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0.7 qbm essentials

Eine Prozessdokumentation von: Laura Christopheri 6. Fachsemester WS 2012/13 Unter der Leitung von: Prof. Guido Englich Dipl. Des. David Oelschl채gel


Inhalt // Sainte-Marie de la Tourette der etwas andere Projektworkshop

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// Papperlapapp(e)! eine erste Konzeptidee

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// Das Wotel ein neuartiges Wohnkonzept

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// Der Entwurfsprozess von den ersten Skizzen zum finalen Entwurf

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// Lunit 35 die Zimmereinrichtung zum Mitnehmen // Was bedeutet Minimalismus f端r mich?

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Foto: Senhui Qiu

Sainte-Marie de la Tourette der etwas andere Projektworkshop

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Das Kloster Sainte-Marie de La Tourette in Éveux bei Lyon wurde 1956–60 von dem bekannten Architekten Le Corbusier konzipiert und erbaut. Es liegt ca. eine halbe Stunde Fußweg außerhalb Éveux auf einem Hügel umgeben von Wald und Wiesen. Mächtige Pilotis tragen die Baukörper. Das Grundschema der Vierflügelanlage bildet ein Rechteck von 66,50 × 47,50 Meter und das Kirchengebäude vervollständigt diesen Hauptbaukörper. Unter den beiden Zimmergeschossen befindet sich die kreuzförmige Klosteranlage mit direkter Verbindung zur Kirche und dem Refektorium. Obwohl die Klosteranlage als geschlossener Konvent konzipiert war, wurde sie Ende der sechziger Jahre aufgrund von Nachwuchsmangel in eine Bildungsstätte umfunktioniert. Heute leben noch ca. 10 Dominikanermönche aktiv in Stainte-Marie und die restlichen, leer stehenden Zimmer kann man mieten und sich so beliebig lange im Kloster aufhalten und an dem Klosterleben teilhaben. Dies haben wir 4 Tage lang getan und umgeben von den minimalistischen Räumen des Klosters unseren Einführungsworkshop abgehalten. In einem Dreierteam zusammen mit Franziska Porsch und Senhui Qiu habe ich so die ersten minimalistischen Lebensszenarien entwickeln können.

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„Das Wohtel“ – ein erstes Konzept: Die These: Besitz belastet und verhindert, dass die Menschen flexibel und mobil sind. Unsere Idee ist das „Wohtel”: Durch das “Wohtel” werden die Vorteile eines Hotels in die Mietwohnung übernommen. Kommt man in eine neue Stadt, fungiert das Wohtel wie eine Art Parkhaus. Man kann sich via einer Zentrale in eine beliebige Wohnung der Wohtel Organisation einmieten. Diese Wohneinheiten sind für einen flexiblen Zeitraum zu mieten und sind je nach Bedarf eingerichtet–von SingleWohnung bis Familienhaus, von Basisausstattung bis hin zu luxuriösem Komfort.Man reduziert dadurch den individuellen Besitz auf ein Minimum und muss jedes mal nur mit dem persönlichen Privatbesitz umziehen. Die Vorteile sind: - Ein flexibler und mobiler Lebensstil wird unterstützt. - Der Einzelne spart Geld, Zeit und Organisation. - Wohnraum wird effektiver genutzt. - Architektur kann neu definiert werden. - In der Stadt gibt es mehr kulturellen Austausch. - Zwischenmenschliche Beziehungen können anders gelebt und leichter gestaltet werden. - Die Einrichtung dient der eigentlichen Nutzung und nicht als Statussymbol.

