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Willkommen

Über KOMPASS „Entscheidend ist, dass man mitmacht.“ Diese Aussage von Professor Ulrich Lakemann ließe sich ideal auf die NaturFreunde und ihre Arbeit übertragen. Denn „Mitmachen“ ist grundsätzlich eine gute Beschreibung für die Arbeits- und Lebensweise der NaturFreunde. Die Aussage von Ulrich Lakemann, Professor für Sozialwissenschaften und Sozialplanung an der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena, stammt aber aus dem Interview zum Thema „Partizipation“ in diesem Heft. Ein fachlicher Blick auf die Bedeutung von Beteiligung, die die Grundlage vieler Aktivitäten bei den NaturFreunden ist.

„Beteiligung“ ist also das Oberthema des aktuellen Kompass-Magazins. Auch diese Ausgabe zeigt wieder unterschiedliche Anknüpfungspunkte fürs Mitmachen bei den NaturFreunden.

Sie können im Interview mit Anja Zachow und Franz Sommerfeld lesen, ob Beteiligung unterschiedlicher Generationen eine Frage des Alters ist, lernen in der Rubrik „Gesichter der NaturFreunde“ Walter Pilger, den Kassierer der NaturFreunde Thüringen kennen, und finden zahlreiche Vorschläge für Mitmachaktionen unter dem Motto „Beteiligung kann auch Spaß machen“.

Viele NaturFreunde kommen auch diesmal wieder ganz persönlich zu Wort. Sie berichten, wofür sie sich stark machen. Und was gemeinsam am besten geht - ob privat oder beim Leben im Verband. Unterschiedliche Schwerpunkte, unterschiedliche Menschen, aber ein Verband, bei dem man mitmachen und aktiv werden kann - das ist das Besondere an den NaturFreunden. Begleiten Sie uns ein Stück auf unseren neuen Wegen. Und wenn Sie möchten: Werden Sie Teil davon. Wir freuen uns auf Sie.

Simone Rieth Projektleiterin Kompass

Kennen Sie schon die Kompass-Ausgabe 1 zum Thema Familie? Und die 2 zum Thema Energie? Und die 3 zum Thema Internationales? Einfach kostenfrei bei uns bestellen. Oder im Internet unter www.naturfreunde-thueringen.de

Das Projekt „KOMPASS - NaturFreunde entdecken neue Wege“ wird gefördert durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“. Seite 2


Kennenlernen

Gesichter der NaturFreunde

In dieser Rubrik „Gesichter der NaturFreunde“ stellen wir die aktuellen Vorstandsmitglieder der NaturFreunde Thüringen vor. Ganz persönliche Antworten auf 20 Fragen stellen dabei die Menschen hinter den Ämtern und Funktionen vor. Denn ein Verband ist mehr als Sitzung und Satzung - Menschen engagieren sich für sich und für andere. In dieser Ausgabe geht es weiter mit:

Walter Pil ge

r

Landeskas sierer der NaturFreu nde Thürin gen

57 Jahre a lt aus Körne r Kontakt:

w a lt e r. p il g e r @ n a tu r fr e u n d e thueringen .de

Lieber Walter,

1. Kaffee oder Tee? Milchkaffee.

2. Klettern oder Kanu? Klettern.

3. Wandern oder Fahrrad? Fahrrad.

4. Vor dem Berg oder hinterm Berg? Hinter dem Berg. 5. Buchstaben oder Zahlen? Zahlen.

6. Am liebsten mache ich bei den NaturFreunden ...? ... an Seminaren teilnehmen. 7. An Menschen schätze ich besonders ...? ... ihre Hilfsbereitschaft, wenns darauf ankommt.

8. Das Besondere an der NaturFreunde-Idee ist ...? ... die Verbindung von sinnvoller Freizeit, Geselligkeit und Solidarität. 9. Das Leben ist zu kurz für ...? ... permanenten Ärger.

10. Damit NaturFreunde in Thüringen groß und bekannt werden ...? ... bieten wir ein tolles Programm, aber wir müssen mehr drüber reden.

