“

Empfehlenswerte Adressen Wandern & Wundern Wer sich in der Region um Klosterneuburg auf die Wandersocken macht, kann viel erleben: Der Biosphärenpark Wienerwald etwa erstreckt sich über 51 niederösterreichische Gemeinden und sieben Wiener Gemeindebezirke. Auf einer Fläche so groß wie 110.000 Fußballfelder finden hier 30 Waldtypen, über 2.000 Pflanzenund 150 Brutvogelarten ihren Lebensraum. Und nicht nur die Natur hält Bestaunenswertes bereit: Die Maria-Lourdes-Grotte bei Maria Gugging ist eine naturgetreue, verkleinerte Nachbildung der weltberühmten Grotte im französischen Lourdes. Vom Frühling bis zum späten Herbst wird am Altar täglich Eucharistie gefeiert. Links davon, neben der sprudelnden Quelle, kniet lebensgroß die heilige Bernadette, die voll Liebe und Vertrauen zu Maria aufblickt. Das Ausflugsziel ist über eine einfache, familien­ freundliche Wanderung von der Burg Greifenstein aus erreichbar. bpww.at, wienerwald.info

Genuss & Gesang Was hat Oper mit Balsamico aus Niederösterreich zu tun? Ganz einfach: Beim Gesangs­ studium im italienischen Modena lernte Herwig Pecoraro den Aceto Balsamico Tradizionale kennen und lieben. Heute lebt der Staatsopernsänger in Klosterneuburg und produziert edelste Essigessenzen – als Österreichs einziger Hersteller von Balsamico nach traditionell italienischer Art. balsamico.at Wein & Wohnen Wer nicht ziellos durch die Landschaft spazieren will, dem seien zwei wunderbare Landeplätze ans Herz gelegt: das idyllische Weingut Ubl-Doschek mitten in den Weinbergen und die Buschenschank der Familie Pötsch mit ihrem bezaubernden Gastgarten. Und weil man dort beim Wein eventuell ein bisserl länger verweilen möchte, empfiehlt sich eine Übernachtung, etwa in der urigen Villa Kreuthhof oder am Weingut Hauerhof 99. ubl-doschek.at, weinbau-poetsch.at, kreuthhof.at, hauerhof.at

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UNTERWEGS IM

WEINVIERTEL UNTERRETZBACH

Kerzenmanufaktur Glaser Ganz in der Nähe von Retz liegt eine der letzten Kerzenmanufakturen Österreichs. Vor Ort können Besucher zusehen, wie Kerzen gegossen werden. Die Hersteller geben ihr Wissen rund um ihr Handwerk weiter: Welche Rohstoffe werden verwendet, wie kommt der Duft in die Kerze und wie wird man Kerzenmacher? Zum Abschluss finden sich im Verkaufsraum Kerzen in den verschiedensten Formen, Farben, Größen und Duftsorten – für einen selbst oder als Geschenk. Tipp: Nicht nur der Kerzenduft verzaubert einen hier – in der Café Lounge kann man sich gemütlich bei einem frischen Kaffee entspannen.

KELLERKATZENWEG HOLLABRUNN

WEINGUT WEINWURM

Kellergassenerlebnis mit allen Sinnen

Weingenuss Roter Muskateller

In Hollabrunn empfängt die Kellerkatze Groß und Klein zu einer spannenden Entdeckungstour und erzählt von einer vergangenen Arbeits- und Lebenswelt. Der Rundweg ist vier Kilometer lang und kann jederzeit kostenfrei begangen werden. Es werden auch Führungen und ein Picknickkorb-Service angeboten.

Muskataromen, fruchtige Noten von Pfirsich, Mango und Litschi sowie ein ausbalanciertes Zusammenspiel von Säure und Süße: Das zeichnet den Roten Muskateller des Weinguts Weinwurm aus. Der sonnen­geküsste Wein ist ein köstlicher Begleiter für gesellige R ­ unden und laue Sommernächte.

kellerkatzenweg.at

weinwurms.at

FOTOS: GLASER, JOHANNES ZINSER, MICHAEL REIDINGER

Kerzenmanufaktur Glaser Bahnstraße 13, 2074 Unterretzbach Tel.: +43/2942/201 76, info@duftkerzen.at kerzen-manufaktur.at


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Die Retzer Windmühle ist eine der letzten betriebsfähigen Windmühlen Österreichs.

