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Nenia Tiemeier

AggregAtio de MonstrA ForschuNg iN verborgeNeN WelTeN

lexikon


Nenia Tiemeier, geboren 1990 in lübbecke, ist nach sieben umzügen in osnabrück und Wiesbaden zu hause. schon als Kind nahm sich die Tochter einer rektorin und eines Diplom-verwaltungswirts vor, einmal ein buch zu schreiben. heute studiert sie in hessens landeshauptstadt mit großem vergnügen im studiengang Kommunikationsdesign. Nebenbei arbeitet Nenia in einem großen Full-service MediaNetzwerk in Frankfurt und bearbeitet kleinere Aufträge für private Kunden. Mit der herausgabe von Aggregatio de monstra kann die ledige Jungautorin nun einen Punkt auf ihrer lebens-liste mit Dingen, die sie in ihrem leben mal gemacht haben will, streichen. Aggregatio de monstra ist ihr erstes buch. es ist noch nicht sicher, ob weitere Werke erscheinen werden.


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Aggregatio de Monstra

Forschung in verborgenen Welten

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F端r alle Menschen mit Alltagsproblemen und Jene, die sich dar端ber lustig machen wollen.

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Nenia Tiemeier | Lexikon

Aggregatio de Monstra Forschung in verborgenen Welten

Interdisziplin채rer Entwurf WS 11/12

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Inhalt

Monsterlexikon

Eine Wissenschaft für sich

10

Albtraummonster

12

Ich brauche eine Waffe

14

Batteriemonster

16

Einmal klingeln und Peng

18

Benzinmonster

20

Glückssache, ob ich ankomme

22

Duschmonster

24

Die russische Variante 26 Eismonster

28

Matschige Fischstäbchen

30

Huhn oder Ei

32

Entfernungsmonster 34

36

Fernsehmonster

38

Düng-düng-düng

40

Ein Teufelskreis

Geldmonster

42

Nicht für die Ewigkeit

44

Brie gegen Pfand

46


{ Inhalt } Kleinkrammonster

48

Es überlistet einen sowieso

50

Schimmelmonster

52

Schimmel wie Wattepads

54

Siphonmonster

56

Schlimmer geht‘s immer

58

Sockenmonster

60

Das geschlossene System

62

Spülmonster

64

Tellermangel

66

Staubmonster

68

Ok. Das ist zu dreckig

70

Wir waren Kumpels

72

Weckermonster

74

Verstecken spielen

76

Die Leidtragenden

78

Danksagung

80

Impressum 81


Eine Wissenschaft für sich pseudo-Forschung

Ich finde weder mein Handy, noch meinen Schlüssel, wenn ich es eilig habe und eh schon zu spät dran bin, sodass ich Bus und Bahn verpasse. Nach einem Waschgang fehlen etwa die Hälfte der Socken und manchmal finde ich fremde Handtücher in meiner Wäsche. Ich träume viel Schwachsinn. Hin und wieder schrecke ich in meinem Hochbett aus dem Schlaf und schlage mit dem Kopf an die Decke. Trotz Drano Powergel ist der Abfluss meiner Dusche verstopft und ich muss aufpassen dass ich das Wasser nicht zu lange laufen lasse, damit die Duschwanne nicht überläuft. Ich lege Dinge, die ich brauche, in meiner direkten Umgebung ab. Wenn ich sie dann brauche, muss ich dennoch aufstehen, um sie zu holen. Die Batterien meiner Taschenlampe sind immer leer, wenn der Strom ausfällt und ich keine Kerzen finden kann. Ich habe mich dazu entschlossen den Ereignissen auf den Grund zu gehen. Damit war die Idee für dieses Buch geboren.

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{ Prolog }

Ursachenforschung Beschriebene Situationen, die den normale Tagesablauf stören und erschweren, gibt es nicht nur in meinem Alltag zu Hauf. Durch die Erfahrungen und Erlebnisse meinerseits und meines Bekanntenkreises bin ich zu der Theorie gekommen, die besagt, dass es nicht unsere Schuld ist, dass uns immer wieder jene Missgeschicke und Unannehmlichkeiten geschehen. Es sind Monster, die unerkannt unter uns leben und jene Ereignisse verursachen. Sie sind für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar, weshalb sie bisher unentdeckt geblieben sind. Durch die mittlerweile fortschrittlichen technischen Möglichkeiten sind wir nun jedoch in der Lage die Monster „sichtbar“ zu machen. Während meiner Recherchen stellte sich heraus, dass die Monster größtenteils bei jungen Erwachsenen, teilweise in deren ersten eigenen Wohnungen oder Wohngemeinschaften, zu finden sind. Aufgrund dessen habe ich hauptsächlich Studenten zu den bei ihnen lebenden Monstern befragt. Mithilfe namenhafter Experten auf dem Gebiet der terrestrischen Forschung entwickelte ich spezielle Monster-Sichtgeräte. Zum einen eine Art Brille, die durch ihre unterschiedlich beschichteten Linsen in eine andere Dimension unserer Realität vordringen kann. Ein weiteres Gerät dient zur Aufzeichnung und funktioniert ähnlich wie die Brille. Es filtert Veränderungen der Umwelt so heraus, dass wir klare Bilder der Monster erhalten. Mit diesen hochkomplexen Mechanismen konnte ich die Monster in unserer Umgebung beobachten und ihre Verhaltensweisen studieren. Es ist an der Zeit die Menschen über die Existenz der unter uns befindlichen Kreaturen aufzuklären.

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Albtraummonster Monstrum Insomnium Malus

Fakten: Ordnung:

Säuger (Mammalia)

Lebensraum:

unter Betten

Nahrung:

Schallwellen von Schlafgeräuschen, positive Gedanken

Merkmale:

große Ohren, lange Krallen, langer Schwanz mit Synapsen- Andock-Element

Größe:

bis 60 cm

Ohren SynapsenAndock-Element

Auge

Schwanz

Nüster Maul

feines Fell

Krallen Fuß

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{ Monster A-Z } Albtraummonster sind Einzelgänger und leben weit verbreitet auf der Erde. Aufgrund ihres unterentwickelten Sozialverhaltens meiden sie ihre direkten Artgenossen und kommen nur zur Paarung in Gruppen zusammen. Allerdings suchen sie grundsätzlich die Nähe der Menschen und nisten sich in unmittelbarer Umgebung zu deren Schlafplätzen ein. Albtraummonster gehören mit einer Körperlänge von bis zu 60 cm zu den größeren Vertretern der Monster. Die Nahrungsaufnahme findet unter anderem durch das Belauschen schlafender Menschen statt. Die extrem großen Ohren des Monsters fangen die Schallwellen der Schlafgeräusche aus ihrer Umgebung auf und wandeln sie in Energie um. Seine langen Krallen dienen dazu den Menschen festzuhalten, während es das Ende seines langen dünnen Schwanzes unbemerkt für den Schlafenden in dessen Ohr einführt. Am Ende des Schwanzes befindet sich ein Andock-Element, mit dem sich das Monster an die menschlichen Synapsen anschließen kann. Damit saugt es positive Gedanken ab, sodass nur noch negative übrig bleiben. Bei den Menschen machen sich solche Kontakte in Albträumen bemerkbar. Außerdem gibt das Monster in dem Moment des Andockens eine Schockwelle an Das Albtraumwesen pflanzt sich einmal im Jahr den menschlichen Körper ab, fort. Dafür trifft es sich mit Artgenossen in Hauswas ein Gefühl des Fallens fluren und auf Straßen. Nach fünf Wochen trägt auslöst und den Menschen das Weibchen ein bis drei Junge aus, die weitere für einen kurzen Moment fünf Wochen von der Mutter ernährt werden. Anerwachen lässt. schließend werden sie verstoßen und müssen ihr Leben fortan alleine weiterführen.

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Ich brauche eine Waffe Albtraummonster

Wie und wann machte sich das Albtraummonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Annika T. Dadurch, dass ich so häufig Albträume habe. Es sind nicht immer genau Albträume, sodass ich Angst habe. Obwohl doch, ich habe meistens Angst. Auf jeden Fall sind das immer ziemlich verrückte Träume, die ich dann ekelig finde, weil sie so häufig vorkommen. Ich träume auch ganz, ganz oft, dass ich vom Stuhl falle, zucke dann zusammen und denke: „Gott, bist du doof. Du kannst doch nachts nicht vom Stuhl fallen.“ Das habe ich super oft. Das muss das Albtraummonster sein, ich kann es mir nicht anders erklären. Ich denke auch noch ganz oft, dass mir jemand die Decke wegzieht. Also, mir wird halt kalt, dann werde ich wach und habe das Gefühl, dass jemand die Decke weggezogen hat.

Annika T.

23, Studentin aus dem Westend, eigene Wohnung

Wie versuchst Du das Albtraummonster loszuwerden? Annika T. Also ich habe mal versucht, mir vor dem Einschlafen besonders schöne Gedanken zu machen, dass es nicht zu Albträumen kommen kann. Aber das funktioniert nicht immer. Da muss ich schon an was ganz, ganz doll Schönes denken. Manchmal kämpft sich das Albtraummonster dann doch durch die schönen Gedanken und saugt sie mir ab. Außer ich habe halt zu viele große, schöne Gedanken, dann passen die vielleicht nicht durch den Stöpsel durch und deshalb kann es nichts rausziehen. Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Annika T. Ganz besonders schlimm ist es immer dann, wenn

ich Horrorfilme gucke. Bei so Zombiefilmen schlafe ich eine ganze Woche lang schlecht. Ich glaube in der Zeit feiert das Albtraummonster bei mir ein Fest. Da bin ich ganz, ganz sensibel und träume immer die schlimmsten Zombiealbträume. Das Monster schiebt sie mir dann immer wieder zu, die Albträume von Zombies. Die sind auch immer am realistischsten und richtig ekelig. Am nächsten Tag, wenn ich wach bin und es wieder hell ist, denke ich mir dann immer: „Das war doch nur ein Traum.“ Aber wenn es dunkel ist und ich nachts Schiss habe, kann ich mir das nicht denken. Dann

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{ Interviews } denke ich eher: „Ich brauche eine Waffe, um Zombies erschießen zu können.“ Einmal bin ich auch wirklich schweißgebadet aufgewacht. Das war, nachdem ich mit meiner Tante im ersten „Herr der Ringe“-Film war. Da war ich zwölf oder dreizehn und hatte ultra Angst vor diesen Orks, weil die mich halt an Zombies erinnert haben. Nachts habe ich dann davon geträumt und war so schweißgebadet, dass ich direkt noch mein Bett abgezogen habe und Duschen gegangen bin. Danach konnte ich erst wieder schlafen gehen.

Welche Vermutung hast Du, warum sich das Monster gerade bei dir befindet? Annika T. Ich glaube, weil ich im Dunkeln eh so ein Schisser bin. Also ich mag die Dunkelheit nicht so gerne. Wenn es nicht so peinlich wäre, hätte ich wahrscheinlich immer noch ein Nachtlicht oder so. Und das nutzt das Albtraummonster wohlmöglich aus, weil es weiß, dass ich dafür sehr anfällig bin. Da muss es sich gar nicht so viel Mühe geben, mir schlimme Sachen übrig zu lassen, weil ich schon die unschlimmsten Sachen schlimm finde. Deswegen hat es bei mir bestimmt großen Spaß. Was war Dein bisher schlimmster Albtraum? Annika T. Ja, das war auch ein Zombiealbtraum.

Ist das Monster schonmal mit Dir in den Urlaub verreist? Annika T. Umziehen tut es auf jeden Fall mit mir. Nachdem ich jetzt zum Studieren hier her gezogen bin, war es ja weiterhin noch da. Aber komischerweise, wenn ich in den Urlaub fahre nicht. Dann habe ich eher wenig Albträume. Wahrscheinlich mag es keine Reisen oder so, also zumindest mit mir nicht. Mit mir kommt es nicht mit, da habe ich Glück gehabt.

Da habe ich auch zwei, drei Tage vorher „Land of the Dead“ geguckt. Und das war das erste Mal, dass in einem Film die Zombies durch Wasser laufen konnten und dann in die Stadt gerannt sind, wo die Menschen alle erst in Sicherheit waren. Da haben die Zombies dann Kinder gefressen und das ist mir ganz besonders schlimm nachgegangen. Das hat das Albtraummonster mir quasi immer wieder ins Köpfchen gesetzt, richtig schlimm. Davon bin ich auch wach geworden. Ich glaube, es war ähnlich wie im Film, dass ich auch eigentlich in einer sicheren Stadt war und die dann irgendwie da rein gekommen sind. Wie gesagt, ähnlich wie im Film. Das war halt, weil die in solchen Filmen immer so ultra realistisch sind und der war ganz besonders realistisch. Da bin ich immer wach geworden und musste dann erst kurz checken, ob ich wirklich zuhause bin oder in dieser Stadt und irgendein Zombie an der Tür klopft.

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Batteriemonster Monstrum Industria

Fakten: Ordnung:

Säuger (Mammalia)

Lebensraum:

bei batterie- oder akkubetriebenen Elektrogeräten

Nahrung:

Energie von Batterien und Akkus

Merkmale:

durchsichtige Körperschale, gallertartige Flüssigkeit im Inneren, angewachsene USB- und Elektroanschlüsse

Größe:

bis 21 cm

Auge Ohr Eizahn

Maul

Wirbelsäule

durchsichtige Körperhülle

Energieflüssigkeit

Anschlüsse

Fuß Krallen

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{ Monster A-Z }

Batteriemonster sind ausgesprochen soziale Wesen und leben in kleinen Familiengruppen von drei bis acht Artgenossen. Größtenteils halten sie sich in der Nähe batterie- oder akkubetriebener Elektrogeräte auf. Batteriemonster sind eine der kleineren bis jetzt entdeckten Monsterarten. Ihr Körper ist in wohl genährtem Zustand gefüllt mit einer gallertartigen gelben Flüssigkeit, die als Energielieferant dient. Die harte Körperschale ist durchsichtig, sodass ihr Energiezustand sichtbar ist. Die Batteriemonster stechen von allen Monsterarten durch ihre hektische Art und ihre kabelartigen Arme mit unterschiedlichen Anschlussmöglichkeiten hervor. Um ihre Nahrung aufzunehmen schließen sich die Batteriemonster an Akkus und Batterien von unterschiedlichen herumliegenden Geräten an und saugen die vorhandene Energie auf. Durch diesen Vorgang füllt sich der Körper mit der gelben Flüssigkeit, von der das Monster lebt und seine Körperfunktionen aufrecht erhält. Ist eine Nahrungsquelle gefunden, so gilt die Reihenfolge der Rangordnung, in der sich die einzelnen Familienmitglieder ernähren dürfen. Sobald sich ein Wesen überfrisst beginnt sein Inneres zu leuchten um überschüssige Energie abzuführen und den Haushalt auf ein normales Level zu bringen. Die Fortpflanzung der Batteriemonster findet mehrere Male im Monat statt. Nach einer Tragezeit von zwölf Stunden gebärt das Weibchen mehrere hundert Eier. Nur aus bis zu 45 Eiern schlüpfen nach weiteren zwölf Stunden die Nachkommen. Diese schließen sich erneut zu kleinen Gruppen zusammen und suchen sich einen neuen fruchtbaren Lebensraum.

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Einmal Klingeln und Peng Batteriemonster

Wie und wann machte sich das Batteriemonster (erstmals) bei Dir bemerkbar?

Lisa G.

