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Museum und Identität.

Identitätskonstruktion im Stadtmuseum.

Bachelor Integrated Design Research Proposal 1 Sommersemester 2013 Betreuung: Prof. Andreas Wrede Lehrgebiet: Identität und Design Nicole Helen Höhna Matrikelnr. 11065096 10. Semester


Museum und Identit채t. Identit채tskonstruktion im Stadtmuseum.


Museum und Identität. Zur Identitätskonstruktion im Stadtmuseum Fachhochschule Köln Fakultät 02 Köln International School of Design Studiengang: Bachelor Integrated Design Prüfungsstufe: Research Proposal 1 Betreuung: Prof. Andreas Wrede Lehrgebiet Identität und Design Abgabe: 26. März 2013 Nicole Höhna Matrikelnr. 11065096 10. Semester


Dank Ich mĂśchte mich sehr herzlich bei Prof. Andreas Wrede fĂźr die intensive Betreuung bedanken, sowie bei meinen Interviewpartnern Richard Stratenschulte, Susanne Gesser, Wibke Becker, Sascha Pries, Bettina Beermann und Martina Fritz, meinen Eltern und den 247ern.


Anmerkung Mit allen Funktionsbezeichnungen im Text sind M채nner und Frauen in gleicher Weise gemeint. Eine sprachliche Differenzierung wird nicht vorgenommen.


Inhalt Einleitung und Fragestellung - 11 Einleitendes zum Stadtmuseum - 12 Einleitendes zum Begriff Identität - 13

I. Identitätskonstruktion im Stadtmuseum - 15 1. Warum wollen Stadtmuseen Identität schaffen oder stiften? - 15 2. Wie wollen Stadtmuseen Identität schaffen? - 17

2.1. Ursprung der Szenografie - 17 2.2. »Aura« und »Chock« - 17 2.3. Raumbilder und Rekontextualisierung - 19 2.4. Disput - 20

3. Vergleich vierer deutscher Stadtmuseen - 21 3.1. Vier deutsche Stadtmuseen im Verhältnis - 21 3.2. Kategorien - 21 3.3. Vergleich - 26 3.3.1. Stadtmuseum Dresden - 26 3.3.2. Historisches Museum Frankfurt am Main - 34 3.3.3. Kölnisches Stadtmuseum - 42 3.3.4. Hamburgmuseum - 48 3.4. Erkenntnisse aus dem Vergleich - 52

4. Besonderheiten einer narrativen Identitätskonstruktion - 53 5. Gelingt es den Stadtmuseen, Identität zu schaffen? - 57 6. Identitätskonstruktion im Wandel - 58

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II. Stadtidentität und Museum - 61 1. Was ist Stadt? - 61

1.2. Europäische Stadt - 62 1.3. Der/die/das Fremde in der Stadt - 63 1.4. Zur Abgrenzung der Stadt - 63

2. Stadtidentität - 64 2.1. Entwicklungen im Kontext zu Stadtidentität - 64 2.2. Zwei Betrachtungsweisen - 66 2.2.1. Stadtidentität als Branding - 66 2.2.2. Welchen Einfluss haben Museen auf Städte? - 66 2.2.3. Stadtidentität als Immanenz - 69 2.2.4. Eigenlogik der Stadt - 69

3. Stadtidentität und Stadtmuseum - 70

III. Résumé - 75 Anhang - 76 Interviewleitfragen - 76 Transkriptionen der Interviews - 77 Literatur- und Quellenverzeichnis - 118 Literaturverzeichnis - 118 Internetquellen - 122 Bildnachweis - 123 Selbstständigkeitserklärung - 124

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Einleitung

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Einleitung und Fragestellung Stadtmuseen werden häufig mit Identität in Verbindung gebracht. Franziska Nentwig, Generaldirektorin der Stiftung Stadtmuseum Berlin merkt an: »Alle Stadtmuseen definieren sich auch über den Wunsch oder die Behauptung, Identität schaffen oder stiften zu wollen.«1 Dies wirft einige Fragen auf: Sowohl nach dem Zweck einer solchen Bestrebung als auch nach der Methode, wodurch dies erreicht werden soll. Und dann schließlich, ob ihnen dies überhaupt gelingt. Im ersten Teil dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, eine Antwort auf diese Fragen zu finden mithilfe einiger soziologischer Theorien und Ansätze zum Thema Identität. Im zweiten Teil wird der Zusammenhang zwischen Stadtmuseum und Stadtidentität untersucht.

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(Nentwig 2011, S.12)

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Einleitendes zum Stadtmuseum Der deutsche Kulturwissenschaftler und Volkskundler Gottfried Korff zählt das Stadtmuseum zu den »[...] kulturhistorischen Museen mit einem integrierten, ortbezogenen Sammelbestand und –auftrag.«2 Die Aufgaben eines Stadtmuseums unterscheiden sich nicht von denen anderer Museen. Der Deutsche Museumsbund hat gemeinsam mit dem International Council of Museums (kurz ICOM), dem weltweit größten Dachverband von Museen, beziehungsweise Museumsmitarbeitern, Standards für Museen herausgearbeitet und deren Kernfunktionen formuliert. Diese bestehen im Sammeln, Bewahren, Forschen und Ausstellen, beziehungsweise Vermitteln. Eine Definition, was ein Museum ist, liefern sie im gleichen Zug: »gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung, im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecken materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.«3 Stadtmuseen sind in Deutschland sehr zahlreich. Sie bilden im Verbund mit den volks- und heimatkundlichen Museen und weiteren regionalen Museen mit rund 45% die zahlenmäßig stärkste Museumsgruppe der knapp 6300 Museen in Deutschland. Dabei fällt auf, dass sie aber nur weniger als 15% der Gesamtbesucherzahl generieren.4

2 (Korff 2011, S.75) 3 (http://www.icom-deutschland.de/client/media/8/standards_fuer_museen_2006.pdf letzter Zugriff am 17.12.2012) 4 (Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2010, Heft 65)

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Einleitendes zum Begriff Identität Im Alltag spricht man geradezu selbstverständlich von Identität, als wäre dies ein eindeutiger Begriff. Tatsächlich ist er jedoch fast »uferlos«, denn er ist Gegenstand zahlreicher Humanwissenschaften, wie Psychologie, Philosophie, Pädagogik, Sozial- und Kulturwissenschaft, findet sich aber auch in weiteren Bereichen wie den Wirtschaftswissenschaften oder der Neurobiologie. Seine Verwendung und Bedeutung variiert in Anbetracht solcher Fülle dabei sehr stark. Innerhalb der Humanwissenschaften existieren zahlreiche theoretische Modelle zur Beschreibung und Konstruktion von Identität, doch eine trennscharfe Definition von Identität sucht man vergebens.

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I.

I. 14


Identitätskonstruktion im Stadtmuseum 1. Warum wollen Stadtmuseen Identität schaffen oder stiften? In ihrem Wirken adressieren Stadtmuseen zunächst einmal größtenteils die Bürger ihrer jeweiligen Stadt.5 Es geht folglich um die Schaffung von Identität für eine Gruppe von Menschen. Laut dem deutschen Soziologen Norbert Elias haben Menschen seit jeher sowohl eine »Wir-Identität« im Sinne einer Gruppenorientierung als auch eine »Ich-Identität« im Sinne eines eigenen Bewusstseins entwickelt. Diese beiden Aspekte sind untrennbar miteinander verknüpft, das Eine ist ohne das Andere nicht denkbar. Sie bilden etwas, das Elias als »Wir-Ich-Balance« beschreibt (Elias 1987). Während in »einfachen«, vormodernen Gesellschaften die Gewichtung auf der Wir-Identität lag, in welcher die Ich-Identität kaum eine Rolle spielte, leben wir heute in einer individualisierten Gesellschaft, in welcher die Ich-Identität einen bedeutend größeren Stellenwert einnimmt.6 Soziologen sprechen in der heutigen Gesellschaft, die oft als »Postmoderne« bezeichnet wird, sogar von einer »Krise der Identität«. Der polnisch-britische Soziologe Zygmunt Baumann spricht in diesem Zusammenhang von einer »Flüchtigen Moderne« und merkt an, dass Flüchtigkeit zur »leading metaphor for the present stage of the modern era«7 geworden ist. Die hierbei entstehenden sozialen Formationen sind demnach durch ihre Unstetigkeit gekennzeichnet. Bindungslosigkeit in jedweder Hinsicht wird zum wichtigsten Merkmal von Bindungen in der Flüchtigen Moderne. Baumann beschreibt ein Leben in einem solchen Zustand als prekär und geprägt von permanenter Unsicherheit – etwa einen Trend oder ein Ereignis zu verpassen, oder »der schnellen Vergesellschaftung durch die Konsumgesellschaft hinterherzuhinken«.8 Der Mensch wird mobil und bewegt sich als Nomade durch sein Leben,

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(Vgl. Anhang: Interview I, Interview II, Interview III, Interview IV) (Vgl. Morel, Staubmann u.a. 2007, S.201f.) (Baumann 2000 Zt.n. Junge 2006, S.109) (Vgl. Junge 2006, S.117ff.)

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alles ist stets der Flüchtigkeit unterzogen, seien es Lebensorte, Arbeitsplätze oder Lebenspartner. Der amerikanische Soziologe Richard Sennett untersuchte in seinem Buch Der flexible Mensch von 1998 die Folgen und Wirkungen der Globalisierung, welche bis in den Alltag der Menschen hineinwirken. Zwar basieren Sennetts Bezüge auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt, sind aber auch in deutschen Kontext relevant. Er beschreibt darin die globalisierte Arbeitswelt, welche von »Kurzlebigkeit, Flexibilität, „Drift“ und Risiko« geprägt ist und formuliert das derzeitige Stadium des Kapitalismus mit dem Prinzip »Nichts Langfristiges!«9 Aufgrund der Anforderungen des aktuellen Arbeitsmarktes sei der Auf bau langfristiger Freundschaften oder intensiver Ortsbezüge kaum möglich, stets habe man das Gefühl, »auf dem Sprung« sein zu müssen. Emotionale Beziehungen zur Umwelt kann der Einzelne unter solchen Umständen kaum herstellen, weil damit zu rechnen ist, dass er sie wieder verlassen muss. Er kritisiert den »Zwang zur Flexibilität und Mobilität«10 und den Verlust von »Stabilität, Sicherheit und Kohärenz« für die Individuen. Kohärenz, also die Möglichkeit, eine zusammenhängende Lebensgeschichte zu erzählen, ist jedoch von äußerster Wichtigkeit für die Ausbildung von Identität. Doch in Anbetracht der gesellschaftlichen Umbrüche, welche sich derzeit vollziehen, ist die Schaffung einer kohärenten Identität keine leichte Aufgabe.11 In einer Welt des gesellschaftlichen Wandels - die gekennzeichnet ist durch Individualisierung und somit der Freisetzung aus Traditionen und Bindungen, Pluralisierung der Lebensformen und folglich der Unmöglichkeit, allgemeine Konzepte eines »guten und richtigen Lebens« zu formulieren und der Globalisierung der Arbeitswelt – wird es immer schwieriger, einen »sozialen Kitt« zu finden, der die Gesellschaft zusammenhalten könnte.12 Hierin liegt das Bestreben des Stadtmuseums, einen Beitrag zu leisten, indem es auf den kleinsten gemeinsamen sozialen Nenner einer Gruppe von Menschen verweist: das Leben in einer bestimmten Stadt.

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(Sennett 1998 Zt.n. Schroer 2005, S.259) (Vgl. Schroer 2005, S.260) (Vgl. Keupp et.al. 2002, S.46ff.) (ebd.)


2. Wie wollen Stadtmuseen Identität schaffen? Stadtmuseen erzählen die Geschichte ihrer Stadt und konstruieren Identität folglich narrativ. Dazu bedienen sie sich des Mediums der Ausstellung. Der Inszenierung von Ausstellungen wiederum widmet sich der Bereich die Szenografie, deshalb möchte ich an dieser Stelle zu einem Exkurs in diesen Bereich einladen. Im Anschluss vergleiche ich vier deutsche Stadtmuseen und deren Narrationsstrategien und gehe danach auf die Besonderheiten der narrativen Identitätskonstruktion ein.

2.1. Ursprung der Szenografie Seit etwa zehn Jahren hat sich der Begriff im deutschen Sprachgebrauch etabliert und bezeichnet eine fachübergreifende Disziplin, die sich aus Theater, Film, der bildenden Kunst und dem Design zusammensetzt. Ihre begrifflichen Ursprünge liegen in der griechischen Antike, wobei das Wort »Skéne« (zu deutsch: Zelt) den kleinen Bereich am Rande der Bühne der griechischen Theaters bezeichnete, welcher den Schauspielern als Umkleide diente. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieser immer weiter und ermöglichte immer größere und aufwändigere Möglichkeiten der Verwandlung und der Auftritte. Die Skéne kann folglich als Wurzel des Offs gelten, also dem Bereich im Theater, welcher permanent unsichtbar bleiben muss, um durch die Illusion eine Glaubhaftigkeit und Ernsthaftigkeit einer Aufführung zu sichern. Szenografie ist in ihrem Selbstverständnis13 eine Vermittlung, die aus Inhalten, seien sie ideeller, narrativer oder dinglicher Natur und der Nutzung angebrachter Gestaltungsmöglichkeiten einen konkreten und sinnlich erfahrbaren »Narrationsraum« generiert. Uwe Brückner formuliert in Anlehnung an Paul Watzlawick für die Szenografie: »Man kann nicht nicht inszenieren.«14

2.2. »Aura« und »Chock« Ein bedeutender Bestandteil der Szenogafie ist der Umgang mit den auszustellenden Objekten und der ihnen innewohnenden »Aura«. In seinem berühmten Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit von 13 14

(Atelier Brückner 2011, S.355ff.) (Atelier Brückner 2011, S.315)

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1936 prägte Walter Benjamin diesen Begriff und beschrieb ihn folgendermaßen: »Diese letztere [Aura] definieren wir als einmalige Erscheinung in der Ferne, so nah sie uns sein mag.«15 Es entsteht also ein gewisser Widerspruch, das Objekt ist zwar durch seine Präsenz physisch nah und gleichzeitig fern durch seine Herkunft, es scheint »aus einer anderen Welt« zu stammen. Benjamin erläutert den Verlust der Aura des Kunstwerkes, also ihrer Originalität und Authentizität, durch das Auf kommen von Reproduktionsmöglichkeiten, wie beispielsweise der Photographie. Dieser Verlust wurde auch zum zentralen Argument in verschiedenen Museumsdiskussionen, besonders im »Popularisierungsdilemma«, welches Gottfried Korff in den 1980er Jahren erörterte. Ein Aspekt wird bei der Diskussion um die Aura häufig vernachlässigt: sie bezieht sich nicht ausschließlich auf Kunstwerke, Benjamin bezeichnet sie in seinem Aufsatz auch als »für geschichtliche Gegenstände vorgeschlagene[n] Begriff«.16 Zudem sah er in der Beeinträchtigung der Authentizität der Objekte, wie dies durch die Isolation und Präsentation im Museum geschieht, keinen Nachteil, sondern eine Förderung der Wahrnehmung durch »Störeffekte in der Betrachtung«.17 Benjamin bezeichnete diese als »Chock« und wollte ihn in jede Geschichtspräsentation eingepflegt wissen. So beschreibt er äußerst deutlich: »Die Masse will nicht „belehrt“ werden. Sie kann Wissen nur mit dem kleinen Chock in sich aufnehmen, der das Erlebte im Inneren festnagelt.«18 Und weiterhin: »Verdummend würde jede Anschauung wirken, der das Moment der Überraschung fehlt. Was zu sehen ist, darf nie dasselbe, oder einfach mehr oder weniger sein, als eine Beschriftung zu sagen hätte.«19 Benjamins Prämisse ist, dass der Besucher eine Ausstellung nicht »gelehrter«, sondern »gewitzter« verlassen sollte und er sieht die »Aufgabe der echten, wirksamen Darstellung« darin, »das Wissen aus den fachlichen Schranken zu lösen und praktisch zu machen«. Eben dieses »Praktisch machen« entspricht dem Konzept der Popularisierung, also der Einbindung von Wissen und Geschichte in die Lebenswelt. Demnach muss lebensweltliche Relevanz von Wissen und Geschichte zum Ausgangspunkt von Gestaltung werden. 15 16 17 18 19

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(Benjamin 2010 [1936], S.19) (Benjamin 2010 [1936], S.19) (Korff, 2007, S.121) (Benjamin, Jahrmarkt des Essens 1980, S.528) (Benjamin, Bekränzter Eingang 1980, S.560ff.)


2.3. Raumbilder und Rekontextualisierung Die Szenografie ist laut Brückner darum bemüht, »Inhalten Halt und Form«20 zu geben und transportiert Bedeutung. Bei der Schaffung von Raumbildern handelt es sich um die Erzeugung »begehbarer Milieus«, welche den Besucher an der Inszenierung teilhaben lassen sollen. Man kann Raumbilder als den Kontext beschreiben, in dem sich die Objekte befinden, aber auch als »Rezeptionsraum«, in welchem die Begegnung von Betrachter und Objekt stattfindet und ein Spannungsverhältnis entsteht. Raumbilder richten sich an das »Nicht-Kognitive«, an die »tieferen Schichten des Bewusstseins«. Brigitte Kaiser21 nimmt eine Unterscheidung für kulturhistorische Museen und ihre Ausstellungen vor zwischen (historisch) rekonstruktiven Raumbildern und abstrahierenden Raumbildern. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine trennscharfe Einteilung, sondern eher um Tendenzen, welche zwei Gegenpole bilden und zwischen denen es zahlreiche Misch- und Überschneidungsformen gibt. Mit dem rekonstruktiven Ansatz wird die Wiederherstellung bestimmter historischer Begebenheiten verfolgt. Objektensembles vereinen Gegenstände, die ursprünglich zusammengehörten, wie beispielsweise das Mobiliar eines bestimmten Wohnraumes oder Maschinen und Geräte einer Werkstatt. Dioramen entsprechen einer üblichen rekonstruktiven Inszenierung. Darunter fallen jedoch auch Zusammenstellungen von Objekten, die keinen ursprünglichen Zusammenhang aufweisen, die aber beispielsweise aus einer Epoche stammen, oder Ergänzungen durch Nachbauten von Originalen oder großen Fotos und Illustrationen. Die Objekte stehen nicht »für sich selbst«, sondern sind in einen narrativen Zusammenhang eingebunden. Abstrahierende Raumbilder weisen über eine historisch bestimmbare Situation hinaus. In ihnen wird thematisiert, wie Objekte zum Betrachter in Bezug gesetzt werden können. Das Hauptaugenmerk liegt dabei nicht auf dem Liefern von Informationen, sondern auf dem Appell an die emotionale Ebene des Besuchers, er soll teilhaben an einer Erfahrung. Abstrakte Raumbilder erzeugen ein Zusammenspiel aller Ebenen, sowohl der Exponate, als auch der Texte, der digitalen Medien und der gesamten architektonischen und grafischen Gestaltung, welche dem Besucher das Erschließen der Inhalte der Ausstellungen ermöglichen sollen. Im Fokus steht die »sinnliche Wahrnehmung«. 20 21

(Atelier Brückner 2011, S.60ff.) (Kaiser 2006, S.40ff.)

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Die wesentlichen Inhalte einer Ausstellung sind die Objekte. Die Wissenschaftler sehen in ihnen »kulturhaltige, zu bewahrende Relikte«22 und Forschungsgegenstände, die es zu vermitteln gilt. Kuratoren verstehen sie als »Bedeutungsträger«, die es »zu erkunden und zu präsentieren gilt« und der Szenograf ist darum bemüht, »die Objekte zum Sprechen zu bringen«. Der Schwerpunkt der szenografischen Tätigkeit liegt in der Kontextualisierung und Rekontextualisierung der Objekte, wobei eine vorzugsweise selbsterklärende Darstellung für die Vermittlung von »Ursprung, Herkunft, kultureller Bedeutung, den einstmaligen Zweck, die Funktion und Wertigkeit« vorgezogen wird. Die Informationsvermittlung kann dabei »traditionell additiv«23 erfolgen, wobei der Umgang von Objekt, Information und Kontext getrennt erfolgt oder aber »integrativ«, wobei das Objekt der eigenen Rekontextualisierung dient und Information als »eigenes Medium auf Anfrage« offeriert wird. Hierbei geht es um die Schaffung eines Mehrwertes durch den Einsatz von Text, Bild und Grafik, sowie Filmmaterial und Audiostationen und nicht nur eine »Illustration des Sichtbaren«.

2.4. Disput Auf eine Polarisierung spielt Uwe Brückner in Bezug auf Diskussionen um die unterschiedlichen Standpunkte bei der Ausstellungsgestaltung und der didaktischen Informationsvermittlung an, indem er augenzwinkernd auf den Disput von Gestaltern und Kuratoren verweist, die sich »mehr oder minder in zwei Lager aufteilen«: in »Auratiker« und »Inszenierer«: Werden die ersten als »Objektverklärer« und »Vitrinenfetischisten« tituliert, stellen die anderen die »Budenzauberer« und »Dekorateure« dar.24 Während die »Auratiker« davon ausgehen, dass Objekte unzweifelhaft eine Aura aufweisen und demnach auf alle inszenatorischen Maßnahmen, abgesehen von der Vitrine, verzichtet werden kann, ist für die »Inszenierer« von Bedeutung, die Aura mithilfe szenografischer und dramaturgischer Mittel hervorzuheben und ihre Wirkung zu verstärken.

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(Atelier Brückner 2011, S. 68) (Brückner 2011, S.128) (Brückner, Anschub-Polemik zum Diskurs um den Grals-Weg musealer Gestaltungsästhetik 2011)


3. Vergleich vierer deutscher Stadtmuseen

3.1. Vier deutsche Stadtmuseen im Verhältnis Im Januar und Februar 2013 habe ich vier Stadtmuseen in Deutschland besucht – in Dresden, Frankfurt am Main, Köln und Hamburg - und die dortigen Dauerausstellungen zur jeweiligen Stadtgeschichte besichtigt, sowie die entsprechenden Sonderausstellungen. Bei diesen Besuchen führte ich leitfadengestützte Interviews mit Mitarbeitern dieser Museen zu ihrer Institution. Dies geschah in der Absicht, eine Analyse für meine Arbeit anzulegen, anhand welcher sich Methoden und Tendenzen der Erzählung der Stadtgeschichte aufzeigen lassen. Die Auswahl dieser Städte basiert auf der Idee, Großstädte zu wählen, deren Einwohnerzahlen relativ ähnlich sind und die geografisch betrachtet auf verschiedene Bereiche Deutschlands verteilt sind. Zu meiner Vorgehensweise ist anzumerken, dass es sich nicht um einen »direkten« Vergleich mittels quantitativer Kriterien handelt. Hierzu sind die Institutionen zu unterschiedlich, beispielsweise durch ihre Entstehungsgeschichte, auch kann diese Untersuchung keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erheben. In meiner Analyse orientiere ich mich an der Beschreibung des Verhältnisses der einzelnen Museen und ihrer Ausstellungen zu bestimmten Kategorien, welche im folgenden Kapitel näher beschrieben werden. Da die Sonderausstellungen der einzelnen Stadtmuseen sich stets wandeln, ist ein Vergleich hier äußerst schwierig, demnach beziehen sich die folgenden Kapitel hauptsächlich auf die Dauerausstellungen.

3.2. Kategorien Die von mir untersuchten Stadtmuseen sind hoch komplexe Gebilde, besonders mit Hinblick auf die heterogenen Sammlungsbestände, welche sich aus verschiedensten Bereichen, wie Geschichte, Kunst, Naturkunde und Archäologie zusammensetzen. Sie bedienen sich äußerst vielschichtiger Instrumente, um die Geschichten und Bedeutungen dieser Objekte zu transportieren.

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Raum Eine Kategorie, unter welcher die Ausstellungen beleuchtet werden, ist Raum. Wie verortet sich die Erzählung der Geschichte(n) im Raum? Dabei geht es einerseits um das Verhältnis der Museumsarchitektur zur Dauerausstellung, beziehungsweise den unterschiedlichen Ausstellungsbereichen der Dauerausstellung. Andererseits untersuche ich das Verhältnis von Raum innerhalb der einzelnen Ausstellungsbereiche und treffe Aussagen über die entsprechende Atmosphäre des Raumes und versuche Raumbilder zu beschreiben. Lässt sich eine »Raumdramaturgie« erkennen? Gibt es so etwas wie eine Richtungsvorgabe, einen Parcours, dem man folgen kann oder soll? Welche Rolle spielt die chronologische Ordnung in den Ausstellungsbereichen der Museen? Heterogenität der Objekte Eine weitere Kategorie ist der Umgang mit der Verschiedenartigkeit der Objekte. Wie ist das Zusammenspiel von beispielsweise Gemälden und weiteren Kunstgegenständen mit geschichtlichen oder naturkundlichen Objekten gestaltet? Licht Der Faktor Licht bildet einen weiteren Aspekt der Untersuchung. Inwiefern trägt es zur Atmosphäre gewisser Räume bei? Findet die »Black Box« - welche sich im Theater etabliert hat und durch das Prinzip der Subtraktion, dem minimalen Lichteinsatz die »Abwesenheit von physischem Raum«25 suggeriert Anwendung? Gibt es auch den »White Cube«, der das genaue Gegenteil darstellt, also einen »exhibitionistischen Raumtypus«, der dem Prinzip der Addition folgt? Digitale und audiovisuelle Medien Welche digitalen und audiovisuellen Medien finden sich in den Ausstellungen? Gibt es Medienstationen oder raumbildende Medien, wie beispielsweise großflächige Projektionen? Tritt der Besucher in Interaktion mit diesen, reagieren sie auf ihn?

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(Atelier Brückner 2011, S.179)


Text und Grafik Wie steht es mit dem Einsatz von Texten in den Ausstellungen? Finden sich Unterteilungen in Raumtitel, Raumtexte, Thementexte oder Objekttexte? Wie sind diese in den Ausstellungen gestaltet? Wer erzählt im Stadtmuseum? Wer erzählt die Geschichte? Wer spricht im Stadtmuseum?26 Gibt es außer dem heterodiegetischen Erzähler – im Museum also der Geschichtswissenschaftler, der zwangsläufig nicht Teil der Erzählung ist, da sie meistens zeitlich zu weit zurück liegt – auch noch weitere, wie homodiegetische oder autodiegetische Erzähler27? Wie wurden Wechsel innerhalb der Ausstellung gestaltet? An wen richtet sich die Erzählung? Geht aus den Ausstellungen eine Ansprache an verschiedene Besuchergruppen hervor, wie beispielsweise Kinder oder nicht deutschsprachige Besucher? Ausstellung der Gegenwart Bis zu welchem Zeitpunkt reicht die Darstellung der Geschichte? Wie wird die Gegenwart präsentiert?

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(Ich orientiere mich dabei an einem Aufsatz von Heike Buschmann, welche die Aspekte der Erzähltheorie Gérard Genettes in Bezug zur Museumsanalyse setzt; Vgl. Buschmann 2010, S.149ff.) (heterodiegetisch: Erzähler kommt in der Geschichte, die er erzählt nicht vor; homo diegetisch: Erzähler ist in der Geschichte, die er erzählt, anwesend; autodiegetisch: Erzähler ist Hauptfigur der Erzählung, erzählt sozusagen seine eigene Geschichte Vgl. Genette 1994, S.175f.)

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Stadtmuseum Dresden 25


Ausstellungsbereich »Aufstieg der Stadt«

Außenansicht Dresdner Stadtmuseum

Ausstellungsbereich »Depot der Gegenwart«

3.3. Vergleich 3.3.1. Stadtmuseum Dresden Im Dresdner Stadtmuseum wird die 800jährige Geschichte der Stadt in Form von vier Ausstellungsbereichen im sogenannten »Landhaus« erzählt, einem Gebäude, welches am Ende des 18. Jahrhunderts als Land- und Steuerhaus für die sächsischen Stände in Auftrag gegeben wurde. Ungefähr einhundert Jahre später beherbergte es dann das Stadtmuseum. Unter anderem durch Kriegszerstörung war das Museum gezwungen, mehrmals umzuziehen. Vom Elbhochwasser von 2002 blieb auch das Stadtmuseum nicht verschont, sodass die Museumsräume komplett saniert werden mussten. Im Jahr 2006 wurde dann die neue Dauerausstellung eröffnet.

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Ausstellungsbereich »Demokratien und Diktaturen«

Hörstation

Hörstation

Raum Die vier Ausstellungsbereiche der Dauerausstellung anhand derer die Geschichte der Stadt präsentiert wird, sind »Der Aufstieg der Stadt«, »Die Stadt der Bürger«, »Demokratien und Diktaturen« sowie das »Depot der Gegenwart«. Diese sind auf zwei Stockwerke des Gebäudes verteilt. Während die ersten beiden Ausstellungsbereiche durch eine Treppe direkt miteinander verbunden sind, sind die letzten beiden räumlich strikt voneinander abgetrennt. Die Gebäudearchitektur dient der Inszenierung der Ausstellungen nicht im direkten Sinne: nachträglich eingezogene Trenn- und Vitrinenwände innerhalb der Ausstellungsbereiche »widersetzen« sich der ursprünglichen Innenarchitektur ein wenig, indem sie zum Beispiel Fenster verdecken und geben allen Ausstellungsbereichen einen gewissermaßen »eingepflanzten« Charakter. Die Ausstellungen »Der Aufstieg der Stadt« und »Die Stadt der Bürger« sind äußerst abwechslungsreich inszeniert, besonders in Bezug auf die kleinen »Nischenräume«, die zur Exploration einladen und was die Verwendung von Farben betrifft. In jedem Ausstellungsbereich existieren auch Räume innerhalb der einzelnen Bereiche. Es finden sich in den

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Ausstellungsbereich »Die Stadt der Bürger«

Diorama

Ausstellungsbereich »Depot der Gegenwart«

Ausstellungsbereichen zwar auch einige rekonstruktive Raumbilder in Form von Dioramen, den überwiegenden Teil bilden jedoch abstrahierende Raumbilder. Einen vorgeschriebenen Parcours gibt es nicht, beginnt man jedoch die Besichtigung der Ausstellung im obersten Stockwerk, so wäre der zeitliche Ablauf, dem man folgt: Die Gegenwart, die frühe Geschichte und das Mittelalter, der Übergang zur Moderne bis zum Ersten Weltkrieg und abschließend das 20. Jahrhundert zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Wiedervereinigung 1989. Chronologisch knüpfen die unterschiedlichen Ausstellungsbereiche sehr genau aneinander an.28 Heterogenität der Objekte Im Stadtmuseum Dresden wird eine Trennung vorgenommen: es gibt die Ausstellung zur Stadtgeschichte und im gleichen Gebäude befindet sich auch die 28

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Läuft man die Ausstellungsräume chronologisch ab, kommt es zu »doppelten« Wegen: man beginnt im obersten Stockwerk, begibt sich dann ins darunter liegende Stockwerk und beendet den Rundgang wieder im obersten Stockwerk.


»Kosmos der Erinnerungen«

Video-Interviews mit Zeitzeugen

»Hörmuschel«

Klänge der Stadt

Städtische Galerie, welche die Gemäldesammlung des Stadtmuseum beherbergt. Es finden sich auch vereinzelt Gemälde in den verschiedenen Ausstellungsbereichen der Dauerausstellung. Licht In Bezug auf den Einsatz von Licht kann man weder von einer »Black Box« noch von einem »White Cube«, sondern nur von Annäherungen sprechen. Dennoch lässt sich feststellen, dass es gewisse Tendenzen gibt: so ist beispielsweise der Ausstellungsbereich, der sich mit der am längsten zurückliegenden Geschichte befasst, auch der »dunkelste« in der Lichtinszenierung. Der Ausstellungsbereich, welcher der jüngsten Geschichte gewidmet ist wiederum erinnert eher an den White Cube. Dazwischen bewegt sich die Inszenierung der Ausstellung zum 20. Jahrhundert.

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Raumtext

Thementext

Digitale und audiovisuelle Medien In allen Ausstellungsbereichen findet man sowohl unterschiedliche Medien- und Hörstationen, als auch Infoscreens oder aber ein kleines Kino im Bereich »Demokratien und Diktaturen«. Eine Besonderheit beim Einsatz digitaler Medien bildet dabei der sogenannte »Kosmos der Erinnerungen«. Hierbei werden drei interaktive Tische präsentiert, welche den Besucher einladen, Videointerviews mit Dresdner Bürgern unterschiedlichen Alters, teilweise Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges, anzuschauen und an deren Erinnerungen teilzuhaben. Ein weiteres größeres digitales Exponat ist die »Hörmuschel«, in welcher die Stadt durch Klangaufnahmen erfahrbar gemacht wird. Text und Grafik Bei jedem Ausstellungsbereich findet ein durchgängiges Konzept von Text Anwendung, der auch (bis auf den Bereich zur Gegenwart) grafisch einheitlich aufgebaut ist: jeweils am Anfang eines jeden Bereiches befindet sich eine quaderförmige illuminierte Säule, die eine textliche Einführung und einen Zeitstrahl zur Übersicht in Bezug auf das Sujet der Ausstellungssektion bietet. Mehrere Thementexte in Form von kleinen Wandtafeln führen weiter in die jeweilige Thematik ein. Objekttexte an den Exponaten liefern spezifische Informationen. Die Textmenge verkürzt sich dabei proportional von Raumtext auf Thementext und von diesem wiederum auf den Objekttext.

