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2010 | 02 | Nr. 29

Poetikdozentur Dichten, slammen, jazzen

Umzug Neue Räumlichkeiten am Campus – Klaus Töpfer Frank-Loeb-Gastprofessor – Südafrika WM als Gewinn – Nachhaltigkeit Großer Tag in der Innenstadt


Bewegte Zeiten In der vorlesungsfreien Zeit wurden die Neubauten auf dem Campus bezogen. In den kommenden Monaten und Jahren wird in der Fortstraße weiter gebaut und saniert. Drei Wochen Dauereinsatz eines 30-köpfigen Teams der Firma „Abendland Umzüge“, 350 Büros, die innerhalb der Liegenschaften der Universität umgezogen wurden, und annähernd 7.500 bewegte Umzugskartons – so liest sich die Bilanz des Umzugsmarathons, der in der vorlesungsfreien Zeit aufgrund des Bezugs der Neubauten am Campus ins Rollen gekommen war. Mit den zwei gleichen, symmetrisch angeordneten Neubauten prägt nun ein neuer Hauptzugang hin zur Stadt das Campus-Bild. Rund 9,4 Millionen Euro hat das Land in diese neuen 2.800 Quadratmeter Nutzfläche gesteckt. Ne2

ben der zusätzlichen Fläche sieht Uni-Präsident Prof. Dr. Roman Heiligenthal einen weiteren erfreulichen Gewinn: „Wir konnten Forschungseinrichtungen zusammenführen, die bislang in der Stadt verteilt waren. Die Wissenschaftler können nun intensiver gemeinsam forschen, ein wichtiger Schritt hin zu einer weiteren Profilbildung dieser Universität.“ Mit dem Bezug der sechsgeschossigen Neubauten kehrt am Campus aber noch lange keine (Bau-)Ruhe ein: Seit Ende Mai wird an der Erweiterung der Uni-Kita „Villa Unibunt“ gebaut. Künftig sollen in vier statt bislang einer Kita-Gruppe Kinder von Studierenden – und

ganz neu auch von Beschäftigten der Uni – dort Platz finden. Das Rechenzentrum wird derzeit erweitert und modernisiert (künftig 170 moderne PC-Arbeitsplätze), die Sportaußenanlagen saniert und modernisiert. Im Gebäude CIV werden nach dem Umbau bis zum kommenden Wintersemester sieben Seminarräume Raum für Lehre bieten. Und: Ende Mai kam der Bewilligungsbescheid zum Bau eines 2.000 Quadratmeter großen Laborneubaus, der den Umweltwissenschaften moderne Forschungsbedingungen ermöglichen und dazu beitragen soll, künftige Lehrer in den naturwissenschaftlichen Fächern besser auszubilden. KERSTIN THEILMANN

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Verschwunden Eine Glosse von Andreas Rudolf. Seit 1945 ist das Bernsteinzimmer verschollen. Weg, einfach so! Über seinen Verbleib gibt es nur Vermutungen und Spekulationen. Zahlreiche Forscher suchten bisher vergeblich nach dem Zimmer. Zumindest nach den einzelnen Teilen. Da mal graben, da mal nachfragen, in den Kellergewölben des Königsberger Schlosses schauen. Aber nichts, keine Spur

von den wunderschönen Wandverkleidungen aus Bernsteinelementen. Seit 2010 ist die Senseo-Kaffeemaschine von Marlene Haupt verschollen. Auch weg, einfach so! Über den Verbleib gibt es weder Vermutungen noch Spekulationen. Auch haben bisher keine Forscher nach dem industriell gefertigten Massenprodukt gesucht. Weder bei sich im Büro noch im Keller. Nur

eins ist klar: Die geliebte Maschine der akademischen Mitarbeiterin ist im Umzugstrubel verschwunden. Wohl liebvoll eingepackt, den Umzugsmitarbeitern übergeben und weg war das Ding. Ach ja, ihre Außenverkleidung war zwar nicht aus Bernstein, nur schlicht und einfach hellblau. Wer sie findet, also die Kaffeemaschine, übergibt sie bitte an Marlene Haupt. Das Bernsteinzimmer, auch nur die kleinsten Teilchen, bitte an mich. Werde gut darauf aufpassen.

Uni mit neuen Rufnummern

Neubauten: Wer sitzt wo?

Seit Anfang März hat die Uni in Landau neue Rufnummern. Diese setzen sich zusammen aus 280 + fünfstellige Durchwahl. Die Durchwahl ergibt sich aus einer zweistelligen Nummer für den Campus beziehungsweise die jeweilige Außenstelle und den drei letzten Ziffern der bisherigen Rufnummer. Der Campus und alle Außenstellen sind nun über eine zentrale Rufnummer (06341 / 280-0) zusammengefasst. Die zweistelligen Gebäudenummern: Bürgerstraße: 32 Campus: 31 Frank-Loebsches-Haus: 38 Ostbahnstraße: 35 Rote Kaserne: 33 Thomas-Nast / August-Croissant: 34 Westring: 37 Xylanderstraße: 36 Übersicht unter www.telefon.unilandau.de

Gebäude I Untergeschoss Mathematisches Umweltlabor Erdgeschoss Institut für Mathematik Mathematiklabor 1. OG Institut für Mathematik Geoökologie/Physische Geographie (IUW) 2. OG Institut für Umweltwissenschaften (IUW) 3. OG Zentrum für Fernstudien und universitäre Weiterbildung (ZFUW) 4. OG Dekanat FB 7: Natur- und Umweltwissenschaften Präsident Vizepräsident Umweltphysik (IUW) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Gebäude K Untergeschoss Medienzentrum (Druckerei, Fotografie, Medientechnik) Ernährungs- und Verbraucherbildung / Küche Erdgeschoss Alumni-Netzwerk und Unishop Poststelle Medienzentrum Methodenzentrum 1. OG Arbeitsstelle Multimedia Pädagogische Psychologie 2. OG Projekt VERA Geographie (INnB) Didaktiklabor Geographie 3. OG Institut für Germanistik 4. OG Institut für Kommunikationspsychologie, Medienpädagogik und Sprechwissenschaft

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Wa(h)re Schönheit Der Trend zu Schönheitsoperationen scheint sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt zu haben. Studierende der Sozialwissenschaften haben Interessantes herausgefunden.

„Wahre Schönheit kommt von innen“, heißt es im Volksmund. Dennoch liegen sie – wenn man den Berichten in den Medien glauben darf – voll im Trend: Schönheitsoperationen. Studierende der Sozialwissenschaften an der Universität in Landau untersuchten im Lehrforschungsprojekt „Körper-Wünsche: Sich schön machen lassen“ zwei von der deutschen Forschungsgemeinschaft in Auftrag gegebene Gruppendiskussionen. In diesen Gesprächsrunden wurden Männer und Frauen, die bereits eine oder mehrere Schönheitsoperationen 4

hinter sich haben, unter anderem nach ihren Motiven für eine Operation befragt. Die Landauer Studierenden analysierten die aufgezeichneten Diskussionen und verglichen beide Gruppen. Dabei standen folgende Fragen im Vordergrund: Welche Einflüsse spielen bei der Entscheidung für eine Schönheitsoperation eine Rolle? Welche Typen lassen sich ausmachen? Und: Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede? Das erste Ergebnis der Studierenden: Im Hinblick auf Schönheitsoperationen gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern. So nehmen viele Frauen sofort eine Abwehrhaltung an, wenn es um die Einflussnahme anderer geht. Die Entscheidung, sich operieren zu lassen, liege allein bei ihnen – so die Mehrzahl der weiblichen Befragten. Im Gegensatz dazu ist die extrinsische Motivation bei Männern ausgeprägter. Das persönliche und berufliche Umfeld spielt bei chirurgischen Eingriffen eine größere Rolle.

