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Ausgabe März 2012

Eine Sonderveröffentlichung der Lombard Media Swiss AG im Handelsblatt

healthcare

Gesundheitssystem

Wie geht es Ihnen? Der Patient im Fokus des Systems Medizintechnik

Gesundheitsvorsorge

E-Health

Bessere Lebensqualität

Prävention am Arbeitsplatz

Verbindung schaffen


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Inhalt Prävention .......................................................................... Seite 3 Aktive körperliche Bewegung kann helfen, die Gesundheit zu erhalten, jedoch erreichen lediglich 10 bis 20 Prozent den Aktivitätsgrad, der ihnen hilft, gesund und fit zu bleiben. Mehr Eigeninitiative ist gefragt.

E-Health ...........................................................................Seite 11 Mit Telematik und Health-IT dem Fachkräftemangel und der demografischen Entwicklung entgegentreten: Patienten können effizient und optimal versorgt werden.

Medizintechnik .................................................................. Seite 4 Dank technischer Innovationen wird die Lebensqualität kranker Menschen verbessert. Besonders in der Behandlung von Herz-KreislaufErkrankungen sind deutliche Fortschritte zu verzeichnen.

Arbeitswelt .......................................................................Seite 14 Betriebliche Gesundheitsprävention steigert die Mitarbeitergesundheit und -zufriedenheit und kommt dem Unternehmen zugute. Studien belegen, dass sich jeder in Mitarbeitergesundheit investierte Euro durch den zu erzielenden ökonomischen Erfolg mehr als verdoppelt.

Titelreportage .................................................................... Seite 6 Unser Gesundheitssystem im Wandel: mehr Kooperation, stärkere Vernetzung und eine höhere Eigenverantwortung. Medizintechnik und Telemedizin fördern die Entwicklung.

Impressum

EDITORIAL Herausgeber und Verlag: Lombard Media Swiss AG www.lombardmedia.ch Konzept, Realisierung und redaktionelle Bearbeitung: newpublic communication Verwaltungsges. UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG Marie-Curie-Str. 11–13 53332 Bornheim Tel: +49 (0) 2227 921242 Net: www.newpublic.org newpublic-Redaktionsleitung (V. i. S. d. P.): Wolfgang Haselbauer, w.haselbauer@newpublic.org newpublic-Schlussredaktion: Daniela Wernze newpublic-Projektleitung: Pierre Knappert p.knappert@newpublic.org newpublic-Projektmanager: Nicola Koczy-Reuther, n.koczy-reuther@newpublic.org Nicole Schmitt n.schmitt@newpublic.org newpublic-Layout: Andreas Schnittker, Jaime Tollens Matthias Heintz Bildmaterial entnommen von: fotolia.com Titelbild: stethoscope © Franz Pfluegl Autoren: Dr. Michael Lang, Bettina Bernsdorf, Dr. Ralf Magagnoli, Chris Löwer, Jörn Rühl Verbreitete Auflage: 103.000 Exemplare als Fremdbeilage im Handelsblatt

Effizient versorgt Wer medizinische Hilfe in Anspruch nehmen muss, möchte sich in fachkundigen Händen wissen und vertraut darauf, dass sämtliche fachlich indizierten Maßnahmen zur Wiederherstellung seiner Gesundheit ergriffen werden. Diese Erwartungen dürften häufig erfüllt werden: Deutschland verfügt über eines der qualitativ hochwertigsten Gesundheitssysteme weltweit, konstatiert der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Frank Ulrich Montgomery. Und die gesetzlichen Krankenkassen haben im Jahr 2011 Überschüsse von mehr als vier Milliarden Euro erwirtschaftet. Doch kann der hohe Standard in Zukunft gehalten werden? Unser Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen. Die Kosten steigen kontinuierlich, bis zum Jahr 2020 rechnen Experten sogar mit einer Verdoppelung der Ausgaben. Die Folge: Die Patientenversorgung muss, auch angesichts nicht besetzter Stellen in Medizin und Pflege, ökonomisch effizienter werden. Unsere Titelreportage beschäftigt sich mit den Hauptakteuren im Gesundheitswesen und deren gewandeltem Rollenverständnis. Kooperationen und Vernetzung, unterstützt durch HealthIT, sind notwendig, um einen schnellen Informationsaustausch und hohe Effizienz zu gewährleisten. Autorin Bettina Bernsdorf beschreibt, wie moderne Telemedizin auch den Patienten in die Verantwortung nimmt – er kann mithilfe technischer Geräte beispielsweise Daten selbst erheben und weiterleiten, das spart Kosten und Zeit. Telematik und Health-IT können noch mehr: Verbesserte Diagnosemöglichkeiten, Erledigung bzw. Hilfestellung bei Routineaufgaben und umfassende Dokumentation sind nur einige Beispiele, die Autor Dr. Michael Lang in seinem Bericht zu E-Health beschreibt. Der Gesundheitsmarkt in Deutschland ist nicht nur der wichtigste Arbeitgeber, sondern zählt auch zu den umsatzstärksten Branchen.

Insbesondere die Lebensqualität von chronisch kranken Patienten kann dank Medizintechnik verbessert werden. In der Reportage „Innovative Medizintechnik“ stellt Autor Chris Löwer die Fortschritte dar, welche bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch moderne technische Geräte erzielt werden können. Hier wird aus der als Übergang gedachten Lösung zur Unterstützung des Herzens mittels mechanischer Systeme häufig eine dauerhafte Möglichkeit, das Leben des Patienten zu erhalten, wenn Spenderorgane noch nicht zur Verfügung stehen. Landläufig heißt es: „Die beste Krankheit ist die, die man nicht hat.“ Es lohnt sich, in die eigene Gesundheit zu investieren und zu versuchen, diese zu erhalten, insbesondere durch eine gesunde Lebensweise und Bewegung. Gleich zwei Reportagen beschäftigen sich mit Vorsorge und Prävention. Zahlreiche Experten bezeichnen den Bewegungsmangel inzwischen als eine der größten gesundheitlichen Bedrohungen aller Zeiten. Nur ca. zehn bis 20 Prozent der Menschen bewegen sich ausreichend. Eine erschreckende Zahl, vor allem, weil laut Umfragen 60 Prozent meinen, sich ausreichend zu bewegen. Mehr Eigeninitiative ist gefragt. Vorausschauende Prävention trägt nicht zuletzt zu einer Kostenreduzierung im Gesundheitswesen bei. Gezielte Maßnahmen sollen helfen, das Erkrankungsrisiko jedes Einzelnen zu senken. Der Mensch verbringt einen Großteil seiner Lebenszeit am Arbeitsplatz, hier sind präventive Maßnahmen also besonders effektiv. Viele Unternehmen haben dies bereits erkannt und eigene Präventionsprogramme entwickelt. Eine Investition, die sich für den Arbeitgeber auszahlt, denn die Folge sind geringere Ausfallzeiten, motivierte und leistungsstarke Mitarbeiter. Ihre Redaktion


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In Bewegung kommen LEBENSSTIL Gesundheit ist erstrebenswert, aber nicht selbstverständlich. Basis für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit sind ein aktiver Lebensstil sowie eine gesunde Ernährung.

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esundheitsprävention zielt darauf ab, Krankheiten und deren Folgen zu vermeiden. Um Krankheitsrisiken zu verringern, setzt Prävention am eigenen Verhalten an (Verhaltensprävention) oder versucht durch Veränderungen in der Lebenswelt (Verhältnisprävention), z. B. durch Maßnahmen im Betrieb, einen Beitrag zu leisten. Gesundheitsförderung geht noch einen Schritt weiter: Durch eine Verbesserung der äußeren Lebensumstände und des Verhaltens sollen Menschen befähigt werden, aktiv ihre Gesundheit zu erhalten. Prävention stellt für das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ein Schwerpunktthema dar. Zwar ist ein Präventionsgesetz in den letzten Jahren gescheitert, aber dennoch hat sich die Prävention als vierte Säule neben Akutversorgung, Rehabilitation und Pflege fest im Gesundheitssystem etabliert. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Festlegung der Leistungen der Krankenkassen für Prävention sowie im „Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten“ des BMG. Nie war das Bemühen, Menschen zur körperlichen Aktivität zu bewegen, so stark wie heute, und nie waren das Sport- und Bewegungsangebot so umfangreich. Und doch: Noch nie in ihrer Geschichte waren die Menschen so inaktiv. Zwar meinen laut Umfragen 60 Prozent der Erwachsenen körperlich aktiv zu sein, jedoch erreichen lediglich zehn bis 20 Prozent tatsächlich den Aktivitätsgrad, der ihnen hilft, gesund und fit zu bleiben. Viele Experten bezeichnen den Bewegungsmangel inzwischen als eine der größten gesundheitlichen Bedrohungen aller Zeiten. Er belastet unseren Körper und macht ihn auf Dauer krank. Fast die Hälfte aller Bundesbürger leidet an Übergewicht und ein Fünftel ist krankhaft adipös. Unsere

Vorfahren legten täglich 15 bis 25 km zu Fuß zurück. Heutzutage ist Bewegung für Menschen in modernen Industrienationen immer weniger erforderlich. Der Energieverbrauch durch körperliche Aktivität ist allein in den letzten 20 Jahren um 800 Kilokalorien am Tag zurückgegangen. Experten empfehlen einen zusätzlichen Verbrauch von 1.500 bis 2.000 Kilokalorien wöchentlich, um dem Körper einen idealen Gesundheitsschutz zu bieten. Dies entspricht etwa drei bis vier Stunden Walking plus 45 Minuten Kräftigungstraining. Dabei gilt die Regel: Zu geringe Belastungen sind uneffektiv und gesundheitlich nicht wirksam, zu große schaden unserem Körper. Deshalb empfiehlt es sich für Un-

erfahrene, Bewegungstraining unter fachlicher Anleitung durchzuführen. Ebenso wichtig wie gezielte sportliche Aktivitäten ist Bewegung in den normalen Alltag einzubauen. So tut seiner Gesundheit schon viel Gutes, wer im Büro regelmäßige „Bewegungspausen“ einlegt, die Mittagspause für einen Spaziergang nutzt oder die Treppe statt des Aufzugs nutzt. Denn es geht nicht nur darum, ein- oder zweimal in der Woche Sport zu treiben, sondern grundsätzlich einen aktiveren Lebensstil zu entwickeln. Ein Nebeneffekt körperlicher Belastung ist der Abbau von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol – jener Stresshormone, die für die Entstehung eines Burnouts verantwortlich sind. Ursa-

che sind meist die Anforderungen, die eine Person an sich selbst stellt oder die vom Umfeld gestellt werden. Negativer Dauerstress führt zu einer kontinuierlichen Mehrausschüttung von Stresshormonen. Diese haben grundsätzlich eine leistungsfördernde Wirkung, die aber verloren geht, wenn sich der Körper zu sehr daran gewöhnt. Zeiten der Überbelastung und des Dauerstresses müssen jedoch nicht zu einem Burnout-Syndrom führen. Gelingt es mit Erholungsphasen, z. B. durch Entspannung, Hobbys oder soziale Kontakte in der Freizeit, einen entsprechenden Ausgleich zu schaffen, lässt sich dies verhindern. Jörn Rühl ruehl@newpublic.org

