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nr. 10 | 2013

Nordlicht Offizielles Mitteilungsblatt der Kassen채rztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein

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Oktober 2013 | 16. Jahrgang

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20 Jahre Qualit채tszirkel

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Eine Erfolgsgeschichte


Inhalt seite

rubrik/Thema

heft 10 | 2013

TITELTHEMA

Aus dem Inhalt

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Gelebte Selbstverwaltung – 20 Jahre Qualitätszirkelarbeit

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Qualitätszirkelarbeit: Darauf kommt es an

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„Manchmal wird es auch laut“: Doris Scharrel moderierte fünf Jahre lang den Kieler Qualitätszirkel „Hexentreffen“

12 Glosse: Der Lebenszyklus eines Qualitätszirkels

Ärztliche Qualitätszirkel haben sich in den letzten 20 Jahren als wichtiges Instrument der Qualitätssicherung und -entwicklung etabliert und bewährt. In unserem Titelthema blicken wir zurück und gehen außerdem der Frage nach, wie Qualitätszirkelarbeit in Schleswig-Holstein heute funktioniert und welche Unterstützung die KVSH anbietet.

13 Nachrichten Kompakt

Gesundheitspolitik

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„Wir arbeiten für Ihr Leben gern“: Kampagne geht in die zweite Runde

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Abgeordnetenversammlung I: Aus RLV und QZV wird PZV

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Abgeordnetenversammlung II: Haushaltsfragen dominierten Diskussion

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Ärztekammer: Neuer Vorstand gewählt

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Wohin steuert die Ärztekammer? Interview mit Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann

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alitätszirkel

Praxis & KV 24

„Rollende Arztpraxis“ in Niedersachsen gestartet

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Sana-Kliniken verbessern Schnittstellenmanagement: Neue Anlaufstelle für Niedergelassene

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Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Höhere Vergütung ab dem 1. Oktober 2013

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Neue Akademische Lehrpraxen gesucht

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Neuer Bundesmantelvertrag: Übersicht über die wichtigsten Änderungen

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Öffentliche Ausschreibung von Vertragspraxen

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Leserbriefe

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Neues aus KBV und Kven

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Nachrichten aus der Psychotherapie

Die Vergütung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in SchleswigHolstein wird ab dem 1. Oktober 2013 auf eine neue Grundlage gestellt. Zusätzlich zur bisherigen Vergütung werden Kontaktbzw. Besuchspauschalen für Dienste in der Anlaufpraxis und im fahrenden Dienst eingeführt.

Die Menschen im Land 38

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Quereinsteigerin gründet eigene Praxis

Service

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Sicher durch den Verordnungsdschungel: Heilmittelverordnungen

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Sie fragen – wir antworten

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Alte Bereitschaftsdienstnummer läuft aus

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Bestellvorlage: Info-Material zur 116 117

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Voice over IP (VoIP): neu, günstig, unsicher?

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Seminare

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Termine

Dr. Karin Erasmi erfüllte sich nach langen Jahren in der Klinik ihren Traum von der Selbstständigkeit. Die Fachärztin für Anästhesie schaffte den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin und eröffnete nun in Flintbek ihre eigene Hausarztpraxis.

Wertvolle Informationen für Sie und Ihr Praxisteam auf den mit einem grünen „ i“ markierten Seiten

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Nordlicht nr. 10 | 2013 EDITORIAL Dr. Ralph Ennenbach, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVSH

Liebe Leserinnen und Leser, gäbe es keine Lagerkämpfe in der ambulant tätigen Ärzteschaft, sondern nur das Streben nach der besten Versorgung und den Einsatz dafür, dass die Gesellschaft auch bereit ist, dafür die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen: Ich glaube, alle wären weiter. Das Thema Hausarzt-EBM steht aber für das Gegenteil. Jeder – auch die Macher – räumen ein, dass dieser schlecht geraten ist und dringend nachgebessert werden muss. Andererseits wird es mit grimmigstem Argwohn verfolgt, wenn Kritiker auf substantielle Fehler im Werdegang zum neuen EBM hinweisen. Es ist quasi erlaubt, über das Symptom, aber nicht über die Krankheit zu sprechen. Wir erleben derzeit, dass missliebige Diskussionsbeiträge zum neuen Hausarzt-EBM bei der KBV als Bevormundung der Hausärzte durch die Fachärzte diskreditiert werden, selbst wenn diese von Haus-ärzten kommen. Geschäftsordnungsbeiträge werden dazu genutzt, Konsequenzen über die aktuelle Zeit hinaus anzudrohen. Liest man die arztspezifische Presse, so spielen Verbandsfunktionäre wiederholt mit der Drohung einer „Trennung der KVen“. Im Beiton schwingt dann mit, dass nur Hausärzte etwas zu Hausarztthemen sagen dürfen und sollten. Hier werden unnötigerweise Gräben aufgerissen und Mauern hochgezogen, die längst zugeschüttet und eingerissen schienen. Eines sollte jedem, der eine Trennung der beiden Versorgungsbereiche fordert, klar sein: Haus- und Fachärzte können ihre Interessen nur dann erfolgreich gegenüber Krankenkassen und Politik durchsetzen, wenn sie geschlossen auftreten. Oder sind es doch geschäftliche Interessen, die hinter Verbandsideologien stehen? Dies könnte man vermuten, wenn man hört, dass die Verbandsfunktionäre offenbar Eigentümer genau der privatrechtlichen Gesellschaft sind, welche die hausärztliche KVAbrechnung übernehmen soll. Der Vorstand der KVSH ist von den Repräsentanten unserer KV-Hausärzte aufgefordert worden, tätig zu werden und das werden wir weiter tun. Aber die letzten Tage haben klar gemacht, dass der Konflikt weit über das Thema Hausarzt-EBM hinausreicht. Inwieweit der EBM jetzt nachgebessert oder aber doch mit Wirkung zum 1. Januar wieder storniert werden kann (muss), werden die nächsten Monate zeigen. Wir haben uns jedenfalls im Rahmen des HVM und des rechtlich Zulässigen diverse Überlegungen gemacht, EBM-Auswirkungen praxiskonformer zu machen. Einen Gegensatz zu derlei Auseinandersetzung setzt unser Nordlicht mit der Würdigung der Qualitätszirkelarbeit im Laufe von unterdessen 20 Jahren. Hier haben Ärzte aller Fachrichtungen den Austausch gelebt und sich gegenseitig befruchtet. Und mit dieser Grundhaltung macht Medizin offenbar Spaß und ist für viele die Bestätigung, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Es ist Ansporn, sich für das Miteinander der Versorgungsbereiche stark zu machen und sich für ein pluralistisches KV-System einzusetzen. Herzliche Grüße Ihr

Dr. Ralph Ennenbach 10 | 2013

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Titelthema 2 0 J ahre Q ualitätszirkel

Statement

Gelebte Selbstverwaltung – 20 Jahre Qualitätszirkelarbeit Zwanzig Jahre – 1993 – so lange soll das schon her sein? alisiert durch gelegentliche Fortbildungsveranstaltungen? Wie belegen wir die Qualität unseres ärztlichen Handelns, Diagnostik und Therapie gegenüber teils berechtigten, teils böswilligen Anforderungen von Kassen und Gesellschaft? In den mehr technischen Fächern mit Dokumentationspflicht ist der Nachweis einer Leistungsqualität metrisch und optisch machbar. Daher hatte die KVSH auch 1993 bereits einige Kommissionen mit ehrenamtlichen niedergelassenen Fachleuten etabliert, die für eine innerärztliche und selbstverwalterische Sicherung der Qualität zuständig waren und auch noch sind. Geräte und Bilddokumentationen bei Röntgen und Ultraschall lassen sich prüfen, auch die Fähigkeit zytologischer PräparateBeurteilung oder onkologischer Therapiekonzepte. Aber lässt sich damit die wirkliche Versorgungsqualität der Patienten belegen oder gar verbessern? Die Forderung nach mehr Qualität erreicht eben in den frühen 90er Jahren ihren Höhepunkt, fand Eingang in das Sozialgesetzbuch. Abstruse Vorstellung von ISO-Normierung und Prüfrechten der Kassen standen im Raum.

„Die Erfahrung von 10 niedergelassenen Ärzten nach 10 Jahren Tätigkeit ersetzt 100 Jahre Wissenschaft.“ 1993 war ich stellvertretender Vorsitzender der KVSH, unter anderem zuständig für den Bereich Qualitätssicherung, damals noch unter dem Dach der Abrechnungsabteilung. Grundsätzlich gehen wir eigentlich davon aus, dass eine Ärztin bzw. ein Arzt seine Leistung nach bestem Wissen und Gewissen erbringt und als Niedergelassener seiner KV gegenüber abrechnet. Die KV wiederum hat nicht nur den Auftrag zur Sicherstellung der Patientenversorgung, sondern hat auch den Kostenträgern gegenüber zu gewährleisten, dass ärztliche Leistung vollständig erbracht ist und qualitativen Anforderungen entspricht. Was sind qualitative Ansprüche? Ist es das, was wir in fachärztlicher Aus- und Weiterbildung gelernt haben, was uns in klinischen Zeugnissen bescheinigt wurde, erweitert und aktu-

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Die niedergelassene Ärzteschaft musste dem etwas entgegensetzen, selbstverwalterisch geschützt werden gegen diffuse Angriffe und auch gegen die Gefahr, die notwendige ärztliche Freiheit des Handelns gegen akademisch-wissenschaftliche Kräfte zu verlieren. „Die Erfahrung von 10 niedergelassenen Ärzten nach 10 Jahren Tätigkeit ersetzt 100 Jahre Wissenschaft“. Dieses Zitat, so oder so ähnlich formuliert, war Motivation in dieser kritischen Phase, die Qualitätszirkel-Bewegung zu institutionalisieren. Neben der wachsenden Zahl an Kommissionen zur Qualitätssicherung beschloss die KVSH in Selbstverwaltung ein Förderprogramm für Qualitätszirkel.

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Titelthema

Was ein Qualitätszirkel ist, welche strukturellen und inhaltlichen Prozesse Voraussetzung auch für eine Anerkennung sind, wie man Ergebnisse evaluiert und damit die Wertigkeit für die Qualität der Patientenversorgung nach außen demonstrieren kann – hiermit hatte sich insbesondere im hausärztlichen Bereich eine Forschergruppe an der Universität Göttingen befasst. Dort wurden erste Informations- und Ausbildungskurse für Initiatoren bzw. Moderatoren von Qualitätszirkeln angeboten. Wenn ich mich recht erinnere, so bin ich sehr spontan zusammen mit meinem Vorstandsmitglied Hans Köhler noch 1992 nach Göttingen gefahren. Wir haben dort durch die heutigen Professoren Szezsenyi und Gerlach sowie etliche weitere Assistenten als erste Vertreter von Selbstverwaltungen einen Crash-Kurs gemacht und sind überzeugt und begeistert nach Segeberg zurückgekehrt. Mit Zustimmung der Abgeordnetenversammlung wurde das Konzept Qualitätszirkel in SchleswigHolstein 1993 ins Leben gerufen.

„Der Anfang war nicht ohne Probleme, mancher Niedergelassene empfand es als eine Zumutung, sein Tun mit anderen Kollegen zu diskutieren.“

Die Abrechnungsabteilung wurde ausgebaut, 1995 wurde eine eigene Abteilung Qualitätssicherung der KVSH unter Leitung von Dietrich Bartz gegründet und Regina Steffen war zuständig für die wachsende Zahl der Qualitätszirkel. Der Anfang war nicht ohne Probleme, mancher Niedergelassene empfand es als eine Zumutung, sein Tun mit anderen Kollegen zu diskutieren – aber für die meisten wurde der Qualitätszirkel zu einer Begegnungsstätte der freiwilligen Selbstkontrolle, diente der verbesserten Kooperation vor Ort und wurde auch zur Keimzelle der regionalen Qualitätsnetze. Heute gibt es kaum noch Struktur- oder Selektivverträge, die nicht auch Qualitätszirkelarbeit zum Inhalt haben. Die Absicht der Kostenträger, mit eigener Einflussnahme Qualitätskontrolle verpflichtend in die Regelversorgung zu etablieren, konnte durch die selbstverwalterischen Maßnahmen unterbunden werden. Diese Tür würde aber wirklich deutlich geöffnet, wenn sich KBV und KVen auf vermeintlich verlockende Angebote einließen, unter dem Motto „pay for performance“. Die Kassen haben für gute Qualität zu zahlen, zuständig für die Gewährleistung von Qualität ist allein die Selbstverwaltung und jeder einzelne Arzt! Ich hoffe auf Ihr Verständnis, wenn ich hier nicht nur die Chronologie der Qualitätszirkelarbeit darstelle, sondern durch einen gewissen Abstand Sinn und Hintergrund für eine gelebte Selbstverwaltung aufzuzeigen versuche. Dr. Klaus Bittmann, Ehrenvorsitzender der KVSH und 1. Sprecher der Ärztegenossenschaft Nord

Es gab eine Verfahrensordnung, entsprechende Dokumentationsvordrucke, eine kleine Entschädigung für die Moderatoren, technische und organisatorische Unterstützung durch die KVSH und Unterstützung durch den Förderkreis Qualitätssicherung. Rein hausärztliche und auch fachübergreifende Gruppierungen fanden sich überall im Lande zu strukturierten kollegialen Treffen zusammen, Themen und Fallbesprechungen standen offen, ob chronische Erkrankung oder Arzneimitteltherapie.