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Architekturmodell der Waldschlösschenbrücke

Modell der »Gläsernen Manufaktur«

Wer erzählt im Stadtmuseum? Zur musealen Erzählung lässt sich sagen, dass auf textlicher Ebene der Anteil des heterodiegetischen Erzählers in Form des Geschichtswissenschaftlers, der die Geschichte der Stadt erzählt, eindeutig überwiegt. Im »Kosmos der Erinnerungen« findet sich jedoch auch die autodiegetische Erzählerperspektive in Form der Bürger, die ihre eigene Geschichte erzählen. In zahlreichen Hörstationen finden sich auch weitere Perspektivwechsel der Geschichtserzählung zu an gewissen Ereignissen beteiligten und unbeteiligten Figuren der Geschichte, wie etwa die Vertonung von Briefauszügen eines Bürgers aus dem 18. Jahrhundert an seinen Bruder, in dem er den Tod seiner ersten Ehefrau, seine zweite und dritte Hochzeit schildert. Bei der Ansprache von nicht deutschsprachigen Besuchern lässt sich feststellen, dass Raum- und Thementexte neben dem Deutschen auch in englischer Sprache angeboten werden, die Inhalte der Medienstationen oder Objektinformationen jedoch nur auf deutsch vermittelt werden. In den Ausstellungen gibt es keine inszenatorischen Anzeichen für eine Spezialisierung der Inhalte für Kinder. Ausstellung der Gegenwart Der Ausstellungsbereich »Depot der Gegenwart« umfasst verschiedene Exponate, der zeitliche Bezug reicht zurück bis ins Jahr 2006. Es finden sich Architekturmodelle zu umstrittenen Bauvorhaben der Stadt, wie beispielsweise der Waldschlösschenbrücke, die zur Aberkennung des UNESCO-Welterbe-Status von Dresden führte, oder der »gläsernen Manufaktur«, dem VW-Werk. Inszenatorisch wird die Gegenwart in Form eines weißen Lagerraumes präsentiert, die Exponate stehen auf Holzkisten. 31


Historisches Museum Frankfurt am Main 33


Sammlerraum von Johann Martin Waldschmidt

Außenansicht Historisches Museum Frankfurt

Sammlerraum von Johann Martin Waldschmidt

3.3.2. Historisches Museum Frankfurt am Main Das 136 Jahre alte Historische Museum in Frankfurt befindet sich derzeit im Umbau. Es ist aufgeteilt in einen Ausstellungsbereich zur 800jährigen Stadtgeschichte, den sogenannten »Saalhof«, einem Ensemble historischer Bauwerke, welcher nach umfangreicher Sanierung im Mai 2012 wiedereröffnet wurde und einem Neubau, der 2016 fertiggestellt werden soll. Raum Die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte ist in drei Komplexe unterteilt, welche sich wiederum in weitere Ausstellungsbereiche aufgliedert: die Frühgeschichte der Stadt wird in der Sektion »Stauferzeit« ausgestellt, in »Mainpanorama im

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Sammlerraum von Johann Georg Christian Daems

Reichskleinodien

Sammlerraum von Johann Julius Heymann

Rententurm« finden sich die mittelalterliche Stadtmauer und einige mittelalterliche Exponate, die Ausstellung »Frankfurter Sammler und Stifter« umfasst den Zeitraum vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Weiterhin gibt es noch einen Ausstellungsbereich zu den Stadtmodellen und die »Bibliothek der Alten«. Die Innenarchitektur des Gebäudes ist sehr verwinkelt, es gibt eine Vielzahl kleiner und größerer einzelner Räume, welche teils miteinander verbunden sind und zur Exploration einladen. Die Aufteilung der Räume der einzelnen Ausstellungsbereiche orientiert sich sehr stark an der Gebäudearchitektur. Die Dauerausstellung wirkt durchgängig sehr integriert. Die einzelnen Ausstellungsräume sind besonders mit Blick auf den Farbeinsatz sehr vielfältig gestaltet, wirken dabei jedoch sehr konsistent durch immer wiederkehrende Elemente (mehr dazu weiter unten in der Kategorie Text). Eine Tendenz zu historisch rekonstruktiven Raumbildern in Form von Dioramen findet sich in den Ausstellungsbereichen kaum. Ein konkreter Parcours in Form einer Richtungsvorgabe ist nicht vorhanden, die Ausstellungsbereiche knüpfen auch weniger durch eine chronologische Reihung aneinander an als durch eine thematische. Besonders der Aus-

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Touchscreen mit Zusatzinformationen

Sammlerraum Johann Valentin Prehn

Hörstation

stellungsbereich »Frankfurter Sammler und Stifter« zeichnet sich dadurch aus, dass jeder Raum einem der zwölf Sammler der Stadt gewidmet ist und dessen Sammlung enthält. Heterogenität der Objekte Die Heterogenität der Objekte wird durch den thematischen Auf bau der Dauerausstellung gewissermaßen relativiert, so gibt es in manchen Räumen verhältnismäßig homogene Objekte, wie beispielsweise in jenen »Sammlerräumen«, welche ausschließlich Gemäldesammlungen oder Münzsammlungen enthalten. In anderen Ausstellungsräumen ist der Sammlungsbestand aber an sich bereits recht durchmischt, wie bei der Sammlung des Frankfurter Bankiers Julius Heymann. Einen weiteren sehr gegensätzlichen Sammlungsbestand bildet die »Insekten- und Frankofurtensien-Sammlung« des Frankfurter Bankiers Johann Christian Gerning. Licht Ebenso divers wie die räumliche Inszenierung ist auch der Einsatz von Licht in der Gestaltung der verschiedenen Ausstellungsbereiche. In mehreren Teilen finden sich Inszenierungen, die mit dem Prinzip der Black Box arbeiten, besonders zum Vorschein tritt dies bei den Kopien der römisch-deutschen Reichskleinodien. Tendenzen hin zu einer Präsentationsform im Stil des White Cube finden sich dabei kaum - auch in jenen Ausstellungsbereichen, in welchen primär Gemälde präsentiert werden, wird ein solcher Eindruck durch den Einsatz kräftiger Farben vermieden. 36


wiederkehrendes Element: die Sammlerwand

Begleitbuch zur Sammlung

Digitale und audiovisuelle Medien Eine Besonderheit im Einsatz digitaler Medien stellt der Eingangsbereich der Ausstellung »Frankfurter Sammler und Stifter« dar, hierbei begegnet der Besucher den Sammlern »direkt«. Einer Stehparty ähnlich wird er mit den einzelnen »Sammlern« konfrontiert, die reaktiv (sobald man sich in die Nähe der betreffenden Säule begibt) beginnen, sich und ihre Sammlungen in Form von Audiobeiträgen vorzustellen. In jeder dieser Säulen befindet sich auch ein Hinweis in Form eines Gemäldes oder einer kleinen Münzsammlung, der den jeweiligen Sammlungsschwerpunkt andeutet. In den verschiedenen Ausstellungsbereichen kommen digitale Medien in Form von Touchscreens zum Einsatz, die vertiefende Informationen zu den jeweiligen Bereichen bieten. Weiterhin erwarten den Besucher reaktive und interaktive Hörstationen. Text und Grafik Eine weitere Besonderheit im Historischen Museum ist der Umgang mit Text innerhalb des Ausstellungsbereiches »Frankfurter Sammler und Stifter«: es lassen sich weder Raum-, noch Themen- oder Objekttexte in Form von Beschriftungen oder Beschilderungen finden. Die Textinformationen sind einzig den beiliegenden Büchern jedes »Sammlerraumes« zu entnehmen. Diese liegen in sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache vor. Dies geschieht in Anlehnung an das kuratorische Konzept der Sammlerräume, wonach Sammler ihre

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Startpunkt der Ausstellung »Frankfurter Sammler und Strifter«

Sammlersäulen

Sammlungen, die ihnen wohl bekannt sind, in der Regel nicht mit Beschilderungen versehen würden.29 Wer erzählt im Museum? Erzählt wird im Historischen Museum primär durch die Sammler. Diese nehmen besonders im Eingangsbereich zu »Frankfurter Sammler und Stifter« eine durchaus autodiegetische Position ein. In den einzelnen Sammlerräumen findet man dann in den beiliegenden Büchern auch weiterführende Objektinformationen oder Informationen zu den jeweiligen Sammlern, die aus der heterodiegetischen Sicht der Geschichtswissenschaftler stammen, doch der grundlegende Eindruck ist die Erzählung der Geschichte durch die Sammler. Zur Ansprache verschiedener Besuchergruppen fällt auf, dass es eine Kinderspur im Museum gibt. Die Signalfarbe orange markiert Exponate und Stationen, die speziell auf Kinder ausgerichtet sind. Ausstellung der Gegenwart Bis zu welchen Zeitpunkt die momentane Dauerausstellung reicht, lässt sich aufgrund des Umbaus respektive Neubaus schwerlich sagen. Der Ausstellungsbereich der Frankfurter Sammler bezieht sich teilweise bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, dies lässt sich jedoch nicht ohne weiteres erkennen. Die Sektion zur jüngeren Geschichte der Stadt und zur Gegenwart wird mit ihren Ausstellungen »Frankfurt Einst?« und »Frankfurt Jetzt!« 2015/2016 in den Neubau des Museums ziehen. Projekte und Sonderausstellungen zur Gegenwart der Stadt im sogenannten »Stadtlabor« finden derzeit ausgelagert statt.30

29 30

38

Vgl. Interview mit Susanne Gesser vom Historischen Museum Frankfurt Vgl. Kapitel I.6. Identitätskonstruktion im Wandel


durchg채ngiges Element der Ausstellung: der Sammlertisch

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Kรถlnisches Stadtmuseum 41


Übersicht Ausstellungsraum Erdgeschoss

Außenansicht Kölnisches Stadtmuseum

Erdgeschoss Kölnisches Stadtmuseum

3.3.3. Kölnisches Stadtmuseum Das Stadtmuseum in Köln befindet sich im Zeughaus, welches ursprünglich aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts stammt. Es zeigt die Kölnische Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Historische Museum in Köln eröffnet, jedoch in anderen Räumlichkeiten. Nach einer wechselvollen Geschichte zog das Museum schließlich 1958 in das nach Kriegszerstörung wiederaufgebaute Zeughaus und wurde letztmalig Anfang der 1980er Jahre umgebaut und soll in den kommenden Jahren umfangreich saniert werden. An das Zeughaus angeschlossen ist der Sonderausstellungsbereich »Alte Wache«, ein Gebäude aus dem Klassizismus. Raum Im Kölnischen Stadtmuseum fällt auf, dass die Dauerausstellung aus zwei Räumen besteht, welche den beiden Stockwerken des Gebäudes entsprechen. In Form und Größe sind beide Bereiche ähnlich dimensioniert. Weiterhin eine Graphische Sammlung, doch ist diese nur nach telefonischer Anmeldung zu besichtigen. Im ersten Stock befindet sich ein kleiner temporärer Ausstellungsbereich »Köln auf hoher See, vom Kreuzer „Cöln“ bis zur Fregatte „Köln“«, welcher räumlich durch Trennwände abgegrenzt ist. Der Ausstellungsbereich

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Eingangsbereich der Ausstellung

Vitrine mir Karnevalsutensilien

beginnt im Erdgeschoss mit der jüngsten Geschichte, danach folgen Objekte zur Geschichte des Ersten, danach des Zweiten Weltkrieges. Exponate zum 19. Jahrhundert folgen im Anschluss, darauf hin geht die Ausstellung thematisch ins Mittelalter über. Es folgen Exponate aus der Zeit der französischen und später preußischen Besetzung Kölns. Im Obergeschoss liegt der zeitliche Fokus zwischen 1600 und 1900 mit Exponaten über »Religion, Geistesleben und Wissenschaft, Kölner Bürgertum, Wohnkultur, Wirtschaft und Verkehr«.31 Die Dauerausstellungsräume sind wenig explorativ, da man nahezu den gesamten Ausstellungsbereich im jeweiligen Geschoss überblicken kann. Im Obergeschoss findet man das Prinzip historisch rekonstruktiver Raumbilder in einem Diorama und in manchen Objektensembles. Die Dauerausstellung ist thematisch und nicht chronologisch gegliedert. Eine Richtungsvorgabe lässt sich nicht erkennen. Heterogenität der Objekte Durch die Abwesenheit räumlicher Trennungen innerhalb der Dauerausstellung, abgesehen von den zahlreichen Vitrinen, ist die Zusammenstellung der Objekte sehr heterogen. 31

(http://www.museenkoeln.de/koelnisches-stadtmuseum/default.asp?s=180&tid=109& kontrast=&schrift= letzter Zugriff am 1.03.2013)

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Erstes Obergeschoss

Kölner Ratssilber

Medieneinsatz in Bereich Zweiter Weltkrieg

Licht Die Inszenierung durch Licht tendiert in den Räumen der Dauerausstellung konsistent zum White Cube-Prinzip. Eine Abwechslung der Lichtatmosphäre ist nicht vorhanden. Es fällt auf, dass durch die großen Fenster viel Tageslicht in die Ausstellungsräume gelangt. Digitale und audiovisuelle Medien Digitale Medien findet der Besucher kaum, es existiert nur ein tonloser Videobeitrag im Themenbereich zum Zweiten Weltkrieg. Hörstationen stehen nicht zur Verfügung, die Ausstellung kann mithilfe portabler und mehrsprachige Audioguides erkundet werden.

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Diorama

Objekttext

Text und Grafik Aufgrund der räumlichen Aufteilung gibt es keine Raumtexte. Thementexte sind meist an den jeweiligen Vitrinen angebracht und leiten in den Bereich ein. Objekttexte sind meist an Exponaten in Vitrinen angebracht. Die Thementexte sind grafisch ähnlich aufgebaut, variieren je nach Thema jedoch in ihrer Länge. Alle Texte sind ausschließlich in deutscher Sprache verfasst. Wer erzählt im Museum? Die meisten Texte sind in einer heterodiegetischen Position verfasst. Durch manche Thementextüberschirften, beispielsweise »Soweit wir uns erinnern« zum Zweiten Weltkrieg, wird jedoch in Ansätzen die Beteiligung an der Erzählung der Geschichte deutlich. In einem Thementext zum Bereich »Köln als Handelszentrum« findet ein kurzer Perspektivwechsel im Text statt, worin eine historische Figur aus dem 16. Jahrhundert in entsprechender alter deutscher Schriftsprache zitiert wird. Eine differenzierte Besucheransprache bezogen auf Kinder ist anhand der Dauerausstellung nicht auszumachen. Ausstellung der Gegenwart Die Gegenwart endet in den 1960er Jahren in der Dauerausstellung.

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Hamburgmuseum 47


Übersicht Ausstellungsbereich »Barocke Wohnzimmer«

Hamburgmuseum Außenansicht

Diorama aus »Hamburg 1840 bis heute«

3.3.4. Hamburgmuseum Das Gebäude für das Museum für Hamburgische Geschichte wurde Anfang der 1920er Jahre fertiggestellt und stellt in diesem Vergleich das einzige Gebäude dar, welches zum Zweck der Nutzung als Museum konzipiert wurde. Heute befindet sich darin das größte städtehistorische Museum Deutschlands. Die Darstellung der Stadtgeschichte reicht vom 8. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Raum Die Dauerausstellung des Hamburgmuseums umfasst sieben Ausstellungsbereiche auf drei Etagen. Im Erdgeschoss befinden sich die Ausstellungsbereiche »Mode, Musik, Theater und Wissenschaft«, »20. Jahrhundert« und der Sonderausstellungsbereich. Im ersten Obergeschoss liegen die Bereiche »Mittelalter und Reformationszeit«, »Frühe Neuzeit, Hamburg 1650 bis 1840« und »Hamburg 1840 bis heute« (auch »Taktgeber Hafen« genannt). Im zweiten Obergeschoss sind die Bereiche »Juden in Hamburg« und »Wohnräume im 17. bis 19. Jahrhundert« angesiedelt. Die verschiedenen Ausstellungsbereiche sind räumlich sehr unterschiedlich gestaltet, sie stehen für sich und sind räumlich voneinander

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Übersicht Ausstellungsbereich »20. Jahrhundert«

Historisch rekonstruktives Raumbild eines Luftschutzbunkers

Historisch rekonstruktives Raumbild

abgegrenzt. Im ersten und zweiten Obergeschoss bietet die Gebäudearchitektur die Möglichkeit eines Rundgangs durch die Ausstellungsbereiche. Die Ordnung der Ausstellungssektionen ist eine Mischung aus einer eher chronologischen, wie im ersten Stock und einer thematischen, so im zweiten Stock und im Erdgeschoss. Ein Spezifikum im Hamburgmuseum sind die zahlreichen festverbauten Fragmente historischer Bauten in die Fassade des Gebäudes, aber auch in die Ausstellungsbereiche. Viele historisch rekonstruktive Raumbilder, seien es ganze Wohnräume, oder Raumelemente, wie Decken, Böden oder große Exponate, wie begehbare Schiffe prägen die Atmosphäre der Dauerausstellungen enorm. Heterogenität der Objekte Aufgrund der Vielzahl an Ausstellungsbereichen ist das Verhältnis unterschiedlicher Objekte zueinander schwierig zu beschreiben, da es stark variiert. Es lässt sich jedoch feststellen, dass ein kleines Schaudepot von Gemälden existiert, indem darauf verwiesen wird, dass nur ein kleiner prozentualer Anteil (10%) der Gemäldesammlung ausgestellt werden kann.

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Diorama

Übersicht zum Ausstellungsbereich »Juden in Hamburg«

Hafenkarte Hamburgs von ArtCom

»Medientisch« zur Geschichte Hamburgs

Licht So vielseitig wie die Ausstellungsbereiche ist auch der Einsatz von Licht in den Ausstellungsinszenierungen. Es finden sich Anwendungen des Black Box-Prinzips, sowie auch Anmutungen eines White Cubes. Digitale und audiovisuelle Medien Eine Besonderheit stellen im Hamburgmuseum die großen, teilweise raumgreifenden digitalen Medien dar. Besonders auffallend ist der interaktive Tisch der die Entwicklung der Stadt vom Mittelalter bis heute thematisiert oder die große digitale Karte des Hamburger Hafens, beide jeweils im neuesten Ausstellungsbereich »Taktgeber Hafen«. In diesem Sektor finden sich die meisten, wenn nicht sogar nahezu alle Medienstationen des Museums. Text und Grafik Das Verhältnis von Text im Museum variiert stark zwischen den Ausstellungsbereichen. Zwar lassen sich fast überall Raum-, Themen- und Objekttexte ausmachen, doch unterscheiden sich diese sowohl in ihrer Länge als auch in ihrem

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Die Menge der Textinformationen variiert stark zwischen den verschiedenen Ausstellungen

Ausstellungsbereich »20. Jahrhundert»

Layout von Bereich zu Bereich. Die Texte sind auf deutsch und englisch verfasst. Besonders in den älteren Ausstellungsbereichen findet sich im Verhältnis zu den neueren Bereichen viel Textinformation. Wer erzählt im Stadtmuseum? Insgesamt überwiegt die Erzählung durch den unbeteiligten Geschichtswissenschaftler, besonders bei den Texttafeln. Es gibt auch Hörstationen, an denen beteiligte und unbeteiligte Erzähler in Form von nachgesprochenen Audiobeiträgen zu Wort kommen, hauptsächlich im neuesten Ausstellungsbereich. Im Museum findet man Texttafeln, welche sich speziell an Kinder richten und welche jeweils mit Illustrationen von Mäusen gekennzeichnet sind. Ausstellung der Gegenwart Die Geschichtserzählung reicht in etwa zurück bis zum Millennium im Ausstellungsbereich zum 20. Jahrhundert, markiert durch verschiedene Objekte, darunter Millenniumsartikel. Der Bereich »Taktgeber Hafen« bezieht sich ebenso auf die Gegenwart.

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3.4. Erkenntnisse aus dem Vergleich Signifikante Gemeinsamkeiten aller Museen sind neben dem selbstverständlichen Einsatz von historischen Relikten die Verwendung von Text zur Erzählung der Stadtgeschichte, wobei man im Historischen Museum Frankfurt besonders darum bemüht ist, diesen nicht direkt im Großteil der Ausstellungsbereiche zu verorten. Drei der vier Museen - wieder das Historische Museum ausgenommen - verwenden historisch rekonstruktive Raumbilder wie Dioramen als Inszenierungselement in Teilen ihrer Dauerausstellung. Drei der vier Museen - ausgenommen das Kölnische Stadtmuseum - setzen digitale und audiovisuelle Medien zur Vermittlung ein, welche auch einen Wechsel in der Erzählerrolle unterstützen. Bei aller Heterogenität der Exponate lässt sich feststellen, dass alle Stadtmuseen zur Erzählung ihrer Stadtgeschichte Stadtmodelle nutzen. Größere Unterschiede zeigen sich zum Beispiel in der Ordnung der Ausstellungen. So findet sich in Dresden eine chronologische Ordnung, in Frankfurt und Köln eine thematische und in Hamburg eine Mischform aus beidem. Sehr unterschiedlich ist auch die Darstellung der jüngsten Geschichte, beziehungsweise der Gegenwart. So wird diese im Dresdner Stadtmuseum hauptsächlich anhand von Stadtmodellen verdeutlicht und im Hamburgmuseum großenteils an der Thematik des Hafens.

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4. Besonderheiten einer narrativen Identitätskonstruktion Das Konzept der »narrativen Identität« basiert auf der Grundannahme, dass »Erzählungen und Geschichten die einzige menschliche Form [waren und bleiben], das eigene Erleben zu ordnen, zu bearbeiten und zu begreifen. Erst in einer Geschichte, in einer geordneten Sequenz von Ereignissen und deren Interpretation gewinnt das Chaos von Eindrücken und Erfahrungen, dem jeder Mensch täglich unterworfen ist, eine gewisse Struktur, vielleicht sogar Sinn.«32 schreibt der Chefredakteur des Magazins Psychologie Heute, Heiko Ernst im Jahr 1996. Eine solche Selbstnarration ist also immer verbunden mit einer Deutung und Ordnung durch den Menschen, die sich keinesfalls an Faktizität orientiert, sondern an der Bedeutung. Auch in der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung wurde diese Rolle der Narration kontrovers diskutiert. Anfang der 1970er Jahre veröffentlichte der amerikanische Historiker und Literaturwissenschaftler Hayden White im Kontext des sogenannten linguistic turn33 sein Buch Metahistory: The Historical Imagination in Nineteenth-Century Europe und erklärte, dass alle historiographischen Texte narrative Konstrukte seien und sie somit keinen höheren Wahrheitsanspruch als fiktional-literarische Erzählungen besäßen. Dies stieß auf enormen Widerstand in der Geschichtswissenschaft, galten doch die literarischen Wurzeln der eigenen Disziplin als überwunden. Man sah sich nicht als Produzent von Erzählungen, sondern von Wissen nach entsprechend wissenschaftlichen Standards. Unter Historikern ist auch heute die Ansicht noch sehr verbreitet, dass das Schreiben von Geschichte eine Frage des Stils ist, demnach wird ihm nur sekundäre Bedeutung beigemessen. Es besteht gegenwärtige die Tendenz unter Historikern, ihre Texte zwar als produziertes Wissen zu erachten, doch dieses auch »sinnlich veranschaulichen«34 zu müssen. Auch die Vielzahl der Philologen ist von Hayden Whites Ansicht abgerückt, der unbewusste Einfluss der Sprache sei bedeutender als die »methodische Reflexion des Historikers«, wonach »[...] die Geschichte also keine Historik, sondern nur eine Poetik 32 33 34

(Ernst 1996 Zt.n.Keupp 2002, S.58) Der Begriff markiert Bestrebungen seit dem 20. Jahrhundert die Rolle der Sprache innerhalb der Philosophie, Literaturwissenschaft und Linguistik zu untersuchen; im Laufe der Zeit weiteten die Philologen diese Entwicklung ihn auf alle sprachlich ver fassten Wissenschaften aus. (Rüth 2012, S.21ff.)

53


habe.«35 Dennoch führte Whites Buch zu der heute größtenteils anerkannten Einsicht, dass auch Geschichtswissenschaftler in gewisse »Deutungshorizonte«36 eingebunden sind. Die Erzählung der Geschichte ist folglich immer im Bereich von sprachlicher Konstruktion und Rekonstruktion angesiedelt, einen »direkten Zugang zur Vergangenheit«37 gibt es nicht. Zudem basiert die historische Bedeutsamkeit, die den Exponaten in Stadtmuseen und ihren entsprechenden Geschichten beigemessen wird, auch stets auf Selektionsprozessen. Ein frühes Beispiel für den Versuch der Einbindung von Narration in einer Ausstellung stellt das Künstlerprojekt Le Musée Sentimental de Cologne dar. Das Konzept zu einem »sentimentalen Museum« stammt von Daniel Spoerri, einem Schweizer Künstler, der Ende der 1970er Jahre an der Kölner Fachhochschule im damaligen Bereich Kunst und Design für das Lehrgebiet »Multimedia«38 zuständig war. In Zusammenarbeit mit dem Kölnischen Kunstverein und seinen damaligen Studenten, sowie der Publizistin Marie-Louise Plessen schaffte Spoerri eine Ausstellung von rund 250 Exponaten, die vom 18. März bis 29. April 1979 gezeigt wurde und die verschiedenste Objekte kölnischen Ursprungs zueinander in Beziehung setzte. Davon zeugt heute der entsprechende Ausstellungskatalog in Form eines Lexikons, in welchem die Ausstellungsstücke aufgelistet sind. In der Ausstellung fanden sich beispielsweise Teile des Kölner Ratssilbers einem sogenannten »Kotwagen« des damaligen Schlachthofes in Ehrenfeld gegenübergestellt. Es gab zahlreiche Beispiele für die Gegensätzlichkeit, die man zum Ausdruck bringen wollte. Im Vorwort zum Ausstellungskatalog beschreibt Spoerri die Ausstellung folgendermaßen: »Im Projekt „Le Musée Sentimental de Cologne“ versuchten wir, eine Stadt in ihren wesentlichen Merkmalen zunächst mit Stichworten zu erfassen und wieder im Sinne einer alten Universalkunst dilettierend zwar, also mit viel Freude und Spaß an der Sache, aber vielleicht manchmal ohne die nötige Sachkenntnis (was unsere Ungehemmtheit förderte) sowohl historisch als auch phänomenologisch das Stichwort „Köln“ in seiner ganzen Vielfältigkeit und Breite auszuloten und vielleicht sogar mit oder anhand dieser Funde, die wir machen würden, die Identität dieser Stadt zu finden.«39 35 36 37 38 39

54

ebd. (Pieper 2010, S.191) (Vgl. Seixas 1998, S.238ff.) (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351957.html Zugriff am 7. Januar 2013) (Kölnischer Kunstverein 1979, S. 9ff.)


Beim Arrangement der Objekte orientierte man sich stark an den Kunst- und Wunderkammern des 17. und 18. Jahrhunderts. Ausschlaggebend für das Projekt war die Annahme, dass besonders historische Museen im Besitz sogenannter »sentimentaler Objekte« seien. Diese könnten jedoch nur »wenig Assoziation« auslösen, da sie in einem Rahmen stünden, in dem kein Wert auf Sentimentalität gelegt wird. Durch die Einordnung der Museen nach »Zeitabschnitten, Gattungen und Territorien« oder »nationalen, regionalen und lokalen Einteilungen« sei auch die Sentimentalität der Objekte »gewissermaßen „weggeordnet“«40 worden. Die Auswahl und Zusammenstellung im Musée Sentimental erfolgte ausschließlich nach »anekdotischen Gesichtspunkten«. Spoerri erläuterte, dass auch Gegenstände ohne nachweislichen historischen oder kunsthistorischen Wert einen gewissen sentimentalen Wert hätten, insofern sie ein »sentimentales Verhältnis belegen« könnten. Den Objekten sei keine Art von Gefühl inne, aber die eigenen Erlebnisse und Erinnerungen der Besucher an diese Dinge schreiben sie ihnen zu. Dies wird verdeutlicht am Beispiel eines Schröpfglases aus dem 16. Jahrhundert. Aufgrund der überlieferten und äußerst detailreichen Schilderungen des Kölner Ratsherren Hermann von Weinsberg über seine Aufenthalte in den Kölner Badstuben und die Praxis des Schröpfens erhält ein solcher Gegenstand aus dieser Zeit einen besonderen Stellenwert, darüber hinaus verweist er auf die damaligen gesundheitlichen und hygienischen Verhältnisse. Relikte des vergangenen Alltagslebens erlangen so durch anekdotische Belege zu überlieferten Ereignissen und Geschichten einen »ihnen eigentümliche sentimentale Bestimmung«. In der Ausstellung stand das Prinzip der Zuordnung der Objekte zu den ihnen zugehörigen Geschichten über allen anderen Klassifikationen nach beispielsweise Kategorien oder Sachgebieten. Im Musée Sentimental sprach man sich für das »sinnliche und sinnhafte Neuentdecken, Anders- und Wiederentdecken von Geschichte in anekdotischen Bezügen« aus und wandte sich gegen eine Auslegung der Geschichte, welche ausschließlich die Meilensteine oder Erzeugnisse der Hochkultur berücksichtige.

40

ebd.

55


Ein Blick auf andere Museen, wie beispielsweise das Genre der Völkerkundemuseen, eröffnet eine weitere Perspektive auf die Schaffung von Identität. Während im Stadtmuseum der identitäre Fokus auf der Narration der »eigenen« Geschichte liegt, also auf »dem Eigenen«, ist es besonders im Völkerkundemuseum die Ausrichtung auf das Fremdkulturelle, »das Fremde«, »das Andere«. »Identität, daran ist unbedingt festzuhalten, ist ein plurale tantum41 und setzt andere Identitäten voraus. Ohne Vielheit keine Einheit, ohne Andersart keine Eigenart.«42 Der deutsche Kulturwissenschaftler Boris Nieswand beschreibt drei Merkmale des Fremden43: In Anlehnung an Georg Simmel und seinen Exkurs über den Fremden44 erklärt er, dass Fremdheit durch das Verhältnis zum Eigenen bestimmt wird – etwas, zu dem man gar keine Beziehung hat, ist einem nicht fremd. Weiterhin ist Fremdes immer standortgebunden – es kommt immer auf die Perspektive an, aus der man etwas als fremd erlebt. So kann ein »Dritter« keine Aussage darüber tätigen, ob sich zwei Kulturen fremd sind oder nicht. Zuletzt wird Fremdheit immer situativ bestimmt – nur solange Fremdheit auch als solche erlebt wird, besteht sie, sobald sie »umgedeutet« wird und in den »Rahmen des Normalen« passt, verschwindet sie. Da Menschen nur im Sinne von Ordnungen Sinn produzieren können, so Nieswand, kommt es zu einer »Normalisierung des Fremden«. Somit kann dem Fremden entweder mit »Ablehnung, Ignorieren oder Aneignung« begegnet werden. »Etwas, das heute fremd ist, kann morgen vertraut sein.«45 Besonders in der Ethnologie, der Wissenschaft des kulturellen Fremden, formen sich dabei zwei Prozesse aus: die »Exotisierung« und die »Angleichung«. In Bezug auf die eigenen gesellschaftlichen Normen und Werte wird bei der Exotisierung im Gegensatz zur Normalisierung durch Angleichung dem Fremden eine grundlegende Andersartigkeit zugeschrieben und die kognitive Fähigkeit zur Aneignung der eigenen kulturellen Ordnungen abgesprochen. Eine solche Konstruktion von Fremdem äußert sich folglich in rassistischen oder antisemitischen Einstellungen. Eine Angleichung des Fremden findet im Völkerkundemuseum dahingehend statt, dass es ausgestellt wird und

41 42 43 44 45

56

von lat. pluralis »mehrfach« und tantum »nur«, als Bezeichnung eines Substantives, welches ausschließlich im Plural verwendet wird (Assmann 2002 [1992], S.135) (Nieswand 2004, S.2f.) (Vgl. Kapitel II.1.4. Der/die/das Fremde in der Stadt) (Nieswand 2004, S.5)


somit auch wiederum Teil des Eigenen wird. Wirkt beispielsweise die weltbekannte Büste der Nofretete im Neuen Museum Berlin noch so fremd, wie sie eventuell kurz nach ihrer Entdeckung in den 1920er Jahren war oder ist sie nicht bereits zutiefst im »Kulturgut« der Deutschen beziehungsweise der Berliner verankert?46

5. Gelingt es den Stadtmuseen, Identität zu schaffen? Identität ist nach Heiner Keupp Passungsarbeit. Diese hat eine innere und äußere Dimension. Eher nach »innen«, auf den Menschen bezogen, ist Synthesearbeit zu leisten, hier geht es um die subjektive Verknüpfung der verschiedenen Bezüge, um die Konstruktion und Aufrechterhaltung von Kohärenz und Selbstanerkennung, um das Gefühl von Authentizität und Sinnhaftigkeit. Eher nach außen gerichtet ist die Identitätsarbeit, die der Aufrechterhaltung von Handlungsfähigkeit dient und der Anerkennung von Integration. In seiner Theorie zu Identitätskonstruktionen beschriebt er die Herausbildung eines »Patchworks« an Teilidentitäten, welche sich der Mensch im Laufe seines Lebens schafft, um sich in der postmodernen Gesellschaft, welche Kohärenz scheinbar unmöglich macht, als Eins zu begreifen. Identität ist dabei ein ständig fortschreitender Prozess, in dem der Mensch sich stets in einem Beziehungsverhältnis zu seiner Umwelt und seinen Mitmenschen befindet und seine Identität in Form eines »Aushandlungsprozesses« konstruiert.47 Anders als in den meisten Identitätstheorien vorausgesetzt, erachtet Keupp in seiner Ausarbeitung zur Identitätskonstruktion Identität jedoch nicht als etwas, das immer gelingen muss. »Wenn Identitätsarbeit Passungsarbeit ist, die zu einer mehr oder weniger gelungenen Einpassung des Subjekts mit all seinen oft widersprüchlichen Anteilen in eine ebenfalls ambivalente, dynamische und komplexe Welt ist, dann ist gelungene Identität ein temporärer Zustand einer gelungenen Passung.«48 46 47 48

(Spiegel Online vom 24.01.2011, http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ archaeologie-aegypten-fordert-nofretete-offiziell-zurueck-a-741185.html letzter Zugriff: 11.03.2013) (Keupp 2002, S.241) (Keupp 2002, S.276)

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Identitätsarbeit ist nach Keupp nicht nur retrospektiv, also auf die Vergangenheit ausgerichtet, sondern sie hat auch eine prospektive, der Zukunft zugerichtete Seite. In Stadtmuseen liegt der Fokus ganz eindeutig auf einer retrospektiv ausgerichteten Arbeit an Identität. Wenn Stadtmuseen Identität schaffen wollen, dann können sie diese Dimension nicht außer Acht lassen. In Anbetracht von Identität als einem prozessualen Beziehungsverhältnis und nicht als einer Eigenschaft richtet dies den Blick auf die Relation von Stadtmuseum und seinen Besuchern. Bisher scheint dies meist eine recht einseitige Ausrichtung zu sein: Vom Museum an den Besucher.

