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Nr. 1 / Sommer 2010 € 5,00 Ausland € 5,70


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Werte Leserin, werter Leser! Herzlich willkommen zur Erstausgabe der „Querschau“. Lange könnte ich Ihnen an dieser Stelle erzählen, welche Faktoren bei der Entstehung dieses einzigartigen Hefts mitgespielt haben. Wollten wir nicht schon immer unser kabarettistisches Potenzial zur vollen Entfaltung bringen, ohne dafür jedes Mal wegen Beleidigung/Herabwürdigung/Missachtung von Beamten/Justiz/ Würdenträgern vor Gericht zu müssen? Vermutlich. Und ist Österreich nicht ein zutiefst griesgrämiges Land, dessen Bürger ein Satiremagazin zur Volksaufheiterung dringender benötigen als Karl-Heinz Grasser Friseur und Anwalt? Zweifelsohne. Doch was letztlich wirklich den Anstoß gab, ist weniger einer inneren Überzeugung, sondern vielmehr einer äußeren Notwendigkeit, gewisse Grundbedürfnisse abzudecken, geschuldet. Denn als uns auf dem AMS einmal mehr gesagt wurde, wir sollten doch bitte endlich einen Weg finden, aus der Statistik zu fallen und als der Notgroschen, den wir noch immer einer recht lukrativen Beratertätigkeit im Umfeld der BUWOG verdankten, sich dem Ende zuneigte, war auch für uns klar, dass etwas getan werden musste. Und weil wir außerdem kein Bier mehr hatten, entschlossen wir kurzerhand, dies Magazin zu gründen.

illegal ist. Was erwartet Sie also auf den folgenden 50 Seiten, die sich mindestens so locker wie Tolstois „Krieg und Frieden“ oder Joyces „Ulysses“ lesen und die wir mit Hilfe von modernster Technologie (etwa gigantischen Zählmaschinen namens „Personal Computer“ und dämonischen Bilderkästen, auch „Fotoapparate“ genannt) erstellt haben?

„Endlich gute Nachrichten“, so lautet unser Motto, für das einmal mehr das AMS verantwortlich zeichnet, nachdem wir der zuständigen Beraterin mitteilten, wir hätten jetzt eine Beschäftigung gefunden, die nicht (besonders)

Carl-Michael Drack, Chefredakteur

Sonderbare Briefe, absurde Geschichten, erfundene Interviews – alles wie bei einem Magazin, das von richtigen Journalisten gemacht wird. Nur dass wir nicht recherchieren und deshalb mehr Freizeit und eine eklatant bessere Lebensqualität vorweisen können. Dennoch und gerade deswegen agieren wir so unbeeinflussbar wie Claudia Bandion-Ortner, so objektiv wie die „Kronen Zeitung“ und so schonungslos wie Werner Faymann. Aber bitte keine Angst: Wir wollen nicht Ihre Seele. Für den Anfang reicht uns Ihr Geld vollkommen.

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Ein Willkommensgruß vom Chefredakteur.

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Von uns, für euch 6 Briefe an die Leute, die wir lieben. Die Qual der Wahl 8 ÖVP und BZÖ fahnden fieberhaft nach einem gemeinsamen Kandidaten für die BP-Wahl. Blaue Verse 10 Die FPÖ veröffentlicht ihr Parteiprogramm in Reimform. Gesucht: Rückgrat „Flexi“ 12 Unbezahlte Anzeige der SPÖ.

Von uns, für euch Briefe an die Leute, die wir lieben. Unbescholtene unter sich Ein Doppelinterview mit Karl-Heinz Grasser und Alfons Mensdorff-Pouilly.

Sprachjongleure bei der Arbeit.

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Von uns, für euch Briefe an die Leute, die wir lieben. Ruhig Blut! Ein Interview mit Starregisseur Quentin Tarantino.

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Alltagssatire, Teilnahme erlaubt.

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Von uns, für euch Briefe an die Leute, die wir lieben. Formel Zukunft Der große Preis von Hollabrunn 2015. Ferngespräche Was sich zwischen Didi Constantini und Andreas Ivanschitz wirklich ereignete.

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Von uns, für euch 20 Briefe an die Leute, die wir lieben. Krieg der Konsolen 22 Der Wettbewerbsdruck unter den Videospielherstellern treibt skurrile Blüten.

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Von uns, für euch Briefe an die Leute, die wir lieben. Spitzenkräfte gesucht! Ein Aufnahmetest beim ORF. Im Zeitungskönigreich Eine poetische Würdigung der einzig wahren Tageszeitung und ihrer Macher.

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Weil uns gesagt wurde, dass es auch andere Meinungen gibt. 48


Chefredakteur: Redaktion: Geschäftsführer:

Carl-Michael Drack John Doe, Max Moritz, Adolf-Hermann Yildirim Dr. Claudius Incorruptus

Art Director: Fotos: Grafik:

Rene Berghold Strassengalerie, Wikimedia Commons Rene Berghold

Anschrift d. Red.: Abo-Service: Abonnementpreis: Im Internet:

Schmölzergasse 5, A-8020 Graz 0664 510 96 27 Jahresabo € 20 www.querschau.at

Herausgeber: Medieninhaber: Verlagsort: Auflage:

Carl-Michael Drack Verlagsgruppe Nonsense Media GmbH Schmölzergasse 5, A-8020 Graz 50 Stück (nicht durch ÖAK geprüft)

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Querschau Nr. 2 erscheint im Juli 2010

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„Bio-BäuerIn sucht TierrechtsaktivistIn“ wäre alleine ob des schwungvollen Namens schon ein Selbstläufer. Der Möglichkeiten sind viele, aber macht etwas. Irgendwas. Eure Spin Doctors von der

Werte GrünInnen! Ja, was sollen wir eigentlich sagen? Zu gerne hätten wir auch Euch in den erlauchten Kreis der von unserem Magazin Gescholtenen aufgenommen. Das Problem ist einfach, dass ihr nicht mehr präsent seid. Nirgendwo. Egal worin man blättert, egal wann man durchs TVProgramm zappt – es scheint, als wärt Ihr ausgestorben. Nicht einmal die Kronen Zeitung macht sich noch die Mühe, in Form der alkoholgeschwängerten Zeilen eines Michael Jeanneés gegen Euch zu wettern. An mangelnder Themenführerschaft kann‘s ja nicht liegen, denn wer kann Euch bitte etwas vormachen, wenn es etwa um die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen SchnabeltierhalterInnen mit Migrationshintergrund geht? Ganz ehrlich, Grüne, wir machen uns ein wenig Sorgen. Deshalb unser gut gemeinter Rat: Sorgt für ein paar Skandale, werdet prominent oder macht am besten beides. Warum nicht beispielsweise ein wenig dem Lugner nacheifern? Der hat auch an einem schlechten Tag mehr Sendezeit als ein durchschnittliches Erdbebenunglück. Natürlich müsste man, um eurem Kernthema Frauenpolitik gerecht zu werden, die Sache ein wenig umdrehen. Eine alternde, nervtötende Selbstdarstellerin auf permanenter Jagd nach jungen Gespielen (Eva Glawischnig drängt sich für diese Rolle geradezu auf) – das brächte doch Medienpräsenz. Oder wie wäre es mit einer Doku-Soap?

Sie wiederum, Rudolf Gehring, Bundesobmann der Christlichen Partei Österreichs und nebenbei äußerst hoffnungsloser Kandidat für die Bundespräsidentschaftswahl, erzählten kürzlich der APA: „Man kann es kaum in Worte kleiden, welche Zustimmung ich bekomme.“ Mag das auch auf manche Ihrer offenbar legasthenischen Jünger tatsächlich zutreffen, so seien Sie doch versichert: Wir könnten unsere Zustimmung für Sie garantiert in Worte kleiden! Tut‘s ausnahmsweise lieber nicht:

Bildquellen: Wikimedia Commons (5)

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Ach, Dörfler,

Und sag mal, FPÖ, wo ist denn die viel gerühmte deutsche Gründlichkeit abgeblieben? Da hast Du auf den Wahlplakaten für Barbara Rosenkranz beim Slogan „Ohne Mut keine Werte“ doch tatsächlich einen Beistrich vergessen. Aber zu Deinem Glück gibt‘s ja uns.

müssen Sie Ihr mentales Handicap eigentlich immer derart medienwirksam zur Schau stellen? „Ich verdiene weniger als ein Fliesenleger in der berühmten Nachbarschaftshilfe“, geben Sie als Bezieher eines Bruttoeinkommens von 13 794 Euro allen Ernstes von sich. Und dann rechnen Sie sich daraus auch noch selbst einen Stundenlohn von mickrigen 16 Euro aus.

Stets zu Diensten: Was auch bei 24 Arbeitsstunden täglich, 31 Tagen im Monat, nur dann funktioniert, wenn Kärntens Taschenrechner etwas anders kalkulieren als der Rest der Welt. Unfreiwillig haben Sie aber dennoch nicht ganz Unrecht: Denn auch wenn Sie zwar mehr Geld bekommen als jeder Fliesenleger, so verdienen Sie ohne Zweifel weniger. Ihre berühmte Nachbarschaftshilfe von der

Werner Faymann! An dieser Stelle endlich einmal etwas Positives: Sie sind redaktionsintern zu unserem „Austria‘s Next Top Politician“ gewählt worden. Die Entscheidung fiel nicht zuletzt aufgrund Ihrer jüngsten durchschlagenden politischen Erfolge (diese hier alle aufzuzählen, würde wohl den zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen) auf Sie. Steuererhöhungen, Einsparungen, Subventionen für Banken – eine makellose Bilanz. Und schließlich liegen Sie ja auch in der Kanzlerfrage als amtierender selbiger nur läppische zwölf Prozentpunkte hinter dem dicken Neffen. Zugegeben: Ihr Äußeres ließ uns dann doch nicht gänzlich unbeeinflusst. Lassen Sie sich von den bösen Zungen der VP-Funktionäre (die, unter uns gesagt, keine Freundin haben) nicht aus der Ruhe bringen. Sie besitzen noch immer ausreichend jovialen Charme, um die Hormonhaushalte zahlloser Pensionistinnen von Engelhartszell bis Gurk und von Rankweil bis Mistelbach in Wallungen zu bringen. Und darauf fährt jedenfalls auch ab:

Und wenn Du, HC Strache, tatsächlich glaubst, der Neonazismus sei „eine Art Geist, der es manchmal in die Schlagzeilen schafft, aber nicht wirklich existiert“, wie Du unlängst der israelischen Zeitung Haaretz erzähltest, so müssen wir ähnliches Deinem Verstand attestieren, der es als eine Art Geist eben auch manchmal bis in den Kopf schafft, aber, Du errätst es vielleicht schon, nicht wirklich existiert. Existiert wirklich:

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Bildquelle: Wikimedia Commons

Der bevorstehende Kantersieg Heinz Fischers bei der Bundespräsidentenwahl lässt bei den Bürgerlichen sämtliche Alarmglocken schrillen. In einer Notversammlung beratschlagen die Spitzen von ÖVP und BZÖ über die Aufstellung eines gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten. „Der Franz Fischler soll‘s machen und a Ruh is...“ Obwohl Josef Bucher die ganze Autorität, die einem nur der Vorsitz einer bis in die Bedeutungslosigkeit gesplitterten Splitterpartei verleihen konnte, in diesen einen Satz gelegt hatte, wurde seine Stimme bei den letzten Worten leicht brüchig. Verdammt! Und dabei hatte er sich die Wortmeldung schon seit 45 Minuten zurechtgelegt und nur auf den Moment gewartet, in dem Josef Pröll endlich einem über Stunden angewachsenen inneren Druck nachgab und in seine letzte halbe Wurstsemmel biss.

Der Großteil des Proviants, den Bucher in die einsame Berghütte auf der Kärntner Saualpe – das BZÖ hatte einen politisch unbefangenen, ruhigen Ort vorgeschlagen – mitgenommen hatte, war schon lange verzehrt worden. Man hatte mit einer schnellen Entscheidung gerechnet, mittlerweile war die Kärntner Sonne bereits am Untergehen, 8

was Stefan Petzner sehnsüchtige Blicke aus dem Fenster werfen ließ. Die Essensknappheit schlug vor allem Josef Pröll, der es nur seinem legendären Geschick als Kommunikator verdankte, überhaupt noch am Leben zu sein (er hatte Maria Fekter davon überzeugen können, dass sie seit ihrem letzten Treffen ein, zwei Kilo zugenommen hatte), aufs Gemüt.

„Da Fiffla? Ficha ned! Ich meine: sicher ned!“, verwandelte der ÖVP-Chef seinen Teil des Tisches in eine weite Landschaft von Semmelbröseldünen mit vereinzelten Oasen aus Krakauer und Essiggurkerln. „Wer soll denn den wählen?“, setzte Pröll, nun seines der freien Rede hinderlichen vollen Mundes beraubt, lautstark fort. „Den kennt doch ka Schwein. Wenn ma Pech haben, steigt der no schlechter aus als die Rosenkranz und wie stehen wir dann da?“, entgegnete er dem erschrocken wirkenden Bucher.


„Ich find‘ das auch nicht gut, weil...“ ließ sich eine gedämpfte Stimme ein paar Meter entfernt vernehmen. „Ruhe!“, schrie Josef Pröll sofort in Richtung des Ecks zurück, in dem Staatssekretär Reinhold Lopatka schon seit dem frühen Nachmittag mit dem Gesicht zur Wand stand. Nach fünf Stunden fruchtlosen Brainstormings hatte dieser unachtsam ein launisches „Dann wähl ma halt den Sozi...“ in seinen nicht vorhanden Bart gemurmelt, woraufhin er vom obersten Schwarzen mit sofortiger Wirkung zum Stehen im Winkerl verdammt wurde. Essensabgabe freilich inkludiert.