P SYC H O S OM ATI K

DER MENSCH IM MITTELPUNKT Psychische Erkrankungen, wie etwa Burnout und Depression, führen immer häufiger zu Arbeitsunfähigkeit. Früherkennung und Gegensteuerung können Krankenstände verkürzen und die Wiedereingliederung fördern. Die Zahl an Pensionsantritten aufgrund von psychischen Erkrankungen steigt stetig. So sind psychische und Verhaltensstörungen bereits Hauptgrund für Berentungen aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit in Deutschland. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes, Neubildungen und Krankheiten des Kreislaufsystems folgen erst weit nach den psychischen Erkrankungen. Im Jahr 2010 mussten laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung alleine aufgrund von depressiven Episoden 7.141 Frauen und 4.109 Männer frühverrentet werden. Je früher psychische Erkrankungen erkannt werden, desto schneller kann der Heilungsprozess beginnen. In Österreich finden deutsche Privatpatienten mit psychosomatischen Erkrankungen im Ameos Privatklinikum Bad Aussee, einem Akutklinikum für Psychosomatik und Psychotherapie, Gesundheitsversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Die Behandlungsschwerpunkte werden ständig an die Anforderungen der Arbeits- und Lebenswelt angepasst. Derzeit liegen vor allem Erschöpfungssyndrome (Burnout) und Anpassungsstörungen, Depressionen, Angst- und

Zwangsstörungen, Essstörungen, Persönlichkeits- sowie posttraumatische Belastungsstörungen im Fokus. Aber auch Schmerzstörungen, dissoziative und somatoforme Störungen, transkulturelle Behandlungen (bosnisch, kroatisch, serbisch), Psychoonkologie und Psychokardiologie sind im Behandlungsspektrum des Klinikums inbegriffen. Eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen ist bei psychosomatischen Erkrankungen von großer Bedeutung. Daher werden im Ameos Privatklinikum im Luftkurort Bad Aussee im Salzkammergut integrative Behandlungskonzepte erstellt. Um auf allen Ebenen effizient zu arbeiten, erfahren die Patienten in dieser Klinik ärztliche, psychotherapeutische und soziale Kompetenz. Es werden so-

Die Natur ist Teil der Behandlung: Klinikgäste im Luftkurort Bad Aussee erfahren Heilung auch durch Regeneration und Inspiration.

wohl psychodynamisch orientierte, verhaltenstherapeutische und systemische Einzel- und Gruppengesprächstherapien als auch körperorientierte und ausdruckstherapeutische Verfahren angewendet. In der therapeutischen Beziehung werden emotionale Bindungsdefizite nachempfunden und ein stabiles Bindungsverhalten erlernt. Die Patienten werden motiviert, ihre eigene Problematik zu verstehen und Selbstverantwortung zu übernehmen. Entspannungsverfahren, wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Meditation oder Shiatsu, Physiotherapie und Physikalische Therapien eignen sich gut, um den Therapiealltag von betroffenen Personen ausklingen zu lassen. Weitere Informationen unter: www.ameos.eu


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medizintechnik

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WISSENSWERT

Forschung Medizintechnische Forschungen und Entwicklungen sollen am anwendungs- und patientenorientierten Bedarf ausgerichtet und gefördert werden. Um die Nutzungsperspektiven für den Patienten besser zur Geltung zu bringen, werden im Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung die Medizintechnik-Aktivitäten eng mit den anderen Programmen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) verbunden. Darüber hinaus hat das BMBF die Einzelmaßnahmen der verschiedenen Fachprogramme in ein Rahmenkonzept Medizintechnik eingebunden. www.gesundheitsforschungbmbf.de

Vorsprung Medizintechnik Der Industrieverband Spectaris fordert verbesserte Rahmenbedingungen für die deutsche Medizintechnik. Unter dem Titel „Vorsprung Medizintechnik“ hat der Verband eine Initiative gestartet, die die Leistungsfähigkeit der Branche sichtbar machen soll. „Damit eine der wichtigsten Hightech-Branchen in Deutschland ihr Potenzial entfalten kann, müssen die richtigen Weichen gestellt werden“, so der Verband. www.spectaris.de

Bildquelle: Sebastian Kaulitzki, Ray - Fotolia.com

Konferenz Am 27. und 28. März 2012 findet die 3. Marketingkonferenz Medizintechnik in Berlin statt. Auf der Agenda stehen die Themen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement ebenso wie wichtige rechtliche Rahmenbedingungen, die bei der Vermarktung von Medizinprodukten zu erfüllen sind. www.mkmed.com

Innovative Medizintechnik

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eutsche Hersteller von Medizintechnik nehmen hinter den USA eine weltweit führende Position ein. Der Industrieverband Spectaris rechnet für 2011 mit einem Umsatzplus von rund sechs Prozent. Die Prognose ist ungeachtet einer sich abkühlenden Konjunktur und Einsparungen im Gesundheitswesen gut. Treiber dieser Entwicklung sind die rund 1.140 meist mittelständisch geprägten Betriebe. Marktbeobachter wie die der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC machen dafür den hierzulande großen Innovationswillen und die guten Standortbedingungen verantwortlich. Wachstumstreiber sind neben neuen bildgebenden Verfahren und Hightech-OP-Ausstattungen auch Unterstützungstechnologien für das Herz-Kreislauf-System. Das ist nur logisch, denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gingen im Jahr 2010 rund 41 Prozent der insgesamt 858.768 Todesfälle auf Herzinfarkte oder andere Herz-KreislaufErkrankungen zurück. Zweithäufigste Todesursache waren Krebsleiden. Tückisch ist, dass sich Herzleiden oft mit harmlos erscheinenden Symptomen ankündigen: Das Herz stolpert, der Atem geht schnell, man fühlt sich rasch erschöpft, Gelenke schwellen an. Es könnte am Stress liegen oder an einer Herzinsuffizienz, unter der eine Million Deutsche leiden. In schweren Fällen führt kein Weg an einem Spenderorgan vorbei. Doch gerade im Bereich der Herztransplantation sind die Wartelisten lang: Derzeit müssen sich 800 bis 1.000 Patien-

ENTWICKLUNG Medizintechnik made in Germany ist ein Konjunkturmotor. Dafür sorgen international führende Innovationen, die die Lebensqualität von Patienten verbessern. Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird deutlich, wie hilfreich der Fortschritt für sie ist.

ten gedulden, bis für sie ein passendes Spenderherz zur Verfügung steht. Und das im Durchschnitt ein knappes Jahr lang. In Einzelfällen kann das auch drei Jahre dauern. „Selbst Patienten, die ohne Herztransplantation nach medizinischem Ermessen nur noch kurze Zeit zu leben haben und deshalb auf den vordersten Plätzen der Warteliste eingruppiert werden, müssen im Durchschnitt zwischen 80 und 100 Tagen warten, bevor sie ein Spenderherz erhalten“, beklagte Professor Friedhelm Beyersdorf, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) anlässlich des Tages der Organspende. „Ein Viertel dieser Patienten überlebt die Zeit auf der Warteliste nicht, und 90 Prozent aller Herztransplantationen werden bei Patien-

ten, die auf einer Intensivstation liegen, durchgeführt.“ In den vergangenen Jahren konnten nur knapp 400 Herztransplantationen jährlich vorgenommen werden, weil nicht einmal halb so viele Spenderherzen wie benötigt zur Verfügung standen. Bis ein Spenderherz bereitsteht, werden vermehrt Unterstützungssysteme eingesetzt, die die Herzfunktion teilweise ersetzen können. Diese „Kunstherzen“ werden nicht zuletzt wegen des Mangels an Spenderorganen systematisch weiterentwickelt und sind inzwischen zu technisch anspruchsvollen und alltagstauglichen Unterstützungssystemen gereift. Sie geben Patienten ein Stück Lebensqualität zurück - und das nicht nur für ein paar Wochen oder Monate. Vorrangiges Ziel der mechanischen Kreislaufunterstützung ist die Aufrechterhaltung eines mit anderen Mitteln nicht mehr stabilisierbaren Kreislaufes bei terminaler Herzinsuffizienz. Mechanisch unterstützt, kann das kranke Herz weiterhin alle Organe durchbluten, wodurch deren Schädigung verhindert oder zumindest begrenzt wird. Mittlerweile sind etliche Systeme auf dem Markt. Sie werden für jeweils drei Szenarien konstruiert und eingesetzt: zur Überbrückung der Wartezeit bis ein passendes Spenderherz zur Verfügung steht („Bridge to Transplant“), zur Überbrückung bis sich das Herz erholt („Bridge to Recovery“) und zunehmend als Alternative zur Transplantation bei Patienten („Alternative to Transplant“), wobei die Überbrückung für immer mehr Patienten zur Dauerlösung wird. Vor allem für jene, die etwa wegen ihres hohen Alters oder einer schwerwiegenden Grunderkrankung keine Transplanta-

n m D g h t l v g M t v F z p b f m t i s d H m k


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tion erhalten können. Das trifft derzeit bereits etwa auf 15 Prozent der Fälle zu, Tendenz weiter steigend. Allerdings ist der Einsatz mechanischer Kreislaufunterstützungssysteme nicht risikolos. Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie müssen noch vielfältige Probleme hinsichtlich Gerinnung, Infektion und transkutaner Energieübertragung gelöst werden. Komplikationen können vor allem durch Blutungen und Blutgerinnsel entstehen. Daher werden Materialoberflächen dahingehend optimiert, dass sie eine Blutgerinnung verhindern helfen. Da relativ viel Fremdmaterial implantiert wird, das zudem mit Teilen außerhalb des Körpers, wie der Energieversorgung, verbunden ist, steigt die Gefahr von Infektionen. Daher kommt es darauf an, möglichst schnell den Eingriff begleitende Systeme – etwa zur Beatmung, intravasale Katheter oder intravenöse Ernährung – zurückzufahren, um die Risikopotenziale zu minimieren. Hilfreich ist auch, wenn der Patient möglichst früh wieder auf die Beine kommt. Überdies sollten etwaige Ent-

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zündungen schnell und konsequent behandelt werden. Der nächste Entwicklungssprung, an dem Medizintechniker arbeiten, ist ein vollständig zu implantierendes System, mit dem das Einfallstor von Keimen von außen geschlossen wäre. Prof. Dr. med. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NordrheinWestfalen, geht davon aus, dass bis dahin noch einige Jahre vergehen werden. Aber schon jetzt seien die Unterstützungssysteme deutlich kleiner und leichter geworden, so dass sie teilweise sogar in den Herzbeutel implantiert werden können. Am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen wird die Entwicklung vorangetrieben wie auch bei Berlin Heart GmbH, einem europaweit führenden Anbieter solcher Systeme. Berlin Heart ist das weltweit einzige Unternehmen, das weitgehend implantierbare und außerhalb vom Körper liegende Herzunterstützungssysteme für Patienten jeden Alters und jeder Körpergröße entwickelt, herstellt und vertreibt. Rund ein Drittel ihres

„Obwohl die Entwicklung von Kunstherzen von Jahr zu Jahr sehr große Fortschritte macht, werden sie voraussichtlich auch in den kommenden Jahren menschliche Spenderherzen nicht gänzlich ersetzen können“, erläutert Prof. Friedhelm Beyersdorf. Umsatzes investiert die Firma in Forschung und Entwicklung, um noch kleinere und leistungsfähigere Systeme anbieten zu können. Gleichzeitig arbeitet man an neuen Techniken für Implantationsgeräte, um die Versorgungsqualität und die Verträglichkeit weiter zu erhöhen. Denn aus dem anfänglichen Provisorium wird häufig

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eine Langzeitlösung. Schon jetzt gibt es einzelne Patienten, die fast acht Jahre lang von einem künstlichen Herzen versorgt werden. Darin liegt die Zukunft, zumal Forschungsansätze, Schweineherzen einzusetzen, die dem menschlichen Organ sehr ähnlich sind, noch weit von der klinischen Praxis entfernt sind. Der Blick auf die Fortschritte bei der Behandlung gravierender koronarer Erkrankungen zeigt, wie wichtig die Medizintechnik für eine verbesserte Patientenversorgung ist. Einen großen Anteil daran haben Innovationstreiber aus Deutschland. Hiesige Forscher und Entwickler werden auch weiterhin die starke Position der Branche stärken. Allerdings schläft die Konkurrenz nicht. Auch wenn die Vormachtstellung der USA in der Medizintechnik bröckelt, wie die „Medical Technology Innovation Scorecard“ von PwC zeigt, setzen Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien zum Sprung an die Spitze an – sie sind die Konkurrenten Deutschlands von morgen. Chris Löwer loewer@newpublic.org

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WIRKSAME THERAPIEN FÜR MEHR LEBENSQUALITÄT „Eine schwache Pumpe“ lautet ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine Volkskrankheit: Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) liegt vor, wenn die Herzkammern nicht mehr ausreichend mit Blut gefüllt sind. Ein typisches Symptom dieser diastolischen Fehlfunktion ist die Luftnot. Häufig ist der Herzmuskel zusätzlich nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen.

