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Wald ausblicke 1|11

ausblicke 1.11 Magazin für ländliche Entwicklung

Schwerpunkt

Wald Alleskönner Wald Wald und Umwelt | Wald und Gesellschaft | Wald und Wirtschaft Holz Baustoff | Werkstoff | Holz 2.0 Netzwerk Land Jahresprogramm 2011 | Leader-Regionen | ÖKL-Baupreis 2010 – Siegerprojekte | Chancengleichheit International Ländliches Netzwerk Schweden

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Robert Staudinger: Detail aus „Zwischen den Nadeln“, 2010; Triptychon; Fotografie, Pigmentprint auf Büttenpapier + Firnis/Schutzlack, je 120 x 160 cm

Für diese Ausgabe der „ausblicke“ wurden von der Galerie ZS art KunstRaum Abbildungen von Objekten und Bildern der Gruppenausstellung zum „Jahr des Waldes“ zur Verfügung gestellt.

Kunstausstellung „Jahr des Waldes“ Anlässlich des „Internationalen Jahrs der Wälder“ hat ZS art KunstRaum – in Kooperation mit dem Land NÖ – KünstlerInnen eingeladen, ihre Konzepte zu diesem Thema vorzulegen. Eine Fachjury wählte aus 30 internationalen Einreichungen 14 Konzepte aus, die von den KünstlerInnen für die Ausstellung umgesetzt wurden. Präsentiert werden Skulpturen, Gemälde, Fotografien, Installationen und Videoarbeiten. Die Ausstellung war vom 21. 1. bis 8. 3. 2011 in der Galerie ZS art KunstRaum in Wien zu sehen. Vom 22. 3. bis 1. 5. 2011 läuft die Ausstellung im Landesmuseum NÖ bzw. in der Landesbibliothek in St. Pölten. Nähere Informationen dazu und weitere Termine finden Sie unter www.zsart.at.

Kunstobjekte im Magazin: Bild oben | Robert Staudinger: Detail aus „Zwischen den Nadeln“, 2010; Triptychon; Fotografie, Pigmentprint auf Büttenpapier + Firnis/Schutzlack, je 120 x 160 cm Seite 3 | Elisabeth Homar-Zogmayer (von links nach rechts): „Wald“ (Zyklus Waldgeschichten), 2010; Karton, Holz, Farbe, Metall; 13 x 17 x 4 cm „Noch hab ich Mühe“ (Zyklus Waldgeschichten), 2008; Kunststoff, Holz, Farbe; 26 x 30 x 15 cm „Kein Schicksal“ (Zyklus Waldgeschichten), 2005; Holz, Farbe, Glas; 25 x 17 x 13 cm „Still" (Zyklus Waldgeschichten), 2010; Holz, Metall, Farbe; 23 x 8 x 6 cm Seite 7 | Brigitte Pamperl: „grünblick 1“ aus der Serie „grünblick 1–4“, 2010; Fotomontage, Pigmentdruck auf Bütten; 30 x 40 cm Seite 9 | Benni Altmüller: „Fragmentierte Bäume“, 2010; Buchenholz, Dimensionen variabel Seite 38/39 | Leo Zogmayer: „WALDEN“, 2010; Holzkugel (Myrtenholz), d = 18 cm, auf Textblatt /auf Sockel + Hinterglasbild an der Wand (Schriftzug WALDEN, 60 x 80 cm)


Prolog ausblicke 1|11

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Wald – ein Generationenprojekt Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich

Ein Förster wurde einmal gefragt, wann denn der beste Zeitpunkt sei, einen Baum zu pflanzen. Der Förster antwortete: „Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 100 Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist jetzt.“ Diese Geschichte zeigt sehr gut, dass der Wald und seine Bewirtschaftung ein Generationenprojekt sind. Wir müssen das von der UNO für 2011 ausgerufene „Internationale Jahr der Wälder“ nutzen, um der Bevölkerung zu zeigen, wie wichtig der Wald ist und welche große Rolle er in Österreich spielt – für die Wirtschaft, für den Klimaschutz und für jeden Einzelnen. Schließlich ist rund die Hälfte der österreichischen Fläche Wald – das sind rund vier Millionen Hektar. Und auf dieser Fläche wächst mehr als 1 Milliarde Kubikmeter Holz. Dem österreichischen Wald geht es gut. Jedes Jahr wächst er um rund 4000 Hektar. Das sind sehr positive Voraussetzungen, um die Nutzung nachhaltig an den Holzzuwachs heranzuführen. Denn der Holzbedarf steigt. Neben der Rohstoffversorgung der Holz verarbeitenden Industrie gewinnt auch die energetische Verwendung von Holz immer mehr an Bedeutung. Mit intensiven Förderungsprogrammen zur Holzmobilisierung soll der Holzeinschlag bis zum Jahr 2020 von rund 20 auf 25 bis 28 Millionen Erntefestmeter erhöht werden. Die Wertschöpfungskette Forst – Holz ist auch einer der Eckpfeiler der heimischen Wirtschaft und erzielt nach dem Tourismus mit über drei Milliarden Euro den höchsten Außenhandelsüberschuss. Österreichs Wälder begeistern durch ihre Multifunktionalität und zeichnen sich durch großen Artenreichtum aus. Wälder sind richtige Hotspots der Artenvielfalt. Der Erhalt dieser Vielfalt ist uns ein sehr großes Anliegen. Gleichzeitig tragen die Wälder in hohem Maß zum Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Darum betreibt das Lebensministerium auch ein spezielles Naturwaldreser-

vate-Programm. Diese Reservate vermitteln tiefe Einblicke in waldökologische Zusammenhänge und die Qualität einer ungestörten Entwicklung der heimischen Flora und Fauna. Bei der Ausweisung geeigneter Gebiete werden hohe Anforderungen gestellt. In Naturwaldreservaten findet keine Bewirtschaftung statt, und die Waldflächen können sich frei von menschlicher Einflussnahme entwickeln. Derzeit bestehen in ganz Österreich 200 Reservate; das Programm soll in Zukunft ausgedehnt werden. Die österreichische Forst- und Holzwirtschaft leistet weiters einen unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raumes und vor allem auch zum Klimaschutz. Gerade bei der Erreichung des Klimaziels, bis zum Jahr 2020 34 % des Verbrauchs aus erneuerbarer Energie zu decken, spielt der Wald eine außerordentlich wichtige Rolle. Mein Ziel ist die Energieautarkie Österreichs. Österreich soll die gesamte im Land benötigte Energie selbst und aus erneuerbaren Energiequellen herstellen können. Eine Studie hat bestätigt, dass dies bis 2050 machbar ist. Neben Wasser, Wind und Sonne ist Biomasse – und besonders Holz – ein zentraler Energielieferant. Last, not least ist die Forst- und Holzwirtschaft auch ein wichtiger Arbeitgeber. Von der Nutzung und Verwertung von Holz beziehen in Österreich rund 280.000 Menschen ein Einkommen, davon rund 170.000 Waldbesitzerinnen und -besitzer. Diese Arbeitsplätze zählen zu den green jobs – Berufsfeldern, die Klima- und Umweltschutz zum Ziel haben. Sie sind zukunftsfähig und krisensicher. Künftig wird der Wald immer wieder neuen Anforderungen der Gesellschaft gerecht werden müssen. Diesem Faktum neben der Erfüllung aller bisherigen Funktionen Rechnung zu tragen ist Aufgabe einer multifunktionalen und nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Womit wir wieder beim Generationenprojekt wären … |||


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ausblicke 1|11 Vorwort

Multitalent Wald

Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume. Der Wald kann daher auch nicht, wie das in aktuellen Diskussionen zur Bekämpfung des Klimawandels häufig geschieht, auf einen Kohlenstoffspeicher reduziert werden. Der Wald bedeutet Einkommensmöglichkeit für 170.000 Waldbesitzer in Österreich und rund 100.000 Beschäftigte entlang der Wertschöpfungskette Holz. Der Wald ist zudem jener Faktor, der eine Besiedelung im Alpenraum ermöglicht und die vom Menschen errichtete Infrastruktur schützt. Die Landschaft des Tourismuslandes Österreich ist maßgeblich vom Wald beeinflusst. In angenehmer Umgebung findet die von elektronischen Medien geplagte Gesellschaft Ruhe, Ausgleich und Erholung. Darüber hinaus ist der Wald Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, ein Hort der Biodiversität. Gerade deshalb ist es wert, näher auf das Wunder der Holzproduktion einzugehen. Bäume haben die Möglichkeit, durch die Photosynthese aus dem klimaschädlichen Gas Kohlendioxyd (CO2) und Wasser Holzsubstanz aufzubauen und den Kohlenstoff auf diese Art zu speichern – jedes einzelne Blatt ein Kraftwerk, über das der wertvolle Roh- und Baustoff Holz hergestellt wird. Der „Abfall“ ist Sauerstoff und wiederum Wasser, das über die Blätter abgegeben wird. Als mit der Natur arbeitender Sektor gehört die Forstwirtschaft zu den am stärksten von den negativen Auswirkungen des Klimawandels betroffenen Wirtschaftsbereichen. Zum einen ist die Minimierung der Treibhausgas-Emissionen aus fossilen Quellen von größter Dringlichkeit, andererseits gilt es, die Wirtschaft konsequent in Richtung einer „low carbon economy“ zu entwickeln. Holz kann dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. In einem Einfamilienhaus stecken ca. 100 Kubikmeter Holz. Diese speichern 80 Tonnen CO2, was dem 10-fachen Wert der österreichischen ProKopf-Emission dieses Treibhausgases entspricht. Die Verwendung

Elisabeth Homar-Zogmayer (von links nach rechts): „Wald“ (Zyklus Waldgeschichten), 2010; Karton, Holz, Farbe, Metall; 13 x 17 x 4 cm „Noch hab ich Mühe“ (Zyklus Waldgeschichten), 2008; Kunststoff, Holz, Farbe; 26 x 30 x 15 cm „Kein Schicksal“ (Zyklus Waldgeschichten), 2005; Holz, Farbe, Glas; 25 x 17 x 13 cm „Still" (Zyklus Waldgeschichten), 2010; Holz, Metall, Farbe; 23 x 8 x 6 cm

von Holzprodukten ersetzt zudem andere energie-, ressourcen- und verarbeitungsintensive Baustoffe. Insgesamt können laut Berechnungen der Technischen Universität Hamburg mit der Verwendung von einem Kubikmeter Holz durch Speicher- und Substitutionseffekte zwei Tonnen CO2 -Emissionen eingespart werden. Erhöht sich der Anteil der Holzbauten im Neubau auf 25 %, könnten in Österreich jährlich bis zu 500.000 Tonnen CO2 -Emissionen eingespart werden. Österreich zählt zu den wenigen Ländern der Welt, wo mit einer permanenten Waldinventur Zustand und Entwicklung des Waldes erhoben und dokumentiert werden. Anfang 2011 wurden die neuesten Ergebnisse veröffentlicht. Die Waldfläche hat weiter zugenommen und ein Ausmaß von 3,99 Millionen Hektar erreicht; somit sind mittlerweile rund 47,6 % der Staatsfläche mit Wald bedeckt. Trotz stark gestiegener Nutzung – diese liegt mit durchschnittlich 25,88 Millionen Vorratsfestmetern (Vfm) auf einem historischen Höchststand – hat der Holzvorrat mit 1,13 Milliarden Vfm ebenfalls ein Rekordniveau erreicht. Damit stehen ausreichend Potenziale für die Holz verarbeitende Industrie und die energetische Verwertung zur Verfügung. Der durchschnittliche jährliche Zuwachs liegt wie in den Vorperioden bei rund 30 Millionen Vfm. Aus ökologischer Sicht sehr erfreulich ist, dass trotz der starken Nutzungsintensivierung der Totholzanteil – einer der wichtigsten Indikatoren für Biodiversität im Wald – deutlich zugenommen hat. Holz ist Österreichs bedeutendster Rohstoff und ausreichend vorhanden. Die Bewirtschaftung der Wälder erfolgt so, dass deren biologische Vielfalt und Produktivität erhalten bleiben. Darauf können wir alle zu Recht stolz sein, stolz auf die Art der Waldbewirtschaftung und stolz auf den genialen Rohstoff Holz. Martin Höbarth, Leiter der Begleitgruppe Forstwirtschaft


Inhalt

1 Prolog 2 Vorwort

Alleskönner Wald 6 Waldeigentum: zwischen Gemeinwohl- und

32 Vier Ansichten zum Thema „Was leisten Wälder?“

34 Die Welt blickt auf den Wald Carina Kases 36 2011 ist das „Internationale Jahr der Wälder“ – „Ach ja?“ Markus Sommerauer

Eigentümerinteressen Karl Hogl

Holz Wald und Umwelt 10 Lebensraum Wald – vielfältig, aber unter Druck Gábor Wichmann

12 Wie gut oder schlecht ist Verwaldung? Wolfgang Holzner

13 Der österreichische Wald und das Klima Michael Keller

40 Mit Holz bauen: Verantwortung für Mensch und Umwelt Daniela Kinz 42 Holzzeit – Geschichte, Gegenwart und Zukunft Alfred Teischinger

44 Holz 2.0 Ulrich Müller 46 Das „Bergholz“ des Biosphärenparks Großes Walsertal Karin Luger

14 Waldumweltmaßnahmen und ihre Umsetzung in Österreich Günter Jaritz

16 Der Wald als Lebensraum

Netzwerk Land 50 ÖKL-Baupreis 2010 – Siegerprojekte Dieter Brandl

Wald und Gesellschaft 18 Der Wald als Gut der Menschheit Manfried Welan

20 Österreichs Waldbewirtschafter setzen Impulse für qualitätvolle Tourismus- und Kulturangebote Alfred Grieshofer 22 Mein Schutzwald Anton Mattle 23 Den Wald erfühlen Elisabeth Johann 24 Wald, Holz und Leader

52 Arbeitsprogramm NWL 2011 Christian Jochum 53 Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Chancengleichheit Magdalena Stacher

54 Kuratorium Wald – Mensch, Natur und Kultur im Einklang Guntram Münster und Christof Kuhn

55 Die Plattform BIOSA – Biosphäre Austria: Naturschutz aus erste Hand Renate Haslinger

56 Leader-Region Pillerseetal-Leogang: Menschen mit viel Seele in einer Bilderbuchregion Teresa Arrieta

Wald und Wirtschaft 26 Nationale Verantwortung für Holz – Holz ist der Rohstoff der Zukunft

58 Leader-Region Mühlviertler Kernland: Mensch – Wert – Region Conny Wernitznig und Maria Knapp

Georg Adam Starhemberg

28 Österreichs Waldverbände – Die Kraft der Kleinen Martin Wöhrle 29 Der österreichische Wald – Fakten und Strukturen Carina Kases 30 Die Rationalisierung der Holzernte – Von der Zugsäge zum Harvester Nikolaus Nemestóthy 31 Die Zertifizierung der Waldbewirtschaftung in Österreich Stefan Czamutzian

International 60 Ländliches Netzwerk Schweden Jessica Hagrd

62 Internationale Termine 63 Literatur- und Webtipps 64 NWL-Veranstaltungen 65 Impressum


Alleskรถnner Wald


Der österreichische Wald bedeckt 47 % der Gesamtfläche des Landes und erfüllt unterschiedliche Funktionen – angefangen beim Schutz vor Naturgefahren bis hin zum Schutz der natürlichen Umwelt und der Artenvielfalt. Was das Multitalent Wald noch alles leistet, steht im Fokus des folgenden Abschnitts.


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ausblicke 1|11 Alleskönner Wald

Waldeigentum: zwischen Gemeinwohl- und Eigentümerinteressen Karl Hogl

W

„Im Waldbild der Bevölkerung gibt es keine Waldbesitzer. Der Wald ist einfach da, es stellt sich nicht die Frage, wem er gehört.“ Suda 2003

enn auch vielleicht überspitzt, so umreißt das Zitat von Michael Suda, der sich auf Deutschland bezieht, wahrscheinlich auch das Waldbild eines Großteils der 8,4 Millionen ÖsterreicherInnen, die weder Waldeigentümer noch in ihrem Alltag mit Waldbewirtschaftung befasst sind. Für sie sind Wälder, bewusst oder unbewusst, prägende Landschaftselemente, Kulisse für Erholung und Freizeittätigkeiten, Schutz vor Naturgefahren oder Refugien der Natur, allenfalls Holzlieferant. Wer die Eigentümer der Wälder sind, dürfte weitgehend unbekannt sein. In der allgemeinen Einschätzung ist mehr als die Hälfte des Waldes Staatseigentum (Rametsteiner und Kraxner 2003). Tatsächlich sind aber rund 81% Privateigentum. 15% entfallen auf die Österreichische Bundesforste AG, der Rest auf anderen öffentlichen Wald.

Wald, der niemandem gehört, gibt es in Österreich nicht Der Wald, der in Österreich 47% der Fläche bedeckt, gehört rund 145.000 Eigentümern. Auf eine kleine Zahl von Betrieben (inkl. ÖBf AG) entfällt rund die Hälfte der Waldfläche; die durchschnittliche Waldfläche liegt bei ca. 1200 Hektar. Die Strukturen sind von Kleinwaldeigentum geprägt: 99 % der Waldeigentümer besitzen weniger als 200 Hektar, 40% weniger als 3 Hektar Wald (Statistik Austria 2008). Mit sinkender Fläche wandelt sich naturgemäß die ökonomische Bedeutung des Waldeigentums. Wald wird zunehmend zur Reserve und trägt einen geringeren Teil zum laufenden Einkommen bei. Das Waldeigentum ist nicht nur hinsichtlich seiner Flächen inhomogen. Die österreichischen Wald-

eigentümerInnen sind auch eine durchaus heterogene Gruppe, was ihren Hintergrund angeht. Zu rund 80 % der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe gehört Wald. Die traditionell enge Bindung von Waldeigentum an landwirtschaftliche Betriebe scheint allerdings mit den Strukturveränderungen in der Landwirtschaft seit Jahrzehnten zu schwinden. Von 1960 bis 2005 hat sich die Zahl land- und forstwirtschaftlicher Betriebe halbiert. Während 1960 noch zwei Drittel Vollerwerbsbetriebe waren, wurden 2005 rund 60 % im Nebenerwerb geführt. Die Zahl sogenannter neuer Waldeigentümer scheint zu steigen. Ihr Wald steht nicht mehr in direktem Bezug zur Landwirtschaft. Sie verbinden mit ihrem Wald oft andere Werte und verfolgen andere Ziele als klassische Betriebsführer (Hogl et al. 2005).

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em klassischen Bild bäuerlicher Waldeigentümer entsprechen rund 40 % der österreichischen Waldbesitzer. Sie besitzen meist zwischen 5 und 20 Hektar Wald, nutzen Holz für den Eigenbedarf und verkaufen es häufig auch. Ein weiteres gutes Viertel der Waldeigentümer hat zwar noch einen land- oder forstwirtschaftlichen Hintergrund, ist aber selbst schon weit weniger in der Land- und Forstwirtschaft tätig. Rund ein Drittel der Eigentümer hat praktisch keinen beruflichen Bezug zur Land- und Forstwirtschaft mehr („neue Waldeigentümer“). Arbeit in und Einkommen aus Land- und Waldwirtschaft haben für sie keine, zumindest keine nennenswerte Bedeutung. Erholungs- und Freizeitnutzung sowie Naturschutz treten in den Vordergrund (siehe ebd.).


Gesellschaftliche Wahrnehmung von Wald „Fakten sind Fakten, Wahrnehmungen sind Realität“, so eine alte Weisheit der Kommunikations- und Marketingexperten, aber auch der Politik (Rametsteiner und Kraxner 2003). Die Meinungen der Bevölkerung bestimmen mit, welche Interessen an Wald und Waldeigentümer herangetragen werden. In den vergangenen Dekaden haben sich Einstellungen zum und Ansprüche an den Wald weiter gewandelt. Vermehrte Information über Umweltprobleme, fortschreitende Erschließung des Alpenraums und steigende Nachfrage der Erholungs- und Freizeitgesellschaft wirken sich aus. Nach Rametsteiner (2000) erachtete Ende der 1990er-Jahre die Mehrzahl der ÖsterreicherInnen Wälder als Schutz vor Naturgefahren und als Ort des Naturschutzes für besonders wichtig, für wichtiger als die Nutzung der Holzressourcen und Erholung im Wald. Zwei Drittel der Befragten waren der Ansicht, dass Waldgesundheit und Artenvielfalt im Schwinden begriffen seien (ebd.). Auch europaweit zeigt sich die Öffentlichkeit über die nicht zufriedenstellende Gesundheit der Wälder sowie den Artenverlust besorgt und befürwortet in hohem Maß politische Maßnahmen zum Schutz der Wälder, die als natürliches Erbe gesehen werden (Rametsteiner und Kraxner 2003). Wald-, Umwelt- und Naturschutzthemen haben für die Öffentlichkeit europaweit gegenüber der wirtschaftlichen Funktion mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Der Schutz der natürlichen Umwelt und Artenvielfalt sowie der Schutz vor Naturgefahren sind die am breitesten wahrgenommenen und meistgeschätzten Rollen, die Wäldern zugeschrieben werden. In allen Staaten (mit Ausnahme Österreichs) nimmt eine Mehrheit an, dass die Waldfläche in den letzten Dekaden geringer wurde, teils dramatisch. Vor allem junge Europäer (zwischen 15 und 25 Jahren) sind dieser Meinung. Das ist bemerkenswert, da die Waldfläche faktisch in allen Ländern (mit Ausnahme der Russischen Föderation) zugenommen hat.

Öffentliche Güter und Waldeigentum Ohne Zweifel erfreuen sich viele der „Waldfunktionen“ hoher gesellschaftlicher Wertschätzung. Die gesellschaftlichen Interessen am Wald sind mannigfaltig und können nicht immer konfliktfrei erfüllt

werden. Die „Erholungsfunktion“ des Waldes beispielsweise umfasst die unterschiedlichsten Interessen (der Wanderer, Reiter, Radfahrer u. a. m.), die häufig weder miteinander noch mit Interessen von Waldeigentümern harmonieren. Auch Interessen des Naturschutzes sind mit jenen von Erholungsuchenden, Tourismus und Waldbewirtschaftern nicht ohne Weiteres und kostenlos unter einen Hut zu bringen.

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us ökonomischer Sicht sind zunächst „private Güter“ und „öffentliche Güter“ zu unterscheiden, die durch Wald und Waldbewirtschaftung bereitgestellt werden können (neben sogenannten Gemeingütern und Clubgütern). Güter, die auf Märkten gehandelt werden können, sind private Güter (z. B. Rohholz). Eigentümer haben die Möglichkeit, anderen die Nutzung des Gutes zu verwehren (Ausschließbarkeit). Die Höhe des Preises wird von der Knappheit des Gutes, von Angebot und Nachfrage bestimmt (Konsumrivalität). Bei der Nutzung vieler Schutz-, Lebensraumund Regulationsfunktionen (z. B. Klima- und Wasserhaushalt) sind die Kriterien der Ausschließbarkeit und Konsumrivalität oft nicht erfüllt oder nur theoretisch mit übermäßigem Aufwand zu erfüllen. Sie sind „öffentliche Güter“, die nicht verkauft werden können und daher nicht selbstverständlich von Privaten bereitgestellt werden. Klimaschutz, Schutz vor Naturgefahren und Erholung im Wald sind Beispiele dafür. Teils fallen sie als Koppelprodukte geregelter Waldbewirtschaftung an. Man spricht von „positiven externen Effekten“. So dienen Wege, die für die Be-

Brigitte Pamperl: „grünblick 1“ aus der Serie „grünblick 1–4“, 2010; Fotomontage, Pigmentdruck auf Bütte; 30 x 40 cm


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ausblicke 1|11 Alleskönner Wald

wirtschaftung von Wäldern unterhalten werden, auch Erholungsuchenden – und zwar aufgrund des normierten Rechts für jedermann, den Wald für Erholungszwecke zu betreten. Dieses Beispiel zeigt auch, dass Nichtrivalität und vor allem Nichtausschließbarkeit nicht notwendigerweise „natürliche“ Eigenschaften des einen oder anderen öffentlichen Gutes sind. Sie werden ihm vielmehr auch durch die Verteilung von Verfügungsrechten zugeschrieben. Wird unterstellt, dass der Bedarf an öffentlichen Gütern nicht vernachlässigt werden darf, kann der Staat regulierend eingreifen. Er kann öffentliche Güter selbst bereitstellen, beispielsweise durch die Schaffung von Nationalparks auf eigener Fläche. Er kann versuchen, das Angebot durch finanzielle Anreize (Förderungen) zu erhöhen, vor allem wenn die Anzahl der Nutznießer sehr groß ist. Und er kann entweder die Waldeigentümer durch Gebote und Verbote oder die Nutznießer durch Zahlungen zwingen, zur Bereitstellung beizutragen. Diese drei Strategien haben in der Waldpolitik eine lange Tradition.

Sozialpflichtigkeit des Waldeigentums

orientierten Waldnutzung zu einer, die sich an Naturvermögen und Naturproduktivität ausrichtet (Oesten und Roeder 2008). Besonders deutlich wird die Gemeinwohlorientierung beispielsweise in § 104 des Forstgesetzes mit der Verpflichtung der Waldeigentümer, ab einer bestimmten Besitzgröße zur „Sicherung des öffentlichen Interesses an der Walderhaltung und der Einhaltung der Bestimmungen dieses Bundesgesetzes“ fachlich ausgebildetes Forstpersonal anzustellen. In dem Maß, in dem sich die Konkretisierung des Gemeinwohls durch Gesetzgebung und Verwaltungsakte ändert, ändert sich auch der Inhalt des Eigentums. Er ist ständiger Neudefinition unterworfen. „Man kann sich das Eigentumsrecht als Blumenstrauß vorstellen, in dem jede einzelne Blume ein Nutzungsrecht bedeutet: Eine Blume ist das Jagdrecht, eine andere, Radfahrer vom Betreten des Waldes auszuschließen, eine dritte, Forststraßen zu bauen, eine weitere, Reinbestände zu begründen, usw. Wir wissen, daß gerade im Fall des Waldeigentums der ursprüngliche Blumenstrauß im Laufe der Zeit arg zerzaust worden ist.“ (Glück 1995) Was privat und was öffentlich sein sollte, lässt sich nicht „objektiv“ definieren. In der Auseinandersetzung um öffentliche Güter geht es in erster Linie um normative Entscheidungen über die gesamtgesellschaftlich möglichst optimale Nutzung von Ressourcen und um die Frage, wer allenfalls anfallende Kosten der Bereitstellung von öffentlichen Gütern zu tragen hat: Waldeigentümer, bestimmte Nutznießer oder die Gesellschaft. Die Ausgestaltung von Eigentumsrechten durch Gesetzgeber ist eine Frage der Durchsetzungsfähigkeit konkurrierender Interessen.