RETZER LAND

Von Mühlen, Labyrinthen und Refugien

FOTOS: POV / ROBERT HERBST, ALTHOF RETZ, WEINFRANZ

Durch schmale Kellergassen und vorbei an zauberhaften Marterln: Rund um die Weinstadt Retz im nordwestlichen Weinviertel gibt es eine Vielzahl an Rad- und Wander­ routen zu entdecken. Vom Rad zum Wein Einmal losgeradelt, ist ein Abstecher zur Retzer Windmühle ein Muss. Sie ist eine der letzten beiden betriebsfähigen Windmühlen in Österreich. Nach dem Radausflug empfiehlt es sich, in die Welt des Weines einzutauchen: Der Retzer Erlebniskeller bietet Führungen durch das verzweigte Labyrinth von unterirdischen Stollen an. Kellergassenführungen mit Verkostungen gibt es in der Maulavern in Zellerndorf oder in der Öhlbergkellergasse in Pillersdorf. Wer auf den Geschmack gekommen ist, sollte Schrattenthal einen Besuch abstatten – hier warten weitere exzellente Weine auf Genießer.

Übernachten im Landgut & SPA Althof Retz Wer den Tag genussvoll startet, sollte ihn auch entsprechend ausklingen lassen: Im Ambiente der ehemaligen Retzer Burganlage wird der Abend mit kulinarischen Köstlich­ keiten im Restaurant beziehungsweise auf der Terrasse im romantischen Innenhof eröffnet. Dazu passen die erlesenen Weine der Althof-Gebietsvinothek. Wohltuende Stunden lassen sich im VinoSPA verbringen: Fünf Ebenen auf über 1.000 Quadratmetern mit Infinity Pool am Dach, regionalem Saunaerlebnis und Ruheräumen inmitten der 700 Jahre alten Burgmauern bieten Erholung für Körper und Geist. Danach lässt man sich einfach ins Bett der gemütlichen Zimmer fallen und freut sich auf den nächsten Tag. Gästeinfo Retzer Land 2070 Retz, Tel.: +43/2942/27 00, office@retzer-land.at retzer-land.at | althof.at

Mehr zur Region unter: weinviertel.at


UNTERWEGS IM

WALDVIERTEL WALDVIERTLER HEU-KRÄUTER-UNTERBETTE N

Mit der Kraft von Heu Heu ist mehr als nur Futter für Kühe: Es versorgt unseren Organismus mit Energie und Lebenskraft und besitzt eine harmonisierende Wirkung auf u ­ nseren Körper, regt den Stoffwechsel an, stärkt die ­Abwehrkräfte und wirkt schmerzlindernd. Die Heu-Unterbetten sind ideal bei Schlaflosigkeit, Kreuzschmerzen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, Nerven-, Muskel-, Gelenksschmerzen sowie bei Durchblutungsstörungen. In der Früh fühlt sich der Körper erholt und gekräftigt – so kann gut in den Tag gestartet werden. Um Voranmeldung des Besuches wird gebeten. Waldviertler Heu-Unterbetten 3662 Kollnitz 12, Tel.: +43/7413/63 96 heuunterbetten.at

GRAFENEGG

Seit 15 Jahren ist die Open-Air-Bühne Wolkenturm in Grafenegg Schauplatz eindrucksvoller klassischer Konzerte. Unter der künstlerischen Leitung von Star-Pianist Rudolf Buchbinder versammeln sich im idyllischen Schlosspark die besten Orchester der Welt. Da die Konzerte zum großen Teil unter freiem Himmel geplant sind, können sie wahrscheinlich auch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation stattfinden. Aus der Riege großer Orchester ragen diesmal die Philharmoniker aus Wien, München und Prag heraus. Infos & Karten Tel.: +43/1/586 83 83, tickets@grafenegg.com grafenegg.com