In Deutschland leiden mehr als 1,8 Millionen Menschen an Herzschwäche in unterschiedlichster Ausprägung. „Wenn Patienten unter Atemnot, geschwollenen Knöcheln, Schwindel oder andauernder Abgeschlagenheit leiden, sollte frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden“, rät der Kardiologe Prof. Dr. Dieter Horstkotte, Ärztlicher Direktor des Herzund Diabeteszentrums NRW (HDZ NRW)

HÄUFIGE DIAGNOSEN 7.700 Koronare Herzerkrankung 5.800 Herzinsuffizienz 4.900 Vorhofflimmern 4.200 Diabetes 2.600 Angina pectoris Koronare Herzerkrankungen und Herzinsuffizienz führen die Liste der Erkrankungen an, die im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, behandelt werden.

Quelle: HDZ NRW

Bildquelle: Sebastian Kaulitzki, Ray - Fotolia.com

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in Bad Oeynhausen. In der Spezialklinik werden jährlich 38.000 Patienten zu allen Arten von Herz- und Diabeteserkrankungen interdisziplinär behandelt. Die Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum hält dazu sämtliche diagnostischen und therapeutischen Methoden vor und ist unter anderem führend bei Herzkatheter- und Herzklappenverfahren sowie in der minimalinvasiven Herzchirurgie. Diabetes mellitus, landläufig als Zuckerkrankheit bezeichnet, gilt als Wegbereiter für viele Herzerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit (KHK) und Bluthochdruck, die eine Herzinsuffizienz auslösen und den Verlauf der Krankheit negativ beeinflussen können. Andere Ursachen sind Herzmuskelentzündungen oder Klappenfehler. Aber auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. „Heute bieten wir gute Therapiemöglichkeiten für Herzpatienten aller Altersstufen an“, erläutert Prof. Horstkotte. „Neben kathetergestützten Herzklappeneingriffen und Katheterverfahren, die dank elektromagnetischer Steuerung Schädigungen des Herzens punktgenau aufspüren und behandeln, erfahren die Patienten vielfach

eine deutliche Verbesserung durch Bewegungstherapie, den Einsatz von Herzschrittmachern mittels kardialer Resynchronisationstherapie (CRT) oder bei der Behandlung schlafbezogener Atmungsstörungen.“ Versagen auch diese Maßnahmen ihren Dienst, muss eine Transplantation des Herzens in Betracht gezogen werden. Doch die Wartezeit auf ein Spenderorgan ist lang. In den letzten Jahren wurden große Fortschritte in der Entwicklung künstlicher Herzunterstützungssysteme gemacht. Mit dem Einsatz dieser mechanischen Kreislaufunterstützung erfahren die Patienten eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität. Sie profitieren dabei von den hohen Erfahrungswerten einzelner großer Zentren: Mit über 2.000 implantierten Unterstützunggssystemen und jährlich 70 bis 80 Herztransplantationen in der von Prof. Dr. Jan Gummert geleiteten Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie verfügt das Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen über eines der weltweit größten Programme zur chirurgischen Therapie der Herzinsuffizienz. www.hdz-nrw.de


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titelreportage

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TERMINE Balance Offenburg Messe für Gesundheit und Lebensqualität 24.03.2012 – 25.03.2012 Offenburg www.balance-offenburg.de

Quelle: istockphoto, skynesher, Female doctor examining an X-ray

Fibo Internationale Leitmesse für Fitness, Wellness & Gesundheit 19.04.2012 – 22.04.2012 Essen www.fibo.de Connecting Healthcare IT (conhIT) 24.04.2012 – 26.04.2012 Berlin www.conhit.de MedTech Pharma Innovation für die Medizin 04.07.2012 – 05.07.2012 Nürnberg www.medtech-pharma.de Rehacare Internationale Fachmesse und Kongress Rehabilitation – Pflege – Prävention 10.10.2012 – 13.10.2012 Düsseldorf www.rehacare.de Compamed Fachmesse für Medical Engineering 14.11.2012 – 16.11.2012 Düsseldorf www.compamed.de Medica Internationale Fachmesse mit Kongress Weltforum der Medizin 14.11.2012 – 17.11.2012 Düsseldorf www.medica.de

Patient im Fokus

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er krank ist, kann sich in Deutschland auf ein funktionierendes Gesundheitssystem verlassen. Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen, aber auch Medizintechnikunternehmen und Pharmahersteller tragen ihren Teil dazu bei, dass jeder Patient bestmöglich versorgt wird. Doch wie hoch ist der Preis, den wir dafür zahlen? In der Tat leistet sich Deutschland ein System auf hohem Niveau. Den OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)-Gesundheitsdaten 2011 zufolge hat Deutschland nach den USA und Frankreich eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Fakt ist, dass die Gesundheitsausgaben in den meisten OECD-Ländern schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung. Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft, der Zunahme an chronischen Erkrankungen, aber auch steigenden Kosten im Gesundheitssystem stellt sich die Frage: Wie kann eine optimale Patientenversorgung zukünftig noch sichergestellt werden? Laut WHO gehen weltweit 20 bis 40 Prozent der Gesundheitsressourcen durch Verschwendung verloren. Allein die Verwaltungskosten der

GESUNDHEITSWESEN Steigende Gesundheitsausgaben und Fachkräftemangel stellen unser System vor große Herausforderungen. Immer mehr Hauptakteure wie auch Patienten überdenken ihre Rolle und definieren sie neu.

gesetzlichen Krankenversicherungen lagen in 2010 bei fast einem Viertel der Gesamtausgaben in Höhe von 176 Milliarden Euro. Dies ergab die von der Unternehmensberatung A. T. Kearney durchgeführten Studie „Kostenfalle Komplexität“. Doch gibt es nicht nur in der Verwaltung zahlreiche Ansatzpunkte zur Optimierung. Viele Hauptakteure haben erkannt: Nur wenn jeder einzelne seine Rolle und Aufgaben im Gesundheitswesen neu überdenkt, sich vernetzt und zu Be-

handlungsteams mit dem Patienten im Fokus zusammenschließt, haben wir eine Chance, die Qualität unseres Gesundheitssystem zu steigern und effizienter zu werden. Eine zunehmend aktive Rolle spielt dabei der Patient. Kostentreiber versus Wachstumsmotor Gesundheitswesen Experten sind sich einig: Bis zum Jahr 2020 werden sich die Bedingungen für das Angebot medizinischer Güter und Dienstleistungen deutlich verändern. Grund dafür ist vor allem der demographische Wandel. Mit dem zunehmenden Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung wird nicht nur die Nachfrage nach mehr medizinischen Leistungen und Pflege steigen, sondern sich auch das Angebot an Arbeitskräften verknappen. Bereits seit Jahren steigen die Gesundheitskosten. Laut Statistischem Bundesamt erhöhten sich die Gesundheitsausgaben pro Einwohner in Deutschland innerhalb von 16 Jahren um über 1.000 Euro. 2009 lagen sie bei rund 3.400 Euro je Bürger. Insgesamt kletterten die Kosten auf 278,3 Milliarden Euro. Trotz der zurückliegenden Finanzreformen – dem Gesundheitsfond mit morbidi-


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gend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Studie „Fachkräftemangel – stationär und ambulanter Bereich bis zum Jahr 2030“, erstellt von PricewaterhouseCoopers (PwC) und dem Darmstädter Forschungsinstitut WifOR rechnet bis zum Jahr 2020 mit einer enormen Personallücke (vgl. Grafik). Letztlich müssten die Prozesse im Gesundheitswesen optimiert, Ineffizienzen überwunden und neuen Technologien der Weg geebnet werden. Viele der Hauptakteure im Gesundheitswesen stellen bereits die Weichen für nachhaltige Lösungen, darunter auch die Krankenversicherungen.

Persönliche Betreuung ist Mangelware

Vom Verwalter zum Gestalter Statt ausschließlich Versichertengelder zu verwalten, bringen sich Krankenversicherungen zunehmend in Versorgungsprozesse ein. Viele entwickeln ein gezieltes Versorgungsmanagement. Bei der Knappschaft wird bspw. das Versorgungsangebot auf die Patientenbedürfnisse zugeschnitten und begleitet den Versicherten vom niedergelassenen Arzt über Krankenhaus und Reha-Klinik bis in die häusliche Pflege. Durch die Ausschöpfung sämtlicher Potenziale gelingt es nicht nur, die Patientenversorgung zu verbessern, sondern gleichzeitig die Kosten zu kontrollieren. „Immer wieder kommt es bei der Versorgung wichtiger Volkskrankheiten und multimorbider Krankheitsbilder zu Über-, Unter- und Fehlversorgung“, berichtet Hans Adolf Müller, Leiter Gesundheitsmanagement Knappschaft. „Mit einem eigenständigen Institut für Versorgungsforschung decken wir Versorgungsdefizite auf und entwickeln neue Konzepte für eine optimale Versorgung.“ Angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks sind auch Krankenhäuser und Kliniken zum Umdenken gezwungen. Die gute Nach-

Vision: Bluttherapien mit Nanobots

tätsorientiertem Risikostrukturausgleich, einer zusätzlichen Steuerfinanzierung und der zuletzt 2010 geänderten Zusatzprämie – ist die Finanzierbarkeit von Gesundheitsleistungen nach wie vor ein zentrales Thema. Zwar beschert der unerwartet starke Konjunkturimpuls aus dem Jahr 2010 den Krankenkassen aktuell hohe Beitragszahlungen. 2011 erwirtschaftete die Branche sogar einen Überschuss von 1,5 Milliarden Euro. Doch prognostizieren Experten die für das Jahr 2013 wirksame Einnahmebasis bereits niedriger und rechnen mit finanziellen Engpässen. Unabhängig von Finanzierungsfragen kann die Gesundheitswirtschaft nur dann zum Wachstumsmotor werden, wenn ihr auch in Zukunft genü-

Personalbedarf 2020 Niedergelassene Ärzte

Nachfrage

140.000

Angebot

33.000

107.000

Versorgungslücke 183.000 Klinikärzte

159.000

24.000

Quelle: Wirtschaftsforschungsistitut WifOR

Quelle: istockphoto, skynesher, Female doctor examining an X-ray

titelreportage

769.000

Pflegefachkräfte 601.000

168.000

PwC-Studie: Nur durch entschiedenes Gegensteuern kann die gewohnt gute Patientenversorgung auch über das Jahr 2020 hinaus aufrechterhalten werden.

