Page 1

0,7 qbm essentials Minimalismus als Lebensform Andreas Patsiaouras


0,7 qbm essentials Minimalismus als Lebensform Ein Projekt im Studiengang Industriedesign Burg Giebichenstein Hochschule f체r Kunst und Design Halle Moderation: Prof. Guido Englich Dipl. Des. David Oelschl채gel Projekt von: Andreas Patsiaouras


01


02

Minimalismus - ein Thema, das mich schon seit längerer Zeit interessiert und das ich mir nach und nach zu eigen gemacht habe. Schon in meiner Bachelorarbeit hatte ich mich beiläufig mit dem Thema Minimalismus beschäftigt und wollte in diesem Projekt mehr über diesen Lebensstil und auch mehr über mich lernen. An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bei den Menschen bedanken, die mir bei meinem Projekt zur Seite standen und mir geholfen haben. Da wäre einmal Nadine Glinka, ohne die Spießers Decke niemals so schön geworden wäre, der Holzwerkstattleiter Christian Menzel, der mir sein Werkzeug und seine Hände lieh und meine Kommilitonen, die gute Tipps gaben. Natürlich auch bei unserem Projektleiter Prof. Guido Englich, der mich auf eine schöne Idee brachte, sowie bei Dipl. Des. David Oelschlägel, der mich in die richtige Richtung leitete. Danke.


03 Zu Beginn erläutere ich hier unsere Themenstellung. Ziel war es nicht etwas im minimalistischen Stil zu entwerfen - es ging darum den Minimalismus als Lebensform zu sehen - ihn mit seinem zu entstehenden Objekt zu leben. Die entstandenen Objekte gehen von verschiedenen Szenarien aus. Beispielsweise jemand der nur für kurze Dauer an einem Ort lebt, ein „Dach über dem Kopf“ für Obdachlose, oder wie in meinem Fall für ein Pärchen oder Freunde, die Freunde besuchen wollen. Hier geht es bei jedem Kursteilnehmer darum, ein Objekt zu entwerfen, dass mehreren Ansprüchen gerecht wird. Eingeschlossen sind hier die Anforderungen schlafen, arbeiten, sich aufhalten etc. Die 0,7 qmb waren ein Kriterium, ein


04

Raummaß sozusagen, dass uns eine Beschränkung gab. In diesem Volumen, das natürlich die verschiedensten Maße annehmen kann, sollte der Besitz des Benutzers passen. Natürlich ist die Bedeutung des Wortes Besitz dehnbar - hier könnte es wie in meinem Fall auch nur um einen Besitz gehen, den man gerade zu der Benutzungsdauer des Objektes benötigt. Um uns am Anfang darüber klar zu werden wie viel 0,7 qbm eigentlich sind, bildeten wir Gruppen, in denen wir auf unterschiedlichste Arten dieses Volumen abbildeten. Dies geschah über Arten wie Luftvolumen - aufblasen von Mülltüten, bis das Volumen erreicht wurde. Auf die klassische Art einen Würfel aus Pappe zu bauen. Das Volumen in einer Raumecke abzustecken usw. Anschließend besprachen die Gruppen unter sich, für welche Zielgruppe man etwas entwerfen könnte und riss grob an, um was es sich dabei handeln könnte. Auch hier kamen wieder unterschiedlichste Themengebiete und Charakteren zustande. Beispielsweise jemand der oft unterwegs ist, jemand der einfach mal ausmisten möchte und das passende Objekt dafür benötigt, für Berufsgruppen, für Camper, für Obdachlose usw.


05


06

Mal so richtig ausmisten, Dinge weggeben, wegschmeißen, einfach mal aussortieren. Nehmen wir uns das nicht ständig irgendwie vor? „Wenn ich mal Zeit habe“, klagen wir, nehmen es schon lange, bevor wir es umsetzen, in unseren Köpfen in den Angriff. Und genau dort fängt es an und hört es auf - in unseren Köpfen. Wer kennt das Gefühl nicht in einem vermüllten Zimmer zu sitzen und zu denken; hier kann ich nicht arbeiten, ich kann mich in so einer Halde nicht konzentrieren - ich krieg‘ die Kriese!