„Wie weit seids ihr mit eurem Ausschuss?, frug Pröll entnervt in Richtung von Reinhold Mitterlehner und Ursula Haubner, die er vor zwei Stunden dazu abkommandiert hatte, mit Hilfe seines iPhones einen Pizzazustelldienst ausfindig zu machen, der Fahrzeuge mit Schneeketten im Inventar führt. „Noch nicht so weit“, lautete die verhaltene Antwort des Wirtschaftsministers. „Wir haben grad erst rausgefunden, wie man die depperte Tastensperre löst. Aber was wir bis jetzt mit Sicherheit sagen können ist, dass heut alle U2-Lieder im iTunes-Store um die Hälfte reduziert san. Und die Uschi meint, du solltest wieder einmal deine e-Mails lesen. Steht irgendwas Interessantes von wegen Verlängerung oder so drin.“

Mit geschlossenen Augen massierte sich Pröll zuerst die Schläfen und dann den rumorenden Bauch. „Alles Dilettanten“, dachte er bei sich. „Unterm Wolferl hätts des ned gegeben.“ Verärgert blickte er in die Runde. „Wer ist eigentlich auf die Schnapsidee gekommen, das Treffen hier abzuhalten, wo‘s nix zum Essen gibt?“ Bei dieser Frage lief, für das bloße Auge kaum erkennbar, Stefan Petzner unter seiner gut getoasteten äußeren Schicht rot an. „Ah, der Stefan, gute Arbeit,“ höhnte Pröll.

Indes starrten die meisten der übrigen Anwesenden Löcher in die Luft und waren tunlichst darauf bedacht, den friedlich vor sich hin dösenden Peter Westenthaler nicht zu wecken, um der stetig drohenden Gefahr zu entgehen, dass dieser sich zu Wort meldete. Beatrix Karl und Nikolaus Berlakovich, den alle hier nur freundschaftlich „Bärlauch“ nannten, weil sich auch nach monatelanger Regierungsarbeit irgendwie keiner imstande sah, seinen Namen zu merken, lösten zusammen das „Krone“-Kreuzworträtsel. Ein Umstand, der dem angesäuert dreinblickenden Herbert Scheibner am anderen Ende des Tisches sichtlich zuwider war. Hatte er sich doch seit dem Vormittag laufend dabei ertappt, in unsauberen Gedanken über die Wissenschafts-

ministerin zu schwelgen, die sich auf eine Art und Weise die Brille putzte, dass Scheibner Probleme bekam, Blut in die Region oberhalb seines Bauchnabels zu pumpen. „Hörts zu, das bringt ja olles nix mehr,“ sagte plötzlich Maria Fekter, die sich in Gedanken schon längst bei ihrer allabendlichen Doppelfolge „Law & Order“ befand. „Wir mochn des jetzt so: Jeder schreibt an Namen auf an Zettel, dann wird einer gezogen, drüber abgstimmt und fertig.“ Nach kurzer Besprechung über die weitere Vorgehensweise wurde Gerald Grosz‘ Notizblock, auf dem er einige Stunden zuvor begonnen hatte, seine Memoiren zu schreiben (bis jetzt feilte er noch an der Überschrift, zeigte sich aber vom Arbeitstitel „Von einem der auszog, ein großer Mann zu werden“ durchaus angetan), gewaltsam entwendet und zu Stimmzetteln verarbeitet. Und für kurze Zeit war es abgesehen vom emsigen Kratzen der Stifte still auf der Saualpe. Als Josef Pröll schließlich das erste Stück Papier aus dem offenstehenden Mund des immer noch schlafenden Peter Westenthaler zog, der kurzerhand zur Wahlurne umfunktioniert worden war, verfinsterte sich die Miene des mächtigen Schwarzen augenblicklich. „Von wem stammt dieser Vorschlag?“, wollte Pröll mit einer Stimme wissen, die dem Betreffenden ein grausames Schicksal vorausahnen ließ. Zitternd hob Stefan Petzner die Hand. „Da Stefan scho wieder. Du stellst di jetzt zum Lopatka ins Eck, aber ein bisserl pronto, bevor ich wirklich narrisch werd!“, donnerte der ÖVP-Chef. Geduckt und mit wehmütigem Blick schlich der derart Bloßgestellte vom Tisch. Plötzlich stieg Empörung in Josef Bucher auf. So redete niemand mit Leuten aus seiner Partei. Gut, meistens schon, aber der Pröll hatte sie schon den ganzen Tag tyrannisiert und ab und an, so hatte Bucher einem praktischen Ratgeber namens „Management for Dummies“ entnommen, muss ein Chef auch Leadership zeigen. In einem Anfall von heldenhaftem Mut, den er das letzte Mal empfunden hatte, als er Uwe Scheuch nach der Abspaltung der FPK des Nachts in die Lüftungsschlitze seines Autos gepinkelt hatte, riss er Pröll den Zettel aus der Hand. „Jetzt reicht‘s oba! Jeder macht an Vorschlag, hat‘s gheißen, und so schlecht kann der gar ned se...“ Buchers ganzer Körper stockte binnen eines Augenblicks, als der BZÖ-Chef auf das Stück Papier blickte. Einzig seine Kinnlade gehorchte für einige Sekunden den Gesetzen der Schwerkraft, ehe auch sie zum Stehen kam. Auf dem Zettel stand der Name Ewald Stadler geschrieben.

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Wegen des anhaltenden Erfolgs ihrer Plakatkampagnen („Daham statt Islam“) hat die FPÖ nun beschlossen, ihr gesamtes Parteiprogramm auch in Reimform anzubieten: Vernehmt, ihr Wähler (und auch -innen), was wir für euch zu tun gedenken und gebt uns fleißig eure Stimmen, damit wir die Geschicke lenken.

Aus der EU da wollen wir raus, wie ist egal, Hauptsache bald. Uns reicht in Wien das Hohe Haus, in Brüssel werden wir nicht alt!

Von Österreich, dem stolzen, schönen und seinen Bürgern groß und klein. An uns werdets euch bald gewöhnen, falls nicht, hat‘s halt nicht sollen sein.

Asylverfahren würden schneller, weil „Nein!“ ganz einfach schneller geht. Und weil‘s schön ärgert den Prophet, gäb‘ es statt Kebap Schwein am Teller.

Lang genug wars Land zerrüttet von rot-schwarzen Machtintrigen und Missständen, die wir bekriegen, auch wenn uns keine Sau drum bittet.

Und sind wir erstmal an der Macht, kann sich der Türke schnell verstecken. Dann rufen unsere deutschen Recken dem Muselman zu: „Gute Nacht!“

Kein Grüner und kein noch so schlauer linker Student würd‘ mehr was sagen. Kein Pröll, kein Pilz, kein Gusenbauer, allesamt raus mit diesen Plagen!

Wählt blau für unser schönes Land, das sagen wir noch einmal dreist. Wir werden reichen euch die Hand, weil unsere Ehre Treue heißt.

Habt ihr genug von dem Verfall und der Verrohung unserer Sprache? Wem‘s reicht mit diesem Wortsaustall, der wählt doch bitte HC Strache.

Eure FPÖ

Kein Facebook, Youtube oder Handy – nur deutscher Wortstamm wär erlaubt. Für Anglizismen wärs das Ende, selbst wenn das jetzt noch niemand glaubt.

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Grafik: Berghold, Karikatur: Strassengalerie

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Werte MitbürgerInnen! Werner Faymann, österreichischer Bundeskanzler und Parteivorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ), sucht sein verlorengegangenes Rückgrat. Eigenen Angaben zufolge hat es der Bundeskanzler erst kürzlich noch gesehen. Ein Diebstahl durch den Koalitionspartner und Klassenfeind kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Polemische Stimmen, wonach es dem Kanzler schon im Pflichtschulalter abhanden gekommen sei, sind allenfalls zu ignorieren. Das gesuchte Rückgrat hört auf den Namen „Flexi“, ist zumindest außen rot, circa einen Meter lang und in alle Richtungen äußerst biegsam. Sind Herausgeber einflussreicher Tageszeitungen in der Nähe, wird Flexis natürlicher Schutzreflex ausgelöst und es rollt sich von selbst ein. Außerdem mag es Kameras, Privatisierungen und langes Kuscheln. Der ehrliche Finder wendet sich bitte direkt an die SPÖ, Löwelstraße 18, 1014 Wien und wird dafür wahlweise mit einem zweistelligen Betrag aus der Wiener Parteikassa oder einem romantischen Abendessen mit Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas belohnt. Vielen Dank im Voraus,

Ihre SPÖ

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Heinzl!

Nur Mut, Prolactal! Solange sich Deine Krisenkommunikation derart beispiellos ausnimmt, besteht überhaupt kein Grund zur Sorge. Freilich, die paar Toten, die es nach Konsum Deines Quargels gab, sorgten eine Weile für schlechte Presse. Doch schnell hast Du die tatsächlich Schuldige an der Käsemisere ausgemacht: die deutsche Milch – ein regional treffsicherer Geniestreich! Denn nicht nur, dass die Beliebtheitswerte der nördlichen Nachbarn hierzulande ohnehin gegen Null tendieren, schnappten sie uns just zu dieser Zeit auch noch Medaillen im Skifahren bei den Olympischen Spielen weg. Das konnte einfach nur funktionieren. Und immerhin liest sich ja auch Deine Homepage noch immer wie eine einzige Erfolgsgeschichte: „Durch das von Prolactal patentierte Verfahren zur enzymatischen Lactosehydrolyse werden neben qualitativen Verbesserungen der Endprodukte auch wesentliche gesundheitliche Vorteile erzielt.“ Wir erlauben uns, Dir zu assistieren und zählen diese auf: wirkt Blutdruck senkend, beruhigt den Puls langfristig und befreit vom chronischen Zwang des Atmens. Ein Tipp noch fürs nächste Mal: auch die enormen steuerlichen Begünstigungen ansprechen! Deine Kommunikationsprofis von der

Wie schaffst Du es bloß, auf Papier noch um eine Potenz selbstverliebter als im TV zu erscheinen? Anlässlich des Wiener Opernballs nütztest Du Deine wöchentliche NEWS-Kolumne, um mit Thomas Gottschalk einen anderen Giganten der Unterhaltung für geistig Beschädigte durch den Kakao zu ziehen: „Nur 300.000 wollten Gottschalk auf ATV sehen, bis zu 854.000 entschieden sich für Heinzl. Vielleicht hätte er doch vor meiner Kamera mit mir reden sollen, um endlich wieder ein breites Publikum zu erreichen.“ Schon spitze, so ein Printmagazin, nicht? Da kann man sich hemmungslos selbst verbal die Eier kraulen, ohne dass wer etwas dagegen sagen könnte. So richtig ins Zeug legtest Du dich dann aber erst, als Du von Dieter Bohlen, der Dich für Alfons Haider gehalten hatte, als vermeintlich Schwuler geoutet wurdest: „Auch ich musste über so viel Keckheit lachen, verzichtete aber auf eine Richtigstellung, weil hierzulande das Gegenteil bekannt ist.“ Dein Verzicht auf die Richtigstellung nahm dann insgesamt auch nur schlappe 28 Zeilen in Anspruch. Und wer so reflexartig aufs Gegenteil pocht, bei dem lässt die Kindergartenargumentation herzlich grüßen. Kleiner Tipp, Heinzl: Mal den Hundefriseur wechseln, dann klappt‘s vielleicht auch mit dem Gottschalk hinter, ähm, vor der Kamera. Kecker Gruß,

Bildquellen: Wikimedia Commons (2)

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Übrigens, ÖBB, verarschen können wir uns auch selbst. Weil dass Du nicht wewsentlich pünktlicher bist als Deine Pendants in Indien, Pakistan und anderen, mit Österreich vergleichbaren Schwellenländern, ist ja nichts Neues. Aber wie Du Dein neues Entschädigungsmodell für Reiseverspätungen als „klaren Impuls für Kundenfreundlichkeit“ bewirbst, ist schon etwas zu viel der Dreistigkeit. Dieser nimmt sich nämlich wie folgt aus: „Aktuell bekommen die Kunden bei mehr als 60 Minuten Verspätung 25 % des Fahrpreises erstattet, bei mehr als 120 Minuten 50 %.“ Soll heißen, wenn wir, sagen wir, von Graz nach Wien wollen und der Zug kommt eineinhalb Stunden zu spät, werden uns imposante 3,75 Euro zurückerstattet, für die wir uns außerdem ein Formular organisieren und an irgendein Wiener Postfach – Briefkastenfirma lässt grüßen – schicken müssen. Sollte der Zug hingegen nur lächerliche 45 Minuten zu spät dran sein, können wir uns eine Entschädigung freilich aufzeichnen. Wenn so Kundenfreundlichkeit aussieht, alte Staatsbahn, plädieren wir bedingungslos für sofortige Einstellung jedweden Services. Deine Bummelzüge von der

Andi & Alex! Was den Staatsfunk dabei geritten hat, Euch beiden kulinarischen Knallköpfen, Euch Kapitalverbrechern gegen alles, was jemals auch nur an gutem Geschmack angestreift hat, einen Sendeplatz zur Verfügung zu stellen, ist uns nach wie vor völlig schleierhaft. Mit dem subtilen Humor und der geschliffenen Rhetorik eines durchschnittlichen Tiroler Bierzeltbesuchers am Samstag gegen vier Uhr Früh dilettiert ihr kochender Weise durch jeden einzelnen Nachmittag. Wäre Peinlichkeit nicht per se schon ein Substantiv, gäbe es jetzt sogar zwei davon.

