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zentrischer Okklusion nicht mit der kranialsten Kondylenposition übereinstimmt. Man hat folglich bei der Herstellung von Zahnersatz mit besonderen Schwierigkeiten zu rechnen, die sich aufgrund mangelnder Disklusion im rechten Seitenzahnbereich ergeben. Für eine interferenzfreie Okkiusion sollte daher ein erhöhter sagittaier Bewegungsspielraurn zwischen den antagonistischen Höcker vorgesehen werden, ähnlich wie wir es bei einer Immediate Side-Shift bereits in horizontaler Richtung gewohnt sind. Aus der Sicht des Verfassers wird hier eines der wichtigsten Zukunftsziele der instrumenteilen Funktionsdiagnostik erkennbar. Wir besitzen heute zwar hervorragende Registrierverfahren, die den gesamten Bewegungsspielraum der Kondylen erfassen können. Auch haben wir sehr leistungsfähige Bißnahme-Verfahren entwickelt, mit denen die zentrische Kieferrelationsbestimmung reproduzierbar gelingt. Was uns aber fatalerweise fehlt, ist die genaue Kenntnis darüber, auf welche Stelle der Kondylenbahn die Kondyien durch unsere Bißnahme positioniert werden. Damit bei der Rekonstruktion von Zähnen innerhalb eines sagittalen oder horizontalen Bewegungsspielraums keine Interferenzen auftreten, muß auch ein entsprechender Spielraum für die antagonistischen Höcker gewährleistet werden. Deshalb muß man wissen, in weiche Richtung der nötige Freiraum ab der durch die Bißnahme vorgegebenen Position hergestellt werden soll. Dies wiederum erfordert zwingend die exakte Zuordnung und Kontrollmöglichkeit der zentrischen Kondylenposition zur Kondylenbahn. Es werden heute bereits Versuche unternommen, diese Kontrolle mit Hilfe der computerunterstützten Registriertechnik durchzuführen. An diesem Besipiel wird auch deutlich, daß Artikuiatoren so verbessert werden sollten, daß zusätzlich zur Side-Shift Einstellung auch eine Shift Möglichkeit in sagittaier Richtung möglich ist. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die instrumentelle Funktionsdiagnostik vergangener Jahre einen Wandel vollzogen hat. Eine Hauptindikation instrumentelier Registriertechniken liegt nicht mehr allein in der Programmierung von Artikuiatoren, sondern vor allem dort, wo eine verbesserte Diagnose von Funktionsstörungen zu erreichen ist. Wir müssen jedoch noch lernen, typische Bahnspuren mit bestimmten Funktionsstörungen und Befunden zu korreiieren. Da die instrumenteile Funktionsdiagnostik im Gegensatz zu bildgebenden Verfahren wie der Arthrographie, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie weder invasiv noch strahlenbelastend ist und mit vertretbarem Zeitaufwand kostengünstig in jeder Praxis einzusetzen ist, sollte ihr diagnostischer Stellenwert besonders hoch eingestuft werden. Funktionsdiagnostik „megaout"? Entsprach die bisherige Hinwendung zur Gnathoiogie bei manchen Kollegen nur der temporären Begeisterung für eine lukrative Tätigkeit oder war sie wirklich im Streben nach besserer Zahnheilkunde begründet? Wer die Bedeutung der Funktionsdiagnostik erst einmal erkannt und erfahren hat, für den wird sie immer aktuell und unverzichtbar bleiben, da er Rückschritt nicht akzeptieren kann . = _ = GRUPPE.

NEUE GRUPPE NEWS - Heft 06 - Frühjahr 1995  

TRADITION+INNOVATION

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