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nr. 8 | 2015

Nordlicht Offizielles Mitteilungsblatt der Kassen채rztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein

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August 2015 | 18. Jahrgang

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Sprachtalente im Sprechzimmer

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Medizin trifft Muttersprache


Inhalt seite

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rubrik/Thema

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TITELTHEMA

Aus dem Inhalt

Gynäkologische Praxis von Andreas Beneke in Glinde: Gespräch mit Patientinnen auch auf Türkisch möglich

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Hausarztpraxis von Dr. Hark Weber auf Föhr: Fester Platz für die friesische Sprache

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Hausarzt Dr. Jens-Uve Niendorf in Flensburg: Spricht auch die Spache der dänischen Patienten

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Nachrichten Kompakt Gesundheitspolitik

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Kommentar: Saure Gurken

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Zwei Ärzte für Hallig Hooge

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Rezension des Buches „KV denken“ von Prof. Marcus Siebolds

Praxis & KV 18

Öffentliche Ausschreibung von Vertragspraxen

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Neues aus KBV und KVen

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Novellierung des Psychotherapeutengesetzes: Veränderte Ausbildung

Die Menschen im Land 22

Dr. Eberhard Gerber: Ruhestand nach 47 Jahren Arbeit als Inselarzt auf Fehmarn

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Glosse: Skurriles aus der Sprechstunde

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Serie: Neu niedergelassen in Schleswig-Holstein

Service 27

Sicher durch den Verordnungsdschungel: Hilfreiche Tipps

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Asylbewerber in der Arztpraxis: Hinweise zur Behandlung

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Asylsuchende in der ärztlichen Behandlung: Interview mit Torsten Döring, Stellvertreter des Beauftragten für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes Schleswig-Holstein

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Sie fragen – wir antworten

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Recht: ambulant oder stationär?

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Seminare

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Termine

Türkisch, Russisch, Dänisch oder Friesisch: In SchleswigHolsteins Praxen wird schon lange nicht mehr nur Hochdeutsch gesprochen. Ärzte und Praxisteams kommunizieren häufig mit Patienten, die eine andere Muttersprache haben. Dabei nutzen sie auch ihre eigenen Sprachkenntnisse. Das Nordlicht hat Ärzte in Glinde bei Hamburg, in Utersum auf Föhr und in Flensburg besucht, die sich sprachlich besonders gut auf ihre Patienten eingestellt haben. Jeder Bericht ist zweisprachig abgedruckt.

04 Auf Hallig Hooge können Einwohner und Touristen alle zwei Wochen eine hausärztliche Sprechstunde nutzen. Zwei Ärzte aus Nordfriesland wechseln sich bei den „ Hallig-Sprechstunden“ ab. Das Nordlicht hat den Allgemeinmediziner Dr. Gerhard Steinort bei seinem ersten Einsatz begleitet.

14 22 Dr. Eberhard Gerber verabschiedet sich nach 47 Jahren Arbeit in seiner Hausarztpraxis in Burg auf Fehmarn in den Ruhestand. Er blickt auf ein erfülltes Berufsleben zurück, das den Inselarzt auch als Bordarzt auf mehreren Traumschiffen quer über den Globus führte.

Wertvolle Informationen für Sie und Ihr Praxisteam auf den mit einem grünen „ i“ markierten Seiten

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Nordlicht nr. 8 | 2015 EDITORIAL Dr. Ralph Ennenbach, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVSH

Liebe Leserinnen und Leser, während Sie diese Ausgabe des Nordlichts in den Händen halten, ist das sogenannte GKV-Versorgungsstärkungsgesetz seit wenigen Tagen in Kraft. Glaubt man den vollmundigen Versprechungen der Gesundheitspolitiker, können wir nun alle ganz beruhigt die letzten Wochen dieses verregneten Sommers genießen. Schließlich soll mit dem Gesetz alles besser werden, behauptet zumindest Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Es schaffe – so der CDU-Politiker – Anreize, dass sich künftig mehr Ärzte in unterversorgten und strukturschwachen Gebieten niederlassen. Ärzte sollten dort tätig sein, wo sie für eine gute Versorgung gebraucht werden, begründet der Minister die Aufkaufregelung von Arztsitzen. Künftig solle eine Praxis in einem überversorgten Gebiet nur dann nachbesetzt werden, wenn dies für die Versorgung der Patienten auch sinnvoll sei. Doch lässt sich das Problem des Ärztemangels so einfach per Gesetz lösen? Zweifel sind erlaubt. Schließlich gibt es in vielen Dörfern auch keinen Bäcker mehr, das Kino hat seinen Betrieb eingestellt und die Apotheke ist schon lange weg. Wer glaubt denn ernsthaft, dass sich junge Ärztinnen und Ärzte dort niederlassen, wo ansonsten keine Infrastruktur mehr vorhanden ist. Beinahe naiv ist außerdem die Annahme, man müsse jungen Ärztinnen und Ärzten nur verwehren, sich in der Stadt niederzulassen. Diese würden dann schon freiwillig aufs Land ziehen, um dort zu praktizieren. Wenn alle aus dem Dorf wegziehen, warum soll dann der Arzt dahin gehen? Solange es die Niederlassungsfreiheit noch gibt, sind es die Ärzte mit ihren Familien, die über ihren Lebensmittelpunkt entscheiden, nicht die Politik. Hinzu kommt: Nachwuchsmediziner verfügen über genügend Alternativen. Bevor Ärzte gezwungen werden, irgendwo hinzugehen, wo sie nicht hinwollen, bleiben sie am Krankenhaus, gehen in die Forschung oder kehren – und das wäre das Schlimmste – der kurativen ambulanten Medizin den Rücken. Bund und Länder sollten daher dringend ihre Strukturpolitik ändern und die Gemeinden für alle attraktiver machen – dann klappt es auch mit den Ärzten. Mit Inkrafttreten des Versorgungsstärkungsgesetzes tickt aber auch die Uhr. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind verpflichtet, bis Anfang Februar 2016 Terminservicestellen einzurichten. Die KVSH wird diese gesetzliche Vorgabe zähneknirschend umsetzen. Denn für uns steht fest: Die Terminservicestellen sind ein rein populistisches Instrument der Politik, um Wählerstimmen abzugreifen und werden eben nicht – wie Gesundheitspolitiker behaupten – zu einer Verbesserung der Versorgung führen. Mal abgesehen davon, dass wir in Deutschland im europäischen und wahrscheinlich auch im weltweiten Vergleich die kürzesten Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt haben, ist es doch folgendermaßen: Wenn es z. B. nicht genügend Neurologen gibt, wird auch eine Terminservicestelle nichts daran ändern, dass die Wartezeiten in diesem Bereich länger sind. Die Art und Weise der Umsetzung der Terminservicestellen wird sehr intensiv in unseren politischen Gremien und mit Ihren Berufsverbänden diskutiert werden. Für mich ist klar, dass ein Weg, Termine über einen externen Anbieter vermitteln zu lassen, selten im Sinne der Patienten sein kann, weil damit auch Informationsverluste zwischen Patient und Praxis einhergehen. Aber sehen das auch die allermeisten Patienten ein? Hier geht es auch um deren Ansprache. Wir werden Sie über das Nordlicht auf dem Laufenden halten. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien weiterhin eine schöne Urlaubszeit mit hoffentlich mehr sonnigen Tagen als bisher. Herzliche Grüße

Ihr Ralph Ennenbach 8 | 2015

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Titelthema S prachenvielfalt im S prechzimmer „ Man spricht Deutsch“: Dieser Grundsatz gilt in Schleswig-Holsteins Praxen schon lange nicht mehr. Ärzte und Psychotherapeuten sprechen immer häufiger nicht nur Hochdeutsch mit ihren Patienten, sondern setzen zur besseren Kommunikation auch auf ihre Fremdsprachenkenntnisse. Das Nordlicht hat drei Praxen in Glinde bei Hamburg, in Utersum auf Föhr und in Flensburg besucht, um zu erfahren, wie dort die täglichen sprachlichen Herausforderungen des Praxisalltags gemeistert werden. Die Berichte sind zweisprachig abgedruckt.

„Herr Doktor, Sie sprechen ja Türkisch“ Die Kommunikation mit Patienten, die ausländische Wurzeln haben, ist für Ärzte und ihre Praxisteams nicht immer einfach. Andreas Beneke hat sich gut auf diesen Patientenkreis eingestellt. Der Gynäkologe aus Glinde (Kreis Stormarn) lernte Türkisch und kann sich nun mit vielen seiner türkischstämmigen Patientinnen auch in deren Muttersprache unterhalten. auch Türkisch spricht. Außerdem muss ich natürlich aufpassen, dass unsere fünfjährige Tochter mich eines Tages nicht sprachlich überholt“, berichtet Beneke.

Das Thema sprachliche Verständigung spielt im Praxisalltag von Andreas Beneke eine wichtige Rolle. Rund 20 Prozent der Patientinnen seiner Frauenarztpraxis sind ausländischer Herkunft. Die Frauen stammen aus der Türkei, Russland, Rumänien und verschiedenen afrikanischen Ländern. Einige sprechen nur sehr schlecht oder überhaupt kein Deutsch. „Einige meiner Arzthelferinnen können zwar fließend Russisch, doch es gibt in meinem Sprechzimmer immer wieder Situationen, in denen ein Familienmitglied oder ein Bekannter für die Patientin dolmetschen muss“, erzählt Beneke, der seit acht Jahren in einer Einzelpraxis an der Möllner Landstraße in Glinde niedergelassen ist. „Ich führe das Gespräch dann oft auf Englisch oder Französisch. Manchmal hilft auch ein Blick in meine Übersetzungsbücher“, berichtet er. Mit seinen türkischsprachigen Patientinnen kann sich der 48-Jährige aber auch ganz gut in deren Muttersprache verständigen. Daran ist seine türkischstämmige Frau Gül nicht ganz unschuldig. Sie wurde in Deutschland geboren, wuchs zweisprachig auf und freut sich, dass sich ihr Mann intensiver mit der türkischen Kultur und Sprache beschäftigt. „Ihre Familie lebt in Izmir und war sehr glücklich darüber, dass ihr Schwiegersohn aus Deutschland nun

Türkisch im Sprechzimmer Um die neue Sprache zu erlernen, besuchte der Gynäkologe die „gute alte Volkshochschule“. Der Kurs wurde von einer türkischsprachigen Arzthelferin geleitet und ging weit über die üblichen alltäglichen Sprachsituationen hinaus. Das Türkische hört sich im Vergleich zum sehr hart klingenden Arabisch eher weich an, weist aber einige Besonderheiten auf. Es hat als sogenannte „agglutinierende“ Sprache die Eigenschaft, viele Anhängsel an Worte zu hängen, um bestimmte Dinge auszudrücken. „Da kann ein Satz am Ende schon ziemlich lang werden“, erklärt Beneke. Dazu kommt, dass die Sprache oft sehr schnell gesprochen wird, sodass man gerade als Anfänger kaum hinterherkommt. Sie ist außerdem sehr bildreich und verfügt über einen großen Vorrat an Wörtern und unterschiedlichen Dialekten. „Da gibt es Vokabeln, die sogar meine Frau nicht kennt“, erzählt Beneke, der die gerade frisch gelernte Sprache auch sofort im Sprechzimmer ausprobierte. Das kam sehr gut an. Viele seiner türkischen Patientinnen waren erst überrascht und freuten sich dann, wenn Beneke sie mit der üblichen Begrüßungsformel „Merhaba“ begrüßte oder ihnen statt „gute Besserung“ auf Türkisch „Geçmiş olsun“wünschte. Viele wunderten sich, dass er als deutscher Arzt Türkisch kann. „Herr Doktor, Sie sprechen ja Türkisch. Wie kommt das?“ Mittlerweile wissen die meisten Patientinnen, dass ihr Arzt eine türkischstämmige Frau hat und die Sprache nicht zuletzt deshalb so gut beherrscht. Gerade die älteren Türkinnen schätzen das und freuen sich, wenn er ganz zwanglos mit ihnen plaudert. „Das klappt mittlerweile sogar so gut, dass viele Frauen auf den sonst üblichen Dolmetscher aus dem Familienkreis verzichten. Das vereinfacht das Patientengespräch und die Behandlung, weil ich direkt und ohne Umwege mit der Patientin sprechen kann“, berichtet Beneke. Jakob Wilder, KVSH

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Titelthema

„Doktor Bey siz türkçe uşabiliyormuşsunuz” Doktorlar ve muayenehane ekipleri için yabancı kökenli hastalarla iletişim çoğu zaman kolay olmuyor. Dr. Andreas Beneke kendini bu tür hastalar için iyi hazırladı. Stormarn ilinin Glinde ilçesinden gelen kadın doktoru türkçe öğrendi ve artık türk kökenli hastaların çoğu ile onların kendi dillerinde konuşabiliyor.

Dilsel komunikasyon Andreas Beneke için muayenehane güncelinde önemli bir yer alıyor. Kendisinin jinekolog muayenehanesine gelen hastalarından toplam yüzde yirmisi yabancı kökenli. Bu hanımlar türkiye, rusya, romanya ve bazi afrika ülkelerinden geliyorlar. Aralarında çok az almanca konuşan veya hiç almanca konuşamayan da var. „Doktor yardımcılarımdan bir kaçı akıcı olarak rusça konuşabiliyorlar, fakat muayene odamda hasta için bir aile üyesi yada bir tanıdığı tercüme etmesi gereken durumlar tekrarlanıyor“ diye, Glinde›nin Möllner Landstraße‘ sinde bir tek doktorluk muayenehanesine yerleşmiş doktor, anlatıyor. „Öyle bir durumda görüşmeyi çoğu zaman ingilizce veya fransızca yapıyorum. Ara sıra tercüme kitaplarıma bakmanın bir faydası da oluyor“ diye anlatıyor Dr. Beneke. 48 yaşındaki doktor türkçe konuşan hastaları ile onların anadillerinde de anlaşabiliyor. Bunda türk kökenli olan eşi Gül hanımın da katkısı var. Almanya doğumlu Gül hanım kocasının türk kültürü ve dili ile daha derinden ilgilenmesine seviniyor. „Eşimin ailesi İzmir‘de yaşıyor ve artık türkçe konuşabilmeme çok sevindiler.Tabii ki bunun dışında, 5 yaşındaki kızımın beni günün birinde dil açısından geçmemesi için dikkat ediyorum“ diyor Beneke. 8 | 2015

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Muayenehanede türkçe Kadın doktoru, bu yeni dili öğrenmek için denenmiş ve bilinen Halk Eğitim kursuna gitmiş. Gittiği dil kursu anadili türkçe olan bir doktor yardımcısı tarafından yönetilmişti ve tipik gündelik iletişim örneklerinden daha da ötesini işlemişti. Türkçe, arapça ‹ya göre daha yumuşak duyuluyor, artı bazi özellikleri de var. „Eklemeli“ denilen bir dil olarak, kelimelere bazı şeyleri ifade edebilmek için, çok sayıda bağlanti eklenmesi yapılır. „Nitekim bir cümle sonuçta baya uzayabiliyor“ diye anlatıyor Beneke. Üstelik çok hızlı konuşulan bir dil olduğu için, başta öğrencisi olarak zor yetişiliyor. Ve kelimeleriyle resim yaratan, büyük bir kelime hazinesi ve değişik şiveleri olan bir dildir. „Eşimin tanımadığı kelimeler bile oluyor“ diyor, yeni öğrendiği dili hemen muayenehanesinde uygulayan, Dr. Beneke. Bu da çok hoş karşılanmış. Türk hastalarının çoğu, Beneke onları geleneksel olan selamlama „Merhaba“ ile karşılayınca, yada „Gute Besserung“ yerine „Geçmiş olsun“ dileyince, onlara önce süpriz olmuş, sonra da sevinmişler. Çoğu, alman doktoru olarak, türkçe bilmesine şaşırmışlar. „Doktor Bey, siz türkçe konuşabiliyormuşsunuz. Bu nasıl oldu?” Artık hastaların çoğu, doktorlarının türk kökenli eşi olduğunu ve bu dili bundan dolayı da bu kadar iyi konuşabildiğini biliyorlar. Özellikle ileri yaşda olan türk hanımlar bu durumu takdir ediyorlar ve Beneke›nin onlarla dil açısından rahatlıkla sohbet etmesine memnun oluyorlar. „Bu da artık o kadar iyi oluyor ki, çoğu hanımlar normalde aile çevresinden getirdikleri tercümana ihtiyaç duymuyorlar. Dolayısıyla hasta ile görüşme ve tedavi, direkmen konuşabildiğim için, kolaylaşıyor.“ Übersetzung mit freundlicher Unterstützung des Instituts für Islamwissenschaft der Christian-Albrechts-Universtität zu Kiel

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Titelthema S prachenvielfalt im S prechzimmer

Lebendiges Friesisch Aus dem Praxisalltag von Dr. Hark Weber in Utersum auf Föhr ist Fering nicht wegzudenken. Der Hausarzt spricht mit seinem Praxisteam und den meisten einheimischen Patienten diesen inseltypischen Dialekt des Friesischen. Das kommt in der ländlichen Region sehr gut an und hilft, ein Stück sprachliche Identität der friesischen Minderheit auf der Nordseeinsel lebendig zu halten. Touristen, die zum ersten Mal in die Praxis von Dr. Hark Weber kommen, staunen nicht schlecht, wenn Arzt und Helferinnen sich miteinander unterhalten. „Festländer“ verstehen nämlich oft nicht viel von dem, was da geredet wird. Wenn sich dann noch ein einheimischer Patient ins Gespräch einschaltet, ist die Sprachverwirrung perfekt. Zu fremd klingt Fering, das zusammen mit dem Dialekt Öömring, der auf der benachbarten Insel Amrum gesprochen wird, einen der zehn Hauptdialekte der nordfriesischen Sprache bildet. „Natürlich lösen wir das Sprachproblem schnell auf, denn wir sprechen mit unseren Patienten natürlich auch Hochdeutsch. Innerhalb des Praxisteams und im Sprechzimmer ist Friesisch aber eindeutig die Hauptsprache“, berichtet Weber. 80 Prozent seiner Patienten und alle Helferinnen verständigen sich mit ihm auf Fering. Das macht es „Praxisneulingen“ nicht immer leicht. Vor kurzem hat die Kieler Medizinstudentin Claudia Harr einen Teil ihres Praktischen Jahres bei Weber gemacht. Der Einstieg in die sprachlich landesweit ziemlich einmalige Friesenpraxis war nicht leicht. „Sie hat sich sehr schnell selbst Friesisch beigebracht und auch etwas Sprachunterricht genommen. Am meisten bekam sie aber im Sprechzimmer mit. Dort findet das richtige Leben statt“, schmunzelt Weber. Friesischer Hausarzt Der Hausarzt spricht seit seiner Kindheit fließend Fering. „Ich stamme aus einer Arztfamilie, die 1951 auf die Insel kam. Zu Hause und in der Praxis wurde bei uns damals nur Deutsch gesprochen. Ich bin auf Föhr geboren und habe mein Friesisch als kleiner Junge auf der Straße gelernt“, berichtet der 57-Jährige. 1992 ließ er sich in Utersum in der kleinen Straße „Oner Taarep“ nieder. Ihm wurde sehr schnell klar, dass er als Hausarzt besser klar kommt, wenn er die Sprache benutzt, die auch die Menschen vor Ort sprechen. In der ländlichen Region im Westen der Föhrer Insel sprechen über 70 Prozent der Bevölkerung friesisch. Einheimische rieten ihm: „Sprich friesisch mit uns, dann wirst du hier auch 'was“. Seitdem dürfen die Patienten in der Praxis reden, wie „ihnen der Schnabel gewachsen ist“. Durch die vertraute Sprache entstand schnell eine große Nähe zwischen Arzt und Patienten. Das gilt besonders für die älteren Patienten, die nur Friesisch sprechen und für 6

