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DIE WICHTIGSTEN TERMINE SEITE 32

DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

AUSGABE 02/17

EINZELPREIS 1,90 €

In dieser Ausgabe:

STANDORTPORTRÄT SAMTGEMEINDE SÖGEL MACHER & MÄRKTE Boom der E-Bikes: Fahrradbranche der Region unter Strom. Seite 6

SPEZIAL MÖBEL & KÜCHE Vom Gesellenstück zur vollautomatischen Möbelproduktion. Seiten 9 bis 16

GELD & GESCHÄFT Die Emsland-Stärke geht gegen ihre früheren Chefs vor. Seite 17

LEBEN & LEIDENSCHAFT Diskothek Index: Die Erfolgsgeschichte der Gebrüder Bösch.

Foto: Jörn Martens Montage: Matthias Michel

Seiten 28/29

Jens Bormann lässt Bots sprechen Der Ex-buw-Eigentümer digitalisiert mit seinem Start-up Muuuh den Kundenservice

FEIERN UND TAGEN

IM STILVOLLEN AMBIENTE VON CHRISTIAN SCHAUDWET OSNABRÜCK. Am Verkauf des Callcenter-Dienstleisters buw hat Jens Bormann Millionen verdient – eine komfortable Startbasis für sein neues Unternehmen, die Muuuh Group. Mit ihr will der Osnabrücker den Kundenservice von Unternehmen revolutionieren.

„Als Konsument haben Sie schon heute Kontakt mit Bots, ohne es zu merken“, sagt Jens Bormann, Seine Muuuh Group berät Unternehmen wie BMW, Eon, die Deutsche Bank und die Allianz bei der Digitalisierung ihres Kundenmanagements. Das Osnabrücker Start-up mit rund

100 Beschäftigten ist aus dem 2016 von Convergys aus den USA übernommenen Callcenter-Dienstleister buw hervorgegangen, den Bormann im Jahr 1993 mitgegründet hat. Wenn renommierte TechnologieGurus recht behalten, beantworten Unternehmen künftig die Fragen ihrer Kunden automatisch: TextChatbots und Sprachprogramme statt Menschen nehmen sich dann der Wünsche und Sorgen der Konsumenten an. Hier will Bormann Muuuh ins Spiel bringen. Anders als Convergys soll Muuuh den Kundenservice seiner Klienten nicht betreiben, sondern nur entwerfen, testen und weiterentwickeln. Dazu bildet Bormann kleine „Labors“ aus fünf bis zehn

Jens Bormann, Gründer der Muuuh Group, Ex-buw-Gesellschafter. Foto: David Ebener

Spezialisten, die Konzepte für Kundenmanagement via Chat, E-Mail, Blog, App und Website entwickeln. „Künstliche Intelligenz“, Software, die schreiben, sprechen und dabei ähnlich wie Menschen lernen kann, ist in der Branche derzeit die

am heißeste Ware. Doch die schönen neuen Chat- und Sprachprogramme könnten Bormanns alte Branche, die er bei buw mehr als zwei Jahrzehnte lang mitgeprägt hat, Tausende Callcenter-Jobs kosten. Bormann sieht auf Kundenmanagement-Dienstleister drastische Veränderungen zukommen: „Wir leben in einer wahnsinnig disruptiven Welt.“ In dieser soll Muuuh bis zum Jahresende um zehn Prozent wachsen. Kein Wunder, dass es im jetzigen, zur Start-up-Herberge improvisierten früheren Hotel zu eng wird. Bormann plant ein neues Domizil auf dem ehemaligen FabrikGelände des Chemieproduzenten Hagedorn in Osnabrück.

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

MACHER & MÄRKTE

2

SPEZIAL

MACHER & MÄRKTE

GELD & GESCHÄFT

MÖBEL & KÜCHE

LEBEN & LEIDENSCHAFT

1 | Jens Bormann

9 | Gesellenstücke

17 | Emsland-Stärke

25 | Hans Höffmann

Was der frühere buw-Eigner mit seinem Start-up Muuuh vor hat.

Die besten Tischlergesellen der Innungen und ihr ganzer Stolz.

Der Streit mit den Ex-Chefs geht in die nächste Runde.

Eine Begegnung mit dem Papst veränderte das Leben des Busreiseunternehmers.

2 | Editorial

10 | Wiemann Möbel

18 | Finanzierung

26 | Tresore

Berthold Hamelmann über die Lage der deutschen Möbelindustrie.

Familienunternehmen behauptet sich im harten Preiswettbewerb.

Die nützlichsten Kapitalquellen für Unternehmensgründer.

Ralf Reizer fertigt Maßschränke für private Kostbarkeiten.

3 | Utz

11 | Assmann

19 | Start-ups

27 | Jan Bernd Berentzen

Kunststoff-Behälter für jeden erdenklichen Zweck made in Schüttorf.

Der Büromöbelmacher setzt auf Automatisierung und hohe Stückzahlen.

Welche Firmen im Grafschafter Technologiezentrum heranwachsen.

Entwickelt eine neue Generation von Energydrinks.

4/5 | Hinterlandverkehr

12/13 | Steinhoff

20 | Polen

28/29 | Diskothek „Index“

Die Warenströme aus den Seehäfen überlasten das Straßennetz.

Der Westersteder Möbelriese kauft Firmen am laufenden Band.

Wie die Wirtschaft der Region mit der polnischen Wirtschaft verflochten ist.

Wie die Gebrüder Bösch einen der größten Tanzläden Deutschlands schufen.

21 | Andrzej Przyłebski

30 | Small Talk

Polens Botschafter im Interview über den Handelspartner Deutschland.

unverbindlichen Plauderns unter Kollegen.

6 | Pfau-Tec

Foto: imago/GlobalImagens

Wie der Fahrradbauer vom Trend zum E-Bike profitiert.

VON BERTHOLD HAMELMANN

N

AnzeigenSonderseite Die hohe Kunst des

31 | Kino-Nostalgie

Der Familienbetrieb stattet Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft aus.

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Die 81-jährige Luise Stroeve ist die Grande Dame der Nordhorner Filmtheater.

8 | Bernd Voshaar

15 | Möbeldesgin

23 | Mobilität von Morgen

32 | Gesichter der Wirtschaft

Interview mit dem Chef des Maschinenbauers Neuenhauser.

Thomas Hofmann, Professor für Industriedesign, im Interview.

Rechtswissenschaftler Volker Lüdemann über das Gesetz zum automatisierten Fahren.

Hermann Paus in der „Hall of Fame“, DIL-Forscher in Bangladesch, Workshop für Flüchtlinge.

14 | Deeken

Der Wirtschaftsanwalt geht mit Finanzinvestoren auf Einkaufstour.

AnzeigenS Interview mit Tibor Pataki, onderseite

Unternehmens- und Personenindex UNTERNEHMEN Alibaba .................................................... 12 Allianz.........................................................1 Ashurst ...................................................... 7 Assmann Büromöbel............................. 11 Astoria-Palast......................................... 31 AVO-Werke August Beisse .................. 21 Barlage Holding ....................................20 Bentheimer Eisenbahn .......................... 4 BMW ...........................................................1 Bösch Handelsgesellschaft.................. 28 Bruno Steinhoff Möbelvertretungen und -vertrieb ..... 12 buw..............................................................1 Cegielski .................................................. 21 Conforama ........................................ 12, 13 Convergys ..................................................1 CTT Hengelo ............................................ 4 Cycle Union .............................................. 6 Darty ........................................................ 13 Deeken-Gruppe ..................................... 14 Derby Cycle .............................................. 6 Deutsche Bank..........................................1 Deutsche Bank....................................... 12 Dörpener Umschlagsgesellschaft für den kombinierten Verkehr............. 5 Emsland Aller Aqua ..............................17 Emsland-Group ......................................17 Emsland-Stärke ......................................17 ES Aqua Holding....................................17 Euroterminal Coevorden-Emmen-Hardenberg ......... 4 Fischer Surface Technologies ............... 7 Fly Möbelteile .......................................... 9 Fnac.......................................................... 13

Glüpker Blechtechnologie..................... 8 Gommagomma ...................................... 13 Grafschafter Technologiezentrum..... 19 Grimme ................................................... 32 Hagedorn ...................................................1 Hardeck................................................... 10 Harveys ................................................... 12 Hermann Paus Maschinenfabrik....... 32 Höffmann................................................ 25 Home Retail ........................................... 13 HSE 24....................................................... 7 Hülsing ...................................................... 9 Ikea........................................................... 12 Index ........................................................ 28 JD Group................................................. 12 Kampmann............................................. 21 Kaufland.................................................. 21 Kika/Leiner ............................................ 12 Kraftverkehr Emsland ........................... 4 Krone ....................................................... 32 Küchenland Ekelhoff ........................... 13 Kynast........................................................ 6 Lidl ........................................................... 21 Linklaters.................................................. 7 Mattress Firm ........................................ 13 Mercedes .................................................20 Metallbaufirma Hans Reizer .............. 26 Meyer Werft ..................................... 14, 32 Mitsui-Gruppe ......................................... 7 Möbel Unger .......................................... 14 MS Consulting ........................................17 Musterring.............................................. 10 Muuuh Group ...........................................1 Neuenhauser Maschinenbau................ 8 Neuenhauser-Gruppe............................. 8 Nordsieck .................................................. 9

Norton Rose ............................................. 7 Oeseder Möbel-Industrie Matthias Wiemann ............................... 10 Park-Inn-Hotel....................................... 14 Pepkor-Holding ..................................... 12 Pesa .......................................................... 21 Pfau-Tec ..................................................... 6 PG-Medien.............................................. 19 Poco .......................................................... 12 Port of Rotterdam ................................... 4 Porta......................................................... 10 Poundland .............................................. 13 Powerlook ............................................... 27 Sainsbury ................................................ 13 Saule......................................................... 21 Schülerhilfe .............................................. 7 Schultz KG ..................................... Beilage SK Meat Vertriebs GmbH ................... 32 Snooze ..................................................... 12 Solaris ................................................. 20,21 Stabar....................................................... 21 Stadtwerke Osnabrück ........................20 Star ........................................................... 21 Steinhoff.................................................. 12 Steinhoff Europe Group Services ...... 13 Steinhoff International Holdings Ltd .......................................... 12 TanzArt Lingen ...................................... 32 Teamplan Objekteinrichtungen........... 9 Tekki Town ............................................. 13 Teutobus..................................................20 Tresorbaufirma Karl Reyl.................... 26 United Initiators ..................................... 7 Ursus........................................................ 21 Utz-Gruppe............................................... 3 Wiemann Möbel.................................... 10

XXXLutz ................................................. 10 Zortrax..................................................... 21

PERSONEN Aßmann, Dirk ......................................... 11 Berends, Joachim.................................... 4 Berentzen, Jan Bernd........................... 27 Bökers, Alexander ................................... 9 Bormann, Jens ..........................................1 Bormann, Steve ..................................... 13 Bösch, Else.............................................. 28 Bösch, Holger......................................... 28 Bösch, Karin........................................... 28 Bösch, Klaus ........................................... 28 Bösch, Marius ........................................ 28 Bösch, Nils .............................................. 28 Bösch, Reinhard .................................... 28 Bösch, Wilfried ...................................... 28 Bösch. Armin ......................................... 28 Cloppenburg, Richard.......................... 32 Daun, Claas E......................................... 12 de Saint Phalle, Niki............................. 29 Deeken-Rickermann, Anja.................. 14 Düselder, Aiko ....................................... 19 Egbers, Bernd .......................................... 7 Eilting, Hubert........................................17 Eisenberger, David.................................. 6 Ekelhoff, Hans ....................................... 13 Ekelhoff, Heinrich................................. 13 Ekelhoff, Johannes................................ 13 Ekelhoff, Johannes Albertus............... 13 Evers, Gesine.......................................... 13

Drei Geschäftsfelder – eine starke Gruppe

Eveslage, Theo ....................................... 32 Fischer, Michael .................................... 32 Franke, Ulrike ........................................ 31 Gabler, Claudia ...................................... 18 Hagi, Gheorghe...................................... 12 Hesse, Frank........................................... 21 Heinz, Volker.......................................... 32 Hinkelmann, Udo ..................................17 Hoffmann, Andreas .............................. 25 Hoffmann, Hans.................................... 25 Hofmann, Thomas .................................15 Holtkamp, Lisa ...................................... 19 Hrubesch, Horst .................................... 32 Hübner, Guido ........................................ 11 Jooste, Markus....................................... 13 Kaczynski, Jaroslaw..............................20 Kalvelage, Sarah .................................... 32 kl. Holthaus, Reiner ............................. 32 Klein, Hans-Michael.............................30 Köhler, Rüdiger ....................................... 3 Kötter, Burkhard ...................................20 Kriege, Helmut ...................................... 10 Kroeze, Alexander................................. 19 Leer, Roman ..........................................20 Locken, Michael .................................... 31 Lüdemann, Carolin...............................30 Lüdemann, Volker ................................ 23 Lüdtke, Thomas .................................... 13 Matula, Richard..................................... 21 Mustermann, Achim .............................. 6 Panton, Verner ....................................... 29 Paschertz, Herbert ................................ 32 Pataki, Tibor........................................... 22 Paus, Agnes............................................. 32 Paus, Hermann ...................................... 32 Prenger, Heinz ....................................... 32

Worklife

Architecture

emco Badausstattungen

Prof. Siddique ........................................ 32 Przylebski, Andrzej ............................... 21 Rehmer, Stefan ........................................ 9 Reizer, Kurt ............................................ 26 Reizer, Ralf ............................................. 26 Reyl, Karl ................................................ 26 Rickermann, Frank............................... 14 Rickermann, Hermann........................ 14 Riemann, Andreas .......................... 12, 13 Schlüter, Friedrich .................................. 6 Schonert, Michael ..................................17 Schosswald, Aydo Ali ........................... 18 Schröder, Atze........................................ 28 Schumann, Marc .................................... 11 Schwöppe, Marcel ................................... 9 Steinhoff, Bruno .................................... 12 Stolpmann, Yvonne............................... 18 Stroeve, Heinrich .................................. 31 Stroeve, Luise......................................... 31 Stuckenberg, Andre ................................ 6 Sudhoff, Arne ........................................... 6 Surmann, Sabine................................... 32 Szydlo, Beata ..........................................20 Thale, Johannes....................................... 9 Voshaar, Bernd ........................................ 8 Voshaar, Hans .......................................... 8 Weber, Marco ......................................... 32 Westerkamp, Christian .......................... 6 Westhuis, Thomas................................. 19 Wiemann, Markus ................................ 10 Wiemann, Mathias A. .......................... 10 Wiese, Christo........................................ 13 Winter, Reinhard ................................4, 5 Wojtyla, Carol ........................................ 25 Wolf, Doris..............................................30 Zittlau, Dieter ........................................30

ur in China und den USA werden mehr Möbel als in Deutschland produziert, so der Verband der deutschen Möbelindustrie. Höherer Wohlstand lässt sich gut an Wohnungseinrichtungen ablesen. Das gilt besonders für neue Küchen, die inzwischen häufig in Preiskategorien eines guten Mittelklassewagens zu finden sind. Und die Kaufbereitschaft der Verbraucher ist angesichts der niedrigen Inflationsraten und des extrem niedrigen Zinsniveaus auch bei größeren Anschaffungen, wie es typischerweise Möbel und Küchen sind, vergleichsweise hoch. Der Bereich gilt immer noch als eine typisch mittelständische Einzelhandelsbranche, wie in unserem Spezialteil dieser Ausgabe zu lesen ist. Die Vertriebsformen im Verbreitungsgebiet sind vielfältig. Das Angebot reicht vom spezialisierten Fachgeschäft über den Mitnahmemarkt bis hin zum großen Wohnkaufhaus und dem Onlinehandel. DIE WIRTSCHAFT erscheint ab sofort nicht nur in Stadt und Landkreis Osnabrück sowie dem Kreis Emsland, sondern auch in der Grafschaft Bentheim. Wer sich die schönsten Gesellenstücke von Möbeltischlern der Region anschaut, versteht, warum Discount-Verhältnisse wie bei den Gütern des täglichen Bedarfs bei Möbeln und Küchen noch keinen Einzug gehalten haben. Individualität bleibt gefragt, hat aber auch ihren Preis.

29. Juni vormerken Die nächste „Die Wirtschaft“ erscheint am Donnerstag, 29. Juni 2017. Anzeigenschluss für diese Ausgabe ist Freitag, 9. Juni 2017.

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Wettbewerb und Individualität

22 | Verkehrsunfälle

7 | Bernd Egbers

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

MACHER & MÄRKTE

Kisten für Kabel, Kolben und Koteletts Die Utz-Gruppe fertigt in Schüttorf aus Recycling-Materialien Kunststoffbehälter in allen erdenklichen Varianten VON ANDREAS KRZOK SCHÜTTORF. Ein Spezialist mit

Geschichte – seit 46 Jahren produziert die Schweizer Utz-Gruppe in Schüttorf Kunststoffbehälter. Paradedisziplin des Unternehmens sind individuelle Kundenlösungen. Mehr als 30 000 Tonnen Kunststoffgranulat werden jährlich in Schüttorf verarbeitet.

Wer sich der Stadt Schüttorf von Nordosten her nähert, sieht schon von Weitem eine silberglänzende Batterie hoher Silotürme. Wie eine Landmarke überragen sie das jüngst auf 170 000 Quadratmeter angewachsene Firmenareal der Georg Utz GmbH. Der Kreisverkehr direkt davor trägt den Namen des Schweizer Firmengründers: Georg Utz. Auf einer Säule im Mittelpunkt des Rondells balanciert ein großer Kunststoffbehälter. Damit ist auf einen Blick klar, womit das Unternehmen äußerst erfolgreich sein Geld verdient. Als Hersteller von Lager- und Transportbehältern, Paletten, Werkstückträgern und technischen Teilen aus wiederverwertbarem Kunststoff beliefert Utz von Schüttorf aus vor allem die Automobil- und die Elektroindustrie, den Handel und die Logistikbranche. Markt- und Innovationsführer ist Utz mit seinen preisgekrönten Behältern für die Lebensmittelund insbesondere die Fleischindustrie. Mehr als 2000 verschiedene Standardprodukte führt der dicke Angebotskatalog auf. „Darüber hinaus verstehen wir uns als ,Lösungsfinder‘ , die möglichst jeden von unserem Standardprogramm abweichenden Kundenwunsch erfüllen“, betont Geschäftsführer Rüdiger Köhler, der Chef von rund 520 Mitarbeitenden ist. „Wir tüfteln so lange, bis wir dem Kunden ein für ihn optimales Produkt bieten können.“ Das scheint gut zu funktionieren, denn die 5000 sogenannten „Kundenlösungen“ machen 70 Prozent der Produktion aus.

Die Kunststoffbehälter der Utz-Gruppe kommen in Industrie,Handel und der Logistikbranche zum Einsatz.

Flexibilität zieht sich wie ein roter Faden durch die Unternehmensgeschichte. 1971 am Standort gegründet, gehört die Schüttorfer Firma zur Utz-Gruppe, die sich nach wie vor in Familienbesitz befindet und in Form einer Holding in Bremgarten (Schweiz) ansässig ist. Seit den 1990er-Jahren hat der Standort Schüttorf „Geschwister“ in aller Welt. Inzwischen gibt es Utz-Produktionsstandorte in Großbritannien, Frankreich, Polen, in den USA, in China und Mexiko. Die Gruppe wächst seit Jahren. Schüttorf als größtes Glied der Kette spielt dabei eine wichtige Rolle. In der Grafschaft Bentheim werden rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes der Utz-Gruppe erwirtschaftet. „Wir blicken in Schüttorf auf ein sehr gutes Jahr 2016 zurück“, berichtet Rüdiger Köhler. Für das vorletzte Jahr ist die Statistik ausgewertet: 2015 be-

trug der Bruttoumsatz 116 Millionen Euro. 9,6 Millionen Euro wurden an diesem Standort investiert. „Jetzt haben wir uns die Steigerung der Effizienz vorgenommen“, sagt Köhler, „wir treiben die Digitalisierung in Technik und Verwaltung voran.“ Jüngstes Kind: ein Online-Shop für Firmenkunden. Unser besonderes Augenmerk richten wir darauf, unsere Mitarbeitenden in die Veränderungsprozesse einzubeziehen.“ Auf dem Feld der Automatisierung ist man schon gut vorangekommen, was sich unter anderem an den Elektrostaplern zeigt, die führerlos und GPSgesteuert die fertigen Behälter zwischen Maschinen und Lägern transportieren. Sie haben viel zu tun, denn in den sechs Produktionshallen werkeln 49 Spritzgießmaschinen und 24 Thermoformmaschinen. 30400 Tonnen Kunststoffgranulat (zum Teil in einem speziellen Betriebsbereich recycelt)

Foto: Armin Frieling/Utz

Spezialität: die gelben Briefbehälter der Post.

Besondere Stärke des Unternehmens sind maßgeschneiderte Varianten.

werden zu Behältern, Falt- und Klappboxen, Werkzeugträgern, Blistern, Paletten, Klein- und Großladungsträgern in vielen verschiedenen Farben verarbeitet. Zu den „Spezialitäten“ zählen abschließbare „Koffer“, tablettartige Konstruktionen, Waschkörbe, Registerboxen, Behälter aus durchsichtigem Material, aber auch Transportroller und die wohlbekannten gelben Briefbehälter der Post. Technische Kunststoffteile der unterschiedlichsten Art werden für die Solar- und Elektrobranche, fürs Baugewerbe, für Hausgerätehersteller und den Apparatebau gefertigt. Utz produziert für die Lebensmittelindustrie hygienische und robuste Behälter und Boxen, Lattenkisten für Obst- und Gemüse, Brot-, Fleisch- und Fischbehälter, Isolierboxen, ja sogar Behälter für die Käsereifung. Zukunftsorientiert wie in der Technik will Utz auch in seinem

Foto: Utz

Bemühen um Nachhaltigkeit sein. Geschäftsführer Köhler sagt, Ökologie sei im Leitbild der Firma verankert. Unter anderem sei Kunststoff-Recycling selbstverständlich. Nachhaltigkeitsberichte dokumentieren das Erreichte. Die Investitionen der Firma sichern laut Rüdiger Köhler die Zukunft des Standorts Schüttorf. Die Treue zur Region unterstreicht Utz auch mit sozialem Engagement. So werden aus dem Budget der Geschäftsführung unter anderem Kindergärten und die Deutsche Knochenmark-Spenderdatei gesponsert. Um die Inklusion von Menschen mit Behinderung zu fördern, arbeitet Utz mit der gemeinnützigen Organisation Lebenshilfe zusammen. Köhler: „Wir vergeben nicht nur Aufträge an die Lebenshilfe, sondern bieten einigen der dort Betreuten Arbeitsplätze hier bei uns.“

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

MACHER & MÄRKTE

Dem Nordwesten droht eine Containerflut Der Hafen Rotterdam boomt – Weil der Transport auf der Schiene stockt, rückt ein Kollaps des Straßenverkehrs auf der West-Ost-Achse näher Das Hafenhinterland für Rotterdam reicht weit über die Grenze. Der Bund rechnet mit 39 Prozent mehr Lkw-Verkehr bis 2030. Ausbau der Bahn von Bad Bentheim nach Osnabrück nicht in Sicht. VON IRENE SCHMIDT UND MANFRED FICKERS

Viel Fracht unterwegs: Lkw-Verkehr auf der Europastraße 233 bei Haselünne (oben),Güterumschlag im Euroterminal Coevorden-Emmen-Hardenberg (unten), Containerschiff im Hafen Rotterdam (rechts). Fotos: dpa (2),Stephan Konjer

NORDHORN/MEPPEN/ROTTERDAM.

Die Wirtschaft floriert, die Warenströme schwellen an. Im Nordwesten sorgt besonders der Hinterlandverkehr des Hafens Rotterdam dafür, dass immer mehr Fracht auf Lkw über die Straßen rollt. Die Verkehrsplanung in der Region kommt kaum hinterher. Mehr und längere Staus drohen.

Eine Autobahnfahrt auf der A 30, von der holländischen Grenze bei Bad Bentheim nach Osnabrück, ähnelt einem fiktiven Bummel über die Weltmärkte. Dicht an dicht reihen sich die Lastzüge auf der rechten Spur, und ihre Aufschriften geben Auskunft über die Warenströme, die durch die Grafschaft und das Emsland fluten. Vor allem auf der Ost-West-Achse hat der Verkehr zugenommen, sagen Statistiker. Der Anteil der Lkw am Güterverkehr in Deutschland belief sich im Jahr 2015 auf mehr als 70 Prozent. Die Zahlen auf der Autobahn 30 belegen die Aussage. Pro Tag registriert die automatische Zählstelle bei Gildehaus rund 19.400 Pkw und 6200 Fahrzeuge im Schwerlastverkehr. Der prozentuale Lkw-Anteil ist mit einem Drittel deutlich höher als auf den Fernstraßen im Umfeld.

Doch wo kommen die ganzen Waren her? Der Blick in den Westen gibt Aufschlüsse. Der größte Hafen Europas, „Port of Rotterdam“, ist nur 300 Autobahnkilometer entfernt. 461 Millionen Tonnen Seegüter wurden dort 2016 umgeschlagen, darunter als Stückgut in Containern 12,35 Millionen TEU*). Der Hafen Maasvlakte ist ein Tiefwasserhafen mit einer 26 Meter tiefen Fahrrinne. Damit ist Rotterdam der einzige Hafen der westlichen Welt und einer von dreien weltweit, den der Schüttgutfrachter „Berge Stahl“, einer der größten der Welt, voll beladen anlaufen kann.

Von allen Gütern, die über den Seeweg transportiert und in Niedersachsen verarbeitet werden, kommen 60 Prozent über Rotterdam ins Land. „Die Grafschaft Bentheim und das Emsland bis hin nach Osnabrück sind längst ,Hafenhinterland‘ für Rotterdam“, erklärt der Vizepräsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Vorstand der Bentheimer Eisenbahn AG, Joachim Berends. Der Hafen Rotterdam habe nicht umsonst im Blickpunkt des 10. BME-/VDV-Forums Ende Januar in Bonn gestanden (BME steht für Bundesverband

Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik). Der Rotterdamer Hafen strebt, laut Berends, eine nachhaltige Umstrukturierung seiner Logistik an: Der Bahnanteil am Gesamtverkehrsaufkommen soll zulasten des Transportes auf der Straße deutlich zunehmen. Unter anderem bezuschusst der Hafenbetrieb mit einer Million Euro den Neubau und die Verlegung von vier Kilometern öffentlichen Anschlussgleisen im Hafengebiet, um die Be- und Entladung von Eisenbahnzügen noch effizienter zu gestalten und die Automatisierung der Be- und Entladungsvorgänge voranzutreiben. Für die kommenden Jahre rechnet das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) zwar mit einem langsameren Wachstum des Güterverkehrs, aber im Seeverkehr sollen es bis 2020 jährlich immer noch 0,5 Prozent sein. Auf dem Festland wird der Zuwachs am ehesten auf den Straßen zu spüren sein. Für Joachim Berends, zu dessen Unternehmensgruppe neben der Bentheimer Eisenbahn mit der Kraftverkehr Emsland auch eine Spedition gehört, ist dies das falsche Signal. Berends steht hinter der Forderung des VDV zur Verlagerung von mehr Fracht auf die Schiene. Die Bentheimer Eisenbahn hat vor 15 Jahren im grenzüberschreitenden Industriegebiet „Europark Emlichheim Coevorden“ das „Euroterminal Coevorden-EmmenHardenberg“ mitbegründet, wo Güter von der Straße auf die Schiene und umgekehrt verladen werden. Die Menge beläuft sich jährlich auf 25.000 bis 35.000 TEU oder ebenso viele Lkw. Das Euroterminal ist damit im Verlauf der Gütergleise der Bentheimer Eisenbahn zwischen dem Bahnhof Bad Bentheim und der niederländischen Gemeinde Coevorden ein Knotenpunkt, von dem aus Züge in den Hafen Rotterdam, aber auch ins schwedische Malmö und zu anderen Fernzielen geschickt werden.

Die Bundesregierung rechnete in ihrer vor drei Jahren vorgelegten Verkehrsprognose 2030 mit 39 Prozent mehr Lkw-Verkehr. Treiber seien vor allem grenzüberschreitende und Transit-Transporte. Kommt es wirklich so, wird es Folgen für die Umwelt haben. Schon 2016 trug die Steigerung des Güterverkehrs auf der Straße um 2,6 Prozent laut Umweltbundesamt wesentlich dazu bei, dass der Dieselabsatz stieg und der Verkehrssektor 5,4 Millionen Tonnen mehr Treibhausgase ausstieß als 2015. Der Güterverkehr auf der Schiene ging um 0,5 Prozent zurück. Dabei habe allein die Verlagerung der Transporte auf die Schiene das Potenzial, die Stickoxidbelastung in den Ballungszentren zu verringern, sagt VDV-Vize Berends. Der Ausbau der Betuwe-Route, die von Rotterdam aus ins Ruhrgebiet führt, ist ein Projekt, das in diese Richtung zielt. Heute fahren 70 Prozent aller

daraus ermittelt die BaST den Durchschnittswert pro Tag. In Bunderneuland (A 280), Heede (B 401), Rütenbrock (B 408), Hebelermeer (B 402, Europastraße 233), Emlichheim (B 403), Nordhorn (B 213) und Gildehaus (A 30) überquerten 2011 13.025 Lkw täglich die Grenze. 2015 waren es 13.166. Der Lkw-Verkehr verteilt sich sehr ungleichmäßig auf die Grenzübergänge. An der Spitze steht Gildehaus mit 6227 Lkw täglich auf der A 30 im Jahr 2015, gefolgt von Hebelermeer (B 402/E 233) mit 3372 und Bunderneuland (A 280) mit 1480. Entsprechend der Bedeutung dieser drei Übergänge wird hier schon seit 2000 beziehungsweise 2003 automatisch gezählt. 2003 nutzten 8859 Lkw täglich diese drei Fernstraßen auf dem Weg zwischen den Niederlanden und Niedersachsen. 2008, vor Beginn der Wirtschaftskrise im Nachbarland, waren

es 10.971. Danach sank die Zahl der Lkw-Fahrten bis 2012/2013, seitdem steigt das Verkehrsaufkommen wieder. 2015 wurden 11.079 Lkw täglich registriert. Die auf die deutsche A 30 zulaufenden niederländischen Autobahnen sind seit Jahrzehnten überlastet. Deshalb haben die Niederlande die Nationalstraße 37 im Zuge der Europastraße 233 zwischen Hoogeveen und der deutschen Grenze bei Hebelermeer zur Autobahn 37 ausbauen lassen. Sie ist für die Städte Hoogeveen und Emmen die schnellste Verbindung ins deutsche Autobahnnetz. Auf deutscher Seite wurde der Abschnitt von Hebelermeer bis zur Anschlussstelle der A 31 in Meppen vierspurig ausgebaut. Dieses Teilstück der E 233 in Deutschland ist ebenso mautpflichtig wie der vierspurige Abschnitt der Ortsumgehung Cloppenburg. „Bei der E 233 handelt es sich

Ein Ausbau des Bahnabschnitts Bad Bentheim– Osnabrück ist nicht in Sicht.

