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Fachzeitschrift des Deutschen-Wildgehege-Verbandes e.V. | Ausgabe 1/2008 | Verkaufspreis 3,- Euro

Der Wisent

Das Tier des Jahres 2008

Tiergarten Worms

Was haben denn Wölfe mit Hamstern und Ratten mit Füchsen zu tun?

Wolfsgeschichten

Eine Mensch-Wolf-Beziehung wie vor 5.000 Jahren?

Berberaffen

Berberaffe zwischen Wildschwein und Hirsch

Serie: Ein vorbildliches Gehege Der Weißstorch im Wildpark Eekholt Der Weißstorch im Wisentgehege Springe


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Editorial / Impressum

Editorial

Impressum 01/08

Liebe Leserinnen und Leser, es ist WildTierZeit!

unserer nächsten WildTierZeit-Ausgaben nochmals nachzudenken.

Nehmen Sie sich diese Zeit für unsere neue Ausgabe des Deutschen-Wildgehege-Verbandes im neuen Gewand. Wie immer möchten wir Sie umfangreich, fachkompetent und aktuell über unsere Wildtiere und die sich um sie und unsere Tiergehege rankenden Themen informieren.

Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, selbst Interesse haben, Ihr vorbildliches Gehege für das Mufflon in der kommenden WildTierZeit vorzustellen, dann melden Sie sich bitte bis zum 15. August 2008 bei der Geschäftstelle des Deutschen-Wildgehege-Verbandes.

Das neue Gewand dabei hat einen wesentlichen Grund: Wir nennen es WildTierZeit, weil wir eine noch größere Leserschaft bereits erreichen und zukünftig auch erreichen wollen, die nicht mehr nur aus unseren Mitgliedern im Deutschen-WildgehegeVerband und der Deutschen Tierpark Gesellschaft besteht, sondern nun auch alle Gehege des Österreichischen Wildgehege-Verbandes mit einschließt. In all den vergangenen Jahren, in denen ich auf der Jahrestagung des Österreichischen Wildgehege-Verbandes so herzlich aufgenommen wurde, zeigte sich, wie nah wir uns mit aktuellen Themen auf europäischem Parkett bewegen und dies macht Mut, sie gemeinsam zu diskutieren und Probleme zu lösen. Wir möchten Ihnen möglichst weit ab von Büro und Schreibtisch mit unseren Themen Muße und Zeit entlocken, um sich Gedanken über Natur, Naturschutz und parallel dazu über unseren Anspruch an die jeweils eigene Entwicklung in der Gehegelandschaft zu machen. Mein besonderer Dank gilt diesmal dem Wildpark Eekholt und dem Wisentgehege Springe, die ihre vorbildlichen Gehege für Weißstörche vorstellen. Hier zeigt sich in besonderem Maße, wie Wildtiere auch frei in unseren Parks leben und sogar wissenschaftliche Eckdaten über allgemeines Zugverhalten liefern können, und andere letztendlich auch zum eigenen Schutz vor Prädatoren in geschlossenen Großvolieren flugfähig präsentiert werden. Deutlich wird, daß kostengünstige Volieren noch immer zu statischen Problemanlagen führen, über die es sich lohnt, in einer

Aber auch allen weiteren Autoren und Inserenten gilt besonderer Dank, denn sie beleben die Zeitschrift mit derart vielschichtigen Themen wie zu den aktuellen Vereinrechtslagen der Fördervereine (Siegfried Stauche), zum Wisent als Tier des Jahres (Thomas Hennig und Karola Wendschuh), zur so erfolgreichen Elchhaltung mit praktisch unschätzbaren Tipps (Prof. Henning Wiesner) und zur notwendigen und vor allem praxisnahen Tierbestandsdatenerfassung mittels EDV des Aspe-Instituts (Egon Brass). Der Bericht über die Wolfsaufzucht im Alpenzoo (Pascale Wiesenthal) ist für mich besonders bemerkenswert, da er doch die über Jahre andauernde enge Bindung zwischen Mensch und Wolf trotz häufiger räumlicher Trennungen beschreibt. Die Bewerbung von Geschenkebäumen (Wolf von Schenk) und naturnah gestalteten Kunstfelsimitaten bietet interessantes Neuland für viele unserer Parks. Ein besonderer Dank gilt auch Alois Gassner für seinen Kurzreport zu fast zwanzigjähriger sehr erfolgreicher Seminararbeit der Deutschen Tierparkgesellschaft. Ich würde mich freuen, wenn auch verbandsübergreifend zahlreiche Leserinnen und Leser im September den Weg nach Worms zum diesjährigen DTG-Seminar finden werden. Mit allen guten Wünschen für die bevorstehende Sommerzeit bleibe ich herzlichst Ihr

Herausgeber: Deutscher-Wildgehege-Verband e.V. Geschäftsstelle im Tierpark Sababurg Kasinoweg 22 34369 Hofgeismar Telefon (0 56 71) 80 01 - 22 59 Telefax (0 56 71) 80 01 - 22 50 info@wildgehege-verband.de www.wildgehege-verband.de Bankverbindung Kasseler Sparkasse Konto 100 100 127 · BLZ 520 503 53 Der Vorstand Vorsitzender: Eckard Wiesenthal Stellvertreter: Dr. Wolfgang Fröhlich Geschäftsführer: Karl Görnhardt Satz & Layout: NEW IMAGINE Werbung, Kassel Internet http://www.new-imagine.de Redaktion: Eckhard Wiesenthal, Karl Görnhardt Druck Color Druck GmbH, Holzminden Internet http://www.color-druck.net Die mit Namen oder einem Signum gekennzeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos oder sonstige Druckvorlagen wird keine Gewähr übernommen. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge zu streichen, zu kürzen oder zu überarbeiten. WildTierZeit, die Fachzeitschrift des Deutschen-Wildgehege-Verbandes e.V. erscheint zweimal im Jahr. Der Verkaufspreis (3,- Euro im Einzelkauf) ist für Mitglieder (jeweils 1 Exemplar) durch den gezahlten Mitgliedsbeitrag abgegolten. Die Zeitschrift und alle ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Der Vorstand zeichnet für den Inhalt verantwortlich. Titelbild: Thomas Hennig, Wisentgehege Springe


Inhaltsverzeichnis

Ausblick 02/08

Inhaltsverzeichnis 02

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Editorial

Jahreshauptversammlung und die Vorstandswahlen

In der kommenden Ausgabe unserer WildTierZeit erwarten Sie wieder eine Vielzahl interessanter und aufschlußreicher Artikel zu folgenden Themen:

Serie: Ein vorbildliches Gehege Das Mufflon

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Gestatten?! … Wisent – Wildtier des Jahres 2008

Wisenthaltung im Wildpark Hundshaupten

Problemfall: Feuchter Schnee – Statik und Volieren

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Tiergarten Worms: Was haben denn Wölfe mit Hamstern und Ratten mit Füchsen zu tun?

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Wolfsgeschichten Anmerkung: Eine Mensch-Wolf-BezieVerkehrssicherheitspflicht hung wie vor 5.000 Jahren? auf Waldwegen

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Information und Fortbildung stehen für die DTG an erster Stelle

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Fördervereine, eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Zoologischen Gärten und Tierparks

© Hans-U. Geyer / PIXELIO

Serie: Ein vorbildliches Gehege...

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Weißstörche im Wildpark Eekholt

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Weißstörche im Wisentgehege Springe

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Berberaffe zwischen Wildschwein und Hirsch

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ASPE Zoo-Lex, eine Software zur Verwaltung Ihres Zoos

30 Jahre Elchhaltung (Alces alces alces) im Münchener Tierpark Hellabrunn

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Natürliche Lebensräume aus Oberfranken - die Baumeister für Elefanten, Affen und Co.

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Eröffnung des deutschlandweit ersten „GeschenkeWaldes®“ im Wildpark Eekholt

Forschung: Streßbelastungen bei Wildtieren, Sozialverhalten der Wildkaninchen im Gehege In letzer Minute reingekommen: 1,4 Rehe abzugeben. Alter ein bis vier Jahre Preis VB Ursula Wilmering Stegenweg 11 · 49377 Vechta Telefon (0 44 41) 93 10 14 Telefax (0 44 41) 93 10 20

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Gestatten?! … Wisent – Wildtier des Jahres 2008

Gestatten?! … Wisent – Wildtier des Jahres 2008 Der Wisent ist, mit einer Kopf-RumpfLänge von ca. 3,30 m, sowie einer Schulterhöhe von bis zu 2,00 m und einem Gewicht von bis zu einer Tonne, Europas größtes und schwerstes Landsäugetier und der letzte Vertreter der Wildrindarten auf diesem Kontinent. Er ist dem amerikanischen Bison sehr ähnlich und mit diesem auch uneingeschränkt kreuzbar. Alle heute lebenden Wisente stammen von 12 Individuen ab, die den Ersten Weltkrieg sowie Bejagung und Wilderei, in Zoos und Wildgehegen überlebten. Wisente sind Herdentiere, meist umfasst eine Wisentherde nicht mehr als 20 Tiere. Für gewöhnlich besteht sie aus mehreren Kühen, deren Kälbern und einigen Jungbullen. Die ausgewachsenen männlichen Tiere leben das Jahr über allein und treffen nur zur Brunft im Juli/August auf die Herden, um sich mit den Kühen zu paaren. Dabei kommt es zwischen den konkurrierenden Bullen zu heftigen Kämpfen. Im Mai/Juni des folgenden Jahres wird

dann meist nur ein Kalb geboren. Die Lebenserwartung eines Wisents beträgt etwa 25 Jahre. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Wisents reichte von Spanien über Mitteleuropa bis ins westliche Sibirien und umfasste auch England und das südliche Skandinavien. Er ist heute aus vielen dieser Gebiete verschwunden. In seinem einstigen Verbreitungsgebiet besiedelte der Wisent offene Wälder, Felder und Graslandschaften. Erst durch verstärkte Bejagung und Zersiedelung der Landschaft und Zerstörung der Lebensräume ist er mehr und mehr zu einem Bewohner dichterer Wälder geworden. Seine Äsung besteht aus Gräsern, Blattpflanzen, Knospen und er schält mit Vorliebe die Rinde von Weiden und anderen Bäumen. Der nächste Verwandte des Wisents ist der amerikanische Bison. Alle Wisentund Bisonformen gehen auf den nordindischen Bison silvalensis zurück. Über den Himalaja und die damals noch bestehende Landbrücke besiedelte er auch Nordamerika. Dort entwickelten sich die unterschiedlichen Bisonformen, während sich in der Alten Welt verschiedene Wisentformen entwickelten. Der Steppenwisent (Bison priscus) entstand, den wir aus Höhlenzeichnungen der Eiszeitmenschen kennen. Er starb in der Nacheiszeit aus. Übrig blieb der Waldwisent. Er kam in zwei Unterarten vor. Das waren der Berg- oder Kaukasuswisent (Bison bonasus caucasicus) und der Flachlandwisent (Bison bo-

nasus bonasus). Der Bergwisent konnte in der Wisentzucht leider nicht reinblütig erhalten werden. Nur ein einziger Bergwisent hat in der Gefangenschaft überlebt. Heute unterscheiden wir zwei verschiedene Blutlinien beim Wisent. Die FlachlandKaukasus-Linie hat Anteile dieses Bergwisents, die Flachland-Bialowieza-Linie geht ausschließlich auf Flachlandwisente zurück. Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild hat den Wisent zum Wildtier des Jahres 2008 gekürt. Sie macht damit sehr deutlich, dass es trotz guter Erhaltungszuchterfolge und laufender Wiederansiedlungen in Osteuropa noch erhebliche Anstrengungen zu unternehmen gilt, bis man den Wisent als gerettet bezeichnen kann. Viele Projekte in Mitteleuropa, besonders auch in Deutschland, die den Wisent als „Landschaftspfleger“ einzusetzen gedenken, bieten die Chance, dem Wisent mehr Fläche als bisher einzuräumen und damit insgesamt die Zahl der Individuen zu erhöhen. Wisentzucht hat inzwischen eine lange Geschichte. Übermäßige Bejagung, Wilderei, Zersiedelung der Landschaft und Waldumwandlung für landwirtschaftliche Zwecke waren die Ursachen für den dramatischen Rückgang der Wisentbestände im 17. und 18. Jahrhundert. So gab es im 19. Jahrhundert nur noch in zwei Regionen frei lebende Wisente. Das war zum einen im Kaukasus und zum anderen im Urwald von Białowieza. Dort wurde der


Gestatten?! … Wisent – Wildtier des Jahres 2008 letzte frei lebende Wisent 1921 erlegt. Tatsächlich lebten 1922 nur noch 56 reinblütige Wisente in menschlicher Obhut. Nach dem ersten Weltkrieg war die Lage für die in der Welt noch existierenden Wisente so bedrohlich geworden, dass angesichts der stagnierenden Vermehrung erhebliche Anstrengungen unternommen werden mussten, um für die Erhaltungszucht dieses wertvollen Wildrindes die erforderlichen Vorraussetzungen zu schaffen. Auf Betreiben der Zoodirektoren Lutz Heck (Berlin) und Kurt Priemel (Frankfurt) wurde 1923 die „Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents“ gegründet. Viele Partner haben seitdem gemeinsam Anstrengungen unternommen, Wisenterhaltungszucht zu betreiben. Heute gibt es wieder ca. 3500 Wisente in aller Welt. Der Wisent wurde zum Symbol für erfolgreich betriebene Erhaltungszucht. Das Wisentgehege in Springe war eine der ersten Zuchtstationen für den Wisent. Es feiert in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen. Es gibt weitere große und verdiente Wisentzuchten in Deutschland. Beispielhaft seien hier Hardehausen und Waren genannt, die beide inzwischen schon auf eine 50-jährige Geschichte zurückblicken und so wie Springe jeweils von den Forstverwaltungen ihrer Bundesländer getragen werden. Die Geschichte der Wisentzucht soll am Beispiel des Wisentgeheges Springe vorgestellt werden.

zu Kurt Priemel in Hessen hatte Lutz Heck Glück bei der Preußischen Staatsforstverwaltung, eine staatliche Zuchtstätte für die Wisente zu bekommen. Sie erklärte sich bereit, für die Rettung des Wisents einen Beitrag leisten. Sie stellte ein Gelände von etwa 40 Hektar

im Saupark Springe zur Verfügung, um hier geeignete Zuchtmaßnahmen durchführen zu lassen. Im Oktober 1927 wurde mit dem Zaunbau in der Nordost-Ecke des Mauerparks begonnen. Im Folgejahr wurde die Anlage fertig gestellt. Zunächst standen nicht genügend Wisentkühe zur Verfügung, um eine Wisentherde in Springe zu gründen, weil die Herde aus Scharbow, die nach Springe gehen sollte, an der Maul- und Klauenseuche eingegangen war. Aber das Erbmaterial überzähliger Wisentbullen sollte nicht ungenutzt brach lie-

gen. Deshalb wurde auf den Rat von Prof. Lutz Heck die Entscheidung getroffen, zunächst vorsorglich und zur Risikominimierung eine sog. Verdrängungszucht, also eine Kreuzungszucht mit amerikanischen Bisonkühen zu beginnen. Ziel der Verdrängungszucht war, reinblütige Wisentstiere mit Bisonkühen zu verpaaren. Die weiblichen Nachfahren sollten dann wiederum mit einem Wisent gekreuzt werden, so dass von Generation zu Generation der Bisonanteil geringer und der Wisentanteil höher würde. Auch an anderen Stellen, z. B. in Askania Nova und Posen, wurde Verdrängungszucht betrieben. Am Mittwoch, den 12. September 1928, trafen der Wisentstier „Bernstein“, genannt „Ivan „und 4 Bisonkühe aus dem Berliner Zoo per LKW- Transport im Saupark ein. Aus ihnen sind dann Bastarde bis in die dritte Generation mit einem Anteil von über 80% Wisentblut entstanden. Innerhalb von 7 Jahren wurden 24 Wisent –Bison Bastarde in Springe geboren. Die Kreuzungsprodukte waren gesund und widerstandsfähig und hatten im Wesentlichen das Aussehen von Wisenten. Diese Verdrängungszucht (Bernstein, jeweils mit der zuletzt geborenen Bastardkuh) hätte in weiteren Generationen fortgesetzt werden können mit dem Ziel, den Wisentblutanteil weiter zu erhöhen. Diese vorsorgliche Zucht konnte jedoch aufgegeben werden, als 1935 die Möglichkeit bestand, mit

Wir sind ein Wildpark im Raum Süddeutschland und suchen zum nächstmöglichen Termin einen/eine

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Wir bieten Ihnen: Die Initiative zur Gründung des Wisentgeheges ging aus von Prof. Dr. Lutz Heck, dem bekannten Zoodirektor in Berlin. Die „internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents“ hatte starkes Interesse, auch staatliche Einrichtungen in die Wisentzucht einzubeziehen. Im Gegensatz

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Gestatten?! … Wisent – Wildtier des Jahres 2008 reinblütigen Wisentkühen aus Boizenburg die Zucht fortzusetzen. Am 29.8.1934 wurde der letzte Bastard in die Schorfheide abtransportiert; seitdem existieren in der Springer Zucht keine Wisentbastarde mehr. Ein weiterer Meilenstein in der Wisentzucht war die Begründung eines Tuberkulose (TBC) freien Wisentbestandes. Der Durchseuchungsgrad des Wisentbestandes mit dieser Erkrankung war sehr hoch. Da es auch in anderen Wisenthaltungen das gleiche Problem gab, entschied man

sich, einige Kälber nicht von der Mutter säugen zu lassen, sondern mit Ersatzmilch aus der Flasche großzuziehen. So konnten ein Bullkalb und zwei Kuhkälber direkt nach der Geburt von den Müttern getrennt und von Hand aufgezogen werden. Diese Sonderzucht, die 1965-1967, streng getrennt von den übrigen Wisenten gehalten wurde, bildete einen neuen, TBCfreien Grundstock für die heutige Springer Herde. Für die Folgezeit durfte nun freilich auch die genetische Komponente nicht vergessen werden; deshalb wurden in den 70er und 80er Jahren aus Polen die Stiere Pucal, Kalvados und Kapral, sowie die Kühe Kamina und Pozytywka nach Vollzug einer Tuberkulin-Probe in die Herde integriert. Später kamen weitere „fremde“ Wisente wie die Bullen Danzo und Dakan und die Kuh Dastoria (alle aus Waren). Poranny und in 2008 Egerich (Hardehausen) sind die bisher letzten Bullen, die wir zur Zucht von außerhalb erhalten haben. So sind im Laufe der Zeit 23 fremde Wisente bei uns integriert worden. Im Wisentgehege Springe wurden bis zum Jahr 2007 310 reinblütige Wisente geboren. Viele der heutigen Wisenthaltungen begründen sich auf unserer Zucht. 134 Wisente haben wir in den 80 Jahren abge-

geben. Schon Ende der 30er Jahre haben renommierte zoologische Einrichtungen wie der Tierpark Hellabrunn in München und der Zoo Bern von uns Wisente erhalten. Der erste Nachwuchs wurde bereits 1936 abgegeben. Es war unser erstes reinblütige Kalb und hörte auf den einfallsreichen Namen „Springer“. Viele Wiederansiedlungsprojekte für das letzte europäische Wildrind sind von uns unterstützt worden. Springer Wisente leben unter anderem in Rußland, in Rumänien, in Lettland völlig frei oder zumindest in großen Reservaten. Jüngste Naturschutzprojekte, die den Wisent in der freien Landschaft zur Pflege von Biotopen großflächig auch in Deutschland einzusetzen planen, unterstützen wir gerne. So hat Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide genauso von uns Wisente erhalten, wie das Niedersächsische Umweltministerium für ein Projekt im emsländischen Eleonorenwald. Heute beherbergt das Wisentgehege zwei getrennte Wisentherden. Hier leben immer zwischen 25 und 45 Wisente. Wir sind Mitglied im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und stehen in ständigem Kontakt bzw. Austausch mit internationalen Gremien und anderen Züchtern. Inzwischen führt das Zuchtbuch (mit Stichtag 31.12.2006) 3539 Wisente, davon 2163 in der freien Wildbahn bzw. in Großreservaten. An der Erhaltungszucht sind 247 Wisenthaltungen beteiligt. Viele richtige Schritte wurden gemacht, aber das reicht noch nicht. Die Benennung des Wisents als Wildtier des Jahres 2008 unterstützt unsere Bemühungen um die Erhaltung, Zucht und Wiederansiedlung der urigen Riesen. Ziel ist ein weltweiter Bestand von 6000 bis 10000 Wisenten. Inzwischen ist nicht mehr so sehr die geringe Anzahl der Wisente die eigentliche Gefährdung, sondern andere Komponenten spielen in der Gefährdung der Tierart eine Rolle. Da ist z. B. die Inzucht. Naturgemäß ist bei dem geringen Ausgangsbestand an Wisenten die innerartliche Verwandtschaft enorm hoch. Zu welchen Problemen das noch führen wird, bleibt abzuwarten. Ein weiteres mögliches Problem ist der Verlust genetischer Merkmale. Unsere Zucht darf nicht nur auf Vermeidung von Inzucht basieren, sondern muss auch den vollen Erhalt der genetischen Merkmale verfolgen. Hierzu sind umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen anzustreben

oder, so bereits erfolgt, durch Zuchtvorgaben umzusetzen. Wir haben in 2003 begonnen unsere Wisente genetisch von der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersuchen zu lassen und erhoffen uns dadurch eine neue Qualität in der Zucht. Wie wichtig das ist, zeigt nicht zuletzt der Seuchenzug der Blauzungenkrankheit, der in 2007 in Deutschland mind. 30 Wisente zum Opfer gefallen sind. Auch wir haben einen mittelalten Bullen an der Krankheit verloren. Ein geplanter Export von drei Wisenten in ein Wiederansiedlungsprojekt in der Ukraine ist wegen der Krankheit verschoben worden. Für die nächsten Jahre beabsichtigen wir, eine unserer beiden Herden mit der Flachland-Bialowieza-Linie neu aufzubauen. Es gibt noch viel zu tun und wir müssen uns weiter gemeinsam verantwortungsbewusst um das Wohl des Wisents bemühen. Viele Mitarbeiter der ehemaligen Preußischen Oberförsterei Saupark und dem heutigen Niedersächsischen Forstamt Saupark haben sich um das Wisentgehege verdient gemacht. Es waren dies die Forstamtsleiter August Maske (1922-1933), Leo Behrendt (1933-1956), Dr. Friedrich Türke (1956-1978), Peter Boele-Keimer (19781991) und seit 1991 Joachim Menzel sowie die zuständigen Förster Schwarz (bis 1935), Kurt Böger (1935 -1972), Joachim Hennig (1972-2003). Das Wisentgehege Springe wird heute betrieben von den Niedersächsischen Landesforsten. Verfasser: Thomas Hennig, Wisentgehege Springe


