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«Schweiz braucht zusätzliche Fachkräfte» KADER In wirtschaftlichen Krisenzeiten wird auch der Kampf um die Topleute härter. Die Schweiz profitiert laut Tobias Mengis von Experteer an oberster Stelle. VON TANJA SELMER Für eine Studie des Karrieredienstes Experteer haben Marktforscher einen Netto-Talent-Import errechnet: Diejenigen Länder profitieren, welche die meisten Fachkräfte anziehen und gleichzeitig die wenigsten ins Ausland verlieren. Unangefochtener Spitzenreiter im internationalen Vergleich war 2010/11 wiederholt die Schweiz: Gut 50 Prozent mehr Spitzenkräfte nahmen hier eine Tätigkeit auf, als Fachund Führungskräfte ins Ausland abwanderten. Die meisten Zuwanderer, nämlich fast ein Drittel, kamen dabei aus Deutschland. Tobias Mengis, Country Manager bei Experteer Schweiz, kennt die Gründe. Tagblatt der Stadt Zürich: Herr Mengis, was macht die Schweiz auch für Deutsche so attraktiv? Tobias Mengis: Die Grundbedingungen – geringe Arbeitslosenquote, hohes Lohnniveau und hoher Lebensstandard – stimmen einfach. Darüber hinaus gibt es sehr viele grosse und namhafte internationale Unternehmen, die ihren Sitz in der Schweiz haben. Im Banken- und Pharmabereich zum Beispiel steuern die grossen Akteure ihr Geschäft aus der Schweiz heraus. Ergeben sich aus der starken Zuwanderung Nachteile für Schweizer Stellenbewerber? Mengis: Ich habe es noch in keinem Fall gesehen, dass erst im Ausland nach einem Bewerber geschaut würde und dann erst hier. In der Regel ist es doch nach wie vor genau umgekehrt. Wer als Schweizer die nötige Ausbildung und Qualifikation mitbringt, der kann hier ohne Probleme eine Kaderstelle finden. Da droht definitiv keine Arbeitslosigkeit. Die Schweiz braucht also die zu-

sätzlichen Fachkräfte?

ches Unternehmen betroffen ist. Bei Firmen, die international tätig sind, gibt es das Unternehmen mit einer reinen Schweizer Kultur sowieso nicht. Allein vom Geschäftsmodell sind solche Unternehmen ja auf die Internationalität angewiesen.

Mengis: Absolut. Nehmen wir als Beispiel die ITIndustrie oder den Bereich Forschung und Entwicklung. Langfristig ist es da für die Schweiz im globalen Markt essenziell, dass sie sich durch die ausländischen Fachkräfte die Marktchancen sichert und nicht den Anschluss Welchen Unterverpasst. Denn schied sehen Fachkräftemangel Sie zwischen ist ein direktes Indeutschen und novationshemm- Tobias Mengis ist Betriebswirt, hat die «Tages- Schweizer Kanis. Wenn gute Anzeiger»-Beilage «Alpha» mit aufgebaut und derleuten? Bilder: TS Leute fehlen, ist seit Juni 2011 bei Experteer. schlägt das direkt Mengis: Die auf die Wettbewerbsfähigkeit des Mobilität ist in der Schweiz ein TheUnternehmens durch. ma für sich. So wird eine Arbeitsplatzwahl oftmals in einem recht Besteht denn nicht die Gefahr, dass überschaubaren Kreis abgesteckt zu viele ausländische Manager die und geht kaum über die KantonsFirmenkultur verändern? grenzen hinaus. Ein Basler, der nach Zürich zur Arbeit geht, ist da eher Mengis: Es kommt darauf an, wel- schon die Ausnahme. m

Interview Tobias Mengis Tagblatt Tamedia  

Interview mit Tobias Mengis Country Manager Experteer Schweiz.

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