richt: Wirtschaftlichkeit und eine hohe Qualität in der Patientenversorgung schließen sich nicht aus. Dies ist das Ergebnis der neuen McKinsey-Studie „Management in Healthcare“. Im Gegenteil: Patienten sind in gut gemanagten Kliniken in der Regel mit ihrer Behandlung sehr zufrieden. Mehr noch: Häuser mit guten Behandlungsergebnissen zeigen meist auch bessere wirtschaftliche Resultate. Beispielsweise gibt es eine höhere Überlebensrate nach Herzinfarkten in Kliniken mit einer hohen Managementqualität. Für die Studie wurden gemeinsam mit dem Center for Economic Performance (CEP) der London School of Economics 1.200 Krankenhäuser in sieben Ländern befragt, darunter 130 deutsche Kliniken. „In der Managementqualität bestehen in Deutschland erhebliche Unterschiede zwischen den untersuchten Krankenhäusern“, erläutert McKinsey-Partner Reinhard Wichels die Studienergebnisse. Der Studie zufolge wirken sich Faktoren wie ein intensiver regionaler Wettbewerb oder die Verankerung medizinischer Kompetenz in der kaufmännischen Führungsetage positiv auf das Management eines Hauses aus. Größere Häuser werden in der Regel besser geführt als kleinere. Zahlreiche neue Ansätze für Effizienzsteigerungen liegen in den technischen Bereichen eines Krankenhauses wie der Krankenhaus-IT, der Energieversorgung, der Gebäude- und Betriebstechnik, aber auch in der Krankenhauslogistik. Statt auf einzelne Innovationen setzten die Keyplayer dabei verstärkt auf eine multiperspektivische Betrachtung des Krankenhauses. Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST untersucht derzeit im Rahmen des Forschungsprojektes „Hospital Engineering – Innovationspfade für das Krankenhaus der Zukunft“ aktuelle Innovationen und deren Auswirkungen auf angrenzende Bereiche. So soll beispielsweise vermieden werden, dass die Optimierung eines Logistikprozesses höhere Energiekosten nach sich zieht. Die Entwicklung der Leitprojekte „Assistenz, Serviceorientierung“, „Transparenz“, „Energieeffizienz“ und „Adaptivität“ läuft noch bis April 2014. Eine immer zentralere Rolle spielen auch nachhaltige Infrastrukturlösungen für das Gesundheitswesen. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zählt zu den Vorreitern in Sachen „Green Hospital“. „Grünes Krankenhaus“, das bedeutet eine nachhaltige Reduktion der CO²-Emissionen durch verminderten Ressourcenverbrauch

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GESUNDHEITSKOSTEN Statistik Gesundheit wird immer teurer: Das Statistische Bundesamt hat die Kosten im Gesundheitswesen mit mehr als 278 Milliarden Euro errechnet, dies entspricht einem Anteil von knapp 12 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Damit liegt Deutschland hinter den USA (ca. 15 Prozent), aber vor den Niederlanden, Italien und Großbritannien. Statistisch gesehen entfallen auf jeden Bundesbürger Gesundheitskosten von 3.400,Euro jährlich. Ausgaben Die höchsten Ausgaben entstehen für Waren (z. B. Hilfs- und Arzneimittel), medizinische Leistungen und im Pflege-/Therapiebereich. Bezahlung Den Hauptanteil an den Kosten im Gesundheitswesen tragen die gesetzlichen Krankenkassen, aber auch der einzelne Patient wird zunehmend in die Pflicht genommen durch Zuzahlungen bei Medikamenten, Untersuchungen, Zahnersatz, therapeutischen Leistungen etc. Deutsche Die Deutschen geben mit rund 5 Prozent auch privat einen wesentlich höheren Anteil ihres Einkommens für die Gesundheitspflege aus als die Bewohner anderer europäischer Länder (der Durchschnitt liegt bei lediglich etwa 3,5 Prozent). Neben staatlichen Leistungen kommt hierzulande also der privaten Gesundheitsvorsorge zunehmend eine zentrale Bedeutung zu.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, OECD Health Data


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Expertenpanel

Bernhard Calmer, Vorstandsvorsitzender Bundesverband für Gesundheits-IT e. V. (bvitg e. V.)

Prof. Dr. Günter Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik in München

Dr. Wolfgang Deiters, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software und Systemtechnik

Was macht für Sie eine optimale Patientenversorgung aus?

Optimale Patientenversorgung bedeutet für mich die bestmögliche klinische Diagnose und anschließende Therapie. Dazu gehört auch eine IT, welche die nötigen Entscheidungs- und Logistikprozesse so unterstützt, dass die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Dies ermöglicht Ärzten schnelles und effektives Handeln.

Optimal ist die Versorgung, wenn mit begrenzten Ressourcen ein möglichst hoher Gesundheitsstand der Bevölkerung erreicht wird. Patienten sehen die Versorgung als optimal an, wenn ihnen alle zweckmäßigen Diagnose- und Therapieoptionen zur Verfügung stehen. Für den Arzt gilt als optimal, wenn er alle aus seiner Sicht medizinisch sinnvollen Behandlungen einsetzen kann. Notwendige ökonomische Restriktionen lehnen viele als suboptimal ab.

Für mich als Informatiker hat dies viel mit Informationsversorgung zu tun. Wenn meine Ärzte alle relevanten Daten schnell und medienbruchfrei austauschen, können sie mich optimal versorgen. Wenn ich mich über meine Behandlung verständlich und qualitätsgesichert informieren kann, leistet dies einen Beitrag zu meiner Patienten-Compliance. An diesen Themen wird gearbeitet, umfassend zufriedenstellende Lösungen gibt es aber noch nicht.

Wie kann dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen effektiv entgegengesteuert werden?

Das Gesundheitswesen ist ein attraktives Arbeitsfeld. Ca. 11% aller Beschäftigten sind hier tätig, die Zahl an Arbeitsplätzen steigt. Medizinische Versorgung ist ein lokales Geschäft und kann z. B. nicht nach China outgesourct werden. Das Arbeitsfeld kann zudem sehr sinnstiftend sein. Dies muss deutlich herausgestellt werden. Für die Healthcare IT-Industrie bedeutet dies, Mitarbeitern aufzuzeigen, welche Bedeutung qualitativ hochwertige Software hat.

In der Industrie wurde auf den Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland gesetzt. Und in der Tat sind in den EU-Ländern ca. 40 Mio. erwerbslos. Weitere Maßnahmen sind eine verstärkte Rationalisierung durch Unterstützungssysteme sowie die Neuordnung der Arbeitsteilung zwischen Ärzten und sogenannten Heil- und Hilfsberufen. Kurzfristig helfen der Abbau von Fehlzeiten und die Rückgewinnung von abgewanderten Fachkräften.

Durch ein Bündel von Maßnahmen: Zum einen mit einer adäquaten Vergütungsstruktur, dann mit Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie (besonders in der Pflege und im Krankenhaus). Auch kann die Technik helfen, etwa wenn mit Einsatz von IT RoutineDokumentationsaufgaben abgenommen werden, oder es können technische Assistenzsysteme zu einer Reduzierung körperlich schwerer Tätigkeiten beitragen.

Welche Ansprüche stellen die Menschen an die medizinische Qualität in den Bereichen „Vorsorge“ und „Behandlung“?

Die Menschen müssen selbst einen Beitrag leisten, um möglichst lange gesund zu bleiben. Vorsorge und frühzeitige Diagnostik sind die einzigen Mittel, hohe Folgekosten zu vermeiden. Hier ist eine entsprechende Bewusstseinsbildung wichtig. Dies wirkt sich deutlich auf die Erwartung hinsichtlich der Qualität der medizinischen Versorgung aus. Die IT kann hier unterstützen, z. B. durch Wissensallokation und klinische Pfade zur Erreichung einer konstant hohen Qualität.

Menschen fürchten sich vor allem vor einer Fehlbehandlung, auch in Form einer Überbehandlung. Durch gezielte Arztwahl versuchen Patienten, diese Risiken zu begrenzen. Hierzu verlangen sie neutrale, über das Internet frei zugängliche Informationen. Auch die Möglichkeit, eine Zweitmeinung einzuholen, wird geschätzt. Für den Bereich der Vorsorge erwarten sie finanzielle Unterstützung, da sie für eine Entlastung der Kassen aktiv tätig werden.

Das Gesundheitsbewusstsein der Menschen hat sich stark verändert. Viele halten sich sportlich fit, betriebliches Gesundheitsmanagement ist auf dem Vormarsch. Der Trend zu Fitness und Vorsorge sollte noch stärker unterstützt werden. Im Bereich der Behandlung sollte es selbstverständlich sein, dass alle Ärzte alle notwendigen Informationen zu einem Patienten verfügbar haben. Leider sind wir in Deutschland noch nicht so weit, aber wir arbeiten daran.

und geringere Abfallproduktion, höherer Patientenkomfort und Mitarbeiterzufriedenheit ohne Einschränkung der medizinischen Ergebnisqualität. Derzeit findet dort der Umbau zum „grünen UKE“ statt, indem ökonomische, qualitative und ökologische Ziele in Einklang gebracht werden. Viele Maßnahmen sind bereits umgesetzt: Durch die Verwendung eines Unit Dose Systems für Medikamente spart das UKE z. B. Verpackungsmüll, da Arzneimittel nun als Schüttware geordert werden können. Durch eine intelligente Servicetechnologie konnte die Logistik effizient gestaltet werden. Insgesamt 33 kleine Roboter transportieren heute über 900 Warencontainer

und legen dabei täglich rund 350 km durch die Katakomben des UKE zurück. Innovationen greifen nicht nur bei der Technik, sondern verändern auch das Berufsbild: Wenn Ümit Kaya im weißen Kittel den nächsten Patienten in die Schulter- und Ellenbogen-Sprechstunde im St. Josef-Krankenhaus in Essen ruft, halten ihn viele für einen Arzt. „Das kommt häufig vor“, berichtet er, „der Beruf des Arztassistenten ist noch weitgehend unbekannt.“ Noch. Denn viele Kliniken und auch niedergelassene Praxen überdenken derzeit die klassische Aufgabenverteilung zwischen Ärzten und Pflegenden. Mit der Einführung der

Arztassistenten haben die Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel die Aufgabenverteilung zwischen Ärzten, Pflegenden und Assistenzberufen neu definiert. Mit dem Arztassistenten, dem Chirurgieassistenten (CA) und dem Chirurgisch-Technischen-Assistenten (CTA) sind inzwischen in Deutschland junge Modelle von Assistenzberufen entstanden. Von der Arbeitsteilung profitieren letztlich alle Beteiligten: die Patienten von einer qualitativ hochwertigen, spezialisierten und dennoch individuellen Versorgung, die Kostenträger von einem guten Preis-LeistungsVerhältnis, das Krankenhaus von einer starken Marktposition, die ärztlichen Mitarbeiter von einer Fokussie-

rung auf ihre ursprünglichen medizinischen Aufgaben und die Pflegekräfte von vielfältigen beruflichen Perspektiven und mehr Verantwortung. Auch das Rollenverständnis der niedergelassenen Ärzte befindet sich im Wandel. Viele Mediziner haben erkannt, dass Behandlungen effizienter werden, wenn sie sich mit ihren Fachkollegen abstimmen. Ihnen ist klar, dass aus Einzelkämpfern erfolgreiche Gemeinschaften entstehen müssen. „Weg vom alten Denken ein Arzt — ein Patient — eine Behandlung und hin zu einem zeitgemäßen Modell ein Patient — ein Behandlungsprogramm — ein Arztteam“ forderte jüngst auch die Gemeinschaft Fachärztlicher Be-