Minimalismus ist der Ansporn für Neues, so geht es zumindest mir. Mit weniger im Gepäck geht es schneller auf einen Berg, mit weniger lässt es sich schneller umziehen, man findet Dinge schneller und sowieso weiß man, was man überhaupt hat. Besitz der im Keller steht und keiner weiß genau, warum es nicht den Besitzer wechselt oder es nicht einfach auf dem Müll landet. Mehr Platz, mehr Freiheit im Kopf. Das ist für mich der Knackpunkt am minimalistischen Lebensstil. Einfach frei zu sein. Geordneter zu leben. Schon in meiner Bachelorarbeit an der HAWK in Hildesheim beschäftigte ich mich mit diesem Thema und fing erst mal bei mir selbst an. So sortierte ich all das aus meinem Besitz von dem ich wusste, dass ich es eh schon lange nicht mehr benutzt hatte, nicht glücklich mit dem Produkt war oder einfach emotional gefesselt war und die Vergangenheit - Vergangenheit lassen bleiben wollte. Ich trennte mich von vielen Dingen und war am Ende erstaunt über meinen eigentlichen Besitz. Den ich nicht nur generell besaß, sondern auch tatsächlich benutzte, mochte und brauchte. Vieles ging und etwas Neues kam hinzu, ein Gefühl von Freiheit. Endlich wusste ich, was ich besaß, wo alles stand und somit konnte ich in meiner kleinen Leidenschaft Dinge zu sortieren noch ein Level aufsteigen. Das alles kam mir auch sehr gelegen, da ich nach meinem Studium in Hildesheim wieder nach Braunschweig umzog und ich binnen fünf Stunden komplett aus der Wohnung verschwunden war. So blieb mehr

07


08

Zeit mich von meinen Freunden zu verabschieden und weniger Schweiß in Braunschweig alles in den dritten Stock zu tragen. Nach einem halben Jahr sollte es dann wieder weitergehen, nach Halle an der Saale. Ich schaffte es mich von noch mehr zu trennen und zog in vier Stunden aus. Vielleicht breche ich meinen persönlichen Rekord das nächste Mal mit weniger Besitz und drei Stunden. Denn was braucht man denn eigentlich groß zum Leben? Eine Frage auf hohem Jammerniveau, ich weiß. Aber - dinge werden digitalisiert, schon das macht bestimmt die Hälfte meines Besitzes aus. Ich besitze keine Bücher, ich lese am Bildschirm (ja so was kann ich) oder leihe mir Bücher aus. Ich habe keine Fotoalben, alles in meinem Computer. Ich digitalisiere meine Zeichnungen, arbeite viel am Computer und habe mir die Eigenschaft angewöhnt wegzuwerfen. Nur das schlafen und die Kleidung wurde noch nicht digitalisiert, somit besteht mein aktuelles Zimmer aus einem Arbeitsplatz, einem Hochbett, einer Garderobe und einer Kommode. Mein Besitz lagert nach Themen sortiert in kleinen Kartons, die auf einem Regal an der Wand aufgestapelt sind. Damit fühle ich mich gut, fühle mich frei, sortiert und ich bin immer sofort bereit Neues anzugehen. Minimalismus heißt aber auch Verzicht. Eine Eigenschaft, die ich mir selbst erst beibringen musste. Nicht alles haben zu können, oder meinem jetzigen Anspruch gerecht zu werden; wenn ich dieses Etwas


nicht oft brauche, es auch nicht kaufen sollte. Eine Art Selbstschutz vor Vermüllung, aber auch ein Statement zum aktuellen Weltthema - eine Art rettet unseren Planeten. Stellen wir uns einmal vor; wir alle würden einen minimalistischen Lebensstil führen. Es würde nicht bedeuten, dass jeder auf etwas verzichten muss, ich denke das hängt der von eigenen Gewichtung ab für den einen wäre es minimalistischer, wenn er nicht jeden Tag Fleisch isst, was unserem blauen Planeten sicherlich zugutekommen würde, der andere lebt mit wenigen Dingen im Haushalt, oder vielleicht besitzt er nicht mal eine Unterkunft und zieht nur umher. Man sollte natürlich nur so weit minimalisieren, bis man sich selbst wohlfühlt. Aber sind wir alle mal ehrlich mit uns selbst. Steckt nicht in jedem Haushalt die eine oder andere Sache, die zu überdenken ist? Vielleicht sollten wir uns alle mehr dem Satz „weniger ist mehr“ verschreiben und somit auch unsere Köpfe neu sortieren und uns glücklich minimalisieren.

