Issuu on Google+


Âť(...) Sie mussten dort den Rosa Winkel tragen, ein Abzeichen, das sie im KZ als Homosexuelle kennzeichnete.ÂŤ


Psychologen suchen Gründe für Homophobie „Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Ob der vielzitierte Satz des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu mehr Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft beigetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist: Bei vielen Menschen muss er auf Ablehnung gestoßen sein, denn sie finden Homosexualität keineswegs „gut so“, sondern lehnen sie als unmoralisch ab: Diese Ansicht vertreten einer Umfrage zufolge 21,8 Prozent der Deutschen. Doch woher kommt diese Ablehnung, in ihren extremeren Ausprägungen von Psychologen auch „Homophobie“ genannt? Bereits Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, hatte dafür eine Erklärung parat: Wer Homosexualität in Bausch und Bogen verdamme, bekämpfe damit nur seine eigenen homosexuellen Impulse. In der Tat gibt es prominente Beispiele für ein solches Verhalten. So verteufelte der evangelikale Prediger Ted Haggard in den USA Homosexualität als unmoralisches und unbiblisches Verhalten und sprach sich heftig gegen jegliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aus. Doch schließlich musste der prominente Prediger zugeben, ein sexuelles Verhältnis zu einem Callboy unterhalten zu haben. Auch in Labortests fanden sich Hinweise auf eine solche Doppelmoral: Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent. Allein ein solcher Verdrängungsmechanismus reiche jedoch nicht aus, um das Phänomen der Homophobie lückenlos zu klären, schreibt der Wissenschaftsjournalist Rolf Degen in einem Bericht in der Novemberausgabe des Wissenschaftsmagazins „bild der wissenschaft“: Vorbehalte gegen Schwule gebe es vor allem bei älteren Menschen mit niedrigem Bildungsstand, bei Menschen mit starkem Bezug zur Religion und Menschen, die keinen Kontakt zu Homosexuellen haben, zitiert die Zeitschrift den amerikanischen Psychologen Gregory Herek von der Universität von Kalifornien in Davis Der religiöse Hintergrund scheint eine besonders große Rolle zu spielen:

6


So hat der Kieler Psychologe Bernd Simon bei jungen Männern türkischer Herkunft besonders häufig antihomosexuelles Gedankengut beobachtet. In einer Umfrage lehnten 38 Prozent eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ab, während es bei gleichaltrigen Schülern mit deutschstämmigen Eltern 74 Prozent waren. Warum gerade junge Männer schwulenfeindliche Tendenzen zeigen, verwundert Psychologen immer wieder – schließlich fallen Schwule als potenzielle Konkurrenten im Wettbewerb um Frauen aus. Doch der oft ungebundene und freie Lebensstil vieler schwuler Männer erweckt häufig Neidgefühle: „Das ist die Angst, dass da jemand glücklicher ist“, vermutet der Mediziner Marshall Forstein von der Harvard-Universität in „bild der wissenschaft“. Ein wichtiger Aspekt der Homophobie sind die Ekelgefühle, die Homosexuelle bei manchen Menschen auslösen. Auch hier ergeben Verhaltenstests ein Erklärungsmuster: So fanden Psychologen der Cornell-Universität in Ithaca in Tests mit hundert Probanden heraus, dass Männer und Frauen mit größerer Tendenz, Ekel zu entwickeln, auch bei der Konfrontation mit homosexuellen Praktiken mehr Ekelreaktionen zeigen als für dieses Gefühl weniger empfängliche Versuchspersonen. Ekelgefühle waren bei konservativen Menschen grundsätzlich stärker ausgeprägt als bei politisch eher links stehenden, ergaben weitere Studien ­- was erklären könnte, weshalb in konservativen Kreisen die Ablehnung von Homosexualität größer ist. Ihre extremste Ausprägung findet die Homophobie in manchen islamischen Ländern: In Staaten wie Saudi-Arabien, dem Iran, dem Jemen oder dem Sudan, in denen die Scharia gilt, steht auf homosexuelle Handlungen sogar die Todesstrafe. Die Verbindung zwischen Glaube und Homophobie geht häufig mit Vorstellungen der Reinheit einher und der Ansicht, allein heterosexuelle Beziehungen seien natürlich, während es sich bei der Homosexualität um ein krankhaftes Verhalten handle. Dabei gibt es in der Tierwelt eine Fülle von Beispielen gleichgeschlechtlicher Kontakte, wie „bild der wissenschaft“ im Novemberheft berichtet: Makakenweibchen betreiben lesbische Sexpraktiken und ziehen diese manchmal sogar Sexualkontakten mit Männchen vor, männliche Königspinguine finden sich zu Paaren zusammen, Gorillas betreiben ebenso gleichgeschlechtlichen Sex wie Delfine. Jeder fünfte Flamingo lebt in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, bei Graugänsen ist es etwa jeder siebte Ganter. So groß die Vielfalt solcher Verhaltensweise bei dem Tieren ist, so vielschichtig sind auch die Gründe: Manche Tiere üben mit diesen Praktiken für den heterosexuellen Geschlechtsakt, anderen dienen sie zur Klärung der Hierarchie, bei einigen wiederum helfen die Lebensgemeinschaften, sich gegen eine lebensfeindliche Umwelt zu behaupten. Die Makaken hingegen schienen die homosexuellen Praktiken häufig nur aus einem Grund zu betreiben, beobachteten Forscher: einfach nur zum Spaß.

gleiche liebe #7


Psychologen suchen Gründe für Homophobie „Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Ob der vielzitierte Satz des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu mehr Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft beigetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist: Bei vielen Menschen muss er auf Ablehnung gestoßen sein, denn sie finden Homosexualität keineswegs „gut so“, sondern lehnen sie als unmoralisch ab: Diese Ansicht vertreten einer Umfrage zufolge 21,8 Prozent der Deutschen. Doch woher kommt diese Ablehnung, in ihren extremeren Ausprägungen von Psychologen auch „Homophobie“ genannt? Bereits Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, hatte dafür eine Erklärung parat: Wer Homosexualität in Bausch und Bogen verdamme, bekämpfe damit nur seine eigenen homosexuellen Impulse. In der Tat gibt es prominente Beispiele für ein solches Verhalten. So verteufelte der evangelikale Prediger Ted Haggard in den USA Homosexualität als unmoralisches und unbiblisches Verhalten und sprach sich heftig gegen jegliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aus. Doch schließlich musste der prominente Prediger zugeben, ein sexuelles Verhältnis zu einem Callboy unterhalten zu haben. Auch in Labortests fanden sich Hinweise auf eine solche Doppelmoral: Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent. Allein ein solcher Verdrängungsmechanismus reiche jedoch nicht aus, um das Phänomen der Homophobie lückenlos zu klären, schreibt der Wissenschaftsjournalist Rolf Degen in einem Bericht in der Novemberausgabe des Wissenschaftsmagazins „bild der wissenschaft“: Vorbehalte gegen Schwule gebe es vor allem bei älteren Menschen mit niedrigem Bildungsstand, bei Menschen mit starkem Bezug zur Religion und Menschen, die keinen Kontakt zu Homosexuellen haben, zitiert die Zeitschrift den amerikanischen Psychologen Gregory Herek von der Universität von Kalifornien in Davis Der religiöse Hintergrund scheint eine besonders große Rolle zu spielen:

8


„Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Ob der vielzitierte Satz des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu mehr Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft beigetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist: Bei vielen Menschen muss er auf Ablehnung gestoßen sein, denn sie finden Homosexualität keineswegs „gut so“, sondern lehnen sie als unmoralisch ab: Diese Ansicht vertreten einer Umfrage zufolge 21,8 Prozent der Deutschen. Doch woher kommt diese Ablehnung, in ihren extremeren Ausprägungen von Psychologen auch „Homophobie“ genannt? Bereits Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, hatte dafür eine Erklärung parat: Wer Homosexualität in Bausch und Bogen verdamme, bekämpfe damit nur seine eigenen homosexuellen Impulse. In der Tat gibt es prominente Beispiele für ein solches Verhalten. So verteufelte der evangelikale Prediger Ted Haggard in den USA Homosexualität als unmoralisches und unbiblisches Verhalten und sprach sich heftig gegen jegliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aus. Doch schließlich musste der prominente Prediger zugeben, ein sexuelles Verhältnis zu einem Callboy unterhalten zu haben. Auch in Labortests fanden sich Hinweise auf eine solche Doppelmoral: Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent.

»Ich habe nichts gegen

S c h w u l e, aber s e h e n muss ich das nicht.«

Allein ein solcher Verdrängungsmechanismus reiche jedoch nicht aus, um das Phänomen der Homophobie lückenlos zu klären, schreibt der Wissenschaftsjournalist Rolf Degen in einem Bericht in der Novemberausgabe des Wissenschaftsmagazins „bild der wissenschaft“: Vorbehalte gegen Schwule gebe es vor allem bei älteren Menschen mit niedrigem Bildungsstand, bei Menschen mit starkem Bezug zur Religion und Menschen, die keinen Kontakt zu Homosexuellen haben, zitiert die Zeitschrift den amerikanischen Psychologen Gregory Herek von der Universität von Kalifornien in Davis Der religiöse Hintergrund scheint eine besonders große Rolle zu spielen: So hat der Kieler Psychologe Bernd Simon bei jungen Männern türkischer Herkunft besonders häufig antihomosexuelles Gedankengut beobachtet. In einer Umfrage lehnten 38 Prozent eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ab, während es bei gleichaltrigen Schülern mit deutschstämmigen Eltern 74 Prozent waren.