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r h n n t t d n m h -

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rufsverbände (GFB) die Trendwende. Die ersten Praxis- bzw. Ärztenetze wurden bereits vor rund fünfzehn Jahren gegründet. 1999 startete mit prosper eines der wenigen Modelle für integrierte Vollversorgung im deutschen Gesundheitswesen. Unter dem Dach der Knappschaft schlossen sich niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser zusammen, um Versicherte abgestimmt und umfassend mit all ihren Erkrankungen zu behandeln. Heute nehmen in insgesamt sieben regionalen Gesundheitsnetzen über 2.000 niedergelassene Ärzte, 15 Krankenhäuser und zwei Reha-Kliniken teil. Ihr Credo: Kooperation steigert die Qualität. Doch profitieren prosper-Versicherte nicht nur von einer besser abgestimmten Therapie, sondern auch vom wirtschaftlichen Erfolg des Gesundheitsnetzes. Sie zahlen keine Praxisgebühr und erhalten Zuzahlungsermäßigungen im Krankenhaus. Partnerschaft statt Abverkauf Auch Medizintechnikhersteller setzen zunehmend auf Kooperationen. GE Healthcare steht Kranken-

titelreportage

häusern von der Planung über die Konzeption bis hin zur Prüfung und Optimierung der Wirtschaftlichkeit zur Seite. „Unser Ziel ist es, Abläufe im Krankenhaus ganzheitlich zu betrachten und Ineffizienzen zu beseitigen“, erklärt Matthias Hondl, Direktor Krankenhausgeschäfte GE Healthcare. „Wir hinterfragen: Welcher Computertomograph eignet sich am besten für Routineanwendungen? Kommt eine multifunktionale Nutzung in Frage? Welche High-End-Anforderungen gibt es? Und: Wird hierfür in Zukunft ein Upgrade auf die neueste Gerätegeneration notwendig?“ Medizintechnikhersteller sind auch bereit, sich am unternehmerischen Risiko zu beteiligen. Bei dem Geschäftsmodell „Pay Per Procedere“ zahlt das Krankenhaus beispielsweise nach Auslastung. Das Bewirtschaftungsmodell Technologiepartnerschaft deckt alle Aspekte von der Planung über die Geräteerneuerung bis hin zum Service und zur maßgeschneiderten Finanzierung von Medizintechnik ab. Sie bietet praxistaugliche Lösungen, die einen technisch- und betriebskostenoptimierten Gerätebestand über

STATE M E N T

PATIENTENTVERSORGUNG Deutschland hat eines der qualitativ besten Gesundheitssysteme der Welt. Für unsere Patienten steht individuelle Zuwendung von Ärzten im Vordergrund. Sie erwarten nicht nur Fachkompetenz und eine am neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft angepasste Diagnose und Therapie, sondern vor allem Zeit und Menschlichkeit. Dies wird allerdings bei wachsender Mittelknappheit im Gesundheitswesen immer schwieriger zu realisieren sein. Wir müssen darüber diskutieren, wie wir angesichts begrenzter Finanzen, Kapazitäten und Zeitressourcen allen Patienten auf Dauer die notwendige Behandlung anbieten können. Insoweit wird eine Diskussion über eine Priorisierung von Gesundheitsleistungen als Instrument der transparenten Verteilungsgerechtigkeit unabdingbar sein. Eine weitere Herausforderung ist es, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz hat die Koalition als erste Regierung überhaupt ernsthafte

Dr. Frank Ulrich Montgomery Präsident der Bundesärztekammer

Maßnahmen gegen den Ärztemangel eingeleitet. Die Regelung hat den Fokus auf den sogenannten Landärzten. Jetzt muss sich die Politik den Kollegen in Städten und Krankenhäusern zuwenden. Wenn wir nicht wollen, dass immer mehr junge Ärzte abwandern, müssen die Arbeitsbedingungen verbessert werden – nicht nur finanziell, sondern z. B. auch durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

die gesamte Lebensdauer sicherstellen und damit das Haus trotz knapper Kassen wettbewerbsfähig halten - ein Plus für die Patientenversorgung. Telemedizin gilt unter Experten als wichtiges Zukunftsthema für die Gesundheitsversorgung, weil sie zur Sicherstellung einer flächendeckenden, wohnortnahen ambulanten Versorgung beitragen kann. Mit telemedizinischen Monitoring- und Betreuungssystemen können Biosignale erfasst und übertragen werden. Schon heute sind etwa sechs Millionen Menschen auf Homecare-Leistungen angewiesen. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hat sich Homecare zu einem unersetzlichen Bestandteil der ambulanten Patientenversorgung entwickelt. Die Leistungen werden durch medizinisch geschultes Fachpersonal im Rahmen einer ärztlichen Therapie erbracht. Sie umfasst die Versorgung eines Patienten zu Hause mit erklärungsbedürftigen Hilfsmitteln und Medizinprodukten, Verbands- und Arzneimitteln sowie künstliche Ernährung mit vergleichbarer Qualität wie in der Klinik. Mehr und mehr Patienten sind heute bereit, für ihre Gesundheit Verantwortung zu übernehmen und aktiv an ihrer Gesundung mitzuwirken. Die Gründe dafür sind vielfältig. Immer mehr chronische Erkrankungen erfordern Eigenverantwortung und Wissen von Patienten. Auch der Wunsch nach mehr Information und Mitsprache lässt Patienten zu kompetenten und mündigen Akteuren werden. Viele Patienten informieren sich über Gesundheitsthemen auf Gesundheitsportalen. Das Marktforschungs- und Beratungsinstitut YouGovPsychonomics AG fand in seiner Studie „Health Care Monitoring 2009“ sogar heraus, dass das Web bei Internetnutzern die am häufigsten genutzte Informationsquelle zu gesundheitlichen Themen sei. Demnach haben sich im Jahr 2009 rund 79 Prozent der Internetnutzer im Netz über gesundheitliche Themen informiert, 72 Prozent beim Arzt, 64 Prozent in Apothekenzeitschriften und jeweils rund 60 Prozent in Gesundheitssendungen im Fernsehen, in Mitgliederzeitschriften der Krankenversicherungen sowie in Tageszeitungen oder Zeitschriften. „Gesundheit zählt auch im Internet zu den Top-Themen des Alltags”, sagt Markus Schöne, Leiter der Gesundheitsmarktforschung bei der YouGovPsychonomics AG. „Die Zahl der hier konkurrierenden Informationsquellen ist besonders groß.” Das Informationsangebot im Internet könne den Arztbesuch mit persönli-

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FAKTEN Bedeutend Mit mehr als 4,7 Mio. Beschäftigten ist die Gesundheitsbranche der wichtigste Arbeitgeber in Deutschland.

Lukrativ Die Gesamtausgaben im Gesundheitswesen liegen bei über 278 Mrd. € pro Jahr. Damit ist die Gesundheitsbranche einer der lukrativsten Bereiche der deutschen Volkswirtschaft.

Prozentual Die Gesundheitsausgaben machen ca. 12 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus

Potenzial Bis 2020 wird fast mit einer Verdopplung der Gesundheitsausgaben auf ca. 453 Mrd. € gerechnet.

Einblick Derzeit hat ein Patient keinen direkten Zugriff auf seine Daten, da jeder Dienstleister diese eigenverantwortlich erhebt. Bis 2020 soll jeder Bürger volle Kontrolle über seine Gesundheitsdaten erhalten.

Überschuss Die Branche der Krankenkassen erwirtschaftete 2011 Überschüsse von mehr als 4 Mrd. Euro.

Quelle: www.chancenrepublick-deutschland.de


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titelreportage

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Fortschritt cher Beratung, Untersuchung oder Diagnose nicht ersetzen, den Dialog zwischen Patient und Arzt aber durchaus sinnvoll ergänzen. Gleichzeitig wächst in der Bevölkerung das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil, der vor Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Rheuma schützen soll. Daher gewinnt nicht nur die Gesundheitsvorsorge an Bedeutung, sondern auch die Nachfrage nach Angeboten des Zweiten Gesundheitsmarktes. Hierunter lassen sich alle privat finanzierten Produkte, Dienstleistungen und Gesundheitskonzepte, Sport- und Wellnessangebote zusammenfassen, die zu einer gesunden und bewussten Lebensführung anhalten. Laut einer Studie der Robert Berger Consultants lagen die Umsätze in diesem Markt 2008 bereits bei geschätzten 64 Milliarden Euro. Durchschnittlich gebe jeder Deutsche circa 900 bis 1.000 Euro außer den Krankenversicherungsbeiträgen für seine Gesundheit aus. Insbesondere bei gebildeten Schichten herrsche das Bewusstsein, dass Präventi-

Quelle: Roland Berger. BCC Research, DB Research

Umsatz in Mrd. EUR

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Minimalinvasive Chirurgie, Systeme zur Entlastung von Mitarbeitern in Pflegeberufen oder die elektronische Patientenakte: E-Health und Telemedizin sind aus dem medizinischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Entwicklung ist aber noch lange nicht abgeschlossen. on und gesundheitliche Eigenverantwortung die Lebensqualität verbessern und die Leistungsfähigkeit erhalten bzw. erhöhen. Auch Krankenhäuser, Krankenkassen und Unternehmen erweitern ihre Angebote und sind inzwischen mit vielfältigen Leistungen im Zweiten Gesundheitsmarkt aktiv. So bieten schon heute 65 Prozent der größten Krankenhäuser Zusatzangebote für Selbstzahler an. Reiseveran-

stalter lassen sich Gesundheitsreisen und Fitness-Studios Rückenkurse von Krankenkassen bezuschussen. Diese Bereiche werden in Zukunft noch stärker zusammenwachsen, prognostizieren die Consultants von Roland Berger. Parallel dazu wächst das Angebot an telemedizinischen Geräten, Plattformen und Dienstleistungen, die für den privat finanzierten Zweiten Gesundheitsmarkt entwickelt werden.

Dazu zählen beispielsweise Anwendungen für den Sport- und Wellnessbereich, aber auch für das Selbstmonitoring. So können beispielsweise mit dem Gerät VitaDock wichtige Vitalfunktionen wie Blutdruck, Blutzucker, Temperatur und Körpergewicht in einer App durch vier passende Vitalwert-Messmodule überwacht werden. Die Hauptakteure im Gesundheitswesen haben sich der Herausforderung einer immer älter werdenden Gesellschaft angenommen. Innovative Krankenkassen, Ärzte, Krankenhäuser sowie Medizintechnik- und Pharmahersteller verlassen ihre ursprünglichen Rollen und prägen den Gesundheitsmarkt mit unternehmerischem Denken. Vernetzung, Partnerschaft, Kooperationen – viele Erfolg versprechende Modelle sind am Start. Im Mittelpunkt steht dabei der Patient, der selbst aktiv zu seiner Gesunderhaltung beiträgt, die Effizienz seiner Behandlung steigert und Kosten vermeidet. Dabei unterstützt ihn ein ganzes Team. Bettina Bernsdorf bernsdorf@newpublic.org

PHARMABRANCHE

VERTRIEBSEXPERTEN FINDEN Die Pharmalandschaft verändert sich. Die Einflüsse durch das Arzneimittelneuordnungsgesetz AMNOG sind spürbar. So ist der uneingeschränkte Vermarktungszeitraum eines Produktes bis zu dessen Wirksamkeitsnachweis mit nur einem Jahr knapp bemessen. Dennoch lassen sich mit flexiblen Vertriebs- und Außendienstlösungen die Auswirkungen abfedern. Das Auslagern von Vertrieb und Marketing wird zunehmen. Dies wird ein probates Mittel für Unternehmen sein, ihre Produkte weiterhin profitabel absetzen zu können. Multi-Channel-Strategien werden die Szenerie zumindest mitbestimmen und neue Aufgaben hervorbringen, die das Berufsbild des Vertriebsmitarbeiters anspruchsvoller, aber auch attraktiv machen. Der Dienstleister sellxpert hat sich auf die Vermittlung von Fachkräften im Healthcare-Bereich, der besondere Anforderungen an seine Beschäftigten stellt, spezialisiert. So werden Pharmareferenten fortan nicht mehr nur beratend tätig sein, sondern ihre Talente als betriebswirtschaftlich denkende Netzwerker unter Beweis stellen müssen. Dabei haben sie

die Bedarfe vieler Gruppen im Auge zu behalten, die der Ärzte ebenso wie die der Krankenkassen oder Patienten. Genügten bisher Wissen über Produkt und Indikation, werden künftig umfassende Kenntnisse über Gesundheitswesen, komplexe Krankheitsbilder oder moderne Praxisführung gefragt sein. Trotz die-

„Der Healthcare-Markt der Zukunft stellt den Vertrieb vor enorme Herausforderungen“, so Sybille Queißer von sellxpert.