Wisenthaltung im Wildpark Hundshaupten

Wisenthaltung im Wildpark Hundshaupten Das größte und schwerste Landsäugetier Europas – der Wisent (Bison bonasus)ist seit langem vom Aussterben bedroht. Dieses beeindruckende Wildtier war bereits so gut wie ausgestorben, als am 9. Februar 1921 das letzte freilebende Exemplar von Wilderern erlegt worden war. Nur 56 Tiere überlebten, weil 27 männliche und 29 weibliche Tiere zuvor von Tierschützern in die Obhut von Zoologischen Gärten oder privaten Wildgehegen gegeben worden waren. Hiermit begann der Kampf um die Erhaltung dieser Tierart, welcher auch heute noch einer konsequenten Fortsetzung bedarf. Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild hat daher den Wisent zum Tier des Jahres 2008 gewählt.

Wisente vor dem Eingang in Ihre neue Fütterung

Vor über 30 Jahren wurde auch im Wildpark Hundshaupten ein Gehege für diese mächtigen Wildtiere geschaffen. Doch diese Einrichtung war inzwischen baufällig geworden und konnte den gültigen Sicherheitsvorschriften nur schwer gerecht werden. Nachbesserungen mittels Bretterwänden stellten lediglich Provisorien dar, welche zudem die Sicht der Besucher teilweise stark behinderten. Eine umfangreiche Rekonstruktion war also dringend erforderlich. So konnte diesen imposanten Tieren pünktlich zum Beginn des dem Wisent gewidmeten Jahres ein neues Zuhause zur Verfügung gestellt werden, welches eine weitestgehend

artgerechte Haltung dieser Tiergattung ermöglicht, ohne deren Wahrnehmung durch die Besucher mehr als notwendig einzuschränken. Das vorhandene weitläufige Gelände mit ausgedehnten Wiesenflächen bedurfte einer überarbeiteten Abgrenzung von dem übrigen Teil des Wildparks. Die erforderliche Umzäunung soll den Besuchern eine Beobachtungsmöglichkeit der Tiere so wenig wie möglich einschränken sowie den Blick auf die natürlichen Gegebenheiten des weitläufigen Geländes ermöglichen, ohne die Tiere dabei zu stören. Diese Grundidee ließ sich durch Schaffung eines Wassergrabens zwischen Besucherweg und Gehege realisieren. Eine neue Fütterungsstelle sollte möglichst unauffällig sowie ausreichend geschützt in das Gelände integriert und hierzu in dem ansteigenden Teil des Geheges untergebracht werden. Die Umbauarbeiten begannen mit dem Bau der geplanten neuen Fütterungsstelle mit Überdachung. Um diese in den Hang einbauen zu können, war eine Abstützung gegen den Hang durch eine halbrund verlaufende Mauer aus Natursteinen erforderlich. In die Mitte der betonierten Bodenplatte wurde eine HeurundballenFütterung eingesetzt. Eine anschließende Schleuse ermöglicht den Tierpflegern die Tiere gefahrlos auch in deren Gegenwart füttern zu können, womit gleichzeitig der Mensch-Tier-Kontakt gefördert werden

Vierkantbalkenzaun von unten gesehen

soll. Durch ein großes Schiebetor können die Tiere räumlich isoliert werden, damit die Fütterungsstelle ohne Gefahr für die Mitarbeiter befüllt, gesäubert und gewartet werden kann. Um im Bedarfsfall zusätzlich einzelne Tiere isolieren zu können, bot sich eine Umrüstung der alten Futterstelle mit einem massiven Vierkantbalkenzaun und einem weiteren Schiebetor an.

Vierkantbalkenzaun von oben gesehen

Um, wie oben erwähnt, einen Wassergraben zwischen Besucherweg und Gehege zu schaffen, sah die Planung eine Ableitung des Wasserstromes aus dem ursprünglich außen um das Gehege verlaufenden natürlichen Bachbett vor. Dieses erforderte eine Aushebung eines neuen etwa 1 m tiefen Bachbettes parallel zum Besucherweg. Um Unterspülungen im neu errichteten Bachbett zu verhindern, mussten Flussbausteine insbesondere im Bereich der Uferzonen eingebaut werden. Eine Überleitung des Wassers aus dem neuen Bachbett in den auf der anderen Seite des Besucherweges tiefer verlaufenden Bach schafft eine Ableitung des umgeleiteten Wassers und zugleich eine ausreichende Entlastungsmöglichkeit des neuen Grabens für den Fall einer erhöhten Wasserführung z.B. bei Schneeschmelze. Zur Überwindung der vorhandenen Höhendifferenz dient eine noch vor der Fütterungsstelle im Bachverlauf errichtete Stufe. Der hierdurch entstandene kleine Wasserfall trägt entscheidend zur Belebung der Örtlichkeit bei.

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Wisenthaltung im Wildpark Hundshaupten Durch die somit entstandene neue Geländeformation mit einem Wassergraben war es möglich, die Umzäunung längs des Besucherweges etwa 1 m tiefer anzuordnen.

nung angeordneter überdachter Besucherpavillon über den Wasserlauf gebaut. Ein solcher Pavillon hat sich bereits an mehreren Stellen unseres Tierparks bewährt. Er ermöglicht unseren Besuchern einen „zaunfreien“ Einblick in das Gehege sowie einen Schutz bei schlechter Witterung. Unsere Wisente haben sich schnell in ihrem neu gestalteten Gehege eingelebt. Auch die Fütterung ist problemlos angenommen worden. Zu unserer großen Freude erblickte bereits Wisent-Nachwuchs das Licht der Welt im neuen Gehege. Bei der täglichen Pflege erwies sich

der Umbau auch in praktischer Hinsicht als gelungen. So sind nicht nur die imposanten Tiere und die mit der täglichen Fütterung und Betreuung befassten Mitarbeiter zufrieden gestellt, sondern unsere Besucher erwartet eine weitere Attraktion in unserem Wildpark. Wir sehen diesen Umbau auch als einen kleinen Beitrag im Kampf um die Erhaltung dieses vom Aussterben bedrohten Wildtieres. Verfasser: Karola Wendschuh, Wildpark Hundshaupten

Wasserfall

L-förmige Betonelemente (sog. L–Steine) stützen den Besucherweg und das angrenzende Erdreich gegeneinander ab und tragen einen darauf aufgebauten 1,20 m hohen Vierkant-Balkenzaun. Um die Gesamtsituation aufzulockern, wurde ein an einer Unterbrechung der Umzäu-

Besucherpavillon

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Tiergarten Worms: Was haben denn Wölfe mit Hamstern und Ratten mit Füchsen zu tun?

Tiergarten Worms: Was haben denn Wölfe mit Hamstern und Ratten mit Füchsen zu tun? Nach unterschiedlichen Schätzungen leben heute wieder ca. 20.000 Wölfe frei in Europa; mit steigender Tendenz auch bei uns in Deutschland – allerdings zumeist dort, wo die menschlichen Bevölkerungsdichten noch sehr dünn sind. Die als klassische Kulturmeider bekannten Feldhamster sind in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland fast ganz verschwunden. Füchse und Ratten dagegen zählen nicht mehr nur in Wäldern und an Gewässern zu unserer typischen Fauna sondern gewannen einen neuen Lebensraum durch den Menschen.

Blick aus dem Wolfsgehege auf das Besucherhaus

Als der Tiergarten Worms im Jahre 2005 seine Zukunftsvisionen in einem Leitbild zu Papier brachte, war ihm die Vermittlung von Wissen zu derart typischen und bekannten Tierarten unserer Heimat besonders wichtig. Mit dem neuen Wolfsgehege können wir dem Besucher einen interessanten Einblick in das Leben des Wolfes vermitteln und dem Wolf im Tier-

garten Worms einen Platz zum Wohlfühlen geben. Aber eben nicht nur die Wölfe stehen im Rampenlicht des Tiergartens Worms. Unter der Thematik Kulturflüchter und Kulturfolger werden die faszinierende Anpassungsfähigkeit von Nagetieren und Raubtieren im Zusammenleben mit dem Menschen gezeigt. Während Ratten zu den bekanntesten Zivilisationsfolgern zählen und in jeder Stadt den Untergrund z. B. der Kanalisationen beleben, hat der Feldhamster das Nachsehen, denn sein Lebensraum ist stark gefährdet. Ähnlich wird das neue Wolfs- und Fuchsgehege unterschiedliche Bedürfnisse dieser beiden Tierarten dokumentieren. Der Umbau des Wolfsgeheges wurde dringend notwendig, weil die Haltung der Wölfe nicht mehr dem neusten Kenntnisstand entsprach. Das Gehege ist fast viermal so groß wie das alte. Auf einer Fläche von etwa 2.400 m² finden die Wölfe strukturreiche Abwechslung (z. B. Bepflanzung, Sonnen- und Schattenplätze sowie Aussichtsmöglichkeiten von erhöhter Warte und einen Teich). Die Gehegestrukturen bieten den Wölfen gleichermaßen Rückzugsmöglichkeiten vor Besuchern oder Artgenossen. Dennoch sind gerade Wölfe sehr neugierig und werden zumeist im Blickfeld des Publikums anzutreffen sein. Entlang der Besucherfront sorgen ein erhöhter Aussichtssteg, eine Einsicht „unter der Erde“ in Höhle und Freigehege für unterschiedlichste Perspektiven. Klassische Gitter-

zäune sollen die Ansichten und Einsichten nicht mehr stören. Das Informationszentrum ist als Höhle gestaltet, in der die Besucher das Gefühl erhalten, selbst in einer Wolfshöhle zu stehen. Baumwurzeln durchdringen die Decke der Höhle und durch Glasscheiben besteht freie Einsicht in das Wolfsgehege. Dieses Erdhaus bietet auch den anderen Tierarten, Hamster und Ratte, ein Zuhause. Bei der Anlage für den Hamster handelt es sich um ein Terrarium mit einem Außengehege auf dem Dach des

Eisfüchse haben sich schnell an die Glasscheibe gewöhnt und ruhen sogar davor

Erdhauses. Die Besuchereinsicht erfolgt ausnahmslos in das Innere der Hamsterbauten mit seinen zahlreichen Gängen und Kammern.

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Tiergarten Worms: Was haben denn Wölfe mit Hamstern und Ratten mit Füchsen zu tun? An das Erdhaus werden sich die Gehege von Rot- und Eisfuchs anschließen. So erhalten die Rotfüchse auf einer Fläche

voranging in ihrem Außengehege sichtbar. Freie Einsichten durch Glas oder über einen Trockengraben hinweg Nicht nur bei den Rotfüchsen sondern auch bei den Wölfen hat der Besucher die Möglichkeit, einen Blick in den unterirdischen Schlafkessel zu werfen und so ggf. sogar die Geburt und die Aufzucht der Welpen „hautnah“ mitzuerleben. Das Konzept: Neubauten für Wolf, Rotund Eisfuchs. Hamster und Ratten finden im Zoo unter der Erde ein neues Zuhause erlauben den Verzicht auf klassische Git-

Mit der neuen Präsentation der Wölfe, Füchse, Hamster und Ratten macht der Tiergarten einen ersten Schritt in seiner Neukonzeption. Verfasser: Katharina Lang (Marketing und Öffentlichkeitsarbeit; Freizeitbetriebe Worms GmbH); Eckhard Wiesenthal (Tiergartengestaltung Wiesenthal)

Bodenmodellierungen im Wolfsgehege. Wölfe lieben Aussichtsplätze

von ca. 200 m² in der Hanglage des Erdhauses ihr neues Außengehege. „Zwei Lebenswelten“ des Fuchses spiegeln sich in den barrierefreien Besuchereinsicht wieder. Ein typischer Lebensraumausschnitt ist der Waldrand, der durch abgestufte Natursteine mit niedrigem Heckenbewuchs die Idylle unserer heimischen Natur präsentiert. Diesem Naturraum steht eine Hinterhofatmosphäre unserer Ballungszentren gegenüber. Mit viel Sinn zum Detail werden Sandkiste, ausrangiertes Spielgerät, Bank und Abfalleimer vor einer maroden Gebäudefassade dokumentieren, wo ideale neue Lebensbedingungen für den Fuchs zu finden sind. Der Fuchs hat die freie Wahl zwischen zwei Lebensräumen, die das Groteske in unseren Naturvorstellungen unterstreichen. Im Gegensatz dazu charakterisiert die Anlage der Eisfüchse den typischen Lebensraumausschnitt einer Tundrenlandschaft mit Zwerggehölzen und niedrigen Koniferen. Die tagaktiven Eisfüchse sind

Angebot mit Führungen, Kindergeburtstagen, Firmenfesten, Zooschule und Ferienprogramm. Wer wollte nicht schon immer einmal hinter die Kulissen blicken? Jetzt ist dies möglich. Diese speziell auf unsere Besucher ausgerichteten Angebote können bereits gebucht werden.

Teil des Rotfuchsgeheges: Hinterhof-Idylle

terzäune und fördern die Ziele des Wormser Leitbildes, dem Besucher das Gefühl des „Dabeiseins“ zu geben. Live dabei sind unsere Besucher auch bei dem von unserer Diplom-Biologin und Zoopädagogin neu zusammengestellten

Glaseinsichten: Wer betrachtet hier wen?

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Alles was an Wolfsart gut ist, ist liebenswürdig

Abb. 1: Offene Wolfswurfhöhle im Bayerwald (Foto: Pascale Jüch)

Wolfsgeschichten Eine Mensch-Wolf-Beziehung wie vor 5.000 Jahren? Als im Innsbrucker Alpenzoo der letzte Wolf des Rudels im Alter von 17 Jahren starb, beschloss Zoodirektor Dr. Michael Martys eine großzügige Neuerrichtung des Geheges. Drei Wolfswelpen wurden von mir mit der Hand aufgezogen um den Stress der Tiere bei der Eingewöhnung im Zoo auf ein Minimum zu reduzieren. Da der Wolf für seine sehr scheue, sensible und zurückhaltende Art bekannt ist, sollte diese Aufzucht dazu dienen, den Wölfen die Furcht und Angst vor dem Menschen – Besucher und Pfleger gleichermaßen – zu nehmen. Auch Impfungen und sonstige tierärztliche Behandlungen würden so erleichtert. Im Mai 1999 gab es wie jedes Jahr Wolfsnachwuchs im Bayerwaldtierpark Lohberg. Bereits im Alter von etwa 14 Tagen suchte ich mir Tristan, Jaskov und Shiva aus einem Wurf von sechs Welpen aus. (Abb. 1) Die ersten Wochen der Handaufzucht lebte ich mit den Wolfswelpen auf dem abgelegenen Bauernhof von Erik Zimen in der Nähe von Passau. Zur Versorgung der Welpen hatte ich anfangs noch Unterstützung von drei freiwilligen Helferinnen, da wir rund um die Uhr, d.h. alle 3 Stunden die Welpen fütterten. Wir mussten außerdem zunächst einmal ein kleines Wolfsgehege für die Welpen errichten. Das Ergebnis war ein etwa 60 Quadratmeter großes Gehege mit einem Zelt als Innengehege und einem wesentlich größeren Außengehege (Abb. 2 & 3). «Tristan», «Jaskov» und «Shiva» wuchsen prächtig heran. Somit war der erste

bewohner zu den Welpen und spielten für uns die Zoobesucher.

Abb. 2: Aussenkonstruktion der kleinen Wolfswelpenanlage (Foto: Pascale Jüch)

Teil des Sozialisierungsprogramms, den Wolf auf eine menschliche Bezugsperson zu prägen im Alter von fünf Wochen abgeschlossen. Der zweite Teil der Sozialisierung war noch wichtiger und heikler, da die Wölfe anfingen, schreckhafter auf Lärm wie laute, unbekannte Stimmen oder ähnliches zu reagieren. Um sie daher frühzeitig an fremde Menschen zu gewöhnen, kamen ab und zu Kinder und Dorf-

Im Alter von 10 Wochen übersiedelte ich mit den drei Wölfen in ihre neue Heimat, dem Innsbrucker Alpenzoo (Abb. 4). Die ersten Nächte schlief ich noch bei den Welpen im neuen Gehege, danach mussten sie sich daran gewöhnen, die Nächte alleine zu verbringen. Ansonsten war meine Anwesenheit tagsüber umso wichtiger sobald der morgendliche Alltag im Zoo begann. «Shiva», «Jaskov» und «Tristan» reagierten in den ersten Wochen nach ihrer Übersiedlung noch ziemlich ängstlich, alles war neu für sie: Die Anlage, der große Wasserfall, die vielen Gerüche aus den Nachbargehegen, die Geräusche, die vielen Besucher.

Abb. 4: Erster Tag im Innsbrucker Alpenzoo (Foto: Archiv Alpenzoo Innsbruck)

Abb. 3: Zelt-Innenbereich der Welpenanlage (Foto: Pascale Jüch)

Ganze vier Wochen dauerte es, bis sich alle drei der neuen Lebenslage deutlich entspannter zeigten. Nach etwa vier Monaten habe ich mich langsam von den

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Alles was an Wolfsart gut ist, ist liebenswürdig Welpen zurückgezogen, um sie behutsam an meinen Abschied zu gewöhnen. Mit fünf Monaten waren sie definitiv auf sich alleine gestellt und ich besuchte meine Schützlinge nur noch alle drei bis vier Monate. Erstaunlich ist, daß diese starke Bindung trotz meiner z.T. bis zu sechs Monatiger Abwesenheit noch heute – neun Jahre später, genauso stark ist als wäre ich täglich bei ihnen gewesen.