Lisa G. Das erste Mal bin ich vor ungefähr anderthalb Jahren auf das Batteriemonster gestoßen. Nämlich durch mein kabelloses Festnetztelefon. Jedes Mal, wenn ich einmal damit telefoniert habe, seien es nur zehn Minuten, und ich stelle es dann nicht sofort wieder auf die Ladestation, dann ist nach einem Klingeln sofort der Akku leer, wenn mich dann anschließend wieder jemand anruft. Wie versuchst Du das Batteriemonster loszuwerden?

29, Studentin aus dem Westend, eigenen Wohnung

Lisa G. Naja, ich wollte es mal mit neuen Akkus probieren. Vielleicht mag das Monster die nicht mehr so gerne. Aber bisher kam ich leider noch nicht dazu. Deswegen muss ich weiter damit leben. Ansonsten steht das Telefon eigentlich immer auf seiner Ladestation, wenn ich es nicht brauche. Und wenn ich es einmal vergesse, dann ist es „Peng“. Das Monster ist ganz schnell und saugt die Energie aus dem Telefon raus. So schnell kann man gar nicht gucken. Das Klingeln scheint das Monster anzulocken. Welche sind die bevorzugten Gegenstände? Lisa G. Hauptsächlich das Festnetztelefon. Höchstens noch

der Laptop. Obwohl ich den gar nicht so oft benutze, habe ich das Gefühl ich muss ihn jedes Mal, wenn ich ihn irgendwie in die Hand nehme, wieder an die Steckdose stecken. Aber da ist es jetzt nicht ganz so schlimm. Beim Telefon ist es schon am Schlimmsten. Am Nervigsten vor allem. Welche Vermutung hast Du, warum sich das Da würde ich das Monster Batteriemonster gerade bei Dir befindet? am Liebsten einfach ausquartieren, wenn das mal so Lisa G. Vielleicht will das Monster, dass ich mir einfach wäre. mal ein neues moderneres Telefon kaufe. Das, was ich da habe, ist schon ziemlich uralt. Vielleicht würde sich dann was ändern oder es würde mich nicht mehr so sehr ärgern, dass das Telefon schon nach so kurzer Zeit keine Energie mehr hat.

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{ Interviews }

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Benzinmonster Monstrum Induktus

Fakten: Ordnung:

Insekt (Insecta)

Lebensraum:

in der Nähe treibstoffbetriebener Fahrzeuge (Garagen, Parkhäuser, Parkplätze, Taxistände, Tankstellen etc.)

Nahrung:

Treibstoffe (Benzin, Super, Diesel etc.)

Merkmale:

schlauchartiges Maul, lange dünne Beine

Größe:

bis 75 cm

Fühler

feine Härchen Facettenaugen

Chitinpanzer

Rüssel

Beine Beine

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{ Monster A-Z } Benzinmonster sind eine der wenigen Monsterarten, die der Insektengattung angehören. Haben sie einmal einen Partner gefunden, leben sie bis zu ihrem Tod mit ihm zusammen. Die Insektenwesen sind oftmals in Garagen, Parkhäusern, auf Parkplätzen, Taxiständen und an Tankstellen zu finden. Immer in der Nähe von benzinbetriebenen Fahrzeugen sitzen sie direkt an ihrer Nahrungsquelle. Ihr Lebensraum verlagert sich je nach Nahrungsangebot und Jahreszeit. Dadurch sind sie verpflichtet ihr Leben als Nomaden zu führen. In den kalten Monaten ziehen die Monster in überdachte Gegenden, da sie sehr niedrige Temperaturen nicht überleben. Bei der Nahrungssuche trennen sich die Paare. Ihre Orientierungslosigkeit zwingt die Benzinmonster dazu in einem bestimmten Umkreis zu bleiben und immer zu festen Standorten zurückzukehren, da sie sich sonst für immer verlieren würden.

Benzinmonster ernähren sich laut ihrem Namen von Treibstoffen aller Art. Ihre langen Beine und die schlauchartigen Mäuler nützen ihnen bei der Nahrungsaufnahme. Mit ihren Rüsseln gelangen sie in den Tank der Fahrzeuge und können so ihren Hunger stillen.

Die Paarung der orientierungslosen Nomaden erfolgt im Frühling und im Herbst, worauf die Weibchen nach kurzer Zeit bis zu 25 Eier legen. Einige Wochen später schlüpfen die Maden und verpuppen sich nach ausreichender Nahrungsaufnahme in einen Kokon. Nach vier Wochen der Entwicklung in ihren Kokons schlüpfen die Benzinmonster und der Kreislauf beginnt von Neuem.

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Glückssache, ob ich ankomme Benzinmonster

Wie und wann machte sich das Benzinmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Annika T. Das war ganz am Anfang, direkt als ich meinen Führerschein hatte. Dann geht man ja zum ersten Mal Tanken und hat die naive Vorstellung, dass man mit einer Tankfüllung sein halbes Leben lang auskommt. Da musste ich ganz schnell feststellen, dass es überhaupt nicht so ist. Mein Tank war immer viel, viel schneller leer, als ich es erwartet hab. Da ist mir dann zum ersten Mal die Illusion genommen worden. Mattea B. Ja, mein Citroen C2 ist mein Herzblatt. Aber ich kann ihn leider nie mit nach Wiesbaden nehmen, weil der Tank immer alle ist. Und das Merkwürdige ist, meine Eltern sagen, sie fahren nicht mit meinem Auto, aber der Tank ist dennoch noch leerer als er sowieso schon ist. Also ich fahre grundsätzlich auf Reservetank und es ist echt immer eine Glückssache, ob ich ankomme oder nicht. Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt?

Mattea B.

19, Studentin aus Wiesbaden-Mitte, WG

Was tankst Du? Annika T. Ich tanke eigentlich immer Super. Einmal hab ich auch E10 ausprobiert. Das hat dem Tankmonster wahrscheinlich noch besser geschmeckt, weil es noch schneller leer war. Dann bin ich wieder auf Super umgeschwenkt.

Annika T. Ja, vor Kurzem erst. Da war ich schon relativ knapp. Der Tank war noch zu einem Viertel voll und dann habe ich das Auto abgestellt. Als ich dann wieder weiterfahren wollte, habe ich das Auto angemacht und die Tankanzeige ist aufgeleuchtet. Alles war im roten Bereich und ich dachte ich könnte nicht mal mehr losfahren. Aber das Tankmonster hat mir noch einen kleinen Rest dringelassen, damit ich gerade noch so zur Tankstelle fahren konnte. Mattea B. Bei einer Fahrt hatte mein Auto nur noch Sprit für einen Kilometer oder sowas. Dann habe ich fast durchgehend die Kupplung durchgetreten, damit ich rolle und kein Benzin verbrauche. Das war echt verrückt. Da bin ich gerade so auf die Tankstelle gerollt. Ich glaub dann wäre gar nichts mehr gegangen, hätte ich das Auto noch mal anmachen wollen. Der Tank war einfach komplett leer. Ich hab einfach nur Gas gegeben um Schwung zu kriegen und den Rest hab ich mich einfach von der Erdumdrehung um die Ecke tragen lassen. Da bin ich wahrscheinlich auch vielen Mitfahrern auf der Straße auf den Senkel gegangen, weil ich da echt langgekullert bin und gehofft habe, dass ich nicht liegen bleibe.

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{ Interviews } Welche Vermutung hast Du, warum sich das Monster gerade bei Dir befindet? Annika T. Ich glaube das stürzt sich gerne auf vielfahrende Studenten. Da hat es bestimmt den meisten Spaß dran. So weiß es ja, dass ich immer auf jeden Fall wieder nachtanken muss, weil ich sonst nicht von A nach B pendeln und zur Uni fahren kann, da ich auf mein Auto angewiesen bin. Und so kriegt es ja auch quasi immer ganz, ganz frisches Benzin, weil ich so häufig tanke. Gibt es bestimmte Plätze, an denen der Tank schneller leer wird, wenn Dein Auto dort geparkt ist? Annika T. Ich glaube, das ist nur so schlimm, wenn ich hier in Wiesbaden bin. Hier ist der Tank in der Tat immer schneller leer. Wenn ich zuhause rumfahre, dann merke ich das nicht so. Aber hier scheint es mehr Benzinmonster zu geben, die sich dann auf meinen Tank stürzen. Auf dem Land eher nicht. Da nehmen sie vielleicht eher die Trecker, weil die mehr Benzin haben. Mattea B. Ja, also ich habe einen Abstellplatz zu Hause, wo halt mein Auto immer steht und einen in der Stadt, wo mein Papa einen Parkplatz hat. Auf dem Parkplatz in der Stadt passiert eigentlich nie was. Wenn ich ihn wieder abhole ist immer noch so viel drinne, wie vorher, als ich ihn da abgestellt habe. Aber ich glaube, da passiert auch nichts nur über einen Tag. Das braucht schon irgendwie seine Zeit. Und wenn ich jetzt mein Auto auf meinen Abstellplatz zu Hause stelle und dann für circa zwei Wochen verschwinde, hat das Benzinmonster genug Zeit. Dann zeigt die Anzeige, wenn ich wiederkomme, mindestens einen ganzen Strich weniger an. Wie versuchst Du das Benzinmonster loszuwerden? Annika T. Ich habe immer ganz, ganz lange versucht, dass ich gar nicht erst darauf warte, dass der Tank schon fast leer ist. Sondern, dass ich immer schon ganz ganz schnell nachtanke, wenn die Tanknadel etwa bei der Hälfte angekommen ist. Damit es mir dann immer vorkommt, als ob es voll wäre. Aber das hat auch nicht lange funktioniert, weil irgendwann ist man dann doch wieder kurz vor dem roten Bereich. Das rettet einen leider auch nicht, das war der einzige Versuch.

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Duschmonster Monstrum Stillicidium

Fakten: Ordnung:

Amphibie (Amphibia)

Lebensraum:

in Badezimmerwänden

Nahrung:

Wasser, Kalk, Dämmmaterial

Merkmale:

Lederhaut, blau-rote Färbung, scharfe Zähne

Größe:

bis 30 cm

Kamm Auge

Zähne

verkümmerte Beine

Lederhaut

farbige Streifen

Schwanz

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{ Monster A-Z } Duschmonster gehören zu einer bedrohten Monsterart. Ihr Lebensraum beschränkt sich auf Hohlräume der Wände in Badezimmern und anderen Räumen mit Sanitäranlagen. Duschmonster sind Rudelwesen und leben in Gruppen mehrerer Generationen. Sie verhalten sich kollegial und teilen sich untereinander die Nahrungsquellen. Ihr ganzes Leben verbringen sie am gleichen Ort, sofern dieser ausreichende Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme bietet. Die Ernährung erfolgt durch Anzapfen der Wasserrohre. Das Wasser, der enthaltene Kalk und Dämmmaterial innerhalb der Wände versorgt die Monster mit lebenswichtigen Nährstoffen. Das Wasser nehmen die Wesen zu sich, indem sie kleine Löcher in die Rohre nagen und die Flüssigkeit absaugen. Dadurch kommt es dazu, dass zeitweise nur heißes oder kaltes Wasser weiterfließen kann.

Mit ihrem schlangenartigen Körper winden sich die Monster um die Rohre und verlassen ihren Platz selten. Als wechselwarme Wesen sind Duschmonster in der Lage sich ihren Umgebungstemperaturen anzupassen. Dementsprechend verfärbt sich ihre ledrige Haut um den Schwankungen entgegen zu wirken. Kommen sie mit niedrigen Temperaturen in Kontakt, so Ist ein Weibchen paarungsbereit, gibt verfärbt sich ihre Haut rötlich, bei hoes das dem Männchen durch einen vihen Temperaturen blau. Die Verbesseoletten Farbton zu verstehen. Die Junrung der verwendeten Materialien, bei gen kommen nach 18 Wochen auf die der Errichtung moderner SanitäranlaWelt. In den ersten Tagen werden sie gen, lassen das Anzapfen nicht mehr von der Verwandtschaft genährt, bezu, sodass die Monster aussterben. vor sie ihrer Ernährung selbstständig nachkommen können.

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Die Russische variante Duschmonster

Wie und wann machte sich das Duschmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Patrick H. Beim Duschen. Wenn man den Regler komplett

Patrick H.

bis zum Anschlag auf Heißwasser stellt, es mittendrin plötzlich aufhört heiß zu werden und extrem arschkalt wird. Und dann denkt man sich: „Wie kann das nur passieren?“ Es ist ja total warm eingestellt. Mattea B. Wir wohnen ja hier in einem relativ alten Gebäude und wir haben einen Boiler. Und bei einem Boiler ist es ja 21, Student aus dem normal, dass du erstmal Wasser laufen lassen musst, damit es Rheingauviertel, WG irgendwann warm wird. Ich brauche dann aber teilweise eine viertel Stunde, um einzustellen, dass es nicht gerade brühend heiß oder eiskalt wird. Und da tobt sich dieses Monster aus, es ist unglaublich. Da glühst du und im nächsten Moment hast du überall Eiszapfen. Das ist wirklich furchtbar. Wir haben ja eine Eckbadewanne, da könnte man ja mal baden. Hast Du je besonders außerAber wie will man da denn baden, wenn das Wasser grundgewöhnliche Vorfälle erlebt? sätzlich eiskalt oder heiß ist. Ich meine, du bleibst ja nicht die ganze Zeit dabei stehen und kontrollierst, ob das Wasser Patrick H. Vor Weihnachten warm ist oder nicht. ist das Wasser übelst abgekackt, sprich es war nur eine Minute warm und dann ist die ganze Zeit nur Wie versuchst Du das kaltes Wasser durchgelaufen und das Duschmonster loszuwerden? fast nur tropfenweise. Ich glaube da waren ganz schön viele Monster am Werk. Patrick H. Ich bleibe einfach hartSo schlimm war es echt noch nie. Pure näckig und stelle es immer wieder Penetration permanent. Seitdem war es voll brachial auf warm. Bis wieder aber nicht mehr wieder so schlimm. warmes Wasser kommt, was natürlich die russische Variante ist, wie es der Mattea B. Wir konnten auch mal das Herr Nestmann sagen würde. Oder Wasser in der Badewanne nicht mehr man besorgt sich irgendwann einen abstellen. Es ist die ganze Zeit gelaufen, Klempner, einen anderen Monteur, aber die Spülung in der Toilette ging einen Kammerjäger, die Ghostbusters, nicht mehr. Daraufhin haben wir die oder eine Voodoo-Tante, die irgendBadewanne volllaufen lassen, einen welche krassen Zauber macht, damit Eimer genommen und damit halt im die Duschmonster verschwinden. Klo gespült. So haben wir wenigstens Oder ich besorge mir eine Katze, die ein bisschen Wasser gespart. Es war wird dann in die Wand gesetzt und aber trotzdem ärgerlich. frisst die Monster.

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{ Interviews } Welche Vermutung hast Du, warum sich das Duschmonster gerade bei Dir befindet? Patrick H. Das ist eine sehr, sehr gute Frage und ich freue mich, dass

du sie an dieser Stelle gestellt hast. Ich glaube, das soll dem Langduschen entgegenwirken. Dass man eben nicht mehr so lange duscht. Ich dusche immer extrem lange, weil mir unter der Dusche meist irgendwelche Ideen kommen und ich dann lange Gedankenprozesse habe. Ich stehe dann für eine halbe Stunde einfach unter der Dusche und es läuft und läuft und ich schalte komplett ab. Ich glaube, die Monster wollen mich da irgendwie ein bisschen verarschen, weißt du? Wie jedes Monster. Ich glaube, sie leben einfach nur um uns zu verarschen.