09


10


11 Eigentlich war es ja sogesehen das richtige Projekt für mich. Ich minimalisiere gerne, ordne gerne, verzichte gerne - mein Selbstexperiment wollte ich somit auch ganz speziell auf meine Person anwenden, etwas finden, dass mich wirklich interessiert. Wie der Zufall so spielt und sich mal wieder alles selbst fügt, passte meine Situation perfekt zu dem Selbstexperiment; Ich zog also wie schon geschrieben von Braunschweig nach Halle. Hier in Halle bekam ich erstmal ein Zimmer für einen Monat - in einer fünferWG. Nach einem Monat zog ich in der selben Wohnung in mein bevorzugtes Zimmer - vorher bewohnte noch jemand anderes meine jetzigen 16m². In diesem Monat sah ich anfangs nicht viel Sinn darin


12

mich großartig einzurichten, ich empfand es sogar als unsinnig und verschleuderte Zeit meine Kleidung, Arbeitsmaterialien und Co aus den Kartons auszupacken. So blieb alles wie es war und genau diese Situation machte ich zu meinem Selbstexperiment. Wie ist es so einen Monat aus Kartons zu leben? Den Vergleich stellte ich anschließend in meinem jetzigen, möblierten Zimmer. Wie ist es im Vergleich in einem eingerichteten Zimmer zu wohnen? Um am Ende des Selbstversuches die beiden Wohnsituationen zu vergleichen, schrieb ich jeden Tag genau auf, welche Gegegenstände ich benutze. Dabei interessierte mich weniger die Dauer, noch die Häufigkeit. Ich wollte einfach nur wissen welchen Gegenstand ich sozusagen in die Finger bekomme. Am Ende konnte ich somit auch erkennen, welche Gegenstände ich gar nicht benutzt habe. Hier könnte ich jetzt wieder überlegen ob ich an dieser Stelle minimieren kann.


13


14

Ganz nach meiner Ordnungsmanier sortierte ich alle Dinge Kategorien zu. Beispielsweise Kleidungstücke wie Strümpfe, Schuhe, Jacken, Hosen etc., teilte ich der Kategorie Kleidung zu. Andere Kategorien wie Handtuch, Zahnbürste, Rasierer - ordnete ich in dem Bereich Hygiene unter. Der obere Kuchen zeigt die Wohnsituation möbliertes Wohnen an, der untere Kuchen die Situation Wohnen aus Kartons. Die Kuchenstücke symbolisieren in der Höhe sowie in der Breite den Gesamtdurchschnitt einer Kategorie. Beispielsweise hat die Kategorie Handy in beiden Situationsdarstellungen den höchsten Gesamtdurchschnitt. Auf der nächsten Seite schlüssel ich die Gesamtprozentzahlen auf. Angefangen von dem kleinsten Kuchenstück, das in der Situation 1 die Kategorie Gardinen vertritt, (11,11%) bis zu dem größten Kuchenstück, dass den Gesamtdurchschnitt der Kategorie Handy (94,44%) aufzeigt.


Situation 1 / Wohnen aus Kartons Handy 94,44 Licht 85,18 Schlafen 82,22 Hygiene 77,77 Karton 55,55 Kleidung 49,00 Arbeiten/PC 31,47 BĂźgeleisen 27,77 Essen/Trinken 26,97 Freundin 22,22 Pflanzen

16,67

Zeichnen 16,66 Fernseher 16,66 Sport 13,88 Ăœberweisungen 11,11 Gardinen 11,11

15


Situation 2 / möbliertes Wohnen Handy 91,66 Schlafen 83,33 Hygiene 72,22 Möbel 61,8 Licht 53,7 Arbeiten/PC 51,85 Kleidung 50,64 16

Zeichnen 29,62 Essen/Trinken 23,01 Pflanzen

22,22

Fernseher 22,22 Gardinen 22,22 Freundin 16,66 Sport 15,27 Überweisungen 11,11 Bügeleisen 0


17


18

Und gewonnen hat? Das Handy natürlich. In beiden Wohnsituationen habe ich den Gegenstand Handy am häufigsten benutzt. Um genau zu sein jeden Tag. Dabei habe ich die Häufigkeit nicht kontrolliert, kann aber mit gutem Gewissen behaupten, dass auch hier das Handy gewonnen hätte. Zwar nicht in dem Gesamtdurchschnitt der genutzen Stunden eines Tagen, was ich auch nicht protokoliert habe, aber in der Häufigkeit der benutzten Dinge an einem Tag auf jeden Fall. An diesem kleinen Beispiel sieht man ganz klar, dass viele Dinge die wir früher benutzt haben Bücher, Akten, Zeichnungen, Zeitung etc. - verdigitalisiert wurden und in ein Handy passen. Ich benutze genau aus diesem Grund mein Smartphone so häufig, weil ich über dieses Medium kommuniziere, mich wecken lasse, Musik höre, im Internet untwegs bin, mich navigieren lasse etc.