11. Das Leben lebenswert macht ...? ... die freie Zeit mit Familie und Freunden. 12. Unter Solidarität verstehe ich ...? ... dass man sich unterstützt und dabei der Stärkere auch eine größere Last trägt.

13. In den nächsten drei Jahren ...? ... werden wir viele gute NaturFreunde-Aktionen im Unstrut-HainichKreis gesehen haben. 14. Meine Wurzeln liegen ...? ... im Revier, und darauf bin ich stolz.

15. Zum Zeitvertreib ...? ... würde ich viel mehr lesen, schreiben und fotografieren. 16. Der Atomausstieg ...? ... darf nicht nur auf dem Papier stehen bleiben. 17. Internationale NaturFreundeKontakte habe ich ...?

... leider noch nicht.

18. Das letzte Buch, das ich gelesen habe ... ? ... war der vierte Teil der Eragon-Saga. 19. Ehrenamt ... ? ... ist für mich der wichtigere Teil meines Arbeitslebens.

20. Meine Empfehlung für ein Naturfreundehaus ...? ... ist das NFH „Thüringer Wald“ in Gießübel, da haben Carmen und ich dieses Jahr unsere Hochzeit gefeiert.

Aktion „Frage 21“ Wollen Sie selbst Fragen an die vorgestellte Person stellen? Dann einfach Kontakt-Mailadresse benutzen und Ihre Fragen schicken.

Die spannendsten Fragen und Antworten veröffentlichen wir auf der Internetseite der NaturFreunde: www.naturfreunde-thueringen.de Seite 3


achtung findet: Die Fähigkeit, sich ernstgenommen zu fühlen. Grundlage dafür ist oft eine große Portion an Grundvertrauen, sich auf eine wertschätzende Auseinandersetzung einzulassen. „Entscheidend ist, dass ein Klima herrscht, dass man sich gern einbringt und mitmacht“, betont Professor Lakemann. „Nur so stärkt Partizipation die Akteure nachhaltig.“ Impuls

„Entscheidend ist, dass man mitmacht.“ Über die belebende Wirkung von Partizipation im Verein. „Partizipation ist in Thüringen kein Fremdwort mehr“, so sieht es Ulrich Lakemann, Professor für Sozialwissenschaften an der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena. Und er muss es wissen, denn er hat in einer vielbeachteten Studie 2011 für das Thüringer Sozialministerium untersucht, wie es um die Beteiligung in Jugendverbänden bestellt ist. Partizipation im Verband ist natürlich kein Phänomen der Jugend. Alle Vereine und Verbände sind vom Grundsatz her auf Mitbestimmung ausgerichtet und treffen so auch ihre Entscheidungen. Eine Selbstverständlichkeit also, diese Sache mit der Beteiligung? Mitnichten. Das Beste an der Partizipation

„Wenn wir Menschen gezielt an ihren Fähigkeiten ansprechen, ihnen Raum geben, sich zu entfalten und sich als selbstwirksam zu erfahren“, so Professor Lakemann, „dann ist das mit das Beste, was Partizipation leisten kann.“ Zu erleben, wie die eigenen Handlungen etwas bewirken, sorgt für Zufriedenheit und Selbstvertrauen - und das in jedem Alter. Und er weiß auch: „Gerade kleine Vereine und Strukturen haben viel bessere Möglichkeiten, flexibel auf die immer vielfältigeren Interessen von Engagierten heute einzugehen.“ Seite 4