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die Deutsch eine Fremdsprache ist. Friesen kommen im Gespräch gern schnell auf den Punkt und verwenden dabei eine sehr direkte und klare Sprache. „Wat heeste?“ bedeutet z. B. soviel wie „Wie geht es Ihnen denn heute?“. Eine förmliche Anrede wie im Deutschen gibt es nicht. Für seine Patienten ist Weber „de Dochter“ oder „de Hark“. Die friesische Sprache ist sprachgeschichtlich eng mit dem Englischen und Dänischen verwandt. So heißt z. B. „At as misteg“ („Es ist neblig“) auf Englisch „It is misty“. „Wi haa bradlep“ („Wir haben Hochzeit“) heißt auf Dänisch: „Vi har bryllup“. In der Aussprache klingt Fering oft etwas herb. Zukunft der Sprache In der eigenen Familie – die Webers haben einen Sohn und eine Tochter – wird Deutsch gesprochen. „Das ändert sich aber in dem Moment, in dem ich meine Praxis betrete“, berichtet er. Um den Erhalt der sprachlichen Identität der Friesen auf Föhr macht er sich keine Sorgen. Die Sprache werde nicht nur künstlich am Leben erhalten, sondern von breiten Teilen der Bevölkerung gesprochen. „Fering erlebte in den letzten fünfzehn Jahren sogar eine kleine Renaissance. Auch bei den Jüngeren ist es sehr beliebt und wird im Kindergarten, in der Schule, bei der Feuerwehr, beim Bäcker, beim Kaufmann und eben auch in meiner Arztpraxis gesprochen“, berichtet Weber. Jakob Wilder, KVSH

Lust auf Friesisch? FriiskFunk nutzen Jeden Morgen von 8 bis 9 Uhr geht der FriiskFunk auf Sendung. Das „friesische Alltagsradio“ informiert über Aktivitäten und Kultur der Friesen. Unter folgendem Link können Sie sich mit der friesischen Sprache vertraut machen und entsprechende Audio-Dateien anhören. www.oksh.de/sh/machen/projekte/friiskfunk/friiskfunk.php Es gibt dort unter anderem einen Audio-Beitrag über die Kieler Medizinstudentin Claudia Harr, die drei Monate ihres Praktischen Jahres in der Praxis von Dr. Hark Weber in Utersum verbracht hat: www.oksh.de/wk/hoeren/on_demand/2015/friiskfunk_07_juli.php

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Titelthema

Laben fresk Ütj at praksiswerk faan Dr. Hark Weber uun Ödersam üüb Feer as at fering ei wechtuteenken. De hüsdochter snaaket fering mä a lidj, wat bi ham werke, an mä a miast lidj, wat tu ham kem. Det komt gud uun an halept en stak spriikidentiteet faan’t fresk manerhaid üüb’t eilun laben tu hualen. Baadelidj, wat tu’t iarst feer tu Dr. Hark Weber kem, wonre jo deel, wan a dochter an sin halpern jo onerhual. Lidj faan a feesteeg ferstun nemelk flooksis ei föl faan det, wat diar snaaket wurt, tu freem nemelk klangt at fering. Wan do noch en patient faan Feer diar auertukomt an mäsnaaket, as at spriikentrochenöler diar. Tup mä’t öömring, diar üüb’t neibüüreilun Oomram snaaket wurt, as at fering ään faan a tjiin hooddialekten faan’t nuurdfresk. „Natüürelk liase wi det trochenöler faan a spriiken gau ap, auer wi mä üs patienten natüürelk uk huuchtjiisk snaake“, beracht Weber. 80 prusent faan sin patienten an altermaal halpern snaake mäenöler fering. Det maaget det för döndiaren, wat nei iin uun a praksis kem, ei lacht. Föör ei loong turag, hed Claudia Harr, en meedisiinstudentin ütj Kiel, hör praktisk juar bi Weber maaget. De began uun det wel bal iansigst prakis uun’t lun, huar fresk snaaket wurt, wiar för ham ei lacht. „Hat hee ham temelk gau at fering salew bibroocht an uk wat spriikonerracht hed. Man at miast hee hat uun’t spreegrüm mafingen. Diar as nemelk at rocht leewent”, smonselt Weber. Fresk hüsdochter De hüsdochter snaaket faan letj ap fering. „Ik kem ütj en dochterfamilje, wat 1951 tu Feer kaam. Aran an uun a praksis wurd bi üs iar bluat tjiisk snaaket. Ik san üüb Feer bäären an haa min fering üüs letj dring üüb a struat liard”, fertäält de 57 juar ual dochter. 1992 wurd hi dochter uun Ödersam, uun det struat „Oner Taarep“. Hi wurd gau waar, dat hi üüs hüsdochter beeder turochtkomt, wan hi det spriik brükt, wat a minsken uk aran snaake. Üüb a waasterdial faan Feer snaake noch auer 70 prusent faan a lidj fering. A feringen räät ham: „Snaake fering mä üs, do wurst dü heer wat.“ San det tidj mut a lidj uun sin praksis so snaake, “üüs jo a snoobel woksen as”. Troch det fertraud spriik as at gau tu en grat naite tesken dochter an patient kimen, fööraal tu a ääler lidj, wat bluat fering snaake an för wat at huuchtjiisk en freemspriik as. Wan’s fering snaake, kem’s gau faan’t ai an brük diarbi en klaar an direkt spriik. „Wat heest?“ bedüüdet t.b. soföl üüs: „Hü gungt at di daaling?“ Ölers üüs uun’t tjiisken, jaft at üüb fering nian „Sie“. För sin patienten as Weber „a dochter“ of „de Hark“. At fresk spriik as faan sin histoore nai mä’t ingels an mä’t deesnk

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frinjet. So het t.b. „at as mistig“ („es ist neblig“) üüb ingels „it is misty“. „Wi haa bradlep“ („wir haben Hochzeit“) het üüb deensk „vi har bryllyp“. Det ütjsnaak faan’t fering komt a freemen wilems wat hard föör. At spriik uun kemen tidjen Uun sin aanj familje – a Webers haa en dring an en foomen – wurt tjiisk snaaket. „Det anert ham oober uun de uugenblak, huar ik iin uun a praksis kem“, beracht Weber. Am at fresk üüb Feer maaget hi ham nian surgen. Det spriik täär uk ei konstelk laben häälen wurd, auer at faan a lidj üüb Feer noch daielks brükt wurt. „At as uun a letst juaren sogoor noch muar wurden. Uk a jongen snaake hal fering, uun a jongensguard, uun skuul, bi a feuerweer, bi a beker, bi a kuupmaan an uk bi mi uun min praksis“, so Weber. Übersetzung mit freundlicher Unterstützung DER FERrING-Stiftung/Föhr

Last üüb Fering? FriiskFunk hiar! Arke maaren faan a klook aacht bit tjiin kön jam FriiskFunk hiar. Det radio beracht auer ales, wat so bi a fresken luas as. Oner de link www.oksh.de/sh/machen/projekte/friiskfunk/friiskfunk.php kön jam fresk spriik hiar an uk AudioDateien üüb fering uunharke. At jaft diar t.b. uk en bidrach auer Claudia Harr, wat trii muuner faan hör praktisk juar bi Hark Weber maaget hee: www.oksh.de/wk/hoeren/on_demand/2015/friiskfunk_07_juli.php

"We snake Fering": (von li. nach re.) Seike Carstensen, Anna Nickelsen, Maren Olufs, Kirsten Bruhn, Ina Hartmann, Ina Nielsen, Dr. Hark Weber

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Titelthema S prachenvielfalt im S prechzimmer

Flensburger Verhältnisse

Die Fördestadt ist durch ihre Lage direkt an der deutsch-dänischen Grenze in fast allen Lebensbereichen eine zweisprachige Stadt. Das bestimmt auch den Praxisalltag von Dr. Constantin Nacke und Dr. Jens-Uve Niendorf. Ihre hausärztliche Gemeinschaftspraxis in der Flensburger Neustadt hat viele dänischsprachige Patienten. studierte in Arhus und Kopenhagen und arbeitete danach mehrere Jahre lang an dänischen Krankenhäusern. 1990 entschloss er sich, nach Deutschland zurückzukehren, um die Hausarztpraxis seines Vaters in der Apenrader Straße zu übernehmen. „Meine Familie führt diese Praxis in der dritten Generation. Flensburg ist meine Heimat und ich habe gemerkt, dass ich hierher gehöre“, erläutert der zweifache Familienvater das Motiv für seine Rückkehr. Viele Patienten wissen aus dem Internet oder von Bekannten, dass Niendorf zu den wenigen deutschen Ärzten in der Grenzregion gehört, die nicht nur Dänisch verstehen, sondern auch fließend sprechen. Der 59-Jährige versteht außerdem auch Norwegisch. Diese Sprache ist dem Dänischen sehr ähnlich und dann und wann kommen auch Norweger in die Praxis. Es kommen auch viele deutschsprachige Patienten, die in Dänemark leben. Viele sind Angehörige der deutschen Minderheit im dänischen Nordschleswig. Es sind aber Haben deutsch- und dänischsprachige Patienten: Dr. Constantin Nacke und Dr. Jens-Uve Niendorf auch einige Dänen darunter. Flensburgs besonderer Charakter als Grenzstadt wurde über Jahrhunderte von deutschen und dänischen Einflüssen geprägt. Das Miteinander dieser beiden Gruppen prägt das Stadtbild. An vielen Gebäuden weht die dänische Flagge, der Danebrog, direkt neben der Deutschlandflagge. Jeder vierte Flensburger gehört zur dänischen Minderheit oder ist Reichsdäne, also Bürger mit dänischem Pass. Die Partei der dänischen Minderheit, der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt seit vier Jahren den Oberbürgermeister in Schleswig-Holsteins drittgrößter Stadt. Es gibt dänische Kindertagesstätten, Schulen, eine Bibliothek, Kirchen und Altersheime, ein dänisches Theater und mit „Flensborg Avis“ auch eine zweisprachige Zeitung.

Mentalitätsunterschiede Bei diesem Patientenkreis, der durch das dänische Primärarztsystem geprägt wurde, hat der Allgemeinmediziner einige Besonderheiten festgestellt. „Die Dänen legen großen Wert darauf, dass sie ihren eigenen Hausarzt haben. Sie wundern sich anfangs immer sehr, dass sie in Deutschland direkt und ohne Vorgespräch mit mir gleich zum Facharzt gehen könnten“, erläutert er. Und was geschieht mit den dänischsprachigen Patienten, wenn Niendorf einmal Urlaub macht? „Mein Praxispartner Dr. Nacke und eine meiner Arzthelferinnen verstehen auch etwas Dänisch. Die Standardformeln ,Hey‘, ,tak‘ und ,farvel‘ kennt ohnehin jeder Flensburger. Ansonsten hilft ja immer noch das gute, alte Englisch weiter“, berichtet Niendorf.

Dänisch in der Arztpraxis Die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Region spiegelt sich auch in der Patientenstruktur der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Niendorf/Nacke wider. Sie liegt nur wenige Kilometer vom Grenzübergang Kupfermühle entfernt in der Flensburger Neustadt und hat viele dänisch sprechende Patienten. Für sie ist traditionell Dr. Jens-Uve Niendorf zuständig. Der gebürtige Flensburger

Jakob Wilder, KVSH

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Forholdene i Flensborg Pågrund af dens beliggenhed direkte ved den dansk-tyske grænse er fjordbyen tosproget i nær alle livsområder. Dette er også tilfældet i praksis-hverdagen hos Dr. Constantin Nacke og Dr. Jens-Uve Niendorf. Deres fællespraksis som praktiserende læger i Flensborgs nystad har mange dansktalende patienter. „Min familie driver denne praksis i tredje generation. Flensborg er mit hjemstavn og jeg har opdaget, at jeg hører hertil“, forklarer han som far til to om motivet for hans tilbagevenden. Fra internettet eller fra bekendte ved mange patienter at Niendorf tilhører de få tyske læger i grænseregionen, som ikke kun forstår dansk, men også taler dansk flydende. Den 59-år-gamle læge forstår desuden norsk. Dette sprog ligner det danske meget og af og til kommer der også nordmænd i hans praksis. Der kommer også mange tysksprogede patienter, v som bor i Danmark. Mange af disse tilhører det tyske mindretal i det danske Nordslesvig. Men der kommer ligeledes nogle danske patienter. Mentalitetsforskel Almenmedicineren har konstateret nogle særpræg ved de patienter, som indtil da kendte kun det danske primærlæge-system. „Danskerne lægger meget vægt på at de har deres egen huslæge. I begyndelsen undrer de sig altid meget, at de kan gå Har tysk- og dansktalende patienter: Dr. Constantin Nacke und Dr. Jens-Uve Niendorf til speciallæge i Tyskland direkte og uden Tyske og danske indflydelser har præget Flensborgs særlige karak- samtale med mig“ forklarer han. Og hvad sker der med de danske ter som grænseby igennem århundreder. Bybilledet er præget af patienter, når Niendorf holder fri? „Min partner Dr. Nacke samt begge gruppers fællesskab. Dannebrogen er hejsset ved mange en af vores lægesekretærer forstår da også lidt dansk. Standarbygninger direkte ved siden af det tyske flag. Hver fjerde indbyg- tordene ‚hej’, ‚tak’ og ‚farvel´ kender da alle i Flensborg. Og ellers ger tilhører det danske mindretal eller er rigsdansker, dvs. dansk så findes der jo altid det gode, gamle engelsk“ beretter Niendorf. Übersetzung mit freundlicher Unterstützung statsborger. Overborgmesteren af Slesvig-Holstens tredje største durch Dr. Jens-Uve Niendorf by er siden 4 år et medlem af Sydslesvigs Vælgerforening, partiet af det danske mindretal. Der forefindes danske børneinstitutioner, skoler, et bibliotek, kirker og alderdomshjem, et dansk teater og en tosproget avis, „Flensborg Avis“. Dansk i lægepraksis Regionens kulturelle og sproglige mangfoldighed afspejler sig også i patientstrukturen af Niendorf/Nackes huslægepraksis. Denne praksis ligger kun få kilometer fra grænsen ved Kruså i Flensborgs nystad og har mange dansktalende patienter. Tradionelt er Dr. Jens-Uve Niendorf ansvarlig for dem. Han er født i Flensborg og har læst i Århus og København og har arbejdet flere år i danske sygehuse. Han besluttede i 1990 at vende tilbage til Tyskland for at videreføre farens huslægepraksis i Åbenrå gaden. 8 | 2015

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NACHRICHTEN  KOMPAKT F ortbildung

I mpfen

Fachzertifikat Onkologie

Neuer Internetauftritt

Bad Segeberg – Damit Schleswig-Holsteins Praxen auf die prognostizierten demografischen und epidemiologischen Entwicklungen im onkologischen Bereich vorbereitet sind, bietet das Edmund-Christiani-Seminar der Ärztekammer SchleswigHolstein vom 16. bis 18. Oktober 2015 in Bad Segeberg das erste Modul zum Erlangen des Fachzertifikates Onkologie für medizinisches Assistenzpersonal an. Nach Absolvierung der 90 Präsenzstunden, die im Anschluss an das erste Modul angeboten werden, erfüllen die Mitarbeiter der ambulanten Praxen die Anforderungen der „Onkologie-Vereinbarung“ und können gemäß Paragraf 5 in der Assistenz eingesetzt werden. Weitere Informationen und Termine sind auf der Homepage der Ärztekammer Schleswig-Holstein zu finden: www.aeksh.de/mfaota/ fortbildung/fachzertifikate.html. Ansprechpartnerin bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein: Rabea Brunke, (Tel. 04551 8813 281 und E-Mail: rabea.brunke@aeksh.de)

Kiel – Der Internetauftritt des Landes Schleswig-Holstein zum Thema „Impfen“ wurde vollständig überarbeitet und steht neu strukturiert als Schwerpunkt der Landesregierung unter folgendem Link zur Verfügung: www.impfen.schleswig-holstein.de. Neben allgemeinen Informationen zum Impfen wird auf der neuen Seite auch über aktuelle Aktionen und Schwerpunkte der Impfkampagne in Schleswig-Holstein berichtet.

Q ualitätssicherung

Neuer Online-Test zeigt Hygiene-Status Berlin – Ärzte und Praxisteams können den Hygiene-Status in ihren Praxen mit einem Fragebogen überprüfen. Das Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat die Fragen entwickelt, um so einen Überblick über die umfangreichen Rechtsvorschriften zu schaffen und Praxen bei ihrer Umsetzung zu unterstützen. Der Fragebogen gliedert sich in vier Themenbereiche: Arbeitsschutz, Hygiene-Management, Umgang mit Medizinprodukten und Aufbereitung von Medizinprodukten. Die Fragen werden durch Erklärungen, Hinweise sowie den Rechtsgrundlagen, auf denen die einzelnen Anforderungen basieren, ergänzt. Zu jedem Thema wird zusätzlich auf das entsprechende Kapitel in der Broschüre „Hygiene in der Arztpraxis. Ein Leitfaden“ – ebenfalls vom Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte herausgegeben – verwiesen. Der Online-Test ist unter www.hygiene-medizinprodukte.de/Download zu finden. Mehr Informationen zum Thema Hygiene: Qualitätssicherung Angelika Ströbel, Tel. 04551 883 204 E-Mail angelika.stroebel@kvsh.de

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Nordlicht

Nutzer finden dort folgende Rubriken: ƒƒ Impfempfehlungen gegliedert nach den verschiedenen Alters- und Zielgruppen ƒƒ Impfen von A-Z: Wie funktioniert Impfen? Wogegen kann man impfen? Impfkritik – was ist dran? ƒƒ Service & Download: Info-Flyer, Download-Center, FAQ ƒƒ Infos für die Fachöffentlichkeit: Fortbildungen, Veranstaltungen, Impfquoten, Impfkritik sachlich begegnen ƒƒ News

M erkblatt

Reisen mit Diabetes Berlin – Für Patienten mit Diabetes ist es besonders wichtig, sich rechtzeitig auf den Urlaub vorzubereiten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat deshalb eine neue Patienteninformation mit den wichtigsten Reise-Tipps für Diabetiker veröffentlicht. Das Merkblatt wurde vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag von KBV und Bundesärztekammer erstellt. Das ÄZQ hat bereits über 30 Patienteninformationen verfasst. Einige davon sind in mehreren Sprachen erhältlich. Die Themen reichen von Krebs über Herzschwäche und Hauterkrankungen bis hin zu Hinweisen zur Antibiotikatherapie. Alle Patienteninformationen stehen unter www.kbv.de/html/ gesundheitsinfos.php zum Download bereit. ak t u e l l

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NACHRICHTEN  KOMPAKT N iederlassung

T elemedizinische L eistungen

Serviceheft informiert über Kooperationsformen

Aufnahme in den EBM verschoben

Bad Segeberg – Mit der Servicebroschüre „Arbeiten im Team“ richtet sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) an Ärzte und Psychotherapeuten, die sich niederlassen wollen. Diese erfahren auf 20 Seiten, welche Kooperationsmöglichkeiten eine Einzelpraxis heute hat, wie die Zusammenarbeit in einer Gemeinschaftspraxis funktioniert oder was bei der Gründung eines Praxisnetzes zu beachten ist. Auch die Themen Jobsharing oder Anstellung werden behandelt. Das Serviceheft bietet grundlegende Informationen wie Merkmale, Anforderungen und Besonderheiten der jeweiligen Praxisform und Zusammenarbeit. Darüber hinaus schildern Ärzte ihre Erfahrungen, die sie bei der Gründung einer Praxisgemeinschaft oder als Angestellte in einer Gemeinschaftspraxis gemacht haben. Auch eine Ärztin aus Schleswig-Holstein ist in der Broschüre vertreten. Swantje Knopf berichtet über die positiven Erfahrungen, die sie als angestellte Hausärztin in einer Praxis in Travemünde gemacht hat. Die Broschüre „Arbeiten im Team – Informationen zu Praxisformen und Möglichkeiten der Kooperation“ aus der Reihe „PraxisWissen“ kann im Internet unter www.kvsh.de heruntergeladen und in gedruckter Form über die Formularausgabe der KVSH bestellt werden (formular@kvsh.de).