Die Studierenden haben aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern feststellen können. Als Ergebnis ihrer Einzelanalysen haben sie Typen gebildet, um die Diskussionsteilnehmer in Gruppen zu unterteilen. So findet sich bei den Frauen neben der „einmaligen Abenteurerin“ auch die „ständige Optimiererin“. Letztere strebt nach fortwährender Verbesserung des eigenen Körpers. Eine gelungene Operation ist hier oftmals Anstoß für weitere Operationen. Bei den Männern sieht es ähnlich aus. Der Perfektionist zum Beispiel sieht chirurgische Eingriffe als Konsumgut. Die Optimierung seines Körpers steht im Vordergrund, weitere Operationen werden nicht ausgeschlossen. Das genaue Gegenteil bildet die Gruppe der Zufriedenen. Sie sehen nach einem erfolgreichen Eingriff keinen weiteren Handlungsbedarf an ihrem Körper. Kann man davon ausgehen, dass sich das „Phänomen“ Schönheitsoperation weiterhin ausbreitet? „Die Nachfrage scheint eher zu stagnieren“, meint Prof. Dr. Reiner Keller vom Institut für Soziologie und Leiter des Lehrforschungsprojekts. „Vielleicht hat sie jetzt den Zenit erreicht“, richtet er seine Aussage auch an die Medienformate. Genau hier liege das Problem. Trotz der Ergebnisse lasse sich oft nicht genau ausmachen, inwieweit die innere Motivation zugunsten einer Operation nicht doch durch einen langen externen „Druck“ beeinflusst wurde. Auch und gerade von den Medien. ANDREAS RUDOLF

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„Gewinn für Südafrika als Ganzes“ Prof. Dr. Siegmar Schmidt lehrte mehrere Jahre als Inhaber des Willy-Brandt-Lehrstuhls in Kapstadt. Mit Andreas Rudolf sprach er über die Bedeutung der Fußball-WM für das Land. Herr Prof. Schmidt, was bedeutet die Weltmeisterschaft für das gesamte Afrika? Zum einen gibt es mehr Aufmerksamkeit für Afrika. Diese bezieht sich meistens nur auf Katastrophen, auf negative Schlagzeilen. Die WM ist etwas Positives. Dann ist es natürlich Prestige. Afrika schließt auf. Es ist ein Versuch von der südafrikanischen und von der afrikanischen Seite, so etwas wie eine gemeinsame Identität zu kreieren. Nach dem Muster: Wir in Afrika sind fähig, eine WM auszurichten. Wir können das auch. Man versucht dadurch, die alten Unterlegenheitsgefühle zu überwinden. Erwarten Sie, dass die WM aufgrund ihrer Größe und der für die Austragung notwendigen finanziellen Investitionen langfristige Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Südafrikas haben wird? Es ist sehr schwer zu sagen. Bei vielen Ländern ist es ja so, dass die Kosten einer WM nicht durch die Einnahmen gedeckt werden. Es ist ja kaum möglich, die langfristigen Folgen zu quantifizieren. In Südafrika ist es ganz wichtig, dass die Infrastruktur in Angriff genommen worden ist. Der Gautrain, also die Schnellbahnverbindung von Pretoria nach Johannesburg, war zwar Neuland | 2010 | 02

schon länger geplant, aber die WM hat dieses große Projekt beschleunigt. Was man auch nicht quantifizieren kann, ist der Gewinn, dass sich die Südafrikaner als Südafrikaner fühlen. Das Land ist in politischer, ethnischer und sprachlicher Hinsicht ein vollkommen zerrissenes Land gewesen. Sofern diese WM weiterhin gut verläuft, ist das ein großer Gewinn für Südafrika als Ganzes, also gemeinsame Identität.

Das heißt, dass diese WM als Katalysator für die Einheit des Landes dienen kann? Wenn es zu einem südafrikanischen Patriotismus kommt, wäre es der Idealfall. Das ist aber nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen. Es wird vor allem von der Leistung der südafrikanischen Mannschaft abhängen. Es bedarf aber auch der großen Gesten. Nelson Mandela

hat sich 1995 beim Rugby-Weltcup, den die Südafrikaner gewonnen haben, das T-Shirt der Mannschaft angezogen. Und Sport ist in Südafrika rassisch getrennt. Soccer war bisher die Sportart der Schwarzen, Rugby die der Weißen. Das könnte sich ändern und zum stärkeren Zusammenrücken führen. Südafrika hat ja bereits mehrere sportliche Großevents veranstaltet. Konzentriert sich das Land auf diese sportlichen Ereignisse, um sich nach außen zu präsentieren und nach innen eine Form von Nation Building zu betreiben? Ja, nach innen ist es der Versuch, Nation Building zu betreiben. Die Regierung will auch zeigen, wie leistungsfähig sie ist. Nach außen ist es eher ein Prestigegewinn. Südafrika hat ja mehr oder weniger den Anspruch, Sprecher der Dritten Welt zu sein. Man fühlt sich dem Konzert der Schwellenländer wie China oder Indien zugehörig. Das Land ist ein wichtiges Sprachrohr Afrikas. Die sportlichen Großereignisse sind auch immer ein Versuch, den außenpolitischen Anspruch einer „Mittelmacht“ zu unterstreichen. Wer wird Ihrer Ansicht nach Weltmeister? Ich glaube, dass es Brasilien schaffen wird. Vielleicht im Endspiel gegen Argentinien oder Deutschland. 5


Bologna-Reloaded

Nachgefragt … bei Prof. Dr. Roman Heiligenthal, Präsident der Universität Koblenz-Landau

Ein Dreivierteljahr nach den Studentenprotesten hat die NeuLand-Redaktion um Auskunft gebeten: Was haben die Proteste bewirkt? Die Fragen stellte Wilfried Dorsch. Kritikpunkte nachvollziehen kann, wie z. B. die beklagten Ausstattungsdefizite; schließlich hat auch die Universitätsleitung schon seit vielen Jahren gegenüber Landesregierung und Landtag auf den Mangel an Räumen und Personal hingewiesen. Auch die Kritik an zu restriktiven Anwesenheitsregelungen oder an der zu hohen Zahl von SWS oder Prüfungen in einzelnen Fächern ist verständlich.

Herr Prof. Dr. Heiligenthal, im November 2009 haben die Studierenden gegen die Auswirkungen der Bologna-Reform protestiert. Wie viel Verständnis haben Sie für die Maßnahmen der Studierenden? Ich habe Verständnis für viele Maßnahmen, da ich auch viele 6

Ist Bologna gescheitert? Wieso sollte der Bologna-Prozess gescheitert sein? Natürlich sind Fehler bei der Umsetzung gemacht worden, die zügig korrigiert werden müssen. Aber die Idee eines europäischen Hochschulraums, zu dem auch das einheitliche, konsekutive System von Studienabschlüssen gehört, ist nicht gescheitert.

An der Universität Koblenz-Landau konzentrierten sich die Probleme auf einzelne Fächer im lehramtsbezogenen Bachelorstudiengang, aber das bedeutet doch nicht, dass das System von Bachelorund Masterstudium obsolet ist. Seit wann ist Ihnen bewusst, dass eine Reform der Reform nötig ist? Die ersten Zweifel kamen uns nach Auswertung der Erfahrungen nach den beiden ersten Semestern des lehramtsbezogenen Bachelorstudiengangs. Was ist an der Universität bisher konkret geschehen, damit „Bologna-Reloaded“ realisiert werden kann? Der Prozess der Überprüfung der Bachelorstudiengänge auf deren mögliche Überfrachtung mit Inhalten und Prüfungen ist bereits am 3. Dezember vergangenen Jahres mit einem Schreiben an alle Fachbereiche und Institute eingeleitet worNeuland | 2010 | 02


den. Wir haben damit viel früher begonnen als andere Landeshochschulen. Im Februar dieses Jahres konstituierte sich dann die Steuerungsgruppe „Entschlackung der Bachelor- und Masterstudiengänge“, die zur Hälfte mit Studierenden besetzt ist. Sie identifizierte Problembereiche in 18 von 37 Lehramtsfächern in Koblenz und Landau. In diesen Fächern besteht noch Überarbeitungsbedarf. Bei den anderen Lehramtsfächern und den Nichtlehramts-Bachelorstudiengängen wurde keine Überfrachtung festgestellt. Die Steuerungsgruppe sprach auch Empfehlungen zur Lockerung der Anwesenheits-

pflicht aus, wie den Verzicht der Kontrolle bei Vorlesungen. In der Gruppe bestand zudem Konsens, dass beim Lehramts-Bachelor das erfolgreiche Absolvieren von Modulen nicht als Voraussetzung für die Teilnahme an anderen Modulen festgelegt werden soll. In den überarbeiteten Curricularen Standards ist diese Verbindung zwischen Modulen auch nicht mehr vorgesehen. Sind damit alle Probleme gelöst oder welche weiteren Maßnahmen wird es noch geben? Zunächst sind – wie bereits erwähnt – noch einige Lehramts-

fächer am Zuge, um Vorschläge für die „Entschlackung“ zu unterbreiten. Prüfungsordnungen sind noch anzupassen. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang der Ausbau des Rechenzentrums und eines Seminargebäudes sowie der Neubau eines Laborgebäudes. Zusammen mit den zu Beginn des Sommersemesters bezogenen Gebäuden I und K hat und wird sich die Raumausstattung am Campus Landau weiter verbessern. Der Abbau der Ausstattungsdefizite ist schließlich eine zentrale Grundlage für „Bologna-Reloaded“.