Wie hat sich Dein Leben durch die Anwesenheit des Duschmonsters verändert? Patrick H. Es hat sich in hohem Maße verändert. Weil man

weiß ja nie, wann es wieder zu schlägt. Und deswegen habe ich auch eine Zeit lang vorgehabt, als das so schlimm war, immer ein bisschen mehr Zeit zum Duschen einzuplanen. Ich habe gedacht: „Ja, ich muss jetzt eigentlich in einer halben Stunde los.“ Und dann war die Zeit viel zu knapp, wenn du erst fünf Minuten warten musstest, oder zehn Minuten, bis das Wasser wieder warm geworden ist. Dementsprechend muss man manchmal echt schon seinen Zeitplan ein bisschen auf die Monster ausrichten, gerade beim Duschmonster. Das kann eine sehr, sehr langwierige Geschichte sein. Sprich, wenn man zehn Minuten warm duschen will und es ist jeweils nur eine Minute warm, und dann kommt wieder fünf Minuten nur kaltes Wasser, dauert es ja 60 Minuten bis man sich geduscht hat, wenn man sich das so hochrechnet. Im Bezug auf zehn Minuten warmes Wasser, ist das schon ziemlich viel Zeit. Das ist schon eine ganz schöne Einschränkung.

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Eismonster Monstrum Glacies

Fakten: Ordnung:

Säugetier (Mammalia)

Lebensraum:

Gefriertruhen, Gefrierfächer, Gefrierschränke

Nahrung:

Tiefkühlkost

Merkmale:

Thermofell, Drüsen zur Absonderung von Kondenswasser und Eiskristallen, leuchtende Augen

Größe:

bis 35 cm

Drüse Thermofell

Auge Arm

Maul

Zähne

Krallen Beine

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Fuß


{ Monster A-Z } Eismonster bevorzugen Minustemperaturen und sind daher nur in Haushalten mit Tiefkühlmöglichkeiten zu finden. Sie leben in Gefrierschränken, -truhen und Eisfächern. Mit ihrem dichten langen Fell sind die Wesen vor Erfrierungen geschützt und können ihre Körpertemperatur im überlebensnotwendigen Bereich halten. Da die Lebensräume der Monster im Dunkeln liegen, verfügen sie zudem über Leuchtstoffe in den Augen, die ihnen den Weg leuchten. Damit können sie sich orientieren. Als Einzelgänger beanspruchen sie ih- Das Monster produziert zum zusätzliren Lebensraum für sich alleine und chen Selbstschutz Eis, um sich von der vertreiben potenziellen Mitbewohner Außenwelt abzugrenzen. Diese Eisprooder Angreifer. duktion findet über spezielle Drüsen an seinem Körper statt. Sie sondern Wasser ab, welches gefriert und sich an das vorhandene Eis anlagert. Dadurch bildet sich um den Säuger herum eine dicke Schicht aus Eis, sodass kein Rein- oder Rauskommen mehr möglich ist.

Das Eismonster kommt mit sehr wenig Nahrung aus. Es ernährt sich von Tiefkühlkost, bis diese aufgebraucht ist. Anschließend stellt das Wesen auf einen extremen Sparmodus um, solange es keinen Zugang zu neuer Nahrung hat. Zur Zeugung von Nachkommen nutzt das Eismonster eine andere Methode als die meisten Lebewesen. Mithilfe von Zellteilung erschafft es einen Klon, mit dem sich das Monster zunächst den Platz teilen muss. Wird der gefrorene Lebensraum das nächste Mal abgetaut, so nutzt der Klon den freien Weg nach draußen und macht sich auf die Suche nach einer noch unbewohnten Lebensmöglichkeit.

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Matschige Fischstäbchen Eismonster

Wie und wann machte sich das Eismonster (erstmals) bei Dir bemerkbar?

Helene O.

Annika T. Das erste Mal, als ich von zu Hause ausgezogen bin und dann in Wiesbaden gewohnt habe. Zu Hause hat meine Mutter sich halt immer um das Eisfach gekümmert, dass das nicht so zueist. Sie hat gegen unser kleines Eismonster angekämpft. Ich habe das hier am Anfang nicht so wahrgenommen. Deswegen hatte das Monster hier freie Bahn das ganze Ding zuzueisen. Dann war es auf einmal so zugeeist, 30 , Studentin aus Mainz, dass meine eigene Hand nicht mehr da rein passte und ich eigenen Wohnung die Sachen, die drin waren, auch nicht mehr rausbekommen habe. Das Eismonster hat mich da ziemlich auflaufen lassen. So richtig prompt und krass, deswegen habe ich es hier erst so richtig wahrgenommen. Helene O. Durch meinen Kühlschrank eigentlich. Und zwar ist es mir dadurch auffällig geworden, dass mein Tiefkühlfach einfach zu schnell vereist und ich regelmäßig Probleme habe, nicht nur da was reinzutun, sondern auch nichts mehr rausholen kann. Also müsste ich das regelmäßig, so einmal im Monat, komplett ausschalten und abtauen. Astrid B. Dadurch dass jedes Mal, wenn ich den Tiefkühlschrank aufgemacht habe, immer mehr Eis da war, als eigentlich drin gewesen sein müsste. Wir haben da so ein Fach unter dem Kühlschrank. So schnell eist ein Tiefkühlschrank ja eigentlich nicht zu. Bei uns aber schon. Wir lassen die Tür ja auch nicht auf stehen und der Kühlschrank ist auch immer am Laufen. Deswegen dachte ich mir, da ist wohl ein Eismonster im Tiefkühlschrank am Gange. Wie hat sich Dein Leben durch die Anwesenheit des Monsters verändert? Helene O. Eigentlich gar nicht. Ich mag auch keine warme Wohnung und deswegen ist es auf jeden Fall ein Monster, mit dem ich leben kann. Nervig ist halt nur, wenn man immer wieder den Eisschrank abtauen muss, um seine Sachen noch irgendwie zu retten oder überhaupt rauszukriegen. Man will ja auch nicht, dass der Kühlschrank kaputt geht, weil das Eisfach irgendwann platzt. Aber ansonsten kommen wir eigentlich ganz gut miteinander aus.

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{ Interviews } Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Annika T. Ja, es war mal ganz komisch. Da hatte ich Fisch-

stäbchen drin und eigentlich war das ganze Eisfach zugeeist. Dann hat es eines Nachts angefangen zu tröpfeln und das Eis ist von alleine ein bisschen abgetaut. Die Fischstäbchen waren dann matschig. Ich weiß nicht genau, wie das Eismonster das gemacht hat. Vielleicht hat es vergessen die Tür zuzumachen, als es sich wieder ins Eisfach verkrochen hat oder es mochte die Fischstäbchen nicht. So war ich dann gezwungen was Neues zu kaufen und das Ganze wieder zueisen zu lassen. Geschickt gemacht. Astrid B. Das beunruhigende war, dass das Essen immer weniger wurde. Gemüse mag das Eismonster scheinbar nicht so. Aber so alles Ungesunde: Pizza, Tiefkühlpommes und Kroketten und sowas. Oft sind es solche Sachen. Die isst es scheinbar sehr gerne. Aber wenn man Tiefkühlkost nachgeschoben hat, ging es dann doch nicht rein, weil es total zugeeist war. Wir haben manche Sachen noch aus dem Fach rausbekommen, aber auch nur schwer, weil es eben alles eingeeist war. Manchmal war es schon sehr prekär. Wenn die Packung dann so festgeeist ist, dass man wirklich nicht mehr dran kommt, ohne alles zu zerstören.

Wie versuchst Du das Eismonster loszuwerden? Annika T. Ich habe mein Eisfach schon mal abge-

taut, habe auch das Eis schon mal weggehackt und richtig versucht das Eis loszuwerden. Aber es hat leider nicht lange gehalten. Ich hatte eine Woche, wo sich der Zustand des Eisfachs nicht verändert hat, aber danach ging es wieder los. Wahrscheinlich hat das Eismonster nur gewartet bis ich mich in Sicherheit gewogen habe und dann hat es wieder zugeschlagen. Astrid B. Das habe ich mich auch schon gefragt. Ich habe auch schon überlegt, ob ich vielleicht einfach die Tür aufstehen lasse und damit den Tiefkühlschrank abtauen könnte. Oder ob ich vielleicht mit einem Föhn da dran gehe. Oder mal sämtliche Lebensmittel aus dem Tiefkühlschrank verbrauche, sodass das Eismonster keine Nahrung mehr bekommt. Oder eine Taschenlampe irgendwie permanent da drin anmachen.

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Huhn oder Ei? Eismonster

Welche Vermutung hast Du, warum sich das Monster gerade bei Dir befindet?

Astrid B.

Annika T. Ich glaube es mag meinen Kühlschrank. Der ist so schön süß und klein und ich habe immer leckere Sachen im Eisfach. Es ist zwar ein kleines Eisfach, aber deshalb hab ich immer ganz besonders leckere Sachen drin und keinen Mist, den man sich einfach reinlegt, weil man Platz hatte. Da liegt auch ganz oft Schokolade, das gefällt ihm bestimmt auch. Ich lege ja immer die Kinderriegel, bevor ich sie esse, ins Eisfach. 21, Studentin aus WiesbaSowas kriegt das Monster sonst wahrscheinlich nicht so oft, den-Mitte, WG deswegen ist es bei mir bestimmt sehr glücklich. Helene O. Das ist eine gute Frage. Vielleicht mag es meine Lebensmittel außerhalb meines Tiefkühlfachs, weil ich darin selbst nicht viel aufbewahre. Es kann ja sein, dass es wandert, weil das Fach nicht abgeschlossen ist. Dann greift es sich so alles, was es brauch, wie auf einer bequemen Couch oder im Schlafraum. Und da steht halt alles, was man griffbereit haben möchte. Vielleicht nutzt mein Monster genau das aus. Wenn das da alles offen ist, ist das für ihn wie im Bett liegen, essen und Fernsehen schauen. So muss es sich gar nicht viel bewegen. Genauso gut könnte man sich auch die Frage stellen: „Huhn oder Ei, was war als Erstes da?“ Es kann vielleicht auch so sein, dass das Monster durchaus vorher schon in dieser Wohnung gelebt hat, bevor ich eingezogen bin. Astrid B. Ja, also WG. Da sind ja immer viele verschiedene Leute, verschiedenes Essen. Quasi ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Der Tiefkühlschrank ist auch vergleichsweise groß. Es ist ja nicht nur so ein kleines Fach, sondern eher schon so ein Schränkchen. Da ist schon auch Platz drin. Deswegen hat es sich bestimmt auch uns ausgesucht. So könnte ich mir das vorstellen.

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{ Interviews }

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Entfernungsmonster Monstrum Distantia

Fakten: Ordnung:

Insekt (Insecta)

Lebensraum:

allemein in menschlicher Nähe

Nahrung:

in der Luft fliegende Staub- und Nährstoffpartikel

Merkmale:

ameisenähnlicher Körperbau, acht Beine, sehr schnell

Größe:

bis 10 cm

Chitinpanzer

Fühlhaare

Facettenaugen Fühler

Körperglieder Beine

Füße Schnabel

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{ Monster A-Z }

Die Entfernungsmonster sind eine der wenigen Monsterarten, die sich am menschlichen Leid und deren Verzweiflung erfreuen. Dabei legen sie größten Wert auf Disziplin und Routine. Die Monster gehören der Insektenordnung an und leben in Kolonien zusammen. Ihr Körperbau ähnelt dem der Ameise, sie verfügen allerdings über zwei Beine mehr und können sich dadurch schnell fortbewegen. Die Monster sind in der Lage Gegenstände zu tragen, die bis zu dem Zehnfachen ihres eigenen Körpergewichts wiegen. Sie legen Dinge, die der Mensch gerade benutzt oder in der folgenden Zeit braucht, außerhalb seiner Reichweite ab, zum Ärgernis des Menschen. Somit ist er dazu gezwungen extra aufzustehen, um den Gegenstand zu holen. Dieses Spielchen treiben die Entfernungsmonster ihr Leben lang. Um zu überleben und ihrem Körper die benötigten Nährstoffe zuzuführen, filtern die Insekten kleinste Partikel aus der Luft. Von Staub über Bakterien, kleinere herumfliegende Insekten oder Hautschuppen nehmen die Monster alles auf. So leisten sie zusätzlich einen positiven Beitrag und säubern die Luft. Allerdings ist der Anteil ihres Nahrungs- Wie im Ameisenvolk gibt es auch bei den Entferangebotes zu dem, was sie nungsmonstern eine Königin. Ihr ist es überlassen tatsächlich aufnehmen sehr ihre Kolonie zu koordinieren und Nachkommen viel größer, sodass der Un- zu gebären. Die Königin legt pro sechsmonatigem Schwangerschaftszyklus bis zu 600 Eier. Daraus terschied kaum auffällt. schlüpfen nach zwei Wochen allerdings gerade mal ein Drittel Junge. In einer halbjährlichen Ausbildung werden diese gemeinschaftlich herangezogen und auf ihre Lebensaufgabe vorbereitet.

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Ein Teufelskreis Entfernungsmonster

Wie und wann machte sich das Entfernungsmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Mattea B. Das Entfernungsmonster schlägt meistens zu, wenn ich

mich zur Ruhe begebe und gerade einfach nur entspannen will. Dann liege ich entweder im Bett oder in einem Sessel oder so und suche nach der Fernbedienung für die Stereoanlage. Und wo liegt die Fernbedienung?

Bei der Stereoanlage. Das gibt überhaupt gar keinen Sinn, denn es ist eine Fernbedienung und keine Nahbedienung. Dass man dann trotzdem zur Stereoanlage gehen muss, ist ultra nervig. Handcreme ist auch ganz schlimm. Die ist immer ultra weit weg. Ich bräuchte sie hier, aber sie steht dahinten. Oder wenn ich im Bett liege und mir den Wecker stellen will, ist der noch immer irgendwo, wo ich ihn am letzten Morgen hingeworfen habe. Dann muss ich erst wieder das Licht anmachen und ihn suchen. Vor allen Dingen kannst du den Wecker ja nicht anrufen, damit er mal klingelt und man ihn schneller findet. Helene O. Immer bevor ich ins Bett gehe, lege ich meine Sachen in die Nähe damit ich, wenn ich liege, alles griffbereit habe. Dann gehe ich manchmal noch in die Küche um mir was zu trinken zu holen. Ich lege mich dann wieder mit allem ins Bett und denke mir: „So, jetzt habe ich aber alles.“ Dann will ich zur Fernbedienung greifen und sie ist nicht da. Ich denke mir: „Warte mal, ich hab mir doch eben gerade alles zurecht gelegt.“ Und dann muss ich sie wirklich suchen. Es kann sein, dass sie irgendwo auf der Ablage liegt oder ganz hinten hinter dem Fernseher, wo man nicht das Gefühl hat, dass man dort war. Oder Wie versuchst Du das Entfernungsmonster loszuwerden? in der Küche und ich kann mich nicht erinnern, dass Helene O. Ich glaube, ich versuche alle Sachen bewusst hinzulegen. Also ich steuere mit so einem Bewusstsein dagegen ich sie mitgenommen habe. So ist es eigentlich fast jeden und sage zu mir: „Schau. Jetzt hast du die Fernbedienung Abend. Ich lege alles zurecht da hingelegt. So. Jetzt kommt noch das und das dazu.“ Dann hat man so eine visuelle Übersicht und man weiß: „Ok, es und muss dann noch minliegt da!“ Und kaum ist man mal irgendwie weg und kommt destens dreimal aufstehen, zurück, dann liegt es nicht mehr da. Man zweifelt an sich weil irgendwas nicht mehr selbst. Also ich weiß nicht, ob man da wirklich so eine Taktik auf seinem Platz liegt. Dann entwickeln kann. Ich hab es so versucht, aber es zieht auch geht die große Suche los. nicht wirklich. Vielleicht müsste ich die Sachen an das Bett anketten. Aber dann verliere ich nachher die Schlüssel und die Dinge sind für immer an meinem Bett angekettet.