gleiche liebe #9


Psychologen suchen Gründe für Homophobie „Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Ob der vielzitierte Satz des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu mehr Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft beigetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist: Bei vielen Menschen muss er auf Ablehnung gestoßen sein, denn sie finden Homosexualität keineswegs „gut so“, sondern lehnen sie als unmoralisch ab: Diese Ansicht vertreten einer Umfrage zufolge 21,8 Prozent der Deutschen. Doch woher kommt diese Ablehnung, in ihren extremeren Ausprägungen von Psychologen auch „Homophobie“ genannt? Bereits Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, hatte dafür eine Erklärung parat: Wer Homosexualität in Bausch und Bogen verdamme, bekämpfe damit nur seine eigenen homosexuellen Impulse. In der Tat gibt es prominente Beispiele für ein solches Verhalten. So verteufelte der evangelikale Prediger Ted Haggard in den USA Homosexualität als unmoralisches und unbiblisches Verhalten und sprach sich heftig gegen jegliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aus. Doch schließlich musste der prominente Prediger zugeben, ein sexuelles Verhältnis zu einem Callboy unterhalten zu haben. Auch in Labortests fanden sich Hinweise auf eine solche Doppelmoral: Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent. Allein ein solcher Verdrängungsmechanismus reiche jedoch nicht aus, um das Phänomen der Homophobie lückenlos zu klären, schreibt der Wissenschaftsjournalist Rolf Degen in einem Bericht in der Novemberausgabe des Wissenschaftsmagazins „bild der wissenschaft“: Vorbehalte gegen Schwule gebe es vor allem bei älteren Menschen mit niedrigem Bildungsstand, bei Menschen mit starkem Bezug zur Religion und Menschen, die keinen Kontakt zu Homosexuellen haben, zitiert die Zeitschrift den amerikanischen Psychologen Gregory Herek von der Universität von Kalifornien in Davis. Weiterführende Links

10


Der religiöse Hintergrund scheint eine besonders große Rolle zu spielen: So hat der Kieler Psychologe Bernd Simon bei jungen Männern türkischer Herkunft besonders häufig antihomosexuelles Gedankengut beobachtet. In einer Umfrage lehnten 38 Prozent eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ab, während es bei gleichaltrigen Schülern mit deutschstämmigen Eltern 74 Prozent waren. Warum gerade junge Männer schwulenfeindliche Tendenzen zeigen, verwundert Psychologen immer wieder – schließlich fallen Schwule als potenzielle Konkurrenten im Wettbewerb um Frauen aus. Doch der oft ungebundene und freie Lebensstil vieler schwuler Männer erweckt häufig Neidgefühle: „Das ist die Angst, dass da jemand glücklicher ist“, vermutet der Mediziner Marshall Forstein von der Harvard-Universität in „bild der wissenschaft“. Ein wichtiger Aspekt der Homophobie sind die Ekelgefühle, die Homosexuelle bei manchen Menschen auslösen. Auch hier ergeben Verhaltenstests ein Erklärungsmuster: So fanden Psychologen der Cornell-Universität in Ithaca in Tests mit hundert Probanden heraus, dass Männer und Frauen mit größerer Tendenz, Ekel zu entwickeln, auch bei der Konfrontation mit homosexuellen Praktiken mehr Ekelreaktionen zeigen als für dieses Gefühl weniger empfängliche Versuchspersonen. Ekelgefühle waren bei konservativen Menschen grundsätzlich stärker ausgeprägt als bei politisch eher links stehenden, ergaben weitere Studien ­- was erklären könnte, weshalb in konservativen Kreisen die Ablehnung von Homosexualität größer ist. Ihre extremste Ausprägung findet die Homophobie in manchen islamischen Ländern: In Staaten wie Saudi-Arabien, dem Iran, dem Jemen oder dem Sudan, in denen die Scharia gilt, steht auf homosexuelle Handlungen sogar die Todesstrafe. Die Verbindung zwischen Glaube und Homophobie geht häufig mit Vorstellungen der Reinheit einher und der Ansicht, allein heterosexuelle Beziehungen seien natürlich, während es sich bei der Homosexualität um ein krankhaftes Verhalten handle. Dabei gibt es in der Tierwelt eine Fülle von Beispielen gleichgeschlechtlicher Kontakte, wie „bild der wissenschaft“ im Novemberheft berichtet: Makakenweibchen betreiben lesbische Sexpraktiken und ziehen diese manchmal sogar Sexualkontakten mit Männchen vor, männliche Königspinguine finden sich zu Paaren zusammen, Gorillas betreiben ebenso gleichgeschlechtlichen Sex wie Delfine. Jeder fünfte Flamingo lebt in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, bei Graugänsen ist es etwa jeder siebte Ganter. So groß die Vielfalt solcher Verhaltensweise bei dem Tieren ist, so vielschichtig sind auch die Gründe: Manche Tiere üben mit diesen Praktiken für den heterosexuellen Geschlechtsakt, anderen dienen sie zur Klärung der Hierarchie, bei einigen wiederum helfen die Lebensgemeinschaften, sich gegen eine lebensfeindliche Umwelt zu behaupten. Die Makaken hingegen schienen die homosexuellen Praktiken häufig nur aus einem Grund zu betreiben, beobachteten Forscher: einfach nur zum Spaß.

gleiche liebe #11


Psychologen suchen Gründe für Homophobie „Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Ob der vielzitierte Satz des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu mehr Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft beigetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist: Bei vielen Menschen muss er auf Ablehnung gestoßen sein, denn sie finden Homosexualität keineswegs „gut so“, sondern lehnen sie als unmoralisch ab: Diese Ansicht vertreten einer Umfrage zufolge 21,8 Prozent der Deutschen. Doch woher kommt diese Ablehnung, in ihren extremeren Ausprägungen von Psychologen auch „Homophobie“ genannt? Bereits Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, hatte dafür eine Erklärung parat: Wer Homosexualität in Bausch und Bogen verdamme, bekämpfe damit nur seine eigenen homosexuellen Impulse. In der Tat gibt es prominente Beispiele für ein solches Verhalten. So verteufelte der evangelikale Prediger Ted Haggard in den USA Homosexualität als unmoralisches und unbiblisches Verhalten und sprach sich heftig gegen jegliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aus. Doch schließlich musste der prominente Prediger zugeben, ein sexuelles Verhältnis zu einem Callboy unterhalten zu haben. Auch in Labortests fanden sich Hinweise auf eine solche Doppelmoral: Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent. Allein ein solcher Verdrängungsmechanismus reiche jedoch nicht aus, um das Phänomen der Homophobie lückenlos zu klären, schreibt der Wissenschaftsjournalist Rolf Degen in einem Bericht in der Novemberausgabe des Wissenschaftsmagazins „bild der wissenschaft“: Vorbehalte gegen Schwule gebe es vor allem bei älteren Menschen mit niedrigem Bildungsstand, bei Menschen mit starkem Bezug zur Religion und Menschen, die keinen Kontakt zu Homosexuellen haben, zitiert die Zeitschrift den amerikanischen Psychologen Gregory Herek von der Universität von Kalifornien in Davis. Weiterführende Links

12


Der religiöse Hintergrund scheint eine besonders große Rolle zu spielen: So hat der Kieler Psychologe Bernd Simon bei jungen Männern türkischer Herkunft besonders häufig antihomosexuelles Gedankengut beobachtet. In einer Umfrage lehnten 38 Prozent eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ab, während es bei gleichaltrigen Schülern mit deutschstämmigen Eltern 74 Prozent waren. Warum gerade junge Männer schwulenfeindliche Tendenzen zeigen, verwundert Psychologen immer wieder – schließlich fallen Schwule als potenzielle Konkurrenten im Wettbewerb um Frauen aus. Doch der oft ungebundene und freie Lebensstil vieler schwuler Männer erweckt häufig Neidgefühle: „Das ist die Angst, dass da jemand glücklicher ist“, vermutet der Mediziner Marshall Forstein von der Harvard-Universität in „bild der wissenschaft“. Ein wichtiger Aspekt der Homophobie sind die Ekelgefühle, die Homosexuelle bei manchen Menschen auslösen. Auch hier ergeben Verhaltenstests ein Erklärungsmuster: So fanden Psychologen der Cornell-Universität in Ithaca in Tests mit hundert Probanden heraus, dass Männer und Frauen mit größerer Tendenz, Ekel zu entwickeln, auch bei der Konfrontation mit homosexuellen Praktiken mehr Ekelreaktionen zeigen als für dieses Gefühl weniger empfängliche Versuchspersonen. Ekelgefühle waren bei konservativen Menschen grundsätzlich stärker ausgeprägt als bei politisch eher links stehenden, ergaben weitere Studien ­- was erklären könnte, weshalb in konservativen Kreisen die Ablehnung von Homosexualität größer ist. Ihre extremste Ausprägung findet die Homophobie in manchen islamischen Ländern: In Staaten wie Saudi-Arabien, dem Iran, dem Jemen oder dem Sudan, in denen die Scharia gilt, steht auf homosexuelle Handlungen sogar die Todesstrafe. Die Verbindung zwischen Glaube und Homophobie geht häufig mit Vorstellungen der Reinheit einher und der Ansicht, allein heterosexuelle Beziehungen seien natürlich, während es sich bei der Homosexualität um ein krankhaftes Verhalten handle. Dabei gibt es in der Tierwelt eine Fülle von Beispielen gleichgeschlechtlicher Kontakte, wie „bild der wissenschaft“ im Novemberheft berichtet: Makakenweibchen betreiben lesbische Sexpraktiken und ziehen diese manchmal sogar Sexualkontakten mit Männchen vor, männliche Königspinguine finden sich zu Paaren zusammen, Gorillas betreiben ebenso gleichgeschlechtlichen Sex wie Delfine. Jeder fünfte Flamingo lebt in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, bei Graugänsen ist es etwa jeder siebte Ganter. So groß die Vielfalt solcher Verhaltensweise bei dem Tieren ist, so vielschichtig sind auch die Gründe: Manche Tiere üben mit diesen Praktiken für den heterosexuellen Geschlechtsakt, anderen dienen sie zur Klärung der Hierarchie, bei einigen wiederum helfen die Lebensgemeinschaften, sich gegen eine lebensfeindliche Umwelt zu behaupten. Die Makaken hingegen schienen die homosexuellen Praktiken häufig nur aus einem Grund zu betreiben, beobachteten Forscher: einfach nur zum Spaß.

