Page 16

PRAXIS  &  KV Neuausrichtung der Wirtschaftlichkeitsprüfung Die Vorstandvorsitzende gab einen ersten Ausblick, wie eine künftige Prüfvereinbarung in Schleswig-Holstein aussehen könnte. Hintergrund ist die Vorgabe aus dem Versorgungsstärkungsgesetz, dass ab 2017 Vereinbarungen zwischen KVen und Krankenkassen auf Landesebene die Grundlage der Wirtschaftlichkeitsprüfung ärztlich verordneter Leistungen bilden sollen. Während in einigen KV-Bereichen bisherige Regelungen nur wenig modifiziert würden, neige die KVSH zu einer gänzlich neuen Systematik, in deren Mittelpunkt morbidity related groups (krankheitsabhängige Fallgruppen) stünden. Dies sei ein statistisches Verfahren, erläuterte Schliffke, „von dem wir uns mit einer großen Wahrscheinlichkeit wesentlich bessere Ergebnisse erwarten dürfen, also weniger Prüfungen, und wenn bei den Richtigen.“ Künftig solle nicht mehr das Einzelmedikament betrachtet werden, sondern Erkrankungen und die bei der Behandlung eingesetzten Wirkstoffe. Vorteil sei, erläuterte Schliffke, dass z. B. die Kosten des MS-Patienten eines Arztes mit den Kosten aller MS-Patienten der Fachgruppe verglichen würden. Darüber hinaus werde es eine Reihe weiterer Verbesserungen geben, wie die Ausweitung des Grundsatzes „Beratung vor Regress“ auf Zielvereinbarungen und den Sprechstundenbedarf.

Konvergenzanpassung möglich Zudem bestehe die Möglichkeit, eine Angleichung der in der Vergangenheit in Schleswig-Holstein niedrigeren morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) je Versicherten an den Bundesdurchschnitt zu erreichen. Grundlage sei die mit dem Versorgungstärkungsgesetz geschaffene sogenannte Konvergenzklausel, die es den Kassenärztlichen Vereinigungen erlaubt, diese Angleichung in der nächsten Honorarrunde zu fordern. Im Referenzjahr 2013 habe die MGV je Versicherten in Schleswig-Holstein 1,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt gelegen. Ennenbach zeigte sich optimistisch, dass die KVSH gute Versorgungsargumente für eine Anpassung vorbringen könne. Insgesamt gehe er davon aus, das Bundesergebnis in den regionalen Verhandlungen noch deutlich verbessern zu können, so Ennenbach. Er dämpfte allerdings die Erwartung auf ein schnelles Ergebnis, da absehbar sei, dass sich die Verhandlungen aus einer Reihe von Gründen in diesem Jahr länger hinziehen würden. Förderung für angehende Kinder- und Nervenärzte

„Wir sind überzeugt, hier etwas Vernünftiges zustande bringen zu können, was die Belastung durch die Thematik Regress verringert und sich damit positiv auf Niederlassungswilligkeit auswirkt“, zeigte sich Schliffke überzeugt. Noch sei aber nichts unterschrieben. Da die angedachte Systematik komplex sei und für jede Fachgruppe differenziert betrachtet werden müsse, wolle der Vorstand die Berufsverbände weiter eng einbinden. Regionale Honorarverhandlungen vor dem Start Auch die Honorarverhandlungen auf Bundesebene waren Thema der AV. Die Vorstandsvorsitzende berichtete, dass sich KBV und GKV-Spitzenverband auf einen Anstieg des Orientierungspunktwertes um 0,9 Prozent auf 10,53 Cent geeinigt hätten. Auch zwei wichtige Vorgaben für die anstehenden regionalen Verhandlungen seien im Bewertungsausschuss in Berlin festgelegt worden: Die Empfehlung für die Morbiditätsrate in Schleswig-Holstein laute 1,3722 Prozent, für die Demografierate knapp 0,3 Prozent. Das Ergebnis summiere sich auf etwa 2,5 Prozent und sei, auch wenn man es im Kontext anderer Tarife sehe, „ein akzeptables Ergebnis“, so die Vorstandsvorsitzende. Welche Ziele die KVSH ausgehend von den Bundesvorgaben in den regionalen Verhandlungen anstrebt, legte Dr. Ralph Ennenbach dar. Eine Forderung werde es sein, zu einer anderen als einer je hälftigen Gewichtung von Morbiditäts- und Demografierate zu kommen. Weiter auf der Forderungsliste stehe die extrabudgetäre Vergütung weiterer Leistungen aus den Bereichen Geriatrie und Palliativmedizin, Rheumatologie und Schmerztherapie. Auch die Vergütung tagesklinischer Betreuungsleistungen im Bereich der Onkologie sowie der fachärztlichen Grundpauschale außerhalb der budgetierten Gesamtvergütung strebe die KVSH an, erläuterte Ennenbach.

16

Nordlicht

© istock.com/AndreyPopov

Mit Blick auf die künftige Förderung von Nachwuchsfachärzten in der ambulanten Versorgung konnte die Leiterin der Zulassungsabteilung, Bianca Hartz, von zwei Konkretisierungen berichten. So stehe nun fest, dass von den bundesweit 1.000 Stellen 34,75 auf Schleswig-Holstein entfallen werden. Dieser Anteil sei nach einem „Bevölkerungsschlüssel“ errechnet worden. Zudem konnte mit den Krankenkassen Einvernehmen hergestellt werden, welche Arztgruppen gefördert werden sollen. Zehn Stellen werden dem kinderärztlichen Nachwuchs zur Verfügung stehen, allerdings mit der Einschränkung, dass die Praxen, in denen die Ärzte in Weiterbildung tätig sind, nicht in kreisfreien Städten angesiedelt sein dürfen, da es vor allem im ländlichen Raum Probleme bei der Nachbesetzung gebe. Weitere 24,75 Stellen stehen für angehende Nervenärzte in konservativ tätigen Praxen zur Verfügung, da dies die Facharztgruppe mit dem höchsten Anteil älterer Ärzte ist. Delf Kröger, KVSH

aktuell

11 | 2016

Nordlicht 11 2016 web  
Nordlicht 11 2016 web  
Advertisement