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{ Interviews } Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Helene O. Zum Teil ist es so, dass ich meine Aschenbecher nicht mehr finde. Sie sind einfach nicht mehr da, wo sie immer stehen. Zwei, drei Tage später finde ich sie irgendwo in der Küche ganz oben auf der Mikrowelle oder hier auf der Bei welchen Dingen ist obersten Ablage und denke dann: „Ich hatte sie doch niemals es am nervigsten? hier abgestellt.“ Es ist mir nicht ganz geheuer. Ich finde es schon etwas beängstigend. Die Monster wissen auch ganz Mattea B. Beim Wecker ist es immer am nervigsten. genau, dass ich oft im Bett mit meinem Laptop arbeite. Und Weil man dann einfach nur letztens hat mir sogar eins die Beine verbunden, sodass ich noch schlafen will und dann mit dem Laptop aus dem Bett gefallen bin, als ich aufstehen muss man aber noch den wollte. Das ist mir vorher noch nie passiert. Beim GewichtWecker suchen, um sich verlagern habe ich dann gemerkt, dass meine Decke noch am morgen dann wieder um die Beine gewickelt war. Somit konnte ich das eine Bein nicht rausholen um aufzutreten und mich abzustützen. Ich fiel darüber zu ärgern, dass der Wecker die ganze Zeit klinrunter und mein einziger Gedanke war: „Oh mein Gott, mein gelt. Es ist ein Teufelskreis. Laptop! Nicht fallen lassen!“ Am nervigsten ist einfach immer diese Häufigkeit. Helene O. Dass nicht nur eine Sache fehlt, wo man dann einfach sagt: „Ahja komm, da liegt es ja auf dem Tisch.“ Man steht immer wieder auf, weil immer wieder was fehlt. Das Ärgerliche dabei ist, dass ich ja vorher mit so einem Bewusstsein alles hinlege und ins Bett gehe. Und nachher bin ich einfach sehr traurig, weil ich noch dreimal aufstehen muss und denke mir: „Das kann doch wohl nicht wahr sein!“ Denn letztendlich muss man es sich dann ja gar nicht erst zurechtlegen.

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Fernsehmonster Monstrum Imago Permovere

Fakten: Ordnung:

Säugetier (Mammalia)

Lebensraum:

in Räumen mit Fernseher (unter Sofas/Betten)

Nahrung:

Strahlung und Licht eingeschalteter Fernseher

Merkmale:

sehr große Augen, besondere Drüsenabsonderung

Größe:

bis 25 cm

Strahlungsfänger Ohr

Auge

Arm

Nase

Maul

Drüsen

Beine Pfoten

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Krallen


{ Monster A-Z } Fernsehmonster leben ausschließlich in Häusern und Wohnungen, in denen mindestens ein Fernseher vorhanden ist. In dessen unmittelbarer Nähe befinden sie sich meist unter Sofas und Betten. Fernsehmonster sind soziale Wesen und teilen sich ihren Lebensraum oft mit Artgenossen gleichen Alters. Der Körper der Monster dehnt sich während des Wachstums mehr in die Breite aus, anstatt in die Höhe. Ihre sehr großen Augen dienen ihnen zur Energieaufnahme. Diese findet nur statt, wenn die Monster sich in der Umgebung eingeschalteter Fernseher befinden. Von ihrem Platz aus, unterhalb der Sitz- oder Liegemöglichkeit der Menschen, sondern die Fernsehmonster durch besondere Drüsen schlaffördernde Stoffe in die Luft ab. Jene Stoffe wirken bei den Menschen unterschiedlich schnell. Sind sie jedoch eingeschlafen, so nutzt das Wesen die längere Zeit, in der der Fernseher eingeschaltet ist.

Schwanz

Es nimmt das Licht und die Strahlung des Apparats durch die Augen auf und der Organismus wandelt die Wellen in nutzbare Energie um. Wird eine Nahrungsquelle unbrauchbar, verlagert sich der Standort einer Gruppe in die Nähe eines funktionierenden Geräts. Die Fernsehmonster leben in Polygamie. Meist finden sich in einer Gruppe nur wenige Männchen, aber circa die doppelte Anzahl an Weibchen. Zudem gibt es reine Männerrudel. An Orten mit gemischtgeschlechtlichen Gruppen paaren sich die Weibchen abwechselnd und nacheinander mit verschiedenen Männchen. Die Weibchen tragen ihre Jungen zwei Monate später aus und säugen sie die ersten sechs Wochen. Wird eine Gruppe zu groß so splittet sie sich auf und eine Hälfte sucht sich einen neuen Lebensraum.

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Düng-Düng-Düng Fernsehmonster

Wie und wann machte sich das Fernsehmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Patrick H. Naja, vorher denkt man echt immer nur, man ist müde,

wenn man abends noch fernsieht. Aber mit der Zeit, wenn man die Theorie echt mal durchgeht, dann klingt das eigentlich extrem logisch. Man schläft wirklich nur für knapp anderthalb Stunden ein, wacht dann wieder auf, und guckt weiter. So kann es echt nicht die Müdigkeit sein, sonst würde man ja bis zum nächsten Morgen durchschlafen. Deswegen denke ich mal, dass es einfach nicht normal ist, da muss was dahinter stecken.

Wie versuchst Du das Fernsehmonster loszuwerden?

Patrick H. Man bekämpft halt die Müdigkeit die ganze Zeit. Es ist wirklich ein übelster Kampf. Man merkt einfach nur, wie es die Augenlider runterdrückt, so richtig, richtig penetrant. Und du denkst: „Jetzt halt sie einfach nur auf!“ Du drückst deine Augen mit Gewalt auf und versuchst einfach nur wach zu bleiben. Und dann denkst du: „Jetzt hast du es geschafft!“ Aber in dem Moment brichst du einfach nur weg Hast Du je besonders außer- und schläfst ein. Du bekommst das manchmal gar nicht gewöhnliche Vorfälle erlebt? mit. Du denkst du bist wach, aber du bist eigentlich schon längst eingeschlafen. Du kriegst das gar nicht mit. Wie so ein Overkill, der mit einem Mal kommt. So ein Knockout. Das Patrick H. Lass mich mal ist nicht normal, oder? Das ist auch kein richtiges Einschlaüberlegen. Ja ganz genau, fen. Beim Einschlafen bist du ja drauf vorbereitet. Aber da da war doch was. Und zwar kommt es ja einfach so… „Zang“ und du hast es nicht mal hatte ich letztens meinen gemerkt, dass du eingeschlafen bist. Fernseher ausgemacht, wollte ins Bett gehen und bin auch eingeschlafen. Ich glaube, ich hab gut so ein, zwei Stunden geschlafen und dann habe ich unterbewusst ein Geräusch wahrgenommen. Mein Fernseher macht immer ein gewisses Geräusch, wenn er angeht. Nämlich so ein „düng-düng-düng“. Dann war es plötzlich voll hell im Zimmer. Ich drehe mich so halb aus meinem Bett, um zu gucken. Da ist doch tatsächlich der Fernseher angegangen. Bildrauschen. Voll spooky, ne? Ich weiß. Da habe ich mir dann aber nichts dabei gedacht. Ich war auch noch so im Tran und im Halbschlaf und dachte mir: „Ach komm, dann gehe ich gleich mal was wegstellen“, bin dann aufs Klo gegangen und habe den Fernseher vorher ausgemacht. Dann bin ich wiedergekommen, habe mich ins Bett gelegt, zugedeckt, war wieder so kurz vorm Eindösen und plötzlich ging es wieder „düng-düng-düng“. Da war das Zimmer

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{ Interviews } wieder hell. Ich habe gedacht: „Ok ok, das kann auch ein zweites Mal passieren. Warum auch immer.“ Ich bin hingegangen, habe ihn wieder ausgemacht und mich wieder hingelegt. Ich lag nicht mal richtig, da ging es schon wieder „düng-düng-düng“, da ist der Fernseher wieder angegangen. Ich dachte mir: „Das kann doch nicht sein“ und bin übest ausgerastet. Zu dem Fernseher hab ich dann gesagt: „Jetzt gebe ich dir keine Chance mehr“ und habe einfach den Stecker gezogen. Unten am Gerät ist eine Leiste, wo mehrere Tasten mit einem Licht hinterlegt sind. Die sind erstmal gar nicht ausgegangen. „Willst du mich jetzt verarschen“ habe ich da gedacht. Das hat echt ein paar Sekunden gedauert bis es erloschen war. Ich habe schon gedacht, der Fernseher hat so ein übelstes Eigenleben entwickelt. Es war echt richtig, richtig krank. Aber das war bis jetzt das einzige Schlimme, was mir in dem Zusammenhang passiert ist.

Welche Vermutung hast Du, warum sich das Fernsehmonster gerade bei Dir befindet? Patrick H. Vielleicht, weil ich extrem viel fernsehe und

das Monster bei mir somit sehr viel Energie kriegen kann. Ich lasse den Fernseher eigentlich permanent so nebenher laufen, wenn ich arbeite oder so. Da läuft dann so gut wie den ganzen Tag sowas wie N24 oder irgendwelche Dokus nebenbei, wo du ab und zu mal hinguckst. Und deswegen bin ich der perfekte Kandidat.

Wie hat sich Dein Leben durch die Anwesenheit des Monsters verändert? Patrick H. Das hat es folgendermaßen: Man hat dann immer die Angst, dass man einschläft, in der nächsten Früh erst aufwacht und irgendwie die Uni oder Anderes verschläft. Da macht man sich doch schon Gedanken, wenn man abends Fernsehen guckt, ob man sich nicht schonmal einen Wecker stellt, um nicht zu verschlafen. Bis jetzt habe ich das noch nicht gemacht. Aber es kommt immer der Gedanke hoch, wenn man sich gemütlich Abends auf die Couch setzt. Wecker, oder du stirbst!

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Geldmonster Monstrum Moneta

Fakten: Ordnung:

Reptil (Reptilia)

Lebensraum:

in Sparschweinen, Portemonnaies, Hosentaschen

Nahrung:

Münzgeld, Scheine und Schecks

Merkmale:

geringe Größe, besondere Metamorphose

Größe:

2 bis 6 cm

raue Haut Augen Maul Nasenloch

drei Zahnreihen Beine

Füße Krallen

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{ Monster A-Z } Geldmonster sind die kleinsten Monster, die bisher erforscht wurden. Sie messen gerade mal eine Körperlänge von höchstens acht Zentimetern. Ihre Größe ist bedingt durch ihren Lebensraum. Die Monster leben als weltweit meist verbreitetstes Monster in Sparschweinen, Portemonnaies und Hosentaschen. Ihre Umgebungen teilen sie ungern mit Artgenossen, dulden sie jedoch. Oft befinden sich in der Nähe einer Nahrungsquelle noch weitere. So kann es passieren, dass mehrere Monster in Nachbarschaft zueinander existieren. Das Geldmonster ernährt sich von Geld, entweder in Form von Münzen, Scheinen oder Schecks. Es verfügt über eine besondere Art der Metamorphose: Wird die Nahrung in seinem derzeitigen Lebensbereich knapp, so wandelt sich das gierige Reptil in ein 50-Cent-Stück. In der Form wird es bei Entdeckung verlagert und gelangt zu anderen Orten, an denen es sich an dem Nahrungsangebot wieder laben kann. Beispielsweise in einer Supermarktkasse oder einem (anderen) Portemonnaie.

Das Geldmonster ändert somit oft seinen Standort und kommt mit den unterschiedlichsten Umgebungen in Kontakt. Aufgrund seiner lebensnotwendigen Wanderschaft, hat es wenig Familiensinn. In der Paarungszeit, Mitte jedes Monats, finden sich die Monster in Paaren zusammen. Das Männchen verlässt das Weibchen direkt nach dem Akt und überlässt sie ihrer einwöchigen Tragezeit. Anschließend legt das Weibchen zwischen fünf und zehn Eier. Nach circa drei Tagen schlüpfen die jungen Geldmonster und leben für einen halben Monat bei der Mutter. Sie bringt ihnen die Metamorphose bei und schickt sie anschließend auf ihre eigene Lebensreise.

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Nicht für die Ewigkeit Geldmonster

Wie und wann machte sich das Geldmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar?

Sören K.

Sören K. Ich bin darauf aufmerksam geworden, weil mein

Geld immer verschwindet und ich am Ende des Monats oft nichts mehr habe. Es nimmt stetig ab, sodass es bis zur Monatshälfte noch gut reicht und dann fällt einem richtig auf, wie es auf einmal fort ist, das ganze Geld. Annika T. Ich glaube so richtig dolle erst, als ich damals angefangen habe zu arbeiten. Da dachte ich auch, ähnlich 20, Student aus dem Westwie beim Benzinmonster, wenn man sowas Neues anfängt, end, WG dass es für die Ewigkeit hält. Es ist ja viel, viel mehr als mein Taschengeld. Aber je mehr Geld man hat, umso schneller ist es wahrscheinlich auch weg. Das ist wohl sehr attraktiv für das Geldmonster. Mein erstes Gehalt war einfach so schnell verschwunden. So hab ich das gar nicht erwartert. Mattea B. Darauf aufmerksam geworden bin ich schon, als ich so um die 15 war. Vorher hab ich mir irgendwie nicht so große Sachen gekauft. Mit 16 hab ich mein erstes Taschengeld gekriegt. Das waren zehn Euro im Monat und das ist nicht viel. Da hab ich dann auch manchmal echt bei meiner Oma gebettelt, dass ich vielleicht noch ein bisschen Geld kriege. Dann fängt man halt auch an sich selbst CDs und Klamotten und so Kram zu kaufen. Und da war ich dann echt schon ganz oft bei meiner Omi schnorren. Die hat mir dann auch immer was gegeben.

Was war der höchste Betrag, den Dir das Monster je gefressen hat? Sören K. Das war vor kurzem, da ist mir ein 50€-Schein

abhanden gekommen. Und zwar habe ich Geld geholt und bin dann nach Hause gegangen. Abends wollte ich was trinken gehen und dann gucke ich in diesen scheiß Geldbeutel und da war einfach nichts drin. Die einzige Erklärung ist da tatsächlich, dass das Geldmonster den Schein gefressen hat. Fatal und hart zugleich. Ich war relativ schockiert. Annika T. Das war auch damals bei der Bank. Da musste ich abends Kasse machen in der Filiale und mir haben am Ende 1000 Euro gefehlt. Da hatte ich ganz schön Angst, weil ich hätte das fehlende Geld dann ja irgendwie wieder beschaffen müssen. Aber das hat sich dann zum Glück noch anders geklärt. Das war echt das Spektakulärste, richtig unheimlich.

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{ Interviews } Wie versuchst Du das Geldmonster loszuwerden? Sören K. Sparen könnte man versuchen auf einem Sparbuch.