N eubau A V - S aal

Weiterer Zeitplan steht fest Bad Segeberg – Der geplante Neubau des Plenarsaals der KVSH nimmt konkretere Formen an. Das mit den Planungen beauftragte Architektenbüro stellte auf der letzten Abgeordnetenversammlung eine Variante vor, die einen Anbau an den Gebäudetrakt vorsieht, in dem sich der Abgeordnetensaal derzeit befindet. Entgegen Medienberichten, wonach die Pläne so gut wie abgeschlossen seien, diskutierten die Abgeordneten mehrere Varianten der Erweiterung. Dazu gehörte die Frage, ob der jetzige AV-Saal bei einem Neubau in Büros umgebaut werden solle. Auch die Möglichkeit eines zusätzlichen Stockwerks auf dem geplanten Anbau und die dafür erforderlichen Genehmigungen seitens der Stadt wurden ausgiebig besprochen. Eine endgültige Entscheidung wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres fallen. Bis dahin soll auch das Ergebnis eines FledermausGutachtens vorliegen. Dies wurde in Auftrag gegeben, weil sich der geplante Sitzungssaal innerhalb der Einflugschneise der Fledermäuse befinden würde. Fest steht schon jetzt: Die Finanzierung des Neubaus ist gesichert und wird aus dafür bereits angesammelten Mitteln erfolgen. Eine Erhöhung der MitgliederUmlage wird nicht notwendig sein. 8 | 2015

Nordlicht

Berlin – Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat die Entscheidung zur Aufnahme von telemedizinischen Leistungen in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) vertagt. Er beauftragte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und den GKV-Spitzenverband, bis Ende Oktober eine Vorlage zu erarbeiten. Als erste telemedizinische Leistungen sollen demnach die Funktionsanalyse eines implantierten Kardioverters beziehungsweise Defibrillators sowie von implantierten Systemen zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT-P und CRT-D) in den EBM aufgenommen werden. Näheres zur Abrechnung und Vergütung sollen die Vertragspartner bis 31. Oktober 2015 in einem Beschlussentwurf regeln, den der Erweiterte Bewertungsausschuss in der Sitzung am 15. Dezember 2015 beschließen will. „Jetzt steht zumindest ein Beschluss in Aussicht“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Damit wäre ein Einstieg in die Telemedizin möglich. Für Patienten hätte dies mehrere Vorteile. Durch engmaschigere Kontrollen besteht für sie eine höhere Sicherheit, was auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität führt. Darüber hinaus ist die telemedizinische Kontrolle ein geeignetes Instrument, um auch in ländlichen Regionen diese kontinuierliche Betreuung weiterhin zu gewährleisten.

A nal y se

Einzelpraxis bleibt attraktiv Düsseldorf – Die Einzelpraxis ist kein Auslaufmodell. 58,7 Prozent der Hausärzte und 57,8 Prozent der Fachärzte bevorzugten im vergangenen Jahr diese Art der Existenzgründung, wie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) in ihrer neuen Existenzgründungsanalyse „Ärzte 2014“ berichtet. „Kooperationen bleiben jedoch nach wie vor eine attraktive Option für Ärzte, die beispielsweise die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit, eine Erweiterung des angebotenen Leistungsspektrums oder eine sukzessive Praxisübernahme suchen“, sagte Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank. Die häufigste Kooperationsform sind laut der Analyse die Berufsausübungsgemeinschaften. Im Vorjahr wählten 36,9 Prozent der Hausärzte und 34,1 Prozent der Fachärzte diese Niederlassungsform. Mehr Informationen zur Analyse unter www.apobank.de. ak t u e l l

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NACHRICHTEN  KOMPAKT W ettbewerb

ZiPP

SafeMail erfolgreich

Bundesweite Befragung zu Praxiskosten gestartet

Berlin – SafeMail, der E-Mail-Dienst der KVSH, erhielt beim diesjährigen eGovernment-Wettbewerb in der Kategorie „Bestes E-Health Projekt 2015“ den 3. Platz. Die Beurteilung der eingereichten Projekte erfolgte durch eine unabhängige Jury, die sich aus Verwaltungs-, IT-, eGovernment-, eHealth- und eEducationExperten zusammensetzte. Durchgeführt wurde der Wettbewerb durch BearingPoint und Cisco unter Dachherrschaft des Bundesinnenministeriums. SchleswigHolsteins Praxen und Krankenhäuser bestätigen diesen Erfolg. Auch im 2. Quartal 2015 stieg der Datenaustausch mit SafeMail wie bereits in den Vorquartalen weiter an. „Mit 22.000 Entlassund Arztbriefen wurde nun erstmals die 20.000 er Grenze überschritten. Der Projektstart einer papierlosen und auf SafeMailbasierenden Laborkommunikation wird diese Zahlen zukünftig sicher noch weiter ansteigen lassen“, erklärte Udo Karlins, Leiter des Fachbereichs Telematik der KVSH. Mehr Informationen zu SafeMail unter safemail.ekvsh.de und www.ekvsh.de.

U mschlagverfahren

Medizinische Unterlagen direkt an den MDK Bad Segeberg – Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationssicherheit (BfDI) hat in ihrem 25. Tätigkeitsbericht darauf hingewiesen, dass medizinische Unterlagen zukünftig nur noch direkt an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) übermittelt werden dürfen. Das bisher von der Bundesbeauftragten gebilligte sogenannte Umschlagverfahren, bei dem Vertragsärzte die Unterlagen über die Krankenkassen in einem verschlossenen Umschlag – in der Regel mit der Aufschrift „Ärztliche Unterlagen nur vom MDK zu öffnen“ – an den MDK weiterleiten, ist nicht mehr erlaubt. Das Umschlagverfahren konnte nach den Ausführungen der Bundesdatenschutzbeauftragten in der Praxis nicht verhindern, dass medizinische Unterlagen nur vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zur Kenntnis genommen werden. Eine unzulässige Einsichtnahme durch die Krankenkasse könne nicht ausgeschlossen werden. Durchgeführte Kontrollen hätten bestätigt, dass datenschutzrechtliche Vorgaben in der Arztpraxis häufig nicht beachtet wurden. Eine Übermittlung von Sozialdaten komme nur auf direktem (Post-) Weg und ohne Einschaltung der Krankenkassen in Betracht. Zukünftig sind niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten daher verpflichtet, die erforderlichen Unterlagen direkt dem MDK zu übersenden. Das bisherige Umschlagverfahren darf nicht mehr angewendet werden. Der 25. Tätigkeitsbericht der Bundesbeauftragten ist auf der Internetseite der BfDI abrufbar: www. bfdi.bund.de/DE/Infothek/Taetigkeitsberichte/taetigkeitsberichte-node.html. Der Hinweis zum Umschlagverfahren ist auf den Seiten 201 und 202 zu finden. 12

Nordlicht

Berlin – Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat das diesjährige Zi-Praxis-Panel (ZiPP) gestartet. Mehrere Tausend niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten sind aufgefordert, Auskunft zur wirtschaftlichen Situation ihrer Praxis zu geben. Das Zi hat dazu etwa jede dritte Praxis in Deutschland angeschrieben. Die Befragung liefert wichtige Daten für die Honorarverhandlungen von KBV und Krankenkassen sowie für die Weiterentwicklung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM). Je größer der Rücklauf, desto aussagefähiger sind die Informationen. Bei der aktuellen Befragung geht es um Daten aus dem Zeitraum 2011 bis 2014, zum Beispiel zu Aufwendungen und Erlösen der Praxis aus kassen- und privatärztlicher Tätigkeit. Auch Informationen zur Personalausstattung, zur Versorgungsstruktur sowie zur Arbeitszeit der Praxisinhaber und Praxismitarbeiter werden benötigt. Die angeschriebenen Ärzte und Psychotherapeuten bekommen einen mehrseitigen Fragebogen, den sie bis Ende September ausfüllen sollen. Die Angaben müssen vom Steuerberater testiert werden. Für den Aufwand bei Arzt und Steuerberater zahlt das Zi eine Aufwandspauschale von 200 Euro für Einzelpraxen und 350 Euro für Gemeinschaftspraxen. Praxen, die online ihre Daten erfassen und übermitteln, profitieren in diesem Jahr erstmals von einem neuen Service: Sie erhalten kostenfrei einen persönlichen Finanzbericht mit Planungsoption. Die sogenannte „Chefübersicht“ gibt dem Praxisinhaber einen Überblick zu den Praxisfinanzen und unterstützt ihn bei der Planung des kommenden Jahres. Nach Abschluss der Datenauswertung erhalten zudem alle Teilnehmer einen individuellen Praxisbericht mit Vergleichskennzahlen. Anhand der Kennzahlen können sie einschätzen, wo ihre Praxis im Vergleich zur Fachgruppe wirtschaftlich steht. Für Ärzte und Psychotherapeuten, die Fragen rund um das Praxis-Panel haben, hat das Zi eine Hotline eingerichtet: Tel. 030 4005 2444 (Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 16 Uhr). Informationen auch unter www.zi-pp.de.

P rävention

Bestellung von Impfausweisen Marburg – Praxen können den Internationalen Impfausweis weiterhin auch über das Deutsche Grüne Kreuz e. V. beziehen. Darauf weist die Organisation in einer Mitteilung hin. Mehr Informationen zu Preisen und Bestellmodalitäten unter www.dgk.de. ak t u e l l

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gesundheitspolitik K ommentar

Saure Gurken Jeder kennt sie – keiner liebt sie so richtig, die sauren Gurken. An guten Tagen sind sie eine Delikatesse, an schlechten Tagen … Schwamm drüber. So ähnlich kann es einem auch ergehen, wenn man in der gegenwärtigen „Saure-Gurken-Zeit“ die Nachrichten hört und liest. Das, was sonst dort gelandet wäre, wo es hin gehört, nämlich im Papierkorb, findet sich jetzt schwarz auf bunt, für den Hörfunk vertont oder das Fernsehen in bewegte Bilder umgesetzt und meist in größerem Umfang präsentiert als sonst, um Platz und Sendezeit zu füllen. Denn wenn es in den Redaktionen nichts oder nur wenig zu beißen gibt, muss eben jede Gurke her, selbst wenn man ein saures Gesicht zieht – als Leser, Hörer und Zuschauer und oft genug auch als Journalist. Denn warten, bis es wieder etwas Berichtenswertes gibt, das geht ja auch nicht. An sich gibt es auch in der Sommerzeit viel zu berichten – über Baustellen, Badewassertemperaturen, Tipps gegen den Sonnenbrand und andere lästige Urlaubserscheinungen. Auch kleine Reportagen über die Arbeit eines Bäderarztes sind immer wieder gern genommene Themen. Soweit so gut, aber das füllt natürlich keine ganze Zeitung aus. Das weiß man auch und gerade in der Politik und deshalb haben jetzt die sogenannten Stallwachen ihre Chance. Schließlich sollen Chef oder Chefin nach dem Urlaub merken, dass sie eigentlich immer weg sein könnten, ohne dass es groß auffällt – zumindest was die Quantität des Produzierten angeht. Vielleicht sind die hilfreichen kleinen Geister in den heimischen Büros aber auch besonders rücksichtsvoll, wenn sie uns angesichts der gelegentlichen Hitzewellen vor noch heftigeren Wallungen verschonen. Denn wer will sich schon ernsthaft aufregen über den Vorstoß der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 und Grünen, die sich dieser Tage für eine Erhöhung der Gebühren fürs Falschparken einsetzen. Natürlich nur für Autos, keinesfalls für Fahrräder, an denen man mancherorts auch kaum vorbeikommt. Und weil man als Autofahrer selbst oft genug erlebt, dass die Massenmotorisierung aus dem Fahrzeug ein „Stehzeug“ macht, freut man sich über diese kluge Initiative, denn die Mehreinnahmen aus den Falschparkgebühren werden ganz bestimmt eingesetzt, um Straßen zu reparieren, Brücken zu sanieren und Parkhäuser zu bauen. Oder haben Sie da etwa Zweifel? Ein weiteres auffälliges Beispiel für die Weitsicht der politischen Wasserträger sind die vielen lokalen Initiativen zur Einführung von Homo-Ampeln. Sie meinen, Sie lesen nicht richtig? Nein, alles sauber! Bei Rot stehen zwei Ampelmännchen oder Ampelmädchen, zusätzlich über den Köpfen beherzt, und warten auf Grün, um dann, wenn‘s geht, fröhlich hintereinander über die Straße zu hoppeln – was für eine Innovation. Nach dem Rechtsabbieger-Pfeil aus der früheren DDR, der sich aber nie so richtig

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„Versorgungslücken, Facharztmangel, Terminprobleme, Wartezeiten, Nachwuchssorgen – alles nur Märchen, Sommermärchen eben, wie sie zur Jahreszeit passen.“

durchsetzen konnte, belebt sich das deutsche Ampelbild durch gleichgeschlechtliche Lichtgestalten. Da wird einem doch richtig warm – ums Herz. Das schafft doch gleich eine ganz andere Lebensqualität. Was räsonieren wir da noch über Kita-Plätze, Ärzteversorgung oder die seit 30 Jahren versprochene Umgehungsstraße? Apropos Kita – da kam dieser Tage ja noch eine ganz ernste Entscheidung ums Eck. Das Bundesverfassungsgericht (!) hat das Betreuungsgeld verboten. Nicht, weil es aus Bayern stammt; so sehr im Abseits stehen die nun doch nicht. Nein: weil es Ländersache ist, die gesetzlichen Grundlagen zu beschließen und nicht die Aufgabe des Bundes. Gut, dass die Richter nur zwei Jahre gebraucht haben, sonst wären die Kinder schon in die Schule gekommen, bevor sie gewusst hätten, wo in der Kita der Hammer hängt und wie man ihn benutzt! Das nächste Bildungsdebakel wäre programmiert gewesen. Frau Schröder und ihre Ministerialen wussten schon, warum sie seinerzeit in zwei Monaten mit dem Gesetz fertig sein mussten – schließlich war Gefahr im Verzug, wie man jetzt sieht. Wer bis jetzt noch nicht so richtig lachen konnte, der haut sich beim Abschlussknüller garantiert auf die Schenkel – oder an den Kopf: Am 16. Juli berichteten die Medien über eine Untersuchung der AOK, wonach es 34.000 Mediziner mehr als nötig gibt und der Ärztemangel in Deutschland demnach ein reiner Mythos wäre. Die Verteilung sei zwar ein bisschen blöd, aber ansonsten schwimmt das Land in Ärzten oder auch umgekehrt. Anders gesagt: Versorgungslücken, Facharztmangel, Terminprobleme, Wartezeiten, Nachwuchssorgen – alles nur Märchen, Sommermärchen eben, wie sie zur Jahreszeit passen. Schauen Sie, jetzt kommen’s doch ins Schwitzen. Aber jetzt versteht man auch, was es mit der „Saure-Gurken-Zeit“ auf sich hat. Was da hilft? Abschalten – im Kopf und mit dem Knopf. Und diese Empfehlung hat garantiert keine Nebenwirkungen, weiß Peter Weiher, Journalist

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gesundheitspolitik Ä rztliche V ersorgung

Visite auf Hallig Hooge Einwohner und Touristen können seit Juni dieses Jahres auf Hallig Hooge alle zwei Wochen eine hausärztliche Sprechstunde nutzen. Dr. Gerhard Steinort und Dr. HeinzDieter Götzel wechseln sich im Rahmen einer zunächst auf zwei Jahre angelegten Ermächtigung bei den „ Hallig-Sprechstunden“ ab. Das Nordlicht hat Steinort bei seinem ersten Einsatz begleitet.

Vor dem Gemeindehaus „Uns Hallighus“ auf Hallig Hooge: Bürgermeister Matthias Piepgras, Allgemeinmediziner Dr. Gerhard Steinort, Gemeindekrankenschwester Barbara Kirschbaum-Schwalm und Krankenpfleger Thomas Frank

Kurz nachdem die Fähre „Hilligenlei“ bei strahlendem Sonnenschein den Hafen von Schlüttsiel Richtung schleswig-holsteinisches Wattenmeer verlassen hat, blickt Dr. Gerhard Steinort auf die rechts und links am Horizont vorbei ziehenden Halligen und Warften. Der 69-jährige Allgemeinmediziner ist auf der Fähre Richtung Hooge unterwegs, um dort seine erste Sprechstunde abzuhalten. Steinort wohnt im nordfriesischen Langenhorn, wo er 1977 eine Hausarztpraxis übernahm. Er kennt die Küstenregion wie seine Westentasche. „Ich war zwanzig Jahre lang mit Leib und Seele Landarzt“, berichtet er. Den Arztberuf hängte der Vater zweier Töchter auch nach der Übergabe seiner Praxis an einen jüngeren Kollegen nicht an den Nagel. Er arbeitete unter anderem als Arzt bei der Bundeswehr, erstellte Gutachten für den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung und leistete regelmäßig ärztlichen Bereitschaftsdienst. Daneben blieb Zeit für die Hobbys. Vor allem die Fahrten mit dem Wohnmobil, die ihn und seine Frau Anne unter anderem nach Südspanien, Kreta und Marokko führten, begeisterten das Ehepaar so sehr, dass sie mehrere Reisebücher darüber schrieben. Dass sein Lebensweg aber einmal nach Hallig Hooge führen würde, hätte sich Steinort bis dahin nicht träumen lassen. 14

Nordlicht

Hallig-Engagement Doch dann kam ein Anruf, der das Leben des Allgemeinmediziners noch einmal in eine völlig neue Richtung lenkte. Die KVSH suchte zusammen mit dem Kreisstellenvorsitzenden Nordfrieslands, Dr. Thomas Maurer, qualifizierte Ärzte, die bereit sind, alle 14 Tage auf Hallig Hooge eine hausärztliche Sprechstunde abzuhalten. Nach zwei gescheiterten Anläufen sollte nun eine Lösung zur regelmäßigen hausärztlichen Versorgung der 100 Hallig-Bewohner und der rund 90.000 Hallig-Touristen geschaffen werden. Steinort reizte die Herausforderung und er sagte zu, als klar wurde, dass er mit dem Internisten Dr. HeinzDieter Götzel aus Leck einen „zweiten Mann“ an seiner Seite haben würde. Beide kennen sich sehr gut, denn Götzel war bis 2007 ebenfalls in Langenhorn niedergelassen. „Wir waren sozusagen Nachbarn, denn unseren Praxen lagen an derselben Straße“, berichtet Steinort. Auch ein sehr persönliches Motiv sprach aus seiner Sicht letztlich für das Engagement auf Hooge. Der Allgemeinmediziner holt zwei alte Schwarz-Weiß-Fotografien aus seiner Arzttasche. Die eine Aufnahme zeigt seine Urgroßmutter in der traditionellen Tracht der Hooger Halligbewohner. Auf der zweiten Fotografie sind Steinorts Großvater, der als Pfarrer auf ak t u e l l

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gesundheitspolitik Der „zweite“ Mann

der Hooger Kirchwarft arbeitete und seine Großmutter abgebildet. „Ich habe selbst zwar nie auf der Hallig gelebt, wurde aber im September 1945 während einer Sturmflut auf der Überfahrt von Hooge auf die Insel Föhr geboren. Für mich schließt sich ein Lebenskreis, wenn ich dort Patienten behandle“, erklärt er.