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UnbegrenzteWohnzeit möbliert und trotzdem kostengünstig Flexibel leben ohne unnötigen Ballast

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Das Service-Container

am Beispiel der Container-Werkstatt Die These: Es gibt viele Gegenstände, die man nur gelegentlich braucht. Eine Bohrmaschine läuft so beispielsweise im Schnitt nur 12-15 Minuten während ihrer gesamten Lebensdauer. Obwohl wir sie so selten benutzen, besitzen wir dieses Gegenstände jedoch, was schlussendlich jedoch eher zur Belastung als zur Bereicherung unserer selbst führt. Die Idee: Die Idee war ein Dienstleistungssystem zu entwickeln, welches jedermann den Zugang zu einer Werkstatt ermöglicht. Service Container würden so in der gesamten Stadt aufgestellt, für welche man sich in einer Servicezentrale registrieren lassen kann. Gegen eine Gebühr und unter der Voraussetzung eines abgeleisteten Werkstatt- und Maschinenkurses kann man sich so für einen festgelegten Zeitraum für die Werkstatt-Container freischalten lassen und diese nach Belieben nutzen. Die Vorteile: - Eine gute Auswahl an Maschinen und Handgeräten - Ein sicheres Arbeitsumfeld und gewartete Maschinen - Austausch mit anderen Heimwerkern - Ein deutlicher Kostenvorteil

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Papperlapapp(e)! eine erste Konzeptidee

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Papperlapapp(e)!

Eine Living Unit aus Pappe zum selber zusammenbauen. Das Konzept: Eine temporäre, günstige Living Unit für junge Köpfe, die kurzfristig untergebracht werden müssen. Gedacht ist es, dass diese von größeren Organisationen wie beispielsweise Universitäten oder Firmen bereitgestellt wird, für Studenten, die noch keine permanente Unterkunft für Studium oder Praktikum gefunden haben. Als Voraussetzung gilt, dass sanitäre Anlagen sowie Gemeinschaftsräume, ausgestattete Küchen und auch Strom vor Ort vorhanden sind. Das Set: Die Maße des Sets betragen 200cm x 100cm x 25cm (0.5m³) Davon sind 0.2m³ ein Bausatz aus Pappe, welcher ganz einfach und überall ohne Kleben zusammengebaut werden kann...alles, was man braucht, ist eine trockene Ecke. Mach Gebrauch kann dieser Teil der Living Unit ganz einfach entsorgt werden. Der restliche Inhalt des Sets besteht aus Matratze, Zudecke und Kopfkissen, einer Beleuchtung und Spiegelfolie. Diese Dinge werden nach Ende des Gebrauchs wieder zurückgegeben, bzw. die Spiegelfolie entsorgt.

0.25m

2m 1m 14


Inhalt

Matratze

Spie gelwand

Tis ch 1

Tis ch 2

Fotowand

Fotowand

R ega lwand

Fussboden- Puzz le im De ckel

Wandhal terungeg

R ega le/Stuhl 1/B ett

B ett

B ett

Tis chbeine

Stuhl2

Spie gelfolie

Ga rdine

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Eine mรถgli che Varian te...

2.75m 2.75m 16


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Wotel In der heutigen Zeit ist es absolut nichts Ungewöhnliches mehr, aus beruflichen Gründen umzuziehen. In vielen Branchen ist es mittlerweile durch die Globalisierung, schnelles Wachstum und Kurzzeitverträge fast schon Grundvoraussetzung, dass man örtlich nicht gebunden und bereit ist, für die Karriere den Wohnort zu wechseln. So gibt es viele Menschen, die oft nur wenige Monate in einer Stadt sind, bevor sie weiterziehen. Für diese Menschen gibt es nun den Wotel Club. Dem Wotel Club kann man beitreten und eine Art Monatsmiete entrichtet. Für diesen Beitrag kann man alle Leistungen des Wotel Clubs nutzen. Dieser betreibt Häuser auf der ganzen Welt, welche leere Zimmer mit Bad, Gemeinschaftsküchen, Aufenthalts- und Arbeitsräume, sowie Fitnessräume und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung je nach Standort beinhalten. So kann man einfach mit seiner Lunit in eines der Häuser einchecken und dort wohnen so lange man möchte. Muss man dann nach einigen Wochen oder Monaten weiterziehen, so organisiert der Wotel Club den Transfer zum neuen Standort und dem neuen temporären zu Hause. Durch das vorhandene Angebot und dadurch, dass man seine persönliche Living Unit immer dabei hat, bildet der Wotel Club die Schnittstelle zwischen der heimischen Privatwohnung und dem flexiblen aber