Das wäre zum Beispiel eine Maßnahme, weil das Monster sich ja nur von Schecks, Scheinen und Münzgeld ernährt. Somit werde ich das jetzt tun, also nur das Nötigste abheben. Annika T. Ich versuche zu vermeiden viel Bargeld mit mir herum zu tragen und oft mit Karte zu bezahlen, damit ich mir kein anderes Geldmonster mehr einfange. Sonst kriege ich vielleicht wieder ein 50-Cent-Stück untergejubelt, dass sich dann als Geldmonster entpuppt. Das ist ja auch nicht so gut, wenn man dann irgendwann mehrere hier rumhopsen hat. Mit einer Kreditkarte kannst du ja bezahlen und es wird erst später abgebucht. Aber man kommt halt um Bargeld trotzdem nicht drumherum. Die Geldmonster finden immer wieder einen Weg in mein Portemonnaie, auch wenn ich die Kreditkarte benutze. Mattea B. Ich besiege das Geldmonster damit, indem ich arbeiten gehe. Da kann es sich austoben und ich habe dann noch genug Geld übrig. Und da es ja nur an Bargeld geht, staut sich das Geld sozusagen auf dem Konto und ich bin immer überrascht, wie viel ich noch drauf habe.

Welche Vermutung hast Du, warum sich das Geldmonster gerade bei Dir befindet? Sören K. Ich denke einfach, dass jeder so ein Geldmonster hat. Ich

habe keine Idee, warum das Geldmonster bei mir ist. So viel Geld habe ich nämlich nicht. Aber es könnte vielleicht auch daran liegen, dass ich nicht so einen Blick auf meine Finanzen habe, sodass es vielleicht genau das ausnutzt um sich dann von diesen kleinen Häufchen Geld, die überall in meinem Zimmer rumliegen, zu ernähren. Annika T. Bei mir haben die es glaub ich ganz gern, weil ich ja früher mal bei der Bank gearbeitet habe und da ganz, ganz häufig mit denen in Kontakt kam. Die wissen, dass ich immer ein wenig Bargeld mit mir rumtrage, weil die mich ja von früher noch ganz gut kennen. Deswegen kommen die immer wieder auf mich zurück. Die wissen, da gibt es ein paar Euro zu holen. Das ist das Negative an der Bankausbildung gewesen, dass die immer wieder wissen, wo ich wohne.

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Brie gegen Pfand Geldmonster

Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Annika T. Ich habe nur mal in einer Hosentasche von einer

Hose, die im Schrank lag, noch fünf Euro gefunden. Vielleicht wollten die Geldmonster mich ködern und ich habe danach gedacht: „Jetzt kannst du ja wieder ein bisschen mehr Bargeld benutzen“ und so habe ich sie mir wieder ins Portemonnaie gelockt. Die sind echt gerissen. Mattea B. Uuh, da habe ich einmal im Bus gesessen. Unglaublich. Ich bin in den Bus eingestiegen, bin dann irgendwann wieder ausgestiegen und 15 Euro waren einfach weg. Das war unfassbar! Ich bin eingestiegen, habe mich hingesetzt und habe wirklich nichts gemacht. Ich habe nur Musik gehört, bin ausgestiegen und es war einfach weg. Da war ich auch 16. Das war verdammt viel Geld damals. Eineinhalb Monate Taschengeld waren das. Mann, das war verdammt viel Geld. Naja, ansonsten war das auch schonmal so, das ich an einem Abend Geld abgehoben habe und am nächsten Tag war es schon wieder weg. Das war mal so, wenn man dann spontan auf ein Bier weg war. Und am nächsten Morgen wird man wach und will eigentlich noch einkaufen und muss noch mal zur Bank. Auch jetzt so um die Zeit, als ich aufgehört habe zu arbeiten. So um Weihnachten rum. Seitdem ist das Geldmonster wirklich konstant da. Zwischenzeitlich hatte ich mal über minus 69 Euro auf dem Konto. Das war so ziemlich das Höchste, was ich bis jetzt hatte. Da habe ich dann die Pfandflaschen aus der WG eingesammelt, hab sie eingelöst und hatte dann so ungefähr ein Euro zwanzig zusammen. Davon habe ich mir dann einen Brie-Käse gekauft. Weil ich nichts anderes mehr hatte, außer Brot. Und da habe ich mir gesagt: „So, jetzt muss ich mir nur noch Belag kaufen.“ Da hat sich der Brie-Käse angeboten, weil er auch ein Euro und zwanzig Cent gekostet hat.

Du gehst arbeiten. Musstest du je mehr arbeiten, weil das Geldmonster zuvor zu sehr zugeschlagen hatte? Sören K. Meine Arbeit ist bedingt durchs Studium. Ich

würde gerne mehr arbeiten, um mehr Geld zu bekommen. Aber wenn ich mehr Geld hätte, würde das Geldmonster wahrscheinlich auch mehr essen. Deswegen halte ich meinen Geldpegel und weiß womit ich zu rechnen habe beziehungsweise wieviel Geld mir von dem Monster gefressen wird.

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{ Interviews }

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Kleinkrammonster Monstrum Res Parvus

Fakten: Ordnung:

Säugetier (Mammalia)

Lebensraum:

allgemein in menschlicher Nähe

Nahrung:

Haargummis und -klammern, Knöpfe, Ringe, Münzen

Merkmale:

rüsselartige Nase, Bauchbeutel

Größe:

bis 15 cm

Augen

Ohrloch

Rüssel

Maul Zähne behaarte Haut

Bein Hände

Bauchbeutel

Arm Fuß

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{ Monster A-Z }

Wie die Entfernungsmonster sind die Kleinkrammonster darauf fixiert die Menschen zu ärgern.

Sie beschäftigen sich hauptsächlich damit kleine Dinge, die sich in der Umgebung von Menschen befinden, zu verschleppen und zu verstecken. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf Taschentüchern Haarutensilien, Geld, Schlüsseln, Batterien, Brillen, Knöpfen, Schmuck, Lesezeichen, Kugelschreiben und anderen Stiften. Zudem haben sie Spaß daran Kopfhöhrerkabel, Schnürsenkel und Weiteres zu verknoten.

Um die herumliegenden Gegenstände zu befördern, lagern die etwa 15 cm großen Monster sie in einem Bauchbeutel. Darin sammeln sie ebenfalls ihre Nahrung, vorzugsweise Haarnadeln, Münzgeld, Knöpfe, Schmuck und Kugelschreiber. Die Kleinkrammonster leben in großen Rudeln zusammen, arbeiten miteinander und teilen das Nahrungsangebot untereinander auf. Sie lieben Routine und folgen stets dem gleichen Tagesablauf. Nachdem die Monster am Tag ihrer hauptsächlichen Beschäftigung nachgegangen sind, nehmen sie jeden Abend ihre Nahrung in Gemeinschaft der Artgenossen auf. Die Kleinkrammonster sind Wiederkäuer. Sie verfügen über fünf Mägen Einmal im Jahr wächst das Rudel. Die Weibchen und würgen ihre Mahlzeiten dreimal suchen sich jeden Februar ein Männchen zur Paaerneut hoch, bevor sie in der Lage sind rung aus. Drei Wochen später gebärt das weibliche sie vollends zu verdauen. Monster bis zu sechs Junge. Sie werden vorerst gesäugt und anschließend mit leicht wiedergekautem Kleinkram an feste Nahrung gewöhnt, bis sie als Sammler ebenso ihren Beitrag zur Gemeinschaft leisten können.

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Es überlistet einen sowieso Kleinkrammonster

Wie und wann machte sich das Kleinkrammonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Sören K. Dadurch, dass immer irgendwelche Sachen von mir versteckt worden sind, ich sie entweder niemals mehr wieder finden konnte oder sie tatsächlich irgendwo waren, wo ich mich gefragt habe, wie sie da hin gekommen sind.

Wie versuchst Du das Kleinkrammonster loszuwerden? Sören K. Manchmal zwinge ich mich zu einer gewissen Ordnung, um genau zu wissen, wo etwas ist. Aber es hilft dennoch gar nichts und irgendwann gibt man es auf. Dann lässt man es halt ein bisschen unordentlicher, weil man denkt: „Hey, das Monster überlistet einen sowieso.“ Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Sören K. Das kann ich dir gar nicht so genau sagen, weil ich das mit der Ordnung ja aufgegeben habe. Also es ist in letzter Zeit eher so, dass ich überhaupt gar nicht mehr darüber nachdenke, ob irgendwelche Sachen verschwinden. Es fällt mir gar nicht mehr auf. Ich habe die wichtigsten Sachen bei mir. Ab und zu verschwinden doch wieder Welche Vermutung hast Du, warum sich das ein paar Dinge. Das ist mir Kleinkrammonster gerade bei Dir befindet? dann auch bewusst, aber damit versuche ich dann zu Sören K. Durch meine angeborene Unordentlichleben oder ich suche sogar keit und weil es bei mir viel Kleinkram zu holen danach. Manchmal finde gibt. Also viele kleine Sachen, wo ich gar nicht ich es, manchmal finde ich weiß, dass ich die überhaupt besitze, die es dann es nicht. halt einfach fressen kann. Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Sören K. Letztes Jahr war mal mein Handy spurlos ver-

schwunden. Ich habe es einfach nicht wieder gefunden. Ich bin dann umgezogen und wahrscheinlich ist das Monster mit umgezogen. Anschließend fand ich das Handy tatsächlich in einer Schublade wieder, obwohl diese während des Umzugs leer war, das war ja das Verrückte. Das Kleinkrammonster ist ziemlich gewitzt, es kann auch Schubladen aufziehen oder es hat die Gelegenheit genutzt, als ich die Schublade mal aufgelassen habe.

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{ Interviews }

Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Patrick H. Auf Jeden. Und zwar hatte ich mir vor ganz, ganz langer Zeit, damals

wo das digitale Zeitalter noch in den Kinderschuhen steckte, meinen ersten USBStick für 20 Euro gekauft gehabt. Das war ein 128MB-Speicher-USB-Stick. Ich hatte den glaube ich drei oder vier Tage, dann ist er verschwunden und ich habe ihn echt sehr, sehr lange gesucht. Und wenn es um so Sachen wie Suchen und Finden geht, versuche ich mir immer im Kopf vorzustellen, wo ich den Gegenstand zuletzt hatte und gehe einfach dann die Schritte gedanklich zurück. Jedenfalls habe ich auch versucht den Weg des USB-Sticks zu rekonstruieren, aber ich habe ihn nicht gefunden. Zwischendrin ist mir immer mal wieder der Gedanke gekommen „Ich hab doch so einen USB-Stick, wo ist der hin?“ und habe ihn dann wieder versucht zu finden. Hat aber nie geklappt. Und dann habe ich ihn echt fünf oder sechs Jahre später hinter meinem Bett gefunden. Ich bin total überrascht gewesen, weil es eigentlich unmöglich sein konnte, dass der da die ganze Zeit lag. Denn meine Fernbedienung rutscht immer hinter das Bett und dann muss ich sie regelmäßig unter dem Bett hervorholen. Auf einmal lag da der USB-Stick. Ich Was ist denn das, was am meisten verschwinfrage mich: „Wie kann das sein?“ Ich det und was Du wieder findest? hab den USB-Stick immer noch und ich benutze ihn sehr, sehr gerne, auch Sören K. Feuerzeuge verschwinden bei mir wenn es nur 128 MB sind. Da passen ständig und tauchen nie wieder auf. Mein Portelocker sechs RAW-Bilder drauf. monnaie kommt ab uns zu weg, aber das finde ich dann auch relativ schnell wieder. Schlüssel sind immer in einer anderen Tasche und Stifte verschwinden bei mir spurlos, vor Allem Kulis. Daher sind Kulis bei mir immer rar gesät.

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Schimmelmonster Monstrum Ceterum cum mucor

Fakten: Ordnung:

Amphibie (Amphibia)

Lebensraum:

allemein in menschlicher Nähe

Nahrung:

Kondenswasser, Milch und Butter

Merkmale:

schimmelabsonderne Zunge, Leuchtkörper

Größe:

bis 20 cm

Leuchtkörper

Augen Ohrmuschel

Maul Zähne glatte Haut

Zunge

Beine

Schimmelsporen

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Finger

Schwanzflosse


{ Monster A-Z } Das Schimmelmonster gehört zu der Ordnung der Amphibien. Es hält sich hauptsächlich in kühlen Regionen auf und lebt daher bevorzugt in Kühlschränken, die ihm optimale Lebensverhältnisse bieten. Der eingefleischte Einzelgänger sitzt somit direkt an seiner Nahrungsquelle. Auf seinem Hauptspeiseplan stehen Milch, Butter, Kapern und Kondenswasser. Zusätzlich ernährt sich das Schimmelmonster von Konservierungsstoffen anderer im Kühlschrank vorrätigen Lebensmitteln. Das Schimmelmonster hat ein kaulquappenähnliches Körperende. Es verfügt über einen Leuchtkörper und eine große Zunge, die mit Schimmelsporen gespickt ist. Sie hält die, für das Monster notwendige, Mundflora aufrecht. Mit der Zunge leckt das Wesen über Lebensmittel um lebenswichtige Konservierungsstoffe aufnehmen zu können. Durch diesen Kontakt werden sie mit Schimmelsporen kontaminiert und es dauert nicht lange, bis sich ein dichter Pelz über die Oberfläche ausgebreitet hat. Einmal darüber geleckt, lässt das Monster von dem jeweiligen Nahrungsmittel ab. Schimmelmonster werden bis zu 46 Jahre alt. Die Konservierungsstoffe im Körper der Amphibien gestatten ihnen ein langes Leben. In diesem Leben paaren sie sich allerdings nur zweimal, vorausgesetzt sie finden einen Partner. Ihr Einsiedlerleben bietet ihnen nicht viel Möglichkeit bei der Partnerwahl. Sie nehmen das, was kommt, wenn sie einmal im Jahr einen Ausflug in die Welt außerhalb des Kühlschranks machen. Die Monsterweibchen tragen ihre Eier vier Wochen später aus. Nach weiteren zwei Monaten des Brütens schlüpfen bis zu drei Junge, die ihre ersten drei Lebensjahre an der Seite ihrer Mutter verbringen.

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Schimmel wie wattepads Schimmelmonster

Wie und wann machte sich das Schimmelmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Lisa G. Seitdem ich alleine wohne ist das Schimmelmonster bei mir. Seit dem Jahr 2004. Bei mir vergreift es sich hauptsächlich an offenen Schmand- oder Sahnebechern, habe ich das Gefühl. Ich mache den Becher auf, nehme einen Löffel davon raus und denke mir: „Ach, das hält sich ja.“ Aber höchstens drei Tage später habe ich den Schimmel drauf. Dann war es wohl da, das… Schmandmonster, wollte ich schon sagen. Manchmal ist es auch ein offenes Marmeladenglas. Ansonsten geht‘s eigentlich. Ich bin da aber generell auch ein bisschen empfindlich. Ich esse von Sachen, die am gleichen Tag noch ablaufen, auf keinen Fall mehr was. Mattea B. Man hat zusammen gekocht, es ist was übrig geblieben, man hat es in den Kühlschrank gestellt und drei bis vier Wochen später wieder gefunden. Da hat sich das Schimmelmonster ordentlich ausgetobt. Das hat sich aber auch erst so bemerkbar gemacht, als ich von zuhause ausgezogen bin. Dann kann sowas schonmal passieren. Obwohl es eigentlich echt lecker war, aber wenn man keine Lust hat es am nächsten Tag noch mal zu essen, dann bleibt es stehen. Dann weiß man nicht mehr was drinne ist. Wenn mans dann aufmacht, weiß man wirklich nicht mehr was drinne ist. Oder drinne war, weil es einfach komplett entstellt wurde. Wie versuchst Du das Schimmelmonster loszuwerden? Lisa G. Ich versuche ja drauf zu achten, dass ich nicht übermäßig viel einkaufe, weil ich ja alleine wohne. Einfach damit ich es schneller weg kriege. Auf gewisse Dinge hat man dann aber manchmal so einen Heißhunger oder man braucht von irgendwas nur ein bisschen und hat den Rest dann im Kühlschrank stehen. Man kommt da einfach nicht drum herum. Das Schimmelmonster wird man gerade als Single-Haushalt, glaube ich, relativ schwierig los. Bei einer Großfamilie, wo der Kühlschrank recht schnell leer gegessen wird, ist das was Anderes. Mattea B. Zu der Zeit, als ich relativ blank war und nicht mehr gearbeitet habe, habe ich dann auch wirklich alles vom Vortag immer aufgegessen. Da war das Schimmelmonster auch echt eine Zeit lang nicht mehr da. Das war, glaub ich, auch um die Zeit, als wir unseren Putzplan einführen wollten. Da war ja auch das Spülmonster nicht mehr da. Es stand somit auch kein dreckiges Geschirr mehr rum, wo das Schimmelmonster hätte eingreifen können.