Stoßstange an Stoßstange Wo die meisten Lkw die deutsch-niederländische Grenze passieren VON MANFRED FICKERS GILDEHAUS. Der Lkw-Verkehr zwischen Niedersachsen und den Niederlanden nimmt seit Jahren zu. Das geht aus Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BaST) hervor.

Auf dem Weg zur Grenze: Lkw auf einem Parkplatz an der der A30.

Foto: Iris Kersten

Was auf Fernstraßen die Grenze überquert, wird gezählt. Kontaktschleifen in den Fahrbahnen von Bundesstraßen und Autobahnen registrieren Pkw und Lkw. Die Daten sind Grundlage für Entscheidungshilfen, die das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur der Regierung und den Parlamentariern gibt. Seit dem Jahr 2000 hat die BaST Bundesstraßen und Autobahnen mit Zählstellen versehen. 2015 waren es 1744. Seit 2011 wird an allen niedersächsischen Grenzübergängen der Bundesstraßen und Autobahnen gezählt,

zwar um die kürzeste Verbindung von der niederländischen Randstad über Bremen und Hamburg nach Skandinavien und ins Baltikum, aber nicht um die belastbarste“, sagt der emsländische Landrat Reinhard Winter. Darüber hinaus erschließt die Europastraße wichtige Gewerbegebiete, was zu sogenanntem Ziel- und Quellverkehr führt. „Darum wollen wir den rund 83 Kilometer langen Abschnitt von Meppen (A 31) bis Cloppenburg vierstreifig ausbauen. Gefährdungsund Belastungspotenziale für Mensch und Umwelt wären damit beseitigt. Der Ausbau würde Wertschöpfungseffekte auslösen wie beim Lückenschluss der A 31. Wir haben auf Grundlage des InterregProjekts „PlanInfra E 233“ aus der Region heraus die Planungen für einen Ausbau angeschoben. Die Federführung im Planungsprozess hat der Landkreis Emsland inne.“


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MACHER & MÄRKTE

Die Ems als Alternative zum Rhein Der Containerverkehr per Schiff soll bis 2025 wirtschaftlicher werden

Güterzüge zwischen den Niederlanden und Deutschland über die Betuwe-Linie. 2023 sollen, so optimistische Voraussagen, 160 Züge pro Tag über das dritte Gleis die deutsche Grenze passieren. 2019/2020 soll der Bau einer zusätzlichen dritten Gleisspur zwischen Emmerich und Oberhausen mit einer Länge von 70 Kilometern beginnen. Das Planfeststellungsverfahren läuft, wird aber durch viele Einsprüche beeinträchtigt. Ein Ausbau des Bahnabschnitts Bad Bentheim–Osnabrück innerhalb der Bahnstrecke Rotterdam–Warschau ist hingegen nicht in Sicht. Bereits im März 2010 hatte die IHK-Regionalkonferenz im Rahmen ihrer „Osnabrücker Erklärung“ gefordert, die Kapazität der Schienenstrecke zu erweitern. „Dieser Flaschenhals“ drohe die wirtschaftliche Entwicklung der West-Ost-Achse zu beeinträchtigen. Geschehen ist seitdem so gut wie nichts.

Umso wichtiger seien eine Verkürzung der Wartezeiten am Systemwechselbahnhof Bad Bentheim sowie die Erhöhung der Zuggeschwindigkeiten auf durchgehend 160 Kilometer pro Stunde, fordert BE-Vorstand Berends. Eine Verlängerung der Güterzüge von 630 auf 740 Meter erhöhe die Kapazitäten der Strecke zusätzlich.

„Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Schiene ist ein wichtiges Ziel, auch im Vorfeld der Bundestagswahl“, betont Berends: „Europa muss sich Gedanken machen, wie es die ökologische Wende hinbekommen will.“ Der VDV fordert in diesem Rahmen einen Abbau der „Schienenmaut“. So bezeichnen die Bahnunternehmen

* Die Abkürzung TEU steht in der Containerschifffahrt für die Twenty-foot Equivalent Unit – 20 FußContainer. Ein TEU entspricht gleichzeitig einer Lkw-Ladung.)

UMSCHLAGPLÄTZE

Vernetztes System Der Hafen in Rotterdam hat ebenso wie Hamburg ein dicht geknüpftes Netz an Hauptumschlagbasen (kurz: Hub), von wo aus die Güterströme beispielsweise erfasst, steuer- und zolltechnisch behandelt und auf die passenden Ver-

kehrsmittel verladen werden. Einer der mehr als 80 Hubs für Rotterdam ist zum Beispiel das Euroterminal Coevorden-Emmen-Hardenberg im grenzüberschreitenden deutschniederländischen Europark Coevorden-Emlich-

Emden A 31

A 29

Groningen

A 28 Leer

1

Oldenburg

70

401

Papenburg 72 70

Cloppenburg

Emmen

213

Meppen 402

2

heim. Hier handelt es sich um einen trimodalen Hub, das heißt, Waren, die in Containern aus dem Hafen mit der Bahn angeliefert werden, können vom Zug aus auf Binnenschiffe oder Lkw verladen werden. Das funktioniert auch mit

Schüttgut, vom Getreide bis hin zur Kohle. Die Gebiete, die über derartige Umschlagszentren verfügen, sind wie der Europark Bereiche mit einer großen Anziehungskraft auf Speditionen oder auch produzierende Unternehmen. is

Nadelöhr Hebelermeer Automatische Zählstellen messen den Lkw-Verkehr an den niedersächsischniederländischen Grenzübergängen. Im Jahr 2015 waren es an den insgesamt sieben Übergängen zusammen durchschnittlich 13166 Lkw pro Tag. Das Gros des Lkw-Grenzverkehrs fährt über die folgenden Übergänge:

1 A280 Bunderneuland

401

E 233

die hohen Abgaben, die den Schienengüterverkehr ausbremsen. Im Gegensatz zur Lkw-Maut zahle das Eisenbahnunternehmen für jeden Meter Strecke bis an die eigene Verladerampe. Dies sei mit ein Grund für den Anteil der Bahnen am Verkehrsaufkommen von nur 17 Prozent. In der Schweiz seien die Transporte auf der Schiene mit 30 Prozent spürbar weiter. Inzwischen gibt es, so Berends abschließend, erste Signale, dass die „Schienenmaut“ halbiert werden könnte. Mit dem Euroterminal Coevorden-Emmen-Hardenberg sowie einem Ableger des CTT Hengelo am ehemaligen Bentheimer Nordbahnhof sind schon zwei von zahlreichen Hafenhinterlandstationen genannt. Insgesamt verfügt der Hafen Rotterdam in den Niederlanden über etwa 80 derartige „Hubs“. Auf deutscher Seite arbeitet die Dörpener Umschlaggesellschaft für den kombinierten Verkehr (DUK) regelmäßig mit dem Euroterminal zusammen und profitiert vom Güterverkehr, der in Verbindung mit den niederländischen Seehäfen in der Grafschaft und im Emsland abgewickelt wird.

2003

1591

2008

1562

2015

1480

VON MANFRED FICKERS MEPPEN. Bei der Frachtschifffahrt

auf Binnenwasserstraßen denkt man zunächst an Massengüter wie Getreide, Erden und Brennstoffe, aber auch sperrige Güter, die zu groß für die Straße und den Eisenbahntransport sind. Noch wenig beachtet ist die Rolle, die Binnenschiffe beim Containerverkehr spielen können.

Im Hafen in Dörpen sind seit 1990 Schiene, Straße und Wasserweg beim Containerumschlag verknüpft. Die Dörpener Umschlagsgesellschaft für den kombinierten Verkehr mgH (DUK) wirbt für den Schiffstransport von Containern nach Duisburg am Rhein, Bremen und Bremerhaven an der Weser und nach Antwerpen, Amsterdam und Rotterdam. Bis zu zehnmal wöchentlich fahren die schwimmenden Containertransporter. Per Bahn steht das Güterverkehrszentrum in Verbindung mit dem Jade-WeserPort und mit München. Die Binnenschiffstypen Großes Rheinschiff und Großmotorgüterschiff mit 110 Meter Länge und 11,40 Meter Breite machen beim Containertransport eine optimale Raumausnutzung möglich. Allerdings schränken in Nordwestdeutschland Brückenhöhen und die Durchfahrtsbreiten von Brücken und Schleusen die Konkurrenzfähigkeit zu Bahn und Straße ein. Deshalb ist hier nur der Verkehr mit dem kleineren Europaschiff möglich. Fünf Schleusen der Nordstrecke des Dortmund-Ems-Kanals (DEK) zwischen dem südlichen Stadtrand von Lingen und der Einmündung des Mittellandkanals bei Bevergern sind zu schmal für das Großmotorgüterschiff und das Große Rheinschiff. Im August 2016 haben die Bauarbeiten im südlichen Emsland und im nördlichen Münsterland begonnen. 2029 soll der Umbau vollendet sein. Noch ist unklar, ob der Küstenkanal als alternative Verbindung zur Weser für das Großmotorgüterschiff ausgebaut wird. Zumindest die Schleuse Dörpen, die den Hafen Dörpen anschließt, wird jetzt für diese Schiffsklasse angepasst. Die Planung ist von den Landkreisen Emsland, Steinfurt, Aurich und Leer, der Stadt Emden sowie den Industrie- und Handelskammern (IHK) Osnabrück-EmslandGrafschaft Bentheim, Ostfriesland und Papenburg im Planungsbereich mit sechs Millionen Euro unter-

stützt worden. „Der DEK muss zukunftsfähig gemacht werden, bislang ist er ein Nadelöhr. Wir sind dem Bund dankbar, dass er bis 2029 in den Neubau der fünf Schleusen 450 Millionen Euro und in die Streckenanpassung 100 Millionen Euro investiert, um den DEK-Abschnitt vom Abzweig des Mittellandkanals bis Papenburg für übergroße Großmotorgüterschiffe befahrbar zu machen“, sagt der Emsländische Landrat Reinhard Winter Die Niederlande bauen seit Jahren die Kanäle zwischen Lemmer am Ijseelmeer und Delfzijl an der Ems für den Verkehr mit dem Großen Rheinschiff mit einer maximalen Tragfähigkeit von 3000 Tonnen oder vier Lagen Container aus. In Länge und Breite entsprechen sie dem Großmotorgüterschiff, das aber statt 3,50 nur 2,80 Meter maximalen Tiefgang haben darf, was die Zuladung auf circa 2100 Tonnen und drei Lagen Container beschränkt. Bis 2025 sollen die letzten Arbeiten vollendet sein.

Die Niederländer bauen ihre Kanäle in Grenznähe aus.

Die 118 Kilometer lange Verbindung über den Prinses-Margriet-Kanaal, dem Van-Starkenborgh-Kanaal und den Eemskanal zur Emsmündung ist eine der verkehrsreichsten in den Niederlanden. Wie bei der Infrastrukturbehörde Rijkswaterstaat zu erfahren ist, wird in den nächsten Jahren ein weiterer Verkehrszuwachs erwartet. Denn einerseits erschließt die Kanalstrecke die Provinzen Friesland und Groningen, andererseits verbindet sie die Seehäfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam über die Ems und den Dortmund-Ems-Kanal mit Norddeutschland, aber auch mit Tschechien und Polen. Die Ems ist für die Frachtschifffahrt vom Rhein-MaasDelta her die einzige Alternative zum Rhein.

68

2 E2 233/B 402 Hebelermeer Lingen

214 A1

2015

3 Rheine

Enschede

1812

2008

Nordhorn Almelo

2003

70

Osnabrück A 30

2829 3372

3 A3 30 bei Gildehaus A 33

51 A 31

54

2003 2008

Münster

64

2015

5456 6550 6227 Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen · Grafik: Matthias Michel

Hat noch Potenzial: der Dortmund-Ems-Kanal bei Lingen.

Foto: Ludger Jungeblut


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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

MACHER & MÄRKTE

Bei Gefahr piept es im Fahrradhelm Pfau-Tec erforscht Konzepte für die Zweiradmobilität von morgen VON DAVID HAUSFELD QUAKENBRÜCK. In einem Ni-

schensegment hat sich der Fahrradhersteller Pfau-Tec über knapp 17 Jahre einen Namen als Innovator gemacht. Beim Bau von Spezial-Dreirädern und Lastenfahrrädern für den Rehaund Freizeitbereich setzen die Mittelständler jetzt auf den Strom aus dem Traktionsakku.

Elektrounterstützung ist der Fahrradtrend der Stunde: ob gemütlich auf dem City-Rad, oder rasant über Berg und Tal auf dem Mountainbike. Auch im Produktsegment von Pfau-Tec sei das Pedelec (Pedal Electric Cycle) sehr gefragt, erklärt Geschäftsführer Friedrich Schlüter. Gemeinsam mit Achim Mustermann hat er das Unternehmen nicht nur gegründet, sondern leitet es auch. Heute würden bereits 45 Prozent der Pfau-Tec-Räder mit dieser Technik ausgerüstet, sagt er. Dabei ist die elektrische Tretunterstützung eigentlich nur Nebensache, wirklich relevant ist aus Schlüters Sicht etwas anderes: „Seit Pedelecs gibt es Strom am Fahrrad, und seit es Strom am Fahrrad gibt, ist es möglich, Assistenzsysteme wie im Auto darauf zu übertragen.“

Möglich sind etwa unterstützendes Bremsen auf Knopfdruck oder eine automatische Gangschaltung. Beides wurde bei Pfau-Tec bereits entwickelt und erprobt. Die Stromversorgung durch den Traktionsakku öffnet Forschung und Entwicklung ungeahnte Möglichkeiten, ist sich der Geschäftsführer sicher: „Was heute Utopie ist, kann morgen schon Wirklichkeit werden.“ Aktuell ist Pfau-Tec etwa an dem Projekt „Safety4Bikes“ beteiligt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Mit Partnern wie den Universitäten Oldenburg und Paderborn sollen dabei Assistenzsysteme für Radfahrer entwickelt werden. „Bei Gefahrensituationen wird dann der Radfahrer zum Beispiel über akustische Signale am Helm gewarnt“, erklärt Andre Stuckenberg, Produktmanager bei Pfau-Tec. Innovation sei enorm wichtig um einen Vorsprung im Wettbewerb zu erhalten, sagt Schlüter. „Die Entwicklung muss mit Forschungsvorhaben untermauert werden“, betont er. Deshalb arbeiten die Quakenbrücker regelmäßig mit Hochschulen und Universitäten zusammen. Auf eine mehrjährige Zusammenarbeit mit Pfau-Tec kann auch

Der Elektroantrieb der Pedelecs wird in die Nabe integriert.

Auf „Mobilitätshilfen für Menschen mit Einschränkungen“ hat sich die Quakenbrücker Firma Pfau-Tec spezialisiert.Das sind unter anderem Dreiräder und Quads.

Marian Dziubiel, Professor für technisch-ästhetische Gestaltung im Studiengang Industrial Design an der Hochschule Osnabrück, zurückblicken. Der Studiengang kooperiert laut Dziubiel regelmäßig mit Unternehmen. Die Geschäftsführer Schlüter und Mustermann „bilden schon seit 2012 eine zuverlässige und kompetente Größe in zahlreichen Semesterprojekten, Praktika und Abschlussarbeiten“, sagt der Industrie-Designer. Über Letztere kam auch Stuckenberg als Produktmanager zu Pfau-Tec. Pfau-Tec ist spezialisiert auf „Mobilitätshilfen für Menschen mit Einschränkungen“. Darunter

Die Sitzhaltung ist bequem und entspannt.

vorrangig therapiegeeignete Dreiräder, „T-Bikes“ (zwei Räder vorne, eines hinten) und Quads mit vier Rädern. Die Therapieräder sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen gelistet. Seit einigen Jahren sträuben sich die Kassen jedoch gegen eine Kostenübernahme, sagt Schlüter. Oft würden Anträge zunächst kategorisch abgelehnt – mit Auswirkungen auf den ohnehin schon kleinen Absatzmarkt. Um dem entgegenzuwirken, bieten die Quakenbrücker auch sogenannte Shoppingdreiräder für den herkömmlichen Handel an, die nicht vom Kostenträger bezuschusst werden. Diese erfüllen zum Teil die gleichen Kriterien wie Therapiedreiräder, sind aber durch Einsparungen beim Material auch ohne Kassenunterstützung erschwinglich. Sie richten sich vor allem an ältere Radfahrer und die von den Kostenträgern abgelehnten Kunden, erklärt Stuckenberg. Auch im Bereich der Lastenräder ist der Fahrradhersteller unterwegs. Sie werden laut Stuckenberg vorrangig über den Fahrradgroß- und Einzelhandel vertrieben und bedienen den Werksverkehr großer Firmen oder Botendienste wie etwa Pizzaservices. Die Fahrzeuge würden aber auch unter Privatleuten immer beliebter.

Das Konzept der Fahrradexperten scheint aufzugehen: Im Jahr 2016 verzeichnete Pfau-Tec einen Umsatz von sechs Millionen Euro, eine deutliche Steigerung zu den 4,5 Millionen Euro im Vorjahr. Pfau-Tec-Produkte sind in 16 Ländern europaweit zu kaufen. Neuerdings gehen die Räder auch nach Australien, China und in die USA, sagt Schlüter. Damit gehören die

„Was heute Utopie ist, kann morgen schon Wirklichkeit werden.“ Friedrich Schlüter, Pfau-Tec

Fotos Jörn Martens

Quakenbrücker zu den Marktführern in diesem Bereich. Zu den 55 Mitarbeitern zählen neben fünf Auszubildenden auch zehn Menschen mit Behinderungen der Heilpädagogischen Hilfe (HpH) Bersenbrück. Diese „Außenarbeitsgruppe“ arbeitet nicht in den Werkstätten der HpH, sondern in der Produktion bei Pfau-Tec vor Ort – und das nicht in einer eigenen Abteilung, sondern inklusiv an allen Produktionsschritten. „Inklusion ist gerade im Beruf besonders gut zu realisieren“, sagt Schlüter. Angefangen haben Schlüter und Mustermann mit der Erfahrung aus ihrer Zeit beim Quakenbrücker Fahrradhersteller Kynast. Nach dessen Insolvenz wagten die beiden Ende 1999 den Schritt in die Firmengründung. Dies war gerade in der Anfangsphase nicht immer eine einfache Zeit, sagt Schlüter. Wichtig sei die doppelte Geschäftsführung gewesen: Es gibt gemeinsame Erfolge, aber gleichzeitig würden schwierige Entscheidungen und Misserfolge „auf viele Schultern verteilt“. Auch im Hinblick auf die Betriebsnachfolge seien mit Andre Stuckenberg als Produktmanager und Christian Westerkamp als Management-Assistent „die Weichen für die Zukunft schon gestellt“.

Das E-Bike revolutioniert den Markt Hersteller aus der Region profitieren vom Boom bei hochwertigen vernetzten Fahrrädern mit Akkus und Elektromotoren VON CHRISTOPH LÜTZENKIRCHEN CLOPPENBURG/OLDENBURG. Ein-

fach mühelos den Berg hinauf: E-Bikes setzen neue Maßstäbe für das Radfahren. Hersteller wie Derby Cycle in Oldenburg freuen sich über den Trend – nutzen den Trend und profitieren von attraktiven Margen.

„Das E-Bike ist die größte technische Innovation des Fahrrads.“ David Eisenberger, Sprecher des Zweirad-Industrie-Verbands ZIV, sagt das ohne Pathos, es ist eher eine Feststellung. Im ZIV sind mehr als 80 Mitgliedsfirmen vertreten, die Fahrräder und Fahrradteile herstellen und vertreiben. Die jährlich erhobenen Marktzahlen des Verbands dokumentieren den enormen Erfolg der neuen Technologie: So wuchs die Menge an E-Bikes, die neu auf den Markt ka-

men, von 330.000 im Jahr 2011 kontinuierlich bis auf 605.000 im Jahr 2016. Der Anteil von E-Bikes am Gesamtfahrradmarkt kletterte laut ZIV auf 15 Prozent. Mittelfristig rechne man mit 18 bis 20 Prozent, langfristig sogar bis zu 30 Prozent. Die deutsche Fahrradindustrie produzierte 2016 gut 350.000 EBikes. Davon wurden den Angaben zufolge gut 230.000 exportiert. Damit sei der Export um 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, so der ZIV. Zu den namhaften E-Bike-Produzenten zählen die Firmen Derby Cycle aus Cloppenburg und Cycle Union aus Oldenburg. Derby Cycle mit den Marken Focus, Kalkhoff, Raleigh, Univega und Rixe stellt jährlich knapp 500.000 Fahrräder her, mehr als 100.000 davon sind EBikes. 2009 lag die jährliche Produktionsmenge noch bei 44000 Stück. „Der Anteil der E-Bikes

wächst jedes Jahr“, sagt Firmensprecher Arne Sudhoff, „unsere Produktionskapazität beträgt 3000 Fahrräder täglich, davon können etwa 1600 E-Bikes sein.“ Cycle Union mit den Marken E-Bike Manufaktur, VSF Fahrradmanufaktur, Kreidler und Rabeneick lehnte es bei Anfrage unserer Redaktion ab, Zahlen zu nennen. Der Markt wächst, und er differenziert sich. E-Bike ist längst nicht mehr gleich E-Bike. Die klassischen Komponenten des E-Bikes wie Akkus und Nabenmotoren werden immer leichter und gleichzeitig effektiver. Ein relativ neues Thema ist die Digitalisierung und Vernetzung des Fahrrads. „Der Lenker wird mehr und mehr zum Cockpit“, sagt ZIVSprecher Eisenberger: „Per Smartphone hat man Zugriff auf einzelne Komponenten wie zum Beispiel die Federgabel. Sensoren erfassen die Trittkraft des Radfahrers.“

Akku und Antrieb des E-Mountainbikes sind unauffällig integriert.

Die höherwertige Ausstattung erlaubt höhere Preise. Die Gewinnmarge bei E-Bikes sei deutlich besser als bei einfachen Trekkingrädern, so Arne Sudhoff von Derby Cycle: „Das hängt mit dem

Foto: Derby Cycle

wachsenden Erfolg gut ausgestatteter Räder in der Preisklasse bis 3500 Euro zusammen und natürlich mit dem Boom bei MountainE-Bikes.“ Die zeichnen sich laut Sudhoff dadurch aus, dass sie alle

Vorteile des E-Bikes bieten, in Verbindung mit Fahreigenschaften wie ein Mountainbike ohne Motor. Dank der unauffälligen Integration von Antrieb und Akku sieht man einem solchen Rad nicht auf den ersten Blick an, dass es ein EBike ist. „Preislich bewegen wir uns da schon in der Größenordnung bis 4000 Euro“, sagt Sudhoff. Die Zahlen des ZIV bestätigen die Bedeutung der E-Bikes für die Fahrradhersteller. Obwohl der Gesamtabsatz der Branche 2016 um sieben Prozent sank, konnte sie ihren Umsatz um sieben Prozent steigern. Dies sei vor allem durch einen erneuten Zuwachs bei den EBike-Verkäufen und durch den Trend zu immer hochwertigeren Ausstattungen zu erklären, so der ZIV: „Wie gut, dass es das E-Bike gibt, das der Industrie und dem Verbraucher seit Jahren viel Freude bereitet“, schwärmt der Verband in seinem Jahresbericht 2017.


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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

MACHER & MÄRKTE

Aufsteiger mit emsländischer Erdung Von Haselünne ins internationale Private-Equity-Geschäft – Bernd Egbers berät Finanzinvestoren bei der Übernahme von Unternehmen VON CHRISTIAN SCHAUDWET HASELÜNNE/MÜNCHEN. Wirtschaftsanwalt Bernd Egbers weiß, wie Finanzinvestoren und Banken ticken. Und wie man sich das Vertrauen mittelständischer Unternehmer verdient. Der Emsländer fädelt Firmenübernahmen ein und entscheidet im Aufsichtsrat der internationalen Kanzlei Ashurst mit.

Immer mal wieder muss Bernd Egbers Gesprächspartnern erklären, wo es liegt, dieses Haselünne, in dem er aufgewachsen ist. Und manchen muss er auch noch erklären, wo das Emsland liegt. Doch in der Welt der Firmenkäufer, Banken und internationalen Anwaltskanzleien zahlt es sich bisweilen auch aus, aus einer Gegend zu stammen, in der Direktheit und unprätentiöses Auftreten gepflegt werden. „Ich glaube, die emsländische Bodenständigkeit und der normale Umgang mit Kollegen haben mir auf meinem Weg sehr geholfen“, sagt Egbers, Mergers & Acquisitions-Experte mit dem Spezialgebiet Finanzierungsberatung bei der internationalen Kanzlei Ashurst in München. „Sie tragen dazu bei, dass ich ein sehr konstantes Team habe – man ist nichts ohne ein gutes Team.“ Egbers ist froh, nicht getrieben zu sein von elitärer Herkunft und Statusansprüchen. Der 42-Jährige sieht auch die exorbitanten Einstiegsgehälter skeptisch, die Kanzleien teils zahlen: „Diesen Job sollte man nicht wegen des Geldes wählen.“ Einen Job, in dem hoch spezialisierte Teams von Anwälten Finanzinvestoren aus aller Welt und deren Banken beim Kauf mittelständischer Firmen in Deutschland beraten und die komplexen Kaufverträge ausarbeiten. Einen Job, in dem Zwölf-Stunden-Tage die Norm sind. Egbers’ Karriereweg, zu seiner jetzigen Position als Leiter der Abteilung „Finance“ bei Ashurst in Deutschland begann mit dem Abitur am Meppener Gymnasium Marianum, führte über den Dr. der Rechtswissenschaft an der Universität Münster über Berufspraxis bei den Kanzleien Linklaters in Köln und Norton Rose in Frankfurt zu Ashurst. Die britischstämmige Wirtschaftskanzlei mit 26 Büros und rund 3000 Beschäftigten ist vor allem in Europa, Asien und Australien aktiv. Egbers wurde 2009 in den Kreis der Partner berufen und damit Teilhaber – in einer Zeit, in der die gesamte Branche unter dem Schock der Finanzkrise stand und nur wenige Anwälte in den Partner-Status aufstiegen. Im vergangenen Jahr 2016 wählten die rund 400 Ashurst-Partner Egbers als einzigen Nicht-Englisch-Muttersprachler auch noch ins zehnköpfige internationale Board der Kanzlei. Dabei halfen wohl nicht nur

Einst Vertragsamateur beim SV Meppen : Bernd Egbers leitet bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Ashurst in München die Finanzierungsberatung.

seine fachlichen Fähigkeiten, das Verständnis für unterschiedliche Märkte und Kulturen. Egbers ist ein guter Netzwerker auf internationalem Parkett. Er konnte viele Stimmen sammeln. Auch über Ashurst hinaus hat er sich einen Namen gemacht, wird vom „Handelsblatt“ und vom schweizerischen Finanzportal „Cash“ zitiert, wird von der Fachzeitschrift „Juve“ interviewt. Vielen Fußballfans im Emsland dürfte er ebenfalls bekannt sein – der 1,93Meter-Mann spielte zwei Jahre lang als Vertragsamateur Fußball beim SV Meppen.

„Ich scheue mich auch nicht, öffentlich Platt zu sprechen.“ Bernd Egbers, Kanzlei Ashurst

Auch ein Mittelständler: Der Shopping-TV-Sender HSE 24 bei München zählt zu den Unternehmen, deren Übernahme Bernd Egbers begleitet hat. Foto: HSE 24

Egbers lebt mit seiner Frau in München, doch er fühlt sich nach wie vor dem Emsland verbunden. „Ich bin stolz auf meine Herkunft und scheue mich auch nicht, in der Öffentlichkeit Platt zu sprechen, wenn es sich anbietet.“ Plattdeutsch ist die Sprache der Wahl während Heimatbesuchen bei seinen Eltern in Haselünne. In einer mittelständisch geprägten Gegend aufgewachsen zu sein schadet nicht, wenn man es mit mittelständischen Unternehmern zu tun hat, die ihr Lebenswerk in fremde Hände legen sollen. Egbers hat unter anderem die Übernahmen des Hamburger Autozulieferers Fischer Surface Technologies durch Deutsche Private Equity, des Pullacher Chemieunternehmens United Initiators durch Equistone, des Nachhilfeanbieters Schülerhilfe durch die Deutsche Beteiligungs AG und des Shopping-TV-Kanals HSE 24 durch Axa Private Equity begleitet. Derzeit berät er die japanische Mitsui-Gruppe. „Es ist wahnsinnig viel Geld auf dem Markt“, sagt Egbers, und das Interesse an deutschen Mittelständlern steige. Viele Finanzinvestoren zögerten angesichts des Brexit und der Trump’ schen Wirtschaftspolitik, Unternehmen in Großbritannien oder den USA zu übernehmen. Deshalb blickten Private-Equity-Gesellschaften auf der Suche nach Kaufobjekten jetzt noch schärfer nach Deutschland. Nach Egbers’ Beobachtung stellen sich internationale Finanzinvestoren dabei immer besser auf die Befindlichkeiten deutscher Mittelständler ein. „Es ist wichtig, dass man sich mit ihnen hinsetzt und den Vertrag Punkt für Punkt durchspricht“, sagt er. Zugleich schwinde unter den Mittelständlern – häufig sind es Familienunternehmer auf der Suche nach einem Nachfolger – die Scheu vor Finanzinvestoren. „Viele wissen inzwischen, dass eine Private-Equity-Übernahme ihnen neue Möglichkeiten eröffnen kann.“ Diese Erkenntnis greift offenbar auch im Nordwesten um sich. Zwischen Nordsee, Münsterland, niederländischer Grenze und Weser, sagt Egbers, stünden eine ganze Reihe von Unternehmen zum Verkauf.

Foto: David Ebener

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

MACHER & MÄRKTE

„Was ich nicht beeinflussen kann, nehme ich einfach nur hin“ Firmenchef Bernd Voshaar erzählt, wie aus einer Werkstatt in einer Garage der Maschinenbauer Neuenhauser wurde heutzutage immer häufiger auch Finanzmanager. Sie sind von Ihrer Vorbildung her beides. Was gibt in Ihrer Arbeit den Ausschlag? Wo liegen heute Ihre Schwerpunkte? Das Kaufmännische ist schon entscheidend. Und da gilt im Kern immer noch die uralte Gleichung: Erlös gleich Umsatz minus Kosten – so banal es klingen mag. Entscheidend ist, ob wir das auch verkaufen können, was wir produzieren. Und nur darauf kann ich Einfluss nehmen. Daneben gibt es eine große Zahl von Dingen, die ich nicht beeinflussen kann. Die nehme ich einfach nur hin. Darum kümmere ich mich nicht weiter. Wenn beispielsweise der Iran sich der Weltwirtschaft gegenüber zu öffnen beginnt, dann müssen wir natürlich aktiv werden. Wenn nicht, denke ich darüber auch nicht groß nach.

VON GERHARD HERRENBRÜCK NEUENHAUS. Kennt der Künstler

Christo den „Steigdockenwickler“? Sollte er. Der walzenartige Wickler des Maschinenbauers Neuenhauser aus Neuenhaus in der Grafschaft Bentheim half, die gigantischen Folien für legendäre Projekte wie „Verhüllter Reichstag“ oder „Floating Piers“ zu entrollen. Im Interview gibt Firmenchef Bernd Voshaar Einblick in die Erfolgsgeschichte des Mittelständlers.