6. Identitätskonstruktion im Wandel In einigen Stadtmuseen findet eine solche selbstreflexive Auseinandersetzung mit der eigenen Institution statt. So fragte man sich im Historischen Museum in Frankfurt am Main, ob das Konzept des bisherigen Stadtmuseums überhaupt noch zeitgemäß ist und erarbeitet neue Ausstellungsformate, die auch eine Partizipation der Besucher ermöglichen, wie beispielsweise das »Stadtlabor«.49 Das sogenannte »Stadtlabor« hat bisher zwei Ausstellungen, an denen jeweils viele Akteure beteiligt waren, realisiert. Zur ersten Ausstellung »OSTEND// OSTANFANG. Ein Stadtteil im Wandel« über den Stadtteil Ostend beteiligten sich viele Menschen, ungefähr einhundert, darunter »Bewohner, Künstler, Stadtteilhistoriker, Einzelhändler, Jugendarbeiter, Kulturschaffende, Galeristen, Hobby- und Profifotografen, Lehrer, Studenten der Stadtplanung und Performance-Künstler«. In der Ausstellung setzt man sich thematisch mit dem Stadtteil und seinen Veränderungen, besonders im Hinblick auf Gentrifizierung auseinander. Zu sehen war die Ausstellung dann in einem Teil eines Bürogebäudes von Ende April bis Mitte Juni 2011. Die zweite Ausstellung der »Stadtlabor«-Reihe »Das Stadionbad – eine Ausstellung mit Schwimmbad« war im Sommer 2012 tatsächlich in einem Frankfurter Schwimmbad präsent und setzte sich mit diesem thematisch auseinander.50 49 50

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(Vgl. Anhang: Interview II) (http://www.stadtlabor-unterwegs.de/ letzter Zugriff 10.02.2013)


Will das Museum ein Ort sein, an dem Identität geschaffen wird, muss es sich auch mit gesellschaftlich relevanten und aktuellen Themen auseinandersetzen. Stadtmuseen sollten nicht nur als »Tempel«, die Bewusstwerdung der eigenen Geschichte und Kultur anregen, sondern auch ein »Forum« sein, ein Ort der Diskussion und des Austausches, an dem sich die Bewohner einer Stadt auch begegnen und ins Gespräch miteinander kommen.51

51

(Vgl. Cameron 2004, S.61ff.)

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II. 60


II. Stadtidentität und Museum

Nach einer Untersuchung der Identitätskonstruktion des Stadtmuseums befasse ich mich im folgenden Teil meiner Arbeit mit der Rolle des Stadtmuseums für die Stadtidentität. Wie ist das Stadtmuseum mit ihr verflochten? Welche Perspektiven ergeben sich daraus? Ich beginne dazu mit einem Exkurs, was Städte sind und woraus sich Stadtidentität ergibt, wonach ich auf das Verhältnis zwischen Stadtmuseums und Stadtidentität eingehe.

1. Was ist Stadt? Stadt ist zunächst einmal ein hochkomplexes Gebilde. Der Chicagoer Soziologe Louis Wirth unternahm Ende der 1930er Jahre einen Versuch, den Begriff »Stadt« universell gültig zu erläutern, indem er ihn mit den drei Merkmalen »Dichte, Größe und Heterogenität« beschrieb. Schnell fällt auf, dass Größe ein recht ungenauer Aspekt ist, da das Größenverhältnis von Städten stark vom jeweiligen Land abhängig ist und zudem die Größe einer Stadt wenig über ihre soziale Bedeutung aussagt. Städte können als »Kristallisationsorte sozialer und damit ästhetischer, räumlicher, politischer etc. Entwicklungen«52 verstanden werden. Eine mögliche Erklärung, warum es uns gelingt, Stadt als Einheit zu begreifen, liefert der deutsche Soziologe Dirk Baecker mit Blick auf die Bewachung der Stadtmauern im Mittelalter: »Denn bewachen kann ich nur, wenn ich weiß, wie ich das zu Bewachende von dem Angreifenden unterscheiden kann. Deswegen ist die Stadt auf uns kaum noch nachvollziehbare Weise tief in unserem Gemütshaushalt verankert.«53 Folglich ist Stadt eine »kognitive, emotionale und ästhetische Konstruktion eines Innen und Außen« und der Entwicklungsund Erprobungsort der Übergänge zwischen »Vertrautsein und Unvertrautsein«.

52 53

(Löw, Steets und Stoetzer 2008, S.11) (Baecker 2002; Zt.n. Löw, Soziologie der Städte 2008, S.71)

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1.2. Europäische Stadt Unter den verschiedenen Stadtmodellen, die innerhalb der Stadtsoziologie beschrieben worden sind, entspricht deutschen Städten das Modell der »europäischen Stadt«, welche sich ab dem 11. Jahrhundert in Mitteleuropa entfaltete. Walter Siebel bringt hierzu fünf Eigenschaften54 an, die in ihrer Gesamtheit einen »idealisierten Typus« der europäischen Stadt kenntlich machen. Erstes Merkmal ist die Präsenz einer vormodernen Geschichte im Alltag der Stadtbewohner. Als Ursprungsort des Bürgertums zeugen noch heute viele Bauten und innerstädtische Strukturen von den Zeiten ihrer Gründung. Zweitens ist diese Geschichte laut Siebel Emanzipationsgeschichte, da sie zwei »neue Figuren« hervorbrachte, den »Bourgeois«, also den Wirtschaftsbürger, welcher in die Marktökonomie eintritt und sich somit aus dem Selbstversorgungskreislauf emanzipiert und den »Citoyen«, den politischen Bürger, der die feudalistischen Herrschaftsverhältnisse überwindet und »freier Bürger einer selbstverwalteten Stadtgemeinde wird«. Drittens markiert die europäische Stadt den Ort einer urbanen Lebensweise, welcher zur Unterscheidung von Stadtbewohner und Landbewohner führt. Hans Paul Bahrdt erläutert die urbane Lebensweise am Gegensatz von Öffentlichkeit und Privatheit. Neben der »öffentlichen Sphäre«, welche sich auf die Plätze und Straßen einer Stadt bezieht, gibt es die »abgeschlossene Sphäre des Privaten«, welche Bahrdt in die Bereiche »Produktion (Betriebe)« und »Reproduktion (Wohnung)« unterteilt. Das vierte Merkmal besteht in der Form und den räumlichen Bezügen, im enormen Gegensatz von Stadt und Land, Zentralität, Größe, Dichte und Heterogenität. Eine Abgrenzung des Städtischen vom Ländlichen durch »Mauern, Wälle und Gräben« zeigt sich dabei nicht nur physisch, sondern auch symbolisch. Die »Stadtkrone«, also »das Ensemble bestehend aus Rathaus, Kirche und Markt« markiert die Zentralität. »Die Größe einer städtischen Bevölkerung, die Dichte der Bebauung und die soziale Mischung der Stadtbewohner [...] implizieren ein enges Mit- und Nebeneinander von Arm und Reich, von Jung und Alt, von Neubürgern und Alteingesessenen sowie eine räumliche Überscheidung der Funktionen Arbeiten, Wohnen, Vergnügen und Verkehr. So entsteht ein Ort der Arbeitsteilung, der ständigen Kommunikation, der Erfahrung von Differenz und der produktiven Auseinandersetzung mit dem Fremden.« Fünftes Charakteristikum ist laut 54

62

(Vgl. Löw, Steets und Stoetzer 2008, S.94f.)


Siebel die Planung und Regulierung. Siebel weist darauf hin, dass der Aspekt der »sozialstaatlichen Regulierung« häufig vergessen wird. In der europäischen Stadt gibt es keine »naturwüchsige bauliche Formung der urbanen Lebensweise«, sondern eine Planung, die sich in Form von »technischen und sozialen Infrastrukturen, dem sozialen Wohnungsbau und weiteren vielfältigen Instrumenten einer sozialen Stadtplanung zeige«.

1.3. Der/die/das Fremde in der Stadt Was ist eigentlich der, die oder das »Fremde« in der Stadt, welches Siebel als viertes Merkmal einer europäischen Stadt nennt? In seinem Exkurs über den Fremden setzt sich der deutsche Soziologe und häufig als Begründer der Stadtsoziologie bezeichnete Georg Simmel im Jahr 1908 mit diesem Aspekt auseinander. Simmel beschreibt die Stellung des Fremden als »zugleich nah und fern«. »Die Einheit zwischen Nähe und Entferntheit, die jegliches Verhältnis zwischen Menschen enthält, ist hier zu einer am kürzesten so zu formulierenden Konstellation gelangt: die Distanz innerhalb des Verhältnisses bedeutet, dass der Nahe fern ist, das Fremdsein aber, dass der Ferne nah ist.«55 Er bezieht sich dabei nicht auf den Gast oder Wanderer, der heute kommt und morgen geht, sondern er ist interessiert am Fremden als »Wanderer, der heute kommt und morgen bleibt«56 und dabei seine Fremdheit nicht durch völlige Anpassung aufgibt. Fremdsein hat dabei für Simmel primär keine negative Bedeutung, da der Fremde, der sich mit den Einheimischen in einem bestimmten räumlichen Umkreis auf hält, aus dem er nicht stammt, »Qualitäten, die aus ihm nicht stammen können, in ihn hineinträgt«.57 Fremde sind selbst Elemente der Gruppe und ermöglichen erst eine »objektive Sicht« auf die eigene Gesellschaft.

1.4. Zur Abgrenzung der Stadt Siebels drittes und viertes Merkmal der europäischen Stadt, also die urbane Lebensweise als Unterscheidungsmerkmal von Stadt- und Landbewohnern und der Gegensatz von Stadt und Land besonders im Hinblick auf physische Abgrenzungen, bedarf in Anbetracht der heutigen Zeit einiger Anmerkungen und Über55 56 57

(Simmel 1908, Zt.n.Leggewie 2012, S.93) (Simmel 1908, Zt.n.Leggewie 2012, S.94) (Simmel 1908, Zt.n.Gemede 2002, S.54)

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legungen. Die urbane Lebensform ist heute allgegenwärtig geworden und nicht mehr nur allein in den Städten zu finden. Ihre ehemaligen Charakteristika der »marktförmigen Organisation der Ökonomie, der demokratischen Verfasstheit der Politik, der Berufstätigkeit außerhalb der Landwirtschaft, die Trennung von öffentlichen und privaten Lebensbereichen, Anonymisierung und Rationalisierung, Bürokratisierung, Technisierung und die Verbreitung von Massenkommunikation«58 finden sich auch außerhalb der Städte. Die ehemalige Trennschärfe zwischen Stadt und Land ist durch die Ausbildung von Verkehrsnetzwerken und suburbanen Gebieten aufgelöst, hinzu kommt die regionale Ausrichtung heutiger Siedlungsformen: Man »wohnt in der Vorstadt A, arbeitet in der Stadt B, kauft im bahnnahen Einkaufszentrum C ein und verbringt seine Freizeit am idyllischen Ort D«.59 Was heute zur Beschreibung und Spezifizierung von Stadt genutzt wird, ist der Begriff der »Urbanität«, der »Stadtkultur«. Dieser erweist sich als äußerst vielschichtig, wie in den folgenden Kapiteln beschrieben wird.

2. Stadtidentität

2.1. Entwicklungen im Kontext zu Stadtidentität Städte stehen in Konkurrenz zueinander. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, doch hat sich der Druck auf die Städte zur Eigenwerbung seit den 1980er Jahren enorm erhöht. Dies ist einerseits verbunden mit dem Auf kommen der Stadtimageforschung in den 1970ern, andererseits mit der Entwicklung der Arbeitsteilung in einer globalisierten Welt. War es zu Zeiten der industriellen Urbanisierung 60 die Güterproduktion, die Städte wachsen ließ und die deren ökonomischen Wohlstand sicherte, so ist es zu Zeiten der Globalisierung und des ökonomischen Strukturwandels die »neue und internationale Arbeitsteilung«, die einen Rückzug der Güterproduktion aus den Städten bedingt. Diese Entwicklung sorgt für einen internationalen Standortwettbewerb, in 58 59 60

64

(Löw, Steets und Stoetzer, Einführung in die Stad- und Raumsoziologie 2008, S.96) (Vgl. Löw, Steets und Stoetzer, Einführung in die Stad- und Raumsoziologie 2008, S.96) Urbanisierung meint den Zuzug in die Städte, die Verstädterung, Anm. d. Verf.


welchem Städte sich durch die Profilierung eines bestimmten Images hervortun, um die »Sichtbarkeit des Standortes weltweit [zu] kommunizieren«.61 Mit dem Rückgang der güterproduzierenden Industrie aus den Städten ist das Auf kommen und Wachsen des sogenannten »tertiären Sektors« verbunden, also »kultur-, freizeit-, haushalts- und konsumorientierte Dienste«, welche enorme Bedeutung haben für den »Städtetourismus, Hoch- und Popkultur, Unterhaltung, Hotels, Restaurants, Kongresse, Sportereignisse und Events jeder Art.« 62 Die globale Vernetzung wirkt sich auch auf den Tourismus, besonders den Städtetourismus, aus: seit den 1970er Jahren verstärkt sich dieser zunehmend. Waren es Mitte der 1980er Jahre noch rund 6%, die mindestens einmal jährlich aus touristischen Gründen eine Stadt besuchten, hatte sich diese Zahl zehn Jahre später auf 12% verdoppelt.63 Städte konkurrieren jedoch nicht nur allein um Investoren, sondern auch um Menschen. So beschrieb der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida 2002 im Rahmen einer Studie zur zukünftigen Entwicklung der amerikanischen Städte das Abhängigkeitsverhältnis der »kreativen Klasse« zur Zukunft der Städte.64 Diese bestehe aus einem Viertel oder teilweise Drittel der Gesellschaft und umfasst Kreative in der Kulturindustrie, der Wissenschaft und Technologieindustrie. Diese Gruppe wählt sich ihre Lebensorte und Arbeitsplätze maßgeblich anhand kultureller und konsumistischer Qualitäten und bedingt eine Tendenz, die Florida folgendermaßen beschreibt: »Die Verhältnisse hatten sich auf eine seltsame Art umgekehrt: Die Menschen wanderten nicht länger zu den Arbeitsplätzen, [...] die Firmen zogen an die Orte oder wurden dort gegründet, wo es qualifizierte Arbeitskräfte gab«.65

61 62 63 64 65

(Vgl. Häußermann, Läpple und Siebel 2008, S.248ff.) ebd. (Vgl. Löw, Soziologie der Städte 2008, S.120) (Vgl. Kaschuba 2011, S.19) (Florida 2004, Zit.n. Häußermann, Läpple und Siebel 2008, S.249)

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2.2. Zwei Betrachtungsweisen 2.2.1. Stadtidentität als Branding Im Zuge der Bestrebungen, die bestimmten Besonderheiten von Städten zu unterstreichen und sie somit »außenwirksam« vermarkten zu können, haben Identitätsprojekte einen großen Einfluss auf die Stadtpolitik. Städte werden gebrandet, sie sollen möglichst unterscheidbar und identifizierbar sein. Daran beteiligt sind sowohl Marketingstrategien als auch Filme, Bücher, Gemälde und Ereignisse. Städte sollen als Persönlichkeiten wahrgenommen werden, die es Bewohnern und Besuchern ermöglichen, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Ihnen wird eine Identität zugesprochen. Dies geschieht jedoch nach Martina Löw nur, wenn Städte »lesbar« sind. Sie beschreibt Branding als die »Durchsetzung einiger dominanter Lesarten einer Stadt, welche Besuchern und Einheimischen den Eindruck vermitteln, dass man die Stadt kennen kann.« 66 Sein Zweck liegt in der Anziehung von Besuchern, im Generieren von Aufmerksamkeit, doch auch in der Schaffung von Identifikationsmöglichkeiten. Laut Löw wirken sich Brandings auch auf die Personen einer Stadt aus, welche in ihr agieren – ein außenwirksames sowie auch innenwirksames Branding führe zu einer »Beimessung von zusätzlichem Wert« 67. Das Leben in einer Stadt, oder ein Besuch einer Stadt sind dann nicht nur Teilhabe an ihrer besonderen Atmosphäre und ihren Sehenswürdigkeiten, sondern Beiträge zum »sozialen und/oder kulturellen Kapital einer Person oder Personengruppe«.68 Städtische Brandings finden ihre Ausdrucksform in einem einprägsamen »Stadtbild«. Kein Städtetourismus kommt heute ohne grafische Bilder aus. Im Stadtbild findet sich eben jene Sichtbarmachung des städtischen Charakteristikums in äußerst verdichteter Form.69

2.2.2. Welchen Einfluss haben Museen auf Städte? Der Betonung des »Eigenen« und Spezifischen kommt besondere Aufmerksamkeit im Bereich der Kultur zu. »Stadtkultur« wurde ab den 1980er Jahren als Begriff in der Werbe- und Marketingsprache als ein besonderes »Surplus«, 66 67 68 69

66

(Vgl. Löw, Soziologie der Städte 2008, S.84ff.) (Löw in Bezug auf den Markenexperten David A. Aaker – in Löw, Soziologie der Städte 2008, S. 86) ebd. (Vgl. Löw, Soziologie der Städte 2008, S.140ff.)


als das »gewisse Etwas« einer Stadt bezeichnet. Das wohl berühmteste Beispiel eines Alleinstellungsmerkmals einer Stadt durch Kultur ist das Guggenheim Museum in Bilbao, welches der Industriestadt nach langjähriger ökonomischer Krise, durch den Abbau eben jener Schwerindustrie und der entsprechenden eisenverarbeitenden Fabriken einen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte und seitdem rund eine Million Touristen in die Stadt lockt.70 Der Begriff »Bilbao-Effekt«, sprich die Aufwertung eines Ortes durch Kultur, in diesem Fall durch ein Museum und dessen spektakuläre Architektur hat sich für diese Entwicklung im Sprachgebrauch etabliert. Sogenannte »kulturelle Leuchttürme« finden sich auch in Deutschland, teils auch gleich in geballter Form: die Museumsinsel in Berlin, das Museumsufer in Frankfurt am Main oder die Museumsmeile in Bonn sind einige Beispiele hierfür. Die größten aktuellen Bauprojekte dieser Art dürften hierbei die Elbphilharmonie in Hamburg und das Humboldt-Forum in Berlin darstellen.71 Die kulturellen Leuchttürme sind auch tatsächlich leuchtturmförmig, also »weithin sichtbar«. Zur »Stadtkultur« tragen auch weiterhin zahlreiche Events und Festivals bei, dies reicht von Großprojekten wie der Expo-Ausstellung oder den Olympischen Spiele, der Loveparade bis hin zum jährlichen Bachfest in Leipzig. Dresden feiert 2013 das Wagner-Festjahr, Bonn wartet jährlich mit seinem Beethoven-Fest auf, allein anhand deutscher Komponisten ließe sich diese Aufreihung noch weiter fortführen. An Events scheint es in Städten nicht zu mangeln. Hartmut Häußermann und Walter Siebel kritisieren eine solche Vorstellung von »Stadtkultur«, beziehungsweise »Urbanität« als eine »Festivalisierung der Stadtpolitik«.72 Die entsprechenden aufwändigen kulturellen Angebote und großen Bauprojekte, wie »Museumsneubauten, kostspielige Opernproduktionen und Festivals« machen »Stadtkultur« demnach zu einem weichen Standortfaktor. 70 71 72

(http://www.dw.de/bilbaos-guggenheim-continues-to-divide/a-15904659-1 2013 letzter Zugriff 10.03.2013) Der Begriff »kultureller Leuchtturm« ist nicht eindeutig erläutert, bezeichnet aber im Sprachgebrauch vieler Autoren kulturelle bauliche Prestigeprojekte. Zu finden ist er auch im sogenannten Blaubuch der Bundesregierung: http://www.bundesregierung.de/ Content/DE/Artikel/2012/10/2012-10-22-10-jahre-knk.html letzter Zugriff am 10.03.2013 (Vgl. Löw, Steets und Stoetzer, Einführung in die Stad- und Raumsoziologie 2008, S.138)

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Der Nutzen, den solche Unternehmungen bringen sollen, ist die überregionale Bekanntheit, der Versuch der Sichtbarmachung und auch die Erlangung des Prädikats der Metropole oder Weltstadt. Fraglich ist dabei der finanzielle Aufwand, welcher betrieben wird, um diese Aufmerksamkeit zu erlangen und auch die Annahme, dass jede Stadt zur Metropole werden muss, um im städtischen »Konkurrenzkampf« mithalten zu können.73 Wie finanziell desaströs sich solche Großprojekte auf die Städte auswirken können, veranschaulicht der Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Seit Baubeginn 2007 haben sich die Kosten von den vorab kalkulierten 77 Millionen Euro auf über eine halbe Milliarde Euro erhöht.74 Ein entgegengesetztes Beispiel negativer Natur in Bezug auf die »Festivalisierung der Stadtkultur« zeigt sich am Guggenheim Museum Bilbao: hier brachte der Museumsbau zwar unbestritten Prosperität durch den Tourismus, doch gleichzeitig sprechen Kritiker von der Förderung von Gentrifizierung und »Kulturimperialismus«. Die internationale Organisation »project for public spaces« formuliert in aller Deutlichkeit: »[...] the project fails miserably as a public space, missing a significant opportunity to celebrate and support the cultural and community life that is pulsating throughout the city.« Und weiterhin: »The building ignores the riverfront that gives it prominence, it ignores the comfort of the people that come to its vast public spaces, and worst of all, it ignores the very city to which it is meant to draw attention.«75 Ein weiterer Aspekt ist die Sicht der Bilbainer auf das Museum: viele erachten es primär als Sehenswürdigkeit für Touristen. »Bilbao scheint sich auch zehn [mittlerweile fast sechzehn – Anm.d.Verf.] Jahre nach der Eröffnung des Museums in seinem Selbstverständnis noch immer als eine Industriestadt zu betrachten.«76 Sowohl die »Festivalisierung der Stadt« als auch das Branding einer Stadt fokussieren meist ausschließlich auf die positiven Facetten und verbergen dabei laut 73 74 75 76

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(Interview mit Hartmut Häußermann im Deutschlandradio Kultur vom 03.08.2010 http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1239994/ letzter Zugriff am 10.03.2013) (http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/elbphilharmonie-seid-verschlungen-millionen-12014333.html letzter Zugriff am 10.03.2013) (http://www.pps.org/great_public_spaces/one?public_place_id=827# letzter Zugriff am 10.03.2013) (http://content.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/1544777_0_9223_-eine-erfolgsgeschichte-zehn-jahre-guggenheim-bilbao.html letzter Zugriff am 10.03.2013)


Löw nicht selten »das Scheitern und die Destruktion«, womit das Markenimage häufig zum Versuch einer »Überschreibung« der Strukturen einer Stadt wird.77

2.2.3. Stadtidentität als Immanenz Der Begriff der Stadtkultur erschöpft sich jedoch keinesfalls in den oben angeführten Marketingauffassungen. Der deutsche Soziologe und Volkskundler Rolf Lindner unterscheidet Stadtkultur auf dreierlei Art78: als Kultur einer Stadt, unter die er ein »empathisches Verständnis von Stadtkultur und Urbanität einordnet« und welches ausgerichtet ist an den »Tugenden des politischen Bürgers und dem Urbild der europäischen Bürgerstadt«. Eine zweite Form stellen die Kulturen in der Stadt dar, als Merkmal »großstädtischer Differenzierung und Individualisierung«, die zur Herausbildung neuer »(Berufs-)Milieus und ethnisch-kultureller Gruppierungen« führen. Drittens führt er die Kultur einer Stadt an, welche man als »Identität« oder »Stil« einer Stadt bezeichnen kann. Diese Betrachtung basiert auf der Annahme, dass Städte aus einer spezifischen Kombination von »physischer Geografie, einem speziellen Klima, einer charakteristischen Bevölkerungszusammensetzung und einer eigenen Geschichte« bestehen, die sie jeweils einzigartig machen. Dieser »Charakter« einer Stadt bildet auch die Grundlage eines Forschungsprojektes in Darmstadt.

2.2.4. Eigenlogik der Stadt Seit 2008 wird im sogenannten LOEWE-Schwerpunkt zur »Eigenlogik der Städte« an der TU Darmstadt und der Hochschule Darmstadt geforscht. Sein besonderer Ansatz besteht darin, Städte nicht nur als »Labor« oder »Untergliederung« der Gesellschaft zu betrachten, wie großenteils in der bisherigen Stadtsoziologie geschehen, sondern als eigene Untersuchungseinheit. Die Machbarkeit dieses Unterfangens findet nicht nur Zuspruch, so vertritt der bekannte Stadtforscher Hartmut Häußermann die Ansicht, man könne Prozesse in Städten untersuchen, jedoch nicht Städte selbst, dafür seien sie viel zu komplex. Martina Löw, Mitbegründerin des Forschungsschwerpunktes, argumentiert dagegen: »Wenn Menschen nicht zu komplex sind [...] und nicht zu vielfältig sind, um gruppenspezifische Muster zu isolieren, dann gibt es keinen Grund, das Projekt 77 78

(Vgl. Löw, Soziologie der Städte 2008, S.87) (Lindner 2000 Zt.n. Löw, Steets und Stoetzer, Einführung in die Stad- und Raumsoziologie 2008, S.138ff.)

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einer Soziologie der Städte nicht zu wagen.«79 Es geht hierbei um eine Untersuchung der Städte und ihrer Ortsspezifik unter Bezug auf drei Dimensionen: Zeit, Raum und Themen. Zeit und Raum lassen sich dabei getrennt kaum denken, doch verweist Zeit auf die Bezüge einer Stadt in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, während Raum stärker auf die Bezüge zur Region, Nation oder der ganzen Welt deutet. Die Dimension der Themen bezieht sich auf die »Agenda vor Ort«, also auf soziale, politische und auch »Gefühlsstrukturen«: welche Themen in einer Stadt sind relevant sind und wie mit ihnen umgegangen wird.80 »Mit Eigenlogik sind die verborgenen Strukturen der Städte als vor Ort eingespielte, zumeist stillschweigend wirksame Prozesse der Sinnkonstruktion gemeint.«81 Eine Forschung zur Eigenlogik der Städte bemüht sich um die Entschlüsselung dieser Prozesse, um bestimmte Problemstellungen in Städten besser verstehen zu können und anhand dieses Wissens angemessener in der Stadtplanung darauf reagieren zu können. »Mittels der Offenlegung der Struktur einer Stadt bzw. mehrerer Städte eines Typus und dem Nachweis der Reproduktionsgesetzlichkeit dieser Strukturen können Strategien entwickelt werden, die Potenziale von Städten zu stärken und neue Handlungsoptionen aufzuzeigen. Wenn jene Städte, die sich in einer prekären sozialen Position befinden, dieses Mittel wählen, kann das Wissen dazu beitragen, soziale Ungleichheit zu mildern.«82

3. Stadtidentität und Stadtmuseum Die Stadt hat sich seit der Gründungszeit der meisten Stadtmuseen Ende des 19. Jahrhunderts sehr verändert. Die Idee der europäischen Stadt wird heute in Anbetracht von Globalisierung, »Zersiedelung« und Privatisierung des öffentlichen Raumes zur Utopie erklärt.83 Während stadtbürgerliche Tugenden damals aus »Bodenständigkeit und Anciennität« bestanden, sind es heute eher »Mobilität 79 80 81 82 83

70

(Vgl. Löw, Soziologie der Städte 2008, S.23) (Terizakis 2011, S.16) (Löw, Soziologie der Städte 2008, S19) (Löw, Soziologie der Städte 2008, S.139) (Vgl. Löw, Steets und Stoetzer, Einführung in die Stad- und Raumsoziologie 2008, S.139)


und Identifikationsbereitschaft«.84 Der deutsche Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba plädiert für eine Deutung von heutigen Städten als Orte der Fremden im Sinne von Simmel und fasst Städte per se als migrantische Produkte auf, was in Bezug auf Stadtmuseen zur Selbstreflexion führen sollte, wen diese repräsentieren wollen.85 In einer pluralisierten Gesellschaft stellt sich dabei die Frage, inwiefern eine lokale Geschichtsschreibung der »Hiesigen und Einheimischen« der Identität einer heutigen Stadt entspricht. Gewiss spielen Stadtmuseen, sowie alle Museen einer Stadt auch für das städtische Branding, beziehungsweise die damit beabsichtigte »Außenwahrnehmung« einer Stadt eine Rolle, doch liegt deren Position meist hinter den großen und weltbekannten kulturhistorischen oder Kunstmuseen, wie Richard Stratenschulte vom Dresdner Stadtmuseum beschreibt.86 In den Stadtmuseen in Frankfurt am Main, Köln und Hamburg wünscht man sich auch eine engere Zusammenarbeit mit den jeweiligen städtischen Tourismusgesellschaften.87 In Anbetracht der Eigenlogik der Städte spielen Museen und besonders die Stadtmuseen eine bedeutende Rolle, denn sie sind in höchstem Maße ortsspezifisch. Somit stellen sie in verdichteter Form die Verkörperung des Eigenen dar, welches die Differenzmarkierung zu anderen Städten bildet. Sie bedienen somit nach Korff eine »Evidenzsehnsucht«.88 Das Stadtmuseum kann den Raum bieten, um stadtplanerische und Stadtentwicklungskonzepte zu vermitteln und in Kontakt mit den Bürgern zu treten, nicht nur nach Baubeginn oder nach der Vollendung städtebaulicher Projekte. Was Friedrich von Borries, Professor für Designtheorie an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg zur Eroberung des öffentlichen Raumes durch Markeninszenierungen - wie Events, die das Markenerlebnis fördern - kritisch anmerkt, hat auch Relevanz für das Stadtmuseum: »Die Herausforderung an 84 85 86 87 88

(Vgl. Kaschuba 2011, S.20) (Kaschuba 2011, S.22) (Vgl. Anhang: Interview I) (Vgl. Anhang: Interview II, Interview III, Interview IV) (Korff, Die Dynamisierung des Stillgelegten 2011, S.76)

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die Stadt von heute ist, wie sie dem Bedürfnis nach Erlebnis entgegenkommt, ohne sich in die Hand kommerzieller Interessen zu begeben. Wichtig ist deshalb, Möglichkeiten für die Eigeninitiativen der Bürger zu schaffen - Räume für eigene, selbstbestimmte Inszenierungen zuzulassen. Natürlich wird es dabei auch zu Interessenkonflikten kommen, die dann wieder im Stadtraum ausgehandelt werden müssen. Denn die Stadt gehört uns allen und nicht nur denen, die sie mit ihrem Geld bespielen können.«89 Auch Stadtmuseen können der Erlebnisorientierung der Gesellschaft nicht unbeteiligt gegenüber stehen. Sie haben das große Potential, genau diesen nicht kommerziellen Raum für Initiativen der Bürger bieten zu können. Städte sind Orte der Disparität, Heterogenität und Vielfalt und somit bedürfen sie Einrichtungen der Selbstvergewisserung und des Diskurses, in denen Differenzen und Diversitäten erschlossen und interpretiert werden können. Korff schlägt vor, das Stadtmuseum als ein »Global Positioning System« fungieren zu lassen, also als einen Ort, der die Reflexion des Eigenen, des Lokalen im Verhältnis zum Anderen, zum Globalen, zum Fremden ermöglicht und fördert. Die Rolle der Stadtmuseen als »Verhandlungsorte lokaler Identität«90 wird an Bedeutung immer stärker zunehmen, sowie auch deren Beitrag zu einer gelingenden Integration. Der letzte Satz in Stadtpolitik lautet: »Die Anerkennung der multikulturellen Realität ist ein Gebot urbaner Kultur und ökonomischer Entwicklung.«91 Betrachtet man die großen Bauprojekte zu Stadtmuseen in Deutschland, besonders die Neugründung eines Stadtmuseums in Stuttgart oder den Neu- und Umbau des Historischen Museums in Frankfurt am Main, fällt auf, dass sich besonders die Städte bei der Entwicklung neuer Formate hervortun, die den deutschlandweit höchsten Anteil an Bürgern mit Migrationshintergrund - in Frankfurt 43%, dicht gefolgt von Stuttgart mit 38%92 - aufweisen.

89 90 91 92

72

(brand eins 10/2009 – SCHWERPUNKT STADT http://www.brandeins.de/ magazin/-0dc712abb3/retortenwelt.html letzter Zugriff am 3. März 2013) (Kaschuba 2011, S.21) (Häußermann, Läpple und Siebel 2008, S.373) (http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/148820/migrantenanteil-in-deutschen-grossstaedten-waechst letzter Zugriff am 4. März 2013)


III. 74


III. Résumé Ich möchte mich in meinem Ausblick für das Stadtmuseum der Zukunft Gottfried Korff anschließen, welcher hierfür die Bezeichnung als Ort des Zusammentreffens von »Erbe und Entwurf«93 verwendet. Das Stadtmuseum sollte nicht nur Identitätsofferten machen, die sich Besucher aneignen können, sondern auf den Dialog mit den Besuchern und Nichtbesuchern setzen, es sollte auch befragen und verunsichern und auf die Rekonstruktion der Geschichten, die es erzählt, verweisen. Stadtmuseen können des Weiteren Orte einer Gegenkultur zur Erlebniswelt und Eventkultur sein, in denen Entschleunigung und Ruhe, sowie »mediale Entschlackung«94 die Alternativerfahrung zu einer beschleunigten Welt und der Dynamik der Stadt darstellen. Das Stadtmuseum hat das Potential auf kommunaler Ebene den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, indem es Bedingungen der Begegnung schafft, indem es zum Diskurs über aktuelle gesellschaftliche Probleme und auch über mögliche Zukunftsentwürfe einlädt, aber auch ein Ort der Selbstvergewisserung in einer pluralisierten Gesellschaft ist. In Kapitel II.2.2.2. wurde die Frage aufgeworfen, welchen Einfluss Museen auf Städte haben. Eine äußerst wichtige zukünftige Aufgabe der Stadtmuseen besteht in der Beantwortung der Frage, welchen Einfluss die Stadt und ihre Bewohner auf die Stadtmuseen haben. In meiner Bachelor Final Thesis möchte ich auf bauend auf den Erkenntnissen aus dieser Arbeit ein Ausstellungskonzept für temporäre Ausstellungen für das Kölnische Stadtmuseum erarbeiten, welches sowohl das Stadtmuseum als Ort der forensischen Kommunikation berücksichtigt, als auch partizipaitve Ansätze einbezieht.