Dr. Heinz-Dieter Götzel (74) war von 1977 bis 2007 als Internist in Langenhorn niedergelassen. Er wechselt sich seit Juni 2015 mit Dr. Gerhard Steinort alle zwei Wochen bei den „Hallig-Sprechstunden“ auf Hooge ab.

Dr. Gerhard Steinort im neu eingerichteten Behandlungszimmer im Gemeindehaus „Uns Hallighus“

Empfang und Sprechstunde Auf der Hallig wird Steinort bereits erwartet. Gemeindeschwester Barbara Kirschbaum-Schwalm, der neue Hallig-Krankenpfleger Thomas Frank und der Hooger Bürgermeister Matthias Piepgras sind zum Fähranleger gekommen. „Wir sind froh, dass sich die Kassenärztliche Vereinigung um unser Anliegen gekümmert hat. Nun können wir den Halligbewohnern und unseren Gästen wieder eine regelmäßige hausärztliche Sprechstunde anbieten“, freut sich Piepgras. Autos sind auf Hooge eigentlich verboten, aber der Rettungswagen der Hallig, ein umgebauter Renault Kangoo, steht schon bereit. Mit ihm wird der Arzt zum Gemeindezentrum „Uns Hallighus“ auf der nahe gelegenen Hanswarft gefahren. Dort liegt auch der Behandlungsraum für die Sprechstunde, die jeden zweiten Dienstag von 11.30 bis 15.00 Uhr stattfindet. Die KVSH gab einen Zuschuss für Computer und Mobiliar und unterstützte bei der Installation der Abrechnungs-EDV. Die ersten beiden Dienste im Juni hatte Götzel übernommen. Nun ist Steinort an der Reihe. Beide Ärzte sind auf der Hallig bekannt, denn sie hatten sich den Halliglüüd bereits auf einer gut besuchten Bürgerversammlung vorgestellt. Hallig-Krankenpfleger Frank sieht die neue Regelung positiv: „Wir haben immer den einen oder anderen Fall, bei dem es gut ist, dass ein Arzt vor Ort nochmal drauf schaut.“ Für heute sind drei Patienten zur Hallig-Sprechstunde angemeldet. Außerdem steht noch ein Hausbesuch auf einer der zehn Warften an. Am Ende seines ersten Einsatzes zieht Steinort ein positives Fazit, als er auf die Nachmittagsfähre nach Schlüttsiel steigt. „Wichtig ist, dass die Patienten merken, dass die Sprechstunde regelmäßig stattfindet. Ich sehe unser Engagement als Ergänzung zu den bestehenden Versorgungswegen der Hooger Bevölkerung und ihrer Gäste. Unsere Ermächtigung läuft bis zum 30. Juni 2017. Schauen wir bis dahin einfach, wie das Zusatzangebot angenommen wird“, so Steinort. Jakob Wilder, KVSH

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gesundheitspolitik R ezension

„KV denken“ Zur Verabschiedung des langjährigen KV-Vorsitzenden und Vorsitzenden der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg, Dr. Michael Späth, im Jahr 2013 hielt Prof. Marcus Siebolds einen Vortrag über das Thema „ KV denken“. Siebolds ist promovierter Mediziner, Völkerkundler und Philosoph und hat seit 1995 eine Professur für Medizinmanagement an der Katholischen Hochschule NordrheinWestfalen in Köln. Der Vortrag erschien im Jahr 2014 als Buch (erhältlich über die KV Hamburg). Das Nordlicht stellt eine Zusammenfassung des Vortrags vor.

Ärztliches Handeln im politischen Umfeld Die Anziehungskraft des vertragsärztlichen Handelns ist durch die professionsbedingte Freiheit zur ärztlichen Entscheidung gekennzeichnet. Es erhält seinen Reiz nicht aus einem überhöhten Helferpathos, sondern aus der Freiheit als Arzt, in einem freien Beruf für den Einzelnen gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Diese Anziehungskraft geht für die Gruppe der Krankenhausärzte immer mehr verloren. Die Bürde ärztlichen Handelns liegt in der Übernahme gesellschaftlicher Kollektivrisiken in der Vertragsarztpraxis begründet. Die Übernahme dieser Bürde legitimiert bestimmte Sonderrechte des Arztes und rechtfertigt die hohe Autonomie des Arztes im Verhältnis zu Patienten und Institutionen, wie sie im vertragsärztlichen Bereich gewährleistet und im Krankenhausbereich weitestgehend verloren gegangen ist. Diese Autonomie stellt für die Politik eine deutliche Hürde bezüglich Effizienz- und Effektivitätssteigerungen im Gesundheitssystem dar. 16

Nordlicht

Die Rolle der KVen Die KV ist diejenige Organisation, welche die formale Forderung der Gesundheitsgesetzgebung mit den Erwartungen der Bürger bezüglich ihrer Gesundheitsversorgung strukturell koppelt. Das Modell der in einer freien Praxis arbeitenden Ärzteschaft ist die Antwort der KV auf das Problem der Gefahr einer Deprofessionalisierung der Arbeits- und Vergütungsbedingungen. Wenn man die Aufgabe von KVen auf lediglich die Honorarverteilung begrenzt, versperrt man sich den Blick auf die politische Bedeutung der Entscheidungen durch Vertragsärzte in den Praxen. Die Reduktion auf die monetären Interessen der Ärzteschaft schließt einen wesentlichen Teil der Aufgaben der KV aus dem öffentlichen Bewusstsein aus. Selbstverwaltung Die Legitimation der Wahrnehmung des gesellschaftlichen Mandats durch die KV vollzieht sich durch gemeinsames Handeln und ak t u e l l

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gesundheitspolitik

Diskurse in der Selbstverwaltung. Die ärztliche Selbstverwaltung in der KV eröffnet den Raum für eine Opposition im Spannungsfeld von Politik, Zeitgeist und ärztlichem Selbstverständnis. Die Selbstverwaltung legitimiert die KVen, bei kritischen Entscheidungen in der Auseinandersetzung mit der Politik im Sinne einer „professionellen Opposition Stellung zu beziehen und zwischen Politik und Bürgern zu vermitteln.“ Daraus ergibt sich, dass eine für das Gemeinwesen arbeitende Körperschaft öffentlichen Rechts (wie das Konstrukt der KVen geplant und durch Gesetze umgesetzt wurde) zwar eine „professionelle Opposition“ sein kann und darf, dass sie aber keine Interessenvertretung der Ärzteschaft im Sinne einer Ärztegewerkschaft sein kann. Durch Letzteres würde die Sonderrolle einer niedergelassenen freien Ärzteschaft vermutlich aufgelöst werden, da die Einbindung in unser kommunales System („Gemeinwesenbindung“) durch polarisierende Vertretung von Eigeninteressen im Sinne einer „neoliberalen Wertschöpfung“ zerstört werden würde. Zusammenfassung der Kernsätze: ƒƒ Das System der Partnerschaft zwischen gesetzlichen Krankenkassen und den Körperschaften der Ärzteschaft (hier vor allem der Kassenärztlichen Vereinigungen) ist ein gutes System, wenn es nicht durch übertriebene Ökonomisierung und Sparzwang und kaufmännische Leistungserbringung konterkariert wird. ƒƒ Die Freiheit ärztlichen Handelns darf nicht durch Einflussnahme der Politik beschnitten werden. Die noch vorhandenen Sonderrechte der freien Ärzteschaft sind in vollem Umfang für die Ausübung einer menschlichen Medizin erforderlich. ƒƒ Die Verlagerung der Krankenhausträgerschaft von kommunalen Trägern auf private (merkantilistisch arbeitende) Klinikketten mit einem auf aggressive Wertschöpfung ausgerichteten ärztlichen Arbeitsumfeld führt zu einem Verlust ärztlicher Professionsmerkmale. ƒƒ Angestellte Ärzte in Kliniken oder MVZ sind weder in der Lage noch willens, die ambulante Versorgung in dem Umfang und zu den Kosten sicherzustellen, wie dies die Vertragsärzteschaft momentan noch erfüllt. Der ambulant versorgende Facharzt im stationären Setting wird nicht bereit sein, ein wirtschaftliches Risiko als Angestellter zu übernehmen. Die Folgen werden Dienst nach Arbeitszeit und eine Verschlechterung der Versorgung sein, was zu einer Einschränkung der Leistungen am Patienten führen wird. Die derzeitige Situation im Klinikbereich beweist diese Annahme. ƒƒ Es ist klar, warum die Honorarverteilungsmaßstäbe so verteufelt werden. Sie konterkarieren gruppenindividuelle Interessenlagen im Prozess der Selbstverwaltung. Durch die Festschreibung des KV-Budgets wird aus einer Honorierungsfrage eine Mangel-Verteilungsfrage. Der Zorn der Vertragsärzte richtet sich genau gegen diese Beschränkung, die andere, vergleichbare Berufsgruppen wie Rechtsanwälte und Notare, Architekten und Steuerberater, die ebenfalls in freier Praxis arbeiten, wenn überhaupt, dann nur in viel geringerem Maße trifft. 8 | 2015

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ƒƒ A  uf der anderen Seite möchte aber kein Arzt die Sicherheit eines Kassenarztsitzes missen. KVen und ihre Selbstverwaltung schränken die Möglichkeiten der Wertschöpfung im Tausch gegen die hohe Sicherheit im Eigenbetrieb „Vertragsarztpraxis“ bewusst ein. Die KV ist eine Organisation, welche die sozialunverträglichen Marktprinzipien von Gewinnmaximierung und Verdrängungswettbewerb als Körperschaft systematisch auf ein sozialpolitisch vertretbares Maß reduziert. Dies kann nur in der Selbstverwaltung der Vertragsärzte geschehen, da sonst diese Begrenzungen für die Vertragsärzteschaft unlegitimiert erscheinen würden. Dieses Buch enthält eine konservative, kluge Analyse des Beziehungsgeflechtes zwischen den „Leistungserbringern“, wie die Ärzteschaft fälschlicherweise zunehmend genannt wird, deren KV als Körperschaft öffentlichen Rechts mit den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Über diesen an der Gesundheitsversorgung direkt Beteiligten „schwebt“ die Politik in einer Mischung aus Beobachtung, Steuerungsideologie und Regulationswünschen. Der Verlust der ärztlichen Professionalität und die Einschränkung der freien ärztlichen Tätigkeit in einer Vertragsarztpraxis stellt eine große Gefahr dar, die unter allen Umständen verhindert werden müsse. Rezension: Dr. Jens-Martin Träder, Allgemeinmediziner, Lübeck

Bestellungen des Vortrags „KV denken“ sind kostenlos über die KV Hamburg möglich: Benjamin Thomas Kassenärztliche Vereinigung Hamburg Öffentlichkeitsarbeit Heidenkampsweg 99 20097 Hamburg

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PRAXIS  &  KV M itteilungen der K V S H Folgende Ärzte/Psychotherapeuten/MVZ wurden zugelassen und haben um Veröffentlichung gebeten: Name

Ort

Fachgruppe

Beginn

Nachfolger von

Ebel, Sabine – halbe Zulassung –

23774 Heiligenhafen, Lauritz-Maßmann-Straße 6

psychotherapeutisch tätige Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

01.09.2015

Folgende Ärzte/Psychotherapeuten/MVZ haben die Genehmigung zur Verlegung ihrer Vertragspraxis erhalten und um Veröffentlichung gebeten:

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Name

Fachgruppe

von

nach

Datum

Dipl.-Psych. Laszlo Andreas Pota

Psychologischer Psychotherapeut

23552 Lübeck, Beckergrube 74

23570 Lübeck, Labradorweg 30

01.10.2015

Nordlicht

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PRAXIS  &  KV N eues aus K ven und K B V

ADHS-Vertrag in Nordrhein Düsseldorf – Ärzte, Psychotherapeuten und Patienten sind mit den Ergebnissen des ADHS-Vertrages in Nordrhein sehr zufrieden. Das berichten die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein und die AOK Rheinland/Hamburg nach einer Umfrage. Die beiden Organisationen hatten den Versorgungsvertrag zur „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ (ADHS) zusammen mit Berufsverbänden der Kinder- und Jugendärzte beziehungsweise -Psychotherapeuten entwickelt und wollen ihn nun fortsetzen. „Der Vertrag wurde von Anfang an von Patienten und Kollegen sehr gut angenommen“ sagte Peter Potthoff, Vorsitzender der KV Nordrhein. Von den rund 12.000 ADHS-Patienten in Nordrhein nehmen zwischen 2.000 und 3.000 AOK-Versicherte an dem Vertrag teil. Die Patienten sind zwischen 6 und 17 Jahre alt. In Ausnahmefällen können sich auch junge Erwachsene bis zu ihrem 21. Geburtstag einschreiben. Bisher nehmen etwa 180 Kinder- und Jugendärzte sowie rund 30 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Nordrhein an dem Vertrag teil. Kinder- und Jugendärzte, die dem Vertrag beitreten möchten, müssen in den letzten beiden Jahren pro Quartal mindestens 30 ADHS-Patienten behandelt haben.

Online-Angebot für Kommunen wird genutzt Düsseldorf – Sieben Städte nutzen mittlerweile die neue Werbeplattform „Grün, ländlich – sucht Arzt“ der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO). „Die Plattform soll helfen, Kommunen und Ärzte zusammenzubringen. Ich freue mich, dass die Gemeinden unser Angebot in Anspruch nehmen“, sagt KVNO-Vorsitzender Peter Potthoff. Seit Mitte Mai können nordrheinische Kommunen auf der Werbeplattform ihre Vorzüge in Eigenregie kurz und prägnant darstellen und relevante Ansprechpartner benennen. So können sich niederlassungswillige Ärzte und Psychotherapeuten leichter einen Überblick zur Region verschaffen. „Wer sich in ländlichen Bereichen niederlassen möchte, braucht Informationen zur Verkehrsanbindung und zu geeigneten Immobilien, aber auch zu Kinderbetreuung, Schulen und Freizeitangeboten“, so Potthoff.

1,14 Millionen Überstunden ohne Bezahlung KV Thüringen schließt Strukturvertrag mit der TK Weimar – Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen hat mit der Techniker Krankenkasse (TK) einen Rahmenvertrag für Patienten, die intensive ärztliche Hilfe benötigen, abgeschlossen. Der Strukturvertrag sieht ein Überweisungsmanagement nach medizinischer Dringlichkeit, Regelungen für kürzere Wartezeiten und ein Versorgungsmanagement vor, das Doppeluntersuchungen vermeiden und die Patienten stärker in die Behandlung einbinden soll. Von den Regelungen sollen vor allem akut oder chronisch kranke Patienten profitieren, bei denen eine intensivere Betreuung medizinisch notwendig ist. Der Vertrag sieht außerdem Unterstützungsangebote bei der Arzneimitteltherapie vor, mit denen Doppelverordnungen vermieden und Wechselwirkungen zwischen Medikamenten überprüft werden sollen. Ein ergänzender Vertrag zur Überweisungssteuerung sieht zwei Dringlichkeiten A und B bei der Überweisung vor: Dringlichkeit A impliziert einen Termin am Folgetag, Dringlichkeit B innerhalb einer Woche. Der übernehmende Arzt erhält dafür bis zu 16 Euro zusätzlich.

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Hannover – Die rund 14.000 niedersächsischen Kassenärzte und Kassenpsychotherapeuten haben im vergangenen Quartal rund 1,14 Millionen Überstunden ohne Bezahlung geleistet. Allein im Facharztbereich ist rund ein Viertel aller Leistungen nicht vergütet worden. Dies geht aus aktuellen Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) hervor. „Im kommenden Jahr müssen wir darüber hinaus zusätzliche Facharzttermine generieren, da der Gesetzgeber die Einrichtung von Servicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen verfügt hat, die Patienten in begründeten Fällen innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin vermitteln sollen. Die Forderung nach kürzeren Wartezeiten und die Einrichtung von Terminservicestellen sind vor dem Hintergrund der Überstunden unberechtigt. Bei begrenzter Vergütung kann es nur begrenzte Leistungen geben. Und dies führt zwangsläufig zu längeren Wartezeiten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KVN, Mark Barjenbruch. „Die Terminservicestellen sind ein Bürokratiemonster für die Patienten, Ärzte und die KVN. Kein Patient wird dadurch schneller einen Termin bei seinem Wunscharzt bekommen. Im Gegenteil: Der Mehraufwand für die Praxen sollte lieber in die Patientenversorgung investiert werden. Angesichts der Beteuerungen des Gesetzgebers, die kassenärztliche Tätigkeit von unnötigen Belastungen zu befreien, ist die Einführung der geplanten ServiceStellen blanker Hohn“, kritisierte Barjenbruch.

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PRAXIS  &  KV N ovellierung des P s y chotherapeutengesetzes

Veränderung der Ausbildung Seit 15 Jahren gibt es das Psychotherapeutengesetz und bislang ist es nie verändert worden. Nun steht eine Novellierung bevor. Dabei geht es vor allem um eine richtungsweisende Veränderung der Ausbildung von Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Eine Mehrheit von Psychotherapeuten, aber auch das Bundesministerium für Gesundheit, spricht sich dafür aus, die zukünftige Ausbildung von Psychotherapeuten in Form eines Studiums zu gestalten – analog zur Ausbildung aller anderen Heilberufe in Deutschland.