AStA: „Den Anliegen Nachdruck verleihen“ Der Bildungsstreik vom November 2009 traf in der Landauer Studierendenschaft auf eine große Unterstützung – und bewirkte am Campus Landau einiges. Die Studenten bemerken dies unmittelbar, da die Anwesenheitspflicht in Vorlesungen gelockert wurde sowie die Studiengänge entschlackt werden sollen. Dies geschieht über eine so genannte Steuerungsgruppe, die zu 50 Prozent aus Studierenden besteht. Die Besetzung des Audimax’ ist zwar beendet, die Arbeit und das Engagement gehen jedoch in den gewählten Organen und Gremien weiter. Die Proteste vom letzten Jahr haben die Landauer Studierendenschaft politisiert und für weitere Aktionen sensibilisiert. Man hat verstanden, dass man etwas bewegen kann, sofern man zusammenhält und seinem Anliegen eine Stimme gibt. Zurzeit werden die aktuellen Entwicklungen beobachtet, die seit Neuland | 2010 | 02

dem Bildungsstreik in Gang getreten sind. So sind beispielsweise die Ergebnisse der Steuerungsgruppe noch nicht in Kraft getreten. Mit Spannung und etwas Sorge wird dem neuen Wintersemester entgegengetreten, da dort, anders als im Sommersemester, eine enorm große Zahl an neuen Studenten auf den Campus strömt. Aus diesem Grund ist die Verbesserung der Lehrsituation ein großes Anliegen des AStA Landau: Wie sieht es trotz einer weiter anwachsenden Studierendenzahl mit dem Betreuungsverhältnis, den Seminargrößen und damit einhergehend der Seminarqualität aus? Dafür müssen die Prozesse auf landespolitischer Ebene betrachtet werden – besonders die Finanzierung der Universitäten steht hier im Fokus. Es muss eine gute Kommunikation zwischen dem Ministerium, der Hochschulleitung und den Studierenden geben, um wichtige Entscheidungen im Konsens zu

treffen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Die Studierendenschaft und ihre Vertreter bringen sich aktiv mit ihren Forderungen in Fachbereichsräten und dem Senat ein. Wir suchen einen engen Kontakt zur Hochschulleitung, um gemeinsam die Prozesse in Gang zu setzen. Dafür wird es auch notwendig sein, beharrlich nachzuhaken. Mit Blick auf die Landtagswahlen 2011 und die vermutlich wieder ansteigenden Anfängerzahlen im Wintersemester wird die Landauer Studierendenschaft noch sensibler und mobilisierbarer für die Probleme der Bologna-Prozesse sein – dann wird es auch wieder zu größeren Aktionen kommen, die medial Aufsehen erregen und unseren Anliegen Nachdruck verleihen. DANIEL HOHN, ÖFFENTLICHKEITSREFERENT BEIM ASTA L ANDAU

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Zum Praktikum ab in die Tropen Zwei Studentinnen der Umweltwissenschaften wirken bei einem Wiederaufforstungsprojekt auf Palawan mit, einer zu den Philippinen gehörenden Insel. Seit Anfang Mai stellen sich Carina Lindener (22) und Clarissa Kluth(24) Abenteuern, die ein Leben in der tropischen Provinz so mit sich bringt. Dazu gehören nicht nur Begegnungen mit exotischen Tieren wie Krokodilen, auch beim Schlag gegen einen Schildkrötenhändler waren sie mit dabei … Angefangen hat alles, als es zur Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Umweltwissenschaften der Universität in Landau, dem Landauer Zoo sowie dem Landauer Freizeitbad La Ola kam. Weil das La Ola im Jahr große Mengen an Energie verbraucht, entschloss sich die Stadtholding als Dachverband dazu, dafür an anderer Stelle dem Klimawandel entgegenzuwirken. Das Projekt der philippinischen „Katala“-Stiftung bot sich dafür besonders an, setzt sich dieses doch auch für die Wiederbewaldung gerodeten Landes ein. Insge-

samt 16 Hektar Land müssen wieder aufgeforstet werden, um den jährlichen Energieverbrauch im La Ola zu decken. Zustande kam die Zusammenarbeit über den Kontakt des Landauer Zoodirektors Dr. Jens-Ove Heckel zu Peter Widmann, Vizepräsident der Katala-Stiftung und Naturschutzfreund Heckels. Auch Dr. Carsten Brühl vom Institut für Umweltwissenschaften kannte Peter Widmann seit des Studiums von einer gemeinsamen Forschungsexpedition auf die entlegene Insel Sao Tome in Afrika. Als sich die beiden zufällig auf einer Konferenz in Borneo wieder trafen, wurde die Zusammenarbeit besiegelt. Das Interesse Carinas und Clarissas an einem Auslandspraktikum machte die Zusammenarbeit perfekt. „Tropisch gut und gut zu den Tropen“ heißt das Naturschutzprojekt der Naturschutzstiftung

Bild oben: Gemeinsam aktiv gegen den Klimawandel (v.l.n.r.) Thomas Hirsch, Chef der Stadtholding Landau, Zoo-Direktor Dr. Jens-Ove Heckel, Clarissa Kluth und Umweltwissenschaftler Dr. Carsten Brühl.

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„Katala“, in das die beiden eingebunden sind. Und so planen Carina und Clarissa auf der philippinischen Insel Palawan Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung, leisten Aufklärungsarbeit im Bereich Umweltschutz und betreiben auch Feldarbeit, in erster Linie für ein Projekt zum Schutz des Rotsteißkakadus, einer vom Aussterben bedrohten Kakaduart. Da das Nahrungsangebot für die Rotsteißkakadus – sie ernähren sich vom Baum Malungai – auf Palawan zum Überleben zu gering ist, fliegen sie auf das Festland, um sich dort an den Samen der Bäume zu laben. Probleme mit dort ansässigen Menschen sind die Folge, da diese die Bäume ebenfalls als Nahrungsquelle nutzen. Damit sowohl Mensch als auch Tier zu ihrem Recht kommen, pflanzt die Stiftung gemeinsam mit der Bevölkerung Malungai-Bäume an der Küste. Über einen Internetblog halten Carina und Clarissa Interessierte mit Berichten, Bildern und Videos über ihr alles andere als eintöniges Leben und Arbeiten auf Palawan auf dem Laufenden. Blog: http://carina-clarissaphilippinen.blogspot.com JENNIFER BACK Neuland | 2010 | 02