93 94

(Korff, Die Dynamisierung des Stillgelegten 2011, S.80) (Vgl. Häusler 2011, S.62)

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Anhang

Interviewleitfragen 1. Worin bestehen die Hauptaufgaben des Museums? 2. Wer ist in Ihrem Hause verantwortlich dafür, was gesammelt wird? 3. Gibt es für die Sammlung von Objekten für das Stadtmuseum bestimmte Strategien (wie bspw. Sammlungsrichtlinien)? 4. Wir befinden uns in einem Stadtmuseum. Das Prinzip »Stadt« ist ja auch Gegenstand von Stadtforschung, wie beispielsweise Stadtsoziologie, Stadtplanung und weitere Bereiche. Steht die Arbeit des Stadtmuseums in einem Verhältnis zur Stadtforschung, gibt es da Verbindungen? 5. Eine Stadt steht nicht still, sie ist immer im Wandel. Wie gelingt es, das Prozesshafte einer Stadt in einem Museum wiederzugeben? 6. Wie relevant ist die Verbindung von Geschichte und gegenwärtigen gesellschaftlich bedeutenden Themen im Museum? 7. Was macht die Ausstellung aus: Sind es die Objekte, die gezeigt werden, oder die Geschichten, die mit ihnen verbunden sind? 8. Wie ist das Verhältnis von Informationsvermittlung und Unterhaltung beim Museumsbesuch? 9. Wer entscheidet, was im Museum ausgestellt wird? 10. Und wer ist alles beteiligt an der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung? 11. Wird die Dauerausstellung aktualisiert? Wenn ja, wie oft? 12. An wen richtet sich die Arbeit des Museums? 13. Das Stadtmuseum zieht ja ein sehr breitgefächertes Publikum an. Wie schafft man es, dieses anzusprechen? 14. Wie ist das Verhältnis des Stadtmuseums in Bezug auf Besucherforschung, bzw. Ausstellungsevaluation? 15. Welche Rolle spielt die Beteiligung der Bürger der Stadt an der Ausstellung oder der Arbeit des Museums? 16. Finden museumspädagogische Programme auch außerhalb der Räumlichkeiten des Museums statt? 17. Die Vermarktung von Städten erfährt heute großen Zuspruch durch die

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Stadtpolitik. Städte bemühen sich um die Schaffung eines bestimmten Images und geben große Summen für entsprechende Werbekampagnen und Slogans wie „Be Berlin“ oder „München mag Dich“ aus. Wie ist da das Verhältnis des Stadtmuseums zur eigenen Stadtidentität, bzw. deren Vermarktung? 18. Wer ist der oder sind die Träger des Museums? 19. Wie relevant sind hohe Besucherzahlen für das Stadtmuseum? 20. Reichen die bereitgestellten finanziellen Mittel zur Realisation aller Projekte aus?

Transkriptionen der Interviews Interview I: Stadtmuseum Dresden Gesprächspartner: Richard Stratenschulte, M.A., M.A., zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Museumsmarketing Datum: 25. Januar 2013 Abkürzungen: Richard Stratenschulte (RS); Nicole Höhna (NH)

Interview II: Historisches Museum Frankfurt am Main Gesprächspartnerin: Susanne Gesser, Kuratorin im Leitungsteam des Historischen Museums, Leiterin des Kindermuseums Datum: 1. Februar 2013 Abkürzungen: Susanne Gesser (SG); Nicole Höhna (NH)

Interview III: Kölnisches Stadtmuseum Gesprächspartner: Dr. Wibke Becker, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Museumsmarketing und Sascha Pries, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Datum: 5. Februar 2013 Abkürzungen: Wibke Becker (WB); Sascha Pries (SP); Nicole Höhna (NH)

Interview IV: Hamburgmuseum Gesprächspartnerinnen: Bettina Beermann, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Museumsmarketing und Martina Fritz, Volontärin Datum: 13. Februar 2013 Abkürzungen: Bettina Beermann (BB); Martina Fritz (MF); Nicole Höhna (NH)

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S TA DT M US EU M D R E S D EN /// Transkription des Interviews

NH: Auf geht es. Herr Stratenschulte, worin bestehen die Hauptaufgaben des Dresdner Stadtmuseums? RS: Die Hauptaufgaben sehe ich erst einmal tatsächlich auch ähm hier in der Region, in der Stadt. Ähm, es ist ein typisches Stadtmuseum und insofern auch eingerichtet und zunächst einmal ähm für die Vermittlung von Geschichte und Kultur für die Dresdner, für die Menschen hier vor Ort. Ich denke da liegt auch ein großer Schwerpunkt ähm Gäste kommen natürlich auch ins Museum, also auswärtige Gäste, das ist ganz klar, auch für die ist das Haus gemacht. Wer nach Dresden kommt, schaut sich zunächst hier doch einmal die ganz ganz großen Dinge an, die auch, naja ich würde sagen weltbekannt sind, wie Sixtinische Madonna, ähm das Schloss mit seinen Besonderheiten, ähm das Grüne Gewölbe, Zwinger, ja, und dann kommt das Stadtmuseum mit seiner Geschichte. Das Stadtmuseum ist wirklich etwas für ähm Menschen, wenn sie von außerhalb kommen, die schon ein besonderes Interesse an der Geschichte der Stadt haben. NH: Wer ist in Ihrem Hause dafür verantwortlich, was gesammelt wird? RS: Ähm es ist eine kleine Runde, die darüber entscheidet, was in die Sammlung aufgenommen wird. Es gibt ähm zur Struktur des Museums, vielleicht für Sie ganz interessant, a eine Direktorin, die das Haus führt, dann hat diese Direktorin zwei Kuratoren, drei Kuratoren im Augenblick, ähm die jeweils für einen Bereich der Sammlung verantwortlich sind und es gibt noch ähm Depotverwalter. Und im Rahmen dieser Runde wird also immer gemeinschaftlich diskutiert und entschieden, was in die Sammlung aufgenommen wird und was nicht. NH: Ähm gibt es für die Sammlung von Objekten für das Stadtmuseum bestimmte Strategien, bestimme Sammlungsrichtlinien? RS: Richtlinien gibt es nicht, die allgemein verbindlich sind, aber es gibt große Lücken, es gibt einen großen Bedarf, denn ähm durch den Zweiten

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Weltkrieg sind natürlich auch starke Verluste zu verzeichnen. Äh insofern sind wir stark bemüht diese Verluste auszugleichen und äh mit Blick auf die weiteren Museen, die zum Verbund Museen der Stadt Dresden zugehören auch ähm, wie kann ich das jetzt am besten beschreiben, ähm sehr zielgerichtet zu sammeln. Wenn uns also technische Dinge angeboten werden, haben wir die Möglichkeit zu sagen, ähm das Werk interessiert uns, wir würden es gern aufnehmen, aber, jetzt ein wunderschönes Aber, kein widersprechendes, wir haben ein Technisches Museum bei uns im Museumsverbund und da würden wir vielleicht empfehlen, dem Kollegen dort, dieses Stück aufzunehmen, denn wir wüssten, es bliebe bei uns in der Sammlung, in der städtischen Sammlung, aber in der Verwaltung von einem Museum, dass sich speziell mit technischen Dingen befasst. Also wir haben den großen Vorteil im Museumsverbund zu arbeiten und im Museumsverbund auch wiederum auf Dinge zugreifen zu können, sodass wir, glaube ich in vielerlei Hinsicht, Dinge sammeln können, die manch anderes Stadtmuseum tatsächlich zurückweisen muss, weil das Depot, weil die Sammlung einfach Grenzen hat. Und wenn es physische Grenzen sind, ja. Da können wir glaube ich ein wenig offener sein. NH: Ahm, wir befinden uns ja in einem Stadtmuseum. RS: Hm, ja. NH: Das Prinzip »Stadt« ist auch Gegenstand von Stadtforschung, wie beispielsweise Stadtsoziologie, Stadtplanung und weiteren Bereichen. Steht die Arbeit des Stadtmuseums Dresden in einem Verhältnis zu Stadtforschung, gibt es da Verbindungen? RS: Zur Stadtforschung ähm ich wüsste jetzt nicht konkret zu sagen, wann wir das letzte Mal zusammen mit Stadtentwicklern zusammengesessen haben. Ähm das Stadtmuseum Dresden ist ja ein städtisches, ein kommunales Museum. Stadtentwicklung oder überhaupt das Leben der Stadt ähm findet sich in vielerlei Hinsicht ähm sehr wohl verzahnt miteinander wieder. Ein ganz einfaches Beispiel: Dresden, 13. Februar. Dresden wurde zerstört am 13. Februar ‘45. Wir haben äh jedes Jahr im Februar Demonstrationen von Rechtsradikalen


S TA DT M US EU M D R E S D EN /// Transkription des Interviews

in der Stadt und gleichzeitig versucht die Stadt sich dort auch zu positionieren, in Köln kennen Sie das auch und Position zu beziehen. Gleichzeitig hat zum Beispiel die Polizeidirektion die Schwierigkeit ähm wie geht sie damit um, wie hält sie beide Gruppen auseinander um tatsächlich gewalttätige Konflikte zu vermeiden. Gleichzeitig ist sie aber auch wiederum gezwungen ähm den rechten Demonstranten irgendeinen Ort zu geben, ja, ähm wo die Veranstaltung durchgeführt werden kann. Dort ist es zum Beispiel so, dass ähm die Polizeidirektion sehr wohl auf uns zukommt und mit uns spricht und sagt, es gibt folgende Überlegungen die Gruppe da und dort hinzubringen - spricht historisch irgend etwas dagegen, ja ähm gibt es da ein Potential, dass wir jetzt nicht berücksichtigt haben, also führen wir sie möglicherweise in ein Gebiet wo sie sich sehr wohl fühlen könnten, weil es dort historische Bezüge gibt, die wir vielleicht nicht im Blick haben, also insofern wird das Stadtmuseum sehr sehr aktiv in vielerlei Dinge miteinbezogen. Gleichzeitig ähm finden hier im Haus sehr sehr viele Diskussionen statt, also wenn ähm die Stadt neue Projekte plant - Waldschlösschenbrücke - was ja auch ein starkes Thema war in Dresden, dann war das Stadtmuseum der Ort, wo das öffentlich diskutiert wurde, ja. Wir zeigen zum oder wir haben auch jetzt im Bestand, haben Sie möglicherweise oben gesehen, ein Modell der Waldschlösschenbrücke. Das Modell war also schon vor Fertigstellung der Brücke hier bei uns im Haus als Teil der Sammlung. Also das Museum ist da schon tatsächlich ein Ort der Vermittlung, ein Ort der Diskussion, wo die Stadt auch tatsächlich auf uns zukommt und sagt: ok wir nutzen die Möglichkeiten, die wir hier haben, denn das Haus liegt, wie Sie sehen auch ganz zentral mitten in der Stadt also es bietet sich für Veranstaltungen dieser Art auch an. Wir nutzen diese Verzahnung ähm nicht nur hier im Museum, sondern zum Beispiel auch im Bereich des Technischen Museums im Bereich der technischen Sammlungen. Wir zeigen dort derzeit eine Ausstellung zur Industriearchitektur in Dresden. Gleichzeitig soll hier in Dresden ein ehemaliges Kraftwerk für ähm ein kulturelles Zentrum ähm umgebaut werden oder zu einem kulturellen Zentrum umgebaut werden. Dort gab

es vielerlei vielerlei Diskussionen und natürlich auch ein großes Interesse von Seiten der Kultur. Im Rahmen des Begleitprogrammes unserer Ausstellung zur Industriefotografie äh haben wir eine Diskussionsveranstaltung durchgeführt zum Thema Kulturkraftwerk, wo gehts hin. Also insofern findet sich diese Verzahnung immer wieder. NH: Die oder eine Stadt steht nicht still. Sie ist immer im Wandel und wie gelingt es, das Prozesshafte einer Stadt in einem Stadtmuseum wiederzugeben? RS: Zum Beispiel in dem wir einen Raum haben, der sich mit der Stadtentwicklung, mit Stadtmodellen befasst. Das ist im vierten Obergeschoss ein Raum, wo zum Beispiel, ich hatte es gerade gesagt, die Waldschlösschen zu sehen ist, wo andere Modelle, das Quartier QF, Quartier F, Quartier Frauenkirche zu sehen ist. Das sind ähm Projekte, die realisiert worden sind. Gleichzeitig zeigen wir dort aber auch Projekte, die nicht realisiert worden, denn es wurde mal eine Kunsthalle geplant hier in Dresden, ein Projekt, dass auf großen Widerstand gestoßen ist und es wurde nicht realisiert. Das Modell ist derzeit, wenn ichs richtig erinnere, in New York zu sehen auf einer Ausstellung, es kommt von dort aber wieder zu uns zurück. Äh ein weiteres Beispiel: Es sollte hier in unmittelbarer Nähe das Gewandhaus wieder aufgebaut werden und auch dort gab es einen großen Architekturwettbewerb und die Modelle des Architekturwettbewerbes konnten bei uns gezeigt werden, sodass wir also viele Besucher hatten, die zu uns gekommen sind um die aktuelle Stadtentwicklung anhand der diskutierten Modelle zu sehen, kennenzulernen, und auch das Gewandhausmodellwird, äh das Gewandhaus wird nicht wieder gebaut werden. Die Diskussionen haben hier im Haus stattgefunden. Dann, ein weiteres Beispiel ist der Umbau des Kulturpalastes, zentral am Altmarkt gelegen und äh für die Dresdner ein sehr wichtiges Gebäude mit großer Identität für sie verbunden und ähm es soll ein neuer Konzertsaal gebaut werden und auch dort wurden die Vorschläge zur Neugestaltung des Konzertsaales bei uns hier im Haus gezeigt und hier diskutiert also insofern sind wir immer wieder ein Ort, der mit der Stadt lebt und wo wir auch Wandlungen präsentieren. Wandlun-

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gen, die nicht unbedingt gleich sichtbar werden in der ständigen Ausstellung denn ähm verändert man nur einen kleinen Teil der ständigen Ausstellung, so ist man eigentlich gezwungen das Gesamtkonzept wiederum zu verändern. Insofern äh gibt es doch einen größeren sicheren Bestand mit Blick auf die ständige Ausstellung, aber Möglichkeiten, die Stadtentwicklung hier immer reflektiert zu wissen. NH: Wie relevant ist die Verbindung von Geschichte und gegenwärtigen gesellschaftlich bedeutenden Themen im Museum? Das hatten Sie ja bereits angesprochen. RS: Ja, wenn das für Sie ausreichend ist, ja. NH: Ja, also ich fand das schon… RS: Ja, ja wir beteiligen uns auch jetzt also an ähm ah an einem, wie kann ich das jetzt korrekt sagen, mir fehlt der korrekte Name dafür. Es ist ein Aktionsbündnis, so würde ichs jetzt beschreiben, Aktionsbündnis 13. Februar, also äh verschiedene Institutionen in Dresden haben sich zusammengeschlossen um sich dort zu positionieren und auch wir schließen uns dort an, sind Teil dieser Aktion und bieten also im Rahmen dieses Aktionsbündnisses auch verschiedene Veranstaltungen an. Also wir werden Gäste hier im Haus begrüßen und sie zum Thema 13. Februar dann durch die Ausstellung führen. Insofern sind wir auch dort wieder eingebunden. NH: Was macht die Ausstellung aus: Sind es die Objekte, die gezeigt werden, oder die Geschichten, die mit ihnen verbunden sind? RS: Ein Museum lebt natürlich von den ähm ganz besonderen Objekten, sofern man sie haben kann. Das kann eine Sixtinische Madonna sein, oder andere Dinge, die wir vielleicht aus anderen Museen kennen. Stadtmuseen haben in der Regel nicht diese spektakulären Objekte. Wir zeigen häufig Dinge, die ganz unscheinbar daherkommen, hier im Haus sind es beispielsweise Latrinenfunde. Das können kleinste Teile sein, Samen sein, die wir dort gefunden haben und wir erzählen jetzt anhand dieser Latrinenfunde zum Beispiel die Lebensweise der Dresdner im Mittelalter. Wir können also anhand

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von kleinen, kleinsten, unbedeutenden Stücken wunderbare Geschichten erzählen und insofern sind es die Geschichten, die wiederum das lebendig werden lassen, was eine Stadt ausmacht. Ich könnte jetzt gleich zu verschiedensten Modellen die spannendsten oder zu verschiedensten Objekten die spannendsten Geschichten erzählen äh, die damit verbunden sind und äh ich glaube, es ist auch das, was Menschen dann wiederum erstaunen lässt, was zum Beispiel auch ne Briefmarke für eine spannende Geschichte erzählen kann. NH: Wie ist das Verhältnis von Informationsvermittlung und Unterhaltung beim Museumsbesuch im Stadtmuseum? RS: Wir hoffen natürlich, dass wir unsere Informationen sehr unterhaltsam vermitteln. Ähm reine Information, Fakten, ich glaube das ist sehr sehr langweilig und führt heute keinen Menschen mehr ins Museum oder nur wenige Menschen ins Museum. Insofern versuchen wir tatsächlich auch anschaulich etwas zu vermitteln, wir versuchen Menschen neugierig zu machen. Wir versuchen das hier und ich will es an einem anderen Beispiel erläutern, was unsere Haltung vielleicht auch in Teilen auch besonders sichtbar macht. Wir haben in den technischen Sammlungen einen Ausstellungsbereich, der sich mit dem Thema Mathematik befasst. Wir erklären dort die Komp…, ehm, wir zeigen dort, zeigen ist ganz wichtig, anhand von Modellen die kompliziertesten mathematischen Zusammenhänge. Wir erklären nichts. Das ganz bewusst. Wir wollen, dass die Menschen fasziniert sind von den Dingen, die sie vorfinden, damit spielen, damit umgehen und Fragen mitnehmen. Ich nehme dieses Beispiel nur, um zu erläutern, dass wir, ehm, oder wie weit man gehen kann, ja. Insofern wollen wir auch hier zunächst einmal Menschen faszinieren, sie mitnehmen, sie nicht mit Fakten überhäufen und sie dann gehen lassen, dann bleibt nichts übrig. Es ist schön, wenn Fragen mitgenommen werden und im Grunde die Menschen ja von sich aus wiederkommen oder auch vor Ort weiterschauen und äh die Fragen sie weitertragen, ich glaube dann haben wir alles richtig gemacht. Alle Fakten kann man sowieso nicht in ausführli-


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cher Weise zu einem Objekt bringen. Das ist ja auch die Offenheit eines Objektes und die soll gegeben sein, wenn wir das vermitteln können, dann habens wirs glaube ich richtig gemacht. NH: Kommen wir zu Aspekten der Ausstellung. Wer entscheidet, was im Museum, sowohl in der ständigen Sammlung als auch in der Sonderausstellung ausgestellt wird? RS: Also mit Blick auf die ständige Ausstellung, hm da ist es natürlich ganz klar, gibt es Dinge, wenn wir jetzt neue Objekte angeboten bekommen, die die ständige Ausstellung wirklich ergänzen, dann sorgen wir natürlich auch dafür, dass diese Dinge in die ständige Ausstellung integriert werden. Wenn wir Dinge bekommen, die für uns von Bedeutung sind, wie zum Beispiel hier gegenüber in der Vitrine. Wir sitzen im Museumscafé, hier gegenüber steht eine Vitrine, eine Glasvitrine mit Objekten von einem Dirigenten, einem Dresdner Dirigenten Ernst von Schuch. Er feiert im nächsten Jahr, feiern ist gut, äh er hätte seinen hundertsten Todestag, er ist 1913 verstorben. Wir haben diese Dinge und viel viel mehr als in der Vitrine zu sehen sind von der Familienstiftung geschenkt bekommen und wir werden im nächsten Jahr eine Sonderausstellung zu von Schuch zeigen. Wir haben keine Möglichkeit, diese Dinge in der ständigen Ausstellung zu zeigen, haben aber mit der Schenkung die Öffentlichkeit informiert und wir zeigen diese Dinge jetzt hier im Museumscafé und sagen: das ist jetzt Teil unserer Sammlung und wir werden im nächsten Jahr eine Sonderausstellung zeigen, ja. Also das ist schon da, das ist dann auch präsent. Das versuchen wir immer zu machen, wenn es irgendwie geht. Also Schenkungen, etwas, dass neu ins Haus kommt den Besuchern zu vermitteln auch wenn es nicht gleich integriert werden kann in Ausstellungen. So und was zeigen wir, wer entscheidet es, das sind wiederum die ganz wichtigen Diskussionen in der Dienstberatung der äh des Stadtmuseums Dresden, wo tatsächlich die Kollegen diskutieren, was nehmen wir auf, was kommt rein und was zeigen wir auch. Auch im Rahmen von Ausstellungskonzepten, das ist ja auch ganz ganz wichtig. Also wenn wir Sonderausstellungen schrei-

ben, wird natürlich zunächst ein Konzept geschrieben und dann gekuckt, was ist möglich, was können wir aus eigenem Bestand ähm dazu beitragen, was muss eingeliehen werden und dann findet immer ein Abgleich statt. Und das wird wirklich dann stark und auch kontrovers diskutiert. NH: Sie haben es auch schon angesprochen: Und wer ist alles beteiligt an der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung? RS: Ja, es gibt in, äh zu den Sonderausstellungen in der Regel einen Verantwortlichen. Ähm wir haben zum Beispiel in der nächsten Weihnachtszeit eine Ausstellung, die von zwei Kuratoren betreut wird, die sich das dann auch fachlich teilen. Der eine konzentriert sich stärker auf den industriegeschichtlichen Teil und die Kollegin stärker auf den volkskundlichen Teil. NH: Hmm ja. Auch das ein Punkt, der schon erwähnt wurde, Wird die Dauerausstellung aktualisiert? Wenn ja, wie häufig oder welchen zeitlichen Abständen? RS: Ja, hm, also wir bemühen uns schon darum, ich hatte ja schon verschiedene Dinge angesprochen. Eines meiner Lieblingsobjekte würde ich noch erwähnen, und zwar haben wir im vierten Obergeschoss ein Objekt, dass wir »Kosmos der Erinnerungen« nennen. Es ist für mich eines der wunderbarsten Stücke, das wir hier im Museum haben, es sind drei Tische mit Videoprojektionen und diese drei Tische sind interaktiv. Man kann Interviews aufrufen. Diese Interviews sind gemacht worden mit Dresdnern, jungen Dresdnern, älteren Dresdnern, sodass wir also Zeitzeugeninterviews haben, die Bezug nehmen auf die Dreißiger Jahre, den Nationalsozialismus, oder auch auf die Wendezeit und die Zeit danach und dieses Projekt ist ein offenes Projekt, das heißt ähm wir führen auch jetzt noch jährlich weitere Interviews durch und wir ergänzen unseren Kosmos der Erinnerungen dann auch regelmäßig mit neuen Interviews, sodass das ein offenes Projekt ist und das finde ich einfach sehr sehr spannend.

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NH: Ähm, auch das ein Punkt, er schon erwähnt wurde, an wen richtet sich die Arbeit des Dresdner Stadtmuseums? RS: Ja, Dresdner hatte ich gesagt, ja natürlich jeden Alters. Auf der einen Seite wollen wir natürlich Dresdner Geschichte speziell an Schülerinnen und Schüler vermitteln, also an die jungen Leute, die hier aufwachsen, ja und ähm es gibt eine unheimlich große Identifikation mit der Stadt. Ich glaube, das ist selten so stark wie hier in Dresden. Ähm, man findet das bei jungen Leuten, man findet es aber auch bei vielen Ortchronisten, bei vielen äh ähm oder bei dem Geschichtsverein hier in Dresden zum Beispiel, der eine wunderbare Reihe herausgibt, die Dresdner Hefte, da schauen Sie später noch mal bei uns im Museumsshop. Das ist eine einzigartige Reihe, es gibt mehr als hundert Hefte bisher, vier erscheinen im Jahr und das ist Geschichtsschreibung auf ähm höchstem wissenschaftlichen Niveau. Das sind also keine Ortschronisten, keine Hobbyhistoriker, die dort schreiben, sondern gestandene Wissenschaftler und dieses Heft wird in ähm, ich glaube in ner 5000er Auflage, ich müsste auch da nochmal schauen, falls Sie die Zahl weiterverwenden wollen, ähm gedruckt. Das ist erstaunlich, das geht, das wird verkauft und ähm hier in Dresden eben auch ganz intensiv gelesen. Gleichzeitig gibt es mit Blick auf die Geschichte, die Geschichtsinteressierten hier auch viele ähm äh Ortchronisten hatte ich sie genannt, äh Stadtteilhistoriker, Stadthistoriker würde ich sie nennen, die sich einem Spezialthema in der Regel widmen und äh morgen findet das 18. Dresdner Stadtteil oder Stadtkolloqium hier im Haus statt zum Thema »Feste feste feiern«. Die Feste stehen also im Zentrum dieses Kolloqiums und den ganzen Tag werden also unterschiedlichste Vorträge zu hören sein zum Thema Feste in Dresden. Also auch die gehören natürlich zum Haus und auch die werden von einem Kollegen hier im Haus wissenschaftlich begleitet. Also da versuchen wir schon, denjenigen die zu uns ins Haus kommen auch Hilfestellung zu geben, sodass man den Gästen, den Zuhörern auch sagen kann »Was ihr da zu hören bekommt, dass ist fundiert, das wird gut vorgetragen, das hat Hand und Fuß, das ist gut bebildert«. Also das ist

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das eine, dann gibt es ähm eine Publikation, eine weitere Publikation, das Dresdner Geschichtsbuch, dort sind wir, ich muss schauen, jetzt bei Band 16 oder 17, das erscheint jährlich und es ist eine stattliche Publikation und auch die wird hier durchs Haus betreut jedes Jahr mit Spezialthemen, ähm im letztes Jahr warens unter anderem die Clubs in der ehemaligen DDR. Also wo sind junge Leute hingegangen, ja welche Clubs gab es, wo hat man Musik gehört, wo ist man zum Tanzen und zum Biertrinken, wie auch immer hingegangen. Ja. Beispielhaft jetzt. Ein Thema. NH: Auch eine Frage, auf die Sie im Grunde schon aus meiner Sicht sehr gut und interessant eingegangen sind. Das Stadtmuseum zieht ja ein sehr breitgefächertes Publikum an. Wie schafft man es, dieses anzusprechen? RS: Ja, also wir nutzen tatsächlich die unterschiedlichsten Wege. Für uns zunächst ist zunächst einmal wichtig, ähm Menschen für uns zu begeistern, denn es gibt keine bessere Werbung als die Empfehlung. Also ein Marketingfachmann oder -mensch würde vom Empfehlungsmarketing sprechen und sagen, dass ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir hier Ausstellungen haben und Gäste empfehlen uns weiter, dann haben wir alles richtig gemacht, dann könnten wir das, was dadurch auch, was wir dadurch zurück bekommen im Grunde nicht durch Werbung irgendwie finanzieren, das ist so kostbar, ja, so wichtig für uns und wir wissen, dass im Grunde hm na ich würd sagen 20, 25, in Teilen bis zu 30% aufgrund von Empfehlungen ähm zu uns ins Haus kommen. Das ist wirklich ganz ganz wichtig. Dann ähm gibt es a: natürlich zu jeder Sonderausstellung auch zur ständigen Ausstellung, es gibt Flyer, die wir verteilen, wir verteilen sie an mehr als hundert Stellen hier in der Stadt, regelmäßig. Dann natürlich, dass kennt jeder, die Tourismuszentralen, die uns auch empfehlen. Wir wissen, dass die Empfehlung auch von dort aus funktioniert, durch die Umfragen, die wir in den Sonderausstellungen machen. Auch jetzt laufen derzeit zwei Umfragen in den Sonderausstellungen, sodass wir dort einen Rücklauf haben. Hm, wir werden auch empfohlen durch die Stadtführer, wir laden auch die Stadt-


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führer regelmäßig zu allen Sonderausstellungseröffnungen ein. Gleichzeitig versuchen wir Stadtführer, jetzt gerade in den Wintermonaten zu schulen, wir laden sie also immer wieder ein, zu uns zu kommen und uns bei einem Rundgang zu begleiten. Eben auch zu Sonderausstellungen, ganz speziellen Rundgängen. Dresden Markt, nee Dresden Tourismus, also die Stelle im Tourismusbereich, die an den Endkunden vermittelt, die schulen wir auch. Wir waren also vor Ort, haben sie geschult, informiert über was das, was wir haben und wir schulen sie auch regelmäßig durch Führungen hier bei uns im Haus. Gleichzeitig sind wir so verblieben, ahm es gibt, das ist ganz wichtig für Sie, ich weiß nicht, wie es in Köln gemacht wird, wir haben im Bereich der Dresden Tourismus eine eigene Museumswand. Auf dieser Wand sind sämtliche Dresdner Museen oder könnten, sofern sie denn Material zur Verfügung stellen, sämtliche Dresdner Museen vertreten sein und sobald unsere Flyer dort aus sind, kriegen wir einen Anruf, das funktioniert wirklich gut und wir liefern neue Flyer dorthin. Die werden also sehr gut mitgenommen, sodass wir die Auflage tatsächlich auch erhöhen mussten, nachdem wir dort diese Flyerwand zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Wir haben neben den Flyern die speziell zu Sonderausstellungen oder auch zum Haus erstellt werden, haben wir die Möglichkeit auf die Veranstaltungen und Ausstellungen des Stadtmuseums hinzuweisen in unserem Quartalsprogramm. Ich hatte gesagt, das Stadtmuseum gehört zum Verbund der Museen der Stadt Dresden und vierteljährlich geben wir ein Quartalsprogramm raus. Auch das wird breit gestreut und verteilt und auch dort ist alles noch einmal wiederzufinden. Also ganz komprimiert. Gleichzeitig pflegen wir einen Newsletter, der geht wöchentlich, wirklich wöchentlich an 5000 Adressen. Wir machen es wöchentlich für den Museumsverbund, weil wir dann die aktuellsten, oder die aktuellen Veranstaltungen der Woche dort veröffentlichen können, würden wir es monatlich machen, würde dieser Newsletter unendlich lang und niemand würde ihn mehr lesen. Er sollte für uns lesbar sein, er sollte kurzfristig nochmal an äh Veranstaltungen erinnern und wir wissen wir haben da eine Öffnungsrate, ich weiß nicht, ob die

Kollegen so etwas auch mit kontrollieren, ähm von 25%. Also ich bin zumindest ganz zufrieden damit und ähm aus der Resonanz bei den Veranstaltungen wissen wir, dass auch, wir prüfen das auch, in dem wir zum Beispiel Sonderveranstaltungen anbieten für Newsletternutzer. Also wir sagen »Liebe Leser, ihr seid uns so treu, wir bieten euch ne Führung an durch die neue Sonderausstellung« und dann habe ich tatsächlich 50 Gäste hier stehen. Das funktioniert sehr gut. Ja, neben dem Newsletter, klar das Internet ist von Bedeutung, Internetseite des Stadtmuseums auf der einen Seite auch immer mit aktuellen Informationen, das ist ganz wichtig, auch dort gibt es Newsfelder, die wir aktuell bestücken mit Informationen zu den laufenden Veranstaltungen in der Woche, auch ne Vorschau mit Blick auf die Ausstellungen. Dann haben wir noch eine Internetseite für den Museumsverbund, die bespielen wir ebenso mit allen Veranstaltungen, Ausstellungen und Veranstaltungen. Dann stellen wir sämtliche Ausstellungen und Informationen im Kulturkurier ein, das ist eine Internetplattform eingerichtet vom Deutschlandfunk Radio ähm und äh Deutschlandfunk Köln und ähm Deutschlandradio Berlin, so ist es korrekt und ähm, na, wie heißt es, arte ist noch mit dabei und dort stellen wir sämtliche Veranstaltungen und Ausstellungen ein, weil diese Plattform wiederum als Schnittstelle von zahlreichen anderen Veranstaltern genutzt wird. Die FAZ hat dort eine Schnittstelle, sodass wir unsere Veranstaltungen auch in der FAZ im Veranstaltungskalender wiederfinden, weil die FAZ den Kulturkurier als ähm Datenbank nutzt. Ebenso geht es zahlreichen Länderportalen, Städteportalen, also ähm das ist wahnsinnig umfangreich und das Gute ist, ich pflege dort ein Internetportal und muss nicht 30 oder mehr pflegen, bin aber gleichzeitig in 30 und weitaus mehr Portalen zu finden. Wenn Sie da mal schauen, werden Sie das auch finden. Dann nutzen wir hier im grenznahen Bereich noch das Elbe/Labe-Portal, das ist ein deutsch-tschechisches Portal, wo wir also auch sämtliche Veranstaltungen ähm eingeben, einpflegen, das Ganze ist dann auf deutsch-tschechisch zu finden, denn wir haben auch zahlreiche tschechische Gäste hier in der Stadt. Dann pflegen wir natürlich noch facebook, gehört für uns auch dazu, derzeit sind wir etwas über 700

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Fans, das ist wunderbar, stetig wachsend und auch dort pflegen wir in der Regel mindestens eine Veranstaltung ein. Das können auch Rückblicke sein, also gestern Abend hatten wir zum Beispiel eine Lesung hier im Haus. Ähm, ich werde heute Nachmittag noch Fotos von dieser Lesung einstellen und insofern auch berichten über das, was vielleicht nicht gleich am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen ist. Auch das wird sehr sehr gut genutzt. Dann - hab ich irgendwas vergessen? - gibt es hier im Dresden zum Beispiel noch einen Zusammenschluss von kulturellen Einrichtungen, ähm der Zusammenschluss nennt sich Kulturquartier. Im Kulturquartier sind nicht nur Museen vertreten, sondern auch das Schauspielhaus, die Oper, verschiedene Hotels, Hellerau [ein Dresdner Stadtteil: Anm.d.Verf.] als künstlerisches Zentrum hier in Dresden, das Hygiene Museum, die staatlichen Kunstsammlungen, der Kreuzchor, ähm also herausragende kulturelle Einrichtungen hier in Dresden. Und wir treffen uns regelmäßig und überlegen, wie wir gemeinsam etwas für die Kultur hier in Dresden tun können. Wir haben zum Beispiel im vergangenen Jahr zwei Anzeigen in der Zeit geschaltet und haben gesagt, dass es sich lohnt nach Dresden zu kommen, gerade wegen der Kultur, ja und im museumspädagogischen Bereich haben wir Projekte entwickelt. Ahm, jetzt im Marketingbereich ähm jetzt arbeite ich gerade zusammen mit den staatlichen Kunstsammlungen, dem Hygiene Museum, dem Militärhistorischen Museum und den Technischen Sammlungen und wir erstellen dort ein spezielles Angebot für Schülerinnen und Schüler von außerhalb, also wir wollen uns speziell an Hamburger und Berliner Schüler wenden und ihnen sagen, kommt zu uns, wir haben Pakete geschnürt zu ganz unterschiedlichen Themen, die werden derzeit von den Museumspädagogen in Abstimmung untereinander ähm ja entwickelt. Kommt nach Dresden, es lohnt. Also insofern gibt es mit Blick auf die Vermittlung, die Sie jetzt angesprochen haben ganz ganz unterschiedliche Formen. Zu erwähnen, oh wenn man anfängt (lächelt), zu erwähnen wäre vielleicht noch die Zusammenarbeit mit zwei ähm Stadtrundfahrten hier in Dresden. Auf der einen Seite gibt es ein Unternehmen, dass die sogenannten roten

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Doppeldecker hier betreibt. Wir haben im Bereich der Museumspädagogik ein spezielles Angebot entwickelt. Ähm vor 9 Uhr fahren in der Regel oder um 9 Uhr fahren eher weniger Touristen mit dem Doppeldeckern, die sind aber schon im Dienst um äh 9 Uhr sodass wir gesagt haben, ok es wäre spannend für das Unternehmen, wenn Schulklassen kommen und die Zeit nutzen, ja, eine Stadtrundfahrt zu machen. Ahm die Schulklassen werden dort durch einen speziellen Guide im Bus begleitet, das ist ganz wichtig, also da läuft kein Band, ähm und im Anschluss kommen die zu uns ins Stadtmuseum. Also die haben die Stadt gesehen und dann kommen sie zu uns und wir führen sie durch die Stadtgeschichte hier im Haus. Eine zweite Stadtführung haben wir entwickelt mit einem in Berlin ja beheimateten Unternehmen. Das Unternehmen bietet Video-Bustouren an, also man fährt durch die Stadt äh mit einem speziell eingerichteten Bus, der Bus hat Videobildschirme und auf den Bildschirmen sind dann Fotos, Filme zu sehen, ähm historische Filme, die die Stadt vor x Jahren zeigen. Also man fährt zum Beispiel die Wilsdruffer Straße, das ist die Straße, die direkt am Haus entlang führt, die auch quer durch das Zentrum der Stadt führt, man fährt die Wilsdruffer Straße entlang und sieht auf der einen Seite, der Bus fährt dann auch entsprechend langsam, das ist auch eine beruhigte Zone hier, das stört dann nicht. Ehm man sieht dann auf der einen Seite die reale Stadt und auf den Bildschirmen kann man dann tatsächlich historisch sehen, was sich auf der Fahrthöhe des Busses gerade befunden hat. Also eine sehr sehr schöne Form Stadtgeschichte zu vermitteln. Ehm auch dort haben wir eine Partnerschaft ähm ja entwickelt. Derjenige der mit dem Bus fährt hat auch gleichzeitig einen Eintrittsticket hier fürs Museum erworben und kann also dann zu uns kommen. Ich glaube, das wars jetzt, das was mir spontan zur Vermittlung eingefallen hat oder zu dem “Wie kommen die Menschen überhaupt zu Ihnen”. Ja ganz wichtig natürlich noch die Werbung, die wir schalten, Plakatierung is klar, Fahnen, die wir am Haus anbringen, Vitrinen, die wir außen stehen haben und äh, was hab ich, ja Zeitungsberichte sind natürlich von entscheidender Bedeutung, denn es wird immer noch viel gelesen, äh zum Glück und


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äh ja die bringen zahlreiche Gäste ins Haus. NH: Eine weitere Frage, auf die Sie schon Bezug genommen haben, wäre meinerseits gewesen: Wie ist das Verhältnis des Stadtmuseums in Bezug auf Besucherforschung oder Ausstellungsevaluation? RS: Ja, wir machen es regelmäßig, ja, ähm das, was wir im Augenblick hier durchführen, was Sie auch sehen, ist ehm gedacht für Besucher, die ins Haus kommen und weiter keine große Zeit benötigen um das auszufüllen. Wir fragen Basisdinge nach. Sie können so einen kleinen Fragebogen ja auch noch mitnehmen.