Bitte, Andi und Alex, erklärt uns Euch doch mal. Was sollen beispielsweise die (Vorsicht, Fremdwort) permanenten Verniedlichungen Eurer Zutaten und Gerichte, wie „Torterl“, „Fischerl“ oder „Salaterl“? Und wieso weiß man bei Euch nie so recht, ob ihr zu viel vom Aroma spendenden Inländerrum, pardon, Rumerl getrunken habt, oder man selbst viel zu wenig? Ein kleines Prognoserl wagen wir dann aber schon auch noch: Wenn das ORFerl weiter Programmerl wie eures in das Ätherl spammt, wird es früher oder später garantiert ins Arscherl gehen. Darauf trinkt einen kräftigen Schluck:

Und finden Sie nicht, Eva Tepperberg, Ihres Zeichens Berufsschulinspektorin, dass wenn Sie sich schon in der Presse über Verallgemeinerungen von Lehrlingen echauffieren, Sie selber davon absehen sollten? „Mich stört immer ein bisschen, dass Lehrlinge gezielt als Neonazis dargestellt werden“, lamentieren Sie da, nur um sich einen Satz später selbst den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Aber natürlich, wenn man ihnen bestimmte Fragen stellt, sind sie eben nicht so eloquent oder ausweichend in ihren Antworten wie zum Beispiel AHS-Schüler und werden dann oft rechts dargestellt.“ Welche bestimmten Fragen das sein sollen und wer die eigentlich genau stellt, lassen Sie sicherheitshalber offen. Und mal ehrlich: Auch wenn die Krone oft sehr wohlwollend über Lehrlinge berichtet, wäre es nicht einmal uns in den Sinn gekommen, diese deswegen gleich als Neonazis zu bezeichnen. Dass Sie, Tepperberg, mit Ihrer Kritik bei den PresseRedakteuren, die ja auch stark darunter leiden, nicht so eloquent wie AHS-Schüler zu sein, offene Türen einrennen, ist uns freilich klar. Aber wenn Sie Ihre Berufsschulen genau so schlampig inspizieren, wie Sie undifferenziert mediale Missstände anzuprangern versuchen, liegt die Qualität der Lehre noch weiter im Argen, als wir uns dachten. Stets ausweichend:

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Karikatur: Strassengalerie

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noch nicht einmal, wo man anfangen soll. Es scheint, als wären Sie an jedem einzelnen Wirtschaftsskandal der Nachkriegszeit in irgendeiner Form beteiligt gewesen. Grasser: Also, ich bitt‘ Sie. Mit der AKH-G‘schichte, beispielsweise, hab‘ ich aber gar nix am Hut g‘habt, wie ich auch immer wieder bekräftigt hab‘. Querschau: Zu Baubeginn des Krankenhauses waren Sie aber auch erst vier. Grasser: Na, wenn Sie wüssten, wie ich schon damals diese kleinen Krämerläden für Kinder gschupft hab‘, da war das Nulldefizit ein Lercherl dagegen...

Mit Karl-Heinz Grasser und Graf Alfons Mensdorff-Pouilly stellen sich zwei von Österreichs aufrechtesten Bürgern unserem schonungslosen Doppelinterview. Querschau: Karl-Heinz Grasser, Graf Alfons Mensdorff-Pouilly, erst einmal herzlichen Dank, dass Sie sich zu diesem Doppelinterview bereit erklärt haben. Karl-Heinz Grasser: Nichts zu danken. Für mich und auch für den Graf Ali hier ist des eine willkommene Gelegenheit, endlich mal mit ein paar bestehenden Vorurteilen aufzuräumen. Querschau: Und zwar? Alfons Mensdorff-Pouilly: Sowohl der Karl-Heinz als auch meine Wänigkeit wärden von där Öffentlichkeit gärne zu Sündenböcken abgästämpelt. Und beide können wir uns beim bästen Willän nicht erklären, warum das so ist. Querschau: Nein? Mensdorff-Pouilly: Nein. Was haben wir dänn bitte Unrächtes gätan? Querschau: Nun gut. Herr Graf Mensdorff-Pouilly... sagen Sie, kann ich einfach Mensdorff sagen? Mensdorff-Pouilly: Aber nur ausnahmsweise. Sie wissen, jungär Mann, ich legä Wärt auf Ätiquätte... Querschau: Also, Mensdorff, Ihnen werden Verschwörung zu Korruption und Schmiergeldzahlungen angelastet. Und Herr Grasser... tja... bei Ihnen weiß man

Querschau: Ja, ich kann‘s mir lebhaft vorstellen. Haben Sie sich eigentlich gar nichts vorzuwerfen? Grasser: Hmm... vor zwei Jahren musste ich leider ein sehr interessantes Angebot von diesem süditalienischen Familienunternehmen ausschlagen. Man sagte mir, ich sollte als Schnittstelle in den Osten fungieren. Querschau: Warum ist da letztlich nichts zustande gekommen? Grasser: Ich war zu dieser Zeit bereits sehr erfolgreich bei einer anderen florierenden Firma, der Meinl International Power, tätig und wollte die Anleger, die ihr Vertrauen in mich gesetzt hatten, nicht enttäuschen. Querschau: Das dürfte dann ohnehin der Verlust ihres Geldes erledigt haben. Und sonst bereuen Sie nichts? Grasser: Naja, es gab da noch diese eine Weihnachtsfeier der Regierung anno 2004, wo mich die Liesl Gehrer so ang‘schaut hat, ich sag‘s Ihnen. Leider hat mir an dem Abend der Gorbach den Anzug vollgspieben, da war der Riss auch dahin. Das wär‘ meine ganz private Bildungsoffensive geworden, wenn‘S verstehen... Querschau: Herr, steh mir bei... Mensdorff-Pouilly: Ah, Sie sind auch gläubig? Querschau: Gerade eben geworden. Aber das bringt mich wenigstens zur nächsten Frage: Die Regierung Schüssel hat den Neoliberalismus in Österreich vehement vorangetrieben. Herr Grasser, Sie waren damals Finanzminister. Nach dem Platzen der Finanzblase und dem weltweiten Ausbruch einer Krise: Finden Sie aus heutiger Sicht, dass das ein Fehler war? Grasser: Nein, denn wo kämen wir denn da hin, wenn Leute bezahlt würden, ohne etwas zu leisten? Querschau: In die Politik? Grasser: Sehr lustig. 17


Mensdorff-Pouilly: Auch ich kann einer Leistungsgäsällschaft nur Positiväs abgewinnen. Ich habä mir meinen Wohlstand ja auch rädlich erarbeitet. Querschau: Ich dachte, Sie wären adelig geboren und hätten reich geerbt? Mensdorff-Pouilly: Schon, aber das soll mir ein anderer ärstmal nachmachän. Querschau: Nun, wie man hört, laufen die Geschäfte seit Ihrer U-Haft in London ohnehin nicht mehr allzu gut. Mensdorff-Pouilly: Das stimmt, aber man muss auch sagen, dass meinä Branchä imagetechnisch därzeit nicht so gut dastäht. Querschau: Sie sind Waffenlobbyist. Mensdorff-Pouilly: Ja, mir ist äs auch ein Rätsel, was der Pöbäl daran anstößig findet. Grasser: Du, Ali, ich denk‘, da könnt ma schon wos machen. Ich kenn da eine PR-Agentur, ich sog‘s dir, die sind mit allen Wassern gewaschen. Finanzieren lossn wir die Kampagne einfach von...

„Domi“, hab ich zu ihm immer gesagt, „du kannst mich ja filmen...“ Querschau: … aber? Grasser: Nichts aber, das war‘s. Er hat‘s gemacht und jetzt hat er einen Job beim ORF. Querschau: Grundgütiger... zum Abschluss, Mensdorff, weil ich verlier‘ schön langsam Contenance und Verstand hier: Sie waren schon hinter Gittern, beim Herrn Grasser ist es wohl nur mehr eine Frage der Zeit. Haben Sie irgendwelche Tipps für ihn? Mensdorff-Pouilly: Stäts genügend Baräs für Kautionen auf die Seite legän. Und die Frisur darf so nicht bleibän. Grasser: Warum? Die Fiona hat gemeint, das schmeichelt meinem Hinterkopf. Mensdorff-Pouilly: Äben...

Querschau: Meine Herren! Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich hier nicht zum Mittäter machen würden und Ihre Geschäfte später besprechen könnten. Grasser: Wieso? Transparenter als bei diesem Briefkasten-Hedgefonds auf den Osterinseln geht’s wirklich nirgends mehr zu. Also, was sagst, Ali? Mensdorff-Pouilly: Lobbying fürs Lobbying. Ein brillantär Einfall, Karl-Heinz! Grasser: Gell? Das hat der Wolferl auch immer gemeint, wenn ich ihm meine neuesten Privatisierungspläne auf den Tisch knallt hab. Über mein Honorar bei der ganzen Sache müss ma halt noch reden. Querschau: Auch wenn ich mich jetzt ein womöglich ein wenig weit aus dem Fenster lehne, aber Geschäfte wie diese sind wohl der Grund, wieso Sie manche lieber in schwarz-weißen Querstreifen statt im Nadelstreif sehen würden... Mensdorff-Pouilly: Ich muss sagen, Sie sind ein gar unflätiger junger Härr. Es schlägt mir schon seit längerem aufs Gämüt, dass die Mädien immer dreister wärden. Mäßigen Sie sich doch ein wänig. Grasser: Der Graf hat Recht. Unterm Wolferl wär‘ das nicht möglich g‘wesen, dass da der siebte Zwerg von links zum Aufmucken anfangt. Ich geb‘ Ihnen einen Tipp: Wenn Sie als Journalist ein wenig kulant sind, hat das auch für Sie nur Vorteile. Das hab‘ ich ja sogar dem Heinzl beigebracht: Karikatur: Strassengalerie

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„Die Schlussoffensive der Reds brachte keine Erlösung, auch weil Dirk Kuyt in der 96. Minute an die Innenseite der Kreuzlatte köpfte.“ Auch wenn wir nicht mit Sicherheit sagen können, wen oder was die APA mit „Kreuzlatte“ meint, finden wir Lynchjustiz nicht mehr besonders en vogue.

„In Summe geht diese Führung für Österreich hier in Führung.“ Thomas König reduziert im ORF die Leistung des Nationalteams gegen Dänemark auf das Wesentliche.

„Bärlauch-Saison beginnt – Verwechslungsgefahr“, „Grüne fordern Entschädigung bei Missbrauchsfällen“ So viel Humor, diese beiden Überschriften direkt untereinander zu platzieren, hätten wir MSN Österreich gar nicht zugetraut.

„,ZiBs‘ im Februar: Koalition lässt wenig Ton für Opposition“ Harald Fidler springt für unsere Reihe „Assonanzen, die die Welt nicht braucht“ in die Bresche.

„Menschen können ihre Handys benutzen, um in einem Augenblick überallhin in die Welt Kontakt aufzubauen.“ Erstaunlich, erstaunlich, Queen Elizabeth II. Und jetzt sagen Sie bloß noch, mit Autos könne man große Distanzen leichter überwinden als zu Fuß.

„Slowene übernimmt Kärnten“ Die Sportredaktion von standard.at läutet den Untergang des Abendlandes ein.

„Doch der Film handelt nicht nur vom Kampf der ,Indianer‘ gegen die ,militärische Hochtechnologie‘. Genauso lässt er zwei Technologien gegeneinander antreten.“ In seinem Eifer um den Film „Avatar“ bleibt der Sinn in Klaus Theweleits Spiegel-Essay zumeist außen vor.

„Alle Gruppen müssen zur Finanzierung der Krise beitragen.“ Richtig erkannt, Franz Prettenthaler, und gleich von NEWS verbreiten lassen: Die Devise muss heißen „Feuer mit Feuer bekämpfen“.

„Hansi Hinterseer geht es sicher bärig gut, Michael Jackson ist bekanntlich seit dem 25. Juni 2009 tot.“ Herwig G. Höller (Falter) hätte gut daran getan, dem Punkt den Vorzug gegenüber dem Beistrich zu geben.

„Im Mittelpunkt der Affäre steht ein ,Cafe Zaman‘ genannter Nachtclub in Paris, in dem nach Angaben aus Ermittlerkreisen minderjährige Prostituierte arbeiten. In dem Etablissement verkehren demnach regelmäßig Fußball-Profis.“ Treffender und schöner als der Standard kann man die Aktivitäten der Kicker wohl wirklich nicht mehr beschreiben.

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Msn.com! Was genau erhofftest Du Dir von folgender OnlineUmfrage, die Du anlässlich eines freizügigen (so nennt man das in der bunten Welt des Boulevards) Auftritts von Carla Bruni auf Deine Startseite zwängtest? Dürfen wir, katholische Kirche,

„Was denken Sie: Ohne BH zum Staatsbankett zu gehen ...

mal darum bitten, die Dämme etwas langsamer brechen zu lassen? Nicht dass Du uns falsch verstehst: Wir wollen jetzt sicher nicht in den jammernd-moralisierenden Grundtenor, den die meisten Medien angestimmt haben, einsteigen oder mit dem entblößten Finger auf Dich zeigen. Wir wüssten ja auch überhaupt nicht warum. Diese gerade einmal 70, 80 Fälle, wo Deine Vertreter der Fleischeslust gefrönt haben, aufgeteilt auf -zig Personen, mehrere Länder und etliche Jahre – wenn das nicht zölibatär ist, ja was dann?

... ein absolutes No-Go ... bringt wenigstens ein bisschen Spannung rein ... ist völlig okay“ Da der Großteil Deiner User vermutlich nicht allwöchentlich zu internationalen Galadiners geladen ist, die Relevanz der erhaltenen Ergebnisse ergo gegen Null tendiert, hätten wir die Umfrage ganz anders gestaltet: „Was denken Sie: Die Nippel von der Bruni sind...

Die Sache ist nur die, dass wir aufgrund der dominoartigen Frequenz der Enthüllungen schön langsam den Überblick verlieren. Egal ob in Bayern, Niederösterreich oder im Vatikan: Bei jedem Stift und jeder Pfarre, an der wir vorbeikommen, sind wir uns nicht mehr sicher, ob dort Kinder geschlagen, gestreichelt oder doch gezeugt wurden. Also hilf uns doch ein bisschen, Kirche, und halte ein wenig besser dicht. Wir wissen, dass Du das kannst.