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Titelthema 2 0 J ahre Q ualitätszirkel

Zirkelarbeit leicht gemacht Was ist zur Annerkennung eines Qualitätszirkels nötig? Was müssen Sie beachten, wenn Sie Moderator werden möchten? Welche Unterstützung bietet die KVSH? Wo gibt es eine Übersicht aller Qualitätszirkel in Schleswig-Holstein? Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Vor 20 Jahren wurden die ersten Qualitätszirkel im vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Bereich gegründet. Auch in Schleswig-Holstein konnten sich Qualitätszirkel sehr schnell als anerkannte Qualitätssicherungsmaßnahme etablieren, die auf freiwilliger Basis mit praxisnahen Themen eine hohe Akzeptanz bei den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten erreicht. Voraussetzungen für die Anerkennung eines Qualitätszirkels Der Weg dahin ist einfach: Der Qualitätszirkel muss durch einen von der KVSH geschulten Moderator geleitet werden. Dieser muss selbst an der vertragsärztlichen Versorgung in Schleswig-Holstein teilnehmen. Die KVSH braucht außerdem eine Angabe über die personelle Zusammensetzung des Zirkels (Anzahl und Fachrichtung der Teilnehmer). Der Qualitätszirkel muss mindestens fünf Teilnehmer haben, die alle an der vertragsärztlichen Versorgung in Schleswig-Holstein beteiligt sein müssen. Im Qualitätszirkel muss außerdem ein Themenschwerpunkt gewählt werden, der die vertragsärztliche Versorgung betrifft. Die Qualitätszirkelarbeit muss gegenüber der KVSH oder einer von ihr beauftragten Stelle dokumentiert werden. Im Idealfall gehen die Teilnehmer mit einer Handlungsleitlinie nach Hause, die vom Qualitätszirkel in regelmäßigen Abständen überprüft wird. Außerdem muss die Qualitätszirkelarbeit in Schleswig-Holstein erfolgen. 6

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Qualitätszirkelarbeit gilt als ärztliche Fortbildung Qualitätszirkelarbeit zahlt sich auch in Fortbildungspunkten aus. Sie ist als Fortbildungsmaßnahme anerkannt und wird bei der Erteilung des Fortbildungszertifikates der Ärztekammer berücksichtigt. Jeder Arzt oder Psychotherapeut, der am dokumentierten Treffen eines von der KVSH anerkannten Qualitätszirkels teilnimmt, erhält dafür vier Fortbildungspunkte. Der Moderator, der die Qualitätszirkelarbeit dokumentiert, erhält für jedes Zirkeltreffen fünf Fortbildungspunkte. KVSH unterstützt Qualitätszirkelarbeit Die KVSH unterstützt Ärzte und Psychotherapeuten, die sich in Qualitätszirkeln engagieren, finanziell, personell und logistisch. Moderatoren erhalten eine Aufwandsentschädigung von 77 Euro für jedes Qualitätszirkeltreffen und außerdem entsprechende Arbeitsmaterialien. Die KVSH stellt Räumlichkeiten und hilft bei der Förderung der Kommunikation und Weiterentwicklung der Qualitätszirkel. Inhaltlich und personell unterstützt die KVSH die Moderatoren durch Tutoren, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ausgebildet werden. Tutoren sind Qualitätszirkel-Moderatoren mit langjähriger Erfahrung in der Leitung von Qualitätszirkeln.

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Titelthema

Teilnahmen der Qualitätszirkel-Moderatoren an Fortbildungsveranstaltungen Viele Ärzte und Psychotherapeuten nehmen regelmäßig an Qualitätszirkeln teil, im Durchschnitt fünfmal pro Jahr. Im Jahr 2013 ergab dies über 15.000 Teilnahmen, von 1998 bis 2013 sogar fast 144.000. Bei einer durchschnittlichen Dauer von 131 Minuten pro Qualitätszirkeltreffen sind dies über 32 Jahre freiwillige und ehrenamtliche Arbeit für die ärztliche und psychotherapeutische Fortbildung. 160.000 15.084 14.221

140.000

14.447

Teilnahmen insgesamt

120.000 15.463

Teilnahmen im jeweiligen Jahr

100.000

Summe aller bisherigen Teilnahmen 15.048 144.053

80.000

14.092 129.681 13.741

115.192

60.000 99.729

14.732 84.681

40.000

13.137 56.848

9.480 20.000

15

94

4.201

15

109 4.310

0 1998

6.896

1999

2000

2001

8.293 11.206 2002

70.589

42.116 28.979

19.499

2003

2004

2005

2006

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Inanspruchnahme von Fortbildungsveranstaltungen für Qualitätszirkel-Moderatoren (Mehrfachnennung möglich)

Qualitätszirkelmoderatoren Pharmakotherapie Pharmakotherapie ist teuer und dabei nicht immer wirksam. So mancher Vertragsarzt fragt sich, wie er über seine Arzneimittelverordnungen die Übersicht behalten kann. Daraus entwickelte sich die Idee, Qualitätszirkel stärker für die Reflexion des Verordnungsverhaltens zu nutzen. Die KVSH machte daher allen aktiven Qualitätszirkel-Moderatoren das Angebot, sie zum Qualitätszirkel-Moderator für Pharmakotherapie weiterzubilden. Der spannenden Aufgabe stellten sich drei Tutoren. Gemeinsam mit dem Team Qualitätsmanagement/Qualitätszirkel haben sie, gerüstet durch KBV-Schulungen in den Bereichen „Pharmakotherapie“ und „Arzneimittelmonographie“ ein eigenes Konzept entwickelt. Im Jahr 2014 soll dieses Angebot den Qualitätszirkel-Moderatoren erneut gemacht werden. Austausch im Bereich Drogensubstitution Auch in einem anderen sensiblen Bereich setzt die KVSH auf den Einsatz und die Erfahrung von Qualitätszirkelmoderatoren. Zusammen mit Mitgliedern der Qualitätssicherungskommission treffen sich einige von ihnen regelmäßig zum Schwerpunktthema „Drogensubstitution“. Regionale Eigenheiten und der Umgang mit Patienten werden dann genauso thematisiert wie Rahmenbedingungen und Regeln in der Drogensubstitution.

Moderatoren gesucht Die KVSH bietet Moderatorenschulungen für den praktischen Einstieg in die Qualitätszirkelarbeit an. Das nächste Seminar „Moderatorengrundausbildung für Qualitätszirkel“ findet am 22. und 23. November 2013 von 15 bis 21 Uhr im Sitzungszentrum der KVSH statt. Fortbildungspunkte: 20 Teilnahmegebühr: 200 Euro Info und Anmeldung: Regina Steffen Tel. 04551 883 292 regina.steffen@kvsh.de

Jakob Wilder, KVSH 10 | 2013

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Titelthema 2 0 J ahre Q ualitätszirkel Teilnehmer nach Fachgruppen Die in Schleswig-Holstein registrierten 3.078 Teilnehmer (ohne Gäste aus Krankenhäusern und anderen KV-Bereichen) verteilten sich im Jahr 2013 auf folgende Fachgruppen: Allgemeinmediziner Anästhesisten 36 Augenärzte 79 Chirurgen 49 Frauenärzte Hautärzte 39 HNO-Ärzte 69 Humangenetiker 2 Internisten Kinder- und Jugendpsychiater 37 Kinderärzte Laborärzte 11 115 Nervenärzte Neurochirurgen 15 Nuklearmediziner 7 Orthopäden 108 Pathologen 17 Physikalische und 8 Rehabilitations-Mediziner Psychotherapeuten Radiologen 23 Registrierte 115 Strahlentherapeuten 18 Urologen 80 0

983

208

516 177

366

200

400

600

800

1000

ƒƒÄrzte mit mehreren Fachgruppen (meist Psychotherapeut/Allgemeinarzt und Internist/Allgemeinarzt) sind einer Fachgruppe zugeordnet. ƒƒUnter „Nervenärzte“ finden sich auch Psychiater, Neurologen und Kinder- und Jugendpsychiater. ƒƒUnter „Allgemeinärzte“ sind auch praktische Ärzte und Ärzte ohne weitere Gebietsbezeichnung zusammengefasst. ƒƒUnter „Registrierte“ sind ausgeschiedene Vertragsärzte und lediglich im KVSH-Arztregister eingetragene, nicht niedergelassene Teilnehmer zusammengefasst. Inanspruchnahme von Fortbildungsveranstaltungen für Qualitätszirkel-Moderatoren (Mehrfachnennung möglich)

Was Sie sonst noch über Qualitätszirkel wissen sollten: Ansprechpartner Abteilung Qualitätssicherung Regina Steffen Tel. 04551 883 292, regina.steffen@kvsh.de Detlef Greiner Tel. 04551 883 527, detlef.greiner@kvsh.de Übersicht aller Qualitätszirkel in Schleswig-Holstein“ Zur regionalen und fachlichen Orientierung bietet die KVSH einen guten Service im Internet an: Auf www.kvsh.de  Praxis  Qualität  Qualitätszirkel finden Sie eine nach Kreisen sortierte Übersichtskarte aller zugelassenen Qualitätszirkel in SchleswigHolstein mit entsprechenden Kontaktmöglichkeiten. KBV-Handbuch „Train-the-Trainer“ Die Kassenärztliche Bundesvereinigung unterstützt die regionale Qualitätszirkelarbeit durch ein gemeinsam mit KVen, Wissenschaftlern und Vertragsärzten entwickeltes Train-theTrainer-Konzept, das im Handbuch „Qualitätszirkel“ dargelegt ist. Das Handbuch ist gerade in der 3. Auflage erschienen und

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kann beim Deutschen Ärzteverlag bestellt werden. Das Konzept zielt auf die Ausbildung erfahrener Moderatoren zu Tutoren ab, die wiederum die regionale Aus- und Fortbildung von Moderatoren übernehmen. Das Handbuch enthält verschiedene thematische Module mit Handlungsanleitungen für die praktische Zirkelarbeit. Außerdem werden umfangreiche Moderationsmedien, Materialien und Präsentationen zur Verfügung gestellt. Neu ist das Thema „Hygienemanagement in Praxen/MVZ“. KVSH-Broschüre über Qualitätszirkelarbeit Auch die KVSH-Broschüre „Qualitätszirkel in Schleswig-Holstein“ bietet wichtige Hinweise. Sie enthält einen Rückblick auf die bisher geleistete Qualitätszirkelarbeit in Schleswig-Holstein und geht dabei folgenden Fragen nach: Wie hat sich die Qualitätszirkelarbeit weiterentwickelt? Wie engagiert sind Ärzte und Psychotherapeuten und mit welchen Themen setzen sie sich auseinander? Außerdem veranschaulicht die Dokumentation die aktuelle Struktur der Qualitätszirkel. Welche Themenschwerpunkte werden gesetzt? In welchen Fachgruppen ist das Engagement besonders hoch und warum? Wie gestaltet sich die regionale Verteilung der Qualitätszirkel in den Kreisen und Städten Schleswig-Holsteins? Die Info-Broschüre finden Sie im Internet unter www.kvsh.de (Suchbegriff: „Qualitätszirkel in SchleswigHolstein“).

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Titelthema Moderatorenausbildung und -fortbildung Die besondere Rolle des Moderators macht eine fundierte Vorbereitung auf diese Tätigkeit nötig. Seit 1996 wurden insgesamt 900 Moderatoren für die Qualitätszirkelarbeit ausgebildet, 14 davon im Jahr 2013. Derzeit finden pro Jahr zwei Moderatorenausbildungen statt, die durch Fortbildungen und Workshops zum Erfahrungsaustausch ergänzt werden. 900

30

24

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21 42

800

37 30

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85

Teilnahmen im jeweiligen Jahr Summe aller Teilnahmen

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28

94 500

114 400

48

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59

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282

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80

80

178

126

740

777

848

872

900

597 503

73 200

712

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389

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0 1996

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1998

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2001

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2009

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Inanspruchnahme von Fortbildungsveranstaltungen für Qualitätszirkel-Moderatoren (Mehrfachnennung möglich)

Mit welchen Themen haben sich die Qualitätszirkel beschäftigt

Die Moderatoren hatten die Möglichkeit zwischen verschiedenen Themenbereichen zu wählen. In den über 1.000 dokumentierten Treffen haben die Qualitätszirkel, die in der Grafik dargestellten Themenbereiche behandelt. Es waren Mehrfachnennungen möglich.

Sonstiges 2%

26

Diabet. Fuß Notdienst

73 80 Umfeld 17% 93 98 101 112 158 160 184 Praxis/Struktur 20% 190 191 217 Medizin 61% 217 223 237 237 309 442 450 575 608 659

EDV Verträge DMP Budgets Standespolitik Sonstiges Krankenhaus Praxisnetze Wirtschaftlichkeit Vorsorge Abrechnung Richtlinien und Gesetze QZ-Arbeit Qualtitätsmanagement Gesundheitspolitik Praxisorganisation Pharmakotherapie Leitlinien Psychotherapie Therapie Krankheiten Diagnostik Fallvorstellung

Medizinische Themen, wie Fallvorstellungen, Krankheiten und Diagnostik, wurden am häufigsten genannt. Mit fast 60 Prozent nehmen sie den größten Anteil ein. Themen aus dem Bereich „Umfeld“ (Politik, KV-Themen, Verträge, Gesetze usw.) ergeben mit dem Bereich „Praxis/Struktur“ die restlichen 40 Prozent. 761 1070

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600 800 Menge der genannten Themen

1000

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Inanspruchnahme von Fortbildungsveranstaltungen für Qualitätszirkel-Moderatoren (Mehrfachnennung möglich)

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Titelthema 2 0 J ahre Q ualitätszirkel

Qualität ist keine Hexerei

Interview

Doris Scharrel, Gynäkologin aus Kronshagen und Landesvorsitzende des Berufverbandes der Frauenärzte in Schleswig-Holstein, leitete von 2008 bis Ende 2012 als Moderatorin einen der großen Qualitätszirkel im Land: Das „ Hexentreffen“ in Kiel. Im Nordlicht-Interview zieht sie eine fachliche und persönliche Bilanz. Nordlicht: Ein Ziel von QZ-Arbeit ist die Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung. Wie trägt Ihr Zirkel dazu bei? Scharrel: Im Qualitätszirkel nehmen wir uns u. a. der Probleme unseres Fachgebietes an, die die Kolleginnen aktuell betreffen, wie z. B. die Änderungen der Mutterschaftsrichtlinien und deren praktische Umsetzung. Endscheidend ist, dass die Kolleginnen durch die QZ-Arbeit einen einheitlichen Informationsstand bekommen. Die Ergebnisse eines QZ-Treffens werden dann in einem Protokoll zusammengefasst. Es wird immer von einer anderen Kollegin erstellt. Wir kommunizieren das Protokoll dann mit einem „Hexenbrief“ über E-Mail an die QZMitglieder. Den entsprechenden Verteiler zu erstellen, war ein gutes Stück Arbeit. Er wird aber mittlerweile sehr gut angenommen. Mit dem „Hexenbrief“ übermitteln wir auch Einladungen und „kleine Anfragen“. Da viele der jüngeren Gynäkologinnen neben der beruflichen Tätigkeit in die Versorgung der Familie eingebunden sind, hoffen wir so etwas zur Arbeitserleichterung im Praxisalltag beizutragen.