Herr Voshaar, Ihre Unternehmensgruppe ist zwischen Neuenhaus und China an mehr als 20 Standorten mit neun unterschiedlichen Geschäftsbereichen tätig. Wie behalten Sie da den Überblick? Zu meinem 50. Geburtstag haben mir die Mitarbeiter unseres Tochterunternehmens Glüpker Blechtechnologie vor dem Eingang einen Wegweiser aufgestellt, der mit Kilometerangabe und Himmelsrichtung den Weg zu allen Tochterunternehmen der Neuenhauser-Gruppe zeigt. Damit ich den Überblick behalte. Das fand ich sehr witzig. Aber im Ernst: Wir haben ein sehr ausgeprägtes Controlling- und Reportingsystem mit monatlicher Abfrage, das zwei Professoren der Uni Osnabrück für uns entwickelt haben. Am Zehnten des Folgemonats kenne ich jede Zahl des aktuellen Monats. Ein solches Controlling-Instrument ist zur Steuerung des Unternehmens unverzichtbar. Im Übrigen gilt: Die Entscheidungen sind dort zu treffen, wo die meiste Expertise ist. Und das ist meistens das Tochterunternehmen selbst. Operative Entscheidung und Verantwortung gehören zusammen. Manchmal entnehme ich allerdings schon der Stimme am Telefon, wie der letzte Monat gelaufen ist. Am Anfang war die Bauschlosserei in der Garage Ihres Vaters. Das haben Sie noch miterlebt. Jetzt nähern Sie sich der ersten halben Umsatz-Milliarde. Wie ging das zu? Mein Vater war vor der Bauschlosserei bei Nino und verdiente in seiner Garage das erste Geld mit Reparaturen und Ersatzteilen dafür. Unser erster großer Kunde war dann die entstehende Keksfabrik Borggreve hier am Ort, für die wir alles gemacht haben. Ich habe dabei geholfen, wahnsinnig

Haben viele Gründe zur Freude: Neuenhauser-Chef Bernd Voshaar (links) mit Mitarbeitern in der Produktion.

gern übrigens. Der Quantensprung, der „Kick“ in andere Größenverhältnisse hatte vier Gründe: 1. Der technologische Umbruch im Maschinenbau, den wir Ende der Achtzigerjahre konsequent mitgemacht haben von der konventionellen Werkzeugmaschine zur CNC-Technik; 2. die Übernahme des Kompressorenbaus von der Meyer Werft im Jahr 1986; 3. Unsere Fähigkeit, Unternehmen aus der Insolvenz heraus neu aufzubauen; 4. Innovationskraft bei der

„Mein Vater war Bauschlosser bei Nino.“ Bernd Voshaar, Neuenhauser-Gruppe

Produktentwicklung, zum Beispiel fahrbare Reinigungsgeräte, wofür wir dann aber von der nationalen in die internationale Vermarktung gehen mussten, um sie auch genügend verkaufen zu können. Neuenhaus ist und bleibt der zentrale Standort Ihres Unternehmens. Ist das Grafschafter Folklore oder Kalkül? Die Standorttreue bringt bei der Entwicklung eines Unternehmens viele Vorteile. Und hier in der Grafschaft Bentheim haben wir mit der Samtgemeinde Neuenhaus und dem Landkreis großartige Förderer. Die Geschäftsfelder Ihrer Gruppe haben Sie inzwischen erstaunlich erweitert, und Sie decken ein breites Spektrum im Maschinenbau ab, darunter Umwelttechnik, Textilindustrie, Nutzfahrzeuge und Energietechnik. Sind das unternehmerische Entscheidungen im Rahmen einer durchdachten Akquisitionsstrategie? Günstige Gelegenheiten? Bauchgefühl? Von allem etwas! Kopf und Bauch – beides! Klar, gucken wir auf die Zahlen. Aber auch Erfah-

Foto: Werner Westdörp

rung ist wichtig. Am Anfang ist immer Aufmerksamkeit, ist immer genaue Beobachtung, Markt- und Produktkenntnis! Ein Kandidat muss zu uns passen. Gute Gelegenheiten nutzen wir natürlich. Aber man muss ihnen Raum geben, dass sie auch zu einem kommen. Der Zufall muss eine Chance haben.

Duale Studium, in dem inzwischen längst auch Forschung möglich ist und stattfindet. Im Moment sitzt einer von denen für drei Monate in den USA und forscht und schreibt darüber seine Masterarbeit. Wir unterstützen das. Solche Leute bringen die nötigen Innovationen ins Unternehmen.

Und wenn es mal besonders darauf ankommt – sind Sie dann der Mann der einsamen Entscheidungen? Nein, fast nie! Es gibt das, was heute „Schwarmintelligenz“ heißt. Aber am Ende eines solchen Prozesses muss natürlich immer eine Entscheidung stehen. Und in der Regel ist das bei uns eine Konsensentscheidung.

An der Spitze großer Unternehmen in Ihrer Branche stehen seit jeher Ingenieure und

Wie gehen Sie mit dem Problem des Fachkräftemangels um? Das haben wir so nicht. Unser Ausbildungskonzept beruht auf einer vorausschauenden Personalplanung. Und auf einem funktionalen Praktikumswesen. Schon in den Sommerferien mit Schülern geht das los. Ähnlich auch mit der Hochschule Osnabrück/Lingen. Und ganz wichtig ist für uns das

„Tue, was du sagst, und sage, was du tust“ – so lautet ein Grundsatz Ihrer Mitarbeiterkultur? Das ist von entscheidender Wichtigkeit! Und diese Kultur ist unteilbar. Der Zusammenhang von Denken, Sagen und Tun gilt im Unternehmen zwischen den Mitarbeitern inklusive Leitung, aber er gilt auch gegenüber dem Kunden. Und wenn wir nun schon auf dieser philosophischen Ebene angelangt sind, so hätte ich noch was auf Lager, was unser Denken und Handeln im Unternehmen bestimmt: „Es ist nicht genug zu wissen: Man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen: Man muss auch tun.“ Stammt von Goethe! Ich bin sonst kein Spezialist für das Schöngeistige. Aber das trifft es.

NEUENHAUSER MASCHINENBAU

Aus der Grafschaft in alle Welt Die Neuenhauser Unternehmensgruppe ist benannt nach dem Unternehmensstandort Neuenhaus in der Grafschaft Bentheim, von wo aus sie sich aus den kleinen Anfängen einer Bauschlosserei in einer Garagenwerkstatt mit Reparaturen und Zulieferungen für die regi-

onale Textilindustrie zu einem weltweit agierenden Hersteller mit einem internationalen Kundenkreis entwickelte. Sie ist heute eine Mehrbereichsgruppe in der Maschinenbaubranche mit 2800 Beschäftigten an mehr als 20 Produktionsstätten und einem Umsatz von 450 Millionen Euro

im Geschäftsjahr 2016. Seit 2001 wird sie als Aktiengesellschaft geführt mit drei Gesellschaftern und fünf Managern auf der Führungsebene. Vorstandsvorsitzender und Chef des Unternehmens ist Bernd Voshaar, Sohn des Firmengründers Hans Voshaar.

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SPEZIAL

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MÖBEL & KÜCHE

Tischlergesellen in Bestform Von der Idee über die im Wortsinn ausgezeichnete Umsetzung bis zum Praxistest im Wohnalltag: Prüfungsbeste und Preisträger aus den Tischler-Innungen Osnabrück Stadt und Land, Lingen und Grafschaft Bad Bentheim präsentieren ihre Werke. VON MATTHIAS LIEDTKE

Stefan Rehmer Bad Essen,

Innungssieger Osnabrücker Land

Erst plante der 20-Jährige einen Schreibtisch, dann wurde es ein 1,70 Meter breiter Fernsehtisch. Sein Gesellenstück fertigte Stefan Rehmer bei der Bad Essener Tischlerei Nordsieck, bei der er nun auch angestellt ist. Die „schlichten, einfachen Formen“ eines klassisch-gradlinigen, symmetrischen TV-Möbels wollte er mit „farblichen Akzenten“ verbinden. Dem Ergebnis ist die ursprüngliche Idee noch anzusehen. Wären nicht die beiden Schubkästen in der Mitte, könnte man sich auch daran setzen. Stefan Rehmer

legt viel Wert auf handwerkliche Qualität. Davon zeugen die von Hand geschnitzten, zur Mitte hin angeschrägten Rahmentüren mit aufhellender Glasfüllung, die Glaseinlegeböden und die mechanisch anspruchsvollen Schlösser. Als optischer Blickfang dienen linear platzierte, orangefarbene Anschlagleisten. Im Zusammenspiel mit der echten Eiche, die Rehmer als das „perfekte Holz für den Alltag“ schätzt, sollen sie den richtigen Ton treffen und eine warme Gesamtwirkung erzeugen.

Marcel Schwöppe Bad Iburg,

Innungssieger Stadt Osnabrück, Preisträger „Die gute Form“ Er wollte „etwas anderes“ machen, als klassische Schränke, Sideboards oder Schreibtische. Dieses Ziel hatte sich Marcel Schwöppe gesetzt. Mit seinem gradlinig-kubischen, praktisch-pfiffigen Sofa will der 20-Jährige zeigen, dass Tischlerhandwerk und Moderne durchaus zusammengehen. Sein Gesellenstück entstand in der Werkstatt von Fly Möbelteile in Osnabrück, wo er seine Ausbildung absolvierte. Das 1,90 Meter breite Sofa „Relax Point“ setzt Akzente, dunkles Furnier aus edlem Palmholz kontrastiert mit hellem Leder.

Die Korpen sind inklusive Schubkastenfronten und Seitenklappen rundum auf Gehrung gesetzt. Hier kann man etwas ausziehen, dort etwas aufklappen. In die von hinten beleuchteten Barfächer sind Löcher zum Abstellen von Flaschen eingefräst, in die Schubkästen sind Halterungen für Gläser integriert. Auch an Fächer für Fernbedienungen und den Snackvorrat hat Marcel Schwöppe gedacht, um beim gemütlichen Fernsehabend zu zweit nicht mehr zwischendurch vom Sofa aufstehen zu müssen.

Alexander Bökers Wietmarschen,

Innungsbester Grafschaft Bad Bentheim Der ganze Schrank lässt sich von hinten mit LEDs beleuchten. Optisches Highlight des Möbels sind zwei beleuchtbare Glasplatten in der Mitte. Für das heimische Fernsehzimmer hat Alexander Bökers ein TV-Sideboard gebaut, das zwar von anderen Stücken inspiriert, aber doch „ganz eigen“ sein soll. Das Gesellenstück hat der 21-Jährige in seinem Ausbildungsbetrieb und jetzigen Arbeitgeber Teamplan Objekteinrichtungen in Nordhorn gefertigt. Das Möbel aus dunklem Nussbaum und hellem, gemaserten Rie-

gelahorn ist 1,50 Meter breit und 50 Zentimeter hoch. Trotz des natürlichen farblichen Kontrasts bildet es eine kompakte, gradlinige Einheit. Durch eingefräste Griffe werden die Tür- und Schubladenfronten bewusst glatt gehalten. Der mittlere obere Schubkasten ist nicht wie die beiden äußeren auf selbst verzinkte Metallschienen, sondern auf eine klassische, handwerklich sehr aufwendige Nutleistenführung gesetzt. Die Metallstreifen zwischen den Elementen sind ebenso wie der Sockel aus hochwertigem Edelstahl.

Johannes Thale Salzbergen,

Innungsbester Emsland, Preisträger „Die gute Form“ Das Holz wurde teilweise mit Ammoniaksäure geräuchert und dadurch dunkel gefärbt. Johannes Thale hat sich etwas einfallen lassen, denn sein Gesellenstück sollte „nicht langweilig“ werden. In seinem Ausbildungsbetrieb, der Tischlerei Hülsing in Emsbüren, entstand ein zweifarbiges Unikat aus massiver Eiche. Mit sichtbaren Ästen und Maserungen wirkt es „lebhaft und natürlich“. Auffällig und besonders in Bezug auf Machart und Statik ist auch das Fußgestell. Da es im Vergleich zur 1,80 Meter langen und 85 Zen-

timeter breiten, nach außen abgerundeten Tischplatte aus 18 einzeln ausgehobelten Riegeln sehr schmal ist, war bis zum Ende nicht klar, ob der Tisch wirklich stehen würde wie geplant. „Das hat zum Glück geklappt“, erinnert sich der 20-Jährige erleichtert. Praktisch sei vor allem, dass beim Sitzen kein Fuß im Weg ist. Mit einer unauffälligen Griffmulde hat Thale in die Unterseite der Tischplatte Schubkästen integriert. Hier können verschiedene Utensilien wie Besteck oder Tischunterlagen untergebracht werden. Fotos: Colourbox.de, Jörn Martens (2), Hermann Pentermann, privat


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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

SPEZIAL MÖBEL & KÜCHE

Hellwach auf dem umkämpften Schlafzimmermarkt Firmenchef Markus Wiemann eilt von Möbelmesse zu Möbelmesse VON WOLFGANG ELBERS GEORGSMARIENHÜTTE. Der Schlaf-

zimmermarkt in Deutschland ist hart umkämpft. Dass Wiemann Möbel aus Georgsmarienhütte seit Jahren zu den Top 3 der Branche zählt und auch auf europäischer Ebene Erfolg hat, ist ein Beispiel, wie sich ein Familienunternehmen im knallharten Preiswettbewerb behauptet.

Wenn Markus Wiemann, der seit Ende 2004 in vierter Generation die vor 117 Jahren als EinmannTischlerei gegründete Firma leitet, auf die 1998 vollzogene Konzentration auf Schlafzimmer zu sprechen kommt, legt sich ein leichtes Schmunzeln auf die konzentrierten Gesichtszüge des 48-Jährigen: „Es ist ein bisschen kurios. Viele große Hersteller in unserem Business sind aus Familienbetrieben mit katholischem Background entstanden. Mein Großvater hat früher immer gesagt, dass dies in

dem Bereich ein Vorteil gewesen ist.“ Ende der 90er ist die Wohnmöbelproduktion „abgeschnitten“ worden, die bis dahin beispielsweise mit Jugendzimmern das zweite Standbein war und in den 60ern der Möbelfabrik einen sensationellen Verkaufserfolg beschert hatte: die „Sesam-Bar“ war ein Eckschrank mit Dreheinsatz, dessen Front entweder den Griff zum Buch erlaubte oder Flaschen und Gläser freigab. Das Wiemann-Produkt war ein Klassiker der Wohnkultur jener Zeit und wurde mehr als eine halbe Million Mal produziert. Heute ist die Oeseder Möbel-Industrie Matthias Wiemann, wie das Unternehmen amtlich heißt, mit um die 360 eigenen Mitarbeitern einer der fünf größten Arbeitgeber im rund 33 000 Einwohner zählenden Georgsmarienhütte bei Osnabrück. Eine feste Größe direkt im Stadtzentrum: Möbel Wiemanns Betriebsgelände erstreckt sich auf rund 100 000 Quadratmeter. Rund 33 000 Teile werden hier täglich

Mehr als 500 Schlafzimmer verlassen jeden Tag in Georgsmarienhütte das Wiemann-Gelände. Ein Blick in die Produktionshalle auf den Bereich der Kantenbeschneidung.

hergestellt, von denen etwa 30 Prozent in den Export gehen – vor allem nach Osteuropa, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Österreich und in die Schweiz. Sich in der ersten Branchen-Reihe zu behaupten heißt für den GMHütter Schlafzimmerhersteller, immer wieder von Neuem durch die Produkte zu überzeugen. Das gilt gleich in doppelter Hinsicht:

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Die Einkäufer großer Möbelanbieter auf der grünen Wiese wie die auch in der Region vertretenen Häuser Porta, XXXLutz oder Hardeck, die auch noch einmal zu Einkaufsverbänden zusammengeschlossen sind, müssen auf den Messen das Potenzial der neuen Modelle erkennen und anschließend mit dem Design auch den Endverbraucher überzeugen. Von September bis April sind Firmenchef Markus Wiemann, die Geschäftsleitung und die Vertriebsmannschaft jeweils auf Präsentationstour. Im Herbst geht es mit der Möbelordermesse (M.O.W.) in Bad Salzuflen los, Mitte Januar steht dann Köln (imm cologne) auf dem Terminkalender, letzte Stationen sind dann jedes Jahr traditionell Prag sowie Anfang April Mailand, das als internationaler Hotspot der Branche gilt. Der geschäftsführende Gesellschafter: „Insgesamt bespielen wir im Jahresverlauf rund 20 Messen. Der extrem umkämpfte nationale Markt treibt aufgrund der knappen Margen alle deutschen Hersteller in den Export.“ Die Bedeutung der internationalen Kunden unterstreicht auch, dass die Oeseder Möbel-Industrie in allen wichtigen Märkten ihre Produkte auf Ausstellungsflächen präsentiert. „Das sind für unser Unternehmen, das in der Mitte des Marktes zu Hause ist, wichtige Präsentationsorte“, stellt Wiemann heraus. Der besondere Vorteil der Präsenz in England: Hier liefert der Hersteller auch direkt an den Kunden und bekommt wichtige Konsumentendaten, während Wiemann auf dem Festland nicht als Marke präsent ist, sondern Modelle für die großen Möbelhändler produziert.

Auf dem Absatzmarkt ist viel Bewegung: „Der Kunde orientiert sich immer mehr in Richtung für ihn passender Einzellösungen und bedient sich hier bei verschiedenen Herstellern, statt das traditionelle Schlafzimmer-Set mit fünfteiligem Schrank, Bett und Nachttischchen zu wählen“, lautet die Einschätzung des Betriebswirts. Moderne Schlafzimmer sind heute Betten, Kommode und Stauraumlösungen wie Schubkästen oder begehbare Eckschränke. Markus Wiemann: „Der Kunde stellt sich die Komponenten zusehends selber zusammen“, was natürlich auch der moderne Internet-Auftritt möglich mache. Da seien extreme Flexibilität und überzeugende Design-Lösungen entscheidend, die zum Teil mit dem Handel entwickelt würden. Der Unterschied im

Ein Viertel der Top-20-Firmen hat in den letzten Jahren aufgegeben.

Fotos: Jörn Martens

Vergleich zu den Küchenherstellern: Während dort die elektrischen Geräte permanent für Innovationen sorgen, ist die Technik rund ums Bett begrenzt: „Da reden wir über einen USB-Anschluss am Nachttisch, aber das ist es dann auch gewesen“, sagt der Firmenchef über die Bedeutung von Hightech im Schlafzimmer. Innovationen würden seitens des Handels gewünscht, aber oft leider finanziell nicht ausreichend honoriert. Folge: Differenzierung passiert in der Branche vor allem über den Preis. Wie hart der Druck ist, zeigt für Wiemann, dass in den letzten Jahren rund ein Viertel der Top20-Unternehmen, die rund 80 Prozent des Umsatzes machen, „vom Schlitten gefallen“ sei. Im Verkaufspreisspektrum zwischen 800 und 4000 Euro bewegt sich der GMHütter Möbelhersteller. Ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt ist die vor knapp zehn Jahren begonnene Zusammenarbeit mit Markenproduzent Musterring gewesen: „Das hatte für uns sehr positive Folgen und führte dazu, dass wir uns noch einmal weiter nach oben entwickelt haben“, zeigt Markus Wiemann auf, wie wichtig ständige Veränderung ist. Zusammen mit Geschäftsführer Helmut Kriege sowie einem Führungsteam, das in der ersten und zweiten Ebene rund 20 leitende Angestellte umfasst, lenkt er hier die Unternehmensgeschicke. „Ein starkes Team ist immer erfolgreicher als der größte Star-Einzelkämpfer“, lautet die von seinem Vater Mathias A. Wiemann formulierte Unternehmensphilosophie, nach der auch die nächste Generation die Firma führt: ,,Nur so können wir unsere Position behaupten.“

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Leitet in vierter Generation das im Jahr 1900 gegründete Familienunternehmen: Markus Wiemann.

Schöne Aussichten: Blick auf den Ausstellungsbereich im Verwaltungsgebäude, wo rund 30 Modelle präsentiert werden.


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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

SPEZIAL MÖBEL & KÜCHE

Täglich rollen 2000 Büromöbel vom Hof Assmann in Melle setzt auf Automatisierung – Hohe Stückzahlen ermöglichen dem Familienunternehmen wettbewerbsfähige Preise VON CHRISTOPH FRANKEN MELLE. Komplexere Arbeitsab-

läufe im Büroalltag, zunehmende Projektarbeit in ausgelagerten Büroräumen und eine rasant zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelten: Das sind die Herausforderungen, denen sich Assmann Büromöbel in Melle mit 335 Mitarbeitern im Zweischichtbetrieb stellt.

Assmann zählt an seinem Produktionsstandort Melle bei Osnabrück zu den führenden Herstellern von Büromöbeln in Deutschland und beliefert zu 90 Prozent Fachhändler und Großkunden im Inland. Die restlichen zehn Prozent verteilen sich auf benachbarte europäische Länder. „Unsere Auftragslage ist sehr erfreulich, zumal wir einige Großprojekte dazubekommen haben“, sagt Guido Hübner, Prokurist und technischer Leiter des Familienunternehmens. Assmann erzielte 2016 einen Umsatz von 107,5 Millionen Euro. Hübner ist zuversichtlich, diese Zahl in 2017 zu übertreffen. Die Umsatzentwicklung hat sich seit 2006 verdoppelt, und Assmann ist in dieser Zeit stärker gewachsen als der Gesamtmarkt der Büromöbelbranche. Die Eigenkapitalquote beträgt 78 Prozent.

Ein solches Wachstum bedeutet unter anderem, dass derzeit täglich 2000 Möbelstücke das Werk in Melle-Westerhausen verlassen. Das entspricht 25 Lkw-Ladungen, die Assmann mit 13 eigenen Fahrzeugen samt 34 Aufliegern und einem weiteren Spediteur transportiert. Der Spediteur war übrigens früher Fuhrparkleiter des Unternehmens. „Auch das spricht für das gute Betriebsklima, das wir haben und für das wir intern auch einiges tun“, hebt Marketingleiter Marc Schumann hervor. Das gilt auch für Firmenchef Dirk Aßmann, der in den Produktionshallen fröhlich grüßt und viele der Mitarbeiter mit Vornamen anredet.

Akustik spielt im Büro eine immer wichtigere Rolle.

Die Produktion bei Assmann ist hochautomatisiert. „Wir können am Standort Deutschland bestehen bleiben, wenn wir die Möglichkeiten in der Produktion zur Effektivitätssteigerung nutzen“, betont Hübner. Das sei bei Assmann der Fall, und daher biete das Unternehmen die Büromöbel nicht nur zu marktgerechten Preisen an, sondern habe sogar die Produktion verdoppelt und das Personal entsprechend aufgestockt. In den vergangenen zehn Jahren sind bei Assmann 25 Millionen Euro in Anlagen und Maschinen investiert worden. Weitere sechs Millionen fließen dieses Jahr in eine halb automatische Produktionsmaschine. „Das ist für den Mittelstand schon eine Hausnummer“, fasst Hübner mit Blick auf die Investitionssummen zusammen. Die gute Situation von Assmann zeigt sich auch bei Bautätigkeiten: Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau eines zusätzlichen Verwaltungsgebäudes auf dem Firmengelände begonnen werden. Auf die Frage, warum es für Assmann auf dem Büromöbel-Markt so gut läuft, antwortet Hübner mit einem Hinweis auf hohe Qualität und eine Liefertreue von 98,8 Prozent. „Wir avisieren unsere Lieferungen dem Fachhandel zehn Tage vorher und liefern dann auch exakt und pünktlich“, erklärt er. Groß-

Auf die Details kommt es an: Guido Hübner, Prokurist bei Assmann, prüft die Wiederstandsfähigkeit einer Büromöbel-Kante gegen Feuchtigkeit. Foto: Jörn Martens

kunden würden zudem von eigenen Assmann-Objektberatern betreut, wobei der Fachhandel aber eingebunden werde. „Wir setzen nämlich wirklich sehr stark auf den Fachhandel, um unsere Kundenkontakte zu halten“, wirft Marketing-Mitarbeiterin Annika Eritt ein. Die „Assmänner“ sehen bei den Büromöbeln einen klaren Trend weg von den großflächigen Möbelwänden hin zu individuellen Schränken und Sideboards: „Kleine

Möbel sind flexibel einsetzbar und entsprechen dem aktuellen Miteinander bei der Kommunikation in Büros“, erläutert Hübner. Er nennt Lounges, Treffpunkte, Gesprächsinseln und abgeschirmte Rückzugsmöglichkeiten als Beispiele für die moderne Bürolandschaft. Dazu komme die fortschreitende Digitalisierung, die große Stauräume zunehmend überflüssig mache. Nicht zuletzt wegen dieser Entwicklungen wird die Büroraumpla-

nung für die Branche immer wichtiger. Daher unterhält Assmann eine eigene Planungsabteilung, die sowohl den Fachhandel als auch ausgewählte Endkunden mit Schulungen und Seminaren unterstützt. Angesichts des Trends zu Großraumbüros spielt die Akustik eine immer wichtigere Rolle. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind rund 80 Prozent der Büros auf der Welt akustisch ungenügend. In seinem Ausstellungszentrum zeigt das Unternehmen daher, wie sich Probleme mit lästigem Schall lösen lassen: „Wir bieten Schränke an, deren Fronten perforiert sind und Schall schlucken“, erklärt Hübner. Aber auch Trennwände auf Schreibtischen wirkten oft Wunder, um beispielsweise Störungen durch Telefongespräche des Arbeitskollegen zu verhindern. Schallabsorbierende Kleinmöbel und Decken sorgten zudem in kleinen Besprechungszimmern für angenehme Gesprächsatmosphäre. Zwei solcher Räume in der Ausstellung am Firmenstandort – mit und ohne Schallabsorbierung – machen den deutlichen Unterschied hörbar. Und die Farbgebung moderner Büros? „Die schwappt alle paar Jahre aus dem Wohnmöbelbereich zu uns rüber“, sagt Hübner. Zurzeit dominiere die Farbe Weiß.

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Mit der erheblichen Vergrößerung des Werkes im AirportPark FMO unterstreicht der Verpackungsspezialist die strategische Bedeutung des Standorts: von hier aus kann Schumacher Packaging seine Kunden in Nord- und Westdeutschland sowie in den Benelux-Ländern sehr schnell mit allen gängigen Wellpappeverpackungen beliefern. Im Juni 2014 war das hochmoderne Wellpappenwerk in den Produktivbetrieb gegangen. „Inzwischen ist unsere Produktion im Werk Greven aber schon voll dreischichtig ausgelastet“, erklärt Björn Schumacher, Geschäftsführer der Schumacher Group. Weitere Ausbaustufen sollen folgen, denn zusätzliches Wachstum ist auf mehr als 40.000 m² Erweiterungsfläche im AirportPark FMO für Schumacher gesichert.

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

SPEZIAL MÖBEL & KÜCHE

Möbelriese im Shoppingrausch

Als Ein-Mann-Betrieb startete Bruno Steinhoff im Jahr 1964 in Westerstede – Aus seiner Geschäftsidee wurde der zweitgrößte Möbelkonzern de

Anfangs importierte Steinhoff Billigmöbel aus der DDR. Das operative Geschäft wird von Südafrika aus geführt. Ermittlungen wegen Verdachts auf Bilanzfälschung. VON JÖRG SCHÜRMEYER WESTERSTEDE. Der Möbelkonzern

Steinhoff wird oft mit Ikea verglichen. Der Vergleich hinkt. Steinhoff ist ein 40-MarkenImperium. Und das Unternehmen kauft Konkurrenten am laufenden Band dazu. Die Strategie ist nicht ungefährlich.

Wenn Journalisten versuchen, ihren Lesern etwas eher wenig Bekanntes näherzubringen, suchen sie gern ein mögliches prominentes Vergleichsobjekt. Der Onlineriese Alibaba firmiert dann als „Chinas Amazon“, der großartige rumänische Fußballer Gheorghe Hagi wurde in den 1990er-Jahren zum „Karpaten-Maradona“, und um die Bezeichnung „die Schweiz Lateinamerikas“ dürfen sich mit Uruguay und Costa Rica gleich zwei Länder streiten. Auch wenn Medien über den Aufstieg des deutsch-südafrikanischen Möbelriesen Steinhoff berichten, greifen sie immer wieder zu diesem Stilmittel. Vom „Ikea Afrikas“ ist dann häufig die Rede. Dabei unterscheidet sich die Strategie des „großen Unbekannten“ („Focus Money“) grundlegend von der des Branchenprimus aus Schweden: Während Ikea eine globale Marke aufgebaut hat, die ihre Einrichtungshäuser in ähnlicher Form und mit nahezu identischem Sortiment in aller Welt aufgestellt hat, denkt zwar auch Steinhoff global – aber mit vielen unterschiedlichen Marken. Mit mehr als 40 von ihnen ist man heute in mehr als 30 Ländern weltweit aktiv – von Poco in Deutschland über Harveys in Großbritannien bis zu Snooze in Australien. In Summe ergibt das den zweitgrößten Möbelkonzern der Welt: 13,1 Milliarden Euro Umsatz (plus 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), 1,5 Milliarden Euro operativer Gewinn (plus 32 Prozent), 112 000 Mitarbeiter und fast

Bekannteste Steinhoff-Marke in Deutschland: Der Möbel-Discounter Poco (hier in Berlin Schönefeld) mit mehr als 100 Märkten und über 7000 Beschäftigten.

22 Milliarden Euro Börsenwert – genauso viel wie die Deutsche Bank. Die Wurzeln dieser bemerkenswerten Firmengeschichte liegen im Ammerland. 1964 gründete Bruno Steinhoff als Ein-Mann-Betrieb in Westerstede ein Unternehmen namens „Bruno Steinhoff Möbelvertretungen und -vertrieb“. Die Geschäftsidee: Steinhoff importiert Möbel günstig aus der DDR und verkauft sie mit Gewinn nach Westen. Später produziert er selbst. So entsteht etwa im ostfriesischen Remels eine Polstermöbelfabrik und in Westerstede ein markantes Hochregallager. Nach dem Fall der Mauer kauft Steinhoff vie-

„Wir sind schon immer dort hingegangen, wo keiner hinwollte.“ Bruno Steinhoff

Einrichten ohne Ende

Von Albers bis Yellow: Möbelhäuser im Nordwesten*

le seiner Zulieferbetriebe in den neuen Bundesländern auf und expandiert weiter Richtung Osteuropa. „Wir sind schon immer dort hingegangen, wo keiner hinwollte“, sagt er. Getreu dieser Maxime zieht es ihn in den Neunzigern nach Südafrika. Inspiriert wird er dabei auch vom Rasteder Unternehmer Claas E. Daun, der mit seinem Investment Gommagomma, einem Polstermöbelhersteller, schon im Land aktiv ist. 1997 festigen Steinhoff und Daun mit einem Joint Venture ihre Geschäftsbeziehungen. Ein Jahr später stellt sich die Steinhoff-Gruppe schließlich komplett neu auf und geht als Steinhoff In-

POCO Filialen: Dinklage, Leer, Lotte, Minden, Oldenburg, Salzbergen. – Sortiment: Wohnen, Bad, Büro, Küche, Baumarkt, Deko.