„Schule braucht Revolution“ „Religion & Behinderung“ heißt die Chat-Reihe, die das Institut für Katholische Theologie an der Universität in Landau eingerichtet hat. Erster Gast in der Reihe: Pastor und Behindertensportler Rainer Schmidt. Autor, Referent, Pastor, Leistungssportler – Rainer Schmidt, evangelischer Theologe und passionierter Tischtennisspieler, hat in seinem Leben schon vieles erreicht. Und das trotz – oder vielleicht auch – gerade wegen seiner Behinderung. Schmidt kam nämlich ohne Unterarme zur Welt. Wie geht der Theologe und Seelsorger mit seiner Behinderung um? Welchen Beitrag können er und die Theologie im Allgemeinen zu einer inklusiven Gesellschaft leisten? Rainer Schmidt beantwortete als

erster Gast der Chat-Reihe „Religion & Behinderung“ alle Fragen. Das Institut für Katholische Theologie richtet die interdisziplinär ausgerichtete Chat-Reihe in Kooperation mit dem Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz ein. Geleitet wird diese von Wolfgang Grünstäudl, akademischer Mitarbeiter am Institut. Die meisten Fragen im Chat richteten sich auf Schmidts Erfahrungen im Umgang mit seiner Behinderung. Inwiefern habe ihn der Glaube beeinflusst? Wie habe sich seine Einstellung zur Behinderung über das Leben hinweg geändert? „Als Kind spielte meine Behinderung gar keine Rolle“, so der Pastor. Er sei immer im Vertrauen aufgewachsen, dass aus Gottes Perspektive alle Menschen gleich seien. Erst

bei der Einschulung habe er sich zum ersten Mal behindert gefühlt. Deshalb sein Aufruf: Der Staat und die Gesellschaft sollten sich langsam auf den Weg vom integrativen hin zum inklusiven Bildungssystem begeben. „Heterogenität in Klassenzimmern sollte der Normalfall werden. Wir müssen die Methoden und eigentlich die gesamte Schulkultur ändern. Die Schule braucht eine Revolution“, betont der Pastor mit Blick auf die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer. Aussagen, die im Chatroom auf große Zustimmung stießen. Rainer Schmidt appellierte im Chat, eine inklusive Gesellschaft voranzutreiben. Dafür sollten sich nicht nur die Theologen, sondern alle Bürger engagieren. ANDREAS RUDOLF

Kinder fragen, Wissenschaftler antworten Bereits zum siebten Mal öffnet die Universität in Landau in diesem Sommer ihre Pforten für Schülerinnen und Schüler zwischen 8 und 12 Jahren. Sieben verschiedene Veranstaltungen werden angeboten. Trockene Vorlesungen oder Seminare sind Fehlanzeige – sowohl für die Dozenten als auch für die Schüler. Diplom-Pädagogin Ina Biederbeck, langjährige Kinder-Uni-Dozentin vom Institut für Erziehungswissenschaft, betont, dass es für die Kinder besonders reizvoll sei, an einem Platz außerhalb der Schule und der Familie etwas zu lernen – dort, wo sonst nur die Erwachsenen hingehen dürften. Prof. Dr. Michael Tilly, Religionswissenschaftler am Landauer Campus, ist in diesem Sommer zum ersten Mal als Dozent für die Kinder-Uni mit dabei. Er sieht in ihr die Möglichkeit für die Kinder zu merken, dass Lernen und Forschen Freude macht. Eine Aufgabe der Universität sei es zu zeigen, was in Wissenschaft und Neuland | 2010 | 02

Forschung passiert – und dies an einen weiteren Adressatenkreis weiterzugeben. JENNIFER BACK

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Dichten, slammen, jazzen Die erste Poetik-Dozentur an der Universität in Landau mit Eugen Gomringer, dem „Vater der Konkreten Poesie“, war ein voller Erfolg. Unter dem Motto „LITERATUR jetzt!“ kamen mit Eugen Gomringer, „Vater der Konkreten Poesie“, und seiner Tochter Nora, Kultfigur der Poetry Slam-Szene, zwei namhafte Literaten nach Landau und stellten ihre Werke vor. Mit (Vor-)Lesungen und Literaturperformances wurden nicht nur Studierende, sondern auch die literarisch interessierte Öffentlichkeit entflammt. Große Begeisterung zum Abschluss. Viele Besucher applaudierten im Landauer Universum Kino den Literaten Eugen und Nora Gomringer und der Jazzlegende Günter Baby Sommer, als diese ihre Performance beendeten. Mit dem 85-jährigen Eugen Gomringer und seiner 30-jährigen Tochter Nora wurden bedeutende

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Weichensteller in der Entwicklung der Lyrik als Inhaber der PoetikDozentur an die Universität in Landau geladen. In den Vordergrund der Poetik-Dozentur stellte die Initiatorin, PD Dr. Anja Ohmer vom Institut für Germanistik, die Möglichkeit, den Studierenden und der interessierten Öffentlichkeit Einblicke in die literarischen Werke aus Sicht des Schriftstellers zu geben – und Anregungen zu erwirken. „Mit der Konkreten Poesie können nicht nur Studierende, sondern auch Kinder und Jugendliche den Umgang mit der Sprache lernen“, meinte Eugen Gomringer mit Blick auf die Germanistikstudenten. Eugen Gomringer war einer der ersten, der nach 1945 die herkömmlichen Schreibweisen in der

Lyrik radikal änderte und den Grundstein legte für die experimentelle Nachkriegsliteratur. Sein Umgang mit der Sprache wurde zum Markenzeichen der „Konkreten Poesie“. Er schuf eine Richtung in der Lyrik, in der durch die Anordnung der einzelnen Schriftzeichen eine eigene künstlerische Realität entstand. Nora Gomringer, die vor allem für ihre Lyrik-Performances bekannt ist, gilt inzwischen als wichtigste Stimme der Sprechpoesie. Ihre Art, eigene Texte zu performen, zieht auch eingefleischte Poetry-Slammer in den Bann. Die Poetik-Dozentur soll zu einer festen Institution im Landauer Kultur- und Universitätsleben werden. Im kommenden Wintersemester wird die Schriftstellerin Theresia Walser, die Tochter von Martin Walser, gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Heinz Ott die zweite Dozentur bekleiden. ANDREAS RUDOLF

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Termine Hambacher Gespräche im Hambacher Schloss Cem Özdemir (Bundesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen) und Prof. em. Dr. Dr. h.c. Dieter Oberndörfer (ArnoldBergsträsser-Institut Freiburg) diskutieren am 27.8.2010 um 19 Uhr zum Thema „Migration und Integration. Deutschland – ein Einwanderungsland“.

Nachgefragt … bei Eugen Gomringer Herr Gomringer, wie sind Sie zur Konkreten Poesie gekommen? Die Konkrete Poesie hatte ihre Geburtsstunde in Brasilien und in der Schweiz. Ich habe mich Ende der 40er Jahre mit meinen Kollegen zusammengeschlossen, woraus diese Form der Dichtung entstanden ist. Das „Konkrete“ haben wir aus der „Konkreten Kunst“ übernommen, also jenen Werken, die völlig anders waren als alles, was ich gewohnt war. Mein erstes Buch kam dann 1953 heraus. Ich musste es damals noch aus eigener Tasche bezahlen. Was möchten Sie mit der Konkreten Poesie ausdrücken? Wir wollten damals eine Weltkommunikation ins Leben rufen, ein Vorwärts ins Interkulturelle, Supranationale. Die Konkrete Poesie ist angetreten als internationale Sprache. Heutzutage könnte man viele Romane kürzen. Aus meiner Sicht kann man auch mit drei Wörtern etwas aussagen, eine kleine Zeile genügt. Es bedeutet aber nicht, dass die Sprache Neuland | 2010 | 02

oder Aussage reduziert wird. Vielmehr ist die Konkrete Poesie eine Sprachphilosophie, mit der etwas Neues erfunden wird. Auf was lässt sich die Konkrete Poesie anwenden? Mit der Konkreten Poesie kann man einen Bezug zur Werbung herstellen. Eine Menge Slogans stammen ja aus der Konkreten Poesie. Sie ist aber auch politisch. Während der Vietnamproteste waren viele Plakate mit Sprüchen beschrieben, die aus der Konkreten Poesie hervorgingen. Sie ist aber auch dafür geeignet, Studierende und Jugendliche für die Literatur zu sensibilisieren. An Universitäten und Schulen kann man mit der Konkreten Poesie kreativen Unterricht gestalten und neue Formen des Ausdrucks schaffen. Meine Arbeit an der Universität wird hoffentlich dazu beitragen, dass die Studierenden jetzt und in ihrer späteren Arbeit die Konkrete Poesie anwenden, um junge Leute für Literatur und Kunst zu begeistern.