Nordlicht: Was verbirgt sich hinter dem ungewöhnlichen Namen „Hexentreffen“? Doris Scharrel: Keimzelle des „Hexentreffens“ war ein Stammtisch, quasi als Opposition zur „Sauna-Truppe“ der männlichen Gynäkologen aus dem Kieler Raum. Unser Qualitätszirkel (QZ) dehnte sich dann im Laufe der Jahre auf die Kolleginnen aus Neumünster, Eckernförde, Bordesholm aus. Es sind alles engagierte Gynäkologinnen aus Einzel- und Gemeinschaftspraxen, wobei die Mischung aus kollegialem Austausch und die Behandlung praxisnaher Themen diesen Qualitätszirkel so attraktiv macht. Das typische QZ-Treffen besteht aus einem Hauptteil mit einem Referat zu einem Thema aus der Geburtshilfe oder Gynäkologie. Manchmal stellt sich auch eine regionale Institution vor, die für die Arbeit in der Praxis relevant ist, z. B. der „Verein für verwaiste Eltern“. Im QZ-internen Teil werden allgemeine Fragen erörtert. Es wird über Fortbildungen berichtet. Termine werden angekündigt. Und ein gewisses Quantum Tratsch gehört auch dazu. 10

„Die Mischung aus kollegialem Austausch sowie die Behandlung praxisnaher Themen machen diesen Qualitätszirkel so attraktiv.“

Nordlicht

Nordlicht: Worin bestehen für Sie die wichtigsten Regeln für das Gelingen von QZ-Arbeit? Scharrel: Da sind vor allem die Setting-Regeln zu nennen, die wir für unseren Qualitätszirkel erarbeitet und gemeinsam beschlossen haben. Die Regeln legen Aufnahme, Ausschluss und Aufgaben im Qualitätszirkel fest. Termine und Themen werden ebenfalls von allen abgestimmt. Bei der Größe des Qualitätszirkels sind Kontinuität und straffe Organisation bei Berücksichtigung der persönlichen Wünsche der Teilnehmerinnen entscheidende Kriterien, ohne die ein effektives Arbeiten nicht möglich ist. aktuell

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Titelthema

Nordlicht: Nutzen der Qualitätszirkel feste Leitlinien oder erstellen Sie sogar eigene? Scharrel: Wir erstellen eigene Empfehlungen zu ganz speziellen Problemen (Chlamydien-Screening), erarbeiten aber auch „ Fahrpläne“ zum Umgang mit Kliniken („Pille danach“ mit der Universitäts-Frauenklinik) und zu Verträgen (Selbsteinladebogen für das Mammographie-Screening). Unsere Ziele sind dabei immer ein abgestimmtes Verhalten und gegebenenfalls einen gemeinschaftlichen Widerspruch im Qualitätszirkel zu erreichen. Nordlicht: Wie bauen Sie die Ergebnisse der QZ-Arbeit in Ihren Praxisalltag ein? Scharrel: In einzelnen Situationen ist es nur der Spickzettel am Arbeitsplatz. Wir haben auch Formulare und „Fahrpläne“ erstellt, die der Information der Patientinnen dienen oder auch den Mitarbeiterinnen die Arbeit erleichtern.

„Als Problem sehe ich nicht die Bereitschaft zur Teilnahme, sondern die Bereitschaft zur Moderation und aktiver Arbeit.“

Nordlicht: Moderation kann Schwerstarbeit sein. Wo stießen Sie dabei an Grenzen? Scharrel: Ich habe von der Gründung bis 2008 als Co-Moderatorin das Hexentreffen organisiert und dann von Angelika Besch-Reese die Leitung übernommen. Die Moderation war bei jedem Treffen eine Herausforderung. Da wurde bei hitziger Diskussion und Nichteinhaltung der Rednerliste schon mal die Stimme erhoben oder die Glocke geläutet, damit wieder Ruhe einkehrt. Wenn viele engagierte Kolleginnen offen diskutieren, wird es auch lauter. Mein selbstgestaltetes Logo spiegelt die Atmosphäre unseres Hexentreffens wider. Nordlicht: Ein Qualitätszirkel entwickelt sind ja nie nach einem vorgefertigten Plan. Wo gab es die größten Hindernisse? Scharrel: Mit immer größer werdender Zahl der Teilnehmerinnen, die die Struktur des Qualitätszirkel von effektiver Gruppenarbeit hin zu allgemeiner Fortbildungsveranstaltung veränderte, habe ich versucht, die allgemeinen Kriterien für QZ der KVSH hinsichtlich Teilnehmerzahl umzusetzen und das Hexentreffen mit Untertreffen und einem jährlichen gemeinsamen Treffen zum Austausch der Ergebnisse umzugestalten. Damit bin ich gescheitert, man wollte zusammenbleiben.

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Nordlicht: Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen? Scharrel: In jedem Fall würde ich die Anzahl der Teilnehmerinnen beschränken. Bei der jetzt bestehenden Größe wird nicht mehr gemeinsam gearbeitet. Verbindlichkeit und das gegenseitige Vertrauen sind nicht mehr gegeben. Nordlicht: Was machte für Sie den besonderen Reiz von QZArbeit aus? Scharrel: Gerade die Aufbauarbeit vom Stammtisch zum Qualitätszirkel mit allen Hindernissen hat viel Spaß gemacht. Bei der zeitintensiven Arbeit im Berufsverband der Frauenärzte und im Praxisnetz Kiel blieb leider keine zeitliche Valenz für „mein“ Hexentreffen mehr. Nordlicht: Welche Argumente führen Sie an, wenn Sie jüngere Kolleginnen von der QZ-Arbeit überzeugen wollen? Scharrel: Hier möchte ich unterscheiden zwischen der Teilnahme am Qualitätszirkel und der aktiven Arbeit. Der Qualitätszirkel ist seit Jahren etabliert, und es hat sich herumgesprochen, dass es von Vorteil ist, Mitglied zu sein. Da die Größe des Qualitätszirkels jetzt auf 42 Teilnehmerinnen festgelegt wurde, gibt es bereits eine Warteliste. Wenn es an die aktive Arbeit geht, folgt die Einstellung dazu dem Trend, sich eher nicht zu engagieren. Da ich langfristig angekündigt habe, die Moderation des Qualitätszirkels wegen anderer berufspolitischer Aktivitäten ab 2013 abzugeben, konnten zwei Kolleginnen motiviert werden, einen Moderatorenkurs der KVSH zu absolvieren. Antje Hilbig als QZ-Moderatorin moderiert jetzt zusammen mit Birgit Waldeck das Hexentreffen. Nordlicht: Worin sehen Sie Hauptaufgaben von Qualitätszirkelarbeit in der Zukunft? Scharrel: Mit der zunehmenden Feminisierung in der Medizin wird es auch mehr Kolleginnen im Angestelltenverhältnis oder beispielsweise mit halben kassenärztlichen Sitzen geben. Gerade für diese Kolleginnen kann QZ-Arbeit eine Art Mentoring sein. Nicht nur die Zielgruppe ändert sich, sondern auch die Anforderungen eines QZs in der regionalen Versorgung der Praxisnetze. Hier kann auch das Hexentreffen in veränderter Form ein wichtiges Instrument für eine strukturierte, verbesserte Versorgung der Patientinnen sein. Als Problem sehe ich nicht die Bereitschaft zur Teilnahme, sondern die Bereitschaft zur Moderation und aktiver Arbeit. In jedem Fall wird unser Qualitätszirkel QK 102 „Hexentreffen“ seine wichtige Funktion zur Information und kollegialem Austausch behalten. Das Interview führte Jakob Wilder, KVSH

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Titelthema 2 0 J ahre Q ualitätszirkel

Kommentar

Über den Lebenszyklus eines Qualitätszirkels

Es gibt eine Art „ Lebenszyklus“ bei Qualitätszirkeln, den wir in unserem Zirkel exemplarisch beobachten konnten. Am Anfang ist man heiß entbrannt für diese neue Form der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Lernens. Wie in einer guten zwischenmenschlichen Beziehung (vulgo = Ehe) gibt es also die anfängliche „warming-“ und die „storming“-Phase. So auch bei uns in unserem Qualitätszirkel „Hausärztlicher Qualiltätszirkel Lübeck“. Wir hatten am Anfang den Plan, uns nach zwei Jahren in zwei Zirkel zu trennen und im Stile eines Schneeballsystems somit immer weitere Zirkel zu initiieren. Dann folgte eine Phase, wo wir uns – weil „man sich ja inzwischen gut kennt“ und es ja auch „so gemütlich“ zusammen ist – von diesem Vorhaben entfernten. Mittlerweile sind wir mit 20 Jahren und ca. 220 Sitzungen (alle in Protokollen dokumentiert!) wohl einer der „ältesten“ Qualitätszirkel in SchleswigHolstein, und wir sind mit einem Großteil der „Gründungsbesetzung“ immer noch dabei. Wir sind also gewissermaßen „lauter alte Ehepaare“. Rührend ist ein Kollege, der nach wie vor regelmäßig zu den Treffen kommt, obwohl er seine Vertragsarzttätigkeit seit vier Jahren beendet hat. Es würde ihm sonst etwas fehlen, sagte er neulich … Diese Konstanz hat nichts damit zu tun, dass wir zu schüchtern wären, andere Kolleginnen und Kollegen für neu zu gründende Zirkel anzusprechen. Viele unserer Mitglieder sind neben unserem Zirkel noch an anderen Qualitätszirkeln mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten beteiligt. Was hält diesen Zirkel so fest zusammen? Es ist vielmehr die Einsicht in die Tatsache, dass in der Zirkelarbeit am Anfang eine Menge Kraft in den Vertrauensaufbau und die gruppendynamische Arbeit investiert wird, und dass man diese Energie nicht allzuoft erneut zu investieren bereit sein wird. Es ist ein allgemein verbreitetes Phänomen, dass Qualitätszirkel nach einigen Jahren der Entwicklung häufig auf der Stelle treten oder sich in unverbindlichen Absichtserklärungen erschöpfen. Deswegen braucht es ein strukturiertes Vorgehen zur Bearbeitung von praxisrelevanten Themen. Dafür sind die Moderations-

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techniken und deren gelegentliche Auffrischung, wie es von der KVSH seit Jahren in regelmäßigen Abständen angeboten wird, von großer Wichtigkeit. Eine Gefahr besteht darin, dass man in den Zirkel – um eigene Vorbereitung zu sparen – Referenten einlädt, die dann „topdown“ den momentanen Stand der Wissenschaft herunterbeten und allenfalls in der kurzen Diskussion am Ende des Vortrags das Erfahrungswissen, neue Ideen und kreative Ansätze zulassen. Das ist dann doch wohl eher eine verkappte Frontalfortbildung, bloß in diesem Fall ohne den allfälligen Sponsor. Hier ist die Erinnerung an Moderationstechniken wichtig, die wir alle mal in den Kursen gelernt haben (Praxis-Dokumentationen, Fallberichte, „Blitz“, Metaplan-Technik usw.). Man kann die Mitarbeit der Zirkelmitglieder aktivieren, man kann sie aber auch „einschlafen“ lassen. Das oben angeführte „Auf-der-StelleTreten“ von Zirkeln ist oft die Folge davon, dass die aktivierenden Moderationstechniken nicht mehr angewandt werden. Es sollte nicht darum gehen, irgendwelche Materialien abzuarbeiten oder die Teilnehmer zu belehren, sondern darum, praxisrelevante Fragen zu diskutieren. Die Zirkel-Teilnehmer fungieren hierbei als Experten ihrer eigenen täglichen Arbeit. Diese Arbeit steht unter dem Aspekt, wie die konkrete Umsetzung z. B. von Leitlinien in der Praxis gelingt. In diesem Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen Grundlagen (z. B. Leitlinien) und der praktischen Erfahrung der Teilnehmer sollte sich die Diskussion bewegen. Zudem können Fragen der Arzt-PatientBeziehung im Qualitätszirkel bearbeitet werden. Das ähnelt dann wieder mehr oder weniger der Arbeit einer Balint-Gruppe, wenngleich die Arbeit dort in einer anderen Weise geschieht als in einem Qualitätszirkel. Das Qualitätszirkel-Konzept eröffnet also viele Freiheiten. Wir haben die Freude nicht verloren, an Themen kontrovers zu arbeiten, unsere Verfahrens- und Verhaltensweisen zu analysieren, zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern – hierbei sollte man sich allerdings genug Zeit einräumen. Je länger man praktiziert, desto länger dauern gravierende Änderungen der Arbeitsabläufe, der Verhaltensweisen und der Einschätzungen. Wenn es das Konzept der Qualiltätsarbeit nicht schon gäbe – man müsste es erfinden. Prof. Dr. Jens-Martin Träder, Facharzt für Allgemeinmedizin, Lübeck

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NACHRICHTEN  KOMPAKT R eiseimpfungen und H P V

F ö rderkreis Q ualitätssicherung

Vereinbarung mit der Techniker Krankenkasse

Polymedikation in der täglichen Praxis 

Bad Segeberg – Zum 1. Oktober 2013 wurde mit der Techniker Krankenkasse eine neue Ergänzungsvereinbarung „Schutzimpfungen für Auslandsreisen und HPV-Impfung“ abgeschlossen. Diese ersetzt die bisherige Vereinbarung. Inhaltlich wurden zwei Änderungen vorgenommen: 1. Als neue Leistung wurde die Impfung gegen Japanische Enzephalitis in den Vertrag aufgenommen. Eine Abrechnung der Leistung kann über die Abrechnungsnummer 99870N zu 12 Euro je Impfdosis erfolgen. 2. Des Weiteren wurde im Rahmen der HPV-Impfung das Alter auf „bis zum vollendeten 27. Lebensjahr“ erweitert. Die Vertragsunterlagen stehen Ihnen unter www.kvsh.de im Downloadcenter zur Verfügung. Bei Bedarf senden wir die Unterlagen auch per Post zu.