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Der Entwurfsprozess von den ersten Skizzen zum finalen Entwurf

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Die erste Idee: eine Living Unit, bei der Verstauelement und Möbelstück ein und dasselbe sind. Bei dieser Idee ging es darum, ein ganz einfaches Element zu entwerfen, mit dem man sowohl all sein Hab und Gut transportieren kann, als auch die Bedürfnisse einer Basiseinrichtung abdeckt. In diesem Fall zwei L-förmige Elemente die sich beliebig zueinander anordnen lassen.

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Diese Idee hatte ich dann zunächst weiterentwickelt, hin zu einer simpleren, klareren Form. Auch hier galt das Prinzip von Stauelementen, die gleichzeitig unterschiedliche MÜglichkeiten der Anordnung und Benutzung boten.

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Die zweite Idee: Als ich mit meinen ersten Ans채tzen allerdings nicht wirklich weiterkam und auch mit dem Limitationen die ich mir geschaffen hatte nicht zufrieden war, ging ich wieder einen Schritt zur체ck und besch채ftigte mich so mit alten Schrankkoffern. Diese boten durch interessante Materialkombinationen und klare Formen neue Inspiration und bahnten den Weg zum endg체ltigen Entwurf.

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Die Zwischenpräsentation: kurz vor Weihnachten mussten wir konkret werden! In meinem Fall hieß das, meine Idee eines modernen Living Koffers weiter umzusetzen und auszuarbeiten. Zur Zwischenpräsentation war ein 1 zu 1 Mock-up aus Pappe gefordert, anhand welchem man nicht nur die endgültigen Dimensionen, sondern auch alle vorgesehenen Elemente und Funktionen der Living Unit ablesen können sollte. Zudem galt es einen kurzen Film zu dem Modell zu machen, der die Funktionen und die Art der Benutzung zeigte.

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Das Konzept: Eine moderne Interpretation des Schrankkoffers –der Living Koffer! Leicht zu transportieren. Simple in seiner Benutzung. Minimale Ausstattung mit maximalem Komfort. Die Elemente: Der Living Koffer bestand aus vier miteinander verbundenen Elementen. Die zwei mittleren Elemente waren Wohnelemente und die zwei äußeren sollten Stauelemente darstellen. Was das Material anging, stellte ich mir eine Kombination von Holz für die Innenelemente und Textil bzw. Leder für die Außenelemente vor, um die Assoziation mit alten Schrankkoffern zu verstärken. Das Volumen dieser Unit betrug exakt 0,7m³. Was mir wichtig war: Auf eine komfortable Schlafmöglichkeit legte ich großen Wert. Ich habe mich bewusst gegen Isomatten und Ähnliches entschieden, da in meinem Szenario des Wotel-Mitgliedes meine Person oder Personen auf Dauer mit dieser Living Unit leben. Daher sollte sie auch möglichst einfach in der Benutzung sein. Ich wollte lästiges Auf- und Abbauen, zusammenstecken oder Umräumen unbedingt vermeiden, da ich der Meinung bin, dass dies auf längere Sicht eher nervt und belastet als Möglichkeiten und Freiraum schafft.