Spezifischer und breiter Kompetenzerwerb von Anfang an Die Inhalte eines Studiums der Psychotherapie würden gezielter und von Anfang an spezifisch auf den späteren Heilberuf vorbereiten. Eine entsprechende Studien- bzw. Approbationsordnung könnte Grundlagenwissen von allen wissenschaftlich anerkannten Verfahren zur Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an den Hochschulen berücksichtigen. Dadurch entstehe die Chance, eine deutlich größere Vielfalt an Verfahren und Methoden zur Behandlung psychisch kranker Menschen zu vermitteln. Die bisherige Einseitigkeit der Ausbildung würde überwunden werden. Dies käme der ambulanten wie stationären Versorgung von Patienten sehr zugute. Sichere Einordnung in die Vergütungs- und Tariflandschaft Nach dem Studium wäre mit erfolgreichem Abschluss des Staatsexamens und Erteilung der Approbation der Status als Angehöriger eines akademischen Heilberufes erreicht, vergleichbar mit 20

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dem eines Assistenzarztes. Mit diesem Status unterliegt der Psychotherapeut dann bereits schon der Aufsicht der Psychotherapeutenkammer – ganz im Gegensatz zur heutigen Situation, wo Ausbildungsteilnehmer zwar Patienten behandeln, aber einer deutlich geringeren Kontrolle und Aufsicht unterliegen. Hieraus würde für die Patientenversorgung eine höhere Sicherheit und Qualität erwachsen. Nach der Weiterbildung wird dann das Facharztniveau erreicht und damit die sozialrechtliche Zulassung möglich. Alles dies hätte zudem eine klarere und sicherere Einordnung in die Vergütungs- und Tariflandschaft in Deutschland zur Folge. Dies wäre für die Profession ein enormer Vorteil. Nachwuchsförderung und Verbesserung der Versorgung in einem Für die Weiterbildung nach Abschluss des Studiums besteht schon heute eine ausreichende Anzahl von Stellen im stationären und ambulanten Bereich. Derzeit arbeiten mehr als die Hälfte aller ak t u e l l

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PRAXIS  &  KV knapp 40.000 Psychotherapeuten in Anstellungsverhältnissen, von denen sich die Mehrzahl als Weiterbildungsstellen eignen würde. Im ambulanten Bereich tragen Ausbildungspsychotherapien schon jetzt zu einem erheblichen Anteil zur Versorgung bei. Diese Mittel könnten zukünftig zur Finanzierung der ambulanten Weiterbildungspsychotherapien eingesetzt werden. Ein geordnetes Weiterbildungssystem auf der Basis eines approbierten „Assistenzpsychotherapeuten“ würde die Qualität der Patientenversorgung deutlich verbessern. Die tarifliche Einordnung als Weiterbildungsassistent und die späteren beruflichen Aufstiegschancen würden den Beruf des Psychotherapeuten auch wieder für Männer attraktiver machen. Grundberuf Psychotherapeut Die heutige Trennung in zwei Berufe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Psychologischer Psychotherapeut würde aufgehoben. Eine gemeinsame Grundausbildung und der Grundberuf „Psychotherapeut“ bestimmen die zentrale Identifikation bei gleichzeitig weiterhin gegebener Möglichkeit zur Profilbildung besonders auch für die unterschiedlichen Altersbereiche. Die Zuständigkeit für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen als Fachgebiete oder Altersschwerpunkte sollen weitergeführt werden – ähnlich wie es im Rahmen des Berufes „Arzt“ einen Arzt für Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie und -psychotherapie und einen Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie (und noch viele weitere Fachärzte) gibt. Die neue Struktur des Berufes würde den Vorteil mit sich bringen, dass Kinderund Jugendlichenpsychotherapeuten durch eine entsprechende Weiterbildung auch die Zulassung zur Psychotherapie bei Erwachsenen erlangen können (und umgekehrt). Das heißt, gerade für diese Gruppe würden sich Weiterbildungsmöglichkeiten ergeben, zu denen sie nach heutigem Stand keinerlei Zugang haben. Vorteile überwiegen deutlich Eine Neuordnung der Ausbildung in Richtung Studium der Psychotherapie wäre auch unter anderen Gesichtspunkten deutlich vorteilhaft. Weiterbildungskompetenzen, wie beispielsweise die der Neuropsychologie (besonderes Behandlungsverfahren bei erworbenen Hirnschädigungen), die heute erst viele Jahre, teilweise Jahrzehnte nach Beendigung des Studiums der Psychologie aufgenommen und beendet werden können – könnten zukünf-

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tig deutlich schneller erworben werden – eben direkt nach dem Studium der Psychotherapie. Inhaltliche Anforderungen an die Weiterbildung und deren Rahmenbedingungen könnten zukünftig ohne Gesetzesnovellierung umgesetzt werden, wie heute auch bei den anderen akademischen Heilberufen einfach im Rahmen der Kammern. Familienfreundlichkeit würde entstehen durch Weiterbildung in Teilzeittätigkeiten – stationär wie ambulant. Heiko Borchers, Psychologischer Psychotherapeut Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Kiel

Zulassungsausschuss verabschiedete Ingke Ketels-Dammann Der Zulassungsausschuss in der Besetzung für Psychotherapeuten dankte Ingke Ketels-Dammann bei ihrem Abschied für ihren langjährigen, kompetenten und engagierten Einsatz. Seit der konstituierenden Sitzung des Ausschusses im Jahr 1998 war die 1946 geborene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Garding maßgeblich an der damals bundesweit vorbildlichen Zusammenarbeit im Zulassungsausschuss beteiligt. Den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein und den Psychotherapeuten gelang es in der neuen Besetzung schnell, fachlich und konstruktiv zusammenzuarbeiten. Mit der Integration der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichentherapeuten in das KV-System musste insbesondere in der Anfangszeit ein enormer Arbeitsaufwand bewältigt werden. Dr. Angelika Nierobisch, Psychologische Psychotherapeutin, Kiel

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die menschen im land V or O rt

Inselarzt und Traumschiff-Doktor Nach 47 Jahren Arbeit in seiner Praxis in Burg auf Fehmarn hat sich Dr. Eberhard Gerber in den Ruhestand verabschiedet. Der 79-jährige Allgemeinmediziner kann auf eine bewegte Vita zurück blicken, die ihn schließlich als Bordarzt quer über den gesamten Globus führte.

Der Lebensweg von Dr. Eberhard Gerber, der im thüringischen Stressenhausen in der Nähe von Eisenach als ältestes von sechs Pastorenkindern aufwuchs, entschied sich 1949 an der grünen Grenze zwischen der sowjetisch besetzten Zone und der Zone der Westalliierten. Der damals 14-jährige Junge floh allein und nur mit Kompass und Rucksack ausgerüstet in die Westzone. Ihm war vorher von den Ost-Behörden aufgrund der beruflichen Herkunft seines Vaters eine höhere Schulbildung verweigert worden. Die Eltern entschieden daraufhin, dass ihr Kind im Westen eine bessere Zukunft haben sollte. „Die waldreiche Zonengrenze wurde scharf bewacht und erst als ich die Wartburg in meinem Rücken sah, war mir klar, dass ich es geschafft hatte“, berichtet Gerber von seiner Flucht. Ein Internat in der Nähe von Kassel nahm den mittellosen Jungen auf und er bekam dort ein Stipendium. Nach dem Abitur stand sein Berufsziel fest: Er wollte Landarzt werden. Inspiriert hatte ihn ein Freund seines Vaters, der in Hessen als Hausarzt in einer ländlichen Region praktizierte. Gerbers Eltern blieben zunächst noch in der DDR. Erst 1958 konnten sie über Berlin in die Bundesrepublik fliehen, wo der Vater bis 1974 in Bosau im Kreis Ostholstein Pfarrer war. Reiche Eltern oder andere Verwandte, die ihm das Studium finanzieren konnten, hatte der junge Medizinstudent also nicht. „Bei uns zu Hause galt: viele Kinder, viele Bücher, wenig Geld. Doch jeder ist seines Glückes Schmied. Ich habe bis zum Staatsexamen, das ich 1962 in Kiel

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die menschen im land ablegte, in den Semesterferien als Kellner, Musiker, Bauarbeiter oder in der Land- und Forstwirtschaft gearbeitet“, berichtet Gerber. Erst als junger Krankenhausarzt hatte er zum ersten Mal ein geregeltes Einkommen.

Im „weißen Haus“ in der Burger Bahnhofstraße Burg liegt seit1968 der Praxissitz der Arztfamilie Gerber.

Der Weg auf die Insel 1968 entschloss sich Gerber eine Hausarztstelle auf der Ostseeinsel Fehmarn anzutreten. Vorher hatte er sechs Jahre lang im Krankenhaus in Oldenburg in Holstein gearbeitet. Ein Patient brachte ihn auf die entscheidende Idee: „Doktor, Se mutt na Fehmarn gahn. Dor gifft dat man blot dre Doktors. Dat is man bannig wenig.“ Der Neu-Fehmaraner kaufte also in der Bahnhofstraße in Burg ein Haus, das er mit viel Aufwand zu einer kombinierten Praxis und Familienwohnung umbauen ließ. „Damit machte ich meinen alten Traum, Landarzt zu werden, endlich wahr“, erklärt der überzeugte Allgemeinmediziner. Die Verhältnisse waren anfangs nicht immer einfach. Viele Patienten hatten kein Auto. Gerber fuhr deshalb täglich zehn bis fünfzehn Hausbesuche, oft kreuz und quer über die Insel, bei Tag und bei Nacht. Da es keinen Gynäkologen auf Fehmarn gab, war der Landarzt gleichzeitig lange Zeit auch Geburtshelfer. Es gab außerdem keinen geregelten ärztlichen Nacht- und Sonntagsdienst. Ein Notarzt- oder Rettungswagen fehlte ebenfalls. Zur Verfügung stand lediglich

ein VW-Bus, in den im Bedarfsfall eine Trage eingebaut wurde. Ein Funkgerät diente zur Kommunikation zwischen Arzt und Praxis. Zu tun gab es genug. Außer den täglichen Praxisstunden musste Gerber auch die Schuluntersuchungen und die Untersuchungen für Sportvereine und Bundeswehr durchführen. Dazu kamen seine vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten: die Gründung und der Aufbau der Laborgemeinschaft Plön, die Richtertätigkeit am Sozialgericht Kiel und das Abgeordnetenamt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Außerdem war Gerber jahrelang Vorsitzender des Elternbeirats am Burger Inselgymnasium, Präsident des Rotary Clubs sowie König der Bürger Compagnie. Er bildete im Laufe der Jahre rund zwanzig Arzthelferinnen und dreißig angehende Hausärzte aus. Praxis als Familienbetrieb Nachdem sich die Praxis auf der Insel fest etabliert hatte, konnte sich Gerber einen weiteren Lebenstraum erfüllen: Er brach 1989 zu seiner ersten großen Fernreise auf und begleitete als ärztlicher Betreuer eine Himalaja-Expedition nach Nepal. Möglich wurde das, weil die Allgemeinmedizinerin Dr. Karola Balcer-Joyce in die Praxis einstieg. Ab 1994 zog es Gerber dann regelmäßig in die Ferne. Er heuerte in der Urlaubszeit als Schiffsarzt auf den Traumschiffen der Reederei Deilmann an. Auf ihnen reiste er insgesamt dreimal um den Globus. Mit den Jahren wurde die Gerbersche Praxis immer mehr zu einem echten Familienbetrieb. Ehefrau Heike, mit der Gerber seit 1963 verheiratet ist, übernahm den Empfang, die Ausbildung der Helferinnen und den Telefondienst. Von den drei Söhnen wurden zwei ebenfalls Mediziner. Der älteste Sohn Matthias arbeitete von 2001 bis 2009 zusammen mit seinem Vater in der Praxis in Burg, bevor er sich entschloss, auf die dänische Insel Bornholm auszuwandern, wo er seitdem als Hautarzt tätig ist. 2010 stieg der jüngste Sohn Johannes in die Praxis mit ein. Der mittlere Sohn Christian ist bei einem großen schleswig-holsteinischen Versicherungsunternehmen beschäftigt. Der Kreis schließt sich Seinen Ruhestand will der Praxisgründer nun in vollen Zügen genießen. „Ich bin endlich nicht mehr so verplant, kann mit meiner Frau Ski laufen oder wieder öfter Saxophon oder Klavier spielen“, so Gerber. Im Oktober dieses Jahres soll dann zusammen mit Freunden und Familie sein 80. Geburtstag gefeiert werden. Die Einladungen sind bereits verschickt. „Ich werde mit meiner Familie auch für einige Tage in meine alte Heimat nach Stressenhausen fahren. Dort liegen meine Wurzeln: das kleine Pfarrhaus, die Kirche, mein alter Schulweg. Ich möchte meinen Kindern und sieben Enkeln zeigen, wo für mich damals alles begann“, erzählt Gerber. Ansonsten gilt für ihn der Grundsatz: „Einmal Arzt – immer Arzt“. Wenn in der Praxis eine Vertretung nötig sein sollte, stünde er natürlich sofort bereit. Jakob Wilder, KVSH

An Bord des Traumschiffes: Dr. Eberhard Gerber (li.) und TV-Arzt Horst Naumann 8 | 2015

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die menschen im land G losse

Skurriles aus der Sprechstunde leidenschaftlicher t is t og V ar m ei R r. D Zum Autor: ten arschen. Seine Patien hm it D in en hl Pa s au Landarzt n aber z geschlossen, was ih er H s in t rz sa au H r hat de isse in seiner Arztbn le Er le ri ur sk , lt hä nicht davon ab lten. Im Nordlicht ha zu st fe t el hw ac N e praxis für di was Augenzwinkern das, m ne ei it m t og V bt . beschrei alles passieren kann so t rz A er en ss la ge einem als nieder

Der Doktor und das liebe Vieh Die veterinärmedizinische Konkurrenz schläft nicht!

Dazu will ich Ihnen aus meiner letzten Sprechstundenwoche berichten, die so reich an warnenden Fingerzeigen war, dass es mir beim Schreiben dieser Zeilen fast die Fingerkuppen wegbrennt:

In der letzten Woche hatte ich eine Offenbarung, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Es fiel mir wie die sprichwörtlichen Schuppen aus den Haaren. Jahrelang bin ich auf diesem wachsamen Auge blind gewesen … und sicherlich ist meine Erkenntnis vielen humanmedizinisch Tätigen im Lande auch noch nicht bewusst geworden! Collegae … es droht Ungemach … denn neue Konkurrenz macht sich breit! Sie fragen sich jetzt sicher nach dem „Wer?“ und „Wo?“ Gestatten Sie mir aber zunächst eine literarische Climax: Wir wissen, dass anthroposophische, naturheilkundliche, homöopathische und weitere Betrachtungsweisen bzw. Ansätze durchaus eine Alternative zur praktizierenden Schulmedizin sein können. Es liegt in der Natur unseres Berufes, dass der Patient viel besser weiß als wir, was ihm wirklich hilft. Wir haben uns daran gewöhnt, dass in allerlei Beiträgen der druckenden und sendenden Zunft dem zahlenden Publikum der richtige diagnostische bzw. therapeutische Weg kundgetan wird. Wir sind hin und her gerissen, ob die diversen fach- und spezialärztlichen Ambulanzen an den Kliniken nun eine Bereicherung des Angebotes oder eine Bereicherung der Krankenhäuser darstellen. Und ja … die vielen medizinischen Assistenzberufe überschwemmen uns mit Rezeptvorschlägen, damit unserer Klientel tatsächlich geholfen werde. Aber … sagen Sie

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mal ehrlich … wussten Sie schon, dass die Veterinärmedizin mit all ihren Facetten schon längst in die vertragsärztliche Versorgung eingebrochen ist?

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Mich begrüßt mit freudigem Handschlag ein Mensch; nur zögerlich willige ich in diese Form der Gesprächseröffnung ein, kann ich mich doch noch lebhaft an den Anlass der letzten Konsultation erinnern: Multiple Warzen an den Händen! Der Mensch erkennt meine Hemmung und beschwichtigt: „Kein Problem, Doktor, die Dinger sind alle weg!“ Na, das ist aber schnell gegangen! Ich dachte, der Hautarzttermin wäre erst in der kommenden Woche gelegen … „Jaja“, freut sich der Mensch, „aber ich habe die Warzen vom Besamungstechniker wegmachen lassen“. Bitte … waaaasss? „Naja“, so der Mensch, „wir hatten vorletzte Woche den Besamungstechniker auf dem Hof. Und der hat ja bekanntlich den Bullensamen in flüssigem Stickstoff eingefroren. Nachdem Sie mir erzählt haben, was der Hautarzt mit den Warzen anstellt, dachte ich, das kann der auch!“. Also wurde flüssiger Stickstoff – ursprünglich zur Haltbarmachung von Rindersperma gedacht – auf die Warzen geträufelt, was die verursachenden Humanen Papilloma-Viren offensichtlich nachhaltig vertrieben hat. „Und hat nichtmal was gekostet“, führt der Mensch fröhlich weiter aus. Na, das wäre ja mal eine Idee für IGeL-Leistungen des Besamungstechnikers: Kühe befruchten plus Warzen vereisen als Komplettangebot. Dass mancher Friseur mit dem soge-

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nannten „Scherenschlag“ seinen Kunden die gestielten Fibrome vom Hals entfernt, hatte ich bereits erlebt … aber so was? Was kommt als nächstes? Vielleicht beseitigt der Schlachter oder Fleischbeschauer bald mit seinen Werkzeugen Leistenbruch oder Tonsillen? Während ich mich noch über diese Begebenheit wundere, lese ich auf dem Klemmbrett, auf welchem mir meine fleißigen Mitarbeiterinnen Rezepte und Überweisungsscheine zur Unterschrift vorlegen, folgenden Info-Zettel: Herr XYZ möchte gerne Mometason Nasenspray. Hat ihm sein Nachbar (Tierarzt) empfohlen. Würde bei Lecknase gut helfen. Aufschreiben? Nun ja, so verstehe ich meinen Beruf dann doch nicht. Verordnungen auf Zuruf und obendrein auf Empfehlung des Veterinärmediziners gehen mir deutlich zu weit. Ich kritzele daher auf die Rückseite dieses Zettels die kurze Anweisung: „Soll vorbeikommen“ … … und betrete das nächste Sprechzimmer, in dem ein Landwirt sitzt. „Na, was fehlt Ihnen?“, begehre ich zu erfahren. „Keine Ahnung, ich bin schließlich nicht der Arzt“, erhalte ich zur Antwort. Ich versichere, dass in meiner Praxis der Patient glücklicherweise nicht die Diagnosen stellen muss. Es reicht völlig aus, wenn mir die Beschwerden geschildert würden. „Ick heff dat nii guud“, das bedeutet „alles-oder-nichts“ von Schlaganfall bis Fußpilz. Ich erfahre dann aber doch noch Details in Form von Symptomen eines Atemwegsinfektes. Ob der Patient Fieber habe, möchte ich erfahren, derweil ich ihn auf der Untersuchungsliege Platz zu nehmen bitte. Nein, Fieber habe er noch nie gehabt. In just diesem Moment piept der Infrarot-Temperaturscanner nach erfolgter Messung im Ohr des Patienten und zeigt blinkend 39.2°C an. Fast möchte ich meinem Patienten gratulieren, dass er nun erstmalig in seinem Leben Fieber hat und ich der Glückliche bin, der dies messen durfte, aber … er kommt mir zuvor: „Neununddreißig ist doch kein Fieber! Das müssten Sie ja wohl wissen!“.

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Ja … eben … tue ich ja auch. Ich habe dieses Fach sogar studiert und irgendwie hat sich das auch gelohnt. „Quatsch“, entgegnet mir mein Patient, „bei meinen Kühen ist 39 Grad völlig normal!“ Ich gebe zu bedenken, dass er kein Rindviech sei und Säugetiere – zu denen schließlich auch der Mensch zähle – ganz unterschiedliche Temperaturoptima hätten, derweil ich die Untersuchung mit der Auskultation der Lungen fortsetze und eine kräftige Bronchitis diagnostiziere. Rasch verordne ich ein humanmedizinisch zugelassenes Antibiotikum einschließlich Signatur zur korrekten Einnahme, bevor an mich die Bitte herangetragen wird, aus dem reichhaltigen Repertoire eines Landwirtes ein Antibiotikum auszusuchen und dieses entsprechend zu verdünnen. Wer mal auf einem Flohmarkt einen alten Medizinwälzer aus dem vergangenen Jahrhundert in die Hände kriegt, liest dort manchmal folgende Medikationsempfehlungen: Erwachsene nehmen dreimal täglich eine Tablette, Kinder die Hälfte. Hm … wenn die Veterinärmedizin sich weiter breit macht, lesen unsere Nachkommen bald: Menschen dreimal eine Tablette, Schweine dreimal zwei Tabletten, Rinder dreimal zehn Tabletten. Collegae … wehret den Anfängen! … warnt Sie ein augenzwinkender Dr. Reimar Vogt.