… geil … wirklich geil … ich steh auf Männer“ Das hätte nämlich zumindest ein bisschen Spannung reingebracht. Bei jedem Bankett ohne BH:

Im Übrigen, Google,

Enthaltsame Grüße,

würde uns mal interessieren, ob irgendwo in den Tiefen des Internets, also jenseits von Deinen diversen Diensten wie Google Maps, Google Earth, Google Chrome, Google Street View oder Google Books irgendwo ein verhutzeltes kleines Männchen, ein Mr. Google, in einer verrauchten, kleinen Kammer vor 37 Bildschirmen sitzt und durch Karikatur: Strassengalerie

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zentimeterdicke Brillengläser die ganze Welt betrachtet? Und wenn ja, wie sieht denn die Welt aus Google-Perspektive (was, nebenbei bemerkt, ein interessanter Namensvorschlag für ein weiteres Online-Angebot ist) eigentlich so aus? Hat man da quasi eine Webcam in jeder Wohnung dieser Welt oder läuft das ohnehin nur mehr alles über die Matrix? Und nur damit wir uns richtig verstehen: Wir haben kein Interesse daran, hier die große Moralkeule auszupacken, im Gegenteil. Das hört sich in unseren Ohren nach einer ganzen Menge Spaß an! Betrachte dies also als unser offizielles Bewerbungsschreiben für die Stelle als Mr. Googles Sekretär, Stellvertreter, Großinquisitor oder was auch immer. Denn wenn schon jemand die Weltherrschaft an sich reißt, dann sollten wir in jedem Fall ein Wörtchen mitzureden haben.. Stets auf der Suche nach totalitären Jobs:

Mario Barth! Daran, dass Sie vor 70 000 Leuten im Berliner Olympiastadion auftraten, erstaunte uns nichts mehr als die Tatsache, dass die Menge an Sehern von deutschen Privatsendern und Hartz IV-Empfängern tatsächlich nicht deckungsgleich ist! Immer noch sprachlos:

Und noch einmal, MSN.com, Du ewiges Quell nicht enden wollender, digitaler Stumpfsinnigkeiten, müssen wir uns fragen, was im Oberstübchen derer, die dich tagtäglich verbrechen, los war, als sie folgende Online-Umfrage erstellten: „Wer ist die sexiest deutsche Soaplady?“ Wir tippen mal auf Tippfehler. Also bitte teile uns doch mit, was denn eigentlich gemeint war: „Wer sind die Sexisten, deutsche Soaplady?“ oder doch „Was ist die sexieste deutsche Oblate?“ Wir hätten dann auch noch eine Umfrage für Dich: Was ist das stupidest deutsche Internetportal? Richtig! Deine Soapladies von der

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Der Wettbewerbsdruck unter den Videospielherstellern treibt mitunter skurrile Blüten. So auch, als Hugo Chavez, seines Zeichens Dikta... Präsident Venezuelas, kürzlich gegen die Industrie ins mediale Feld zog. „Diese Spiele, die sie ,Playstation‘ nennen, sind Gift“, hieß es da. Seine Begründung: Kapitalistische Länder verkaufen Videospiele, in denen Städte zerbombt werden, um Gewalt zu säen und in weiterer Folge Waffen verkaufen zu können. Chavez' Ausdruck der Sorge um die Volksgesundheit stellte einen Affront dar, den die drei großen am Konsolenmarkt natürlich nicht unbeantwortet lassen konnten:

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Grafik: Berghold, Bildquelle: Wikimedia Commons

Kazuo Hirai (Sony / Playstation 3): Es war kein schöner Morgen für Kazuo Hirai gewesen. Der Himmel über Tokio war grau, dicke Regenwolken hingen über der Stadt. Das Geschäftsessen inklusive ausgiebigem Umtrunk mit ein paar Europäern gestern Abend hatte nicht, wie erhofft, im Bordell geendet, nachdem der Eine (Wie hieß er noch schnell? Gasser oder so ähnlich?) in gebrochenem Englisch gemeint hatte, er müsse nach Hause zu seiner Gattin aus Kristall – offenbar eine westliche Metapher, die Hirai auch im nüchternen Zustand nicht wirklich verstand. Dementsprechend griesgrämig war der Sony-Boss, als er wie jeden Morgen im Büro die Wirtschaftsteile ausgesuchter Qualitätsmedien wie der „New York Times“, des „Economist“ oder der „Frau im Spiegel“ durchblätterte. Und dann auch noch das. Da hatte dieser Schmalspurkommunist Chavez, dieser Fidel für ganz, ganz Arme, doch tatsächlich die Playstation öffentlich beschimpft. Gift? Gewalt säen? Das durfte doch alles nicht wahr sein. Zeit für Gegenmaßnahmen, der fette Ballmer in Washington wetzte sicher schon sein Messer. Da war es geboten, keine Zeit zu verlieren. Mittels Gegensprechanlage verlangte Kazuo Hirai nach seinem Pressesprecher. Wenige Minuten später betrat ein müde aussehender junger Mann das Büro. „Nehmen Sie doch Haltung an“, wies Hirai den Mann zurecht. „Als ich in Ihrem Alter war, konnte ich die ganze Nacht trinken, ohne dass es Auswirkungen auf meine Arbeit gehabt hätte. Und damals genoss noch keiner den Luxus einer 80-Stunden-Woche.“ Verweichlichte Generation heutzutage, dachte der Sony-Chef, vielleicht sollte er doch

diesen Gasser fragen, ob er Interesse an einem Job hatte, der wirkte kompetent und durchaus vertrauenswürdig. „Also“, riss sich Hirai aus seinen Gedanken, „schicken Sie folgende Erklärung aus: ,Die Firma Sony weist die linksanarchistische Kritik, wonach ihre Videospiele Gewalt verherrlichen, entschieden von sich. Beispiele gegen diese infame Verleumdungskampagne gibt es zur Genüge: So geizt etwa das für sein nachgerade pazifistisches Gameplay bekannte ,Killzone 2' nicht mit berührenden Momenten für die ganze Familie über 18 Jahren. Auch das pädagogisch äußerst wertvolle ,God of War 3‘, im Zuge dessen man die Anatomie von jedem möglichen und unmöglichen Lebewesen per Knopfdruck aufs Genaueste untersuchen kann, stillt allerhöchstens den Forscherdrang, nicht aber eine vermeintliche Blutlust der Spieler. Des Weiteren möchte die Firma Sony höflichst darauf hinweisen, dass der Chavez aber so was von überhaupt keine Meldung frei hat.‘“ So, das sollte für den Anfang genügen, dachte Kazuo Hirai, während sich der Pressesprecher aus dem Raum schleppte. Zur Sicherheit vielleicht noch ein limitiertes „Peace Pack“ der Playstation mit auf den Markt werfen, nur um der sicher exorbitant steigenden Nachfrage aufgrund der Medienpräsenz entgegenzuwirken. In jeder Krise eine Chance sehen, so lautete Hirais Devise. Und wer würde sich schon von einem dahergelaufenen Mexikaner das Geschäft kaputt machen lassen?

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Steve Ballmer (Microsoft / Xbox 360): Es war ein schöner Morgen für Steve Ballmer gewesen. Der Himmel über Redmond, Washington war strahlend blau, als sich der CEO von Microsoft aus den Federn erhob. Der Blick in den Morgenspiegel offenbarte Wunderbares, denn Ballmer war sich sicher, drei Haare mehr als gestern auf seinem Haupt ausmachen zu können. Der Weg ins Büro wurde ihm wie immer von seinem Chauffeur Richard versüßt, der dem Firmenchef in der vergeblichen Hoffnung auf Erhöhung des Gehaltes auf den Mindestlohn allmorgendlich einen Donut mitbrachte. Schließlich an seinem Arbeitsplatz angelangt, signalisierte Ballmer ein kleiner Brief (so hatte er das kürzlich in einem eigentlich auf Senioren getrimmten Technik-Abendkurs erlernt) auf dem Display seines Mobiltelefons, dass er eine SMS erhalten hatte. Der Chef des größten Softwarekonzerns der Welt mochte SMS. Da wusste man nie, was man bekam. Seine Freude stieg in unermessliche Sphären, als er die erhaltene Information nach und nach in Erkenntnis umwandelte: Hugo Chavez hatte Sonys Playstation als Gift bezeichnet! Die Gelegenheit, dem Chef des konkurrierenden Unternehmens eins auszuwischen, schien günstig wie lange nicht. Voller Tatendrang rief er seinen Pressesprecher an: „Junge, haben Sie die Zeitung gelesen?“, überfiel er ihn grußlos. „Sehr schön. Jetzt sehen Sie mal zu, wie der Profi so was macht. Notieren Sie: ,Entscheidung gefallen‘, das ist die Überschrift. ,Die Xbox 360 hat den Kampf der Konsolen endgültig für sich entscheiden können. Nicht nur, dass die Maschine aus dem Hause Microsoft leistungsfähiger, schöner und biologisch 24

leichter abbaubar ist als die Konkurrenz, haben venezolanische Experten jetzt bewiesen, dass die Benutzung der Playstation 3 bleibende gesundheitliche Schäden hinterlässt. So wurde in den Controllern der japanischen Konsole der Stoff Chavezin gefunden, der eine ähnliche toxische Wirkung wie das Gift des Kugelfisches hat. Playstation-Besitzern wird dringend empfohlen, ihre Geräte beim nächsten Sondermülldepot zu entsorgen und sich adäquaten Ersatz zu holen. Microsoft bietet im Zuge dessen jetzt für kurze Zeit die limitierte „Health Pack“-Edition der Xbox 360 an. Deren einzige Nebenwirkung: Spielspaß ohne Ende.‘ Dann packen Sie noch einen schönen Briefkopf drauf, mein Sohn, und senden es an sämtliche Medien im Verteiler“, schloss der Microsoft-Chef, klappte sein Mobiltelefon zu und lehnte sich zufrieden in seinem gut gepolsterten Ledersessel zurück. Was für ein Coup! Wenn er so weitermachte, dachte er bei sich, würde der Name Bill Gates bald nicht mehr als eine Randnotiz in Microsofts Firmenhistorie sein. Die paar Bits und Bytes, die Gates da erfunden hatte und von denen Ballmer noch immer nicht überzeugt war, dass sie auch wirklich existierten, waren so revolutionär nun wirklich nicht gewesen. Schon gar nicht im Vergleich zu den ausgefeilten wirtschaftsstrategischen Winkelzügen, mit denen ER die Softwarewelt durcheinanderwirbelte wie ein ordentlicher Taifun die ganzen Wellblechhütten der Japsen. Die Gelegenheit erkennen und sie sogleich beim Schopfe packen, so lautete Ballmers Devise. Und wer würde sich schon von einem dahergelaufenen Neger das Geschäft kaputt machen lassen?


Bildquellen: Wikimedia Commons (2)

Satoru Iwata (Nintendo / Wii): Es war ein Morgen wie immer für Satoru Iwata gewesen. Wie das Wetter in Kyoto war, konnte er schon länger nicht sagen, denn der Nintendo-Boss saß mittlerweile den ganzen Tag in seinem abgedunkelten Großraumbüro und schlug die Zeit mit Facebook tot. Zu tun hatte er nicht mehr sonderlich viel, seit die Wii auf den Markt gebracht wurde. Das Geschäft mit der Casual-Konsole für jedermann lief praktisch von selbst. Die einstige Kernzielgruppe, bestehend aus Männern zwischen 15 und 35 Jahren, hatte sich binnen kürzester Zeit auch auf Frauen, gelangweilte Pensionisten, sportliche Obdachlose, Bürger von Schwellenländern auf der Suche nach einem Hauch von Luxus und einige intelligentere Affenarten ausgeweitet. Kein Spiel konnte schlecht genug sein, um nicht von Nintendos PR-Abteilung erfolgreich als Partyspaß oder Fitnessgerät verkauft zu werden.

aber eigentlich war es ihm auch egal. Er konnte nicht mit Sicherheit sagen, wer dieser Chavez war und seit wann sich im Nintendo-Sortiment etwas namens Playstation befand, aber das war alles nichts, das ihn vor gröbere Probleme stellte. Die drohende Arbeit erkennen und sie auf andere abwälzen, so lautete Iwatas Devise. Und wer würde sich schon von einem dahergelaufenen Ami das Geschäft kaputt machen lassen?

Aus ebendieser platzte nun ein atemloser junger Mitarbeiter in Iwatas Büro. „Hugo Chavez hat die Playstation als Gift bezeichnet“, keuchte er. „Und weiter?“, entgegnete der Nintendo-Chef, der schon seit Monaten in seiner eigenen Realität zwischen Erdbeeranbau in „Farmville“ und dem Stalken von hoffentlich leicht zugänglichen Schulfreundinnen seiner Nichte weilte, geistesabwesend. „Sollen wir daraus nicht irgendetwas machen?“, wollte der junge Pressesprecher wissen. „Hmm... vielleicht... ja...“, überlegte Iwata. „Packt einfach ein Balance Board dazu und verkauft es als Fitnesstrainer.“ Das unverhohlene Kopfschütteln seines Mitarbeiters beim Hinausgehen wusste Iwata zwar nicht so recht zu deuten, 25


Andreas Unterberger!