Jan-Martin Wiarda (ZEIT-Redakteur, Ressort Chancen) und Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin der HRK) diskutieren am 8.10.2010 um 19 Uhr über das Thema „Bildungsrepublik Deutschland. Bildungsgerechtigkeit zwischen Exzellenz und Prekariat!“. Beide Veranstaltungen finden im Festsaal des Hambacher Schlosses statt.

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Tag zur Nachhaltigkeit

Studierende der Umweltwissenschaften organisierten den ersten Tag zur Nachhaltigkeit in Landau und wollten zum sorgsamen Umgang mit den Ressourcen anregen. Unter dem Motto „Zukunft erleben – nachhaltig gewinnen“ fand am 16. Mai auf dem Rathausplatz in

„Nachhaltigkeit? Ich bin grundsätzlich dafür, dass Menschen sich Gedanken über die Umwelt machen und alles dafür tun, dass nicht nur wir, sondern auch die nachfolgenden Generationen in einer schönen Welt aufwachsen.“ Landau der erste Tag zur Nachhaltigkeit (TzN) statt. Studierende des Instituts für Umweltwissenschaften wollten die Besucher zum sorgsamen Umgang mit den Ressourcen anregen – und vor allem Alternativen aufzeigen. Die Deutschen sind nicht nur Weltmeister im Mülltrennen, son12

dern auch im Wassersparen. Trotzdem verbraucht der Durchschnittsbürger rund 4.000 Liter pro Tag. So viel „virtuelles Wasser“ ist nämlich erforderlich, um all die Waren zu produzieren, die wir täglich benötigen, vom Mikrochip bis zur Tasse Kaffee. Mit solch schockierenden Zahlen wurden die Besucher des Tags zur Nachhaltigkeit konfrontiert. In Kooperation mit der Stadt Landau, der Universität, regionalen Unternehmen und Organisationen haben Studierende der Umweltwissenschaften den Tag organisiert und dabei einen Aufruf erzielt, der an keinem Besucher vorbeiging: Mehr tun für uns und die Umwelt, heute und morgen! Insgesamt 19 Institutionen beteiligten sich mit Aktionen am ersten Tag zur Nachhaltigkeit auf dem

Landauer Rathausplatz. Vom „virtuellen Wasser“ über den Ernährungspfad bis hin zum EnergieSpar-Parcours wurde den zahlreichen Besuchern einiges geboten.

„Was hier auf die Beine gestellt wurde, finde ich super! Die Menschen sollten endlich anfangen, etwas zu tun. Nicht immer nur konsumieren, sondern auch mal etwas zurückgeben.“ Die Organisatoren wollten mit ihrem Programm zeigen, dass durch eine unkomplizierte Änderung des Konsumverhaltens der Lebensstil finanziell und gesundheitlich gewinnbringend sein kann. So gesehen war der Aktionstag nicht nur als Veranstaltung gedacht, sondern auch als Appell an die Bürger, etwas zu unternehmen. Gelegenheit, etwas zu tun, gab es zum Beispiel beim Kindertheater. In dem Theaterstück wurde das Neuland | 2010 | 02


Leben einer afrikanischen und einer deutschen Familie nachgespielt

„Ich war positiv überrascht über die Größe der Veranstaltung. Zwar habe ich mir schon gedacht, dass einiges los sein wird. Aber mit so vielen Informationsständen habe ich nicht gerechnet.“ und gezeigt, wie wichtig es ist, zusammen (Umwelt-)Probleme zu lösen. Bei einer Modenschau stolzierten junge und ältere Models mit Fair-Trade-Klamotten auf dem Laufsteg und präsentierten den Zuschauern alternative Möglichkeiten sich zu kleiden – mit natürlichem Material, das zudem umweltverträglich verarbeitet worden war. Sinneseindrücke mit nachhaltigem Effekt konnte man auf einem Barfuß-Pfad aus unterschiedlichen Materialien sammeln. Viele Kinder hatten hier die Gelegenheit, eine emotionale Verbindung zur Umwelt zu entwickeln. Auch die Ener-

gie-Kletterwand zählte zu den Highlights des Tages. Sowohl Kinder als auch Erwachsene kletterten die Wand hoch und erreichten je nach Eigenleistung bestimmte „Effizienzklassen“. Doch nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit spielte bei dem Eventtag eine Rolle. Der Dialog der Kulturen lag den Studierenden ebenso am Herzen. Deshalb wur-

den gezielt Migranten aus Landau in das kulturelle Geschehen mit einbezogen. Das abwechslungsreiche Bühnenprogramm wurde so um interkulturelle Live-Musik erweitert. Ganz nach dem Motto: Nur gemeinsam können wir die Probleme vor der eigenen Haustür anpacken. ANDREAS RUDOLF

Ziel: Zum Denken anregen Hannes Gaschnig (im Bild oben mit Fabienne Mittmann) studiert Umweltwissenschaften an der Universität in Landau. Er war Projektleiter des Tages zur Nachhaltigkeit (TzN). Im Interview mit Andreas Rudolf gibt er Auskunft über Motivation und Zielsetzung des Eventtages. Was bedeutet Nachhaltigkeit? Schlicht und einfach: Nicht auf Pump der Natur leben, sondern sich die Denke der Natur abschauen. Wenn wir umweltschonender produzieren, können wir mit der Natur besser harmonieren. Und vielleicht auch ein neues Verständnis von Glück gewinnen. Neuland | 2010 | 02

Der Tag zur Nachhaltigkeit sollte also die Leute zum Umdenken anregen. War er aus Ihrer Sicht erfolgreich? Das Schöne an diesem Tag war die Verbindung der Thematik mit der Unterhaltung. So konnten sich die Leute amüsieren und gleichzeitig etwas lernen – ganz, wie wir uns das vorgestellt hatten. Was fehlt aus Ihrer Sicht in unserer Gesellschaft an Nachhaltigkeit? Es fehlen unter anderem eindeutige politische Rahmenbedingungen. Preise müssen zum Beispiel der ökologischen Wahrheit entsprechen. Zur Verdeutlichung: Je mehr Fleisch produziert wird, desto billi-

ger wird es. Es müsste jedoch umgekehrt sein, weil dies aus ökologischer und ökonomischer Sicht kontraproduktiv ist. Die „echten“ Kosten sind nämlich bisher im Preis zu wenig enthalten. Darauf ist unsere Marktwirtschaft nicht ausgelegt. Aber in einem globalen Dorf sind alle gefordert, vom kleinen Gärtnerbetrieb über das mittelständische Unternehmen bis zum Global Player. Und wir, das gesamte Team vom TzN, wollten einen kleinen authentischen Beitrag leisten, um die Menschen per Infotainment auf die Situation unseres Planeten aufmerksam zu machen. 13


„Die Verbindung zwischen Umwelt und Frieden ist ganz eng“ Der ehemalige Umweltminister Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Klaus Töpfer ist Inhaber der zweiten Frank-Loeb-Gastprofessur. Sie wird jährlich an herausragende Wissenschaftler, Politiker und Publizisten für ihre Verdienste um Politikvermittlung und internationale Verständigung vergeben. Mit Klaus Töpfer sprach Andreas Rudolf. Herr Professor Töpfer, was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung? Es ist nicht zu übersehen, dass ich in der Zwischenzeit deutlich älter geworden bin. Das zwingt mich dazu, mit den Terminverpflichtungen sehr selektiv umzugehen. Sonst wachsen einem diese über den Kopf und man wird den Erwartungen nicht mehr gerecht. Dass ich die Frank-Loeb-Gastprofessur angenommen habe, zeigt, wie wichtig sie mir ist. Aus drei Gründen. Erstens: Sie ist mir wichtig, weil sie die Frank-Loeb-Gastprofessur ist. 14