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Neu niedergelassen in Schleswig-Holstein Jedes Jahr lassen sich rund 120 Ärzte und Psychotherapeuten in Schleswig-Holstein nieder. Ob Hausarzt oder Facharzt, ob in der eigenen Praxis, in einer Kooperation oder angestellt, ob in der Stadt oder auf dem Land: Sie alle nutzen die vielfältigen Möglichkeiten, um als niedergelassener Arzt zu arbeiten. Wer sind diese Ärzte und Psychotherapeuten? Welche Motivation bringen sie mit? Welches Berufsverständnis haben sie?

Name: Anja Roß Geburtsdatum: 15. September 1977 Geburtsort: Itzehoe Familie: Verheiratet, zwei Kinder Fachrichtung: Allgemeinmedizin Sitz der Praxis: Itzehoe Niederlassungsform: Einzelpraxis Neu niedergelassen seit dem 1. Januar 2015

1. Warum haben Sie sich für die Niederlassung entschieden? Ich habe mich für die Niederlassung entschieden, da ich durch meine Mutter, die vor mir die Praxis geführt hatte, einen guten Einblick in die Allgemeinmedizin bekommen habe. Ich begann also schon mein Studium mit der Idee, die Praxis einmal zu übernehmen. 2. Was ist das Schönste an Ihrem Beruf? Das Schönste an meinem Beruf sind die Vielseitigkeit und der Kontakt zu Menschen jeder Art, insbesondere jetzt in der eigenen Praxis. 3. Welchen Tipp würden Sie Kollegen geben, die sich ebenfalls niederlassen wollen? Kollegen, die sich niederlassen wollen, würde ich raten zunächst mit einem schon längere Zeit niedergelassenen Kollegen zusammenzuarbeiten und sich so viel wie möglich abzugucken. 4. Welchen berühmten Menschen würden Sie gern treffen und was würden Sie ihn fragen? Ich würde gern einmal den Papst treffen, um ein paar Ethikfragen zu klären. 5. Was ist Ihr persönliches Rezept für Entspannung? Ein Rezept für Entspannung habe ich nicht. Allerdings sitze ich gern bei Sonnenschein in meinem Garten. Ich habe außerdem eine Familie, die mich auffängt und meine Kinder bringen mich immer zum Lachen! 6. Was ist Ihr Lieblingsbuch? Ein Lieblingsbuch habe ich nicht. Ich lese alles nur einmal. Mit meinen Kindern lese ich aktuell hauptsächlich Bücher aus meinen Kindertagen, wie z. B „Jim Knopf“. 7. Warum ist Schleswig-Holstein das ideale Land, um sich als Arzt niederzulassen? Ich habe in meinem Studium München kennengelernt und in Trier gearbeitet, aber es zog mich zurück in den Norden. Hier ist das Wetter einfach am Schönsten. 8. Wenn ich nicht Arzt geworden wäre, dann wäre ich … heute vielleicht Pilotin.

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Service T eam B eratung

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Welche Arzneimittel sind grundsätzlich verordnungsfähig? Wie viele Heilmittel dürfen pro Rezept verordnet werden? Welche Budgetgrenzen sind zu beachten? Diese Fragen stellen sich niedergelassene Ärzte immer wieder, denn die Gefahr ist groß, in die „Regress-Falle“ zu tappen. Damit Sie sicher durch den Verordnungsdschungel kommen, in­formieren wir Sie auf dieser Seite über die gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien bei der Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln.

Sicher durch den Verordnungsdschungel

Hilfreiche Tipps

Was bei der Arzneimittelverordnung und der Rezeptausstellung beachtet werden muss.

Tadalafil 5mg (Cialis®) „auf Kasse?“ Der PDE 5-Hemmer Tadalafil 5mg ist seit einiger Zeit auch zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms zuge-lassen. Aus diesem Grund hat sich der Gemeinsame Bundesausschuss mit der Erstattungsfähigkeit dieses Medikamentes befasst und den Verordnungsausschluss der PDE 5-Hemmer als Lifestyle-Medikamente um folgenden Satz ergänzt: AUSNAHME TADALAFIL 5 mg zur Behandlung benignes Prostatasyndrom bei erwachsenen Männern. Dies bedeutet, dass das Präparat zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnet werden darf. Aber es gilt Folgendes zu beachten: ƒƒ Die Erstattungsfähigkeit betrifft nur die Indikation des benignen Prostatasyndroms. ƒƒ Die Verordnung muss wirtschaftlich und zweck mäßig sein. ƒƒ Die Kontraindikationen müssen beachtet werden ƒƒ Die Erstattungsfähigkeit betrifft nur die Dosierung 5 mg. Vor allem die Wirtschaftlichkeit und die Zweckmäßigkeit stehen der regelhaften Verordnung entgegen, da es mit den Gruppen der alpha-Blocker (z. B. Tamsulosin) und der 5-alpha-Reduktase-Hemmer (z. B. Finasterid) diverse Medikamente gibt, die wirtschaftlicher eingesetzt werden können. Nur wenn sich diese Therapie, z. B. durch relevante Nebenwirkungen, als unzweckmäßig erweist, kann Tadalafil 5mg im Einzelfall als GKVLeistung verordnet werden. Eine entsprechende Dokumentation zum Nachweis sollte erfolgen. Dr. Thomas Quack, Urologe, Plön

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Duplikatrezepte Wir hatten vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass die Ausstellung von Duplikatrezepten bei Verlust nicht erfolgen soll. Der Empfänger des Rezeptes ist für den Verbleib des Dokumentes selbst verantwortlich. Aus diesem Grund ist es ratsam, Rezepte nicht per Post zu verschicken. Gerade auf dem Postweg gehen viele Rezepte verloren. Wer soll jetzt dafür haften? Da der Patient das Rezept nicht entgegen-genommen hat, kann er auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Stellt die Praxis ein neues Rezept aus und bei der Krankenkasse werden – aus welchem Grund auch immer – beide Verordnungen – Original und Duplikat – zur Erstattung eingereicht, wird der Verordner hierfür haftbar gemacht. Daher sollten die Patienten oder deren Betreuer/Pfleger Verordnungen immer persönlich in Empfang nehmen, auch wenn es für den Empfänger mit Aufwand verbunden ist. Aus forensischen Gründen können Sie -bei Verlust, des Medikamentes/Rezeptes durch den Patienten- allenfalls ein Privatrezept ausstellen. Thomas Frohberg, KVSH

Ihre Ansprechpartner im Bereich Arzneimittel, Heilmittel und Impfstoffe Telefon

E-Mail

Thomas Frohberg

04551 883 304

thomas.frohberg@kvsh.de

Stephan Reuß

04551 883 351

stephan.reuss@kvsh.de

Ellen Roy

04551 883 931

ellen.roy@kvsh.de

Ihre Ansprechpartnerin im Bereich Sprechstundenbedarf Heidi Dabelstein

04551 883 353

heidi.dabelstein@kvsh.de

Ihre Ansprechpartnerin im Bereich Hilfsmittel Anna-Sofie Reinhard Nordlicht

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04551 883 362

anna-sofie.reinhard@kvsh.de 27


SERVICE M igration

Behandlung von Asylbewerbern in der Arztpraxis Die Zahl der Asylbewerber und Flüchtlinge in Deutschland nimmt deutlich zu. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erwartet in diesem Jahr bundesweit ca. 450.000 Asylbewerber. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2014. Dieser Trend macht sich bereits an einem vermehrten Patientenzulauf in den Arztpraxen, vor allem bei den Haus- und Kinderärzten – auch in Schleswig-Holstein – bemerkbar. Bei der Behandlung von Asylbewerbern und Flüchtlingen sind folgende Punkte zu beachten.

Die rechtliche Grundlage für die Behandlung dieses Personenkreises ist das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) und setzt einen Behandlungsschein des zuständigen Sozialamtes voraus (auch Kostenbürgschaftsschein, Kostenübernahmeschein oder ähnliches genannt). Ausgenommen von diesem „Behandlungsscheinverfahren“ sind Hilfeempfänger, die bereits eine Krankenversichertenkarte von einer Krankenkasse erhalten haben, weil sie sich schon länger als 15 Monate in Deutschland aufhalten. Es handelt sich dabei um eine „unechte“ Mitgliedschaft in einer Krankenkasse (Paragraf 264 Abs. 2 SGB V), mit der die Hilfeempfänger den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung im Leistungsumfang gleichgestellt sind. Auf der Krankenversichertenkarte erfolgt eine Kennzeichnung mit „Status 4“, wie auch bei den Sozialhilfeempfängern.

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Im Unterschied zu Asylbewerbern mit Krankenversichertenkarte haben Asylbewerber mit Krankenbehandlungsschein nur Anspruch auf ärztliche Behandlung bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen, einschließlich der Versorgung mit Arznei- und Verbandmitteln sowie sonstiger zur Genesung, zur Besserung oder zur Linderung von Krankheiten oder Krankheitsfolgen erforderlichen Leistungen. Diese Einschränkung auf akute Erkrankungen löst leider regelmäßig Fragen aus, die nicht eindeutig beantwortet werden können, da sie je nach Kreisgebiet unterschiedlich gehandhabt werden. Werdenden Müttern und Wöchnerinnen sind ärztliche und pflegerische Hilfe und Betreuung, Hebammenhilfe, Arznei-, Verband- und Heilmittel zu gewähren. Außerdem besteht ein Anspruch auf amtlich empfohlene Impfungen und medizinisch gebotene Vorsorgeuntersuchungen.

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Service Das Asylbewerberleistungsgesetz regelt zudem, dass auch sonstige, über die genannten Sachverhalte hinausgehende (ärztliche) Leistungen im Einzelfall gewährt werden, wenn diese zur Sicherung des Lebensunterhalts oder der Gesundheit unerlässlich sind. Hierbei handelt es sich um Ermessensleistungen, die im Vorwege von der Behörde bzw. dem zuständigen Amt zu genehmigen sind. In der Praxis sind einige Besonderheiten zu beachten: ƒƒ Der Behandlungsschein wird in der Regel immer von der Behörde/dem Sozialamt des Wohnortes des Patienten ausgestellt. In dringenden Fällen kann dieser innerhalb von zehn Tagen nachgefordert werden. ƒƒ Die Gültigkeit der Behandlungsscheine ist je nach Kreis unterschiedlich; sie gelten also nicht immer für das gesamte Quartal. ƒƒ Überweisungsscheine werden nicht von allen Kostenträgern anerkannt. Bei den Kreisen Dithmarschen, Segeberg sowie dem Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster wird ein weiterer Behandlungsschein verlangt. In der Praxisverwaltungssoftware ist je nach vorgelegtem Behandlungsschein (Original- oder Überweisungsschein) ein Fall anzulegen. Die Patienten- und Kostenträgerdaten sind dabei vollständig und korrekt zu übernehmen. An die KVSH sind für die Abrechnung nur die Behandlungsscheine in Papierform zu senden, Kassenleitblätter werden nicht benötigt. Wichtig ist die richtige Zuordnung der Patienten zu den Kreisen, Städten und Ämtern. Dabei ist zu beachten, dass die ausstellende Stelle nicht immer mit dem zuständigen Kostenträger gleichzusetzen ist. Im Folgenden eine Übersicht von Konstellationen, bei denen in der Vergangenheit Unklarheiten bezüglich des zuständigen Kostenträgers aufgetreten sind: ƒƒ Der zuständige Kostenträger für die vom Kreis Plön (z. B. Amt Probstei, Amt Lütjenburg usw.) ausgestellten Behandlungsscheine ist der Kreisausschuss des Kreises Plön (VKNR 01810). Eine Ausnahme gilt für das Amt Selent/Schlesen (Außenstelle der Stadt Schwentinental) hier ist die Vertragskassennummer (VKNR) 01840 zu verwenden. ƒƒ Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten (VKNR 01841) ist ausschließlich für Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Haart 148 in Neumünster zuständig. Patienten mit dieser Adresse können nie über einen anderen Kostenträger abgerechnet werden. Die Außenstelle in Boostedt wird von Neumünster verwaltet und wird ebenfalls über die VKNR 01841 abgerechnet, denn sie verfügt über keine eigene VKNR.

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ƒƒ D  ie Stadt Norderstedt ist ein eigenständiger Kostenträger (VKNR 01845) und wird nicht über den Kreis Segeberg (VKNR 01814) abgerechnet. ƒƒ Der Kreis Schleswig-Flensburg (VKNR 01813) ist nicht für die Stadt Flensburg zuständig (VKNR 01802 bzw. 01839 (Jugendamt)). ƒƒ Die Gemeinde Stockelsdorf gehört zum Kreis Ostholstein (VKNR 01809) und nicht zur Stadt Lübeck. ƒƒ Krankenbehandlungsscheine, die im Formularkopf den Kreis Rendsburg-Eckernförde und als ausstellende Stelle die Stadt Neumünster haben, werden zulasten des Kreises Rendsburg-Eckernförde (VKNR 01812) abgerechnet. Hintergrund hierzu ist, dass für Asylbewerber der Gemeinde Wasbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) die Behandlungsscheine des Kreises Rendsburg-Eckernförde durch die Stadt Neumünster ausgestellt werden.  nklarheiten in der Praxis sollten über die ausstellende Behörde/ U das ausstellende Amt oder über die KVSH geklärt werden. Das Thema Sprachbarrieren soll hier kurz umrissen werden, denn im Praxisalltag führt dies nicht selten zu einem erhöhten Aufwand. Die Behörde übernimmt die Kosten für die Dienste eines Sprachmittlers/Dolmetschers als sogenannte „sonstige Leistung“ im Einzelfall nur, wenn der Anspruch auf ärztliche Behandlung ansonsten nicht oder nicht im erforderlichen Umfang gewährt werden könnte und eine unentgeltliche Sprachmittlung durch Verwandte, Bekannte usw. nicht zur Verfügung steht. Hier sind erst alle Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor das Amt die Kosten für einen Berufsdolmetscher übernehmen würde. Über eine Einführung des sogenannten „Bremer Modells“ in Schleswig-Holstein, d. h. die Ausstellung einer Krankenversichertenkarte vom ersten Tag an, das bereits in 2005 in Bremen und ab 2012 in Hamburg vereinbart wurde, laufen derzeit Gespräche. Wenn es dazu neue Informationen gibt, werden wir Sie informieren. Björn Linders, Christiane Reuter, Anja Oelkers, KVSH

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SERVICE M igration

Interview

Asylsuchende in der ärztlichen Behandlung

Torsten Döhring ist seit 2001 Stellvertreter des Beauftragten für Flüchtlings-, Asylund Zuwanderungsfragen des Landes Schleswig-Holstein. Im Nordlicht-Interview erläutert der Jurist die aktuelle Rechtslage zum Leistungsanspruch. Nordlicht: Mangelnde Deutschkenntnisse erschweren vielfach die Behandlung. Halten Sie die bestehenden Regelungen für eine Dolmetscherbegleitung beim Arztbesuch für ausreichend? Torsten Döhring: Grundsätzlich ist es ein Problem, wenn Patientinnen und Patienten in die medizinische Behandlung kommen, aber weder ausreichend Deutsch noch Englisch sprechen können. Auf die jeweiligen Kinder sollte im Zweifel als Sprachmittlerin und Sprachmittler nicht zurückgegriffen werden, insbesondere dann nicht, wenn diese noch sehr jung sind. Auf Grundlage des Asylbewerberleistungsgesetzes gibt es eine Erlasslage des Landes Schleswig-Holstein, nach der es im Zuge einer ärztlichen Behandlung im Einzelfall erforderlich sein kann, auf die Dienste eines Sprachmittlers zurückzugreifen, wenn anderenfalls eine Behandlung des Patienten nicht oder nur eingeschränkt möglich wäre. Laut Erlass richtet sich die Frage der Inanspruchnahme eines Sprachmittlers insbesondere nach Art und Schwere der Krankheit sowie der Notwendigkeit der Kommunikation zwischen Arzt und Patient für eine wirksame Behandlung. Vor der Hinzuziehung von Sprachmittlern sollten nach der Erlasslage des Landes zunächst Möglichkeiten einer kostenlosen Sprachmittlung durch Hinzuziehung von sprachkundigen Verwandten, Bekannten oder sonstigen nahestehenden Personen ausgeschöpft werden. Erst wenn dies nicht erfolgreich ist, kann in Ausnahmefällen auch die Hinzuziehung eines Berufsdolmetschers in Betracht kommen. Die Kosten dieser Sprachmittlerinnen und Sprachmittler oder Dolmetscher trägt die zuständige Leistungsbehörde. Die Erlasslage des Landes bzw. das AsylbLG – wenn es denn schon nicht abgeschafft wird – sollte aus hiesiger Sicht derart gestaltet werden, dass grundsätzlich das Hinzuziehen von Berufssprachmittlern finanziert wird oder, dass entsprechende Haushaltsposten geschaffen werden, um die Kosten anderweitig abzudecken.

Nordlicht: Im Flüchtlingspakt vom Mai hat die Landesregierung angekündigt, eine elektronische Gesundheitskarte für Asylbewerber einführen zu wollen. Geht es nur um eine einfachere und „papierlose“ Abwicklung der Formalitäten oder wird sich mit der Karte etwas am Leistungsanspruch, der derzeit auf eine Akut- und Schmerzversorgung beschränkt ist, ändern? Döhring: Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte für Asylsuchende, wie es diese schon in den Ländern Bremen (seit 2005) und Hamburg (seit 2012) gibt, bedeutet nicht, dass die Leistungsberechtigten reguläre Mitglieder einer Krankenkasse werden. Die Krankenkasse übernimmt zwar die Krankenbehandlung, doch die Betroffenen verbleiben im Status „nicht versichert“. Nach hiesiger Kenntnis ist nicht vorgesehen, dass durch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte der Leistungsumfang der Gesundheitsversorgung ausgeweitet wird. Die Einführung der Gesundheitskarte führt aber dazu, dass sich die Patientinnen und Patienten, die nach dem Asylbewerberleistungsgesetz anspruchsberechtigt sind, weniger diskriminiert und stigmatisiert fühlen müssen, dass sie nicht bei den Sozialämtern um die Behandlungsscheine bitten müssen und auch in den Arztpraxen die Formalitäten „in einem normalen üblichen Rahmen“ ablaufen können. Nordlicht: Wann ist mit der Einführung der Gesundheitskarte für Asylbewerber in Schleswig-Holstein zu rechnen? Döhring: In dem Flüchtlingspakt „Willkommen in SchleswigHolstein! Integration vom ersten Tag an“ vom 6. Mai 2015 ist unter dem Handlungsfeld „Gesundheit“ aufgeführt, dass das Land unabhängig vom Gesetzgebungsverfahren auf Bundesebene schon jetzt gemeinsam mit Kommunen und Krankenkassen die erforderlichen Vereinbarungen und Ausführungsbestimmungen gemäß § 264 Abs. 1 SGB V erarbeitet, um die Grundlage für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte zu schaffen. Wann konkret diese elektronische Gesundheitskarte in Schleswig-Holstein eingeführt wird, ist uns nicht bekannt. Die Fragen stellte Delf Kröger, KVSH

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Service

Sie fragen – wir antworten Auf dieser Seite gehen wir auf Fragen ein, die dem Service-Team der KVSH immer wieder gestellt werden. Die Antworten sollen Ihnen helfen, Ihren Praxisalltag besser zu bewältigen.

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Antworten des Service-Teams Ein Patient legt eine Ersatzbescheinigung (Mitgliedsbescheinigung/Versichertennachweis/Anspruchsberechtigung) seiner Krankenkasse anstatt der Gesundheitskarte vor. Was müssen wir in diesem Falle tun? Wenn ein Versicherter seine Karte verloren oder kürzlich die Krankenkasse gewechselt hat, erhält er übergangsweise von seiner Krankenkasse eine zeitlich befristete Ersatzbescheinigung, die ebenfalls einen gültigen Anspruchsnachweis darstellt. Die Patientenstammdaten sind in diesem Sonderfall von der Ersatzbescheinigung manuell in die Abrechnungssoftware zu übernehmen.