gleiche liebe #13


Psychologen suchen Gründe für Homophobie „Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Ob der vielzitierte Satz des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu mehr Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft beigetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist: Bei vielen Menschen muss er auf Ablehnung gestoßen sein, denn sie finden Homosexualität keineswegs „gut so“, sondern lehnen sie als unmoralisch ab: Diese Ansicht vertreten einer Umfrage zufolge 21,8 Prozent der Deutschen. Doch woher kommt diese Ablehnung, in ihren extremeren Ausprägungen von Psychologen auch „Homophobie“ genannt? Bereits Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, hatte dafür eine Erklärung parat: Wer Homosexualität in Bausch und Bogen verdamme, bekämpfe damit nur seine eigenen homosexuellen Impulse. In der Tat gibt es prominente Beispiele für ein solches Verhalten. So verteufelte der evangelikale Prediger Ted Haggard in den USA Homosexualität als unmoralisches und unbiblisches Verhalten und sprach sich heftig gegen jegliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aus. Doch schließlich musste der prominente Prediger zugeben, ein sexuelles Verhältnis zu einem Callboy unterhalten zu haben. Auch in Labortests fanden sich Hinweise auf eine solche Doppelmoral: Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent. Allein ein solcher Verdrängungsmechanismus reiche jedoch nicht aus, um das Phänomen der Homophobie lückenlos zu klären, schreibt der Wissenschaftsjournalist Rolf Degen in einem Bericht in der Novemberausgabe des Wissenschaftsmagazins „bild der wissenschaft“: Vorbehalte gegen Schwule gebe es vor allem bei älteren Menschen mit niedrigem Bildungsstand, bei Menschen mit starkem Bezug zur Religion und Menschen, die keinen Kontakt zu Homosexuellen haben, zitiert die Zeitschrift den amerikanischen Psychologen Gregory Herek von der Universität von Kalifornien in Davis. Weiterführende Links

14


Der religiöse Hintergrund scheint eine besonders große Rolle zu spielen: So hat der Kieler Psychologe Bernd Simon bei jungen Männern türkischer Herkunft besonders häufig antihomosexuelles Gedankengut beobachtet. In einer Umfrage lehnten 38 Prozent eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ab, während es bei gleichaltrigen Schülern mit deutschstämmigen Eltern 74 Prozent waren. Warum gerade junge Männer schwulenfeindliche Tendenzen zeigen, verwundert Psychologen immer wieder – schließlich fallen Schwule als potenzielle Konkurrenten im Wettbewerb um Frauen aus. Doch der oft ungebundene und freie Lebensstil vieler schwuler Männer erweckt häufig Neidgefühle: „Das ist die Angst, dass da jemand glücklicher ist“, vermutet der Mediziner Marshall Forstein von der Harvard-Universität in „bild der wissenschaft“. Ein wichtiger Aspekt der Homophobie sind die Ekelgefühle, die Homosexuelle bei manchen Menschen auslösen. Auch hier ergeben Verhaltenstests ein Erklärungsmuster: So fanden Psychologen der Cornell-Universität in Ithaca in Tests mit hundert Probanden heraus, dass Männer und Frauen mit größerer Tendenz, Ekel zu entwickeln, auch bei der Konfrontation mit homosexuellen Praktiken mehr Ekelreaktionen zeigen als für dieses Gefühl weniger empfängliche Versuchspersonen. Ekelgefühle waren bei konservativen Menschen grundsätzlich stärker ausgeprägt als bei politisch eher links stehenden, ergaben weitere Studien ­- was erklären könnte, weshalb in konservativen Kreisen die Ablehnung von Homosexualität größer ist. Ihre extremste Ausprägung findet die Homophobie in manchen islamischen Ländern: In Staaten wie Saudi-Arabien, dem Iran, dem Jemen oder dem Sudan, in denen die Scharia gilt, steht auf homosexuelle Handlungen sogar die Todesstrafe. Die Verbindung zwischen Glaube und Homophobie geht häufig mit Vorstellungen der Reinheit einher und der Ansicht, allein heterosexuelle Beziehungen seien natürlich, während es sich bei der Homosexualität um ein krankhaftes Verhalten handle. Dabei gibt es in der Tierwelt eine Fülle von Beispielen gleichgeschlechtlicher Kontakte, wie „bild der wissenschaft“ im Novemberheft berichtet: Makakenweibchen betreiben lesbische Sexpraktiken und ziehen diese manchmal sogar Sexualkontakten mit Männchen vor, männliche Königspinguine finden sich zu Paaren zusammen, Gorillas betreiben ebenso gleichgeschlechtlichen Sex wie Delfine. Jeder fünfte Flamingo lebt in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, bei Graugänsen ist es etwa jeder siebte Ganter. So groß die Vielfalt solcher Verhaltensweise bei dem Tieren ist, so vielschichtig sind auch die Gründe: Manche Tiere üben mit diesen Praktiken für den heterosexuellen Geschlechtsakt, anderen dienen sie zur Klärung der Hierarchie, bei einigen wiederum helfen die Lebensgemeinschaften, sich gegen eine lebensfeindliche Umwelt zu behaupten. Die Makaken hingegen schienen die homosexuellen Praktiken häufig nur aus einem Grund zu betreiben, beobachteten Forscher: einfach nur zum Spaß.

gleiche liebe #15


Psychologen suchen Gründe für Homophobie „Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Ob der vielzitierte Satz des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu mehr Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft beigetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist: Bei vielen Menschen muss er auf Ablehnung gestoßen sein, denn sie finden Homosexualität keineswegs „gut so“, sondern lehnen sie als unmoralisch ab: Diese Ansicht vertreten einer Umfrage zufolge 21,8 Prozent der Deutschen. Doch woher kommt diese Ablehnung, in ihren extremeren Ausprägungen von Psychologen auch „Homophobie“ genannt? Bereits Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, hatte dafür eine Erklärung parat: Wer Homosexualität in Bausch und Bogen verdamme, bekämpfe damit nur seine eigenen homosexuellen Impulse. In der Tat gibt es prominente Beispiele für ein solches Verhalten. So verteufelte der evangelikale Prediger Ted Haggard in den USA Homosexualität als unmoralisches und unbiblisches Verhalten und sprach sich heftig gegen jegliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aus. Doch schließlich musste der prominente Prediger zugeben, ein sexuelles Verhältnis zu einem Callboy unterhalten zu haben. Auch in Labortests fanden sich Hinweise auf eine solche Doppelmoral: Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent. Allein ein solcher Verdrängungsmechanismus reiche jedoch nicht aus, um das Phänomen der Homophobie lückenlos zu klären, schreibt der Wissenschaftsjournalist Rolf Degen in einem Bericht in der Novemberausgabe des Wissenschaftsmagazins „bild der wissenschaft“: Vorbehalte gegen Schwule gebe es vor allem bei älteren Menschen mit niedrigem Bildungsstand, bei Menschen mit starkem Bezug zur Religion und Menschen, die keinen Kontakt zu Homosexuellen haben, zitiert die Zeitschrift den amerikanischen Psychologen Gregory Herek von der Universität von Kalifornien in Davis. Weiterführende Links

homo

Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in der Fälle sexuelle Erregung, bei Homophoben waren es hingegen nur Prozent.

phobe

16

Tendenzen 5 4 P r o z e n t nicht 2 4


So hat der Kieler Psychologe Bernd Simon bei jungen Männern türkischer Herkunft besonders häufig antihomosexuelles Gedankengut beobachtet. In einer Umfrage lehnten 38 Prozent eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ab, während es bei gleichaltrigen Schülern mit deutschstämmigen Eltern 74 Prozent waren. Warum gerade junge Männer schwulenfeindliche Tendenzen zeigen, verwundert Psychologen immer wieder – schließlich fallen Schwule als potenzielle Konkurrenten im Wettbewerb um Frauen aus. Doch der oft ungebundene und freie Lebensstil vieler schwuler Männer erweckt häufig Neidgefühle: „Das ist die Angst, dass da jemand glücklicher ist“, vermutet der Mediziner Marshall Forstein von der Harvard-Universität in „bild der wissenschaft“. Ein wichtiger Aspekt der Homophobie sind die Ekelgefühle, die Homosexuelle bei manchen Menschen auslösen. Auch hier ergeben Verhaltenstests ein Erklärungsmuster: So fanden Psychologen der Cornell-Universität in Ithaca in Tests mit hundert Probanden heraus, dass Männer und Frauen mit größerer Tendenz, Ekel zu entwickeln, auch bei der Konfrontation mit homosexuellen Praktiken mehr Ekelreaktionen zeigen als für dieses Gefühl weniger empfängliche Versuchspersonen. Ekelgefühle waren bei konservativen Menschen grundsätzlich stärker ausgeprägt als bei politisch eher links stehenden, ergaben weitere Studien ­- was erklären könnte, weshalb in konservativen Kreisen die Ablehnung von Homosexualität größer ist. Ihre extremste Ausprägung findet die Homophobie in manchen islamischen Ländern: In Staaten wie Saudi-Arabien, dem Iran, dem Jemen oder dem Sudan, in denen die Scharia gilt, steht auf homosexuelle Handlungen sogar die Todesstrafe. Die Verbindung zwischen Glaube und Homophobie geht häufig mit Vorstellungen der Reinheit einher und der Ansicht, allein heterosexuelle Beziehungen seien natürlich, während es sich bei der Homosexualität um ein krankhaftes Verhalten handle. Dabei gibt es in der Tierwelt eine Fülle von Beispielen gleichgeschlechtlicher Kontakte, wie „bild der wissenschaft“ im Novemberheft berichtet: Makakenweibchen betreiben lesbische Sexpraktiken und ziehen diese manchmal sogar Sexualkontakten mit Männchen vor, männliche Königspinguine finden sich zu Paaren zusammen, Gorillas betreiben ebenso gleichgeschlechtlichen Sex wie Delfine. Jeder fünfte Flamingo lebt in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, bei Graugänsen ist es etwa jeder siebte Ganter. So groß die Vielfalt solcher Verhaltensweise bei dem Tieren ist, so vielschichtig sind auch die Gründe: Manche Tiere üben mit diesen Praktiken für den heterosexuellen Geschlechtsakt, anderen dienen sie zur Klärung der Hierarchie, bei einigen wiederum helfen die Lebensgemeinschaften, sich gegen eine lebensfeindliche Umwelt zu behaupten. Die Makaken hingegen schienen die homosexuellen Praktiken häufig nur aus einem Grund zu betreiben, beobachteten Forscher: einfach nur zum Spaß.