H autkrebs - S creening

ƒƒ W  ie können Sie diese Empfehlungen in Ihrer täglichen Praxis umsetzen? ƒƒ Wie gehen Sie mit der Komplexität der Verordnungen um?

Vertrag mit der Bosch BKK Bad Segeberg – Zum 1. Oktober 2013 haben die KVSH und die Bosch BKK einen Vertrag nach Paragraf 73c SGB V über die Durchführung eines ergänzenden Hautkrebs-Screenings für Versicherte unter 35 Jahren abgeschlossen. Die Leistung kann von Dermatologen alle zwei Jahre ohne Auflichtmikroskopie über die Abrechungsposition 99472A abgerechnet werden. Die Vergütung beträgt 26 Euro. Der Versicherte muss seine Teilnahme schriftlich per Teilnahmeerklärung bestätigen. Eine Archivierung der Teilnahmeerklärung erfolgt in der der Praxis. Die Vertragsunterlagen sowie die Teilnahmeerklärung des Versicherten können über das Internet unter www.kvsh.de im Downloadcenter bezogen werden. Bei Bedarf kann auch ein Postversand erfolgen.

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Bad Segeberg – Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) nimmt rund ein Viertel der über 65-Jährigen regelmäßig fünf oder mehr ärztlich verordnete Medikamente ein. Hinzu kommen noch die rezeptfreien Arzneimittel, die in der Apotheke erworben werden. Es ist kein Wunder, dass häufig weder der Arzt noch der Apotheker wissen, was genau ein Patient einnimmt und ob er sich an die Therapie hält. In der Literatur werden unter anderem folgende Punkte empfohlen: Gezieltere Arzneimitteltherapie, regelmäßiger Medikamentencheck, umfassende Aufklärung des Patienten und gegebenenfalls der Angehörigen. Der Förderkreis Qualitätssicherung im Gesundheitswesen in Schleswig-Holstein e. V.  bietet deshalb eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema an.

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Auf diese Fragen werden die Referenten in ihren Vorträgen eingehen und Ihnen praxisnahe Beispiele, Tipps und Empfehlungen an die Hand geben, um die Arzneimittelversorgung ihrer älteren Patienten optimaler, sicherer und strukturierter zu gestalten. Mittwoch, 13. November 2013, 16.00 bis 18.00 Uhr in der Ärztekammer Schleswig-Holstein Polymedikation in der täglichen Praxis – was kann ich tun? Mehr Informationen zu der Veranstaltung sowie das Anmeldeformular finden Sie unter www.foerderkreis-qs.de.

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NACHRICHTEN  KOMPAKT I nfoveranstaltung

U mweltbundesamt

Die Nieren im Arzneimittel-Fokus

Ärztebefragung zu Extrem­ Wetterereignissen

Bad Segeberg – Die KVSH und die Krankenkassen/-verbände laden zu einer Informationsveranstaltung ein, in der die Nieren im Fokus der Arzneimittelverordnung. Im Mittelpunkt stehen unter besonderer Berücksichtigung: ƒƒ die (Patho)physiologie der Nieren, ƒƒ die Dosisanpassung bei beeinträchtigter Nierenfunktion sowie ƒƒ die Mechanismen der arzneimittelinduzierten Nierenschädigung. Referent ist Dr. A. Seifert, Internist und Nephrologe aus Schleswig, Vorsitzender des Landesverbandes niedergelassener Nephrologen (Dialysen-SH GbR). Mehr als die Hälfte der hierzulande verfügbaren Arzneimittel wird zu einem großen Teil oder sogar fast ausschließlich über die Nieren eliminiert. Es stellt sich im therapeutischen Alltag demnach oft die Frage, wie ein bestimmtes Medikament zu dosieren ist, vor allem in pharmakotherapeutisch herausfordernden Situationen wie Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie oder auch bei älteren Patienten. Gerade bei Letzteren muss die im Alter nachlassende Nierenfunktion berücksichtigt werden. Auf der anderen Seite ist die Niere ein Organ, dessen Funktion sich durch Medikamente therapeutisch erwünscht gezielt beeinflussen lässt, das jedoch auch durch eine Vielzahl von Arzneimitteln unter Umständen irreversibel geschädigt werden kann. Als typische Beispiele sind in diesem Zusammenhang Aminoglykoside, Cisplatin oder bestimmte Röntgenkontrastmittel zu nennen, aber auch nichtsteroidale Analgetika/Antiphlogistika, deren schädigendes Potenzial nach wie vor unterschätzt wird. Doch gerade diese sind es, die mittlerweile auch beispielsweise im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten unkritisch eingesetzt werden. Mittwoch, 4. Dezember 2013, 16.00 bis 18.00 Uhr in der KVSH Die Nieren im Arzneimittel-Fokus

H om ö opathievertrag

HypoVereinsbank BKK tritt bei Bad Segeberg – Dem bereits bestehenden Homöopathievertrag mit der SECURVITA Krankenkasse ist zum 1. Oktober 2013 eine weitere Krankenkasse beigetreten. Ab sofort können sich auch Versicherte der HypoVereinsbank BKK in den Vertrag einschreiben und Leistungen in Anspruch nehmen. Die Teilnahme ist freiwillig. Vertragsärzte, die bereits am Vertrag teilnehmen, müssen die Teilnahme nicht neu beantragen. Die Vertragsunterlagen und Teilnahmeerklärung finden Sie im Downloadcenter der KVSH auf www.kvsh.de. Bei Bedarf senden wir die Unterlagen auch per Post zu. 14

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Hamburg – Jahrhunderthochwasser, Stürme, Starkregen und Hitzewellen – extreme Wetterereignisse können die medizinische Versorgung insbesondere von alten und kranken Menschen beeinträchtigen. Im Auftrag des Umweltbundesamtes werden zurzeit niedergelassene Ärzte sowie Pflegepersonal Online befragt, wie sie eine mögliche Beeinträchtigung der medizinischen Versorgung durch Extremwetterereignisse einschätzen. Die Befragung soll als Grundlage dienen, geeignete Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um die gesundheitliche Versorgung alter und kranker Menschen sicher zu stellen. Die Umfrage im Internet: www.capellaro.de/umweltbundesamt-befragung-aerzte

T y p - 2 - D iabetes

Nationale VersorgungsLeitlinie veröffentlicht Berlin – Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin stellt die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) „Therapie des Typ-2Diabetes“ online zur Verfügung. Die NVL beschreibt neben Empfehlungen zur Diagnostik und nichtmedikamentösen Behandlung insbesondere die Pharmakotherapie des Typ-2-Diabetes. Ziel der NVL ist die Verbreitung evidenzbasierter Empfehlungen, um die Qualität von Diagnostik und Therapie und damit die Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes zu verbessern. Die NVL „Therapie des Typ-2-Diabetes“ ist Bestandteil eines umfangreichen NVL-Konzepts zum Thema Diabetes. Sie wird die bisher veröffentlichten Module zu Fuß-, Netzhaut-, Nieren- und Nervenkomplikationen sowie zur Schulung bei Diabetes ergänzen. Auf www.versorgungsleitlinien.de/themen/diabetes2 finden Interessierte eine Übersicht über alle Diabetesleitlinien des NVL-Programms. Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. aktuell

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NACHRICHTEN  KOMPAKT E rweiterter B asis - U ltraschall

L übecker G esundheitstag

Übergangsregelung beschlossen

Gesundheitsampel und Blitzsprechstunde

Seit dem 1. August 2013 stehen den Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe zwei Pseudo-Gebührenordnungspositionen zur Verfügung, die im Rahmen der Quartalsabrechnung anzusetzen sind und extrabudgetär vergütet werden: Die Pseudoziffer 99050A: Beratung und Aufklärung der Schwangeren über Ziele, Inhalte und Grenzen sowie mögliche Folgen der Untersuchung anhand des Merkblatts gem. Anlage 5 MuRL, Vergütung: 8,74 Euro. Die Pseudoziffer 99050B: Sonografie mit Biometrie und systematischer Untersuchung der fetalen Morphologie durch einen besonders qualifizierten Untersucher, Vergütung 110,75 Euro. Die Abrechnung der Ziffer 99050B ist nur möglich, wenn dem Gynäkologen eine Fachkundebescheinigung für die genannte Leistung erteilt wurde. Die Pseudo-Gebührenordnungspositionen können für alle Versicherten einer AOK, IKK oder Ersatzkasse angesetzt werden, die ihren Wohnsitz in Schleswig-Holstein haben sowie für alle Versicherten einer BKK, der SVLFG (bzw. einer ehem. LKK) oder der Knappschaft mit Wohnort in Deutschland. Diese Übergangsregelung gilt bis zum Inkrafttreten einer Entscheidung über die vergütungsrechtliche Bewertung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). 10 | 2013

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Quelle: Ärztenetz Lübeck

Bad Segeberg – Zum 1. Juli 2013 ist die geänderte Mutterschaftsrichtlinie in Kraft getreten. Wie bereits per Newsletter vom 30. Juli 2013 informiert, konnte die KVSH mit Unterstützung des Berufsverbandes der Frauenärzte Schleswig-Holstein mit allen schleswig-holsteinischen Krankenkassen mit Wirkung zum 1. August 2013 eine Übergangsregelung zur Vergütung der erweiterten Basis-Ultraschalluntersuchung sowie der dieser Untersuchung vorausgehenden Beratung abschließen, die bis zum Inkrafttreten einer EBM-Regelung gelten wird.

Lübeck – Der zweite Lübecker Gesundheitstag, der unter dem Motto „Gesund werden, gesund sein, gesund bleiben“ stand, lockte wie bei der Premiere vor zwei Jahren mit Vorträgen, InfoStänden und Mitmach-Aktionen mehrere tausend Besucher in die Musik- und Kongresshalle. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Lübecker Ärztenetz, dem 125 Ärzte aus 100 Praxen aus dem Großraum Lübeck angehören. Schwerpunkte der Veranstaltung waren die großen Volkskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenschmerzen sowie Krebserkrankungen. 60 Vorträge, 46 Info-Stände und Mitmach-Aktionen widmeten sich diesen Problemfeldern. Bei den Besuchern war der neue Präventions-Parcours, wo Körpermaße, Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Lungenfunktion ermittelt wurden, besonders beliebt. Die ermittelten Gesundheitsdaten wurden noch vor Ort ausgewertet und die Gäste erfuhren an einer „Gesundheitsampel“, wie es um ihr persönliches Gesundheitsrisiko bestellt ist. Sie konnten außerdem eine „Blitzsprechstunde“ nutzen. „Den Gesundheitstag wird es weiterhin im Zwei-Jahres-Rhythmus geben. In den Zwischenjahren verleihen wir einen Forschungspreis“, erklärte der Vorsitzende des Lübecker Ärztenetzes Dr. Sven Soecknick. Im Anschluss an den Gesundheitstag organisierte das Ärztenetz Lübeck eine eigene Impfwoche „Lübeck impft“. aktuell

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NACHRICHTEN  KOMPAKT K rankenkassen

H erzwochen 2 0 1 3

Festbeträge für Hörhilfen verdoppelt

„Das schwache Herz“

Berlin – Die Versorgung für Schwerhörige wird sich zukünftig verbessern. Darauf wies der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung hin. Ab 1. November 2013 soll der Festbetrag für die Versorgung von schwerhörigen Versicherten verdoppelt werden. Laut GKV-Spitzenverband gilt künftig für die Versorgung von schwerhörigen Versicherten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, ein Festbetrag von 784,94 Euro inkl. MwSt. Der derzeit noch geltende Festbetrag liegt bei 421,28 Euro inkl. MwSt. Außerdem werden die technischen Anforderungen an Hörgeräte deutlich erhöht. Zu den Kriterien, die Hörgeräte demnächst erfüllen müssen, zählen unter anderem Digitaltechnik, Mehrkanaligkeit sowie Rückkoppelungs- und Störschallunterdrückung. Der GKV-Spitzenverband rechnet damit, dass sich die jährlichen Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Hörhilfen auf knapp eine Milliarde Euro erhöhen.

K rankenhausgesellschaft

Landespastorin Petra Thobaben bleibt Chefin Kiel – Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) hat Landespastorin Petra Thobaben erneut zur Vorsitzenden gewählt. Der 15-köpfige Vorstand der Gesellschaft bestätigte die 64-Jährige einstimmig für weitere drei Jahre in ihrem Amt. In der KGSH sind rund 80 Akutkrankenhäuser und 20 Reha-Kliniken des Landes Schleswig-Holstein Mitglied. Der Verband unterstützt seine Mitglieder bei der Erfüllung ihrer Aufgaben durch Beratung und Vertretung auf dem Gebiet des Krankenhauswesens. In Schleswig-Holsteins Kliniken sind rund 36.000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro. Thobaben ist seit dem 1. Juli 1997 Landespastorin und Sprecherin des Vorstands des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein mit Sitz in Rendsburg und seit 2006 Vorstandsmitglied der DiakonieStiftung Schleswig-Holstein. Das Diakonische Werk SchleswigHolstein zählt zu einem der sieben Krankenhausträgerverbände, die den Vorstand der KGSH bilden. Dementsprechend gehört Thobaben diesem Gremium bereits seit 1997 an.