Auch dies hat seine aktuelle Untersuchung gezeigt. Spiel mit offenen Karten

Aus professioneller Sicht ist wichtig, auch über die Metaebene von Partizipation zu sprechen. Welche Methoden bringen den gewünschten Erfolg, nämlich die hochwertige Beteiligung von möglichst Vielen? Welche Inhalte eignen sich, welche nicht? Auf diese Fragen muss jeder Verein seine eigenen Antworten entwickeln. Dabei ist die Kommunikation darüber entscheidend: Welche Entscheidungsräume stehen überhaupt zur Verfügung? Welche Themen sind relevant und für die Mitglieder wichtig? Vermeintliche Beteiligung, bei der das Ergebnis von vorne herein fest steht, findet Professor Lakemann geradezu schädlich. „Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, sich nur als ‚Dekoration‘ zu fühlen, der beteiligt sich im schlimmsten Fall nie wieder.“ Allerdings sind Misserfolge nicht per se ein Weltuntergang. „Wenn die Kommunikation stimmt und alle Beteiligten aufrichtig und authentisch an der Sache interessiert sind, dann kann auch ein Scheitern eines Plans eine wertvolle Erfahrung sein.“ Schließlich ist oft der Weg das Ziel und man lernt auch aus im demokratischen Miteinander erlittenen Niederlagen viel. Zur Partizipation gehört auch ein Aspekt, der oft gar nicht recht Be-

Beteiligung nur um der Beteiligung willen ist natürlich keine Lösung. Wo die Metaebene nicht geklärt ist, also keine Strukturen das Miteinander regeln, besteht die Gefahr, dass die Identität des Vereins, das Profil der Gruppe bis zur Unkenntlichkeit verschwimmt. Interessen Einzelner gewinnen die Oberhand über die Anliegen der Gruppe. Dabei hat die Bündelung von Interessen erst zur Bildung von Vereinen und Verbänden geführt. Sie sind nichts anderes als in Struktur gegossene Beteiligung. Damit das Ganze lebendig bleibt und kein starres Gebilde wird, dafür braucht man? Richtig: Partizipation.

Ulrich Lakemann ist Professor für Sozialwissenschaften und Sozialplanung an der ErnstAbbe-Fachhochschule Jena. Im Internet: www.lakemann.com Die Untersuchung: Lakemann, Ulrich; Morgenstern, Ines; Fieber-Martin, Kerstin: Partizipation als Qualitätsmerkmal von Jugendverbandsarbeit. Eine Untersuchung in den Thüringer Jugendverbänden. Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit (Hrsg.), Erfurt 2012.


mitmachen und dabei sein

NaturFreunde gemeinsam stark 1. Wofür machst du dich stark?

1. Wofür machst du dich stark?

Ich bin überzeugt: eine Demokratie ist nur zu sichern in einer Gesellschaft, die immer und immer wieder nach sozialer Gerechtigkeit strebt und Spaltungen überwindet.

Ich mache mich stark für offene und ehrliche Meinungen und Gespräche. Und den Schutz von Schwächeren - besonders von Kindern.

2. Was stärkt dir den Rücken? Zunächst ganz allgemein: Menschen, die ich mag und die mich mögen und mit denen ich in irgendeiner Form zumindest zum Teil Auffassungen

und Ziele teile. Dann, sehr persönlich: eine Familie im Hintergrund. Schließlich und nicht zu vergessen: seit Willy B. das Verwurzeltsein in Gewerkschaften und der Sozialdemokratie. 3. Was funktioniert gemeinsam am besten? Ziele umzusetzen, die zunächst wirklich visionär – sozusagen „spinnert“ - sind. Man sollte halt nicht zum Arzt gehen, wenn es um Visionen geht – eher dann, wenn man keine hat. Das sagt Christian aus Erfurt.

2. Was stärkt dir den Rücken? Der gemeinsame Kampf für eine gute Sache wie die Erhaltung der Natur und der Kulturlandschaft. 3. Was funktioniert gemeinsam am besten? Fast alles, was Spaß macht: singen, wandern, tanzen, lachen! Das sagt Karin aus Ruttersdorf.

1. Wofür machst du dich stark?

Ich lebe im privilegierten Teil unserer Welt. Somit gilt: Ich stehe mitten auf den Kreuzungen unserer Zeit: Wie und wohin transformiert sich unsere Gesellschaft hinsichtlich der Arbeit, der Gerechtigkeit, der Ökologie – die nationalen und internationalen Ungleichgewichte sind evident. Wenn ich hier fahrlässig wegsehe, habe ich einen wesentlichen Aspekt für das Gelingen des Lebens verfehlt. 2. Was stärkt dir den Rücken? Zunächst und vor allem vertraue ich den universell akzeptierten Methoden und Praktiken der kritischen Vernunft. Menschen können sich sinnvolle Ziele setzen, sie haben trotz gewisser - zuweilen tragischer - Irrtümer immer bewiesen, wie Zukunft zu gewinnen ist. Und ich liebe Traditionen, falls sie das Feuer weitergeben und nicht die Asche.