Diese junge Universität in Landau macht dadurch sehr deutlich, dass sie sich bewusst ist, auf welcher historischen Basis der jüngeren Vergangenheit sie aufbaut. Das ist bemerkenswert, das ist für mich ein Grund zur Annahme dieser Gastprofessur. Es ist für mich ganz wichtig, dass diese Verantwortung in das Bewusstsein, in die Perspektive der Menschen eingebunden wird, die an dieser Universität studieren. Zweitens: Diese junge Universität muss ihre Aufgabe, ihr Profil in der Wissensgesellschaft unserer Zeit

finden. Sie eröffnet die Chance, das geistige Kapital der jungen Menschen anzusprechen, es herauszufordern. Damit werden die entscheidenden Grundlagen für gesellschaftliche Stabilität auch in der Zukunft geschaffen. Es ist mir eine Freude, mit meinen Erfahrungen, besonders in der Politik und in den Vereinten Nationen, vor allem in Afrika, daran mitzuwirken. Ein wichtiger Grund, diese Ehrung anzunehmen. Drittens: Es ist der Campus Landau in der Südpfalz! Viele Jahre bin ich in Rheinland-Pfalz tätig gewesen. Diese Natur und Kultur ist mir sehr vertraut geworden, die lebensfreudigen und offenen Menschen in dieser Region habe ich nicht vergessen. Man kommt gerne in die Südpfalz! So kommen drei unterschiedliche, jeweils gewichtige Gründe zusamNeuland | 2010 | 02


men, die auch einen 72-Jährigen zur Entscheidung führten: Stell‘ dich dieser Herausforderung – freu‘ dich über diese Ehre! Sie sagen, dass nachhaltige Politik in Umwelt und Entwicklung zur Friedenspolitik der Zukunft geworden ist. Was möchten Sie damit ausdrücken? Dass in Zukunft die Umweltpolitik auch den Frieden zwischen Staaten bestimmen wird? Sie sehen das an vielen Stellen. Zum Beispiel: Seit Jahren wird der 22. März als „Tag des Wassers“ begangen. Über viele Jahre hinweg findet sich an diesem Tag in den Medien die Schlagzeile, dass die nächsten Kriege die Kriege um Wasser sein werden. Da muss ich mich doch fragen, was ich vorsorgend tun kann, um solche Kriege zu vermeiden. Das heißt, wir brauchen so etwas wie Frühwarnsysteme für mögliche Wasserkonflikte: Wo kann so etwas passieren? Wo wird Wasser zum Engpass, verbunden mit wachsenden sozialen Spannungen innerhalb der Gesellschaft und grenzüberschreitend? Wir brauchen „Abrüstungsinstrumente“ für mögliche Wasserkriege. Etwa neue Technologien, die wesentlich weniger Wasser verbrauchen.

Wir brauchen „Abrüstungsinstrumente“ für mögliche Wasserkriege. Etwa neue Technologien, die wesentlich weniger Wasser verbrauchen. Was können wir in der Landwirtschaft tun? 75 Prozent des Wasserverbrauchs weltweit gehen in die Landwirtschaft. Wie kann das Wasser produktiver genutzt werden? Wie muss in intelligente Bewässerungsmethoden investiert werden? „More crop per drop“ – mehr Nahrungsmittel pro Tropfen Wasser, Maßnahmen gegen WasNeuland | 2010 | 02

serkrieg – Beiträge für eine friedliche Entwicklung, zur Überwindung von Armut. Die Verbindung zwischen Umwelt und Frieden ist ganz, ganz eng. Und welchen Beitrag kann die Wissenschaft dazu leisten? Die Wissenschaft ist immer dazu aufgerufen, die gegebene Situation zunächst analytisch zu durchdringen, die Ursachen-Wirkungsbeziehungen herauszuarbeiten und damit die zugrundeliegenden Entwicklungsprozesse zu erfassen. Diese Fragen stellen sich: Welches sind die Antriebskräfte, die Interessengeflechte? Welche naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Interdependenzen sind vorhanden? Wissenschaft ist immer mit der Frage konfrontiert, welche Lösungsansätze gegeben sind, um die aktuelle Situation so zu verändern, so zu gestalten, dass Probleme und Spannungen vermieden und positive Entwicklungen ausgelöst werden können. Die Herausforderung besteht darin, Beiträge zu leisten für eine zielgerechte Veränderung und Gestaltung der Zukunft. Wir werden viel stärker die Lösungskompetenz der Wissenschaft einfordern müssen, nicht als politischer Auftrag zum Vorschreiben bestimmter Entscheidungen, sondern als Verpflichtung, wissenschaftlich abgesicherte Grundlagen für politische Entscheidungen zu schaffen. Die europäische Union insgesamt hat sich mit der Lissabon-Strategie die Aufgabe gestellt, eine „Wissensgesellschaft“ zu ermöglichen. Damit stellt sich die Herausforderung, auch eine „Wissensdemokratie“ zu entwickeln. Wie kann, so muss gefragt werden, die Zivilgesellschaft so in wissenschaftliche Forschungsprozesse eingebunden werden, dass frühzeitig ein breiter Dialog zur gesellschaftlichen Posi-

tionierung, zur Akzeptanz oder zur Ablehnung wissenschaftlicher Ergebnisse möglich wird? Können in einer offenen, demokratischen Gesellschaft Entscheidungen mehrheitsfähig werden, die das mittelund langfristig Notwendige auch dann durchsetzen, wenn damit kurzfristige Nachteile für die Gesellschaft insgesamt oder einzelner Gruppen verbunden sind? Herr Töpfer, was würden Sie den Studierenden mit auf den Weg geben? Wissen Sie, der Direktor des Gymnasiums, in dem ich Abitur gemacht habe, hat in seinen Abiturreden immer mit dem Satz begonnen: „Und das möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben ...“ Deswegen ist mir dieser Satz sehr unsympathisch (lacht). Was ich jungen Menschen wünsche, ist die Bereitschaft zur geistigen Offenheit.

Die Herausforderung besteht darin, Beiträge zu leisten für eine zielgerechte Veränderung und Gestaltung der Zukunft. Ich wünsche ihnen die intellektuelle Kraft, sich immer wieder selbst in Frage zu stellen und das Wissen, was man sich angeeignet hat, kritisch in Frage zu stellen. Ansonsten: Auch die junge Generation, auch die jetzt Studierenden, werden wie jede Generation zuvor sich mit ihren Problemen konfrontiert sehen. Sie werden selbst darüber nachdenken müssen, was sie tun können, um diese zu lösen. Was die gegenwärtige Generation tun kann und muss, ist diese Offenheit für Zukunftsgestaltung nicht durch irreversible Entscheidungen heute zu begrenzen und damit Zukunft zu belasten, ja zu verbauen. Das komplette Interview ist nachzulesen auf der Website des Frank-Loeb-Instituts unter www.fli.uni-landau.de.

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Spiel mit Worten, Worte im Spiel, der Worte viel Alte Hasen und junge Talente maßen sich beim vierten Landauer „Poetry Slam“. Unter lautem Gerede und Stimmengewirr strömten die Besucher ins Foyer des Universum Kinocenters. Lange vor Öffnung des Innenraums drängten sie sich vor der Tür, die Luft stand und alle Scheiben waren beschlagen. Als sich die Türen öffneten, brach – auch hitzebedingt – Jubel los, der üblicherweise nur von Rockkonzerten bekannt ist. Mit bekanntem Andrang startete der Landauer Poetry-Slam in die vierte Runde. Unter den kritischen Augen der vierköpfigen Jury, bestehend aus Angela Schindler (ARTE), Robert Montoto (Nationaltheater Mannheim), Ingo Rüdiger (LiteraturBüro Mainz) und Prof. Dr. Dr. Peter Wagner (Uni Koblenz-Lan-