Regina Bruckner! Ihrem ellenlangen Standard-Beitrag über neue Arbeitsplätze in der Umweltbranche, so genannten „Green Jobs“, ist zwar an sich erschreckend wenig Wissenswertes zu entnehmen, dafür setzen Sie uns wenigstens über Ihre recht eigenen Vorstellungen von Gleichberechtigung ins Bild: „Schwerpunkte der Umweltbeschäftigung seien vor allem Dienst- und Bauleistungen für die Abfallentsorgung (…). Nicht überraschend sei so gesehen der hohe Ausländeranteil bei den Umweltbeschäftigten; und dort, wo es wirklich dreckig und ungesund wird, nämlich bei der Müllsortierung, der hohe Frauenanteil von rund 20 Prozent.“ Soll heißen: Die dreckige und ungesunde Arbeit hat nicht nur zum überwiegenden Teil, sondern gefälligst allesamt von Männern verrichtet zu werden, in lukrativeren Branchen hingegen wäre eine Frauenquote von 20 Prozent freilich höchst diskriminierend. Eine Ansicht, der wir bei näherer Betrachtung allerdings durchaus etwas abgewinnen können. Wie wäre es beispielsweise, den Frauenanteil im per se schon dreckigen und ungesunden Journalismus um ein Promill zu senken, um, sagen wir, Sie? Ist vehement gegen eine Bruckner-Quote:

Dass nicht einmal mehr die öffentlich finanzierte Wiener Zeitung bereit war, Ihnen für Ihr reaktionäres Geschreibsel etwas aufs Konto zu überweisen und Sie als ihr Chefredakteur abgesetzt wurden, sagt zwar einiges aus, tat Ihrem Mitteilungsbedürfnis aber leider keinen Abbruch. Flugs ließen Sie ein Blog erstellen, damit Ihnen Ihre eingefleischten Fans, deren Zahl mit Sicherheit an der Zweistelligkeit kratzt, auch weiterhin folgen können. Weil Ihnen aber offenbar schön langsam die Kohle ausgeht, richteten Sie unlängst einen herzzerreißenden „Appell an die Freunde des Tagebuchs“, in dem Sie um die Überweisung eines Unkostenbeitrags baten, da sonst das „Angebot nicht fortgesetzt“ werden könne – fraglos ein immenser Verlust für die gesamte Republik. Schließlich soll Ihr Weblog ein Indikator dafür sein, wie stark die „Sehnsucht nach einer Gegenstimme zum grün-linksliberalen Mainstream“ und wie groß das „wachsende Interesse an wirtschaftsliberalen und wertkonservativen Positionen“ hierzulande wirklich ist. Wie man liberal wirtschaftet, leben Sie uns dann auch vor, indem Ihr Beitrag zum WWW, mit Ihnen als einzigem Autor, von geradezu läppischen sechs Personen gewartet und administriert werden muss. Ein bisschen beleidigt sind wir jetzt schon. Denn mal ehrlich, Unterberger: Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie uns unsere ganze Arbeit abnehmen wollen. Darauf schließen lässt dann auch Ihre finale Bitte, nicht mehr als 1200 Euro zu überweisen, man wolle schließlich „von Geldgebern unabhängig bleiben“. Wir stellen anerkennend fest: Bei Ihrer geballten Dreistigkeit bedarf es eigentlich keiner Satire mehr. Kämpferisch, wie wir nun einmal sind, werden wir uns dennoch nicht der Beschäftigungslosigkeit hingeben. Da erstellen wir doch lieber ein Blog. Überweist 1201 Euro:

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Da geschehen doch noch Zeichen und Wunder, NEWS! Für Deine gewohnt nüchtern-sachlich aufbereitete Geschichte namens „Familientragödien: Mord als ,Lösung‘“, die Du dann auch angemessen dezent mit einer blutverkrusteten Axt auf Doppelseite bebilderst, lässt Du Deinen „Experten“ offenbar so viel Spielraum, dass Sie frei von der Leber „Verdummende Medien. Scheinwelten statt Realität“ als Grund für Amokläufe aller Art angeben können. Und was genau, Österreich, ging im triebgesteuerten Oberstübchen Deines „Society-Insiders“ Norman Schenz vor, als er die Schlagzeile „Doherty kommt ins Grazer Porno-Kino“ entwarf?

Dein feiner Sinn für subtilen Humor, liebstes NEWS, ist uns ja hinlänglich bekannt. Schließlich wird noch immer jedes Deiner Cover vom Wörtchen „Nachrichtenmagazin“ geziert. Aber dass wir auch Dir einmal zur Selbsterkenntnis, die bekanntlich der erste Weg zur Besserung ist, gratulieren dürfen, hätten wir uns wirklich nicht träumen lassen. Positiv überrascht:

Will‘s eigentlich überhaupt nicht wissen:

Deine Familientragödien von der

Aber, aber, Peter Gnam,

Was haben wir gestaunt, Spiegel Online,

wer wird denn da immer gleich das Schlechteste annehmen? Rechtzeitig zur Ernennung von Barbara Rosenkranz als FPÖ-Präsidentschaftskandidatin assistieren Sie in der Kronen Zeitung Ihrem greisen Herausgeber, indem Sie vermeintlich bevorstehender Kritik an der Rechtspolitikerin gleich prophylaktisch den Marsch blasen: So wettern Sie gegen die „Sudelkampagne der vereinigten linken Medienlandschaft gegen Rosenkranz, bei der über die Namen ihrer zehn Kinder, ihre EU-kritische Haltung und ihre Vorbehalte gegenüber Ausländern“ hergezogen werden wird.

als wir den Artikel „Konservative haben geringeren IQ“ in Dir lasen. Nicht, dass wir uns nicht bestätigt fühlen würden, aber die Art und Weise, wie Du sowohl Deine Stammkundschaft als auch den Großteil Deiner Redakteure vor den Kopf stößt, finden wir sensationell!

Und dabei würde uns so etwas doch im Traum nicht einfallen! Beten wir doch selbst praktisch pausenlos Rosenkränze für die Deportation von Gesindel aller Art und den Bau einer Mauer rund um Österreich, damit unsere zehn Nibelungen im Kindergarten endlich friedlich Blitzkrieg spielen können. Strammer Gruß,

Ausnahmsweise anerkennende Grüße,

Ihre vereinigte linke Medienlandschaft von der

Bildquellen: Wikimedia Commons (2)

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Bildquelle: Wikimedia Commons

Freunderlwirtschaft beim ORF? Aber mitnichten! Alle Bewerber werden auf Herz und Nieren geprĂźft und ausschlieĂ&#x;lich aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz eingestellt, wie auch der knallharte Aufnahmetest beweist: 28


Eignungstest Wofür steht die Abkürzung ORF?

✎ ✎ ✎ ✎

Österreichischer Rundfunk (3 Punkte) Ohne Reue Fernsehen (1 Punkt) Öffentlich-rechtliche Frechheit (0 Punkte) Ordinärer Rapid Funk (1 Punkt)

Was ist für Sie die beste Informationssendung im deutschsprachigen Raum?

✎ ✎ ✎ ✎

Zeit im Bild (1 Punkt) Tagesschau (0 Punkte) ATV Aktuell (-2 Punkte) Chili TV (5 Punkte)

Gute Programmplanung beinhaltet,

✎ dass anspruchsvolles Programm, insbesondere in den Bereichen Politik und Kultur, geboten wird (0 Punkte) ✎ dass billigen amerikanischen Comedy-Serien in jedem Fall der Vorzug vor teuren und in Wahrheit uninteressanten Dokumentationen, Features und Hintergrundberichten zu geben ist (2 Punkte) ✎ dass Rosamunde Pilcher, Barbara Karlich und Vera Russwurm auf getrennten Sendeplätzen zu positionieren sind, um die Quoten hoch zu halten (4 Punkte) ✎ Wieso planen? Das steht ja eh schon vorher alles in der Zeitung. (0 Punkte)

Meine größten Stärken sind

✎ Charme und unverschämt gutes Aussehen (1 Punkt) ✎ Genauigkeit und Kritikfähigkeit (0 Punkte) ✎ läsen und schraiben (1 Punkt) ✎ Unterwürfigkeit und Fokus auf Karriere (2 Punkte)

Nennen Sie die Ihrer Meinung nach wichtigsten drei Accessoires eines guten Reporters:

✎ Notizblock, Stift und Mikrophon (0 Punkte) ✎ Krone, Österreich und Bild Zeitung (1 Punkt) ✎ Zipfer Märzen, Grüner Veltliner und Jägermeister (2 Punkte) ✎ Selbstgefälligkeit, joviales Auftreten und Hunger bei Pressekonferenzen (4 Punkte)

Öffentlich-rechtlich bedeutet für mich,

✎ dass Richtersendungen im Programm vorgeschrieben sind (0 Punkte) ✎ dass der Staat eh für alles zahlt (1 Punkt) ✎ dass der Staat eh für alles zahlt und man trotzdem Werbeeinnahmen lukrieren kann (3 Punkte) ✎ Was, das gibt es auch in Österreich? (0 Punkte)

Politisch stehe ich

✎ dem System sehr kritisch gegenüber (0 Punkte) ✎ meistens ziemlich daneben (1 Punkt) ✎ stets auf Seiten der aktuellen Bundesregierung (4 Punkte) ✎ unter Verfolgung (0 Punkte)

Nennen Sie zwei bedeutende österreichische Qualitätsjournalisten:

✎ Rainer Pariasek und Herbert Prohaska (1 Punkt) ✎ Michael Jeannée und Dominic Heinzl (2 Punkte) ✎ Günter Traxler und Rainer Nikowitz (-2 Punkte) ✎ Alles Arschlöcher! (1 Punkt)

Die Rundfunkgebühr über 20 Euro im Monat empfinde ich als

✎ ✎ ✎ ✎

angemessen (1 Punkt) zu hoch (0 Punkte) zu niedrig (3 Punkte) Hä? Gebühren? (-5 Punkte)

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Ihr Ergebnis 0-10 Punkte:

21-30 Punkte:

Es tut uns leid, bei Ihnen hat es leider nicht für die nächste Runde gereicht. Ehrlich gesagt langt Ihr bescheidenes Wissen nicht einmal für die Wetterprognose auf TW1, von ihrem verqueren Kindergarten-Idealismus noch ganz zu schweigen. Wir können Ihnen nur allerwärmstens empfehlen, sich bei der Konkurrenz zu bewerben, Sie täten uns damit wirklich einen großen Gefallen. Ansonsten dürfte es in der Politik bestimmt einen Posten geben, der wie für Sie geschaffen ist. Landeshauptmann von Kärnten zum Beispiel.

Gratulation, ein Spitzenergebnis! Mit Ihrer fachlichen Kompetenz und Ihrer ideologischen Flexibilität eignen Sie sich vom Informationsdirektor abwärts für praktisch alle Posten, die es im ORF gibt. Genauer gesagt sind Sie sogar zu qualifiziert für eine Stelle bei uns (schon jetzt könnten Sie vermutlich alle Mitarbeiter des Ö3-Weckers in Personalunion ersetzen). Wenn wir Sie einstellen würden, liefen wir Gefahr, dass Sie uns eines Tages unseren eigenen Job streitig machen würden. Und ein intelligenter Mensch wie Sie versteht es natürlich, dass wir uns nicht den Feind im eigenen Haus schaffen wollen.

Bei uns sind Sie jedenfalls nicht zu verwenden, weil da könnte ja jeder kommen. Dennoch bleiben wir mit Ihnen freundschaftlich verbunden: Schon bald werden Ihnen ein paar nette Herrschaften von der GIS einen Hausbesuch abstatten. Ach, und wenn Sie beim Hinausgehen einem traurig blickenden Herrn mittleren Alters begegnen, lassen Sie ihn einfach in Ruhe. Das ist bloß der Generaldirektor, nachdem er sich die täglichen Quoten angesehen hat.

11-20 Punkte: Nicht schlecht, Sie haben vieles richtig gemacht, konnten uns aber noch nicht vollends überzeugen. Deswegen laden wir Sie hiermit in die nächste Runde unseres Bewerbungsverfahrens ein. Im Zuge eines bezahlten Praktikums (Ihre Praktikumsgebühr beträgt sagenhaft günstige EUR 220 im Monat) in unseren Redaktionen lernen Sie die unterschiedlichen Stellen im ORF in allen Facetten kennen: Zwei Monate lang können Sie etwa das Parkett von „Dancing Stars“ bohnern, Elmar Oberhausers Aschenbecher ausleeren oder die leeren Weinflaschen der Ö1-Redaktion entsorgen. Das wird uns dabei helfen, uns ein konkretes Bild über Ihre Qualifikationen zu machen. Danach entscheiden wir, in welche Richtung Ihre zukünftige Ausbildung gehen wird: Außendienstmitarbeiter bei der GIS, Reinigungsfachpersonal am Küniglberg oder – falls Sie wirklich zu überhaupt nichts zu gebrauchen sind – Sportkommentator im TV. Wir wünschen Ihnen in jedem Fall viel Erfolg und wenn Sie noch ein oder zwei Schwarzseher in Ihrem Bekanntenkreis vernadern könnten, wäre uns wirklich sehr geholfen.

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Aus diesem Grund müssen wir Ihre Bewerbung hiermit leider ablehnen. Aber versuchen Sie es doch bitte woanders weiter, Leute wie Sie werden im Journalismus immer gebraucht. Wie? Dasselbe haben Ihnen auch andere Medien bei Ihrer Bewerbung schon geraten? Dann wollen wir mal nichts gesagt haben.


Ihr Österreicher, lasst euch sagen: Denkt nichts, was euchs Gemüt vermiest. Als Patriot musst nie verzagen, wenn du nur brav die Krone liest. Dort wettert, schimpft und dirigiert und schützt vor Unheil unser Land, ein edler Retter, graumeliert, der Zeitungszar, der Hans Dichand . Ist auch das Hirnkasterl recht matt und sind die Sinne oft am Schwinden, so hilft doch ganz enorm sein Blatt, zu steigern unser Volksempfinden. Warnt vor bulgar‘schen Taschendieben, lässt die Politiker erschauern, hat Pupperl auf der Seite sieben, und off‘ne Ohren für unsere Bauern. Dabei ihm dient ein and‘rer Greis, ein Dichter, der Wolf Martin heißt. Er schreibt recht viel, sagt ziemlich wenig und ist dennoch ein heimlich König. Denn Dichands Wille kriegt Gestalt in Reimen voller Wortgewalt. Stets ohne Scheu springt in die Bresche sein edler Dichterfürst, der resche. Egal ob Neger, Asylant, linkslinker Haschischtrafikant, egal ob die EU, die dreiste, unsere Knete raubt, die meiste. Der Dichter weiß, was ihm beschieden und hat alsbald den Stift gezückt. Teilt aus verbale Peitschenhiebe und so Gerechtigkeit obsiegt.