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Berlin – Die Deutsche Herzstiftung macht Herzinsuffizienz zum Thema der Herzwochen 2013, die bundesweit vom 1. bis 30. November 2013 stattfinden. Die Aufklärungskampagne, die unter dem Motto „Das schwache Herz“ steht, informiert umfassend über den neuesten Stand bei der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Herzschwäche und hat das Ziel, Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen zu verbessern. Insgesamt werden mehr als 1.100 Veranstaltungen wie Vorträge, Seminare, Telefonaktionen und Gesundheitstage organisiert. Weitere Informationen gibt es unter www.herzstiftung.de.

K rebsfrüherkennung

Vorsorgepass für Männer und Frauen Kiel – Ein Vorsorgepass soll auf das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm aufmerksam machen und mehr Frauen und Männer zu einer Teilnahme motivieren. Krebsfrüherkennungsuntersuchungen gehören zu den Standardleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Im Moment nutzen aber nur etwa 50 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer dieses Angebot. Prof. Dr. Frank Gieseler, Vorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft, freute sich deshalb über die große  ehrenamtliche Unterstützung für das Projekt. Bereits 15.000 Pässe wurden an Facharztpraxen und interessierte Einzelpersonen in ganz Schleswig-Holstein versandt. Der Pass gibt einen Überblick über das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm sowie über weitere medizinisch sinnvolle Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung. Gleichzeitig bietet er den Versicherten und Ärzten die Möglichkeit, die Teilnahme an den Früherkennungsmaßnahmen über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren und erinnert darüber hinaus an den nächsten Untersuchungstermin.   Arztpraxen können den Vorsorgepass – auch größere Kontingente – kostenfrei bestellen. Kontakt: Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft e. V. Alter Markt 1–2, 24103 Kiel, Tel. 0431 800 10 84 info@krebsgesellschaft-sh.de

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gesundheitspolitik I mage K ampagne

Werbung für den Arztberuf in allen Lebenslagen

Seit etwa einem halben Jahr läuft die Kampagne „ Wir arbeiten für Ihr Leben gern“. Mit ihr werben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die KVen für den Beruf des niedergelassenen Arztes und Psychotherapeuten. Nach Plakaten und TV-Spots ist noch bis Ende Oktober ein Kino-Spot zu sehen, der für viel Gesprächsstoff sorgt.

Quelle: KBV

KINOSPOT

„Wir arbeiten für Ihr Leben gern“ kommt an: Laut einer ForsaUmfrage kannte schon Mitte Mai – und damit bereits drei Wochen nach dem Start – jeder Siebte in Deutschland die Image-Kampagne von KBV und KVen. Was zunächst nach recht wenig klingen mag, ist für die Werbekampagne einer Berufsgruppe sehr viel. Zum Vergleich: Die bundesweite Kampagne des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks erreichte vergleichbare Werte erst nach 15 Monaten. Auch der Slogan hat sich in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt, denn jeder Vierte unter den Befragten, die die Kampagne wahrgenommen haben, konnte sich an ihn erinnern. Die Kampagne kommt an – auch bei den Ärzten Neben einigen kritischen Bemerkungen ist auch die Reaktion der Ärzteschaft überwiegend positiv. Nach Auskunft der KBV kommen vor allem die authentische Darstellung des Berufsbildes und die professionelle Gestaltung der Kampagne bei den Ärzten und Psychotherapeuten gut an. Grund genug also, die zweite Phase zu starten. So wurde die Plakatwerbung noch einmal intensiviert. Die Motive der Kampagne waren bis Mitte September auf mehr als 5.000 Großflächenplakaten und so genannten City Lights an

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ICE-Bahnhöfen zu sehen. Auch der Fernseh-Spot wurde wieder vor der Tagesschau gesendet. Anfang September hatte dann der mit Spannung erwartete Kino-Spot Premiere. Er nimmt sich des Themas der Kampagne auf humorvolle Weise an und vermittelt – mit einem zwinkernden Auge und gerade für ein jüngeres Publikum – wie wichtig Ärzte und Psychotherapeuten in allen Lebenslagen sind und auf wie vielen verschiedenen Wegen sie den Patienten helfen. Der Kino-Spot ist auf der Kampagnen-Webseite www.ihre-aerzte.de zu sehen. Hinzu kommen Online-Werbung, Beilagen im Deutschen Ärzteblatt und weiteres Informationsmaterial fürs Wartezimmer. Dabei geht es darum, dem Bürger deutlich zu machen: Die Bedingungen müssen sich ändern, damit junge Mediziner in die Niederlassung gehen und beispielsweise Praxen auf dem Land übernehmen. Ein weiteres Thema ist der Arzt als Arbeitgeber. Dabei soll deutlich werden, dass die Rolle der Ärzte nicht nur im Bereich der Patientenversorgung eine große Rolle spielt. Sie schaffen auch Arbeitsplätze, wenn sie sich für eine Niederlassung entscheiden. Marco Dethlefsen/KBV, KVSH

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gesundheitspolitik A bgeordnetenversammlung I

Abgeordnete machen Weg frei für neuen HVM Regelleistungsvolumina gehören der Vergangenheit an.

Harte Kritik am neuen Hausarzt-EBM und ein geschlossenes Bild bei der Abstimmung über den neuen schleswig-holsteinischen HVM prägten das Bild der Sondersitzung der Abgeordnetenversammlung Ende August. Die wichtigste Entscheidung des Nachmittags: Mit großer Mehrheit (keine Gegenstimme, fünf Enthaltungen) stimmten die Vertreter der schleswig-holsteinischen Ärzte und Psychotherapeuten einem grundlegend neuen Honorarverteilungsmaßstab zu, der am 1. Oktober in Kraft getreten ist. So groß die Zustimmung für den HVM war, so deutlich äußerten sowohl Vorstand als auch Abgeordnete ihre Kritik am HausarztEBM, der nach einem Beschluss des Bewertungsausschusses ebenfalls seit Anfang Oktober Gültigkeit hat und einer der Gründe ist, weshalb der HVM einer Generalrevision unterzogen werden musste. In einer Resolution forderten die Mitglieder der Versammlung, den Hausarzt-EBM schon zu Beginn des nächsten Jahres wieder auszusetzen. KVSH wird ein Auseinanderdividieren der Haus- und Fachärzte nicht zulassen Die Vorstandsvorsitzende der KVSH, Dr. Monika Schliffke, ging in ihrer Vorstellung des neuen Hausarzt-EBM hart mit der KBV und insbesondere der für den hausärztlichen Versorgungsbereich zuständigen stellvertretenden Vorstandschefin Dr. Regina Feldmann ins Gericht.

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Der Hausarzt-EBM sei nur „Mittel zum Zweck“ und werde als „Kampfansage“ gegen die Fachärzte und Psychotherapeuten, vielleicht auch gegen den Hausärzteverband, benutzt, kritisierte Schliffke und warnte: „Ganz speziell geht es um eine Machtverschiebung zulasten einer sich auch gemeinschaftlich definierenden KV.“ Das Ziel der stellvertretenden KBV-Vorstandsvorsitzenden, so Schliffke, sei die komplette institutionelle Trennung der Haus- und Fachärzteschaft in der KBV und in den KVen. Ein Kurs, der in Schleswig-Holstein keine Unterstützung finden wird, wie die Vorstandsvorsitzende hervorhob. Die KVSH werde die politische Absicht des kompletten Auseinanderdividierens der Haus- und Fachärzteschaft nicht zulassen: „Wir wollen diesen Spaltpilz nicht. Er ist weder im Interesse der Hausärzte, noch der Fachärzte und Psychotherapeuten.“ Sie versicherte den Abgeordneten, dass sich der Vorstand in dieser Frage auch in den KBVGremien „eindeutig“ positionieren werde. Sie erinnerte daran, mit welchen Argumenten die Diskussion um einen Hausarzt-EBM auf der Bundesebene angestoßen wurde. Das Grundanliegen sei gewesen, die typisch hausärztlichen Tätigkeiten im EBM besser abzubilden. Ein Ziel, das aus ihrer Sicht nicht erreicht wurde. Ihre Antwort auf die Frage, ob sich der ganze Aufwand, der „Riesenterz“ bei 80.000 Hausärzten und Hunderttausenden von Medizinischen Fachangestellten „wegen noch nicht einmal zwei Prozent sogenannter atypischer Praxen, die schließlich auch ihren Versorgungsauftrag erfüllen“ gelohnt habe, fiel unmissverständlich aus: „Nein.“ aktuell

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gesundheitspolitik in einen haus- und einen fachärztlichen Topf, ergänzt um einen eigenen Topf für Labor und Bereitschaftsdienst. Durch diese strikte Aufteilung soll künftig eine getrennte Weiterentwicklung der Gesamtvergütung möglich sein, erläuterte Ennenbach, der dieses Vorhaben scharf kritisierte. Es sei eine „idiotische Vorstellung“, man könnte Honorarverhandlungen getrennt führen, da beide Bereiche in der Praxis vielfältig voneinander abhingen und jede Entwicklung etwa der hausärztlichen Gesamtvergütung Auswirkungen auf die Fachärzte habe und umgekehrt. Diese Trennung, deren Ausdruck auch der Hausarzt-EBM ist, ist ein Grund, weshalb es eines neuen HVM bedurfte. Ennenbach erläuterte, dass Simulationsrechnungen der KVSH, denen der neue hausärztlichen Teil des EBM zugrunde lag gezeigt hätten, dass der Hausarzt-EBM und der bisherige HVM mit seinen Kernelementen RLV und QZV nicht kompatibel seien.

Übte deutliche Kritik am Hausarzt-EBM: KVSH-Vorstandsvorsitzende Dr. Monika Schliffke

HVM soll die gröbsten Verschiebungen durch den HausarztEBM abwenden Schliffke benannte das Dilemma, in dem sich die KVSH befindet, nachdem der Hausarzt-EBM, dessen Erarbeitung die notwendige Transparenz und Einbindung der KVen vermissen ließ, Ende Juni im Bewertungsausschuss offiziell beschlossen wurde. Die KVSH habe, trotz aller Bedenken, keine Wahl, da der Hausarzt-EBM mit dem Beschluss im Bewertungsausschuss eine rechtlich verbindliche Vorgabe für alle Kassenärztlichen Vereinigungen sei. Sie machte aber deutlich, dass die KVSH den seit dem Inkrafttreten des Versorgungsstrukturgesetzes erweiterten regionalen Spielraum bei der Gestaltung der Honorarverteilung bewusst dafür genutzt habe, mit der Neufassung des HVM die gröbsten Verschiebungen abzuwenden (Einzelheiten zum Hausarzt-EBM und seiner Umsetzung sind der Broschüre der KVSH zu entnehmen, die den Praxen Mitte September zugestellt wurde). Abgeordnete fordern Rücknahme des Hausarzt-EBM Nicht nur der große Applaus zeigte, dass die Kritik am neuen Hausarzt-EBM und seiner Erarbeitung hinter verschlossenen Türen von den Abgeordneten geteilt wurde. Michael Sturm, Hausarzt und Abgeordneter aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde, brachte einen Resolutionsentwurf ein, der von der Versammlung mit großer Mehrheit angenommen wurde. In der Resolution fordert die Abgeordnetenversammlung der KVSH die KBV auf, alles zu unternehmen, damit der Bewertungsausschuss den neuen hausärztlichen Teil des EBM zum 1. Januar 2014 wieder zurücknimmt. Mehr Kalkulationssicherheit durch festen Orientierungswert für Großteil der Leistungen Ausgangspunkt der Erläuterungen des neuen HVM durch den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der KVSH, Dr. Ralph Ennenbach, war ebenfalls die aus Berlin forcierte und von der KBV verbindlich vorgegebene Trennung der Gesamtvergütung 10 | 2013

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Deshalb sei eine grundlegende Neuausrichtung des HVM notwendig geworden. Wesentliche Neuerung: Die ungeliebten Regelleistungsvolumina gehören ab Oktober der Vergangenheit an. Auch die QZV wird es im neuen HVM nicht mehr geben. Stattdessen werden arztindividuelle Punktzahlvolumina (PZV) eingeführt. Im Ergebnis werde das neue System dazu führen, dass knapp 80 Prozent der Leistungen mit einem festen Orientierungswert von 10 Cent vergütet werden. Dies sei ein Beitrag zu mehr Kalkulationssicherheit in den Praxen. Die übrigen Leistungen würden mit einem abgestaffelten Restpunktwert vergütet werden. Erhöhungen des Orientierungswertes kommen künftig direkt in den Praxen an Punkt für Punkt ging Dr. Ennenbach auch die zahlreichen Detailregelungen durch, mit denen die Verwerfungen durch die HVMUmstellung für die Praxen möglichst gering gehalten werden sollen. In seinem Resümee bewertete der stellvertretende Vorstandsvorsitzende vor allem als positiv, dass mit dem neuen HVM die Rolle des Orientierungswertes gestärkt werde. Künftige Erhöhungen des Orientierungswertes, der – so sieht es das Gesetz vor – jährlich auf Bundesebene anzupassen ist, kommen direkt in den Praxen an. Zugleich lasse sich bei den 20 Prozent der Leistungen, die nicht zum festen Orientierungswert vergütet werden, sehr klar die Bereitschaft der Krankenkassen ablesen, Mehrmengen und damit die umfassende Versorgung ihrer Versicherten auch zu bezahlen. Auf einen weiteren Aspekt ging Ennenbach ein: In Regionen, in denen der Versorgungsgrad unter 100 Prozent beträgt, soll es künftig für Hausärzte und wohnortnahe Facharztgruppen einen Aufschlag auf das Punktzahlvolumen von fünf Prozent geben. Ennenbach kündigte an, in den Honorarverhandlungen für das Jahr 2014 eine Mitfinanzierung der Krankenkassen für diese Maßnahme zur Stärkung der Versorgung in ländlichen Gebieten zu fordern. Mit dem neuen HVM wird auch die Vergütung im ärztlichen Bereitschaftsdienst angepasst. Hier, so Dr. Schliffke bei der Vorstellung der Änderungen, geht es vor allem um eine Anpassung der Vergütung, die seit dem Start des neuen Bereitschaftsdienstes im Jahr 2007 nicht angehoben wurde (Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Beitrag auf Seite 26) Delf Kröger, KVSH