gleiche liebe #17


»Lipstick Lesben« in der Pornographie “Lipstick Lesbians” ist seit einigen Jahren ein neu entstandener Begriff für feminine Lesben, die sich zu femininen Frauen hingezogen fühlen. Von Heteros nicht ernst genommen (“das ist nur eine Phase”, “bist du sicher, dass du nicht vielleicht bisexuell bist” usw.) und in der maskulin orientierten Lesbenszene gefürchtet und gehasst (da sie angeblich heteronormativ sind und sich dem Patriarchat unterwerfen), versuchen sie sich nun in einer eigenen Gruppe abzugrenzen. Denn auch wenn in den Medien jetzt der “Lesbian Chic” gefeiert wird und viele junge Heterofrauen sich inzwischen gerne auf ein kurzes Intermezzo mit einer anderen Frau einlassen, leben die meisten Lipstick Lesben isoliert ohne eine eigene Community, oft ungeoutet und unsichtbar, haben Probleme eine Partnerin zu finden und müssen tagtäglich sich mit den sexistischen Vorurteilen ihrer Mitmenschen auseinandersetzen. Was mich im Moment aber besonders bestürzt ist wie schnell das Wort “Lipstick Lesbian”, das ja noch nicht so lange existiert, von der Pornoindustrie vereinnahmt wurde. Sogar die Domain lipsticklesbians.com wurde sofort von einer Pornoseite aufgekauft. Genauso wie die Begriffe “lesbian���, “lesbisch” usw. in den Millionen von Pornos, die inzwischen dasInternet bevölkern (gibt man z.B. den Begriff “lesbians” bei google ein, so erscheint als erstes eine Pornoseite, “lesbian” ist eine eigene Pornokategorie), benutzt werden um Frauen zu diffamieren, werden also auch “lipstick lesbians” zur bloßen Männerfantasie degradiert. Der Begriff “lesbisch” wird also einerseits von maskulinen Frauen und andererseits von Männern vereinnahmt. Das jetzt sogar der Begriff “Lipstick Lesbian” von der Pornoindustrie besetzt wird, finde ich angesichts der komplizierten Situation femininer Lesben besonders brutal.

18


Meine Identität wird mir dadurch geraubt. Ich bin nur eine Männerfantasie und existiere also eigentlich gar nicht? Und das ist übrigens auch der Grund, warum ich mich so selten oute, da dies von den meisten Männern als Anlass gesehen wird, mich anzuquatschen. Man sieht selten zwei feminine Lesben in der Öffentlichkeit händchenhaltend, da Männer sofort überreagieren und hinterpfeifen, blöd kommentieren und sogar belästigen. Was natürlich auch noch dadurch verstärkt wird, dass mittlerweile viele Hetero-Mädels Männern in der Disko mit Knutschereien anheizen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich werde als “echte” Lipstick Lesbe sofort in die selbe Ecke gesteckt, auch wenn ich mein Lesbischsein gar nicht so sehr zur Schau trage. Aber wenn es angeblich nur so wenige Lipstick Lesbians gibt – warum werden sie dann so offensiv und mit den perfidesten Mitteln von Männern und kerligen Lesben bekämpft, indem sie sie mit Pornographie gleichsetzen oder als anpasserische Verräterinnen bezeichnen. Ist es Angst? Und wovor? Sind feminine Frauen, die nur mit ebensolchen leben wollen, eine Gefahr für das männlich-orientierte Werte- und Welt-System? Lesbische, für Männer gemachte Pornographie, ist ein Krieg gegen Frauen. Es ist subtile Gewalt auf der tiefsten Ebene der weiblichen Identität (ich habe sogar pornographische Seiten gefunden, die feministische Begriffe wie “sisterhood” für sich vereinnahmen). Trotzdem heißt das nicht, dass Pornos jetzt grundsätzlich schlecht sind, denn schon vor 30 Jahren führten Feministinnen eine ähnliche Diskussion über die Lesbenpornos und kamen zu dem Schluss, dass Pornographie an sich “böse” ist und verboten werden soll. Nein, das würde bedeuten, dass die Darstellung von Sexualität immer noch nur den Männern vorbehalten ist und dass Frauen kein Recht auf eine eigene, selbstbestimmte Sexualität haben. Es gibt auch einige Ausnahmen von Pornographie, wie z.B. die Filme von girlfriendsfilms.com, die authentische lesbische/weibliche Sexualität darstellen, jenseits von künstlichem Gestöhne und unterwürfigen Posen.

gleiche liebe #19


Das 3. Buch Mose Verordnungen für Ehe und Keuschheit. Kapitel 18 18,1 Und der HERR redete zu Mose: 18,2 Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Ich bin der HERR, euer Gott. 18,3 Nach der Weise des Landes Ägypten, in dem ihr gewohnt habt, sollt ihr nicht tun; und nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch bringe, sollt ihr nicht tun; und in ihren Ordnungen sollt ihr nicht leben. 18,4 Meine Rechtsbestimmungen sollt ihr tun, und meine Ordnungen sollt ihr halten, um in ihnen zu leben. Ich bin der HERR, euer Gott. 18,5 Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben. Ich bin der HERR. 18,6 Niemand von euch soll sich irgendeinem seiner Blutsverwandten nähern, um die Blösse aufzudecken. Ich bin der HERR. 18,7 Die Blösse deines Vaters und die Blösse deiner Mutter sollst du nicht aufdecken; sie ist deine Mutter, du sollst ihre Blösse nicht aufdecken. 18,8 Die Blösse der Frau deines Vaters sollst du nicht aufdecken; es ist die Blösse deines Vaters. 18,9 Die Blösse deiner Schwester, der Tochter deines Vaters oder der Tochter deiner Mutter, im Haus geboren oder draussen geboren - ihre Blösse sollst du nicht aufdecken. 18,10 Die Blösse der Tochter deines Sohnes oder der Tochter deiner Tochter - ihre Blösse sollst du nicht aufdecken, denn es ist deine Blösse. 18,11 Die Blösse der Tochter der Frau deines Vaters, von deinem Vater gezeugt - sie ist deine Schwester, ihre Blösse sollst du nicht aufdecken. 18,12 Die Blösse der Schwester deines Vaters sollst du nicht aufdecken; sie ist die Blutsverwandte deines Vaters. 18,13 Die Blösse der Schwester deiner Mutter sollst du nicht aufdecken, denn sie ist die Blutsverwandte deiner Mutter. 18,14 Die Blösse des Bruders deines Vaters sollst du nicht aufdecken: seiner Frau sollst du dich nicht nähern, sie ist deine Tante. 18,15 Die Blösse deiner Schwiegertochter sollst du nicht aufdecken; sie ist die Frau deines Sohnes, ihre Blösse sollst du nicht aufdecken. 18,16 Die Blösse der Frau deines Bruders sollst du nicht aufdecken; es ist die Blösse deines Bruders. 18,17 Die Blösse einer Frau und ihrer Tochter sollst du nicht aufdecken; die Tochter ihres Sohnes und die Tochter ihrer Tochter sollst du nicht nehmen, um ihre Blösse aufzudecken; sie sind deine Blutsverwandten: es ist eine Schandtat. 18,18 Und du sollst nicht eine Frau zu ihrer Schwester nehmen, [sie] eifersüchtig zu machen, indem du ihre Blösse neben ihr aufdeckst bei ihrem Leben. - 18,19 Und einer Frau in der Absonderung ihrer Unreinheit sollst du nicht nahen, um ihre Blösse aufzudecken. 18,20 Und bei der Frau deines Nächsten sollst du nicht zur Begattung liegen, dass du durch sie unrein wirst. - 18,21 Und von deinen Nachkommen sollst du nicht [einen] hingeben, um sie dem Moloch durch [das Feuer] gehen zu lassen. Und du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht entweihen. Ich bin der HERR. - 18,22 Und bei einem Mann sollst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt: ein Greuel ist es.

18,23 Und bei keinem Vieh sollst du liegen, so dass du dich an ihm unrein machst. Und eine Frau soll sich nicht vor ein Vieh hinstellen, damit es sie begattet: es ist eine schändliche Befleckung. 18,24 Macht euch nicht unrein durch all dieses! Denn durch all dieses haben

die Nationen sich unrein gemacht, die ich vor euch vertreibe. 18,25 Und das Land wurde unrein gemacht, und ich suchte seine Schuld an ihm heim, und das Land spie seine Bewohner aus. 18,26 Ihr aber, ihr sollt meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen halten, und ihr sollt nichts tun von all diesen Greueln, der Einheimische und der Fremde, der in eurer Mitte als Fremder wohnt - 18,27 denn all diese Greuel haben die Menschen des Landes getan, die vor euch [da] waren, und das Land ist unrein gemacht worden -, 18,28 damit das Land euch nicht ausspeit, wenn ihr es unrein macht, ebenso wie es die Nation ausgespieen hat, die vor euch [da] war: 18,29 denn jeder, der etwas von all diesen Greueln tut, - die Seelen, die es tun, sollen ausgerottet werden aus der Mitte ihres Volkes. 18,30 Und ihr sollt meine Vorschriften halten, damit ihr keine der greulichen Bräuche übt,

22


die vor euch geübt worden sind. Ihr sollt euch nicht durch sie unrein machen.

euer Gott.