Im Lauf der Jahrhunderte wurden die Verfügungsrechte von Waldeigentümern durch eine Fülle einfacher Gesetze im Interesse des Gemeinwohls eingeschränkt. Dazu gehören nicht nur das Forstgesetz mit dem Rodungsverbot, dem Waldbetretungsrecht, der Wiederbewaldungspflicht und einer ganzen Reihe weiterer Gebote, Verbote, Duldungs- und Unterlassungspflichten, sondern auch Bestimmungen des Bodenrechts, Raumordnungsrechts, Wasserrechts, Natur- und Landschaftsschutzrechts, Umweltschutzrechts, Jagdrechts u. a. m. Der Bund, die Länder, die Europäische Union und eine Reihe völkerrechtlich Angebote oder Sozialpflichtigkeit verbindlicher Vereinbarungen nehmen direkt oder in- Es kann mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die gesellschaftlichen Andirekt Einfluss auf Verfügungsrechte. sprüche und damit die Nachfrage nach Wirkungen des Waldes und Leistungen der Forstwirtschaft jenatsächlich hat die Auseinandersetzung um gemein- seits der Holzproduktion weiter zunehmen werden. wohlorientiertes Wirtschaften in der Forstwirtschaft Getragen von öffentlicher Unterstützung dürften eine lange Tradition. Die Ursprünge des Begriffs diese Forderungen auch entsprechendes politisches „Nachhaltigkeit“ sind im merkantilistischen Streben Gewicht erhalten. Dabei ist offen, wie weit Waldnach gemeinnütziger Waldnutzung zu finden. Das eigentümer und Forstleute in jenen Teilbereichen, die Prinzip forstlicher Nachhaltigkeit wurde angesichts Marktchancen bieten, mit attraktiven Angeboten und drohender Holzverknappung geboren und markiert Vermarktungsstrategien antworten können. Andernden Übergang von einer am unmittelbaren Bedarf falls bleibt das Ringen gegen staatliche Interventio-

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Benni Altmüller: „Fragmentierte Bäume“, 2010; Buchenholz, Dimensionen variabel

nen, die allenfalls mit Beschränkungen des Waldeigentums verbunden sind (Glück 1993). Für Österreich liegen weder zum gesellschaftlichen Wert der vielfältigen Waldwirkungen noch zur ökonomischen Belastung durch die Sozialpflichtigkeit des Waldeigentums umfassende Studien vor. Klar scheint allerdings, dass die gesellschaftliche Wertschätzung der Waldwirkungen hoch ist, während in branchenweiter Betrachtung der Ertragsanteil aus Wald-Umweltdienstleistungen und Erträge aus Erholungsleistungen weiter ausbaufähig scheinen. Für spezialisierte Forstbetriebe sind sie schon heute von wesentlicher Bedeutung (Rametsteiner und Kubeczko 2003, Rametsteiner et al. 2005). Vermarktungsmöglichkeiten und Finanzierungsmechanismen für forstliche Dienstleistungen werden seit Langem diskutiert. Sie reichen von bekannten Ansätzen (z. B. Waldpädagogik, Vertragsnaturschutz und Ökosponsoring) bis zu innovativen Finanzierungsformen wie dem Handel mit Naturwerten (Finnland) und Naturschutz-Banken (Frankreich) (vgl. Mavsar et al. 2008). Auch lokal können öffentliche Güter vermarktet werden, wenn zusätzlich zum „Kernnutzen“ (z. B. Wandern im Wald) „Zusatznutzen“ geschaffen werden (z. B. Lagerplätze, geführte Wildbeobachtungen, touristische Infrastruktur) (Mantau et al. 2001). Die Erhaltung eines seltenen Biotops oder eines attraktiven Waldbildes kann auch für eine kleine Gruppe von Nutznießern so bedeutend sein, dass sie von sich aus bereit ist, den Preis für die Erhaltung zu bezahlen. Das können im Einzelfall Hoteliers einer Fremdenverkehrsgemeinde sein, aber genauso Naturschutz-Treuhandvereine oder Gruppen Ortsansässiger. Als Zahler kommt natürlich auch die öffentliche Hand in Frage, wie das im Vertragsnaturschutz meist der Fall ist. Der Erfolg vieler Vermarktungsstrategien hängt entscheidend vom Zugang zu Informationen über Marktmöglichkeiten, der notwendigen Expertise und den zur Umsetzung erforderlichen Ressourcen ab, vor allem bei so klein strukturierten Waldeigentumsverhältnissen wie in Österreich. Gerade für den Kleinwaldbesitz sind Kooperationen und Anstoßfinanzierungen wesentlich. Forstlichen Interessenverbänden, Waldwirtschaftsverbänden, aber auch staatlichen Stellen fällt die zentrale und wertvolle Rolle der Vermittler und Impulsgeber zu. |||

Literatur • Glück, P.: „Forstliche Dienstleistungen: Angebote statt Anrechte“, in: ÖFZ 4/1993, S. 50–51. • Glück, P.: „Naturschutz durch Marktanreize“, in: ÖFZ 6/1995, S. 19–22. • Hogl, K., Pregernig, M. und G. Weiss: „What is New about New Forest Owners? A Typology of Private Forest Ownership in Austria“, in: Small-scale Forest Economics. Management and Policy, Vol. 4, No. 3 (2005), S. 325–342. • Mantau, U., Merlo, M., Sekot, W. und B. Welcker: Recreational and Environmental Markets for Forest Enterprises, Wallingford 2001. • Mavsar, R., Ramcilovic, S., Palahi, M., Weiss, G., Rametsteiner, E., Tykkä, S., Apeldoorn, R. v., Vreke, J., Wijk, M. v. und G. Janse: Study on the Development and Marketing of Non-Market Forest Products and Services, Brüssel 2008. • Oesten, G. und A. Roeder: Management von Forstbetrieben, Band I: Grundlagen, Betriebspolitik, 2., überarbeitete Auflage, Verlag Dr. Kessel 2008. • Rametsteiner, E.: Die Österreicher und ihr Wald. Schriftenreihe des Instituts für Soziökonomik der Forst- und Holzwirtschaft, Band 34, Universität für Bodenkultur Wien 2000. • Rametsteiner, E. und F. Kraxner: „What do Europeans Think about Forests and Sustainable Forest Management?“ In: Liaison Unit Vienna: Ministerial Conference on the Protection of Forests in Europe, Wien 2003. • Rametsteiner, E. und K. Kubeczko: Innovation und Unternehmertum in der österreichischen Forstwirtschaft – die aktuelle Situation. Schriftenreihe des Institutes für Sozioökonomik der Forst- und Holzwirtschaft, Band 49, Universität für Bodenkultur Wien 2003. • Rametsteiner, E., Weiss, G. und K. Kubeczko: Innovation and Entrepreneurship in Forestry in Central Europe. European Forest Institute Research Reports, 19, Brill Academic Publishers, Biggleswade/ Bedfordshire 2005. • Statistik Austria: Agrarstrukturerhebung 2007, Schnellbericht, Wien 2008. • Suda, M.: „Wald – Objekt der Begierde“, in: AFZ – Der Wald 17/2003, S. 879–881. Karl Hogl, Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik, Universität für Bodenkultur Wien


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Lebensraum Wald – vielfältig, aber unter Druck Unsere Wälder sind durch ihren Abwechslungsreichtum ein Zentrum der Artenvielfalt, für deren Erhalt und Schutz wir nachfolgenden Generationen gegenüber große Verantwortung tragen. Auf dem Wald liegt aber auch ein hoher Nutzungsdruck, der von der Holzgewinnung bis zum Tourismus reicht. Gábor Wichmann

Nahezu die Hälfte Österreichs ist mit Wald bedeckt. Zu etwa 75 % werden diese Waldflächen als intensives Kulturland bewirtschaftet. Der Rest besteht aus noch relativ naturnahen Wäldern, die sich hauptsächlich in schwer zugänglichen Bereichen der Alpen befinden und für die forstwirtschaftliche Nutzung weitgehend uninteressant sind. Naturschutzrechtlich geschützt und damit ebenfalls der forstlichen Nutzung entzogen ist weniger als 1 % der österreichischen Waldflächen, das vorwiegend Kernzonen von National- und Biosphärenparks umfasst. Trotz der menschlichen Beeinflussung auf einem Großteil der Flächen zeigt der Lebensraum Wald noch eine unglaubliche Artenvielfalt, die sich auf eine große Anzahl unterschiedlicher Waldgesellschaften zurückführen lässt. Der österreichische Wald bietet

13.000 Arten Lebensraum. Dieser Reichtum ist aber bedroht. Von 93 Waldbiotoptypen sind 57% gefährdet. Fast die Hälfte der Waldvogelarten wird in der Roten Liste Österreichs geführt, und etwa 70% aller gefährdeten Käferarten in Österreich sind Holzbewohner.

Verstehen wir den Wald richtig? Sowohl Naturschutz als auch Forstwirtschaft beschäftigen sich schon seit Jahrhunderten mit dem Wald, doch die waldökologischen, wissenschaftlichen Grundlagen haben sich in den letzten Jahren gewaltig geändert. Bisher wurde ein statisches Waldbild, das vorwiegend Forstwirte, aber auch noch so manche Naturschützer bemühen, propagiert. Schließlich wäre ein stabiler Wald, also ein ökologisches Gleichgewicht, in dem nicht etwa dynamische Pro-


Wald und Umwelt ausblicke 1|11

zesse ein fortlaufendes Ungleichgewicht erzeugen, aus ökonomischer Sicht Wunsch. Nur ist dies de facto eine naturferne Vorstellung. Störungen wie Windwürfe, Feuer oder Insektenkalamitäten sind ökologisch betrachtet wichtige natürliche Faktoren und ein Ausdruck intakter Waldökosysteme. Lichtbedürftige Laubbäume wie Eichen verdanken etwa dem Feuer ihre Konkurrenzfähigkeit, Katastrophenarten wie das Birkhuhn oder der Neuntöter besiedeln Sturmwürfe. Störungsereignisse sind die Triebfeder der Evolution. Daher wurden dem statischen Waldkonzept nun dynamische Konzepte entgegengestellt.

Naturnähe heißt nicht Artenvielfalt Der österreichische Wald ist in seiner Gesamtheit vielfältig, aber dies bedeutet nicht, dass auch jeder Standort vielfältig sein muss. Bis heute herrscht die weitverbreitete Meinung, dass Artenvielfalt ein Kriterium für Naturnähe ist. Diese ist aber abhängig von der Ausprägung der Waldgesellschaft und damit eine Frage des Klimas und des Standorts. So sind produktivere Standorte zumeist schon natürlicherweise artenärmer, da einzelne Arten dominieren (z.B. Buchenwald). Das Aussehen der Pflanzendecke ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses, der neben den oben genannten Kriterien auch vom Samenpotenzial und vom Zufall bestimmt wird. Baumarten mit kleinen, leichten Samen können öfter fruktifizieren und sich schneller weiterverbreiten als Arten mit schweren, großen Samen. Auch im Lauf der Alterung des Waldes ändert sich die Artenvielfalt. Der Übergang vom Pionierwald zum Klimaxstadium weist die höchste floristische Diversität auf. Dagegen ist das Klimaxstadium das artenärmste im Hinblick auf Pflanzen- wie Tierreichtum. Die Zerfallsphase wiederum – die es im Wirtschaftswald nicht gibt – zeigt eine hohe Vielfalt von Tierarten.

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Nutzung der Schutzwälder in höheren Lagen mit ihrem hohen Naturwert wird zusehends durch den Ausbau des Forststraßensystems erleichtert. Dem österreichischen Wald fehlt es vor allem im Tiefland an alten totholzreichen Wäldern. Dabei sind mehr als ein Drittel unserer 13.000 waldbewohnenden Arten an Totholz gebunden. Besonders entscheidend ist die Zunahme des Totholzes, vor allem von stark dimensioniertem Totholz bei steigendem Alter. Mit dem Altern der Bestände verändern sich die Waldstrukturen grundlegend. Für viele gefährdete Arten weisen spätere Entwicklungsphasen wichtige und zum Teil essenzielle Strukturen auf, die in jüngeren Jahren noch fehlen. Schichtung und Kronendachausformung der Wälder ändern sich im Laufe des Alterns der Bestände, strukturelle Eigenschaften der Bäume wie Borken oder Kronenausprägung werden vielfältiger. So kennen wir den Mittelspecht in Österreich als typischen Eichenwaldbewohner, doch ist er genauso in alten Buchenwäldern heimisch. Er taucht hier aber erst auf zumindest 200 Jahre alten Bäumen auf, da die Rinde erst ab diesem Alter die nötige Rauigkeit zur Nahrungssuche aufweist – ein Alter, das Wirtschaftswälder nicht erreichen.

Wie können wir die Vielfalt schützen?

Wir müssen sowohl segregativen als auch integrativen Naturschutz betreiben. Also einerseits unbelassene Naturwälder fördern und andererseits im Wirtschaftswald ökonomische Anforderungen mit den Anliegen des Naturschutzes unter einen Hut bringen. Was Ersteres betrifft, benötigen wir weit größere Flächen unbeeinflusster Waldökosysteme, die das gesamte Spektrum von Erscheinungsformen beinhalten. Experten sprechen von 5 –15 % der österreichischen Waldfläche. Mit 1 % liegt das Land da noch weit darunter. Aber auch was die integrativen Konzepte betrifft, ist noch ein langer Weg zurückzulegen. Denn Nachhaltigkeit im Sinn der Forstwirtschaft entspricht nicht der Nachhaltigkeit, welche unbedingt die BeVielfalt braucht Lebensraum dürfnisse der schützenswerten Arten im Naturschutz Unbeeinflusste und dadurch noch weitgehend natür- widerspiegelt. Eine Annäherung der beiden Positioliche Bereiche finden wir in unzugänglichen Berei- nen ist aber erforderlich, um nachfolgenden Generachen der Gebirge. Im Tiefland dagegen wurden und tionen die Vielfalt im Wald zu erhalten. ||| werden Buchen- und Eichenwälder am intensivsten bewirtschaftet. Die dort lebenden Arten sind dement- Gábor Wichmann, BirdLife Österreich, stellvertretender sprechend am stärksten gefährdet. Aber auch die Geschäftsführer, Bereich Naturschutz

Literatur • Johannes Frühauf: „Rote Liste der Brutvögel (Aves) Österreichs“, in: Klaus Peter Zulka (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere Österreichs, Teil 1, BMLFUW, Grüne Reihe 14/1, Böhlau Verlag, Wien 2005, S. 63–165. • Wolfgang Scherzinger: Naturschutz im Wald. Qualitätsziele einer dynamischen Waldentwicklung, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1996. • Umweltbundesamt: Neunter Umweltkontrollbericht. Umweltsituation in Österreich, Reports, Bd. REP-0286, Umweltbundesamt, Wien 2010.


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Wie gut oder schlecht ist Verwaldung? Verwaldung bedeutet das Zuwachsen von Landschaften durch Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung. Das geht für viele Gebiete mit einem immensen Verlust von landschaftlicher und biologischer Vielfalt und letztlich von Lebensqualität einher. Dass der Verlust von wirtschaftlich und ökologisch wertvollem Offenland praktisch irreversibel ist, wird erst dann auffallen, wenn es wieder gebraucht wird. Wolfgang Holzner

Die heutige hohe Wertschätzung von Wald beruht unter anderem auf der überholten Vorstellung, dass die Urnatur größtenteils Wald war, der vom Menschen dezimiert wurde. Über viele Jahrhunderte waren viele Gebiete tatsächlich mehr oder weniger waldfrei. Seit etwa drei Jahrzehnten nimmt Wald als Folge von Brachfallen landwirtschaftlicher Nutzflächen stark zu. Zunächst sah man diese Entwicklung positiv und sprach von „Wiederbewaldung“. Es kann allerdings Jahrhunderte dauern, bis eine nicht mehr genutzte Wiese oder Weide zu Wald wird – das Tempo dieser Entwicklung hängt von der jeweiligen Situation ab. Viel, viel rascher geht es hingegen, wenn aufgeforstet wird. Daher spricht man heute öfter von „Verwaldung“ als von „Wiederbewaldung“. Nach der Eiszeit konnten viele Gebiete gar nicht mehr geschlossen durch Bäume wiederbesiedelt werden, weil Herden wilder Pflanzenfresser dafür sorgten, dass die Landschaft teilweise offen blieb. Es gab also von Natur aus Weideland. Wiesen und Weiden sind Lebensraum für mindestens ein Fünftel der wilden Pflanzen- und Tierarten Österreichs. Von diesen sind sehr viele hochgradig gefährdet, da in Österreich in

den letzten 30 Jahren 200.000 – 300.000 ha Extensivgrünland durch Verwaldung verschwunden sind (Schätzung: Bogner, Umweltbüro Klagenfurt) – vor allem schwer zu bewirtschaftende oder ertragsschwache Wiesen und Weiden: Magerrasen, Magerwiesen, Trockenrasen, Sümpfe, Flachmoore und Almen. Das wirkt sich natürlich auf die Vielfalt von Lebensräumen, auf die Biodiversität und die Landschaft negativ aus. Nicht weniger klar ist, was das für die in der Tourismuswerbung beliebten bunten Blumenwiesen bedeutet. Manche Landschaften könnten ruhig mehr Wald vertragen. Wenn aber am Jauerling die letzten Blumenwiesen durch Christbaumkulturen ersetzt werden, ist das für eine Landschaft, welche ohnehin schon größtenteils aufgeforstet ist, ein sehr schwerer Verlust. Wenn Gemeinden im Mühlviertel inzwischen über 50% Waldanteil haben, Tendenz steigend, wenn Alpentäler von oben herab immer mehr zuwachsen, bedeutet das nicht nur einen Verlust an Biodiversität und landschaftlicher Vielfalt, es bedeutet, dass das Gebiet für Menschen unwirtlich wird. Was tun? Das Schicksal der Wiesen und Weiden hängt von dem der Bauern ab und ist dadurch unter anderem auf komplexe Weise mit Agrarpolitik, Weltmarkt, aber auch dem Konsumverhalten der Bevölkerung verknüpft. Es ist daher wichtig, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für dieses Problem zu fördern. |||

Wolfgang Holzner, emeritierter Professor am Institut für Integrative Naturschutzforschung der Universität für Bodenkultur Wien


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Die Verwendung von Holz und Biomasse aus nachhaltiger Waldwirtschaft zur Substitution fossiler Energiequellen leistet einen signifikanten Beitrag zur Minderung des Klimawandels. Michael Keller

Der österreichische Wald und das Klima Der Wald spielt im Klimasystem eine wichtige Rolle. Wälder können große Mengen von CO2 speichern und fungieren damit als Senke für Treibhausgase. Während in Österreich die Waldfläche immer noch zunimmt und der Zuwachs stets über den Erntemengen liegt, wird in einigen Regionen der Erde regelrecht Raubbau an Wäldern betrieben. Derzeit entstehen rund 20 % der weltweiten Treibhausgasemissionen aus solchen Entwaldungen. Dieser Umstand veranschaulicht eindrucksvoll, wie wichtig eine nachhaltige Forstwirtschaft, wie sie in Österreich Tradition hat, auch für den Klimaschutz ist. Der Zuwachs im österreichischen Wald ist den Daten der österreichischen Waldinventur zufolge seit Jahrzehnten fast konstant. Zwar sind die Holzeinschläge in den letzten Jahren, zum Teil auch bedingt durch Extremwetterereignisse, deutlich gestiegen, es wird jedoch noch immer wesentlich weniger genutzt als nachwächst. Primäres Ziel muss die Reduktion fossiler Energieträger sein. Österreich hat sich im Rahmen des Klima- und Energiepakets zu einem sehr ambitionierten Ziel von 34 % erneuerbarer Energie bekannt. In diesem Zusammenhang spielt der verstärkte Einsatz von Waldbiomasse eine bedeutende Rolle. Um das vorhandene Potenzial nachhaltig nutzen zu können, wurde vom BFW in Zusammenarbeit mit der BOKU eine umfassende „Holz- und Biomassenaufkommens-

studie“ (BFW, 2008) erarbeitet. Laut dieser Studie kann die Nutzung noch deutlich gesteigert werden. Die in der EU noch zu verhandelnden Anrechnungsregelungen für Emissionen aus dem Landnutzungssektor nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 sind für Österreich daher vor allem im Hinblick auf die verstärkte Nutzung von Holzbiomasse von großer Bedeutung. Weder kann eine Kohlenstoffmaximierung im Wald Ziel der Forstpolitik sein, da seine Multifunktionalität nicht in Frage gestellt werden darf, noch dürfen Länder wie Österreich, die traditionell nachhaltig wirtschaften, nunmehr für die globale Entwaldung bestraft werden. Klimaänderungen betreffen auch den Wald selbst. Der Wald ist in Österreich das artenreichste Ökosystem. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass rund 50% der gemeldeten Natura-2000-Gebiete Wald sind. Wälder können sich nicht rasch an Klimaänderungen anpassen. Daher ist es notwendig, natürliche Selbstregulierungsmechanismen zu fördern. Eine naturnahe Verjüngung hin zu heterogenen Waldstrukturen sowie eine Förderung der genetischen Diversität und der Strukturvielfalt können einen Beitrag zur Selbstanpassungsfähigkeit der Wälder leisten. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes und die Erhaltung seiner multifunktionalen Leistungen müssen oberstes Ziel österreichischer Forstpolitik bleiben. |||

Literatur • Österreichische Waldinventur 2007/2009. • Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft: Holz- und Biomassenaufkommensstudie für Österreich, Endbericht, Wien 2008.

Michael Keller, BMLFUW, Forstliche Raumplanung, Landschaftsentwicklung und Waldschutz


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ausblicke 1|11 Wald und Umwelt

Waldumweltmaßnahmen und ihre Umsetzung in Österreich Seit 2007 steht für das Management österreichischer Wälder erstmals ein umfangreiches Naturschutz-Förderprogramm zur Verfügung. Werden die damit gebotenen Chancen in Österreich ausreichend genützt? Günter Jaritz Mit rund 41.000 km2 oder 47 % der österreichischen Staatsfläche ist der Wald der bestimmende Faktor der österreichischen Kultur- und Naturlandschaft. In den ca. 1300 naturschutzrechtlich geschützten Gebieten Österreichs nimmt der Wald mit seinen vielfältigen wertbestimmenden Waldgesellschaften und -strukturen sowie als Lebensraum seltener und gefährdeter Arten eine wichtige Rolle ein. Ein wesentlicher Teil der Natura-2000-Gebiete Österreichs ist von Wald geprägt und erfordert damit auf Waldlebensräume und -arten abgestimmte Strategien und Maßnahmen zur Sicherstellung des günstigen Erhaltungszustandes. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der beiden EU-Naturschutzrichtlinien, der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie) sowie der Vogelschutzrichtlinie, sind an Waldlebensräume gebunden. Österreichs Wälder weisen 25 der laut Anhang I der FFH-Richtlinie 74 in Österreich vorkommenden Lebensraumtypen auf; immerhin 10 Lebensraumtypen sind auf dem Gebiet der Europäischen Union vom Verschwinden bedroht. Zahlreiche im Anhang II der FFHRichtlinie sowie in der Vogelschutzrichtlinie angeführte Arten nutzen den Wald als Lebensraum oder für die Nahrungssuche. Die beiden EU-Rechtsnormen für den Naturschutz sowie unterschiedliche nationale und interna-

tionale Abkommen und Konventionen haben den Schutz von Wäldern zum Ziel. Für Österreich ist dies vor allem die Alpenkonvention mit dem Bergwaldprotokoll, das 2002 in Kraft getreten ist. Dieses verpflichtet die Vertragsparteien u. a. zu Maßnahmen, welche die biologische Vielfalt, das Naturerlebnis und die Erholungsfunktion des Bergwaldes sicherstellen.

Handlungsbedarf in Österreichs Wäldern Die positiven Ergebnisse der Waldinventur wie der Vorratszuwachs an stehendem Totholz sowie der stetige Zuwachs der Waldfläche in Österreich sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinsichtlich des ökologischen Zustandes der österreichischen Wälder nicht nur in naturschutzrechtlich geschützten Gebieten Handlungsbedarf besteht. Der bundesweit hohe Anteil des Wirtschaftswaldes mit über 74% sowie die Altersklassenverteilung im Wirtschaftswald mit der Dominanz junger Bestände verdeutlicht den Handlungsbedarf in Richtung einer ökologischen integrativen Waldbewirtschaftung. Beispielsweise sind über 58 % aller Bäume in Österreichs Wirtschaftswäldern jünger als 60 Jahre (Quelle: Waldinventur 2000/2002 bzw. 2007/2009). Auch beim Totholzanteil kommt es nicht nur auf absolute Werte, sondern auch auf ökologisch-funktionale Aspekte an.


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Im Lungau ist die Wiederherstellung traditioneller Lärchwiesen- und Lärchweidewälder durch gezielte Durchforstung und Auflichtung ein regionaler Maßnahmenschwerpunkt.

Chancen des Programms „Ländliche Entwicklung“ Bundesweit wurden bis 2007 im Naturschutzbereich mit Ausnahme einiger länderspezifischer Naturwaldreservate-Programme und einzelner Vertragsnaturschutzmaßnahmen kaum Aktivitäten im Wald gesetzt. Vor allem für das Flächenmanagement der Waldlebensräume und deren Arten in Schutzgebieten fehlten geeignete zielgerichtete Instrumente. Gerade die oben beschriebenen vielfältigen Funktionen des Waldes, seine Bedeutung für den Naturschutz sowie die rechtlichen und fachlichen Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene erfordern aber zielgerichtete Maßnahmen für das Management von Waldlebensräumen. Mit dem Programm „Ländliche Entwicklung“ steht nun bis 2013 allen Bundesländern erstmals ein umfangreiches Förderprogramm für das Management von Waldlebensräumen und -arten zur Verfügung. Leider nutzen bislang nur einige Bundesländer, allen voran Tirol, Salzburg und ab 2011 auch Kärnten diese umfangreichen Möglichkeiten. Im Burgenland, in Oberösterreich, der Steiermark und in Niederösterreich werden nur einzelne Förderungen des Maßnahmenprogramms angeboten. In Österreich erfolgt die Umsetzung von naturschutzbezogenen Förderungen im Wald länderspezifisch über unterschiedliche Maßnahmen, in erster Linie jedoch über die Maßnahme „Wiederaufbau des forstwirtschaftlichen Potenzials und Einführung vorbeugender Aktionen“ (M 226) laut Art. 48 der (EG) VO 1698/2005. Die Erfahrungen in Tirol und Salzburg zeigten, dass für die Erhaltung und Verbesserung des Erhaltungszustandes von Waldlebensräumen und -arten primär individuell gestaltbare, projektbezogene Naturschutzförderungen in Kombination mit einer einzelbetrieblichen Beratung den gewünschten Erfolg bringen. Doch mithilfe der auf EU-Ebene für die naturschutzorientierte Bewirtschaftung von Wäldern konzipierten Flächenzahlungen der Maßnahmen „Zahlungen im Rahmen von Natura 2000“ (M 224) und „Zahlungen für Waldumweltmaßnahmen“ (M 225) können individuelle projektbezogene Aktionen für „proaktive“ Maßnahmen nicht abgedeckt werden. Das Maßnahmenangebot der Flächenzahlungen ermöglicht in erster Linie die Erhaltung des Istzustands vorhandener Strukturen und Lebensräume (Erhaltungsprämien).

Die Erstellung von Managementplänen, Betriebsberatungen sowie Grundlagenerhebungen sowie begleitende bewusstseinsbildende Aktionen werden in Österreich über die Maßnahmen „Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Erbes – Naturschutz“ (M 323 a) kofinanziert. Die Bundesländer Tirol und Salzburg haben gemeinsam ein 14 Einzelmaßnahmen umfassendes Förderprogramm entwickelt. Auswahl der Maßnahmenflächen und Festlegung der Pflegemaßnahmen erfolgen individuell für Einzelflächen oder auf betrieblicher Ebene („Naturschutzplan Wald“). Neben der Gewährung von Erhaltungsprämien für wertvolle Waldstrukturen und -bestände (Totholz, Spechtbäume, Altholzinseln etc.) werden auch aktive Maßnahmen zur Wiederherstellung und Entwicklung von Waldbeständen unterstützt. So können beispielsweise im Rahmen „Waldbaulicher Maßnahmen“ standortfremde Bestände nach ökologischen Gesichtpunkten umgestaltet und der Erhaltungszustand von Waldgesellschaften verbessert werden. Berücksichtigt man den hohen Waldanteil Österreichs von rund 47 % und vergleicht Teilnahmequote und Fördervolumen mit den Naturschutzförderungen im landwirtschaftlichen Bereich, besteht trotz erfolgreicher Umsetzung noch großer Aufholbedarf. |||

Der „Naturschutzplan Wald“ ist keine eigene Fördermaßnahme, sondern stellt ein zusätzliches Beratungsangebot dar. Mithilfe dieses Instruments sollen diverse Einzelmaßnahmen auf den gesamten Betrieb abgestimmt und umgesetzt werden.

Günter Jaritz, Amt der Salzburger Landesregierung, Naturschutzrecht und Förderungswesen


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Der Wald als Lebensraum Wälder sind Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Rund 13.000 Arten sind in Österreichs Wäldern heimisch und nutzen die vielfältigen Bedingungen, die unterschiedliche Waldtypen bieten. Doch auch der Mensch braucht den Wald – und nutzt ihn auf verschiedene Weise. Vier ExpertInnen umreißen die Lebensbedingungen in sowie Nutzungsmöglichkeiten von Wäldern und zeigen Zukunftsperspektiven auf.