Grafik: Berghold, Karikatur: Strassengalerie

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Alter Schwede, Klaus Theweleit,

Matt Damon! Hochspannende neue Deutungsansätze, die Sie uns Berufscineasten in NEWS da liefern. Auf die zugegebenermaßen an sich schon idiotische Frage, ob Sie lieber in ernsthaften Filmen, die die Welt verändern können, mitspielen, oder doch eher Unterhaltungsfilmen wie „Ocean‘s Eleven“ den Vorzug geben, antworteten Sie wie folgt: „Glauben Sie, dass ,Ocean‘s Eleven‘ nicht die Welt verändern kann? Dann erzähle ich Ihnen die Geschichte von diesem Kannibalen, der im Internet nach einem Opfer gesucht hat. Die beiden gingen zusammen in ,Ocean‘s Eleven‘ und verstanden sich so gut, dass sie von ihrem Plan abließen. Als Regisseur Soderbergh die Story hörte, sagte er: ,Siehst du, deshalb haben wir den Film gemacht: um Leben zu retten.‘“ Erlauben Sie uns, dies kurz zu rekapitulieren: Steven Soderbergh dreht einen Millionen Dollar teuren Sonntagabend-Blockbuster, in dem elf hochbezahlte Schönlinge wie Pitt und Clooney nonchalant ein Casino ausrauben – nur um der Möglichkeit vorzubeugen, dass irgendein ihm völlig unbekannter Online-Psychopath einen anderen Menschen isst? Ihre Schauspielkunst in allen Ehren, aber das, Damon, glaubt Ihnen nicht einmal der Soderbergh selbst.

selbst ernannter Kulturwissenschaftler und Schriftsteller, hat das wirklich sein müssen? Auf sage und schreibe eineinhalb Seiten, die sich dann auch wie deren zwanzig lesen, jammern Sie im Spiegel über die versteckte Bösartigkeit, die James Camerons Film „Avatar“ innewohnt: „De facto steckt Cameron die gesamte moderne Kriegselektronik in ,Avatar‘ ins Gewand von Greenpeace. Seine Botschaft: Der böse rohstoffraubende Amerikaner wird vom Erdboden verschwinden, wenn die Unterdrückten und Unterentwickelten dieser Erde sich entwickelt haben zum Ur-Indianer – in dessen Seele die neuesten Computer ticken.“ Wir sind so frei, gleich weiter zu dichten: „De facto steckt Theweleit die gesamten stilistischen Unsicherheiten, die er schon lange loswerden wollte, ins Gewand eines Essays. Seine Botschaft: Die bösen, kräfteraubenden Stimmen werden aus seinem Kopf verschwinden, sobald er den unterdrückten und unterentwickelten Lesern des Spiegels seine völlig wirre Deutung eines 08/15-Actionfilms untergejubelt hat.“ Na, wie war das? An dieser Stelle wollen wir aber auch einmal ein ausdrückliches Lob aussprechen: Von allen gefühlten 485 Beiträgen, die wir zu Camerons inhaltsleerer Grafikdemo erdulden mussten, war Ihrer, Theweleit, fraglos der, der uns am meisten amüsiert hat. „Kein einziges dieser Bilder der Schlacht gegen das Böse, gegen die Technologie, wäre möglich ohne die ausgefuchsteste Computertechnologie, die die Welt kennt“, heißt es da einmal. „Wenn das nicht pervers ist, weiß ich keinen Sinn für das Wort.“ Danke, wir jetzt schon.

Geschweige denn Ihre Weltveränderer von der Ihre Ur-Indianer von der

Bildquellen: Wikimedia Commons (4)

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Hubsi Kramar! Zugegeben, die Sache mit dem Hitlerkostüm am Opernball vor zehn Jahren war schon ein ziemliches Ding. Doch um alten Glanz zu wahren, sollte man die Dinge manchmal besser ruhen lassen und nicht im Standard resümieren: „Ich war verkabelt mit Spiegel TV, sie haben einen Kameramann bei uns im Auto gehabt. Das Ganze war schon auf gewisse Art vorbereitet.“ Auf gewisse Art sind wir jetzt schon froh, nicht annehmen zu müssen, Sie mischen sich aus bloßen Launen heraus als Adolf Hitler verkleidet bei diversen Festivitäten unter ihr Volk. Aber dass Sie gar so weit gingen, um mit Spiegel TV zu kollaborieren, finden wir doch ein wenig entartet. Aber damit nicht genug. Einer neuerlichen Teilnahme erteilten Sie folgendermaßen eine Absage: „Ich würde nur hingehen, wenn mich der Lugner einlädt“, hieß es da. „Dann komm‘ ich als Busenwunder. Und auf einmal, mitten drinnen, wenn die Kameras auf mich gerichtet sind, werf‘ ich meinen Busen ab und schlag irgendeinen Kardinal mit einem Penis. Das ist zwar etwas Blödes, aber es würde einen sehr starken symbolischen Charakter haben.“ Auf die Gefahr hin, Ihren Scherz nicht ganz verstanden zu haben, fragen wir jetzt einmal nach, worin denn der symbolische Charakter eigentlich besteht? In der (Vorsicht, Zote!) Verbindung von Kardinälen und Penissen kann er ja wohl wirklich nicht stecken, das ist schließlich ein ganz altes Birett.

Ihnen wiederum, Ernst Fuchs, scheint auch das letzte Quantum Bodenhaftung mittlerweile abkömmlich geworden zu sein, wie Sie greiser Kärntner Maler kürzlich in NEWS unter Beweis stellten: „Ich wurde erleuchtet. Vielen mag das vermessen erscheinen, aber ich habe Gott gesehen. Er ist mir vor einiger Zeit erschienen und hat mir die Unsterblichkeit in meinem irdischen Körper versprochen“, hieß es da. Nicht, dass wir es Ihnen besonders neidig wären, auf ewig im Körper eines 80-Jährigen das Dasein fristen zu müssen. Aber „vermessen“ drückt unser Empfinden Ihr überirdisches Erlebnis betreffend nicht exakt aus. Gott sei Dank, haha, waren Sie so freundlich, unserer Suche nach der richtigen Artikulation mit einem anderen Statement den rechten Weg zu weisen: „Ich habe vor den Kärntner Politikern die größte Hochachtung.“ Völlig plemplem, danke, das hatten wir gemeint! Lag‘s auf der Zunge:

Auch stets verkabelt:

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Bildquelle: Wikimedia Commons

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Es gibt B-Movies, gibt es also auch B-Magazine? Falls ja, ist dieses Heft zweifelsohne auf einem guten Weg dorthin. Auch Kultregisseur Quentin Tarantino leistet seinen Beitrag zur Qualitätssenkung in unserem großen Exklusivinterview:

Querschau: Mr. Tarantino, seit Sie Christoph Waltz für seine Rolle als SS-Mann Hans Landa in „Inglourious Basterds“ einen Oscar verschafft haben, erfreuen Sie sich hierzulande riesiger Beliebtheit. Quentin Tarantino: Ach, der Christoph kommt auch aus Australien? Wusste ich gar nicht... Querschau: Austria ist nicht Australia, wir haben hier Berge, Wiener Schnitzel und Kunstschnee in Hülle und Fülle. Keine Kängurus oder wie diese Ureinwohner dort heißen. Tarantino: Seriously? Da hat mich mein Agent aber verdammt schlecht gebrieft. Und ich war schon verwundert, wieso der Flug so lange dauerte. Dann seid ihr ja wirklich die mit den Nazis! Querschau: Ja, aber wir vermeiden es, sie so zu nennen. Tarantino: Sondern? Querschau: Deutsche Burschenschafter. Tarantino: Sounds terrible! Querschau: Ja, ist es auch. Aber zu etwas Anderem: Ihre Vorliebe für blutige Trash-Movies ist ja hinlänglich bekannt... Tarantino: Wem? Querschau: Uns, zum Beispiel. Tarantino: Ach so. Und ich dachte kurz, Sie meinten tatsächliche Filmkritiker. Ich verbitte mir, meine Filme als blutigen Trash zu bezeichnen. Ich verstehe sie als eine Metapher auf die Gewalt, die dem Menschen als ursprünglichster Instinkt innewohnt. Als gekonnte, filmische Annäherung an alle Untaten auf dieser Erde. Querschau: Manche dieser Untaten muss man sich aber erst aus Ihren Filmen abschauen. Tarantino: Jetzt werden Sie mir nicht kleinlich hier.

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Querschau: Es sind ja nicht nur die zahllosen Schießereien und Foltersequenzen, die an B-Movies erinnern. Auch Ihre Dialoge muten manchmal etwas banal an. Tarantino: Zum Beispiel? Querschau: Nehmen Sie „Pulp Fiction“. Da unterhalten sich zwei Gangster minutenlang darüber, wie Hamburger in Frankreich heißen, bevor sie sich dazu aufmachen, ein paar Leute zu erschießen. Tarantino: Aber was soll daran bitte banal sein? Die französische Fleischindustrie würde das sicher nicht unterschreiben. Und ist die lockere Verknüpfung von Essen – sprich Leben – und Sterben nicht allerhöchste Philosophie? Doch teilweise haben Sie schon Recht, ich setze das mitunter bewusst als Stilmittel ein. Die Dialoge in meinen Filmen sind auch als Metapher auf die Gleichgültigkeit in dieser Welt zu verstehen. Eine gekonnte, filmische Annäherung an das aneinander vorbei Leben. Querschau: Hatten wir das nicht schon? Tarantino: Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen. Querschau: Jedenfalls kann man sich hin und wieder des Eindrucks nicht erwehren, Sie besäßen einen mittelschwer ausgeprägten Hang zum Sadismus. Tarantino: Wie kommen Sie denn bloß darauf? Ich kann nur sagen: So sicher, wie der Tod durch einen Bauchschuss langsam und qualvoll ist, bin ich kein Sadist. Querschau: Aber warum müssen bei Ihnen dann am Ende eigentlich fast immer alle sterben? Tarantino: Tun Sie das? Ist mir noch nie aufgefallen, ehrlich gesagt. Aber jetzt wo Sie es sagen, verstehe ich das natürlich als Metapher. Als gekonnte, filmische Annäherung an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Querschau: Aha. Tarantino: Und steht denn nicht geschrieben: „Gen Ende hin beißt jeder ins Gras“? Querschau: Diese Bibelpassage muss uns leider entfallen sein. Tarantino: Unsinn, Bibel... das ist aus dem Drehbuch zu „Natural Born Killers“. Aber was ich damit eigentlich meine, ist, dass auch im real life jeder einmal stirbt. Querschau: Schon, aber die wenigsten werden erschossen, enthauptet, überfahren oder verbrannt. Tarantino: Bitte? Ich komme aus den Vereinigten Staaten!

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Querschau: Hmmm... ein Punkt für Sie. Was machen Sie eigentlich privat, wenn Sie nicht an Filmen arbeiten? Tarantino: Alles Mögliche. Ich liebe beispielsweise Videospiele und schlage mir Tage und Nächte mit diesem hochinteressanten neuen Medium um die Ohren. Kennen Sie „Grand Theft Auto“? Da kann man praktisch alles machen: Autos stehlen, bewaffnete Anschläge ausführen, Leute überfahren... es ist fast wie im wirklichen Leben! Querschau: Sie meinen wie in einem Ihrer Filme. Tarantino: Ja, aber ich verstehe meine Filme stets als Metapher. Als gekonnte, filmische Annäherung an... Querschau: Jetzt reicht es aber endgültig! Haben Sie eigentlich keine anderen Stehsätze auf Lager, Herr „Kultregisseur“? Tarantino: Wahnsinn! Diese Wut, diese Leidenschaft, das ist es! Sagen Sie, hätten Sie eventuell Interesse in meinem nächsten Film mitzuwirken? Dieser unterdrückte Zorn, diese pseudointellektuelle Unverfrorenheit ist genau das, was ich suche. Querschau: Darf man fragen, worum es in dem Streifen gehen wird? Tarantino: Grundsätzlich handelt der Film von einem Steuerberater, der von seiner Firma um Hab, Gut und Ehefrau betrogen wird und daraufhin beschließt, auf Rachefeldzug zu gehen. Das genaue Drehbuch befindet sich noch in Arbeit, aber eines kann ich Ihnen jetzt schon verraten: Es wird bestimmt kein Kindergeburtstag.


Vergebens

Flexibel

Neulich in der Straßenbahn: Trotz Kopfhörern in den Ohren und hartnäckigen Konzentrierens auf die Musik gelang es mir nicht, die alte Dame vollends zu ignorieren, die mir auf der Suche nach einem Sitzplatz selbigen abschwatzen wollte.

Die katholische Kirche wird sich nach der Welle an Skandalen öffnen müssen. Das zehnte Gebot auf „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau/Priesteraspirant/Messdiener“ auszuweiten, wäre da beileibe nicht der schlechteste Anfang.

Vergebens, Nachtrag

Untalentiert

Was mir unweigerlich vor Augen führte: Nirgendwo zeigt sich der Teufelskreis der demographischen Entwicklung stärker, als im öffentlichen Verkehr. Dort, wo Jugendlichkeit ein Verbrechen ist.

Das Logo der FPÖ sieht vor allem deshalb schon seit Jahren gleich aus, weil dort alle zwei rechte Hände beim Zeichnen haben.

Energieeffizient 90 Prozent des Stromverbrauchs eines Staubsaugers gehen für Wärmeentwicklung drauf. Der Rest ist Lautstärke.

Schade

Balanceakt Dass Männer nicht multitaskingfähig sind, hat sich offenbar noch nicht zu dem jungen Mann durchgesprochen, der kürzlich mit einem Rucksack am Rücken, einer über die rechte Schulter gehängten, großen Einkaufstasche und einem Regenschirm in der linken Hand in der Herrengasse mit seinem zwischen Hals und Schulter eingeklemmten Handy telefonierte, während er versuchte, sich eine Zigarette anzuzünden.

Vor 30 Jahren in der Kronen Zeitung: Ruft der Setzer in der Innenpolitik an, sind ihm doch glatt die Rufzeichen ausgegangen.

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Daniel Köllerer, alter Tennisrüpel!