Ich bin der HERR,

Gegen Götzendienst und Unzucht. Kapitel 20 20,1 Und der HERR redete zu Mose: 20,2 Du sollst zu den Söhnen Israel sagen: Jedermann von den Söhnen Israel und von den Fremden, die in Israel als Fremde wohnen, der [eins] von seinen Kindern dem Moloch gibt, muss getötet werden; das Volk des Landes soll ihn steinigen. 20,3 Und ich werde mein Angesicht gegen diesen Mann richten und ihn aus der Mitte seines Volkes ausrotten, weil er [eins] von seinen Kindern dem Moloch gegeben hat, mein Heiligtum unrein zu machen und meinen heiligen Namen zu entweihen. 20,4 Und wenn das Volk des Landes seine Augen irgend verhüllt vor diesem Mann, wenn er von seinen Kindern [eins] dem Moloch gibt, so dass es ihn nicht tötet, 20,5 so werde ich mein Angesicht gegen diesen Mann richten und gegen seine Sippe und werde ihn und alle, die ihm nachhuren, um dem Moloch nachzuhuren, ausrotten aus der Mitte ihres Volkes. 20,6 Und die Person, die sich zu den Totengeistern und zu den Wahrsagern wendet, um ihnen nachzuhuren, gegen diese Person werde ich mein Angesicht richten und sie ausrotten aus der Mitte ihres Volkes. - 20,7 So sollt ihr euch heiligen und sollt heilig sein, denn ich bin der HERR, euer Gott, 20,8 und sollt meine Ordnungen einhalten und sie tun. Ich bin der HERR, der euch heiligt. 20,9 Wenn irgend jemand seinem Vater oder seiner Mutter flucht, muss er getötet werden; er hat seinem Vater oder seiner Mutter geflucht, ihr Blut ist auf ihm. 20,10 Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt, wenn ein Mann Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, müssen der Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden. 20,11 Und wenn ein Mann bei der Frau seines Vaters liegt: er hat die Blösse seines Vaters aufgedeckt, beide müssen getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen. 20,212 Und wenn ein Mann bei seiner Schwiegertochter liegt, müssen beide getötet werden. Sie haben eine schändliche Befleckung verübt, ihr Blut ist auf ihnen. 20,13 Und wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie man bei einer Frau liegt, [dann] haben beide einen Greuel verübt. Sie müssen getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen. 20,14 Und wenn ein Mann eine Frau nimmt und ihre Mutter, das ist eine Schandtat; man soll ihn und sie mit Feuer verbrennen, damit keine Schandtat in eurer Mitte sei.

20,15 Und wenn ein Mann bei einem Vieh liegt, soll er unbedingt getötet werden, und das Vieh sollt ihr umbringen. 20,16 Und wenn eine Frau sich irgendeinem Vieh nähert, damit es sie begatte, dann sollst du die Frau und das Vieh umbringen. Sie müssen getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen. 20,17 Und wenn

ein Mann seine Schwester nimmt, die Tochter seines Vaters oder die Tochter seiner Mutter, und er sieht ihre Blösse, und sie sieht seine Blösse: das ist eine Schande, und sie sollen ausgerottet werden vor den Augen der Kinder ihres Volkes. Er hat die Blösse seiner Schwester aufgedeckt, er soll seine Schuld tragen. 20,18 Und wenn ein Mann bei einer kranken Frau liegt und ihre Blösse aufdeckt, so hat er ihre Quelle enthüllt, und sie hat die Quelle ihres Blutes aufgedeckt. Sie sollen beide ausgerottet werden aus der Mitte ihres Volkes. 20,19 Und die Blösse der Schwester deiner Mutter und der Schwester deines Vaters sollst du nicht aufdecken; denn wer das tut, hat seine Blutsverwandte entblösst: sie sollen ihre Schuld tragen. 20,20 Und wenn ein Mann bei der Frau seines Onkels liegt, hat er die Blösse seines Onkels aufgedeckt. Sie sollen ihre Sünde tragen, kinderlos sollen sie sterben. 20,21 Und wenn ein Mann die Frau seines Bruders nimmt: das ist eine Befleckung. Er hat die Blösse seines Bruders aufgedeckt, sie sollen kinderlos sein. 20,22 Und ihr sollt all meine Ordnungen und all meine Rechtsbestimmungen halten und sie tun, damit euch das Land nicht ausspeit, in das ich euch bringe, darin zu wohnen. 20,23 Und ihr sollt nicht in den Ordnungen der Nation leben, die ich vor euch vertreibe; denn alle diese Dinge haben sie getan, und sie sind mir zum Ekel geworden. 20,24 Und ich habe zu euch gesagt: Ihr sollt ihr Land besitzen, und ich werde es euch zum Besitz geben, ein Land, das von Milch und Honig überfliesst. Ich bin der HERR, euer Gott, der ich euch von den Völkern ausgesondert habe. 20,25 Und ihr sollt unterscheiden zwischen dem reinen Vieh und dem unreinen, zwischen den unreinen Vögeln und den reinen, und sollt euch selbst nicht zu etwas Abscheulichem machen durch das Vieh und durch die Vögel und durch alles, was sich auf dem Erdboden regt, das ich euch als unrein ausgesondert habe. 20,26 Und ihr sollt mir heilig sein, denn ich bin heilig, ich, der HERR. Und ich habe euch von den Völkern ausgesondert, um mein zu sein. 20,27 Und wenn in einem Mann oder einer Frau ein Totengeist oder Wahrsagergeist ist, sie müssen getötet werden. Man soll sie steinigen; ihr Blut ist auf ihnen.

animalische liebe #23


Ein Herz für Tiere Während die Zahl bekennender ZOOPHILER wächst, zeigt ein Fall aus den USA, welche Folgen der Tabubruch haben kann: Ein Boeing-Ingenieur verstarb, nachdem er sich von einem Pferd penetrieren ließ. Manche Gesetze kommen direkt von Gott. Erst donnert es, dann fährt ein Blitz herab, und schließlich, wenn der Rauch verweht: Gebote für die Ewigkeit, vermerkt auf einer Schiefertafel. Andere Gesetze werden von Menschen gemacht. Dabei entsteht Unordnung, etwa bei Verordnungen zum Sexualkontakt von Mensch und Tier. Sieht in Deutschland hierfür das Tierschutzgesetz eine nicht allzu hohe Geldstrafe vor, steht in England auf die praktizierte Liebe zu etwa Katzen, Eseln und Delfinen in der Regel Gefängnis auf Bewährung. In den USA indes verabschiedete man unlängst ein Gesetz, das Zoophilie zum Schwerverbrechen macht: fünf Jahre Haft in einem Bundesgefängnis oder 10000 Dollar Strafe hielten die Senatoren des Bundesstaates Washington im Fall von »bestiality« für angemessen. Obwohl von einer Republikanerin eingebracht, war das Gesetz nicht von höheren Mächten inspiriert - sondern von einem Boeing-Ingenieur: Kenneth Pinyan verstarb, nachdem er sich von einem Hengst hatte koitieren lassen. Auf seinem Totenschein ist zu lesen: »Bauchfellentzündung als Folge eines Darmdurchbruchs, resultierend aus Analverkehr mit einem Pferd.« Der sexualisierte Umgang mit Tieren, in der Forschung Zoophilie genannt, ist wesentlich weiterverbreitet, als gemeinhin angenommen wird. Der amerikanische Sexualwissenschaftler Kinsey schätzte in seinem Report vor sechzig Jahren, jeder dreizehnte Mann und fünf Prozent aller Frauen hätten in ihrem Leben mindestens einmal Sex mit Tieren; diverse wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema kommen zu dem Ergebnis, etwa fünf Prozent aller Männer sowie zwei Prozent aller Frauen verkehrten mindestens einmal in ihrem Leben sexuell mit einem Tier - auf die Bevölkerungszahlen umgerechnet, wären dies allein in Deutschland bis zu 1,6 Millionen.


animalische liebe #25


»Zoophilie definieren wir allerdings als ein Verhältnis, das mindestens sechs Monate anhält und eine bevorzugte Art des Sexualkontaktes ist«, so Dr. Andrea Beetz. Die Psychologin aus Erlangen führte die einzige größere deutsche Studie zum Thema durch. »Legt man diese Kriterien zugrunde, sinkt die geschätzte Zahl der Zoophilen in Deutschland - die meisten Befragten gaben bei meiner Untersuchung an, nicht regelmäßig, sondern irgendwann einmal Sex mit einem Tier gehabt zu haben, zum Beispiel, weil die Gelegenheit da war«, so die Wissenschaftlerin. Über das Stichwort »Mintlane Arabians« lernt Kenneth Pinyan 2004 im Netz unter seinem Pseudonym »Mister Hands« eine Gruppe Männer kennen, die sich »Coyote«, »H« und »Happy Horseman« nennen. Happy Horseman organisiert zu dieser Zeit eine Art Gang-Bang mit Pferden von seinem Wohncontainer aus, den er direkt neben einer Araberzucht in Enumclaw, einer Kleinstadt südlich von Seattle, parkt. Sein oft abwesender Arbeitgeber, der das Gestüt als Hobby betreibt, weiß nicht, das? Horseman und seine Freunde am Wochenende heimlich Sex mit seinen Tieren haben, den sie filmen und ins Internet stellen. Geld oder etwa Drogen sind bei der ganzen Sache nicht im Spiel. Vor Gericht schwärmen die Männer später von ihrer Gemeinschaft: Sie kochen Zufallsmenüs; sie sprechen über Politik; sie verachten Bush und seine Kriege. Dann sprüht der Gastgeber die Gruppe mit weiblichen Pferdehormonen ein und führt sie in die Ställe des Nachbargrundstücks. Dort treffen sie auf die Zuchthengste; einige von ihnen haben sie mit Medikamenten beruhigt. Langsam nehmen die Pferde die Pheromone der Männer auf. Ab seiner ersten Begegnung mit diesen Tieren ist Pinyan von einem Araber

26

besonders begeistert, den sie Big Dick nennen -so begeistert, dass er sich, gestützt von den anderen Männern, von ihm von hinten nehmen lässt; monatelang, an den Wochenenden, wieder und wieder. Die Prozedur ist extrem schmerzhaft und äußerst riskant. Noch Monate nach Pinyans Tod war sie im Internet zu sehen. »Für den Menschen hört sich das brutal an meint Dr. Andrea Beetz, deren Studie zum Thema weltweit Aufsehen erregte. Ein allgemeingültiges Profil des Zoophilen schlechthin ließe sich daraus aber nicht ableiten, so die Wissenschaftlerin - weil ein solches Profil überhaupt nicht existiere. »Anfangs dachte ich, Zoophile seien generell Sexualstraftäter, die Tiere quälen«, so Beetz. »Aber es gibt eine ganze Bandbreite - vom Quäler über das Herrchen, das ein besonders inniges Verhältnis zu seinem Tier aufbaut, bis hin zum Sexualkontakt.« Ist es also nicht unbedingt verwerflich, wenn sich ein Zoophiler von einem Hund oral befriedigen oder gar penetrieren lässt? »Nehmen Sie nur die künstliche Befruchtung. Anders als bei diesem Vorgang, bei dem der Arzt oftmals mit Hand und Arm in das Tier eindringt, kann es bei vielen Formen des Sexualkontaktes zwischen Mensch und Tier von den anatomischen Gegebenheiten her völlig schmerzfrei zugehen.« Wichtig sei, dass das Tier einen positiven Bezug zu seinem Besitzer habe. Und: »Haustiere wie Hunde und Katzen, aber auch Pferde haben oft in ihrem ganzen Leben überhaupt keinen Sex. Beim Sexualkontakt mit einem zoophilen Besitzer könnten demnach auch sexuelle Bedürfnisse des Tieres kompensiert werden.« Liegen in diesem Zusammenhang jedoch Gewalt oder Zwang vor, sollte der Staat sanktionierend eingreifen, meint Beetz. Ansonsten sieht die Wissenschaftlerin die Zoophilen heute dort, wo