Wann ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis-Impfung (FSME) eine Kassenleistung? Die Impfung gegen FSME kann nur über die Krankenkasse abgerechnet werden, wenn der Patient in ein Risikogebiet in Deutschland reist. Eine Übersicht über diese Risikogebiete finden Sie auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts www.rki.de. Einige Krankenkassen übernehmen die FSME-Impfung auch im Rahmen der Reiseimpfvereinbarung. In diesem Fall gelten die Beschränkungen nicht. Patienten dieser Krankenkassen können geimpft werden, ohne einen bestimmten Aufenthaltsort zu haben. Welche Krankenkassen die Reiseimpfungen übernehmen, können Sie unserer Internetseite www.kvsh.de  Downloadcenter  Verträge  Impfvereinbarungen entnehmen.

Darf der hausärztlich-geriatrische Betreuungskomplex (GOP 03362 EBM) in demselben Quartal abgerechnet werden wie das hausärztlich-geriatrische Basisassessment (GOP 03360 EBM)? Ja, zwischen den genannten Gebührenordnungspositionen besteht kein Abrechnungsausschluss für dasselbe Quartal.

Wir als dermatologische Praxis stellen im Rahmen des Hautkrebsscreenings nach den Krebsfrüherkennungsrichtlinien eine malignomverdächtige Hautveränderung fest. Nach welcher Gebührenordnungsposition kann die Entfernung der Hautveränderung abgerechnet werden?

Das Service-Team erreichen Sie unter der Rufnummer 04551 883 883 • montags bis donnerstags von 8.00 bis 17.00 Uhr • freitags von 8.00 bis 14.00 Uhr 8 | 2015

Für die Entfernung einer malignomverdächtigen Hautveränderung können von Fachärzten für Haut- und Geschlechtskrankheiten je nach Lokalisation die GOP 10343 oder GOP 10344 EBM abgerechnet werden.

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SERVICE R E cht

Ambulant oder stationär?

Immer wieder bereitet die Abgrenzung von stationärer und ambulanter Behandlung in der Praxis Schwierigkeiten. Der folgende Artikel erläutert die unterschiedlichen Formen ambulanter und stationärer Behandlung und gibt Vertragsärzten und Psychotherapeuten Hinweise, in welchen Fällen Einweisungen oder Überweisungen angebracht sind.

Die ambulante ärztliche Behandlung krankenversicherter Personen erfolgt grundsätzlich durch niedergelassene Vertragsärzte (Haus- und Fachärzte, Psychotherapeuten, Medizinische Versorgungszentren sowie bei Vertragsärzten oder medizinischen Versorgungszentren angestellte Ärzte). Es gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Gesetzlich krankenversicherte Personen sollen – soweit dies aus medizinischer Sicht möglich ist – ambulant, d. h. in den Praxen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten behandelt werden. Stationäre Krankenhausbehandlung – Einweisung Über die Notwendigkeit einer stationären Krankenhausbehandlung (Einweisung) entscheidet der behandelnde Vertragsarzt. Rechtliche Grundlagen dieser Entscheidung sind im Sozialgesetzbuch V und im Bundesmantelvertrag-Ärzte in Verbindung mit der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie festgehalten. Der Vertragsarzt hat vor der Verordnung stationärer Krankenhausbehandlung abzuwägen, ob er selbst, gegebenenfalls mit Einbindung der häuslichen Krankenpflege, die ambulante Behandlung fortsetzen kann oder ob eine ambulante Weiterbehandlung – gegebenenfalls auf Überweisung – beispielsweise durch andere ambulante 32

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Versorgungsformen ausreicht, um das Behandlungsziel zu erreichen, damit eine stationäre Krankenhausbehandlung vermieden werden kann. Zu den weiteren ambulanten Behandlungsmöglichkeiten zählen beispielsweise: ƒƒ weitere Vertragsärzte mit entsprechender Zusatzqualifikation oder eine Schwerpunktpraxis ƒƒ Krankenhäuser, die zur Durchführung ambulanter Operationen zugelassen sind ƒƒ zur ambulanten Behandlung ermächtigte Krankenhausärzte bzw. ermächtigte Krankenhäuser ƒƒ an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Ärzte oder Krankenhäuser, die zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung zugelassen sind ƒƒ Hochschulambulanzen und psychiatrische Institutsambulanzen ƒƒ geriatrische Fachkrankenhäuser ƒƒ sozialpädiatrische Zentren ƒƒ Einrichtungen der Behindertenhilfe

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Service Erst wenn diese Behandlungsmöglichkeiten nach Auffassung des Vertragsarztes nicht ausreichen, kommt die Verordnung von Krankenhausbehandlung, die sogenannte Einweisung in Betracht. Wichtig: Die Verordnung ist nur zulässig, wenn sich der behandelnde Vertragsarzt von dem Zustand des Patienten überzeugt und die Notwendigkeit einer stationären Behandlung festgestellt hat. Die Notwendigkeit der stationären Krankenhausbehandlung ist auf dem Verordnungsformular zu dokumentieren. Hierzu zählen die Angabe der Hauptdiagnose, die Nebendiagnosen und die Gründe für die stationäre Behandlung. In der Verordnung von Krankenhausbehandlungen sind in den geeigneten Fällen auch die beiden nächsterreichbaren Krankenhäuser anzugeben. Der Vertragsarzt hat der Verordnung von Krankenhausbehandlung die für die Indikation der stationären Behandlung des Patienten bedeutsamen Unterlagen hinsichtlich Anamnese, Diagnostik und ambulanter Therapie beizufügen, soweit sie ihm vorliegen. Sofern das Krankenhaus für den gleichen Krankenhausbehandlungsfall eine zweite Einweisung verlangt, egal ob vor oder nach dem stationären Aufenthalt, so ist dies unzulässig. Fordert ein Krankenhaus neben einer Einweisung eine Überweisung, so ist das in der Regel ebenfalls unzulässig. Das Krankenhaus darf weder die Kosten für das Aufnahmegespräch noch für andere vorstationäre Leistungen mit Hilfe einer zusätzlichen Überweisung in den vertragsärztlichen Bereich verlagern. Formen der Krankenhausbehandlung Die Krankenhausbehandlung wird vollstationär, teilstationär, vor- und nachstationär sowie ambulant erbracht. Sie umfasst nach den Bestimmungen der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie im Rahmen des Versorgungsauftrages des Krankenhauses alle Leistungen, die im Einzelfall nach Art und Schwere der Krankheit für die medizinische Versorgung der Patienten im Krankenhaus notwendig sind, insbesondere ärztliche Behandlung, Krankenpflege, Versorgung mit Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln, Unterkunft und Verpflegung. Zur vorstationären Behandlung zählt in medizinisch geeigneten Fällen die Klärung, ob eine vollstationäre Krankenhausbehandlung erforderlich ist, z. B. das Aufnahmegespräch, aber auch die Vorbereitung der stationären Krankenhausbehandlung innerhalb von fünf Tagen vor Beginn der stationären Behandlung, z. B. Laboruntersuchungen zur Vorbereitung einer Operation. Die nachstationäre Behandlung ist in medizinisch geeigneten Fällen zulässig, um im Anschluss an eine vollstationäre Krankenhausbehandlung den Behandlungserfolg zu sichern oder zu festigen. Sie findet im Regelfall innerhalb der ersten vierzehn Tage direkt nach der Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus statt, sofern das Krankenhaus diese für erforderlich hält. Eine vor- und nachstationäre Krankenhausbehandlung kann auch durch hierzu ausdrücklich vom Krankenhaus beauftragte Vertragsärzte im Krankenhaus oder in der Arztpraxis erbracht werden. Bei dieser aufgrund der Beauftragung durchgeführten Behandlung handelt es sich nicht um vertragsärztliche Versorgung. Die Leistungsabrechnung erfolgt zwischen Krankenhaus und Vertragsarzt.

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Die teilstationäre Behandlung ist zulässig, wenn die Aufnahme nach Prüfung durch den zuständigen Krankenhausarzt erforderlich ist, weil das Behandlungsziel nicht durch vor- und nachstationäre oder ambulante Behandlung einschließlich häuslicher Krankenpflege erreicht werden kann. Bei einer teilstationären Behandlung ist der Patient regelmäßig aber nicht zeitlich durchgehend im Krankenhaus anwesend, es kann Unterkunft und Verpflegung gewährt werden. Die vollstationäre Behandlung setzt voraus, dass die Aufnahme nach Prüfung durch den Krankenhausarzt erforderlich ist, weil das Behandlungszielt nicht durch teilstationäre vor- und nachstationäre oder ambulante Behandlung einschließlich häuslicher Krankenpflege erreicht werden kann. Ambulante Behandlung durch Krankenhäuser oder Krankenhausärzte – Überweisung Zu den Leistungen, die ein Krankenhaus ambulant erbringen kann und für die dementsprechend eine Überweisung eines Vertragsarztes in Betracht käme, gehören z. B. ambulante Operationen und die ambulante spezialfachärztliche Versorgung. Teilweise sind auch spezialisierte Krankenhausärzte zur Durchführung ausgewählter ambulanter Behandlungen ermächtigt. Vertragsärzte dürfen Patienten zu Forschungs- und Lehrzwecken auch an Hochschulambulanzen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein überweisen. Fachärzte dürfen nach der Neuregelung des GKVVersorgungsstärkungsgesetzes auch Überweisungen für solche Personen ausstellen, die wegen Art, Schwere oder Komplexität ihrer Erkrankung einer Untersuchung oder Behandlung durch die Hochschulambulanz bedürfen. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Kassenärztliche Bundesvereinigung werden hierzu auf Bundesebene weitere Festlegungen treffen. Für die vorgenannten Behandlungen ist eine Überweisung ausreichend. Der Forderung des Krankenhauses nach einer Einweisung für derartige Leistungen ist nicht nachzukommen. Alexandra Stebner, KVSH

Patienteninformation Zum Thema „Einweisung oder Überweisung ins Krankenhaus“ bietet die KVSH einen Patientenflyer an. Dieser kann über die Formularausgabe der KVSH bezogen werden: Tel. 04551 883 250 oder E-Mail formular@kvsh.de.

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SERVICE was , wann , wo ?

Seminare

Nicht zu allen Seminaren wird persönlich eingeladen.

fÜR Ärzte und QM-Mitarbeiter

fÜR Ärzte und QM-Mitarbeiter

thema: QEP®-Einführungsseminar

thema: Qualitätsmanagement –

die G-BA Richtlinie erfüllen

datum: 9. Oktober 2015, 15.00 bis 21.00 Uhr 10. Oktober 2015, 9.00 bis 17.00 Uhr

datum: 11. November 2015, 14.00 bis 18.00 Uhr

Mit QEP® stellt die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein für Praxen spezifisches Qualitätsmanagementverfahren zur Verfügung. QEP® – „Qualität und Entwicklung in Praxen“ – wurde gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten, QM-Experten und unter Einbeziehung von Berufsverbänden und Arzthelferinnen entwickelt. QEP® bietet Ihnen: • konsequente Praxisorientierung • einfache Anwendbarkeit • viele Umsetzungsvorschläge und Musterdokumente • die Möglichkeit zur Fremdbewertung/Zertifizierung

Wie sind die Anforderungen aus der Richtlinie „Qualitätsmanagement in der vertragsärztlichen Versorgung“ des Gemeinsamen Bundesausschusses mit möglichst geringem Aufwand umzusetzen? Welche gesetzlichen Anforderungen stellen gegebenenfalls ein Haftungsrisiko für die Praxis dar? Wie kann ein QM-System die Umsetzung erleichtern?

Inhalte des Seminars: • Vermittlung von Grundlagen des Qualitätsmanagements; Vorteile und Grenzen von QM • Einstieg in das QM-System QEP® (Qualität und Entwicklung in Praxen) • Intensive praktische Übungen mit den Materialien des QEP®-Systems (Qualitätszielkatalog kompakt/QEP®-Manual) • Arbeitstechniken und Werkzeuge; erste Schritte für den Aufbau eines QM-Systems in der eigenen Praxis

In dem Seminar werden unter anderem die folgenden Inhalte behandelt: • Was muss zur Erfüllung der Richtlinie dokumentiert werden? • Wie kann die Dokumentation schnell und systematisch erfolgen? • Welche Beauftragten muss meine Praxis haben? • Welche Themen sind regelmäßig zu unterweisen? • Welche Anforderungen bestehen bei Themen, wie Arbeitsschutz, Medizinprodukte und Hygiene? In dem Seminar erhalten Sie neben umfangreichen Informationen auch Checklisten und Unterweisungsunterlagen, die Sie direkt in Ihrer Praxis einsetzen können. Sie erfahren außerdem, wie Ihre KV Sie bei der Umsetzung von QM unterstützt.

ORT: Sitzungszentrum der KVSH, Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad Segeberg

Ort: Sitzungszentrum der KVSH, Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad Segeberg

Teilnahmegebühr: 200 Euro, inkl. Kursmaterial (QEP®-Qualitätszielkatalog/QEP®-Manual) und Verpflegung

Teilnahmegebühr: 50 Euro Fortbildungspunkte:.5

Fortbildungspunkte: 18 TEILNAHMEBEDINGUNGEN: Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Verbindliche Anmeldungen werden in schriftlicher Form angenommen (Brief/Fax oder E-Mail) und in der Reihenfolge des Posteingangs berücksichtigt. Abmeldungen können schriftlich bis zehn Tage vor der Veranstaltung und im Krankheitsfall kostenlos erfolgen. Bei Absage bis drei Tage vor Seminarbeginn wird eine Bearbeitungsgebühr von 50 Prozent der Teilnahmegebühr fällig. Die Benennung von Ersatzpersonen ist möglich. Spätere Absagen oder Nichterscheinen erfordern die volle Seminargebühr.

kontakt + anmeldung Abt. Qualitätssicherung

kontakt + anmeldung Abt. Qualitätssicherung Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad Segeberg

Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad Segeberg

Angelika Ströbel Regina Steffen Tel. 04551 883 204 04551 883 292 Fax 04551 883 7204 04551 883 7292 E-Mail angelika.stroebel@kvsh.de regina.steffen@kvsh.de 34

TEILNAHMEBEDINGUNGEN: Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, werden die Anmeldungen in der Reihenfolge des Posteingangs berücksichtigt. Erhalten Sie keine Absage, so gilt die Teilnahme als bestätigt.

Angelika Ströbel Regina Steffen Tel. 04551 883 204 04551 883 292 Fax 04551 883 7204 04551 883 7292 E-Mail angelika.stroebel@kvsh.de regina.steffen@kvsh.de Nordlicht

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Service

Veranstaltungen KVSH

Wir übernehmen nur für KVSH-Termine Gewähr.

12. September 2015, 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr

CT und MRT des Herzens – 1. Teil: Herz-MRT

2. September 2015, 14.00 bis 17.00 Uhr

Offene Sprechstunde Ort: Zulassung/Praxisberatung der KVSH Info: An jedem ersten Mittwoch im Monat • für alle Ärzte und Psychotherapeuten zu Themen aus dem Bereich der Zulassung (Praxisübergabe, Anstellung, Verlegung, Kooperation etc.) • ohne vorherige Terminvergabe

Ort: Elbkuppelsaal des Hotels Hafen Hamburg, Seewartenstraße 9, 20459 Hamburg Info: Sekretariat: M. Schumacher, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck. Tel. 0451 500 2129, Fax 0451 500 6497. Eine Voranmeldung wird aus organisatorischen Gründen bis zum 28.8.2015 erbeten. E-Mail: sekretariat-radnuk@uksh.de www.uksh.de

12. September 2015, 9.00 Uhr bis 19.30 Uhr

3. Schleswig-Holsteiner Psychotherapeutentag der DPtV

Bettina Fanselow, Zulassung/Praxisberatung Tel. 04551 883 222, E-Mail: bettina.fanselow@kvsh.de

Ort: Wissenschaftszentrum Kiel, Fraunhoferstraße 13, 24118 Kiel Info: Workshops zu verschiedenen Themen: Die Wege zum Vertragspsychotherapeuten, Abrechnung psychotherapeutischer Leistungen, Interkulturelle Aspekte in der psychotherapeutischen Praxis, Geschlechtsidentitätsstörungen und vieles mehr. Anmeldeformular unter: www.dptv-sh.de

Karin Ruskowski, Zulassung/Praxisberatung Tel. 04551 883 430, E-Mail: karin.ruskowski@kvsh.de www.kvsh.de

23. September 2015, 13.30 bis 15.00 Uhr

Zeichen und Symbole von Subkulturen

KVSH-Kreisstellen 16. September 2015, 18.00 bis 20.00 Uhr

Zufallsbefunde – wie geht‘s weiter? Ort: Alte Post Flensburg Info: Medizinische Klinik I, Klinik für Chirurgie, Medizinische Klinik II Tel. 0461 812 2103, www.diako.de oder Tel. 0461 816 2511, www. malteser-franziskus.de, Anmeldung unter Tel. 04551 88130 oder www.aeksh.de

Ort: AHG Klinik Lübeck, Weidenweg 9-15, 23562 Lübeck, Vortragsraum Haus 2 Info: Sibille Wolfgram, Kunsttherapeutin, AHG Klinik Lübeck, Tel. 0451 5894 0, Fax 0451 5894 331, die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. E-Mail: luebeck@ahg.de www.ahg.de/luebeck

23. September 2015, 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Notfallmanagement in der Arztpraxis Ort: media docks, Willy-Brandt-Allee 31a, 23554 Lübeck Info: Anmeldung: Ärztegenossenschaft Nord eG, Bahnhofstr. 1-3, 23795 Bad Segeberg, Tel. 04551 9999 0 E-Mail: kontakt@aegnord.de www.aegnord.de

Schleswig-Holstein 21. August 2015, 16.00 bis 20.00 Uhr

Einführungsseminar für neu zugelassene Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

25. bis 26. September 2015, Fr. 9.00 bis 18.30 Uhr, Sa. 9.00 bis 12.30 uhr

Ort: InterCity Hotel Kiel, Kaistraße 54-56, Kiel Info: Einführung in das System der ambulanten vertragspsychotherapeutischen Versorgung. Eine Anmeldung ist aus organisatorischen Gründen notwendig. Kosten: 40 Euro – für Mitglieder der DPtV kostenfrei. E-Mail: heiko.borchers@dptv.de www.dptv-sh.de

Ort: Hörsaal der Klinik für Dermatologie, Haus 19, Arnold-Heller-Str. 3, 24105 Kiel Info: Organisation: A. Blunk, B. Ueberle, Tel. 0431 597 1338, Fax 0431 597 1337, Anmeldung online über: E-Mail: www.nephrologie-uni-kiel.de

30. September 2015, 19.30 Uhr

3. September 2015, 20.00 Uhr

Balintgruppe Eckernförde

Interventionelle Therapiemöglichkeiten an Herz und Hirn

Ort: Langebrückstraße 20, 24340 Eckernförde Info: Dr. Gaissmaier – Tel. 04351 76 77 38 E-Mail: dr.m.f.x.gaissmaier@t-online.de

Ort: Conventgarten, Rendsburg Info: Referent: Dr. U. Pulkowski, Prof. Dr. E. El Mokhtari, Rendsburg, Fortbildungspunkte werden beantragt E-Mail: aerzteverein-rd@web.de www.aev-rd.de