ses aufkommenden „Generalistentums“ wird es in Zukunft auch Expertenteams geben, die sich auf bestimmte Themen oder Gruppen spezialisieren. Diese können je nach Rahmenbedingung, Unternehmen und Zielvorgaben aus sogenannten Young Professionals bestehen, aber auch aus erfahrenen Pharmaberatern oder sich gemischt zusammensetzen. Gefragt ist also vor allem Flexibilität. Um sämtliche Kundenanforderungen erfüllen zu können, bietet sellxpert seinen Pharmaberatern, egal welchen Alters und Erfahrungsgrads, optimale Weiterbildungsmöglichkeiten. „Wir können nicht einfach auf einen Alleingang vertrauen und erwarten, dass sie sich die nötigen Zusatzqualifikationen selbst aneignen. Das wäre zu kurz gedacht und würde dem Berufsstand nicht gerecht“, so Sybille Queißer, Geschäftsführerin der sellxpert GmbH. Kurse, beispielsweise über Ärzte- und Patientenkommunikation, die auch die Nutzung von Facebook, Twitter, Xing oder andere Social-MediaPlattformen einbeziehen, bereiten Pharmareferenten auf die komplexer werdende Gesundheitssituation vor. Oder solche

zum „Compliance & Corporation“-Manager, in denen Grundlagen und Entwicklungen der Gesundheitspolitik, betriebswirtschaftliches Grundwissen oder Einbindung und Selbstverantwortung von Patienten vermittelt werden. Neben der Vermittlung von fachlichen Qualifikationen werden auch Soft Skills wie Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis, Organisationstalent und analytisches Denken gefördert. Die Angebote wachsen dabei mit den Aufgaben. Die Verbindung von Qualifikationsmöglichkeiten mit einer stringenten Karriereplanung, die auf den Stärken der Kandidaten aufbaut, stellt sicher, dass authentische Pharmaberater im Markt arbeiten, die um ihre Stärken wissen, kommunikativ sind und interkulturell und verantwortungsvoll agieren. Denn eines darf bei allen aktuellen Entwicklungen nicht außer Acht gelassen werden: Ohne Pharmareferenten wird es auch in Zukunft nicht gehen. Sie werden Hauptansprechpartner der Ärzte sein und als solche den Vermarktungserfolg, aber auch Art und Umfang der Aufklärung mitbestimmen. www.sellxpert.de


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Ärzte können verschlüsselte Patientendaten direkt an Krankenhäuser schicken und OP-Termine für ihre Patienten buchen.

Gut vernetzt, gut versorgt

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esundheit hat ihren Preis. Das haben zum Jahresanfang viele privat Versicherte zu spüren bekommen, deren Beiträge zum Teil deutlich angehoben wurden. Auch die Beitragssätze der gesetzlich Versicherten befinden sich schon lange auf hohem Niveau, Tendenz steigend. Die Wirtschaftsberatung PricewaterhouseCoopers hat in ihrer Studie „Healthcast 2020“ berechnet, dass die Ausgaben im deutschen Gesundheitswesen bis 2020 auf durchschnittlich 16 Prozent des Bruttoinlandprodukts anwachsen werden. Die Hauptursache für diesen Anstieg liegt im demografischen Wandel: Dank einer besseren medizinischen Versorgung werden die Deutschen immer älter. Und mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der schwer und chronisch erkrankten Patienten, deren Behandlungen wiederum besonders teuer sind. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, muss das Gesundheitssystem insgesamt effizienter werden. Das beginnt schon bei der Kommunikation zwischen den verschiedenen Leistungserbringern wie dem Hausarzt, dem Facharzt, dem Krankenhaus, der Apotheke oder der Reha-Einrichtung. In den vergangenen Jahren haben alle Beteiligten damit begonnen, sich untereinander zu vernetzen. Hausarzt und Krankenhaus können jetzt Patientendaten über Datennetze aus-

GESUNDHEITSWESEN Telematik und Health-IT eröffnen neue Möglichkeiten zur effizienten Versorgung von Patienten. Angesichts des demografischen Wandels und Nachwuchssorgen im medizinischen und Pflegebereich unabdingbare Voraussetzung zur Gewährleistung der medizinischen Versorgung.

tauschen. Doppeluntersuchungen lassen sich dadurch wohl kaum vermeiden, weil das Krankenhaus vor einer Operation Wert auf die Erhebung aktueller Laborwerte legt und auch auf eigene medizinische Bilder kaum verzichten wird. Durch die vom Hausarzt elektronisch übermittelten Patientendaten kann sich das Krankenhaus jedoch rechtzeitig auf den Patienten einstellen und ihn schneller und effektiver „durchschleusen“. Fälle, in denen Patienten von ihrem Hausarzt

mit einem Zettel „Operieren!“ ins Krankenhaus geschickt wurden, gehören damit ebenso der Vergangenheit an wie unterwegs verloren gegangene Krankenakten oder Arztbriefe. Dreh- und Angelpunkt der Krankenhaus-IT ist das Krankenhausinformationssystem (kurz KIS genannt). Dieses enthält alle medizinisch relevanten Daten eines Patienten und ist über Schnittstellen mit der Krankenhausverwaltung verbunden, sodass letztendlich die Abrechnung effizienter erfolgen kann. Nach der neuesten Erhebung des Bundesverbands Gesundheits-IT e.V. („Branchenbarometer 2011“) verfügt inzwischen jedes deutsche Krankenhaus über eine solche Software. Aber auch die meisten medizinischen Geräte, etwa in der Radiologie, im OP oder in der Intensivstation, werden mittlerweile von Computern gesteuert. Das erleichtert nicht nur die Bedienung, sondern ermöglicht auch den Datenaustausch über das KIS mit anderen Abteilungen. Zum Speichern all dieser Daten stehen verschiedene Archivlösungen – vom reinen Textarchiv bis zum Multimediaspeicher – zur Verfügung. Vor einigen Jahren haben viele Krankenhäuser außerdem damit begonnen, WLAN-Funknetze einzurichten. Davon profitieren nicht nur die Patienten, die ihre Laptops am Krankenbett betreiben können. Für die Ärzte bedeutet die gestiegene Mobilität, dass sie überall im

Krankenhaus erreichbar sind und gleichzeitig über eine Funkverbindung auf die Daten ihrer Patienten zugreifen können. Die „digitale Visite“, bei der der Arzt mit dem Laptop zum Patienten kommt, ist in vielen Krankenhäusern heute schon Realität. Vereinzelt hat auch das Pflegepersonal bereits damit begonnen, Daten unmittelbar am Patientenbett in die digitale Patientenakte einzutragen. Damit wird ein überflüssiger Medienbruch verhindert. Es wird sichergestellt, dass wichtige Informationen nicht verloren gehen und jederzeit verfügbar sind. In einem Projekt wurden Stationsärzte sogar mit iPhones ausgestattet, die sie über medizinische Komplikationen ihrer Patienten informieren, um jederzeit reagieren zu können. Das Pendant zum KIS in der Arztpraxis ist das Arztinformationssystem. Von dieser Software aus kann der Arzt nicht nur Patientendaten an die Krankenhäuser schicken, sondern sogar OPTermine für seine Patienten buchen. Damit der Datenschutz bei diesem „intersektoralen“ Informationsaustausch nicht auf der Strecke bleibt, wird nach anfänglichen Schwierigkeiten jetzt die elektronische Gesundheitskarte – eine Art Ausweis – eingeführt. Sie ersetzt die bisherige Krankenversicherungskarte und enthält einen Computerchip zum Verschlüsseln der zu übertragenden Daten. Der Arzt bekommt ebenfalls eine Karte. Das Prinzip: Nur


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Verfahren Telemedizinische Verfahren werden in größerem Umfang seit den 1980er Jahren erprobt. Triebkraft zur Telemedizin ist eine räumliche Trennung von Arzt und Patient oder Arzt und Facharzt, wie in der Raumfahrt (hier auch Telemetrie), bei Expeditionen (Arktis/Antarktis) oder in militärischen Einsätzen. Bedarf Besonders großflächige Länder mit einer geringen Einwohnerzahl in entlegenen Gebieten haben früh einen Bedarf für telemedizinische Anwendungen gesehen. Aus diesem Grund sind viele Forschungen in Norwegen erfolgt. Neben der Telemedizin existieren auch andere Formen der Versorgung, wie zum Beispiel die „Flying Doctors“ in Australien. Ein Nachteil der Telemedizin ist häufig das Fehlen der therapeutischen Möglichkeiten, da ein Facharzt nicht vor Ort ist. Anwendung In medizinisch gut versorgten Gebieten wird Telemedizin mit dem Ziel der Qualitätsverbesserung, zum Beispiel durch Einholung einer Zweitmeinung, verwendet oder zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten durch eingesparte Wege zum Arzt und Vorbeugung von Notfällen durch apparative Beobachtung. Daneben kann Telemedizin auch einen Beitrag zur Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung leisten.

wenn beide, Arzt und Patient, zeitgleich ihre Karte verwenden und ihre persönliche Geheimzahl eingeben, können die Daten verschlüsselt übertragen werden. In Verbindung mit der neuen Karte wurde eine Telematikinfrastruktur geschaffen, über die alle Akteure des Gesundheitswesens miteinander vernetzt sind. Intelligente IT-Lösungen werden im Gesundheitswesen nicht nur benötigt, um die steigende Zahl älterer, kranker Menschen zu versorgen. In der Gesundheitsbranche fehlt der Nachwuchs, und das wird sich in den nächsten Jahren bei den Ärzten oder dem Pflegepersonal deutlich bemerkbar machen. Moderne TelemedizinAnwendungen sollen diesen Personalmangel in den kommenden Jahren kompensieren. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist das Institut für angewandte Telemedizin (IFAT) des Herzund Diabeteszentrums NRW (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen, wo Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus behandelt werden. Das Prinzip: Die Patienten messen ihre Vitalparameter wie Blutdruck, Gewicht oder Blutzucker selbst und übermitteln diese Werte per Handy oder über die Telefonleitung an die betreuenden Ärzte. Das spart sowohl dem Behandler als auch dem Patienten Zeit und Aufwand, und die fortlaufend gemessenen Daten gelten als viel genauer als die beim Arzt erhobenen, da hier die mögliche Aufregung des Patienten die Werte verfälschen kann. Telemedizin führt deshalb nicht nur zu einer Einsparung, sondern auch zu einer besseren Behandlungsqualität. Ein Mehr an Komfort verzeichnen Patienten mit implantiertem Herzschrittmacher oder Defibrillator. Sie können künftig Zeit und Geld sparen, weil sie nicht mehr für jede technische Kontrolluntersuchung den oftmals weiten Weg zum nächsten Facharzt wählen müssen. Neuere Implantate schicken ihre Betriebsdaten, die zum Beispiel Auskunft über den Zustand der Batterie geben, via Mobilfunk zur technischen Überprüfung an den behandelnden Arzt. Patienten und Ärzte nutzen aber nicht nur die Telemedizin, sondern auch das Internet. Einer Umfrage des Branchenverbands BITKOM von 2011 zufolge kaufen bereits neun Millionen Deutsche Medikamente bei InternetApotheken. Das ist jeder sechste Nutzer. Für die nächsten Jahre wird ein deutlicher Anstieg erwartet. Auch Informationen besorgen sich die Patienten zunehmend aus dem Netz. Auf der Grundlage von Zahlen der euro-

Alle Angaben in %

verbessert Koordination in der Pflege

70

verbessert übergreifende Prozesse

68

reduziert medizinische Fehler

66

verbessert Therapie-Entscheidungen

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verbessert Diagnose

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QUelle: Accenture

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Gefragt, welchen Nutzen der IT-Einsatz in Praxis und Klinik bringt

Die Akteure im Gesundheitswesen vernetzen sich mit dem Ziel einer effektiveren Versorgung. Sämtliche medizinisch relevanten Patientendaten können so ohne Medienbrüche jederzeit und an jedem Ort verfügbar gemacht werden.