Möbel Filiale: Wallenhorst. – Sortiment: Möbel, Albers Markenmöbel Filialen: Cloppenburg, Mep- Dransmann Wohnideen Filiale: Georgsmarienhüt- Porta Lampen, Haushalt, Deko, Heimtextilien. pen, Nordhorn, Papenburg. – Sortiment: Wohnen, Schla- te. – Sortiment: Möbel, Küchen und Wohnaccessoires. fen, Büro, Bad, Leuchten.

Hardeck Möbel Filiale: Bramsche. – Sortiment: Mö- Möbel Roller Filiale: Georgsmarienhütte. – Sortiment:

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Möbelhaus Bergenthal Filiale: Rhauderfehn. – Sortiment: Wohnen, Bad, Büro, Küche.

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Kitzmann Home Company Filiale: Osnabrück. – Arbeit, Deko.

Ikea Filialen: Oldenburg, Osnabrück. – Sortiment: KüBergjans Einrichtungen Filiale: Wallenhorst. – Sor- che, Schlafzimmer, Bad, Wohnzimmer, Esszimmer, Kind, RS-Möbel Filiale: Osnabrück. – Sortiment: Küchen,

Wohnen, Schlafen, Schränke, Regale, Arbeiten, Kinder, Bad/Flur, Accessoires, Massivholzmöbel.

Kabs Polsterwelt Filiale: Osnabrück. – Sortiment: Möbel Center Berning Filialen: Lingen, Rheine. – Polstermöbel, Boxspringbetten, Matratzen. SB-Möbel Boss Filialen: Oldenburg, Osnabrück, Rhei-

ne. – Sortiment: Wohnen, Schlafen, Küche, Bad, Kinder,

Sortiment: Wohnen, Schlafen, Accessoires.

Seemann Interieur Filiale: Osnabrück. – Sortiment: Dänisches Bettenlager Filialen: Bersenbrück, Möbel Lübbering Filialen: Fürstenau, Lohne, Mep- Wohnen, Schlafen, Küche, Büro, Garten.

Bramsche, Damme, Diepholz, Dissen, Emsdetten, Georgsmarienhütte, Ibbenbüren, Lengerich, Lohne (Oldenburg), Melle, Quakenbrück, Osnabrück, Rheine. – Sortiment: Möbel, Schlafen, Haushalt und Deko, Garten.

pen. – Sortiment: Küchen, Polster, Schlafen, Matratzen/ Rahmen, Wohnen, Garderobe, Kochschule.

XXXLutz Filialen: Nordhorn, Salzbergen. – Sortiment: Möbel Meyer Filialen: Eggermühlen, Friesoythe, Ge- Möbel, Garten, Kochen und Essen, Deko und Textil, Baby, orgsmarienhütte. – Sortiment: Weihnachten, Schlafen,

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DHM Das Holländische Möbelhaus Filiale: Leer. Matratzen- und Lattenroste, Baby- und Jugendzimmer, Yellow Möbel Filiale: Osnabrück. – Sortiment: Woh– Sortiment: Möbel, Massivholzmöbel, Teakmöbel, Landhausmöbel, Shabby-chic-Möbel, Industrial-Möbel, Sofas, Sessel und Stühle, Wohnaccessoires.

* kein Anspruch auf Vollständigkeit

ternational Holdings Ltd in Johannesburg an die Börse. Nun geht es Schlag auf Schlag: Durch Übernahmen wächst das Unternehmen in den folgenden zehn Jahren rasant. Die ostdeutschen Möbelfabriken werden währenddessen geschlossen und ins günstigere Polen verlegt. Für den bis dato größten Paukenschlag sorgt Steinhoff 2011, als man die französische Möbelhandelskette Conforama für 1,2 Milliarden Euro übernimmt. Ein Deal, der Steinhoff zum zweitgrößten Möbelhändler Europas hinter Ikea macht. Praktisch jährlich sorgt der Möbelkonzern fortan mit großen Geschäften für Schlagzeilen. 2012 steigt Steinhoff beim südafrikanischen Möbelhändler JD Group ein, 2013 wird für eine geschätzte Summe von 500 Millionen Euro die österreichische Kette Kika/Leiner übernommen, und 2014 kauft sich das Unternehmen für 5,7 Milliarden Dollar bei der südafrikanischen Pepkor-Holding ein, einer Möbel-, Schuh- und Textilhandelskette mit Tausenden Filialen in Afrika, Australien und Osteuropa. Durch die Übernahmen wächst nicht nur Steinhoff selbst, sondern auch das Portfolio des Konzerns, etwa um Kleidung und Schuhe. Selbst Autohändler und eine Autovermietung gehören heute zum Konzern. „Durch Übernahmen zu wachsen birgt Risiken“, sagt Commerzbank-Analyst Andreas Riemann, der Steinhoff seit Jahren beobachtet. In einer Rezession könnten übernommene Firmenwerte abgeschrieben werden müssen. Ein

Foto: imago/Jürgen Ritter

Vorteil indes seien mögliche Synergien. Bei Steinhoff gehe es dabei vor allem um Logistik. Steinhoff selbst zieht es derweil immer stärker nach Europa. Zum 7. Dezember 2015 verlagert der Konzern seine Hauptnotierung von der Johannesburger an die Frankfurter Börse. Auch der Kon-

„Wir sind Discounter, wir bedienen die Massen.“ Markus Jooste, Vorstandschef Steinhoff


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SPEZIAL MÖBEL & KÜCHE

er Welt – Aber der Wachstumshunger ist noch nicht gestillt

Für 1,2 Milliarden Euro übernommen: die französische Möbelmarktkette Conforama (hier eine Filiale in Portugal) . Foto: imago/GlobalImages

Von Westerstede über Johannesburg nach Frankfurt: Steinhoff-Vertreter mit Unternehmensgründer Bruno Steinhoff (l.) beim Börsenstart in der hessischen Finanzmetropole. Foto: Steinhoff

zernsitz wechselt ins steuergünstige Amsterdam, wobei das Geschäft operativ weiterhin aus Südafrika geführt wird. Der Konzern wolle mit dem Schritt nach Frankfurt „sein internationales Profil“ stärken, heißt es. Und er wolle sich neue Investorengruppen erschließen, zumal der Konzern den Großteil seines Umsatzes mittlerweile in Europa erwirtschaftet. Auch Firmengründer Bruno Steinhoff (79), der sich 2008 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte und seitdem als Aufsichtsrat und größerer Aktionär (Anteil zuletzt 4,6 Prozent) nur noch im Hintergrund wirkt, hat in Frankfurt noch einmal einen größeren Auftritt. Er läutete am Tag des Notierungswechsels die Börsenglocke. Im Vordergrund bei Steinhoff stehen aber mittlerweile andere, etwa Christo Wiese, südafrikanischer Unternehmer, langjähriger Pepkor-Eigentümer, größter Aktionär (Anteil 25,01 Prozent) und Aufsichtsratschef bei Steinhoff, sowie Vorstandschef Markus Jooste. „Ohne Markus Jooste wäre Steinhoff heute ein anderes Unternehmen“, ist Steinhoff- Aufsichtsrat Claas E. Daun überzeugt. Der Rasteder kennt den 55 Jahre alten Südafrikaner schon lange, war dieser doch Finanzchef seines Investments Gommagomma, ehe er 1998 in die Steinhoff-Vorstandsetage wechselte. Jooste sei „ein sehr unternehmerischer Typ, ein sehr verlässlicher Typ“, sagt Daun über Jooste. „Und er ist ein einmaliger Stratege“, betont er. Auf jeden Fall hat Jooste klare Vorstellungen von dem, wofür

Steinhoff steht. „Wir sind Discounter, wir bedienen die Massen“, sagt er. War Steinhoff früher eher ein Hersteller, der auch Handel betrieben hat, so liegt der Schwerpunkt heute eindeutig auf dem Handel mit Möbeln und Haushaltswaren. Als Garant für Stabilität und kurze Reaktionszeiten will er dabei am Modell der vertikalen Integration festhalten. Sprich Steinhoff will die gesamte Wertschöpfungskette abdecken: von den Rohstoffen, etwa in Form riesiger Holzplantagen in Afrika, über die Herstellung in eigenen Möbelwerken, die Logistik mit eigener Lastwagenflotte, das Distributionsgeschäft bis hin zum Endkunden in Tausenden Filialen. Wachstum solle dabei organisch und vor allem durch Zukäufe erfolgen. „Das Listing in Frankfurt ist erst der Anfang“, sagte Jooste und ließ seinen Worten rasch Ta-

ten folgen. In den vergangenen Monaten zeigte Steinhoff Interesse am britischen Möbelhändler Home Retail, dem drittgrößten europäischen Elektronikhändler Darty, am britischen Discounthändler Poundland, am südafrikanischen Schuhhändler Tekkie Town und am größten US-Matratzenhersteller Mattress Firm. Nicht überall war Steinhoff erfolgreich. Vom Kauf von Home Retail ließ der Konzern nach einem Bieterwettstreit mit der Supermarktkette Sainsbury die Finger, bei Darty zog er gegenüber dem französischen Medienkonzern Fnac den Kürzeren. Erfolgreich war Steinhoff dagegen bei Tekkie Town, bei Poundland und beim Matratzenriesen Mattress Firm, für den der Möbelriese satte 3,4 Milliarden Euro bot und sich damit zugleich ein starkes neues Standbein in den USA schuf. Wachstum also um (fast) jeden Preis? Jooste wehrt ab. „Ich bin kein guter Verlierer“, sagt er. „Aber ich habe mehr Glückwünsche dafür bekommen, dass wir etwas nicht gemacht haben, als für Übernahmen, die wir gerade abgeschlossen haben.“ Zumindest um die Finanzierung macht man sich bei Steinhoff offenbar keine Sorgen. Eine Kapitalerhöhung spülte erst kürzlich knapp 2,5 Milliarden Euro in die Kassen. „Wir leben heute in einer Welt, in der Finanzkraft und Größe wichtig sind“, sagt Jooste. „Je mehr Geld du besitzt, umso mehr wollen sie dir geben, und umso billiger wird es für dich, Kapital zu beschaffen.“ Mehr Probleme könnten da schon die Justizbehörden bereiten. Anfang Dezember 2015 durchsuchte die Oldenburger Staatsanwaltschaft Geschäftsräume der Tochter „Steinhoff Europe Group Services“ in Westerstede wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung. Laut Staatsanwaltschaft dauern die Untersuchungen noch an – auch wegen der komplexen Konzernstrukturen. Jooste gibt sich gelassen. „Ab und zu passieren solche Dinge bei Großunternehmen“, sagte er Reuters. „Wir arbeiten weltweit in 40 verschiedenen Jurisdiktionen.“ Er erwarte nicht, dass die Untersuchungen signifikanten Einfluss auf das Geschäft der Gruppe hätten. Sowohl extern als auch intern geht man fest von weiterem Wachstum aus. „Weitere Übernahmen sind sehr wahrscheinlich“, meint Analyst Andreas Riemann. „Steinhoff wird weiter wachsen“, ist auch Firmengründer Bruno Steinhoff überzeugt. Ob Steinhoff irgendwann auch Ikea (Umsatz 35,1 Milliarden) überholen könnte? Strategisches Ziel sei das nicht, sagt Aufsichtsrat Daun. Gänzlich ausschließen wolle er es für die Zukunft aber nicht. Vom „Ikea Afrikas“ dürfte spätestens dann endgültig keine Rede mehr sein.

Out of Ammerland Umsatz von Steinhoff nach Regionen in Prozent

Steinhoff-Aktienkurs in Euro 6,15 6,00

Asien und Australien

7

5,85

Europa

5,70 5,55 5,40

32

gesamt

5,25

Mrd. Euro +33 %*

4,95

5,10

13,059

4,80 4,65

61

4,50 4,35

Afrika 21.04.16 * Veränderung zum Vorjahr

21.04.17

4,20

Quelle: Steinhoff, Finanzen.net · Grafik: Matthias Michel

Den Nordhorner Familienbetrieb und Spezialisten für Küchen aller Preisklassen führt Hans Ekelhoff in vierter Generation.

Foto: Ekelhoff

Küche kaufen im Kurzurlaub: Ekelhoff lockt Niederländer Der Nordhorner Küchenhändler profitiert von seiner Grenznähe

VON FREIMUTH SCHULZE NORDHORN. Dass in Nordhorn gute Küchen gebaut werden, hat sich in Europa herumgesprochen. Auf die Ware von Ekelhoff fahren vor allem Niederländer ab. „Wir liefern derzeit rund 75 Prozent unserer Küchen ins Nachbarland“, sagt der Verkaufsleiter des Familienunternehmens, Thomas Lüdtke.

Auf dem großen Parkplatz am Küchenland Ekelhoff sind Autos mit gelben Kennzeichen an den meisten Tagen der Woche deutlich in Überzahl. Kunden aus Holland steuern das größte aus einer Vielzahl Grafschafter Küchenfachgeschäfte mit seiner 10 000 Quadratmeter großen Ausstellung und über 200 komplett aufgebauten Küchen sowie einem Luxuswohnbereich an: Auf den Nordhorner Küchenriesen aufmerksam geworden sind die Besucher oft durch Werbung in den großen niederländischen Tageszeitungen, aber vor allem auch durch Mund-zu-MundPropaganda. „70 Prozent unserer Kunden kommen auf Empfehlung“, sagt Lüdtke. Die Firma Ekelhoff, die neben dem Küchenland an der Bentheimer Straße auch noch das Stammhaus in der Nordhorner Hauptstraße betreibt, beschäftigt insgesamt 140 Mitarbeiter; darunter mehr als 70 eigene Küchenmonteure, die sich im In- und Ausland um den Aufbau der 40 bis 50 Küchen kümmern, die allwöchentlich ausgeliefert werden. Lüdtke: „Während andere Küchengeschäfte deutschlandweit Personal suchen, stehen bei uns derzeit sogar fünf Monteure auf der Warteliste.“ Beraten werden die Kunden in beiden Häusern von insgesamt 23 besonders geschulten Verkäufern. Lüdtke: „Die Industrie, sprich Küchenhersteller, kommt sogar eigens für Schulungen zu uns nach Nordhorn.“ Stolz ist man bei Ekelhoff auch darauf, dass alle Kunden aus dem Nachbarland in ihrer eigenen Sprache beraten werden. Für die Wochenenden ist es allerdings erforderlich, zwei bis drei Wochen vorher einen Termin für einen Besuch in Nordhorn zu vereinbaren. Es gibt sogar niederländische Kunden, die die Küchenberatung bei Ekelhoff mit einem Kurzurlaub in der Grafschaft Bentheim verbinden. „Wenn man schon einmal da

ist, sollte man diese Gelegenheit nutzen“, so ein Kunde aus Amsterdam. Im Internet finden sich Dutzende lobende Kommentare zu Ekelhoff, vornehmlich von niederländischen Kunden. Der Tischler Johannes Albertus Ekelhoff, der Gründer des Familienbetriebes, wurde 1872 in Nordhorns niederländischer Nachbargemeinde Denekamp geboren. Beim Schlittschuhlaufen hatte er damals Gesine Evers aus Frensdorf getroffen, heute ein unmittelbar an der Grenze zu Holland gelegener Stadtteil von Nordhorn. Ohne Gesine Evers hätte es Ekelhoff Küchen in Nordhorn wahrscheinlich nicht gegeben. Angefangen hat Johannes Albertus Ekelhoff 1901 als selbstständiger Tischler mit einer Werkbank und der Produktion von Möbeln. Auch Sohn Heinrich entdeckte das Tischlerhandwerk schnell für sich. Bereits in jungen Jahren half er seinem Vater in der Werkstatt, und die Zahl der Aufträge stieg immer schneller. Es folgte die Umsiedlung in die Nordhorner Innenstadt. Mit Johannes Ekelhoff führte der Sohn von Heinrich Ekelhoff den Familienbetrieb Möbel Ekelhoff in der dritten Generation. 1980 übernahm er die vollständige Leitung des Unternehmens und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für hochwertige Markenküchen. Im Stammhaus in der City

„70 Prozent unserer Kunden kommen auf Empfehlung.“ Thomas Lüdtke, Küchenland Ekelhoff

legte man den Fokus zunehmend auf Küchen und Schlafzimmer. Parallel wurde das Tochterunternehmen Küchenland gegründet. Stammhaus und Küchenland Ekelhoff entwickelten sich stetig weiter. Ziel war es, den Kunden immer die neuesten Trends, die aktuellsten technischen Neuheiten und das höchste Maß an Exklusivität zu bieten. So gehörte bei der Eröffnung des Küchenland-Neubaus eine 150 000 Euro teure Küche im Porsche-Design zur Ausstellung. Inzwischen hat mit Hans Ekelhoff die vierte Generation den Familienbetrieb übernommen. Senior Johannes Ekelhoff, inzwischen 78 Jahre alt, lässt es sich aber nach wie vor nicht nehmen, täglich einmal beim Küchenland reinzuschauen. Heute sind die gesamte Bundesrepublik und die Niederlande das Hauptliefergebiet der Firma Ekelhoff, die aber auch schon bei Kunden in unter anderem Russland, Norwegen, in der Schweiz, in England, in Frankreich und sogar im Nahen Osten Küchen aufbaute. Das Unternehmen ist ständig darum bemüht, seinen Kunden die neuesten und modernsten Küchen aller namhaften Produzenten bieten zu können, in Kombination mit einem optimalen Service. Die interessantesten sind stets komplett in den Ausstellungen in Nordhorn aufgebaut, darunter auch die Neuheiten der wichtigsten Messen wie Mailand und Köln. Ins Angebot aufgenommen hat das Unternehmen unlängst auch drei besonders kleine Küchen einer kleinen, aber feinen Manufaktur aus Venedig. 2016 war hinsichtlich des Umsatzes ein Rekordjahr. Und auch 2017 hat schon wieder rekordverdächtig begonnen. Thomas Lüdtke: „Wir müssen unbedingt erweitern. Unser heutiges Zentrallager reicht nicht mehr aus. Wir sind derzeit auf der Suche nach einem neuen Standort.“ Sonnabends und, wenn geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen wird im Küchenland für die Gäste gekocht. Die Ausstellungen verfügen über sechs voll funktionsfähige Küchen, in denen die Einbaugeräte demonstriert und ausprobiert werden können. In einer dieser Küchen, der Siemens life Kochschule, bereiten Spitzen-Köche wie Steve Bormann leckere Kleinigkeiten. Jährlich gibt es bei Ekelkoff rund 220 Koch-Events.


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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

SPEZIAL MÖBEL & KÜCHE

Sögeler Suiten schippern über die Weltmeere Die Deeken-Gruppe stattet Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft aus – Auch Hotels im gesamten Bundesgebiet sind Kunden

VON CHRISTOPH ASSIES SÖGEL. Möbel sind die Leiden-

schaft der Familie Deeken aus Sögel. Fast aus dem Nichts haben die Emsländer ihre Fertigung auf dem Hümmling aufgebaut und liefern heute individuelle Möbelstücke in Hotels von Sylt bis Rheinland-Pfalz. Seit 2001 auch für jeden Luxusliner der Papenburger Meyer Werft.

„Wir sind mit Möbeln aufgewachsen, bei uns zu Hause lagen immer Skizzen herum“, sagt Anja Deeken-Rickermann, die den Familienbetrieb mit ihrem Mann Frank Rickermann führt. In diesem Jahr feiert die Firma ihr 20-jähriges Bestehen. Gründer und Ideengeber für den Betrieb, der heute 55 Mitarbeiter beschäftigt, war Deeken-Rickermanns Vater Hermann, der früher bei der Firma Klose, einem Möbelbetrieb mit 270 Mitarbeitern in Sögel und Herzlake, tätig war. „Nach dem Ende der Firma war mein Vater freier Designer für die Möbelindustrie. Wir wohnten damals in Süddeutschland und sind für die Gründung der Firma zurück ins Emsland gekommen“, erzählt die gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte. Deeken-Rickermann, ihr Mann und ihre Eltern hatten den Durchbruch mit einer kleinen Kollektion von selbst gestalteten Couchtischen, aus denen die Möbelhauskette Möbel Unger aus Goslar für mehrere Häuser zehn Modelle abnahm. „Mein Mann und ich haben die Möbel mit einem geliehenen Kleintransporter ausgeliefert“, erzählt die Sögelerin. Parallel wurden die Produktionshallen am Nordring kurz vor dem Ortseingang Sögels aufgebaut und im Laufe der Zeit vergrößert. Das Sortiment erweiterte das Unternehmen um Küchen, die aber im Gegensatz zu Tischen und

Schränken nicht selbst produziert werden. Eigene Anfertigungen bietet Deeken seit 1999 auch für Privatkunden in einem Möbelhandel an. „Das macht in etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes aus“, erklärt Deeken-Rickermann, die in der Firma für das Controlling verantwortlich ist. „Unser Steckenpferd sind individuelle Stücke.“ Sie wendet sich gegen das Vorurteil, das exklusive Möbel teuer sein müssen. „Es ist sicher so, dass wir nichts für denjenigen haben, der Möbel von der Stange will, aber es kommt uns auch darauf an, dass Besucher sich in unserem Verkaufsraum Inspiration holen, mit guten Erinnerungen an das, was sie gesehen haben, gehen und dann vielleicht eben als Kunden zurückkommen“, sagt die Emsländerin, die selbst Teile des Verkaufsraumes einrichtet.

„Wir haben nichts für den, der Möbel von der Stange will.“ Anja Deeken-Rickermann

Diese Bar von Deeken steht an Land – im Hotel Park Inn in Göttingen.

Ausstellungsräume wie hier den Showroom für Hoteleinrichtungen richtet sie selbst mit ein: Anja Deeken-Rickermann, Geschäftsführerin der Deeken Gruppe aus Sögel.

Nach dem Ende der Möbel-Unger-Kette entstand 2001 die Geschäftsbeziehung zur Papenburger Meyer Werft. Für das Kreuzfahrtschiff „Radiance of the Seas“ lieferte das Sögeler Unternehmen die ersten Möbel und richtet bis heute Crew-Bereiche, Bord-Hospitäler, die Kommandobrücken, die Kapitäns-Kabinen und Suiten für die Ozeanriesen aus Papenburg ein. „Natürlich sind hier viele prestigeträchtige Gewerke dabei, aber wir müssen auch immer wie-

Foto: Deeken

der schauen, ob wir das mit unserer Truppe stemmen können“, betont die Geschäftsfrau. Gleichwohl wisse die Werft schon, dass sie sich auf die Unternehmen der Region verlassen könne. Für das neueste Kreuzfahrtschiff „Norwegian Joy“ hat die Deeken-Gruppe 33 Familien-Suiten eingerichtet. Die Pläne für das nächste Schiff, die „World Dream“, hängen in der Sögeler Werkstatt schon an der Wand. 2002 suchte ein Bremer Architekt Partner für den Ausbau von Altenpflegeeinrichtungen, und Deeken nahm auch diese Herausforderung an. „Entstanden ist daraus unsere Sparte für Hotelausstattungen“, sagt Deeken-Rickermann. Die Ausstellungsfläche zeigt Trends für Hotelzimmer. „In einem Zimmer nimmt man zuerst das Bett wahr. Wir bieten Hotelbetreibern die komplette Konzeption nach Grundrissplänen an und machen Gestaltungsvorschläge, die wir dreidimensional visualisieren können“, erklärt Deeken-Rickermann. Zuständig dafür ist ein Planerteam unter Federführung einer Innenarchitektin. Eingerichtet werden von den Emsländern Hotelzimmer im gesamten Bundesge-

biet von der Insel Sylt bis nach Rheinland-Pfalz. Die Park-Inn-Hotels gehören unter anderem zu den Kunden von Deeken. Mit einem Netzwerk aus Tischlereien aus dem Emsland arbeitet die Firma zusammen, um noch mehr Aufträge annehmen zu können. Auch bei der Umsetzung treten die Sögeler beispielsweise mit Malerbetrieben aus der Region auf und schaffen Hotelzimmer im gesamten Bundesgebiet.

Fotos: Christoph Assies

„Wir kennen keine schwierigen Zeiten, weil wir uns eigentlich immer neu aufgestellt und angepasst haben“, sagt Deeken-Rickermann selbstbewusst. So soll es nach ihrem Willen weitergehen. Ob ihre heute 16 und 17 Jahre alten Söhne den Betrieb übernehmen, weiß sie nicht. „Sie sollen frei entscheiden, der Jüngere besucht aber die Fachoberschule für Gestaltung“, sagt die Mutter und Chefin des Familienunternehmens.


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SPEZIAL MÖBEL & KÜCHE

„Das Beispiel der Küchenbauer muss Schule machen“ Industriedesign-Professor Thomas Hofmann über Möbel mit System und Oberflächen, die in Würde altern VON CHRISTIAN SCHAUDWET OSNABRÜCK. Möbeldesigner

müssen sich immer stärker der Produktionseffizienz unterordnen, sagt Thomas Hofmann, Professor für Industriedesign an der Hochschule Osnabrück. Dennoch tolle Dinge gestalten zu können – das zeichne einen guten Designer aus.

Herr Professor Hofmann, Ihr Metier ist das Industriedesign. Was hat das mit Möbeln zu tun? In vielen Möbeln steckt ganz viel System, etwa in Küchenmöbeln und Büromöbeln. Ich hatte schon früh im Studium intensiven Kontakt mit Systemmöbeln aus dem gesamten Einrichtungsbereich. In der Zeit habe ich gelernt, wie viel System hinter einem Möbel stecken muss, damit es funktioniert – sowohl für den Kunden als auch für Produktion und Logistik. Auch Studierende von uns schreiben Bachelorarbeiten im Bereich der Möbel- und Küchenindustrie. Die Küchenmöbelbranche ist in der Region stark vertreten, und ihr geht es momentan besser als der Möbelbranche insgesamt… Küchen sind in den letzten Jahren zum Mittelpunkt des Wohnens

zum Beispiel eine Krümmung nicht mehr glatt, sondern bildet sie durch viele kleine Dreiecke ab, die im Grunde gerade Flächen sind. Dadurch bekommen Produkte eine technische, mathematische Ästhetik – ein wenig, als kämen sie direkt aus dem Computer. Diesen Trend sieht man in vielen Bereichen, auch in der Möbelindustrie.

geworden. Wenn viel Geld ausgegeben wird, dann meistens für die Küchen. Wohnungen und Häuser werden inzwischen oft um die Küchen herum gebaut. Vor wenigen Jahren waren Küchen eher Ware von der Stange. Heute muss es für viele Käufer etwas Besonderes sein. Gerade das macht es notwendig, sehr systematisch und effizient zu planen, sonst wären Küchen noch viel teurer. Macht das Beispiel der Küchenbauer in anderen Zweigen der Möbelbranche Schule? Es muss Schule machen, sonst wäre die Entwicklung vieler Produkte gar nicht mehr möglich. Die Systemfähigkeit von Möbeln wird immer wichtiger. Planung und Herstellung werden immer stärker rationalisiert – beispielsweise so, dass aus einer genormten Industriewerkstoffplatte so viele Teile wie möglich geschnitten werden können. Materialien werden teurer, und Unternehmen wollen nachhaltig produzieren. Dem muss sich auch das Möbeldesign unterordnen. Designer bekommen klare Effizienz- und Nachhaltigkeitsvorgaben. Sie lernen, dass sie sich an den industriellen Prozessen orientieren müssen. Trotz dieser Beschränkungen etwas Außergewöhnliches zu gestalten zeichnet einen guten Designer aus.

Thomas Hofmann, Professor für Industriedesign, Hochschule Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Ist das ein langfristiger Trend? Ich vermute, es handelt sich um eine temporäre Erscheinung, wie so viele Charakteristika formaler Ausprägungen. Es ist jedoch eine sehr interessante, da sie einen Aspekt aus einer neuartigen Entwicklungsmethodik spiegelt – der computergestützten Flächenmodellierung.

Welches ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Designtrend? Schwierige Frage, das Design ist so vielfältig... Produkte und ihr Design werden immer stärker in der Nutzung betrachtet: Wie sieht eine Esstischplatte aus, nachdem eine Familie mit kleinen Kindern sie ein paar Jahre genutzt hat? Wie sehen die Tischbeine aus, wenn die Katzen daran gekratzt haben? Eines meiner Forschungsthemen ist die Veränderung des Produkts durch die Nutzung. Eine

Verändern die neuen Möglichkeiten des 3-D-Drucks das Möbeldesign? Ich vermute ja. Die meisten 3-D-Drucke entstehen in Schichten. Dadurch ergibt sich optisch ein Treppeneffekt. Es gibt Blumenvasen in 3-D-Druck-Optik. Es gibt auch Beispiele aus dem Möbelbereich. Dass ein 3-D-Druck lange dauert und teuer ist, muss kein Hinderungsgrund sein. Für einen bestimmten Kundenkreis spielt Geld bei der Küche keine entschei-

unserer Studentinnen hat in der Küchenindustrie erforscht, wie Oberflächen sich durch Nutzung positiv verändern, eine attraktive Patina bekommen. Sie hat getestet, was küchentypische Substanzen mit den Oberflächen machen und ästhetische Lösungen gefunden, wie man diese Veränderungen ins Design einbeziehen kann, anstatt zu versuchen, es zu verhindern. Ein ganz anderer Trend ist: Produktoberflächen werden trianguliert. Das heißt, man gestaltet

dende Rolle. Man kann mit dieser Methode sehr individuelle Oberflächen und Dekorationen erzeugen. Es ist eine industrialisierte Individualisierung, mit der man ganz neue Oberflächen und Ästhetiken erschaffen kann. Was bedeutet Individualisierung für den Handel? Es wird möglich aufzuzeichnen, wie ich meine alte Küche nutze, wie ich mich darin bewege. Aus meinen Bewegungsmustern kann das Design meiner neuen Küche abgeleitet werden im Sinne der Bedienbarkeit und Funktionalität. Das könnte eine Aufgabe für den Handel, für den Service werden. Das bedeutet eine Abkehr von der klassischen industriellen Produktion, die verlangt, dass ein Kunde vorgefertigte Konzepte übernimmt. Wir sind in einem Umbruch, in dem Design viel individueller werden kann, die Produkte aber dennoch industriell umsetzbar bleiben. Für Hersteller und Händler kann das ein Wettbewerbsvorteil werden. Ich kenne einen Laminathersteller in der Region, der sehr kleine, individualisierte Chargen anfertigt. Da sieht er für sich ein Alleinstellungsmerkmal. Dieser Trend erfasst übrigens auch die Maschinenbauer. Sie müssen Maschinen planen, die so individuell arbeiten können.

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GELD & GESCHÄFT

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Rätselhafte Emsland-Stärke: Worüber haben sich das Unternehmen und seine ehemaligen Geschäftsführer Hubert Eilting und Michael Schonert entzweit? Das Foto zeigt den Hauptstandort Emlichheim.

Foto: Gerold Meppelink

Millionen stehen auf dem Spiel Der Konflikt der Emsland-Stärke mit ihren abberufenen Geschäftsführern geht in die nächste Runde

Unternehmen kämpft mit Zivilklage um Schadenersatz. Nach wie vor besteht ein Geschäftsverhältnis mit den Ex-Chefs. Der Agrarkonzern hat schwierige Zeiten durchlebt. VON CHRISTIAN SCHAUDWET EMLICHHEIM/OSNABRÜCK. Das Zi-

vilverfahren zwischen der Emsland-Stärke und ihren beiden früheren Geschäftsführern droht ein langer Schlagabtausch zu werden. Die Beteiligten geben keine Stellungnahmen ab. Die parallelen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind so komplex, dass sie in mehrere Einzelverfahren aufgeteilt wurden.