19


20

Was ist das? Hier sind Kugeln mit einer passenden Oberfläche abgebildet, die in einen Glaszylinder geführt wurden. Sie stellten die jeweiligen Kategorien dar. Diese Abbildung zeigt die Situation Wohnen aus Kartons. Der Glaszylinder steht für die zusammengerechneten Durschnittszahlen die ich schon bei der Kuchengrafik verwendet hatte. Bei dieser Abbildung sieht man noch mal deutlich den Volumenunterschied der jeweiligen Kategorien. Beispielsweise die Kategorie Licht hat einen Durchschnittsprozentwert von 85,18. Für die Grafik benutze ich diesen Wert als Zahl, abgerundet 85 - mal 2. Ich verdoppelte alle Werte um in der Darstellung den Unterschied größer erkennbar zu machen.


21


22

Diese Darstellung zeigt die Wohnsituation möbliertes Wohnen. Große Unterschiede zu der anderen Grafik zeichnen sich nicht ab. Der größte Unterschied bestand natürlich in der Wohnsituation selbst. Wie im obersten Teil der Säule zu erkennen befindet sich bei dieser Grafik Kugeln mit einer Holztextur, welche den Möbelanteil darstellen. Auf der vorigen Grafik sind an dieser Stelle Kugeln mit einer Kartontextur, die wiederum für die Wohnsituation Wohen aus Kartons stehen. Der Unterschied liegt im Wohnen selbst. Abgesehen davon, dass die zweite Variante, also die mit Möbeln, wesentlich ordentlicher und übersichtlicher ist, ich fühle mich auch um einiges wohler. Alle Dinge haben ihren festen Platz, ich weiß genau, wo sich alles befindet. Zwar hatte ich meine Kartons auch grob nach Kategorien geordnet - der große Unterschied jedoch bestand darin, dass ich die Gegenstände meistens nicht wieder in den Karton einordnete, weil es schwer war, an die Dinge, die sich im unteren Bereich eines Kartons befinden ranzukommen. Auch empfand ich ein Karton nicht als endlichen Platz für die Dinge - somit entstand in meinem Zimmer eine vorprogrammierte Unordnung.


23


Hygiene Sport Essen/Trinken Blumen Zeichnen Arbeiten/PC รœberweisungen 24

Handy Licht Fernsehen Gardinen Schlafen Freundin Mรถbel Kartons


25 639 Kartons Zusammenrechnung aller Durchschnittswerte


26 628 Mรถbel Zusammenrechnung aller Durchschnittswerte


27 Durch mein Selbstexperiment wurde mir klar, aus Kartons möchte ich nicht leben. Aber der Gedanke Dinge in einen Karton zu ordnen und mit diesen Dingen im Karon umzuziehen - das fand ich schlüssig. Daraus lässt sich doch eine Idee entwickeln, dachte ich. Wäre es doch viel einfacher nicht mehr erst die Möbel auszuräumen und den Besitz in Kartons zwischenzulagern. Wieso nicht gleich das Möbel als eine Art Umzugskaron nutzen? So kam ich zu meiner jetzigen Idee - dem Wandermöbel Spießer. Gehen wir mal von folgender Situation aus. Paula und Paul sind ein glückliches Pärchen, das schon seit Jahren zusammenwohnt und viele gemeinsame Freunde hat. Doch wie das so ist, zieht der Kumpel Michael nach