Frage ähm mit welchem Ziel ist man hingegangen und was hat man dann vor Ort gemacht, ja, ehm hat man sich vielleicht umentschieden und hat das Ziel, was man zunächst hatte vielleicht völlig aus den Augen verloren, weil das Andere, was man dort sehen konnte, so unheimlich spannend war, ja. Dazu, ehm um diese Befragungen zu machen braucht man aber tatsächlich Personal und ehm das ist uns jetzt für ein Vierteljahr dort drüben gegeben und das wollen wir dann entsprechend auch nutzen. NH: Auch das haben Sie ja schon in Ansätzen besonders bei einem Ausstellungsbereich im 4. OG erwähnt. Welche Rolle spielt die Beteiligung der Bürger der Stadt Dresden an der Ausstellung oder der Arbeit des Museums?

NH: Das habe ich schon. [lacht] RS: Sie haben ihn schon eingesteckt, wunderbar. Also sehen Sie, ne, das sind grundsätzliche Dinge, die wir erfragen, die für uns aber von entscheidender Bedeutung sind für die Planung von Werbung zum Beispiel. Also wenn ich weiß, dass die Plakatierung sehr gut wahrgenommen wird, ja, dann plakatiere ich natürlich auch beim nächsten Mal wieder, ja, oder dann ist für mich das mit Blick auf die Öffentlichkeitsarbeit ein Argument bei den Kuratoren um zu sagen, mehr als 30% sind über die Werbung zu uns, über die Plakatierung zu uns gekommen, dann ist das schon von Bedeutung, von Gewicht. Ja, ähm wir haben neben dieser kurzen Umfrage hier doch auch eine sehr umfangreiche Besucherbefragung entwickelt in den letzten Wochen. Wir werden sie nicht hier im Stadtmuseum durchführen, sondern in den Technischen Sammlungen Dresden. Ähm es ist eine ähm Befragung mit gut 30 oder ähm ein Fragebogen von gut 30 Fragen, wo wir einfach noch mal mehr wissen wollen, wo wir auch noch mal offener nachfragen zu Lieblingsobjekten und so weiter, ähm zum Personal, zur Wahrnehmung des Personals, Shop, Museumscafé und so weiter. Also dass wir da mit Blick auf den Service auch noch mal ähm ja nen Rücklauf bekommen um zu schauen, was können wir verändern, was können wir besser machen, was hat die Menschen ins Haus geführt, war es die Sonderausstellung, die Impulsgeber war, ins Haus zu kommen, war es ein Objekt und ähm letztendlich auch die

RS: Ja, ja es gibt auf der einen Seite ehm sehr erfolgreiche Projekte, ehm auch sehr schöne Projekte, sie waren, auch ein weiteres meiner Lieblingsobjekte ist ähm die Hörmuschel, ich weiß nicht, ob Sie die kennen. (NH nickt zustimmend) Ja wunderbar, es werden Klänge gesammelt und auch das ist ja ein offenes Projekt ähm es werden weitere Klänge hinzukommen und die Stadtkarte wird sich ergänzen. Wir hatten ein weiteres Projekt, auch in dieser Form schon mitkonzipiert und angelegt in der Stadt. Und zwar hatten wir ein Internetportal ähm entwickelt, wo es möglich war, an einem Tagebuch der Stadt zu schreiben. Das konnte man von zu Hause aus machen, das konnte man hier im Museum machen, während des Museumsbesuches, es hab einen Schreibtisch mit nem Bildschirm und so weiter und man konnte sagen: also heute war das und das wichtig, man konnte das in dieses virtuelle Tagebuch eintragen. Das ist ein Projekt, was sich aber nicht weiter hat ähm nicht weiter bewährt hat. Also wir haben da auch versucht und gesagt Stadtgeschichte, Stadtchronik, wie kann das eigentlich aussehen, ja, muss es da einen Stadtschreiber geben, muss es da ein Stadtarchiv geben oder kann man Stadtgeschichte nicht auch viel offener schreiben. Ist die Stadtgeschichte das, auch eine Frage in diesem Zusammenhang, ist die Stadtgeschichte, das was in der Zeitung steht, oder können wir das nicht aufbrechen, ja. Wir haben es versucht, ähm es hat sich nicht als so erfolgreich gezeigt und wir haben das Projekt dann erst einmal wieder herausgenommen,

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ja, das heißt nicht, dass wir es später nicht wieder einmal versuchen, vielleicht mit einem neuen Ansatz, aber wichtig, oder warum ich das auch sage, ist, ähm, die Offenheit auch etwas zu versuchen, ja. Die Offenheit des Hauses ähm ja, etwas zu wagen und zu kucken, ja, funktioniert das, wie kann es funktionieren und dann auch nicht zu sagen, »Och Mensch das war jetzt schade, jetzt stecken wir den Kopf in den Sand«. Nein, es sind Dinge, die, die man immer wieder wagen sollte, ja, ich finde das macht die Museumsarbeit auch besonders spannend. NH: Hm, auch darauf haben Sie schon Bezug genommen. Finden museumspädagogische Programme auch außerhalb der Räumlichkeiten des Museums statt? RS: Ja, ja und ich kann das noch ergänzen. Ähm, also wir haben ein reichhaltiges Vortragsprogramm vorbereitet und wir wissen von zahlreichen Senioren zum Beispiel, Seniorenheimen, Senioreneinrichtungen, Betreuungseinrichtungen, dass viele Menschen gar nicht mehr ins Museum auf brechen können. Und ehm ein Kollege fährt dann tatsächlich in die Einrichtungen und das wird gut nachgefragt. Er fährt tatsächlich bis ins Umland der Stadt, um dort dann zu stadtgeschichtlichen Themen zu sprechen. Das macht er jetzt seit einigen Jahren, wir haben das gemeinsam entwickelt und ähm hatten dann zunächst natürlich versucht, unser Wunsch war, die Gäste ins Haus zu holen, ja und ähm äh wir hatten also auch schon also bis zu Schwerstbehinderten hatten wir Menschen im Haus. Menschen, von denen man vielleicht sagen konnte, oder wo man sich fragen konnte, nehmen die überhaupt noch etwas wahr. Das war für die Einrichtung und für uns natürlich ein sehr sehr großer Aufwand, weil diese Personen dann eins zu eins betreut werden müssen, das heißt ein Rollstuhl, ein Betreuer, oder mindestens ein Betreuer und dann mit kleinen Gruppen haben wir sie dann auch durchs Haus geführt. Ähm, das haben wir nicht aufgegeben. Aus dieser Zusammenarbeit ist dann aber doch der Wunsch entstanden, ähm, es den Einrichtungen auch zu erleichtern, ähm, ihnen, ja, kulturelle Angebote zu machen oder den Menschen vor Ort einfach Stadtgeschichte zu vermitteln. Oder ein Beispiel, ich hatte jetzt mit

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dem Kollegen vorgestern gesprochen, er hat einen Vortrag zur Geschichte der Spielzeugtiere. Für Senioren ist das wunderbar, es ist ein, ein Gang in die eigene Kindheit. Er nimmt dann auch Objekte mit, die angefasst werden können. Es bringt den Menschen ihre Geschichte zurück und insofern sind wir da auch als Museum durchaus präsent. Der ein oder andere mag vielleicht jetzt kritisieren, die sollen doch zu Ihnen kommen, ja natürlich ist das unser Bestreben, die Menschen ins Museums zu führen, aber ich glaube wir können auch so Menschen viel zurückgeben, denn irgendwann haben sie mal hier gelebt und, ja, viel für die Stadt getan. NH: Die Vermarktung von Städten erfährt heute großen Zuspruch durch die Stadtpolitik. Städte bemühen sich um die Schaffung eines bestimmten Images und geben teilweise große Summen für entsprechende Werbekampagnen und Slogans wie »Be Berlin« oder »München mag Dich« aus. Wie ist da das Verhältnis des Stadtmuseums zur Dresdner Stadtidentität, bzw. deren Vermarktung? RS: Es ist ein ganz intensiver Arbeitsbezug, den wir zu Dresden Marketing haben. Für Sie zur Unterscheidung ganz wichtig: hier in Dresden gibt es die Dresdner Marketing Gesellschaft, die DMG und die DTG, die Dresdner Tourismus Gesellschaft. Die Dresdner Tourismus ist ,ähm, für den Endverbraucher da. Die Dresden Marketing macht das Stadtmarketing. Das ist getrennt hier, häufig geht das auch zusammen. So. Wir arbeiten ganz ganz intensiv mit dem Stadtmarketing zusammen, also mit der DMG. Ähm, diese Einrichtung plant auf Jahre hinaus, ähm, für das Stadtmarketing ein spezielles Jahresthema zu entwickeln und zu dem Jahresthema versucht sie natürlich immer wieder Partner zu gewinnen, die dann entsprechende Inhalte beisteuern. Themen werden gesetzt, Inhalte kommen aus der Stadt uns so sind wir im Grunde auch mit jedem Jahr in irgend einer Form dabei gewesen. Ähm, es gab Dresden als Stadt der Geschichte, da waren wir mit den Technischen Sammlungen natürlich ganz intensiv dabei. In diesem Jahr ist das Thema “Dresden - wo Wagner WAGNER wurde” [WAGNER in versal rührt von der Kampagne: Anm.d.Verf.] ja, also Dresden setzt wie viele andere Städte, Leipzig, Bayreuth in diesem Jahr auf das Wagnerthema und


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im Stadtmuseum werden wir eine Wagnerausstellung zeigen: Wagner in Dresden. Und bei sämtlichen Veranstaltungen, die die Dresden Marketing dazu durchführt, sind wir dabei, werden wir erwähnt, haben wir Materialien bereit gestellt, Fotos, Texte, sodass überall, wo über Dresden und Wagner gesprochen wird, das Stadtmuseum auf jeden Fall Berücksichtigung findet, ja, und das funktioniert wirklich sehr gut, weil auch die Themen für die nächsten Jahre schon feststehen und wir im Grunde auch dort schon schauen können, jetzt schon schauen können, wie können wir uns daran beteiligen oder auch mit welchem Museum können wir uns dann an dieser Kampagne ganz speziell beteiligen. Ähm, bei der Dresden Marketing ist das auch so, dass dort auch zahlreiche Journalisten reisen, ähm, Gäste nach Dresden führen, Journalisten nach Dresden gebracht werden und wir sind als Stadtmuseum Teil jeder internationalen Journalistenreise. Also wenn die hier sind, sind wir dabei, entweder, wenn es gut ist, kommen sie hier zu uns ins Haus oder wir sind auch bei Abendveranstaltungen in Hotels, oder sonstwo, wenn es Essen, Gespräche, Berichte gibt, neben den ganz ganz großen Partnern, neben der Semperoper, ja, dabei, ähm, das funktioniert hier ganz gut. Denn Wagner ist klar, Thielemann hier in Dresden, der große Wagnerdirigent, das wird schon durch die großen Feuilletons wahrgenommen, ein Stadtmuseum hat da eher weniger Chancen. Hier in Dresden funktioniert das aber durchaus gleichberechtigt. NH: Ähm, jetzt noch zu ein paar ökonomischen Aspekten, wir sind schon fast durch, es bleiben nur noch drei Fragen. Wer ist der oder sind die Träger des Museums? RS: Träger des Stadtmuseums ist die Kommune, also die Landeshauptstadt Dresden. NH: Ahm, wie relevant sind hohe Besucherzahlen für das Stadtmuseum? RS: Die Besucherzahlen haben tatsächlich eine Relevanz für uns, denn wir sind gezwungen jedes Jahr auch einen bestimmten Budgetanteil zu erwirtschaften und es ist unser Bestreben, tatsächlich nicht nur diesen Anteil zu erwirtschaften,

bei Nichterfüllung hätten wir tatsächlich auch Budgetkürzungen zur Folge, oder hätte es Budgetkürzungen zur Folge. Ähm, wir versuchen tatsächlich, ähm, das Bugdet, ähm, wie soll ich sagen, ähm, einen überschuss zu erwirtschaften, denn das Geld, was wir zusätzlich erwirtschaften, können wir zwar nicht zu hundert Prozent wieder einsetzen, aber anteilig, das heißt, ähm, wir haben ein sehr striktes Controlling, wissen also das ganze Jahr über, wo wir stehen und ähm, unser Bestreben ist es natürlich ,ähm, äh, erhöhte Einnahemn zu erwirtschaften mit dem Ziel, dann tatsächlich auch noch Projekte oder Dinge zu realisieren, die nicht in das ohnehin schon sehr knappe Budget gehören, ja diese Dinge zu realisieren, jetzt bin ich ein bisschen durcheinander gekommen in meinem Satz, aber ähm, ja, also wir können uns dadurch tatsächlich Dinge möglich machen, die außerhalb des Budgets stehen. NH: Das zahlt auch schon auf meine letzte Frage ein, ob die derzeit bereitgestellten finanziellen Mittel zur Realisation aller Projekte ausreichen? RS: Nein, bei, bei Weitem nicht, ja. Also ähm, ich hatte gesagt, in zwei drei Sätzen vor dem Interview, dass wir am Dienstag gestartet sind, einen Neuankauf präsentieren, Otto Dix, ähm, dieser Neuankauf wurde zu hundert Prozent durch Drittmittel finanziert und dieses Werk geht nun in die Städtischen Sammlungen über, also die Stadt bekommt tatsächlich ein Kunstwerk von erheblichem Geldwert, ja, und es hat der Stadt nicht einen Euro gekostet, ja. Das Geld wurde tatsächlich durch den Direktor der Städtischen Galerie Dresden eingeworben, um den Ankauf möglich zu machen. Diese Ankaufssumme liegt bei Weitem, b e i W e i t e m über dem Geld, was wir im Budget für Ankäufe zur Verfügung haben. Gleichzeitig mit Blick auf Sonderausstellungen, ähm, versuchen wir natürlich immer ja zunächst einmal mit dem zu arbeiten, was wir zur Verfügung haben. Viele Projekte zum Beispiel, jetzt wiederum mit Blick auf die Technischen Sammlungen, ähm, die derzeit laufen, sind nur durch Drittmittel möglich. Also wir haben gerade zwei große Projekte dort laufen, die, äh, in großen Teilen durch Drittmittel finanziert werden,

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wo sogar Personalstellen durch die Partner zur Verfügung gestellt werden. Das ginge gar nicht ohne, ja. Gleichzeitig haben es Stadtmuseum oder regional ausgerichtete Museen sehr sehr schwierig überhaupt Drittmittel in maßgeblicher oder erheblicher Höhe einzuwerben, denn es ist leichter eine Sixtinische Madonna zu vermarkten, als ein stadtgeschichtliches Objekt, das ist klar. Wer sich da engagiert, weiß, warum er es tut. Ja dennoch lassen wir es nicht unversucht und häufig sind es auch Privatpersonen, zum Beispiel die Stiftung Schuch, die ich ja schon erwähnt hatte, die auf uns zugekommen ist und uns Dinge zur Verfügung stellt, schenkt, die wir auf dem Markt nicht hätten erwerben können und so helfen viele, um das möglich zu machen, was wir hier haben. NH: Ich danke Ihnen sehr herzlich für das Interview. RS: Sehr gerne.

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NH: Frau Gesser, worin bestehen die Hauptaufgaben des Historischen Museums Frankfurt? SG: Also das Historische Museum Frankfurt ist ein stadtgeschichtliches Museum und die Hauptaufgaben sind Kulturgut, das im weitesten Sinne mit der Stadt Frankfurt zu tun hat, zu bewahren, zu vermitteln, ähm und auch eine gewisse Form von Forschung zu betreiben. Also die klassischen Aufgaben eines Museums hat auch das Historische Museum Frankfurt. NH: Wer ist in Ihrem Hause dafür verantwortlich, was gesammelt wird? SG: Also es gibt eine Gruppe von Kuratoren, die sammlungsbetreuende Kuratoren sind, ähm die unterschiedliche Sammlungen betreuen und pflegen und auch auf bauen oder erweitern und ähm, das sind, ich müsste jetzt mal kurz nachdenken, wie viele das sind, aber das sind einige Kollegen die, und wir treffen uns ein Mal die Woche, wo auch über solche Sachen gesprochen wird. NH: Gibt es für die Sammlung von Objekten für das Stadtmuseum bestimmte Strategien, Sammlungsrichtlinien? SG: Ja, das gibt es, also es gibt nicht so n wirkliches Sammlungskonzept, wie man sich des so vorstellt, was klar strukturiert ist. Ähm, alles, was mit Frankfurt zu tun hat, ist im Grunde genommen interessant für die Sammlung des Historischen Museums. Ähm oft isses aber so, das im Zusammenhang mit bestimmten Projekten oder Ausstellungen man dann gezielt recherchiert, für sein Thema und in der eigenen Objektdatenbank und den eigenen Sammlungen sucht und dann manchmal feststellt: ach, da gibts aber noch was und das haben wir nicht in der Sammlung oder man mit Privatpersonen in Kontakt kommt, die dann vielleicht auch Leihgaben für das Museum haben und manchmal kommt auf die Art und Weise auch durch ne Schenkung oder durch nen gezielten Kauf was zu der Sammlung, aber die Sammlungen des Museums sind so groß, dass es jetzt nicht eine, ein systematisches Einkaufen von ganzen Themengruppen oder Sachgruppen gibt.

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NH: Das ist ja überhaupt kein Problem. Ähm wir, gut wir befinden uns jetzt gerade nicht, aber [lacht] wir reden ja über das Historische Museum, es ist ja ein Stadtmuseum und ähm, das Prinzip »Stadt« ist ja auch Gegenstand von Stadtforschung, wie beispielsweise Stadtsoziologie, Stadtplanung und weitere Bereiche. Steht die Arbeit des Stadtmuseums in einem Verhältnis zur Stadtforschung, gibt es da Verbindungen? SG: Also, ähm, auf jeden Fall schon, das ähm Historische Museum Frankfurt ist ja gerade in ähm einem Umbruchsprozess, das heißt aufgrund der Sanierungs- und Neubauvorgänge oder Arbeiten am Historischen Museum haben wir vom Museum, ähm, die ähm, äh oder eben aufgrund dieser Bautätigkeiten haben wir die Möglichkeit oder die Chance ergriffen, über die Konzeption des Museums nachzudenken. Also wir haben darüber nachgedacht: ist das Museum überhaupt noch zeitgemäß für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts oder für die Stadtgesellschaft der Stadt Frankfurt und sind da zu dem Schluss gekommen, dass es, dass dem nicht so ist und haben, ähm, und haben ne neue Konzeption erarbeitet, die integriert auch die Gegenwart und die Zukunft von Frankfurt in Zukunft in des Museum und die Vermittlungs- und die die ganzen Tätigkeiten, Ausstellungstätigkeiten des Museums zu integrieren. Und da gibts natürlich schon große Überschneidungen mit der Stadtforschung, mit der Stadtsoziologie, mit der Urbanistik, mit der Stadtplanung, denn die Stadtplanung hat ja auch große Prozesse, die sie mit Frankfurter, also mit Bürgern zusammen durchführt und das sind die Punkte, wo wir mit dem ähm, dem Projekt »Frankfurt jetzt« und dem »Stadtlabor« einsetzen oder uns überschneiden. Also von daher gibt es da durchaus Berührungspunkte in größerer Menge und des wird immer mehr und das wächst und des entwickelt sich mit ähm den, ähm mit der Praxis, die Konzeption ist ja erst Mal eine theoretische Überlegung, ähm, was kann man machen, aus welchem Grund, warum und wie machen wir des und wir haben, obwohl wir das neue Haus ja noch nicht haben und noch nicht eröffnet haben, aber schon damit begonnen, diese konzeptionellen Überlegungen in die Praxis umzusetzen und ähm experimentieren damit ganz viel. Was für Formen von Ausstellungen sind


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das, wenn man sich mit der Gegenwart einer Stadt beschäftigt, als stadtgeschichtliches Museum, was ja ein besonderer Fall ist. NH: Genau. Und ähm das geht auch genau in die Richtung, auf die meine Fragen ausgerichtet sind. Eine Stadt steht nicht still, sie ist immer im Wandel. Wie gelingt es eben, dieses Prozesshafte im Museum wiederzugeben? SG: Also zum einen haben wir gerade, was diesen Bereich der Gegenwart und der Zukunft betrifft, gesagt wir müssen die Arbeit, die Ausstellungsarbeit, also diese kuratorische, die ausstellungskuratorische Arbeit völlig verändern. Das heißt, ähm, die Arbeitszusammenhänge für die Kuratoren ändern sich, weil wir gesagt haben für die Gegenwart und die Zukunft von Frankfurt bieten wir keine Dauerausstellung an, wie sie üblicherweise, ähm, wie ma des so kennt, also so ne auktoriale Meistererzählung ähm von den allwissenden Museumswissenschaftlern, sondern wir sagen: naja, es geht ja um die Stadt heute und es geht nicht nur um den gebauten Raum, sondern auch den sozialen Raum. Es geht nicht nur um die Geschichte, sondern es geht auch um das erlebte Frankfurt und das heute erlebte Frankfurt. Es geht auch um persönliche, individuelle und subjektive Erfahrungen und Geschichten ähm innerhalb dieser Gegenwart und deswegen arbeiten wir zusammen mit Frankfurt-Experten und jeder der in Frankfurt lebt und arbeitet, des sind etwa 700.000 Personen, ist ein Experte für seine Stadt und deswegen haben wir die Frankfurter dazu aufgerufen, mit uns gemeinsam Ausstellungen zu machen. Und die kommen, mit Themen, mit Ideen, manchmal bringen die auch ne ganze Gruppe mit, oder n ganzes Netzwerk, Multiplikatoren mit ihrem Thema und arbeiten dann mit uns zusammen, zwischen acht Monate und zwei Jahre an einer Ausstellung und das sind dann immer temporäre Ausstellungen und solange wir noch kein Haus haben, finden die irgendwo in der Stadt statt, zum Beispiel in einem leer stehenden Bürohaus oder in einem Schwimmbad oder jetzt machen wir was in ner Turnhalle, also an ganz ganz unterschiedlichen Orten. Das ist so, diese, ähm, diese Arbeit, diese kuratorische Arbeit ist insofern anders, weil wir natürlich, ähm, mit Kokuratoren

zusammen arbeiten und sozusagen eine Expertise teilen. Die einen bringen das Wissen über die Stadt, über das Thema mit und die Anderen, wir Museumsmitarbeiter, bringen das Wissen darüber mit, wie macht man aus Geschichten, aus Erfahrungen eine Ausstellung. NH: Das hört sich sehr spannend an. GS: [lacht] Ist es. NH: Die siebente Frage wird damit fast beantwortet, aber ich stell sie gern noch Mal. Wie relevant ist die Verbindung von Geschichte und gegenwärtigen gesellschaftlich bedeutenden Themen im Museum? GS: Also ich denke ja, aber ich kann dazu schon noch mal ausführend was sagen. Ich denke, wir sind der Meinung, dass das deswegen auch für die heutige Gesellschaft ganz wichtig ist, weil es ja immer mehr um Beteiligung geht und um Bewertung. Also, die Leute bewerten alles mögliche, obs der Urlaub ist, oders Hotel oder die was weiß ich was. Also es wird ja, für alles kann man übers Internet und irgendwelche Apps irgendwelche Bewertungen abgeben und ähm, und sich einmischen, seine Meinung bilden, das ist ja auch gefordert, also es ist ja auch, man sagt ja, das lernen wir in der Schule oder in der Universität: wir müssen selbstständig lernen, uns ne Meinung bilden, ähm, Konsequenzen auch ähm vielleicht voraus überlegen vielleicht für unser Handeln und mündige Bürger sein. Und ein mündiger Bürger möchte seine Kultur auch mitgestalten und möchte manchmal vielleicht auch einfach nur Konsumieren und sich schöne Sachen ankucken und sich dran erfreuen, aber manche möchten sich gerne einbringen und möchten ihre Perspektive und ihren Blickwinkel mit integrieren und diese Möglichkeit bieten wir, weil wir sagen: es sind viele, die unterschiedliches Wissen und ähm Perspektiven haben und das ist das Interessante. (1) Für so eine Ausstellung dann. NH: Ja, darauf zahlt auch die nächste Frage ein: Was macht die Ausstellung aus: Sind es die Objekte, die gezeigt werden, oder die Geschichten, die mit ihnen verbunden sind?

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SG: Also das ist auf jeden Fall beides, das kann man gar nicht so klar trennen. Ähm, dieses Stadtlabor, also diese Ausstellung der Gegenwart, die sich mit der Gegenwart beschäftigen, die machen vor allen Dingen, was die ausmacht ist, dass es kaleidoskophaft ist und s e h r vielschichtig und wie gesagt, ganz unterschiedliche Perspektiven sind. Aber, natürlich, auch die Objekte, die ähm, ausgewählt und gezeigt werden, an die sich bestimmte Erfahrungen anknüpfen. Also das ist ja das Schöne auch bei Ausstellungen, wenn man wirklich dreidimensionale Objekte hat und ähm schöne Dinge, da gibts auch die außeregwöhnlichsten Objekte und die ähm manchmal auch sehr überraschende Geschichten dazu. NH: Ja, wie ist das Verhältnis von Informationsvermittlung und Unterhaltung beim Museumsbesuch? SG: Ähm, also insgesamt bei dem Historischen Museum versuchen wir dahingehend auch uns ähm zu vergegenwärtigen, dass wir ein Museum für ganz unterschiedliche Zielgruppen sind. Also es ist der Tourist, der auf seiner einwöchigen Europatour vielleicht ne Stunde in Frankfurt ist und dann auch kommt und vielleicht gar nix weiß und dann vielleicht noch nicht mal weiß, in welcher Stadt er gerade ist, also für die bieten wir was an, wir bieten natürlich für Familien was an, wo Eltern, Großeltern, Kinder, kleine Kinder, mittelalte Kinder, also mit unterschiedlichen Wissenständen sind. Wir bieten was für den Urfrankfurter an, der schon immer hier lebt und der sich ganz arg für seine Stadt interessiert und auseinandersetzt und selber ganz viel weiß. Also so haben wir ganz verschiedene Zielgruppen und bieten für jede Zielgruppe unterschiedliche Dinge an, damit jeder was für sich findet. Und wir versuchen natürlich die Balance zwischen Unterhaltung und Information, ähm, in eine gute Harmonie zu bringen sag ich jetzt mal. Ähm, und das ist gar nicht so einfach, weil es ja sehr unterschiedliche Leute sind. Wie gesagt, der Experte, der alles schon weiß über Frankfurt und schon hundert Mal da war und sowieso oder die Schüler, die noch nicht so richtig gut lesen können, weil sie das noch nicht so geübt haben in der zweiten der dritten Klasse oder die Leute, die deutsch,

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wenn überhaupt, nur als Fremdsprache können, die sich schwer tun mit Information über Texte aufzunehmen, versuchen wir natürlich entsprechende Medien oder Formate einzusetzen, wie Hör- oder Audiomedien oder Filme oder sowas. Also wir versuchen, oder diese Touch- oder Medienstationen, wo man sich Sachen aussuchen kann und über die Bilder dann Informationen bekommen kann. Also des versuchen wir schon, aber uns ist es natürlich wichtig, dass wir auch, ähm nicht nur ganz an der Oberfläche bleiben bei unserer Vermittlung der Inhalte über die verschiedenen Themen Frankfurts, sondern auch ne Möglichkeit geben, bisschen tiefer zu graben und bisschen tiefer reinzugehen. Also das ist nicht so einfach bei der Konzeption, aber ich hoffe, dass es uns jetzt bei der neuen Ausstellung ganz gut gelungen ist, da ne ganz schöne, na, wie sagt man denn, so ne Balance zu finden zwischen Mal auch was Ungewöhnliches für n Museumsbesuch und nicht das ewig Gleiche und ähm ja, auch ne schöne Gestaltung finden wir, gehört dazu, dass man sich auch da Mühe gibt und Gedanken darüber macht, wie bringt man das in den Raum. Also nicht einfach nur die Sachen alle nebeneinander hängen, sondern auch ein schönes Raumbild mal zu haben und ne Objektzusammenstellung zu haben. NH: Genau, da haben Sie es schon angesprochen: die Szenografie. Wer entscheidet denn, was im Museum dann ausgestellt wird? SG: Also wenn ich jetzt an die Stadtgeschichte denke, die Historie, da sind es Kuratoren, die sich mit dem Thema befassen, die das inhaltlich erarbeiten und recherchieren, das sind je nachdem, wie groß so eine Ausstellung ist, ob es die Dauerausstellung ist, oder Sonderausstellung, sind es größere oder kleinere Gruppen von Kuratoren, die da zusammenarbeiten. Es sind im Falle von »Frankfurt jetzt« eben auch Kokuratoren, sozusagen die externen Experten, die dabei sind und entscheiden und ähm die Szenografie, die Szenografen sind ganz wichtig, aber ähm die diskutieren schon auch mal mit über Sinn und Unsinn von Objekt x oder y, aber die letztendliche Entscheidung liegt bei dem Museum und außerdem gibt es dann auch noch Restauratoren, die da durchaus auch ein Wort


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mitzureden haben, ob das Objekt ausstellungsfähig ist, wie die Bedingungen sein müssen, dass es ausgestellt werden kann. Also es sind unterschiedliche Faktoren, die zusammen spielen, über die Entscheidung, ob ein Objekt ausgestellt werden kann oder nicht. Aber die letztendliche Entscheidung hat eigentlich der Direktor, der kann sagen, ich verantworte das und ich möchte das und das kommt da rein, aber meistens ist es ein Team und ein Diskussionsprozess.

welchen Frankfurter wollen sie als nächstes näher kennen lernen. Also da gibt es dann ne Auswahl, unterschiedliche Bedingungen, ob wir überhaupt genug Objekte haben, genug darüber wissen, also da würden wir dann, wenn wir ne Auswahl stellen und die Leute können dann abstimmen. Auf Art und Weise versuchen wir dann doch wenigstens einmal im Jahr einige Teile dieser großen Dauerausstellung zu erneuern, sodass man Lust hat, auch mal wieder zu kommen.

