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Die Wanderfabrik Mobile Low-Tech-Produktion


Dokumentation von Sascha Henken (1. Semester MA) und Amelie GoldfuĂ&#x; (7. Semester BA) open...design?! Semesterprojekt bei Prof. Guido Englich und Dipl. Des. David Oelschlägl im WiSe 2013/14 Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle


Inhalt Vorwort

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Die Freiheit der Fabrikation und der Katalog der Mรถglichkeiten

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Materialexperimente

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Die Wanderfabrik

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Die Gravo-Druckerei und das Papier

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Vorwort Der Katalog der Möglichkeiten ist eine Sammlung von Versuchsaufbauten, mit denen wir herausfinden wollen, in welchem Maße Produktion außerhalb eines industriellen Rahmens möglich ist. Es sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die nachgemacht werden können. Auf ihnen kann aufgebaut werden, es können völlig neue beigetragen werden. Offenheit entsteht hier nicht unbedingt durch die Vorgabe von Bauplänen, sondern durch Offenlegung von herstellungstechnischen Prinzipien. Nach dem Startworkshop und dem Ideenbasar zeigte sich, dass sich viele unserer Themen und Interessen überschneiden würden und sich eine Zusammenarbeit bot sich an. Erste Treffen ergaben eine grobe Übereinstimmung von Ideologien, aber nicht unbedingt dieselbe Herangehensweise an das Thema. Daher musste ein Dach gefunden werden, unter dem wir uns bewegen konnten und gemeinsam unsere These bearbeiten, aber auch eigene Wege gehen konnten.

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Die Struktur half uns auch, verschiedene Formen des kollaborativen Arbeitens auszuprobieren. Wie arbeitet es sich in einem Kollektiv? Wie muss Kommunikation funktionieren? Wie klein darf der kleinste gemeinsame Nenner sein? Wem gehören die Ideen, allen oder niemandem? Wie verteilt sich Verantwortung? Wer gibt den Ton an? Funktioniert das Plenum? Auf alle diese Fragen haben wir noch keine abschließenden Antworten gefunden, aber einen lehrreichen Vorgschmack bekommen. Wir haben die rosarote Kollaborationsbrille abgelegt, Probleme erkannt, manchmal gelöst und uns auch gelegentlich in die eigene Kammer zurückgewünscht. Aber letztlich kennen wir jetzt nicht nur die Gefahren, sondern auch die Chancen des gemeinsamen Arbeitens besser und haben diese zu schätzen gelernt. Neben dem Offensichtlichen, wie Arbeitsteilung und moralischer Unterstützung in Krisensituationen, fiel uns das generieren und überprüfen von neuen Ideen leichter, als beim alleine arbeiten. Das gegeseitige Hinterfragen von als selbstverständlich angenommenen Sachverhalten hielt uns wach und forderte eine ständige Auseinandersetzung mit dem Thema. Und nicht zuletzt ist immer jemand da, der schnelles Feedback und eine kleine Entscheidungshilfe geben kann.

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Die Freiheit der Fabrikation und der Katalog der Möglichkeiten Wir, Sascha und Amelie entschieden uns für eine Gruppenarbeit innerhalb des Zusammenschlusses „Katalog der Möglichkeiten“. Wir stellten uns folgende Fragen: Wie kann Produktion im öffentlichen Raum stattfinden? Welche offen verfügbaren Materialien gibt es? Wie kann ein offener Formgebungsprozess aussehen? Können wir eine mobile Fabrik errichten, die nomadisch umherzieht und mit den Materialien arbeitet, die sie unterwegs vorfindet? Wie kann so etwas aussehen? Aus unserer Arbeit und den Forschungs- und Gestaltungsergebnissen der anderen sollte der Katalog der Möglichkeiten erwachsen. Ein Konglomerat an Handlungsanweisungen, Denkanstößen und möglichen Wegen für freies und offenes Herstellen.

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Materialproben

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PP-Form

Papierform 29


Gipsform

Lochbrettform mit Rundst채ben 30


Lochbrettform mit Kabelisolierung

Getrocknetes Objekt mit „Skelett“ 31


Wie groรŸ kรถnnen Objekte aus Papier werden?

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Und wie stabil sind sie? 33


Wie wird die Pulpe am besten gegl채ttet, um sie 체ber St채ben zu formen? Welcher Stoff ist am besten geeignet? Wie viele Lagen sind ideal?