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dau), bestritten 14 Slammer das Abendprogramm. Fast drei Stunden lang wurde emotionale, lustige und wütende Lyrik vorgetragen, die das Publikum gespannt lauschen oder den Saal vor Lachen erbeben ließ. Die Idee des Poetry-Slam wurde 1984 in Chicago geboren und kam zehn Jahre später in Deutschland an. Literaturwissenschaftlerin und Germanistin PD Dr. Anja Ohmer bietet seit 2008 das Seminar „Poetry-Slam“ an der Universität Koblenz-Landau an, in welchem Theorie und Praxis zusammenspielen. Selbstproduzierte Texte sollen nicht nur geschrieben, sondern auch vorgetragen werden, um – einem Kompetenztraining gleich –

das Selbstvertrauen, die Persönlichkeit und die Strapazierfähigkeit der Studierenden auszubilden. Diese sollen das Konzept dann weiter in die Schulen tragen, die Schüler begeistern und sie dazu befähigen, Gefühle zu beschreiben und mitzuteilen. Die Veranstalter und die Kunstfertigkeit der Slammer bewirkten erneut, Landau ein Stück mehr zu einem Namen in der Slam-Szene zu machen. Der mit 500 Euro dotierte Jurypreis ging an Stefan Dörsing, den Publikumspreis teilten sich Nektarios Vlachopoulos, der im vergangenen Sommer bereits den Jurypreis „erslammte“, und das „Team Tübingen“, bestehend aus Jakob Nacken und Harry Kienzler. SIMONE WÜRTH

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Kunstszene komprimiert Studierende der Universität in Landau stellen immer wieder Kunst von faszinierender Bandbreite aus – wie zuletzt im „Kreishaus Südliche Weinstraße Landau“. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Kunst im Kreishaus Südliche Weinstraße Landau“ durch Veranstalterin Landrätin Theresia Riedmaier bot Prof. Dr. Christoph Zuschlag (Institut für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst) einen kurzen Exkurs zu den ausgestellten Werken. Er betonte die Vielfalt der Techniken und Ausdrucksweisen. So gab es Arbeiten aus Holz, Druckgrafiken, Fotografien, Malereien, Zeichnungen und

etliche eigenwillige Mischtechniken zu bewundern. Die jungen Talente wählten neben eher gewöhnlichen Arbeitsmaterialien auch Plexiglas, Wimperntusche, Tapetenkleister und Edding-Stifte zur Vervollkommnung ihrer Ideen. Doch auch stilistisch waren ganz unterschiedliche Ansätze wie Fotorealismus, surreale Motive und gänzlich abstrakte Darstellungen zu finden. Bei der Auswahl der Ausstellenden hätten die Praxisdozenten Prof. Tina Stolt, Günther Berlejung und Volker Krebs auf diese Vielfalt geachtet, so Zuschlag, da sie die zeitgenössische Kunstszene wider-

spiegele, in der es keine vorherrschende Richtung gebe. Zuschlag betonte, ihm sei wichtig, dass der Betrachter sich auf die visuellen Angebote einließe, die ihm in Museen, Galerien, Ausstellungen und im öffentlichen Raum begegneten. Denn nur so könne ein Dialog entstehen. Für angehende Lehrer sei es besonders wichtig, sich in allen künstlerischen Disziplinen zu beweisen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, da sie so im Berufsalltag wesentlich besser auf die individuellen Schülerneigungen eingehen könnten. SIMONE WÜRTH

Mein liebster Ort in Landau Welcher ist Ihr liebster Ort in Landau? Oder in der Südpfalz? In dieser Rubrik kommen künftig Studierende und Beschäftigte der Universität zu Wort, die ihren persönlichen Lieblingsort vorstellen. Vielleicht sind ja Geheimtipps dabei, die Sie bislang noch nicht kannten. „Als AStA-Kulturreferent kann ich die Frage ja eigentlich nur mit: ‚Selbstverständlich das FATAL’ beantworten. Aber der Berend schätzt auch andere Orte. Ich habe in Landau eine Ecke entdeckt, die mich besonders beeindruckt hat: Zwischen der Gerberstraße und dem Stiftsplatz gibt es eine kleine Abkürzung: Eine Brücke mit einem Eisengeländer und ganz furchtbar hässlichen Fliesen führt dort über die Queich. Ein Hauch von italienischem Flair und von Verborgenem offenbaren einen ganz eigenen Reiz. Von der Brücke kann man die hintere Seite der Häuser der umliegenden Straßen sehen – authentisch, ganz unrenoviert, nackt und alt. Man sieht Geschichte, verschiedene Stile und es ist nicht derart preziös sauber, wie sonst in Landau.“ BEREND BARKELA, KULTURREFERENT

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DES

ASTA LANDAU

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Der Schatzsucher Walter H. Schreiber, Geschäftsführer des Methodenzentrums an der Landauer Uni, betreibt seit einigen Jahren begeistert Letterboxing. NeuLand-Redakteurin Kerstin Theilmann begleitete ihn auf einer Schatzsuche. Ein Erlebnisbericht. 12. Juni, 10 Uhr, Parkplatz des Naturfreundehauses in Niedersimten bei Pirmasens. Hier treffen der BæR und ich uns mit der Viererbande, der Trollfrau, BlindekuhWühlmaus und Jürgen, um auf Schatzsuche ins Gernsbachtal aufzubrechen. Letterboxing nennt sich diese kurzweilige Art der Schnitzeljagd, die Mitte des 19. Jahrhunderts im englischen Dartmoor ihren Ursprung nahm. Bevor wir uns auf die 18 Kilometer lange Schatzjagd begeben, hängt mir BæR, alias Walter H. Schreiber, Geschäftsführer des Methodenzentrums, einen Kompass um. Noch rätsele ich, wofür ich diesen Richtungsweiser werde einsetzen müssen – schließlich laufe ich heute meine erste Letterbox. „Verlasse den Parkplatz und folge dem Weg in südlicher Richtung“, befiehlt unser „Clue“, den wir uns alle vor der Tour aus dem Internet ausgedruckt haben. Der „Clue“ ist die Schatzkarte, die die LetterboxFreunde quer durch die Natur hin

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zu dem begehrten Schatz, der „Letterbox“, führt. Allein in Rheinland-Pfalz liegen über 160 Letterboxen versteckt. Zehn davon hat Walter Schreiber ausgelegt. „Walters Boxen gehören zu den anspruchsvollsten“, verrät Solveigh von der Viererbande. Und die ganze Gruppe gerät ins Schwärmen über Walter Schreibers „Elwetritsche-Box“. Um diese Box aufzuspüren, muss ein Letterboxer zuvor elf andere Boxen bergen und die dort hinterlegten Codewörter sammeln. Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren lief Walter Schreiber seine erste Box. Rund 130 sind es mittlerweile geworden. Kein Wunder: Letterboxing macht unendlich Spaß und kann zu einer richtigen Sucht werden, wie mir meine MitSchatzjäger verraten. Mittlerweile sind wir schon geraume Zeit durch wunderschöne Landschaften unterwegs. Eines habe ich bisher gelernt bei meinen Mentoren: Wer eine Letterbox läuft,

muss den Clue genau lesen und die Natur intensiv beobachten können. Denn, jede Fehlinterpretation der Schatzkarte wird mit unfreiwilligen Umwegen bestraft. Irgendwann hilft dann nur umzukehren und an dem falsch eingeschlagenen Weg die Hinweise neu zu interpretieren. Und: Auf unserem Weg sammeln wir Zahlen, die am Ziel für die Berechnung des Verstecks des Schatzes benötigt werden. So haben wir bereits Dachsparren gezählt oder Zahlen von Wegmarkierungen notiert. Nach rund fünf Stunden, zwei kurzen Umwegen, einigen Querfeldeinmärschen und unzähligen Schrammen sind wir am Ziel: Aufgeregt befolgen wir die letzten geheimnisvollen Anleitungen unseres Clues: „An der Teufelsquelle halten wir aber an“, verrät er uns. Und weiter: „Stelle dich auf die Umrandung der Quelle oder dicht daneben. Peile zu einer hohen Buche in E° und A*D Schritten (Luftlinie). Stelle dich vor diese Buche und gehe (A+C)*D Schritte (Luftlinie) in A*B*D°. Dort liegt ein Fels. Stelle dich darauf. Die Letterbox liegt C-A Meter unter einem Baumstamm in südlicher Rich-

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News Kinderagenda II vorgestellt

Querfeldein auf Schatzsuche: Walter H. Schreiber (rechts im Bild).