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gesundheitspolitik A bgeordnetenversammlung I I

Haushaltsfragen im Mittelpunkt Bei der Zusammenkunft der Abgeordneten im September standen erste Überlegungen des Vorstandes zur Neujustierung der Nachwuchsförderung, zur künftigen Höhe der Verwaltungsumlage und zur Frage des Neubaus eines zeitgemäßen KVSH-Tagungszentrums im Mittelpunkt. Hausarzt-EBM unverändert mit wesentlichen Schwächen Die Vorstandsvorsitzende der KVSH, Dr. Monika Schliffke, ging in ihrem Bericht zur Lage auf die aktuelle Entwicklung in den Bereichen Hausarzt-EBM und Honorarverhandlungen ein. Sie berichtete, dass der Vorstand der KVSH unmittelbar nach der Verabschiedung der Resolution der Abgeordnetenversammlung, in der ein Aussetzen des Hausarzt-EBM ab Januar 2014 gefordert wurde, in einem Schreiben an das für die hausärztliche Versorgung zuständige KBV-Vorstandsmitglied Dr. Regina Feldmann auf wesentliche Schwächen des neuen Regelwerks hingewiesen habe. Schliffke kritisierte, dass durch den intransparenten Erarbeitungsprozess des Hausarzt-EBM erst jetzt die Chance bestehe, Argumente vorzutragen und an der Ausgestaltung mitzuwirken. Dies bedauerte sie insbesondere, weil mittlerweile, nach Vorliegen der einzelnen Regelungen, täglich neue ungeklärte Sachfragen auftauchten. Kurs der KBV sorgt für Fragezeichen Neben dem Hausarzt-EBM waren es vor allem widersprüchliche Signale zum Kurs der KBV in den Honorarverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband, die für Unmut nicht nur in SchleswigHolstein sorgten. In einer Darstellung der KBV-Verhandlungslinie für die Gespräche mit der Kassenseite fehlte Ende August die wesentliche Forderung nach einer extrabudgetären Vergütung der hausärztlichen Versichertenpauschalen, so die Vorstandsvorsitzende. Dies löste „sofort Widerspruch und Diskussionen“ aus. Schliffke erinnerte daran, dass die Herausnahme aller ärztlichen Grundpauschalen, auch jener im hausärztlichen Bereich, zu den im Herbst 2012 definierten Grundforderungen der KBV und der KVen gehöre, ohne deren Umsetzung der Sicherstellungsauftrag nicht mehr erfüllbar wäre. Diese Position sei nicht nur Beschlusslage der KBV-Vertreterversammlung, sondern auch durch die Befragung aller Vertragsärzte untermauert worden. In einem Brief an das KBV-Vorstandsmitglied Feldmann verdeutlichten deshalb 18 KV-Vorstandsmitglieder, dass die Abkehr von diesen Grundsatzbeschlüssen den Sicherstellungsauftrag gefährde und zudem „eine Missachtung der Beschlüsse mehrerer KBV-Vertreterversammlungen und des Ergebnisses der Arztumfrage bedeute“, zitierte Schliffe aus dem Schreiben. „Positiv bemerkenswert“ sei, so Schliffke, dass die Initiative für diesen Brief von fachärztlicher Seite ausgegangen sei: „Ein Beispiel, dass Hausarzt-FacharztDifferenzen da nichts zu suchen haben, wo es um übergeordnete und gemeinsame Ziele geht.“ 20

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Keine formlosen Kassenanfragen mehr Es gab auch gute Nachrichten aus der Hauptstadt: Die Vorstandsvorsitzende konnte vermelden, dass sich die KBV und der GKVSpitzenverband auf Neuerungen im Bundesmantelvertrag geeinigt haben. So sollen formlose Krankenkassenanfragen bald der Vergangenheit angehören. Die Gesprächspartner hätten sich darauf verständigt, dass für Fragen jeder Art ein für alle Kassen verbindliches und einheitliches Formular entwickelt werden soll, um den gegenwärtigen Formular-Wildwuchs in den Praxen zu beenden. Auch sei klargestellt worden, dass die Kassen ungültige Versichertenkarten einzuziehen haben, statt sie nur zu sperren, was „im Umkehrschluss doch die Einführung des Online-StammdatenManagements in den Praxen bedeutet hätte“, betonte Schliffke. Darüber hinaus gebe es eine Gleichstellung von Praxen und MVZ bei der Anstellung von Ärzten, zudem sei ein Konsens zwischen GKV-Spitzenverband und KBV darüber erzielt worden, dass das Abstempeln von Bonusheften keine vertragsärztliche Leistung ist, einzige Ausnahme: die Vorsorgeuntersuchung „Check-up 35“. (Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte Seite 30 dieser Nordlicht-Ausgabe). Diskussion über Ausrichtung der Nachwuchsförderung Wie seit einigen Jahren gute Tradition, nutzte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVSH, Dr. Ralph Ennenbach, die September-Sitzung für einen Ausblick auf den im November zu beschließenden Verwaltungshaushalt und wesentliche Vorhaben der KVSH, die im nächsten Jahr realisiert werden sollen. Für Debatten sorgte vor allem die Frage, auf welchem Weg die KVSH künftig junge Ärzte unterstützen soll, um sie für eine Niederlassung in Schleswig-Holstein zu gewinnen. Vor zwei Jahren hatte die KVSH – ergänzend zur paritätisch finanzierten Förderung angehender Fachärzte für Allgemeinmedizin durch KVSH und Krankenkassen – ein eigenes Förderprogramm ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser „strukturierten Weiterbildung“ wurde gezielt die hausärztliche Weiterbildung in Landarztpraxen und die Weiterbildung in Facharztgruppen mit überdurchschnittlich hohem Anteil älterer Praxisinhaber finanziell unterstützt. Nach zweijähriger Laufzeit zog Ennenbach eine Bilanz – und die fiel nicht gut aus: Nur rund ein Viertel der durch dieses Programm unterstützten Ärzte in Weiterbildung hätten sich anschließend in Schleswig-

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gesundheitspolitik Spielraum für eine Senkung der Verwaltungsumlage Zwei weitere Themen sprach Ennenbach an. Nachdem die Verwaltungsumlage vor gut sechs Jahren auf den heutigen Satz von 2,5 Prozent erhöht wurde, sehe er jetzt Spielräume für eine Senkung. Die Finanzlage der KVSH habe sich in den zurückliegenden Jahren positiv entwickelt, sodass auch bei einer Reduzierung der allgemeinen Umlage um 0,2 Prozentpunkte ausreichend finanzielle Spielräume blieben, um auf künftige Entwicklungen – etwa in Sicherstellungsfragen – reagieren zu können. In der November-Sitzung wird zudem eine Investitionsentscheidung auf der Tagesordnung stehen. Ennenbach präsentierte Überlegungen, auf einem Nachbargrundstück der KVSH durch einen Neubau moderne Tagungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Stadt Bad Segeberg als bisherige Eigentümerin des Areals habe die Absicht, das Grundstück zu verkaufen. Mittlerweile habe die Ärztekammer ihr Interesse bekundet, einen möglichen Neubau, der auch einen neuen Abgeordnetensaal beherbergen würde, für die Kammerversammlungen mitzunutzen, erläuterte Ennenbach.

Sieht Spielraum für eine Senkung der Verwaltungskostenumlage: Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVSH, Dr. Ralph Ennenbach

Holstein niedergelassen. Mit Blick auf die eingesetzten Mittel sei das ein „Schrotschuss“, bemängelte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Deshalb müsse über Alternativen nachgedacht werden. Ennenbach präsentierte Überlegungen des Vorstandes, statt der bisherigen strukturierten Weiterbildung die Niederlassung von Ärzten in Gebieten mit drohenden Versorgungsproblemen direkt zu fördern, etwa durch einen zeitlich begrenzten Zuschlag auf das Punktzahlvolumen.

Die Alternative zu einem Neubau sei eine Sanierung des bisherigen Sitzungssaals. Doch auch die würde nicht ganz billig, wie Ennenbach darlegte, da die bisher von der Abgeordnetenversammlung genutzten Räumlichkeiten nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprächen. Die Herstellung eines barrierefreien Zugangs, der Abgeordnetensaal ist bisher nur über Treppen zu erreichen, sowie eine Modernisierung der technischen Ausstattung und die Berücksichtigung der heutigen Standards der Wärmedämmung würden einen teuren Umbau erforderlich machen. Um im November eine Entscheidung treffen zu können, wird der Vorstand jetzt zunächst gemeinsam mit der Stadt ein Gutachten zum Wert des angebotenen Grundstücks erstellen lassen und weitere Gespräche führen. Die Abgeordnetenversammlung billigte dieses Vorgehen mit einer zustimmenden Kenntnisnahme. Nachwahl zum hausärztlichen Fachausschuss Auch eine Personalentscheidung stand auf der Tagesordnung. Durch den Rückzug von Wolfgang Schulte am Hülse war ein Platz im Fachausschuss der Hausärzte freigeworden. Die Abgeordneten wählten die Schleswiger Allgemeinmedizinerin Katrin Berger in den Ausschuss.

Ein Vorschlag, der zu einer engagierten Diskussion über die künftige Ausrichtung der KVSH-Nachwuchsförderung führte. Sowohl die zusätzliche Unterstützung in der Weiterbildung als auch neue Anreize für die Niederlassung in Gebieten mit drohendem Ärztemangel fanden Fürsprecher. Andere Abgeordnete argumentierten, dass in beiden Bereichen eine Unterstützung durch die KVSH vonnöten sei, um mehr Nachwuchsmediziner für die ambulante Versorgung zu gewinnen. Die Debatte soll in den Fachausschüssen vertieft werden, um dann im November über konkrete Vorschläge abzustimmen.

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gesundheitspolitik K ammerwahl

Bartmann geht in seine vierte Präsidentschaft

Quelle: Ärztekammer

Der neue Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein ist auch der alte. Mit 64 von 69 Stimmen, bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen, wurde Dr. Franz-Joseph Bartmann für weitere fünf Jahre zum Präsidenten der Ärztekammer Schleswig-Holstein gewählt. Es ist seine vierte Amtszeit.

Der neue Vorstand der ÄKSH (v. l.): Dr. Svante Gehring, Dr. Thomas Schang, Dr. Franz-Joseph Bartmann, Dr. Christian Sellschopp, Dr. Henrik Herrmann, Dr. Gisa Andresen und Petra Imme.

Die Delegierten der Kammerversammlung setzen mit der erneuten Wahl Bartmanns auf Kontinuität und Erfahrung. Der 63-jährige Facharzt für Chirurgie arbeitet seit 1989 als Oberarzt im St. Franziskus-Hospital Flensburg und gehört bereits seit 1997 dem Vorstand der Ärztekammer Schleswig-Holstein an, bevor er 2001 zum ersten Mal zu deren Präsidenten gewählt wurde. Bartmann ist Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer, Vorsitzender der Weiterbildungsgremien, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Senates für ärztliche Fortbildung und seit 2005 Vorsitzender des Telematikausschusses. Umkämpfter Vizepräsidentenposten Hochspannung brachte die Wahl für das Amt des Vizepräsidenten der Ärztekammer. Die bisherige Vizepräsidentin Dr. Hannelore Machnik kandidierte nach zwölf Jahren im Amt nicht wieder. Mit einer knappen Mehrheit von 35 der 69 abgegebenen Stimmen wurde schließlich Dr. Henrik Herrmann (Chefarzt der Inneren Medizin und Geriatrie am Westküstenklinikum Brunsbüttel) gewählt. Sein Gegenkandidat Dr. Thomas Schang (Facharzt für Chirurgie und Leiter des Telearzt-Zentrums der ife GesundheitsAG in Nehmten) erhielt 33 Stimmen. Der 54-jährige Herrmann ist bereits seit 2001 Mitglied der Kammerversammlung der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Vorstandsmitglied. Seit 2005

leitet er die Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung der Ärztekammer und ist außerdem Landesvorsitzender des Marburger Bundes. Drei Neulinge im Vorstand Gewählt wurden auch die fünf Beisitzer für die kommende erstmals fünf Jahre dauernde Legislaturperiode. Dr. Gisa Andresen (Anästhesistin und Oberärztin am Diakonissenkrankenhaus in Flensburg) setzte sich denkbar knapp mit 35 zu 34 Stimmen gegen das bisherige Vorstandsmitglied Rosemarie Müller-Mette (Allgemeinmedizinerin und Hausärztin in Norderstedt) durch. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Petra Imme (Allgemeinmedizinerin und niedergelassene Hausärztin in Kiel) und Dr. Christian Sellschopp (Chirurg und niedergelassener Facharzt in Kiel) wurden dagegen mit eindeutigen Mehrheiten wieder in den Vorstand gewählt. Das schafften auch zwei neue Bewerber. Der in der Wahl um das Amt des Vizepräsidenten noch knapp unterlegene Dr. Thomas Schang setzte sich hier mit 41 zu 27 Stimmen gegen Prof. Dr. Peter Dohrmann (Leiter der Sektion für Thoraxchirurgie am UKSH Campus Kiel) durch. Dr. Svante Gehring (Facharzt für Innere Medizin und niedergelassener Hausarzt in Norderstedt) war mit 38 zu 27 Stimmen im zweiten Wahlgang gegen Dr. Volker Schmid (Chefarzt für Tumor-, Bauch- und Gefäßchirurgie im DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg) erfolgreich. Jakob Wilder, KVSH

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gesundheitspolitik

I nterview

Wohin steuert die Ärztekammer? Ärztekammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann beschreibt im NordlichtInterview den künftigen Kurs der Körperschaft. Bartmann: Ich erinnere daran, dass meine erste Kandidatur auf der konstituierenden Kammerversammlung am 12. September 2001 auf Wunsch der niedergelassenen Kollegen zustande kam. Teil der Vereinbarung mit den angestellten Ärzten für die Einigung auf mich als gemeinsamen Kandidaten war die Zusage der Vizepräsidentschaft für die Vorsitzende des Marburger Bundes – Hannelore Machnik. Die zweimalige Bestätigung dieser Konstellation, trotz jeweiliger Gegenkandidaturen für die Position des Vizepräsidenten, bestätigen aus meiner Sicht den Erfolg dieses Modells. Die derzeitige Kammerversammlung hat dies auch unter der neuen personellen Besetzung durch Herrn Dr. Herrmann noch einmal bestätigt. Im Übrigen setzt sich der Gesamtvorstand aus vier Vertretern von der Kandidatenliste der niedergelassenen Ärzte und drei angestellten Ärzten zusammen. Nordlicht: Das Thema „Perspektiven für den ärztlichen Nachwuchs“ steht auf Ihrer Agenda weit oben. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie in diesem Bereich erfolgreich sein?