Totholz lebt Klaus Michalek, Naturschutzbund Burgenland

Ein gesunder Wald und totes Holz sind kein Widerspruch. Totholz trägt in erheblichem Maß zur biologischen Vielfalt, Naturnähe und Stabilität der Wälder bei. Stehendes und liegendes Totholz bieten vielen Tierund Pflanzenarten Lebensraum und Nahrung. Spechte zimmern Höhlen ins Totholz, welche Fledermäuse, Bilche, Meisen, Hohltauben, Dohlen, Käuze, Bienen, Hummeln und Wespen als Brut- und Wohnraum nutzen. Ungefähr ein Drittel (ca. 4500) der ca. 13.000 Pilz-, Pflanzen- und Tierarten des Waldes sind an Totholz gebunden. Käfer sind mit etwa 1730 Arten die vielfältigste Insektengruppe im Totholz – die Larven des gefährdeten Eremiten oder Juchtenkäfers beispielsweise entwickeln sich in mulmgefüllten Baumhöhlen lichter Bestände. Neben der Lebensgrundlage für unzählige Arten ist Totholz auch wichtig als Erosionsschutz, Regulator des Wasserhaushalts, Kohlenstoffspeicher (Milderung des Klimawandels), Element in der Naturverjüngung und Nährstofflieferant. Im

Sinne des Naturschutzes sollten neben der Ausweisung von Naturwaldreservaten in Wirtschaftswäldern mindestens 5 bis 10 % oder 20 bis 40 Vorratsfestmeter absterbendes und totes Altholz pro Hektar als Biotopholz im Bestand verbleiben. |||

Wald als Lebensraum und Lebensgemeinschaft Christoph Leditznig, Wildnisgebiet Dürrenstein, Schutzgebietsverwaltung

Wälder sind mehr als Holz- und Energielieferanten, sie sind Lebensraum und Lebensgemeinschaft. Anhand von Natur- bzw. Urwäldern, wie sie im Wildnisgebiet Dürrenstein auf einer Fläche von ca. 2500 ha noch zu finden sind, erkennt man, wie komplex das Zusammenwirken zwischen dem Waldboden mit all den darin existierenden Organismen und dem für uns sichtbaren Wald ist. Diese Komplexität mit all ihren Synergien ist auch Fachleuten in vollem Umfang noch nicht bekannt. Bekannt ist jedoch die Bedeutung von Totholz für das Ökosystem Wald. Während in Wirtschaftswäldern

Bäume oft im Alter von 100 –150 Jahren genutzt werden, erreichen die Methusalems des Wildnisgebiets in Ausnahmefällen ein Alter von mehr als 1000 Jahren. Bedenkt man, dass ein Baum nach seinem Absterben noch bis zu 100 Jahre stehen bleiben kann und weitere 200 bis 300 Jahre bis zum völligen Zerfall benötigt, kann man erahnen, welch große Bedeutung jedem einzelnen Baum im System Urwald zukommt. Ein solcher Baum stellt nicht nur während seiner großen Lebensspanne einer Vielzahl von Pilzen, Flechten, Moosen und diversen Tierarten Lebensraum zur Verfügung, auch in der Zeit seiner Verrottung bietet er Wohnstätte, Futterplatz und Nährboden. Man denke nur an die vielen Totholz bewohnenden Insektenarten. Aber auch Spechte, Eulen und Fledermäuse benötigen die abgestorbenen Bäume zum Überleben. Nicht zuletzt verjüngen sich die nächsten Baumgenerationen auf den zerfallenden Baumriesen und nutzen die im Totholz enthaltenen Nährstoffe. |||


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Wald als Erholungsraum Judith Michaeler, Naturfreunde Internationale, Projektleiterin Biodiversität und Umweltbildung

Wälder bedecken ca. 31 % der Landmasse unserer Erde und bilden weltweit die Lebensgrundlage für 1,6 Mrd. Menschen. Die jährliche Wertschöpfung aus Wäldern wird auf etwa 300 Mrd. Dollar geschätzt. Abseits dieser gewaltigen Zahlen stellt der Wald in seinen verschiedenen Erscheinungsformen ein sensibles Ökosystem dar, das aus meist kurzfristigen ökonomischen Gründen massiven Bedrohungen ausgesetzt ist. Als Freizeit- und Erholungsgebiete sind Wälder ebenso erheblichem Druck ausgesetzt wie die darin vorkommenden Tiere und Pflanzen. Erholungsuchenden sollte dennoch der Zugang nicht verwehrt werden, denn gerade das persönliche Erleben der Natur ist eine wesentliche Voraussetzung für das Bewusstsein um Wert und Schutzwürdigkeit der Wälder. Zu ihrer Erhaltung ist die Vermittlung eines respektvollen Um-

gangs mit der Natur wichtig, damit auch kommende Generationen die Möglichkeit haben, die Vielfalt und Schönheit unserer Wälder unmittelbar zu erleben. Das von den Vereinten Nationen ausgerufene „Internationale Jahr der Wälder“ 2011 bringt zusätzliche Gelegenheiten, diese Bewusstseinsbildung zu forcieren. |||

Wald als Lebensraum für Wolf, Bär und Luchs Georg Rauer, Veterinärmedizinische Universität Wien, Forschungsinstitut für Wildtierkunde

Österreichs Wälder sind Lebensraum für Bären, Wölfe, Luchse. Diese Behauptung wird, je nach Einstellung und Lebensumständen der konfrontierten Person, ganz unterschiedlich beurteilt. Großraubtiere werden unter anderem als wichtiges Naturschutzziel, Bedrohung der Wirtschaft, ökologische Bereicherung, illusorische Wunschvorstellung, Beleg für die Intaktheit der Natur oder unnötige Gefahr gesehen. Die wenigen

Exemplare der drei Arten, die sich derzeit innerhalb der Grenzen Österreichs aufhalten, treiben die Diskussion der verschiedenen Standpunkte voran. Diese Diskussion ist Voraussetzung für die Konsensfindung im Umgang mit diesen kontroversiellen Arten. Bieten Österreichs Wälder überhaupt genug Lebensraum für Großraubtiere? Bär, Wolf und Luchs kommen durchaus mit Waldbewirtschaftung und Freizeitnutzung zu Rande. Der von der Jagd hochgehaltene Wildstand macht die Wälder nur attraktiver. Die Sorge, Großraubtiere könnten in der Kulturlandschaft keinen Lebensraum finden, ist also eher Ausdruck der Zurückhaltung, sich auf diese Tiere einzustellen. Behörden und Verbände stehen vor der Aufgabe, den Rahmen für ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben zu schaffen. Angesichts der nach Österreich drängenden Wölfe wird in nächster Zukunft das Wolfsmanagement im Mittelpunkt des Interesses stehen. |||

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Der Wald als Gut der Menschheit

„O Täler weit, o Höhen, O schöner, grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen Andächt’ger Aufenthalt! Da draußen, stets betrogen, Saust die geschäft‘ge Welt, Schlag noch einmal die Bogen Um mich, du grünes Zelt!“

Manfried Welan

Joseph von Eichendorff

Mit diesem Gedicht nahm Joseph von Eichendorff „Abschied“, als er im Oktober 1810 von Lubowitz in Oberschlesien nach Wien zog. 200 Jahre später haben wir schon vor dem „Internationalen Jahr der Wälder“ Abschied von den großen Wäldern der Erde genommen, in Indonesien, in Brasilien und anderswo, auch wenn der Forst im kleinen Österreich Jahr für Jahr größer wird. Wilhelm Heinrich Riehl, Deutschlands Soziologe von Wald und Feld im 19. Jahrhundert, pries in seiner „Naturgeschichte des deutschen Volkes als Grundlage einer deutschen Socialpolitik“ (1851–1869) die großen Wälder als „Heimat“. Sie seien Tempel für die Alten und Turnplätze für die Jungen. Im Gegensatz zur Landwirtschaft waren sie noch nicht so von den neuen Religionen Kapitalismus, Materialismus und Individualismus beherrscht. Sie waren im Großen und Ganzen noch nicht so industrialisiert und kommerzialisiert wie die Landwirtschaft. In diesen Wäldern war nach Riehl noch die Gemeinschaft zu Hause, die Bevölkerung war noch nicht zur atomisierten Gesellschaft verkommen wie in den Städten. Das war Sozialromantik, die vor allem gebildete Menschen gerne lasen. Heute, über 150 Jahre später, ist die Tendenz klar zu erkennen: Die Welt wird immer mehr zur Megastadt, zu einem Netzwerk globalisierter Riesenstädte mit entleerten und industrialisierten Landschaften, von denen einige zonenweise unter Naturschutz stehen. Riehls romantische Soziologie hatte positive und negative Folgen. Das Wort Wald allein wurde zur

Anregung und zur Aufregung. Der deutsche Wald wurde Teil der nationalistischen und später der nationalsozialistischen Ideologie. Andererseits wurde er nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch gesehen gehegt und gepflegt. Das vor wenigen Jahrzehnten geprägte Wort „Waldsterben“ heißt im Französischen und Englischen le bzw. the Waldsterben. Das öffentliche Interesse am Wald und seiner Erhaltung wurde schon im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum in Forstgesetzen so verwirklicht, dass das Eigentum am Wald zum beschränktesten Privatrecht wurde. Durch das Reichsforstgesetz 1852 wurden Walderhaltung und Nachhaltigkeit der große grüne Faden, der das Recht durchzieht. Der Wald wurde, was er in alten Zeiten war: weitgehend unser aller Gut. Wir haben im Gymnasium gelernt, dass Griechen und Römer alle Wälder rund um das Mittelmeer vor allem für den Schiffsbau abgeholzt haben. Heute haben wir von Judäa bis Gibraltar und von Athen bis Genua kahle Gipfel. Sie blicken auf das Mittelmeer herab. Aber sie haben ihre Kronen verloren, die Wälder. Diese Krone der Kultur wird niemals wiederkommen. Der große Verlust an Wald ist zwar weltweit bewusst, aber der UNO ist es bis heute nicht gelungen, den Menschenrechten ähnliche Rechte der Natur festzulegen, geschweige denn durchzusetzen. Der Grundsatz der Nichteinmischung in innere Angele-


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genheiten verhindert zwar auch bei den Menschenrechten weitgehend ihre Durchsetzung. Aber die Weltöffentlichkeit ist hinsichtlich der Menschenrechte wenigstens sensibler und wacher geworden, als dies bei den Rechten der Natur der Fall ist. Die öffentliche Wachsamkeit ist die Wächterin der Rechte der Nachwelt. Das Weltinteresse repräsentiert die langfristigen Interessen aller. Es repräsentiert auch die Rechte der Wälder der Zukunft. Die Wälder rund um das Mittelmeer waren wahrscheinlich Vorbilder für griechische und römische Tempel. Unsere Wälder waren das Vorbild für die gotische Kathedrale. Viele von ihnen sind nur mehr Ruinen, Erinnerungen oder Museen. Die Erderwärmung ist eine Art Fieber der Erde. Manche sprechen daher nicht vom Treibhaus-, sondern vom Fiebereffekt. Das Wachsen der Wüsten charakterisiert das ökologische Erbe des 20. Jahrhun-

derts. „Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten birgt“, schrieb Friedrich Nietzsche vor mehr als einem Jahrhundert. Wenn die Verwüstung im Inneren stattfindet, können die Wälder der Welt nicht überleben. Der große Verlust an Vielfalt des Lebens wird vielleicht weltweit zum Bewusstsein der Verantwortung aller Menschen für die Erde werden. 1913 hat der Lebensphilosoph Ludwig Klages in dem Aufruf „Mensch und Erde“ die Folgen des sogenannten Fortschritts leidenschaftlich diagnostiziert und zur Umkehr gemahnt. 100 Jahre später kann man mit größerer Hoffnung auf die Jugend der Welt vertrauen, für Anmerkung die Zukunft der Erde zu sorgen. |||

Manfried Welan, emeritierter Professor am Institut für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der Universität für Bodenkultur Wien

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Anregungen zu diesem Beitrag verdankt der Autor Simon Schamas Der Traum von der Wildnis. Natur als Imagination, München 1996, und dem Buch Wälder – Ursprung und Spiegel der Kultur von Robert Pogue Harrison, München 1992.


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Österreich als eines der waldreichsten Länder Europas mit beeindruckender landschaftlicher und kultureller Vielfalt ist mit rund 120 Millionen Nächtigungen pro Jahr und den weltweit zweithöchsten Deviseneinnahmen aus diesem Bereich pro Kopf eine der erfolgreichsten Tourismusdestinationen der Erde. Alfred Grieshofer

Spannende Brennpunkte zur kulturtouristischen Nutzung des Waldes finden sich überall – auch wenn sie nicht so berühmt sind wie dieser: Das Kaiser-Jagdstandbild in Ischl ist auch hundert Jahre nach seiner Errichtung noch immer ein vielbesuchter Ort der österreichischen Jagd- und Forstkultur.

Österreichs Waldbewirtschafter setzen Impulse für qualitätvolle Tourismus- und Kulturangebote

Rund 80 % der Menschen, die sich für einen Urlaub in Österreich entscheiden, geben bei Umfragen an, dass „die Landschaft“ ein Kriterium für ihre Entscheidung war. Dies wäre ohne die österreichischen Wälder undenkbar. Eine kurze Auflistung touristisch wertvoller Betriebselemente im Umfeld der Waldbewirtschaftung macht den engen Zusammenhang mit Aufgaben und Projekten der Regionalentwicklung unmittelbar einsichtig. Neben wertvollen Gebäuden (Kirchen, Burgen, Almhütten, Nebengebäuden), Bringungsanlagen und kulturell bedeutenden Landschaftsbereichen (historischen Gärten) bieten durchaus auch regionaltypische Nutzungsformen (Köhlerei, Pecherei, historische Glaserzeugung, Jagdkultur) touristisches Entwicklungspotenzial. Im Bereich Wintertourismus bildet die Verpachtung oder der Eigenbetrieb von Skigebieten, Loipen oder Hütten ein bereits klassisches Segment. Neben breiter eingeführten Nutzungen von Seen und Teichen (Badeplätze, Camping, Mountainbiking, Reitwege, Vermietung von Ferienwohnungen, Verpachtung von Flächen für Events) kann das Sommertourismusangebot vor allem durch spezielle „Regenprogramme“, aber auch durch die Schaffung innovativer Gesundheitsangebote („Wald-Wellness“) bereichert werden. In der Regel ist eine betriebliche und regionale Einzigartigkeit als Alleinstellungsmerkmal (USP) gegeben – ein zentrales Element im Tourismusmarketing. Hinzu kommt das hervorragende Image des österreichischen Waldes. Einer betriebs- und regionalwirtschaftlich relevanten Nutzung forsttouristischer Potenziale auf breiter Basis stehen jedoch einige Schwierigkeiten entgegen: Neben der Klärung von Personal- und Steuerfragen gilt es zunächst, das nötige gegenseitige Vertrauen für eine kundenorientierte, bisher noch unterentwickelte Zusammenarbeit zu schaffen.


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Die Wertschöpfungspotenziale werden in beiden Branchen zu wenig erkannt und (erfolgreiche Trendsetter ausgenommen!) wenig genutzt. Meist fehlt es an konkreten, für die Kunden buchbaren Angeboten. Der potenzielle interessierte Gast findet „den österreichischen Wald“ nicht im Angebot. „Wald“ allein ist noch kein touristisches Produkt. Es bedarf eines Auch bei nicht so berühmten zusätzlichen Angebots, einer Dienstleistung, um den Orten oder Denkmälern lassen Wald in Wert setzen zu können. sich dem Publikum spannende Die durch Lebensministerium und BOKU entZusammenhänge vermitteln. wickelte Arbeitsreihe „Destination Wald“ nimmt sich Hier eine Gruppe vor dem sogenannten Gagarin-Denkmal des Bereichs Forsttourismus gezielt an und versambeim Ischler Rettenbach, melt seit 2007 die Player an einem Tisch. Neben forsteinem seit dem 16. Jahrhunlichen Stakeholdern (Land& Forst Betriebe Österdert bedeutenden Triftbach. reich, Netzwerk Land und touristischen Vorreitern der Branche wie Esterházy, Liechtenstein und dem Waldbetrieb Hebalm) bringen klassische Tourismusakteure (Wirtschaftsressort, Österreich Werbung, Wirtschaftskammer, Urlaub am Bauernhof) über mehrere Jahre ihr Know-how ein. In praxisnahen Workshops werden die TeilnehmerInnen durch ein intensives Arbeitsprogramm begleitet, das zu Innovationen motiviert und dessen Bandbreite von „Potenzialen“ und „Partnerschaften“ bis zu Aufgaben im 3. Workshop Destination WALD in Tirol: Die TeilnehmeBereich „Produktentwicklung und -marketing“ reicht. rInnen am Weg zur „HolzAusgewählte Praxisbeispiele geben Impulse für die knechthütte“ des GastgeberDiskussion in Kleingruppen. Konkrete Handlungshotels „Gasteiger Jagdschlössl“ bei Kitzbühel. empfehlungen und sogenannte Leitprojekte sowie Der Hotelier bietet kleine, das bis dahin erarbeitete neue Standardwerk Handaber feine Abendprogramme buch Forst + Tourismus sollen in der 2012 stattfinin der Hütte sowie Spezialpackages zur Wildbeobachdenden Schlusstagung der Öffentlichkeit vorgestellt tung im hauseigenen Revier. werden. Nähere Informationen: http://forsttourismus.boku.ac.at/

Kulturtourismus im Umfeld des Waldes kann man lernen 3. Workshop Destination WALD: Eine konzentrierte Kleingruppe vor dem Gastgeberhotel „Gasteiger Jagdschlössl“ beim Erarbeiten von Produktvorschlägen für den Forsttourismus.

Neben der Reihe „Destination Wald“ garantiert der gut nachgefragte Zertifikatslehrgang „Forst + Kultur“ Forstleuten und PartnerInnen aus Kultur, Tourismus, Regionalentwicklung etc. eine projektorientierte Weiterbildungsmöglichkeit mit stark touristischer Schlagseite. Der Lehrgang umfasst vier Module (pro Semester eine Arbeitswoche, 120 Lehreinheiten) und läuft heuer an der Forstlichen Ausbildungsstätte Ort

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bei Gmunden zum dritten Mal an. Er bietet AbsolventInnen und Regionen ganz neue Impulse und eine fachlich extrem breit gefächerte Themenpalette. Liegt bei Modul 1 der Schwerpunkt auf Forst-, Agrar- und wirtschaftsgeschichtlichen Zusammenhängen, verschafft Modul 2 einen spannenden Einblick in die Kulturszene (Denkmalpflege, Holzarchitektur und -design, Archäologie im Wald, immaterielles Kulturerbe etc.). Methoden der Wissensvermittlung sowie der Umgang mit Museen, Medien und Recht stehen im Mittelpunkt von Modul 3. Abgerundet wird der Lehrgang durch die Vermittlung fundierten Wissens über das Leader-Programm, Projektmanagement und Tourismus in Modul 4. Exkursionen und praktische Übungen im Gelände bereichern das intensive Programm. Die Erarbeitung eines konkreten (einreichfähigen) Projekts ist Basis der Schlussprüfung. Den AbsolventInnen steht zusätzlich die neue „Personenförderung Forst + Kultur“ für Einzelaktivitäten (wie die Präsentation forstkultureller Standorte und Objekte, die Durchführung von Fachexkursionen etc.) offen. Zentrale Arbeitsunterlage im Lehrgang und für das Themenfeld Forst und Kultur bildet das neue Handbuch Forst + Kultur. Nähere Informationen: www.fastort.at oder www.forstkultur.at

Verstärkte Zusammenarbeit in Sicht Die hier beschriebenen Arbeitsansätze werden in den nächsten Jahren weiterverfolgt. Unter der Voraussetzung, dass die bewährten Regionalentwicklungsinstrumente (Leader) erhalten bleiben, darf davon ausgegangen werden, dass Österreichs WaldbewirtschafterInnen (aller Größenordnungen) in Hinkunft eine noch engagiertere Rolle im Bereich Tourismus und Regionalentwicklung spielen werden. Im Optimalfall sind die hier skizzierten Innovationen eine qualitätvolle Bereicherung: für den Einzelbetrieb, die jeweilige Region und nicht zuletzt für den touristischen Gesamtmarkt. Interessierte sind herzlich willkommen, ihre Ideen einzubringen. |||

Alfred Grieshofer, BMLFUW, Forstliche Raumplanung, Waldschutz und Landschaftsentwicklung


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Mein Schutzwald Mein Wald gehört nicht mir, und trotzdem bin ich mit ihm seit meiner Kindheit verbunden. Daher bauten wir auch unser Haus am Fuße des Predigberges. Als das Unfassbare geschah, und zwei Lawinen fast gleichzeitig abbrachen, hat unser Wald gehalten. Anton Mattle Ich wohne mit meiner Familie im Ortsteil Maas etwas außerhalb von Galtür. Hinter unserem Haus Richtung Süden erstreckt sich eine zum elterlichen Bauernhof gehörende Wiese, bis hin zum Fuß des Berges. Anschließend beginnt mein Wald. Er bedeckt einen Rücken des Predigberges, wobei die Bestockung mit zunehmender Höhe spärlicher wird und in der Kampfzone bei 1900 Meter ü. M. ganz ausläuft. Mein Wald wird im Osten vom Donielas-Tal und im Westen vom Zimalis-Tal begrenzt: beides Tobel, also keine Täler im herkömmlichen Sinn, in denen durch immer wiederkehrende Lawinen keine schutzwirksame Bewaldung aufkommen kann. Mein Wald gehört mir nicht, und trotzdem bin ich mit ihm seit meiner Kindheit verbunden. In seiner Deckung bauten wir Buben ein Baumhaus, rauchten heimlich die erste Zigarette, tranken das erste Bier und kamen den Mädchen erstmals näher. Jahre später ist bei einer Bergtour durch meinen Wald eines meiner Lieblingsfotos entstanden: Daniela und ich knapp unter dem Gipfel des Predigberges. 1991 bauten wir dann am Fuß dieses Berges unser Haus. Teile unseres Hauses befinden sich in der gelben Gefahrenzone, sodass die Mauern und Fenster der Südseite auf eine höhere Belastung bemessen werden mussten. Stattliche Mehrkosten, aber auch beruhigend; besonders an Tagen mit starkem Schneefall wie im Winter 1998/99. Ein massiver Wetterumschwung Anfang Februar brachte immer wieder Niederschlag in die Berge rund um Galtür und führte zu mehrtägigen Straßensperren. Am 23. Februar passierte das Unfassbare. Zwei Lawinen brachen fast zeitgleich vom

Grießkopf tausend Meter oberhalb von Galtür ab und rasten mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 km/h ins Tal. Der waldfreie Sonnberg leistete keinen Widerstand, und so überquerten die Lawinen ungebremst den Vermuntbach und die Talsohle hin zum bis dahin frei vor Naturgefahren geltenden Frühmessgut. Die Schneemassen begruben mehr als 50 Personen. Dank schneller Hilfe konnten zwanzig Menschen gerettet werden. Für 31 Mütter, Väter, Söhne und Töchter kam jede Hilfe zu spät. Sieben Häuser wurden total zerstört; mehr als 20 erheblich beschädigt. Aus dem Gemeindeamt rief ich am Abend Daniela an, die seit Tagen mit unseren drei Kindern und zwanzig Gästen auf sich allein gestellt war, und sprach ihr Mut zu – sie sei ja sicher, wir hätten ja gut gebaut, und hinter unserem Haus sei ja unser Wald. Irgendwann in der Nacht des 23. Februar brachen die Wechten am Predigberg und stürzten in die Tobel links und rechts von unserem Wald und von dort weiter, eine Lawine auslösend, bis ins Tal. Auf ihrem Weg rissen die Lawinen die jungen Fichten aus oder brachen sie in halber Höhe ab, nahmen sie bis in die Wiesen mit und ließen sie liegen, gerade so, als hätte man die Bäume weggeworfen. Unser Wald hat gehalten. Stürmischer Wind und Schneemengen, wie man sie in Galtür noch nie zuvor gemessen hatte, konnten meinem Wald nichts anhaben. Die Bäume haben nicht aufgegeben, sie sind stehen geblieben, und erst gegen Ende des Winters wurde der eine oder andere „Gefallene“ sichtbar. ||| Anton Mattle, Bürgermeister von Galtür


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Den Wald erfühlen Tasten, Spüren, Hören Waldpädagogik ist eine relativ junge Disziplin, wenngleich sie in der allgemeinen Umwelterziehung eine erfolgreiche Vorläuferin hat. Unter Waldpädagogik versteht man die Gesamtheit der Bildungsangebote, die den Wald zum Gegenstand haben oder in ihm stattfinden. „Im Wald vom Wald lernen“ und „Wald mit allen Sinnen erfahren“ sind die zwei häufigsten Zugänge, die mit Waldpädagogik verknüpft werden. Im Mittelpunkt steht neben der Wissensvermittlung die Förderung einer persönlichen Beziehung zur Natur als Grundlage für ein naturverträgliches Verhalten. Heute erkennen wir, dass kopflastige Information zu wenig ist, um ein positives Verhältnis zum Wald, zur Natur und zur Umwelt herzustellen. Eine wirkungsvolle Umwelterziehung kann am besten durch unmittelbares Erleben und eigenes Entdecken erfolgen: Holz wird ertastet, der Waldboden barfuß erfühlt, Vogelstimmen wird gelauscht, Waldkräuter werden gekostet, es wird mit der Lupe unter die Baumrinde geschaut und Baumharz gerochen. Zu den angestrebten Zielen der Waldpädagogik gehört es, die Vernetztheit aller Lebensvorgänge bewusst Wenn eine Gesellschaft einen emotional positiven Zugang zum und erfahrbar zu machen und Verständnis für eine Wald hat, wird sie in der Lage sein, ihn nachhaltig zu schützen. nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Belange Waldpädagogen arbeiten daher seit den 1990er-Jahren daran, des Waldeigentums zu wecken. speziell der Jugend die Bedeutung der Natur und die Funktionen Waldpädagogik wird in Österreich schon seit des Waldes sinnlich erfahrbar zu machen. Elisabeth Johann den frühen 1990er-Jahren praktiziert und erfährt seither – auch dank öffentlicher Förderungen – einen In Österreich bestimmen Forstleute auf knapp der Boom, sowohl was die Zahl der Führungen als auch Hälfte des Staatsgebiets sehr wesentlich das Ge- der ausgebildeten Waldpädagoginnen und Waldschehen. Daher ist es nur verständlich, dass die pädagogen betrifft. So erlebten im Jahr 2009 rund forstliche Arbeit täglich von vielen Menschen wahr- 130.000 Besucher, davon 73 % Kinder unter 14 Jahren, genommen wird. „Schadet die Bewirtschaftung dem in insgesamt 8500 Ausgängen den Wald von seinen Wald, ist sie im Hinblick auf den Umweltschutz über- verschiedensten Seiten. Damit konnte ein großer Beihaupt vertretbar?“ Immer wieder ist man mit solchen trag zur Bewusstseinsbildung für den österreichiÜberlegungen konfrontiert, die letztlich nur eines schen Wald und seine nachhaltige Bewirtschaftung zeigen: Große Teile der Bevölkerung haben eine nur geleistet werden – ein Ziel, das auch im Österreichigeringe Kenntnis des Waldes, seiner nachhaltigen schen Waldprogramm als zentrale Perspektive verBewirtschaftung und der Bedeutung des Holzes. Die ankert ist. ||| Vermittlung von Wissen über den Wald und die Forstwirtschaft ebenso wie Bildung und Erziehung im Elisabeth Johann, Verein Waldpädagogik in Österreich Wald sind daher von besonderer Aktualität.