FOTOS: ALEXANDER HAIDEN, LUKAS BECK, DORIS HIMMELBAUER

Sommerlust und Konzertgenuss


FOTOS: NADJA MEISTER, HANNAH ERGOTT, ISHOOTPEOPLE.AT, BIRGIT SCHRAMMEL

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LANDHOTEL YSPERTAL

ROTE BLÜTENPRACHT

Biogenuss & Rosenkuss

Mohndorf Armschlag

Umgeben von Wanderwegen, wird man hier mit einem Rosecco-„Begrüßungskuss“ empfangen. Empfehlenswert: das „Essen wie damals“ – alle Speisen werden am Tisch hergerichtet und jeder kann sich bedienen, ab 4 Personen. 4 Nächte (So–Do) oder 3 Nächte (Do–So) € 237,– p. P. im Doppelzimmer. Angebot gültig ab 30. 5. 2021.

Im Juli blüht rund drei Wochen lang der Waldviertler Graumohn rund um Armschlag. Wer sein Wissen um den Mohn erweitern will, kann das ganzjährig am Mohnlehrpfad und mit dem mobilen Mohnquiz tun. Im Anschluss lässt man sich beim Mohnwirt Neuwiesinger kulinarisch „vermohnen“, sowohl süß als auch pikant.

landhotelyspertal.at

mohndorf.at

ENTSPANNEN IN LITSCHAU

FEINES AUS PÖGGSTALL

Theater- & Feriendorf Königsleitn

Kräuterhof Schrammel

Ein Mix aus Kreativität und Natur-, Freizeit- und Kulturerlebnissen findet sich in Litschau. Hier werden Workshops zu Kommunikation und Kunst für jedes Alter angeboten. Wer möchte, kann aber auch Nachtwan­ derungen machen oder lernen, wie man Stockbrot am Lagerfeuer bäckt. Ein befreiender Urlaub für die Seele.

Umgeben von Kräutern und Blumen werden in der kleinen Manufaktur im südlichen Waldviertel Natur­ kosmetik, -seifen und alte Hausmittel in liebevoller Handarbeit hergestellt. Rohstoffe in Bio-Qualität und Verpackung aus Glas und Papier sind hier eine Selbst­ verständlichkeit. Besuche gegen Voranmeldung möglich.

koenigsleitn.at

kraeuterhof-schrammel.at Mehr zur Region unter: waldviertel.at


Mundart

IMPRESSUM

Ditschgal, Raeschal, Raewadatsche – ein kleine Reise zu den sprachlichen Besonderheiten Niederösterreichs.

Gråunfaeidl

Schwåag

Wachau, Weinviertel, Bucklige Welt

Wechselgebiet

Krähe

Stall

Managing Director Stefan Ebner Sales Management Britta Pucher Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger, Katrin Sigl Commercial Design Julia Schinzel

gwiss måchn heiraten

nördliches Waldviertel

Krautwåchta

Raeschal

Vogelscheuche

Mostviertel, Wienerwald

Schwips

Weiggsn

Wienerwald

Glubbm

Taschenmesser

Wäscheklammer

Wachau, Tullner Becken

Herstellung Veronika Felder Produktion Martin Brandhofer, Markus Neubauer Lektorat Hans Fleißner, Vera Pink Lithografie Clemens Ragotzky Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer

Wespe

Schneeberggebiet

Krodndeta

Chefredakteur Markus Honsig Projektleitung Gundi Bittermann Art Direction Verena Bartosch, Matthias Preindl Projektleitung Foto Jacklina Fuchs Redaktion und freie Mitarbeiter Wolfgang Maria Gran, Angelika Hager, Niki Nussbaumer, Josef Ruhaltinger, Veronika Schubert, Christian Seiler Illustrationen Tibo Exenberger, Andreas Leitner, Andreas Posselt, Roland Vorlaufer Head of Photo Isabella Russ Executive Creative Director Markus Kietreiber Projektmanagement Mariella Reithoffer

NÖ gesamt

Ditschgal Ohrfeige Marchfeld

Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz: Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Webadresse auffindbar: servus.com/impressum Druck Vogel Druck und Medienservice GmbH, D-97204 Höchberg Redaktionsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1/1, A-1140 Wien, Tel.: +43/1/90 221-0, Fax-DW: -27930 E-Mail redaktion@servus.com Medieninhaber, Eigentümer & Verleger Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700

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In Kooperation mit Niederösterreich-Werbung GmbH

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