3. Was funktioniert gemeinsam am besten? Was wir ergründen und verändern wollen, daraus müssen wir eine Geschichte machen. Das Leben kann ja kein Ein-PersonenStück sein. Kurz gesagt: kämpfen, arbeiten und (!) feiern – das sind wohl die Dinge, die gemeinsam am besten gelingen. Das sagt Joachim aus Zella-Mehlis.

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Gute Beispiele

Partizipation zum Selbermachen

methodisch

Viele gute Gründe sprechen dafür, sich zu beteiligen. Einer der besten ist: Beteiligung darf auch Spaß machen! Denn schon der Aphoristiker Uhlenbruck wusste: „Wenn man Spaß an einer Sache hat, dann nimmt man sie auch ernst.“ Die folgende kleine Übersicht zeigt einen Ausschnitt aus den vielfältigen Möglichkeiten, sich mit Spaß und Interesse an Mitbestimmung und Demokratie bei den NaturFreunden einzubringen. Ob hochmethodisch oder niedrigschwellig, ob in Form eines ganzen Seminarwochenendes oder integriert in die alltägliche NaturFreunde-Arbeit: Beteiligung und Einsetzen für ein offenes Miteinander gelingt an vielen Stellen. Man muss nur das passende Plätzchen für sich ganz persönlich herausfinden!

Gute Ideen brauchen ein Ventil. Eingefahrene Denkmuster überwindet man am besten, in dem man neue Methoden ausprobiert - ob im Rahmen einer Mitgliederversammlung oder in Form eines ganzen Wochenendes. Wichtig ist die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und auch für überraschende Ergebnisse bereit zu sein. Manchmal ist die Kommunikation über den Weg allein schon fast wichtiger als das Ziel selbst. Für Einsteiger eignen sich am besten einfache Methoden ohne großen Vorbereitungsaufwand. Sie zeigen oft aber schon wirkungsvoll, wie Beteiligung funktioniert. Ein tolles Beispiel dafür ist die 6-3-5-Methode. Sechs Leute, die je drei Ideen jeweils fünfmal weiterentwickeln. Neugierig?

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„Ideenschmieden“

sichtbar

„Demokratiepfeile“

Engagement für eine Sache oder eine Grundüberzeugung gewinnt neue Mitstreiter, wenn man seine Ideen sichtbar für Andere nach außen trägt. T-Shirts mit Sprüchen sind nicht jedermanns Sache und es muss ja nicht gleich ein Tatoo für die Ewigkeit sein. Die Aktion „Demokratiepfeile“ ist eine Fotoaktion, die das Eintreten der NaturFreunde für Demokratie und Toleranz sichtbar macht und zwar im typischen Lieblingsumfeld der NaturFreunde: beim Wandern. Die Pfeile sind wie die weit verbreiteten Wegweiser an Wanderstrecken gestaltet. Ein Einzel- oder Gruppenbild zeigt: Wir stehen für Demokratie.


Buchtipp

erfolgreich in Serie

lesen und aktiv werden

„Politik im Grünen“

Ein Buchtipp, der neugierig macht auf Beteiligung! Das Buch ist für 4,50 Euro plus Versandkosten bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erhältlich. Wir verwenden nachfolgend Auszüge von der Internetseite www.bpb.de.