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{ Interviews } Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Lisa G. Dass Lebensmittel schon schlecht waren, als ich sie gerade erst gekauft hatte, hatte ich tatsächlicherweise mal bei Fleisch. Das war ganz schön ekelig. Also da war kein Schimmel drauf, aber es war schon ein bisschen gelb. Dass es wirklich schlecht war, habe ich aber erst gemerkt, nachdem ich es in die Pfanne getan hatte, weil es so komisch gerochen hat. Und bei einem Ei ist mir das auch schonmal passiert. Mattea B. Ja, da gibt es sogar zwei Beispiele. Das eine war kurz über Weihnachten. Da gab es Klöße mit Braten und Rotkraut. Vier oder fünf Klöße mit etwas Soße sind übrig geblieben und wir haben sie weggestellt. Wirklich zwei Tage später, ich mein das ist ja jetzt noch keine Zeit für so einen Kloß, haben wir sie aus dem Kühlschrank geholt und oben auf den Klößen war kreisrunder Schimmel, wie so Wattepads. Das war total verrückt. Der Schimmel hatte nach der kurzen Zeit schon einen Durchmesser von mindestens vier oder fünf Zentimetern gehabt. Es war unglaublich. Und dann, als wir noch ein anderes mal zusammengekocht haben, gabs was mit Tomatensoße. Wir haben den Topf halt auf dem Herd stehen lassen, aber mit dem Deckel drauf. Und wirklich einen Tag später, war schon Schimmel dran. Wir wollten davon eigentlich noch essen und es ging einfach nicht, weil es schon überall Haare hatte. Echt Welches sind die bevorzugten Lebensmittel? merkwürdig. Und es war noch eine Mattea B. Bei uns ist es, wie schon erzählt, gekoch- richtig große Portion. Dann haben wir tes Essen oder eher Gemüse. Wenn man jetzt Toma- es erstmal noch eine Woche stehen tensoße macht und zwei Tomaten bleiben übrig und lassen und erst dann weggekippt. liegen dann im Kühlschrank, liegen im Kühlschrank und liegen auch noch länger im Kühlschrank. Und es kann so kalt sein, wie es soll, die schimmeln einfach. Vor allen Dingen denkt man sich nach einer gewissen Zeit: „Oh, die liegen da ja schon voll lange drin, die kann man bestimmt nicht mehr essen. Aber sie sehen noch gut aus, also lasse ich sie drinne liegen.“ Oder Paprika, die total zusammenschrumpeln und man sieht, dass sie wahrscheinlich innen schon ein eigenes demokratisches System gegründet haben. Aber man lässt sie trotzdem liegen, weil sie ja von außen noch ok aussehen.

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Siphonmonster Monstrum Intersaepio

Fakten: Ordnung:

Säugetier (Mammalia)

Lebensraum:

unter Waschbecken und (Dusch-)Wannen

Nahrung:

Mülltüten, Spülmittel und Schampoo

Merkmale:

rohrzangenähnliche Greifarme, mehrere Bauchbeutel

Größe:

bis 22 cm

Nüstern Auge

Arme

Ohrloch

Maul-Lamellen Schwanz

rohrzangenähnliche Greifer

Bauchtaschen Beine

Hufe

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{ Monster A-Z } Siphonmonster sind schon kurz nach ihrer Geburt auf sich alleine gestellt. Sie begeben sich auf die Suche nach einem Lebenspartner und legen dabei beachtliche Strecken zurück. Haben sich zwei Monster gefunden, verbringen sie ihr ganzes Leben zusammen und paaren sich alle 24 Monate im Frühjahr. Ihre Lebenserwartung liegt bei acht Jahren. Ebenfalls, wie die Entfernungs- und Kleinkrammonster, sind sie darauf aus die Menschen zu ärgern. Die Säuger halten sich ausschließlich in der Nähe von Abflüssen, in Küchen oder Badezimmern, auf. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Siphons und Abflüsse mit gefundenen Dingen zu verstopfen, um das Wasser aus Spülbecken oder Duschwannen am Abfließen zu hindern. Die Siphonmonster leben in Symbiose mit dem Kleinkrammonster, dessen gesammelte Gegenstände sie teilweise zur Verstopfung des Abflusses benutzen. Zudem verfügen sie ebenfalls über einen Bauchbeutel, was den Transport von jenen Gegenständen erleichtert. Mit ihren rohrzangenähnlichen Greifarmen sind die Wesen in der Lage die Abflussrohre aufzuschrauben und dafür vorgesehenen Dinge zu platzieren. Siphonmonster sind genügsame Wesen, sie kommen mit wenig Nahrung aus. Zu ihren bevorzugten Nahrungsmitteln gehören leere Müllbeutel, Spülmittel und Duschgel. Im Durchschnitt bekommt ein Monsterpaar in seinem Leben zwöf bis 20 Nachkommen. Das Weibchen gebärt pro Wurf circa vier Junge, die sie ein halbes Jahr lang säugt und anschließend an externe Nahrungsaufnahme gewöhnt. Mit anderthalb Jahren entfernen sich die Jungen von ihren Eltern und gehen ihren eigenen Weg.

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Schlimmer geht‘s immer Siphonmonster

Nenia T. Das erste Mal bin ich, seitdem ich alleine wohne, darauf aufmerksam geworden. Und zwar ist das noch gar nicht so lange her. Vor knapp anderthalb Jahren bin ich in meine erste eigene Wohnung gezogen und habe mir eine Ikea-Küche gekauft. Als alles richtig installiert und angeschlossen war und ich auch fließend Wasser in der Küche hatte, habe ich irgendwann gemerkt, dass es schlecht bis gar nicht abläuft. Außerdem war das dann auch irgendwann in der Dusche so. Ich habe extra so ein Haarsieb in der Dusche und entferne die Haare und alles, was da Zwischendurch habe ich immer mal wieder versonst so reinfällt, auch imsucht mit so einem Pömpel und Drano Powergel mer regelmäßig. Allerdings fließt das Wasser dann trotz- gegen das Verstopfen des Abflusses entgegenzuwirken. Von diesem Gel habe ich bestimmt schon dem noch schlecht ab. Es anderthalb Liter in den Abfluss gekippt aber es liegt auch nicht am Duschhat nichts gebracht. Extrem fiel es mir irgendvorhang, der das Wasser am wann nach dem Geschirrspülen auf. Ich habe das Abfließen hindern könnte. Spülwasser noch drin, ziehe also den Stöpsel, es Ich weiß nicht, was es andegluckert ganz komisch und dann läuft das Wasser res als das Siphonmonster auch ab. Und um das Restzeug aus der Spüle sein könnte, weswegen das wegzuspülen macht man ja noch mal den Hahn Wasser bei mir wohl so an. Aber bei mir läuft das zweite Wasser dann schlecht abläuft. nicht mehr ab. Wahrscheinlich schafft es die große Menge Spülwasser besser durch den Abfluss, weil es mit mehr Druck abfließt. Allerdings hat das in letzter Zeit auch nicht mehr geklappt. Und wenn das Wasser dann so im Spülbecken stand, habe ich auch immer versucht am Siphon selbst und am Schlauch, der unten in die Wand geht, zu rütteln. So konnte ich das, was da drin saß, manchmal lösen und das Wasser lief weiter ab, manchmal aber auch nicht. Zwischendurch habe ich auch mal den Abflussschlauch abgemacht und das stehende Wasser in einen Eimer laufen lassen. Das war immer eine riesige Sauerei, weil immer was daneben lief und es extrem gestunken hat. Echt ekelig. Nach einer ganzen Weile war es dann so schlimm, dass ich weder mit Drano Power Gel noch einem Pömpel, am Schlauch rütteln oder abmontieren dagegen angekommen bin. Dann stand das Wasser mal wieder im Waschbecken und ich hatte es einfach Leid. Ein letztes Mal drehte in den Schlauch ab und lies das Wasser in meinen Eimer laufen. Es hat so gestunken, das war wirklich ekelig. Ich dachte es könnte nicht schlimmer werden.

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{ Erfahrungsbericht } Ich habe mir dann erstmal einen Klempner organisiert, der das dann auch noch mal alles aufgemacht hat. Wieder ist etwas stehendes Wasser abgelaufen und es hat noch viel, viel schlimmer gestunken. Echt widerlich. Ich habe anschließend bestimmt für drei, vier Stunden alle Fenster und Türen öffnen müssen, um diesen ekelhaften Geruch wieder aus der Wohnung zu bekommen. Zum Aufwischen des danebenlaufenden Wassers hatte ich dem Typen ein großes Handtuch gegeben, das ich anschließend zum Ausstinken für drei Wochen auf dem Balkon aufgehängt hatte, damit sich der Geruch bis zum nächsten Waschtag nicht noch weiterhin in der Wohnung verteilt. Und als ich dann Waschen war stopfte ich natürlich noch mehr als das Handtuch in die Waschmaschine. Später stellte ich dann an meiner Kleidung einen undefinierbaren weniger leckeren Geruch fest. Ich nehme an, der kam noch von dem Handtuch. Es stinkt immer noch. Aber zum Glück ist es jetzt nicht mehr so schlimm, sodass es nicht mehr auf dem Balkon liegen muss.

Ich habe sogar mal etwas wirklich Komisches in meinem Abfluss gefunden. Als ich den Schlauch mal wieder abgemacht hatte, kam mir da doch tatsächlich ein Tintenkiller entgegen. Tintenkiller benutze ich schon seit bestimmt vier, fünf Jahren nicht mehr und ich wüsste auch nicht, dass einer in meiner Wohnung gelegen hätte. Ich habe mich wirklich gefragt, wie der da reingekommen ist. Erstens passt der gar nicht durch dieses Auffangding im Waschbecken durch und zweitens habe ich einfach gar keine Tintenkiller mehr. Drittens habe ich ja ein paar Mal den Schlauch abgemacht und da war nichts und mit einem Mal steckte da der Tintenkiller quer drin. Essenreste und schleimiges Zeug waren da natürlich auch mal drin. Und ein paar andere Dinge wie Haarnadeln und Büroklammern. Die habe ich auch hier rumfliegen. Aber es ist schon alles recht merkwürdig.

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sockeNmonster Monstrum vestitus

Fakten: Ordnung:

Reptil (Reptilia)

Lebensraum:

in Waschküchen, -maschinen und Trocknern

Nahrung:

einzelne Socken, Knöpfe und Hosentascheninhalte

Merkmale:

temperaturbeständige Haut, kein Gleichgewichtssinn, dichtes Fell

Größe:

bis 24 cm

dichtes Fell Auge

Auge

robuste Haut Nüstern Maul

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{ Monster A-Z } Das Sockenmonster ist ein gefürchteter Einzelgänger. Es ist weit verbreitet in vielen Haushalten zu finden, geht menschlicher Gesellschaft und der anderer Monster jedoch aus dem Weg. Beim Zusammentreffen mehrerer Sockenmonster kann es durch starke Revierverteidigung zu aggressiven Auseinandersetzungen kommen. Das bis zu 24 cm große Monster hält sich in Waschküchen oder Badezimmern abwechselnd in Waschmaschinen und Trocknern auf, je nachdem was in Gebrauch ist. Seine temperaturbeständige Haut und das dichte waschfeste Fell lassen Waschvorgänge bis zur Kochwäsche zu. Dadurch, dass dem Wesen der Gleichgewichtssinn fehlt und sein Körper von einer stoßdämpfenden Fettschicht umgeben ist, ist es in der Lage Schleudergänge unbeschadet zu überstehen.

Seinen Namen hat es seiner Hauptnahrung zu verdanken. Das Sockenmonster ernährt sich jedoch nicht nur von einzelnen Socken, sondern gibt sich auch mit Knöpfen, Hosentascheninhalten und Waschmittel zufrieden. Bei Langeweile sucht es sich Ablenkung durch Zerreißen von Taschentüchern oder durch Verstellen der Waschund Trockentemperaturen.

Zur Paarungszeit verlässt das Männchen für die Partnersuche seinen gewohnten Lebensraum. Das Zusammentreffen von Männchen und Weibchen geht schnell vonstatten. Direkt nach dem Fortpflanzungsakt trennen sich ihre Wege wieder und das Männchen kehrt in seine gewohnte Umgebung zurück. Zum Eierlegen zieht sich das Monsterweibchen in eine leere Waschtrommel zurück. Aus den bis zu zwölf Eiern schlüpfen nach fünf Wochen die Jungen. Meistens überlebt nur ein Drittel der Jungen die erste Zeit und wird auf das eigene Leben vorbereitet.

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Das geschlossene System Sockenmonster

Wie und wann machte sich das Sockenmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Patrick H. In erster Linie ist es mir erst aufgefallen, als ich hier angefangen habe selber zu waschen, seit dem ich in Wiesbaden wohne. Das konnte man eigentlich nicht ignorieren. Weil in kürzester Zeit sind so viele Socken verschwunden. Mittlerweile müssten es so um die zehn Paar sein, die verschwunden sind. Und so lange haben wir die Waschmaschine noch gar nicht. Wenn es hoch kommt gerade mal ein halbes Jahr. Dafür ist es schon eine ganz schön hohe Rate. Derzeit achte ich schon etwas bewusster drauf, wie viele Socken ich wohin tue bzw. reintue, in die Waschmaschine. Aber trotzdem, ich weiß es nicht. Das ist eine der mysteriösesten Sachen, die es überhaupt gibt. Mattea B. Auch wie schon bei anderen Monstern, ist es erst aufgetaucht, als ich von zuhause ausgezogen bin und ich keine Mutter bei mir hatte, die meine Socken bewacht hat. Ich muss dazu sagen, dass es mich überhaupt nicht kümmert, ob ich gleiche Socken anhabe. Ich habe teilweise einen kleinen Socken an und einen Kniestrumpf oder einen neongrünen mit einem schwarzen. Mir ist das echt total egal. Wenn ich jetzt keine lange Hose anhabe ist das natürlich unpraktisch, aber ansonsten achte ich da echt überhaupt nicht drauf. Das Ding ist, ich kriege das ja nicht mit, wenn etwas verschwindet, weil ich ja nicht weiß, wie viele Socken ich habe. Ich glaube das ist auch die Strategie des Sockenmonsters, mich einfach zu verwirren.