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Die Wanderfabrik Die mobile Papierfabrik kann überall produzieren. Dort wo sich Material befindet, lässt sie sich nieder und beginnt mit der Arbeit. In verlassenen Gebäuden, Wohnzimmern und Hinterhöfen produziert sie Objekte, die immer auch eine Geschichte vom Ort ihrer Entstehung, von vorhanden Ressourcen, Arbeitsbedingungen und Stimmungen erzählen.

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Die Basis der Wanderfabrik besteht aus drei Eurobehältern. Wenn die Fabrik unterwegs ist, dienen sie als Aufbewahrungsort für alle nötigen Utensilien. Sie können gestapelt leicht von einer oder zwei Personen getragen werden. Jede Kiste hat einen individuellen Deckel (und bleibt trotzdem stapelbar), der sie in ein Werkzeug/Arbeitsstelle für einen bestimmten Arbeitsschritt verwandelt. Nebeneinandergestellt ergibt sich eine dreiteilige Produktionsstraße. Im ersten Schritt wird Papier mit Wasser zu Pulpe vermischt. Im zweiten Schritt wird die Pulpe zwischen zwei Stofflagen auf einem Lochbrett mit einem Rakel gleichmäßig glattgestrichen. Das überschüssige Wasser tropft in die Kiste. Im dritten Schritt werden mehrere Rundstäbe in ein passendes Lochbrett gesteckt, um eine Form für das Papierobjekt zu generieren. Die Stäbe können in unterschiedlichen Höhen angebracht werden; so entsteht eine Topografie, die sowohl geplante als auch spontane Formgebungen zulässt. Die Pulpe zwischen den Stofflagen wird nun zum trocknen auf die Stäbe gelegt. Der Trocknungsprozess kann z.B. durch Heiz- oder Baustrahler beschleunigt werden.

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Werkzeug:

Xx 3x

Material:

H2O

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Wenn das Papierobjekt durchgetrocknet ist, wird der Stoff entfernt und die Weiterverarbeitung oder deren Planung kann beginnen. Der offene, fast spielerishe Prozess der Formgebung verlangt vom Gestalter nicht unbedingt das vollständige Durchplanen eines Gegenstandes. Vielmehr kann orts- und stimmungsbezogen spontan assoziativ entschieden werden, was aus dem entandenen Objekt werden soll oder kann. Erfüllt es für sich schon eine Funktion (vielleicht die einer Schale oder eines Lautsprechers?), können Teile hinzugefügt werden, um ihm eine Funktion zu geben (z.B. die einer Leuchte oder eines Tisches) oder kann es auch völlig für sich stehen ohne eine Funktion zu erfüllen? Durch die Zugabe von anderen Zutaten in die Pulpe, wie Latex, Stärke, Zucker oder Pigment können weitere Varianten entstehen.

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Mit den Rundhölzern können unterschiedliche Formen erzeugt werden

Pulpe rühren 46


Auf dem Lochblech wird die Pulpe zwischen Stoff glattgestrichen

Die Rundhรถlzer sind hรถhenverstellbar 47


Die Gravo-Druckerei und das Papier Papier, vor allem Altpapier ist ein allgegenwärtiges und mehr als zugängliches Material. Das gibt der Wanderfabrik die Möglichkeit an nahezu jedem Ort zu produzieren. Wie suchten uns als Ort die alte Gravo-Druckerei am Reileck in Halle aus. Dort ist einerseits viel altes Papier und anderes Material vorhanden, das verarbeitet werden kann. Auf der anderen Seite besetzen wir so ein Gebäude, dass bereits früher industriell genutzt wurde und nun leer steht. So erobern wir alte Fabrikhallen als Freiräume für offene und allen zugängliche Produktion zurück. Die hergestellten Produkte können wiederum einen neuen Handlungsraum erschaffen, die alten Räume umwerten, umnutzen und zu Neuem einladen.

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Wie wird denn nun die Fabrik für alles draus? Durch Eure Teilnahme. Was sind Dinge die Ihr schon immer machen/herstellen/produzieren wolltet? Probiert es aus, und vor allem: Teilt Eure Erkenntnisse! Unser Projekt wäre nicht möglich gewesen ohne das geteilte Wissen, das von unzähligen begeisterten Machern im Internet zur freien Verfügung gestellt wurde.

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. Ein Beitrag zum Katalog der Mรถglichkeiten . .

Katalog der Möglichkeiten: Wanderfabrik  

Wanderfabrik – Mobile Low-Tech-Produktion / Amelie Goldfuß, Sascha Henken http://open-design.tumblr.com Dokumentation eines Designprojekts i...

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