„Politik im Grünen“ - so heißt die mittlerweile sehr erfolgreiche Reihe der NaturFreunde Thüringen, die zwei Aktivitäten verbindet, die Teil der NaturFreunde-Verbandsidentität sind: Bewegung in der Natur, kombiniert mit spannenden Gesprächspartnerinnen und -partnern aus der Politik, das macht das landesweite Konzept aus. Niedrigschwellig und doch direkt und unmittelbar können NaturFreundinnen und NaturFreunde, aber auch Gäste und Neugierige mit dem politischen Gast, aber auch untereinander ins Gespräch kommen. Vorbehalte gegenüber „der Politik“ lassen sich durch eigene Anschauung leichter abbauen,

Ideen und Sichtweisen wechseln die Besitzer. Das ist reizvoll für die Mitwandernden, aber auch für die NaturFreunde als Verband. „NaturFreunde sind mehr als ein Wanderverein“ - das ist die Botschaft, die von den „Politik im Grünen“-Veranstaltungen ausgeht; in die Öffentlichkeit, aber auch in die eigene Mitgliedschaft hinein. „Eine tolle Sache, die das vielfältige Engagement der NaturFreunde für Natur und Politik prima verbindet“, findet auch die Landesvorsitzende Anja Zachow. Und wie so oft, gilt auch bei diesem Format der NaturFreunde: Der Weg ist das Ziel.

„Handbuch Bürgerbeteiligung“ von Patrizia Nanz/Miriam Fritsche Ob „Stuttgart 21“, Energiewende oder die Umgestaltung eines Stadtplatzes – Bürgerinnen und Bürger engagieren sich mehr denn je und suchen nach neuen Wegen der Mitwirkung sowie der politischen Partizipation. Keine Mandatsträgerin, kein Verwaltungsmitarbeiter kann es sich noch leisten, diese kraftvolle Bewegung zu ignorieren. Das Handbuch Bürgerbeteiligung bietet eine umfassende Informationsquelle sowie einen praxisnahen Einstieg in das Thema. Es stellt pointiert die Relevanz von dialogorientierter Bürgerbeteiligung in der modernen Demokratie dar und liefert einen strukturierten Überblick über die derzeit prominentesten Verfahren sowohl der klassischen Präsenz- als auch der internetgestützen Beteiligung: Wie funktionieren sie? Wie lange dauern sie und wer kann daran teilnehmen? (...)


Über die Bedeutung von Beteiligung bei den NaturFreunden

„Der Gegensatz heißt nicht Alt und Jung“

Anja, du vertrittst als Landesvorsitzende den Erwachsenenverband, Franz, du stehst als Landesleiter dem Jugendverband vor. Was ist aus eurer Sicht das Wichtigste für Partizipation bei den NaturFreunden? Franz: Aus Jugendsicht finde ich, dass möglichst mit wenig Aufwand viel erreicht werden sollte. Gerade junge Menschen lassen sich nicht so gern auf Dauer festnageln, sondern wollen an konkreten Dingen möglichst gleich noch heute arbeiten und nicht erst ewig diskutieren und hin und her.

Direkte und schnelle Mitbestimmung und Beteiligung ist wichtig.

Gerade unsere Erfahrung zeigt, dass Jugendliche gerne kurzfristige Maßnahmen unterstützen (Sommermaßnahmen) und langfristige eher meiden. Jedoch sollte man das als Verband nicht einfach hinnehmen und daran arbeiten, wie auch langfristiges Engagement für junge Menschen attraktiv gemacht und gehalten werden kann. Das macht ja den Reiz aus. Anja Zachow, 39, Landesvorsitzende der NaturFreunde Thüringen

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Anja: Der Knackpunkt jeder Form von Beteiligung ist für mich die Bedingung, dass sie ernst gemeint ist.

Dass klar ist, wohin die Reise geht, dass alle wissen, worauf sie sich einlassen.

Das bedeutet zum Beispiel auch, dass die Ergebnisse von Prozessen auch im Verband umgesetzt werden. Und auch auszuhalten, wenns länger dauert oder wenn die Ergebnisse nicht jedem in den Kram passen. Das gehört dazu. Und natürlich, dass sie gut strukturiert und moderiert ist.