Wie versuchst Du das Sockenmonster loszuwerden? Patrick H. Man versucht sich halt zu merken, wie viel man

reingetan hat. Vielleicht sollte man sich auch eine Strichliste machen oder abfotografieren, was man alles in die Waschmaschine getan hat. Das ist eigentlich so das Einzige. Man kann‘s ja nicht kontrollieren, weil es ja ein geschlossenes System ist, wenn die Waschmaschine wäscht. Da kann man ja nicht eingreifen und permanent nachgucken, ob noch alle Socken drin sind. Man könnte die ganze Waschmaschine auseinander nehmen und gucken, ob sich irgendwo Mann, das hört sich echt Mattea B. was zerfetzt hat. Ich glaube, an, als wäre ich total faul und würde man kann überhaupt nichts die ganzen Monster auf mir rumtramdagegen tun. Höchstens peln lassen, aber ich habe noch nichts dagegen getan. Wie gesagt, Socken sind man trägt Socken nur eineh ein nebensächliches Kleidungsstück. mal, wirft sie dann weg und kauft sich ein neues Paar, Deswegen hat das Monster auch hier wäscht sie also nie. ein schönes Zuhause.

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{ Interviews } Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Patrick H. Einmal hatt ich das Gefühl, die Waschmaschine wollte sich apathisch dagegen wehren, dass ich sie aufkriege. Da hatte sich der komplette Schließmechanismus irgendwie verkeilt. Dann musste ich die Tür aufbrechen und anschließend einen Gadget-Mann rufen, der die Maschine Mattea B. Ich habe da einen blauen Rock, den hat es wirklich total zerlegt. Also der hatte überall weiße Fusseln von dann wieder repariert hat, Taschentüchern. Ich war echt einfach kurz davor den Rock weil sie echt total zerstört wegzuwerfen, weil ich keinen Bock hatte alles abzufusseln. war. Ich weiß nicht, was Naja, die Drahtbürste hat dann den Rest getan. da los war. Ich glaube das Ich hatte auch mal einen ganz üblen Fall. Da hab ich, glaube Monster wollte mir noch ich, mir ein blaues Kleid gekauft gehabt, ich wollte aber weiß mehr Socken klauen, hatte waschen. Und ich war mir sicher ich habe nur Weißes in die keine Zeit mehr, weil es Waschmaschine getan. Das sieht man ja normalerweise, ob gemerkt hat, dass ich komda jetzt ein blaues Kleid dabei ist. Auf jeden Fall waren meimen will und hat dann die ne ganzen Klamotten danach hellblau. Naja, Gott sei Dank Waschmaschine sozusagen mag ich hellblau, deswegen war es halb so schlimm, aber es irgendwie verschlossen, war trotzdem ärgerlich. dass ich nicht dran komme. Welche Vermutung hast Du, warum sich das Monster gerade bei Dir befindet? Patrick H. Nicht direkt. Aber vielleicht liegt es daran, dass ich die Wäsche auch öfter mal vergesse. Dann liegt sie mal zwei, drei Stunden in der Trommel. Da hat das Monster das besonders viel Zeit noch irgendwelche Socken zu entwenden.

Mattea B. Eben drum, weil ich mich nicht so darum kümmere. Oh mein Gott, ich bin echt ein Hort für Monster. Ich wehre mich halt nicht. Das wäre echt blöd, wenn die noch ihre Freunde alle herholen. Weil irgendwann kann einem dann auch die Hutschnur reißen.

Welche Dinge hattest du mal in der Wäsche, die nicht Dir gehörten? Patrick H. Nur mal ein Geschirrtuch. Das lag wahrscheinlich vorher drin. Man stopft seine Wäsche ja oft einfach so rein und guckt nicht, was vorher drin ist. Und im Gummidichtungsring war mal die Gabi1. So wie sie aussah, wurde die schon öfter mit gewaschen. Deswegen war sie recht zerstört und konnte leider nur noch entsorgt werden. 1 Wer Gabi ist bleibt ein Geheimnis.

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Spülmonster

Monstrum Boletar Spurcus

Fakten: Ordnung:

Säugetier (Mammalia)

Lebensraum:

in Küchenschränken, Spülbecken und bei Spülmaschinen

Nahrung:

Sauberkeit, Spülmittel und Schwämme

Merkmale:

großes Maul, dreckabsonderne Zunge

Größe:

bis 40 cm

Wirbelsäule Augen

Nüstern

Zähne

Beine Maul

Krallen Hornzehe

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dreckabsondernde Zunge


{ Monster A-Z } Spülmonster leben und arbeiten in kleinen Gruppen gleichen Geschlechts zusammen. Sie halten sich hauptsächlich in Küchenschränken, Spülbecken oder bei Spülmaschinen auf, wo sie auch ihre Nahrung beziehen. Zur Paarung treffen sich verschiedene Monstergruppen um beide Geschlechter zusammen zu führen. Nach einem Paarungstanz der Männchen suchen sie sich je ein williges Weibchen und vollziehen den Akt der Fortpflanzung. Die Herden leben für die dreiwöchige Tragezeit und die zweimonatige Aufzucht der Jungen zusammen. Sie wechseln dabei jedoch wegen der hohen Anzahl von Gruppenmitgliedern öfter ihre Standorte, um sich immer in Gegenden zu befinden, die über ausreichend Nahrung verfügen. Die Monster ernähren sich von der Sauberkeit auf vorhandenem Geschirr sowie Besteck. Mit ihrer lappenartigen Zunge lecken sie über die Gegenstände, saugen die Sauberkeit ab und lassen Schmutz zurück. Außerdem verspeisen die Spülmonster Schwämme sowie Spülbürsten, um nötige Ballaststoffe aufzunehmen, und Spülmittel in flüssiger oder fester Form. Spülmonster sind gesellige und hilfsbereite Wesen, die Männchen helfen den Weibchen bei der Aufzucht der Jungen und versorgen sie und ihre Mütter mit Nahrung. Sind die Nachkommen ausgewachsen und zur Selbstständigkeit erzogen worden, trennen sich die Gruppen wieder und die Jungen ordnen sich je nach Geschlecht passend zu.

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Tellermangel Spülmonster

Wie und wann machte sich das Spülmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Patrick H. Wenn die ganze Spüle voll steht, kann man‘s halt schlecht

ignorieren. Und wenn man kochen will, kommt in die Küche und dann kann man nicht kochen, weil die Spüle einfach nur voller Spülgedöns ist. Es ist halt immer präsent. Mattea B. Als wir keine Spülmaschine mehr hatten. Als ich nach Wiesbaden gezogen bin und spülen musste. Es ist erstaunlich wie schnell da Geschirr zusammen kommt. Vor allen Dingen, wenn man über die Woche beispielsweise am Entwurfsprojekt sitzt und die Wie versuchst Du das Spülmoster loszuwerden? ganze Zeit nur nebenbei schnabuliert, steht man am Ende der Woche Patrick H. Wenn es eine Patentlösung gäbe, würdann trotzdem vor einem riesigen de ich hier nicht sitzen. Man könnte höchstens das Berg Geschirr, der auch noch ultra Geschirr versiegeln, mit einem Lotusblüten-Effekt, wackelig und voller Dreck ist. Das ist damit der ganze Schmutz abperlt und auch das echt ekelig. Die Sachen stapeln sich Spülmonster mit seiner dreckabsondernden Zunbestimmt 60-70 cm hoch. Das wird ge einfach abrutscht. Aber wenn man das so maecht teilweise richtig übel. Am Ende chen würde, dann würden die Monster bestimmt haben wir dann immer Tellermanauch mutieren, sich den Umständen anpassen und gel. Und am Wochenende wird dann irgendeine Säure auf ihrer Zunge entwickeln, die immer alles geputzt. den Lotus-Effekt durchbrechen kann. Ich glaube es gibt allgemein kein gutes Heilmittel gegen Monster. Sie sind einfach nur unberechenbar. Mattea B. Wir haben mal versucht einen Putzplan einzuführen, damit wir das entstehende dreckige Geschirr regelmäßig beseitigen, aber an den wurde sich nicht gehalten. Also es ging eine Woche gut oder vielleicht noch die zweite, aber dann auch wieder nicht mehr. Und seitdem stapelt es Hast Du je besonders außergewöhnliche sich wieder. Das Monster ist Vorfälle erlebt? einfach zu stark und scheint Ich habe mal Nudeln gemacht und ziemlich groß zu sein, es hat Mattea B. ich hatte nur einen Topf. Und da habe ich erst die uns übermannt. Wir können Nudeln in dem Topf gekocht, dann die Nudeln nicht dagegen ankommen. raus, in den Topf die Soße und dann die Nudeln Es ist ja auch ein altes Haus, zur der Soße, weil ich keinen Teller mehr hatte. vielleicht ist das Monster ja Dann hab ich aus dem Topf gegessen. Die Nudeln schon so lange hier. waren dann leider schon kalt, während die Soße noch etwas warm war. Aber war ok.

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{ Interviews } Welche Vermutung hast Du, warum sich das Monster gerade bei Dir befindet? Patrick H. Ich glaube das Spülmonster fühlt sich ein bisschen provoziert durch

die Spülmaschine. Das glaube ich eindeutig. Und deswegen sieht es das ein bisschen so als Wettkampf und versucht auch übermäßig viel dreckiges Geschirr zu produzieren. Es fühlt sich wahrscheinlich echt richtig provoziert dadurch. Deshalb wird es so aggressiv. Mattea B. Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht. Vielleicht weil wir alle so faul sind. Das Monster weiß, es hat hier nicht so viel zu befürchten und kann sich hier austoben. So kann es sich auch in den einzelnen Zimmern ausbreiten. Hier auf der Kommode habe ich dann auch meist einen riesigen Berg, wo es weiter wütet. Das ist echt furchtbar. Da muss ich teilweise dreimal laufen, bis ich das ganze Zeug in der Küche habe.

Wie hat sich Dein Leben durch die Anwesenheit des Monsters verändert?

Patrick H. Ja, ich meine das frisst natürlich wieder übelst viel Zeit. Wenn du dich hier umguckst, siehst du, dass hier überall Gläser rumstehen. Dann hat man ja einen höheren Arbeitsaufwand. Wenn man kochen will und die ganze Spüle voll ist, muss man natürlich auch immer Welche sind die bevorzugten erst alles spülen und wegräumen. Da Gegenstände? muss man echt immer für alles mehr Zeit einplanen. Es ist unangenehm. Teller, Brettchen und MesMattea B. ser. Das ist auch das, was wir eigentlich am meisten brauchen. Und wenn es dann schon dreckig rumsteht, haben wir auch oft Tellermangel.

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Staubmonster Monstrum Pulvis et lutum

Fakten: Ordnung:

Säugetier (Mammalia)

Lebensraum:

allgemein in geschlossenen Räumen und menschlicher Nähe

Nahrung:

in der Luft fliegende Staub- und Nährstoffpartikel

Merkmale:

Staubproduzierende Haut, mehrere halmartige Mäuler

Größe:

bis 10 cm

Auge

Saugmäuler

Atemwege/ Speiseröhre

faltige Haut

Saugnäpfe

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Staub/ Dreck


{ Monster A-Z } Staubmonster sind sehr scheue Wesen. In ihren Herden gehen sie liebevoll und familiär miteinander um. Die Monster leben zwar in menschlicher Umgebung, verstecken sich aber dauerhaft unter verschiedenen Möbeln. Mit ihren kleinen klumpigen Körpern mit einer Größe von höchstens zehn Zentimetern, passen sie unter die meisten Möbel, wo sie ihre Ruhe haben. Die Staubmonster verfügen je über mehrere halmähnliche Mäuler. Auf ihrer Haut wächst kein Fell sondern eine Schicht aus Staub und Wollmäusen. Einmal am Tag wird diese Schicht erneuert. Die Monster stoßen die alten Staubkörner ab und es werden neue produziert. Diese ziehen sie aus ihrer Nahrung. Zur Nahrungsaufnahme müssen sich die scheuen Wesen nah an den Rand des jeweiligen Möbelstücks heran bewegen, unter dem sie sich befinden. Ihre langen Mäuler dienen dazu die Staubpartikel aus der Luft zu filtern. Dafür strecken sie sie unter den Möbeln hervor und saugen ihre Nahrung ein. Sie nehmen die Partikel in sich auf und wandeln sie in eine nutzbare Energieeinheit um.

Die Monster leben ohne Verdauungstrakt und können die überschüssigen Substanzen nur über ihre Haut abstoßen. Dadurch bildet sich auf ihrer Oberfläche ein Film aus Staub und Dreck, welcher täglich in seine Umgebung abgesondert und nachproduziert wird.

Bei den Staubmonstern gibt es keine festgelegte Paarungszeit. Sie pflanzen sich fort, wenn ihnen langweilig ist. Die Gruppen, in denen die Wesen leben, werden somit immer größer. Es kann dazu kommen, dass es schnell keinen Platz mehr unter einem Möbelstück gibt, sodass mehrere Monster ausweichen und sich einen neuen Lebensraum suchen müssen.

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Ok. das ist zu dreckig Staubmonster

Wie und wann machte sich das Staubmonster (erstmals) bei Dir bemerkbar?

Tanja G.

Lisa G. Ach Gott, das ist ja schon ewig her. Ich glaube das erste Mal, wo ich alt genug war um mal mein Zimmer alleine aufzuräumen und zu putzen. Wahrscheinlich ist es mir da spätestens aufgefallen. Kann man so sagen. Nachdem die Mutter einem das erste Mal den Staubsauger in die Hand gedrückt und gesagt hat: „Hier, jetzt bist du mal dran!“ Da merkt man erstmal wie viel Staub und Dreck überall liegt. Und dadurch 25, Studentin aus dem ist es mir aufgefallen. Westend, WG Als ich klein Hauptsächlich Mattea B. Tanja G. war und das erste Mal mit hat mich meine Mutter darauf hingewiesen, dass es meiner Mama putzen musste. Und da habe ich gemerkt, dass in meinem Zimmer staubig nach dem Putzen direkt wieder alles staubig wird. Wir haben so eine schöne alte Holztreppe, da hat man das am Besten ist, während ich das selbst gesehen. Da kommt das dann direkt wieder, das Staubmonsgern übersehen oder ignoter. Alles ist wieder voller Dreck und Staub. Da lohnt sich das riert habe. Putzen eigentlich gar nicht. Man kann es sich gleich sparen. Es ist im Prinzip vergeudete Zeit. Warum tut man das eigentlich? Wie versuchst Du das Staubmonster loszuwerden? Mattea B. Nee, das Staubmonster und ich, wir sind Freunde. Mich stört es nicht, dass es da ist. Aber meine Mutter hat es immer gestört, deswegen musste ich immer sauber machen. Aber jetzt wo ich nicht mehr zuhause wohne, darf es sich hier wohlfühlen wie es will. Nur manchmal, wenn ich nicht mehr atmen kann, dann wische ich mal durch.

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Lisa G. Putzen. Putzen, saugen. Putzen und saugen. Ich glaube alles andere nützt nichts. Ich denke los wird man das Monster nie, vor allem, wenn man zwei Katzen hat. Es ist auch auf jeden Fall oft so, dass ich den einen Tag gesaugt habe und am nächsten ist es schon wieder dreckig. Normalerweise könnte ich jeden Tag saugen. Aber da bin ich zugegebenermaßen zu faul zu.