NH: Die Frage wurde auch schon angerissen, bzw. teilweise beantwortet: Und wer ist alles beteiligt an der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung? Sie haben es ja gerade schon erwähnt.

NH: Genau, auch das schon in Teilen erwähnt: An wen richtet sich die Arbeit des Historischen Museums Frankfurt?

SG: Also das kommt immer darauf an, wie groß so ne Ausstellung ist, bei Sonderausstellungen sind es durchaus nur kleine Teams, oder bei den Stadtlabor-Ausstellungen sind es riesige Teams, das sind dann hundert Leute oder mehr. Bei der Dauerausstellung für Frankfurt 1, die wir gerade erarbeiten, die 2016 eröffnet werden soll, die auf 2.000qm stattfindet, ist es ein Team von mehreren Themenkuratoren, dann gibts die Ausstellungsgestalter, oder die Szenografen, wie man heute sagt, die mitarbeiten, Volontäre, Restauratoren, ja. NH: Ja, die kommende Frage ist vor allen Dingen in Anbetracht der Tatsache, dass wir vor dem Interview über die Ausweitung und Erneuerung des Museums gesprochen haben sehr passend: Wird die Dauerausstellung aktualisiert? Wenn ja, wie oft? [lacht] SG: [lächelt] Genau, also wir erarbeiten gerade ne neue Dauerausstellung, aber wir haben vor, in dieser Dauerausstellung auch Bereiche zu haben, die in kürzeren Abständen immer wieder erneuert werden. Also es gibt einen Bereich in der Ausstellung, die heißt Bürgerstadt und dort gibt es, wir habens jetzt »biografische Kabinette«, das sind kleine Abteilungen, kleine Räumchen, wo immer, es sind acht verschiedene, eine Frankfurter Persönlichkeit, also acht Frankfurter Persönlichkeiten in diesen acht Kabinetten vorgestellt werden können. Und das wird relativ oft ausgewechselt und da können dann zum Beispiel auch die Besucher voten,

SG: Genau, also hab ich vorhin gesagt, generell kann man sagen: alle. Eigentlich wollen wir alle erreichen, auch eben Kinder, jüngere Kinder, mittelgroße Kinder bishin zu ganz kleinen Kindern und da kommt dann das Kindermuseum ins Spiel, was ein Teil des Historischen Museums ist und nachdem alle Baumaßnahmen beendet sind, auch wieder zurück zieht, sodass es eben für die jüngsten Besucher ganz spezielle Ausstellungen gibt und für die mittelalten und für die Erwachsenen und für die Familien, die Touristen und die und so weiter. Also eigentlich sagt man ja: Naja, alle erreicht ihr nie, aber wir versuchens wenigstens. Wir versuchen natürlich auch Angebote in verschiedenen Sprachen zu haben oder für eingeschränkte Leute, barrierefrei soll es sein. Das sind so die Pläne, die wir haben und zum Teil sicherlich auch gut umsetzen können. NH: Genau, auch das ist, tut mir Leid wegen der Redundanz, das Stadtmuseum zieht ja ein sehr breitgefächertes Publikum an. Wie schafft man es, dieses anzusprechen, sowohl in der Ausstellung als auch außerhalb? SG: Also das wichtigste ist, glaube ich, dass man sich erst mal klar ist, wen will ich eigentlich erreichen. Für wen will es das machen und darauf hin dann seine unterschiedlichen Aktivitäten dann abzustimmen. Und für jede Zielgruppe hab ich ne andere Art und Weise, wie ich die anspreche. Also eine Grundschule sprech ich anders an, als den Blindenverband oder wenn ich sage: uns ist es wichtig hier Integration, hier in dieser multi-

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kulturellen Stadt auch mal einen türkischen oder pakistanischen Kulturverein anzusprechen oder einzuladen, dann passiert das anders als der Tagesoder Städtetourist, Kulturtourist. NH: Wie ist das Verhältnis des Stadtmuseums in Bezug auf Besucherforschung oder Ausstellungsevaluation? SG: Also wir haben das schon gemacht. [lacht] Es ist uns nicht fremd, aber wir machen das nicht so oft, wie es sicherlich gut wäre, das zu tun. Es gibt verschiedenste Evaluationen von der Stadt, also von der Tourismus GmbH, also Stadtmarketing ähm und wir haben jetzt gesagt, also wir müssen das jetzt eigentlich unbedingt mal wieder machen. Wir haben im Zusammenhang mit der Konzeption uns da auch beraten lassen von denen, die dauernd irgendwelche Erhebungen machen und uns auch nochmal informieren lassen, zu bestimmten Dingen, die wir wissen wollten, aber wir haben jetzt im Museum schon lange keine Erhebungen mehr gemacht. Es ist aber nicht so, dass wir das noch nie gemacht haben [lächelt] Aber wir haben demnächst eine neue Kollegin, eine neue Stelle für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing und das wird eine von den Aufgaben von ihr sein, dass sie da sich mal Gedanken drüber macht. NH: Ich hab ein bisschen darüber gelesen, es gibt da ja die verschiedensten Formen, also ob man vor der Konzeption einer Ausstellung evaluiert, mittendrin oder danach, ob man das bei der ständigen oder der Sonderausstellung tut, ob mans in einer persönlichen Befragung oder in Form von einem Zettelchen macht. SG: Das ist ein weites Feld, das ist ein eigenes Studium. NH: In der Tat, das ist definitiv breit gefächert. Auch das haben Sie ja mit dem Stadtlabor und anderen Konzepten angesprochen, welche Rolle spielt die Beteiligung der Bürger der Stadt Frankfurt an der Ausstellung oder der Arbeit des Museums? SG: Ja, das spielt eine große Rolle, das ist für uns ganz wichtig um sozusagen auch ein relevanter Ort für die Frankfurter zu sein. Also einfach ein Ort zu

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sein, wo die Frankfurter auch hingehen, entweder mit sich, also mit anderen Frankfurtern, um hier zu diskutieren und über ihre eigene Stadt was zu erfahren oder miteinander zu verhandeln oder eben auch mit den Gästen zu kommen. NH: Finden museumspädagogische Programme auch außerhalb der Räumlichkeiten des Museums statt? SG: Ja, ähm, durchaus, also da ist natürlich das Kindermuseum erst mal ein ganz aktiver Teil des Historischen Museums. Das Kindermuseum hat ein Projekt, das heißt »Kindermuseum unterwegs«, das gibts seit 15 Jahren. Das ist immer in den Sommermonaten in ähm Stadtteilen, die so ein bisschen benachteiligt sind, also das ist, da gibts vornehmere Formulierungen. Dort bieten wir soziokulturelle Arbeit an, offene Arbeit für Kinder und für Familien. Und das ist immer in Bezug mit ner Ausstellung, die gerade im Kindermuseum zu sehen ist, dann werden die Leute auch ins Museum eingeladen, die machen dann kleine Teile und Beiträge, die dann ins Museum integriet werden, also so gibt es dann schon museumspädagogische Arbeit außerhalb der Räume und diese Stadtlabor Dinge, von denen ich am Anfang gesprochen habe, diese partizipativen Ausstellungen sind letztendlich auch ein museumspädagogisches Angebot oder ne museumspädagogische Aktivität. Also da ist ne ganze Menge an Pädagogik und Vermittlungsarbeit drin und das findet momentan alles außerhalb statt, weil wir ja gerade kein Haus haben. Also wir sind gezwungen, nach draußen zu gehen [lacht] und wir bieten immer Mal, aber das ist dann eher ne Mischung aus Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik, das ist ja manchmal, überschneidet sich das ein bisschen. Bei solchen Sachen, wie »Museumsuferfest«, wo wir dann am Museumsufer sind, also am Main, am Flussufer, oder Tage der offenen Tür im Rathaus, oder irgendwie das Sowieso-Fest, da sind wir dann immer mal und machen Werbung fürs Museum und machen aber auch was mit den Besuchern und sammeln Informationen, also es wird, es gibt in dem neuen Haus ein großes künstlerisches Stadtmodell geben, wo die wichtigen, die für Frankfurt wichtigen Orte, etwas größer dargestellt werden, die sammeln wir zur Zeit und dafür gehen wir


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dann auch immer mal raus, um zum einen auf das Historische Museum hinzuweisen und zum anderen eben diese Sammlungsaktion zu machen. NH: Auch wieder eine sehr schöne Überleitung zur nächsten Frage. SG: [lächelt] Als hätte ich den Fragebogen vorher gelesen. NH: Nicht, dass ich den unbeabsichtigt mitgeschickt hab… [beide lachen] Die Vermarktung von Städten erfährt heute großen Zuspruch durch die Stadtpolitik. Städte bemühen sich um die Schaffung eines bestimmten Images und geben große Summen für entsprechende Werbekampagnen und Slogans wie »Be Berlin« oder »München mag Dich« aus. Wie ist da das Verhältnis des Historischen Museums zur Frankfurter Stadtidentität, bzw. deren Vermarktung? SG: Also, ähm, ich weiß, dass die Frankfurter Tourismus und Kongress GmbH auch, so heißt hier unser, ähm, dieser, dieses Amt, oder das ist… egal. Ähm, dass die sich große Mühe geben, Frankfurt zu vermarkten und die bieten dann auch immer mal so Kulturpakete, Städtereisen an. Ähm, manchmal ist das Historische Museum da auch gefragt, aber eigentlich machen die ihr Ding alleine, ähm, was ich teilweise nicht so glücklich finde. Also ich fänds manchmal ganz gut, wenn sie dann doch auch den Kontakt auch zum Stadtmuseum suchen würden. Also ich denke, unsere großen, berühmten Kunstmuseen, die sind Aushängeschild überall. Aber sowas, wie so ein, naja, man kann ja fast sagen, so ein Museum mit nem lokalen oder regionalen Fokus, wo es nur um die Stadtgeschichte und das hat unser Stadtmarketing glaube ich nicht so, glaube ich noch nicht so im Fokus. Wir hoffen dann, wenn unser Museum neu gebaut ist, mit den ganzen tollen Dingen, die wir da vorhaben, dass sie damit auch ein bisschen mehr mit Werbung machen können. Und das ist ein bisschen schade, also wir wissen ja auch, dass, ich glaub vier Millionen Touristen nach Frankfurt kommen und wenn wenigstens zehn Prozent von denen ins Museum kommen würden, über das Stadtmarketing, wär das doch super.

NH: Ja, natürlich. SG: [lacht] Das ist nicht der Fall. Auch nicht gewesen, bevor wir jetzt gebaut haben und es ist so, dass die alle immer aufm Römerberg [Frankfurts Herzstück, keine zwei Gehminuten entfernt: Anm.d.Verf.] sind, das ist da vorne, weil das die ähm die, die Altstadt ist und die Paulskirche und der Dom, wo die Kaiser gekrönt worden sind. Da gehen alle Touristen hin, aber die wenigsten gehen ins Museum rein und das ist das, was wir ändern wollen, mit unserem neuen Konzept und unseren neuen Bau und hoffen, dass das dann vielleicht in bisschen besser klappt. Ich glaube, das kann noch wesentlich verbessert werden, so diese Verbindung zwischen Stadtmarketing und Stadtmuseum. NH: Jetzt komme ich schon zu meinen letzten drei Fragen. Kurz noch zu ökonomischen Aspekten, wer ist der oder sind die Träger des Museums? SG: Die Stadt Frankfurt, es ist ein rein kommunales Museum. NH: Wie relevant sind hohe Besucherzahlen für das Stadtmuseum? SG: Ganz wichtig, weil wir nicht voll subventioniert werden. Wir sind zwar ne kommunale Einrichtung, sind aber nicht voll subventioniert, das heißt, wir müssen Einnahmen generieren, von denen wir auch nen Teil behalten dürfen. Also von daher ist ein zum Einen mal wichtig, also wir finden für uns, wir finden unser Museum toll und schön, wir finden, das sollten so viele Menschen wie möglich sehen, aber es ist eben auch aus ökonomischen Gründen ganz wichtig, so viele Besucher wie möglich zu haben. Zahlende Besucher auch. (1) Und gleichzeitig finden wir, es darf nicht so teuer sein, also bei uns kostet der Eintritt vier Euro, sechs Euro und drei Euro, Kindermsuseum zwei Euro. Das ist im Vergleich zu vielen anderen Museen echt günstig und ähm, wir finden, das ist aber auch in Ordnung. NH: Reichen die bereitgestellten finanziellen Mittel zur Realisation aller Projekte aus?

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SG: Überhaupt nicht. Wir müssen für alle Projekte komplett Drittmittel akquirieren. Also wir müssen für jede Ausstellung, die wir machen, Gelder besorgen. Das, was wir kriegen, was von der Stadt getragen wird, sind die Personalmittel und das “warme Haus”, das heißt Gas, Wasser, Strom oder Heizung, Wasser, Strom, Müllabfuhr und Gebäudeunterhaltung wird von der Stadt getragen, alles darüber hinaus, Inventarisierungsmittel, Ankaufsmittel, Projektmittel für Ausstellungen und Publikationen, das müssen wir alles besorgen. NH: Ich hätte da noch ein paar ergänzende Fragen. Ich denke, ich habe verstanden, wozu der neue Bau dienen soll, aber die Ausstellung erschien mir ja sehr neu, die hatte für mein Empfinden keinesfalls irgendwelche Alterserscheinungen. SG: Die, die Sie jetzt gesehen haben? NH: Ja, genau. SG: Nee, nee, die ist ja auch ganz neu. Das kann ich erklären, also das sind zwei Teile. Das wo Sie jetzt waren, das sind die historischen Gebäude des Museums, die haben wir saniert und die haben wir dann im Mai begonnen einzurichten und im August haben wir diese Sammlerausstellung neu eröffnet. Also das ist alles komplett ausgeräumt, komplett entkernt gewesen und alles ist neu, also das gehört mit zu dieser neuen Konzeption, auch unterschiedlich umzugehen. NH: Aha und das bleibt dann auch? SG: Das bleibt dann auch und dann kommt da, wo jetzt dieser große Teich ist [lacht] diese Wassergrube, da kommt dann das neue Ausstellungshaus hin. Das ist ja dann so zweigeteilt. Vielleicht haben Sie auch das Modell gesehen. NH: Ja, ja, ich hab das hölzerne Modell für den Neubau … SG: Genau, da sieht man das nochmal, das ist das neue Ausstellungshaus und da haben wir auf 2.000qm mit stadtgeschichtliche Ausstellung,

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1.000qm haben wir für Sonderausstellungsflächen und 1.000qm für die Gegenwart und die Zukunft. Das kommt aber erst noch und das andere haben wir ganz neu gemacht und deswegen ist es schön, dass Sie noch keine Alterungserscheinungen gefunden haben, das wird erstmal jetzt bleiben. NH: Ich fand das Konzept sehr spannend, bzw. hab ich es in der Form noch bei keinem anderen historischen Museum gesehen, dass man auf die Objektbeschilderung bewusst verzichtet und dafür die entsprechenden Bücher oder Kataloge beifügt. Wissen Sie, wie es dazu kam? SG: Ja, das kann ich Ihnen erklären, das kann ich Ihnen ganz genau erklären. Das ist natürlich ein Experiment, auch ein museumspädagogisches Experiment oder ein didaktisches. Also der Grund ist, dass wir in dieser Ausstellung die Sammlungen als Konvolute präsentieren, die der Grundstock des Museums sind. Das Museum ist vor mehr als hundert Jahren gegründet worden von einer Gruppe von Bürgern und einige von denen haben ihre Sammlung der Stadt gestiftet, um dieses Museum zu gründen. Einige Sammlungen waren vorher schon an die Stadt gestiftet worden, andere sind später dazu gekommen und wir haben gesagt: wir stellen diese Sammler und ihre Sammlungen vor. Es ist ja ein relativ altes und verwinkeltes Gebäude, es sind kleine Räumchen und dann muss man da die Treppe hoch und dann da durch nen Gang durch. Da haben wir gedacht, das machen wir, wir stellen diese Sammler mit ihren Sammlungen in den Räumen vor und laden den Besucher, da im Eingangsbereich stehen ja diese ganzen Stelen, wo alle durcheinander reden, wie auf ner Stehparty und ähm sagen: ich bin der Johann Christian Senckenberg und hmm kommt doch zu mir, kommt mich beuschen und ich hab das und das gesammelt und so weiter und da die Sammler den Besucher quasi zu sich nach Hause einladen und dort die Sammlungen sind, haben wir gesagt: kein Sammler hat ein Objektschild neben seinen Sachen, der kennt ja seine Sammlung, der arbeitet ja dauernd damit und verbringt ganz viel Zeit und hat jedes einzelne Stück erjagt und kennt das, deswegen haben wir gesagt, wir verzichten komplett auf die Texte und machen dann diese Büchlein, wo ein bisschen


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Informationen auch über die Sammler zu lesen sind und dann die Zeichnungen von den Displays, wo die Objekte sind, wo man dann zu einzelnen Objekten, wenn man sich dafür interessiert, noch was lesen kann und ich habe beobachtet und das find ich ganz schön, dass viele Besucher sich tatsächlich eben genau mit den Objekten befassen und sich das ankucken und dann sagen: ach kuck mal, dieses Gewehr, da sind Intarsien drin und Edelsteine, so was hab ich noch nie gesehen, was ist das für eins und dass man dann nachliest. Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Museen, was man oft beobachtet, vor allen Dingen im Kunstmuseum beobachte ich das, dass die Leute von Schild zu Schild gehen und lesen oder ihre Texte lesen, oder ihren Audioguide oder ihre App lesen und teilweise die Gemälde gar nicht mehr ankucken. Das ist natürlich, aber es ist ungewohnt für die Besucher, die ähm manchmal ein bisschen irritiert sind, weil sie ja keine Texte haben. Und wenn man sich dann vorstellt, wir haben diese kleinen Münzen da am Anfang in dem Raum, wenn man sich vorstellt, was das für Texte wären, die da an der Wand hängen müssten, das ist doch grauenhaft, oder? NH: Ja, genau. SG: Also es sind so mehrere Sachen, die da zusammen kommen. Aber die Hauptsache ist, wir sind bei den Sammlern zu Hause und die haben keine Beschriftungen an ihren Sachen. NH: Das ist ein sehr sehr spannendes Konzept, wie ist das zustande gekommen, seitens der Kuratoren und der Museumsmacher? Wissen Sie da was drüber? SG: Ja, ich war dabei, ähm wir haben einige Jahre darüber gebrütet und auch unsere Konzepte immer mal wieder übern Haufen geworfen und bis wir auf die Idee gekommen sind, wir machen das so, dass wir tatsächlich Sammlerräume mit ihren Ausstellungen zeigen, mit diesen Ausstellungskonvoluten und haben dann auch noch diese Kinderspur dazu gemacht, diese orangenen Sachen, das sind alles für die Kinder, für die gibts auch ein extra Sammelalbum und die sammeln ja diese Bildchen ein.

NH: Hab ich auch gesammelt. [lacht] SG: Das macht jeder, deswegen haben wir ganz viele davon gedruckt. Ja, das ist aufgrund auch dieser verwinkelten Bausituation haben wir überlegt, dass es gut wäre, so ne Art Ausstellung da rein zu machen. Es gab ganz unterschiedliche Ideen, was man da ausstellen könnte. Was zur Architekturgeschichte oder zur Kindheitsgeschichte oder eine Riesensammlung da ausstellen. Und wir fanden dann: nee, die Sammlungen, die das Museum ausmachen, die der Grundstock des Museums sind, das wäre schön auch eben in ihrer Geschlossenheit. Das war so die Idee. Das ist ganz schön, wenn die Museografen, also die Ausstellungsgestalter dabei sind und dann die ersten Ideen, da sitzt man ja auch in langen Gesprächen zusammen und erzählt, was ist das für n Sammler, was ist das fürn Typ, was hat der gesammelt und dann kommen die ersten Ideen, die werden zu Papier gebracht und dann gibt es Skizzen und Zeichnungen, wie könnte man das in den Raum bringen. Das ist schon ein ganz schöner und spannender Prozess. NH: Das glaube ich Ihnen. Sie haben von den Zukunftskonzepten gesprochen, die besonders auch in dem Neubau thematisiert werden sollen. Bei der Ausstellung von Gegenwart und der Partizipation der Menschen kann ich mir das noch einigermaßen vorstellen, aber wie könnten denn so Zukunftsentwürfe aussehen? SG: Ja, das ist auch nicht so einfach, das stimmt. Ähm, wir haben jetzt drei Stadtlaborausstellungen, also Frankfurt jetzt Ausstellungen gemacht und da gibt es immer ne Mischung, da gibt es immer Beiträge, die sich eher mit der Vergangenheit beschäftigen, welche die sich mit der Gegenwart beschäftigen und dem »Jetzt« und »wie ist es für mich« und dann gibt es aber immer auch so visionäre Projekte. Wir sind gerade dabei, mit einem Stadtteil zusammen zu arbeiten und da gibt es schon auch Planungen und da gibt es auch Stadtplanungsarchitekten, die mal sich mit einem bestimmten Ding, ne Autobahnüberführung beschäftigt haben, wie könnte man das ändern. Eine Frau macht ein urban gardening Projekt, das ist ja auch irgendwie was ganz Neues gerade. Da gibts dann durchaus

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auch unterschiedliche Ansätze, auch wie wollen wir in Zukunft mit einander leben, also solche Sachen. NH: Das finde ich auch sehr relevant. Ich beschäftige mich in meiner Arbeit damit, wo es eigentlich mit dem Stadtmuseum jetzt im Spezialfall Köln, in welche Richtung es eigentlich gehen muss, was jetzt vielleicht unbedingt an der Zeit ist, zu überarbeiten und da ist halt eines der Schlagwörter »Bürger Forum«. Also das das Stadtmuseum auch ein Bürger Forum im Idealfall sein sollte, ein Ort der Diskussion. Das höre ich ja sehr stark raus bei Ihren Konzepten. SG: Ja, das sagen wir auch, das ist ganz wichtig und das ist auch gerade in der Diskussion mit den Stadtmuseen. Wir kennen uns ja alle und wir treffen uns auf diversen Tagungen. Auch die Stuttgarter sagen auch, das ist wichtig, dass man so einen Ort der Identität, oder zumindest darüber zu diskutieren, was für ne Identität hat unsere Stadt und ähm das können die Stadtmuseen eigentlich schon leisten und es wäre eigentlich mal an der Zeit das zu machen. Nicht nur immer wieder das Gleiche herbeten und die gleichen Images der Stadt und die Geschichte, die »Goldenen Tage« und sowas. NH: Genau, ich glaub, in Stuttgart wirds sogar extra neu gebaut, nicht wahr? Es gab bisher gar kein Stadtmuseum in dem Sinne. SG: Ja, genau, es gab noch keines, es wurde gearde eins gegründet. Es ist auch erstaunlich, wie unterschiedlich das ist, dass es manche Städte gibt, die bislang kein Stadtmuseum hatten. Ich glaube unseres ist 1878 gegründet, ich glaube, das ist schon eins von den älteren Stadtmuseen. NH: In der Tat, von meinen Recherchen her ist es ja gerade die Zeit der Vereinsgründungen, Ende 19. Jahrhundert, wo die Stadtmuseen als Sammlungen der Bürger gegründet werden und großen Zuspruch erfahren. SG: Ja, genau. NH: Aber nochmal zu den Partizipativen Konzepten, sie haben ja gemeinsam mit Kollegen vor einem halben Jahr ein Buch über partizipative Konzepte im Museum

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geschrieben. SG: Ja wir haben zwei Institutionen, nämlich das Historische Museum Frankfurt und das Stapferhaus in der Nähe von Basel in Lenzburg in der Schweiz. Wir haben zwei aufeinanderfolgende Tagungen gemacht und haben untersucht, was ist an der Partizipation dran, die jetzt gerade so modern ist und wie kann man das ins Museum integrieren und haben darüber hinaus noch weitere Kollegen eingeladen, ihre Erfahrungen und ihre theoretischen Übelegungen, was ist ein partizipatives Museum, warum sollte man das machen oder vielleicht auch nicht, wo sind die Möglichkeiten, oder die Grenzen und das ist so ein Sammelband, da haben wir das zusammengefasst. Das ist zwar jede Menge Arbeit [lacht] und ich weiß nicht, ob wirs nochmal machen würden, aber es war uns ganz wichtig im Zusammenhang mit unserer Neukonzeption und den Vorhaben, da haben wir gesagt, wir wollen uns mal mit Kollegen austauschen, die auch damit arbeiten. Wir sind uns ja bewusst, dass wirs nicht erfunden haben und das gab es ja auch schon vor vierzig Jahren und haben dann gesagt, wir laden uns die mal ein, machen ne Tagung, haben ne zweite Tagung dann noch gemacht und haben gesagt, so und jetzt schreiben wirs auch alles auf. Das war so viel Arbeit, da sind so viele interessante Gedanken und das ist ja auch alles so neu. Ja und da ist dann dieses Buch entstanden, plötzlich hatten wir ein Buch. [lacht] Und das Interessante ist bei diesen partizipativen Formaten erreichen wir Leute, die nicht die Leute sind, die normalerweise in das Stadtmuseum gehen. Also der herkömmliche Besucher eines Stadtmuseums ist Bildungsbürgertum. Gut ausgebildet, wohlhabend und so, der gewohnte Museumsgänger. Mit diesen partizipativen Projekten erreichen wir Leute, die sich sehr für ihre Stadt interessieren und auch engagieren, auch jede Menge darüber wissen, aber nie auf die Idee kommen würden, dass das Museum ein Ort für sie ist und indem die aber mitarbeiten und den Ort mitgestalten ist es was völlig anderes und ich hab wie oft mit Leuten geredet, die sagen: naja, eigentlich geh ich ja nicht ins Museums, das interessiert mich überhaupt nicht, aber ich hätte nie gedacht, dass ich mal fürs Historische Museum oder mit denen zusammen


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arbeite, war echt gut. Die kommen dann natürlich zu allen anderen Eröffnungen und kucken, ob die anderen Gruppen genau so toll gearbeitet haben, oder was die gemacht haben und das ist ganz schön auf die Art und Weise mit Leuten oder Besuchern auf die Art und Weise in Kontakt zu kommen, die von sich aus nicht auf die Idee kommen, obwohl sie sich ja für diese Stadt interessieren und für das, was wir in diesem Museum haben, aber es gibt eben immer noch diese Vorurteile Museum ist staubig und langweilig. NH: Ich danke Ihnen sehr herzlich für das Interview. SG: Gerne.

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NH: Vorab vielen herzlichen Dank, für die Zeit, die sich hier für mich und meine Arbeit genommen wird. Genau, kommen wir zu den Interviewfragen: 20 Stück sinds an der Zahl und worin, zum Einstieg bestehen denn die Hauptaufgaben des Kölnischen Stadtmuseums? WB: Du bist länger hier [deutet auf SP und lacht]. SP: Ähm, also momentan sind die Aufgaben des Stadtmuseums ganz Eindeutig die Darstellung ähm der Geschichte der Stadt Köln für die Museumsbesucher das ist denke ich ganz klar und eine der Hauptaufgaben ähm in der Dauerausstellung wir diese Geschichte eben so gut es geht präsentiert. Gleichzeitig sammeln wir natürlich die dingliche Überlieferung und letzten Endes ist es in Köln so, dass wir duch das Römisch Germanische Museum n Museum haben, was sozusagen die, was der Name des Museums schon sagt, im Grunde genommen die Geschichte bis 800 abbildet und wir sammeln sozusagen alles was nach 800 ist, sprich eigentlich die mittelalterliche Geschichte oder neuzeitliche Geschichte ähm genau, bis heute. Ja, also wie gesagt, wir sind ganz eindeutig ne Geschichtsinstitution gleichzeitig haben wir aber eindeutig n Bildungsauftrag, dementsprechend sind wir da in engem Kontakt mit Schulen, mit Schulklassen, sind sozusagen auch für die da, haben sozusagen diesen Bildungsauftrag auch offiziell dementsprechend sind wir eben nicht nur n Museum, sondern gleichzeitig auch Bildungseinrichtung. [deutet auf WB] Du kannst gerne ergänzen, wenn dir noch was einfällt. WB: Nee, perfekt. [lacht] NH: Ok, ähm Wer ist in Ihrem Hause verantwortlich dafür, was gesammelt wird? SP: [schmunzelt] Ähm, wit haben ne Inventarisierung als Abteilung, wie sie im Normalfall in jedem Museum eigentlich, wie es die in jedem Museum gibt. Ähm, da gibts auch ne Leitung, allerdings muss man sagen, dass es n wirkliches Sammlungskonzept glaube ich seit einiger Zeit schon hier nicht gibt. Ist auch n Manko des Hauses würde ich sagen, dass das nicht klar formuliert ist, was genau gesammelt wird, aber natürlich gibt es so nen groben Rahmen, ja, also wir sammeln die Sachen, die nen Kölnbezug haben und wenn irgend

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ne Sachen keinen Kölnbezug hat, dann kommt sie nicht in die Sammlung, aber es ist ähm, in gewisser Weise fehlt würde ich sagen so ne Fokussierung. Naja, das man sagt, wir brauchen von Objektgruppe xy mehr Exponate und dann geht ma hin und sammelt die und das ist so n bisschen oft dem Zufall geschuldet, würde ich sagen. Das betrifft aber eher die dingliche Überlieferung, die grafische Sammlung, da wird das glaube ich, etwas konkreter gemacht, weil die Sammlungsleiterin in der Grafik da so n bisschen ähm ich würd sagen besser informiert ist. Also die macht sich da mehr Gedanken drum und sammelt sozusagen mit mehr Fokus. NH: Genau. Das geht auch schon genau in die Richtung meiner nächsten Frage und zwar ob es für die Sammlung von Objekten für das Stadtmuseum bestimmte Strategien oder Sammlungsrichtlinien oder ein kuratorisches Konzept gibt. SP: Ja, wie gesagt. Also, es gibt kein niedergeschriebene oder keine niedergeschriebenen Regeln dafür, welche Objekte ins Haus kommen dürfen oder sollen ähm ja und es gibt wie gesagt, auch keine Strategie. Ja, dass man irgendwie sagt, bestimmte Objekte sollen mehr ins Haus geholt werden oder so. Zumindest ist mir das nicht bekannt, ich glaube das hängt vielfach von Direktoren ab, also von deren Interessengebieten, bzw. überhaupt von den leitenden Personen in den, im Haus hier. Wenn die sich eben für bestimmte Themenbereiche interessieren, dann werden eben entsprechende Objekte gesammelt, wenn das nicht der Fall ist, dann eben nicht. Also davon ist es stark abhängig. NH: Ok. Wir befinden uns in einem Stadtmuseum. Das Prinzip »Stadt« ist ja auch Gegenstand von Stadtforschung, wie beispielsweise Stadtsoziologie, Stadtplanung und weitere Bereiche. Steht die Arbeit des Stadtmuseums in einem Verhältnis zur Stadtforschung, gibt es da Verbindungen? SP: Tja, ähm … WB: Na zwangsläufig, oder SP: Hmm? WB: Eigentlich zwangläufig, ich meine… SP: Ja, natürlich. Klar, also nicht nicht auf jeden


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Fall. Auf der anderen Seite also es gibt ja, wo ist denn das, in Darmstadt glaube ich, ähm so n historisches Institut, ich glaube da, ich weiß gar nicht genau, die machen, die haben diese Eigenlogik der Stadt entwickelt. Martina Löw und Konsorten, ich weiß gar nicht genau. NH: [nickt] Hmmm. SP: Mit solchen Instituten haben wir eigentlich nicht viel zu tun oder ich würde fast sagen zu wenig zu tun. Man könnte da mit Sicherheit, allerdings auf nem sehr akademischen Niveau ähm ne Zusammenarbeit initiieren. Ist so n bisschen die Frage, wem das hilft, also ähm wie gesagt, also wenn man nochmal überlegt, was ist denn eigentlich unsere Aufgabe. Ich glaube, dass es unsere Besucher relativ wenig interessiert, inwiefern da die akademische Diskussion über Städte und ihre Aufgaben und so weiter. Also ähm das können wir hier sozusagen in der Ausstellung eh nicht abbilden, würde ich zumindest argumentieren. Es ist trotzdem interessant, also ich würde sagen, dass so ein Museum als wissenschaftliche Einrichtung irgendwie schon des auch machen sollte oder dürfte, zumindest. Hängt aber sicherlich auch, hängt aber sicherlich auch ein bisschen damit zusammen, dass wir vom Personalstamm hier eigentlich nicht die Mögleichkeiten haben und groß in solchen ähm ja akademischen Diskussionen zu beteiligen. Also, dafür fehlt glaub ich auch so n bisschen die Zeit. Das ist irgendwie leider schon so, aber also was ich rausgehört hab, so in den letzten Monaten und Jahren ist, dass das Stadtmuseum in Zukunft sicherlich ne stärkere Bedeutung spielen soll, was so die stadtinterne Diskussion über Stadtentwicklung, Stadtplanung und so weiter spielen soll und das halt ich auch für richtig. NH: Genau. Eine Stadt steht nicht still, sie ist immer im Wandel und ähm wie gelingt es, dieses Prozesshafte einer Stadt in einem Museum wiederzugeben? SP: [seutzt] Tja, ich meine im Rückblick ist Geschichte immer n Prozess, ne und ähm ich glaub insofern gehört das so zu den Grundfaktoren eines Geschichtsmuseums, dass da ne Entwicklung zu

sehen ist. Also ähm also ist ja ganz bestimmt von den einzelnen Exponaten abhängig und was man da dran so sehen kann aber. WB: … vom Stadtmodell und Zeichnungen, die die Entwicklung der Stadt zeigen. SP: Genau. Also ich denke bei der Entwicklung von Städten und so, also wenn es jetzt zumindest die Topografie betrifft, sind das eindeutig irgendwelche Karten, Ansichten, … WB: Fotos. SP: Modelle, Fotos und so weiter. Ähm ich weiß jetzt… WB: Es gibt dynamische Prozesse, die kann man sicherlich noch viel mehr abbilden ähm. SP: Ja, also zum Beispiel auf Objektebene wenns, was weiß ich, so um Kücheneinrichtungen geht oder wird sich, also kann man auch ne ganze Menge dran zeigen. Ähm, mir fehlt das hier allerdings so ein bisschen. WB: Wir sind doch, also es ist ja ne alte Konzeption, das was wir bislang noch haben, also das heißt sozuagen, ähm was wir halt gesagt haben, was Fotos und Stadtmodelle angeht das ja, aber da kann man sicherlich noch viel viel mehr darstellen, aber … SP: Ich finde man kann die, das Prozesshafte oder diese Dynamik ähm stärker zeigen, ja. Das geht so n bisschen unter bei uns, weil es, also wie gesagt die Konzeption des Museums is ausn frühen 80ern oder späten 70er Jahren und seit dem eigentlich nicht mehr grundlegend verändert worden und ähm die Anordnung der Objekte lässt es im Grunde genommen nicht zu, dass man diesen Prozess mitbekommt, ne. Das ist einfach durch die thematische Ordnung äh vor allen Dingen im Oberegschoss … WB: Ja. SP: … ist das einfach total schwierig, weil es eher so Schlaglichter sind, aber nicht in Bezug gesetzt wird zu meinetwegen politischen oder sonstigen Entwicklugen, also da muss man schon in der Geschichte sehr fit sein, um das mitzubekommen und das sind die meisten Leute, die hier herkommen nicht. Also ähm, ich würd sagen, das geht, das kann man machen, auch mit unseren Exponaten kann man das machen, ist momentan nicht der Fall, aber es wird sicherlich in Zukunft ähm der Fall sein, also es wird sich sicherlich in der kommenden oder neuen Dauerausstellung wiederspiegeln. Ja, auf

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jeden Fall. NH: Genau, das ist wohl auch eher ne Frage, die auf die Neukonzeption der Dauerausstellung ausgerichtet sein wird. Und zwar wie relevant die Verbindung von Geschichte und gegenwärtigen gesellschaftlich bedeutenden Themen im Museum ist. WB: [schnieft zeitlgleich ins Taschentuch] Entschuldigung, jetzt habe ich die Frage nicht verstanden.