tung.“ Da ich heute LetterboxPremiere habe, darf ich mit den auf der Strecke gesammelten Zahlen diese Aufgabe lösen und plötzlich wünsche ich mir nichts mehr, als dass die Kompass-Lehre in der Grundschule nicht schon so lange zurückliegt. Mit Hilfe der Letterbox-Profis mache ich die Grabungsstelle aus und der Suchtrieb schlägt sich bei uns allen Bahn: Wir räumen Äste zur Seite, äugen in Felsritzen und stochern mit Stöcken im Waldboden. Nach einigen Minuten kommt der erlösende Ruf von Horst aus der Viererbande: „Ich habe sie.“ Was er zutage fördert, ist eine wasserdichte Plastikbox, versehen mit der Aufschrift „Letterbox Gernsbachtal“. In der Box befinden sich ein Stempel, den sich Viererbande, Blindekuh-Wühlmaus, die Trollfrau und Jürgen in ihre Bücher drücken, und das Logbuch, in das wir uns alle eintragen. Da ich noch keinen Stempel besitze, dokumentiere ich meine Beteiligung am Fund mit meinem Fingerabdruck. Ordentlich verstauen wir die Letterbox für die nächsten Schatzsucher in ihrem Versteck und machen uns auf zu unserem wohlverdienten Abschlussgetränk im Naturfreundehaus. Weitere Infos im Internet: www.letterboxing-germany.de Neuland | 2010 | 02

Die Landauer Zooschule hat pünktlich zum Jahr der Artenvielfalt den zweiten Band der Kinderagenda Pfalz mit dem Titel „Komm, mach mit, auf dich kommt’s an!“ vorgestellt. Das Kinderbuch entstand unter der Federführung von Zooschulenleiterin Dr. Gudrun Hollstein und durch die Mitarbeit von 30 als Zoopädagoginnen und -pädagogen geschulten Studierenden. Die rheinlandpfälzische Umweltministerin Margit Conrad zeigte sich begeistert von diesem „gelungenen Projekt“. Eine wahre Pionierarbeit habe die Zooschule geleistet, um junge Menschen zu befähigen, sich mit ihrer Umwelt gezielt auseinanderzusetzen.

Feuerprobe bestanden Im Sommersemester konnten Studierende „ihre“ Dozenten einmal von einer anderen Seite, der musikalischen, kennen lernen. Prof. Dr. Achim Hofer vom Institut für Musikwissenschaft und Musik trommelte 13 Dozentinnen und Dozenten unterschiedlichster Fächer zusammen für das erste Dozentenkonzert am Landauer Campus. Mit ihrem Programm „Von Bach bis ABBA“ hat das „exotische Ensemble“ sein Publikum überzeugt.

Uni beim Kindertag dabei Am ersten Samstag im Juni gehört die Innenstadt Landaus den Kindern. Erstmals war auch die Uni mit einem Stand mit dabei. Die Sportwissenschaftler und Physiker hatten für die Kleinen kurzweilige Tests und Experimente mit im Gepäck. Diese konnten ihre Koordination und Fitness auf den Prüfstand stellen und an Experimen-

tierstationen ihrem Forschertrieb rund um das Thema Wasser freien Lauf lassen. Nach dem regen Zulauf plant die Uni, auch im kommenden Jahr den Kindertag zu unterstützen.

Finanzminister besucht Rechenzentrum Derzeit wird das Rechenzentrum modernisiert und erweitert. Der Mainzer Finanzminister Carsten Kühl informierte sich anlässlich des „Bildungstages Rheinland-Pfalz“ vor Ort über den Baufortschritt. Der Umbau wird gefördert aus Mitteln des Konjunkturpaktes II.

Fesselnde Lesung Mirjam Pressler und Gerti Elias lasen im großen Saal des Alten Rathauses aus dem Buch „Grüße und Küsse an alle“, das aus der über 10.000 Seiten umfassenden Korrespondenz der Familie von Anne Frank entstanden ist. Sie machten aus der Veranstaltung des Frank-Loeb-Instituts, die in Kooperation mit der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit“, dem „Verein Kulturzentrum Altstadt e.V.“ und der Buchhandlung Trotzkopp stattfand, ein bleibendes Hörerlebnis.

Neue Öffnungszeiten Die Bibliothek hat ab 1. Juli neue Öffnungszeiten. Von Montag bis Freitag hat sie dann täglich von 9 bis 21 Uhr auf, in der Zeit zwischen 18 und 21 Uhr findet allerdings keine Ausleihe, Ausgabe von Fernleihen und keine Beratung an der Ausleihtheke statt. Präsenzbestände und Bücher aus Semesterapparaten können über das Wochenende ausgeliehen werden: Ausleihe freitags von 17 bis 18 Uhr, Rückgabe montags bis 10 Uhr. 19


Leseraktion

Neues NeuLand

Helfen Sie uns, die Campuszeitung der Universität in Landau weiter zu verbessern. Bitte ergänzen Sie deshalb die beiden folgenden Sätze: An NeuLand gefällt mir besonders

An NeuLand spricht mich weniger an

Geben Sie Ihre Antwort bitte bis zum 15.08.2010 beim Referat für Öffentlichkeitsarbeit ab (Postfach Nr. 40 im Gebäude K) oder mailen Sie an neuland@unilandau.de. Vielen Dank für Ihre Mithilfe. Die NeuLand-Redaktion

meldungen hatten die Leser: „Ich überfliege NeuLand eigentlich immer, meistens ist’s aber nicht so richtig interessant.“ – „Das Medium soll unabhängig von der Unileitung schreiben können und auch kritisch über Dinge berichten.“

„Informationen über Hochschule aus erster Hand.“ Das „neue“ NeuLand ist da. Die Campuszeitung der Universität in Landau wurde grafisch optimiert, und auch an der Themenführung hat die Redaktion gearbeitet. Mit einer Umfrage an den MailVerteiler wurden die Bedürfnisse der zurzeit rund 3.000 NeuLand-Abonnenten eruiert.

„Hält mich über das Uni-Leben in Landau auf dem Laufenden.“ Die Ergebnisse der Befragung sind in den Relaunch mit eingeflossen. Zahlreiche Leserinnen und Leser loben die Online-Zeitung: „NeuLand gibt einen guten Überblick über das Uni-Geschehen auf allen Ebenen.“ – „NeuLand ist ein wichtiges Magazin der Uni.“ – „Ich freue mich jedes Mal über die vielen Hintergrundinfos.“ Auch kritische Rück-

Viele haben aufgrund der Umfrage erstmals von der Online-Zeitung erfahren: „Wusste nichts von der Existenz von NeuLand.“ – „Ich weiß nicht, woher ich es bekomme.“ Um neue Zielgruppen anzusprechen und den Leserkreis zu

„Bitte mehr Porträts über Mitarbeiter und Studierende der Uni.“ erweitern, wird NeuLand zukünftig aber auch in gedruckter Form in einer kleinen Auflage erscheinen und unter anderem in Aufstellern auf dem Campus verteilt werden. NeuLand steht auf der Uni-Website unter www.neuland.uni-koblenz-landau.de als PDF zum Download. Hier können Sie sich auch in eine Abo-Liste eintragen und erhalten automatisch den Link, sobald die neueste Ausgabe online steht.

Impressum Herausgeber Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau Fortstraße 7 76829 Landau Redaktionsteam Kerstin Theilmann (verantw.), Andreas Rudolf, Wilfried Dorsch

Fotos Titelseite: Paul van Schie, Eugen Gomringer; S. 2: Paul van Schie; S. 4: fotalia.com; S. 5: privat; S. 17-19: Kerstin Theilmann; alle weiteren: Karin Hiller Layout Bender Mediengestaltung Kontakt Kerstin Theilmann

Tel. 06341 280-32219 E-Mail: neuland@uni-landau.de www.neuland.uni-koblenzlandau.de Die Redaktion behält sich die Kürzung und Überarbeitung von Texten vor. Die Meinung einzelner Autorinnen/Autoren gibt nicht immer die Meinung der Redaktion wieder.

NeuLand 2/2010  

NeuLand- Die Online-Zeitung am Campus Landau

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