Die Forderungssumme ist beeindruckend. „Schadenersatz in zweistelliger Millionenhöhe“ will der Stärkeproduzent EmslandStärke von Hubert Eilting und Michael Schonert vor dem Landgericht Osnabrück erstreiten. Man verlange „einen Teil derjenigen Schäden erstattet“, die die beiden abberufenen Geschäftsführer zu verantworten hätten, begründete das Unternehmen seine Klage Anfang März. Was Eilting und Schonert im Detail vorgeworfen wird, ist schon seit Beginn der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück vor mehr als zwei Jahren Gegenstand von Spekulationen in der Landwirtschaft und Lebens-

mittelindustrie des Nordwestens. Immerhin so viel verraten die Staatsanwälte: Es besteht der „Verdacht der Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr“. Die Abteilung Korruption führt die Ermittlungen, und der Fall ist so komplex, dass er in bis zwölf Einzelverfahren gegliedert wurde, von denen einige noch lange dauern können. Die Emsland Group in Emlichheim in der Grafschaft Bentheim mit mindestens 30 Einzelunternehmen im In- und Ausland und rund mehr als 900 Beschäftigten gewinnt aus Kartoffelstärke und Erbsen Vorprodukte für die Lebensmittel-, die Bau- und die Textilindustrie. Ihre Palette reicht von Grundstoffen für Süßwaren bis zu Bestandteilen von Klebstoffen. Das Unternehmen, das rund 1500 Kartoffelanbauern in Nord-

Jede Äußerung könnte der Gegenseite Munition liefern.

deutschland gehört, hat schwierige Zeiten durchlebt: Laut Konzernabschluss der Muttergesellschaft Emsland Stärke AG für das Geschäftsjahr 2014/2015 – teilweise noch unter Eilting und Schonert – stand unter dem Strich ein Jahresfehlbetrag von 41,9 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte deutlich größere „sonstige betriebliche Aufwendungen“ als in früheren Jahren. Eiltings und Schonerts Nachfolger um den Vorsitzenden Geschäftsführer Udo Hinkelmann veranlassten Wertberichtigungen und Rückstellungen in Höhe von 47,3 Millionen Euro, heuerten Unternehmensberater an und unterzogen die Geschäftsmodelle der Gruppe einer grundlegenden Neubewertung. Dabei seien sie zu einer „vergleichsweise konservativeren Risikobewertung“ gekommen, heißt es nüchtern im Konzernabschluss. Sind das Nachwirkungen von Management-Entscheidungen Eiltings- und Schonerts? Schonert lehnte es bei einem Anruf unserer Redaktion ab, sich zu den Vorwürfen seines ehemaligen Arbeitgebers zu äußern. Weder er noch Eilting reagierten auch auf eine schriftliche Bitte um Stellungnahme. Kein Kommentar ebenso von den Anwaltskanzleien der beiden. Schweigen auch bei der klagenden Emsland-Stärke, ihren Anwälten und ihrem Aufsichtsrat. Kein Wunder – in dem bevorstehenden Osnabrücker Zivilprozess geht es um viel Geld. Jede unvorsichtige öffentliche Äußerung könnte der Gegenseite Munition liefern. Doch bei aller Gegnerschaft: Eilting und Schonert stehen offenbar noch in geschäftlichem Kontakt mit der Emsland Group.

Die beiden leiten heute die ES Aqua Holding in der Nähe von Berlin, eine Vertriebsagentur im Dienste des Fischfutterherstellers Emsland Aller Aqua – der zur Emsland Group gehört. Eilting engagierte sich als Emsland-Group-Chef auch jenseits des Kerngeschäfts des Unternehmens. Die Hamburger Firmendatenbank North Data listet ihn als Mitgeschäftsführer von zeitweise acht überwiegend im Emsland gelegenen Windparks auf. Schonert indes betreibt neben der ES Aqua Holding das Beratungsunternehmen MS Consulting in der Nähe von Berlin. An seiner alten Wirkungsstätte in Brandenburg unter den Kartoffelanbauern um die Kleinstadt Kyritz hat er viele Fürsprecher. Bis 1996 war Schonert Betriebsleiter des dortigen Emsland-Stärkewerks, das von Landwirten aus der Region belie-

fert wird. In den Folgejahren stieg er im Konzern auf, wurde 2015 an die Unternehmensspitze berufen. Nach Aussage eines Wegbegleiters soll Schonert im Werk Kyritz – zur Freude der zuliefernden Kartoffelanbauer – gut gewirtschaftet und kräftig investiert, sich zugleich aber Kritiker und Neider in der Grafschaft Bentheim geschaffen haben. In dem oder den Konflikten, die zur Abberufung Eiltings und Schonerts führten, steht es vorläufig eins zu null für die Emsland-Stärke AG. In einem ersten, erst kürzlich bekannt gewordenen Zivilverfahren wurden die beiden Ex-Chefs vom Landgericht Osnabrück zu einer Schadenersatzzahlung von mehr als 442 000 Euro verurteilt. Der Vorwurf: Sie sollen dem früheren Finanzchef des Unternehmens eine übermäßig üppige Altersteilzeit-

Schutz vor persönlicher Haftung

Sieben von zehn Geschäftsführern suchen Schutz bei einer D&O-Versicherung

Manager-Haftpflichtversicherungen, auch D&O-Versicherungen (Directors and Officers) genannt, sollen Führungskräfte gegen Schadenersatzansprüche absichern, die aus ihrer Leitungstätigkeit entstehen können. Das können sowohl Schadenersatzansprüche Dritter als auch des eigenen Unternehmens sein (Innenverhältnis). Laut einer Umfrage des Kölner D&OAnbieters VOV aus dem Jahr 2016 haben Manager das Gefühl, dass ihr Haftungsrisiko deutlich gestiegen ist. Dies könne mit steigendem öffentliche Druck und der Debatte über die VW-Abgasaffäre zu tun haben, heißt es in der Studie.

Ja

Nein

vergütung gewährt haben. Nach Auffassung des Gerichts haben sie dabei ihre Sorgfaltspflicht verletzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, laut Emsland-Stärke haben die Beklagten Berufung eingelegt. Je nach Verlauf der staatsanwaltlichen Ermittlungen und des Streits mit der Emsland-Stärke könnte sich ein Schadenersatz in dieser Höhe als Eiltings und Schonerts geringstes Problem erweisen. Wenn es zur Anklage und zu einem neuen Zivilprozess kommt, geht es um ein Vielfaches. Aktionäre der Emsland-Stärke aus der norddeutschen Kartoffelbauernschaft dürften das Geschehen am Landgericht Osnabrück aufmerksam verfolgen. Unter ihnen herrscht bereits Genugtuung darüber, dass ihr Unternehmen gegen Eilting und Schonert vorgeht.

Angaben in Prozent

Branche

68

73

63 37

32 Industrie/produzierendes Gewerbe

27

Dienstleistungen

Handel

Gesellschaftsform

Bilanzsumme

79

68

61 32

GmbH

Umfrage unter 200 Geschäftsführern zwischen dem 27. 10. 2015 und dem 2. 12. 2015

21 AG

75

60 39

40

andere Gesell- 50 bis unter schaftsform 100 Miollionen

25 100 Millionen und mehr

Quelle: VOV GmbH · Grafik: Matthias Michel


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GELD & GESCHÄFT

Und sei die Idee noch so gut: Ohne Kapital wächst nichts Start-ups brauchen Geldgeber, doch der Griff in einen der zahlreichen Töpfe will gut bedacht sein

BERLIN/MÜNCHEN. Die Geschäfts-

idee ist gut, doch es fehlt an Zählbarem, um sie umzusetzen. Was also tun? Nicht immer müssen Jungunternehmer auf einen großen Investor hoffen. Welche Finanzierungsmethode passt zu welchem Konzept? Eine Übersicht.

Bootstrapping – abgeleitet vom englischen Wort für Schnürsenkel – wird eine Firmengründung ohne Fremdkapital genannt. Getreu dem Motto: Schuhe fest zubinden, und los geht die Reise. Ziel ist es, mit möglichst schmalem Budget die Kosten zu minimieren, aber gleichzeitig die Einnahmen zu steigern. Wer sich für Bootstrapping entscheidet, gibt kaum oder gar keine Firmenanteile aus der Hand, behält also die Entscheidungsgewalt über sein Unternehmen. Hinzu kommt die finanzielle Unabhängigkeit gegenüber Banken und Investoren. Außerdem lernt ein Jungunternehmer schnell, kosteneffizient und kundenorientiert zu wirtschaften. Ein Nachteil ist der hohe Leistungsdruck aufgrund knapper Zeit- und Kapitalressourcen. Oft bleibt nur wenig Gelegenheit, um ein strukturiertes, rentables Unternehmen auf die Beine zu stellen. Nicht selten bedeuten kleine Fehlentscheidungen auch das Aus. Investor und Start-up-Experte Aydo Ali Schosswald bezeichnet Bootstrapping weniger als durchdachtes Modell, vielmehr als Notwendigkeit. Er empfiehlt es allen Gründern, die nicht zu früh Anteile abgeben möchten. Wer die ersten Monate übersteht, habe gute Chancen, anschließend einen Investor zu finden, der sich langfristig engagiere. Venture-Capital: Wenn sich eine Private-Equity-Gesellschaft mit Eigenkapital an jungen Unternehmen beteiligt, ist die Rede von Risikokapital oder Wagniskapital (Venture-Capital). Die Summe unterscheidet sich je nach Entwicklungsphase des Start-ups. Oftmals steht der Kapitalgeber auch mit Know-how zur Seite. Je früher ein Investor einspringt, desto größer ist für ihn das Risiko zu scheitern. Meist wird daher erst in späteren Gründungsphasen investiert.

Geldgeber erwerben als Gegenleistung Firmenanteile, haben also ein Mitspracherecht, das für gewöhnlich über die gängigen Rechte einer Beteiligung hinausgeht. Außerdem erwarten sie eine regelmäßige Berichterstattung über Fortschritte des Start-ups. Vorteile von Venture-Capital sind eine langfristige Planungsund Finanzierungssicherheit, der einfachere Zugang zu Kontakten und die Chance, ein großes Netzwerk aufzubauen. „Im Unterschied zur Darlehensfinanzierung ist Beteiligungskapital kein Fremd-, sondern Eigenkapital. Für Beteiligungskapital müssen keine Sicherheiten gestellt werden“, erklärt Yvonne Stolpmann, Leiterin des Referats Gründungsförderung und Mittelstandsfinanzierung bei der Industrie- und Handelskammer Nürnberg. Es fallen keine Zinsund Tilgungszahlungen an. Nachteile sind das eingeschränkte Mitspracherecht, der hohe Wachstumsdruck und ein sogenannter Exitanspruch der Investoren nach mehreren Jahren. Letzteres bedeutet, dass der Investor aus seiner Beteiligungsanlage aussteigt, um Rendite einzufahren. Beliebt ist Venture-Capital vor allem in der Pharma-, IT- oder Biotechbranche.

„Bootstrapping ist eine Notwendigkeit.“ Aydo Ali Schosswald, Start-up-Experte

Business Angels: Im Vergleich zu Venture-Capital-Gebern sind Business Angels meist eher bereit, in eine kernige Geschäftsidee zu investieren. Das Ziel ist dabei ähnlich wie beim Venture-Capital-Geber: möglichst viel Rendite durch ein möglichst erfolgreiches Geschäftsmodell. „Im Unterschied zu Finanzinvestoren beteiligen sich Business Angels nicht nur finanziell am Erfolg eines vielversprechenden Unternehmens. Sie werden aktiv in der Firma tätig. Ihr Ziel ist es, ihre Erfahrungen weiterzugeben, ihre Kontakte für andere nutzbar zu machen und damit aussichtsreiche Firmen zum

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ren und erhalten einen Anteil am Unternehmen und sind somit am Umsatz beteiligt. Wie bei VentureCapitalGebern ist das Ziel meist ein Exit nach einigen Jahren. Beim Lending-based Crowdfunding bieten Geldgeber einen Kredit zu einem festen Zinssatz und mit einer festen Laufzeit.

Erfolg zu führen“, sagt Claudia Gabler von der Münchner Industrie- und Handelskammer. Zwar investieren Business Angels meist deutlich weniger als Venture-Capital-Geber, doch ist das Wissen, das sie mit Jungunternehmern teilen, meist noch wichtiger als das Kapital. Das Risiko, das Business Angels eingehen, ist oft sehr hoch, da sie häufig schon kurz nach der Gründung eines Start-ups investieren. Ein

Vorteil gegenüber Venture-Capital-Gebern ist die vergleichsweise geringfügige Abgabe von Mitsprache- und Kontrollrechten. Außerdem besteht keine Verzinsungs- oder Rückzahlungsverpflichtung für das Beteiligungskapital. Das Netzwerk eines Business Angel kann auch dabei helfen, Folgeinvestoren zu finden. Vor dem Kontakt zu einem Business Angel rät Claudia Gabler allerdings dazu, einige Dinge zu klären. Vor allem sollten sich Gründer über Chancen und Risiken im Klaren sein. Auch die eigenen Erwartungen an einen Business Angel sollten bedacht werden, ebenso wie der Zeitraum der Zusammenarbeit. Wer diese Punkte geklärt hat, kann über Business-Angels-Netzwerke Kontakt aufnehmen.

Grafik: C olourbox .de

VON SABRINA WENDT

tion-based Crowdfunding beruht auf Spenden. Geldgeber erhalten also keine Gegenleistung. Meist wird dieses Verfahren zur Finanzierung wohltätiger Projekte eingesetzt, es bietet sich aber auch für Start-ups an, die auf anderen Wegen keine Geldgeber finden. Das Equity-based Crowdfunding ist an Private Equity angelehnt. Geldgeber werden also zu Investo-

„Business Angels wollen Erfahrungen weitergeben.“ Claudia Gabler, IHK München

Staatliche Fördermittel, Stipendien und Gründerwettbewerbe: Gründer können in vielen Fällen auf eine staatliche Förderung zurückgreifen. Eine Übersicht über Förderprogramme mit besonders guten Konditionen und gut aufbereitetes Grundwissen zu Förderinstrumenten bietet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf seiner Website www.foerderdatenbank.de. Dort finden sich auch zahlreiche bundesweite und regionale Gründerwettbewerbe, die oft mit Zehntausenden von Euro dotiert sind. Daneben gibt es auch Stipendien, die Hochschulabsolventen bei einer Gründung unterstützen.

Crowdfunding: Immer beliebter wird die Finanzierung durch die Crowd (Masse). Das heißt, dass viele Personen jeweils einen kleinen Betrag beisteuern. Am Ende kommt dann eine beachtliche Summe heraus. Es gibt verschiedene Formen der Crowd-Finanzierung. Beim Reward-based Crowdfunding, das insbesondere in der Kreativwirtschaft beliebt ist, erhalten die Geldgeber für ihre Unterstützung ein Dankeschön, das der Höhe der finanziellen Unterstützung angepasst wird. Das Dona-

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GELD & GESCHÄFT

Starten mit Rückenwind Verrückte Einfälle willkommen: Im Grafschafter Technologiezentrum in Nordhorn finden Unternehmensgründer Büros und Beratung VON SEBASTIAN HAMEL NORDHORN. Aller Anfang ist

schwer. Damit es dabei nicht bleibt, wurde vor mehr als 30 Jahren das Grafschafter Technologiezentrum (GTZ) gegründet. Hier greifen Profis den Gründern unter die Arme. Sie begleiten die Start-ups beim großen Schritt auf den Markt.

Frischer Unternehmergeist zieht durch die Räume des GTZ im Nordhorner Gewerbe- und Industriepark. Seit 1985 wirkt die Einrichtung im Süden der Kreisstadt als Sprungbrett für all jene, die ihren Traum vom eigenen Betrieb Wirklichkeit werden lassen. Auf dem Weg von der ersten Geschäftsidee bis zum gewinnbringenden Wirtschaften finden die Jungunternehmer hier nicht nur eine willkommene Infrastruktur in Form von mietbaren Büro-, Werkstatt- und Lagerräumen vor, sondern erhalten auf Wunsch auch Unterstützung und Begleitung im Gründungsprozess durch das Know-how der Mitarbeiter. Rund 20 Unternehmen sind derzeit am GTZ angesiedelt. Seit Dezember 2015 geht Alexander Kroeze dort seiner Arbeit als Geschäftsführer der von ihm zusammen mit Thomas Westhuis gegründeten PG-Medien nach. Ziel-

gruppe der jungen Kommunikationsagentur sind Sportvereine. Ihre Angebotspalette umfasst die klassische Betreuung der Vereinswebseite, das Projektmanagement, aber auch die Entwicklung neuer Ideen, etwa mit Blick auf Sponsoring- oder Vertriebskonzepte. Ein besonderer Clou: die Marke „Stickerfreunde“. Die Agentur stellt für die Vereine Stickeralben zusammen – ganz nach dem Vorbild von Sammelheften berühmter Mannschaften. Der 33-jährige Kroeze war schon Elektroinstallateur und Bürokaufmann; dann studierte er für ein Diplom als Sportmanager, arbeitete im Softwarevertrieb und in einer Werbeagentur. Schon damals betreute er nebenbei Sportvereine. „Ich habe meinen Nebenberuf dann auf professionelle Beine gestellt“, beschreibt Kroeze den Schritt in die Selbstständigkeit. Aus seinem Umfeld erhielt er große Unterstützung. „Meine Frau meinte: Mach es sofort“, erinnert er sich und entschied: „Jetzt oder nie!“ Mit einem Grafiker und Programmierer ging es schließlich an den Start. „Wir haben von morgens um acht bis abends um zehn im Büro gesessen, Pizza bestellt – das typische Start-up-Leben“, erzählt der Jungunternehmer. Die Nachfrage war so gut, dass sie so-

PG-Medien hat gut zu tun: Geschäftsführer Alexander Kroeze (links) freut sich mit Lisa Holtkamp und Aiko Düselder.

gar zur Herausforderung wurde. „Man darf sich nicht verzetteln“, sagt Kroeze: „Wenn man am Anfang steht, läuft man Gefahr, alles anzunehmen.“ Ein klares Profil sei in diesem Zusammenhang wichtig. Inzwischen gehören acht Mitarbeiter zum Team, die Auftragslage ist gut. Alexander Kroeze bereut seine Entscheidung nicht: „Es macht Spaß, eigene Ideen zu verwirklichen, und man lernt viele tolle Leute kennen“, sagt er.

Seine Ansiedlung im Grafschafter Technologiezentrum bezeichnet der Gründer als „das Beste, was man sich für ein Start-up wünschen kann“. Fünf Jahre beträgt dort die reguläre Verweildauer für Unternehmen, ehe es sich einen eigenen Standort suchen muss. Zweimal kann die Frist für je zwei Jahre verlängert werden. Heike Dorenz, seit 19 Jahren Geschäftsführerin der Einrichtung, kennt die Grafschafter Gründerszene gut. „Kein Tag ist langwei-

Foto: Iris Kersten

lig“, sagt sie. Unter den Gründern gibt es den 17-Jährigen, dessen Vater den Mietvertrag unterschreiben muss, ebenso wie den 60-Jährigen, der nach fünf Jahren seine Firma übergibt und in den Ruhestand tritt. „Die meisten Gründer sind im mittleren Alter und verfügen über Berufserfahrung und finanzielle Möglichkeiten“, so Dorenz. Hauptkriterium für eine Ansiedlung am GTZ: Das Start-up muss innovativ sein oder der Technologiesparte angehören.

So etwa der Betrieb von Djon Hulshof, der nur wenige Meter von Alexander Kroezes Büro entfernt mit der Tansfluid Germany ansässig ist. Vor rund zweieinhalb Jahren gründete er den deutschen Ableger des italienischen Transfluid-Mutterkonzerns und vertreibt seither technische Produkte wie Flüssigkeitskupplungen, die beispielsweise in Förderbändern zum Einsatz kommen. Im Jahr 2017 will Hulshof eine Million Euro Umsatz machen. Das GTZ ist Teil des Beratungsnetzwerks „TopStart“, dem sich auf Initiative der Wirtschaftsförderung des Landkreises Grafschaft Bentheim verschiedene Einrichtungen angeschlossen haben. Andreas Kremer, der das Netzwerk betreut, berät Gründungswillige in der Grafschaft und hilft ihnen, sich im Dschungel aus Formalien, Genehmigungen und Versicherungen zurechtzufinden. Manch einer muss da schon einmal geerdet werden: Schließlich geht es nicht nur um den Spaß an der Sache, sondern auch um die Verantwortung, den Verpflichtungen gerecht zu werden. Die Grenzen des Möglichen sind allerdings weit gefasst. Andreas Kremer und Heike Dorenz wissen aus Erfahrung: Auch verrückte Ideen lassen sich in Form gießen.

Kurz notiert Erweiterung: Auf 18.000 Quadratmetern nördlich der Autobahn im Gesmolder Gewerbegebiet entstehen zurzeit eine neue Produktionsstätte, ein Hochregallager, ein Logistikbereich sowie angegliederte Technik- und Verwaltungsgebäude der Spies Kunststoff GmbH. Verdoppelung: Der Lingener Versandhändler EMP investiert an seiner Heimatbasis am Darmer Esch einen zweistelligen Millionenbetrag. Europas größter Versandhändler von Merchandising-Artikeln in Sachen Metal und Rock will bis Jahresende seine Logistikfläche verdoppeln. Beteiligung: Der Fulfillment-Spezialist Fiege aus Greven hat sich im Rahmen einer Seed-Finanzierung am Start-up Zenfulfillment (Berlin) beteiligt. Durch die entwickelte Software wird es Onlinehändlern ermöglicht, Marktplätze und Onlineshops wie Shopify und WooCommerce mit wenigen

Klicks anzubinden und den Versand sowie die Retourenabwicklung einfach auszulagern. Wechsel: Mit Wirkung zum 1. Juni 2017 wird Frank Schübel neuer ge-

GESCHÄFTSFÜHRER: Joachim Liebler und Axel Gleie CHEFREDAKTION: Ralf Geisenhanslüke (Chefredakteur), Dr. Berthold Hamelmann (Vertreter des Chefredakteurs), Burkhard Ewert (Stellvertretender Chefredakteur), Dr. Anne Krum (Mitglied der Chefredaktion) KOORDINATION: Christian Schaudwet AUTOREN DIESER AUSGABE: Christoph Assies, Joachim Dierks, Wolfgang Elbers, Manfred Fickers, Christoph Franken, Sebastian Hamel, Berthold Hamelmann, David Hausfeld, Benjamin Havermann, Gerhard Herrenbrück, Andreas Krzok, Vivien Leue, Volker Lüdemann, Christoph Lützenkirchen, Norbert Meyer, Axel Rotkehl, Siegfrid Sachse, Christian Schaudwet, Irene Schmidt, Freimuth Schulze, Jörg Schürmeyer, Werner Straukamp, Sabrina Wendt REDAKTION V.i.S.d.P.: Ralf Geisenhanslüke FOTOGRAFEN: David Ebener, Michael Gründel, Jakir Hossain, Ludger Jungeblut, Iris Kersten, Stehpan Konjer, Jörn Martens, Gerold Meppelink, Hermann Pentermann, Larissa Rehbock, Werner Scholz, Frauke Schulte-Sutrum, Werner Westdörp GRAFIK: Matthias Michel

VERLAG: Neue Osnabrücker Zeitung GmbH & Co. KG, Postfach 42 60, 49032 Osnabrück; Breiter Gang 10–16, Große Straße 17–19, 49074 Osnabrück, Telefon 0541/310-330, Telefax 05 41/310266; Internet: www.diewirtschaft.noz.de; E-Mail: diewirtschaft@noz.de ANZEIGEN-/WERBEVERKAUF: MSO Medien-Service GmbH & Co. KG, Große Straße 17–19, 49074 Osnabrück, Postfach 29 80, 49019 Osnabrück, Telefon 05 41/310-500, Geschäftsführer: Sven Balzer, Sebastian Kmoch (V.i.S.d.P.), Anzeigen-/Werbeverkauf: Sven Balzer, Hubert Bosse, Dirk Riedesel, Wilfried Tillmanns, Marvin Waldrich

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

GELD & GESCHÄFT

Die Wirtschaftsbeziehungen zu Polen sind Das Nachbarland verkauft hochwertige Industrieprodukte auch in unserer Region – Der EU-Partner präsentiert sich auf der Hannover-Messe –

Solaris: Posener Busse rollen auch in Osnabrück. Barlage: Polnische Tochter sorgt fast für den halben Umsatz. AVO: Deutsche Gewürze für eine Nation von Wurstliebhabern. VON NORBERT MEYER OSNABRÜCK/HERZLAKE. Deutsche und Polen verbindet eine wechselvolle Geschichte. Im Moment ist politisch eine kleine Eiszeit angebrochen. Wirtschaftlich dagegen florieren die Beziehungen zum diesjährigen Partnerland der Hannover-Messe– auch im Nordwesten Deutschlands.

Ja, er hat auch Macken: Wenn es um die Fahreigenschaften des im Osnabrücker Stadtverkehr eingesetzten Gelenkbusses der polnischen Marke Solaris geht, vergleicht Fahrer Roman Leer ihn mit den Modellen von Mercedes. Härter gefedert und lauter sei das Dieselfahrzeug aus dem Osten, beim Linksabbiegen gebe es einen leichten Ruck, und die hinteren Türen ließen sich von außen nicht öffnen. Aber nach drei Jahren hat der Mann hinter dem Lenker den Bus aus Posen auch schätzen gelernt. Leer lobt das Kamera-Überwachungssystem und weiß den Fußwärmer für den Fahrer im Winter ebenso zu schätzen wie die Kühlung auf der Fahrerseite im Sommer. Vor allem aber hat es ihm die Absenk-Automatik des Solaris-Busses angetan, die mittels Sensoren an jeder Haltestelle die Einstiegshöhe so anpasst, dass die Fahrgäste bequem ein- und aussteigen können. Und schließlich sagt Roman Leer einen für seine Chefs ganz entscheidenden Satz: „Der Bus geht nicht so oft kaputt.“ Aus dem Munde von Burkhard Kötter klingt das etwas anders,

Hier betreten Sie einen polnischen Bus: Den wenigsten Fahrgästen der Osnabrücker Stadtwerke dürfte bewusst sein,dass die Fahrzeuge der Marke Solaris aus dem polnischen Posen stammen.

auch wenn der Geschäftsführer der Teutobus GmbH die Aussage des Busfahrers unterstreicht. Solaris biete „ein gutes Preis-LeistungsVerhältnis“, auf das es in der etwa zwölfjährigen Lebensdauer von Linienbussen ankomme, sagt Kötter. Insgesamt zwei Solaris-Gelenkbusse gehören zum Fuhrpark der Teutobus GmbH, die im Auftrag der Osnabrücker Stadtwerke unter-

wegs sind und an deren Eigentümerunternehmen die Stadtwerke zu 40 Prozent beteiligt sind. Bei nur zwei Bussen polnischer Bauart muss es in Osnabrück nicht bleiben. Kurz vor Ostern hat das Land Niedersachsen 3,2 Millionen Euro Fördermittel für die Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs in der Hasestadt bewilligt. Und auf der jüngsten Hannover

Messe hat Polen seine Kompetenz bei Entwicklung und Herstellung elektrisch betriebener Stadtbusse und -bahnen unterstrichen. Aushängeschild des Landes war dabei Solaris. Schon 2018 sollen die ersten Elektrobusse im Osnabrücker Linienverkehr rollen, bis 2020 wollen die Stadtwerke 20 solcher Fahrzeuge angeschafft haben. Nach Anga-

ben des Unternehmens läuft derzeit ein Ausschreibungsverfahren, das bis Herbst abgeschlossen sein soll. Ob sich Solaris daran beteiligt, ließ sich trotz intensiver Nachfragen unserer Redaktion nicht herausfinden. Dabei ist das Posener Unternehmen in einer anderen niedersächsischen Großstadt dick im Geschäft: In Braunschweig hat Solaris die

Knigge für Geschäfte jenseits von Oder und Neiße

Foto: Jörn Martens

Stadtbahn mit hochmodernen Niederflurzügen ausgestattet, und auf dem Innenstadtring verkehren vier E-Gelenkbusse, die sich dank induktiver Technik innerhalb kürzester Zeit aufladen lassen. Viel weiter westlich in Niedersachsen ist die Barlage Holding zu Hause. Die Unternehmen der Dachgesellschaft mit Sitz im emsländischen Herzlake sind Spezialis-

Um

Polens Außenhand

354

Was man bei Reisen zu den polnischen Nachbarn tun sollte – und was auf gar keinen Fall VON NORBERT MEYER OSNABRÜCK. Deutsche und Polen verbindet vieles: Europäische Kultur, eine gemeinsame Grenze und eine mehr als 1000-jährige Geschichte mit guten und schlechten Zeiten. Es gibt aber auch kulturelle Unterschiede und unterschiedliche Empfindungen. Geschäftsreisende tun gut daran, sie zu respektieren.

Fünf Ratschläge, was jenseits von Oder und Neiße gut ankommt: 1. Höflichkeit: Ein Handkuss bei der Begrüßung einer Dame, wie ihn ältere Polen noch heute beherrschen, muss nicht sein. Aber Höflichkeit kommt immer gut an in einem Land, in dem der Adel schon Ende des 18. Jahrhunderts eine eigene Republik hatte. 2. Pünktlichkeit: Ordnungssinn ist es, was Polen an Deutschen besonders schätzen. Wer mit Polen ins

Geschäft kommen will, sollte deren Erwartungen nicht gleich bei der ersten Begegnung enttäuschen. 3. Zwei Worte Polnisch sprechen: Dziekuje (sprich: Dschänkujä) – das heißt danke. Prosze (sprich: Proschä) heißt bitte. Das r darf man dabei gerne norddeutschrustikal rollen. 4. Gelassenheit: Nicht alles funktioniert in Polen so gut wie in Deutschland. Wer über die Deutsche Bahn lästert oder den Straßenzustand hierzulande, sollte sein Temperament bei den östlichen Nachbarn zügeln. Alles andere geht nur aufs Herz. 5. Mitgefühl zeigen: Armut ist in Polen viel weiter verbreitet als in Deutschland. Manchmal ist sie auch vorgegaukelt, aber von den meisten Polen wird sie nicht einfach ignoriert. Wenn eine Rentnerin selbst gestrickte Strümpfe auf der Straße anbietet, kann man ihr ruhig ein Paar abkaufen.