[lachen] NH: Kein Problem. Wie relevant die Verbindung von Geschichte und gegenwärtigen aktuellen Prozessen im Museum? WB: Ja wenn man sich unsere jetzige Dauerausstellung anschaut hört die Gegenwart wann auf? SP: Hmm, 60er Jahre. WB: Aber auch das wird sich sicherlich ändern. SP: Ja. Also ich glaube, ja die jetzige Dauerausstellung, da ist die Gegenwart sozusagen, ist ja sozusage der eine Startpunkt. Man fängt an in der Gegenwart und dann ist man plötzlich nur noch in der Geschichte und ich glaub für die neue Dauerausstellung wird es so sein, dass man als Besucher immer wieder gespiegelt bekommt, wie ist es heute oder was ist die Konsequenz dessen, was da in der Geschichte passiert ist irgendwann für heute oder ähm was weiß ich, nimmt man die Frauenbewegung, ja. Also man könnte da einfach diesen Spiegel, den sollte man glaube ich immer mal wieder anbringen und in der jetzigen Dauerausstellung passiert das halt nicht, aber das ist sicherlich ein Aspekt, der auch aufgegriffen werden wird, ja eingeplant wird in die neue Ausstellung. NH: Was macht die Ausstellung aus, sind es die Objekte, die gezeigt werden, oder die Geschichte, die mit ihnen verbunden is? SP: [lacht] WB: Beides also die Objekte sind spannend wegen der Geschichte, die an ihnen, also wir haben ja keine Kunstschätze in dem Sinne, ok wir haben

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das Silber, wir haben sicherlich auch wertvolle Gemälde, aber da wir ja ein Geschichtsmuseum sind, würde ich sagen, es ist, also zumindest ist sicherlich auch ne Ansichtssache, weil ich find das vor allem die Geschichte transportiert wird über diese Objekte und weniger sozusagen, dass es sich jetzt da an Diamant, Goldschatz, sonstiges reiht. SP: Ja ich glaube auch, das ist so n bisschen ne Frage der Schule ähm… WB: Frau Wagner siehts sicherlich anders. SP: Ja, genau, also es gibt auch hier innerhalb des Museums darüber einfach unterschiedliche Ansichtsweisen. Ähm, also das Schlagwort ist ja immer so die Aura des Objekts und ähm ich glaub nicht an die Aura des Objekts in Stadtmuseen, also wenn, also ich bring das immer so als Beispiel ja, so wenn man im Museum Ludwig rumrennt und da nen Picasso sieht und man weiß, ok das Ding is irgendwie zehn Millionen wert und hat sonst was für ne Story, die irgendwie, die des aufgreift, da sag ich ok, das kann man auch in nen weißen Raum hängen, da kommen die Leute und fangen an zu sabbern, wenn sie es sehen, aber selbst das beste, tollste, schönste Gemälde, was in unserer Sammlung ist, hat diesen Effekt auf die Leute nicht. Der Effekt kommt einfach nur aus dieser Verbindung zwischen Objekt und Geschichte und ähm, also nur die Geschichte alleine bringts irgendwie auch nicht, dann, also man kann ja keine Texttafel an die Wand hängen, das hilft ja nem Museumsbesucher auch nicht, ich glaub, das ist insbesondere für Stadtmuseen einfach diese Verbindung, die ganz entscheidend ist und viel viel wichtiger als sozusagen die einzelnen Teile. Ähm, aber klar, wie du sagst [deutet auf WB] ne, also wir haben schon auch Objekte, die an sich irgendwie so n speziellen Wert haben, aber ich glaub das ist oftmals eher für Kenner der Materie irgendwie … WB: Ja eben. Also … dieses Porzellan … SP: Also wenn man da zum Beispiel an den Vater Rhein denkt … das ist vom Kunsthandel her gesehen n exorbitantes Teil, aber das sieht ja der Schüler, der da reinkommt nicht. Hm, der erkennt das einfach nicht an und das ist auch nicht, das liegt ja nicht daran, dass er das deswegen dann doof findet, sondern weil ers nicht besser weiß und das ist auch nicht schlimm, äh aber deswegen würd ich


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sagen man muss einfach fürs Stadtmuseum diese Verbindung auch stärker rausstellen, ne. So, das müsste man einfach … das ist so der, der ähm Bonus, den wir haben, ne, dass sozusagen jedes Objekt ne Geschichte erzählt … WB: Ja, dass auch so jedes Objekt halt einfach ne Hilfe is, sich in die damalige Zeit zurück zu versetzen. SP: Ja, genau. Medium irgendwie, ne. Find ich auf jeden Fall.

[WB hustet] NH: Sie arme. WB: Ich bin total ansteckend. Ja … [NH lacht] Tschuldigung. NH: Ähm, wie ist das Verhältnis von Informationsvermittlung und Unterhaltung beim Museumsbesuch? WB: Ansichtssache, oder? [SP, WB lachen] Nun, auch das kann man in einer Neukonzeption sicherlich verbessern, denke ich mal. [WB lacht] SP: Ja, verbesserungswürdig isses auf jeden Fall. Ich weiß nicht, du hast das doch mit deiner Tochter gemacht [deutet auf WB] Die … WB: Also wir haben durchaus auch für Kinder zwei drei Sachen, die nen gewissen Unterhaltungswert bringen, also beispielsweise wir haben ne Ritterrüstung, die man anziehen kann. Ahm, bei Kindern isses ja sowieso, also ich glaub die Elternanimation schafft ja, also schafft man da als Elternteil sozusagen Unterhaltungswert oder nicht, ahm, aber einfach sozusagen, was jetzt von der Erwachsenenebene aus gedacht ist, also wir haben weder Touchscreens, wo man irgendwelche Sachen machen kann, ahm, noch haben wir Erlebnisräume, noch haben wir irgendwie Großinszenierungen, oder zumindest kaum Großinszenierungen, ich überleg grad, wir haben oben ein großes Foto, sonst haben wir nicht so viel. Da würd ich sagen, es ist bei uns doch bislang mehr also hauptsächlich auf der reinen sozusagen Objektpräsentationsebene und weniger sozusagen in Richtung Eventausstellung. >Telefon klingelt im Hintergrund, Tele-

fongespräch…< SP: Ja ich glaube, das war einfach in den 1980ern noch nicht so entscheidend. >Telefongespräch im Hintergrund< Irgendwie ist das Museum einfach auch ein Kind seiner Zeit. Das sieht man einfach auch. In unserer Sonderausstellung versuchen wir das verstäkt, auch so Interaktion zu ermöglichen, ähm, auch im Zweifelsfall mehr Sinne als sozusagen die Augen oder den Kopf irgendwie miteinzubeziehen, das man irgendwie was hören, riechen, gegebenenfalls schmecken kann, ähm, aber in der jetzigen Dauerausstellung würde ich sagen fehlt das eigentlich. WB: Also auch solche Sachen wie in Hamburg, die Teile, die neu gemacht worden sind, da gibts ja viel für Kinder zu entdecken, zum Auf klappen, Zuklappen oder es gibt da irgendwie Schiffe, in die man reinklettern kann, die halt nachgebaut worden sind. Das haben wir nicht. NH: Ähm, zu Aspekten der Ausstellung. Wer entscheidet, was im Museum ausgestellt wird, also sowohl bezogen auf die ständige Sammlung, als auch auf Sonderausstellungen? [WB schnaubt ins Taschentuch] SP: Das ist eigentlich ganz unterschiedlich. Also ich mein die ständige Ausstellung, da verändert sich tatsächlich nicht so viel. Also immer mal wieder wird irgendwas ausgetauscht, zum Teil aus konservatorischen Gründen, aber auch, weil mal irgendwas ausgeliehen wird oder so ähm da würd ich sagen, wird das eher pragmatisch entschieden, also was weiß ich, wenn n Objekt bestimmter Größe daraus genommen wird, dann wird versucht, n Objekt bestimmter Größe da wieder reinzustellen, um einfach da nicht irgendwie ne kahle Stelle zu lassen. Ähm, ich meine grundsätzlich ist das natürlich, egal ob das jetzt Sonder- oder Dauerausstellung betrifft, äh immer mit den, mit der Direktion abzusprechen, ja, also ansonsten, ich mein es gibt schon, für so die Sonderausstellung Kuratoren, die dann auch eigentlich relativ weite Freiheit haben, was die Objektauswahl betrifft, aber es wird sozusagen abgesegnet am Ende ja, also ähm ich würde sagen, das

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ist so n Schaffensprozess, der oftmals auch mehr als nur den Kurator und den Direktor betrifft. Das ist dann denke ich mit den entsprechenden Sammlungsleitern, also ich mein so richtig haben wir das hier nicht, aber insgesamt zum Beispiel wenn die grafische Sammlung irgendwelche Ausstellungen macht und ich bin auf der Suche nach Objekten aus der Grafik, dann werd ich die Leiterin der Grafischen Sammlung fragen, weil ich da einfach nicht den Überblick hab und sie wird dann sozusagen mehr oder weniger eigenhändig äh entscheiden können, welche Objekte in die Ausstellung aufgenommen werden und welche nicht oder zumindest wir beide werden das dann untereinander irgendwie ähm (1) ausfechten vielleicht. [lacht] Ja, genau. Ich mein, also nur ganz, als Beispiel vielleicht, mir machen jetzt gerade, wir bereiten die Jubiläumsausstellung vor, das Museum wird 125 Jahre alt. Da sind im Grunde genommen sechs Bereiche vorgesehen und jeder Bereich hat einen Kurator, der sozusagen die Objekte vorgibt, nichtsdestotrotz wird das in der Gruppe entschieden oder zumindest diskutiert, ob das jetzt sinnvoll ist, das eine oder andere Objekt zu nehmen oder ähm ob es nicht vielleicht Gründe dafür gibt, ähm vielleicht dann doch nochmal zu tauschen, also ich würd sagen, dass ist einfach ein offener und dynamischer Prozess, der mit allen Kollegen, oder je nachdem wie viele halt beteiligt sind ähm einfach ausgehandelt wird. So würde ichs eigentlich beschreiben, also es gibt da niemanden, der so diktatorisch irgendwie seine Linie durchzieht oder durchziehen könnte, selbst wenn das gewollt wäre, würde das glaube ich nicht so leicht funktionieren. NH: Ja genau, das bezieht sich auch teilweise schon auf die nächste Frage und wer ist alles beteiligt an der Konzeption, bzw. der Umsetzung der Ausstellung, sowohl für die ständige Sammlung, als auch für die Sonderausstellung. SP: Also die ständige [WB hustet] Ausstellung. Nee, moment, fangen wir anders an. Also die Sonderausstellung, da gibts einfach verschiedene oder wechselnde Teams, das ist mal so, mal so, je nachdem, auch wie groß die Ausstellungen sind, ähm je nachdem welchen Fachbereich sie am ehesten betr-

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effen, ob es jetzt vor allen Dingen Mittelalter oder Neuzeit betrifft, da gibts ja einfach auch Leute, die verschiedene Interessen und Spezialgebiete haben. Ähm da kommt es immer zu verschiedenen Konstellationen, aber letzten Endes ist, würde ich sagen, das gesamte wissenschaftliche Team in der ein oder anderen Art und Weise beteiligt oder zumindest jeder mal an Ausstellungen beteiligt. WB: Ja und ich find die Restauratoren auch sehr stark bei uns. SP: Ja, das stimmt. WB: Das hab ich an anderen Häusern nicht so erlebt. SP: Ja, das stimmt, da hast du Recht. Ähm, wir sind aber n Haus mit ner sehr sehr großen Sammlung, es sind insgesamt irgendwie über 300.000 Objekte ähm und wir haben relativ viele Leute, die auch noch nicht so lang dabei sind, ähm haben einige Leute, die schon sehr sehr lange dabei sind, die dementsprechend nen relativ guten Überblick über die Bestände haben und da gehören eben auch die Restauratoren dazu. Äh dementsprechend haben die auch äh n relativ starkes Gewicht, was sozusagen die ähm Objektauswahl betrifft, aber dadurch, dass sie eben auch immer in diese Inszenierungsideen miteinbezogen werden, haben die auch, was das angeht, n ganz gutes Mitspracherecht und das ist eigentlich auch gut so, würde ich sagen.Ähm, wie war jetzt noch mal die Aussgangsfrage? NH: Wer alles beteiligt ist, an der Konzeption und der Umsetzung. SP: Achso, genau, also das betrifft vor allen Dingen die Sonderausstellungen. Ähm, bei der Dauerausstellung ist es momentan so, da im Grunde seit anderthalb oder zwei Jahren ähm ne Gruppe, die sich hinsetzt und damit begonnen hat ähm n Konzept durchzuplanen und da sind neben den ähm internen wissenschaftlichen Mitarbeitern, wir sind glaube ich zu sechst, ne? [fragt WB] Direktor, Stellvertreter, Grafische Sammlung, Inventarisierung, Assistent, Marketing, Volontär, ja, sieben. Also sieben Interne und dazu kommen nochmal … sechs Externe. Also zum Teil sind es städtische Mitarbeiter, nciht nur, die arbeiten in Archiven oder anderen Museen oder Sammlungen hier im Umkreis. Also das ist auch,


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wir haben einfach versucht, glaube ich dadurch so ein bisschen den Blick auch zu weiten. Also eben nicht nur den Elfenbeinturm zu machen und irgendwie nur Museum, oder nur Museumsleute so aufeinander zu setzen, sondern da eben durch die Erfahrung, die Leute in Archiven ähm zum Beispiel auch haben nochmal nen anderen Blichwinkel reinzubringen, der natürlich auch stark inhaltlich gesprägt ist und weniger von Objektkenntnis, sondern einfach von der Kenntnis der Kölner Geschichte zum Beispiel. Ähm, is aber ne ganz gute Mischung, glaube ich, insgesamt. NH: Genau, ähm, wird die Dauerausstellung aktualisiert? Wenn ja, wie oft? SP: Also es passiert schon, würde ich sagen so einmal im Jahr, dass ein größeres Exponat getauscht wird oder ne bestimmte Ecke neu inszeniert wird oder einen neuen Fokus bekommt, aber das sind jetzt keine großen Würfe, also wie gesagt, so da geht es um den Tausch von nem Exponat, wenn wir zum Beispiel n neues Bild kaufen, was irgendwie in ner bestimmten Beziehung zu irgendner Abteilung steht, die wir eh schon haben, dann wird einfach gekuckt, ob da nicht die Möglichkeit besteht, das dahin zu hängen. Oder wenn wir einfach ein neues Objekt bekommen, dann wird versucht, oder n aussagekräftiges Objekt bekommen, dann wird versucht, dass in diese Ausstellung zu integrieren, aber das sind kleine kosmetische Veränderungen und nichts großes, sagen wirs mal so, aber nichts destotrotz. Wir versuchen oder planen das schon, das ist natürlich sehr sehr aufwendig, weil es im Grunde genommen so nebenbei laufen, also wir versuchen schon sozusagen eine Abteilung so grundsätzlich zu ändern, aber ob das wirklich passiert und wann das passiert und in welchem Umfang … WB: Das ist auch ne Budgetfrage auch immer. Also das städtische Budget ist ja auch nicht sehr üppig, also da ... SP: Ja, genau, es ist wirklich sehr schwierig da jetzt, wir, also anders gesagt, die Idee ist im Grunde genommen, den Eingangsbereich zu verändern, um sozusagen nen Vorgeschmack auf das zu bieten, was mit der neuen Dauerausstellung ähm so kommen soll, aber das ist ungeheuer schwierig, da wirklich

was großes zu ändern, weil das einfach Geld kostet, Zeit kostet, die wir irgendwie nicht wirklich haben. Deswegen, naja, mal sehen, ob das jetzt wirklich umgesetzt wird und wann, aber die Idee ist zumindest da, sagen wirs mal so. NH: An wen richtet sich die Arbeit des Kölnischen Stadtmuseums? WB: An alle. [lacht] Also so gesehen schon an alle, ich mein natürlich an die Kölner, dann natürlich an sozusagen Menschen von außerhalb, die hier herkommen und sich über die Stadt informieren wollen, also ich glaub, also es ist ja gerade auch so n Merkmal von nem Stadtmuseum, dass es ja eigentlich sozusagen interessant für alle sein sollte und müsste. Sozusagen, also von daher wüsste ich nicht, welche Gruppen man ausgrenzen sollte. Es gibt natürlich Gruppen, die erwischt man nicht so gut, aber nichtsdesto weniger hat man die ja auch als potentiell gewünschte Besucher sozusagen im Kopf. Von daher glaub ich, kann man da wirklich ganz pauschal “alle” sagen. SP: Nichtsdesto trotz ich mein, wir probieren natürlich schon bestimmte anzusprechen, ne. Also ich glaub wir haben schon irgendwie Zielgruppen, wo uns auch klar ist, dass es leichter ist, die davon zu überzeugen. Ich denk Kinder oder Eltern gehören schon insgesamt dazu. Also das ist auch eine große Besuchergruppe von uns oder für uns … WB: Ich glaub Jugendliche zwischen 16 und 22 fallen raus. SP: Genau. WB: Aber nichtsdesto weniger wär es schön, sie würden kommen. SP: Genau. Ja, auch Studenten, ist einfach schwieriger, also … WB: Aber die schon eher noch irgendwie, oder? WB: Aber ich glaub, die immernoch eher als irgend … SP: Noch eher, ja … WB: So der 18jährige an sich. SP: Das ist ganz klar, das ist ganz klar. Aber im Moment haben wir glaube ich n Loch so zwischen 14 und 30 oder so. WB: Ja. SP: Also wie gesagt, die Kleinen, die kommen und

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die Älteren, die kommen auch, wenn die wieder n Interesse haben, oder wenn die das entwickeln, n Interesse an Geschichte, dann erinnern die sich, dass sie vielleicht als Kind mal hier waren und kommen dann nochmal vorbei und kucken, oder wenn sie selber Kinder haben, dann kommen sie im Zweifelsfall mit ihren Kindern als Familie. Das ist, denke ich, ist aber für alle Stadtmuseen eigentlich so, dass dieses Problem einfach besteht und da wird man auch nix dran ändern können, glaube ich. Also da muss man sich, glaube ich, oder man kann da schon was dran ändern, aber nicht grundlegend, also jetzt vom, wie heißt denn das Museum in Neuss, das ist eigentlich n Kunstmuseum, aber die haben ne Party organisiert für 18-, 20jährige und das war sehr gut besucht. Also ähm das war so Samstag abends einfach so auch mit Inhalt irgendwie und das hat wohl ganz gut funktioniert, war aber n heiden Aufwand, ja und das ist so n bisschen die Frage, ob das sozusagen ne nachhaltige Aktion ist, oder ob das wirklich dann ein Mal halt Leute bringt und dann irgendwie nie wieder. Also es ist auf jeden Fall sehr schwer und da gibts mit Sicherheit Zielgruppen, bei denen das leichter ist, ähm die zu bekommen und da eben so nen Stein ins Rollen zu bringen. Ich glaub, wenn sich irgendwie rumspricht, dass im Stadtmuseum Köln irgendwie gute Kinderangebote sind, dann hat man sozusagen diese Gruppe aktiviert … das ist glaube ich, einfacher für uns. NH: Das Kölnsiche Stadtmuseum, wurd ja gerade schon angesprochen, zieht ja ein breitgefächertes Publikum an. Wie schafft man es, dieses anzusprechen? Sowohl in der Ausstellung, als auch außerhalb. WB: Ich mein in der Ausstellung gibt es, das kann man sicherlich noch viel mehr intensivieren, aber es gibt ja verschiedene Ebenen, also ein Mal sazusagen, die normale Ausstellung als solche ist sicherlich viel an Erwachsene gerichtet, so ist das einfach. Aber wir haben, zumindest gibt es ja einige Kindersachen, die wir auch haben, beispielsweise diese Rüstung, die man anziehen kann, ähm, es gibt sogenannte Entdeckertaschen, es gibt Rally-Bögen, das heißt es gibt schon einige pädagogische Mittel, um sozusagen das, was für die

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Erwachsenen präsentiert wird, auch für Kinder interessant und spannend zu machen. In der Außenwirkung ist es natürlich ähnlich, wir haben Begleitprogramme für Erwachsene, für Kinder, also da gibt es ja immer Abstufungen sozusagen. Gerade was die Präsentation in der Ausstellung angeht, da kann man sicherlich in der Neukonzeption sehr sehr viel verändern. SP: Glaube ich auch, also siehe zum Beispiel Rautenstrauch-Joest-Museum, ne, die im Grunde genommen so n Kindermuseum innen drin haben und das ist eben nicht nur so n Raum, sondern im Grunde genommen so ne Linie innerhalb der Ausstellung, die da so durchgezogen wird und … WB: Hamburg fand ich auch ganz schön … SP: Da war ich noch nicht. WB: Also das, was sie neu gemacht haben, ist echt schön. Also man sieht immernoch, dass was alt ist, das bricht raus, aber die haben schon ein paar ganz gute Ideen gehabt. Aber ich glaube, das ist halt auch was, das ist einfach auch so ne Entwicklung der neueren Zeit, als das Museum hier neu konzipiert wurde, da war das noch nicht das Thema, sozusagen. Wie schafft man es, unterschiedliche Ebenen für unterschiedliche Besucher einzubringen. NH: Wie ist das Verhältnis des Stadtmuseums in Bezug auf Besucherforschung oder Ausstellungsevaluation? WB: Wir hatten doch ne umfangreiche, oder? SP: Also, unsere super Forschung, die steht hier aufm Boden. [WB lacht] SP: Ähm, es gab, glaub ich bis 2008 ähm ne Besucherbefragung ähm, die mit viel zu langen Fragebögen verbunden war, also irgendwie acht, neun, zehn Seiten oder so, das hat immer ne halbe Stunde gedauert, bis die Leute das ausgefüllt hatten. Also sehr sehr mühsam, das Ganze natürlich EDV-gestützt, also die Befragungen würden dann händisch eingegeben in irgend son Computerprogramm und dann konnte man sich da bestimmte Auswertungen anzeigen lassen. Das wird jetzt momentan nicht fortgeführt, wird allerdings auch nicht benutzt, also


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>Tür geht auf, Person kommt in Zimmer< Unbekannt: Guten Morgen. SP: Guten Morgen.

Unbekannt: Stör ich? SP: Ich glaub, es wär besser… WB [zu Unbekannt]: Großen Dank schon Mal. Unbekannt: Nö, macht weiter. SP: Ok, tschüss. WB: Sehr schön, ich wurde schon unruhig. SP: Ähm, ja die Besucherbefragung wird nicht benutzt und ich wüsste auch ehrlich gesagt nicht ganz genau, wofür wir das jetzt irgendwie konkret einsetzen könnten. WB: Das Einzige, was ich gerne mal hätte, als Besucherbefragung ist, also auf der Seite, ähm, weißt du wie genervt man als Besucher ist, wenn man irgendwas gefragt wird. Ich würd einfach ganz gern wissen, warum sie gekommen sind, sozusagen, was hat man wann wo gelesen oder gesehen, was hat den Impuls gegeben. SP: Ja das ist aber auch wiederum die Frage, ob das Marketing funktioniert, ne? WB: Ja ja eben. SP: Ich glaube das hier wird überhaupt nicht angefragt. WB: Also das würd ich jetzt gern, also vielleicht demnächst auch mal stichprobenmäßig machen, dass ich irgendwie die Person an der Kasse bitte, einfach mal wild zu fragen an einem Sonntag, weil des fänd ich spannend. Ich weiß nicht, was da sonst so an Fragen sind. SP: Also es wurde hier tatsächlich gefragt, als zweite Frage, man kann das mit Sicherheit rausbekommen, weil diese Daten noch irgendwo digital bestehen, also das könnte man wohl schon machen. Vielleicht lässt sich daraus auch so n bisschen ne Marketing-Strategie ableiten. Ähm, dumm wärs sicherlich nicht, aber momentan wirds auf jeden Fall nicht gemacht und ich bin eigentlich auch dagegen, dass so zu machen, wie es jetzt hier bis 2008 vorgenommen wurde, weil das immer zu aufwendig ist, also da müsste sich wirklich einer hinsetzen und wenn man Glück hätte, kann man am Tag irgendwie vier Besucherbefragungen durchführen können

… WB: Ja, halbe Stunde is Irrsinn, oder? SP: Ja, es ist einfach viel zu lang. Genau. WB: Dann komm ich auch als Besucher nicht mehr. SP: Eine DIN A4-Seite, zehn bis zwanzig Kreuze machen, das fände ich irgendwie angemessen, aber nichts destotrotz, es muss halt irgend wer tun, ne, also das darf man nicht vergessen. Das ist einfach auch zeit- und kostenintensiv. NH: Welche Rolle spielt die Beteiligung der Bürger der Stadt Köln an der Ausstellung oder der Arbeit des Museums? SP: Tja, Keyworker ist ja so das Stichwort dazu, ne. Ja, wir haben zwei Arbeitskreise die im Grunde genommen ehrenamtlich inhaltlich arbeiten und ähm vor allen Dingen Führungen anbieten regelmäßig, wöchentlich. Ähm, die werden auch immer wieder in Sonderausstellungen eingebunden ähm und machen dann auch Führungen durch diese Sonderausstellungen. Es ist aber im Stadtmuseum hier tatsächlich nicht so, dass Leute, die ehrenamtlich arbeiten wirklich konkrete Aufgaben übernehmen, die normalerweise irgendwelche Aufgaben von anderen Mitarbeitern hier im Hause, zumindest im wissenschaftlichen Bereich. WB: Also richtig partizipative Projekte in dem Sinne haben wir eigentlich auch nicht. Also es gibt sicherlich auch Sonderausstellungen, wo es noch explizit dazu vielleicht noch Objekte aus der Bevölkerung gibt, aber so wirklich unter partizipativen Projekt haben wir, glaube ich nichts, was … SP: Also das wirklich jemand genau, dass jemand wirklich teilnimmt oder das jemand ne Rolle spielt, also wir haben im Herbst 2013 das Eigelstein, also n Ausstellungsprojekt zum Eigelstein, ähm da is so ne oral history Sache dran angebunden, die mit der Universität gemacht wird, äh also ne Kooperation mit der Universität, aber unabhängig davon, dass die Leute natürlich dabei ihre Geschichten erzählen und erzählen sollen, haben die jetzt keinen Einfluss auf die Inszenierung der Ausstellung. Ähm, dass das geht, da gibts genügend Beispiele für, also man könnte des machen. Das glaube ich, ist aber von den meisten Kollegen hier im Haus eigentlich nicht

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gewünscht. Also weil es die, weil es natürlich damit zusammenhängt, dass man seine eigene Arbeit an bestimmten inhaltlichen Themen zurückschraubt und dafür zwei, drei Leute akquiriert, die das dann machen und man im Grunde genommen sich darum kümmert, dass diese Leute ihre Arbeit ordentlich machen können und denen irgendwie die Möglichkeit bietet, das zu tun, da bleibt eindeutig weniger Zeit, für die Aufgaben, die man sonst so hat. Also auch wenn insgesamt möglicherweise der Arbeitsoutput größer ist, muss man einfach seine eigenen privaten Vorstellungen davon, wie die eigene Arbeit aussehen soll, glaube ich verändern und ich glaube, dazu sind hier relativ wenig Leute bereit. Obwohl das Konzeot Keyworker ja eigentlich bei den meisten Kollegen, zumindest, die, die ich kenne, die das gemacht haben, also nicht im Stadtmuseum, sondern von außerhalb, ganz positiv verlaufen ist. NH: Finden museumspädagogische Programme auch außerhalb der Räumlichkeiten des Museums statt? WB: Also, außer Museumfest, was genau vor der Tür ist, wüsste ich jetzt. SP: Selten. Sehr selten. Also es gibt immer Mal wieder so Führunegn, die dann zum Beispiel, also weil wir ja in historischen Gebäuden sitzen, außen rum gehen. Ähm aber nicht vom Haus aus, natürlich gibt es irgendwelche Führungsunternehmen, die das machen, die dann unser Haus als Start- oder Endpunkt setzen und dann durch die Stadt laufen, sich dann irgendwelche Überreste ankucken ähm Römerturm oder was auch immer und dann hier ins Haus kommen und sich das dann hier nochmal auf ner anderen Ebene versinnbildlichen, aber von Haus aus selber… WB: Außer jetzt bei der Ursula-Ausstellung, da gabs ja diese Führung … SP: Ja, bei der Ausstellung gabs das auch, das stimmt, also nicht, was die Dauerausstellung betrifft, in Sonderausstellungen machen wir das ab und zu, das wird beim Eigelstein sicherlich auch wieder passieren, dass dann einfach Führungen hier im Haus in der Sonderausstellung starten und dann tatsächlich an den Ort der Geschichte ähm dann auch gehen, äh aber, es ist vereinzelt und auch nicht

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für jede Ausstellung machbar. Das bietet sich nicht immer an. NH: Die Vermarktung von Städten erfährt heute großen Zuspruch durch die Stadtpolitik. Städte bemühen sich um die Schaffung eines bestimmten Images und geben große Summen für entsprechende Werbekampagnen und Slogans wie “Be Berlin” oder “München mag Dich” aus. Wie ist da das Verhältnis des Stadtmuseums zur Kölner Stadtidentität, bzw. deren Vermarktung? SP: Ja, ist ganz interessant eigentlich, [zu WB:] hast du dieses Papier, hast du das mal gelesen? WB: Welches Papier? SP: Ähm, es gibt so n Papier, ich glaube, das ist noch intern, ähm, ist auch ganz egal, ähm also es ist kein öffentliches Papier, macht aber auch keinen Unterschied, also aushändigen kann ichs nicht, aber ähm ganz interessant ist, dass ähm offenbar eine Ergebnis einer Studie war, dass die Kultur eigentlich für die Marke Stadt Köln fast keine Rolle spielt, also für die Leute, die hier herkommen, spielt die Kultur, obwohl sie eigentlich geschätzt wird, oder das kulturelle Programm, keine ausschlaggebende Rolle. Also die Marke der Stadt Köln wird nicht mit Kultur in der Stadt Köln verbunden sein, sagen wirs mal so. Ähm, also ich glaub da können wir uns iregndwie nicht dran laben, äh an dieser Marke und das wird für uns offenbar keine wirkliche Rolle spielen können, auch in Zukunft nicht, äh nichtsdesto trotz können wir natürlich uns dranhängen irgendwie an die Marke Stadt Köln, weil die Leute natürlich als Touristen kommen, unabhängig davon, ob sie jetzt wegen dem Dom kommen oder wegen Karneval oder der Altstadt sind sie zumindest mal hier und das bietet für uns dann die Möglichkeit, sie auch ins Haus zu holen. Ob sie jetzt wegen unserem Haus gekommen sind oder nicht, also wenn sie kommen, ist das ja für unser Haus eher positiv. Ansonsten sind wir, glaube ich, nicht so eingebunden. In diese Diskussionen nicht so eingebunden und das hat die neue Wirtschaftsdezernentin ja groß angekündigt, ähm dass sie der Stadt Köln einfach ne Marke geben will und wird, ich weiß gar nicht ganz genau, wie da der Stand ist, also uns hat da niemand gefragt, aber das wundert mich auch nicht, weil es im Grunde genommen mit


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Köln Tourismus einfach ne GmbH der Stadt Köln gibt, die das, also die dafür da sind, das zu machen, das Wirtschaftsdezernat hat da einfach auch ein eigenes Interesse, das ist auch letzten Endes glaube ich in Ordnung, wenn das auf der Ebene läuft, ähm ich denk, die Institution, die da am ehesten noch ne Rolle spielt ist glaube ich der Museumsdienst, weil die glaube ich auch das Marketing für alle übergeordneten Kölner Museen machen oder machen sollen ähm dafür sind wir auch nicht genug ausgestattet, ausgerüstet würde ich sagen, also personell nicht und auch finanziell nicht, um da irgendwie ne Rolle zu spielen. Sehe ich irgendwie nicht. NH: Wer ist der oder sind die Träger des Museums? SP: Das ist die Stadt. Zu hundert Prozent. NH: Wie relevant sind hohe Besucherzahlen für das Stadtmuseum?