Abb. 5: Shiva bei der stürmischen Begrüssung (Foto: Stefan Becker)

Die Wiedersehensfreude und Begrüßung der drei Wölfe verlief bis zu einem Alter von fünf Jahren sehr stürmisch, so dass ich danach immer mit Kratzern und blauen Flecken versehen war (Abb. 5). Heute verhalten sich die mittlerweile neunjährigen Wölfe gemütlicher und ruhiger bei der Begrüßung. In den letzten neun Jahren, die ich mit den Wölfen verbrachte, hatte ich das große Glück mitzuerleben, wie «Tristan», «Jaskov» und «Shiva» die Geschlechtsreife erlangten, wie aus «Tristan» und «Shiva» ein Paar wurde und wie sie zweimal im Alpenzoo Nachwuchs bekamen. In keiner dieser Phasen hatte ich das

Abb. 6: Erste natürliche Nachzucht im Alpenzoo (Foto: Michael Leischner)

Gefühl, es könnte gefährlich für mich werden. Im Gegenteil, sie akzeptieren mich stets vielleicht als „Rudelführer“ oder zumindest als menschlichen Partner. Das Verhältnis zwischen den Wölfen und mir blieb eng und vertraut. Dies ging sogar so weit, dass «Shiva» mir ihren ersten Nachwuchs stolz präsentierte (Abb. 6). Durch ein typisches Winseln lockte die Wölfin ihre ersten Welpen aus der Höhle, um sie im direkten Körperkontakt zu mir zu säugen. Während die Welpen sich mühten bei der stehenden «Shiva» zu trinken, purzelten sie über meine Beine. Erst nachdem der erste Hunger gestillt war, bemerkten sie meine Anwesenheit und den fremden Geruch und verschwanden schleunigst wieder in ihrer Wurfhöhle. Aber der Wolf ist und bleibt ein wildes Tier und das wurde mir einmal in den neun Jahren sehr deutlich durch den Alphawolf «Tristan». Als die Wölfe etwa sechs Jahre alt waren, trat ich dem Rüden versehentlich auf die Füße. Ein Ausrutscher mit Folgen, denn Tristan war merklich sauer darüber und stürzte sich auf mich. Es war Winter, das Gehege war zugeschneit. Ich rutsche mit dem Rücken zu ihm einen schneebedeckten Abhang hinunter und dachte nur, „Ich darf nicht fallen“. Glücklicherweise stand ein Baumstamm im Weg an dem ich mich festhalten konnte. Dann ging alles sehr schnell! Nachdem ich mich abbremsen konnte, drehte ich mich blitzschnell um und «Tristan» stand bereits mit seinen Vorderpfoten auf meinen Schultern. Mir blieb nur noch der Griff an seine Gurgel und so knurrten wir und fixierten uns. Ich weiß nicht wie lange wir uns anstarrten und drohten, mir kam es vor wie eine Ewigkeit. Mir war bewusst, dass ich nur eine geringe Chance hatte aus dieser Situation unbeschadet heraus zu kommen. Weglaufen kam nicht in Frage, wir standen mitten im Gehege, die Gehegetüren waren zu weit entfernt. Mir blieb nur die Möglichkeit, den Wolf solange ich konnte anzustarren, anzudrohen mit großen, weit geöffneten Augen, ohne den Blick abzuwenden. Wer zuerst wegschaut, hat verloren. Meine Entscheidung war richtig: «Tristan» wendete sich ab und trottete davon. Hätte ich jedoch jetzt das Gehege verlassen, wäre meine Position, wie auch immer sie von den Wölfen gesehen wird, vermutlich deutlich geschwächt worden. Und

so blieb ich mindestens noch eine halbe Stunden im Gehege, obwohl mir eher nach einem Schnaps zumute war. «Tristan» und ich tauschten noch eine ganze Weile Blicke aus, dabei bewegten wir beide uns langsam und selbstbewusst (ich bemühte mich zumindest, so zu wirken), den Körper aufrecht durchs Gehege, den anderen stets im Blickwinkel. Nach etwa einer halben Stunde setzte ich mich auf unseren gemeinsamen Beobachtungsfelsen und ignorierte ihn bewusst. Er kam zu mir, stupste mich unter den Armen, pfötelte um gestreichelt zu werden, doch ich knurrte ihn nur leise an, wendete mich von ihm ab und ignorierte ihn. Er trottete davon und die Fronten

Abb. 7: Offensichtliche Zuneigung zwischen Mensch und Wolf (Foto: Archiv Alpenzoo Innsbruck)

waren geklärt. «Tristan»hat mich getestet doch wenn er gewollt hätte, hätte er ein leichtes Spiel gehabt. Aber Wölfe testen ihre Gegner erst bevor sie wirklich zu einem körperlichen Angriff starten. Denn das Sozialverhalten der Wölfe im Rudel wird zu einem wesentlichen Teil durch Konfliktvermeidung bestimmt. Wölfe sind nicht ständig auf Konfrontation aus; im Gegenteil, sie benutzen stets bestimmte Signale, um aufkommende Konflikte und Aggressionen zu unterbrechen oder zu vermeiden. Diese Signale werden von jedem Rudelmitglied eindeutig verstanden und so löst sich die Konfliktsituation im Nu auf. Seitdem bin ich wesentlich vorsichtiger geworden im Umgang mit dem Alpharüden. Nachdem es sechs Jahre lang nie zu einer Konfrontation gekommen war, bin ich sozusagen „berufsblind“ und meiner Sache zu sicher geworden. Fatal, denn es handelt sich eben immer noch um Wild-


Alles was an Wolfsart gut ist, ist liebenswürdig tiere. Handaufgezogene Wildtiere sind in ihren Reaktionen und ihrem Verhalten weniger kalkulierbar; die künstliche Aufzucht führt zum Verlust der natürlichen Individualdistanz. Zum einen wurde dies von uns gewünscht, um die Tiere im Zoo an den Menschen zu gewöhnen, zum anderen nehmen sich die Tiere dafür aber auch mehr Freiheiten heraus im Vergleich zu natürlich aufgewachsenen Tieren. Seither kam es nie wieder zwischen «Tristan» und mir zu einem ähnlichen Zusammenstoß. Wir begrüßen uns freundlich, er sucht und bekommt seine Streicheleinheiten wie vorher, doch ich behalte ihn bei jeder seiner Bewegungen im Auge – und er mich übrigens auch (Abb. 7). Ein ähnliches Erlebnis würde vermutlich beim nächsten Mal nicht so glimpflich für mich ausgehen. Das Verhältnis zwischen «Tristan» und mir ist zwar immer noch sehr vertraut, doch ist es anders geworden. Auf jeden Fall bin ich auf der Hut und biete ihm keine Möglichkeit, sich zu revanchieren. Dieses Erlebnis machte mir sehr deutlich, wie sensibel Wölfe interagieren, und der Angriff nur als letztes Mittel der Konfrontati-

nen. Wölfe können ihre Stimmung sehr schnell ändern, so schnell kann ich als Mensch nicht reagieren. Ein „Wolf“ werde ich daher nie sein können! Eine der häufigsten Fragen von Zoobesuchern und Medienvertretern ist: Als was sehen mich die Wölfe? Ganz sicher nicht als Ersatzmutter oder Wolfsmutter, auch nicht als Wolf oder Alphawolf. Sie machen sehr wohl einen Unterschied zwischen Wolf und Mensch. Ich behaupte einfach, ich kann froh sein, dass ich von diesen bewundernswerten Wildtieren geduldet und respektiert werde. Durch meine Wölfe habe ich erfahren, dass nicht nur das Spielen und Kräftemessen ihrer Lebensgrundlage entspricht, sondern auch sehr viel zärtlicher Umgang und Körperkontakt miteinander. Es ist ein kostbares Geschenk, das Vertrauen und den Respekt eines Wildtiers erlangt zu haben. Mit ihrer extremen Anpassungsfähigkeit, ihrer hohen Intelligenz sind und

bleiben die Wölfe für mich wundervolle Tiere, die es in unserer Welt verdient haben, akzeptiert zu werden. Dieses Wolfsprojekt sollte ebenfalls dazu dienen, den Zoobesuchern zu verdeutlichen, dass wir es den Wölfen schuldig sind, mehr Achtung und Verständnis zu zeigen um den alten Mythos vom bösen Wolf endlich zu begraben. Dies umso mehr in einer Zeit, in der die Wölfe in unsere Wälder zurückkehren. Wir können durchaus mit ihnen zusammenleben, dann bräuchten wir uns weniger Gedanken um eine artgerechte Wolfshaltung zu machen, denn wir wären umso ärmer, wenn wir die Wölfe nicht mehr unter uns hätten (Abb. 9). In der kommenden WildTierZeit werde ich über die Zusammenführung von jungen Wölfen zu ausgewachsenen Tieren berichten. Verfassers: Pascale Wiesenthal, Gleichen-Bremke

Abb. 9: v.l.n.r.: «Tristan», «Jaskov» und «Shiva» (Foto: Stefan Becker)

Abb. 8: Gemeinsames Heulen (Foto: Archiv Alpenzoo Innsbruck)

on genutzt wird. Einfühlsamer Zärtlichkeit steht eine ungeheure Kraft im Behaupten um die Rangordnung gegenüber. Für die meisten Zoobesucher sieht meine Anwesenheit bei den Wölfen im Gehege sehr entspannt, verschmust und vertraut aus (Abb. 8). Letzteres trifft wohl zu, doch entspannt kann ich nicht wirklich wirken. Ich muss im Umgang mit den Wölfen meine ganze Konzentration auf sie richten. Jede Mimik, Körperhaltung oder Bewegung muss ich bis ins kleinste Detail beobachten und vor allem verstehen kön-

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ASPE Zoo-Lex, eine Software zur Verwaltung Ihres Zoos

ASPE Zoo-Lex, eine Software zur Verwaltung Ihres Zoos Entwicklung des Programms und Zielgruppen ASPE Zoo-Lex ist eine Weiterentwicklung des Programms ASPE (Artenschutz mittels elektronischer Datenverarbeitung), welches mittlerweile als das StandardProgramm für Behörden im Bereich Artenschutz anzusehen ist. Die Entwickler wurden durch den Zoo Gelsenkirchen (ZOOM Erlebniswelt), durch Fachleute für Zoo-Einrichtungen und Biologen beraten. Inzwischen wurde die vor ca. fünf Jahren entstandene Grundversion in stetigen Austausch mit den Anwendern der Software weiterentwickelt. Neben Zoos und Wildgehegen kann das Programm überall dort Verwendung finden, wo Tiere gehalten und verwaltet werden müssen. Das trifft für Aquarien genauso zu wie für biologische Auffangstationen. Aber auch für Behörden, welche die Ge-

hege-Genehmigungen ausstellen, eignet sich das Programm, da auch mehrere Zoos verwaltet werden können. Ansprüche der Anwender Grundsätzlich muss eine solches Programm in der Lage sein, die notwendigen Daten zu den Gehegen und Tieren zu speichern. Zudem sollte das Programm möglichst einfach zu bedienen sein, um die entsprechenden Informationen auch schnell wieder abzurufen. Dazu kann es genügen, etwa die Angaben zu einem Tier am Bildschirm zu lesen und zu ändern, beziehungsweise die Angaben zu einem Tier oder einer Gruppe in Listenform auszudrucken. Ebenso sollten Hintergrundinformationen, wie beispielsweise Gutachten und Leitlinien zur Haltung bestimmter Arten, leicht abfragbar sein. Die notwendigen Dokumente oder Meldungen an die Behörde, die sich aus

den artenschutzrechtlichen Vorschriften ergeben, sollte dieses Programm anzeigen. Schließlich möchten die Anwender sicher sein, dass eigene Vorschläge für die Weiterentwicklung beim Hersteller ankommen und auch umgesetzt werden. Wie wurden diese Ansprüche realisiert? Welche Daten können eingegeben werden? Das Programm enthält 4 Daten-Ebenen, von denen die erste eine Adressverwaltung ist, welche unter anderem die eigene Zoo-Adresse und die der Artenschutz-Behörde enthält. Auch die Adressen von anderen Zoos werden hier eingetragen, wenn Sie als Herkunftsort oder Verbleib eines Tieres gespeichert werden sollen. Die zweite Ebene ist die Gehegeverwaltung. Diese enthält die wichtigsten Angaben wie Name und Maße, sowie eine

Abb. 1: Die elektronische Tierkarteikarte mit Fotos


ASPE Zoo-Lex, eine Software zur Verwaltung Ihres Zoos Liste der Tiere, die in diesem Gehege sind. Gehege können zu Revieren zugeordnet werden. Aus der Gehegeverwaltung kann direkt auf die einzelnen Tiere zugriffen werden. Die Tierdaten stellen somit die dritte Ebene des Programms dar. Das ist sozusagen die elektronische Tierkartei (Abb. 1), in der angefangen vom Namen und Geburtsdatum alle notwendigen Informationen über das Tier stehen. Hier kann auch der Herkunft-Zoo und bei einer Abgabe oder Ausleihe das Abgabedatum und der Empfänger-Zoo gespeichert werden. Bis zu zehn Fotos können pro Tier gespeichert und gedruckt werden. Ein vom Anwender bestimmbarer Tier – Ident wird vom Programm auf Wunsch automatisch vergeben und hoch gezählt. Die Veterinärdatei ist schließlich die vierte Ebene, die in tabellarischer Form dargestellt wird. Hier können Angaben zum Krankheitsverlauf, Wurmkuren, Blutproben und Therapien eingetragen werden. In der Veterinärdatei kann ein Eintrag für mehrere ausgewählte Tiere gleichzeitig gemacht werden. Wie die Daten gefunden werden Das alte Problem „Wo sind meine Daten?“ ist in diesem Programm einfach gelöst. Soll ein Tier gesucht werden, wird die entsprechende Ebene geöffnet, zum Beispiel das Fenster Tiere, also die Tierkartei. Grundsätzlich können alle

im Programm eingetragenen Begriffe gesucht werden, auch die, welche in längeren Textfeldern geschrieben wurden. Das kann also über den Rufnamen, den wissenschaftlichen oder deutschen Artnamen, einer Ring- oder Transpondernummer oder eines Datums gemacht werden. Soll nicht ein Tier, sondern eine ganze Gruppe ausgewählt werden, wird ein so genannter Filter gesetzt. Zum Beispiel „alle Luchse“. Die Tierkartei kann dann so eingestellt werden, dass nur die Luchse sichtbar sind. Listen drucken Aus jedem Daten-Fenster können Listen gedruckt werden. Meistens werden pro Fenster mehrer Listen angeboten. In einer Druckvorschau kann kontrolliert werden, ob es sich um den gewünschten Bericht handelt. Erst dann wird der Druck gestartet. Ein Beispiel ist die Bestandsmeldung an die zuständige Behörde, wie in Abb. 2 zu sehen. In Kombination mit dem Filter-Verfahren können also bestimmte Tiere aus dem Bestand ausgewählt werden und als Bericht gedruckt werden. Möglich sind zum Beispiel: „Alle Tiere in einem Gehege“, „alle Tiere eines Reviers“ oder „alle Neuzugänge ab einem bestimmten Datum“. Das Arten – Lexikon Hier sind alle internationalen Abkommen, europäische Richtlinien und

Verordnungen sowie alle deutschen artenschutzrechtlichen Vorschriften bezüglich Tieren (und Pflanzen) zusammengefasst. Unter anderem sind das die europäischen Vogelschutzrichtlinie, die EU – Artenschutzverordnung, die Bundesartenschutzverordnung, aber auch Bundeswildschutzverordnung und das Bundesjagdgesetz. Jede Verordnung steht mit einem Klick als Volltext (PDFDatei) zur Verfügung. Alle benötigten Dokumente und Meldevorschriften sind für jede Art aufgelistet. Die historische Entwicklung ist für jede Art und Vorschrift abrufbar. Ebenso können die biologische Systematik und die Roten Listen Einträge der einzelnen Bundesländer angezeigt werden. Weiterentwicklung und Service Wenn es Probleme mit dem Programm gibt oder inhaltliche Fragen auftreten, gibt es einen heißen Draht (Hotline). Dort werden sowohl ganz einfache Fragen („Wie kann ich…“) beantwortet, als auch Tipps bei komplexen Problemen gegeben. Wird eine neue Liste oder ein neues Feld in der Datenbank gewünscht, wird auch dieses sofort in die Liste der Update – Wünsche aufgenommen. Meistens sind diese Anwender – Wünsche schon bei der nächsten ASPE Zoo-Lex Version realisiert. In jährlich stattfindende Workshops können sich Einsteiger innerhalb eines Tages die notwendigen Kenntnisse für die Bedienung des Programms anzueignen. Fortgeschrittene könne die neu hinzugekommen Funktionen erlernen. Hier findet auch der direkt Kontakt mit den Programm – Entwicklern statt. Die Anwender bestimmen so, in welche Richtung ASPE Zoo-Lex weiter entwickelt wird.

Anbieterinformation: ASPE-Institut GmbH Blitzkuhlenstr. 21 45659 Recklinghausen Internet www.aspe.biz Telefon (0 23 61) 10 82 96 Telefax (0 23 61) 2 13 67 eMail aspe@aspe.biz Bürozeiten Montag-Freitag: 8:00 - 16:30 Uhr Abb. 2: Die Bestandsmeldung an die Behörde

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Deutsche Tierpark Gesellschaft: Information und Fortbildung stehen für die DTG an erster Stelle

Foto: Alois Gassner/DTG

Information und Fortbildung stehen für die DTG an erster Stelle Seit 1987 bereits werden Seminare geboten – auch Nichtmitglieder sind dazu eingeladen. Teilweise mehr als 100 Teilnehmer zeigen das außerordentliche Interesse Aller guten Dinge sind zumindest 18. Oder sicherlich auch 19 oder 20! – Jedenfalls: die bisher 18 Fortbildungsseminare der Deutschen Tierpark-Gesellschaft (DTG) erfreuen sich - seit 1987 - ungebrochener Beliebtheit. Wurden sie zunächst nur zweijährig veranstaltet, so war schnell die Nachfrage nach diesem umfassendem Informationsangebot so groß, dass ab 1993 dann gar jährlich vom Vorstand organisiert und eingeladen wurde – jeweils zusammen mit einem gastgebenden Tierpark. Und mit Teilnehmerzahlen von 100 und auch mehr interessierten Fachleuten – Mitglieder ebenso wie Nichtmitglieder – ist unübersehbar, welchen hohen Stellenwert im deutschen Zoosegment diese Veranstaltungen haben. Wobei auch das Rahmenprogramm einschließlich Zoobesuchen zwischen Apenheul und Prag diese Seminare optimal ergänzten. Präsident: Seminare wichtig für die Zeichen der Zeit „Unsere Seminare“, so DTG-Präsident Gert Emmrich aus dem sächsischen Weißwasser, „sind ein ganz wichtiger Bereich unserer Arbeit – als Information und Fortbildung für Mitglieder und Nichtmitglieder, zur Pflege alter und Knüpfung neuer Kontakte und vor allem zum Erfahrungsaustausch. Und natürlich auch, um

weitere Tierparks und Vogelparks davon zu überzeugen, dass sie bei unserer nun fast 33-jährigen, inzwischen bereits 74 Mitglieder umfassenden größten deutschen Vereinigung von Zoos (und weitere haben bereits die Aufnahme beantragt) nicht nur ein geselliges Umfeld vorfinden, sondern all die aktuellen Informationen, die heute gerade auch auf diesem Ar-

Präsident Emmrich (Foto: Alois Gassner/DTG)

beitsgebiet sich permanent erneuern und ergänzen, die nationalen und internationalen Gesetzgebungen unterworfen sind, die aber auch die ‚Zeichen der Zeit’ stets integrieren müssen. Und dafür gibt die DTG auch einen beachtlichen Anteil ihres jährlichen Haushaltes aus!“ Besonders wichtig sind dabei aber auch die beruflichen, persönlichen Kontakte der Mitglieder untereinander, die nicht nur den regen gedanklichen und fachlichen Austausch garantieren, sondern auch das

Management der Tierbestände erheblich vereinfachen, wie Dr. Rüdiger Wandrey aus Wingst, früher Geschäftsführer, jetzt Schriftführer der DTG, hinzufügt. Erstes Seminar in Hamm Es ist nun über 20 Jahre her, dass die DTG unter dem damaligen Vorstand Dr. Hans-Henning Berding aus Hamm und Geschäftsführer Willi Krift aus MöhneseeGünne sich die ersten Gedanken machte, wie Fortbildung für die Mitglieder organisiert werden könnte. So wurde bereits im März des Jahres zu einem 1.Fortbildungsseminar für den 4. November 1987 nach Hamm eingeladen. Und bereits damals konnten hochkarätige Referenten gewonnen werden. Da informierte gleich im ersten Vortrag Dr. Erich Königs vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über „Die Auswirkungen des neuen Tierschutzgesetzes auf Tierparke und Wildgehege“. Dr. Michael Böer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo Hannover, zeigte auf, wie es zu „Verhaltensstörungen durch Gehegebaufehler“ kommt. Und Zooarchitektin Giggi Heuss aus Karlsruhe ergänzte dazu passend, wie Gehegebaufehler korrigiert werden können. Dr. Dietrich Barth vom MSD-Forschungslabor in Lauterbach wies auf die richtige Dosierung von Medikamenten hin, Dr. Wolfram Rietschel vom Zoo Wilhelma in Stuttgart berichtete von seinen „Erfahrungen bei tierärztlicher Betreuung von Zoo- und Wildtieren“ und Prof. Kurtzer von der Uni Wien ergänzte mit Behandlungsratschlägen. Wobei sich


Deutsche Tierpark Gesellschaft: Information und Fortbildung stehen für die DTG an erster Stelle bereits zu diesem ersten FortbildungsMeeting nicht weniger als 58 TierparkVertreter eingefunden hatten - wobei die DTG selbst damals lediglich 26 Mitglieder zählte. Wobei auch damals schon ein Kennenlern-Abend am Tag vorher und ein Kollegentreff am Seminarabend für viel fachkundige Diskussionen garantierte. (Und das bis heute!) Werbung und Abwasserfragen und Vergesellschaftung Um Abwasserfragen, Haftpflichtversicherung, Vergesellschaftung und Zootierpraxis ging es dann zwei Jahre später, am 6. November 1989 nochmals in Hamm. Und um die Kosten und Nutzen moderner Werbung. Zu dieser Tagung war übrigens bereits am 15. Juli 1989 eine Einladung an den Leiter des Leipziger Zoos geschickt worden, an Prof. Dr. Siegfried Seifert.