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Wald, Holz und Leader Der Wald – kein einfaches Revier. Sobald es in der ländlichen Entwicklung um Wald geht, wird es oft kompliziert. Ländliche Entwicklungsprojekte werden von Waldbesitzern oft argwöhnisch registriert und auf mögliche Folgeschäden in der Nutzung und Bewirtschaftung reflektiert, um einen möglichen Angriff auf die Eigeninteressen der uneingeschränkten (Privat-)Nutzungsfähigkeit sofort abwehren zu können. Aber es gibt auch eine positive Kultur im Umgang mit dem Thema Wald im Sinn einer multifunktionalen Waldnutzung. Beispiele dafür sind Kinderferienaktionen der Jägerschaft bzw. direkte Schulpartnerschaften, der Baumkronenweg im Sauwald oder neue Wander- und Reitwege, die gemeinsam mit Waldbesitzern und der Jägerschaft hergestellt werden. Der Nutzen dahinter muss immer eine Verbesserung der Gesamtsituation für alle sein, einseitige Forderungen werden nicht funktionieren. Für die Entwicklung ländlicher Regionen ist es unabdingbar, den Wald in die vorrangigen Strategien und Planungen einzubeziehen. Thomas Müller, Leader-Manager Sauwald

Murauer Biomasseoffensive. Energieautarkie bis 2015 ist das erklärte Ziel des Bezirks Murau. Wir Murauer haben nämlich längst erkannt, dass die Erzeugung von Wärme und Strom aus Biomasse regionale Arbeit sichert und die Umwelt schützt. Im Rahmen einer groß angelegten Biomasseoffensive sind unzählige Ausbauten von bestehenden Biomasse-Heizwerken und neue Biomasse-Nahwärmeanlagen entstanden oder in Planung. Das gegenwärtige Herzstück ist die Umstellung des Landeskrankenhauses Stolzalpe von Öl auf Biomasse. Allein im LKH wird künftig 1 Million Liter Heizöl jährlich eingespart und durch Biomasse ersetzt werden. Mit dem Biomassehof St. Lambrecht ist eine flächendeckende Hackgutlogistik entstanden. So hat sich der Bezirk Murau zu einer internationalen Vorzeigeregion im Bereich erneuerbarer Energieträger entwickelt. Harald Kraxner, Geschäftsführer der Leader-Region Holzwelt Murau

Wald- und Holznutzung sind oft eine Basis für Kooperation, Innovation, regionale Wertschöpfung und Energieautarkie in Leader-Regionen.

Kuchl ist auf dem genialen Holzweg. Holz hat in der Entwicklung der LeaderRegion Tennengau und vor allem der Gemeinde Kuchl einen besonderen Stellenwert. So viel Verständnis für den Rohstoff Holz an einem Ort gebündelt ist in Österreich nirgendwo sonst anzutreffen: Ausbildung, Forschung und Wirtschaft bilden seit Jahren in der Tennengauer Marktgemeinde Kuchl kongeniale Partner. Ein eigener „Holzbotschafter“ koordiniert die Leader-geförderten Projekte der „Holzgemeinde Kuchl“. Nach dem Erfolg des Genialen Holzfestes mit mehr als 13.000 BesucherInnen und des ersten nationalen Kuchler

Holzwirtschaftskongresses mit führenden Holzexperten setzen wir in Zukunft verstärkt auf Vernetzung. Das „Holzforum Kuchl“ soll als Wirtschafts- und wissenschaftliches Diskussionsforum die gesamte Region in den Mittelpunkt stellen und sich auch international ausrichten. Wir müssen nachhaltige Strukturen schaffen, und hier hat vor allem Holz sehr viel Potenzial. Holz ist der Baustoff der Zukunft, der Grundstoff für interessante Berufe und Tätigkeitsfelder sowie ein wichtiger Energieträger und hat hohe Bedeutung in unserer Wirtschaft erlangt. Andreas Wimmer, Bürgermeister der „Holzgemeinde Kuchl“ und Vorsitzender des Regionalverbandes Tennengau

Regionale Wertschöpfung. Für unsere Region Elsbeere Wienerwald ist mittlerweile mit Daten zu belegen, dass der Anteil der bewaldeten Flächen zunimmt – und zwar zu Lasten des Grünlands. Unser Ziel ist es, die typische Kulturlandschaft mit entsprechender Waldbewirtschaftung zu bewahren. Die Förderung der Waldbewirtschaftung stärkt einerseits die regionale Wertschöpfung, andererseits geschieht dies auch im Sinn der Pflege des Waldes. Wir wollen die Wälder nicht ausräumen. In unserem regionalen Energiekonzept wurde dargestellt, dass die Steigerung der Nutzung des jährlichen Holzzuwachses von derzeit ca. 60 % auf künftig 80 % eine jährliche Wertschöpfung in der Region im Ausmaß von mindestens 2 Millionen Euro mit sich bringen wird. Matthias Zawichowski, LAG-Manager Region Elsbeere Wienerwald


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Böhmerwald ist Holz! Enorm viel getan – auch dank EU-Förderungen – hat sich in den letzten Jahren im Böhmerwald: die 1. OÖ Waldschule mit Waldtheater feierte heuer ihr zehnjähriges Bestehen, die neue, barrierefreie Ausstellung „WunderWeltWald“ in der BöhmerWaldArena mit ihrem einzigartigen Fällsimulator, 3-D-Kino und Labor dient Kindergärten als Lernhilfe und wird auch touristisch genutzt. Im Böhmerwaldhorst kann man in urigen Holzhütten in luftiger Höhe die Mystik des Waldes erleben. Ein Anziehungspunkt ist auch der Schwarzenbergische Schwemmkanal mit seinen Schauschwemmen. Vom 5. bis 7. August 2011 findet im Rahmen der Böhmerwaldmesse in Ulrichsberg das 1. OÖ HolzFest statt: Unter dem Titel „Holz.Art(en)“ werden die weltbesten Motorsägenschnitzer zu bewundern sein, wird es u. a. Holzfällerwettbewerbe, TimberShows, Forstmaschinenvorführungen, Vorträge, die Ausstellung BAUernSTOFF, Exkursionen und Holzspielefeste bei freiem Eintritt geben. In jedes Ausflugsprogramm gehört der Moldaublick mit dem Holzschauhaus und der neue, aus Tannenholz errichtete 33 m hohe Aussichtsturm „Alpenblick“. Nicht wenige Betriebe der Region setzen mit Erfolg auf den Roh- und Baustoff Holz. Dass die Klimaund Energiemodellregion Donau-Böhmerwald bei Biomasse-Heizwerken spitze ist, erscheint da nur allzu logisch. Josef Thaller, Mitglied im Regionalausschuss der Leader-Region Donau – Böhmerwald

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Innovationen aus Tannenholz im steirischen Joglland. Im steirischen Joglland und in der Waldheimat liegt der Anteil der Tanne am gesamten Waldbestand bei 20 – 25 % und damit österreichweit im Spitzenfeld. Die Tanne ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Region von großer Bedeutung. Mit der Arbeitsgemeinschaft TANNO wurde ein funktionierendes regionales Netzwerk holzverarbeitender Betriebe gegründet. Wie der Name Waldheimat bereits andeutet, haben die Holzindustrie und das Bauen mit Holz in der Region eine langjährige Tradition, die von der TANNO-Gruppe nun mit neuen Ideen und Innovationen in vielen Projekten umgesetzt wird. Durch das Ineinandergreifen der einzelnen Betriebe entlang der Wertschöpfungskette der Tanne werden Kosten und Ressourcen gespart, und die heimische Wirtschaft wird gestärkt. Gerade in Kleinregionen ohne Industrie und Großbetriebe ist das Miteinander besonders wichtig, um konkurrenz- und überlebensfähig zu sein. Wenn Sie mehr über die Produkte und Projekte der TANNOGruppe erfahren möchten, besuchen Sie uns auf www.tanno.at! Josef Schiester, Obmann der TANNO-Gruppe

Wald und Holz haben in der ländlichen Entwicklung einen hohen Stellenwert. Neben der immens wichtigen Rolle, die Wälder für das Klima spielen, sind die heimischen Wälder und deren Nutzung ganz entscheidend für die ländliche Entwicklung: zum einen als Naherholungsgebiet und somit als Faktor im Tourismus, zum anderen als Lieferant für den nachwachsenden Rohstoff Holz und so u. a. auch als Faktor im Bereich erneuerbare Energie. Rund die Hälfte der in Österreich erzeugten Energie stammt jetzt schon aus Biomasse, wobei ein Schwerpunkt auf hölzerner Biomasse liegt. Dies bringt mehrere Vorteile: Abbau der Abhängigkeit von Energieimporten, Reduktion der CO2-Emissionen und Steigerung der regionalen Wertschöpfung sowie Schaffung von Arbeitsplätzen. Das Beispiel der Modellregion Güssing hat dies eindrucksvoll bewiesen. Mit einem überaus interessanten Leader-Projekt namens „Soziale Energie“ möchte man dieser Entwicklung Rechnung tragen, indem man versucht, zwei Probleme auf einmal zu lösen: nämlich die wirtschaftlich schwierige Holzbringung aus kleinstrukturierten Waldverbänden unter Mithilfe von Langzeitarbeitslosen, die so eine neue Chance bekommen. Und dies wiederum ist eine neue Chance für die ländliche Entwicklung. Reinhard Koch, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für erneuerbare Energie

Multifunktionale Waldbewirtschaftung. Als gelernter Forstwirt ist es mir sehr wichtig, die Bedeutung der Forstwirtschaft im Zusammenhang mit nachhaltiger Regionalentwicklung zu betonen. Das Leader-Management hat hier eine zentrale Rolle in der Vernetzung unterschiedlicher Bedürfnisse zu übernehmen. Einerseits wird der Druck der Öffentlichkeit in puncto Erholung und Abenteuer in der Natur immer größer, andererseits stehen dieser Entwicklung klare Eigentumsverhältnisse und Wirtschaftsinteressen (in der Forst-, Holz- und Jagdbewirtschaftung) entgegen. Hinzu kommen nach wie vor ungelöste Haftungsfragen. Trotzdem mangelt es noch verbreitet an dem Interesse, den Bereich Tourismusmanagement im Sinne einer multifunktionalen Waldbewirtschaftung offensiv mitzugestalten. Peter Plaimer, Regionalmanager der Regionalkooperation Unterkärnten


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Nationale Verantwortung für Holz

Holz ist der Rohstoff der Zukunft In Österreich bietet die Wertschöpfungskette Holz rund 280.000 Menschen Einkommen. Weltweit sind es mehr als 1,6 Milliarden Menschen. Holz ist die Lösung für viele Zukunftsfragen, vor allem im Hinblick auf sinnvolle Arbeitsplätze, Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz sowie Energieeffizienz. Georg Adam Starhemberg

Für viele arabische Staaten ist Erdöl das Gold ihres Landes. Da sollte es doch selbstverständlich sein, dass in Österreich der wertvollen heimischen Ressource Holz entsprechende Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Österreich ist ein Land des Holzes und trägt für die optimale, nachhaltige und wertorientierte Nutzung von Holz Verantwortung. Die Betriebe der Forst- und Holzwirtschaft sowie der Papier- und Zellstoffindustrie sind nicht nur attraktive Arbeitgeber, sondern auch Träger der ländlichen Entwicklung. Das „Internationale Jahr der Wälder“ ist eine Chance, in Politik und Gesellschaft mehr Bewusstsein für die Bedeutung der gesamten Wertschöpfungskette Holz zu schaffen. Gemeinsam haben wir den Auftrag, einen Beitrag dazu zu leisten, dass der Werk- und Wertstoff Holz in jeder Verarbeitungsstufe bei optimaler Wertschöpfung so effizient und wertsteigernd wie möglich eingesetzt wird.

Waldschutz durch Waldnutzung Der Wald produziert umweltfreundlich und einfach zugleich den Rohstoff Holz. Daneben schützt er un-

sere Lebensgrundlagen, sichert sauberes Wasser, bewahrt vor Naturgefahren und bietet Menschen, Tieren und Pflanzen eine Heimat. Damit der Wald alle seine vielfältigen Funktionen für die Gesellschaft erfüllen kann, muss er bewirtschaftet werden. Es sind die rund 170.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer (vorwiegend Familienbetriebe), die durch eine kluge Nutzung sicherstellen, dass der Wald diese Aufgaben erfüllen kann und die nachhaltige Rohstoffversorgung für die vielfältigen Verwertungsmöglichkeiten des genialen Rohstoffes Holz gewährleistet ist. Die Devise sollte lauten: so ökologisch wie notwendig, so ökonomisch wie möglich.

Holz ist der Rohstoff der Zukunft Holz ist nachhaltig, vielfältig einsetzbar und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Die österreichische Sägeindustrie mit ihren rund 1200 Betrieben ist die Drehscheibe einer faszinierenden Wertschöpfungskette. Österreich ist mit seinen rund 1400 Holzbauunternehmen ein Spitzenreiter im Bereich der Innovation. Holz ist der leichteste Baustoff


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mit guten Wärmedämmeigenschaften und so hohen Festigkeiten, dass man ihn für tragende Teile verwenden kann. Auch der Möbelbau und die Plattenindustrie sind wichtige Glieder dieser Kette. Bei der Holznutzung sind die Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Die Wertschöpfungskette Holz ist mit einem Exportüberschuss von rund 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2009 nach dem Tourismus der wichtigste Devisenbringer für Österreich; bei einem Produktionswert von über 11 Milliarden Euro wurden 7,82 Milliarden Euro im Export erwirtschaftet. Für die Holzindustrie ist eine nachhaltige und ausreichende Versorgung mit dem Rohstoff Holz der Schlüssel zum Erfolg. Die Kooperationsplattform FHP bemüht sich daher intensiv, durch gezielte Aktivitäten wie die umfangreichen Werbemaßnahmen der proHolz-Organisationen und eine Medienkampagne für inaktive Waldbesitzer das Holzaufkommen aus heimischen Wäldern nachhaltig zu steigern.

Holz kennt keinen Abfall Bei der Holzverarbeitung in der Sägeindustrie fallen Nebenprodukte an. Diese sind wertvolle Rohstoffe für die Erzeugung weiterer Produkte aus Holz wie Zellstoff und Papier. Die österreichischen Unternehmen der Zellstoff- und Papierindustrie zählen weltweit zu den modernsten und innovativsten Vertretern ihrer

Branchen. Schließlich können Holzprodukte am Ende ihres Lebenszyklus energetisch genutzt werden. Holz bringt damit alle Eigenschaften mit, die den Weg in eine nachhaltige Gesellschaft beschleunigen.

Holz ist Motor der Entwicklung ländlicher Regionen Die Betriebe des Forst-, Holz-, Platten- und Papiersektors sind die bei Weitem größten Investoren im ländlichen Raum. Sie schaffen Arbeitsplätze, Infrastruktur, Dienstleistungen und damit auch Wohlstand für die Bevölkerung in strukturell schwachen Regionen. So gibt es zum Beispiel in großen Bundesländern wie Oberösterreich in jeder Gemeinde durchschnittlich drei Tischler. Die Wertschöpfungskette Holz ist ein wichtiger Garant für eine nachhaltige, soziale und wirtschaftliche Entwicklung des ländlichen Raums.

Holz ist die Lösung Der Rohstoff Holz ist einer der wenigen Rohstoffe, der durch längerfristige CO2 -Speicherung einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Würde sich bei den jährlich neu gebauten 10.000 Wohnungen in Österreich der Anteil von Holzkonstruktionen von ca. 6 auf 25 % steigern, könnten 500.000 Tonnen CO2 Emissionen pro Jahr eingespart werden. Jeder geerntete und genutzte Baum macht Platz für neue Bäume. So wächst der Kohlenstoffspeicher stetig. Ein Kubikmeter verbautes Holz spart bis zu zwei Tonnen CO2 -Emissionen: eine Tonne durch die Speicherung des Kohlenstoffs beim Wachstum der Bäume, eine zweite durch den Ersatz von in der Herstellung energie- und damit CO2 -intensiven Rohstoffen wie Stahl und Beton. Der Einsatz von Holz als Baustoff leistet einen wertvollen Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels.

Gemeinsam Zukunft gestalten In der Forschung bestehen noch enorme Potenziale bei der Entwicklung neuer Verwertungsmöglichkeiten von Holz. Gerade die Wertschöpfungskette Holz zeigt eindrucksvoll auf, wie effizient ein wertvoller Rohstoff verarbeitet werden kann. Alles spricht dafür, mehr Holz zu verwenden. Holz hat eben mehr Wert. ||| Georg Adam Starhemberg, Vorsitzender der KooperationsQuelle: www.forstholzpapier.at

plattform Forst Holz Papier (FHP)

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Österreichs Waldverbände

Die Kraft der Kleinen Österreichs Waldverbände sind für rund 58.000 Mitglieder flächendeckend aktiv. Der organisierte Kleinwald repräsentiert eine Waldfläche von über 873.000 Hektar, das sind annähernd 26 % des Ertragswaldes in Österreich. Seit dem Jahr 2000 vermarkten die Waldverbände im Durchschnitt jährlich über zwei Millionen Festmeter Holz für ihre Mitglieder. Diese Tatsache macht die Waldverbände zu den größten heimischen Holzlieferanten. Martin Wöhrle

Das leisten die Waldverbände Vorrangige Ziele der Verbände sind die Unterstützung der Mitglieder in allen forstlichen Fragen und die Steigerung der forstlichen Wertschöpfung. Den Waldeigentümern steht ein breites Dienstleistungsangebot zur Verfügung. Von der Erstellung von Waldwirtschaftsplänen und der Organisation von Pflegemaßnahmen und Erntearbeiten über die Aufforstung bis zur Bündelung und Vermarktung des Holzes kommt alles aus einer Hand. Der Waldeigentümer entscheidet, ob er ein individuell zusammengestelltes Leistungspaket in Anspruch nehmen oder einem Fullservice garantierenden „Sorglos-Paket“ den Vorzug geben will; die Verbände stehen beratend zur Seite. Der partnerschaftliche und solidarische Umgang miteinander, der auch in Krisenzeiten gepflegt wird, schafft Vertrauen zu Mitgliedern und Marktpartnern.

Aktive Waldpflege – zum Wohl der Gesellschaft Die in Österreich nachhaltig betriebene Forstwirtschaft ist genauso multifunktional wie die Wälder selbst. Wald ist mehr als eine grüne Oase der Erholung, er ist vor allem Arbeitsplatz und Einkommensquelle für viele Familienbetriebe. Eine aktive Waldpflege fördert artenreiche und strukturreiche Wälder, in denen gesunde und vitale Bäume wachsen. Gesunde, gepflegte Wälder kommen besser mit Klimaveränderungen und extremen Witterungsbedingungen zurecht als jene, die sich selbst überlassen werden.

Rohstoff der Zukunft Ob stoffliche oder energetische Verwertung des Holzes, die nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz trägt zur Verbesserung der CO2 -Bilanz bei. Die CO2 neutrale Verbrennung von Holz beziehungsweise die längerfristige Bindung von Kohlenstoff in Holzprodukten, wie zum Beispiel in Möbeln oder im konstruktiven Holzbau, und damit die Substitution von Stahl, Beton, Öl, Gas oder Kohle sind aktiver Klimaschutz. Den Nachweis für diese nachhaltige Forstwirtschaft bringt das Zertifizierungssystem PEFC, mit dessen Logo alle Holzprodukte gelabelt werden können. Die künftige Herausforderung liegt in einer kontinuierlichen Rohstoffversorgung der heimischen Holz verarbeitenden Betriebe, die zu den fortschrittlichsten und leistungsfähigsten der Welt zählen. Die Waldverbände sind moderne Dienstleistungsunternehmen, die Holz marktkonform produzieren, um den Holzstandort Österreich auch künftig zu sichern. |||

Martin Wöhrle, Waldverband Österreich


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Der österreichische Wald

Fakten und Strukturen Österreich zählt neben Finnland und Schweden zu den waldreichsten Ländern Europas. Pro Jahr wachsen in Österreich rund 30 Millionen Kubikmeter Holz nach. Der Zuwachs beträgt rund 4000 Hektar jährlich. Carina Kases

Österreichs Wald bedeckt mit einer Fläche von knapp 4 Millionen Hektar mit 80 verschiedenen Baumarten fast die Hälfte des Bundesgebiets. Auf dieser Fläche stockt ein Holzvorrat von mehr als 1,1 Milliarden Kubikmetern oder 3,4 Milliarden Bäumen; das stellt einen Bewaldungsanteil von rund 47,6 % dar. Damit zählt Österreich neben Finnland und Schweden zu den waldreichsten Ländern Europas. Pro Jahr wachsen in Österreich rund 30 Millionen Kubikmeter Holz nach; lediglich zwei Drittel davon werden geerntet. Der Zuwachs beträgt rund 4000 Hektar jährlich. Die Ergebnisse der österreichischen Waldinventur belegen, dass Österreichs Wald in den vergangenen Jahren deutlich naturnäher wurde. Es steht doppelt so viel Totholz im Wald wie noch vor 25 Jahren. Die Waldbewirtschafter setzen auf naturnahe Wälder und pflanzen mehr Laubhölzer. Blieb der Holzeinschlag in den 1980er- und 1990er-Jahren mit rund 19 Millionen Festmetern relativ konstant, ist er im neuen Jahrtausend mit knapp 26 Millionen Festmetern markant angestiegen und erreicht damit einen Höchststand. In Österreichs Wäldern wächst seit Jahrzehnten jährlich mehr Holz zu, als tatsächlich genutzt wird. Literatur Österreich verfügt mit drei Vierteln der Gesamt• Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturfläche über den höchsten Alpenanteil aller mittelgefahren und Landschaft (2010) europäischen Staaten. Mehr als die Hälfte der Staats• Österreichische Waldinventur fläche sind Intensivzonen des Schutzes vor alpinen 2007/09 • Bundesministerium für LandNaturgefahren. Hunderte Millionen Euro werden für und Forstwirtschaft, Umwelt und den Schutz vor Wildbächen, Lawinen und Erosionen Wasserwirtschaft (2010) bereitgestellt. Heute verfügt Österreich über eine rei• FHP – Kooperationsplattform Forst Holz Papier che Ausstattung an gesunden und schutzwirksamen

Wäldern, deren Zustand durch gezielte Pflegemaßnahmen laufend verbessert wird. Der Wald bietet damit einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des alpinen Lebensraumes. Österreichs Forst- und Holzwirtschaft liegt sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht im europäischen und weltweiten Spitzenfeld und gehört mit dem Tourismus zu den wichtigsten Aktivposten der Außenhandelsbilanz. Der Wald gibt vielen Menschen Arbeit. Holz-, Säge- und Papierindustrie beschäftigen in über 172.000 Betrieben rund 280.000 ArbeitnehmerInnen; dazu kommen noch 10.000 Arbeitsplätze im Bereich Biomasse bzw. Bioenergie. Jährlich werden ein Produktionswert von rund 10 Milliarden Euro sowie ein Exportüberschuss von durchschnittlich 3,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Wald in Österreich ist zum Großteil im Privatbesitz von Waldbauern und sehr klein strukturiert. Etwa ein Drittel der Gesamtwaldfläche entfällt auf größere Forstbetriebe. Insgesamt beträgt die durchschnittliche Betriebsgröße gemäß Agrarstrukturerhebung 1999 rund 19 Hektar. Die wirtschaftliche Nutzung des Rohstoffs Holz sichert den Waldbauern Einkommen und damit eine Lebensgrundlage. Die Waldbewirtschafter erfüllen zahlreiche Bedürfnisse der Gesellschaft und kooperieren mit VertreterInnen der Erholungsuchenden, damit Wanderwege, Waldlehrpfade, Waldspielplätze, Park- und Rastplätze sowie Unterstandshütten eingerichtet werden können. |||

Carina Kases, BMLFUW, Forstsektion – Öffentlichkeitsarbeit


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Die Rationalisierung der Holzernte

half der Motorsäge schließlich zum Durchbruch. Die Stihl Contra mit 12 kg Einsatzgewicht kam 1959 auf den Markt und wurde zum Verkaufsschlager. Die Entwicklung neuer Arbeitsverfahren mit immer besser werdenden Motorsägen und die Verbesserung der Methodik brachten weitere Produktivitätsschübe mit sich, die der mit steigenden Arbeitslöhnen, Arbeitskräftemangel und sinkenden Die Entwicklung neuer Arbeitsverfahren mit immer besser werdenHolzpreisen konfrontierten Forstwirtschaft sehr entden Motorsägen und die Verbesserung der Methodik brachten gegenkamen. Die Waldarbeit war aber weiterhin Produktivitätsschübe mit sich, die der mit steigenden Arbeitslöhnen, schwer und gefährlich und dadurch unattraktiv – und Arbeitskräftemangel und sinkenden Holzpreisen konfrontierten der Rationalisierungsdruck stieg mit der sich stetig Forstwirtschaft sehr entgegenkamen. In den vergangenen Jahren weiter öffnenden Kostenschere. Die Lösung beider wurden etwa 20 % des Holzeinschlages (ca. 4 Millionen Festmeter) Probleme sah man in einer höheren Mechanisierung mit Harvestern erledigt. Nikolaus Nemestóthy der Holzernte. Vorläufer der Harvestertechnologie waren verschiedene Fällmaschinen und Entastungs-Ablänggeräte (Prozessoren). Die Fällmaschinen, die mit Zunächst verwendeten Menschen zur Nutzung des Scheren arbeiteten, verschwanden bald vom Markt. Waldes den Faustkeil, aus dem sich bald die Axt aus Ziel weiterer Entwicklungen war die ZusammenfühStein, Kupfer, Bronze und zuletzt Eisen entwickelte. rung der Fäll-, Entastungs- und Ablängeinheit in Erst im 18. Jahrhundert kamen in der Waldarbeit – einem Gerät, dem Harvester. Ab 1973 kamen Geräte vorerst für Trennschnitte, später auch zur Fällung – auf den Markt, die zwar noch hydraulische Scheren, Zugsägen zum Einsatz. 1752 ordnete Kaiserin Maria aber auch die Entastungs- und Ablängeinrichtung beTheresia angesichts drohenden Holzmangels an, reits auf einem Fahrzeug montiert hatten. In diese dass Bäume „nicht mehr nach alten, verderblichen konnten die Bäume nach dem Fällen hineinmanöGewohnheiten mit der Hacken, sondern mit der Sag vriert werden. Wegen technischer Mängel und der nahe der Wurzel“ gefällt werden sollten. Ausrichtung auf das Großkahlschlagverfahren hatten Da aber Sägen weit teurer als Äxte waren und diese Maschinen in Europa aber keinen Erfolg. die kniende Arbeit der gewohnten Körpermotorik der 1983 konnten in Schweden die ersten Harvester Holzknechte widersprach, setzte sich die Zugsäge nur mit Fäll-Aufarbeitungsaggregaten an der Spitze eines zögerlich durch und brachte schließlich – in ver- hydraulisch bewegten Auslegers im Einsatz beobschiedensten Ausführungen perfektioniert – eine achtet werden. Sieben Jahre später kam der erste große Produktivitätssteigerung. Erst in den späten Harvester nach Österreich, eine „SuperEva“. In der 1950er-Jahren wurde sie von der Motorsäge abgelöst. Folge erfuhr die Harvestertechnik einen ungeahnten Angetrieben von dem Gedanken, die schwere Aufschwung. Im Jänner 2008 wurden in Österreich Waldarbeit leichter und effizienter zu machen, wurde bereits 257 Vollerntemaschinen gezählt. von der Firma Stihl bereits 1926 die erste ElektroIn den vergangenen Jahren wurden etwa 20 % kettensäge entwickelt. Kurz darauf folgte Dolmar mit des Holzeinschlages (ca. 4 Millionen Festmeter) mit der ersten Benzinmotorsäge. Diese wog 60 kg, war Harvestern erledigt. Auch wenn im Gebirgsland Österunhandlich und störungsanfällig. Die Entwicklung reich die motormanuelle Holzernte – von gut ausgekam aber in Schwung, und die Maschinen wurden bildeten Fachleuten durchgeführt – immer von großer Bedeutung bleiben wird, ist eine Steigerung des Einrasant leichter und besser. Trotzdem dauerte es noch zwei Jahrzehnte, bis satzes von Harvestern durchaus noch möglich. ||| die erste Einmannmotorsäge mit schwenkbarem Schwert und „nur“ 14,5 kg Gewicht vorgestellt wer- Nikolaus Nemestóthy, Bundesforschungs- und Ausbildungsden konnte. Der Einsatz des Membranvergasers ver- zentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft

Von der Zugsäge zum Harvester


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Die Zertifizierung der Waldbewirtschaftung in Österreich Der Begriff Nachhaltigkeit wurde im 18. Jahrhundert von der Forstwirtschaft geprägt und findet mittlerweile in vielen Bereichen seine Anwendung. Stefan Czamutzian

Für die Bewirtschaftung von Wäldern und für Produkte aus dem Rohstoff Holz gibt es mittlerweile seit mehr als einem Jahrzehnt zwei Zertifizierungssysteme für Nachhaltigkeit: PEFC und FSC. Das PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist ein international anerkannter Rahmen. Er basiert inhaltlich auf den Kriterien der Beschlüsse der Ministerkonferenzen zum Schutz der Wälder in Europa (Helsinki 1993, Lissabon 1998), die von 37 Nationen im paneuropäischen Prozess verabschiedet wurden. Der Sitz der 1999 gegründeten gemeinnützigen Organisation ist Genf. Über 30 Länder, darunter auch Österreich, sind mit ihren Organisationen Mitglieder. Der FSC (Forest Stewardship Council) wurde 1993 mit dem Ziel gegründet, eine „nachhaltige Entwicklung“ für Wälder umzusetzen. Besondere Bedeutung hat die gleichwertige Berücksichtigung von sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten bei der Nutzung von Naturgütern, die auf zehn Prinzipien fußen. Der FSC ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Bonn und nationalen Arbeitsgruppen in mehr als 50 Ländern.