28

Frankfurt, die Nadine nach Dortmund, der Alex und die Luise nach Berlin, der Joerg nach Leipzig, die Ruth nach Mainz, die Janne nach Hamburg, der Manni und die Frieda nach Bayern und der Frank zurück zu seiner Mutter nach Bremen (übergangsweise). Das Studium ist vorbei und jeder geht wieder seinen Weg. Auch Paula und Paul sind mit ihrem Studium fertig, wollen aber noch nicht so recht arbeiten gehen und verschreiben sich für einige Wochen ein minimalistisches Dasein. Keine eigene Unterkunft, nicht viel Besitz, nur das Nötigste. Aber ein Dach über dem Kopf wollen sie auch haben, sie wollen aber auch rumkommen und eine Menge sehen. Viel Geld wollen sie jedoch nicht ausgeben - und so kam das Pärchen auf die Idee, ihren Freundeskreis abzuklappern und bei ihnen jeweils eine Woche zu kampieren. Die beiden möchten aber keine Wanderrucksäcke mitnehmen, das würde eher unter freiem Himmel passen, argumentiert Paul. Sie bräuchten eine Art Möbel, mit dem sie wohnen und leben können. Mit dem Sie den Komport haben, und das Gefühl welches ein Möbel mit sich bringt, gleichzeitig aber auch leicht zu transportieren ist. Mir kam die Idee für ein Möbel für zwei Personen doch recht schnell. Eine sympathische Idee die beide Benutzer zur Teamleistung animiert. Ein Möbel das zusammenschweißt und das Gemeinsam groß schreibt.


29


30 Aller Anfang ist schwer - das war bei jedem Projekt so und das war hier auch wieder der Fall. Überhaupt erst mal auf eine Idee zu kommen. Das Selbstprojekt hat mir hier einen Sprung nach vorne verschafft. Wie schon geschrieben, fand ich die Idee interessant mit Umzugskartons nicht nur umzuziehen, sondern auch aus diesen zu leben. Mit dieser Grundidee startete ich. Ich setzte mir noch weitere Anforderungen wie, was kann man mit solch einer Kiste noch anstellen? Sich natürlich draufsetzen, etwas draufstellen, sie vielleicht als Tischfläche nutzen. Wichtig war mir den Volumenkörper nicht nur als Füllobjekt zu sehen, der Benutzer sollte auch mit ihm interagieren können. Mein Anspruch war also ein Möbel für zwei


Personen, die mit diesem Ding umherziehen können. Die Dauer der generellen Benutzung spielte keine Rolle. Es kann sich hier um eine Woche handeln, um drei Monate oder mehrere Jahre. Die Interaktion bleibt immer dieselbe. Eine Kiste, darin der Besitz, sie muss transportabel sein und das alles für zwei Personen. Natürlich muss man dann noch irgendwo schlafen, und irgendwo sitzen können. Am besten braucht man noch eine Auflagefläche für Speis und Trank. So kam ich zu meinem jetzigen Entwurf. Ein Wandermöbel das den passenden Namen Spießer trägt. Ein Möbel das, wenn es das könnte, sich nicht zu ernst nehmen würde. Mit dem Spaß und Teamarbeit und vielleicht Streitereien vorprogrammiert sind. Das Möbel besteht aus drei Teilen, einem Stab, einer Truhe und einer Decke. Jeder dieser Stücke besitzt mehrere Funktionen. Der Namensgeber des Ganzen ist der Stab. Er geht durch das Möbel durch, um es von zwei Personen tragen zu können. Dabei wird der Stab im Tragemodus auf die Schultern gelegt. Der Entwurf der Truhe war eigentlich so gut, wie eine Umsetzung der Anforderungen die ich an sie stellte. Der Stab geht nicht durch sie hindurch, da sie an dem Inhalt nicht vorbei käme. Unten der Truhe entlang, keine Chance, dann würde die Truhe sich im Tragemodus nach unten drehen, logisch. Also kann der Stab nur oben durchgehen. Insofern braucht die Truhe an ihren Flanken höher stehende Wände mit einem Loch, durch das der