Nordlicht: Die Wahlbeteiligung lag bei der letzten Kammerwahl unter 40 Prozent. Woran liegt das und wie wollen Sie mehr Ärzte von einem Engagement in der Ärztekammer überzeugen? Dr. Franz-Joseph Bartmann: Sinkende Wahlbeteiligungen bei demokratischen Entscheidungsprozessen sind kein Privileg der Ärztekammer. Bei uns kommt allerdings erschwerend hinzu, dass, anders als beispielsweise bei der Kassenärztlichen Vereinigung, während einer Berufsbiografie die Kammer nur punktuell in Erscheinung tritt und unmittelbare Auswirkungen auf den Arbeitsalltag für die meisten Kollegen nicht erkennbar sind. Dies möchten wir dadurch ändern, indem wir bewusst eine Öffnung der Gremientätigkeit für Mitglieder außerhalb der gewählten Kammerversammlung propagieren und damit Kammer und Kammertätigkeit für einen größeren Kollegenkreis unmittelbarer erfahrbar machen.

Bartmann: Generell müssen wir uns um den ärztlichen Nachwuchs doch wohl keine großen Sorgen machen. Der Arztberuf ist attraktiv wie eh und je, wie die Bewerberzahlen bei der Anmeldung zum Hochschulstudium eindrucksvoll bestätigen. Und es gehört in das Reich der Legende, dass von diesen Studienanfängern eine relevante Zahl primär keinen späteren Einsatz in der kurativen Medizin anstreben würde. Richtig ist dagegen, dass zu Zeiten der befürchteten Ärzteschwemme mit viel Kreativität alternative Einsatzfelder für erfolgreiche Absolventen des Medizinstudiums aufgezeigt und propagiert wurden, die konsequenterweise auch zu Zeiten des relativen Mangels noch besetzt werden. Quantitativ trägt dies aber nur unwesentlich zur derzeitigen Besetzungsmisere für frei werdende Arztstellen bei. Dies gilt im Übrigen auch für den gefühlten massenhaften Exodus von Medizinern ins Ausland. Zumindest die Zahlen aus Schleswig-Holstein lassen eine derartige Aussage keineswegs zu. Unser Problem ist doch eher das veränderte gesellschaftliche Umfeld, in dem die tradierten Versorgungsstrukturen nur noch zum Teil tragfähig sind und die geänderte Erwartung junger Medizinerinnen und Mediziner an ihr berufliches Umfeld. Dies wieder in Einklang zu bringen, sehe ich als eine der vordringlichen Aufgaben der kommenden Wahlperiode.

Nordlicht: An der Spitze der Ärztekammer stehen künftig wieder zwei Klinikärzte. Wie wollen Sie Befürchtungen zerstreuen, dass die Interessen der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer nicht genügend berücksichtigt werden?

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Das Interview führte Jakob Wilder, KVSH

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gesundheitspolitik Ä rztliche V ersorgung auf dem L and

Mobile Arztpraxis on tour

Quelle: KV Niedersachsen

Während die „ Rollende Arztpraxis“ in Niedersachsen bereits die ersten Patienten versorgt, bleibt das „ DocMobil“ in Schleswig-Holstein zumindest vorerst noch in der Garage.

Sechs Dörfer im Landkreis Wolfenbüttel sind das Versuchsgelände, auf dem seit Anfang August mit der „Rollenden Arztpraxis“ eine neue Form der medizinischen Versorgung auf dem Land getestet wird. Mit dem vom Land Niedersachsen geförderten, von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) und anderen Partnern unterstützten Projekt sollen bis Ende 2014 Erfahrungen mit der mobilen Versorgung von Patienten gesammelt werden. Die Rollenverteilung steht dabei fest: Die KVN stellt die Ärzte, der Landkreis ist Halter des Fahrzeugs und Volkswagen stiftet das Fahrzeug und die Ausstattung. AOK, BKK und andere Versicherer unterstützen das Projekt. Die Technische Universität Braunschweig begleitet und evaluiert das Projekt. Es soll vor allem geprüft werden, ob die „Rollende Arztpraxis“ von den Patienten angenommen wird und auch als langfristige Maßnahme gegen den Ärztemangel in ländlichen Regionen in Frage kommt. Projekt konkret Das Konzept sieht folgendermaßen aus: Ärzte, die typische hausärztliche Leistungen erbringen, fahren in einem mit entsprechender Medizintechnik ausgestatteten Fahrzeug an festen Wochentagen in Dörfer, wo im Ort oder in der unmittelbaren Umgebung kein Hausarzt niedergelassen ist. Dort betreuen sie Patienten, die selbst keine Praxis aufsuchen können. Zunächst werden die Orte an zwei, später an drei Tagen pro Woche vormittags angefahren. In jeder Woche werden zwei Gemeinden für jeweils drei Stunden besucht. Es gibt einen festen Fahrplan und Wartemöglichkeiten für die Patienten. Im Landkreis Wolfenbüttel können Hausärzte die „Rollende Arztpraxis“ außerdem mit zeitintensiven Haus- und Heimbesuchen beauftragen, um sich so zeitlich zu entlasten. Bevor der Patient einen Hausbesuch in Anspruch 24

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nehmen kann, muss er sich jedoch vorher einschreiben bzw. die „Rollende Arztpraxis“ über seinen Hausarzt anfordern. Die Patienten bleiben also in der Obhut ihres Hausarztes. Technisch ist die „Rollende Arztpraxis“ mit der beauftragenden Hausarztpraxis vernetzt. Der mobile Arzt und der Hausarzt können sich direkt austauschen. Für beauftragte Hausbesuche ist zunächst ein Zeitkontingent von sechs Stunden pro Woche eingeplant. Bisher hat sich allerdings noch kein Arzt bereit erklärt, die „Rollende Arztpraxis“ dauerhaft zu übernehmen und sich dafür bei der KVN fest anstellen zu lassen. Zwei beratende Ärzte der KV-Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig, die selbst Hausärzte sind, übernehmen daher die anfallenden Fahrten. „Doc-Mobil“ in Dithmarschen ausgebremst Auch im Kreis Dithmarschen sollte eigentlich eine mobile Arztpraxis zum Einsatz kommen. Doch das Medizinische Qualitätsnetz Westküste (MQW) teilte auf Nachfrage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung mit, dass es das Projekt nicht wie beabsichtigt realisieren könne. Eine Steuernachforderung des Finanzamtes für die vergangenen zehn Jahre in einer Höhe zwischen 300.000 und 400.000 Euro gefährde den Bestand des MQW. Die KVSH sieht das „Doc-Mobil“ bisher kritisch und favorisiert eher die Einrichtung eines eigenen Fahrdienstes ähnlich dem Patientenbus in Brandenburg. Vorteil: Die behandelnden Ärzte können hier in ihrer Praxis bleiben. Man sei aber offen für eine Neubewertung, wenn die Erfahrungen aus Niedersachsen ein Umdenken erforderlich machten. Jakob Wilder, KVSH

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PRAXIS  & KV E inweisungen

Sana bietet Anlaufstelle

Die Sana Kliniken Lübeck wollen ihr Schnittstellenmanagement verbessern. Dr. Eike Burmester, Oberarzt und Bereichsleiter der Endoskopie, ist ab sofort fester Ansprechpartner für alle akuten Anliegen der einweisenden Haus- und Fachärzte in Lübeck. Im Interview erläutert er die Hintergründe dieser Maßnahme. Nordlicht: Wie kam es dazu, eine Anlaufstelle einzurichten? Dr. Eike Burmester: Die Idee entstand aus dem Wissen und eigenem Gefühl, dass die stationäre und ambulante Versorgung von Patienten im Krankenhaus durch den erheblichen wirtschaftlichen und zeitlichen Druck schwieriger wird. Der Arzt ist aber zu einem medizinisch-ethischen Handeln verpflichtet. Dabei muss die qualitativ hervorragende, sorgsame und liebevolle medizinische und pflegerische Versorgung der ihm anvertrauten Patienten absolut im Vordergrund stehen. Die Erfüllung dieses „Auftrags“ wird vom Patienten und vom einweisenden Arzt zu Recht erwartet. Das Nicht-Erfüllen muss zwangsläufig zu Unzufriedenheiten beim Patienten und beim Einweisenden führen. Dieses kann aber nicht im Interesse ärztlichen Handelns sein. Aus gemeinsamen, zunächst privat geführten Gesprächen mit Einweisenden wurde es sehr deutlich, dass Einweiser und Krankenhausärzte die Schwierigkeiten der Krankenhausversorgung sehen, und dass gemeinsam nach Lösungen gesucht werden muss. Daraus resultierte die Einrichtung eines ständigen Treffens zwischen Einweisern und Krankenhausärzten, aus deren Diskussion unter anderem die Einrichtung einer ärztlichen Anlaufstelle für einweisende Ärzte resultierte. Die Aufgabe dieser ärztlichen Anlaufstelle ist es, unabhängig von den Wünschen und Fachdisziplinen, Probleme in der Krankenhausversorgung von Patienten aufzudecken und schnell zu lösen. Nordlicht: Was bemängelten die niedergelassenen Ärzte? Burmester: Die bemängelten Schwachstellen betreffen unterschiedlichste Bereiche, die die pflegerische und ärztliche Versorgung von Patienten am Krankenhaus betreffen. Dabei wurde deutlich, dass dieses unabhängig von Art, Größe oder Ort des Krankenhauses ist. Die größten Probleme werden in nicht nachvollziehbaren Abläufen, frühzeitigen Entlassungen, nicht erkennbaren Zuständigkeiten, mangelnder Erreichbarkeit von Behandlern oder z. B. in „mangelnder Emotion am Krankenbett“ gesehen.

Nordlicht: Gab es Beschwerden von Patienten? Burmester: Direkte Beschwerden von Patienten werden in dieser Anlaufstelle nicht erfasst, dafür besteht ein separates Beschwerdemanagement. Allerdings werden Beschwerden von Patienten über einen Krankenhausaufenthalt häufig an den Einweiser übermittelt, sodass auf diesem Wege auch Beschwerden von Patienten über den Einweiser wieder in dieser Anlaufstelle landen. Nordlicht: Wie interpretieren Sie Ihre neue Rolle? Burmester: Durch meine jahrelange Tätigkeit am Krankenhaus und gleichzeitiger Beschäftigung in einer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis sind mir die Probleme der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung wohl bewusst. Ich sehe meine Aufgabe darin, zum einen gemeinsam mit den Einweisern zu einer Verbesserung in der Krankenhausversorgung beizutragen, zum anderen auch gegenseitiges Verständnis für Probleme zu vermitteln und vor allem hilfreich in deren Lösung zu sein. Dieser Aufgabe möchte ich mich mit meinem ganzen persönlichen Engagement widmen, wobei mir die Sorgen und Nöte des Patienten sehr am Herzen liegen. Nordlicht: Wie verliefen die ersten Wochen? Burmester: Die Anlaufstelle wurde erst Ende August regulär eingerichtet und publik gemacht, sodass noch keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen. Allerdings konnten schon viele Punkte in zwei Treffen mit den Einweisern im Dezember 2012 sowie im April 2013 diskutiert, bearbeitet und gelöst werden. In weiteren Treffen sollen die umgesetzten Punkte auf ihre Effizienz geprüft werden, insbesondere, ob dadurch eine Verbesserung der Kommunikation mit den Einweisern und damit auch verbesserten Versorgung von Patienten erreicht wurde. Nordlicht: Wann und wie sind Sie für die Niedergelassenen erreichbar? Burmester: Es existiert ein fester Telefonanschluss, über den mich die Einweiser erreichen können. Die Nummer lautet 0451 585 1216. Da das Erfassen von Sorgen und Nöten nicht während der regulären Arbeit möglich ist, stehe ich jeden Dienstag von 16.30 bis 17.30 Uhr direkt telefonisch zur Verfügung. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet, der jeden Morgen und Abend abgehört wird. Ein schneller Rückruf ist gewährleistet. In absolut dringenden Fällen bin ich dienstags bis donnerstags auch unter meiner Klinik-Handy-Nr. 0451 585 1115 erreichbar. Das Interview führte Jakob Wilder, KVSH

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PRAXIS  &  KV Ä rztlicher B ereitschaftsdienst

Bonus für Patientenkontakte Der ärztliche Bereitschaftsdienst in Schleswig-Holstein wird ab dem 1. Oktober 2013 besser vergütet. Wichtigste Änderung: Zusätzlich zur bisherigen Vergütung werden Kontakt- bzw. Besuchspauschalen für Dienste in der Anlaufpraxis und im fahrenden Dienst eingeführt.

neu

alt Bisherige Honorierung im allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienst

Neue Honorierung ab 1. Oktober 2013 Anlaufpraxis (allgemein) ƒƒ50 Euro + drei Euro für jeden Patientenkontakt ƒƒdie ersten beiden Dienststunden werden mit 60 Euro je Arzt je Tag honoriert