Elemente der Zertifizierung Zertifiziert wird die Waldbewirtschaftung nach den vorgegebenen Kriterien. Einzelbetriebe oder Gruppen von Betrieben können bei unabhängigen Stellen um Zertifizierung ansuchen. Das PEFC kennt darüber hinaus auch die Möglichkeit der Regionenzertifizierung. In diesem Fall wird die Waldbewirtschaftung in nach naturräumlichen und administrativen Grenzen definierten Regionen zertifiziert; der einzelne WaldbeZertifizierungen in Österreich

PEFC FSC

Zertifizierte Waldfläche in ha 2.394.264 723

Chain-ofCustody-Zertifikate 383 130

Quelle: www.fsc.org, PEFC Austria, Stand 1/2011

sitzer kann am Zertifizierungsprozess teilnehmen – Voraussetzung ist, dass er sich zu den festgelegten Kriterien und Nachhaltigkeitszielen in der Region bekennt.

Chain of Custody Neben der Zertifizierung der Wälder muss auch die Handels- und Verarbeitungskette – die sogenannte „Chain of Custody“ (CoC) – überprüft werden. Dies beginnt bei Sägewerken und reicht bis zur Fertigung von Endprodukten wie Möbeln oder Drucksorten. Die Produktkettenzertifizierung stellt einerseits sicher, dass Unternehmen aus Verarbeitung und Handel zertifizierte Materialien nicht mit anderen unzulässigen Materialien vermischen. Zum anderen wird überprüft, dass zertifizierte Produkte mit dem richtigen Label gekennzeichnet werden.

Stand der Zertifizierung in Österreich und weltweit In Österreich sind sowohl nach PEFC als auch nach FSC zertifizierte Produkte erhältlich. Man sieht solche Produkte etwa in Baumärkten und stößt auch zunehmend in Broschüren und Magazinen auf sie. Einige europäische Länder wie Österreich, Niederlande oder Großbritannien haben mittlerweile in ihren öffentlichen Beschaffungsrichtlinien zertifiziertes Holz und gelabelte Holzprodukte berücksichtigt. Damit ist die Zertifizierung nach PEFC oder FSC zu einem wichtigen Marktzutrittskriterium für österreichische Unternehmen geworden, die Holzprodukte exportieren. In Österreich hat sich hinsichtlich der zertifizierten Waldfläche und der CoC-zertifizierten Unternehmen vor allem das PEFC etabliert. Österreichische holzverarbeitende Unternehmen bieten vor allem PEFC-zertifizierte Produkte an. ||| Stefan Czamutzian, HolzCert Austria


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Was leisten Wälder? Wälder sind komplexe Ökosysteme. Sie sind Lebensraum unzähliger Pflanzen und Tiere und Lebensgrundlage vieler Menschen. Man unterscheidet zwischen Urwäldern und bewirtschafteten Wäldern, die dem Staat, Einzelpersonen oder Organisationen gehören. Wälder sind die grüne Lunge der Welt und werden für viele Freizeitaktivitäten genutzt. Wie nachhaltig man in Österreich mit Wäldern umgeht und welche Funktionen sie erfüllen, erfährt man in den vier folgenden Statements.

Der Wald ist immer da

Peter Lebersorger, Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände

Österreichs Landschaft definiert sich über den gesunden, vielfältigen Wald. Die Waldbesitzer leben vom Wald – und sind stolz auf ihren Wald, der auch Leistungen für die Allgemeinheit, für uns alle, erbringt. Was schulden wir dem Wald dafür, dass er immer da ist? Respekt, Achtung und die Rolle, die üblicherweise jemand einnimmt, wenn er irgendwo zu Gast ist. Traditionelle Waldnutzer wie Forstwirte und Jäger, Weidewirte und Landwirte tragen Verantwortung für den Wald, wie er gerade ist. Beim Wald lassen sich Fehler und Schäden nicht rasch beheben und sanieren. Wir sind auch für das Sicherneuern des Waldes und für eine nachhaltige Nutzung der Waldflächen, sohin für den künftigen Wald, verantwortlich. Neuerdings kommen immer mehr Trittbrettfahrer auf die Idee, Wälder unaufgefordert und ohne Vorankündigung oder Rückfrage zu nutzen und zu benutzen. Zu Veranstaltungen im

Wald wird eingeladen, Gegenstände werden im Wald vergraben und im Internet als „versteckte Schätze“ ausgelobt, Eigentumsrechte werden ignoriert, Nutzungsrechte wie etwa das Jagdausübungsrecht belächelt. Man bedient sich – ohne zu fragen, ohne zu entschädigen und vor allem ohne Bitte und Danke zu sagen. Im heurigen „Internationalen Jahr der Wälder“ sollten alle Waldbesucher aufgerüttelt werden, die großen Freiheiten aller Menschen im Wald wie Gäste auszulegen und vor allem auszuleben. Wald ist Lebensraum – für alle. Für Tiere und für Menschen. Nur wer respektvoll mit Pflanzengesellschaften und Lebensräumen von Wildtieren umgeht, wird im Wald willkommen sein. |||

Wie kommt das Holz aus dem Wald?

Johannes Wohlmacher, Präsident des Österreichischen Forstvereins

Diese Frage beschäftigt den Menschen schon sehr lange, war er doch

stets darauf angewiesen, sich Lebensraum zu schaffen. Viele Orts- und Flurbezeichnungen weisen heute noch darauf hin. Das Holz des Waldes war als Brenn- und Baumaterial immer wertvoll. Bergbau, Salinen und Glaserzeugung verbrauchten große Mengen Holz, und es wurden große Anstrengungen unternommen, um den gewonnenen Rohstoff auch über weite Strecken transportieren zu können. Wahre Meisterleistungen, wie der Schwarzenbergische Schwemmkanal, wurden vollbracht, um zum Beispiel Wien mit Brennholz zu versorgen. Über 170.000 Waldbesitzer gibt es in Österreich, und die Nutzung der Wälder ist eine wichtige Einnahmequelle. Die gesamte Wertschöpfungskette Holz ist neben dem Tourismus der wichtigste Devisenbringer des Landes. Modernste Maschinen wie Harvester, Forwarder und Seilkran erleichtern heute die schwere und oft auch gefährliche Arbeit der Holznutzung. Der den Wald bewirtschaftende Mensch hat stets darauf zu achten, dass nicht mehr genutzt wird, als nachwächst, damit auch in Zukunft stimmt, was die Werbung sagt: Holz ist genial. |||

Der Wald ist Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten


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Waldeigentum als Verantwortung

Rudolf Rosenstatter, Obmann des Waldverbandes Österreich

Die Bedeutung der Wälder als wertvolles Ökosystem ist in aller Munde. Als Lebensgrundlage für Menschen werden sie meist stiefmütterlich behandelt. Diese verzerrte Sichtweise gefährdet die Existenz vieler Familienbetriebe. Wald ist mehr als Erholungsraum, er ist vor allem Arbeitsplatz und Einkommensquelle. Wie im Forstgesetz festgehalten, erbringt der Wald Nutz-, Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungswirkung. Nur ein nachhaltig gepflegter und bewirtschafteter Wald kann diese Wirkungen sicherstellen. Die zahlreichen Leistungen der Waldeigentümer für die Erhaltung und Förderung vitaler und widerstandsfähiger Wälder sind durch den Holzverkauf allein nicht abzudecken. Hier muss auch die Gesellschaft in die Verantwortung genommen werden. Immer mehr Interessengruppen melden einen vermeintlichen Anspruch der Mitsprache bei der Waldbewirtschaftung an. Tourismus und Naturschutz etwa trachten einerseits nach einer uneingeschränkten Nut-

zung der Wälder für Freizeitaktivitäten und wollen andererseits Waldflächen nicht genutzt sehen. Vergessen wird meist, dass Wälder jemandem gehören. Waldeigentum bedeutet Verantwortung, Verantwortung für folgende Generationen. Die Familienforstwirtschaft, in der meist mehrere Generationen zusammenarbeiten, übernimmt diese Verantwortung seit jeher. Ein klares Bekenntnis der Gesellschaft zur aktiven, nachhaltigen und multifunktionalen Waldbewirtschaftung ist daher unumgänglich. |||

Ein langsames, aber sicheres Geschäft

Felix Montecuccoli, Präsident Land & Forst Betriebe Österreich

Die Forst- und Holzwirtschaft hat die Krise weitgehend überwunden und blickt einer positiven Zukunft entgegen. Auch die Nachfrage nach Holz und Holzprodukten wird weiter steigen, die Preise werden weiter anziehen. Wenn Holz auch global immer noch zum größeren Teil verbrannt wird, ist die Forschung rund

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um den Roh- und Werkstoff Holz sehr aktiv, die Branche von enormer Innovation geprägt. Die Effizienz bei der Be- und Verarbeitung von Holz nimmt stetig zu. Leider bleibt da global gesehen die energetische Nutzung weiterhin zurück. Gleichzeitig wird die Waldbewirtschaftung immer kritischer beobachtet. Die große Herausforderung für die Forstwirtschaft wird die nachhaltige Bewirtschaftung mit hohen Holzerntemengen bei gleichzeitiger Sicherung aller Funktionen der Wälder bleiben. Die europäische und besonders die österreichische Forstkultur können wie bisher weltweit als Modell dienen und müssen ausgebaut und verfeinert werden. Die Aufgaben für die nächsten Jahre umfassen die Fortsetzung der Spezialisierung und Arbeitsteilung bei der Wald- pflege und -bewirtschaftung, die aufmerksame Beobachtung der Holzmärkte und die genauere Sortierung des Holzes für spezielle Verwendungen sowie den Ausbau der Infrastruktur im Wald. Nicht die kurzfristige Steigerung der Holzernte im Kleinwald, sondern die Professionalisierung und Verfeinerung der Forstkultur in Abstimmung mit den Bedürfnissen der Holzindustrie gilt es zu betreiben. Waldbewirtschaftung ist und bleibt ein langsames Geschäft – ein langsames, aber sicheres, und das auf lange Zeit. |||


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Die Welt blickt auf den Wald 192 Mitgliedstaaten beteiligen sich an der UNO-Resolution Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2011 zum „Internationalen Jahr der Wälder“ erklärt. Unter dem Motto „Forests for People“ will die UNO so zur Stärkung der nachhaltigen Bewirtschaftung, Erhaltung und Entwicklung aller Waldtypen beitragen. Carina Kases

Anlässlich des „Internationalen Jahrs des Waldes“ hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen das Sekretariat des Waldforums (UNFF = United Nations Forum on Forests) mit der Aufgabe betraut, in Zusammenarbeit mit den Regierungen der 192 Mitgliedstaaten und den relevanten Organisatoren einschlägige Aktivitäten zu planen und zu koordinieren. Wälder bieten den Lebensraum für etwa zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Die Abholzung der tropischen Regenwälder ist für den Verlust der biologischen Vielfalt mit nicht weniger als 100 Arten pro Tag verantwortlich. Wälder sind auch integraler Bestandteil der globalen nachhaltigen Entwicklung. Nach Schätzungen der Weltbank ist der Lebensunterhalt von mehr als 1,6 Milliarden Menschen von der Wald- und Holznutzung abhängig. Weltweit werden jährlich Produkte aus dem Wald in der Größenordnung von 270 Mrd. US-$ gehandelt – Wald und Holz sind damit ein wichtiger Motor für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Die „Resolution 61/193 – Internationales Jahr der Wälder 2011“, die auf der 83. Plenarsitzung der Vereinten Nationen am 20. Dezember 2006 verabschiedet wurde, erkennt vor allem an, dass der Wald und seine nachhaltige Entwicklung zur Armutsbeseitigung und zur Erreichung der international vereinbarten Entwicklungsziele beitragen können.

Eine einzigartige Gelegenheit Mit den Aktivitäten im Rahmen des „Internationalen Jahrs des Waldes“ soll die hohe Relevanz einer ökologisch, ökonomisch und soziokulturell nachhaltigen Waldbewirtschaftung hervorgehoben werden. Unter Zusammenwirken aller Mitgliedstaaten sollen folgende vier Ziele verfolgt werden: f Stopp der Entwaldung f Optimale Nutzung der Leistung der Wälder f Flächenhafter Ausbau von Schutzgebieten f Mobilisierung finanzieller Mittel für die nachhaltige Waldbewirtschaftung Österreich hat vier nationale Schwerpunkte festgelegt: f Schutz vor und Leben mit Naturgefahren f Ökosystemare Leistungen des Waldes f Wirtschaftsfaktor Wald f Energie aus Holz Diese Schwerpunkte werden Themen der Waldgipfel sein, die bundesländerübergreifend in vier Regionen Österreichs stattfinden werden. „Das ‚Internationale Jahr des Waldes‘ ist eine einzigartige Gelegenheit, der breiten Öffentlichkeit die wichtige Rolle der Wälder näherzubringen. Die über das Jahr 2011 verteilten Aktivitäten bieten eine Platt-


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form für fachliche Diskussionen mit unseren Partnern auf allen Ebenen, aber auch für den öffentlichkeitswirksamen Brückenschlag hin zur Bevölkerung“, so Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich, der die Schirmherrschaft der Kampagne in Österreich übernommen hat.

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„Wälder für Menschen“

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Der offizielle Startschuss zum „Internationalen Jahr der Wälder“ erfolgte im Rahmen des 9. UN-Waldforums, das vom 24. Jänner bis 4. Februar 2011 im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York stattfand. „Forests for people – Wälder für Menschen“ ist das Motto, unter dem auch in Österreich die Vorbereitungen für zahlreiche Maßnahmen begonnen haben. Die gemeinsame Waldkampagne soll den einmaligen Anlass nutzen, um den Wald noch stärker in den Blickpunkt des medialen, öffentlichen und politischen Interesses zu rücken. Dadurch soll es gelingen, die Bedeutung des Waldes für den Menschen sowie den Nutzen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Hinblick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts deutlich zu machen. Auch die im internationalen Vergleich Maßstäbe setzenden Standards der heimischen Forst- und Holzwirtschaft sollen damit noch besser sichtbar werden.

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Ein buntes Paket Im Folgenden ein kurzer Einblick in das bunte Paket von Initiativen, Ereignissen und Veranstaltungen anlässlich des „Internationalen Jahrs des Waldes“: f Zum Auftakt fand gemeinsam mit allen Vertretern der Wertschöpfungskette Forst/Holz eine Pressekonferenz des Ministers statt. f Beim internationalen UNFF-Meeting in New York hatte Österreich den Mitvorsitz. f Mit dem Schulpaket, das eine Reihe von holz- und waldrelevanten Unterlagen enthält, sollen Kinder der Grundstufe angesprochen und für das Thema Wald sensibilisiert werden. Bandolinos, Bücher

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und DVDs füllen die „Schulsackerln“, die an rund 17.600 Schulen verteilt wurden. Bunte, auf die vier österreichischen Ziele abgestimmte und aufbauende Freecards im Postkartenformat mit Motiven und Waldbotschaften führen durch das „Internationale Jahr der Wälder“. Ein spannendes internationales Projekt ist die Kooperation des Lebensministeriums mit ZotterSchokolade, den österreichischen Bundesforsten und dem WWF, das bereits im September 2010 startete. Die speziell kreierte Schokolade „Ein Waldstück“ zählt im Handel bereits zu einer der beliebtesten Kompositionen des Chocolatiers. Durch den Kauf der Schokolade trägt man zur Wiederbewaldung eines Schutzgebietes in Laos bei. Die bekannte ORF-Sendereihe „Jahreszeit“ präsentiert in wöchentlichen Beiträgen die Wertschöpfungskette Holz. Im Rahmen eines Gewinnspiels winken viele attraktive Preise, unter anderem ein Holzhaus als Hauptpreis am Jahresende. Im Handel wird das „Waldquelle“-Mineralwasser mit einer eigenen Etikettenserie mit Rätselfragen rund um das Thema Wald erhältlich sein. Bei Genuss- und Erntedankfesten wird der Wald heuer eine große Rolle spielen. Zu diesem Anlass wird auch ein Waldkochbuch präsentiert werden; verschiedenste Produkte des Waldes sollen zur Verkostung angeboten werden.

Nähere Informationen über die im „Internationalen Jahr der Wälder“ stattfindenden Aktivitäten finden sich auf der Homepage www.jahrdeswaldes.at. Dem Zeitgeist entsprechend ist das Jahr des Waldes auch auf Facebook (www.facebook.com/unserwald) und Twitter (www.twitter.com/unser_wald) vertreten. |||

Carina Kases, BMLFUW, Forstsektion – Öffentlichkeitsarbeit


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2011 ist das „Internationale Jahr der Wälder“ – „Ach ja?“ Die Klimawandeldebatte hat dem Wald zunehmende internationale Aufmerksamkeit beschert. Allerdings stellt sich immer mehr die Frage, mit welchen Folgen … Markus Sommerauer

International herrscht bezüglich des Waldes in einem Punkt geschlossene Einigkeit: Er ist wichtig. Das war es dann aber auch schon. Worin seine Wichtigkeit besteht, dazu gibt es mehr Meinungen als Menschen. Die Bandbreite reicht vom Wald als Hindernis zur Schaffung landwirtschaftlicher Flächen bis hin zum spirituellen Kraftplatz zur Beobachtung jenseitiger Vorgänge. Dazwischen ist so ziemlich alles möglich, was man sich nur ausdenken kann. Interessant wird es ja schon beim Begrifflichen. Was ist Wald? Natürlich haben die Menschen über die Zeit hinweg zig Definitionen von Wald hervorgebracht. Es gibt auch eine hochoffizielle Definition der Vereinten Nationen, die ich dem geschätzten Leser aber nicht zumuten möchte. Interessant ist, dass im Zuge der internationalen Klimadebatte der Definition von Wald plötzlich eine tragende Rolle zugesprochen wird. Man möchte nicht glauben, wie uneinig sich die internationale Expertengemeinde darüber ist. Für das weitere Lesen dieses Artikels reicht es, wenn der ge-

schätzte Leser seine eigenen Bilder und Vorstellungen von Wald verwendet. Zahlen und Fakten über den Wald möchte ich hier auch keinen breiten Raum geben. In der globalen Klimaschutzdebatte wird ja ohnehin nur so mit Zahlen (und Akronymen) um sich geworfen. Da sich in dieser Debatte Walddiskussionen auf den tropischen Regenwald konzentrieren, beginnen manche Leute schon vom „vergessenen Wald“ zu sprechen, also von jenem Wald, der nicht tropischer Regenwald ist, wie unser Wald zum Beispiel oder die Wälder Nordamerikas und Russlands. Da in der Klimadebatte der Wald auf seine Kohlenstoffvorräte reduziert wird, soll die nebenstehende Grafik doch dazu ein paar Fakten liefern. Nun ist Wald aber viel mehr als gebundener und somit „klimaunwirksamer Kohlenstoff“. Das hat man mittlerweile auch schon außerhalb der EU erkannt. Teilweise zumindest. Man gesteht dem Wald sogenannte Ökosystemleistungen zu. Dazu gehören u. a.


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Nahrung, Trinkwasser, Schutz vor Naturgefahren, saubere Luft, Erosionsschutz, Erholung und Freizeit. Ach ja, und natürlich ist der tropische Regenwald auch Lebensraum und unmittelbare Einkommensquelle von 60 Millionen (indigenen) Menschen. Darüber wird derzeit auch heftig und sehr kontrovers diskutiert, und zwar im Zuge eines thematischen Schwerpunkts der internationalen Klimadebatte mit dem Kürzel REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation). Dann gibt es noch das heiße Eisen Biodiversität. (Tropische Regen-)Wälder werden sozusagen als das Nonplusultra in Sachen biologischer Vielfalt gesehen. Und um die Liste der Buzzwords abzurunden, sei noch erwähnt, dass viele glauben, all die oben erwähnten Leistungen des Waldes wären nur über unumschränkten Naturschutz realisierbar, also durch rigoroses Hintanhalten jeglichen menschlichen Einflusses (mit Ausnahme indigener und anderer traditioneller Waldbewohner). Fassen wir zusammen: Die Ökosystemleistungen des Waldes (zu denen auch die Kohlenstoffspeicherung zählt) sind international in aller Munde, werden (mit unterschiedlichen Schwerpunkten je nach Interessenlage) hinlänglich gepriesen und liefern den verschiedenen Interessengruppen jede Menge Reibungsfläche. Aber war da nicht noch etwas, was aus dem Wald kommt? Holz vielleicht? Ungefähr 3 Milliarden Menschen bestreiten den gesamten Energiebedarf ihres Haushaltes mit Brennholz. Die Hälfte des weltweit genutzten Holzes wird als Energielieferant verwendet (vornehmlich zu Kochzwecken). Die andere Hälfte wird für den Hausbau, für

Kohlenstoffspeicherung durch weltweite Waldbiome Borealwälder (703 Pg) Tropische Wälder (375 Pg) Wälder der gemäßigten Klimazone (121 Pg) 1 Pg (Petagramm) = 1015 g

Quelle: www.borealbirds.org/carbonreport.shtml Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Canadian Boreal Initiative und der Canadian Songbird Initiative, der Herausgeber des Berichts The Carbon the World Forgot

Möbel und vor allem für die Papierproduktion verwendet. Wobei nur der kleinere Teil des produzierten Papiers für unsere Drucker und Kopierer gemacht wird. Verpackungen aller Art aus Papier sind viel wichtiger. Sowohl in Österreich als auch in der EU und in weiten Teilen der gemäßigten Klimazone wächst übrigens mehr Holz im Wald zu, als genutzt wird. Und das zum Drucken und Kopieren verwendete Papier kommt vorwiegend aus diesen Wäldern. Da sind wir auch schon bei des Pudels Kern: Für viele schließen Holznutzung und die oben erwähnten Ökosystemleistungen einander aus. Gerade die im Kielwasser der Klimawandeldebatte geführte Diskussion zur Biodiversität will uns glauben machen, dass Holznutzung tendenziell einem Akt menschlicher Selbstzerstörung gleichkommt. Dass das nicht so sein muss, hat Österreich hinlänglich bewiesen. Jeder Winter- und Sommerurlauber kann das begutachten. Das österreichische System der multifunktionalen Waldwirtschaft dürfte auch so manchem internationalen Naturschutzexperten ein Aha-Erlebnis bescheren, was die angebliche Unvereinbarkeit von Holznutzung und Naturschutz betrifft. Illegale Holznutzungen sollen, wie Sie sicher auch schon gelesen haben, ein Hauptgrund für die Entwaldung der Tropen sein. Das ist eine der erfolgreichsten „deceptive-campaigning“-Aktionen mancher Umweltschutzgruppen der letzten Jahre. Denn diese Aussage ist schlichtweg falsch. Der Hauptgrund globaler Tropenentwaldung ist die Schaffung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Mag sein, dass illegale Holznutzungen in manchen Regionen der Hauptgrund für Tropenentwaldung sind, global gesehen liegt der Anteil allerdings unter 10 %. Wer mehr dazu wissen will: http://tinyurl.com/5rzxc4m.

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Gründe für die Entwaldung der Tropen Abgeholzte Gebiete in Millionen Hektar pro Jahr im Zeitraum 1990 – 2005

Schaffung kleiner landwirtschaftlicher Nutzflächen: 5,5 (42 %) Holzkohlehandel: 0,7 (5 %) Bauholzhandel: 1,8 (14 %) Nicht für den Handel bestimmtes Brennholz: 0,8 (6 %) Kommerzielle Bebauung der Flächen: 2,6 (20 %) Viehzucht: 1,6 (12 %)

Das „Internationale Jahr der Wälder“ 2011 sollte von Österreich vor allem als Möglichkeit verstanden werden, aufzuzeigen, dass Holznutzung als Teil einer multifunktionalen Waldwirtschaft kein Widerspruch zum Naturschutz ist, sondern eine notwendige Synergie darstellt. Allerdings muss man halt auch wissen, wie man nachhaltige Waldwirtschaft betreibt, wie eben wir in Österreich. ||| Quelle: Jürgen Blaser und Markus Sommerauer, Austrian Natural Resource Management and International Cooperation Agency (ANRICA)

Carmenza Robledo (im Auftrag des UNFCCC), Initial Analysis on the Mitigation Potential in the Forestry Sector, 2007


Leo Zogmayer: „WALDEN“, 2010; Holzkugel (Myrtenholz), d = 18 cm, auf Textblatt /auf Sockel + Hinterglasbild an der Wand (Schriftzug WALDEN, 60 x 80 cm)


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Holz als Rohstoff leistet einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Holz hat sich im Lauf der Zeit vom Werkstoff zu einem interessanten Forschungsobjekt f端r die Zukunft entwickelt.


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Wohnbau mit 255 Einheiten am Mühlweg in WienFloridsdorf, die nach wie vor größte Wohnanlage Europas in Holzmischbauweise

Mit Holz bauen Verantwortung für Mensch und Umwelt In Zeiten von Klimazielen, steigenden CO2-Emissionen und ökologischer Städteentwicklung gibt es nur einen Baustoff, der schon aufgrund seiner natürlichen Beschaffenheit bei seiner Verwendung CO2 einspart und gleichzeitig allen technischen sowie sicherheitstechnischen Anforderungen entspricht: Holz. Daniela Kinz Nicht nur Bäume speichern CO2 und entziehen der Atmosphäre damit große Mengen dieses Treibhausgases, sondern auch verbautes Holz. Ein Kubikmeter Holz speichert den Kohlenstoff einer Tonne CO2 aus der Atmosphäre. Der Einsatz von Holz für langlebige Produkte, wie im Baubereich, stellt also einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz dar. Allein in Österreich wachsen jährlich 31 Millionen Kubikmeter Holz nach, ein Kubikmeter pro Sekunde. Das wäre an nur einem Tag Baustoff für 2160 und in einem Jahr für 788.400 Einfamilienhäuser. Es werden aber nur 20 Millionen Kubikmeter geerntet: Der österreichische Wald wächst stetig und speichert mehr und mehr Kohlenstoff.