Höflichkeit – wie hier von PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski beim Handkuss mit Regierungschefin Beata Szydlo perfekt demonstriert– kommt in Polen immer gut an. Foto: dpa

Auf gar keinen Fall sollte man in Polen: 1. Sprachen verwechseln: Sie sind zwar beide slawisch, und viele Wörter klingen ähnlich, aber Polen sollte man nicht auf Russisch anspre-

chen. Die Älteren mussten es lernen und verbinden damit meist schlechte Erinnerungen. Die Jüngeren können ohnehin besser Englisch. 2. Religion unterschätzen: Polen ist ein katholisches Land – und ge-

rade auf dem Land ist das augenfällig. Die Geduld, dort einen Trauerzug abzuwarten und nicht zu stören, sollte man haben. Ganz wichtig: Kirchen nicht während des Gottesdienstes besichtigen! 3. Von polnischen KZs sprechen: Das ist in Polen strafbar. Lager wie Auschwitz waren deutsche Konzentrationslager im besetzten Polen. 4. Orte falsch nennen: Mehr als 100 Jahre lang war Polen geteilt. Das birgt Tücken. Warschau, Breslau, Posen oder Danzig darf man als Deutscher in Polen getrost bei ihrem deutschen Namen nennen. Bei kleineren Orten (besonders in Regionen, die Deutschland von 1939 bis 1945 besetzt hielt) empfiehlt sich der polnische Name. 5. Entfernungen unterschätzen: Polen ist flächenmäßig fast so groß wie Deutschland, aber nur halb so stark besiedelt. Die Verkehrsverbindungen lassen oft zu wünschen übrig.

6,5 Milliar

an Handelsübers

2015 für Polen

8%

Wachstum

im Vergleich zu 20

Deutschland ist seit zwei

Jahrzehnten der größte und wichti Handels- und Geschäftspartner so der größte Absatzmarkt für Polen.

24,6

Milliarden ¤ an Warenausfuhr nach Deutschland 2015


21

GELD & GESCHÄFT

keine Einbahnstraße mehr Heimische Firmen sind jenseits von Oder und Neiße erfolgreich

ten im Apparate- und Anlagenbau, wobei der zuletzt genannte Bereich von der polnischen Tochter Stabar abgedeckt wird. Das Unternehmen in Zyrardow südwestlich von Warschau ist auf die Fertigung und Montage von Blechbaukonstruktionen wie etwa Tanks, Rohrleitungen, Silos oder Lagerbehältern ausgerichtet und erwirtschaftet mit seinen 350 Mitarbeitern etwa 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr, was einem Anteil von 45 Prozent des Erlöses der gesamten Gruppe entspricht. Stabar-Kunden sind hauptsächlich westeuropäische Anlagenbauer der Branchen Energieerzeugung, Holz- und Stahlindustrie, Chemie, Petrochemie und Glasherstellung. 80 Mitarbeiter beschäftigt Stabar allein in Deutschland, womit deutlich wird, dass auch dieses polnische Industrieunternehmen wichtige Kunden in der Bundesrepublik hat. „Die aktuelle Auftragslage ist sehr gut, und wir sehen zuversichtlich in die Zukunft“, teilte Richard Matula, Geschäftsführer der Stabar GmbH, unserer Redaktion mit. Schon seit 20 Jahren eine feste Größe auf dem polnischen Markt ist die Kampmann GmbH mit Hauptsitz in Lingen (Ems). In Deutschland gehört Kampmann zu den führenden Anbietern für Heiz-, Kühl- und Lüftungssysteme und betreibt seit 2006 ein Zweigwerk in Łeczyca in der Nähe von Łódz. Dort fertigen rund 140 Mitarbeiter Vor- und Endprodukte für das Hauptwerk in Lingen. Mit ausschlaggebend für diese Investition sei die gute Infrastruktur in Zentralpolen, erklärte das emsländische Unternehmen. Mit dem werkseigenen Versandzentrum sei der Standort optimal an die gute Infrastruktur der Region angegliedert. Als wichtigen Faktor für hochwertige Produkte und Leistungen aus dem polnischen Zulieferwerk nennt Kampmann die Zufriedenheit der Mitarbeiter, die sich in der geringen Fluktuation in Łeczyca zeige. Der Großteil der dortigen Mitarbeiter arbeite seit der Eröffnung des Werkes für Kampmann. Sehr gute Erfahrungen habe man auch damit gemacht, dass die

Im IHK-Bezirk gibt es 300 Firmen mit polnischen Eigentümern.

meisten Führungskräfte an dem Standort weiblich seien. In Lingen wie in Łeczyca blicke man „auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurück und schaut mit großer Zuversicht in die Zukunft“, heißt es in einer Erklärung von Kampmann. Noch früher als die Lingener, nämlich schon im Jahr 1997, hat der Gewürzhersteller AVO aus Belm bei Osnabrück eine Niederlassung in Polen gegründet – anfangs nur als Büro mit angeschlossenem kleinen Lagerraum. Inzwischen werden am Firmensitz in der Nähe von Breslau 1400 Quadratmeter Lagerfläche benötigt, die angesichts der positiven Geschäftsentwicklung in einer Nation von Wurst-Liebhabern womöglich auch schon bald nicht mehr ausreichen. Auch für die Wahl dieses Standortes spielten logistische Erwägungen eine wichtige Rolle. „Entscheidend bei der Auswahl des Standortes war die gute Infrastruktur, welche eine logistisch optimale Verbindung zu den Kunden in Polen und zum AVO-Stammsitz in Belm garantiert“, erklärte die AVO-Geschäftsführung. In den letzten fünf Jahren haben die AVO-Werke August Beisse GmbH ihren Umsatz in Polen um mehr als 30 Prozent steigern können. Inzwischen generiert AVO

mtriebige Nachbarn

del wächst, und Deutschland ist ein wichtiger Abnehmer

4 Milliarden ¤ Außenhandelsvolumen Polen an In- und Exporten 2015

Auf +5 %

rden ¤

schuss

von derzeit schon 3,5 %

wird sich die Binnennachfrage bis 2017 erhöhen

n

014

igste owie

27 %

der Exporte gingen 2015 von Polen nach Deutschland

23 %

der Importe kamen 2015 von Deutschland nach Polen Quelle: Deutsche Messe · Grafik: Stefan Langer

sechs Prozent seiner Gesamterlöse in Deutschlands östlichem EUNachbarland. Aufgrund der guten Auftragslage erwarten die Belmer 2017 dort einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr um etwa zehn Prozent. „Ähnlich wie hier in Deutschland ist auch für viele Polen Grillen inzwischen eine Art Nationalsport geworden“, hieß es seitens des AVO-Managements. Mit Marinaden, Grillsaucen und Gewürzmischungen könne AVO die entsprechende Nachfrage bedienen. Dabei setzt der Gewürzspezialist nach eigenen Angaben nicht nur auf intensive Kontakte in die Fleisch- und Wurstwarenindustrie des Nachbarlandes, sondern auch auf „sehr gute Beziehungen zu allen wesentlichen stationären Handelsketten in Polen“ und nennt dabei Kaufland, Lidl und Biedronka beim Namen. „Polen ist ein stabiler Wirtschaftspartner für die regionalen Unternehmen“, sagt der Außenhandelsexperte der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Ems-

land-Grafschaft Bentheim, Frank Hesse. Weit mehr als 300 von ihnen seien dort engagiert, einige wie die zuvor genannten mit eigenen Niederlassungen. 19 Firmen aus der Region betreiben nach Erkenntnissen der IHK eigene Produktionsstätten in Polen. Mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als drei Prozent bietet Polen nach Ansicht des IHK-Vertreters „gute Geschäftsmöglichkeiten“. Besondere Chancen sieht Hesse in den Bereichen Maschinenbau und Digitalisierung. „Allerdings stellen die häufigen Gesetzesänderungen und die eher praxisferne Berufsausbildung deutsche Firmen oft vor Herausforderungen“, betonte der Geschäftsführer. Nach Erkenntnissen der IHK gibt es im Kammerbezirk etwa 300 Unternehmen mit polnischen Eigentümern. Dabei handele es sich aber durchweg um Kleingewerbetreibende, hauptsächlich aus den Bereichen Trockenbauer oder Schweißer.

Blick in die Produktionshalle des Kampmann-Werks in Łeczyca bei Łódz.

Foto: Kampmann

„Auch wir brauchen mehr saubere Energie“ Polens Botschafter sieht trotz politischer Differenzen gute Wirtschaftsbeziehungen VON NORBERT MEYER BERLIN. Polens Botschafter in

Deutschland, Andrzej Przyłebski, setzt trotz politischer Differenzen weiter auf gute Wirtschaftsbeziehungen beider EU-Partner. Im Interview äußert er sich zum Auftritt seines Landes bei der Hannover-Messe, zu Energiefragen und zum Thema Euro.

Herr Botschafter, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland entwickeln sich gut. Das bilaterale Handelsvolumen pro Jahr ist auf mehr als 100 Milliarden Euro gestiegen. Welche Chance bietet die HannoverMesse, bei der Polen in diesem Jahr das Partnerland ist? Es freut uns sehr, dass sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern trotz kleinerer politischer Probleme wunderbar entwickeln. Die Unternehmer nehmen keinen Anstoß an den Differenzen in der Politik, und die deutsche Wirtschaft investiert sehr gerne in Polen. Die Hannover Messe ist eine gute Gelegenheit, die Stärke unserer Wirtschaft zu präsentieren. Es haben sich mehr als 170 polnische Unternehmen angemeldet. Mit welchen besonderen Produkten und Technologien präsentiert sich Polen in Hannover? Mit Elektrobussen zum Beispiel. Bekannt ist auf diesem Sektor das Posener Unternehmen Solaris, das als einer der ersten Hersteller die Produktion dieser Fahrzeuge aufgenommen hat. Über 30 Elektrobusse von Solaris fahren schon in Warschau, einige auch in deutschen Städten. Das durch seine Traktoren bekannte Unternehmen Ursus aus der Nähe von Warschau plant ebenfalls den Bau von Elektrobussen. Beide Firmen sind in Hannover vertreten – ebenso wie viele Aussteller aus den Branchen Elektronik und IT. Eine Stärke der Polen sind das Programmieren und die Entwicklung von Computerspielen. In Hannover werden auch 3-DDrucker von Zortrax aus Olsztyn/Al-

nen, städtischen Elektroautos organisiert hat. Bald werden wir – davon bin überzeugt – führend in diesem Bereich.

lenstein oder Paneele der Firma Saule zur Erzeugung von Solarenergie auf Basis von Mineralien zu sehen sein. Auch Traditionsfirmen wie Posens einst größte Fabrik Cegielski, die der Pleite nah war, widmet sich neuen Aufgaben, etwa in den Bereichen Umweltengineering und Stahlkonstruktionen. Nach Hannover kommen aber auch viele kleinere Firmen und auch Start-ups, die Kontakt zu internationalen Partnern suchen. Das hört sich so an, als ob Polens Industrie stark auf Umweltschutz setzt. Dabei gibt es mit den EU-Partnern einen Konflikt in der Energiepolitik wegen der starken Kohle-Abhängigkeit Ihres Landes. Kann eine Messe wie die in Hannover diesen Konflikt entschärfen? Ich glaube schon. Ich würde aber nicht von Konflikt sprechen, sondern eher von unterschiedlichen Meinungen, inwiefern Energie, die von Kohle abhängt, schädlich ist. Ich habe gelesen, dass in Deutschland die Energieproduktion noch zu 40 Prozent auf Kohle basiert. In Polen sind es 80 Prozent. Das ist zu viel, und man muss versuchen, mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zu bekommen. Aber ein zusätzlicher Weg ist, die Energiegewinnung aus Kohle umweltverträglicher zu gestalten. Experten haben mir berichtet, dass es Mög-

„Die Windkraft muss auch Akzeptanz vor Ort finden.“ Andrzej Przyłebski

Sieht Deutschland als Energie-Vorreiter: Andrzej Przyłebski.

Foto: Norbert Meyer

lichkeiten dazu gibt, indem man die Kohle zum Beispiel schon unter der Erde bearbeitet. Wir sind nicht so reich wie Deutschland, und Solaroder Windenergie ist teurer als andere. Deshalb kann sich Deutschland mehr „saubere“ Energie leisten. Aber wir müssen uns auch in diese Richtung entwickeln. Im Nordwesten Deutschlands gibt es führende Hersteller von Windkraftanlagen. Ist Polen für diese ein interessanter Markt? Wie ich auf meinen Reisen beobachte, entwickelt sich die Sache – und Deutschland ist führend auf dem Markt. Ich weiß aber auch, dass es manchmal vor Ort Probleme mit großen Windkraftanlagen gibt – etwa durch Lärm. Es ist wichtig, diese Technologien zu entwickeln, aber sie müssen auch Akzeptanz finden. Wenn Deutschland in dieser Hinsicht neue Angebote hat, wird Polen daran sehr interessiert sein. Und ich persönlich denke: je kleiner, desto besser. Überhaupt ist Innovation das Wichtigste, wie sich gerade auch bei einem Wirtschaftskongress der Visegrad-Staaten in Warschau gezeigt hat. Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn wollen diesen Weg beschreiten – und nicht nur etwas nachahmen, was vor Jahren schon im Westen gemacht wurde. In diese Richtung zielt auch ein Wettbewerb, den unsere Regierung zum Bau von klei-

Anders als die Handelsströme fließen die Investitionen noch sehr stark in eine Richtung: von Deutschland nach Polen. Gibt es inzwischen auch größere polnische Investitionen in Deutschland? Das bekannteste Beispiel ist das der polnischen Tankstellenkette Star. Weniger bekannt sind die vielen polnischen Baufirmen, die in Deutschland Fuß gefasst haben. Der Schienenfahrzeugproduzent Pesa aus Bydgoszcz/Bromberg versucht gerade, sich auf diesem Markt zu etablieren. Bei elektrischen Schienenfahrzeugen gehört Pesa zur Weltklasse. In Berlin hat das Unternehmen gerade die erste Zulassung für Regionalzüge bekommen. Aber es bleibt festzustellen, dass es bei den Investitionen noch riesige Unterschiede gibt. Viel zu wenige polnische Unternehmen wagen es, in Deutschland Fuß zu fassen. Wie lange wird Polen noch den Zloty behalten? Wir haben uns verpflichtet, den Euro einzuführen. Aber der Zeitpunkt hängt davon ab, wann das günstig sein wird. Auch die Opposition sieht, dass die Eurozone derzeit nicht so stabil ist. Es kann zu einer Beschleunigung der Euro-Einführung kommen, wenn sich im Rahmen eines Europas verschiedener Geschwindigkeiten eine stabile Eurozone herausbildet, die für uns interessant wäre. Aber ich hoffe, dazu wird es nicht kommen, weil wir grundsätzlich Angst vor einem Europa der verschiedenen Geschwindigkeit haben. Und man fürchtet in Polen vor allem, dass Waren teurer werden, so wie man es in der Slowakei festgestellt hat. Viele Slowaken kaufen heute Lebensmittel in Polen, weil diese durch die Einführung des Euro in ihrer Heimat viel teurer wurden. Drei bis sechs Jahre wird Polen den Zloty wahrscheinlich noch behalten, aber nicht zehn oder fünfzehn.


DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

VERLAGS-SONDERVERÖFFENTLICHUNG

VERSICHERUNGEN, STEUERN UND RECHT

2016 war das unfallreichste Jahr seit 1990 Zahl der Verkehrstoten aber so niedrig wie seit über 60 Jahren nicht mehr – Positive Entwicklung bei Motorradfahrern

VON SIEGFRID SACHSE BERLIN/OSNABRÜCK. Die Zahl der

Verkehrstoten war 2016 so niedrig wie seit über 60 Jahren nicht mehr. Nach Auffassung von Dr. Tibor Pataki, Leiter Kraftfahrtversicherung, Kfz-Technik und Statistik beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), ist dies wesentlich auf die positive Entwicklung bei Motorradfahrern zurückzuführen. Gleichzeitig passierten im vergangenen Jahr aber so viele Unfälle wie seit der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr. Dadurch sind die Leistungen der deutschen KfzVersicherer gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen, und zwar um 3,9 Prozent auf rund 22,7 Milliarden Euro.

Herr Pataki, die Zahl der Verkehrstoten war 2016 so niedrig wie seit über 60 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig passierten im vergangenen Jahr aber so viele Unfälle wie seit der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr. Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen, und wie wirkte sich dies auf die Leistungen der deutschen KfzVersicherer aus? Der Rückgang bei den Verkehrstoten ist wesentlich auf die positi-

ve Entwicklung bei Motorradfahrern zurückzuführen. Die Unfallträchtigkeit von Motorradfahrern hängt vor allem davon ab, wie das Wetter an den Feiertagen und Wochenenden war. Ein Trend ist das deshalb noch nicht. Da die Leistungen der Versicherer nur gering von der Zahl der Verkehrstoten abhängen, die Kosten für Personen- und Sachschäden aber gestiegen sind, sind die Leistungen der Versicherer gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Bei der Berechnung des KfzVersicherungsbeitrages spielt die Regionalklasse des Autos eine wesentliche Rolle. Diese werden jedes Jahr neu vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft berechnet. Welche Fakten sind dabei vor allem ausschlaggebend? Die Regionalklasse spiegelt die Schaden- und Unfallbilanz der registrierten Fahrzeuge in einer Region wider. Sie ist eines von zahlreichen Tarifmerkmalen, das die Versicherer zur Berechnung des Versicherungsbeitrages berücksichtigen. Sie wird in der Kfz-Haftpflichtversicherung vom Fahrverhalten der Autofahrer in einem Zulassungsbezirk beeinflusst. In der Kaskoversicherung fließen örtliche Besonderheiten wie beispielsweise Diebstahlhäufigkeit,

Sturm- und Hagelschäden und die Anzahl der Wildunfälle mit ein. Knapp 6,3 Millionen Autofahrer in Deutschland profitieren 2017 von besseren Regionalklassen in der Kfz-Haftpflichtversicherung, rund 4,8 Millionen wurden heraufgestuft, und für 28,5 Millionen blieben die Regionalklassen des Vorjahres erhalten. In welchen Regionen sind besonders niedrige Einstufungen für Autofahrer zu verzeichnen, und wo gelten besonders hohe Regionalklassen? Besonders niedrige Einstufungen haben die Autofahrer in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die bundesweit beste Schadenbilanz in der Kfz-Haftpflichtversicherung errechneten die Statistiker des GDV für den Zulassungsbezirk Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Hohe Regionalklassen gelten vor allem in Großstädten sowie in Teilen Bayerns. Die schlechteste Schadenbilanz ergab sich für Offenbach am Main. Bis zu welchen Zeitpunkt lohnt sich für den Pkw-Besitzer nach der Anschaffung eines Neuwagens eine Vollkaskoversicherung? Das kann ich nicht pauschal beantworten, dazu hängt die Ent-

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Dr. Tibor Pataki ist Leiter Kraftfahrtversicherung, Kfz-Technik und Statistik beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Foto: GDV/Dominik Butzmann

scheidung von zu vielen individuellen Faktoren ab. Wer sein Auto täglich braucht und nicht das finanzielle Polster hat, um die Reparaturkosten nach einem selbst verschuldeten Unfall zu stemmen, der sollte sich den Vollkaskoschutz zumindest überlegen. Dank Schadenfreiheitsrabatt kann hier die Rechnung für den Pkw-Besitzer aufgehen. Letztlich ist es eine Abwägung von Risiko und Nutzen, die jeder für sich treffen muss. Wer auffährt, hat Schuld – bei den meisten Verkehrsunfällen trifft dies zu. Verschiedentlich kann aber auch dem Vorausfahrenden eine Mitschuld treffen. Welche Kriterien sind dabei ausschlaggebend? Als grobe Faustformel gilt hier: Wenn der Vorausfahrende unerwartet und grundlos abbremst, kann er zumindest teilweise dafür verantwortlich gemacht werden. Ein Beispiel: Zwei Autos prallen aufeinander, weil der Vorausfahrende trotz Grünlichts ohne erkennbaren Grund scharf abbremst. In dieser Konstellation geben Gerichte dem Vorausfahrenden meistens eine Teilschuld. Ein strenger Winter hinterlässt verschiedentlich auch Schlaglöcher. Dadurch kann es vorkommen, dass zum Beispiel der Unterboden des Fahrzeugs beschädigt wird oder Stoßdämpfer in Mitleidenschaft gezogen werden. Wer kommt in diesen Fällen für die Reparaturkosten auf ? Die Schlaglochschäden übernimmt die Vollkaskoversicherung. Für die Schadenmeldung beim Versicherer fotografieren Sie am besten den Schaden am Fahrzeug, das Schlagloch und die Verkehrsbeschilderung vor Ort. Legen Sie einen Alltagsgegenstand neben das Schlagloch, damit Versicherer einen Eindruck von dessen Größe bekommen. Unternehmensberater wie die KPMG behaupten, dass der rasante Fortschritt bei den Fahrerassistenzsystemen von Kraftfahrzeugen bis hin zum autonomen Fahren die Anzahl und Höhe von Kfz-Kollisionsschäden bis zum Jahre 2030 um bis zu 50 Prozent reduzieren werden. Wie beurteilen Sie diese Prognose? Aus meiner Sicht ist das ein Blick in die Glaskugel. Ich möchte bei den Fakten bleiben, und die zeigen, dass die Leistungen der Kfz-Versicherer aktuell steigen, denn die Unfälle werden nicht nur

mehr, sondern im Schnitt auch teurer. Wenn heute in der Werkstatt repariert wird, dann geht das oft übers Ausbeulen einer Delle hinaus. Die verbaute Elektronik in den Sicherheitssystemen muss neu eingestellt werden. Das macht Reparaturen komplexer und eher teurer. Konkret gefragt: Macht das automatisierte Fahren unsere Straßen sicherer? Der menschliche Fahrer verursacht alle 216 Jahre einen Unfall mit Personenschaden. Es muss daher sichergestellt sein, dass automatisierte Systeme zumindest genauso sicher sind wie der menschliche Fahrer. In der gegenwärtigen Phase werden gerade erst teilautomatisierte Systeme in die Serie gebracht. Diese übergeben häufig die Aufgabe an den Fahrer zurück, wenn sie ihre Systemgrenzen erreichen. Einige Fragen sind in diesem Zusammenhang noch nicht vollständig beantwortet: Wie lange muss beispielsweise die Phase der sogenannten Übergabezeit sein; sprich die Phase, in der das System an den Fahrer übergibt und dieser schlussendlich einen ausreichenden Überblick über die Fahrsituation hat? Welchen Einfluss wird das hochautomatisierte Fahren auf Haftpflicht- und Fahrzeugversicherungen haben? Wo sind die gravierendsten Änderungen gegenüber dem bestehenden System zu erwarten? Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist schon heute fit für das hochund voll automatisierte Fahren und muss nicht angepasst werden. Sie ist ein bewährtes System und stellt das Unfallopfer in den Mittelpunkt. Das Verkehrsunfallopfer wird von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Halters entschädigt, und zwar unabhängig davon, ob der Unfall auf einen Fahrfehler,

„Unfälle werden nicht nur mehr, sondern im Schnitt teurer.“ Tibor Pataki, GDV

defekte Technik, einen nicht funktionierenden Autopiloten oder auf andere Ursachen zurückzuführen ist. Darauf kann sich jeder verlassen, der in Deutschland in einen Autounfall verwickelt ist. Auch der Fahrer ist und bleibt umfassend durch die Kfz-Haftpflichtversicherung geschützt. Die Folgen eines Fehlers des automatisierten Systems hat er nicht zu tragen – hier stellt ihn die Kfz-Haftpflichtversicherung frei. Der Kfz-Haftpflichtversicherer würde bei Vorliegen eines Produktfehlers dann Regress beim Automobilhersteller nehmen – und zwar auf Augenhöhe. Das Verkehrsunfallopfer muss sich hier um nichts kümmern. Die Anzahl der Autodiebstähle ist in den vergangenen 20 Jahren zwar deutlich gesunken. Allein 2015 wurden aber immer noch rund 19 000 Pkw in Deutschland gestohlen. Wie hoch schätzen Sie den dadurch entstandenen Schaden? In der Tat sind die Autodiebstähle in der Langzeitbetrachtung rückläufig, dennoch betrugen die Leistungen der Versicherer 2015 dafür 291 Millionen Euro. Verschiedentlich wird immer wieder die Forderung erhoben, dass ältere Autofahrer ihre Fahrtüchtigkeit testen lassen sollten. Was halten die Kfz-Versicherer von dieser Forderung? Senioren am Steuer sind statistisch als Unfallverursacher auffällig. Jenseits des 75. Lebensjahres verursachen sie, auf gefahrene Kilometer bezogen, mehr tödliche Unfälle als die Hochrisikogruppe der jungen Fahrer. Diese Auffälligkeit zeigt sich auch in unseren Statistiken. Da dies aber keine Aussage auf den konkreten Einzelfall zulässt, ist es sicher gut, wenn Senioren sich freiwillig einem Fahrfitnesscheck unterziehen. Tests, die zum Verlust der Fahrerlaubnis führen, wie es sie zum Teil im Ausland gibt, sind wissenschaftlich nicht haltbar und werden deshalb von uns abgelehnt. Politiker, Polizeigewerkschafter und Experten haben das Urteil (lebenslang) gegen die beiden Berliner Ku’ damm-Raser begrüßt. Wie beurteilen Sie das Strafmaß? Wir begrüßen es, dass derartiges Rasen, das Menschen gefährdet und töten kann, nicht als „Kavaliersdelikt“ aufgefasst wird, sondern dass der Rechtsstaat hier entsprechend reagiert.


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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

GELD & GESCHĂ„FT

Automatisiertes Fahren: Die Hersteller sollten haften Ein neues Gesetz fĂźr das Autofahren der Zukunft ist beschlossen – Es greift zu kurz, findet der Rechtswissenschaftler Volker LĂźdemann VON VOLKER LĂœDEMANN

fĂźhrung auffordert oder eine technische StĂśrung auftritt.

OSNABRĂœCK. Der Bundestag hat

werden sehr viele Da Es ten gespeichert. Wird

am 30. März 2017 das Gesetz zum automatisierten Fahren beschlossen. Das Gesetz wirkt sich auf Autofahrer und die Wirtschaft aus. Sechs wichtige Fragen und Antworten:

das Gesetz den Bereitet Weg fĂźr selbstfahrende Autos in Deutschland? Das selbstfahrende Auto, also das Auto ohne Fahrer, Lenkrad und Gaspedal, wird damit nicht Realität auf deutschen StraĂ&#x;en. Das Gesetz hält am menschlichen Fahrer fest. Der Mensch darf lediglich in bestimmten Situationen und fĂźr eine bestimmte Zeit die Steuerung an den Fahrcomputer abgeben. Beispiele hierfĂźr sind der Stau- oder Einparkassistent.



Kann der Fahrer sich kĂźnftig aufs E-Mail-Checken und Internet-Surfen konzentrieren statt auf den Verkehr? Das Gesetz schafft hierfĂźr keine hinreichende Rechtssicherheit. Es regelt nicht, was Fahrer beim Einsatz automatisierter Systeme tun dĂźrfen bzw. lassen mĂźssen. Im Gesetz heiĂ&#x;t es, dass der Fahrer stets „wahrnehmungsbereit“ sein muss, um die Steuerung nach Aufforderung oder im Notfall „unver-

Der Einsatz von Assistenzsystemen wirft juristische Fragen auf.

zĂźglich“ zu Ăźbernehmen. Schlafen hinter dem Steuer ist damit sicherlich ausgeschlossen. Unklar ist aber, wie es mit Videos schauen, PokĂŠmon Go spielen oder sich den Kindern auf dem RĂźcksitz zuwenden aussieht. Es wird voraussichtlich Jahre dauern, bis der erlaubte Umfang fahrfremder Tätigkeiten durch Gerichtsurteile geklärt ist.



Wer haftet, wenn der Fahrcomputer einen Unfall verursacht? Das Gesetz folgt dem Grundsatz „das Auto lenkt, der Fahrer haftet“. Die Risiken aus dem Einsatz automatisierter Fahrsysteme tragen weitestgehend Halter und Fahrer. Sie trifft die Haftung nicht nur dann, wenn sie selbst fahren, sondern auch dann, wenn der Computer das Fahrzeug steuert.

Foto: dpa

Dies ist aus meiner Sicht nicht sachgerecht. Die Hersteller sind fßr das einwandfreie Funktionieren der automatisierten Fahrfunktionen verantwortlich. Sie sollten dann, wenn ihre Systeme das Fahrzeug fßhren, auch die primäre Haftung tragen.

erhalten automa Warum tisierte Autos nach den

neuen Regeln eine Blackbox? Um festzustellen, ob der Fahrer oder das Fahrsystem in einer Unfallsituation die Steuerung innehatte, sieht das Gesetz vor, dass jedes voll- und hochautomatisierte Auto Ăźber einen Fahrdatenspeicher verfĂźgen muss. Dieser soll Zeit und Ort aufzeichnen, wenn die Steuerung zwischen Fahrer und System Ăźbergeben wird, das System den Fahrer zur RĂźckĂźbernahme der Fahrzeug-

man damit zum gläsernen Autofahrer? Die Ausgestaltung der Blackbox gehĂśrte im Gesetzgebungsverfahren zu den am heftigsten umstrittenen Punkten. Das Gesetz legt weder konkret fest, welche Daten gespeichert werden dĂźrfen noch wer Adressat der Speicherpflicht ist. Auch zum Ort der Speicherung finden sich keine Angaben. Im Hinblick auf mĂśgliche Rechtsstreitigkeiten zwischen Halter/Fahrer und Hersteller macht es aber einen Unterschied, in wessen Einflusssphäre sich die Daten befinden, also ob sie im Fahrzeug, in einer Cloud oder auf dem HerstellerBackend abgelegt werden. Das Gesetz regelt auch nicht, ob die Black Box – wie ein Flugdatenschreiber – nur einen eng begrenzten Zeitraum speichert und fortlaufend Ăźberschrieben wird, wenn es zu keinem Unfallereignis kommt. Unbestimmt ist auch, wer unter welchen Voraussetzungen neben staatlichen BehĂśrden Zugriff auf die Daten verlangen kann. SchlieĂ&#x;lich fehlen auch Regelungen darĂźber, wer fĂźr die im Gesetz vorgesehenen Datenumgänge verantwortlich ist. Dies ist aber wichtig, um zu wissen, gegenĂźber wem Rechte auf Auskunft, Berichti-

gung, LĂśschung und ggf. Schadensersatz geltend gemacht werden kĂśnnen. Die Blackbox ist sinnvoll und datenschutzkonform darstellbar. In der derzeitigen Form ist sie jedoch mit den verfassungsrechtlichen Vorgaben nicht vereinbar.

Fahrt im Durchschnitt nur noch alle 8000 Kilometer eingreifen. Auch China hat das Ziel, dass vollständig selbstfahrende Elektroautos schon bald zum StraĂ&#x;enbild gehĂśren sollen. Baidu, das chinesische Google, und Didi, das chinesische Uber, arbeiten intensiv an der Umsetzung. Mit Blick auf diese Entwicklung wirkt das deutsche Gesetz zum automatisierten Fahren wie aus der Zeit gefallen. Die heimische Automobilindustrie erhält nicht den Rechtsrahmen, den sie benĂśtigt, um mit den neuen Playern gleichziehen zu kĂśnnen.