31


32

Stab durchpassen würde. Auf die Erläuterung, wieso die Füße leicht geknickt sind, komme ich noch. Die Deckel der Truhe verschließen sie nicht nur, sie dienen als Sitzfläche, als Abstellfläche, man kann sie runternehmen und im Liegemodus seine Cornflakesschüssel draufstellen. Wenn sie auf der Truhe liegen, können die Benutzer vor der Truhe sitzen und sie als Tisch nutzen. Man kann auch auf ihr sitzen, ob im Reitersitz oder wie man eben sonst auf etwas seine vier Buchstaben pflanzt. Der Stab geht also durch die Truhe durch, er spießt alles auf, dachte ich mir. Aus diesem Grund heißt mein Wandermöbel Spießer. Vielleicht auch, wie schon geschrieben, weil es sich selbst nicht so ernst nimmt und alles andere, als ein Spießer ist. Da kann man sich sicherlich noch tolle Geschichten zum Namen ausdenken.. Bleiben wir bei dem Spieß. Er hat oben eine Art Geweih. Damit möchte er keinem imponieren, es ist auch kein Geweih, es ist eine Garderobe. Am anderen Ende des Spießers befindet sich seine Spitze. Da ein Spieß ohne Spitze kein richtiger Spieß ist, läuft die Spitze ein wenig nach vorne hin zu. Der Stab wird zu einer Garderobe umfunktioniert, indem man ihn in aus der Truhe zieht und von oben in das Loch reinsteckt. Dabei achtet man darauf, dass der Stab bis unten hin durchrutscht und am Ende in einem kleineren Loch stecken bleibt. Bleibt nur noch die Decke. Sie ist im Tragemo-


dus die Hülle des Ganzen. Im komplett ausgefalteten Zustand ist sie eine Liegewiese, und sie ist eine Decke für zwei Personen, die gerne kuscheln. Zusammengelegt können die Benutzer gut auf ihr sitzen, das Möbel in die Mitte stellen und die Truhe von beiden Seiten bespielen - aus diesem Grund sind übrigens die Füße schräg gestellt, um sie über die Decke zu stellen. Aber auch, weil es einfach gut aussieht. Für den Tragemodus werden die beiden Kissen an das Kopfende gelegt und mit ihnen die Decke eingerollt. Da dies ein Möbel zu zwei ist, funktioniert dies auch nur am besten, wenn die Decke aufgrund ihrer Breite gemeinsam eingerollt wird. Wenn die Decke zusammengerollt wurde, stülpt man die Hülle über sie drüber und stülpt die Hülle mit der zusammengerollten Decke über die Truhe, durch die man vorher den Spieß durchgesteckt hat. Der ganze Vorgang garantiert Spiel, Spaß und Freude. Kommen wir zu den Materialien. Die Kiste besteht aus mit Birkenfurnier beschichteten zehn Millimeter Multiplexplatten. Die Füße, die Deckel der Kiste, der Garderobenhaken sowie das Spießende bestehen aus Esche. Die Multiplexplatten wurden ausgelasert und sind mit einer Fingerverzahnung versehen. Garantiert Einfaches zusammenbauen. Die Füße sind mit Rampa Muffen versehen, damit man sie von innen mit Senkkopfschrauben an die Kistenflanken ziehen kann. Das Spießende und der Garderobenhaken sind mit einem

33


34

Stift versehen, die in die Metallstange passen. Bei bedarf, beispielsweise Regen, kann man sie rausziehen und in die Truhe legen. Die Decke besteht innen aus cremefarbig, wattiertem Stoff, der die Benutzer etwas wärmen soll. In die Decke selbst wurde noch Fließ eingenäht - schön warm - und als Deckstoff wurde ein schöner petrolfarbener Baumwollstoff verwendet. Auf der Unterseite befindet sich Polyesterstoff, gut zu reinigen und sehr robust. Damit die Benutzer den Boden nicht zu spüren bekommen, steckt eine Polyethylenmatte (Schaumstoff) in einer unter der Decke angenähten Hülle. Die Hülle am Fußende die am Ende alles überstülpt, besteht ebenso aus dem selbigen Polyesterstoff. Nun folgen schöne Bilder zur Entspannung.


35


36


37


38


39


40


41


42


43


44


45


46


47


48


49


50


51


52


53


54


55


56


57


58


59


60


61


62


63


64


65


66


67


68


69


70


71


72


73


74

Am Schluss kann ich nur sagen - ein schönes Projekt Es hat mir Spaß gemacht mich mit einem Thema auseinandersetzen zu können, das mir liegt und mit dem ich mich eh schon oft beschäftigt habe. Ich selbst zähle mich zu einem kleinen Minimalisten und konnte in diesem Projekt ein paar neue Dinge über mich lernen. Danke.


Spiesser / Andreas Patsiaouras  

0,7 cbm essentials / Minimalismus als Lebensform / Projekt im Studiengang Industriedesign / Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle / Win...