Sicher und hoch hinauf mit Brettsperrholz Wer hätte es vor Jahren für möglich gehalten, dass mit Holz bis zu zwanzig Geschoße hoch gebaut werden kann! Dank intensiver Forschung und kontinuierlicher Weiterentwicklung nimmt dieser Trend gemäß der landesspezifischen Baugesetze in Europa eindeutig zu. Das mit neun Geschoßen derzeit höchs-

te Holzwohngebäude der Welt steht in London und wurde 2008 von einem österreichischen Unternehmen errichtet. Großflächige, mehrschichtige Massivholzplatten (Brettsperrholz/BSP) werden als tragende Elemente eingesetzt. Brettsperrholz besteht aus drei bis sieben kreuzweise miteinander verleimten Nadelholz-Brettlagen, deren Einzelbretter der Länge nach mit Keilzinken kraftschlüssig verbunden sind. Die Platten werden im Werk computergesteuert zu Böden, Wänden und Dachkonstruktionen vorgefertigt und in kurzer Zeit auf der Baustelle witterungsunabhängig montiert. In Zusammenarbeit mit Planern, Technikern und dem Hersteller können Details zur Erfüllung der Vorgaben (Statik, Brandschutz, Schallschutz etc.) bereits in der Projektphase gelöst werden; die Vorfertigung garantiert eine kostentreue und termingerechte Ausführung. Das Produkt Brettsperrholz selbst ist nicht neu: Tischlerplatten, Sperrholzplatten, Furnierschichtholz – alle funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Neu ist die Dimension, in der die Platten produziert werden und die sie als tragende Elemente erst verwendbar macht.


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Aufstockung und Sanierung in Holzbauweise im urbanen Raum: 9. Wiener Gemeindebezirk, Alserbachstraße

Größte Wohnanlage Europas in Holzmischbauweise in Wien Mittlerweile gibt es etliche hochwertige Referenzprojekte, die einer ständigen Evaluierung unterliegen und international richtungweisend sind. Als Alternative zu monotonen, zeilenartigen 1960er-Jahre-Bebauungen haben Hermann und Johannes Kaufmann, versierte Holzbauarchitekten, in Wien-Floridsdorf einen viergeschoßigen Siedlungstypus entwickelt, der Außenraumqualitäten bietet. Drei an die Grundgrenzen gerückte Baukörper definieren einen durchlässigen Hof, sodass die angrenzende Landschaft gewissermaßen durch die Siedlung fließen kann.

Energetische Gebäudeoptimierung Eine klare Schwachstelle beim Energiesparen sind Gebäude mit schlechter Wärmedämmung. Die Wärme geht vor allem über die Dachflächen oder die oberste Geschoßdecke, nicht ausgebaute Dachböden und über die Fassadenflächen bzw. die Fenster verloren. Geschätzte 40 % des österreichischen Gebäudebestands sind betroffen. Hier liegt am meisten Einsparungspotenzial für Heizenergie und damit auch Heizkosten. Bauherren sind derzeit gefordert, neben allen Aspekten der Gebäudesanierung – wie äußere Gebäudehülle, Dachdämmung, Heizanlagen und Wohnraumlüftung – auch auf die Wahl des richtigen Bauund Dämmstoffs im Hinblick auf die Reduktion von CO2-Emissionen und die Klimaziele Bedacht zu nehmen. Holzwerkstoffplatten wie Weichfaserdämmplatten eignen sich hervorragend für Wärmedämmverbundsysteme. Auf diesen ökologischen Mehrwert sollte bei zukünftigen Förderungen verstärkt Wert gelegt werden.

Gedämmte Baukosten Die Innovation bei Sanierungsvarianten sind Fassadenelemente aus Holz. Diese werden im Werk vorgefertigt, gedämmt und mit einer neuen Fassadenverkleidung sowie neuen wärmedämmenden Fenstern auf die Baustelle geliefert. Diese Sanierungsvariante bietet auch die Möglichkeit, Haustechnik, Lüftungsleitungen und Neuverkabelungen (für Internet und Kabelfernsehen) gemeinsam in die Fassadenelemente zu integrieren. Damit reduziert sich die Beeinträchtigung der Bewohner, der Aufwand auf der Baustelle minimiert sich. Die Holzbauweise ist für diese Fassadenelemente besonders prädestiniert, weil Holz gute Wärmedämmeigenschaften hat, besonders leicht ist und gleichzeitig hohe Festigkeit und Tragkraft bietet.

Ganzheitliche Gebäudeoptimierung Der moderne Holzbau bietet optimale Möglichkeiten für Aufstockungen, An- und Umbauten. Ganzheitliche Sanierungskonzepte versprechen ein Maximum an Wärmedämmung und Wohnqualität. Bestehende Gebäude werden architektonisch und planerisch überarbeitet, aktuellen Nutzungsanforderungen angepasst, technische Standards wie Wärme-, Brand- und Schallschutz werden auf den neuesten Stand gebracht. Die Vorteile des Holzbaus liegen besonders im geringen Gewicht und in der schnellen Bauzeit durch weitgehende Vorfertigung. Speziell bei Aufstockungen und Erweiterungen erspart dies oft komplizierte statisch notwendige Verstärkungen von bestehenden Gebäuden, vor allem von Fundamenten und Geschoßdecken. ||| Daniela Kinz, proHolz Austria


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Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Holzzeit

Die Entwicklung der Menschheit war und ist sehr stark von Leitwerkstoffen bestimmt. So gab es eine Steinzeit, eine Bronzeund eine Eisenzeit, und heute leben wir in einem Zeitalter des Erdöls und der Kunststoffe. Über alle Epochen hinweg begleitete jedoch das Holz den Menschen als Werkstoff und diente zudem als wichtiger Energieträger. Alfred Teischinger

Die Geschichte der Verwendung von Holz als Bauund Werkstoff ist durch viele entscheidende Erfindungen geprägt. So war der erste Pflug, der die Landwirtschaft nachhaltig veränderte, ebenso aus Holz wie das erste Rad, das die Mobilität des Menschen revolutionierte. Viele technische Geräte waren ursprünglich aus Holz, das in der Folge durch andere Werkstoffe ersetzt wurde. Die Verwendung von Holz im Schiffbau ist eine Geschichte für sich, da über Jahrhunderte hinweg vor allem für größere Schiffe Holz das einzig verfügbare Material war. Die Mobilität auf See war wiederum entscheidend für das Entstehen großer Kulturen, und mit der Erhöhung der Seetüchtigkeit der Schiffe und dem Zeitalter der Entdeckungen wurde die Neuzeit eingeläutet. Trotz der Baustoffe Lehm, Stein und Ziegel spielte vielfach auch Holz eine dominierende Rolle im Bauwesen, was mit dem mittelalterlichen Fachwerkbau oder dem Holzbrückenbau des 18. Jahrhunderts zu Blütezeiten des Zimmererhandwerkes führte.

Holz, der solarbasierte Werkstoff Die Produktion von Holz im Baum ist der Energie der Sonne geschuldet. Holz ist also ein weitgehend solarbasierter Roh- und Werkstoff und zeichnet sich durch äußerst universelle Einsatzmöglichkeiten aus. Die Schwerpunkte seiner Verwendung haben sich jedoch

im Lauf der Jahrhunderte stark gewandelt. Bis zur technischen Nutzung der Kohle war Holz ein wesentlicher Energieträger, nicht nur im Hausbrand, sondern auch in den Salinen und in den Betrieben der aufkeimenden industriellen Revolution. Dadurch wurden die Wälder stark dezimiert, und verantwortungsbewusste Herrscher erließen daraufhin die ersten Waldordnungen zur Sicherung der Wälder und der nachhaltigen Holznutzung. Damit war der Begriff der Nachhaltigkeit geboren, der heute zur Leitidee moderner Gesellschaften geworden ist. Neben beeindruckenden Segelschiffen aus Holz, die man heute meist nur noch von alten Bildern kennt, geben historische Fachwerkbauten auch heute noch Zeugnis von der hohen Kunst des Holzbaus. Mit der „Architectura civilis“ (1649) leitete Johann Wilhelm schon sehr früh eine präzise Dokumentation und Publikation des Holzbaus ein. Die von Hans Ulrich Grubenmann 1758 gebaute Holzbrücke über den Rhein war mit zwei Feldern zu 65 bzw. 56 Metern das größte Holzbauwerk seiner Zeit. Der Legende nach soll Grubenmann die Brücke so geplant haben, dass sie als Tragwerk von 121 Metern Länge auch ohne den Mittelpfeiler gehalten hätte. Mit dem Aufkommen des Stahlbaus, wie er etwa für den von 1887 bis 1889 errichteten, 300 m hohen Eiffelturm zum Einsatz kam, und der Entwicklung des Stahlbetonbaus im Zuge der Bunkerbauten des Ersten Weltkrieges verlor der Holzbau kontinuierlich an Bedeutung. Im Jahre 1906 verleimte der Zimmermeister Otto Hetzer erstmals Brettlammellen zu Holzträgern (Brettschichtholz) und leitete damit die Ära des Holz-


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leimbaus ein. Nach vorerst eher langsamer Entwicklung schloss der Holzleimbau in den letzten Jahrzehnten technisch und wirtschaftlich rasch zum Stahl- und Stahlbetonbau auf, und der Ingenieur-Holzleimbau stellt heute so manchen Betonbau in den Schatten.

deutlich billigeren Möbel bewirkten ein neues Einrichtungsverhalten und erschlossen neue Käuferschichten. Holzwerkstoffe und die daraus erzeugten Möbel haben unsere Gesellschaft somit mehr geprägt, als auf den ersten Blick erkennbar ist.

Holz schreibt Geschichte und Zukunft zugleich

Holzwerkstoffe verändern die Welt der Möbel Basierend auf verschiedenen Patenten entwickelten sich in den USA um 1905 die industrielle Sperrholzproduktion und um 1910 die Faserplattenproduktion, der dann in Mitteleuropa in den 1930er-Jahren die Spanplattenproduktion folgte. Damit war der Grundstein für moderne Holzwerkstoffe gelegt, die sowohl für das Bauwesen als auch für die Entwicklung des Möbelbaus maßgeblich waren. Waren Massivholz und das Furnier über die verschiedenen Stilepochen hinweg für den Möbelbau bestimmend gewesen, entstanden mit den Holzwerkstoffen ein neues Möbeldesign und neue technische Möbeloberflächen, die oft gar nicht erkennen lassen, dass sich dahinter ein Holzwerkstoff verbirgt, oder als Oberfläche dem natürlichen Holz so ähnlich sind, dass sie selbst den Fachmann verblüffen. Zuvor läutete jedoch der Tischlermeister Michael Thonet mit der industriellen Serienfertigung von Stühlen die industrielle Möbelfertigung ein. Der aus nur sieben Einzelteilen zusammensetzbare Bugholzstuhl Nr. 14 von Thonet (auch Wiener Kaffeehausstuhl genannt) wurde zum Paten für die später konfektionierten Mitnahme- und Selbstbaumöbel. Die nunmehr

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Bugholzstuhl Nr. 14: Michael Thonet läutete mit der Serienfertigung von Stühlen die industrielle Möbelherstellung ein.

Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem revolutionierenden Umbruch in der Papierherstellung. Anstelle von Leinenhadern wurde mit dem Holzschliff und dem chemisch aufbereiteten Holzzellstoff eine neue Rohstoffquelle für Papier erschlossen. So war es möglich, den bis heute weltweit stetig steigenden Papierbedarf zu decken. Was wäre unsere Welt ohne das Papier für Schrift, Druck, Verpackung und Hygiene? Um 1900 wird erstmals aus reinem Holzzellstoff Viskose (auch Kunstseide genannt) erzeugt. Dieser Prozess zur Erzeugung von Fasern für den Textil- und Hygienebereich sowie technische Anwendungen wurde schrittweise weiterentwickelt. Die Baumwolle als wichtigster Textilfaserrohstoff stößt ökologisch zunehmend an ihre Grenzen, was die Regeneratfaser aus Holz zur Faser von morgen macht. Wie eine chemische Holznutzung der Zukunft in sogenannten Holzraffinerien aussehen kann, wäre jedoch eine eigene Geschichte. ||| Alfred Teischinger, Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Holzforschung


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Holz 2.0

Leichtbauplatte (maico-Platte) aus landwirtschaftlichen Reststoffen

Durch interdisziplinäre Forschung und Entwicklung kann der wichtige nachwachsende Rohstoff Holz zu einem Leitwerkstoff der Zukunft werden. Ulrich Müller

Holz als Bau-, Werkstoff und Energieträger hat den Menschen durch alle Perioden seiner Geschichte begleitet. Holz ist der Traditionswerkstoff schlechthin. Aufgrund des komplexen Aufbaus von Holz erfordert die moderne Holzverwendung neue Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen. Neue und verbesserte Produkte und Prozesse sind auch notwendige Impulse, um Holz aus der Umklammerung seiner eigenen Tradition zu lösen. So kann Holz als einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe zu einem Leitwerkstoff für die Zukunft werden. Wesentliche Neuerungen der Holzbe- und -verarbeitung sowie der Holzwerkstoffentwicklung wurden im letzten Jahrhundert eingeläutet. In den letzten 50 Jahren vollzog sich der Schritt von manufakturartigen Kleinbetrieben zur modernen Industrieproduktion. In Bereichen wie der Sägeindustrie ist die Produktivität um ein Vielfaches gestiegen. Durch die Entwicklung von kostengünstigen Holzwerkstoffen wie Span- und Faserplatten wurde der Möbel- und Innenausbau revolutioniert. Die Verfügbarkeit und die einfache Verarbeitbarkeit haben auch bei der Möbelherstellung die industrielle Fertigung vorangetrieben. Hinter dieser Veränderung stehen hoch entwickelter Maschinen- und Anlagenbau, Einsatz moderner Informationstechnik, Produktions- und Transportlogistik sowie zahlreiche holztechnologische Entwicklungen.

Holz als Bau- und Werkstoff Ein Großteil des Rohstoffes Holz wird im Baubereich

eingesetzt, wobei der Sicherheit von lastabtragenden Teilen höchste Priorität zukommt. Dies ist eine große Herausforderung für einen natürlich gewachsenen und sehr inhomogenen Roh- und Werkstoff. Mit der Einführung neuer Techniken der Holzsortierung nach Aussehen und Festigkeit gelang der Durchbruch in Richtung eines zeitgemäßen Baustoffes. Moderne Methoden der Durchstrahlung des Holzes ermöglichen es, zerstörungsfrei Informationen über innere Struktur und Eigenschaften des Materials zu gewinnen. In Verbindung mit numerischen Modellen und Simulationen soll es gelingen, weiter verbesserte Sortiermodelle zu erstellen. Holz und daraus erzeugte Ingenieurprodukte (Engineered Wood Products) haben damit die Chance, zu Baustoffen der Zukunft zu werden. Dazu sind auch neue Lösungen bei der Zerteilung des Rundholzes in Bretter und Lamellen sowie der Verklebung des Holzes zu Werkstoffen und Bauteilen nötig.

Holzwerkstoffe der Zukunft Der oben dargestellte Überblick macht klar, dass moderne Holzforschung und -technologie eines stark interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsansatzes bedürfen. Zukunftsweisende Entwicklungen machen ein Zusammenspiel von Maschinenbauern, Elektrotechnikern, Verfahrenstechnikern, Chemikern und Holzwissenschaftern notwendig. Ein Beispiel für einen solchen interdisziplinären Ansatz sind die Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe


Holz ausblicke 1|11 Extrusion eines „Decking Profile“ aus Wood Plastic Composites

(Wood Polymer Composites, WPCs). Im Rahmen der Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen des Kompetenzzentrums Holz (Wood K plus) wurde in den letzten zehn Jahren intensiv an solchen WPCs gearbeitet. Extrusions- und Spritzgusstechniken aus der Kunststofftechnologie werden mit chemischem und holzwissenschaftlichem Know-how zusammengeführt, um Werkstoffe mit einer möglichst guten Verbindung zwischen den beiden Rohstoffkomponenten herzustellen. Für die verschiedenen Anwendungen geht es darum, betriebssichere (Festigkeit, Kriechverhalten usw.) und langlebige Produkte (Bewitterungsbeständigkeit, Farbechtheit etc.) herzustellen, welche die positiven Eigenschaften von Holz und Kunststoff in sich vereinen. Ressourceneffizienz und Leichtbau sind weitere Schlagworte der zukünftigen Holzwerkstoffentwicklung. Häufig kommt in diesem Fall ein sogenannter Sandwich-Aufbau zur Anwendung: Eine möglichst leichte Mittellage sorgt für Gewichtseinsparung; die Decklagen gewährleisten die notwendige Stabilität und eine ansprechende Optik und Haptik. Neue Arbeiten beschäftigen sich mit der Entwicklung von besonders leichten Holzschäumen, die aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden. Aber auch bisher ungenutzte Pflanzen und Reststoffe aus der Landwirtschaft werden als Ausgangsstoff für die Produktion von Bau- und Werkstoffen in Betracht gezogen. Dies zeigt etwa das Beispiel der maico-Platte, für die Maiskolben (ohne Körner) zum Einsatz kommen.

In der Kunststofftechnologie ist es gelungen, farbund lichtechte Produkte und Beschichtungen zu entwickeln. Analog dazu wird auch von Holz und Holzwerkstoffen eine ähnliche Dauerhaftigkeit des Erscheinungsbildes der Oberfläche gefordert. Für beschichtete Holzwerkstoffe wurden im Rahmen der Forschungsarbeiten des oben genannten Kompetenzzentrums Holz wegweisende Entwicklungen vorangetrieben. An einer Verbesserung von Massivholzoberflächen soll in Zukunft gearbeitet werden. Ein völlig anderes Anwendungsspektrum eröffnet die chemische Zerlegung des Holzes. Aus dem so gewonnen Zellstoff bzw. der daraus erzeugten Viskose können nicht nur Karton, Pappe und Papier, sondern auch hochwertige Fasern hergestellt werden. Die Firma Lenzing beschäftigt sich intensiv damit, die Eigenschaften ihrer Fasern ständig zu verbessern und für verschiedenste Anwendungen auszurichten; das gilt für Textilfasern ebenso wie den sogenannten „non-woven“-Bereich, für Anwendungen in der Hygiene und in der Medizin. Mit dem Konzept der Holzraffinerie wird versucht, alle Komponenten des Holzes beim chemischen Aufschluss bestmöglich zu nutzen und in hochwertige Produkte zu überführen. Neben der Hightechfaser aus Holz können auch Ausgangsstoffe für wichtige Grundchemikalien oder Spezialprodukte wie Süßstoffe gewonnen werden. ||| Ulrich Müller, Kompetenzzentrum Holz GmbH, Massivholz und Holzverbundwerkstoffe

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Das „Bergholz“ des Biosphärenparks Großes Walsertal Räumliche Nähe als Erfolgsfaktor für wertschöpfungsorientierte Holzverarbeitung oder wie durch ökologische Nutzung und biologische Verarbeitung heimischen Holzes durch qualifizierte Handwerksbetriebe im eigenen Tal ein Mehrwert für die gesamte Region entsteht Karin Luger

Durch die UNESCO-Zertifizierung des Großen Walsertals als Biosphärenpark im November 2000 hat sich die Region freiwillig einer ökologischen Entwicklung verpflichtet. Das Große Walsertal erfüllt auf vielfältige Weise die Grundbedingungen für einen erfolgreichen Weg, die Strukturen der Region und deren kleinräumige Wirtschaftskreisläufe zu stärken.

Regional-lokale Ebene als Maßstab Rohstoffe, Kenntnisse und Fertigkeiten vor Ort sind ein wesentliches Instrument für eine nachhaltige Entwicklung. Sie lassen neue regionale Wertschöpfungsketten wie das Projekt „Bergholz“ entstehen, das auf das gemeinsame Interesse zahlreicher Akteure vom Waldbesitzer über die Sägerei bis hin zum Zimmerer, Schreiner und Ofensetzer baut. Den Grundstein für das Konzept dieser Zusammenarbeit in der Holzverarbeitung bis zum fertigen Möbel oder Haus legte der Auftrag eines Augenarztes, der ein baubiologisch optimiertes Haus für sich und seine Familie wollte. Gottlieb Kaufmann, ein Pionier im Massivholzbau und Wegbereiter des Projekts „Bergholz“, erzählt, „dass uns dieser Augenarzt sozusagen die Augen für die Ressourcen und Potenziale im Tal geöffnet hat“. Aus dieser Zusammenarbeit entstand im Oktober 2001 die Idee, als LEADER+gefördertes Projekt gemeinsam einen professionellen Weg einzuschlagen. Heute sind alle sechs Gemeinden des Tals, größere Forstbetriebe und neun Handwerksbetriebe an dem Projekt beteiligt, präsentieren sich als Partner für einen ökologischen und biologischen Hausbau und verbinden Sanierung und Innenausbau mit ästhetisch hochwertiger Architektur und Formgebung.

Erhaltung einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft Verarbeitet wird ausschließlich Holz aus dem Biosphärenpark. Bei der Bewirtschaftung, Schlägerung, Lagerung sowie Be- und Verarbeitung achten die Betriebe auf die biologischen Zusammenhänge. Der Wald im Großen Walsertal besteht zu 73% aus Fichten und Weißtannen. Diese auch lawinentechnischen Erfordernissen bestens entsprechenden Nadelhölzer werden hauptsächlich im konstruktiven Holzbau verwendet. Als wetterbeständiges Holz findet besonders die Weißtanne im Fensterbau sowie in der Außenverschalung ihre ideale Verwendung. Daneben spielen aber auch Buchen, Bergahorne und Eschen, welche insgesamt einen Anteil von 15 % erreichen, eine wirtschaftliche und ökologische Rolle für die Artenvielfalt und die Stabilität des Gesamtbestandes gegen Schadorganismen, Schnee und Sturmeinwirkungen. Ganz allgemein gilt für Bergholz, dass es sehr langsam wächst und sich daher durch Feinjährigkeit auszeichnet. Ökologische Waldbewirtschaftung heißt für das Projekt „Bergholz“ auch, die zu schlägernden Bäume vor allem so auszuwählen, dass die Verjüngungsvoraussetzungen für den Waldbestand in seiner Naturgerechtheit bestmöglich erhalten werden. Deswegen wird vorwiegend Starkholz geschnitten. „Der Rohstoffkreislauf bleibt regional“, erklärt Lothar Müller, Obmann von „Bergholz“. „Lange Transportwege zwischen Erzeuger und Verbraucher werden vermieden.“ Auch Transparenz gegenüber dem Kunden ist „Bergholz“ ein wichtiges Anliegen: „Jeder Kunde kann beim Einschnitt seines Holzes dabei sein.“


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Holzbauland Vorarlberg Der moderne Holzbau ist von den Zimmerern und Architekten im Ländle maßgeblich mitgeprägt worden. Seit den 1990er-Jahren wird der Architektur und dem modernen Holzbau Vorarlbergs auch große Aufmerksamkeit seitens der europäischen Fachwelt zuteil. Dies belegen unzählige Veröffentlichungen und der stetig wachsende Architekturtourismus. Rund 30.000 Besucher aus dem In- und Ausland zieht die Vorarlberger Baukunst jährlich an. Für Matthias Ammann, Geschäftsführer des von Leader geförderten Vereins „vorarlberger holzbau_kunst“, der zum Ziel hat, die regionale Wertschöpfungskette Holzbau landesweit zu stärken, ist das Projekt „Bergholz“ eine wichtige Initiative, die nach innen und außen wirkt: „Zahlreiche Architekturexkursionen führen die Besucher in das Große Walsertal, wo sie vor allem im Bereich öffentlicher Bauten zahlreiche gelungene Beispiele finden.“ Er zollt seinen Kollegen dafür große Anerkennung: „Hier zeigt sich, welche enorme Bedeutung die ‚Bergholz‘-Initiative für die gesamte Volkswirtschaft des Tals hat und wie die Strategie einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise

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„Bergholz“-Zertifikat f Ursprungsgarantie: Die Hölzer stammen ausschließlich aus dem Biosphärenpark Großes Walsertal. f Verarbeitungsgarantie: Die Betriebe verwenden ausschließlich biologische Werkstoffe und produzieren nach ökologischen Richtwerten. Es entsteht kein Sondermüll; alles kann zu 100 % wiedervon allen Beteiligten getragen und gelebt wird.“ Ein verwendet werden. Vorzeigeprojekt für die beiden „Bergholz“-Initiatoren f Transparenz: Jeder ist das Gemeindezentrum in Blons. Die Gemeinde hat „Bergholz“-Kunde hier ausschließlich hochqualitatives Bauholz aus kann zu jedem Zeitdorfeigenen Lawinenschutzbeständen verwendet. punkt Einblick in den Bereits in der Projektierungsphase haben die GeArbeitsablauf seines meindevertreter, Architekt Bruno Spagolla und die Auftrags nehmen.

regionalen Handwerksbetriebe einander regelmäßig zu Workshops getroffen und alle Schritte von der Beispiele realisierter Schlägerung bis zur Planung der kleinsten Details im öffentlicher Projekte im Biosphärenpark Innenausbau gemeinsam festgelegt. f

Blick in die Zukunft Trotz aller bisher erreichten Erfolge gilt es für Gottlieb Kaufmann und Lothar Müller, weiter an der Bewusstseinsbildung für eine regionale Wertschöpfung zu arbeiten und die Marketingaktivitäten weiter auszubauen. Sie haben auch das weitere In- und Ausland ins Visier genommen: „Wir wollen uns verstärkt an Messen und Veranstaltungen beteiligen und gemeinsam Schritte in Richtung Export gehen.“ ||| Karin Luger, büro für neue perspektiven im ländlichen raum

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Neubau der Erlebnissennerei Haus Walserstolz in Sonntag-Boden Gemeindezentrum St. Gerold (1. „Bergholz“-Passivhaus) Gemeindezentrum Blons (Holzbautechnik und Innenraumgestaltung)

www.bergholz.at


Netzwerk Land


Mit Seminaren und Workshops im Agrar- und Umweltbereich sowie in der Regionalentwicklung setzt Netzwerk Land auch 2011 Impulse im l채ndlichen Raum.


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Siegerprojekte

ÖKL-Baupreis 2010 2010 wurde vom Lebensministerium unter dem Dach von Netzwerk Land erstmals der ÖKL-Baupreis Landwirtschaft ausgeschrieben. Der Preis zeichnet Stallbauten aus, die der österreichischen Landwirtschaft durch besonderen Ideenreichtum neue Perspektiven und wirtschaftliche Chancen eröffnen. Dieter Brandl

Thema des ÖKL-Baupreises 2010 waren zeitgemäße und wirtschaftliche Milchviehställe. Von 91 Einreichungen und 12 nominierten Projekten wurden vier Betriebe als Preisträger ausgewählt, welche im Lebensministerium ausgezeichnet wurden. Diese Siegerprojekte werden im Folgenden kurz vorgestellt. Nähere Informationen finden sich unter www.oekl.at.

Wirtschaftlicher Betrieb mit klar strukturierten Funktionsbereichen

Biobetrieb Kernegger, Steiermark Das Projekt des Betriebs Kernegger ist ein gelungenes Beispiel für einen Milchviehstall in Form eines Zubaus für 40 Milchkühe. Die funktionellen Bereiche Milchviehstall, Melkbereich und Kälberstall sind klar strukturiert; der Melkbereich ist ausgezeichnet situiert. Das ermöglicht einen geräumigen Wartebereich und kurze Arbeitswege. Der Stall hat klare Achsen für Futtervorlage und Entmistung, was die Baukosten

verringerte. Der Stallraum bietet hohen Tierkomfort, eine gute Übersicht und schafft mit der offenen Längsseite nach Süden hin eine räumliche Großzügigkeit. Der dadurch gegebene hohe Lichteinfall wird mit verstellbaren Curtains geregelt. Die Stirnseiten mit Windschutznetzen gewähren ausreichend Schutz vor extremer Witterung. Der Zubau mit dem flach geneigten Pultdach schafft durch seine moderate Höhenentwicklung eine schlüssige Anbindung zum bestehenden Altgebäude, sodass das Erscheinungsbild der Hofanlage erhalten bleibt. Der klare konstruktive Holzbau und die industriell vorgefertigten Bauteile entsprechen den funktionellen Anforderungen und zeigen ein gut durchdachtes sowie ansprechendes Zusammenspiel.