Stimme aus d e Wissenschaft r

das Gesetz den Au Wird tomobilstandort Deutsch-

land stärken? Die Bundesregierung will Deutschland zum Leitmarkt fĂźr das automatisierte Fahren machen. International geht die Entwicklung jedoch in eine andere Richtung. Die USA und China setzen nicht auf das fahrerunterstĂźtzende automatisierte Fahren. Sie arbeiten mit Hochdruck daran, direkt das fahrerlose Auto auf die StraĂ&#x;e zu bringen. In 34 US-Bundesstaaten existieren bereits Regelungen zum autonomen Fahren. Die BehĂśrden haben signalisiert, dass sie selbstfahrende Autos zulassen werden, sobald nachgewiesen ist, dass diese mindestens genauso sicher unterwegs sind wie der Mensch. Und Google, Apple, Uber, Tesla & Co. sind auf dem besten Wege, diesen Nachweis zu erbringen. Heute schon kĂśnnen Ăźber 99 Prozent der Fahrsituationen zuverlässig vom Computer bewältigt werden. Testfahrer mĂźssen bei vollautonomer

Volker Lßdemann ist Professor fßr Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht und Leiter des Niedersächsischen Datenschutzzentrums (NDZ) an der Hochschule Osnabrßck. Er gehÜrt zu dem Kreis von Experten, die der Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages im Gesetzgebungsverfahren zum automatisierten Fahren angehÜrt hat. Foto: privat


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LEBEN & LEIDENSCHAFT

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Höffmanns Wallfahrt Die Reisebusse des Unternehmers und Papst-Vertrauten Hans Höffmann aus Vechta bringen Tausende Menschen zum Petersdom

Unternehmer pflegte eine enge Freundschaft zu Johannes Paul II. Seine Spezialität sind Jugendreisen mit bis zu 2500 Teilnehmern. 97 Mitarbeiter und zuletzt 20 Millionen Euro Jahresumsatz. VON AXEL ROTHKEHL

Ein Mann, der weiß, was er will. Hans Höffmann in einem seiner 23 Reisebusse (links). Höffmann in der Kapelle auf seinem Firmengelände (oben).Höffmann und sein Sohn Andreas bei Papst Franziskus (unten). Fotos: Michael Gründel,Osservatore Romano

VECHTA. Die erste Audienz beim Papst hat sein Leben verändert. Vor 37 Jahren entstand die enge Freundschaft zwischen einem Jugendpfleger aus dem Oldenburger Münsterland und Johannes Paul II. Dann baute Hans Höffmann sein Imperium für Jugend- und Schulreisen auf. Ihm halfen Mut, Geschick und Gottesfurcht.

Er stand hinter 15 000 anderen Christen in der letzten Reihe. Doch Hans Höffmann drängte sich nach vorn bis zur Absperrung. Dort rollte das Podest mit Johannes Paul II. direkt auf ihn zu. Recht eindringlich muss er „Heiliger Vater“ geschrien haben, bevor der Papst zum Mann aus Vechta hinabstieg. „Ich wollte ihm etwas sagen, aber es ging nicht“, erinnert sich Höffmann, „ich habe nur geweint. Sechs Wochen zuvor war unser ältester Sohn gestorben.“ Der Papst flüsterte: „Sagen Sie alles meinem Sekretär.“ Höffmann erhielt einen Zettel mit dem Hinweis „17 Uhr am Bronzetor“. So kam er am 23. Januar 1980 zu seiner ersten ganz privaten Unterredung mit dem Papst, und es begann eine „25 Jahre dauernde Freundschaft“. Damals war Höffmann noch kein Reiseunternehmer. Als Jugendpfleger der Stadt Vechta im Jugendzentrum „Gulfhaus“ organisierte der 63-Jährige Ferienlager. Häufig ging es nach Rom. Das „Gulfhaus“ sei damals „linkslastig und nicht unbedingt papstbesessen“ gewesen. Höffmann sollte 1986 die Leitung der Sozialstation übernehmen und alle Reisetätigkeiten mit den Jugendlichen einstellen. Trotz unterschriebenen Arbeitsvertrags trat er die Stelle nicht an.

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Er, das Alpha-Tier, wollte weiter voranmarschieren. Mit dem eigenen Unternehmen. Die Gruppen können ihm nicht groß genug sein. Bis zu 2500 Jugendliche karrte die Firma Höffmann schon gemeinsam nach Griechenland oder ins spanische Málaga. Oft sind ganze Schulen mit allen Jahrgängen unterwegs. In seinem Pool freier Mitarbeiter hat Höffmann etwa 600 Jugendbetreuer, Rettungsschwimmer, Ärzte und Krankenschwestern. Hinzu kommen 97 Festangestellte. Gemeinsam erwirtschafteten sie in 2016 einen Umsatz von 20 Millionen Euro. Auch Fernreisen nach Neuseeland, Australien, Mexiko oder Kanada gehören zum Programm. Meist geht es an den Gardasee oder nach Rom. „Mein Personal soll nicht beten, sondern arbeiten. Wenn aber der Pastor mit seiner Gemeinde reist, erwarte ich schon, dass er unterwegs eine Messe feiert. Er soll auch den Rosenkranz beten, damit alles gut verläuft“, wünscht sich Höffmann. In der Bushalle hängt eine Flagge des Vatikans. Und als

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„Johannes Paul war 25 Jahre lang ein Therapeut meiner Seele.“ Hans Höffmann

entgegenzusetzen, stimmte der Mann aus dem Oldenburger Münsterland „Marmor, Stein und Eisen bricht“ an. Der Papst machte Gesten des Wohlwollens, und die Höffmann-Truppe gab, auf den Sitzen stehend, eine Zugabe mit „An der Nordseeküste...“. Selten kehrt er mit leeren Händen aus dem Vatikan zurück. Mehrere Bischofsmützen Carol Wojtylas stehen bei ihm in Vechta hinter Glas. Beim letzten Ausbau der Büroräume ließ Höffmann eine Kapelle mauern. Darin steht einer der Bischofsstäbe, mit denen Benedikt XVI. die Welt bereiste. Zum 60. Geburtstag kam eine Delegation mit Erzbischöfen ins Unternehmen und überreichte eine Blutreliquie von Johannes Paul. Sie steht in der Kapelle vor dem bunten Mosaikfenster mit dem Bildnis des gebürtigen Polen. Sohn Andreas Höffmann war schon als Kind regelmäßig beim Papst. Ein Bild auf Leinwand zeigt die Familie, der junge Andreas hält einen Rosenkranz in der Hand. „Tatsächlich wollten mein

Bruder und ich dem Heiligen Vater eine Dose Sprite und eine Tüte Chips schenken. Er hat beides angenommen. Für uns Kinder war das ein echtes Opfer.“ Seit zehn Jahren ist Andreas Höffmann Betriebswirt und Prokurist in der väterlichen Firma. Draußen auf dem Büroparkplatz hat Höffmann senior ein Kreuz aufstellen lassen. „Das Kreuz ist die Ausgangsposition des Lebens, Heil und ewiges Licht“, sagt er. Davor kniet eine lebensgroße Bronzeplastik von Johannes Paul II. Elvis Presley hat in den USA für seine Fans die Pilgerstätte „Graceland“ hinterlassen, Hans Höffmann integrierte seine Sammlung zu Johannes Paul II. in seine Firmenzentrale. Wer die als sakralen Nippes herabsetzt, tut Höffmann unrecht. „Bei meiner ersten Begegnung mit Johannes Paul war ich ein kleiner, dicker und pickeliger Mensch. Ich hätte nie gedacht, dass sich der Papst zu mir herablässt. Johannes Paul war 25 Jahre lang ein Therapeut meiner Seele.“

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Höffmann seine Handwerker, die am Bau beteiligt waren, zur Segnung eines Grundsteins nach Rom einladen wollte, gab der Heilige Vater ihm einen Marmorblock aus dem Petrusgrab mit auf den Heimweg. Dutzende Male schlugen seine Gruppen zu Privataudienzen bei Johannes Paul auf. Die Bürowände sind gepflastert mit Erinnerungsfotos. Mal spielen die Jugendlichen im Hof von Castel Gandolfo für den Papst Theater, oder die Köchinnen übergeben eine riesige Torte. Auf einem Foto von 1982 spielt eine Schülerin dem lächelnden Papst auf ihrer Blockflöte ein Orgelkonzert von Händel vor. „Wenn wir kamen, lief das alles außerhalb des Protokolls. Der Papst war schon als Kardinal viel mit Jugendlichen unterwegs. Der liebte das. So kam Bewegung hinter die Mauern des Vatikans.“ Einmal saß Höffmann mit 1500 Jugendlichen in der Audienzhalle, daneben eine Gruppe in Landestracht und mit Chor aus der Steiermark. Um dem etwas

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

LEBEN & LEIDENSCHAFT

„Eine Einbruchserie ist gut fürs Geschäft“ Die Tresorbaufirma Karl Reyl fertigt Maßschränke für Kostbares

VON JOACHIM DIERKS OSNABRÜCK. Kunstvoll verzierte

Geldschränke – früher waren sie der Stolz der Firmenpatriarchen. Sie standen für gute Geschäfte, erhielten einen Ehrenplatz. Moderne Modelle sind quadratisch und schlicht. Die Osnabrücker Tresorbaufirma Karl Reyl hat sich dem Wandel des Marktes angepasst.

„Wir verkaufen heute wieder mehr Geldschränke aus Eigenfertigung“, sagt Ralf Reizer, Geschäftsführer der Firma Karl Reyl. Die Marktverhältnisse hätten sich positiv verändert, erklärt er zufrieden. Gerade bei Privatkunden steige das Sicherheitsbedürfnis. „Ich mag’ s bald gar nicht sagen, aber es ist so: Eine Einbruchserie ist gut fürs Geschäft“, bekennt Reizer. Kleinere Wertschränke „so etwa bis Kühlschrankgröße“, die man auch bei einem Umzug noch einigermaßen problemlos mitnehmen könne, würden gut nachgefragt. Reizer zählt auf den Abschreckungseffekt jedes Tresors: Zumindest in der Beschaffungskriminalität gehe es um das schnelle, leicht zugängliche Geld. „Wenn die einen Tresor sehen, dann gehen sie ein

Haus weiter zum Nachbarn“, so Reizer. Insofern sei die Investition in einen Geldschrank oft sinnvoller als eine teure Sicherung der Gebäude-Außenhülle. Auch bei der Gründung der Firma 1958 durch Karl Reyl baute das Osnabrücker Unternehmen maßgeschneiderte Tresore. Reyl fand seine Kundschaft unter Firmen und Privatleuten. Aus Altersgründen suchte er 1980 einen Nachfolger. Eine Lösung ergab sich im Bekanntenkreis. Reyl und Schlossermeister Kurt Reizer, Seniorchef der Osnabrücker Metallbaufirma Reizer, waren

Manchmal hilft Reyl auch den Steuerfahndern.

Schützenbrüder. Zum 1. September 1980 übernahm Reizer die Tresorbaufirma mitsamt drei verbliebenen Mitarbeitern und richtete ihr eine neue Werkstatt im eigenen Firmenkomplex ein. Juniorchef Ralf Reizer wurde Geschäftsführer der rechtlich weiterhin selbstständigen Firma Reyl und führte das Produktionsprogramm fort.. Die für das Osnabrücker Unternehmen glückliche Wende zu individuelleren Geldschränken wurde mit der wachsenden Bedeutung von Prüfinstituten und komplexeren Anforderungen eingeleitet. „Vorher gab es praktisch nur zwei Sicherheitsstufen“, erklärt Ralf Reizer, „‚A‘ für leichten Einbruchschutz und ohne Schutz gegen Feuer, ‚B‘ mit Schutz gegen Feuer.“ Deutsche und europäische Normen legen seither Widerstandsklassen fest in Abhängigkeit von gewerblicher oder privater Nutzung. Der (deutsche) Verband der Sachversicherer (VdS) redet ebenso ein Wörtchen mit wie die Kollegen in Österreich (VVÖ, VSÖ) und die Europäische Zentralbank. Seit 2005 hat Reyl sich darauf spezialisiert, Kunden zu beraten und individuelle Lösungen zu entwickeln. Deren Grundlage sind passende Produkte aus den Lieferpro-

Für den Metallbauer Ralf Reizer ist die Tresorfirma Karl Reyl ein Hobby. Kunstvolle alte Riegelwerke nimmt er sich am liebsten persönlich vor. Foto: Jörn Martens

grammen der wenigen Serienanbieter, die es noch gibt. Sie werden zugekauft, die Schränke gegebenenfalls durch Unterbauten angepasst. Reyl baut sie beim Kunden ein und übernimmt auch die Wartung. „Bei Bedarf gibt es den Tresor auch in Dreiecksform“ – so titelte ein Bericht über Reyl vor einigen Jahren. Die Stärke des Osnabrücker Herstellers liegt darin, die schützenden Schränke nicht in Serie, sondern in „Losgröße 1“ auf Bestellung genau nach den Vorstellungen des Kunden fertigen zu können. Wenn eine Dachschräge zu berücksichtigen war – kein Problem. Wenn einer besonders viele Einzelfächer haben wollte – kein Problem. Wenn ein Autohändler für sein Kostbarstes, nämliche Hunderte von Neu- und Gebrauchtwagen, einen Schlüsselschrank in Übergröße brauchte – kein Problem. Schränke mit Einzelgewichten bis zu eineinhalb Tonnen

waren keine Seltenheit. Es ging aber auch leichter, wenn beispielsweise der Standort nur über eine Treppe zu erreichen war. Serviceleistungen machen einen wichtigen Teil des Geschäfts aus. Wenn die Zahlenkombination nicht mehr funktioniert, der Schlüssel hakt oder ganz verloren gegangen ist, kann Reyl helfen, notfalls mit Heraustrennen der Platte, die das defekte Schloss trägt. Dann besorgt Reyl das Geschäft der Panzerknackerbande, allerdings professionell und wiederherstellungsfreundlich. Gar nicht so selten melden sich Zoll oder Steuerfahndung und wünschen eine Tresoröffnung. Mitunter ist der Steuerpflichtige zu einem Steuerflüchtigen geworden und lässt aus der Karibik grüßen, wohin er die Schlüssel mitgenommen hat. So manches Mal haben die ReylMitarbeiter eine Münzsammlung oder Schmuck ans Tageslicht ge-

bracht, die dann behördlich beschlagnahmt wurden. „Reyl ist mein Hobby“, sagt Ralf Reizer. In Hauptfunktion ist der Obermeister der Metall-Innung Osnabrück Chef der Metallbaufirma Hans Reizer, die mit 30 Mitarbeitern in fünfter Generation Fenster, Türen, Fassaden, Geländer und vieles mehr aus Leichtmetall, Stahl und Edelstahl fertigt. „Aber wenn dann mal so ein kunstvolles altes Riegelwerk nicht mehr gehorchen will, dann reizt mich das.“ Überhaupt, die alten TresorSchätzchen: Zum Entsorgen sind sie zu schade. Vielen von ihnen hat Reyl ein zweites Leben als Waffenschrank eingehaucht. Seit der Waffenrechtsreform von 2002 gelten strengere Aufbewahrungsregeln für Jagdwaffen, da kam so manches schwere Museumsstück auf der Diele des Jagdpächters zu neuen Ehren.

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Das Angebot gilt nur für Kunden, die zum Zeitpunkt der Bestellung bereits sechs Monate als Gewerbetreibender (ohne gültigen Konzern-Großkundenvertrag bzw. die in keinem gültigen Großkundenvertrag bestellberechtigt sind), selbstständiger Freiberufler, selbstständiger Land- und Forstwirt oder in einer Genossenschaft aktiv sind. Bei der vom Kunden ausgeführten Tätigkeit muss es sich um seine Haupteinnahmequelle handeln. Das Angebot ist gültig bis 29.05.2017 und bei Inzahlungnahme Ihres Gebrauchtwagens (ausgenommen Audi, SEAT, ŠKODA, Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini) mit mindestens 4 Monaten Zulassungsdauer auf Ihren Namen. Wert des in Zahlung gegebenen Fahrzeugs mindestens € 1.000 brutto.

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

LEBEN & LEIDENSCHAFT

Die Innovation steckt im Flaschenhals Der frühere Apfelkornbrenner Jan Bernd Berentzen geht mit Energydrinks auf den Markt

HASELÜNNE. Edle Schachbrett-

fliesen und historische Türklinken: Es ist ein heiliger Ort für die Familie Berentzen. In der kleinen, aber noblen Villa in der Haselünner Innenstadt wurde 1976 der Apfelkorn erfunden – eine Spirituose, die für den weltweiten Aufstieg des gleichnamigen Unternehmens steht.

Diese Villa wird heute als „Family Office“ genutzt, als Zentrale der wohl bekanntesten Familie der Stadt. Neben anderen Firmen ist hier auch die Powerlook GmbH gemeldet. Es ist das neueste Projekt von Jan Bernd Berentzen, dem ehemaligen Chef des großen Getränkeherstellers. Mit einem Premium-Energydrink will er einen Neuanfang wagen und den Markt aufrollen. Bis 2006 leitete er das Unternehmen. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren und Streit zwischen den beiden Berentzen-Gesellschafterstämmen gehört die Mehrheit des Konzerns seit 2008 einem deutschen Finanzinvestor. 250 Jahre nach Gründung des Familienbetriebs wurde damit ein neues Kapitel aufgeschlagen. Für den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden begann eine Phase der Neuorientierung.

Nach zahlreichen Überlegungen gründete Berentzen 2011 die Getränkefirma. Sie konzentriert sich voll und ganz auf den gleichnamigen Energydrink. Wie viele Emsländer, war der ehemalige Vorstandschef schon immer sehr viel unterwegs. Besonders bei langen Autofahrten machte sich neben der Müdigkeit auch bei ihm ein leichtes Augendrücken bemerkbar. „In den Regalen sucht man dann als Vielfahrer ein Getränk, was mehr kann als Kaffee oder gewöhnliche Energydrinks und dabei auch lecker schmeckt“, erzählt Berentzen. So kam er mit Geschäftsfreunden auf die Idee eines Vital-Powerdrinks, der sowohl schnell die Konzentration steigert wie auch länger wach hält und zudem die Sehkraft positiv beeinflusst. Das Besondere an diesem Drink ist der Verschluss der Flasche. Dort befindet sich das sogenannte Frischedepot, in dem die Wirkstoffe bis zum Konsum geschützt lagern. Per Knopfdruck wird eine Membran am Flaschenhals durchstoßen, und die Inhaltsstoffe gelangen in das mit Koffein versetzte Wasser. Ein Clou, der seinen Preis hat: Rund zwei Euro kostet die Flasche im Supermarkt. Die Inhaltsstoffe bestehen aus schwarzen Beerenextrakten, mit dem Vitamin-B-Komplex, mit dem Isomaltulose-Zucker und mit den

Steckt voller Ideen für neue Produkte: Jan Bernd Berentzen Foto: Benjamin Havermann

natürlichen Anthozyanen aus der Schwarzen Johannisbeere und der Heidelbeere. Sie sollen laut Berentzen zu einer schnellen Regeneration stark beanspruchter Sehkraft beitragen. Die Werbung verspricht einen „neuen Schub für Konzentration und Sehkraft“. Er betont, dass es sich dabei keinesfalls um Doping handle, das habe auch die Sporthochschule Köln attestiert. Und Alkohol ist natürlich auch nicht drin. Wenn Berentzen davon spricht, merkt man ihm seine Begeisterung für das Getränk an. Es ist sein Baby, das er selbst geschaffen hat und groß machen möchte.

Man kann ihm durchaus zutrauen, dass er „Powerlook“ auch privat trinkt und damit nicht nur eine neue, schnelle Geschäftsidee verwirklichen will. Dabei haben die klassischen Energydrinks ihren Zenit mittlerweile überschritten – das weiß auch Berentzen. Zwar sind die Absatzzahlen von Red Bull & Co. in den vergangenen Jahren stark gestiegen, doch Branchenkenner sprechen schon länger von einer Marktsättigung. Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (WAFG) bestätigen diese Einschätzung. So meldete die WAFG im Februar einen Rückgang beim Gesamtkonsum zuckerhaltiger Limonaden. Deren Pro-Kopf-Verbrauch sank demnach von 68,1 Litern in 2012 auf 63,2 Liter in 2016. Ähnlich die Tendenz, die eine Studie zur Zukunft der Getränkeindustrie skizziert, die 2016 im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht wurde. Laut deren Autoren zeichnet sich nach zehn Jahren Wachstum mittlerweile eine Sättigung beim Konsum von Erfrischungsgetränken ab. Vier von fünf Brauereien würden inzwischen Fassbrauseprodukte herstellen, hieß es weiter. Nachfrageverschiebungen wiesen auf ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und eine zunehmende Orientie-

rung der Verbraucher an Qualität und Preis hin. Jan Bernd Berentzen will die Herausforderung der Marktverschiebung annehmen, mit „Powerlook“ die „bessere Alternative zum Energydrink“ etablieren und den Fitness- und Ernährungstrend bedienen. „Getrunken wird immer, aber immer bewusster“, sagt Berentzen. Konsumenten würden nach hochwertigen Produkten verlangen, die zudem gut munden. „An diesem Megatrend partizipieren wir mit der Marke Powerlook.“ Bis zum Sommer will man deshalb mit einem weiteren innovativen Getränk auf den Markt kommen, das mehr in die Sport-Richtung gehe. Nach Anlaufschwierigkeiten sieht Berentzen Powerlook „auf gutem Wege“. Deutschlandweit wurden bisher rund eine Million Flaschen verkauft. Ob es sich dabei um einen Apfelkorn 2.0 handelt, wird erst die Zukunft zeigen. Die Haselünner haben aber schon einmal gezeigt, dass sie wissen, was die Welt trinken möchte.

Foto: Powerlook

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

LEBEN & LEIDENSCHAFT

Wenn das Index boomt, geht es der Familie gut Wie eine Dorfschenke zu einer der größten Discos Deutschlands wurde

Rockstedt war klein, und die Bösch-Brüder hatten große Pläne. 1988 begann in der Grafschaft Bentheim die Ära des Index. Stars wie Chaka Khan, Snoop Dogg und Beyoncé traten auf. VON IRENE SCHMIDT SCHÜTTORF. Die Diskothek Index

in Schüttorf ist mit einer Viertelmillion Besuchern pro Jahr und 27 Theken auf knapp 5000 Quadratmetern eine der größten Discos Deutschlands. Kaum zu glauben: Als die Betreiber, die BöschBrüder, sich 1988 selbstständig machten, waren sie erst 18 und 20 Jahre alt.

Klaus Bösch und Holger Bösch sind Macher jener Art, von denen man behaupten kann, sie hätten ihren Geschäftssinn mit der Muttermilch aufgesogen. Die Mutter selbst soll einmal gesagt haben, ihre fünf Kinder trügen „ein ganz bestimmtes Gen“ in sich, erzählt Klaus Bösch schmunzelnd, und ein bisschen stimmt das wohl auch. Betrieb und Familie, Beruf und Privatleben sind eng miteinander gekoppelt. Holger Bösch erzählt: „Einer von uns ist immer da. Wir schließen den Betrieb zum Arbeitsbeginn auf und drehen den Schlüssel selbst um, wenn Schluss ist. Es ist der Betrieb, der zählt. Das wurde uns immer vorgelebt. Wenn es dem Betrieb gut geht, geht es auch der Familie gut. Das hat sich über Generationen so fortgesetzt.“ „Der Betrieb“, das ist für die Brüder Klaus und Holger Bösch

Die Index-Macher und ihr Programm: Holger und Klaus Bösch mit Neffe Nils, der in die Unternehmensleitung aufgenommen wurde (unten).Bobbahn in der „Ice-Bar“,Entertainerin Mia-Julia (oben). Fotos: Index,Larissa Rehbock,Frauke Schulte-Sutrum

die Bösch Handelsgesellschaft mbH mit der Diskothek Index in Schüttorf, der „Ice-Bar“ sowie dem Restaurant „Else am See“. Das Index ist eine der größten und angesagtesten Diskotheken Deutschlands. In der Bewertung des Musikportals „Dance-Charts“ belegt sie unter den Top Ten der Bundesrepublik Platz 4 nach dem „Gibson Club“ in Frankfurt/Main (3.), „Neuraum München“ (2.) und dem „Bootshaus“ in Köln (1.). Die „Ice-Bar“ im Index besteht von den Wänden über die Sitzmöbel und die Trinkgläser aus purem Eis und bietet eine integrierte 15 Meter lange Bobbahn. Der Raum gilt als größte Eisbar der Welt.

Der Großvater legte 1929 mit seiner Gaststätte den Grundstein.

Der Restaurantbetrieb am Quendorfer See, 2015 eröffnet und benannt nach der damals 80-jährigen Bösch-Mutter Else, hat sich als Ausflugslokal und Restaurant ebenfalls etabliert. Neben Klaus und Holger Bösch sind an den verschiedenen Unternehmen der „Bösch Handelsgesellschaft“ auch ihre Schwester Karin, sowie die Söhne der fünf Geschwister aus Rockstedt, die Cousins Nils Bösch (Maschinenbauer), Marius Bösch (Industriekaufmann) und Armin Bösch (Betriebswirt) in das Unternehmen eingebunden. 1929: Ursprünglich stammt die Gastronomendynastie Bösch aus dem 400-Seelen-Dorf Rockstedt im Kreis Rotenburg-Wümme. Dort hatte der Großvater 1929 die „Schankwirtschaft Meyers“ gegründet, mit Edeka und Kegelbahn im selben Gebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Großeltern mit dem Pferdegespann ins zerstörte Hamburg, um sich dort Backsteine für den Bau einer „Scheune“, die später zum Saal wurde, zu holen.

1960er- und 70er-Jahre: Die „Familie hat immer zusammengehalten“, erzählen Holger und Klaus Bösch. Da war es nur selbstverständlich, dass die fünf Kinder von Mutter Else – Reinhard, Wilfried, Holger, Klaus und Karin – von Kindesbeinen an mithelfen mussten. Sie haben es gern getan, wie man den Erzählungen entnehmen kann. Als Teenies erlebten die Kinder Disco-Veranstaltungen im elterlichen Saalbetrieb hautnah mit; mit 16/17 Jahren richteten sie eigenständig große Zeltveranstaltungen aus mit den „Top-40Bands“ ihrer Zeit. Darunter die „Skydogs“ aus Emsdetten mit dem späteren Comedy-Künstler Atze Schröder am Mischpult. Die eigentlichen, aufregenden

Diskotheken fanden sich jedoch in Holland. Die Bösch-Söhne Wilfried, Klaus und Holger waren aufmerksame Beobachter der Szene, auch wenn Holger Bösch sich zunächst für die Försterlaufbahn entschied.

1987: Rockstedt war klein, und die Bösch-Brüder hatten große Pläne. Die Eltern hatten sich bereit erklärt, Wilfried (damals 18) und Klaus Bösch (20) ihr gesamtes Vermögen in Höhe von rund zwei Millionen Mark zu überlassen, damit sie sich in der Disco-Welt selbstständig machen könnten. Es fehlte nur der ideale Standort. Der Tipp kam von einem guten Freund, dem heutigen Comedian Atze Schröder, der später im „Index“ in seine Karriere startete. Er hatte Familie Bösch das Emsland empfohlen, und so gingen – einen Tag vor Heiligabend 1987 – der Förster Holger, der Koch Klaus und Bruder Wilfried im Ford Scorpio als „rollendem Hotel“ auf Entdeckertour. Sie landeten mitten in einer „ganz spartanischen OldieNight“ auf dem Kuhmplatz in Schüttorf. Die Wahnsinnsstimmung in dem sonst kargen Zelt überzeugte die Existenzgründer vom Potenzial der Region. Neben dem Emsteker Feld, Melle und Wildeshausen landete Schüttorf auf der Liste der Wunschstandorte für das Großdisco-Projekt. Das Entgegenkommen der Stadt und wohl auch der Mut von Stadtdirektor Wegner, den Jungunternehmern eine städtische Fläche im Gewerbegebiet von 10.000 Quadratmetern zu überlassen, gaben den Ausschlag: Nach nur einem halben Jahr und 150 Tagen Bauzeit wurde am 14. November 1988 auf rund 1200 Quadratmetern die Diskothek Index eröffnet. Meyers

Gaststätte in Rockstedt schloss 1995 für immer ihre Türen.

2017: Viele haben den Anschluss verpasst. Das Diskotheken-Sterben hat vor allem kleinere Betriebe von der Landkarte gefegt, aber das Index zählt noch immer zu den angesagtesten Discos Deutschlands. Zwischenzeitlich hatte es in der „Bösch Handelsgesellschaft mbH“ einen Wechsel gegeben. Wilfried Bösch war in den Anfangsjahren bereits ausgeschieden, um sich in einem anderen Be-

„Wir drehen den Schlüssel selbst um, wenn Schluss ist.“ Holger Bösch, Index

reich zu engagieren. Holger Bösch hat seinen Beamtenstatus als Förster aufgegeben und sich seinem Bruder Klaus angeschlossen. Sie sind ein eingespieltes Team. Holger Bösch leitet schwerpunktmäßig den Disco-Betrieb, Klaus Bösch konzentriert sich auf das Restaurant „Else am See“. Für das Index arbeiten 17 Vollzeitkräfte plus 250 Aushilfen, für „Else am See“ 41 Vollzeitkräfte und 70 Aushilfen. Insgesamt entspricht das, so Holger Bösch, 130 Vollzeitstellen in der Handelsgesellschaft. Das Index ist auf 5000 Quadratmeter Fläche gewachsen, das Grundstück rund um die Diskothek auf 30.000 Quadratmeter. Jedes Wochenende wird mit stetig wechselnden Themenabenden und Gigs gearbeitet. Über die Jahre ist die Liste der Gaststars lang geworden, von Boney M über No Angels bis hin zu Beyoncé, Snoop Dogg oder Chaka Khan. Von montags bis Freitagmittag werden Bühnen ab- und nach Vorgaben der Stargäste aufgebaut. Nicht selten wird ein kompletter Bereich neu gestaltet. Der stetige Wechsel soll die Zielgruppe der 18bis 25-Jährigen bei Laune halten. Am 14. April wurde das „Orange“,


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LEBEN & LEIDENSCHAFT Der Nordwesten rockt Die Clubszene von der Grafschaft übers Emsland, den Raum Osnabrück bis nach Bielefeld* OSNABRÜCK Alando

Location: Club mit sechs Areas und Restaurant „Esstheater“ in den Räumen des ehemaligen Pottgrabenbads. – Musik und Veranstaltungen: Charts, House, RnB, Hip-Hop, Schlager, Clubauftritte von Künstlern, (wiederkehrende) Mottos, ca. 1-mal pro Monat Ü30, ca. 5-mal pro Jahr Ü40, Location buchbar für Firmenevents etc. – Publikum: gemischt

Dr. Vogel Location: Club mit einem Dancefloor. – Musik und Veranstaltungen: elektronisch, House, Techno. Mittwochs nutzt der Studentenclub „Mittwochs“ die Räumlichkeiten. – Publikum: Szene.

Holy Poly Location: Lounge und ein Dancefloor. – Musik und Veranstaltungen: Elektronisch, Techno, Tech House. – Publikum: Szene.

Nize Club Location: ein Dancefloor und eine Bar, Raucherbereich. – Musik und Veranstaltungen: Charts, House, Hip-Hop, RnB, Latin, Mottopartys, Gay Partys, Studipartys. – Publikum: überwiegend studentisch.

Kleine Freiheit Location: Club mit einem Floor. – Musik und Veranstaltungen: Rock, Hip-Hop, 90er, Electro, Live-Konzerte. – Publikum: Szene/ Alternativ.