päischen Statistikbehörde Eurostat hat der Branchenverband außerdem berechnet, dass knapp 60 Prozent (28 Millionen) der deutschen Internetnutzer sich im Web über Krankheiten, Verletzungen oder eine gesunde Ernährung informieren. Eine der ersten Anlaufstellen sind Online-Portale wie zum Beispiel Imedo.de, auf denen Patienten allgemeine Informationen über Diagnostik, Therapie und Vorsorge, aber keine individuelle Beratung erhalten. Diese Portale enthalten meist auch Foren, in denen sich Nutzer zu speziellen Gesundheitsfragen austauschen können, oder Selbsthilfegruppen. Ebenso bieten diese eine Suche nach Ärzten an. Inzwischen gibt es auch Portale wie weisse-liste.de der Bertelsmann-Stiftung, auf denen gesetzlich Versicherte nach geeigneten Kliniken suchen können. Ärzte nutzen das Internet hauptsächlich für die medizinische Recherche und für die Fortbildung, ergab die LA-MED Studie 2011 der Arbeitsgemeinschaft LAMED Kommunikationsforschung im Gesundheitswesen e. V. Soziale Netzwerke wie Facebook hingegen haben in Deutschland für die Gesundheit noch keine große Bedeutung. Forscher des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen begründen dies in ihrer Studie „Health goes Facebook“ damit, dass die meisten der rund 20 Millionen Facebook-Nutzer zwischen 18 und 34 Jahre alt sind und sich demzufolge häufig noch keine Gedanken über ihre Gesundheit machen. In den nächsten Jahren soll sich das jedoch ändern, weil die Zahl der älteren Facebook-Nutzer zunehmen wird, welche statistisch gesehen häufiger erkranken als jüngere Menschen. Facebook wird aber zunehmend auch als Marketinginstrument genutzt. Die Gelsenkirchener Forscher haben herausgefunden, dass sich bereits auf 195 Fa-

cebook-Seiten Kliniken mit ihren Leistungsangeboten präsentieren. Ärzte hingegen setzen verstärkt auf die eigene Homepage. So brachte zum Beispiel die Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2011“ im Auftrag der Stiftung Gesundheit die Erkenntnis, dass knapp 65 Prozent der Ärzte eine eigene Internetpräsenz haben. Allerdings schöpfen sie häufig die Möglichkeiten noch nicht aus, die sich aus der Homepage ergeben. Zahlreiche Ärzte nutzen das Internet lediglich als „digitale Visitenkarte“ statt ihre Leistungen zu präsentieren. Lediglich 14 Prozent bieten über ihre Internetseite beispielsweise eine Online-Terminvereinbarung an. Deutschland ist also auf einem guten Weg, die Informationstechnik und neue Medien konsequent auch im Gesundheitsbereich umzusetzen und zu nutzen. Die Patienten profitieren davon auf doppelte Weise: Einerseits bleibt Gesundheit bezahlbar, andererseits verbessert sich die Qualität der Behandlung, etwa durch die kontinuierliche Fernüberwachung der Patienten via Telemedizin oder durch besser zwischen Klinik und Hausarzt abgestimmte Behandlungen. Die Telemedizin steht dabei erst am Anfang dieser Entwicklung, ebenso wie die Vernetzung der Medizintechnik mit der Krankenhaus-IT. Zu den interessantesten Entwicklungen in den nächsten Jahren zählen zum Beispiel die Vernetzung im Rettungswesen und der Umbau der Wohnungen älterer Menschen mit modernster Technik, damit diese möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können. Bei all dem technischen Fortschritt sollte man aber nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, dass Innovationen die persönliche medizinische Betreuung zwar verbessern, nicht jedoch ersetzen können. Dr. Michael Lang lang@newpublic.org

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Online Healthcare Marketing DAS INTERNET DEFINIERT DIE PHARMA KOMMUNIKATION NEU – Viele Arzneimittelhersteller sind sich der neuen Spielregeln kaum bewusst, erläutert der Online Healthcare Experte Sebastian Seydak im Gespräch mit der Redaktion. Hört man sich in den Vorstandsetagen der Pharmahersteller um, bezeichnen viele das Internet als einen Segen, andere aber hinter vorgehaltener Hand auch als einen Fluch. Wer hat Recht? Segen oder Fluch? Ich sage: Beides! Fakt ist: Kein Medium bietet der Pharmaindustrie bessere Möglichkeiten zur Werbung. Richtig ausgesteuert liegen Streuverluste im Internet bei Null. Wer als Arzneimittelhersteller zielgerichtete Werbung in einem Gesundheitsportal im Indikationsbereich seines Produktes schaltet oder über Google Adwords seinen Anwendungsbereich belegt, erreicht ausschließlich potenzielle Käufer. Oder haben Sie schon einmal einfach so aus Langeweile „Erkältung“ gegoogelt oder zum Thema Nagelpilz auf Lifeline. de gestöbert? Die Targeting-Möglichkeiten des Internets bieten der Gesundheitsbranche mehr Möglichkeiten als jeder anderen Branche. Inwiefern bietet das Internet der Pharma-Industrie sogar bessere Möglichkeiten als anderen Branchen? Coca Cola oder BMW können über Emotionen werben, das kann ein Arzneimittel nur sehr begrenzt. Die Konsumgüterindustrie steuert ihre Werbung nach soziodemografischen Daten aus, das macht die Pharmaindustrie in Print und TV genauso. Aber wenn Sie krank sind oder eine Befindlichkeitsstörung haben, dann googeln Sie nach einer Lösung. Da sind wir beim Thema Push- vs. Pull-Marketing – ein potenzieller Kunde fragt nach einer Lösung und im Internet hat die Pharmaindustrie die Möglichkeit, dieses Informationsbedürfnis genau an der richtigen Stelle und zum richtigen Zeitpunkt zu beantworten – mit einer Produktempfehlung und ohne Streuverluste. Hier sieht dagegen Coca Cola alt aus – denn wer würde ernsthaft nach „Erfrischungsgetränk“ googeln? Und warum ist das Internet für die Pharmabranche auch ein Fluch? Gut, den Fluch würde ich relativieren – richtig angegangen ist das Internet kein Fluch für die Arzneimittel-Hersteller. Aber Internet bedeutet User Generated Content, Meinungsaustausch, Bewertungsportale – eben Social Media. Es gibt wahrscheinlich kein Arzneimittel, zu dem Sie im Internet nicht jemanden finden, der von Nebenwirkungen erzählt, bei denen Ihnen Angst und Bange wird – und in den meisten Fällen steckt alles Mögliche hinter diesen „Nebenwirkungen“, aber nicht das Arz-

neimittel. Nachdenklich macht es den Patienten dennoch. Sollten Arzneimittelhersteller mit Social Media reagieren? Grundsätzlich ist Social Media eine phantastische Form der Werbung – sie bietet die breitenwirksame Version des guten alten Empfehlungsmarketings. Auch im Healthcare Bereich bietet Social Media hervorragende Möglichkeiten – aber eben auch sehr viele Risiken. Es gibt Pharmaprodukte, bei denen Social Media sicherlich eine interessante Option darstellt. Mit unserer Kampagne für Tiger Balm haben wir beispielsweise mit einem vergleichsweise kleinem Budget über vier Millionen Seitenaufrufe auf Facebook generieren können und unsere 14.000 Fans, die wir in nur acht Wochen gewonnen haben, haben über 250.000 Beiträge

zum Tiger Balm Team gepostet – an ihre Freunde, Kollegen, an Leser in Foren und Blogs, nicht nur auf Facebook. Vergleichbare virale Effekte könnten Sie mit herkömmlichem Marketing nie erreichen. Auch die Kampagne „Vereinsretter“ von Voltaren, die allerdings nicht von uns stammt, war klasse. Aber was erwarten sich Hersteller beispielsweise davon, einfach mal so eine Facebook-Seite zu ihrem Erkältungsprodukt zu machen? Abgesehen von ein paar meldepflichtigen Nebenwirkungen, die andere Patienten aufschrecken, wird dabei nicht viel rauskommen. Welche Online-Strategie raten Sie einem Pharmaunternehmen, das bisher nicht im Netz aktiv war? Pharmaunternehmen, die ihre „klassische Werbung“ bisher nicht ausreichend online flankieren, haben damit leider

Sebastian Seydak ist Internet-Pionier der ersten Stunde. Seine Agentur Ellusion gehört zu den renommiertesten Healthcare Agenturen Deutschlands in den Bereichen Beratung, SEO, SEM, Social Media & Display und verfügt über eine eigene Medizin-Redaktion. www.ellusion.de

nicht nur ein Medium – nämlich Online – vernachlässigt, sondern mit ihren TVund Print-Werbeausgaben indirekt sogar den Wettbewerb unterstützt. Denn was machen die meisten potenziellen Kunden, nachdem sie eine TV- oder Printwerbung für ein Arzneimittel gesehen haben? Sie googeln! Studien belegen, dass 62% aller Käufer in der stationären Apotheke sich vorher im Netz informiert haben. Wenn ein Hersteller eine große TV-Kampagne für ein Arzneimittel macht und online nicht gleichzeitig vertreten ist, profitiert dessen Wettbewerber, der die Gesundheitsportale und Google online belegt hat, von diesen TV-Spendings. Welche konkreten Maßnahmen sollte ein Arzneimittelhersteller im Netz ergreifen? Zwingend Google Adwords und die großen Gesundheitsportale. Achten Sie unbedingt darauf, dass Ihre Agentur die richtige Healthcare-Expertise mitbringt. Das ist nicht nur wichtig wegen all der rechtlichen Fragestellungen, bspw. der korrekten Pflichttext-Einbindung. Ihre Agentur muss auch selbst fachlich kompetente und an die Erfordernisse von Suchmaschinen angepasste Healthcare Texte erstellen können, sowohl für die Anzeigen als auch für die Landingpages – am besten so gut, dass Ihre medizinisch wissenschaftliche Abteilung gar nicht mehr kontrollieren muss, denn die tägliche Optimierung eben dieser Texte kann in Adwords bis zu 75% höhere Budgeteffizienz erreichen. Belegen Sie außerdem die großen Gesundheitsportale in Ihrem Indikationsbereich. Schalten Sie aber nicht nur Bannerwerbung. Diese erfüllt sicher eine gute Branding-Wirkung, transportiert aber kaum echte Informationen. Erklären Sie dem User auch, warum genau Ihr Präparat das richtige ist. Dafür eignen sich gut gemachte Advertorials, wie Sie sie beispielsweise auf Portalen wie Lifeline.de oder der Gesundheitsberatung. de belegen können. Geben Sie dem User dort relevante Informationen zu seinem Problem und Ihrem Produkt, aber achten Sie dabei unbedingt auf die korrekte, fachliche Darstellung der Datenlage, Indikationslyrik ist fehl am Platz. Und ganz wichtig: Tracking, Tracking, Tracking. Im Internet lässt sich jederzeit ganz genau ermitteln, welche Kampagne Erfolg hat und welche nicht. Wenn Ihre Agentur nicht jederzeit auf Knopfdruck exakte Performancekennzahlen liefern kann, heruntergebrochen auf jedes einzelne Keyword, dann sollten Sie einen Wechsel in Betracht ziehen.


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arbeitswelten

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Faktor Gesundheit

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„HIGH LIGHTS“

Durch auf den einzelnen Mitarbeiter angepasste Lichtverhältnisse lässt sich gegen Konzentrationsschwächen und Müdigkeit vorgehen. Erfolgreiche Beleuchtungskonzepte stimmen den Beitrag der einzelnen Farben zum resultierenden Licht individuell auf die Arbeitssituation ab. Je nach Form, Tageszeit, Alter und optischen Hilfsmitteln, wie z.B. einer Brille, kann die benötigte Helligkeit stark variieren. Hinzukommt, dass eine sorgsam konzipierte Arbeitsplatzbeleuchtung zu niedrigeren Kosten führt.