Dr. Berding (damaliger DTG-Vorsitzender), 1991 auf dem Seminar in Solingen (Foto: Alois Gassner/DTG)

Prof. Seifert referierte in Solingen Klappte es damals vor der Wende noch nicht mit der Teilnahme, so hielt Prof. Seifert aber bereits beim nächsten Seminar am 4. November 1991 – diesmal organisiert mit der „Fauna“ in Solingen – einen Vortrag über „Die Raubtierzucht im Leipziger Zoo“. Und 100 Teilnehmer gaben der DTG hier eindrucksvoll Recht, dass auch die Tierparks der Neuen Bundesländer eingeladen worden waren. So konnten bereits Teilnehmer aus (Reihenfolge nach der Anwesenheitsliste) Thum, Hirschfeld, Fürstenwalde, Hoyerswerda, Strehla, Müritz-Waren, Erfurt, Suhl, Halle, Aue, Wittenberg, Finsterwalde, Stralsund, Halberstadt, Neustrelitz, Burg Stargard, Gera, Gotha, Görlitz, Eberswalde, Angermünde, Ueckermünde, Thale, Aschersleben, Schwerin, Stralsund, Salzwedel und Chemnitz im Städtischen Eugen-MaurerHeim, wohin Inge und Peter Kunst von der

Fauna eingeladen hatten, begrüßt werden. Und erhielten dann vom Wirtschaftsprüfer eine Einführung, über die „Wirtschaftliche Organisation, Finanzierung und Bestandsicherung eines Tierparks lernten die Gesetzeslage bei Haltung und Zucht von Wildtieren (Prof. Dr. H.-G. Horn) kennen und die Kennzeichnung lebender Zootiere mit Mikrochips sowie Narkosemöglichkeiten bei Vögeln. Handaufzucht und begehbare Volieren Thema in Heiligenkirchen Zwei Jahre später organisierte FriedrichWilhelm Eckstein vom Vogelpark Detmold-Heiligenkirchen die Tagung in der Stadthalle dieses lippischen Residenzstädtchens. Um „Pro und contra Handaufzucht bei Papageien“ ging es nun, um Erfahrungen mit begehbaren Volieren (Dr. Wolfgang Salzert aus Rheine), um die Haftung bei Unfällen in Freigehegen, Streichelzoos und auf Kinderspielplätzen. Und Privatdozent Dr. Armin Kuntze aus Berlin vermittelte „stoffwechselphysiologische Grundlagen bei der Ernährung von Zootieren“. Ingo Wilhelm (Arche Noah Grömitz) war inzwischen Vorsitzender der DTG, Peter Kunst von der Fauna Solingen Geschäftsführer. 5. Seminar in der DTG-„Keimzelle Kalletal“ Zum 5. überverbandlichen Fortbildungsseminar hatte dann der Vorsitzende des Trägervereins Tierpark Lipperland e.V., Alois Gassner, nochmals in die Region am Hermannsdenkmal eingeladen. 83 Fachleute fanden sich am 4. Mai 1994 hier in der „Keimzelle der DTG“ ein. Denn der Gründer dieses Tierparks, Dr. med. Heinrich Stocksmeier, war auch wesentlicher Motor und erster Vorsitzender der Deutschen Tierparkgesellschaft. Und der Tierpark Kalletal feierte damals auch sein

25jähriges Bestehen. Da ging es dann nicht nur um Elchzucht (Dipl.Biol. HansDieter Scheler aus Gera) oder um Freiflughaltung und Zucht des Weißstorchs (Reinhold Wiegand vom Vogelpark Uckersdorf) oder um die Gehegehaltung von Känguruhs (damals noch mit h) von einem Biologen der Uni Bielefeld, die durch ihre Verhaltensforschung bekannt ist. Weitere Themen waren die Ernährung von Zootieren, artgerechte Haltung (Dr. M. Böer) und vor allem auch Zooschulen, wozu die Diplom-Biologen Lore Köhler (Fauna Solingen), Frau Burksch aus Gera und Dietmar Torbrügge vom gastgebenden Lipperlandzoo Infos lieferten – vom Aufbau bis zur Finanzierung. Erstmals konnte auch der Bundesvorsitzende der Zootierpfleger (BDZ), Tierpflegermeister Andreas Pricken aus Krefeld), diesen Verband vorstellen. Und es ging auch um Zoos in der Gesellschaft. So stellte der Vorsitzende Ingo Wilhelm fest, „dass bedauernswerter Weise heute Zoos vielfach auch von der Politik alleine gelassen werden“. Geschäftsführerin der DTG und Mitorganisatorin dieser Seminare war inzwischen Ingeburg Kunst von der Fauna Solingen geworden. Zittau lud im Osten ein Der Tierpark Zittau war dann im Juni 1995 erster Ausrichter für ein Fortbildungsseminar (das 6.) in den neuen Bundesländern. „Am Burgteich“ wurde getagt – und Dr. Salzert (Rheine) bewies „Affenhaltung – aber richtig: Die Chancen der kleineren Tiergärten“, Dipl.-Biol. Wolfgang Rades (damals noch NABU-Artenschutzzentrum Leiferde) führte ins Artenschutzgesetz ein, der SPD-Tierschutzbeauftragte Dr. Heinz Kindermann brachte große Politik zu den kleineren Parks, ein Mediziner der Bayer AG ging auf Kokzidien und ihre Kontrollmöglichkeiten ein und Dr. Axel

Seminar mit Dr. Salzert (Foto: Alois Gassner/DTG)

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Deutsche Tierpark Gesellschaft: Information und Fortbildung stehen für die DTG an erster Stelle Gebauer vom Tierpark Görlitz entführte dann „Auf den Spuren von Dsong-Dsong – Anmerkungen zu freilebenden nordosttibetischen Wirbeltieren“. Aber auch die Teilnehmer machten erstmals einen grenzüberschreitenden Ausflug – nach Tschechien in den Tierpark Liberec. Internationale Referenten und EEPs Internationale Referenten prägten dann das 7. DTG-Fortbildungsseminar 1996 im hessischen Vogelpark Herborn. Da sprach Koen Brouwer vom EEP-Exekutive Office in Amsterdam über eine Zusammenarbeit zoologischer Einrichtungen und die Rolle von EEPs, schilderte Jan Vermeer vom Affenpark Apenheul in den Niederlanden die dortige Affenhaltung, die sich ja damals schon weit herum gesprochen hatte und Dr. Jürgen Güntherschulze zeigte, dass es „Eine Chance zum Überleben alter Haustierrassen in Haustierparks und Zoos“ gibt. Naturerlebniszentrum ein Thema in Bayern Im niederbayerischen Ortenburg prägte dann im April 1997 das Leitthema „Der Tierpark der Zukunft – ein Naturerlebniszentrum?“ dieses 8. Fortbildungsseminar Gastgeber waren diesmal gleich zwei Parks – der Vogelpark Irgenöd und der Wildpark Ortenburg, die beide Erich Schobesberger gehören. Rolf Rügamer aus Bad Mergentheim zeigte, wie sich mit Gehegen eine Erlebnissteigerung für Besucher erzielen lässt, Jürgen Wolters von der Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz aus Bielefeld motivierte Zusammenarbeit zwischen zoologischen Bildungseinrichtungen und dem Naturschutz, praktische Tipps kamen von Dipl.Ing. Joachim Ihlo aus Emden, der die „Kreislaufführung und naturnahe Reinigung von Brauchwasser in Tiergehegen“ vorstellte. Dann zeigten die zwei Fachjournalisten Gerd Dörr (Stuttgart) und Alois Gassner (Kalletal), dass Öffentlichkeitsarbeit lebenswichtig ist – aber auch bezahlbar sein soll und kann. Treffpunkt Hexentanzplatz Der Hexentanzplatz war „Anfangsstation“ des 9. Fortbildungsseminars in Mai 1998. Genauer gesagt: Der Eingang zum dortigen Tierpark Thale. Da wurde auch ein erlebnisreiches Harzer Rahmenprogramm organisiert. Die Themen und Referenten

aber waren überregional: die ausgewilderten Steinkäuze in Sachsen-Anhalt (Eckhard Kartheuser), zukunftsweisende Beispiele zur Gehegegestaltung für Raubkatzen, Primaten und Vögel durch Hans Post vom Zoo Rotterdam, aber auch das „dienstleistungsgerechte Verhalten der Tierpark-Mitarbeiter“ (Referent Ludwig Reinemer) als wichtiges Thema. Ebenso der Einsatz neuer Medien im Tierpark und zudem noch, was Tierparks von den Behörden zu erwarten haben (Referent Albrecht vom Landesamt für Umweltschutz). Hier organisierte Tierparkleiter Uwe Köhler dann am nächsten Tag auch noch einen Abstecher zum Tierpark Halberstadt. Das Warderaner Satelittenortungssystem Hoch in den Norden ging es dann 1999 zum letzten Fortbildungsseminar im „alten Jahrtausend“ – nach Warder am Westensee, sozusagen vor den Toren Kiels. Da stellte Dr. Güntherschulze das Warderaner Satellitensystem vor, berichtete M. Bludau von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft über die „Sicherheit in der Wildtierhaltung“, informierte Ralf-Dieter Bruse (Bundesamt für den Zivilschutz) über die Möglichkeit, Zivildienstleistende in zoologischen Einrichtungen zu beschäftigen. Wo deren Einsatz sinnvoll sein kann beschrieb Thomas Berling vom Tierpark Nordhorn und wie sich Arbeitsverträge nach dem (damals) 630 DM-Gesetz für Studenten und Schüler gestalten ließe, zeigte Präsident Ingo Wilhelm auf. Und Wolfgang Festl stellte den europäischen Nerz für den Aufbau einer neuartigen Erhaltungszucht und die Rolle der Tiergärten dabei vor. Mit aktuellen Fragen ins neue Jahrtausend Neues Jahrtausend – natürlich mit Fortsetzung der Seminarreihe: Diesmal in Halberstadt in Sachsen-Anhalt am 12. Mai 2000. Da zeigte der Tierpark selbst seinen Weg auf, wie er zum ausgezeichneten Tierpark der DTG wurde. Herr Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz erläuterte, wie sich das Artenschutzrecht auf Tierhalter auswirkt und informierte über die Unterbringung beschlagnahmter lebender Tiere. Eckhard Wiesenthal ging auf die Didaktik in der Gehegeplanung ein. Und Christian Kern schilderte, wie

sich „Zehn Jahre Bundesarbeitsgruppe Kleinsäuger – Kleinsäugerhaltung in Zoologischen Gärten und in Privathand“ entwickelte. Und dass das Internet auch damals vor 8 Jahren bereits ein unverzichtbares Werbemittel war, bekräftigten PC-Experte Friedhelm Lüttmann und DTG-Pressemann Alois Gassner.

Ingo Wilhelm (damaliger DTG-Vorsitzender), 2000 auf dem Seminar in Halberstadt (Foto: Alois Gassner/DTG)

Kennzeichnungsthemen am Jadebusen Nach Jaderberg in Jade – kurz unterm Jadebusen bei Wilhelmshaven zu finden – zog es dann 2001 die Fortbildungswilligen zum 12. Seminar Ende April 2001. Nach den Begrüßungen durch Ingo Wilhelm (Präsident ) und Dr. Minnemann (Jaderberg) ging es um die „Gesetzliche Kennzeichnungspflicht bei Wildtieren“ (Herr Albrecht vom Landesamt für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein), die Kassensysteme im Zoo sowie im Gastrobereich (Ralf Hauf) sowie um Gehege und Anlagenbau (Gregor Wilhelm vom Tierpark Essehof), die neuen Kennzeichnungsgeräte für Wild- und Haustiere (Gerhard Kappel) und den praktischen Teil dieser Kennzeichnungspflicht (durch Dr. Minnemann). Virtuelles Büro im Klingenmuseum Als 2002 im Deutschen Klingenmuseum in Solingen (organisiert von der „Fauna“ natürlich) getagt wurde, waren zwei Punkte neu: der Euro war nun Abrechnungsbasis und Gert Emmrich neuer Präsident der DTG. Ehrenmitglied Gerhard Schüßler machte hier zunächst einen Streifzug durch über zwei Jahrzehnte DTG, dann stellte Friedhelm Lüttmann “Das virtuelle Büro der DTG“ vor und Christof Würth aus Bielefeld präsentierte das „Zoolo-


Deutsche Tierpark Gesellschaft: Information und Fortbildung stehen für die DTG an erster Stelle genforum“. Beckerbillett informierte über Eingangskassensysteme, schließlich ging es um die verschiedenen Möglichkeiten der Trägerschaft zoologischer Einrichtungen, dem sich natürlich ausführliche Erfahrungsberichte einzelner Mitglieder anschlossen. Ethikfragen wie die Tötung von Tieren in Zoos Mit einem Abstecher auch nach Bernburg verbunden war das 14. Seminar 2003 in Aschersleben. Dietmar Reisky schilderte, wie sich dieser Tierpark in 30 Jahren entwickelt hat, Herr Stegemann vom Tierpark Zittau zeigte, wie mit Naturmaterialien gebaut werden kann, Eckhard Wiesenthal informierte über Möglichkeiten und Zwänge bei Gehegegestaltung und Gehegebesetzung und Dr. Rüdiger Wandrey (Zoo Wingst und damals auch Geschäftsführer der DTG) stellte „Collection plan – Tierbestandsplanung auch für kleinere Zoos“ vor. Viel Aufmerksamkeit fand natürlich das Thema „Die Tötung von Tieren in Zoos – Ethik kontra Zuchtmanagement?“, zu dem Dr. Revers vom Zoo Salzburg und Dr. Udo Gansloßer von der Universität Erlangen – ein steter Teilnehmer auch an vielen Seminaren –berichteten. Zudem wurde die Wiederansiedlung des Bibers an der Mittelelbe vorgestellt (durch Peter Ibe) und Wirtschaftlichkeits- und Organisationsuntersuchungen in Tierparks (durch Clara und Otto Fuhlrott aus Hannover). Bauen in Zoos – Thema in Nordhorn Zum nächsten Seminar, dem 15. – nun im Oktober 2004 – trafen sich in Nordhorn ebenfalls wieder fast hundert Interessenten. Natürlich stellte Thomas Berling – der am Vorabend bei einer a.o. Mitgliederversammlung zum stv. Präsidenten gewählt worden war (bis April 2008) – den Nordhorner Tierpark und seine Visionen vor. Dann ging es um das Leitthema „Bauen in Zoos“. Da fand Dr. Wolfgang Salzert viel Interesse mit „Bauen für Tiere, Bauen für Menschen – was macht einen Zoo attraktiv?“, zeigten Dr. Dag Encke und Johannes Deiting vom Allwetterzoo in Münster die „Systematische Planung von Tiergehegen“ auf und Reiner Winkendick dann „Preisgünstige Alternativen zu herkömmlichen Tropenhäusern´“. Am Beispiel begehbarer Tiergehege in Nordhorn schlüsselten Thomas Berling und Dr.

Salzert auf, was gelungen ist und was sie heute anders machen würden. Während es nach Zooführung und Kaffeepause um die Planung von Spielgeräten (Peter Fleckenstein, HAGS-Spielgeräte) und um „Sicherheit auf Spielplätzen und sachgerechte Wartung“ (Matthias Biek von der gleichen Firma) ging, stellte Hans Röttger, Zoopädagoge im Naturzoo Rheine, vor, wie es sich mit dem Einsatz interaktiver Bildungsmedien spielend lernen lässt in Zoos. Der Besuchsabstecher ging bei diesem Seminar in den weitbekannten Affenpark „Apenheul“ in Apeldoorn (Niederlande). Günstig für eine Fahrt nach Prag Dass das Seminar 2005 noch einmal nahe der Tschechischen Republik stattfand , wurde optimal ergänzt durch einen Fahrt zum Zoo Prag am Freitag. Und am Mittwoch vorher trafen sich bereits viele Seminarteilnehmer in Görlitz, um diesen Tierpark kennen zu lernen. In Zittau selbst war das Leitthema „Haben kleine Zoos in der heutigen Zoolandschaft eine Chance?“. Hier stellte Bernd Großer den kleinen „Tierpark Zittau und die WeltZoo-Naturschutzstrategie“ vor, schilderte Matthias Haase, wie wichtig die Entwicklung eines eigenen Profils sei – hier die „Tiernähe als Chance für den Vogelpark Marlow“ Und dann kam der europäische Nerz als EEP für kleine Zoos in die Diskussion (durch Wolfgang Festl, 1. Vorsitzender EuroNerz e.V.), stellte Thomas Suckow (1. Vorsitzender des Berufsverbandes der Zootierpfleger den BDZ-Biber vor, einen Preis für vorbildliche Tiergehege, ging es um Status und Schutzbemühungen für das Ziesel. Schließlich informierte Andreas Stegemann, Technischer Direktor in Zittau, noch über das Projekt „Tier mit Mensch – tiergestützte Aktivitäten“.

Marketing und Freizeit in Marlow Im Vogelpark in Marlow fand dann Ende September 2006 bereits das nunmehr 17.Seminar statt – wieder mit einer Teilnehmerzahl von über 100 Zoofachleuten, was sicherlich auch die besondere Informationsvielfalt dieser Tagungen beweist. Wobei sich die Themen natürlich auch

Rundgang in Marlow 2006 (Foto: Alois Gassner/DTG)

zeitgemäß gewandelt hatten. So ging es in Marlow ganz explizit auch um praxisorientierte Marketingkonzepte für kleinere zoologische Einrichtungen. Dabei informierte Dr. Manfred Zeiner vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr dwif (München) über „Die Entwicklung des Freizeitverhaltens in Deutschland“, präsentierte Jan Gereit die Marketingkonzeption des

Gleich und gleich liebt sich offensichtlich - Vogelpark-Inhaber Friedrich W. Eckstein aus Detmold-Heiligenkirchen hatte auch im Vogelpark Marlow „Alle Hände voll” (Fotos: Alois Gassner/DTG)

Rundgang in Marlow 2006 (Foto: Alois Gassner/DTG)

jungen, aber schnell erfolgreichen Vogelparks Marlow, schlüsselte Dr. Dieter Minnemann die Marketingstrategie des Tier- und Freizeitparks Jaderberg auf. Und die DTG-Mitglieder Wim Al vom

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Deutsche Tierpark Gesellschaft: Information und Fortbildung stehen für die DTG an erster Stelle Zoo Kabouterland in den Niederlanden (das einzige ausländische DTG-Mitglied) und Thomas Berling vom Tierpark Nordhorn stellten eine erfolgreiche Zusammenarbeit über Grenzen hinweg vor: „Gemeinsam sind wir stark“. Was auch der Erfahrungsbericht von Ralf Slabik vom Tierpark und Fossilium Bochum zeigte über die Zusammenarbeit der NRW-Partnerzoos. Natürlich kamen die „Tierthemen“ keinesfalls zu kurz. Und so war der Nachmittag in Marlow den Erfahrungen mit Tiervergesellschaftungen in Zoos vorbehalten, von Bären und Wölfen beispielsweise, Lemuren und Surikaten, Steppenfüchsen und Löwen, SchneeEulen und Polarfüchsen usw. Der nun schon zur Regel gewordene ergänzende Ausflug führte am nächsten Tag zum Zoo Rostock.