Sonnendeck Location: Club/Bar in der Osnabrücker Altstadt mit einem Floor. – Musik und Veranstaltungen: House, Electro, Hip-Hop, RnB. – Publikum: überwiegend studentisch.

Glanz & Gloria Location: Club mit einem Floor. – Musik und Veranstaltungen: viel Independent, Partys und Konzerte. – Publikum: studentisch.

Bastard Club Location: Club mit zwei Areas und Bühne. – Musik und Veranstaltungen: Hardcore, Punk, Metal, Alternative, Hip-Hop, Gothic, viele Live-Konzerte. – Publikum: Alternative, Punk, Metal.

Hyde Park

Volles Haus: Partystimmung auf einem der vielen Dancefloors des Index (oben).Der Gebäudekomplex in Schüttorf (unten) wurde über die Jahre immer wieder erweitert. Fotos: Index,Iris Kersten

ein völlig neuer Bereich für HipHop, RnB und Soul, eröffnet – im futuristischen Retrostyle des dänischen Möbeldesigners Verner Panton. Einen Bereich, für den die Künstlerin Niki de Saint Phalle Patin gestanden haben könnte, gibt es bereits seit Jahren. Jede „Area“ hat ihr eigenes individuelles Konzept.

„Wir haben nie eine Durststrecke gehabt, sagen Klaus und Holger Bösch. Es habe auch nie „einen Knick“ in der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen gegeben. Die Brüder Bösch führen dies auf ihre ausgeprägte Innovationsbe-

reitschaft zurück. Sie seien stetig bestrebt, „Dinge aus dem Leben“ in ihre Geschäfte zu integrieren, Vorreiter zu sein statt Nachahmer. Wohl auch deshalb ist das nächste Projekt in Planung: Auf dem Firmengelände am Index soll eine Veranstaltungshalle entstehen, in der auch Großveranstaltungen abgehalten werden können. Die Baugenehmigung ist bereits in Arbeit. Auch am Quendorfer See bleibt die Zeit nicht stehen. In Planung sind ein Beachfoodfestival, ein Abend des „White Beach“ – ganz in Weiß – sowie ein Weihnachtsmarkt auf dem 2,1 Kilometer langen Weg rund um den See. Damit, da sind sich die Brüder einig, „kann man kaum Geld verdienen. Die Unkosten sind zu hoch. Aber es macht Spaß.“ – Das ist Leidenschaft.

Location: Großraumdisco mit einem Dancefloor. – Musik und Veranstaltungen: Rock, Pop Indie, Electrronic, 80er, 80 90er, 90 Metal, M l Hardcore, Alternative, Live-Konzerte, Mottoopartys, Szenepartys. – Publikum: gemischt, je nach Musikrichtunng.

Neo Club Location: zwei Floors, zwei Barbereiche. – Musik und Veranstaltungen: Hip-Hop, RnB, Latin, Soul, Dancehhall, Afrobeats, Reggeaton, Mottopartys. – Publikum: gemischt.

Virage Location: Club mit drei Floors und Shisshabar. – Musik und Veranstaltungen: russische Beats, RnB, House, Liveauftritte. – Publikum: gemischt.

Rosenhof Location: Club mit einem Dancefloor und Bühne. – Musik und Veranstaltungen: Konzerte und Partys, Rock, 90er, Pop. – Publikum: gemischt.

QUAKENBRÜCK Flash Location: ein Dancefloor und drei Loungge-Bereiche mit Bars. – Musik und Veranstaltungen: Hip-Hop, RnB, House, Charts. – Publikum: gemischt.

LÖNINGEN Blur Location: zwei Dancefloors und eine Lounge. – Musik und Veranstaltungen: Schlager, Charts, Housee, Hip-Hop, RnB, Soul, Rock, Pop, Abipartys, Mottopartys. – Publiikum: gemischt.

LINGEN Joker Location: vier Dancefloors. – Musik und u Veranstaltungen: Charts, House, EDM, Schlager, Rock, Hipp-Hop, RnB, Dancehall, Live-Acts. – Publikum: gemischt.

SCHÜTTORF Index Location: Discothek mit fünf Floors, vieer Bars, darunter eine Eisbar mit Bobbahn, Sommergarten mit Pool und FreeclimbingWand. – Musik und Veranstaltungen: Charts, Dance, Pop, HipHop, RnB, House, Electro, Schlager, Hardstyle. – Publikum: gemischt.

WILDESHAUSEN 5ive Elements In der elterlichen Gaststätte in Rockstedt erlebten die Gebrüder Bösch in den 80ern ihre ersten Disco-Abende; aus dieser Zeit stammt das Logo. Foto und Grafik: privat

Location: drei Floors, eine Lounge, ruhigerer r Bereich mit Lounge-Liegen. – Musik und Veranstaltu ungen: House, Hip-Hop, RnB, Dancehall, Ragga, Mottopartys, Liive-Acts. – Publikum: gemischt.

PAPENBURG Plan B Location: zwei Floors, Whiskey-Bar. – Musik und Veranstaltungen: EDM, House, RnB, Charts, Hip-Hop, Mottopartys. – Publikum: gemischt.

RHEINE Köpi Location: vier Floors, Lounge mit Pizzeria und Café. – Musik und Veranstaltungen: Charts, EDM, EMP, House, Hip-Hop, RnB. – Publikum: gemischt.

IBBENBÜREN Aura Location: fünf Dancefloors. – Musik und Veranstaltungen: HipHop, RnB, 90er, Klassiker, House, Dance, Charts. – Publikum: gemischt.

HERFORD Go Parc Location: vier Floors, Restaurant, Café und Sommergarten. – Musik und Veranstaltungen: House, Hip-Hop, RnB, Pop, Schlager, Mottopartys. – Publikum: gemischt.

Naava Location: drei Floors. – Musik und Veranstaltungen: Hip-Hop, RnB, Latin, Dancehall, Raggaeton, Afro-Trap, Moombahton, Riddim, EDM, Mottopartys, Abipartys. – Publikum: gemischt.

CLOPPENBURG Bel Air Location: drei Floors, Shisha-Lounge, Terrasse, Bistro. – Musik und Veranstaltungen: Hip-Hop, RnB, Charts, Schlager, House, Mottopartys, Abipartys. – Publikum: gemischt.

MÜNSTER Fusion Location: vier Areas, ein Outdoor-Bereich. – Musik und Veranstaltungen: elektronische Musik. – Publikum: überwiegend studentisch.

Sputnikhalle Location: ein Floor. – Musik und Veranstaltungen: Rock, Metal, Independent, Elektronisch, Alternative, Mottopartys, Live-Konzerte. – Publikum: geMusikrichtung häufig alternativ mischt je nach Musikrichtung, alternativ.

BIELEFELD Ringlokschuppen Location: zwei Hallen und zwei Clubs. – Musik und Veranstaltungen: EBM, Industrial, Wave, Elektronisch, Black, Aktuelle Hits, Live-Konzerte, buchbar für Abi-Bälle. – Publikum: gemischt, je nach Musikrichtung. Zusammengestellt von Malte Petersmann * Auswahl, kein Anspruch auf Vollständigkeit


DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

VERLAGS-SONDERVERÖFFENTLICHUNG

MITARBEITER-EVENTS, FIRMENFESTE, BETRIEBSFEIERN UND MEHR

Plaudern unter Kollegen will gelernt sein Tipps für den Small Talk allein mit dem Kollegen im Aufzug, beim Betriebsfest oder vor Verhandlungen mit Kunden

VON VIVIEN LEUE STUTTGART/DÜSSELDORF. Ob al-

lein mit dem Kollegen im Aufzug, in der großen Runde beim Betriebsfest oder vor Verhandlungen mit Kunden: Small Talk gehört zum Berufsalltag dazu. Dennoch meiden ihn manche und fühlen sich bei dem Geplänkel unwohl.

„Einige sagen, sie mögen Small Talk nicht, weil das Gespräch zu oberflächlich sei, andere sind unsicher und wissen nicht, was sie sagen sollen“, erklärt die BusinessTrainerin Carolin Lüdemann. Sie hilft Menschen, im Job souveräner aufzutreten. „Es ist ungemein wichtig, in der Lage zu sein, Beziehungen aufzubauen und auf andere zuzugehen“, meint Lüdemann. Der Rhetoriktrainer Dieter Zittlau sieht das ähnlich: „Ohne Small Talk kommt man im Berufsleben nicht aus.“ Wer die Kunst des „kleinen Gesprächs“ nicht zumindest ansatzweise beherrscht, wirke schnell abweisend, erläutert der Psycholo-

ge. Denn Small Talk fungiert als Türöffner und soll eine angenehme Atmosphäre schaffen. Dafür ist es wichtig, positiv besetzte Themen zu wählen. Wer nicht über das Wetter reden möchte, kann beispielsweise Gemeinsamkeiten mit dem Gegenüber suchen. „Mindestens eine Gemeinsamkeit gibt es immer: Man ist mit dem Gesprächspartner zur selben Zeit am selben Ort“, sagt Lüdemann. Vielleicht gab es auf dem Arbeitsweg Stau? Oder das Gebäude, in dem man sich befindet, wird gerade renoviert? Zittlau rät zum Einstieg dazu, über sich und seine Vorlieben zu sprechen. „Es ist immer gut, in Vorlage zu gehen und etwas von sich preiszugeben“, sagt er. „Mir gefällt die neue Wandfarbe in den Büros“ wäre eine Möglichkeit. Zu weit ins Private sollte man aber nicht gehen. Und Negatives kommt schlecht an: Dazu gehören der Streit mit der Ehefrau, die kranken Kinder oder die eigenen Wehwehchen. Wer damit ein Gespräch beginnt, erntet schnell peinliches Schweigen.

Auch Politik, Religion oder Geldfragen gelten als Tabuthemen. Der Knigge-Experte Hans-Michael Klein erklärt, warum: „Die SmallTalk-Phase ist frei von Inhalt.“ Das „kleine Gespräch“ soll unverfängliche Themen behandeln. „Das fällt einigen schwer, sie finden das zu banal oder zu doof “, hat Klein beobachtet. Wenn der andere das spürt, zieht er sich zurück oder reagiert verunsichert. Vor allem in Gesprächen mit Kunden oder dem Chef ist das schlecht. Mitunter entwickelt sich das Geplauder sogar zu inhaltsvollen Gesprächen. „Es kann sich aus einem unverfänglichen Thema wie einer Fernsehsendung am Tag zuvor ein intensives Gespräch über grundsätzliche Weltanschauung und emotionale Themen ergeben“, sagt die Diplom-Psychologin Doris Wolf. Wenn das geschieht, hat der Small Talk als Eisbrecher funktioniert. Auch wer wichtige Themen mit dem Chef besprechen will, entspannt die Atmosphäre durch anfänglichen Small Talk. „Man sollte nie mit der Tür ins Haus fallen“,

Mehr als belangloses Geplänkel: Small Talk kann im Job ein Türöffner sein.

warnt Rhetoriktrainer Zittlau. Ein Gespräch über die neue Kantine oder das sommerliche Wetter bietet sich als Einstieg eher an, als direkt nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

Psychologin Wolf rät, das Plaudern auch außerhalb des Jobs einzuüben: „Es ist sinnvoll, sich ganz gezielt unter Menschen zu begeben und Gespräche anzufangen, zum Beispiel auf einer Parkbank,

Foto: dpa/Diagentur

am Kiosk, an der Kasse oder beim Arzt.“ Dabei muss kein ausführliches Gespräch entstehen. Das Ziel sollte es lediglich sein, Kontakt aufzunehmen und den Ball ins Rollen zu bringen.

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dpa/eb BERLIN. In Zeiten des Fachkräftemangels und unter den Auswirkungen des demografischen Wandels sehen sich immer mehr Unternehmen aufgefordert, bei der Mitarbeiter-Führung „kreativ“ zu werden: Ziel ist, trotz der Knappheit von qualifizierten und motivierten Mitarbeitern und Bewerbern eine intensive Bindung und Identifikation des bestehenden Mitarbeiterteams zum Unternehmen herzustellen. Die Frage ist also: Wie lassen sich mit überschaubarem Aufwand ein hoher Nutzen und eine hohe Motivation im Mitarbeiterteam erzielen? Eine geeignete Herangehensweise ist die Stärkung des „Wir“-Gefühls. Die Idee dahinter lautet: Stimmt die Chemie im Team, läuft es auch mit der Arbeit rund. Also warum nicht einmal einen Sommerabend im Biergarten, einen Besuch auf dem Frühlingsmarkt, einen Erlebnisabend auf der Kart-Bahn, eine wilde Quadfahrt durch unwegsames Gelände oder einen Besuch in einer Kneipe nach einem Erfolgserlebnis gemeinsam verbringen. Auch bei einer Runde Minigolf, einen Bowling-/Kegelabend, einem gemeinsamen Eisstockschießen, dem Besuch eines Klettergartens lässt sich vorzüglich das „Wir“-Gefühl

Immer schön die Balance halten: Im Hochseilgarten müssen Mitarbeiter in luftiger Höhe Hängebrücken und andere Hürden überwinden. Foto: dpa/jochen-schweizer.de

im Team stärken. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Effekt: Führungskraft und Mitarbeiter erleben sich auch einmal „privat“. Auch das untermauert das „Wir“Gefühl. Darüber hinaus hat sich in den vergangenen Jahren eine kreative und stark wachsende Unternehmensbranche herausgebildet, die alle möglichen Formen von Mitarbeiter-Events anbietet, organisiert und im Zusammenspiel mit den Auftraggebern durchführt. Dabei sind der Kreativität (fast) keine Grenzen gesetzt. Nachfolgend eine ganz kleine Auswahl von Teambuilding-Aktionen. Survival-Training: Zurück zur

Natur ist hier das Motto. Zum einen kann der Wechsel vom Schreibtisch ins Grüne für frischen Wind sorgen. Schreibtischtäter müssen sich einmal in ungewohnter Umgebung beweisen. Damit es dabei gemütlich wird, müssen alle mit anpacken. Für den gemeinsamen Erfolg ist jeder auf den anderen angewiesen. GPS-Schnitzeljagd: Die Mitarbeiter teilen sich in Teams auf und gehen mithilfe von GPS-Daten auf Schatzsuche. Bei den angegebenen Geodaten gilt es, den nächsten Hinweis zu finden und Rätsel zu knacken, um weiterzukommen. Wer als Erster den Schatz findet, hat gewonnen. So ein Wettbewerb

weckt den Ehrgeiz der Mitarbeiter. Dabei können sich neue Strukturen bilden: Auch der Azubi kann sich einbringen, wenn er eine gute Idee für die Lösung eines Rätsels hat. Das macht Mut, auch später Initiative zu zeigen. Klettern im Hochseilgarten: Die Mitarbeiter müssen in luftiger Höhe Hängebrücken und andere Hürden überwinden. Ans Ziel kommt die Gruppe aber nur mit Körperbeherrschung und effektivem Krafteinsatz. Dabei ist eine Mischung aus Konzentration, Mut und Geschicklichkeit nötig. Die Teams lernen, Widerstände abzubauen und ihre eigenen Ängste zu kontrollieren. Das stärkt Teilnehmer für den Arbeitsalltag. Kochen: Teamgeist geht durch den Magen – das ist die Idee beim gemeinsamen Kochen. Dabei bereiten Mitarbeiter ein mehrgängiges Menü zu und teilen sich die Aufgaben. Anschließend wird gegessen, was alle zusammen zubereitet haben. Der eine schneidet das Gemüse, während der Kollege den Kochlöffel schwingt – beim Kochen erfüllt jedes Teammitglied eine Aufgabe und trägt so dazu bei, dass am Ende ein Menü entsteht. Das fördere nicht nur den Teamgeist, sondern auch die Kommunikation untereinander.

Regeln für den Betriebsausflug 2017 Einige Tipps, was Arbeitgeber dabei beachten müssen

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dpa BERLIN. In der Sommerzeit veranstalten viele Unternehmen ein Sommerfest oder einen Betriebsausflug. Meist gibt es dann ein Rahmenprogramm mit Speisen und Getränken. „Damit für diese Zuwendungen beim Arbeitnehmer keine Lohnsteuer anfällt, sollten Chefs ein paar Dinge beachten“, so der Bund der Steuerzahler. Zuwendungen des Arbeitgebers an seine Mitarbeiter bei einer Be-

triebsveranstaltung gehören nicht zum Arbeitslohn, wenn die Veranstaltung im überwiegenden betrieblichen Interesse stattfindet. Aufwendungen bis zu 110 Euro je Veranstaltung bleiben steuer- und sozialversicherungsfrei. Aus dieser bis zum Jahr 2014 geltenden Freigrenze ist seit Anfang 2015 ein Freibetrag geworden. Für die Steuerzahler ist das günstiger: Wird der Betrag von 110 Euro über-

schritten, ist nicht mehr die komplette Summe steuerpflichtig, sondern nur der Teil, der den Freibetrag übersteigt. Bei der Berechnung des Freibetrags müssen die Kosten für den äußeren Rahmen, zum Beispiel für die Saalmiete, berücksichtigt werden. Sämtliche Aufwendungen des Arbeitgebers einschließlich Umsatzsteuer müssen durch die Anzahl der teilnehmenden Ar-

beitnehmer geteilt werden. Das Finanzamt vertritt außerdem die Auffassung, dass Kosten, die für die Begleitperson des Arbeitnehmers anfallen, der 110-Euro-Grenze des Mitarbeiters zugerechnet werden müssen. Und die Betriebsfeier muss allen Mitarbeitern offenstehen. Nicht zuletzt: Der Freibetrag gilt nur für bis zu zwei Betriebsveranstaltungen jährlich.


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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

LEBEN & LEIDENSCHAFT

Die Grande Dame der Nordhorner Filmtheater Mehr als 60 Jahre lang prägte Luise Stroeve gemeinsam mit ihrem Mann Heinrich die Kinolandschaft der Stadt VON WERNER STRAUKAMP NORDHORN. Man sollte noch mal hingehen, denn bald könnte es vorbei sein mit der Pracht. Mit dem absehbaren Aus für den Astoria-Palast droht Nordhorn das letzte große Filmtheater alter Schule zu verlieren. Es wäre das Ende einer Ära.

Vor 60 Jahren kannte die Kinobegeisterung in Nordhorn keine Grenzen. „Nordhorn vom Kinorausch erfasst“, titelte die Lokalzeitung „Grafschafter Nachrichten“ am 16. Juli 1957. Zwischen 1950 und 1959 stieg die Zahl der Kinobesuche von 400.000 auf heutzutage schwindelerregend anmutende 700.000 an. Goldene Zeiten für die Betreiber der sechs Nordhorner Filmtheater jener Zeit, die unter so klingenden Namen wie Schauburg-Lichtspiele, Roxy, Capitol, Central, Bavaria und Astoria-Palast firmierten. Im Frühjahr 2017 ist von den stolzen Großraumkinos nur noch der Astoria-Palast am Nordhorner Stadtring geblieben. Betreiber des Kinos sind seit der Eröffnung im Dezember 1957 der im vergangenen Jahr im Alter von 92 Jahren verstorbene Filmkaufmann Heinrich Stroeve und seine Frau Luise. Das Kino mit 650 Plätzen verfügte über die damals größte Leinwand in der Region Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim. Seit Jahresbeginn leitet die mittlerweile 81-jährige Luise Stroeve den Kinobetrieb im Alleingang. Sie gilt vielen Kinogängern, Filmverleihern und Cineasten als Grande Dame der Nordhorner Ki-

nowelt. Stroeve hat alle Umbrüche und Verwerfungen in der Kinolandschaft und Filmwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte erlebt. Zeiten eines Wandels, der in Nordhorn derzeit mit dem Bau eines neuen Multiplex-Kinozentrums auf dem ehemaligen Fabrikgelände des Textilunternehmens NINO Gestalt annimmt. Die Schließung des Astoria-Palasts im Sommer 2017 zeichnet sich ab, doch noch laufen dort die Bilder. Noch ist Zeit, im Gespräch mit Frau Stroeve der Kinohistorie und den Veränderungen der Filmwirtschaft nachzuspüren. Die persönliche Kinogeschichte von Luise Stroeve begann 1955, als die junge Frau den Filmkaufmann Heinrich Stroeve kennenlernte. Der hatte 1953 in Nordhorn ein erstes eigenes Kino eröffnet, das „Central“ an der Neuenhauser Straße. Ein Mann mit großen Plänen; mithilfe der ebenso kinobegeisterten wie mit moderner Bürotätigkeit vertrauten Luise waren sie umsetzbar. 1956 heirateten die beiden. In rascher Folge erblickten fünf Kinder das Licht der Welt. Luise Stroeve wurde zum Prototyp einer berufstätigen Mutter. Ein Job ohne Urlaubsanspruch – im Kino gab es keine Sommerpause. Während ihr Mann sich um Technik und Finanzen kümmerte, oblagen ihr die Filmauswahl, der Personaleinsatz, die Verhandlungen mit den Verleihfirmen, die Terminierung des Filmprogramms und die gesamte Kinowerbung. Das Ehepaar Stroeve wurde zur treibenden Kraft in der Nordhorner Kinoszene. Zusätzlich zum „Central“ erbauten

Nach 64 Jahren ist das Ende der großen Ära der ABCFilmtheaterbetriebe in Nordhorn absehbar. Das Bavaria schloss im Februar 2013, ein Jahr später das Capitol. Den verbliebenen Astoria-Palast betreibt Kino-Chefin Luise Stroeve derzeit als eine Art „Hobbykino“.

Die 81-jährige Luise Stroeve gilt vielen Kinogängern, Filmverleihern und Cineasten als Grande Dame der Nordhorne r Kinowelt.

sie 1957 den Astoria-Palast. Im gleichen Jahr übernahmen sie das „Union-Theater“, das in „Bavaria“ umbenannt wurde. Alle drei Spielstätten wurden von nun an als „ABC-Filmtheaterbetriebe“ geführt. Mit insgesamt mehr als 1.000 Plätzen waren die Stroeves innerhalb von vier Jahren zum größten Kinobetreiber der Grafschaft Bentheim aufgestiegen. Als „Erstaufführungskino“ bekamen sie bessere Filmstaffeln und vergleichsweise gute Konditionen. Die Filmtheater wurden zur Goldgrube. Mit dem in den späten 1950er-Jahren verdienten Geld überstanden die Stroeves die ab 1962 einsetzende erste Kinokrise. Der rasche Einzug des Fernsehens in die Haushalte führte im Verlauf der Jahre 1962/63 zu einem Besucherrückgang um 70 Prozent. Dieser Einbruch führte allerorten zur Aufgabe von Kinobetrieben. Zwischen 1963 und 1968 schloss die Nordhorner Konkurrenz ihre Häuser. Die Stroeves stemmten sich gegen den Trend und suchten die Chance in der Krise. Investieren statt aufgeben wurde zur Firmenphilosophie. Als Ersatz für das kleine und renovierungsbedürftige „Central“ übernahmen die Stroeves das „Capitol“ mit 300 Sitzplätzen. Über ein dem Pächter zuge-

sprochenes Vorkaufsrecht auch das Bavaria. Die nächste Krise begann mit dem Siegeszug der Videotheken in den späten 1970erJahren. Anderenorts reagierten die Kinobetreiber mit der Umwandlung einstiger Großraum- in Schachtelkinos. Heinrich Stroeve wollte unbedingt am unverfälschten Kino-Ambiente festhalten, doch große Säle brauchen viel Publikum. Das fand Luise Stroeve, indem sie nicht nur HollywoodBlockbuster zeigte. Sonderprogramme für „Freunde des guten Films“, Kinderkino und Schulvorstellungen füllten die ABC-Filmtheater. Neue Probleme für die verbliebenen Kinobetreiber der Region kamen in den 1990er-Jahren auf. In Papenburg, Rheine, Gronau und Lingen eröffneten Multiplex-Kinocenter. Modernste Vorführtechnik, größere Programmauswahl und Event-Gastronomie lockten vor allem jüngere Kinobesucher in die Nachbarstädte. Dennoch gelang es dem Ehepaar Stroeve, weiterhin ein qualitativ hochwertiges Kinoprogramm anzubieten. Luise Stroeve öffnete die Filmtheater für das Arthouse-Kino. Besonders gern erinnert sich die Patriarchin an die 2003 mehrfach ausverkauften Aufführungen von „Herr Schmidt

und Herr Friedrich“. Der preisgekrönte Dokumentarfilm der Kölner Filmemacher Ulrike Franke und Michael Loeken beschreibt die außergewöhnliche Lebensgeschichte eines homosexuellen Paares aus Nordhorn. Mit großem Engagement begleitete sie zudem die Gründung des „Filmclubs Nordhorn“, der seit Herbst 2008 alljährlich zwölf anspruchsvolle Arthouse-Filme in den ABC-Filmtheatern zeigt.

Auch mit fünf Kindern war Luise Stroeve voll berufstätig.

Fotos: Werner Westdörp

Zum Jahreswechsel 2013/14 wurde die Umstellung des Kinobetriebs auf digitale Vorführtechnik zu einer letzten großen Herausforderung. Für rund 100.000 Euro löste das Ehepaar Stroeve das Ticket für den Eintritt in das moderne Kinozeitalter. Ein Aufwand, den die Kinobetreiber aber trotz aller Leidenschaft nicht in allen drei Filmtheatern leisten konnten und wollten. Das Bavaria schloss seine Türen im Februar 2013, ein Jahr später das Capitol. Die große Ära der ABC-Filmtheaterbetriebe steht vor einem absehbaren Ende. In 64 Jahren Kinobetrieb zählten Heinz und Luise Stroeve rund fünf Millionen Kinobesucher. Den ihr verbliebenen AstoriaPalast betreibt Luise Stroeve derzeit als eine Art „Hobbykino“. „Ein schönes, aber auch kräftezehrendes Hobby, das ich aus gesundheitlichen Gründen ohne Hilfe aus der Familie nicht mehr lange weiterführen kann.“ Ob allerdings ihr Enkel Jurij die Kinotradition der Familie in Nordhorn fortsetzen möchte, steht in den Sternen. Der Filmkaufmann ist in die Fußstapfen seines Großvaters getreten und betreibt gemeinsam mit seiner Mutter Natascha Stroeve seit Jahren ein erfolgreiches Filmtheater in Bad Neuenahr.

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DONNERSTAG, 27. APRIL 2017

LEBEN & LEIDENSCHAFT 16.05.2017 | 16.00 UHR

TERMINE

Infoveranstaltung: MINT studieren

DER WIRTSCHAFT

BERUFSINFORMATIONSZENTRUM NORDHORN

03.05.2017 | 17.00 UHR

17.05.2017 | 19.00 UHR

Osnabrücker Investorenkonferenz 2017

Prototypenparty in Osnabrück: Teste die Zukunft!

FLUGHAFEN MÜNSTER/OSNABRÜCK GREVEN

ICO INNOVATIONS CENTRUM OSNABRÜCK

03.05.2017 | 17.00 UHR

18.05.2017 | 12.00 UHR

Gründerstart – Existenzgründung in Osnabrück

MSO Medien-Service: Innovation Days 2017

INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER OSNABRÜCK

06.05.2017 | 10.00 UHR

Action bei der Sport-Wirtschafts-Gala in Lingen mit der Tanz-

Jubeln üben mit Ehrengast Horst Hrubesch (rechts): Ausgezeichnete, Teilnehmer und Gäste hatten bei der

schule TanzArt Lingen.

Sport-Wirtschafts-Gala in Lingen sehr viel Spaß.

Foto: Werner Scholz

Foto: Werner Scholz

DIE GESICHTER DER WIRTSCHAFT

2. Osnabrücker Gewerbeschau HALLE GARTLAGE OSNABRÜCK

08.05.2017 | 10.00 UHR

NOZ MEDIENZENTRUM OSNABRÜCK

18.05.2017 | 13.30 UHR Kompakt-Seminar „Online werben mit Google“ KREISHAUS OSNABRÜCK

20.05.2017 | 10.00 UHR

Kleines Unternehmerfrühstück

Verbrauchermesse: Messe Damme

FRÜHKAUF OSNABRÜCK

FLUGPLATZ DAMME Forscher des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik (DIL) in Bangladesch: Universitätspräsident Siddique überreicht DILChef Volker Heinz das Wappen der Uni Dhaka. Foto: J. Hossain

09.05.2017 | 10.00 UHR Job- und Praktikumsmesse: Career-Day 2017 450 Jugendliche beim Abend der Ausbildung auf der Meyer Werft in Papenburg.

UNIVERSITÄT OLDENBURG OLDENBURG

Foto: Meyer Werft

20.05.2017 | 10.00 UHR Berufsorientierung: 10. Jobmesse Hannover TUI ARENA EXPO PLAZA/HANNOVER

09.05.2017 | 16.00 UHR

22.05.2017 | 13.30 UHR

Offshore-Windenergie Konferenz: Windforce 2017

Chef-Seminar „Das Sagen habe immer noch ich“

ATLANTIC HOTEL SAIL CITY BREMERHAVEN

OSNABRÜCKER OSTKREIS VERANSTALTER WIGOS

09.05.2017 | 17.00 UHR

31.05.2017 | 18.00 UHR

Business Speed Dating: Kontakte zu kreativen Köpfen

Netzwerkevent von „Women@Middle Market“

AKKU UNTERNEHMENSBERATUNG GEORGSMARIENHÜTTE

PWC OSNABRÜCK

10.05.2017 | 09.30 UHR

Hermann Paus, hier mit Ehefrau Agnes, wurde in Denver, Colorado, in die „International Mining Technology Hall of Fame“ aufgenommen. Foto: Hermann Paus Maschinenfabrik

Die Verwaltungsspitze der Gemeinde Emstek bei der SK Meat Vertriebs GmbH im ecopark Emstek (von links):

Forum Produktion Nordwest/ Wachstumsregion Ems-Achse

Theo Eveslage, Richard Cloppenburg, Heinz Prenger, Bürgermeister Michael Fischer und Reiner kl. Holthaus zusammen mit Sarah Kalvelage, Marco Weber und Dr. Herbert Paschertz. Foto: ecopark/Uwe Haring

10.06.2017 | 10.00 UHR Berufsorientierung: 11. Jobmesse Münsterland HALLE MÜNSTERLAND MÜNSTER

MASCHINENFABRIK BERNHARD KRONE SPELLE Präsentationsevent bei Krone und Grimme: In Damme gab es innovative Technik zum

11.05.2017 | 08.30 UHR

Thema Häckseln, Laden und Pressen zu sehen. Foto: Grimme Landmaschinenfabrik

13.06.2017 | 10.00 UHR IHK Erfinder- und Patentberatungssprechtag

Ausbildung 49 – Berufswahlmesse

INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER OSNABRÜCK

HALLE GARTLAGE/HWK OSNABRÜCK-EMSLAND-GRAF. BENTHEIM

17.06.2017 | 10.00 UHR

Ein Workshop des Migrationszentrums der Maßarbeit Osnabrück mit Sabine Surmann stieß in Glandorf auf großes Interesse bei den geflüchteten Frauen. Foto: Maßarbeit/Parton

16.05.2017 | 09.00 UHR Auslandsniederlassungen erfolgreich steuern INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER HANNOVER

Berufsorientierung: 10. Jobmesse Emsland EMSLANDHALLEN LINGEN

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Musterausgabe Die Wirtschaft_2017 04 27  
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