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http://07minimal.tumblr.com/post/38290629679

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Das Weihnachtsmenü:

„Einmal Nägel mit Köpfen bitte!“ Nachdem ich die Zwischenpräsentation ein paar Tage sacken ließ, setzte ich mich über Weihnachten noch mal ran, holte alle meine Unterlagen zur Hand und traf meine endgültigen Entscheidungen zu Design und Umsetzung der Unit. Die Voraussetzungen für meine Living Unit: - Minimales Volumen - Minimales Gewicht - Einfache Handhabung - Komfortable Benutzung - Flexible Möglichkeiten der Anordnung im Raum Die Konsequenzen: Nachdem ich noch mal alles durchgegangen bin wurde ziemlich schnell klar, dass mein Modell (Stand Zwischenpräsentation) diesen Anforderungen nicht gerecht wird. Zu groß, viel zu schwer und auch schlichtweg zu komplex wurde die Living Unit nun abgespeckt. Die Einteilung in vier Elemente gefiel mir weiterhin und wurde nur abgewandelt, um das Gesamtvolumen zu reduzieren. Aus Holz und Leder wurden Schaumstoff und Nylongewebe um das Gewicht zu minimieren und statt Scharnieren, Führungsschienen und Co. gab es von nun an nur noch Reißverschlüsse und Schnürband.

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Lunit die Zimmereinrichtung zum Mitnehmen

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Lunit: A person that does all the crazy and ridiculous things you could ever imagine doing, but are too scared to do.

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Unsere Leben sind flexibler geworden–ob Fernbeziehung oder Job in der Ferne, die Zeiten an denen wir am gleichen Ort geboren werden und sterben, sind lange vorbei. Auch unser Lebensraum sollte dieser neuen, schnellen und globalen Lebensweise gerecht werden. Aus diesem Grund haben ich Lunit entworfen. Auf 0,4 qbm bietet diese kompakte Living Unit alles, was man an Grundausstattung benÜtigt. Die zwei Stauelemente, das Ruheelement sowie die Sitzecke sind alle im Stil von Softshell Koffern gefertigt und bestehen aus diversen Schaumstoffen und Oxford Nylongewebe. Die Elemente sind so sehr leicht, lassen sich gut transportieren und beliebig im Raum arrangieren. Sollte man sein Lager abbrechen wollen, ist Lunit mit wenigen Handgriffen zusammengepackt und fertig fßr den Transport.

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Stauelement Ruhelement Sitzelement Stauelement

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verstauen sortieren aufbewahren

entspannen zur端ckziehen arbeiten

...schlafen

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Detail R端ckenlehne

Detail Tisch 44


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Minimalismus für mich... ...ich finde Minimalismus für mich selbst ziemlich schwer zu definieren.... Denn wo fängt man an? Was ist der Ausgangspunkt? Was minimalisiert man, oder minimalisiert man überhaupt? Ich denke jeder Mensch wird auf diese Fragen eine eigene Antwort haben....und meine ist diese: Ich denke wir leben in einer Zeit in der es selbstverständlich sein sollte beispielsweise Wasser und Strom zu sparen oder darauf zu achtet was und wie man konsumiert. Daher ist für mich Minimalismus auch keine direkte Frage zu Konsum und den Dingen mit denen wir uns umgeben, doch eher eine Angelegenheit innerer Einstellung. Für mich ist auch nicht die Reduktion der Auslöser für eine minimalistischere Lebensweise, doch eher die Realisation und Analyse, was einem im Leben fehlt. Ich denke, wenn man rausfindet, was man wirklich will im Leben und auch genau sagen kann, was für ein Leben man nicht möchte, wird vieles automatisch irrelevant und fällt weg. Lebt man dann das Leben, was man leben möchte, ändert sich auch das Verhalten des Strebens nach mehr. Ist man angekommen im Leben, so wird auch der Drang zu kompensieren oder die Suche nach dem besseren Deal lächerlich. Schafft man es in seinem Kopf Ordnung zu schaffen und sich innerlich zu lösen von altem Ballast, störenden Einflüssen, falschen oder unrealistischen Erwartungen hin zu dem, was einen wirklich glücklich macht, so ordnet und konzentriert sich die Dingwelt und das eigene Umfeld automatisch. Das für mich, ist die Essenz hin zu einem minimalistischeren Leben.

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Lunit / Laura Christopheri