ORF-Sportredaktion! Zugegeben, ein Spiel dauert einfach 90 Minuten. Aber lass doch die Katze einmal aus dem Sack: Was sollen die ewigen Platitüden, die bei Deiner Sportberichterstattung so gewiss eintreffen, wie man jene Tore kassiert, die man nicht selbst schießt? Krame in Zukunft bitte ein bisschen tiefer in der Trickkiste. Eigenfehler vermeiden und von Spiel zu Spiel denken, so muss jetzt Deine Devise lauten. Dann befindet man sich auch bei der Quote nicht ständig im Abstiegskampf. Und erkläre uns bei der Gelegenheit doch bitte einmal diese nicht allein von deinem Aushängeschild Rainer Pariasek zur Perfektion getrimmte Universalfrage „Wie geht es Ihnen jetzt?“, die völlig unabhängig von Sieg/ Niederlage/Ausfall bei einem Fußballspiel/Tennismatch/Skirennen an jeden beteiligten Sportler gestellt werden kann und die zwar so unnötig wie ein Kropf, aber so sicher wie die Tatsache ist, dass das Runde ins Eckige gehört. Universalfrage unsererseits: Muss das wirklich sein? Um Erlösung bitten inständig:

Wir konnten ja nicht ahnen, welche sprachlichen Talente so in Dir schlummern. Angesprochen auf Deine relativ magere bisherige Saisonbilanz von 2:7 Siegen lamentiertest Du auf sportnet.at wie folgt: „Mein Selbstvertrauen war schon mal größer, dabei habe ich nur bei den Australian Open gegen Veic eine richtig unnötige Niederlage kassiert. Gegen Cilic darf man verlieren, gegen Becker und Ferrero war ich verletzt. Vor dem Ventura-Match in Buenos Aires habe ich Schläger getestet, das war ein Blödsinn. Und in der Daviscup-Woche habe ich gut trainiert, nur ein Sieg hat dabei leider nicht rausgeschaut.“ Respekt, Köllerer, so viele Ausreden zu formulieren, ohne auch nur ein einziges Mal den Konjunktiv zu benutzen, ist schon sensationell! Vielleicht kannst du auch unseren Fußballern mal Nachhilfe geben, die schaffen es nicht einmal MIT hättiwari, vernünftige Ausreden zu finden. Aber mal ehrlich: Liegt es nicht auch im Bereich des Möglichen, dass Du neben Deinen Hauptbeschäftigungen, die da lauten Schläger zertrümmern, Gegner aufs Übelste beschimpfen und Ballbuben abwatschen, manchmal ein bisschen aufs Wesentliche vergisst? Gutes Tennis zu spielen, zum Beispiel? Hätten sich zumindest gefragt: Deine Konjunktivprofis von der

Deine Phrasendrescher von der

Bildquellen: Wikimedia Commons (4)

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Werter Alain Junior Ollé Ollé!

Du wiederum, Didi Constantini, begründetest Deine Verpflichtung als ÖFB-Teamchef tatsächlich mit den Worten „Keine Erfolge. Keine Perspektiven. Darum wurde ich ja geholt.“ Was fast zu schön ist, um wahr zu sein. Denn auch wenn wir natürlich immer schon gewusst haben, dass Du frei nach dem Motto „Jetzt is‘ a scho wurscht...“ angeleiert wurdest, hätten wir es selbst doch nicht besser ausdrücken können.

Darüber, dass Du Dich schon in jungen Jahren dazu entschlossen hast, Fußballprofi zu werden und es Dich in weiterer Folge vom heimatlichen Kamerun ins etwas nördlicher gelegene Deutschland, genauer gesagt zum SC Freiburg, verschlug, sind wir in höchstem Maße erfreut. Denn wiewohl es in der langen Geschichte des Fußballs schon einige personifizierte Fälle von Nomen est Omen gab – wir erinnern an dieser Stelle an den ehemaligen englischen Mittelfeldmotor Alan Ball oder den deutschen Torhüter Dimo Wache – bist Du aufgrund der schieren Euphorie, die Dein klingender Nachname in uns auslöst, zweifellos der schönste! Macht die Welle:

Dankbar, Und im Übrigen, ORF-Sportredaktion,

Mensch, Benni Raich, da sag noch einmal einer, Schifahrer hätten einen eingeschränkten Horizont. „Man darf doch heutzutage nicht mehr so kleinkariert denken, wo Europa, ja die ganze Welt zusammenwächst.“, beweist Du im NEWS-Interview geradezu multinationalen Mut. Wie weit diese Welt für Dich so reicht, erklärst Du uns dann einen Satz später: „Es ist inzwischen nicht mehr so, dass du als Pitztaler keine Ötztalerin heiraten darfst.“ Wahnsinn, Raich, Du bist ja ein wahrer Kosmopolit!

du Alcatraz aller Verbalverbrecher, haben wir es bei Dir schon aufgegeben, auf korrekte Aussprache ausländischer Namen zu hoffen. Denn wer sogar aus dem Briten Steven Gerrard den vermeintlichen Franzosen „Scherá“ macht, bei dem ist der Fremdsprachen-Zug ohnehin schon abgefahren. Aber damit es nicht heißt, wir könnten immer nur ätzen, haben wir hier einmal einen zweckdienlichen Hinweis für Dich: Vertausche doch einfach Deine Ausspracheversuche von spanischen und italienischenNamen, der Effekt wäre nahezu bombastisch. Denn dann wäre Marchena auch wirklich „Martschena“ und aus Marchionni würde endlich „Markionni“, wie sich das halt so gehört. Deine Multilingualen von der

Rot-weiß-rote Grüße,

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Nur Nostalgiker und Ölscheichs trauern den einstigen Formel 1-Autos heute noch nach Bildquellen: Wikimedia Commons (3)

Sie finden auch, dass die Formel 1 in den letzten Jahren zunehmend langweiliger geworden ist? Kein Grund zur Panik: Dank geschickter Raum-Zeit-Nutzung können wir Ihnen EXKLUSIV einen Ausblick auf die Zukunft des Motorsports geben. Spannung garantiert! „Herzlich willkommen, liebe Formel 1-Fans, zum großen Preis von Niederösterreich 2015 im ORF. Für Sie live am Mikrophon ist heute wieder Carl-Michael Drack und ich freue mich genauso wie Sie auf einen spannenden Grand Prix-Sonntag hier im niederösterreichischen Hollabrunn. Was ist nicht alles vor dieser Rennsaison gemunkelt worden? Die Formel 1 sei langweilig geworden, hat‘s geheißen. Das neue Reglement wirke sich negativ auf die Spannung beim Rennen aus, hat‘s geheißen. Lauter Vorurteile, die wir jetzt nach den ersten fünf gefahrenen Grand Prixs klar widerlegen können. 42

Die neuen Rennstrecken, die an so pulsierenden internationalen Hotspots wie Hueytown, Alabama, dem malerischen Dopdopdop im Tschad oder eben hier in Hollabrunn abgesteckt wurden, kommen bei den Zuschauern sehr gut an. Insgesamt wurden weltweit sage und schreibe 46 Tickets für die diversen Rennen abgesetzt, einige davon sind sogar schon bezahlt. Auch die Reduzierung des Limits der Motorleistung auf 55 PS hat sich wirklich positiv auf das Renngeschehen ausgewirkt. So konnte Michael Schumacher nach seinem zweiten Comeback 2011 seine Weltmeistertitel acht, neun und zehn feiern, weil man, wie er sel-


ber sagt, „in den Kisten auch mit 80 noch locker mitfahren kann“. Eine Behauptung, die wir vielleicht schon kommende Saison auf die Probe stellen können, denn auch Niki Lauda und Alain Prost haben nun über eine neuerliche Rückkehr in den Formel 1-Zirkus nachgedacht.

Aber jetzt aufgepasst, meine Damen und Herren, in wenigen Sekunden erfolgt hier der Start. Die Lichter an der vom Straßendienst behelfsmäßig ausgeliehenen Baustellenampel leuchten rot... jetzt grün und die Teilnehmer sind gestartet! Das heißt, nein, weil der Pole-Position-Mann Jarno Trulli offenbar Probleme mit seinem Auto hat und das restliche Teilnehmerfeld nicht an ihm vorbeiziehen kann. Ja, vielleicht hätte man die Startlinie hier in Hollabrunn doch nicht in die enge Zufahrtsstraße zum Dorfwirt verlegen sollen. Aber lassen Sie mich die Gelegenheit doch nutzen, um Ihnen ein paar interessante Neuigkeiten aus der „Formel 1 neu“ zu erzählen:

Nach dem Ausstieg früherer großer Namen wie Ferrari und McLaren ist mittlerweile auch das Image der neuen Rennställe Skoda, Fiat und Lada Racing, die mit abgespeckten Versionen ihrer Straßenautos zusammen 16 Cockpits stellen, auf einem beachtlichen Level angelangt. Die restlichen acht Autos entfallen ja, wie Sie alle wissen, auf Red Bull Racing, und werden aus Überbleibseln der kaputten Fahrzeuge vom Red Bull Flugtag aus Holz und Pappmaché gebaut. Didi Mateschitz hat mir erst kürzlich erzählt, dass er es sehr begrüßt, dass das Budget von früher 258 Millionen auf mittlerweile 43,17 Euro jährlich gesenkt worden ist. Motorsport 2015:

gegenüber dem Vorjahr bei der für die Formel 1 werberelevante Zielgruppe der 40- bis 60-Jährigen Sandler, die es sich vor den Auslagen von Elektrohändlern gemütlich gemacht haben.

Aber da helfen auch schon ein paar Gäste aus dem Dorfwirt mit, das Fahrzeug anzurennen, Trulli legt den Gang ein... und da ist das Feld gestartet! Und schon geht es zur langen Geraden auf der Hauptstraße, vorbei an der Raiffeisenbank und am Postamt, wo die Autos auch gut und gerne schon mal 90 km/h erreichen können! Von hier aus sieht es so aus, als würde Mark Webber im Lada ein bisschen Öl verlieren... Entwarnung, liebe Zuschauer, gerade hör‘ ich über den Boxenfunk, dass er sein Cola gefälligst erst nach dem Rennen entsorgen soll. Jarno Trulli führt, Schumacher ist Zweiter und Christian Klien, neben dem Red BullTeam Österreichs zweiter Beitrag zur Königsklasse des Motorsports, ist derzeit sensationeller Dritter. Ja, diesem Christian Klien tut der Umstieg auf schwächer motorisierte Autos sichtlich gut. Seither hat der Vorarlberger, dem früher oftmals mangelndes Talent nachgesagt wurde, keine Probleme mehr, sein Fahrzeug anzustarten.

Das Feld erreicht jetzt die so genannte Waldrand-Doppelschikane, allen voran Jarno Trulli. Der Italiener nimmt die erste Kurve gut, beschleunigt wieder... bremst an, und... dreht sich! Der Fiat von Trulli kommt von der Fahrbahn ab und kracht, nein, donnert, möchte ich fast sagen, mit

Das Team Skoda in der Boxengasse von Hollabrunn

Auch für uns als TV-Anstalt bietet das neue Reglement viele Vorteile: Wir benötigen jetzt nur mehr eine einzige Kamera, die wir an Sportchef Elmar Oberhausers PrivatBugatti montieren. Mit dem fahren wir dann während des gesamten Rennens vor dem Teilnehmerfeld her und können Ihnen so Woche für Woche die spektakulärsten Bilder nach Hause liefern. Eine wirklich tolle technische Neuerung, die sich freilich auch in den Zuschauerzahlen widerspiegelt: 237 Menschen fieberten im Schnitt bei jedem der bisherigen Rennen mit. Das bedeutet ein Plus von 15 Prozent 43


voller Wucht gegen eine Ansammlung von Haselnussstauden neben der Strecke! Um Gottes Willen, das waren mindestens 30 km/h, die der Italiener da drauf hatte. Das restliche Feld passiert den Unfallort, Trulli steigt aus und ist unverletzt! Offenbar hat der Italiener hier auf diesem schwierigen Boden die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Da können sich auch die Rennveranstalter nicht ganz aus der Verantwortung ziehen, man hätte hier zumindest ein paar Kiesel auf die matschige Forststraße streuen können.

Aber Gott sei Dank ist Trulli nicht mehr passiert. Überhaupt halten sich die Unfälle seit des Inkrafttretens des neuen Reglements sehr in Grenzen. Die schlimmste Verletzung in den letzten Jahren zog sich Lewis Hamilton zu, der sich beim Einsteigen in seinen Fiat den kleinen Finger in der Tür eingeklemmt hat. Aber Sie alle können sich sicher noch an die schockierenden Bilder erinnern, die damals um die ganze Welt gingen. Und jetzt? Setzt da etwa Christian Klien an, den deutschen Rekordchampion Michael Schumacher bei der berüchtigten Sportplatz-Traverse zu überholen? Nein, da fehlten letztendlich doch gut 50 Meter. Ja, bei solchen Geschwindigkeiten kann das Auge schon einmal getäuscht werden. Schade eigentlich, denn das letzte Überholmanöver in der Formel 1 datiert vom 2. Februar 2011, als Fernando Alonso versehentlich beim Start den Rückwärtsgang eingelegt hatte. Indes haben wir hier einen zweiten Ausfall: Kimi Raikkönen hat offenbar das Tor des Fußballplatzes, der sich neben der Strecke befindet,

mit der Boxeneinfahrt verwechselt und hängt jetzt ohne Chance auf Befreiung in den Maschen. Das ist insofern pikant, weil heute zeitgleich das große Derby zwischen dem FC Hollabrunn und dem SV Großstelzendorf in der zweiten Klasse Mitte stattfindet und die Großstelzendorfer aufgrund des nun deutlich größeren Torwarts des Gegners bereits eine Wettbewerbsverzerrung orten.

Das restliche Teilnehmerfeld nähert sich, angeführt von Michael Schumacher, dem Ziel. Schon hat auch der zweitplatzierte Christian Klien die Ortseinfahrt erreicht, macht allerdings keine Anstalten, Schumacher noch stärker zu attackieren. Muss er auch nicht, denn mit einem zweiten Platz hier vor heimischer Kulisse kann er in jedem Fall sehr zufrieden sein. Außerdem müsste er dazu wohl die Zigarette ausdämpfen, die er sich auf der letzten Geraden angesteckt hat, was man sich bei Tabakpreisen von mittlerweile 68 Euro pro Packung natürlich zwei Mal überlegen muss. Die Stimmung hier im Zielbereich ist ohnehin am Kochen, weil sich neben den zahlreichen übrig Gebliebenen von gestern Abend sowie den Frühschoppenbesuchern jetzt auch bereits die ersten durstigen Mittagsgäste im Dorfwirt eingefunden haben und das Renngeschehen beobachten.