Homosexuelle vor fünfzig Jahren waren: vor dem Aufbrechen der Tabus. Wirklich notwendig seien therapeutische Angebote für Zoophile, die dem breiten Spektrum der Veranlagung gerecht würden; bislang gibt es solche Angebote kaum. Beetz: »Wer sich für Delfine interessiert, der steht vor dem Problem, dass eine erfüllte Sexualität wohl ein Traum bleiben wird. Bei jemandem, der sich von einem ausgewachsenen Araberhengst besteigen lässt, kann eher die Selbstgefährdung problematisch sein.« Es ist, als hätte man ihm Wachs in die Adern injiziert und seinen Körper danach mit Beton ausgegossen, so reglos sitzt Kenneth Pinyan nach dem letzten Akt mit Big Dick im Fond des Wagens, der ihn ins Krankenhaus von Enumclaw bringt. Am zweiten Juli 2005 ist irgend etwas schiefgegangen beim Sex mit seinem Lieblingspferd; der Ingenieur fühlt sich derart schlecht, dass man ihn in die Notaufnahme fährt. Coyote, Happy Horseman und H werfen ihn vor dem Eingang auf die Straße. Sie verschwinden schnell, ihre Reifen wirbeln eine Böe Asche aus dem Asphalt. Als sich Ärzte um ihn kümmern können, ist der Ingenieur schon tot. Wahrscheinlich ist es langsam passiert; Kenneth Pinyan ist auf Grund eines Motorradunfalls bereits auf schmerzdämpfende Medikamente angewiesen und kann die Darmperforation, die ihm der Pferdepenis zufügt, erst ganz am Schluss spüren. Es muss ihm vorkommen, als würde sein Körper implodieren, er nimmt nun kein Hell und kein Dunkel wahr, in den letzten Momenten bei Bewusstsein auf der Fahrt ins Krankenhaus erzählt er seinem Freund Coyote von einer Verfinsterung. Dann spricht er von einem pulsierenden Schwarz - und schließlich nur noch von Schwarz. Zoophilie wird schon in 40000 Jahre alten Höhlenmalereien dargestellt; im Hinduismus, bei den Ureinwohnern Nordamerikas und in den siebzehn Kapiteln von »1001 Nacht« ist liebe zum Tier Alltag. Im Mittelalter galt diese Form von Sex als beste Medizin gegen verschiedene Krankheiten; im 17. Jahrhundert fand der Sexualkontakt zwischen Jungen und Schafen eine derart weite Verbreitung, dass sich die Kirche dagegen aussprach, überhaupt noch männliche Schäfer einzustellen. In vielen arabischen Ländern und im nördlichen Kolumbien ermutigen die Väter noch heute ihre Söhne, Sex mit Eseln zu haben, weil dies angeblich ihre Genitalien größer werden lässt. Zum öffentlichen Spektakel wurde »bestiality« allerdings nur im alten Rom: Herrscher wie Tiberius und Nero hatten entweder selber Sex mit Tieren oder zogen Vergnügen daraus, anderen dabei zuzusehen; im Circus Maximus wurden Vergewaltigungen von Frauen zur Massenbelustigung gezeigt. In den USA wird Kenneth Pinyans Fall ebenfalls zum Spektakel; CNN-Hubschrauber umkreisen Enumclaw tagelang. Nach seiner Verhaftung kann Happy Horseman allerdings nur angeklagt werden, »wiederholt die Scheune seines Nachbarn besucht zu haben« - ein Gesetz gegen Sex mit Tieren fehlt zu diesem Augenblick im Bundesstaat. Der hagere Mann mit dem weißen Bart und dem Cowboyhut wird zu einem Jahr auf Bewährung, 300 Dollar Geldbuße und einem Tag gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Coyote und H gehen straffrei aus, weil auf den Filmen, die sie von ihren sexuellen Handlungen gemacht und ins Netz gestellt haben, nicht eindeutig zu erkennen ist, dass sie ein Tier quälen. Als ich Coyote im Foyer eines auf Bronchialinfarkt heruntergekühlten Hotels in Seattle treffe, ist sein Blick auf den Fußboden gerichtet. Weil Coyote ein Hundehalsband mit Plastikknochen trägt, erkenne ich ihn sofort. Wie kommt es dazu, dass man auf Tiere steht? Betrachtet er sich als hilfesuchend, als irgendwie gestört? Hat er auch mit Menschen Sex? Ich möchte viel von dem 38-Jährigen wissen. Doch Coyote will erst mal auf mein Zimmer. Dort angekommen, riecht der Raum sofort nach Pferd. Falsch: nach Hund. »Ich bin kein Familienmensch.« Zwischen den Sätzen des Rettungssanitäters treten lange und bisweilen seltsame Pausen ein - als warte er auf den Befehl zum Weitersprechen. »Dieser ganze Austausch, mit Menschen, das ist nichts für mich. Ich habe schon immer mehr Zuneigung zu Tieren empfunden.« Heute bezeichnet Coyote seine zwei Dobermänner als »treue Gefährten«; anscheinend ist er Hunden mehr zugetan als

animalische liebe #27


Pferden; aufgrund der Strafandrohung äußert er sich hierzu aber nicht. »Warum ist Zoophilie verboten?« Wenn Coyote spricht oder sich sonst wie bewegt, strömt stets ein neuer, leiser Schub Hundegeruch durch den Raum. Ich frage ihn, ob er es nicht einmal ausprobieren wolle, in einer Beziehung mit einem Menschen zu wachsen, zu kommunizieren -immerhin, ein Pferd könne man doch schlecht ins Kino einladen, und auch seine Dobermänner werden ihr Eis nie selbst bezahlen. Überraschenderweise antwortet er darauf, er sei zwar nicht mit Kenneth Pinyan zusammen gewesen, doch sie hätten Sex gehabt: »Das kam einer zwischenmenschlichen Beziehung sehr nahe.« Doch es sei schwierig gewesen: Einerseits war er bei Boeing im »Kent Space Center«, der sogenannten »Blackbox«, für die Entwicklung von Militärflugzeugantennen zuständig - eine Technik, die der Armee bei ihren Kriegen half. Andererseits hasste und verabscheute er diese Kriege. »Kenneth war innerlich zerrissen. Er wollte sterben. Diesen Zustand hat Big Dick dann nur noch exekutiert«, meint Coyote. »Das Verbot der Zoophilie, ich kann es noch nicht ganz verstehen.« Wieder macht der gutmütige Enddreißiger eine lange Pause. »Es ist erlaubt, Tiere zu töten, um sie zu essen. Es ist erlaubt, ihnen zu Testzwecken Shampoo in die Augen zu spritzen. Und ich soll ein Krimineller sein, weil ich Tiere liebe?« Coyote schaut jetzt noch etwas trauriger aus, man hätte es kaum für möglich gehalten. »Gott hat mich so gemacht, und Gott hasst niemanden. Und dem Tier ist es doch egal, ob es mit einem Menschen oder mit einem anderen Tier Sex hat - solange der Mensch ihm nicht Schmerz zufügt.« Interessiert sich Coyote denn nach wie vor für Pferde? »Manchmal will ich einem Pferd an die Eier fassen«, sagt er. »Die sind so schön warm. Kenneth war neugieriger. Er hatte eine angenehme Art.« Zoophilie werde trotz allem weiter praktiziert, aber seit sie strafbar ist, seien die Leute vorsichtiger. Trotzdem will mich Coyote in eine Bar mitnehmen, in der ich Zoophile treffen kann, sehen, dass es keine gemeinen Menschen sind, sondern, wie er sagt, »Tierfreunde«. Ich werde zweimal am verabredeten Treffpunkt erscheinen. Zweimal wird er nicht kommen. Als der Rettungssanitäter nach unserer ersten Begegnung geht, verflüchtigt sich der unangenehme Geruch. An seinem Platz liegt ein Origamifetzen, der wie ein Hund oder ein kleines Saxophon aussieht. Weil es in den USA wenige Regeln zur Pferdezucht gibt, ist sie keine Domäne reicher Menschen - und so reihen sich heruntergekommene Schuppen an die feineren Häuser der Tierfreunde von Enumclaw, dem Ort, wo alles endete. Im »Branding Iron Cafe«, dem Stammlokal von Happy Horseman, ist Kellnerin Cindy ein Sprachrohr der Gemeinde. »Es ist entsetzlich, wie diese Leute unseren Ort in Verruf brachten.« Auf ihren kleinen Schuhen und in den Spangen ihres Haares finden sich überall Motive von Pferden. »Die Polizei konnte ja gar nichts tun«, ruft Cindy jetzt, »es war noch nicht mal illegal!« In der Tat oblag es Sergeant John Urquhart von der Polizeidienststelle Enumclaw in Folge der Vorfälle lediglich, »tonnenweise Tiersexfilme« zu konfiszieren. Seitdem stapeln sie sich in seinem Büro - Interviews mag er keine geben.