Glamox Luxo Lighting kombiniert verschiedene Leuchtentypen und ermöglicht so eine angenehme und ansprechende Arbeitsplatzbeleuchtung. Weitere Informationen finden Sie unter: www.glamox.com

Businessman sitting relaxed on chair against sky © Yuri Arcurs, fotolia

Licht beeinflusst die biologischen Vorgänge im Körper und wirkt sich in vielfältiger Weise auf die Gesundheit und das Wohlbefinden eines jeden Menschen aus. Gerade am Arbeitsplatz stellt sich die Frage, wie sich Leistungsfähigkeit, Stimmung und Wohlbefinden der Mitarbeiter verbessern lassen.

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ür einen Euro 2,20 Euro zurückbekommen? Von einer Rendite von 120 Prozent können in Zeiten von Niedrigstzinssätzen viele Anleger nur träumen. Durch Investitionen von Firmen in die Gesundheitsprävention lässt sich eine derart hohe Rendite erreichen, so Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf dem Präventionskongress seines Ministeriums. Studien belegen, erklärte Bahr, dass Unternehmen, „die einen Euro pro beschäftigter Person und Jahr in die betriebliche Prävention investieren, mit einem potenziellen ökonomischen Erfolg in Höhe von 2,20 Euro rechnen können.“ Das Bundesgesundheitsministerium will mit der Kampagne „Unternehmen unternehmen Gesundheit“ das Bewusstsein in den Firmenetagen für die betriebliche Gesundheitsförderung schärfen. Doch nicht nur die Unternehmen müssen umdenken, auch die Krankenkassen: Während diese 79 Prozent der Mittel für individuelle Präventionsmaßnahmen ausgeben, belaufen sich die Ausgaben für betriebliche Prävention auf gerade einmal 14 Prozent. Im Eigeninteresse sind Staat, Krankenkassen und Wirtschaft also gefordert zu handeln: Der Staat, weil der Ausfall von Arbeitsstunden durch berufsbedingte Krankheiten Milliardenkosten verursacht, was wiederum Auswirkungen auf die Steuereinnahmen hat; die Kassen, weil sie Milliardenbeträge für die Behandlung der erkrankten Arbeitnehmer zahlen; die

PRÄVENTION Viele Unternehmen setzen auf ergonomische und hygienische Verbesserungen am Arbeitsplatz. Mit Erfolg, denn gesündere Mitarbeiter sind bessere Mitarbeiter. Wirtschaft, weil Mitarbeiter in einer wenig gesundheitsförderlichen Arbeitsumgebung weniger leistungsfähig sind und einen höheren Krankenstand haben. Gesunde und motivierte Mitarbeiter bilden die Grundlage für ein leistungsstarkes Unternehmen. Hinzu kommt, dass nicht nur finanzielle Aspekte die Attraktivität eines Arbeitgebers ausmachen, sondern in hohem Maße „weiche“ Faktoren, die das Wohlbefinden am Arbeitsplatz fördern: Neben beruflichen Weiterbildungsmöglichkeiten, interessanten Aufgaben und Perspektiven sowie sozialen Komponenten wie etwa Kitas sind dies gerade auch Präventionsmaßnahmen und ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Kein Wunder, dass sich einige Unternehmen die Vorsorge auf ihre Fahnen geschrieben haben. Beispiel: Die Hilti Kunststofftechnik GmbH aus dem bayerischen Nersingen, die im November 2011 mit dem Titel „Bayern fittes-

tes Unternehmen“ ausgezeichnet wurde. Der Preis wurde u. a. vom Bayerischen Arbeitsministerium und der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft e. V. ausgelobt. Der 200 Mitarbeiter starke mittelständische Baumaschinenhersteller hatte auf der Grundlage einer Diplomarbeit ein Gesamtkonzept für ein betriebliches Gesundheitsmanagement entwickelt und umgesetzt. Dazu zählen Lauftreffs, YogaKurse und Wirbelsäulengymnastik nach der Arbeit, aber auch neueste Lüftungssysteme oder kostenlose Äpfel während der Erkältungszeit. Nach Aussage von Angelika Schütz, Personalchefin des Unternehmens, organisieren die Mitarbeiter die Mehrzahl der Maßnahmen: „Das ist sehr wichtig, weil der Schwung unserer Idee, gesundheitliche Prävention in allen Bereichen zu verwirklichen, damit nicht verloren geht.“ Gesundheitsprävention in allen Bereichen: Der Trend geht dahin, unterschiedliche Aspekte wie Ergonomie, Funktionalität oder Hygiene nicht mehr isoliert, sondern ganzheitlich zu betrachten und auf dieser Grundlage ein Gesamtkonzept zu entwickeln, in dem die unterschiedlichen Lösungen ineinander greifen. So spielt etwa der Faktor Licht eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten. Der falsche Einsatz von Licht kann zu einer Reihe gesundheitlicher Beeinträchtigungen wie Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen führen. Die Bremer Glamox Lu-

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xo Lightning, ein Tochterunternehmen der norwegischen Luxo Asa, empfiehlt eine Kombination von direktem und indirektem Licht, das für eine „natürliche Ausleuchtung“ sorgt. Die optimale Helligkeit variiert je nach Arbeitsplatz, zu helle Lichtquellen sollten vermieden werden, da sie zu einer Blendung führen und als unangenehm empfunden werden. In vielen Betrieben ist Hygiene ein zentrales Thema. Insbesondere in der Lebensmittelindustrie, dem Lebensmittelhandel, der Gastronomie, Landwirtschaft, im Gesundheitswesen sowie in Kindergärten, Schulen und Pflegeeinrichtungen sind die Beschäftigten Gefahren ausgesetzt. Wiederholt macht der Ehec-Erreger, dem einige Menschen zum Opfer fielen, von sich reden. Tödliche Krankenhauskeime führten im vergangenen und in diesem Jahr zum Tod von Säuglingen. Gefahren für Mitarbeiter in Betrieben lauern bspw. im Trinkwasser. Dabei ist Wasser das Getränk schlechthin und sollte in keinem Unternehmen fehlen. Verunreinigungen lassen

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sich mit Filtersystemen vermeiden; eine thermische Keimsperre verhindert eine retrograde Verkeimung. Eine entsprechende Lösung, die zudem chemiefrei ist, hat die Firma Brita Ionox auf den Markt gebracht. Das Unternehmen, das Erfinder der patentierten thermischen Keimsperre ist, sieht Nutzungspotenzial vor allem in hygienisch sensiblen Bereichen wie Kliniken oder bei der Nutzung durch viele Personen. Mitarbeiter und Kunden können sich bei Bedarf mit gesundem Wasser versorgen und so etwas für ihre Gesundheit tun. Das Wohlbefinden am Arbeitsplatz hängt auch von Faktoren wie Temperatur und Ergonomie ab. Bei der „richtigen“ Temperatur gibt es große Unterschiede zwischen einer Bürokraft, die eine Temperatur von 18 Grad Celsius als unangenehm, weil viel zu kalt, empfindet, und einem Möbelpacker, der bei derselben Temperatur ins Schwitzen gerät. Faktoren wie Luftfeuchtigkeit sowie Wärmestrahlung beeinflussen deutlich das Empfinden von Behaglichkeit.

Wohlfühlatmosphäre am Arbeitsplatz sorgt für zufriedene und leistungsstarke Mitarbeiter.

Für Unternehmen, die nichts dem Zufall überlassen wollen, hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine Broschüre herausgegeben, in der Risiken und Schutzmöglichkeiten aufgezeigt werden. Dass die Ergonomie der Arbeitsmöbel von entscheidender Bedeutung für den Krankenstand ist, hat sich in den Firmenetagen inzwischen herumgesprochen. Rückenschmerzen sind

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zur Volkskrankheit geworden: 31 Millionen Behandlungsfälle werden pro Jahr in Deutschland gezählt. Bei Männern sind Rückenschmerzen der häufigste, bei Frauen der zweithäufigste Grund für eine Arbeitsunfähigkeit. Bei jedem Zehnten nimmt die Krankheit einen chronischen Verlauf an. Rückenschmerzen kosten die deutsche Wirtschaft Milliardensummen. Nach Einschätzung von Fachleuten summieren sich die Kosten auf 20 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Inzwischen arbeiten mehr als 12.000 Menschen in der Büromöbelbranche, die einen vermutlich immer größeren Anteil mit ergonomischen Möbeln erwirtschaftet. Viel hängt von der Leistung der Mitarbeiter ab. Deswegen achten intelligent geführte Unternehmen auf den Faktor Gesundheit. Wie das Beispiel Hilti belegt, kommt es dabei nicht nur auf kompetente Berater und funktionierende Lösungen an, sondern auch auf das Bewusstsein und die Initiative der Beschäftigten selbst. Dr. Ralf Magagnoli magagnoli@newpublic.org

TA F E LWA S S E R

SPEZIALLÖSUNGEN FÜR DIE GASTRONOMIE Aus Büros, Produktionsstätten, Schulen und Krankenhäusern sind sie schon nicht mehr wegzudenken: Leitungsgebundene Trinkwasserspender verschaffen direkten Zugang zu frischem und gekühltem Wasser. Strenge Auflagen garantieren Qualität und Sauberkeit, denn Trinkwasser gehört in Deutschland zu den am

besten kontrollierten Lebensmitteln. Zudem ist es ökologisch wie ökonomisch sinnvoll, keine Wasserflaschen in Kisten zu handeln, sondern auf Wasser aus dem Hausanschluss zurückzugreifen. Die Firma Brita Ionox hat nun Speziallösungen entwickelt, mit denen auch Gastronomen ihr eigenes Tafelwasser herstellen

Gutes Wasser gegen den Durst –Tafelwasser muss den Vergleich mit Mineralwasser in Bezug auf Qualität und Sauberkeit keineswegs scheuen.

und anbieten können. Der größte Vorteil liegt in der Reduzierung des logistischen Aufwands. Trinkwasserspender bieten ideale Möglichkeiten, einen Beitrag zum schonenden Umgang mit den knappen Ressourcen Energie und Wasser zu leisten. Abfüllung, Transport und Recycling von zahllosen Wasserflaschen entfallen bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Attraktivität der Systeme. Individuelle Karaffen oder Mehrwegflaschen verleihen dem gastronomischen Auftritt zudem eine besondere Note. Gleichzeitig sind die hochwertigen Zapfanlagen aus robustem Edelstahl im Betrieb und in der Wartung unschlagbar günstig, und die Technik verschwindet bequem unter der Theke oder in einer Küchenzeile. Die Anschaffung eines Trinkwasserspenders amortisiert sich in der Regel bereits nach einem Jahr. Das haben neben zahlreichen Industriekunden auch bereits viele Wasserversorger erkannt, die diese Systeme ebenso anbieten und warten. Die Versorger garantieren nämlich die Qualität des Wassers bis zur Grundstücksgrenze – von dort geht die Verantwortung auf den Betreiber über. Die Wege,

auf denen Verunreinigungen in das saubere Wasser gelangen können, sind vielfältig: Alte, korrodierte oder bleihaltige Rohrleitungen oder Totleitungen sowie äußere (retrograde) Einflüsse können die Wasserqualität beeinträchtigen. Gerade bei der Nutzung durch viele Personen oder in hygienisch sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern ist die thermische Desinfektion des Auslaufs unbedingt erforderlich. An dieser Stelle setzt die patentierte Brita Ionox Hygiene Solution ein. Sie filtert Schwebstoffe und Verunreinigungen heraus, und die thermische Keimsperre verhindert – komplett chemiefrei - eine retrograte Verkeimung über den Auslauf. www.ionox.brita.de.

Brita Ionox ist auf die Herstellung und den Vertrieb von hochwertigen leitungsgebundenen Trinkwasserspendern spezialisiert. Das Unternehmen stellt neue Gastronomielösungen auf der Internorga vom 09.14.03.2012 in Hamburg (Halle B 2 EG Stand 101) vor.


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