Gelingt aus eurer Sicht das Miteinander von Jung und Alt? Anja: „Jung und Alt“ ist eigentlich nicht die richtige Kategorie. Es gibt gute Beispiele, wo das Miteinander gelingt, allerdings hängt das oft nicht in erster Linie vom Alter ab. Ich wünsche mir insgesamt aber noch mehr davon. Das Naturfreundehaus ist ein Beispiel, wo das Miteinander gut gelingt. Hier haben wir einen Baustein einer gemeinsamen Verbandsidentität schaffen können. Ausgangspunkt war dabei übrigens die Jugend. Hier engagieren sich Jung und Alt ehrenamtlich und nutzen es auch in allen Altersgruppen.

Franz: Ich denke schon, dass es auf sehr vielen Ebenen funktioniert. Gerade die aktiven Jungen und Mädchen sehen sich als Teil des Gesamtverbandes, also als NaturFreunde und nicht nur als Naturfreundejugend. Das ist sehr wichtig. Sie wissen, dass hinter den ganzen Freizeiten eine Gesamtbewegung steht, dass wir gemeinsam mit dem Erwachsenenverband eine bessere Gesellschaft anstreben und dass wir dabei nicht alleine auf weiter Flur stehen. Leider habe wir den Eindruck, dass das bei den Älteren oft vergessen wird. Natürlich ist es nicht einfach, wenn es darum geht, direkt zusammenzuarbeiten, da die Interessen doch sehr verschieden sind, doch im letzten Jahr gab es ja einige gute Ansätze. Wichtig ist vor allem, dass gerade die Älteren offen für junge Menschen sind und diese nicht als unwissend oder übermotiviert ansehen. Dazu gehört aber auch, dass sich beide Bereiche genügend Freiräume geben müssen, also akzeptieren, was die anderen tun. Und dies auch unterstützen, wenn sie selbst nicht mitmachen wollen, und sei es nur mental.


Warum sollte man das Miteinander von Jung und Alt überhaupt anstreben? Was bringt das? Anja: Wenn wir den Jugendverband als unsere Zukunft betrachten, müssen wir zusammenarbeiten. Es kann ja nicht unser Ziel sein, dass Leute mit 25 Jahren austreten und erst mit 50 Jahren wieder eintreten.

Ein eigener Jugendverband mit eigenen Interessen ist sehr wichtig, da können wir uns glücklich schätzen. Gemeinsam müssen wir schauen, wie wir die Übergänge aus dem Jugendbereich so gestalten, dass sie attraktiv sind. Die Angebote für junge Familien zeigen schon Wirkung, aber auch die sportlichen Angebote könnten hier ein wichtiges Scharnier sein. Franz: Ich sags mal ganz einfach: Miteinander ist man stärker und kann voneinander lernen. Von den Erfahrungen, die beide Gruppen gemacht haben, kann nur eine noch stärkere Bewegung sprießen.

Die Alteingesessenen können sich von der Motivation und Ideenfreude der Jungen mitreißen lassen. Und die Jungen können an der Erfahrung und der angesammelten Weisheit der Älteren wachsen.

Wer muss den grösseren Schritt auf den Anderen zugehen, Jung oder Alt? Anja: Das halte ich für die falsche Frage, denn beide müssen aufeinander zugehen und bereit sein, sich aufeinander einzulassen. Mancherorts bin ich ganz optimistisch, dass das gelingen kann. Franz: Auch aus meiner Sicht kommt nicht auf die Größe des Schrittes an. Erst einmal muss Akzeptanz für die Arbeit des anderen bestehen. Die Jungen dürfen sich nicht abschrecken lassen und die Älteren dürfen nicht abblocken. Die Neuen müssen neue Ideen bringen, die Etablierten müssen für neue Ideen offen sein.

Franz,Sommerfeld, 27, Landesleiter der Naturfreundejugend Thüringen

Das ist der Trick.