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Transplantationsnephrologie

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Service kontakt

Ansprechpartner der KVSH Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein Bismarckallee 1 - 6, 23795 Bad Segeberg Zentrale 04551 883 0, Fax 04551 883 209

Vorstand

Vorstandsvorsitzende Dr. Monika Schliffke�������������������������������������������������������� 206/217/355 Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Dr. Ralph Ennenbach������������������������������������������������������� 206/217/355

Geschäftsstelle Operative Prozesse

Ekkehard Becker...............................................................................486

Selbstverwaltung

Regine Roscher.................................................................................218

Abteilungen

aha!-Programm Tanja Glaw��������������������������������������������������������������������������������������� 685 Helga Hartz�������������������������������������������������������������������������������������� 453 Carolin Tessmann����������������������������������������������������������������������������� 326 Lisa-Marie Lüthje����������������������������������������������������������������������������� 453 Abrechnung Petra Lund (Leiterin)/Ernst Sievers (stellv. Leiter)����������������� 306/245 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 322 Abteilung Recht – Justitiar Klaus-Henning Sterzik (Leiter)������������������������������������������������� 230/251 Abteilung Recht Maria Behrenbeck��������������������������������������������������������������������������� 251 Hauke Hinrichsen����������������������������������������������������������������������������� 265 Tom-Christian Brümmer������������������������������������������������������������������� 474 Esther Petersen������������������������������������������������������������������������������� 498 Ärztlicher Bereitschaftsdienst Thomas Miklik (BD-Beauftr. d. Vorstands)�������������������������������������� 579 Alexander Paquet (Leiter)��������������������������������������������������������������� 214 Akupunktur Daniela Leisner�������������������������������������������������������������������������������� 445 Ambulantes Operieren Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 459 Arthroskopie Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 459 Ärztliche Stelle (Röntgen) Kerstin Weber���������������������������������������������������������������������������������� 529 Uta Markl����������������������������������������������������������������������������������������� 393 Tanja Ohm-Glowik���������������������������������������������������������������������������� 386 Ärztliche Stelle (Nuklearmedizin/Strahlentherapie) Kerstin Weber���������������������������������������������������������������������������������� 529 Nina Tiede��������������������������������������������������������������������������������������� 325 Arztregister Anja Scheil/Dorit Scheske��������������������������������������������������������������� 254 Assistenz-Genehmigung Renate Tödt������������������������������������������������������������������������������������� 358 Petra Fitzner������������������������������������������������������������������������������������ 384 Balneophototherapie Michaela Schmidt���������������������������������������������������������������������������� 266 Begleiterkrankungen Diabetes mellitus Tanja Glaw��������������������������������������������������������������������������������������� 685 Helga Hartz�������������������������������������������������������������������������������������� 453 Carolin Tessmann����������������������������������������������������������������������������� 326 36

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Chirotherapie Heike Koschinat������������������������������������������������������������������������������� 328 Delegations-Vereinbarung Christopher Lewering���������������������������������������������������������������������� 366 Dermatohistologie Christopher Lewering���������������������������������������������������������������������� 366 Dialyse-Kommission/LDL Marion Frohberg������������������������������������������������������������������������������ 444 Diabetes-Kommission Aenne Villwock�������������������������������������������������������������������������������� 369 DMP Team Marion Frohberg ����������������������������������������������������������������������������� 444 Helga Hartz ������������������������������������������������������������������������������������� 453 Carolin Tessmann����������������������������������������������������������������������������� 326 Tanja Glaw��������������������������������������������������������������������������������������� 685 Lisa-Marie Lüthje����������������������������������������������������������������������������� 453 Drogensubstitution Astrid Patscha���������������������������������������������������������������������������������� 340 Christine Sancion����������������������������������������������������������������������������� 470 EDV in der Arztpraxis Timo Rickers������������������������������������������������������������������������������������ 286 Leif Esser������������������������������������������������������������������������������������������ 307 Ermächtigungen Daniel Jacoby������������������������������������������������������������������������������������ 259 Katja Fiehn��������������������������������������������������������������������������������������� 291 Evelyn Kreker���������������������������������������������������������������������������������� 346 Kristina Kramar�������������������������������������������������������������������������������� 561 ESWL Monika Nobis ��������������������������������������������������������������������������������� 938 Finanzen Karl-Heinz Buthmann (Leiter)���������������������������������������������������������� 208 Formularausgabe Sylvia Warzecha������������������������������������������������������������������������������� 250 Fortbildung/Veranstaltungen Nadine Pries������������������������������������������������������������������������������������ 332 Fortbildungspflicht nach Paragraf 95 SGB V Regina Steffen��������������������������������������������������������������������������������� 292 Früherkennungsuntersuchung Kinder (Hausärzte) Heike Koschinat������������������������������������������������������������������������������� 328 Gesundheitspolitik und Kommunikation Marco Dethlefsen (Leiter Kommunikation)������������������������������������� 381 Delf Kröger (Leiter Gesundheitspolitik)������������������������������������������� 454 Gruppentherapievertrag Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 Hautkrebs-Screening Christine Sancion����������������������������������������������������������������������������� 470 Hausarztzentrierte Versorgung Heike Koschinat ������������������������������������������������������������������������������ 328 Herzschrittmacherkontrollen Helga Hartz�������������������������������������������������������������������������������������� 453 Hilfsmittel Ellen Roy������������������������������������������������������������������������������������������ 931 Anna-Sofie Reinhard������������������������������������������������������������������������ 362 Histopathologie im Rahmen Hautkrebs-Screening Christopher Lewering���������������������������������������������������������������������� 366 ak t u e l l

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Service kontakt

HIV/AIDS Daniela Leisner�������������������������������������������������������������������������������� Hörgeräteversorgung Christopher Lewering���������������������������������������������������������������������� Homöopathie Heike Koschinat������������������������������������������������������������������������������� HVM-Team/Service-Team Stephan Rühle (Leiter)�������������������������������������������������������������������� Internet Jakob Wilder������������������������������������������������������������������������������������ Borka Totzauer��������������������������������������������������������������������������������� Interventionelle Radiologie Ute Tasche �������������������������������������������������������������������������������������� Intravitreale Medikamenteneingabe Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ Invasive Kardiologie Christina Bernhardt�������������������������������������������������������������������������� Kernspintomografie Monika Nobis����������������������������������������������������������������������������������� Koloskopie Carolin Tessmann����������������������������������������������������������������������������� Koordinierungsstelle Weiterbildung Petra Fitzner������������������������������������������������������������������������������������ Krankengeldzahlungen Doris Eppel��������������������������������������������������������������������������������������� Laborleistung (32.3) Marion Frohberg ����������������������������������������������������������������������������� Langzeit-EKG Tanja Glaw��������������������������������������������������������������������������������������� Mammographie (Screening) Kathrin Zander��������������������������������������������������������������������������������� Anja Liebetruth�������������������������������������������������������������������������������� Mammographie (kurativ) Kathrin Zander��������������������������������������������������������������������������������� Dagmar Martensen�������������������������������������������������������������������������� Molekulargenetik Marion Frohberg������������������������������������������������������������������������������ MRSA Angelika Ströbel������������������������������������������������������������������������������ Neuropsychologische Therapie Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� Niederlassung/Zulassung Susanne Bach-Nagel������������������������������������������������������������������������ Marleen Staacke������������������������������������������������������������������������������ Sabine Ben El Fahem����������������������������������������������������������������������� Christian Schrade����������������������������������������������������������������������������� Kristina Kramar�������������������������������������������������������������������������������� Melanie Lübker�������������������������������������������������������������������������������� Nordlicht aktuell Borka Totzauer ������������������������������������������������������������������������������� Jakob Wilder������������������������������������������������������������������������������������ Nuklearmedizin Monika Nobis����������������������������������������������������������������������������������� Onkologie Daniela Leisner�������������������������������������������������������������������������������� Otoakustische Emissionen Michaela Schmidt����������������������������������������������������������������������������

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445 366 328 334 475 356 485 459 533 938 326 384 220 444 685 382 302 382 687 444 204 321 378 596 258 634 561 427 356 475 938 445 266

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Personal Lars Schönemann (Leiter)����������������������������������������������������������������� 275 Claudia Rode (Stellvertreterin)��������������������������������������������������������� 295 Yvonne Neumann����������������������������������������������������������������������������� 577 Anke Siemers ���������������������������������������������������������������������������������� 333 Dirk Ludwig��������������������������������������������������������������������������������������� 425 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 451 Phototherapeutische Keratektomie Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 459 Photodynamische Therapie am Augenhintergrund Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 459 Physikalisch-Medizinische Leistungen Heike Koschinat������������������������������������������������������������������������������� 328 Plausibilitätsausschuss Hauke Hinrichsen������������������������������������������������������������������������������ 265 Susanne Hammerich������������������������������������������������������������������������� 686 Ulrike Moszeik��������������������������������������������������������������������������������� 336 Rita Maass��������������������������������������������������������������������������������������� 467 Polygrafie/Polysomnografie Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 Pressesprecher Marco Dethlefsen���������������������������������������������������������������������������� 381 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������������� 396 Psychotherapie Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 Qualitätssicherung Aenne Villwock (Leiterin)�������������������������������������������������������� 369/262 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 374 Qualitätszirkel/Qualitätsmanagement Angelika Ströbel������������������������������������������������������������������������������ 204 Regina Steffen��������������������������������������������������������������������������������� 292 Sabrina Wienke�������������������������������������������������������������������������������� 577 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 374 QuaMaDi Kathrin Zander��������������������������������������������������������������������������������� 382 Renate Krupp����������������������������������������������������������������������������������� 487 Radiologie-Kommission Aenne Villwock................................................................................. 369 Alice Lahmann��������������������������������������������������������������������������������� 360 Cornelia Thiesen............................................................................... 458 Röntgen (Anträge) Christina Bernhardt�������������������������������������������������������������������������� 533 Röntgen (Qualitätssicherung) Alice Lahmann��������������������������������������������������������������������������������� 360 Cornelia Thiesen������������������������������������������������������������������������������ 458 Rückforderungen der Kostenträger Björn Linders������������������������������������������������������������������������������������ 564 Schmerztherapie Christopher Lewering����������������������������������������������������������������������� 366 Service-Team/Hotline Telefon������������������������������������������������������������������������������������� 388/883 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 505 Sonografie (Anträge) Ute Tasche��������������������������������������������������������������������������������������� 485 Monika Vogt������������������������������������������������������������������������������������ 630 Sonografie (Qualitätssicherung) Susanne Paap���������������������������������������������������������������������������������� 228 Sozialpsychiatrie-Vereinbarung Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 Soziotherapie Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321

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Service kontakt

Sprechstundenbedarf Heidi Dabelstein������������������������������������������������������������������������������ 353 Strahlentherapie Monika Nobis����������������������������������������������������������������������������������� 938 Struktur und Verträge Dörthe Deutschbein (Leiterin)��������������������������������������������������������� 331 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 488 Telematik-Hotline��������������������������������������������������������������������������������� 888 Teilzahlungen Brunhild Böttcher���������������������������������������������������������������������������� 231 Tonsillotomie Daniela Leisner�������������������������������������������������������������������������������� 445 Umweltmedizin/Umweltausschuss Tanja Glaw �������������������������������������������������������������������������������������� 685 Vakuumbiopsie Stefani Schröder ����������������������������������������������������������������������������� 930 Verordnung medizinische Rehaleistungen Christine Sancion����������������������������������������������������������������������������� 470 Verordnung (Team Beratung) Thomas Frohberg����������������������������������������������������������������������������� 304 Widersprüche (Abteilung Recht) Gudrun Molitor�������������������������������������������������������������������������������� 439 Zulassung Bianca Hartz (Leiterin)������������������������������������������������������������� 255/358 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 276 Zytologie Michaela Schmidt���������������������������������������������������������������������������� 266

Stelle nach Paragraf 81a SGB V: Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen

Klaus-Henning Sterzik�������������������������������������������������������������� 230/251

Prüfungsstelle Bahnhofstraße 1, 23795 Bad Segeberg Tel. 04551 9010 0, Fax 04551 9010 22 Beschwerdeausschuss Dr. Johann David Wadephul (Vorsitzender)�������������������������������� 9010 0 Prof. Günther Jansen (Stellvertreter)����������������������������������������� 9010 0 Leiter der Dienststelle Maik Luttermann (Leiter)���������������������������������������������������������� 9010 21 Dr. Michael Beyer (Stellvertreter)�������������������������������������������� 9010 14 Verordnungsprüfung Elsbeth Kampen ����������������������������������������������������������������������� 9010 23 Sprechstundenbedarfs-, Honorar- und Zufälligkeitsprüfung Birgit Wiese������������������������������������������������������������������������������ 9010 12 Zweitmeinungsverfahren Nadja Kleinert��������������������������������������������������������������������������� 9010 25

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Nordlicht

Zentrale Stelle Mammographie-Screening

Bismarckallee 7, 23795 Bad Segeberg Tel .................................................................................................... 898900 Fax ................................................................................................ 8989089 Dagmar Hergert-Lüder (Leiterin)����������������������������������������������������� 8989010

Impressum

Nordlicht aktuell Offizielles Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein Herausgeber Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein Dr. Monika Schliffke (v.i.S.d.P.) Redaktion Marco Dethlefsen (Leiter); Prof. Jens-Martin Träder (stellv. Leiter); Borka Totzauer (Layout); Jakob Wilder; Delf Kröger Redaktionsbeirat Ekkehard Becker; Dr. Ralph Ennenbach; Reinhardt Hassenstein; Dr. Monika Schliffke Druck Grafik + Druck, Kiel Fotos iStockphoto Titelbild Olaf Schumacher Anschrift der Redaktion Bismarckallee 1– 6, 23795 Bad Segeberg, Tel. 04551 883 356, Fax 04551 883 396, E-Mail: nordlicht@kvsh.de, www.kvsh.de Das Nordlicht erscheint monatlich als Informationsorgan der Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Namentlich gekennzeichnete Beiträge und Leserbriefe geben nicht immer die Meinung des Herausgebers wieder; sie dienen dem freien Meinungsaustausch. Jede Einsendung behandelt die Redaktion sorgfältig. Die Redaktion behält sich die Auswahl der Zuschriften sowie deren sinnwahrende Kürzung ausdrücklich vor. Die Zeitschrift, alle Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit schriftlichem Einverständnis des Herausgebers. Wenn aus Gründen der Lesbarkeit die männliche Form eines Wortes genutzt wird („der Arzt“), ist hiermit selbstverständlich auch die weibliche Form gemeint („die Ärztin“).

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Service K ontakt

Kreisstellen der KVSH Kiel

Kreisstelle: Herzog-Friedrich-Str. 49, 24103 Kiel Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 0431 93222 Fax����������������������������������������������������������������������������������������� 0431 9719682 Wolfgang Schulte am Hülse, Allgemeinarzt Tel�������������������������������������������������������������������������������������������� 0431 541771 Fax������������������������������������������������������������������������������������������� 0431 549778 E-Mail��������������������������������������������������������������������� Kreisstelle.Kiel@kvsh.de

Lübeck

Kreisstelle: Parade 5, 23552 Lübeck, Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 0451 72240 Fax����������������������������������������������������������������������������������������� 0451 7063179 Dr. Andreas Bobrowski, Laborarzt Tel ������������������������������������������������������������������������������������������� 0451 610900 Fax����������������������������������������������������������������������������������������� 0451 6109010 E-Mail�������������������������������������������������������������� Kreisstelle.Luebeck@kvsh.de

Flensburg

Kreisstelle: Meisenstraße 16, 24939 Flensburg Tel ��������������������������������������������������������������������������������������������� 0461 42939 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 0461 46891 Dr. Wolfgang Barchasch, Frauenarzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 0461 27700 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������� 0461 28149 E-Mail������������������������������������������������������������ Kreisstelle.Flensburg@kvsh.de

Neumünster

Jörg Schulz-Ehlbeck, hausärztl. Internist Tel ������������������������������������������������������������������������������������������� 04321 47744 Fax������������������������������������������������������������������������������������������� 04321 41601 E-Mail����������������������������������������������������� Kreisstelle.Neumuenster@kvsh.de

Kreis Dithmarschen

Burkhard Sawade, Praktischer Arzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04832 8128 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 04832 3164 E-Mail��������������������������������������������������������� buero@kreisstelle.dithmarschen

Kreis Herzogtum Lauenburg

Raimund Leineweber, Allgemeinarzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04155 2044 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������� 04155 2020 E-Mail���������������������������������������������������������� Kreisstelle.Lauenburg@kvsh.de

Kreis Nordfriesland

Dr. Martin Böhm, Internist Tel ��������������������������������������������������������������������������������������������� 04841 5037 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 04841 5038 E-Mail����������������������������������������������������� Kreisstelle.Nordfriesland@kvsh.de 8 | 2015

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Kreis Ostholstein

Dr. Bettina Schultz, Frauenärztin Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04521 2950 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 04521 3989 E-Mail��������������������������������������������������������� Kreisstelle.Ostholstein@kvsh.de

Kreis Pinneberg

Dr. Zouheir Hannah, Orthopäde Tel�������������������������������������������������������������������������������������������� 04106 82525 Fax������������������������������������������������������������������������������������������� 04106 82795 E-Mail����������������������������������������������������������� Kreisstelle.Pinneberg@kvsh.de

Kreis Plön

Dr. Joachim Pohl, Allgemeinarzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04526 1000 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������� 04526 1849 E-Mail������������������������������������������������������������������ Kreisstelle.Ploen@kvsh.de

Kreis Rendsburg-Eckernförde

Carl Culemeyer, Allgemeinarzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04353 9595 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 04353 9555 E-Mail����������������������������������������������������������������������� KVKreisRdEck@aol.com

Kreis Schleswig-Flensburg

Dr. Carsten Petersen, Internist Tel ������������������������������������������������������������������������������������������ 04621 951950 Fax ������������������������������������������������������������������������������������������ 04621 20209 E-Mail����������������������������������������������������������� Kreisstelle.Schleswig@kvsh.de

Kreis Segeberg

Dr. Dieter Freese, Allgemeinarzt Tel�������������������������������������������������������������������������������������������� 04551 83553 Fax ���������������������������������������������������������������������������������������� 04551 879728 E-Mail������������������������������������������������������������ Kreisstelle.Segeberg@kvsh.de

Kreis Steinburg

Dr. Klaus-Heinrich Heger, Internist Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04124 2822 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������� 04124 7871 E-Mail������������������������������������������������������������ Kreisstelle.Steinburg@kvsh.de

Kreis Stormarn

Dr. Hans Irmer, Arzt Tel�������������������������������������������������������������������������������������������� 04102 52610 Fax ������������������������������������������������������������������������������������������ 04102 52678 E-Mail������������������������������������������������������������� Kreisstelle.Stormarn@kvsh.de

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2. September | 7. Oktober 4. November | 2. Dezember

2015

An jedem ersten Mittwoch im Monat 

für  alle Ärzte und Psychotherapeuten zu Themen aus dem Bereich der Zulassung (Praxisübergabe, Anstellung, Verlegung, Kooperation etc.) ohne vorherige Terminvergabe

Ort

Zulassung/Praxisberatung der KVSH, Bismarckallee 1– 6, 23795 Bad Segeberg Kontakt Bettina Fanselow, Zulassung/Praxisberatung Tel. 04551 883 222, E-Mail: bettina.fanselow@kvsh.de Karin Ruskowski, Zulassung/Praxisberatung Tel. 04551 883 430, E-Mail: karin.ruskowski@kvsh.de www.kvsh.de

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