Und da jagen die Piloten bereits um die letzte Kurve, holen auf der Zielgeraden noch einmal alles aus ihren Boliden raus. Dieses Motorsport-Spektakel der Extraklasse kann auch der Dorfpfarrer nicht trüben, der auf dem

Modernste Technik: Die manuelle Traktionskontrolle von Lada Racing

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Weg zur Sonntagsmesse in seinem Audi hier noch schnell das ganze Teilnehmerfeld überholt hat. Und jetzt wird das Leintuch, das Niederösterreichs Landesvater Erwin Pröll großzügig als Ersatz für die erst kürzlich in Pension geschickte Zielflagge angeboten hatte, geschwenkt! Das Skoda-Team jubelt, Michael Schumacher gewinnt den Großen Preis von Hollabrunn in 7 Minuten und 32 Sekunden! Ja, die Reduzierung der Rennen aus Kostengründen auf zwei Runden sorgte hier wieder einmal für einen kurzen, aber wie immer sehr intensiven und spannenden Wettkampf. Liebe Formel 1-Fans, ich hoffe Sie hatten heute genauso viel Vergnügen wie ich und freue mich, Sie in zwei Wochen beim Großen Preis von Andorra wieder begrüßen zu dürfen, wenn die Tachonadeln auf der 80er-Marke zu zittern beginnen und es wieder heißt: ,Gentlemen, try to start your engines!‘“

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Für manche war es die Frage der Nation: Spielt er oder spielt er nicht? Für andere hingegen stellte sich nur die Frage, wer „die ganzen Leute da“ eigentlich sind. Fest steht jedenfalls, dass es beim Drama um ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini und den ehemaligen Kapitän der Nationalmannschaft, Andreas Ivanschitz, stets rational und objektiv zur Sache ging. Und weil Datenschutz ohnehin überschätzt wird, liefern wir dank unserer kristallklaren Verbindung zum größten heimischen Mobilfunkanbieter (der Gönner will anonym bleiben, unser aufrichtigster Dank geht an dieser Stelle an einen H. Ametsreiter) EXKLUSIV die Protokolle der Telefonate zwischen den beiden Streitparteien:

Protokoll 1, 17. März, kurz vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien. Dietmar Constantini ist seit wenigen Tagen österreichischer Nationaltrainer. Der umstrittene Teamkapitän Andreas Ivanschitz sitzt bei Panathinaikos Athen zumeist auf der Bank. Dieser wird vom Teamchef über seine (freilich nicht durch populistische Hintergedanken motivierte) Nichteinberufung informiert: Andreas Ivanschitz: „Hallo?“ Dietmar Constantini: „Servus, Didi do.“ I: „Ja hallo! Wie geht’s dir denn? C: „Jo eh. Bin jetzt Teamchef, host eh g‘heat. Du hea zua, du spüst ned.“ I: „Was? Warum denn das?“ C: „Weilst ned spüst. In Griechenland, man I jetzt.“ 46

I: „Aber ich bin doch Kapitän...“ C: „Na, des a nimmer. I gib de Schleifn irgendwem von de aundern Koff... de aundern klassn Burschen. Glaub mas, i moch des eh ned gern aber in Österreich bist‘ momentan afoch der absolute Buhmann. Die Krone schreibt Sochn über di, do glaubst, die Innenpolitikredaktion mocht jetz‘ den Sport. I muass di jo ah a bissal schützen.“ I: „Naja... okay... und wann spiel‘ ich wieder?“ C: „Bitte wos? I hea di grod ned... die Verbindung is‘ so schlecht...“ I: „Wann ich wieder spiel‘? C: „Wos? Hea di ned... Du, i muass jetz‘ eh auflegn... Training und so.“ I: „Bis bald, wiederhören.“ C: „Wiederhören.“


Protokoll 2, 25. Mai 2009, kurz vor dem Qualifikationsspiel gegen Serbien. Dietmar Constantini sorgt mit seinem Verzicht auf Legionäre für Aufsehen. Andreas Ivanschitz hatte den Teamchef wenige Tage zuvor öffentlich kritisiert. Gekonnt weltmännisch klärt dieser das Missverständnis auf: Ivanschitz: „Hallo?“ Constantini: „Servus, Didi spricht.“ I: „Griaß di. Worum geht’s?“ C: „Worum‘s geht? Den Schedl wü i da waschen, du Lausbua. Du kaunst mi jo ned in der Öffentlichkeit kritisieren! Des is immer nu dem Teamchef vorbehoitn.“ I: „Ich will halt wieder ins Team.“ C: „Und i wüs Jahresgehalt vom Grasser und a Oide mit neinzg-sechzg-neinzg. S‘Leben is ka Wunschkonzert. Schau dassd wieder regelmäßig spüst, daun kenn ma drüber redn.“ I: „Passt. Wir hören uns dann.“ C: „Wennst manst.“ I: „Wiederhören.“ C: „Servus.“

und ka Tiroler Skilehrer!“ I: „Nicht so laut, bitte. Wenn ich mich anschreien lassen will, setz‘ ich mich auf die West nach Hütteldorf.“ C: „Haha, lustig bin i söba. Jedenfois wird des so nix. Du wüst an Stammplatz, jetzt schaust durch die Finger.“ I: „Aber, aber... wiederhören.“ C: „Seas.“

Protokoll 4, 20. Februar 2010, kurz vor dem freundschaftlichen Länderspiel gegen Dänemark. Dietmar Constantini hat mittlerweile die WM-Qualifikation verspielt, das Team pfeift aus dem letzten Loch, einige weitere Legionäre haben sich aus dem Nationalteam verabschiedet. Andreas Ivanschitz unternimmt einen letzten Versuch: Constantini: „Jo?“ Ivanschitz: „Hallo. Und?“ C: „Na.“ I: „Wiederhören.“ C: „Du mi a.“

Protokoll 3, 28. September 2009, kurz vor den Qualifikationsspielen gegen Litauen und Frankreich. Dietmar Constantinis öffentliche Wortmeldungen werden zunehmend abstruser, die Teamergebnisse schlechter. Andreas Ivanschitz, mittlerweile bei Mainz 05 unter Vertrag, führt indes die Scorerwertung der deutschen Bundesliga an. Grund genug für ihn, erneut die Nummer des Teamchefs zu wählen: Constantini: „Hallo?“ Ivanschitz: „Hallo, du...“ C (unterbricht): „Mah du scho wieder. Du gibsch as woi a nie auf, oder?“ I: „Ich wollte ja nur mal fragen, wie‘s ausschaut. Du hast gesagt, wenn ich spiele, bin ich auch wieder fürs Team ein Thema. Und seit ich in Mainz bin, lauft‘s echt gut...“ C: „Wos wüst? An Stammplatz?“ I: „Neeiin, ich will nur wieder in den Kader. Wann hast du mich das letzte Mal spielen gesehen?“ C: „Stammplatzgarantie gibt’s bei mir ned, kloa? Und überhaupt kaun de deitsche Liga goa ned so guat sei, wenn sogar du do wos reißt.“ I: „Wer redet denn von Stammplatz? Ich will ja nur...“ C (unterbricht): „I hea immer nur Stammplatz! Mir reicht‘s jetzt endgültig! I bin jo schließlich der Teamchef Grafik: Berghold

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Sehr geehrtes Redaktionsteam!

Sehr geehrte/r ChefredakteurIn!

Ich gratuliere herzlich zu diesem bislang einzigartigen, möglicherweise ausgewogenen und sicher gelungenen Magazin, das die Medienlandschaft nicht bloß bereichern, sondern mit Sicherheit revolutionieren wird! Diese Mischung aus Unbekanntem und Geheimnisvollem, diese Bandbreite an Noch-Nie-Gelesenem, spannt mich beinahe unerträglich auf die Folter, sodass ich die Nicht-Veröffentlichung kaum mehr erwarten kann.

Ich möchte anregen, dass Sie in Ihrem Redaktionsteam eine Frauenquote einführen! Wenn Sie Ihre Texte schon nicht gendern, so sollten Sie wenigstens eine Frauenrubrik einrichten. Immerhin gibt es ja auch Leserinnen in unserem Mutterland und auch frau will sich in Ihren Texten wiederfinden. Apropos wiederfinden, also ich suche einen Job und würde mich gerne als Problemtante bewerben. Ich bin echt qualifiziert, denn ich bin sowohl Tante, als auch habe ich Probleme.

Hochachtungsvoll, ein Fan (Name der Redaktion bekannt) Ja danke, wir haben es jetzt wirklich verstanden. Wenn Sie jetzt bitte aufhören könnten, uns in diversen sozialen Netzwerken zu stalken, wären wir Ihnen sehr verbunden. Auch hat sich der Portier schon wieder beschwert, weil er beinahe über Sie gestolpert wäre, als Sie letztens vor der Türschwelle kampierten. Grundsätzlich sind wir Starrummel ja nicht abgeneigt. Aber vielleicht sollten wir auch einmal andere Magazine treffen, damit man wieder weiß, was man aneinander hat?

Mit freundlichen Grüßen, Mag.a Dr.in Mitzi Tant-Frauinger Wie es der Zufall so will, sind auch wir starke Befürworter der Gleichberechtigung. Aus diesem Grund haben wir weder eine Frauen- noch eine Männerquote in unserem Magazin. Soll heißen: Antrag abgelehnt.

„Lieber Egon! Das hättest du dir nicht gedacht, dass du heute aus der Zeitung lachst! Zum 45er alles Gute wünschen dir Elke, Bertl und der ganze Obersteiner Schützenverein!“ Ich bitte Sie, den Text mitsamt dem beiliegendem Foto in ihrer nächsten Ausgabe zu veröffentlichen. Mit freundlichen Grüßen, Schober Herbert Sie scheinen uns mit jemandem zu verwechseln, den das interessiert. Aber serviceorientiert wie wir nun einmal sind, haben wir Ihr Gefasel samt Foto an die richtige Stelle weitergeleitet: Neue Kronen Zeitung, Muthgasse 2, 1190 Wien. Da grinst Ihre Visage neben zahlreichen anderen Vertretern bildungsferner Schichten aus dem, was wir mangels eines besseren Ausdrucks großzügig mit „Zeitung“ titulieren wollen. Nichts zu danken.

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Redaktion!

Sehr geehrte Redaktion,

Wenn Hans Dichand das kann, dann werdet Ihr wohl gefälligst auch Eure eigenen Leserbriefe schreiben können. Wenn nicht, möchte ich mich hiermit beschweren. ER macht das doch jeden Tag aufs Neue, weshalb ich mir unter anderem Steppschuhe kaufen muss um eines Tages auf SEINEM Grab tanzen zu können, weswegen ich mich auch beschweren will. In schwarzer Glattlederausgabe sind die nämlich verdammt teuer und in Herrengröße 46 gar nicht so leicht zu bekommen. Ich bin außerdem sicher nicht der Einzige mit dieser Idee. Wie viele arme Wildledertiere für die ganzen Leute sterben müssen, die auf Hans Dichands Grab tanzen wollen, hat daran schon mal jemand gedacht?

ich nahm die mediale Berichterstattung über Hundehaltung in der Stadt anfangs mit großem Interesse, später mit Skepsis und letztendlich mit einer gehörigen Portion Groll wahr. Ich bezweifle zwar genauso, dass alle Hundehalter mit ihren vierbeinigen Freunden richtig umzugehen wissen, aber ich als alleinstehende ältere Dame möchte nicht auf das Sicherheitsgefühl verzichten, das mir mein treuer Schnuffi gibt, wenn ich durch den Park spaziere. Es passieren ja dauernd so schreckliche Sachen.

Mit bestem Dank, mein Leid bei euch beklagen zu dürfen, Michael Fuchs Danke für den hochspannenden Exkurs in die Welt des Stepptanzes. Wir reihen ihn an Relevanz für uns gleich zwischen dem alljährlichen Hinterunterbacher Goldhaubentreffen und dem Director‘s Cut von „Cast Away“, in dem Tom Hanks viereinhalb Stunden alleine auf einer Insel sitzt und weint, ein. Auch sind wir nicht da, um uns anderer Leute Leid anzuhören, sondern höchstens um welches zu verursachen. Auf eines haben Sie uns dankenswerter Weise aber schon aufmerksam gemacht: Bei dieser Qualität der Leserbriefe sollten wir uns tatsächlich noch einmal überlegen, sie in Zukunft selber zu schreiben.

Ich verstehe manche Kritikpunkte durchaus: das Bellen in der Nacht, die Trümmerl am Gehsteig und Menschen, die sich vor Hunden fürchten. Aber vor meinem Schnuffi zum Beispiel braucht sich keiner zu fürchten, der ist brav und wohlerzogen. Wie jedes Lebewesen in einer Gesellschaft haben Tiere auch ein Mitteilungsbedürfnis, und ich bin froh, wenn er in der Nacht bellt, da ich keine Einbrecher fürchten muss. Über die Sirene der Rettung regt sich ja auch keiner auf, oder über das schreiende Baby in der Nachbarwohnung. Das mit den Trümmerln ist natürlich schwierig, doch ich denke mir oft wenn ich spazieren gehe, dass viele dieser komatrinkenden Studenten ihren Mageninhalt an viel unpassenderen Orten entleeren, und keiner verlangt nach einem „Alkoholführerschein“ für diese Leute. Viele intolerante Pauschalisierungen und Sarkasmus haben mich in meiner Einstellung wieder einmal bestärkt: Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere! Mit freundlichen Grüßen,

An die Redaktion! Ich kann mir schon jetzt vorstellen, wie Sie in Ihrem „Satiremagazin“ unser schönes Land in den Dreck ziehen, da brauche ich es gar nicht gelesen zu haben. Ich kenne euch Bagage. Herumsandeln statt sich eine ordentliche Gesinnung zuzulegen, der Gesellschaft auf der Tasche liegen und dann das Nest beschmutzen. Das haben wir schon gern. Aber wir werden nicht zulassen, dass die Jugend von heute die Aufbaugeneration schlecht macht, statt unsere Pensionen zu zahlen.

Bernadette Mayr Sehen Sie, bei uns verhält es sich ganz ähnlich: Seit wir die Menschen kennen, verachten wir die Menschen! Viele dämliche Leserbriefe haben uns in unserer Einstellung wieder einmal bestärkt. Sie haben Recht: Die Hunde sind nicht das eigentliche Problem, sondern deren Besitzer. Deshalb denken wir ja auch weiter und fordern gleich den Menschenführerschein. Wer nicht geeignet ist, wird einfach des Landes verwiesen. Mitsamt all seiner vier-, sechsoder achtbeinigen Begleiter. Also fangen Sie am besten schon jetzt zu Lernen an.

Ein wehrhafter Pensionist Donnerwetter, Sie kennen uns ja wirklich!

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„Bananenrepublikaner unleashed“: KHG zeigt sein wahres Gesicht

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Bildquelle: Strassengalerie


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