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KOM - PA - S - S

S wie Stärken Das Kompass-Magazin ist wieder einmal ein sichtbarer Bestandteil des Gesamtprojekts „KOMPASS – NaturFreunde entdecken neue Wege“. Dabei steht der „Kompass“ sowohl für ein tolles Bild der Richtungsgebung und Orientierung, er ist zugleich aber auch ein Kunstwort und teilt sich auf in * KOM wie Kommunikation * PA wie Partizipation * S wie Sensibilisierung und * S wie Stärken. Hinter den einzelnen Arbeitsbereichen verbergen sich unterschiedliche Schwerpunkte. So gehört zu „S wie Stärken“ bei den NaturFreunden gerade der internationale Gedanke

unmittelbar dazu. Hierzu setzte sich eine ganze KOMPASS-Fortbildung auseinander. Worauf kommt es an, wenn man international arbeitet? Was macht das Ganze so spannend? Und wo liegen die wichtigsten Stolpersteine, auf die man achten muss? Diesen und vielen weiteren Fragen ging die Fortbildung für MultiplikatorInnen und Ehrenamtliche auf den Grund: mit vielen Methoden, Inputs und Erfahrungsaustausch. Ganz besonderer Höhepunkt des Wochenendes: Kulinarisches aus aller Welt - natürlich selbstgekocht. Unter anderem gab es Fischpudding aus Norwegen, libanesische Hackbällchen und Cacık aus der Türkei... Welche Vorurteile und Vorbehalte

trägt Jeder und Jede mit sich herum, welche Ansätze gibt es, damit reflektiert umzugehen und bei sich und Anderen diese Denkmuster zu überwinden? Dazu fanden die Teilnehmenden Antworten - für sich persönlich und für den Verband.

Impressum

NaturFreunde Thüringen Projekt KOMPASS Hirschlachufer 71 99084 Erfurt Tel.: 0361-660 11 685 Fax: 0361-660 11 683 kompass@naturfreunde-thueringen.de www.naturfreunde-thueringen.de http://kompass.naturfreunde-thueringen.de Kontakt: Simone Rieth, Projektleiterin

Verantwortlich: Anja Zachow, NaturFreunde Thüringen e.V. Seite 10

Stand: Juni 2012


Interview zum Kennenlernen der NaturFreunde

„Mit bunten Aktionen macht Politik Spaß ...“ In der Region Hildburghausen gefällt uns besonders gut ... ... die Verbundenheit der Menschen mit der sie umgebenden Natur. Die Ortsgruppe ist aktiv ... … auf dem Rennsteig und Umgebung.

Das Besondere an der Ortsgruppe ist ... … dass sie eine junge dynamische Insel im grünen Wald ist.

Um Menschen zu begeistern braucht man ... … eigene Begeisterung und gute Ideen, die man allerdings auch selbst leben muss. Am besten an der NaturFreundeIdee ist ... … die Verknüpfung von Umwelt- und Sozialthemen.

Solidarität bedeutet ... ... ganz schlicht: füreinander da sein.

Die größte Herausforderung der Menschheit ... … ist sie selbst.

Gegen Rechtsextremismus muss man ... … offen Zeichen setzen: Kreative Ideen gegen braune Einfalt. Politik ist spannend, weil ... … es so unglaublich gute Ideen braucht. Wenn Menschen sich auf eingefahrenen Gleisen befinden, braucht es unglaubliche Energie und gute Ideen, um sie zur Veränderung zu bringen. Das ist spannend. Mitreden macht mehr Spaß als zugucken, weil ... … man Chancen zur Veränderung im eigenen Sinne hat, also die Welt ein Stück weit so zu gestalten, wie man es möchte.

Zum Aktiv werden in der Gesellschaft braucht man ... ... Boxhandschuhe, Knieschützer, Durchhaltevermögen und oft auch einen Helm.

NaturFreunde und Politik, das gehört zusammen, weil ... … mit spontanen und bunten Aktionen Politik unter anderem zum Schutz der Umwelt endlich wieder Spaß macht. Als nächstes haben wir vor ... … in der Umgebung Wurzeln zu schlagen.

Nächstes Jahr um diese Zeit ... … liegen wir in der Hängematte in Gießübel und amüsieren uns über die heutigen Antworten. NaturFreunde Region Hildburghausen Tilo, im Juni 2012 Kontakt: tilo.kummer@online.de

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