NH: Soll ich kurz warten? WB: Vielleicht kann ich ja auch schon was dazu sagen. NH: Und zwar, das hör ich ja schon völlig raus: Reichen die bereitgestellten finanziellen Mittel zur Realisation aller Projekte aus? WB: Nein, nein. Man kann was damit machen, aber man kann natürlich mit viel mehr Geld auch schöne Sachen machen. Das städtische Budget ist einfach nicht viel. Es gibt ganz enge Korsette, in denen man sich da befindet, also es ist einfach schwierig, beispielsweise können andere Museen, ähm das kenn ich halt auch von der Arbeitsweise, ich hab so n bisschen Einblick, was die Budgetlage angeht, wenn man das Haus der Geschichte ist, kann man sich Inszenierungen leisten, die sich ein Stadtmuseum einfach nicht leisten kann. Also…[SP kommt beendet das Telefonat]

WB: Schaden tut das nie. [lacht] NH: Soll ich die Frage nochmal kurz … SP: Na, ich würde sagen, das ist die einzige Messgröße für uns, also. Was ich vorhin gesagt habe, wir haben halt als Bildungsinstitution im Vergleich zu andern Museen nen relativ geringen Eintrittspreis, für Kinder ist es sowie so umsonst und überhaupt, auch für viele umsonst also an dem erwirtschafteten Geld werden wir nicht gemessen, ähm das einzige Argument für uns, auch das einzige politische Argument sind Besucherzahlen. WB: Je mehr Besucher wir haben, desto mehr kommen wir unserem Auftrag nach sozusagen. SP: Ja, genau … WB: Von daher würd ich sagen, dass ist die wichtige Größe. Also auch was Einnahmen angeht, also die Eintrittsgelder sind ja relativ gering und auch was den Shop angeht, wir sind jetzt nicht, gut der Buchladen im Museum Ludwig ist ja ohnehin irgendwie nicht vom Musem, aber ähm, wir haben auch keine teuren Sachen, die wir hier verkaufen im Shop. >Telefon klingelt< WB: Das ist einfach sehr im unteren Bereich. [SP geht ans Telefon]

SP: Also, wenn ich was weiß, sag ichs gern. [NH wiederholt die Frage] SP: Also, ich meine ausreichen tut es, es würde wahrscheinlich auch ausreichen, wenn wir gar nichts hätten, dann würden wir damit wahrscheinlich auch irgendwie klarkommen, es wäre unterirdisch wahrscheinlich, aber ich meine, wir müssen halt irgendwie mit dem leben, was wir haben, da gibts ja auch nichts dran zu rütteln. Also das Einzige, was man machen kann und das funktioniert auch irgendwie ganz gut sind einfach Drittmittel einwerben, ähm aber das rettet uns auch nicht. Also das ist ein ganz gutes Zubrot und ermöglicht uns bei der ein oder anderen Ausstellung auch etwas komplexere Inszenierungsideen zu verwiklichen, aber letztlich, ja also die Mittel sind nicht üppig und man merkt das auch. Also weil einfach viel, ich will nicht sagen provisorisch, aber unter den Möglichkeiten bleibt. WB: Also wir können uns jetzt nicht überlegen, für ne Wechselausstellung fünf neue Monitore anzuschaffen und dazu noch zwanzig Großinszenierungen anzubringen. Dafür reichts eben nicht.

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NH: Jetzt hätte ich noch so n paar Ergänzungsfragen zur Neukonzeption der Dauerausstellung. Da gibt es schon Pläne, Ansätze, wie ich rausgehört hab, aber ne konkrete Realisation oder es gibt jetzt nicht den Masterplan, wann das zu geschehen hat, oder wie da der Prozess ist? SP: Also das Haus ist ja sowieso insgesamt in ner Auf bruchsphase. Ich würd fast sagen, wir stehen eigentlich noch so der Auf bruchsphase bevor. Also es soll ne komplette Sanierung dieser beiden Gebäude geben. Gegenbenenfalls soll es auch nen Neubau geben, dementsprechend planen wir eben auch die Inszenierung der Dauerausstellung völlig neu und das machen wir seit ungefähr anderthalb oder zwei Jahren. Ähm, so grundsätzliche Ideen gibt es, aber es ist noch weit davon entfernt, wirklich konkret zu sein. Eigentlich haben wir ja ähm die großen Faktoren, die wir einarbeiten werden glaube ich auch gerade eben schon genannt, also zumindest Erlebnisausstellung soll da mit Sicherheit ne Rolle spielen und auch der Gegenwartsbezug wird auch eindeutig da wiederzufinden sein. Wie gesagt, es ist auf jeden Fall noch nicht fertig ähm wir sind sozusagen im Prozess das Ganze iregndwie neu zu strukturieren und es steht ja auch überhaupt noch nicht fest, ob das auch alles tatsächlich so passiert, also ob wirklich hier saniert wird und ähm wie lange das dauern wird steht auch noch nicht fest und wann es anfangen wird auch nicht. Dementsprechend kann man da noch überhaupt gar keine konkreten Aussagen zu treffen. NH: Hm, wenn ich mich recht erinnere, gabs glaube ich mal für den Neubau, bzw. Anbau des äh den Vorschlag von nem privaten Stifterpaar. Das war zumindest, was die Zeitung von 2009, 2010 verriet… SP: Es hat ein Ehepaar gegeben, die wollten, äh haben der Stadt Köln eigentlich einen Rohbau auf den Parkplatz setzen wollen und die Stadt Köln hätte sozusagen diesen Rohbau noch weiter bauen müssen und weiter ausbauen und umbauen müssen, ähm und die Inszenierungen natürlich da rein setzen müssen, ähm und das ist eben aufgrund von Meinungsverschiedenheiten im Rat der Stadt Köln eben nicht passiert, deswegen gibts jetzt nen neuen Anlauf sozusagen. Dieses Stifterehepaar ist

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dann abgesprungen, weil die es einfach satt hatten, sozusagen, also immerhin wollten sie der Stadt Geld schenken und das wurde halt nicht genommen. Die hatten das dann satt und darauf hin ist dieses ganze Projekt dann erstmal wieder auf Eis gelegt worden und wird jetzt halt, was den Plan angeht, oder soll halt aus städtischen Mitteln gebaut werden, aber auch dazu steht der Entschluss noch nicht, dementsprechend, also es kann auch anders kommen, das wissen wir noch nicht. NH: Es gibt einige Stadtmuseen, die sich gern in der Rolle des Bürgerforums, bzw. als Ort der Diskussion sehen. Kann man sich sowas auch für die Ausstellung vorstellen? SP: Ja, kann man glaube ich. Diskussionsforum. WB: Es ist sicherlich ein Aspekt, mit dem man die Stadtmuseen noch mehr in der Gesellschaft verankern kann. Ich fänds n schönes Projekt, wenn man sagen kann, bei jeder wichtigen Diskussion, die neue Stadtentwicklungen angeht, ist das Stadtmuseum mit einer der Punkte, wo man weiß, hier kann ich mich informieren, hier gibt es Diskussionsabende. Das fände ich ne gute, wichtige und wertvolle Entwicklung für Stadtmuseen. SP: Das seh ich auch so, also ich glaube, in einer Stadt wie Köln, wo ja eigentlich auch immer so diese Diskussionen so sehr virulent geführt werden ist das eigentlich, also stehen wir eigentlich an ner ganz guten Stelle. Also gewünscht is es sicherlich, ob sich das so realisieren lässt, also ich mein, es gibt auch ne ganze Menge Leute, die sich so einschalten in die Diskussion, da ist die Konkurrenz schon da und ganz spürbar, aber nichts desto trotz könnte man sowas ganz gut machen. Also ich denk zum Beispiel ans, wie heißt das Ding nochmal, Haus der Architektur, heißt das so? Naja, das ist zumindest so ne Vereinigung von Architekten oder zumindest Interessierten, die schalten sich auch immer ein und die haben auch n Interesse, was mit uns zu machen. Also ich könnte mir da durchaus was vorstellen, dass mit diesen beiden Institutionen da durchaus was möglich wär, dass das irgendwie so nen positiven Effenkt haben könnte und was auch das Stadtmuseum in der Diskussion irgendwie so n bisschen nach vorne bringt. Also ich glaube, dass


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für uns nicht nur aus inhaltlicher Sicht, sondern auch aus PR Sicht sinnvoll, dass zu machen, um uns im Gespräch zu halten. NH: Vielen herzlichen Dank für das Interview. WB,SP: Gerne.

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NH: Worin bestehen die Hauptaufgaben des Hamburgmuseums? BB: Ich glaub, das sind die klassischen Aufgaben eines Museums, ne, Sammeln, Bewahren, Vermitteln, Erforschen, ja ähm interessant und unterhaltsam zu sein für sein Publikum. NH: Wer ist in Ihrem Hause dafür verantwortlich, was gesammelt wird? BB: Eigentlich ist es die Direktion gemeinsam mit den Wissenschaftlern zusammen. Wir haben vier Wissenschaftler hier noch in diesem Haus, die sind sehr reduziert worden. Die gemeinsam überlegen sich sozusagen die Sammlungspolitik des Hauses. NH: Gibt es Sammlungsstrategien oder Sammlungsrichtlinien? BB: Ja, ich glaube, das ist das Museum sehr um Umbruch, also es wurden unterschiedliche Sachen gesammelt, wie man ja sieht, was sich in verschiedenen Epochen niederschlägt. Man hat Frühgeschichte hier bis in die jüngste, 21. Jahrhundert, man kann da nicht sagen, dass eingreifend systematisch gesammelt wurde. Ähm das ist im Moment sehr stark in der Diskussion, weil wir als Haus gar nicht so alleine dastehen, sondern auch Teil einer Stiftung geworden sind, die Stiftung Historische Museen Hamburg, ähm da sind die Häuser Museum der Arbeit, das Altonaer Museum enthalten, deren Außenstellen Hafenmuseum und alle haben natürlich eine bestimmte Sammlung, die sie zeigen und Sammlungen, die sie anlegen und darüber gibt es im Moment ne Diskussion, wie man sich da gemeinsam abstimmt, dass man nicht parallel sammelt oder sagen wir mal das man vor lauter Sammeln vergisst, bestimmte Dinge noch aufzunehmen in die Sammlung, weil das ist ja eine immer währende Herausforderung: was will ich eigentlich sammeln? Oder was erwarten die Besucher in vielleicht 50 Jahren von einem Museum zu sehen und da ist im Moment ne ziemlich intensive Diskussion unter den Wissenschaftlern in dieser Stiftung. NH: Wir befinden uns in einem Stadtmuseum. Das

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Prinzip Stadt ist ja auch Gegenstand von Stadtforschung, wie beispielsweise Stadtsoziologie, Stadtplanung und weitere Bereiche. Steht die Arbeit des Stadtmuseums in einem Verhältnis zur Stadtforschung, gibt es da Verbindungen? BB: Ja, ja das gibt es und es gibt vor allen Dingen das Ansinnen, das in der Zukunft noch viel stärker einzubauen, ähm wir stehen im Moment mit unserer jetzigen Direktion an so ner Schwelle ähm das Museum neu auszurichten und wir werden Ende April eine Ausstellung eröffnen für drei Monate, wo es um so Fragen geht, ähm „Wohin mit der Stadt?“ wie muss sich das Haus ausrichten für die Zukunft und da spielen solche Fragen wie Stadtentwicklung, auch soziologische Stadtentwicklung eine große Rolle. Inwieweit das jetzt eingebunden wird, die neuesten Konzepte hab ich noch nicht gesehen, aber das ist in Diskussion und ähm das soll auf jeden Fall Bestandteil dieser Ausstellung werden und soll auch Bestandteil der Neuausrichtung werden, aber für die nächsten Jahre angedacht, das ist natürlich sehr kostenintensiv alles. NH: Eine Stadt steht nicht still, sie ist immer im Wandel. Wie gelingt es, das Prozesshafte einer Stadt in einem Museum wiederzugeben? BB: Wir werden jetzt glaube ich zum dritten Mal das Stadtlabor „Next Hamburg“ einladen, ähm das ist so n sehr bürgernahes Forum, weiß nicht, ob sie davon schon mal gehört haben >MF kommt zum Interview hinzu< NH: Ich hab vom Stadtlabor Frankfurt gehört BB: Genau, wo man, wenn man so will auch n partizipatives Moment hat, wo einfach entworfen wird, wie kann die Stadt in der Zukunft aussehen oder sich der Bürger denken und das ist auch etwas, was dann hier, glaube ich zum dritten Mal stattfinden wird und auch im Rahmen dieser Ausstellung „Wohin mit der Stadt“. MF: Da entstehen auch Kooperationen mit der HCU, also der Hafen City Universität. Es gab ja letztens die Ausstellung zur großen Flut von 1962 und da hatten wir auch ne Vortragsreihe zum Thema Hamburg oder Hafenstädte und Flut und … BB: Flut im Umgang mit Katastrophen …


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MF: Genau. BB: Ja, nicht nur Hamburg betreffend, sondern auch in den Niederlanden, wie rüstet man sich eigentlich auf für Klimekatastrophe im weitesten Sinne und Fluten. MF: Und immer, wenn was thematisch passt, ist das halt super, wenn man das hier ins Haus holen kann, also von den Studiengängen, die sie da anbieten, also das ist hauptsächlich Stadtplanung, Architektur, Kultur der Metropole, Stadtethnografie. >NH wiederholt die letzte Frage für MF< MF: Find ich schwierig… BB: Das hab ich auch so n bisschen auf Zukunft geschoben. MF: Das ist glaube ich auch immer so der Ansatz, den man in einem Stadtmuseum verfolgt, ich glaube, bis in die letzten Jahrzehnte war einfach nicht der Ansatz so nen momentanen Prozess darzustellen, sondern man hat sich sehr stark als Geschichtsmuseum definiert und das ist ja glaube ich eine relativ moderne Bewegung… BB: Das beides. Sowohl als auch… MF: Das beides, oder das man den Fokus auf das Heute und die Zukunft auch richtet. NH: Genau, die nächste Frage geht auch weiter in diese Richtung: Wie relevant ist die Verbindung von Geschichte und gegenwärtigen gesellschaftlich bedeutenden Themen im Museum? BB: Im Grunde wird das versucht, so in Sonderausstellungen umzusetzen. Wenn wir zeigen, wie die Entwicklung in anderen Metropolen stattfindet und das hier in diesen Ort sozusagen zeigt, auch als Kulturmetropole oder als Metropole als Stadt, große Stadt, dann, glaube ich, versuchen wir immer so eine Verbindung herzustellen, aber ich glaube so in der momentanen Sammlung weniger. MF: Also da gibts ja die Ausstellung „Hamburg im 20. Jahrhundert“. >zu BB< Wann wurde die eröffnet? So um 2000 rum? Also da war der Bezug noch zeimlich nah, also da gibt es dann auch so n Zimmer zu den Yuppies, wie die in den 90ern gelebt haben, das ist ja noch ziemlich nah oder auch … BB: Selbstgelebte Geschichte ist da noch noch n bisschen so … MF: Genau, das was eben um 2000 rum passiert ist,

das ist wirklich dann die aktuelle Zeitgeschichte, die dann da auch dargestellt wird oder ich glaub in Zukunft, liegt da auch sehr stark der Fokus drauf, einfach noch viel stärker die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen oder herzustellen, aber bisher … BB: Oder es ist in den Vermittlungsangeboten, also das manche Museumspädagogen das dann auch in Vorträgen oder Führungen mit aufnehmen, also da inhaltliche Brücken schlagen. MF: Genau, das denke ich ist auch immer fester Bestandteil in der Vermittlungsarbeit. Also gerade so für Kinder, wie kann man sich das vorstellen, war das damals, wie ist das heute, aber das ist ja auch eher Stadard. NH: Was macht die Ausstellung aus: Sind es die Objekte, die gezeigt werden, oder die Geschichten, die mit ihnen verbunden sind? BB: Ich glaube beides und manchmal, da ist das mehr das Objekt, was ganz doll spricht und manchmal ist es vielleicht auch mehr die Geschichte, aber im Optimum wärs glaube ich immer beides. MF: Vielleicht sind das auch so die Unterschiede von den einzelnen Sammlungsbereichen, also wann die jeweils eröffnet wurden, welchen Fokus man darauf gelegt hat und teilweise, was hier so ne Besonderheit ist, ist dass es eben ganz viele fest verbaute Objekte auch im Museum gibt, zum Beispiel … BB: Das haben wir schon bewundert, das hier mit dem … MF: Ja, im Innenhof oder im zweiten Obergeschoss gibt es Decken und ganzes Mobiliar und das geht dann einfach nicht anders, außer dass man auf die Objekte eingeht, aber wenn das wirklich auktuellere Ausstellungen sind hat man dann glaube ich schon eher den Fokus auf die Themen und gekuckt, was können wir da für Objekte zeigen, also in der aktuellen, also jetzt letztens eröffneten Ausstellung „Taktgeber Hafen“ würde ich sagen, das definitiv der Fokus auf den Themen lag und nicht auf den Objekten. Man hat natürlich gesagt: Was wollen wir zeigen, was wollen wir erzählen und was zeigen wir dann dazu und ich glaub, das ist auch so n Wandel durch die Jahrzehnte.

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NH: Wie ist das Verhältnis von Informationsvermittlung und Unterhaltung beim Museumsbesuch?

Haus, die sagt, das mache ich und das mache ich nicht.

MF: Muss man wahrscheinlich mal ausprobieren. Sind Sie >deutet auf NH< jetzt schon mal durch gegangen?

NH: Ich hatte eingangs erwähnt, dass es in den Fragen immer mal wieder zu Redundanzen kommen kann, das ist wieder so eine Frage, auf die schon eingegangen wurde: Und wer ist alles beteiligt an der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung?

NH: Ich war im zweiten Stock und in Teilen vom ersten, aber komplett durch bin ich noch nicht, da habe ich nach dem Interview vor. BB: Der Ausstellungsbesuch dauert ja auch oft zwei bis drei Stunden, also das ist so das Normale, Durchschnittliche. MF: Das war die Frage? BB: Das war die Frage ja, ich glaube, ich würde das auch erstmal so stehen lassen, weil ich glaube, man kanns nur schwierig beantworten. MF: Ich glaube, natürlich es ist beides gewünscht. BB: Die Eingangsfrage war, was sind so die wichtigsten Aufgaben des Museums, diese klassischen Sammeln, Bewahren, aber da hab ich auch schon den Aspekt der Unterhaltung dazugefügt, weil ich den extrem wichtig finde auch. NH: Kommen wir zu Aspekten der Ausstellung. Wer entscheidet, was im Museum ausgestellt wird? Also sowohl in der ständigen Ausstellung als auch in den Sonderausstellungen. BB: Ja, das ist eigentlich auch ne Direktionsentscheidung, gekoppelt auch natürlich mit der wissenschaftlichen Fachkompetenz, je nachdem wer beauftragt wird, eine Ausstellung aufzubauen oder einer entscheidet auch, oder schlägt im Wesentlichen vor, welche Objekte gezeigt werden und welche Geschichten erzählt werden, aber ich glaube, das ist auch nicht nur so ein individueller Prozess, sondern schon n gemeinschaftlicher. Also bei „Taktgeber“ bei der letzten, wars ja auch ein ganzes Team von Mitarbeitern ganz unterschiedlicher.. MF: Gestaltern, die dann natürlich hinzugezogen werden… BB: Da kuckt man dann auch, was man hat und was man da erzählen möchte, aber last not least gibt es da natürlich immer die Direktorin hier in diesem

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MF: Genau, also feste Teams plus Gestalter und Direktorin. BB: Naja, aber es kann auch, wie bei ganz großen Projekten, wie „Hamburg im 20. Jahrhundert“ dann auch nochmal n Beirat sein, der berufen wird. Mensch, das ist n riesen Thema, Hamburg im 20. Jahrundert, wie gehen wir da vor, wie erzählen wir die Geschichte? Von vorne nach hinten oder von hinten nach vorne? Oder welche Themenbereiche müssen da rein und da war glaube ich das Kuratorium auch wichtig, die Ideen miteinzubringen und Entscheidungsprozesse zu bewirken, also das könnte auch mal der Fall sein. NH: An wen richtet sich die Arbeit des Hamburgmuseums? BB: >lacht< Na natürlich an alle, muss ich jetzt so als Marketingfrau sagen, aber ich hoffe natürlich, dass uns alle Hamburger und darüber hinaus interessant finden. MF: Alle Touristen auch international solls natürlich ansprechend sein. Es gibt hier ja sehr viele Touristen, die das Museum besuchen, also ich glaub das Haus muss sehr viele Zeilgruppen im Blick haben, vielleicht mehr als manch andere Häuser. Also Hamburger, sowie Touristen, national und international, Kinder, sehr viele Schulklassen sind auch auch hier, dann aber auch Stammbesucher sozusagen. BB: Neuzugezogene, ist auch ne interessante Gruppe. MF: Studenten, junge Erwachsene, … BB: Alle ist ein schönes Wort. NH: Genau, das haben sie ja angesprochen. Das


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Publikum des Hamburgmuseums ist sehr heterogen. Wie schafft man es, dieses anzusprechen? Also sowohl in der Ausstellung als auch außerhalb. MF: Naja, in den Ausstellungen ist es natürlich immer schlau, an den Alltagswelten der jeweiligen Zielgruppen anzusetzen und die damit zu packen oder was zu zeigen, was sie berührt, was sie kennen. BB: Ja, also ich glaube, das der Hafen ne große Rolle spielt, hier in der Hafenstadt, dass da auch ne Menge Entwicklung und ne Menge Impulse von ausgehen. Das ist ja auch ein Faden, der in der ersten Etage beim historischen Rundgang ja auch immer wieder aufgegriffen wird. Die Entwicklung der Schifffahrt, die Entwicklung des Hafens in Verbindung mit der Entwicklung der Stadt. Ich glaube, das ist für Menschen was Greif bares, weil es auch da ist, aber auch solche Köpfe wie Störtebeker, die sind auch wichtig. Die erzählen nicht ein ganzes Museum, aber die sind wichtig, dass man so solche Objekte auch hat, woran sich irgendwie Märchen und Legenden entzünden und so weiter. Also es ist glaube ich sehr vielschichtig, wie man Menschen hier unterhalten kann und möchte. MF: Na klar, das ist auch unglaublich schwierig. Also man kann sehr viele Antworten darauf geben. Also wenn man wirklich an alle Zielgruppen denkt, nur allein, wie würden wir Kinder ansprechen, dann würde man schon sehr viele Antworten erhalten. Wenn man wirklich jetzt alle Gruppen durchdenkt. BB: Ja, die Ansprache ist auch so unterschiedlich. MF: Ja, das ist wirklich. BB: Wir haben auch jede Gruppe gut vertreten, wir haben unheimlich viele Touristen, unheimlich viele Famlilien, wir haben auch ne Menge Einzelbesucher. Unsere Besucher sind durchschnittlich 42 Jahre als, man würde denken, dass die viel älter sind und für alle Gruppen versuchen wir auch was parat zu halten, also für ausländische Besucher sind wir noch n bisschen sehr schwach, da geb ichs zu so sprachlich sind wir da nicht doll ausgebaut. Deutsch/ Englisch gerade und dann haben wir noch nen Audioguide, aber da könnten wir bestimmt mehr machen, um die Zielgruppe auch zu befriedigen, aber ansonsten sind wir sehr bemüht, den einzelnen Zielgruppen spannende, auch aktuelle Veranstal-

tungen zu bieten. NH: Wie ist das Verhältnis des Hamburgmuseums in Bezug auf Besucherforschung, bzw. Ausstellungsevaluation? BB: Ja, wir haben ne große Umfrage 2009/2010 zuletzt gemacht, die Ergebnisse aus dieser Befragung sind auch immer noch sehr relevant ähm wir haben ne Postleitzahlen-Abfrage zur Zeit oder seit nem halben Jahr laufen, um zu kucken, was passiert wirklich, woher kommen unsere Besucher. Wir haben festgestellt, dass die sehr nah sind, dass die im 10km-Gürtel unsere Nachbarn sind, die hier herkommen und ja, darauf versuchen wir zu reagieren, da versuchen wir mit umzugehen und da sind wir auch gerade in der Diskussion, was heißt das eigentlich. Müssen wir da bestimmte Programme auflegen, oder bestimmte Veranstaltungen bieten, um diese Zielgruppen auch weiterhin anzusprechen. Also Bindung von Besuchern, aber da sind wir gerade im Moment in der Diskussion. NH: Das haben Sie ja mit den partizipativen Projekten angesprochen. Welche Rolle spielt die Beteiligung der Bürger der Stadt Hamburg an der Ausstellung oder der Arbeit des Museums? BB: Also im Moment noch nicht so ne große, das soll sich aber ändern. MF: Also vor allem jetzt auch mit der Ausstellung ist es angedacht, da mehr feedback zumindest von den Hamburger Bewohnern zu bekommen. NH: Welche Ausstellung? BB: Diese „Wohin mit der Stadt“. Da geht es auch um Vorstellungen, wie können die sich das Museum auch in Zukunft denken. MF: Oder was sollte ein Hamburger Stadtmuseum zeigen. NH: Wird das dann eher so n Diskussionsforum sein oder was für n Format ist das? BB: Ja schon, ne. Also es ist im Moment leider so n bisschen undefiniert, also da gibt es ja dieses „Next Hamburg“, dieses Bürgerforum, was sozusagen

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einläd, Bürger unter ner bestimmten Fragestellung einzubinden und einzubeziehen für die Lösungen zu Fragen der Stadt. Ich glaube es soll, also das weiß ich nachher mit größerer Bestimmtheit, aber es soll auch zu weiteren Diskussionsforen eingeladen werden. Aber so eine Partizipation wie sagen wir mal in Frankfurt, dass die nen Raum vorhalten für bürgernahe Ausstellungen, also das ist im Moment noch gar nicht Thema. So, das wäre im Grunde noch gar nicht so richtig machbar. Das wäre vielleicht machbar, wenn das Museum sich in den nächsten Jahren neu entwickelt und neue Ausstellungen, dass man dafür auch nen Bereich schaffen würde und man muss auch Personal dafür haben, also das muss jemand sein, der sowas mit begleitet. MF: Also das ist ja wirklich nur ne Sonderausstellung, von der wir hier sprechen, die zwei Monate oder so ungefähr dauern wird. Die wird auch nen Blog zum Beispiel haben, wo auch eben damit auch versucht wird, eben damit auch viel stärker Kommunikation mit den Hamburgern oder den Besuchern zu betreiben und die immer wieder nach Rückmeldung und feedback zu fragen, was die uns dann zurückspielen, aber der ist noch nicht gestartet, aber das ist dann auch parallel zu dieser Ausstellung gedacht. Also die soll dann nochmal viel stärker auf den Hamburger oder den Besucher eingehen. Ähm ansonsten, die Bürger selbst, das ist glaube ich schwierig, aber so verschiedene Gruppen, die werden immer mal wieder ins Museum integriert, oder bei Ausstellungsgeschichten gefragt, also ich kann ja mal kurz … Wir hatten hatten eben letztes Jahr so n Projekt mit dieser Wikimedia Community, das waren ja auch Hamburger letzten Endes, die sehr engagiert für Wikipedia oder Wikimedia arbeiten und mit denen haben wir dann zum Beispiel n Projekt gemacht, aber das ist jetzt nicht so der Bürger selbst, sondern das sind dann bestimmte Gruppen, mit denen man dann zu tun hat eigentlich. NH: Finden museumspädagogische Programme auch außerhalb der Räumlichkeiten des Museums statt zur Zeit? BB: Doch, ähm wenn es Führungen zum Beispiel durch die ehemals jüdischen Viertel Hamburgs, die

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ja alle ausgemerzt wurden, das man da sozusagen auf Spurensuche geht von Synagogen oder jüdischem Leben, dann gibt es dort Führungen oder zu „Taktgeber Hafen“ hatten wir zum Beispiel auch ne Hafenrundfahrt, also der Hafen hier und wie ist der Hafen jetzt heute in der Entwicklung und dann konnte man mit auf Exkursion gehen. MF: Wir hatten zum Beispiel eine Veranstaltungsreihe, die heißt „Hamburg nach fünf “ und das Konzept von dieser Reihe ist es, immer ein Thema zu behandeln. Das kuckt man sich sozusagen erst einmal im Museum an, es gibt dann ne kurze Führung zu der Thematik und dann kuckt man zu dem gleichen Thema in den Stadtraum, schaut sich das dann vor Ort nochmal an. Also diese Verknüpfung von Stadt und Museum ist da sehr stark in dieser Reihe, das ist dann einmal im Monat. NH: Die Vermarktung von Städten erfährt heute großen Zuspruch durch die Stadtpolitik. Städte bemühen sich um die Schaffung eines bestimmten Images und geben große Summen für entsprechende Werbekampagnen und Slogans wie „Be Berlin“ oder „München mag Dich“ aus. Wie ist da das Verhältnis des Hamburgmuseums zur Hamburger Stadtidentität, bzw. deren Vermarktung? BB: Ouh, also natürlich muss das Museum da auch aufgeschlossen sein. Ähm das ist klar, weil wir sind froh, wenn die Tourismusbranche uns mitvermarktet. Ähm, das ist in Hamburg ein bisschen ein Problem, weil da ist der Schwerpunkt oft auf Musicals gelegt und wenn es darum geht Hotelgäste und Hamburg ist ja ne wahnsinns wachsende Stadt, was Tourismus angeht, ähm da sind die auch bemüht, denen mit nem Bett auch gleichzeitig noch ne Musicalvorstellung zu verkaufen und so weiter. Da haben wir das als Museen schwieriger. Wir haben es auch manchmal schwieriger, weil wir nicht so viel Geld haben, dass wir nicht ganz große, renommierte nach außen auch wirkende Ausstellungen zu machen über Hamburg hinaus, deswegen versuchen wir da immer in Kontakt zu bleiben und zu überlegen, wie kriegen wir auch einen großen Teil der Besucher, die nach Hamburg kommen, also auch durch diese Tourismusorganisation Hamburg, das wir davon auch was haben. Das ist schwer, aber wir sind da in keiner Weise verschlossen. Also ich


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glaube, dass das in Bremen anders läuft, da ist das viel stärker ineinander verwoben und da hat man auch mehr Erfolg miteinander als in Hamburg, naja, ist auch ne viel größere Stadt, hat verschiedene Vermarktungszweige. Nee, nee auf keinen Fall, wir versuchen da mitzuhalten. NH: Noch ein paar kleine ökonomische Fragen: Wer ist der oder sind die Träger des Museums? BB: Wir sind eine Stiftung öffentlichen Rechts und ähm wir sind jetzt mehrere Häuser in der Stiftung Historische Museen Hamburg. NH: Wie relevant sind hohe Besucherzahlen für das Hamburgmuseum? BB: Höchstrelevant. >lacht< Ja. NH: Reichen die bereitgestellten finanziellen Mittel zur Realisation aller Projekte aus? BB: Was glauben Sie … ähm, nein. MF: Also hier ist es wirklich so ein „absolut nicht“. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo fast schlimmer sein könnte als hier. BB: Es geht uns finanziell gar nicht gut. Ähm, das liest man ja auch immer in den Zeitungen, dass Tarifabschlüsse, Tariferhöhungen gar nicht getragen werden können. Da muss man sich dann schon als Direktor artistisch was überlegen, wie man aus diesem Minus kommt, dass man vielleicht schon zu Jahresanfang mitgeliefert bekommt. Also es ist schon bitter.

in 50 oder 100 Jahren im Museum sein in Hamburg“ was aber natürlich einmal auf das Hamburg heute eher anspielt, was sollte man für die Zukunft bewahren, so in die Richtung. Also das wird auf jeden Fall auch so ne Fragestellung sein, wenn es geht um die Modernisierung eines Museums geht oder um das Stadtmuseum von morgen, aber so in der aktuellen Ausstellung Zukunft Hamburg würd ich mal sagen, spiel da gar keine Rolle, obwohl ja, die neueste Ausstellung „Taktgeber Hafen“, die ist ja schon sehr gegenwartsbezogen auf jeden Fall, aber auf jeden Fall geht das nicht über das jahr 2012 hinaus. BB: Zur Zeit sehe ich das Museum auch eher als Ort, als Forum, wo solche Diskussionen stattfinden würden, wo wir sagen könnten, wir verbinden uns mit verschiedenen Gruppierungen im Hamburg oder Organisationen und bauen hier so ne Art Forum für Fragen, die mit Zukunft zu tun haben, Stadtpolitik und was auch immer. Und so, wie es eigentlich auch immer schon der Fall ist, schauen, was haben wir hier, was ist jetzt, was ist Vergangenheit und von der Warte wagen wir einen Blick in die Zukunft so könnte man sich ja hier mit reinbringen. So, das könnte ich mir vorstellen, aber sonst geb ich dir auch recht, sonst sind wir da auch an dem Punkt nicht weiter. NH: Vielen herzlichen Dank für das Interview. BB: Ich hoffe, dass wir Ihnen da weiterhelfen konnten.

NH: Zukunftskonzepte. Also der Gegenwartsbezug wurd ja schon angesprochen. Es scheint so schwierig im Stadtmuseum zu sein, wie man sich Gedanken über die Zukuft machen kann oder in welchem Format könnte so was geschehen. MF: Also es geht jetzt darum, Zukunftskonzepte innerhalb der Ausstellung, wie so etwas thematisiert wird. Zukunft der Stadt, das ist bei dieser neuen Ausstellung eine Frage, die sicherlich auch auftauchen wird, ich weiß nicht genau in welchem Kontext. Es ist aber so ein „Was meinen Sie sollte

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Bildnachweis Bildnachweis für alle Fotos: Nicole Höhna

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Selbstst채ndigkeitserkl채rung

Versicherung: Hiermit versichere ich, dass ich die Arbeit selbstst채ndig angefertigt habe und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel genutzt habe. Zitate habe ich als solche kenntlich gemacht.

Ort, Datum

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Unterschrift


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Museum und Identität. Identitätskonstruktion im Stadtmuseum.  

Research Prosopal | Nebenthema meiner Bachelor-Abschlussarbeit an der Köln International School of Design. Bearbeitungszeit: 1 Monat

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