Tiergerechter und innovativer Kompoststall

Betrieb Kopper mit gehobenem Tiergerechtheitsstandard, Steiermark Das Projekt der Familie Kopper für 65 Milchkühe zeigt innovative Lösungsansätze für neue Entwicklungen beim Melken und beim Tierkomfort. Der bestehende


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Liegeboxenlaufstall wurde hervorragend eingebunden. Die Bestandserweiterung umfasst ein Stallgebäude mit einer Kompostliegefläche und einen Fressgang mit separater Überdachung. Das innovative Konzept des Kompoststalls bietet den Tieren hohen Komfort im Liegebereich. An der Schnittstelle der beiden Stalleinheiten befindet sich das automatisierte Melksystem, das eine gute Übersicht bietet und kurze Wege für Mensch und Tier gewährleistet. Der Kompoststall weist eine großzügig nach Süden hin offene Seite, eine abgesetzte Futtertischüberdachung sowie einen temporären Wind- und Witterungsschutz mit variablen Windschutznetzen an der Nordseite auf. Diese Bauform garantiert viel Licht und maximalen Luftaustausch. Die offene Bauweise mit dem konstruktiven Holzbau unter Einsatz von Leimbindern ermöglicht eine gelungene Angliederung an das bestehende Stallgebäude.

Sehr gute Baulösung bei beengter Hoflage im Dorf

Betrieb Gassner mit gehobenem Tiergerechtheitsstandard, Vorarlberg Der Standort des Hofes der Familie Gassner mit begrenzter Bauplatzgröße in enger Dorflage stellte eine planerische Herausforderung für die Errichtung des neuen Stallgebäudes dar. Der Neubau für 41 Milchkühe wurde gekonnt dem Altgebäude zugeordnet, wobei die klug ausgedrehte Liege- und Fresshalle einen gelungenen Übergang zum Altbestand und sogar zusätzlich einen Laufhof schafft. Der dreireihige Liegeboxenlaufstall zeichnet sich durch eine klare axiale Ausrichtung von Tierbereich, Futtervorlage und Entmistung aus. Durch den Einsatz von Holz ergibt sich eine architektonisch ansprechende Baulösung. Der Neubau erzielt mit dem ge-

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gliederten Flachdach im Liegebereich und über dem Futtertisch eine gelungene Einbindung des großen Bauvolumens in die bestehende Gebäudestruktur der Hofanlage und in die umgebende Dorfbebauung. Die Dachöffnungen über den Gangzonen gewährleisten die Funktionssicherheit des freien Lüftungssystems und zusätzlichen Lichteinfall. Die offene Seite am Futtertisch erzeugt für Mensch und Tier eine helle Atmosphäre im Stall und stellt einen unmittelbaren Bezug zum natürlichen Außenraum her.

Arbeitswirtschaftlich übersichtlicher Ziegenstall mit Heutrocknung

Biobetrieb Wellinger, Oberösterreich Das Projekt der Familie Wellinger zeigt klare Ansätze für die Entwicklung zu größeren Ziegenherden. Die Situierung des Stalls für 250 Milchziegen neben der Hofanlage ermöglicht eine spätere Erweiterung ohne grundsätzliche Änderungen der Funktionsbereiche und Arbeitsachsen. Der Altbestand bietet Raum für Sonderbuchten, Lagerflächen oder gesonderte Arbeitsplätze. Für die optimierte Nutzung passiver Sonnenenergie zur Rundballentrocknung wurde die Längsseite nach Süden ausgerichtet. Die abgestuften Pultdachflächen reduzieren in der Wahrnehmung die Größe des Gebäudes in seinen Ausmaßen und der zweigeschoßigen Nutzung. Die dadurch entstehenden Lichtbänder unterstützen das freie Lüftungssystem und erhöhen den natürlichen Lichteinfall in das Gebäude. Der Tieflaufstall bietet eine weiche Liegefläche und ausreichend Platz für soziale Verhaltenselemente. Der mit Beton planbefestigte Auslauf, der dazu eine wertvolle Ergänzung darstellt, fördert Bewegung, Klauengesundheit und Thermoregulation der Tiere. |||

Dieter Brandl, ÖKL – Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung


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Das Arbeitsprogramm von Netzwerk Land für 2011

Christian Jochum

N ETZ werk LAND agrar.preis die besten 2011 unternehmen

Neben Anpassungen und Weiterentwicklungen wie im Jahr 2010 widmet sich das Arbeitsprogramm von Netzwerk Land für 2011 dem Jahresschwerpunkt „Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft“. Die allgemein positiven Reaktionen zur bisherigen Arbeitsweise sind Motivation, den bisherigen Kurs fortzusetzen. Das breite Maßnahmenspektrum bleibt erhalten, die Vernetzung beginnt bereits bei der internen Struktur.

nahme der LE, widmet sich das Jahresprogramm wieder diversen Teilaspekten wie dem Naturschutz in der Land- und Forstwirtschaft oder den Landschaftselementen. Für das Schutzgebietsmanagement ist ein eigener Schwerpunkt vorgesehen. Im Rückblick zeigt sich, dass das Geheimnis des Erfolgs im Zusammenbringen unterschiedlicher Positionen und in der sachlichen Aufarbeitung offener Probleme liegt.

Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfungskette

Intervision für Leader-Gruppen

Eine Reihe von Maßnahmen unterstützt die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft. Die bessere Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette ist strategisch wichtig für die Zukunft, gestaltet sich aber in der Praxis schwierig. Daher werden 2011 Maßnahmen im Bereich der gemeinsamen Produktentwicklung und der Qualitätssicherung im Mittelpunkt stehen. Diese Aktivitäten sind auf die Initiative „Unternehmen Landwirtschaft 2020“ bzw. die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zur Zukunft des Milchmarkts abgestimmt.

„Agrar.Preis“ zur Jahreskonferenz Mit dem „Agrar.Preis 2011“ als Jahreswettbewerb werden die besten landwirtschaftlichen Unternehmen gesucht, die wirtschaftlich erfolgreich, strategisch orientiert und optimal organisiert sind, dabei aber auch die Work-Life-Balance nicht vergessen. Die Siegerehrung ist der Höhepunkt der Jahreskonferenz, die im Herbst 2011 in Lambach stattfindet.

„Internationales Jahr der Wälder“ Schwerpunktthema der „Ausblicke 1.11“ ist das „Internationale Jahr der Wälder“. Die Vielfalt der Forstwirtschaft spiegelt sich in verschiedenen Kooperationen wider.

Auf die Methode kollegialer Beratung bauende Workshops werden LAG-ManagerInnen unterstützen. Die Leader-Jahrestagung und die internationalen Aktivitäten runden das Serviceangebot von Netzwerk Land ab. Mit der interkommunalen Kooperation soll die Zukunft des ländlichen Raumes gesichert werden.

„Arbeitsgruppe Chancengleichheit“ Auf speziellen Wunsch des LE-Begleitausschusses wird nach einjähriger Vorbereitungszeit ein Maßnahmenpaket für Frauen und Jugendliche im ländlichen Raum umgesetzt; die Themen: Chancengleichheit in der Förderabwicklung, Managementtraining für Frauen, Regionalentwicklung.

Netzwerk der Netzwerke – in Österreich und auf EU-Ebene Netzwerk Land ist in Österreich von den „Lernenden Regionen“ bis zu den Regionalmanagements mit mehreren anderen Netzwerken in Kontakt. Auf europäischer Ebene treffen die nationalen Netzwerke regelmäßig mit dem europäischen zusammen, wobei in den letzten Monaten die Diskussion über die Zukunft der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ dominierte. In einigen thematischen Arbeitsgruppen, wie z. B. zu Social Farming oder dem Forestry Network, ist Österreich aktiv vertreten. Bilaterale Kontakte speziell über Leader fördern die internationale Vernetzung. |||

Dauerbrenner „Agrarumwelt“ Ist das ÖPUL die mit Abstand größte Einzelmaß-

Christian Jochum, Netzwerk Land


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Mehr Chancen für Frauen und Jugendliche in der ländlichen Entwicklung:

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Chancengleichheit Magdalena Stacher

Zur Stärkung der Wirkung des Programms LE07–13 im Hinblick auf die Chancengleichheit von Frauen und Jugendlichen im ländlichen Raum wurde im Juni 2009 bei der 4. Sitzung des Begleitausschusses LE07–13 die Einrichtung der Arbeitsgruppe „Chancengleichheit LE07–13“ im Rahmen von Netzwerk Land beschlossen. Bei der Konstituierung der Arbeitsgruppe legten deren Mitglieder die folgenden Aufgaben als wesentliche Zielsetzungen fest: f Analyse der bestehenden Defizite und Erarbeitung von konkreten Vorschlägen zur Behebung der Mängel im Bereich Frauen und Jugend (was künftig zu mehr Projekten zu diesem Thema führen sollte) f Verbesserung der Informationsarbeit über das Thema Chancengleichheit f Erhöhung des Know-hows und der Sensibilität bei den Förderstellen f Stärkung der Position von AkteurInnen im Bereich der ländlichen Entwicklung und Abbau der Barrieren in den bestehenden Richtlinien Die Besetzung der Arbeitsgruppe erfolgte gemäß Nominierung der im Begleitausschuss vertretenen Institutionen, wobei darauf Bedacht genommen wurde, dass die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Eine aus VertreterInnen von Netzwerk Land, einer Chancengleichheits-NGO, eines LAG-Managements, der Bundesarbeitskammer, der Landwirtschaftskammer Österreich, der Wirtschaftskammer Österreich, der Bundesjungendvertretung, der Kärntner Landesregierung sowie des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft bestehende Kerngruppe stellt die Kontinuität der Diskussionen und eines effizienten Maßnahmenerarbeitungsprozesses sicher.

Ergebnisse der Arbeitsgruppe Die Mitglieder der Arbeitsgruppe trafen im Jahr 2010 viermal zusammen. Als Ergebnis des Diskussionsprozesses kann nun ein Katalog mit folgenden Maßnahmen präsentiert werden: f ein Wettbewerb für Chancengleichheitsprojekte (2012) f eine Trainingsreihe zum Aufbau von Genderkompetenz bei den Förderstellen f eine modulare, berufsbegleitende Weiterbildung für in der ländlichen Entwicklung arbeitende Frauen zur Stärkung ihres strategischen Handelns in der Gremienarbeit und ihrer Managementkompetenzen f das Angebot einer „Zukunftskonferenz“ für Leader-Regionen zur Entwicklung von Maßnahmen zur Integration des Themas Chancengleichheit von Frauen und Jugendlichen in die regionalen Strategien Aus Sicht des BMLFUW tragen die genannten Maßnahmen wesentlich zur Sensibilisierung für das Querschnittsthema Chancengleichheit sowie zur Bewusstseinsbildung und Qualifizierung der involvierten Akteurinnen und Akteure bei. Mit der Umsetzung der Maßnahmen wird heuer begonnen. Bestehende Defizite sollen noch in der laufenden Periode deutlich reduziert werden. Darüber hinaus werden auch die Ergebnisse der Arbeitsgruppe in die Programm- und Maßnahmengestaltung für die Periode LE 2014 + einfließen. Neue Projektideen, die sich explizit mit den Themen Stärkung der Position und Erhöhung der Möglichkeiten von Frauen und Jugendlichen im ländlichen Raum beschäftigen, werden mit großem Inter- Magdalena Stacher, esse erwartet. Projekte können bei den zuständigen BMLFUW, Nachhaltigkeit und ländlicher Raum Stellen eingereicht werden. |||

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Mensch, Natur und Kultur im Einklang

Kuratorium Wald

Guntram Münster und Christof Kuhn

Das Kuratorium Wald ist eine gemeinnützige Umwelt- operation mit dem BMLFUW den Baum des Jahres NGO mit rund 3000 Förderern. Schwerpunkte sind die (Baum des Jahres 2011 ist die Zirbe). Ziel dieser Erhaltung von Österreichs Kultur- und Naturland- Aktion ist die Bewusstseinsbildung für die jeweilige schaften sowie der Einsatz für Naturschutz und eine Baumart, die Verstärkung des öffentlichen Interesses nachhaltige ökologische Waldpolitik. Ein wichtiges sowie der Schutz der Baum- und Straucharten. Prinzip ist die Sensibilisierung und Mobilisierung des Anlässlich des UNO-Jahres des Waldes 2011 Einzelnen für die Umwelt und seine Mitwelt. und der Biodiversitätsdekade 2011– 2020 will das Dazu hat das Kuratorium Wald auch das rund elf Kuratorium Wald folgende Beiträge für die biologiHektar große Areal „Am Himmel“ in 1190 Wien er- sche Vielfalt in Österreichs Wäldern leisten: worben und ein beliebtes Naherholungsgebiet im f Herausgabe der Broschüre „Vielfalt im Wald“, Biosphärenpark Wienerwald geschaffen: 1997 wurde eines Standardwerks zur Biodiversität im Wald der Lebensbaumkreis errichtet – ein weltweit einzig(im unten angeführten Webshop zu bestellen) artiges Naturdenkmal zur Verdeutlichung der Bezie- f waldbezogene Aufklärungs- und Bildungshung zwischen Baum und Mensch. In diesem Klangaktivitäten inkl. waldpädagogischer Führungen raum der Lebensbäume wird an Wochenenden im Bereich des Lebensbaumkreises klassische Musik eingespielt. f Teilnahme an Aktivitäten zur Eindämmung des Es folgten die Errichtung des nachhaltig geführVerlusts österreichischer Waldlebensräume ten Restaurants Oktogon und waldpädagogische An(Sensibilisierung von Stakeholdern wie Forstbegebote für Kinder und Erwachsene. Mit dem Ankauf trieben, NGOs, Tourismusverantwortlichen, und der Revitalisierung der Sisi-Kapelle rettete das Vertretern von Institutionen und Behörden sowie Kuratorium Wald Österreichs ältestes neugotisches der breiten Öffentlichkeit für die Bedeutung Gebäude vor dem Abriss. Seit 2003 wird Wein naturder biologischen Vielfalt im Wald; Attraktivierung nah angebaut, seit 2010 gibt es auch eine Imkerei. der Durchführung von Maßnahmen zur FördeLaufend finden weitere nachhaltige Projekte sowie rung der Waldbiodiversität durch nachhaltige kulturelle und private Veranstaltungen statt. Bewirtschaftung) Das Kuratorium Wald befasst sich auch mit der f Eintreten für die Abschaffung von biodiversitätsschädigenden Subventionen ||| Alpenkonvention (u. a. dem Bergwaldprotokoll) und entwickelte und betreut die „Rechtsdatenbank Alpenkonvention“ mit 194 Literaturquellen, 76 Bescheiden Guntram Münster und Christof Kuhn, Kuratorium Wald und Berufungserkenntnissen zu den DurchführungsKuratorium Wald – Am Himmel: www.himmel.at (mit Webshop) protokollen der Konvention. Seit 1994 ernennt das Kuratorium Wald in Ko- Rechtsdatenbank: www5.umweltbundesamt.at/alpenkonvention

Das Kuratorium Wald stellt sich vor Der ehrenamtliche Präsident des Kuratoriums Wald ist Gerhard Heilingbrunner; er ist auch Präsident des Umweltdachverbands. Zum Team des Kuratoriums Wald zählen z. B. Guntram Münster und Christof Kuhn. Guntram Münster stammt aus Vorarlberg, hat in Wien Psychologie studiert und leitet mit Begeisterung die waldpädagogischen Angebote des Kuratoriums Wald – Am Himmel. Weiters erledigt er technische und administrative Aufgaben. Christof Kuhn, gebürtiger Wiener, ist Kulturtechniker und Wasserwirtschafter und führt im Kuratorium Projektarbeit zu Themen der Waldbiodiversität durch.


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Die Plattform BIOSA – Biosphäre Austria

Naturschutz aus erster Hand

Renate Haslinger

Die Naturschutzorganisation BIOSA – Biosphäre Austria, eine Gründung der größeren österreichischen Forstbetriebe, hat sich vor mehr als 15 Jahren dem aktiven Naturschutz im Wald verschrieben. Über 120 Grundeigentümer betreiben auf rund 3000 Hektar, zum Teil auf Basis von Vertragsnaturschutz, aktives Biotopmanagement. Die ökologisch wertvollen Flächen sind oft seit Generationen im Besitz ein und derselben Familie und werden seit Jahrhunderten gehütet. Der Schutz erfolgt durch verantwortungsvolle Nutzung. Bei allen Aktivitäten der BIOSA stehen die Integration der Grundeigentümer und der verstärkte Dialog mit der interessierten Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Hauptaufgabe ist es, durch Schutz der Arten und Lebensräume sowie der genetischen Diversität aktiv und nachhaltig zum Erhalt der Vielfalt des Lebens beizutragen. Auch in den Projekten ist Vielfalt gefragt. Vorbildprojekt für den angewandten Naturschutz im Wald ist das Naturwaldzellen-Programm der BIOSA und der Naturschutzabteilung des Landes Steiermark. Ein Netz von Vertragsnaturschutzflächen erfasst die in der Steiermark vertretenen Waldgesellschaften, einzigartigen Biotoptypen und Sonderbiotope. Neben Zirben-, Bergulmen- und Schluchtwäldern sowie Mooren finden sich in diesem Netz von Vertragsnaturschutzprojekten auch Artenschutzprogramme wie für den Auerhahn.

Auch außerhalb der Steiermark ist BIOSA für den Natur- und Artenschutz aktiv und betreut zahlreiche Waldschätze. So gehören seltene Waldgesellschaften genauso zu den ausgewählten Gebieten wie Seen, Wasserfälle, Moore, Höhlen und Feuchtwiesen in ganz Österreich. Neben Vertragsnaturschutz- und Biotopmanagementprojekten widmet sich BIOSA der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit und Ökosponsoring-Projekten. So konnten in den vergangenen Jahren in Österreich zahlreiche Lehrpfade mit alten Obstbaumsorten und mehr als 30 Heil- und Kräutergärten in Kindergärten und Schulen angelegt werden. Gelebte Praxis war und ist es, alle Projekte mit den Grundeigentümern und für die Gemeinschaft durchzuführen. BIOSA hat bewiesen, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Gesellschaft auch in partnerschaftlicher Zusammenarbeit und ohne Konflikte gelöst werden können. Es geht nicht darum, Mitarbeit an den Projekten zu erzwingen oder potenzielle Partner zu provozieren, sondern durch ehrliche und sorgsame Aufklärungsarbeit zu überzeugen. Wir bieten auch der Naturforschung breiten Raum. Die Erkenntnisse daraus fließen in die Bewirtschafterpraxis ein. |||

Renate Haslinger, BIOSA, Geschäftsführerin

Die Plattform BIOSA stellt sich vor Für die Geschicke der BIOSA ist ein Damenduo verantwortlich. Präsidentin Hermine Hackl und Geschäftsführerin Renate Haslinger sind seit Jahren ein eingespieltes Team. Hermine Hackl, auch bekannt als „Stimme des Waldes“, ist unter anderem auch Geschäftsführerin und Vizepräsidentin von „wald.zeit Österreich“ und leitet die Unternehmenskommunikation von Agrarmarkt Austria Marketing. Renate Haslinger, studierte Forstwirtin, ist seit 1998 bei BIOSA und seit zwei Jahren auch Geschäftsführerin des österreichischen Forstakademiker-Verbandes. www.biosa.at


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Menschen mit viel Seele in einer Bilderbuchregion Die Leader-Region Pillerseetal-Leogang bewahrt trotz Massentourismus ihre Identität. Teresa Arrieta

Zerklüftete Berge, ein stahlblauer See und ein weitläufiges Tal, in das sechs Dörfer eingebettet sind – das ist die Leader-Region Pillerseetal-Leogang im Osten Tirols und Westen Salzburgs, die direkt an Bayern grenzt. Die Menschen duzen jeden Besucher, trotz Intensivtourismus sind sie offen und vertrauensvoll geblieben. „Jetzt bin ich schon dreißig und brauche immer noch keinen Haustorschlüssel“, sagt Regionalmanager Stefan Niedermoser. Er wohnt mit seiner Familie im elterlichen Haus, wo die Tür immer offen steht.

Früher Bergbauern, heute Schilehrer Die Orte Fieberbrunn, Hochfilzen, St. Jakob, St. Ulrich und Waidring haben sich zu einer Ganzjahresferienregion rund um den Pillersee zusammengeschlossen. Fünf Monate pro Jahr liegt hier Schnee, und die Schilehrerdichte in der Bevölkerung ist dementsprechend hoch. Auch der Sommertourismus gedeiht prächtig. Der Leader-Verein Pillerseetal wurde 1996 gegründet, zu Beginn der Periode LEADER+ kam die Pinzgauer Gemeinde Leogang dazu. Im Tal leben 12.500 Menschen, sie verzeichnen jedes Jahr 1,3 Millionen Nächtigungen. In der Hochsaison gibt es viermal so viele Besucher wie Einwohner, doch das wird gut verkraftet. „Wir halten zusammen und sind harte Arbeit gewohnt“, sagt Stefan Niedermoser. Noch vor zwei Generationen lebten hier fast ausschließlich Bergbauern, die von 6 Uhr früh bis 10 Uhr nachts arbeiteten: „Das Leistungsdenken wurde uns von den Großeltern mitgegeben. Das schätzen auch Unternehmer. Bei uns haben sich zahlreiche Betriebe angesiedelt.“ Das Pillerseetal ist trotz Besucheransturms eine ruhige Ferienregion für Familien, abendliches Highlife sucht man hier vergebens.

Tal der Spitzenathleten Das Tal hat die Spitzenathleten Dominik Landertinger (Biathlon-Weltmeister), Romed Baumann (WeltcupSchiläufer), Fritz Pinter (Biathlon) und Markus Bader (Langläufer) hervorgebracht. Mit Leader-Unterstützung haben sich diese vier erfolgreichen Sportler zusammengetan und die Marke „Die Pillerseetaler“ ins Leben gerufen. „Sie repräsentieren die Region mit Stolz und betonen in der Öffentlichkeit, woher sie kommen“, so Daniela Maier von der betreuenden PR-Agentur. Es wurden u. a. Autoaufkleber mit den Porträts der vier Sportler produziert und Banner in die Dörfer gehängt. „Seither hat sich das Wirgefühl im Tal noch mehr verstärkt“, freut sich Daniela Maier.

Avantgardetheater in den Bergen Ein wichtiges Anliegen der Regionalentwicklungsstrategie ist der Erhalt der kulturellen Authentizität. Die von Leader unterstützte Trilogie „Schichten“ der Gruppe „ortszeit“ beispielsweise fördert die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Die Theaterstücke wurden in Leogang jeweils im Freien an mehreren Spielstätten aufgeführt, die Zuschauer begaben sich von einem Schauplatz zum nächsten. Das 2008 uraufgeführte dritte Stück „Protestanten!“ erinnert an den Zug der Tiroler Protestanten 1731, die sich trotz Angst vor Vertreibung öffentlich zu ihrem Glauben bekannten. Auf dem zwei Kilometer langen Weg, den Schauspieler und Zuschauer gemeinsam gehen, zeigen die Protestanten durch lautes Singen und Beten ihren ungebrochenen Widerstand. „Die Leoganger haben ihre eigene Geschichte wiederentdeckt“, erklärt Regisseurin Ursula Reisinger. Viele Landwirte fanden heraus, dass ihr eigener Hof vormals protestantisch war. „Am Ende der Vorstellung haben wir die Liste aller ehemals protestan-


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tischen Höfe verlesen. Das war sehr berührend.“ Das aktuelle Stück heißt „Im Wald“. Die Vorstellungen sind stets ausverkauft. Mit Klängen und Fabelwesen stellt es das Geschehen im Wald dar.

Die Bilderbuchregion, die zwischen Sommer- und Wintersaison nur kurze Auszeiten kennt, geht (auch abseits des Tourismus) mit intelligenten Projekten einen eigenständigen Weg. Die Bewohner haben ihre Seele nicht verkauft. Regionalmanager Stefan NieKinder und Jugendliche gestalten dermoser kann das nur bestätigen: „Meine Mutter, die Eine andere Art der Identitätsfindung setzte der Zimmer vermietet, sitzt abends immer noch mit Freude „Skulpturenradweg“ in Gang: Entlang eines 70 km bei den Gästen.“ ||| langen Radweges, der wunderschönen SteinbergRunde, schaffen Kinder und Jugendliche in Koopera- Teresa Arrieta, freie Journalistin, Ö1-Sendungsgestalterin tion mit internationalen KünstlerInnen 25 Skulpturen. und Autorin „Die Kinder machen einen hochpolitischen Prozess durch“, meint Werner Sandner, Obmann des Leoganger Kinderkulturvereins. „Sie erleben, dass Regionalentwicklung heißt ihre Ideen von professionellen Künstlern ernst geWertewandel Im Gespräch mit nommen werden.“ Das Projekt läuft fünf Jahre. Die Stefan Niedermoser, Regionalmanager Kunstwerke werden jeden Herbst gemeinschaftlich der Leader-Region Pillerseetalentworfen und dann in den schulischen Werkstätten Leogang gegossen, gemeißelt und gehämmert. Im Frühling werden sie aufgestellt. Die Künstler sind von der sprüHerr Niedermoser, wie definieren Sie Ihren Job? henden Kreativität der Kinder überrascht. „Sie schöpEin guter Regionalmanager hat eine klare Strategie fen aus der Zusammenarbeit zahlreiche Ideen für eiund sagt auch einmal Nein, wenn ein Projekt nicht gene Projekte.“ Im Projekt fließen Kreativität, körperins Konzept passt. Wir warten nicht nur auf die liche Aktivität und Kinderempowerment zusammen. Ideen der lokalen Akteure, sondern initiieren selbst Im Rahmen von Schreib- und Illustrationswerkstätten Projekte. Etwa die Pillerseetaler Währung, die uns jährlich 100.000 Euro Umsatz bringt und gewährwird nun auch ein Buch über das Projekt realisiert.

Frauen stärken Empowerment für Frauen bietet der von Leader unterstützte tirolweite Politiklehrgang „Nüsse knacken, Früchte ernten“, der auch im Pillerseetal viel Anklang findet. Frauen, die im Gemeinderat aktiv sind oder hineingewählt werden möchten, lernen Rhetorik, überzeugendes Auftreten und Gemeinderecht. „Als Frau in der Politik muss man Spielregeln mitunter missachten und in einer Sitzung dazwischenfahren, um sich Gehör zu verschaffen“, sagt Carina Schlechter von der Regionalentwicklung Pillerseetal-Leogang, die am Lehrgang teilgenommen hat. Die Frauen werden durch den Lehrgang selbstbewusster, bis jetzt sind daraus bereits zwei Tiroler Bürgermeisterinnen hervorgegangen. In zwei der sechs Gemeinden der Region Pillerseetal-Leogang gibt es übrigens Bürgermeisterinnen − das zeugt von Aufgeschlossenheit.

leistet, dass die Wertschöpfung in der Region verbleibt. Wie bewerkstelligen Sie, dass in einer so stark touristisch geprägten Region die Menschen nicht zum Klischee ihrer selbst werden? Wir sind keine Hully-Gully-Region für Touristenentertainment. Wir entwickeln das Pillerseetal weiter, ohne die Region zu überlasten. Wir setzen auf Familien, auf Gesundheit, Sport und Kultur. Dabei schauen wir über den Tellerrand: Das beginnt damit, dass ich die Nachbarn zum Mittagessen einlade, und endet damit, dass wir ein Bildungsprojekt mit Tschechien betreiben. Für mich bedeutet Regionalentwicklung vor allem Wertewandel: dass die Menschen aufeinander zugehen, dass die Jugend Zukunftsperspektiven vorfindet, dass ältere Menschen bei uns im Tal gepflegt werden können. www.regio-tech.at


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Leader-Region Mühlviertler Kernland

Mensch – Wert – Region Im Mittelpunkt der Arbeit im Mühlviertler Kernland steht der Mensch. Mit seinen Werten formt und prägt er die Region. Fleißig, gastfreundlich, geradlinig, bodenständig, ernst. Das Mühlviertler Kernland hat Handschlagqualität. Auch was die Zukunft betrifft. Conny Wernitznig und Maria Knapp Mit Regionalentwicklung, Innovation und Zukunftstrends konnten die Menschen, die entlang des Eisernen Vorhangs groß geworden sind, noch bis vor einigen Jahren wenig anfangen. Dafür waren und sind ihnen Landschaft, Natur, Zusammenhalt und Beständigkeit wichtig. Sanfte Hügel, dichte Wälder, bunte Wiesen, ordentlich bestellte Felder, gepflegte Häuser − das ist auch der erste Eindruck, wenn man in Unterweitersdorf im Süden oder in Leopoldschlag im Norden das Tor ins Mühlviertler Kernland passiert. Den Namen „Mühlviertler Kernland“ hat der Tourismusverband schon 1998 entwickelt; er war eher für die Arbeit nach außen bestimmt. Mit Leader ändert sich das nun langsam: Die Begeisterung für den Blick nach innen wächst, immer mehr KernländerInnen machen das Grenzgebiet zu ihrer Heimat, arbeiten für die Zukunft aktiv mit − für die Zukunft von 18 Gemeinden und ihren 48.500 EinwohnerInnen.

auch Neues anregen“, so die Leader-Geschäftsführerin Conny Wernitznig.