Zu jedem Seminar gehört natürlich auch eine fachbezogene Ausstellung (Fotos: Alois Gassner/DTG)

Grüne Tierparks und Zoopädagogik in Eilenburg Ein Superinteresse fand das bisher letzte Fortbildungs-Treffen vom 26. bis 28. September 2007 im sächsischen Eilenburg. Diesem war eine offene DTG-Zukunftsdiskussion vorgeschaltet. Außerdem hatte der Tierpark Delitzsch zur Visite eingeladen, präsentiert von Tierparkleiterin Dipl. Biol. Katrin Ernst und Dr. Hans-Dieter Hohmann. Zum Seminar selbst im Eilenburger Bürgerhaus stellte Stefan Teuber seinen Park vor, waren dann drei Themenschwerpunkte „Das Grün in Tierparks“, „Zoopädagogik“ sowie „Arten- und Naturschutz“. Zu allen Themen hatten wieder bekannte Referenten eingeladen werden können. So ging es beim „Elefant im Parkhaus“ um die Bedeutung des Grüns für die moderne Zooplanung (Uwe Hahn vom

Zoo Berlin und Kristin Jacobi vom Zoo Rostock, die für Zoogrün e.V. sprachen). Die biotopgerechte und preisgünstige Bepflanzung von Tiergehegen und Erlebniswegen stellte Dipl.Ing. Reiner Winkendick aus Kamp-Lintfort vor und die Firma Gerwal Kescon zeigte, wie sich in Tiergärten Biogas und Kompost herstellen lässt. Dann stellte sich der Verband deutschsprachiger Zoopädagogen (VZP) vor durch Frank Oberwemmer aus dem Zoo Leipzig, fand Dipl. Biologin Antje Fischer aus Bielefeld viel Interesse für ihr Modell der selbständigen Zoo-Schule „Grünfuchs“ am Tierpark OlderdissenBielefeld, entführte Stephan Rügamer (Wildpark Bad Mergentheim) in seine bunte WIPAKI-Welt – ein etwas anderes Konzept für Wildparkkinder. Viel Beifall erhielt Jörg Adler vom Allwetterzoo Münster - der in Eilenburg schon seine Kinderjahre verbracht hatte - für das starke Duo Artenschutz und Marketing (und da ging es nicht nur um schwarzen Schwan Petra...). Wolfgang Festl gab einen ersten Erfahrungsbericht zur Wiederansiedlung des europäischen Nerzes im Saarland und Thomas Berling aus Nordhorn bewies, wie vielfältig und sinnvoll auch die regionale Naturschutzarbeit kleiner Tierparks sein kann. Am nächsten Tag nahm sich dann Direktor Dr. Jörg Junhold Zeit, viele der Teilnehmer im Zoo Leipzig zu begrüßen.

19. Seminar im September in Worms - Zoo als Lebensraum 18 Seminare randvoll mit Themen, die offensichtlich interessieren. Und das Interesse geht weiter. Bereits jetzt wird das 19. Seminar vorbereitet, zu dem am 25. September 2008 der rheinland-pfälzische Tiergarten Worms einlädt. Zentrale Themen sind dieses Mal “Zoo als Lebensraum“ und “Zoo als außerschulischer Lernort“. (Über den Tiergarten Worms wird übrigens auf den Seiten 9-10 dieser Ausgabe ausführlich berichtet!) Verfasser: Alois Gassner (presse@dtginfo.de)

Weitere Auskünfte: Deutsche Tierpark Gesellschaft e.V. Geschäftsstelle im Tiergarten Bernburg Krumbholzallee 3 · D-06406 Bernburg Telefon (0 34 71) 35 28 16 Telefax (0 34 71) 64 02 75 eMail filz@tiergarten-bernburg.de Erreichbarkeit der Geschäftsstelle: Wochentags: 8:00 - 12:00 Uhr


Serie: Ein vorbildliches Gehege – Weißstörche im Wildpark Eekholt

Freifliegender Storch im Wildpark Eekholt

Serie: Ein vorbildliches Gehege – Weißstörche im Wildpark Eekholt Die ersten Weißstörche, die in den Wildpark Eekholt kamen, waren verletzte Wildvögel. Durch die Versorgung und Obhut dieser Tiere wurde auch die jetzige Eekholter Vogelpflegestation ins Leben gerufen.

rer Umgebung des Parks. Haltung und Gehege Der Wildpark Eekholt verfügt über 3 Weißstorchgehege; zwei im Besucherbereich und ein Gehege auf der Fläche der Vogelpflegestation. Die Schaugehege sind zwei Meter hoch umzäunt, eine weitere Drahtbahn im Erdreich verhindert das Untergraben des Begehbarer Teil des Geheges „Storchenteich“ mit Blick auf den Winterstall

Das Grundfutter besteht aus Fisch und Eintagsküken; die Lieblingsspeise der Störche sind Mäuse, frischtot oder aufgetaut – bei der großen Anzahl an Störchen aber nur mal „als Happen nebenbei“. Im Winter bleiben die Störche auch bei starkem Frost lieber im Außengehege anstatt den Winterstall aufzusuchen. Ab minus 10 Grad und hoher Schneedecke werden die Störche in den Stall getrieben und verbleiben dort, bis die Temperaturen wieder milder werden.

Storch in der Vogelpflegestation

Die häufigsten Verletzungen waren und sind Bein- und Flügelbrüche infolge von Anfliegen gegen Stromleitungen etc. Viele dieser Störche waren aufgrund ihrer Verletzungen nicht mehr fähig, in der Natur zu überleben und verblieben somit im Wildpark. Diese „Pflegefälle“ sorgten dann für Nachwuchs, und diese Nachzuchten wurden in die Freiheit entlassen. Der Weißstorchbestand im Wildpark Eekholt liegt bei den pflegebedürftigen Vögeln bei ca. 30 – 40 Tieren, dazu brüten noch jedes Jahr etwa 6 – 10 Wildpaare auf dem Wildparkgelände oder in unmittelba-

Außenzaunes durch Dachs oder Fuchs. Dazu ist der Zaun noch mit einem Elektrodraht (Weidezaungerät) abgesichert, um das Überklettern durch Marder zu verhindern. Die Gehegeböden sind mit einer Grasnarbe und jeweils einem Teich zum Trinken und Baden ausgestattet.

Gehegeabmessungen Das erste Gehege „Storchenteich“ hat eine Grundfläche von ca. 3.300 m². Davon stehen zum Absperren etwa 1.200 m² zur Verfügung. Beim zweiten Gehege im „Moor-HeideBereich“ beträgt die Grundfläche ca. 2.500 m².

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Serie: Ein vorbildliches Gehege – Weißstörche im Wildpark Eekholt Auswilderung Zusätzlich ist für die Auswilderung von Reha-Vögeln ein Teil des Geheges im „Moor-Heide-Bereich“ übernetzt. In diesem Teil werden Störche aus der Pflegestation für ca. eine Woche untergebracht, um dann vor Ort ins Freie zu gelangen. Meistens schließen sich diese Störche den freilebend im Wildpark Eekholt brütenden Artgenossen an, was sich äußerst positiv auf das Überleben in Freiheit für die ersten Wochen auswirkt.

Störche sammeln sich im August im Gehege des weißfarbigen Rotwildes zum Abflug in den Süden

Alle freigelassenen Weißstörche bekommen einen Ring der Vogelwarte Helgoland, um die Wanderungen der Vögel durch Ablesen der Ringe oder Todfunde festzuhalten. Durch die Beringung konnte z. B. festgestellt werden, dass Jungvögel, deren Eltern nicht im Spätsommer gen Süden ziehen, ganz normales Flugverhalten aufweisen. So konnte die weit verbreitete Meinung widerlegt werden, Jungvögel von Gehegestörchen würden kein Zugverhalten haben und deshalb im Winter in unseren Regionen bleiben. Zusammen mit den frei fliegenden Jung- und Altstörchen sammeln sich die Gehegebrüter in dem Gehege unseres weißfarbigen Rotwildes, um dann Ende August gruppenweise abzuziehen. Zur Hauptsammelzeit kann eine solche Gruppe zwischen 60 – 100 Störche zählen. Zucht Die Zucht ist relativ einfach, wenn gewisse Voraussetzungen vorhanden sind. Der Grundstein ist ein harmonisches Storchenpaar – Zwangsverpaarungen versprechen meistens keinen Erfolg. Aufgrund der unterschiedlichen Verletzungen, mit denen die Weißstörche ein-

Der Weißstorch ist ein dankbarer Pflegling; er ist nicht anfällig für Krankheiten und somit ein recht langlebiger Vogel, der gut 20 Jahre und älter werden kann. Der im Wildpark Eekholt bisher älteste Storch wurde 26 Jahre!

Handaufzucht eines Weißstorches

geliefert werden, haben sich Nester am Boden bewährt. Wir bieten immer reichlich Nistmöglichkeiten an, um Streitereien zu vermeiden. Im Gehege halten die Paare ihrem Nest normalerweise die Treue, so dass über die Jahre alle ihr Nest ausgesucht haben und es keine Kämpfe gibt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Aufzuchtfutter. Es besteht anfangs aus sehr kleinen Süßwasserfischen, einem Fleischbrei aus gekochtem Rindfleisch und abgezogenen Eintagsküken. Nach ca. 2 Wochen werden die Eintagsküken zerschnitten und nicht mehr abgezogen, damit die Jungstörche Gewölle bilden können.

Störche unter den Wärmelampen im Winterstall

Damit es überhaupt zur Brut und Jungenaufzucht kommt, muss peinlich genau darauf geachtet werden, dass Fressfeinde ferngehalten werden. Gerade Dachs und Steinmarder können die gesamte Brutsaison zunichte machen. Der Dachs, sofern er es schafft ins Gehege zu kommen, ist in der Lage, die Gelege in einer Nacht zu fressen – bei 8 Storchenpaaren beispielsweise sind das ca. 30 – 40 Eier! Der Steinmarder versucht meistens erst Beute zu machen, wenn bereits Junge im Nest sind. Da es bei Weißstörchen höchst selten ein Nachgelege gibt, wäre in diesem Fall die Saison ohne Nachzuchterfolg.

Da fast alle den Weißstorch kennen und er als „Glücksbringer“ bei den Besuchern sehr gut ankommt, ist dieser Vogel sozusagen ein „Muss“ und eine Bereicherung für jeden Wildpark.

Nachwuchs bei den Störchen in der Pflegestation (Gehege „Storchenteich“)

Der Weißstorch in der Umweltbildung Ziel der Umweltbildungsarbeit im Wildpark Eekholt ist neben der Vermittlung von persönlichen Naturerlebnissen und Naturerfahrungen eine Entwicklung von Verhaltensweisen zugunsten von Natur und Umwelt – wir möchten Impulse geben zur Entwicklung von Bewertungsund Gestaltungskompetenzen im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Originale Tierbegegnungen, Sinneserfahrungen sowie kreative und erlebnisorientierte Elemente sind feste Bestandteile der umweltpädagogischen Betreuungen. Die Dauer der umweltpädagogischen Betreuungseinheiten, personell durchgeführt von Mitarbeitern der Wildparkschule, beträgt für Schulklassen ca. 1,5 – 2,0 Zeitstunden. Im vergangenen Jahr besuchten etwa 280.000 Menschen den Wildpark, davon gut 125.000 Kinder und Jugendliche. Mehr als 25.000 Kinder nutzten das Bildungsangebot der Wildparkschule, über 8.000 von ihnen erlebten mehrere Tage den Wildpark und verweilten auf dem separaten Projektgruppengelände.


Serie: Ein vorbildliches Gehege – Weißstörche im Wildpark Eekholt Das Kennen lernen von Lebensräumen und die Wahrnehmung bzw. der Kontakt der Kinder zu den Lebensräumen wird in der umweltpädagogischen Betreuung mit Hilfe einer oder mehrerer Tierarten ermöglicht (Leittierarten). Am Beispiel der Leittierart „Weißstorch“ werden nachfolgend unter methodisch-didaktischen Gesichtspunkten die spielerische Heranführung und die originale, direkte Tierbegegnung kurz vorgestellt. Beides sind wesentliche Kernelemente der umweltpädagogischen Betreuungen im Wildpark Eekholt. Im Wildpark Eekholt lernen die Kinder die Feuchtwiesen entlang der Osterau als einen ökologisch intakten Lebensraum für die Weißstörche kennen. Direkt vor Ort – im Dialog mit den Kindern – können durch den spielerischen Einsatz eines „Nahrungsnetzes“ die Auswirkungen menschlichen Handelns auf den Lebensraum Feuchtwiese und die Nahrungstiere der Störche vermittelt werden. Hierbei halten mehrere Kinder ein Netz aus Hanfseilen, jedes Kind stellt jeweils ein Nahrungstier des Storches dar. Im Mittelpunkt des Netzes sitzt ein weiterer Mitspieler und verkörpert den Weißstorch in seinem Lebensraum. Jeder negative Eingriff des Menschen ist mit dem Verlust eines Nahrungstieres verknüpft – die entsprechenden Kinder lassen das Netz los. Die Nahrungsgrundlage ist für den Storch in seinem Lebensraum gesichert, solange das Netz mit dem Storch über dem Boden schwebt, d.h. solange die Mitspieler das Netz halten können.

Störche in der Bildungsarbeit Eine Schulklasse bei der Fütterung von Jungstörchen

Durch die direkte Tierbegegnung mit einer afrikanischen Wanderheuschrecke – einem wichtigen Nahrungstier im Überwinterungsgebiet der Störche – lässt sich hervorragend eine Verbindung zum Vogelzug herstellen. Gleichzeitig rückt mit

Afrika ein weiterer, sehr ferner Kontinent in den Vordergrund, der ein Teil des Jahres dem Weißstorch einen sehr wichtigen Lebensraum bietet, zugleich aber auch durch Bejagung, Dürreperioden und Insektizideinsatz gegen Wanderheuschrecken ein großes Gefährdungspotential birgt. Mit Hilfe von Weißstorch und Heuschrecke werden so Verknüpfungen zur Lebenssituation der afrikanischen Bevölkerung möglich. (Lego-)Storch in der Bildungsarbeit bei einer Sonderveranstaltung

Station bei der Sonderveranstaltung „Auf wiedersehen Adebar“ - die Besucher lernen den Umgang mit dem Spektiv und helfen, die Ringnummern abzulesen

Weitere Elemente in den umweltpädagogischen Betreuungen sind u.a. Tierbeobachtungen verstärkt durch ein gemeinsames Rollenspiel, die Fütterung der Weißstörche am Gehege und der kreativ-handlungsorientierte Einsatz von Naturmaterialien. Die Auswahl der methodisch-didaktischen und inhaltlichen Schwerpunkte wird in Abhängigkeit von der Zielgruppe ausgewählt, gewichtet und miteinander kombiniert. Es ist uns dabei wichtig, auch spontan auf die Bedürfnisse der Zielgruppe einzugehen und entsprechende Elemente zu betonen bzw. einfließen zu lassen. Der Weißstorch als Thema einer Sonderveranstaltung Neben den direkten, personellen umweltpädagogischen Betreuungen von Kindern und Jugendlichen, wurden in den vergangenen Jahren gezielt Sonderveranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen im Bildungsangebot des Wildparks etabliert. So wird jährlich mit sehr großem Erfolg eine Sonderveranstaltung „Auf Wiedersehen Adebar“ für alle Besuchergruppen durchgeführt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird Mitte August für Groß und Klein ein geführter Abschiedsspaziergang zu den Störchen angeboten, bevor diese

wieder in den Süden ziehen. Für Kinder gibt es an diesem Tag verschiedene Mitmach-Aktionen. So können sie z.B. unter dem Motto „Von Eekholt nach Afrika“ an einem Malwettbewerb teilnehmen und einen Holz-Button oder ein T-Shirt mit Storchenmotiven bemalen. Interessierte Besucher können sich als Hobbyornithologen betätigen, indem sie bei beringten Weißstörchen auf große Entfernung die Ringnummern ablesen. Vorher besteht die Möglichkeit den nicht ganz einfachen Umgang mit dem Spektiv zu üben. Im Bildungsangebot des Wildparks ist der Weißstorch hervorragend geeignet, die vielfältigen „Vernetzungen“ einer Wildtierart mit seinen Lebensräumen sowohl unter lokalen als auch unter globalen Gesichtspunkten zu verdeutlichen. Der Weißstorch bietet vielfältige Ansatzpunkte für die inhaltliche Verzahnung von verschiedenen Schlüsselthemen und Themengebieten und kann hierbei zugleich das Globale Lernen in den Vordergrund rücken.

Störche im Gehege „Storchenteich“ auf den Bodennestern

Verfasser: Wolf v. Schenck, GF Wildpark Eekholt, André Rose, Leiter der Tierpflege, Jörg Bosse, Umweltpädagoge

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Serie: Ein vorbildliches Gehege – Weißstörche im Wisentgehege Springe

Serie: Ein vorbildliches Gehege – Weißstörche im Wisentgehege Springe Einleitung Der Weißstorch ist ein Sagen umwobenes Tier, denn wer kennt nicht die Geschichte vom Klapperstorch?! Einer anderen Legende zufolge gilt er als Glücksbringer und in der Bibel ist gleich viermal die Rede von ihm. Trotz eines starken Rückganges der Bestände in Europa in den 50er Jahren, sind die Weißstorchbestände seit Mitte der 1980er Jahre wieder stetig gestiegen und auch einige Gebiete, aus denen der Weißstorch fast verschwunden war, konnten durch Auswilderungen wieder neu besiedelt werden. Zwar gilt der Weißstorch als „nicht gefährdet“, doch damit dies auch so bleibt, müssen neue Lebensräume geschaffen und bereits vorhandene erhalten werden. Sein natürlicher Lebensraum sind offene und halboffene Landschaften, durchsetzt mit Flussauen, Bachläufen und Grünlandniederungen. Im Wisentgehege Springe wollte man dem gerecht werden, und so entstand eine großzügige und artgerechte Freiflugvoliere, in der nicht nur der Weißstorch in seinem natürlichen Lebensraum aus nächster Nähe zu beobachten ist. Die Freiflugvoliere Die erste große Freifluganlage wurde im Wisentgehege bereits 1996 gebaut und eingeweiht. Im Januar 2004 stürzte sie unter der Schneelast einer einzigen Nacht mit Nassschneefällen ein. Direkt nach den sofort begonnenen Aufräumarbeiten wurde eine neue Anlage konzipiert und in der

Neuerrichtung der Voliere: Pylone werden gesetzt

Folge aufgebaut. Im Oktober 2005 wurde die Anlage, vollständig renoviert und neu gestaltet für die Besucher wieder geöffnet. Wie schon die ursprüngliche Anlage wurde auch der Wiederaufbau finanziert durch die „Jagdfördernden Mittel“ des Landes Niedersachsen und Zuschüsse unseres Fördervereins „Freunde des Wisentgeheges“.

Forstamt ersetzt. Gummiummantelter Maschendraht mit 4 cm Maschenweite ist daran befestigt. Er ist im Boden eingebettet und mit einem Kiesbett bedeckt. Für die Statik der Anlage sorgen Pfähle aus Douglasienholz mit einem Mindestdurchmesser am dünnen Ende von 20 cm. Diese Pfähle sind in 3 Reihen in der Anlage angeordnet. Sie stehen in Hülsen. Das heißt, dass sie nicht einbetoniert sind, sondern leicht zu wechseln, wenn ihre Stabilität irgendwann nicht mehr ausreicht. Douglasie ist eine sehr widerstandsfähige Holzart. Die Haltbarkeit der unbehandelten Douglasien wird die der behandelten Fichte bei weitem Übertreffen. Die Hülsen sind Betonfundamente mit einer kastenför-

Es handelt sich um eine Vergesellschaftungsanlage. Wir zeigen Weiß- und Schwarzstorch, Kranich, verschiedene Entenarten sowie Fasane und mehrere Taubenarten. Die Gesamtfläche der Anlage beträgt gut 0,5 ha, dabei hat sie eine maximale Innenhöhe von 12 m und eine Außenzaunhöhe von ca. 6 m. Die Pfähle der Vorgängervoliere bestanden aus kesseldruckimprägnierten Fichtenholz. Das hat sich nicht bewährt. Diese wurden durch selbst geerntete Douglasienstämme aus unserem

Nur der nasse Schnee sorgt für Einbrüche in der Netzkonstruktion

migen Aussparung in der Mitte. In diese Aussparung wurden mit dem Bagger die Douglasienpfähle gesetzt. Perlkies wurde in den verbleibenden Freiraum gefüllt. So kann das Regenwasser nach unten ablaufen. Auf dem Grund der kastenförmigen


Serie: Ein vorbildliches Gehege – Weißstörche im Wisentgehege Springe Fundamtaussparungen sorgt grober Überlaufkies dafür, dass das Wasser versickern kann. Über diese Douglasienpfähle ist nun ein System aus Stahlseilen gespannt. Die Abspannung endet außerhalb der Anlage in einbetonierten Ankern. Sehr große Spanner an allen Seilenden ermöglichen ein angepasstes Spannen oder Lockern der gesamten Konstruktion.