28


»Das kann ich gut verstehen«, sagt Jenny Eduards, Leiterin des Tierasyls »Hope for Horses« in Snonomish bei Seattle, in dem bis heute Kenneth Pinyans Spur zu finden ist: Weil er Big Dick nicht kaufen konnte, legte sich der Ingenieur ein eigenes Pferd zu, das er Chance nannte und mit dem er - in einem Stall hinter seiner Wohnung auf dem Land - ebenfalls Sex hatte. Im »Hope for Horses« fand Zhance seine zweite Heimat; Big Dick lebt heute unter dem Namen Gavin an der kanadischen Frenze. Ein kleines Adoptivschwein gesellt sich zu ans, als Jenny Edwards ins Erzählen kommt. »Den Menschen aus Enumclaw bedeuten ihre Pferde viel. Sie sind ihnen nahe, sie bürsten sie, sie berühren sie, sie reiten auf ihnen. Sie beziehen ihre Freude aus Pferden. Und dann kommen so ein paar Typen daher und sagen: >Wir lieben Pferde, und deshalb machen wir unser Sexding mit ihnen<?« Für Jenny Edwards ist Zoophilie schlicht Tierquälerei - maskiert als Zuneigung. »Zu uns werden Tiere gebracht, die völlig verwahrlost sind oder Spuren von Misshandlungen aufweisen.« Beides war bei Chance nicht der Fall - das Pferd war lediglich »verwirrt«, so Edwards. Der Tierschützerin entfährt trotzdem ein böser Fluch. Das Adoptivschwein hüpft erschrocken von dannen. »Für mich«, Jenny Edwards schüttelt sich, »ist Sex mit Tieren eher mit Pädophilie vergleichbar als mit Liebe. Oder meinen Sie etwa, Sie könnten ein Tier, das von seinem Herrchen abhängig ist, ernsthaft befragen, ob ihm der Sex mit diesem Herrchen gefallen hat?« Bei Boeing, wo Mister Hands acht Jahre lang angestellt ist, genießt er bis zuletzt hohes Ansehen; die Boeing Employees Credit Union leiht »Kenneth D. Pinyan, einem unverheirateten Mann«, kurz vor seinem Tod 144000 Dollar. Allerdings ist Mister Hands geschieden; an dem Wochenende, an dem er stirbt, hat Pinyan sogar Besuch von seinem 11-jährigen autistischen Sohn. Trotzdem fährt der Ingenieur nach Enumclaw. An die Stelle seiner Familie sind längst Chance und Big Dick getreten; nach seinem Tod finden sich in der Wohnung des Boeing-Mitarbeiters zahlreiche Gipsabgüsse der Genitalien seiner Lieblingspferde. Kurz vor seinem Tod richtet Pinyan für Chance den Stall neben seinem Haus ein. Pinyan, der sich jetzt so kleidet wie ein Cowboy auf einem Kostümfest, träumt viel von seinen Pferden. Sie sind dann keine Tiere, erzählt er Coyote bei einem ihrer Treffs im Wohnwagen: Sie sind wie der Mensch selbst, nur unverwechselbarer, einzigartig in ihrem Willen, verbunden mit der Natur. Wenn eines der Pferde in ihn eindringt, erzählt Pinyan seinem Vertrauten, dann sieht er ein herrliches Flimmern, einen reitenden Lichtstrahl, ein von stürmischen Winden getriebenes Licht. Er denkt daran, seinem Sohn, einem Kollegen, sogar seiner Exfrau von diesen Dingen zu berichten, aber der Ingenieur, der an den teuersten Flugmaschinen der Welt arbeitet, bringt es nicht fertig, davon zu sprechen, dass er mit dem Fortbewegungsmittel, das vor 150 Jahren die Planwagen der Menschheit aus der Wildnis in die Städte zog, Sex, mancher würde sagen: eine Beziehung hat.

animalische liebe #29


»Frau für Frau« Interview mit einer Prostituierten Berlin-Wedding. Es ist schäbig. Morbide Häuserwände und dreckige Straßen geleiten meinen Weg zur Euler Straße 25. Als ich vor der Haustür des Altbauhauses, welches sehr gut in die Anmutung des Bezirks passt, stehe, ist es eine Minute vor eins. Ich trete meine Zigarette aus und drücke die Klingel mit der Aufschrift MONA LISA. Es surrt und ich werde von einer freundlich lächelnden Dame mit den Worten „Immer hereinspaziert!“ begrüßt. Also betrete ich das einzige Bordell Deutschlands, in dem der Service „Frau für Frau“ angeboten wird. Es ist fast auffällig, wie wenig diese doch stilvolle Frau mit den blonden, hochgesteckten Haaren und ihrem schwarzen Hosenanzug in dieses Viertel passt. Das Einzige, das sie als Geschäftsführerin eines Bordells entlarvt, ist ihre tief geknöpfte Bluse, die mir außerdem offenbart, dass sie nicht zu kurz kam, als Gott die Körbchengröße verteilte. Sie begleitet mich durch die geschmackvoll eingerichtete Wohnung ins »Zimmer 4«, in dem ich auf Vanessa warte. Die Tür geht auf und eine 46-jährige Frau mit schwarzen langen Haaren tritt ein. Als sie sich neben mich auf einen Stuhl setzt verblüfft mich ihr gepflegtes Äußeres und frage mich, ob die gelernte Kosmetikerin tatsächlich schon seit 20 Jahren den Beruf als Prostituierte ausübt. Sie zieht nervös ihr umgebundenes Duschtuch zurecht und nickt, ihr Zeichen das Interview zu beginnen.

30


Sie arbeiten in dem einzigen Bordell Deutschlands, in dem auch Sex von Frauen für Frauen angeboten wird. Sind Sie bisexuell? Nicht 100 prozentig. Meine Tendenz geht eher zu Männern, aber da ich auch schon privat sexuelle Erfahrungen mit Frauen hatte, biete ich diesen Service an. Vanessa, wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen? War es der Spaß am Sex oder pure Geldnot? Nee, es war wohl eher der Spaß am Geld. Ich kam irgendwann an einen Punkt, an dem ich mehr Geld verdienen wollte. Sind Sie bewusst zu Mona Lisa gegangen, damit Sie dort Ihre andere Neigung ausleben können? Nein. Ich wusste auch nicht, dass es das einzige Bordell ist, welches diesen Service anbietet. Wie hoch ist der Frauenanteil? Der Frauenanteil ist bedeutend gering, es sind höchstens zwei Frauen im Monat. Was sind das für Frauen, die zu Ihnen kommen? (überlegt) Ich würde sagen sie sind Typ „Hausfrau“. Die Kundinnen sind meistens unglücklich zu Hause mit ihrem Mann, weil sie zu wenig Geborgenheit bekommen. Es gibt auch Frauen, die einfach neugierig sind wie Sex mit einer Frau ist. Eine Frau hat sich sich selbst mich sogar mal zum Geburtstag geschenkt (lacht). Aber in der Regel sind es Frauen mit Familie. Also führen auch diese Frauen ein Doppelleben? Ja, das kann man so sagen. Man sagt Frauen nach, sie seien emotionaler wenn es um Sex geht. Gibt eine speziellere Bindung zwischen dir und der Freierin? Bindung würde ich das nicht nennen. Sie lassen sich schon extremer fallen und man merkt ihnen einen höheren Zärtlichkeitsmangel und die fehlende Geborgenheit an. käuflische liebe #31


Sie haben sowohl Männer als auch Frauen als Kunden. Welchen Unterschied gibt es bei den Geschlechtern? Frauen lassen es häufig langsamer angehen. Ich denke der Grund dafür ist, dass es das erste Mal mit einer Frau ist oder das erste Mal in diesem Etablissement. Sie sind ängstlicher und müssen sich länger führen lassen bis sie sich fallen lassen und selber einbringen. Man berührt und streichelt sich mehr, bevor man sich nach „unten“ vorarbeitet. Männer gehen eigentlich sofort zur Sache und reden nicht viel, wenn doch, ist der Grund meistens, die Angst zu früh zu kommen. In der Regel fragen sie nach dem Service den man anbietet und den will ʼMannʻ dann auch schnell haben. Frauen sind da ganz anders: Sie reden schon um ihre Scheu zu überspielen und sich selbst das Gefühl zu geben, dass das was sie gerade tun in Ordnung ist. Wer ist als Kunde schwieriger? Mann oder Frau? Ganz klar, der Mann. Es fängt bei der Hygiene an: Es kommt nicht selten vor, dass ich die Männer nochmal bitten muss sich zu duschen. Es ist bei manchen aber auch die Art, wie sie mit mir umgehen. Sie behandeln mich auf deutsch gesagt wie eine Nutte. Sie wollen in allen Löchern rumbohren und in einer Intensität, dass ich sie manchmal zügeln muss. Prostitution ist also kein leichter Job!? Nein. Mit hinlegen und Beine breitmachen ist es nicht getan. Man ist Seelenverkäufer und muss gut schauspielern. Es ist eine Gradwanderung. Auf der einen Seite muss ich den Männern Geborgenheit geben, denn es kommen häufig solche, die im öffentlichen Leben keine Frau haben und auch keine für einen One-Night-Stand bekommen würden. Auf der anderen Seite muss ich aufpassen, dass sich gerade diese Männer nicht in mich verlieben, denn ich bin eine Illusion. Sie wissen ja nicht, dass ich, wenn ich um 18 Uhr hier rausgehe, eine ganz andere Frau bin. Das macht es manchmal sehr schwierig, weil man oft zum Dreh- und Angelpunkt für diese Menschen wird und ich möchte ja niemandem weh tun.

Haben Sie aufgrund dieser Problematik lieber Frauen als Kunden? (überlegt) Nein, ich glaube, dass kann man so nicht sagen. Es bietet einen gewissen Reiz, Macht über die Männer zu haben. Ich merke relativ schnell wie ein Mann tickt und lasse mich niemals dominieren. Das ist schon sehr befriedigend, weil mir die Männer, auch wenn es nur für den Moment ist, völlig ausgeliefert sind. Haben Sie Lieblingskunden und, wenn ja, was macht einen Lieblingskunden aus? Ja klar, das liegt an der Art wie sie mit einem umgehen. Sie sind respektvoller, erzählen mehr über sich als andere und kommen dann auch häufiger zu mir. Wiederum gibt es aber auch Stammgäste, bei denen man denkt: „Oh, der schon wieder“. Da kennt man schon jeden Handgriff und jede Bewegung und weiß genau wie die nächste halbe Stunde ablaufen wird. Aber das kommt eher selten vor. Erleben Sie sexuelle Erregung in ihrem Beruf? Auf jeden Fall. Es kommen auch Männer hierhin, die gut aussehen und wo auf Anhieb die Chemie stimmt. Diese Männer hätte ich auch in der Disco oder in einer Bar kennenlernen können. Da vergisst man auch mal den Job. Es gibt auch manchmal Momente da denke ich mir: „Hoffentlich kommt der wieder, den bezahle ICH auch!“ (lacht). Trifft der Spruch „Ich mache meinen Job“ auf Sie zu? (überlegt) Gut, irgendwann ist Job nun mal Job und es geht schon immer um das Gleiche, aber was ich über die Jahre gelernt habe ist, sich von einer Sekunde auf die andere in einen fremden Menschen zu fühlen und reinzuversetzen und zu merken was er will oder nicht will. Die Kunden sollen doch zufrieden sein. Natürlich gibt es auch Tage, da fällt es mir schwer immer zu lächeln, alles ist toll, alles ist geil, aber auf dem Laken arbeitest du deinen Job runter und das merkt der Gast dann auch nicht.