Paradies für Reiter, Wanderer und Radfahrer Im 350 km langen, gut beschilderten Wander- und Reitwege-Netz des Mühlviertler Kernlandes können Reiter auf eigene Faust oder mit einem Tourenbegleiter die idyllische Landschaft erkunden. Welche Schwerpunkte man in Sachen Pferde in den nächsten Jahren setzen möchte, soll in einem einjährigen Qualifizierungsprozess erarbeitet werden, der in wenigen Wochen starten wird. Die sanfthügelige Region ist auch für Wanderer und Radfahrer ein Paradies. Im jüngsten Leader-Projekt geht es darum, das Kernland auch als Laufregion zu etablieren.

Behutsame Schritte nach vorn Von Raunzern und Visionären Schnell haben die an Leader interessierten Menschen im Mühlviertler Kernland erkannt, dass mit der Regionalentwicklungsmethode keine Wunder zu erwarten sind, dass sie selbst gefordert sind. Sesselkleber und Miesmacher finden nun weniger Gehör. Reinhard Böttcher, Bauleiter der Oberösterreichischen Landesausstellungen, bringt es auf den Punkt: „Diejenigen, die immer sagen, das und das geht nicht, sollen denen Platz machen, die es gerade versuchen.“ Die Cartoons des Kernländer Karikaturisten Rupert Hörbst unterstützen diese Einstellung: Leider & Leader – der Raunzer und der Visionär – diskutieren in Comicstrips à la „Hägar der Schreckliche“ die Geschehnisse in der Region. „Die Vorbilder für unsere Leader-Arbeit sind Regionen in ganz Europa. Manches können wir uns abschauen, manchmal aber

Auch in der Wirtschaft gehen die KernländerInnen mit ihren Ressourcen äußerst behutsam um. Dank Leader-Unterstützung können nun Produkte wie Kräuter, Bier, Most, Saft, Schnaps und Kaffee im In- und Ausland abgesetzt werden. Damit man gleich erkennt, dass ein Qualitätsprodukt aus der Kernland-Region kommt, wurde der Kernland-Qualitätspunkt entwickelt. Dieses Logo dürfen Produkte von ausgewählten bäuerlichen, kunsthandwerklichen und gewerblichen Betrieben im Mühlviertler Kernland tragen. Der Kernland-Qualitätspunkt ist ein wichtiger Schritt in der Regionalentwicklung. Qualifizierungsprozesse in der Landwirtschaft und im Tourismus laufen parallel. „Gemeinsam mit den anderen Mühlviertler Leader-Regionen ist das Kernland Teil eines grenzüberschreitenden Ressour-


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cenplans und mit der Bioregion Mühlviertler Kernland auf einem einzigartigen Weg“, freut sich die Obfrau der Kernland-Bauern Brigitte Maurer-Pühringer.

Wertschätzung für die Region lernen Mit der Kernlandschule will man in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Werte und Schätze der Region schärfen. „Zertifizierte Bildungseinrichtungen arbeiten gemeinsam mit Menschen aus der Region daran, ein Bildungstool zu entwickeln. Mit diesem Angebot soll Wissen über die Region breit zugänglich gemacht und Regionalbewusstsein als Marketinginstrument vermittelt werden“, erklärt Manuela JachsWagner, Geschäftsführerin des LFI (Ländliches Fortbildungsinstitut).

Der Mensch macht die Region Hinter den Erfolgsgeschichten der 49 Projekte mit einer Investitionssumme von 7,5 Millionen Euro in zweieinhalb Jahren steckt ein besonderer Menschenschlag: die KernländerInnen. Eine Studie belegt, dass der „Prototyp“ fleißig ist, auf Tradition setzt und seine Landschaft liebt. Um die weithin begehrten Kernländer Arbeitskräfte in der Region zu halten, arbeitet ein Team unter der Leitung von Christoph Wolf an der Entwicklung eines Telearbeit-Projekts, mit dem man Arbeitsplätze daheim oder in einem „Coworking Space“ schaffen möchte.

Die meisten Sonnenstunden und die niedrigste Arbeitslosenrate Im Gespräch mit Christian Jachs, Obmann des Regionalvereins Mühlviertler Kernland Was bestimmt das Handeln in der Leader-Region Mühlviertler Kernland? Regionale Stärken hervorheben, Wertschätzung der Menschen und ihrer Leistungen, regionales statt Kirchturmdenken, Zusammenhalt und Aufbruchstimmung – das sind die Motive, die unser Handeln als Leader-Region bestimmen. Welche Besonderheiten gibt es im Mühlviertler Kernland? Wir haben mitten am Land in Hagenberg eine hochspezialisierte Universität, den ersten tiergestützten Bauernhofkindergarten österreichweit (Franzlhof), die niedrigste Arbeitslosenrate Österreichs, die meisten Sonnenstunden Oberösterreichs, in Freistadt die einzige Braucommune Österreichs, die bundesweit führende Genussregion Mühlviertler Bergkräuter und vieles mehr. www.leader-kernland.at

Das Silicon Valley von Österreich Im Kernland gibt es auch Raum für Internationalität. Professor Bruno Buchberger, Forscher des Jahres 2010, weckte die Kernland-Gemeinde Hagenberg 1989 aus ihrem Dornröschenschlaf und verwandelte sie sukzessive in ein österreichisches Silicon Valley. Der von ihm gegründete Softwarepark Hagenberg ist weltweit einer der dynamischsten und erfolgreichsten Technologieparks, der Wirtschaft, Forschung und Ausbildung im Bereich Software verbindet.

Landesausstellung als Chance 2013 wird die grenzüberschreitende Landesausstellung in den Regionen Mühlviertel und Südböhmen stattfinden. Ausstellungsorte werden Freistadt, Bad Leonfelden, Krumau und Hohenfurth sein. Im Rahmen dieser Landesausstellung soll das gemeinsame kulturelle Erbe zwischen Donau und Moldau in den Mit-

telpunkt gestellt werden. „Weiters wollen wir auf die Herausforderungen der Gegenwart eingehen sowie Zukunftsperspektiven und Chancen beleuchten“, erzählt Conny Wernitznig. Bei der Leader-Managerin laufen auch die Fäden für die regionalen Veranstaltungen zur Landesausstellung 2013 zusammen. Am Marktplatz Mühlviertler Kernland mitten in Freistadt soll an den 200 Tagen der Landesausstellung regionales Treiben herrschen. Werbung dafür wird nicht zuletzt das Projekt „Schaufenster Mühlviertler Kernland“ machen. In jeder Gemeinde der Region werden von Mai 2011 bis Mai 2014 KünstlerInnen der Region und KunststudentInnen der Uni Linz in Schaufenstern Themen der Region inszenieren. Auch Kultur hat also ihren Platz in einer Region, die sich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Und deren Netzwerk beständig wächst. |||

Conny Wernitznig, LAG Mühlviertler Kernland, Geschäftsführerin Maria Knapp, Bezirksrundschau, Redaktion Freistadt


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Ländliches Netzwerk Schweden Das schwedische Ländliche Netzwerk wurde gegründet, um die Umsetzung des nationalen Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums 2007–2013 zu unterstützen. Jessica Hagrd

Wer gehört dem Netzwerk an? Alle auf nationaler Ebene tätigen Akteurinnen und Akteure, deren Tätigkeit zum Erfolg des Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums beiträgt, sind als Mitglieder des Netzwerks willkommen. Das Netzwerk hat bereits etwa 100 Mitglieder, und die Zahl nimmt weiter zu. Die schwedischen Regionalbehörden sind ebenso automatisch Mitglieder des Netzwerks wie die 63 schwedischen Leader-Gruppen. Andere Organisationen müssen um Mitgliedschaft ansuchen.

Was ist der Zweck des Netzwerks? In seiner Unterstützung der Umsetzung des schwedischen Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums 2007–2013 bemüht sich das Netzwerk, eine ganzheitliche Sicht zu fördern, indem es f den Austausch von Informationen, Erfahrungen und methodischen Ansätzen verbessert; f den Dialog der nationalen Akteure mit den lokalen und regionalen Akteuren, die an der Umsetzung des Programms für ländliche Entwicklung teilnehmen, ausbaut; f den Dialog und die Zusammenarbeit mit Akteuren in anderen Ländern fördert;

f

die Verbindungen zwischen Regionalpolitik, regionaler Wachstumspolitik und Umweltpolitik stärkt.

Das Sekretariat des Ländlichen Netzwerks Das Sekretariat des Ländlichen Netzwerks ist im Landwirtschaftsministerium angesiedelt. Das Ministerium ist auch die für die Umsetzung des Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums zuständige Behörde. Der Vorstand des Netzwerks umfasst Vertreterinnen und Vertreter von 13 Mitgliedsorganisationen. Den Vorsitz führt ein Vertreter des Landwirtschaftsministeriums. Der Vorstand gibt dem Netzwerk die wesentlichen Tätigkeitsbereiche und Themen vor und beurteilt die vom Netzwerk vorgeschlagenen und durchgeführten Maßnahmen.

Der wissenschaftliche Beirat für ländliche Entwicklung Das Ländliche Netzwerk und das schwedische Forschungsinstitut Formas haben gemeinsam einen wissenschaftlichen Beirat für ländliche Entwicklung eingerichtet. Dem Beirat gehören zehn Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen an,


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welche die Aufgabe haben, die Forschung im Bereich der ländlichen Entwicklung zu verfolgen. Der Beirat, der im November 2008 ins Leben gerufen wurde, soll f Trends und Prozesse in der Gesellschaft im Allgemeinen und in ländlichen Gebieten im Besonderen beobachten und die Umsetzung des Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums und dessen Auswirkungen verfolgen; f im Dialog mit anderen Akteurinnen und Akteuren des Netzwerks feststellen, ob es im landwirtschaftlichen Sektor von der Forschung nicht oder ungenügend beleuchtete Bereiche gibt und was es mit diesen auf sich hat; f untersuchen, ob Forschungsbedarf besteht, was etwa den Zusammenhang zwischen Gemeinsamer Agrarpolitik, Kohäsionspolitik und sektoralen Strategien im Hinblick auf regionalpolitische Ansätze betrifft; f sich bemühen, vermehrt Mittel für die Forschung im Bereich der ländlichen Entwicklung zu lukrieren; f bei Konferenzen des Ländlichen Netzwerks und dessen thematischen Arbeitsgruppen unterstützend wirken. Zur Unterstützung des wissenschaftlichen Beirats wurde eine Koordinationsgruppe gegründet, der Vertreter von Formas, des Ländlichen Netzwerks, der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften und des Landwirtschaftsministeriums angehören. Der Beirat hat auch an den Vorbereitungen für die Forschungskonferenz „Die ländliche Zukunft des Nordens“ im Mai 2010 mitgewirkt.

Thematische Arbeitsgruppen

Galaevent Seit 2009 veranstaltet das Ländliche Netzwerk ein Galaevent mit Preisverleihung. Ziel der Veranstaltung ist es, die besten Initiativen im Bereich der Umsetzung des Programms für ländliche Entwicklung vor den Vorhang zu holen. Im vergangenen Jahr fand die Gala im Rathaus von Stockholm statt, wo auch die meisten Nobelpreise verliehen werden. Angaben über die Anwärter auf einen Preis und vor allem über die Gewinner des Wettbewerbs werden nicht nur in einschlägigen Fachmedien, sondern auch über das europäische Netzwerk publiziert. Die Website des Ländlichen Netzwerks www.landsbygdsnatverket.se bietet einen Überblick über die besten Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Jahren 2009 und 2010.

Mehr Wissen über Zahlungen für Waldumweltmaßnahmen Die Zahlungen für Waldumweltmaßnahmen über das schwedische Programm für die Entwicklung des ländlichen Raums werden von dem auch für Forstwirtschaft zuständigen Ministerium für Unternehmen, Energie und Kommunikation verwaltet. Die forstwirtschaftlichen Maßnahmen zielen auf die Erhaltung und den Ausbau der Biodiversität der Wälder und ihres kulturellen Erbes sowie die Vermehrung von hochwertigen Nadelholzflächen ab. Waldbesitzer werden auf diesem Weg etwa dafür entschädigt, dass sie Wald schlägern oder den Anteil von Totholz erhöhen. Das Ländliche Netzwerk Schweden hat Kontakte zwischen dem zuständigen Ministerium, den regionalen Verwaltungsbehörden und den 63 LAGs des Landes hergestellt oder erleichtert. Diese Verbindungen haben dazu geführt, dass sich das Wissen über das Angebot forstwirtschaftlicher Maßnahmen bei den betroffenen Akteurinnen und Akteuren erhöht hat – was wiederum die Wirksamkeit des Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums verbessert. Good-Practice-Beispiele von Zahlungen für Waldumweltmaßnahmen werden im Newsletter des Netzwerks publiziert. |||

Das Netzwerk hat acht Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit folgenden Themen befassen: Energie, Raumplanung, kulturelle Integration, Jugend, lokale Finanzierung, Unternehmertum, Agrarumweltzahlungen sowie Förderung der Biodiversität und kultureller Werte in homogenen ländlichen Regionen. Jeder Gruppe gehören höchstens zehn bis fünfzehn Mitgliedsorganisationen an. Die Aufgabe der Arbeitsgruppen besteht darin, die Zusammenarbeit und Lernprozesse in bestimmten Themenbereichen zu fördern. Jessica Hagrd, Ländliches Netzwerk Schweden

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ausblicke 1|11 Internationale Termine

Internationale Termine Deutschland LINC Germany 2011 27.–30. April 2011 > Bad Schandau, Sächsische Schweiz LINC ist eine Initiative von LAGs und nationalen Netzwerkstellen für die ländliche Entwicklung in Österreich, Deutschland, Estland und Finnland. Leitthema der diesjährigen LINC-Veranstaltung wird die „Regionale Kooperation in der ländlichen Entwicklung“ sein. In Workshops können sich die TeilnehmerInnen mit Themen wie Grund- und Nahversorgung, Mobilität, (Um-)Nutzung ländlicher Gebäude und Inwertsetzung von Natur und Landschaft beschäftigen. Zudem werden GoodPractice-Beispiele zur regionalen und transnationalen Kooperation präsentiert. Vertreter der EUKommission berichten von den sich für Leader nach 2013 abzeichnenden Entwicklungen. Nähere Informationen: www.info-linc.eu/ ger_ de/ Germany-2011

Schweiz The Role of Payments for Ecosystem Services in the Green Economy 4.–5. Juli 2011 > Genf Der Workshop konzentriert sich auf die Länder, die der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen angehören (Europa, GUS, USA, Kanada, Israel). Thema werden Zahlungen für verschiedene Ökosystemdienstleistungen sein. Der Workshop zielt darauf ab, Regierungsvertretern einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen und einen Überblick über die effektivsten Politiken und Anreize bei der Einführung von Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen zu bieten. Die Ergebnisse werden in einen Aktionsplan für Wälder und die Green Economy einfließen, der bei der gemeinsamen Sitzung des Holzausschusses der Wirtschaftskommission für Europa und des EU-Forstwirtschaftsausschusses der FAO im Oktober zur Diskussion stehen wird. Nähere Informationen: http://timber.unece.org/fileadmin/DAM/meetings/ preliminary_agenda.pdf

Deutschland 25. Internationaler Workshop „Menschen bewegen – Regionen gestalten“ 12.–28. Juli 2011 > Herrsching, Oberbayern Das deutsche Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz veranstaltet jedes zweite Jahr den Internationalen Workshop für Führungskräfte der Landjugendarbeit. Dieser findet seit fünfzig Jahren in Herrsching am Ammersee statt. Landjugendführungskräfte aus aller Welt erhalten theoretische Unterstützung und Anregungen für die Praxis. In den vergangenen Jahrzehnten wurden unzählige wertvolle Impulse und konkrete Projektideen zur Verbesserung der Landjugendarbeit in die Praxis umgesetzt. Nähere Informationen: www.international-herrsching-seminar.de/de/

Frankreich Protected Areas as Tools for Regional Development – Perspectives for Research and Management 13.–15. Oktober 2011 > Chartreuse Regional Nature Park, Rhône-Alpes Ziel des Workshops ist es, Forschungsperspektiven für die Auseinandersetzung mit Schutzgebieten und regionaler Entwicklung aufzuzeigen und zur Erarbeitung neuer Themenschwerpunkte in diesem Bereich beizutragen. Der Workshop richtet sich an WissenschaftlerInnen und in der Praxis tätige Fachleute der Regionalentwicklung, die sich unter anderem mit Schutzgebieten und deren Verwaltung, regionalen Strategien, Tourismus und Regionalwirtschaft beschäftigen. Nähere Informationen: http://de.alparc.org/kalender/die-veranstaltungenvon-alparc/ws-research-regional-development


Literatur- und Webtipps ausblicke 1|11

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Literaturtipps Wie viele Arten braucht der Mensch? Eine Spurensuche, hg. vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Grüne Reihe, Band 22, Böhlau Verlag 2010, ISNB 978-3-205-78516-3 Gemessen an der Anzahl wild vorkommender Pflanzen- und Tierarten ist die Zahl derer, die vom Menschen heute genutzt wird, vor allem die seiner Haustiere und Kulturpflanzen, verschwindend gering. Kann man daraus schließen, dass die menschliche Spezies gar nicht so viele Arten benötigt, wie Naturschützer uns gerne wissen lassen? Oder zielt die Frage, wie viele Arten der Mensch braucht, am Eigentlichen vorbei? Nähere Informationen: http://publikationen.lebensministerium.at/publication/publication/view/3200/28587 Günter Salchner, Strategisches Management in der Regionalentwicklung. Ein Managementmodell für Leader-Gebiete, VDM Verlag 2010, ISBN 3-639-28042-3 Die Leader-Methode stellt ein zentrales Instrument der ländlichen Entwicklung in Europa dar. Gemäß dieser Methode schließen sich Akteure aus unterschiedlichen sozioökonomischen Bereichen zu öffentlich-privaten Partnerschaften, sogenannten Lokalen Aktionsgruppen, zusammen, um gemeinsam die Entwicklung ihrer Region voranzutreiben. Evaluierungen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene haben den Lokalen Aktionsgruppen einen deutlichen Verbesserungsbedarf bei der strategischen Ausrichtung attestiert. Mit der Entwicklung eines entsprechenden Managementmodells für Leader-Gebiete versucht die vorliegende Arbeit, einen Beitrag zu konstruktiven Veränderungen zu leisten. Günter Salchner ist seit 2001 Regionalmanager und Leader-Manager der Tiroler Region Außerfern.

Christian W. Schaumann, Bewertungsansätze für Naturflächen ohne Marktwert. Welchen Wert haben die vom Klimawandel bedrohten Alpengletscher? Eine Analyse anhand des Hallstätter Gletschers, Master Thesis an der Donau-Universität Krems Gletscher werden immer wieder als Anschauungsbeispiel für die Folgen des Klimawandels herangezogen. Fragen nach dem wirtschaftlichen Schaden durch das Abschmelzen der Gletscher bleiben dabei in der Regel unberücksichtigt. Da Naturflächen wie Gletscher oder Moore nicht gegen Geld gehandelt werden, sind Marktmechanismen und ihre Zuteilungsverfahren ausgeschaltet. Dies heißt jedoch nicht, dass derartige Güter keinen Wert haben. Die gegenständliche Arbeit verfolgt primär das Ziel, Bewertungsansätze aufzuzeigen und zum Problembewusstsein für den Wert derartiger Naturflächen bzw. Ökosysteme beizutragen. Nähere Informationen und Download: www.netzwerk-land.at/lum/neuigkeiten-medienberichte/ bewertungsansaetze-fuer-naturflaechen-ohne-marktwert

Webtipp Willkommen bei „Gutes vom Bauernhof“! Wer es gerne „bunt“ und „gsund“ hat, kauft direkt beim Bauern. Heimische Direktvermarkter bieten eine Vielzahl von schmackhaften und hochwertigen Lebensmitteln. Bäuerliche Direktvermarkter mit der Marke „Gutes vom Bauernhof“ garantieren geprüfte Qualität. Verkauft wird nur, was selbst angebaut und geerntet sowie verarbeitet wurde. Die „Suchfunktion“ auf der Homepage ermöglicht es, in wenigen Schritten Direktvermarkter, Bauernmärkte, Bauernläden und Buschenschänken in der gewählten Region zu finden. Nähere Informationen: www.gutesvombauernhof.at


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ausblicke 1|11 NWL-Veranstaltungen

NWL-Veranstaltungen

Leader-Exkursion, Projektbesichtigungen in den Regionen Mostviertel Mitte und Moststraße 23.– 24. Mai 2011 Die TeilnehmerInnen dieser Leader-Exkursion werden die Möglichkeit haben, Projekte zu besichtigen und kennenzulernen, die sich unter anderem mit regionalen Produkten als Fokus der regionalen Entwicklungsstrategie, erneuerbarer Energie, Mobilität im ländlichen Raum, Tourismusmarketing und Jugend beschäftigen. www.netzwerk-land.at/leader/veranstaltungen

Gemeindeübergreifende Kooperation 4.–5. Juli 2011 > St. Johann im Pongau Gemeinsame Beschaffung, Infrastruktur und Standortentwicklung sowie Fragen der Raumordnung, der regionalen Entwicklung und der Bereitstellung von Mobilitätsdienstleistungen und Energie stehen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung. Auch das heikle Thema „Gemeindefusion“ wird behandelt. www.netzwerk-land.at/leader/veranstaltungen

Netzwerk-Land-Jahrestagung 2011 Herbst 2011 > Lambach Die diesjährige Jahreskonferenz von Netzwerk Land Tagung „Gemeinsam stark: Ansätze für teilt sich in zwei Blöcke: Am ersten Tag stehen das eine effizientere Zusammenarbeit zwischen Programm für ländliche Entwicklung und Netzwerk Land im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang wird Schutzgebieten“ 30. Juni 2011 > Klagenfurt das Jahresthema „Wettbewerbsfähigkeit“ aufbeDie Tagung zielt darauf ab, auf bereits bestehende reitet und ein aktueller Einblick in die Diskussion zur Ansätze zur organisatorischen Vernetzung zwischen Zukunft der GAP geboten; zudem werden VernetSchutzgebieten in Österreich hinzuweisen und zungsbeispiele wie „Landwirtschaft und Leader“, anhand von zusätzlichen Beispielen aus dem „Naturschutz und Leader“ und „Forstwirtschaft und Ausland zu zeigen, welche Vorteile Vernetzung Leader“ präsentiert. Im Rahmen der Jahreskonfebringen kann. Zudem werden Finanzierungsinstrurenz erfolgt auch die feierliche Verleihung des Netzmente für die Vernetzungsarbeit thematisiert und werk Land Agrar.Preises 2011. Am zweiten Tag in offenen Diskussionen Pläne entwickelt, wie findet das Leader-Forum statt. Neben einem Rückblick auf die Erfahrungen der letzten Jahre bzw. Synergien im Bereich der Schutzgebietsbetreuung wahrgenommen und genutzt werden können. einer Leistungsbilanz werden Zukunftsszenarien für die Zeit nach 2013 Thema sein. Zusätzlich zu Inputs www.netzwerk-land.at/umwelt/veranstaltungen/ von österreichischen und europäischen ExpertInnen schutzgebietstagung2011 sind vor allem Präsentationen von innovativen Leader-Projekten aus allen Bundesländern vorgesehen. www.netzwerk-land.at/netzwerk/ jahreskonferenz2011


Impressum ausblicke – Magazin für ländliche Entwicklung ist die zweimal jährlich erscheinende Zeitschrift von Netzwerk Land. Inhalt: Informationen zu Themen der ländlichen Entwicklung und Neuigkeiten von Netzwerk Land und Partnernetzwerken. Netzwerk Land ist die vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft eingerichtete Servicestelle zur Begleitung und Vernetzung des Österreichischen Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums 2007–2013. Mit der Durchführung des Vernetzungsauftrages wurde eine Bietergemeinschaft aus den Partnerorganisationen Agrar.Projekt.Verein, Umweltdachverband und ÖAR-Regionalberatung betraut. Namentlich gekennzeichnete Texte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. © Netzwerk Land, April 2011 Medieninhaber und Herausgeber Agrar.Projekt.Verein im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Dresdner Straße 70, A-1200 Wien, Tel. 01/332 13 38-14, office@netzwerk-land.at Redaktion Hemma Burger-Scheidlin (Umweltdachverband) Luis Fidlschuster (ÖAR-Regionalberatung) Gregor Grill (Landwirtschaftskammer Österreich) Christian Jochum (Agrar.Projekt.Verein) Michael Proschek-Hauptmann (Umweltdachverband) Michaela Rüel (Agrar.Projekt.Verein) Lektorat Wolfgang Astelbauer, Karin Astelbauer-Unger Grafische Konzeption neuwirth+steinborn Gestaltung und Layout Andrea Neuwirth, Büro für visuelle Gestaltung www.andreaneuwirth.at Mitarbeit: Gabriel Fischer Druck Remaprint, Wien Papier Dieses Magazin ist auf Claro bulk 135 g/m2 und Munken Pure Rough 300 g/m2 , PEFC-zertifizierten Papieren, gedruckt.

Abbildungsnachweis Seite 1: BMLFUW/Newman, © zobeedy – Fotolia.com (Baum); Seite 2, 32 +33 (Bild oben): Johannes Schima; Seite 3, 7, 9, 38+39: Galerie ZS art KunstRaum; Seite 4+5: Simone – Pixelio.de; Seite 10: Christoph Leditznig – Wildnisgebiet Dürrenstein; Seite 11, 12, 28+29, 34, 35: BMLFUW/Rita Newman; Seite 13: © mirpic – Fotolia.com; Seite 16: Dieter Haugk – Pixelio.de; Seite 16+17: NFI – Anita Pinter; Seite 18+19: Claudia Heck – Pixelio.de; Seite 20+21: BMLFUW/S. Pérez; Seite 23: Albert Botka; Seite 26: proHolz – Schmölzer; Seite 31: Martin Wöhrle; Seite 32+33 (Bild unten): Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände; Seite 33: LFBÖ; Seite 36: ForestIndustries.EU; Seite 40: Johannes Kaufmann; Seite 41: GriffnerHaus AG; Seite 42: © klikk – Fotolia.com; Seite 43: © Georgi Roshkov – Fotolia.com, www.designwissen.net/seiten/stuhl-no-14; Seite 44 (v.l.n.r.): B. Stolze – Pixelio.de, Kompetenzzentrum Holz GmbH; Seite 44+45: Kompetenzzentrum Holz GmbH; Seite 45: BMLFUW/ Kern; Seite 47: Bergholz; Seite 48+49, 52, 53: Netzwerk Land; Seite 50: ÖKL; Seite 51 (v.l.n.r.): ÖKL, Familie Wellinger; Seite 54: Kuratorium Wald; Seite 55 (Bild oben): Hohenberg; Seite 56+57: LAG Regionalentwicklung Pillerseetal-Leogang; Seite 58+59: LAG Mühlviertler Kernland; Seite 62+63: Kurt Michel – Pixelio.de; Seite 64: © zobeedy – Fotolia.com. Umschlagvorderseite: © siggi – Fotolia.com Umschlaginnenseite: Galerie ZS art KunstRaum Umschlagrückseite: Hans Glader – Wildnisgebiet Dürrenstein

Alle übrigen Bilder wurden von den AutorInnen zur Verfügung gestellt.


www.netzwerk-land.at

Das Netzwerk Land wird finanziert von Bund, L채ndern und Europ채ischer Union.

ausblicke 1.11 - Wald: Magazin fuer laendliche Entwicklung  

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