Hilfe beim Netzbau von der Fasanerie Mittelstendorf

Überspannt ist die Anlage mit einem, aus der Fischerei stammenden, hochreißfesten und nässe- und UV-beständigem Netz mit 4 cm Maschenweite, immerhin über 5000 m² am Stück. Der schwierigste Arbeitsschritt war das Ausbringen des Netzes. Unterstützt hat uns dabei Herr Semroch, der aus seiner Tätigkeit in der Fasanerie Mittelstendorf große Erfahrung im Volierenbau mit Netzabdeckung hat. Zunächst haben wir alle Douglasienpfähle oben mit einem UV-beständigen PVC abgedeckt. Einerseits rutscht das Netz darauf und verhakt sich weder beim Aufbau noch später, andererseits stellen diese Folien einen konstruktiven Holzschutz gegen Feuchtigkeit für die Douglasienpfähle dar. Wir haben das Netz, aufgerollt zu einer langen „Wurst“ auf einem Baugerüst bzw. dem Dach des dazugehörigen Betriebsgebäudes an der Stirnseite der Anlage ausgelegt. Damit es sich nicht mit dem Maschendraht des Außenzauns verheddert, haben wir den Zaun mit fester Baufolie abgedeckt. Die wurde später natürlich wieder entfernt. An Zugseilen haben wir nun das Netz Stück für Stück auf der vollen Breite zum hinteren Außenzaun gezogen. Die Zugseile wurden mit Hilfe eines modernen Sportbogens mit einem Pfeil immer weiter, über das nächste Spannseil geschossen. Anschließend wurden Zaun und Netz miteinander verbunden.

Um Katastrophen wie 2004 zukünftig zu vermeiden, wurden zusätzlich zu den Spannseilen, die die Konstruktion tragen, Schüttelseile angebracht. Diese verlaufen diagonal durch die Felder, die konstruktionsbedingt durch die Spannseile entstehen. Sie sind unten an den Pfählen befestigt. Im Bedarfsfall werden sie gelöst und durch „Peitschenbewegungen“ wird der Schnee vom Netz geschüttelt. Es hat sich gezeigt, dass auf dem jetzigen Netz im Vergleich zur ursprünglichen Variante der Schnee kaum liegen bleibt. Wenn doch ist unter Umständen „Nacht-Schüttel-Schicht“ angesagt. Betreten wird die Anlage über drei Eingänge, jeweils mit doppelter Pendeltür als Schleuse. Ein Rundweg mit niedrigem Handlauf verbindet alle drei Eingänge miteinander und teilt die Anlage zusätzlich in zwei Grünflächen, welche durch einen Bachlauf miteinander verbunden sind. An zwei Stellen besteht die Möglichkeit z. B. bei Führungen oder für die Gehegeschule mit Gruppen zu verweilen ohne die Besucherwege zu blockieren. Mehrere Bänke laden zum Verweilen ein. Die Besucher gelangen über eine Holzbrücke über den Bachlauf, welcher in einen Teich mündet. Der Bachlauf ist mit Teichfolie ausgelegt, am Rand ist diese mit Steinen befestigt und bepflanzt. Das Wasser wird in einem Kreislauf geführt und im Bioreaktor nach dem System der Firma Plocher aufbereitet und anschließend wieder in den Bachlauf abgegeben.

Weißstorchenpaar

Der Bioreaktor ist mit Naturstein eingepackt und wird so vom Besucher als Steinhaufen mit beginnendem Bachlauf wahrgenommen. Einen Fehler am Bioreaktor haben wir in diesem Jahr beseitigt. Es hat sich gezeigt, dass die teilweise

direkte Sonneneinstrahlung zur Erwärmung des Wassers und zu unangenehm starkem Algenwachstum führt. Wir haben den Bioreaktor nun mit Blechplatten verschlossen. Verschiedene Anpflanzungen geben Strukturen und bieten Deckung für die Tiere. Es gibt Nadelholzgruppen, Weidenanpflanzungen am Ufer des Teiches, verschiedene Laubholzgruppen. Horstmöglichkeiten für Störche wurden auf alten Eichen geschaffen. Alle Vögel in der Anlage sind flugfähig. Die Enten werden auf einem Futterfloß auf

Schwarzstorch im Flug in der Voliere

dem Teich gefüttert. Für uns hat sich der Bau einer Gemeinschaftsanlage für Storch und Co. mit Netz bewährt. Durch unsere Lage direkt im Walde, inmitten des FFH-Gebietes „Hallerbruch und Wisentgehege“, sind Besucher wie Uhu, Habicht, Waschbär, diverse Rabenvögel an der Tagesordnung. Verluste durch diese Beutegreifer sind hoch. An anderer Stelle hat z. B. unser Singschwanennachwuchs nie eine Chance gegen Waschbär und Krähen. Durch diese Bauweise haben wir an dieser Stelle eine gute Möglichkeit unsere Schützlinge und insbesondere auch deren Nachwuchs vor Feinden zu schützen. Durch die Maschengröße von 4 cm (Zaun und Netz) hat man trotzdem einen artenreichen Besatz an frei lebenden Kleinvögeln. Unter anderem ist der Grünspecht regelmäßiger Besucher der Wiesenflächen innerhalb der Anlage. Im Zusammenhang mit dem Netz hat es nie einen Zwischenfall mit den Bewohnern der Anlage gegeben. Verfasser: Thomas Henning & Sarah Kirsch, Wisentgehege Springe

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Fördervereine, eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Zoologischen Gärten und Tierparks

Fördervereine, eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Zoologischen Gärten und Tierparks Die Entwicklung der Zoologischen Gärten oder Tierparks wäre ohne die Existenz von Freundes- und Fördervereinen nicht denkbar. Die Zoos oder Tierparks sind in ihren Regionen die Kultureinrichtungen mit den höchsten Besucherzahlen, erfreuen sich also unter der Bevölkerung einer großen Beliebtheit. Das ist sicher auch der Grund dafür, dass die Fördervereine meist über eine große Mitgliederzahl verfügen. Besonders trifft das für Vereine in den alten Bundesländern zu, die teilweise schon mit der Gründung des Zoos entstanden und oft sogar Träger der betreffenden Einrichtung sind. In den neuen Bundesländern konnten Förderverein auch für Zoos und Tierparks erst nach der Wende gebildet werden, da das DDR-System eine Vereinsbildung nicht zuließ. Lediglich im Rahmen des >Kulturbundes der DDR< gab es die Möglichkeit für die verschiedensten Interessengebiete Freundeskreise zu bilden, deren Tätigkeit natürlich vom >Kulturbund< organisiert oder kontrolliert wurde. Dies waren also keine selbständigen in die Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragenen Vereine. Ehrenamtliche Tätigkeit im staatlichen Bereich zu DDR – Zeiten bestand in der so genannten „gesellschaftlichen Tätigkeit“ zu der jeder Bürger mehr oder weniger stark im Berufsleben in seinem Betrieb herangezogen wurde. Heute verstehen wir darunter nach den Wurzeln des Begriffs, eine freiwillige, unbezahlte, eine ungezwungene Tätigkeit, die jeder nach seinen Wünschen und persönlichen Neigungen zum Nutzen unseres Gemeinwesens ausüben kann und daran Freude hat! Freiwillige, ehrenamtliche Arbeit ist Ausdruck der Verantwortung für unser Gemeinwesen und stärkt die Demokratie. Die Qualität einer Demokratie hängt entscheidend davon ab, ob eine große Anzahl von Menschen bereit ist, durch freiwilliges unbezahltes Engagement an ihrer Gestaltung mitzuwirken. Das trifft auch uneingeschätzt für unsere Zoofördervereine zu. Die Aufgaben eines Fördervereins erschöpfen sich natürlich nicht in der Be-

schaffung von Spenden und der finanziellen Förderung des Zoos oder Tierparks. Die ideelle Förderung spielt eine entscheidende Rolle. So sind bei den meisten Fördervereinen folgende Satzungszwecke verankert: • Unterstützung bei volksbildnerischen Aufgaben auf den Gebieten der Zoologie, Ökologie, des Natur- und Artenschutzes. • Unterstützung der Zoos bei der Realisierung ihrer Umwelt-, Natur- und Artenschutzaufgaben sowie deren Beteiligung an nationalen und internationalen Zuchtprogrammen. • Beratende Mitwirkung bei der Gestaltung und Entwicklung des Zoologischen Gartens • Gestaltung eines Vereinslebens zum Erwerb und zur Vertiefung von allgemeinen, zoologischen Kenntnissen und Einsichten in die speziellen Fragen der Zootierhaltung, zur Motivation im Hinblick auf die Erhaltung der Arten und den Naturschutz im weitesten Sinne sowie Mithilfe bei der Verbreitung vorgenannten Gedankengutes in der Bevölkerung. • Mittelbeschaffung und Weiterleitung der Mittel an den Zoologischen Garten zwecks Verwendung für die genannten gemeinnützigen Zwecke. Die GDZ vertritt die Auffassung, dass die Aufgabe der Fördervereine darin besteht, die Zoologischen Gärten zu fördern und ihre Entwicklung auf der Grundlage der entsprechenden Konzeptionen der Zoos zu unterstützen. Eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Zoodirektor ist dabei eine zwingende Voraussetzung. Alle Bestrebungen von Fördervereinen aus falsch verstandenem Ehrgeiz eigene Konzepte für die Zooentwicklung verwirklichen zu wollen, werden von der GDZ abgelehnt. Wir empfehlen allen Fördervereinen dieser Auffassung auch dann zu folgen, wenn es um Artenschutz- oder Naturschutzprojekte geht. Also, die Fördervereine sollten die Projekte ihrer zu fördernden Einrichtung unterstützen und nicht versuchen, ihre Kraft in eigene Aufgaben zu stecken. Jeder Zooförderer sollte sich darüber im

Klaren sein, dass es darauf ankommt, alle Kraft des Vereins einzusetzen die Leitung des Zoos in der Verwirklichung seiner Aufgaben zu unterstützen. Bei einer guten Zusammenarbeit zwischen Zoo und Förderverein wird der Verein mit Sicherheit auch eingebunden in die Probleme der Entwicklung des Zoos. Natürlich hat die Beschaffung von finanziellen Mitteln für jeden Zoo oder Tierpark eine besondere Bedeutung. So manche Anlage für eine artgemäße Tierhaltung könnte ohne die Hilfe der Fördervereine, ohne Spenden und Zuwendungen aus der Bevölkerung nicht entstehen. Deshalb haben auch fast alle Fördervereine den Status der Gemeinnützigkeit und genießen Steuerbefreiungen entsprechend § 51 folgende der Abgabenordnung. Der Staat trägt der Bedeutung der Vereine durch besondere steuerliche Förderung Rechnung. Deshalb hat der Deutsche Bundestag am 6. Juli 2007 das „Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerlichen Engagements“ beschlossen. Mit diesem Gesetz sollen das Gemeinnützigkeits- und Spendenrecht großzügiger geregelt und die Spendenbereitschaft von Bürgerinnen und Bürgern unterstützt werden. Das Gesetz bringt unter anderem folgende Verbesserungen: 1. Vereinheitlichung und Anhebung der Höchstgrenzen für den Spendenabzug von bisher 5 % (zur Förderung kirchlicher, religiöser und gemeinnütziger Zwecke) bzw. 10 % (für mildtätige, wissenschaftliche und als besonders förderungswürdig anerkannte kulturelle Zwecke) des Gesamtbetrages der Einkünfte (§ 10b Abs. 1 Sätze 1 und 2 EStG) auf 20 % für alle förderungswürdigen Zwecke. 2. Verdoppelung der Umsatzgrenze für den Spendenabzug. 3. Abschaffung des zeitlich begrenzten Vor- und Rücktrags beim Abzug von Großspenden und der zusätzlichen Höchstgrenze für Spenden an Stiftungen. Dafür Einführung eines zeitlich unbegrenzten Spendenvortrags.


Fördervereine, eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Zoologischen Gärten und Tierparks 4. Senkung des Satzes mit dem pauschal für unrichtige Zuwendungsbestätigungen und fehlverwendete Zuwendungen zu haften ist, von 40 % auf 30 % der Zuwendungen durch die Veranlasser der fehlerhaften Zuwendungen. 5. Einführung einer steuerfreien Pauschale für alle Verantwortungsträger in Vereinen in Höhe von EURO 500,-. 6. Erleichterter Spendennachweis bis EURO 200,-. (Zitat aus dem Gesetz) Eine für unsere Mitglieder wichtige Neuerung ist, dass jetzt den Mitgliedern der Fördervereine freier Eintritt in die Zoos und Tierparks gewährt werden kann, auch wenn sie für die Mitgliedsbeiträge Zuwendungsbestätigungen erhalten. Zitat eines Auszugs aus dem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 10. April 2007 an die Gemeinschaft Deutscher Zooförderer: „Die Bundesregierung hat mit dem Entwurf eines Gesetzes zur weiteren Stärkung des bürgerlichen Engagements vorgeschlagen, durch Verzicht auf die Regelung in § 48 Abs. 4 Satz 2 EStDV zuzulassen, dass auch Mitgliedsbeiträge an Kulturfördervereine – entsprechend auch an gemeinnützige Zoofördervereine – trotz Gegenleistungen (z.B. freier Eintritt) steuerlich abgezogen werden können“.

weltschutzes, des Küstenschutzes und Hochwasserschutzes; Punkt 14: Förderung des Tierschutzes; Wenn z. B. in einem Zoo oder Tierpark Spendenmittel für Futtermittel oder für die Anschaffung für Einrichtungsgegenstände vorgesehen werden, widerspricht das dem Gesetz. In einem solchen Falle haften die Mitglieder des Vorstandes des Vereins gegenüber dem Finanzamt in Höhe von 30 % der fehlerhaften Zuwendung (siehe Punkt 4). Ich schlage allen Fördervereinen vor, ihre Satzungen, die oft viele Jahre alt sind, im Hinblick auf die neuen gesetzlichen Regelungen zu überprüfen.

die Förderung der durch ihre Mitglieder in der Gemeinschaft repräsentierten Einrichtungen, die Förderung des Erfahrungsaustauschs sowie die Unterstützung und überörtliche Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder in der Öffentlichkeit. Die Gemeinschaft verfolgt, wie ihre Mitglieder ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Die GDZ beteiligt sich maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung der im Abstand von zwei Jahren stattfindenden Tagung von Zooförderern aus Österreich, der Schweiz und Deutschland. Verfasser: Siegfried Stauche, Markkleeberg

Die Gemeinschaft Deutscher Zooförderer als Dachverband für die deutschen Zoofördervereine steht natürlich auch den Fördervereinen der Tiergärten, die Mitglieder des Wildgehegeverbandes sind, offen. 48 Fördervereine mit rund 60 000 ehrenamtlichen Zooförderern haben sich bereits in der GDZ zusammengeschlossen. Seit Mai 2008 gehört auch der Förderverein des Tierparks Sababurg Hofgeismar dazu. Die Gemeinschaft will wirkungsvoll die gemeinsamen Interessen ihrer Mitarbeiter vertreten. Dazu gehören insbesondere die Förderung von Natur- und Artenschutz,

Siegfried Stauche (geb. 1934), erlernter Beruf Kaufmann, Studium (Dipl. jur. und Dipl. rer. pol). Von 1976 bis 1991 tätig im Zoologischen Garten Leipzig als Stellvertreter des Zoodirektors. Mitbegründer des Förderkreises des Zoos Leipzig. Seit 1995 Geschäftsführer und seit 1998 Vorstandsvorsitzender des Freundes- und Förderkreises des Zoologischen Gartens Leipzig e. V. Seit 1999 bis Mai 2008 Präsident der Gemeinschaft Deutscher Zooförderer.

Im Folgenden möchte ich noch einige Bemerkungen zur Gemeinnützigkeit und zur satzungsgemäßen und gesetzlichen Verwendung von Spendengeldern machen. Der Gesetzesgeber stellt an die Verwendung von Spendengeldern hohe Anforderungen. Diese Gelder dürfen nur für Zwecke eingesetzt werden, die auf den Freistellungsbescheiden angegeben sind, die die Vereine vom Finanzamt erhalten. Die möglichen Zwecke sind im Gesetz eindeutig geregelt nachzulesen im geänderten Artikel 5 der Abgabenordnung. Für die Zoofördervereine treffen in der Regel 3 Punkte zu: Punkt 7: Förderung der Erziehung, Volksund Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe; Punkt 8: Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes und der Naturschutzgesetze der Länder, des Um-

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Berberaffe zwischen Wildschwein und Hirsch

Berberaffe zwischen Wildschwein und Hirsch Eine Rolle für europäische Wildparks beim Schutz von Europas einziger heimischer Affenart. Auf Gibraltar, dem britischen überseeischen Gebiet im äußersten Süden von Spanien lebt Europas “einzige heimische Affenart”: der Berberaffe (Macaca sylvanus). Einer alten Legende nach werden die Briten Gibraltar verlieren, wann der letzte Berberaffe dort verschwunden ist. Deswegen wurde noch 1942, als nur noch eine handvoll Tiere übrig waren, an den Bestand in Gibraltar Tiere aus Nordafrika hinzugefügt. Die jetzige halbwilde Population von ungefähr 240 Berberaffen auf Gibraltar ist Gegenstand von wissenschaftlicher Forschung und wird intensiv geschützt und betreut. Die Lage ihrer Artgenossen, die am anderen Ufer des Mittelmeeres in freier Wildbahn leben, ist weniger berauschend. Denen muss dringend Hilfe geboten werden, sonst stirbt die Tierart bald aus. Beim Kampf um den Fortbestand der Berberaffen können auch europäische Wildparks eine bedeutende Rolle spielen.

fen in den Zedern- und Eichenwäldern des Mittleren Atlasgebirges. Somit gilt dieses Gebiet heutzutage als das wichtigste Lebensgebiet der Art. Aber auch in der letzten Hochburg der Berberaffen nimmt die Population rasant ab. Jüngste Forschungen zeigen einen Rückgang der Populationsdichte von durchschnittlich 44-70 Individuen pro Quadratkilometer Ende der siebziger, Anfang der achziger Jahre bis zu nur 7-10 Individuen pro Quadratkilometer in 2002, also ein Rückgang bis zu 84%. Einer – sehr optimistischen – Einschätzung zu Folge soll die ganze Weltpopulation der Berberaffen jetzt nicht mehr als 15.000 Individuen betragen. Ursachen Die wichtigste Ursache des Rückgangs der Anzahl Berberaffen in den vergan-

genen Jahrzehnten ist die Vernichtung ihres Lebensraums. Entholzung, Überweidung durch Schafe und Ziegen und in den letzten Jahren auch die Dürre haben der Tierart einen starken Schlag versetzt. Eine zweite wichtige Ursache ist der illegale Handel mit Jungaffen. Neuste Forschung zeigt, dass jedes Jahr schätzungsweise 300 Jungaffen in Marokko zu Handelszwecken gefangen werden. Obwohl das Fangen von und der Handel mit Berberaffen in Marokko verboten sind, ist es für den Touristen ziemlich leicht, um sich auf den Märkten der Großstädte ein Äffchen zu kaufen. Es hat sich erwiesen, dass die Endstation für diese Tiere fast immer Westeuropa ist, wo sie letztendlich als “Haustier” gehalten und als Kinderersatz verhätschelt werden. Die Wildaffenpopulation, die schon durch die Vernichtung ihres

Berberaffen in Gefahr. Freilebende Berberaffen gibt es noch in Marokko und Algerien, aber ihre Anzahl sinkt. In Algerien ist die Tierart auf wenige isolierte Gebiete im Gebirge des Grande und Petite Kabylie zurückgedrängt. In Marokko gibt es im Rifgebirge noch Berberaffen sowie im Hohen Atlas. Wahrscheinlich wohnt dreiviertel der totalen Weltpopulation der BerberafHandel von Berberaffen in Marokko