32


Wird man mit der Zeit und der Erfahrung abgebrühter? Ja. „Kunde ist König“ zählt bei mir schon lange nicht mehr, früher habe ich mir viel mehr gefallen lassen. Man wird reifer und lässt auch nicht mehr soviel an sich ran. Wie ist unsere Gesellschaft gegenüber Homosexualität und Prostitution ihrer Meinung nach eingestellt? Ich finde, wir leben in einer verkorksten und intolleranten Gesellschaft, in der Homo- bzw. Bisexualität und auch Prostitution immer noch nicht ganz anerkannt sind. Es geht ja auch niemand in diese Etablissements. Ich weiß auch eigentlich gar nicht, womit ich die ganzen Jahre mein Geld verdiene.

Aber wie gehen Sie im öffentlichen Leben mit diesem doppelten Tabubruch um? Ganz normal, darüber denke ich nicht nach. Es weiß ja niemand das ich eine Prostituierte bin. Sind Bisexualität und Prostitution Tabus für Sie? Nein.

Aber warum weiß dann niemand von ihrem Job? (atmet tief ein und räuspert sich) Weil es doch eigentlich unwichtig ist und unsere Gesellschaft nunmal so ist. Außerdem möchte ich das meinen Eltern und meinen Kindern nicht antun. Ich kam mir auch nie schlecht dabei vor, ganz im Gegenteil, man bekommt viel Menschenkenntnis. Es gibt für mich fast keine Situation in der mir ein Mensch etwas vormachen kann. Männer sind für mich alle gläsern. Ich finde es auch amüsant, wenn ich bei Geburtstagen Männer beobachte und genau weiß, was sie brauchen und wie sie es brauchen, aber wie sie sich geben und verhalten ist natürlich ganz anders. Vielen Danke für das Interview. Gerne.

käuflische liebe #33


„Entspann Dich, Süße! Wenn Dir etwas nicht gefällt, dann sag es mir. Okay?“ Es war mein erster Urlaubstag, mein Freund Gero war da und kein lästiger Wecker klingelte und scheuchte mich aus dem Bett. Einfach herrlich. Das Wetter war trüb und immer wieder überzogen Schauer das Land, also alles war perfekt, um einfach liegen zu bleiben. Gegen zehn weckte mich der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und ich wurde von Gero liebevoll mit einem Frühstück im Bett überrascht. Er setzte sich zu mir mit einem Tablett voll gedeckt mit allem was ich gerne morgens Esse. Frische Brötchen, Marmelade, Croissants und andere Dinge. So fing ein Tag gut an. Nach dem Frühstück huschte ich unter die Dusche und Gero wartete auf mich. Er war schon unter dem Wasser gewesen, er ist mehr ein Frühaufsteher, aber trotzdem kamen wir sehr gut miteinander zurecht. Es störte ihn nie, wenn ich ausschlief und er nutzte die Zeit für seine persönlichen Dinge. Ich wusste aber nicht, was er sich für diesen Tag überlegt hatte. Im Bademantel kehrte ich ins Schlafzimmer zurück und ich legte mich zu Gero, der ganz unauffällig die Tageszeitung las, die er bereits vom Kiosk geholt hatte. Doch bei meinem Anblick legte er sie schnell beiseite und küsste mich. Dabei löste er den Knoten im Gürtel, öffnete den Bademantel und streichelte zärtlich meine üppigen Kurven. Nein, ich bin nicht dick, aber ich habe sehr weibliche Formen. Große Brüste, schlanke Taille und ein breites Becken mit einem sehr schönen Po, wie nicht nur ich finde. Ich schlüpfte ganz aus dem Bademantel, der auf dem Boden landete und ich zerrte an seinen Boxershorts, in der sich bereits eine gewaltige Überraschung aufbäumte. Eng aneinander gepresst küssten und streichelten wir uns, bis Gero uns unterbrach. „Einen Augenblick, Schatz…“, sagte er und zog etwas unter dem Kopfkissen hervor. Es war einer meiner Seidenschals, den er mir lächelnd mit einem Kuss um den Kopf legte und meine Augen verband. „Entspanne Dich, Süße! Wenn Dir etwas nicht gefällt, dann sag es mir. Okay?“, fragte mich Gero und ich bestätigte es ihm. Aufgeregt mit feuchter Pussy lag ich auf dem Rücken und harrte der Dinge.Ein weiterer Seidenschal schlang sich um mein

#36


Handgelenk und er band den Schal fest. Dann musste ich kurz mein Becken anheben, Gero schob das andere Ende des Schals hindurch und knotete dort mein zweites Handgelenk fest, so dass meine Arme fest an meinem Körper anlagen. Es war spannend und aufregend, wie ich so da lag und nicht wusste, was er als nächstes tun würde. Gero half mir, mich etwas aufzusetzen, dann drückte er mich in übereinander gestapelte Kissen, so dass ich in halb aufrecht zum Liegen kam. Auch um meine Fußgelenke schlang sich etwas, aber ich konnte nicht sagen, um was es sich handelte. Er machte es sehr geschickt und irgendwie befestigte er die Enden so, dass ich mit auseinandergespreizten Beinen auf das Bett gebunden war, unfähig mich zu wehren. Ich wollte mich auch gar nicht wehren, dafür war die Situation viel zu geil für mich. Gero küsste mich nochmal flüchtig auf den Mund, dann hörte ich eine Plastiktüte rascheln. Im nächsten Moment spürte ich etwas harte, unnachgiebiges an meiner Muschi, das sich zwischen meine Schamlippen schlich. Es war etwas sehr breites und im nächsten Moment schob es mir Gero mit halber Gewalt in die Pussy. Ich schrie leise auf, es tat im ersten Moment weh, es dehnte meine Muschi enorm, aber mit der Weile wich der Schmerz einem angenehmen Ziehen, das mich total fertig machte. Ich war absolut geil und ich wollte mit dem Gegenstand gevögelt werden, aber er schob es nur noch ein Stück nach und beließ es, wie es war. Wieder raschelte die Tüte und ich spürte einen Widerstand, wenn meine Pussymuskeln sich zusammenzogen, sodass sich der mir unbekannte Gegenstand nicht lösen konnte. Ich vermutete, er hatte etwas schweres davor getan, damit es nicht herausrutschen konnte. Doch was nun kam, dagegen hätte ich mich wahrscheinlich aus Angst gewehrt, wenn ich gesehen hätte, was Gero vor hat. Es war gut so, dass ich nichts sah, denn es war am Ende eine geile Empfindung, die ich mir so nicht hätte vorstellen können. Gero hob meine linke Brust an, er drückte sie fest, wie wenn er testen wollte, ob sie von guter Qualität ist. Dann spürte ich einen stechenden Schmerz in meinem Nippel, sodass ich scharf einatmete und kurz aufstöhnte. Es war ein intensiver Schmerz von einer Klammer. Er beließ die Klammer dort, obwohl ich sagte, es tut weh. Aber es war gut, dass er nicht darauf reagierte, denn der Schmerz löste sich zwar nicht ganz auf, aber ich spürte, wie meine Muschisäfte nur so herausschossen, es machte mich schlicht geil! Trotzdem begann ich zu zittern, als er meine rechte Brust anhob, an meinem Nippel zog und sich auch dort eine Klammer unnachgiebig festsetzte. Obwohl ich vorbereitet war, war der Schmerz dennoch schlimmer, bis es wieder die angenehme, erregende Wirkung auf meine Pussy auslöste. Gero schnippte gelegentlich an die Klammern und es durchfuhr mich ein geniales Gefühl und ich bettelte, er solle mich vögeln. Nichts geschah, er ließ mich bestimmt zehn Minuten betteln, aber er spielte nur gelegentlich mit den NippelKlammern und nur das verpasste mir beinahe einen Orgasmus. Meine Pussy-Muskeln drückten gegen den harten Gegenstand, der sie dehnte und ich konnte kaum noch an mich halten. Ich versuchte mich zu bewegen und zu befreien, aber es gelang nicht. Umso mehr war es wie die Offenbarung, als sich Gero an dem Gegenstand zu schaffen machte und mich ordentlich damit stieß, es war eine Mischung aus Schmerz und Lust, meine Brüste bebten und die Klammern zogen dadurch. Und es kam mir mit einer Langsamkeit und einer Intensität, die mich beinahe in Ohnmacht warf. Als ich mit einem extrem lauten Schrei kam, zog Gero in diesem Moment grob die Klammern von meinen Nippeln und alles vermischt war das geilste, was ich bisher erlebt hatte. Doch es war für mich noch nicht vorbei. Geros Tüte raschelte, ich spürte, wie er Gel auf meinen Rosette schmierte, die Fußfesseln löste und mir ein Kissen unter den Po schob. Dann spießte er meinen Hintern langsam auf, es tat anfangs weh, es war mein erster Analsex, aber nach einer Weile merkte ich, wie ich dadurch einem zweiten Orgasmus näher kam und Gero entlud sich in meinem Hintern mit einem lustvollen Seufzen. Bisher hatte ich mich immer gegen einen Popofick gewehrt, aber an diesem Tag habe ich Seiten an mir kennen gelernt, die mich stumm blieben ließen und es war gut so. Gero erlöste mich von der Augenbinde und den Fesseln, aber bis heute weiß ich nicht, was er mir in die Pussy schiebt, wenn wir Lust auf solche Spielchen haben.

schmerzhafte liebe #37



tabu magazin