{ Interviews } Wie versuchst Du das Staubmonster loszuwerden? Tanja G. Indem ich einfach immer weiter konsequent putze und die groben Massen somit direkt im Keim ersticke. Sobald ein kleines Staubkörnchen da ist, muss man es direkt entfernen. Dann kann man dem Staubmonster noch halbwegs gut entgegenwirken. Schlimm ist es allerdings in Ecken, so wie unter meinem Bett, wo man jetzt nicht jeden Tag so gut hinkommt. Ganz schlimm. Extrem anstrengend wird es natürlich dadurch, dass ich eine Stauballergie habe und sehr anfällig für so Staub bin. Dann bekomme ich schlecht Luft und muss dauernd niesen. Die feiern dann Karneval, wenn ich immer niesen muss. Leider habe ich aber noch keine Patentlösung gegen das Staubmonster gefunden. Es ist immer nur das penetrante dagegen Ankämpfen. Aber das ist leider wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Hast Du je besonders außergewöhnliche Vorfälle erlebt? Mattea B. Und zwar wollte ich damals, da wohnte ich

auch noch zu Hause, mein Zimmer renovieren. Und meine Eltern fanden, das war nicht nötig. Aber ich wollte es unbedingt und da habe ich gemeint: „Gut. Mama, ich weiß wie sehr du Staub hasst. Ich werde jetzt nicht mehr putzen!“ Und dann habe ich eine Weile nicht mehr geputzt. Da waren wirklich sooo große Fusselberge am Boden, bis meine Mutter endlich gesagt hat: „Nagut. Nagut, du darfst renovieren.“ Dann habe ich Lisa G. Ja tatsächlicherweise. Als ich in Berlin renoviert. Da war das Staubmonster gewohnt habe, in meiner alten Wohnung, da hatte auch erstmal weg, weil man ja erstmal ich ja noch einen Kohleofen. Und ich glaube den alles sauber macht, wenn man dann fanden die Staubmonster ganz schön toll. Überall ein neues Zimmer hat. Ja, aber in hat sich der Staub vom Kohleofen abgesetzt, der Wiesbaden ist es wieder aufgetaucht. war so orange-gelblich. Und das war ganz schön Aber es war so die schlimmste… was nervig auf die Dauer. Da war nämlich auch irheißt die Schlimmste? Wir waren ja gendwann das Rohr verstopft und der ganze Staub in dem Moment Kumpels. Es hat mir kam mir wieder in die Wohnung entgegen. Da ja geholfen. Aber war schon echt eine haben die Staubmonster sich bestimmt pudelwohl üble Begegnung. gefühlt. Nahrung bis zum Abwinken. Die haben scheinbar ständig wieder Partikel gefunden. In allen Ritzen war der gelbe Staub. Das war ganz schön ätzend, muss ich sagen.

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Wir waren Kumpels Staubmonster

Ist es an manchen Orten besonders schlimm? Sören K. Ja, meistens unter‘m Bett, auf dem

Schrank und auf meinem Schreibtisch. Die Monster halten sich bei mir also nicht nur unter sondern auch auf Möbelstücken auf. Natürlich aber auch unter allem, was man nicht regelmäßig bewegt. Da liegt schon immer viel Staub rum.

Welche Vermutung hast Du, warum sich das Staubmonster gerade bei Dir befindet? Sören K. Ich glaube, dass ich selbst dafür verantwortlich bin – für diese Unordnung. Damit biete ich den Monstern quasi einen tollen Lebensraum, obwohl ich ja auch ein Stück weit dafür sorgen könnte, dass es nicht mehr so ist. Aber ich mache es einfach nicht, weil ich ein durchaus unordentlicher Mensch bin. Bis, wenn ich sage: „Ok. Das ist zu dreckig.“ Aber ich habe auch festgestellt, wenn Mattea B. Das hört sich jetzt an, als wäre ich voll dreckig. Ich lebe ja nicht im Dreck, es ist immer dann dieser Zeitpunkt eintritt und ich mache sauber, dass es dann auch relativ aufgeräumt. Aber ich wische halt nicht so oft. Und manchmal wenn ich Staub sehe, puste ich ihn schnell wieder dreckig wird. Ungefähr auch einfach weg, dann liegt er halt am Boden, nach zwei Tagen. Lisa G. Also ich denke mal damals war aber am Boden störts mich nicht. das wahrscheinlich hauptsächlich wegen dem Kohleofen. Sowas kriegt man ja jetzt auch nicht überall. Das war vielleicht sowas wie eine Delikatesse für die Monster. Und ich glaube jetzt auch noch nach wie vor wegen den Katzen, weil vielleicht stehen die da auch einfach drauf. Bei mir sammeln sich unterm Sofa und unterm Bett auch extrem dicke Staub- und Fusselflusen plus Katzenstreukrümel, die sich auch ganz gern mal verteilen und Tanja G. Ich denke um mich zu ärgern, weil ich ich mich frage: „Wie passiert das bloß?“. eine Stauballergie habe. Das ist einfach blanker Jetzt weiß ich‘s. Es ist das Staubmonster. Hohn. Das Monster machen sich wahrscheinlich nur über mich lustig, die ganze Zeit. Es sitzt da und lacht sich kaputt, weil ich die ganze Zeit niese und keine Luft bekomme. Ja, es möchte mich ärgern, deswegen hat es sich mich ausgesucht.

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{ Interviews }

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Weckermonster

Monstrum horrologium tinnulus

Fakten: Ordnung:

Reptil (Reptilia)

Lebensraum:

allgemein in menschlicher Nähe, bei Weckern

Nahrung:

Radiowellen und Klingeltöne

Merkmale:

großes Maul, schallisolierender Körper

Größe:

bis 19 cm

ledrige Haut

schallisolierender Körper

Zähne

großes Maul

Beine

Füße

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{ Monster A-Z } Weckermonster sind weit verbreitet und in Haushalten von berufstätigen oder in Ausbildung stehenden Menschen zu finden. Sie halten sich in Schlaf- oder Wohnzimmern auf, in der Nähe von Weckern oder Weckradios, die ihm mit ihren Schallwellen als Nahrungsquelle dienen. Da das Wesen nachtaktiv ist und zur Nahrungsaufnahme die frühen bis späten Morgenstunden bevorzugt, kann es nicht auf normale Radios oder andere Geräte zurückgreifen. Aus Erfahrung weiß das Monster, wann der Wecker klingelt. Kurz vorher öffnet es sein großes Maul und stülpt sich komplett über ihn. Der schallisolierende Körper des Wesens nimmt die Töne in sich auf. Der Wecker verliert somit seine Funktion, da der Klingelton nicht bis zu dem Menschen vordringen und ihn aufwecken kann. Die aufgenommenen Wellen des Klingelns oder des Radios setzt der Organismus in verwertbares Material um und nutzt es als Energiegreserve. Das Weckermonster ist flexibel in seinem SozialverDie Fortpflanzung der Wehalten. Es lebt normalerweise alleine, kann aber auch ckermonster erfolgt zweimit der Anwesenheit weiterer Artgenossen umgehen. mal im Jahr. Im Februar Das Monster lebt jedoch nur mit anderen seiner Art und Juli sammeln sich die zusammen, wenn genügend Energiequellen vorhanMonster in der Nähe von den sind und es somit ausreichend Wecker in unmitDiskotheken und Bars. Sie telbarer Umgebung gibt. nutzen die Stimulation der hohen Schallwellenkonzentration um sich zu paaren. Nach sechs Wochen legt das Weibchen um die 30 Eier, aus denen sieben Tage später die Jungen schlüpfen und von der Mutter aufgezogen werden.

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Verstecken spielen Weckermonster

Wie und wann machte sich das Weckermonster (erstmals) bei Dir bemerkbar? Mattea B. Ich bin erst darauf aufmerksam geworden, als meine Mama mich nicht mehr geweckt hat, sondern ich einen Wecker brauchte. Mittlerweile stelle ich mir über 13 Wecker, an meinem Handy, einem extra Wecker und dem Wecker, den ich halt schon immer hatte. Und selbst dann passiert es mir noch manchmal, dass ich einfach alle nicht höre und trotzdem verschlafe. Ich schlafe einfach weiter. Das ist besonders schlimm an Donnerstagen vor Illustration um 08:15 Uhr. Da hab ich‘s immer nur sehr, sehr schwer geschafft pünktlich zu kommen. Helene O. Also ganz extrem, als ich nicht mehr bei meiner Mutter gewohnt habe. Da ist es mir aufgefallen, dass ich absolut keine Wecker höre, weil meine Mutter mich bis dahin eigentlich immer geweckt hat. Genau, das war meine erste bewusste Begegnung. Bemerkbar macht es sich, indem ich einfach regelmäßig verschlafe. Obwohl ich in manchen Zeiten bis zu acht Weckern hier stehen gehabt habe, die zum Klingeln alle zum Teil auf die gleiche Uhrzeit gestellt wurden. Vielleicht mit jeweils fünf Minuten Unterschied. Ich habe sie alle absolut nicht gehört. Noch nicht mal irgendwie im Schlaf ausgemacht, in Träume eingebaut oder eine Erinnerung gehabt, dass irgendwas laut war. Sondern gar nichts. Ich höre es absolut Wie versuchst Du das Weckermonster nicht. Sogar meine Katze versucht viel- loszuwerden? leicht manchmal verzweifelt mich zu wecken. Wahrscheinlich spürt sie die Helene O. Indem ich mir halt immer wieder Weckermonster und will sie verjagen, mehr Wecker dazugekauft habe. Bis zu der Phase, aber die scheinen sie zu ignorieren und wo ich wirklich acht Wecker da stehen hatte. Bei lassen sich da überhaupt nicht einwichtigen Terminen ist es auch so, dass ich mich schüchtern. Meine Katze ist dann auch von Eltern, Freunden oder anderen morgens total verzweifelt. Und ich schlafe und anrufen und wecken lasse. Das höre ich dann zucke nicht mal mit einer Wimper. komischerweise öfter, aber auch nicht immer. Mattea B. Ich versuche Abends immer die Wecker zu verstecken, sodass das Weckermonster sie nicht findet, ich sie dann aber trotzdem höre, aufstehe und mich selbst auf die Suche mache. Das ist zwar ätzend, aber immerhin stehe ich dann auf. Es kommt auch vor, dass ich mich dann wieder hinlege. Aber ich bin dann trotzdem froh, dass ich das Weckermonster ausgetrickst und es wenigstens versucht habe. Gestern habe ich einen Wecker in der untersten Schublade in meinem Schreibtisch versteckt. Ja, das hat funktioniert. Da ist das Monster vielleicht auch einfach nicht reingekommen.

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{ Interviews }

Welche Vermutung hast Du, warum sich das Weckermonster gerade bei Dir befindet? Helene O. Ja, das ist eine gute Frage. Keine

Ahnung. Vielleicht, weil schon so viele Monster um mein Bett herumkriechen. Vom Entfernungsmonster bis zum Staubmonster bis was weiß ich was. Dass sie sich da in guter Gesellschaft fühlen.

Wie hast Du das jemals Weckermonster austricksen können? Helene O. Ich habe festgestellt, wenn ich in einer Beziehung bin

und mein Freund dann hier übernachtet, dann kann ich das Weckermonster austricksen. Das ist dann nämlich genauso wie bei meiner Mutter früher, weil mich der Freund dann aus dem Bett schmeißen kann. Denen, Besuch, Freunde oder Freund, scheint das Weckermonster Wie hat sich Dein Leben durch die Anwesenkomischerweise nichts auszumachen. heit des Monsters verändert? Das Austricksen besteht darin, dass Helene O. Das ist natürlich bei meinem Studium solche Leute wie ich, dann am Besten in einer WG wohnen sollten, oder sie oder dem allgemeinen Berufsleben ja keine Entsollten sich tatsächlich einen Partner schuldigung zu sagen: „Ich habe die Wecker nicht suchen, der einen dann immer aus gehört.“ Aber es ist halt nunmal leider Gottes so. dem Bett schmeißt. Und mein Leben hat sich dann insofern verändert, dass ich regelmäßig zu spät komme. Viele Leute haben eben kein Verständnis dafür und unterstellen einem mehr oder weniger, dass man absichtlich nicht kommt, weil man lieber im Bett geblieben wäre. Und die Vorstellung, dass man die Wecker gar nicht hört ist für viele Leute einfach nicht vorstellbar.

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Die Leidtragenden zusammenfassung

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Annika T.

Lisa G.

23, Studentin aus dem Westend, eigene Wohnung

29, Studentin aus dem Westend, eigenen Wohnung

Befragt zu: Albtraummonster Benzinmonster Eismonster Geldmonster

Befragt zu: Batteriemonster Schimmelmonster Staubmonster

Mattea B.

Patrick H.

19, Studentin aus Wiesbaden-Mitte, WG

21, Student aus dem Rheingauviertel, WG

Befragt zu: Benzinmonster Duschmonster Entfernungsmonster Geldmonster Schimmelmonster Sockenmonster Sp端lmonster Staubmonster Weckermonster

Befragt zu: Duschmonster Fernsehmonster Kleinkrammonster Sockenmonster Sp端lmonster


{ Interviews }

Helene O.

Astrid B.

30 , Studentin aus Mainz, eigenen Wohnung

21, Studentin aus Wiesbaden-Mitte, WG

Befragt zu: Eismonster Entfernungsmonster Weckermonster

Befragt zu: Eismonster

SĂśren K.

Tanja G.

20, Student aus dem Westend, WG

25, Studentin aus dem Westend, WG

Befragt zu: Geldmonster Kleinkrammonster SpĂźlmonster Staubmonster

Befragt zu: Staubmonster

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{ Danksagung } Ich danke vielmals Annika, Astrid, Helene, Lisa, Mattea, Patrick, Sören und Tanja, die sich mir für mein Projekt zur Verfügung gestellt zu haben. Ob verbunden mit einem Pfannkuchenfrühstück, Pommes mit Curry-King, mehreren Lebensrettungsmaßnahmen oder langen Abenden mit wunderbarer Verpflegung und Wärmflaschen. Ein ganz besonders großer Dank gilt Lisa, die mich in großem Maße inspiriert, bestärkt und korrigiert hat. Ich hoffe, ich konnte ihr auch etwas zur Seite stehen. Ich danke auch meiner Familie und allen anderen Freunden, die mich in meinem Vorhaben bestärkt und meine Ideen durch ihre Kritik und Zustimmung vorangetrieben haben. Ebenfalls danke ich den Monstern, ohne die all dies nicht möglich gewesen wäre. Ihre Existenz hat mir zu diesem Buch verholfen.

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{ Impressum } Copyright © 2012 by Nenia Tiemeier Gestaltung, Typografie, Illustration, Fotografie: Nenia Tiemeier Layout, Herstellung und Satz: Adobe InDesign von Nenia Tiemeier Druck: BKS GmbH Wiesbaden Bindung: Gebrüder Sorajewski Printed in Germany

Interdisziplinärer Entwurf: Thema: Mikrokosmos – Verborgene Welten Titel: Aggregatio de monstra – Forschung in verborgenen Welten Nenia Tiemeier Hochschule RheinMain Wiesbaden Kommunikationsdesign Wintersemester 2011/2012 Matrikelnummer: 265 264 Nenia.Tiemeier@student.hs-rm.de Begleitende Professoren/innen: Prof. Christine Wagner Dipl.-Des. Phillipp Böttcher Prof. Dr. Cornelia Freitag-Schubert

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„Ich glaube, sie leben einfach nur um uns zu verarschen.“ Patrick H. Dieses buch behandelt das Phänomen der Alltagsprobleme, ausgelöst durch eine neu entdeckte lebensform, auf (pseudo-)wissenschaftlicher ebene. Forschungsergebnisse sowie interviews tragen zur erklärung und veranschaulichung des lebens der Kreaturen bei. Durch ihren hunger und die Freude am menschlichen leid sorgen sie für erschwerte lebensbedingungen auf mehreren ebenen. Aggregatio de monstra ist ein halbseriöses lexikon, das mit einem kleinen Zwinkern zu lesen ist.

„Man zweifelt an sich selbst.“ Helene O. „Gott, ich bin echt ein Hort für Monster. Ich wehre mich halt nicht.“ Mattea B.

interdisziplinärer entwurf


Aggregatio de monstra - Forschung in verborgenen Welten