Berberaffe zwischen Wildschwein und Hirsch Lebensraums stark mitgenommen ist, hält diesen doppelten Druck nicht aus. Der Jungtierfang ist nach Schätzungen 50% höher als die Wildpopulation im Moment verkraften kann. Auffang erwünscht Natürlich sind Berberaffen für die Haustierhaltung ungeeignet. Viele Besitzer wollen dann auch bald wieder ihre Neuanschaffung los werden: das Tier wird weiterverkauft oder einfach auf der Strasse ausgesetzt. Glücklicherweise werden die illegal gehandelten Tiere oft früher oder später von den Autoritäten entdeckt und beschlagnahmt. In allen Fällen ist Auffang nötig. Viele beschlagnahmte oder freiwillig abgegebene Tiere fanden früher schon ihren Weg zu Tiergärten oder Auffangzentren. Mittlerweile haben die meisten von diesen Zentren schon ihre maximale Aufnahmekapazität erreicht. AAP Auffangzentrum für exotische Tiere in Almere, in den Niederlanden, ist eine der wenigen Einrichtungen in Europa, die noch immer Berberaffen aufnehmen kann. AAP, Auffang für exotische Tiere Seit mehr als 35 Jahre beschäftigt AAP sich mit dem Auffang und der Resozialisierung von Primaten. Nach einer gründliche medizinischen Untersuchung werden die Affen, die oft lange Zeit ohne Artgenossen gelebt haben, in die Lage gestellt, sich langsam wieder an ein Leben in einer natürlichen Gruppe zu gewöhnen. AAP funktioniert hierbei als Zwischenstation: für gut funktionierende und stabile Gruppen wird eine feste Bleibe gesucht, normalerweise in Tiergärten. So kommen bei AAP wieder Plätze frei für andere Tiere in Not. Die Resozialisierung ist oft sehr schwer. Nichtsdestoweniger bewirken jahrenlange Erfahrung, Spezialtechniken und ein professionelles Team von Tierärzten, Biologen und Tierpflegern, dass in mindestens 86% der Fälle die Affen wieder mit Erfolg in einer Gruppe leben können.

nahmekapazität von AAP bei weitem, so dass sich eine wachsende Warteliste von Tieren bildet. Ein deutliches Signal für AAP: Auffang alleine reicht nicht mehr. Genauso wichtig ist es, das unterliegende Problem zu lösen und den illegalen Handel von Affen zu unterbinden. 2006 begannen IUCN-Nederland und AAP ein gemeinsames Projekt mit dem Zweck, die Berberaffenproblematik in sowohl Europa als Afrika zu lösen. Ziel des Projekts war das Zurückdringen des illegalen Imports einerseits und der Schutz der Berberaffen und ihres natürlichen Lebensraums andererseits. SOKO Berberaffe In den vergangenen zwei Jahren wurde die Berberaffenproblematik deutlich formuliert. Der Einfluss vom Handel wurde untersucht und die Wildpopulation in Marokko erforscht. Relevante Autoritäten, Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen wurden mobilisiert und zur Zusammenarbeit animiert, und Initiativen zum Schutz von freilebenden Populationen wurden ins Leben gerufen. Auch wurde eine erste Aufklärungskampagne geführt, um Touristen zu warnen keine Äffchen zu kaufen. Außerdem wurden Zollbeamte in der Handhabung der CITESgesetze ausgebildet. Ein Anfang, denn die Probleme der Berberaffen lösen sich nicht über Nacht. Dieses erste

Projekt wird in den kommenden Jahren weiterverfolgt und ausgebaut werden in einem zweiten Projekt, dieses Mal unter der Leitung des WWF sowie der marrokanischen Behörde für Gewässer- und Waldverwaltung. Dauerwohnung gesucht Obwohl die ersten Schritte gemacht sind, um den Berberaffenverkauf nach Europa ein zu dämmen, ist es eine Illusion, dass dieser über Nacht gestoppt werden kann. Es ist damit zu rechnen, dass am Anfang noch jährlich Berberaffen nach Europa geschmuggelt werden. Zur Unterstützung der Autoritäten bei der Einführung von CITES und Tiersschutzgesetzen wird vorerst der Auffang von Berberaffen unentbehrlich bleiben. Ein Zentrum wie AAP kann diese Rolle erfüllen, aber nur dann, wenn es auch genügend Möglichkeiten gibt um Gruppen resozialisierter Berberaffen woanders dauerhaft unter zu bringen. Glücklicherweise nimmt das Interesse der europäischen Tiergärten am Schicksal der Berberaffen deutlich zu! Eine Rolle für europäische Wildparks Hinsichtlich des historischen und heutigen Verbreitungsgebietes der Berberaffen würde die Art auch ganz gut zu den Beständen der auf europäische Fauna orientierten Wildparks passen.

Mehr als lediglich Auffang Berberaffen werden schon lange regelmässig zur Aufnahme angeboten. Seit 2002 aber steigt die Zahl der Anfragen mit bis zu jährlich circa 50 Aufnahmenanträgen. Diese Zahl übersteigt die Auf-

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Berberaffe zwischen Wildschwein und Hirsch In den wärmeren Zeitabschnitten des Pliozän und Pleistozän bewohnten die Berberaffen ja auch Europa, während die jetzige – wiedereingeführte – Population auf Gibraltar minimal auf das

ein kräftiges Signal abgegeben. In der Praxis sind Berberaffen relativ leicht zu haltende Primaten: sie brauchen kein spezielles Futter und vertragen das westeuropäische Klima ganz gut, auch den Winter. Berberaffe zwischen Wildschwein und Hirsch, eine Überlegung wert! Für weitere Auskünfte, das Bestellen eines Aufklärungspakets über die Berberaffenproblematik oder mit Fragen über die Möglichkeit zur Aufnahme einer resozialisierten Gruppe k��nnen Sie sich wenden an: AAP Sanctuary for Exotic Animals Geert Jonkers Postfach 50313 1305 AH Almere, Niederlande

Besucher bei einer Führung zu den Berberaffen im Zoo.

Literatur achtzehnte Jahrhundert zurückgeht. Mit der Aufnahme einer Gruppe geretteter Berberaffen in den Bestand nimmt ein Wildpark eine attraktive Tierart auf nebst einem wahrhaften Vertreter des Tier- und Naturschutz: denn wie bringt man diese Problematik besser und eindringender ins Rampenlicht als an Hand einer Gruppe von Tieren wovon jedes Einzelne Opfer von undurchdachtem menschlichem Handeln gewesen ist? Ein Park, der eine Gruppe aufnimmt, trägt auf diese Weise auch dazu bei, dass die Tier- und Artenschutzgesetze

Camperio Ciani, A., Palentini, L., Arahou, M., Martolini, L., Capiluppi, C., Mouna, M., 2005. Population decline of Macaca Sylvanus in the middle atlas of Morocco. Biological Conservation 121: 635-641 Hodges, J.K. & Cortes, J., (ed.), 2006. The Barbary Macaque: Biology, Management and Conservation. Nottingham University Press

Lavieren van, E. (2004). The illegal trade in Moroccan Barbary macaques (Macaca sylvanus) and the impact on the wild population. MSc Thesis Oxford Brookes University, unpublished. Lindburg, D.G., (ed.), 1980. The Macaques: Studies in ecology, behavior and evolution. Van Nostrand Reinhold Company. Segesser, F. Von, Menard, N., Gaci, B., Martin, R.D., 1999. Genetic differentiation within and between isolated Algerian subpopulations of Barbary macaques (Macaca sylvanus): evidence from microsatellites. Molecular Ecology 8: 433-442 Sharwood Smith, A., 2006. Optimalising the Role of Animal Rescue Centres by Researching the Source of the Problem. Animals, Zoos and Conservation, Zoological Garden in Poznan. pp. 111-117. Taub, D.M., 1977. Geographic distribution and habitat diversity of the barbary macaque Macaca sylvanus L. Folia Primatologica 27: 108-133 Verfasser: Geert Jonkers AAP Sanctuary for Exotic Animals geert.jonkers@aap.nl

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Berberaffen. Eine bedrohte Tierart.

ausgeführt werden. Jeder Berberaffe, dem ein dauerhaftes Obdach geboten wird, hinterlässt einen Auffangsplatz für ein weiteres beschlagnahmtes Tier. Somit wird nicht nur ein Individuum aus einer elenden Lage befreit, aber es wird auch in Richtung potentielle Neukäufer

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30 Jahre Elchhaltung (Alces alces alces) im Münchener Tierpark Hellabrunn

30 Jahre Elchhaltung (Alces alces alces) im Münchener Tierpark Hellabrunn Zusammenfassung Im Münchener Tierpark Hellabrunn wurden in den letzten 30 Jahren 70 Elche nachgezüchtet. Diese Erfolge sind vor allem einer Futterumstellung vor zehn Jahren und der Dauerbehandlung von Trichuris mit 400 ppm Fenbendazol (400mg Fenbendazol/1kg Pellets) zu verdanken. Haupverlustursache ist die Jungtiersterblichkeit, bei den Infektionskrankheiten dominieren Clostridien und BKF. Dosierungsempfehlungen für die Immobilisation mit Immobilon/Xylazin und Hellabrunner Mischung werden gegeben. Einleitung Die Nord-Elche gehören zur Gattung der Trughirsche, die sich unter anderem durch das Fehlen von Augsprosse und Tränengrube auszeichnen. Sie haben eine breite, überhängende Oberlippe und das männliche Tier einen Hautsack an der Kehle. Die eigentümliche Oberlippe verleitete den Geschichtsschreiber Plinius (23-79 n. Chr.) zu der Annahme, der Elch könne nur grasen, indem er rückwärts liefe. Im „Gallischen Krieg“ äußert Julius Caesar die Vermutung, Elche hätten keine Kniegelenke und könnten im Falle eines Sturzes nicht mehr ohne Weiteres aufstehen. Die Lebenserwartung des Elches liegt zwischen 16 und 20 Jahren, das Körpergewicht liegt zwischen 250kg bei weiblichen und 700kg bei männlichen Tieren. Elche sind tagaktive Einzelgänger und in Bayern seit 1745 nicht mehr als Standwild, sondern nur als passagere Einzelgänger gesichtet. In Hellabrunn werden

Nord-Elche seit 1972 gehalten. Gehegegestaltung Die grasbewachsene Außenanlage umfasst eine Fläche von ca. 50x75m und ist zu 2/3 von einem Wassergraben umgrenzt. Gute Akzeptanz findet ein Benjeshaufen; ein Baumschutz ist wichtig. Vier separate Vorgehege mit Unterstand, Heuraufe, Futterbarren und Tränke sind durch einen 2,30m hohen Zaun mit einer Maschenweite von 5x15cm unterteilt, arretierbare Verbindungstüren sind vorhanden. In diesen durchschnittlich 6x10m großen Vorgehegen besteht der Bodenbelag aus Kopfsteinpflaster und einem Sand-Kiesgemisch. Fütterung Von grundlegender Bedeutung für die Elchhaltung ist die richtige Fütterung der Tiere. In freier Wildbahn reflektieren Umbauvorgänge im Verdauungsapparat die jahreszeitlich unterschiedlichen Futterqualitäten. Während des Sommers ist der Elch ein Konzentratselektierer, der vor allem leichtverdauliche, nährstoffreiche Nahrung zu sich nimmt, z.B. Knospen, Blätter, Beeren und Wasserpflanzen. Im Winter dagegen nutzt das Elchwild Rohfaser zur Erhaltungsdiät und fährt somit eine Stickstoffnegative Energiebilanz. Es dominiert dann die Aufnahme von Koniferenrinde, Birke, Föhre, Blaubeerreisig, Erika und Kieferntrieben. Im Tierpark erhalten die Tiere folgende Ration pro Tier und Tag: • 1800g Pellets

• • • • • • •

2000g 1500g 1500g 1000g 750g 400g 200g

Grascobs Bananen gekochte Kartoffeln Rübenschnitzel trocken Quetschhafermischung Apfeltrester Mineralpellets

Diese Ration wird auf 2 Fütterungen pro Tag verteilt. Zusätzlich erhalten die Tiere Luzerne und Heu ad lib., im Sommer • Gras • Äste: (Sal-)Weide, Ahorn, Hasel, Tanne, Fichte • Salzleckstein Die Pellets enthalten: • 13,5% Rohprotein • 20,9% Rohfaser • 3,1% Rohfett • 6,9% Rohasche • 2,0% Calcium • 0,8% Phosphor und eine Vitaminvormischung. Die Mineralpellets enthalten 8% Calcium und 2% Phosphor. Wichtig ist die gut strukturierte Rohfaser, sonst kommt es zu einer Azidose. Bei Eiweißüberfütterung besteht die Gefahr einer Alkalose und übermäßigem Klauenwachstum. In Hellabrunn war eine Klauenpflege seit Umstellung der Fütterung vor ca. zehn Jahren nicht mehr notwendig. Parasitologische Überwachung Bei der Elchhaltung in Gehegen kommt der Bekämpfung von Parasitosen eine

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30 Jahre Elchhaltung (Alces alces alces) im Münchener Tierpark Hellabrunn zentrale Bedeutung zu. Routine-Kotuntersuchungen finden bei adulten Tieren zweimal jährlich statt, bei den Jungtieren werden alle zwei Monate koproskopische Untersuchungen durchgeführt. Als wichtigster Parasit sei hier nur der Peitschenwurm (Trichuris) genannt. Die Symptome bestehen in chronischem Durchfall, Abmagerung und Anämie. Es ist ein massiver Befall möglich, ohne daß Eier im Kot nachgewiesen werden! Die Therapie besteht in der Gabe von 15mg/ kg KGW Fenbendazol oral an 15 aufeinanderfolgenden Tagen. Langfristig wurde die Trichuris- Problematik durch die ganzjährige Dauergabe von Fenbendazol gelöst. Dabei erhalten die Tiere permanent • 2mg/kg KGW Fenbendazol oral in Pellets, entsprechend • 400mg Fenbendazol/ kg Pellets, z.B. 10kg Panacur 4%® in 1 Tonne Pellets. Im Sommer stellen offene Verletzungen eine große Gefahr für Fliegenlarvenbefall dar, auch bei Durchfallkälbern kann es zu einer Myiasis kommen. Impfungen Die Tiere werden 1x jährlich gegen Clostridien schutzgeimpft, Impfdosis sind 5ml Covexin/8®. Die Impfung findet vorzugsweise im April statt, da somit auch die Jungtiere durch das Kolostrum mit passivem Schutz versorgt werden. Die Jungtiere werden durch eine zweimalige Impfung grundimmunisiert (August und Oktober).

Zucht - Allgemeine Daten Nord-Elche sind ab 18-30 Monaten geschlechtsreif, männliche Tiere erst etwas später zuchtreif. Die Brunft findet im (September-) Oktober statt, zu dieser Zeit sind die Bullen sehr aggressiv und nehmen kein Futter auf. Die Trächtigkeitsdauer beträgt 225-245 Tage, also ca. 8 Monate, und bei guter Kondition überwiegen Zwillingsträchtigkeiten. Auch führende Kühe sind sehr aggressiv. Das Geweih der Bullen kann individuell unterschiedlich als Schaufel- oder Stangengeweih ausgebildet sein. Es wächst ab April, wird im September verfegt und im Januar/Februar abgeworfen. Die Stangen haben ein durchschnittliches Gewicht von 12- 15 kg. Nachzucht in Hellabrunn Im Münchener Tierpark Hellabrunn wurden seit 1977 insgesamt 70 Jungtier geboren. (Abb 1)

wärtsbewegung des Kopfes hindurchfädeln kann. Damit wird den Kühen ein Ausweichen ermöglicht. Je nach Charakter des Bullen kann es trotzdem notwendig sein, das Geweih mit einer Drahtsäge abzusetzen, um Forkelverletzungen bei den Kühen zu vermeiden. Nach der Geburt werden die Mütter mit den Jungtieren für ca. 14 Tage in verschiedenen Vorgehegen separiert, da es einerseits zwischen diesen zu Auseinandersetzungen kommen kann und andererseits, um die Jungtiere zuverlässig medizinisch versorgen zu können. Betreffend der Jungtierbetreuung erhalten die Kälber am zweiten Lebenstag 4ml VitaminE/Selen s.c. zur Prophylaxe der Weißmuskelkrankheit. Dabei wird auch der Nabel desinfiziert und ein Transponder gesetzt. Die ersten zehn Lebenstage wird den Kälbern 1x täglich eine stallspezifische E.Coli-Schluckvakzine verabreicht, die dankenswerterweise von Prof.

Nachzucht im Münchener Tierpark Hellabrunn 1977-1999

28 Geburten

+ 15 Tiere Jungtiermortalität (47%)

Nach Umstellung von Pfleger und Fütterung 1999-2007

+ 10 Tiere Jungtiermortalität (25%) vor allem witterungsbedingt

42 Geburten (4-6/Jahr)

Abb 1: Geburten im Münchener Tierpark Hellabrunn (1977 - 2007)

Während der Brunft sind die Verbindungstüren zwischen den Vorgehegen („Hochzeitsgitter“) so arretiert, daß die Kühe diese gut passieren können, der Bulle jedoch sein Geweih nur durch Seit-

Baljer/Universität Gießen herstellt wird. Die künstliche Aufzucht ist mit kommerzieller Lämmermilch möglich, dabei werden 200g Milchpulver in 1l Wasser eingerührt. Cave, bei männlichen Kälbern kann es zu einer Fehlprägung kommen. Wenn bei den Jungtieren Durchfall auftritt, empfiehlt sich die Gabe von Sulfonamiden/ Antibiotika parenteral, Styptika und Paramunitätsinducern. Krankheiten und Todesfälle Zwischen den Jahren 1977 und 2007 wurden 35 Todesfälle mit folgendem Ergebnis untersucht: • 12 Tiere: Jungtiermortalität • 10 Tiere: Infektionskrankheiten • 4 Tiere: Bösartiges Katarrhalfieber • 4 Tiere: Clostridien • 1 Tier: Paratuberkulose • 1 Tier: Pneumonie, Hepatitis • 4 Tiere: Traumata • 3 Tiere: Parasiten • 3 Tiere: Transport


30 Jahre Elchhaltung (Alces alces alces) im Münchener Tierpark Hellabrunn • 2 Tiere: Mißbildungen • 1 Tier :Narkosezwischenfälle Als wichtigste bakterielle Krankheitserreger sind Clostridien zu nennen, die eine hochakut verlaufende Enterotoxämie verursachen können. Coli- Bazillosen führen häufig zu Verlusten bei den Jungtieren. Neuzugänge und kachektische Tiere sind unbedingt mittels Intrakutantest auf Tuberkulose zu testen, und die Paratuberkulose stellt, wenn endemisch, eine große Bedrohung des Bestandes dar. Auch Brucellose und Salmonellose können auftreten. Bei den viralen Erkrankungen zeigte das Bösartige Katarrhalfieber im Tierpark Hellabrunn immer wieder v.a. bei gut entwickelten Bullen einen akuten letalen Verlauf. Elche sind ebenso empfänglich für BVD/MD, MKS und Blauzungenkrankheit. Immobilisation In Hellabrunn wurden in den letzten 35 Jahren 150 Narkosen durchgeführt, anhand derer die folgenden Dosierungsempfehlungen gegeben werden können: 1. Immobilon®/ Xylazin (75 Narkosen) Adulte Tiere Bulle 1,5ml Immobilon® + 10mg Xylazin Kuh 1,2ml Immobilon® + 10mg Xylazin Juvenile Tiere 0,4-0,8ml Immobilon® + 5 mg Xylazin Antidote 1,3fache Menge Revivon® i.v. 2. „Hellabrunner Mischung“ = HM (69 Narkosen) Adulte Tiere 2,0- 2,5 ml HM Juvenile Tiere 1,0- 1,7 ml HM Antidote 1,5fache Menge Antisedan® i.m. + 5 ml Effortil® s.c. 3. Carfentanyl (6 Narkosen) Tiere mit ca. 250 kg KGW 0,9 mg Carfentanyl + 10mg Xylazin Für LM-liefernde Tiere nicht zugelassen: Immobilon®, Revivon®, Carfentanyl, Antisedan®, Effortil®, Acepromazin, Perphenazin.

verzeichnen. Zur Narkosevorbereitung lässt man die Tiere fasten, berücksichtigt Gefahrenquellen, Außentemperatur, und vermeidet vor allem anderen Stress durch Beunruhigung der Tiere, der sich als Stoffwechselstörung („Capture Myopathie“) manifestieren kann, die oft tödlich endet. Als Prämedikation vor einem Transport können ein Einzeltier oder die ganze Gruppe mit Acepromazinmaleat medikiert werden, in einer Dosierung von 0,5mg/kg KGW oral eine Stunde vor einer Narkose oder 0,2mg/kg KGW i.m. per Blasrohr 40 Minuten vor dem Verladen ohne Narkose. Zur Eingewöhnung von Tieren in neuen Gehegen oder Gruppen empfiehlt sich unbedingt die Verabreichung eines

„Long Acting Neuroleptikums“ (Perphenazin, 0,65mg/kg KGW i.m.). Dies wirkt für 1-7 Tage und vermindert Angstund Streßreaktionen beim Tier erheblich. Schlußbetrachtung Für die Elchhaltung in Gehegen ist die Fütterung von zentraler Bedeutung. Die konsequente Dauerbehandlung von Trichuris ist dabei essentiell. Die medizinische Überwachung der Jungtiere erfordert besondere Sorgfalt. Immobilisation und Transport sind unproblematisch, dabei muß Streß aber unbedingt vermieden werden. Verfasser: H. Wiesner, J. Maltzan , B. Köhler, C. Kempter (Münchener Tierpark Hellabrunn)

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Natürliche Lebensräume aus Oberfranken - die Baumeister für Elefanten, Affen und Co.

