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PRAXIS  &  KV P s y chotherapie

Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie hat neuen Vorsitzenden

Mit Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes im Jahre 1998 wurde der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie installiert. Inzwischen besteht der Beirat mehrere Jahre und hat nun seit geraumer Zeit einen neuen ärztlichen Vorsitzenden. Im Folgenden soll der neue Vorsitzende kurz vorgestellt werden und aufgezeigt werden, welche Aufgaben der Beirat wahrnimmt und welche Folgen seine Stellungnahmen und Gutachten haben können. Grundlage des Beirats – das PsychThG Gemäß Psychotherapeutengesetz (PsychThG) ist die Ausübung von Psychotherapie eine mittels wissenschaftlich anerkannter Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist. Um nun die Wissenschaftlichkeit eines Verfahrens feststellen zu können, wurde seinerzeit ein Beirat – der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie – berufen. Der Beirat setzt sich paritätisch aus sechs Vertretern der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten einerseits und sechs ärztlichen Vertretern andererseits zusammen. Die Berufungsdauer entspricht der fünfjährigen Amtsperiode des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie. Der Vorsitz wechselt jeweils zwischen den Berufsgruppen. Neuer ärztlicher Vorsitzender Seit geraumer Zeit ist nun Prof. Dr. Gereon Heuft ärztlicher Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie. Heuft ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie © UKM und Psychiatrie sowie Univ.-Prof. Dr. Gereon Heuft Psychoanalytiker. Er hat einen Lehrstuhl für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen WilhelmsUniversität Münster und ist Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster. Der bisherige psychologische Vorsitzende Günter Esser hat jetzt die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden übernommen.

11 | 2016

Nordlicht

Aufgaben des Wissenschaftlichen Beirats Der Beirat erstellt unter anderem nach Paragraf 11 PsychThG Stellungnahmen und Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung von Psychotherapieverfahren. Hiermit werden vornehmlich Behörden beraten. Relevanz haben die Gutachten beispielsweise dann, wenn es um die staatliche Anerkennung von Ausbildungsstätten für Psychotherapeuten geht. Im Sinne des Gesetzes können nur Psychotherapie-Ausbildungen, die in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren erfolgen, zur Approbation als Psychologischer Psychotherapeut oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut führen. Aber auch für eine spätere sozialrechtliche Anerkennung von Verfahren (oder Methoden) spielen die Stellungnahmen des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie eine gewichtige Rolle. So hatten die Einordnungen beispielsweise der Neuropsychologischen Therapie und von EMDR durchaus Auswirkungen auf die Anerkennung dieses Verfahrens bzw. dieser Methode im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung. Gutachten und Stellungnahmen Bisher hat der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie zu folgenden Psychotherapieverfahren Gutachten erstellt: Systemische Therapie, Gesprächspsychotherapie, Neuropsychologische Therapie, Psychodramatherapie, Interpersonelle Psychotherapie, Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) bei Erwachsenen sowie gesondert bei Kindern und Jugendlichen. Die bei Inkrafttreten des PsychThG sozialrechtlich bereits anerkannten Verfahren: Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Analytische Psychotherapie konnten auf Wunsch der Fachgesellschaften einer wissenschaftlichen Begutachtung unterzogen werden. Ein behördlicher Auftrag hierzu wurde nicht gestellt. Heiko Borchers, Psychologischer Psychotherapeut Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Kiel

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Nordlicht 11 2016 web  
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