Natürliche Lebensräume aus Oberfranken die Baumeister für Elefanten, Affen und Co. Der staunende Tiergartenbesucher steht inmitten einer subtropischen Landschaft und taucht in eine Erlebniswelt ein, die bis vor ein paar Jahren kein zoologischer Garten anbieten konnte. Moderne Tiergärten und Zooanlagen stehen immer mehr im Brennpunkt wenn es darum geht einer artgerechten Tierhaltung und den Anforderungen aller Besucher, Forscher und dem Pflegepersonal gerecht zu werden.

Tropen-Aquarium im Tierpark Hagenbeck

In Deutschland, aber auch zunehmend im europäischen Ausland hat sich das Unternehmen, die Firma KaGo & Hammerschmidt, für derlei Spezialaufgaben und Bauprojekte einen Namen gemacht. Ob es um den kompletten Neubau eines Tropenhauses, den Neubau eines Elefantenhauses oder die Restaurierung

eines historischen Gehegebestandteils geht, die Spezialisten aus dem oberfränkischen Wunsiedel stehen für die fachgerechte Planung, Ausführung und Wartung der komplexen Baubestandteile. Eine typische Aufgabenstellung für die Planer bei KaGo & Hammerschmidt erreichte das Unternehmen im November 2006: Das Tropen-Aquarium des Tierparks Hagenbeck sollte komplett neu gestaltet werden. Natürlich sollten bei dieser Gelegenheit komplexe Lebensräume mit Kunstfels- und Baumstrukturen sowohl über als auch unter Wasser, nachgebildet werden. Um die Attraktivität für die Tierparkbesucher zu steigern standen eine künstliche Bergbaumine und ein versunkenes U-Boot noch ganz oben auf der Wunschliste der Auftraggeber. Dass dabei noch diverse Tierarten in 18 Gehegen und viele Verbindungsgänge, Brücken, Wände und Decken zu bedenken waren, machte es den Planern nicht leichter. Nach einer 10 wöchigen Planungsphase haben 18 Mitarbeiter von KaGo & Hammerschmidt und viele Tonnen Baumaterial die Arbeiten in Hamburgs renommiertesten Tiergarten aufgenommen. Es galt Kunstfelsen zu formen und zu modellieren. Die Felslandschaft wurde mit Kunstpalmen, künstlichen und echten Wurzelbäumen zu einem der modernsten Tropen-Aquarien der Welt zusammengeführt. Die aufwendigen Felsland-

schaften werden in Spritzbetontechnik und kunstvollen Kolorierungen gefertigt. Dabei entstehen so täuschend echt aussehende Gebilde, dass so mancher Besucher erstaunt dreinblickt, wenn er erfährt, dass es sich um Arbeiten aus Betonwerkstoffen handelt. Feuchtigkeit, die bakteriellen Eigenheiten der tropischen Wasserbecken und viele weitere “Unwägbarkeiten” gilt es bei der Planung und beim Bau solcher Gehege zu beachten, damit die zukünftigen “Bewohner” auch lange Jahre einen artgerechten Lebensraum vorfinden können. Und wenn sie schon mal da sind... ... könnte doch das neue Elefantenhaus und unsere historische Felsenlandschaft auch komplett überarbeitet werden. Hinter dieser, selbstverständlich scherzhaften Beschreibung, verbergen sich zwei weitere sehr große Bauabschnitte

Nachgebildete Felsstrukturen im Tierpark Hagenbeck


Natürliche Lebensräume aus Oberfranken - die Baumeister für Elefanten, Affen und Co. in der Hagenbeck-Gesamtplanung. Das Unternehmen KaGo & Hammerschmidt zeichnet nämlich auch für die Ausgestaltung des Elefantenhauses im Stile eines indischen Tempels, inkl. indischer Säulen, filigranen Skulpturen, Mauerbruchstücken und vielen aufwendigen Kunstfelsenformationen. Das neue Elefantenhaus entführt den Besucher in eine indische Erlebniswelt aus Springbrunnen, Säulen und Ornamenten. Hier ein paar der beeindruckenden Rahmendaten zum Umbau des Tierpark Hagenbeck in Hamburg: • Das Gesamtvolumen betrug 4000qm zu bebauender Fläche. • Die neuen Bäume sind an ihrer höchsten Stelle bis zu 8m hoch. Wie kommt Alaska und Afrika nach Gelsenkirchen? Im Grunde ganz einfach: Auch hier wurden die Tiergehege-Spezialisten von KaGo & Hammerschmidt zu Rate gezogen.

Fels- & Wasserlandschaft in der Erlebniswelt Gelsenkirchen

mermodifizierte Glasfaserbeton-Platten zum Einsatz. Hierfür werden natürliche Felsformationen als “Schablonen” verwendet und vervielfältigt. In knapp 1½ Jahr realisierten in Spitzenzeiten bis zu 50 Mitarbeiter eine Vielzahl von Höhlen, Felsen, Gebirgszügen und Lebensräumen für die Bewohner “Afrikas” und “Alaskas”. Der Tiger möchte es gerne genauso “kuschelig” wie zuhause Was den Gelsenkirchner Bewohnern “Afrikas” und “Alaskas” gerade recht ist, ist dem Tiger in Wuppertal gerade billig. Für dessen neues Zuhause hatten die Wunsiedler Spezialisten eine besonders schwere Nuss zu knacken. Der natürliche Lebensraum der Tiger sollte sich natürlich auch in der Nachbildung der Originalgesteinsart, der “Grauschwacke” wiederfinden.

Robben in der Erlebniswelt Gelsenkirchen

Die Aufgabe war für die KaGo & Hammerschmidt-Planer eine gewaltige: In der Erlebniswelt Gelsenkirchen kann man innerhalb kürzester Zeit durch alle Kontinente unseres Erdballs “reisen” um die Tiere der jeweiligen Regionen in ihrem natürlichen Lebensraum zu besuchen. Die Region “Alaska” und der Kontinent “Afrika” wurden mit nahezu 10.000 Quadratmetern Kunstfelsen neu erbaut. Nach dem Umbau “eroberten” Eisbären, Robben und weitere Bewohner “Alaskas” ihr neues Zuhause über und unter Wasser. Bei der Ausführung der riesigen Kunstfelsanlagen kamen überwiegend poly-

Ihnen reichen detaillierte Fotografien und Zeichnungen der Gesteinsarten aus um die Felsformationen “von Hand” zu gestalten. Unter den erfahrenen Händen der Modelleure und Colloratoren entstand aus glasfasermodifiziertem Beton eine natürliche Felsenoptik, die sich nahtlos in die bestehende Stein und Felsenstruktur einfügt. Das Fazit für die Tiger im Zoo Wuppertal: Es sieht alles genauso aus wie in der Heimat. Da fühlen wir uns tigerwohl. Kreativität, hohes handwerkliches Geschick, Qualität und Zuverlässigkeit bilden die Grundfesten der Unternehmensphilosophie der Firma KaGo & Hammerschmidt. Gerade diese Kriterien und ein entsprechendes Vertrauen der anspruchsvollen Kunden haben das Unternehmen zu einem der Marktführer im Bereich „Kunstfelsbau” aufsteigen lassen. Weitere Informationen zu diesen und anderen Projektbeispielen finden Sie unter www.kagotop.de Verfasser: Jörg Schmidt-Stein (Marketing/PR)

Anbieterinformation: KaGo & Hammerschmidt GmbH Bayreuther Straße 20 D-95632 Wunsiedel/Schönbrunn Internet www.kagotop.de

Nachbildung seltener Gesteinsarten im Zoo in Wuppertal

Das Problem: Es gibt keine Originalabgüsse dieser seltenen Gesteinsart. Ein Problem zwar, aber nicht für die Modelleure von KaGo & Hammerschmidt.

Telefon (0 92 32) 8 81 91-0 Telefax (0 92 32) 8 81 91-22 eMail info@kagotop.de Ansprechpartner Klaus Gohl & Kai Hammerschmidt

Fachzeitschrift des Deutschen-Wildgehege-Verbandes e.V.

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Eröffnung des deutschlandweit ersten „GeschenkeWaldes®“ im Wildpark Eekholt

Offizielle Eröffnung (durchschneiden des Bandes (v.l.n.r.) Wolf v. Schenck (Wildpark Eekholt), Hans-Peter Sager (stellv. Landrat Segeberg), Theda Hatlapa (Wildpark Eekholt), Dr. Wolf Kursawe (Geschenkewald)

Eröffnung des deutschlandweit ersten „GeschenkeWaldes®“ im Wildpark Eekholt Ein wichtiges Ziel des Wildparks Eekholt ist nicht nur die Gewinnung neuer Besucher, sondern die langfristige Bindung dieser Besucher an den Park. Im Wildpark Eekholt gibt es deshalb eine klare Besuchergewinnungs- und -bindungsstrategie. Die Vermarktung von Jahreskarten spielt dabei eine große Rolle. Eine hohe Bedeutung haben aber auch die Tierpatenschaften. Die Patenschaften vergeben wir jeweils für eine Tierart mit jährlichen Patenschaftsbeiträgen zwischen 20 und 350 EURO. Mittlerweile gewinnen wir pro Jahr zwischen 300 und 400 Paten, die sich auf diese Weise engagieren und eng mit dem Wildpark verbunden fühlen.

Enthüllung des Geschenkewald-Schildes durch (v.l.n.r.) Theda Hatlapa (Wildpark Eekholt), Dr. Wolf Kursawe (Geschenkewald), Wolf v. Schenck (Wildpark Eekholt)

Die Idee mit den Patenschaften haben wir jetzt erweitert. Im Wildpark Eekholt hat am 22. Mai 2008, begleitet von hohem

Medieninteresse, der erste GeschenkeWald® in Deutschland eröffnet. Als Kooperationspartner der Firma Geschenkewald® (www.geschenkewald.de) bieten wir jetzt Patenschaften für Bäume an. Die Vorgehensweise ist ähnlich wie bei den Tierpatenschaften.

einen Bereich im Herzen des Wildparkareals ausgewählt, in dem zukünftig keine Gehege geplant sind.

Besucher können sich selbst oder anderen einen speziellen Baum symbolisch zum Geschenk machen. Die Anlässe sind dabei äußerst vielfältig: angefangen vom Geburtsbaum über Taufbaum, Verlobungs- und Hochzeitsbaum bis hin zum Klima- oder Naturschutzbaum können bestehende Bäume ausgewählt oder Neue angepflanzt werden. Der Schenkende übergibt somit einen ausgesuchten Baum als Begleiter an den ihm nahe stehenden Menschen. Von je her haben Menschen eine hohe Affinität zu Bäumen. Ein lebender Baum symbolisiert durch seine Veränderungen im Jahresablauf eine immerwährende Verwandlung und zugleich Beständigkeit. So wie sich der Mensch im Laufe der Jahre verändert, so verändert sich auch ein Baum. Die Laufzeit für eine Patenschaft beträgt zwischen 10 und 99 Jahren. Der Pate erwirbt den Baum zwar nicht, sichert ihm aber einen Bestand für die Dauer der Patenschaft zu. Wichtig ist, die langen Laufzeiten der Patenschaften im Blick auf die Planung zukünftiger Gehege im Auge zu behalten. Im Wildpark Eekholt haben wir deshalb

Junge und Birke

Gleichzeitig sind hier fast alle heimischen Baumarten vertreten. Jeder kann sich deshalb „seinen“ Lieblingsbaum ganz nach seinem Geschmack auswählen. Wenn ein Baum aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss oder im Sturm umfällt, wird dem Paten für die Restlaufzeit ein alternativer Baum als Ersatz gestellt. Viele der Bäume im Wildpark Eekholt hat der Gründer des Wildparks, Dr. h.c. Hans-Heinrich Hatlapa, übrigens selbst gepflanzt. Für jeden Baum wird nur eine Patenschaft vergeben. Sichtbar wird diese enge und


Eröffnung des deutschlandweit ersten „GeschenkeWaldes®“ im Wildpark Eekholt langjährige Verbundenheit durch ein am Baum angebrachtes Schild, dass den Namen des Paten und die Art der Patenschaft beinhaltet.

onale Vermarktung, die Einrichtung des GeschenkeWaldes® und die laufenden Verwaltungsarbeiten. Im Einzelnen wurden 250 Bäume ausgewählt, mit Nummern gekennzeichnet, ausgemessen und erfasst, Flyer gedruckt und ein Heinweisschild erstellt. Mit 70% der Einnahmen erhält der Wildpark damit einen relativ hohen Anteil, der bei Übernahme aller Veraltungsarbeiten durch den Park noch auf 80% erhöht werden kann. Man sollte den administrativen Aufwand allerdings nicht unterschätzen, der sich aus einer guten Betreuung der Paten ergibt. Sowohl die Presse-Resonanz als auch die Besucher-Resonanz auf den GeschenkeWald® ist äußerst positiv und in den ersten Tagen wurden bereits mehrere Paten gewonnen.

Die Baumpatenschaft - eine herzliche Verbindung

Die Patenschaftsbeträge sind abhängig von der Laufzeit und dem Brusthöhendurchmesser (BHD) des jeweiligen Baumes.

Die Firma GeschenkeWald® eröffnet momentan in verschiedenen Bundesländern GeschenkeWälder® und ist an weiteren besonders attraktiven Standorten interessiert.

Einen Teil des Erlöses (30%) erhält die Firma GeschenkeWald® für die überregi-

Viele Tier- und Wildparks haben einen jahrhundertealten oder einzigartigen

Baumbestand, der sicherlich viele Freunde und Paten finden könnte. Verfasser: Wolf v. Schenck, Geschäftsführer Wildpark Eekholt

Doris und Michael Rothe mit „Ihrem“ Baum

Anbieterinformation: GeschenkeWald® Dorfstraße 52 24326 Dersau www.geschenkewald.de Telefon (0 45 26) 3 39 78 81 eMail mail@geschenkewald.de Ansprechpartner Dr. Wolf Kursawe

Preisübersicht GeschenkeWald® Brusthöhendurchmesser in cm

bis 10 Jahre

bis 25 Jahre

bis 50 Jahre

bis 99 Jahre

bis 4,99

29,75 Euro

59,50 Euro

89,25 Euro

119,00 Euro

5,0 bis 9,99

44,63 Euro

89,25 Euro

133,88 Euro

178,50 Euro

10 bis 19,99

74,38 Euro

148,75 Euro

223,13 Euro

297,50 Euro

20,0 bis 29,99

148,75 Euro

297,50 Euro

446,25 Euro

595,00 Euro

30,0 bis 39,99

223,13 Euro

446,25 Euro

669,38 Euro

892,50 Euro

40,0 bis 49,99

297,50 Euro

595,00 Euro

892,50 Euro

1.190,00 Euro

50,0 bis 59,99

446,25 Euro

892,50 Euro

1.338,75 Euro

1.785,00 Euro

60,0 bis 69,99

595,00 Euro

1.190,00 Euro

1.785,00 Euro

2.380,00 Euro

70,0 bis 79,99

743,75 Euro

1.487,50 Euro

2.231,25 Euro

2.975,00 Euro

80,0 bis 89,99

892,50 Euro

1.785,00 Euro

2.677,50 Euro

3.570,00 Euro

90,0 bis 99,99

1.041,25 Euro

2.082,50 Euro

3.123,75 Euro

4.165,00 Euro

über 100,00

1.190,00 Euro

2.380,00 Euro

3.570,00 Euro

4.760,00 Euro

Fachzeitschrift des Deutschen-Wildgehege-Verbandes e.V.

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Jahreshauptversammlung und die Vorstandswahlen des Deutschen Wildgehegeverbandes e. V.

Vordere Reihe von links nach rechts: Eckhard Wiesenthal, Karola Wendschuh, Claudia Schuh Hintere Reihe von links nach rechts: Verbandssekretär Norbert Michel, Karl Görnhardt, Dr. Wolfgang Fröhlich

Jahreshauptversammlung und die Vorstandswahlen des Deutschen-Wildgehege-Verbandes e. V. Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung während der Jahrestagung (12.02. bis 15.02.2008) im Wildgehege Hellenthal wurden 57 Mitglieder vom kommissarischen Vorsitzenden Eckhard Wiesenthal begrüßt. Im Rahmen seines ausführlichen Vorstandsberichts gab Herr Wiesenthal folgende Veränderungen im Vorstand bekannt: Vorstandsmitglied Dr. Heyter hat sein Amt Anfang 2007 aufgegeben. An seine Stelle wurde Frau Karola Wendschuh vom Vorstand gewählt. Ebenso hat Herr Dr. Müller seinen Vorsitz im Verband aufgegeben. Bis zur Wahl des Vorsitzenden in der Mitgliederversammlung wurde der kommissarische Vorsitz durch Herrn Eckhard Wiesenthal, gemäß Beschluss des Vorstandes, übernommen. Der kommissarische Vorsitzende berichtete anschließend über die Abschlusstagung der Phase I des Projektes „Umweltbildung in Wildparks“ in Osnabrück, den drei Treffen der Verbandsvorstände, dem Treffen der Luchs-AG und der Teilnahme am Arbeitskreis „Überpopulation von Gehegetieren“ des VDZ. Geschäftsführer Arne Vaubel gab einen Bericht über die gute finanzielle Lage des Verbandes und den weiterhin erfreulichen Mitgliederbestand von 146 Mitgliedern, davon 100 Wildgehege. Die Kassenprüfer Herr von Schiller und Herr Menzel bescheinigten der Ge-

schäftsführung, dass sämtliche Unterlagen und Kassenbücher ordnungsgemäß und vorbildlich geführt wurden. Weitere Tagesordnungspunkte der Mitgliederversammlung waren die Änderung der Satzung, Berichte über die bisherigen Projektunterstützungen des DWV, dem Stand des Prädikats für Umweltbildung in Wildparks, des Amphibienprojektes und unter Verschiedenes die Möglichkeiten der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit. Der bisherige Geschäftsführer Arne Vaubel und der bisherige zweite Vorsitzende Graf zu Ortenburg sowie der Vorsitzende des wiss. Beirates Prof. Dr. Dr. Pohlmeyer standen für eine Wiederwahl zum Vorstand nicht mehr zur Verfügung. Die Wahlen zum Vorstand wurden durch Ehrenmitglied Horst Niesters geleitet und brachten folgendes Ergebnis: Gewählt wurden auf Vorschlag: - erster Vorsitzender: Eckhard Wiesenthal - Geschäftsführer: Karl Görnhardt, Tierpark Sababurg

auf der Vorstandssitzung am 14.03.2008 zum zweiten Vorsitzenden des DWV e.V. und satzungsgemäß aus den Reihen des Beirates wurde Prof. Dr. H. Wiesner zum neuen Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirates gewählt. Ein besonderer Dank muss an die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Dr. Heyter, Dr. Müller, Graf zu Ortenburg, Arne Vaubel und Prof. Dr. Pohlmeyer ausgesprochen werden für langjährige Übernahme der ehrenamtlichen Tätigkeit im Sinne des DWV. Besonders ist aber an dieser Stelle das Engagement des scheidenden Geschäftsführers Arne Vaubel sowie der Verbandssekretärin Joanna Kalisz zu erwähnen, die die DWV-Geschäftsstelle trotz vielfältiger Aktivitäten, insbesondere durch die Herausgabe der DWV-News, hervorragend geführt, Veranstaltungen optimal organisiert und für ein solides finanzielles Gerüst gesorgt haben. Verfasser: Karl Görnhardt, Tierpark Sababurg

Wiedergewählt wurden: - Beisitzerin: Karola Wendschuh, Wildpark Hundshaupten - Beisitzer: Dr. Wolfgang Fröhlich, Wildpark Knüll - Beisitzerin: Claudia Schuh, Bayerwald Tierpark Lohberg Zwischenzeitlich wurde Dr. W. Fröhlich Eckhard Wiesenthal mit dem Europäischen Seeadler in der Greifvogelstation Hellenthal.


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WildTierZeit 1/2008