Anlaufpraxis (allgemein) ƒƒje Dienststunde 50 Euro Fahrender Dienst ƒƒje Dienststunde 50 Euro ƒƒin der Zeit von 0.00 bis 8.00 Uhr je Stunde 25 Euro zzgl. 50 Euro für jeden abgerechneten Besuch

Fahrender Dienst ƒƒ50 Euro je Stunde + 15 Euro für jeden durchgeführten Besuch ƒƒdie Honorierung in der Zeit von 0.00 bis 8.00 Uhr bleibt bestehen

HNO-/Augenärztlicher Bereitschaftsdienst ƒƒje Dienststunde 100 Euro

HNO-/Augenärztlicher Bereitschaftsdienst ƒƒ100 Euro je Stunde + drei Euro für jeden Patientenkontakt ƒƒdie ersten beiden Dienststunden werden mit 110 Euro honoriert

„Neujustierung bringt bessere Vergütung.“ “Nachdem die Vergütungsstruktur im ärztlichen Bereitschaftsdienst gut sechs Jahre lang unverändert geblieben ist, war es an der Zeit, eine Neujustierung vorzunehmen. Die Vergütung hat sich im Vergleich deutlich verbessert. Wir wählten dabei ganz bewusst den Weg der fallbezogenen Anhebung der Leistungen. Wir vergüten deshalb künftig jeden Patientenkontakt in der Anlaufpraxis zusätzlich mit drei Euro. Unser Ziel ist es außerdem, die Fahrdiensteinsätze attraktiver zu machen. Daher wird jeder durchgeführte Hausbesuch im fahrenden Dienst zusätzlich mit 15 Euro vergütet.“ Thomas Miklik, Notdienstbeauftragter des Vorstands der KVSH

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PRAXIS  & KV

„Ich erwarte eine Umsatzsteigerung von circa 10 bis 15 Prozent.“ „Mit der neuen Vergütungsstruktur bleibt die Basis von 50 Euro pro Stunde – respektive 25 Euro pro Stunde in der tiefen Nacht zuzüglich der Einsatzpauschale von 50 Euro für den Fahrdienst – als unbestritten gute und vor allem sichere Kalkulationsgrundlage für uns Dienstärzte bestehen. Gleichzeitig wird in den Anlaufpraxen jeder Patientenkontakt durch einen Zuschlag von drei Euro pro Patient honoriert und die ersten zwei Dienststunden werden mit 60 Euro anstelle bisher 50 Euro honoriert. Somit profitieren auch „kleinere und ruhigere“ Anlaufpraxen vom aktuellen Umsatzzuwachs. Gleichzeitig wird der Mehraufwand in größeren Praxen mit hohem Patientenaufkommen gewürdigt und honoriert. Der für den Fahrdienst vorgesehene Zuschlag von 15 Euro pro Patient in der Tagschicht stellt ebenfalls eine Leistungshonorierung dar. Dabei wird voraussichtlich ein Ungleichgewicht in der Honorierung zwischen ruhigeren Flächenregionen, die sehr gut über die Stundenpauschale dargestellt wird, und städtischen Regionen mit hohen Kontaktzahlen pro Stunde bei kurzen Fahrstrecken besser ausgeglichen. Zudem wird mit der Honorierung des direkten ArztPatienten Kontakts der Unterschied zu einer reinen Telefonberatung – entweder durch die Telefonhintergrundberatung oder den Fahrdienstkollegen – honoriert. Für meine Notdienstregion Norderstedt gehe ich von einer Umsatzsteigerung von durchschnittlich 10 bis 15 Prozent für die Dienstkollegen aus. Es bleibt nur zu hoffen, dass es möglich wird, die Zyklen der Honoraranpassung von bisher sieben Jahren zu verkürzen und damit zumindest die jährliche Inflationsrate von über zwei Prozent durch einen Umsatzzuwachs der Dienstkollegen bei gleichzeitiger Rückvergütung durch die Kostenträger kurzfristiger anzupassen und auszugleichen.“ Dr. Guido Reisewitz, Notdienstbeauftragter für den allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienst, Norderstedt

“Attraktivere Vergütung des Bereitschaftsdienstes gelungen.“ “Auch nach der Neustrukturierung nach fast sieben Jahren ist der ärztliche Bereitschaftsdienst in Schleswig-Holstein ein Erfolgsmodell mit Vorzeigecharakter. Aus meiner Sicht wurde eine deutliche Verbesserung der Vergütung der teilnehmenden Ärzte insbesondere unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Arbeitsaufkommens in den Anlaufpraxen erreicht.“  Dr. Carsten Heinemeier, Notdienstbeauftragter für den allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienst, Flensburg

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PRAXIS  &  KV Ä rztlicher N achwuchs

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Circa 150 akademische Lehrpraxen an den Hochschulstandorten Kiel und Lübeck bilden in Schleswig-Holstein das Fundament für die Ausbildung der Studierenden im Blockpraktikum und im Tertial des Praktischen Jahres Allgemeinmedizin. Um die Ausbildung junger Medizinstudenten auch in Zukunft zu garantieren, werden weitere Lehrpraxen gesucht.

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Die Zeit des Blockpraktikums Allgemeinmedizin verlängert sich ab Empfohlene Auswahlkriterien für Akademische Lehrpraxen dem Wintersemester 2013/14 von einer auf zwei Wochen. Das Allgemeinmedizin bedeutet, dass in diesem Bereich künftig mehr Ausbildungskapazitäten erforderlich sind. Um die Betreuung der Studierenden auch 1. Qualifikation obligatorisch: „Soll“-Kriterium/ weiterhin zu gewährleisten, sind vor allem zusätzliche Lehrpraxen des Lehrarztes* bzw. erwünscht: für Allgemeinmedizin nötig, auch um die bereits aktiven LehrpraFA in für Allgemeinxen zu entlasten. Deutschland braucht mehr Hausärzte – in naher Zukunft sogar erheblich mehr. Helfen Sie mit und werden Sie Lehr- medizin, ggf. hausärztl. praxis für Allgemeinmedizin. Wer fachlichen Nachwuchs haben Internist will, muss den Reiz und die Chancen des Hausarztberufes mög- 3 Jahre hausärztliche lichst früh und möglichst gut an die Medizinstudenten vermitteln. Tätigkeit in eigener Die Blockpraktikanten erhalten in der Lehrpraxis einen ersten und Verantwortung (Praxis) oft prägenden Eindruck und Einblick in ein sehr interessantes und Persönliche Eignung erfüllendes Berufsbild. Gerade im Ausbildungsabschnitt „Blockpraktikum“ werden oft die entscheidenden Grundlagen für den Beteiligung an vereinb. weiteren beruflichen Weg gelegt. Qualitätssicherung der Lehre** Sie haben Interesse, selbst Lehrarzt zu werden? Ärzte, die Interesse an der Mitarbeit in der Lehre haben, erhal- Weiterbildungsbefugnis ten nähere Informationen bzw. beantragen bitte ihre Akkreditie- für Allgemeinmedizin rung am jeweiligen Hochschulstandort. Die Universität ihrerseits Promotion, Teilnahme schließt mit dem Lehrarzt einen zeitlich befristeten Vertrag ab, an wiss. Studien der in dem die Aufgaben konkret beschrieben sind. Die Inhaber der Abteilung Lehrpraxen für Allgemeinmedizin erhalten für ihre Arbeit von der Teilnahme an anderen jeweiligen Universität eine Aufwandsentschädigung. qualitätsfördernden

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Maßnahmen Kontakt und Anmeldung: Institut für Allgemeinmedizin der CAU Kiel Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel Tel.: 0431 597 2226, Fax: 0431 597 1183 E-Mail: office@allgemeinmedizin.uni-kiel.de

* in Gemeinschaftspraxen muss wenigstens 1 Lehrarzt die Qualifikation erfüllen

Lehrauftrag Allgemeinmedizin Universität Lübeck Haus 50.1, 1. Stock, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck Tel.: 0451 500 305 7, Fax 0451 500 374 0 E-Mail: allgemeinmedizin@uksh.de

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**Die Qualitätssicherung des praxisbasierten Unterrichts kann über mehrere Methoden durchgeführt werden, die sich in einem angemessenen Rahmen von Fakultät zu Fakultät unterscheiden können. Denkbar sind: ƒƒDokumentation erfüllter Aufgaben durch die Studierenden. ƒƒEvaluation (mit Feedback) mittels Fragebogen  Studierende  Lehrärzte/Lehrärztinnen ƒƒRegelmäßige Qualitätszirkel oder Seminare mit definierten Inhalten zur Evaluation, zu Lehrinhalten und Didaktik.

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PRAXIS  & KV

2. Praxisstruktur GKV-Versicherte: Mindestens 500/Quartal Zahl der Helferinnen: Mindestens 1 Praktikumszeit/Arbeitszeit: Mind. 40 h/Woche Praktikumszeit: Mind. 10 Tage pro Jahr Bereitstellung eines Raumes für Kontakt Patient/Studierende Ruhe-EKG Labor (eigen oder Laborgemeinschaft) Kleine Chirurgie aktuelle gelistete allgemeinmed. Zeitschrift (mit Gutachterverfahren) EDV-gestütztes Praxisverwaltungssystem

obligatorisch:

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elektronisch geführte Patientenakte

3. Arbeitsspektrum der Praxis Regelmäßige Hausbesuche Typische allgemeinmedizinische Praxis ohne einseitige Praxisausrichtung*** Patienten aller Altersgruppen Patientenschulung in der Praxis od. Kooperation

„Soll“-Kriterium/ bzw. erwünscht:

obligatorisch:

„Soll“-Kriterium/ bzw. erwünscht:

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*** Zusätzliche Qualifikationen wie Psychotherapie, Naturheilkunde, Suchtmedizin, Arbeitsmedizin, Chirotherapie, Sportmedizin, etc. sind durchaus erwünscht, sofern sie nicht überwiegend die Praxistätigkeit bestimmen. Praxen, die ihre Arbeit überwiegend besonderen Therapierichtungen widmen (z. B. Homöopathie, Anthroposophie etc.) sollten nicht als Lehrpraxen für die allgemeinmedizinischen Pflichtpraktika geführt werden. Das schließt nicht aus, dass sie in fakultative Angebote einbezogen werden könnten. Jakob Wilder, KVSH

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PRAXIS  &  KV N euer B undesmantelvertrag

Schluss mit Willkür bei Kassenanfragen Zum 1. Oktober tritt der neue einheitliche Bundesmantelvertrag in Kraft. Er führt die bisherigen Bundesmantelverträge mit den Primärund Ersatzkassen zusammen. Im Zuge der Zusammenführung haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen einige Neuerungen vereinbart.

Keine formlosen Anfragen mehr 35 formlose Anfragen von Krankenkassen erhält ein Vertragsarzt im Durchschnitt im Quartal. Die Krankenkassen müssen für diese Anfragen künftig ein Rahmenformular verwenden. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass die Kassen nur noch das Nötigste erfragen und nur solche Daten einfordern, auf die sie rechtlich Anspruch haben. Auf dem Formular sollen unter anderem die Rechtsgrundlage für die Kassenanfrage und ein Hinweis auf die Vergütung stehen. Ärzte bekommen Gutachten für solche Anfragen vergütet Darüber hinaus werden Vertragsärzte, die im Zusammenhang mit solchen Anfragen ein Gutachten oder eine Bescheinigung mit gutachterlicher Stellungnahme erstellen, künftig eine Vergütung erhalten. Über die Höhe werden KBV und Kassen noch verhandeln. Abstempeln von Bonusheften Das Abstempeln von Bonusheften gehört nicht generell zu den Aufgaben des Vertragsarztes. Nur wenn Durchführung und Dokumentation einer Leistung wie dem Check-up 35 im selben Quartal 30

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erfolgen, muss der Arzt den Eintrag ohne gesonderte Vergütung vornehmen. In allen anderen Fällen stellt der Eintrag keine vertragsärztliche Leistung dar, und der Arzt darf das Ausfüllen des Bonusheftes dem Patienten in Rechnung stellen. Vertragsärzte müssen bei ungültiger Versichertenkarte nicht zahlen Vertragsärzte müssen für die Behandlung eines Patienten, der eine ungültige Versichertenkarte oder die Karte einer anderen Person vorgelegt hat, nicht die Kosten übernehmen. Die Krankenkassen dürfen nur dann Schadensersatz verlangen, wenn der Arzt die unzulässige Verwendung der Karte, zum Beispiel aufgrund des Alters oder Bildes, hätten erkennen können. Neu vertraglich verankert wurde, dass Kassenärztliche Vereinigungen einen Schadensersatzanspruch gegenüber den Krankenkassen haben: Sie können sich unter bestimmten Voraussetzungen das Honorar von einer Kasse zurückholen, das sie einem Arzt gezahlt haben, der Patienten mit einer ungültigen oder falschen Versichertenkarte behandelt hat.

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PRAXIS  & KV

Leichte Anhebung der Bagatellgrenze Künftig haben Krankenkassen erst ab einem Schadenswert von 30 Euro Anspruch auf Schadensersatz durch den Arzt. Die Bagatellgrenze gilt unter anderem bei unzulässigen Verordnungen von Leistungen, die nicht zum GKV-Leistungskatalog zählen. Bisher betrug die Bagatellgrenze 25,60 Euro. Unterschrift durch angestellte Ärzte Bescheinigungen und Vordrucke wie Arzneimittelverordnungen können künftig auch von angestellten Ärzten unterschrieben werden. Bisher war dies dem Vertragsarzt vorbehalten. Überweisung durch Ermächtigte Ermächtigte Ärzte dürfen Überweisungsscheine ausstellen, soweit ihre Ermächtigung eine solche Überweisungsbefugnis enthält. In der Ermächtigung müssen alle Leistungen aufgeführt sein, für die eine Überweisungsbefugnis erteilt wird. Das betrifft auch ermächtigte Einrichtungen, die ärztlich geleitet werden. Hinweis: Auch Patienten, die mit einer Überweisung in die Praxis kommen, müssen ihre Versichertenkarte vorlegen. Dabei ist es egal, ob ein ermächtigter Arzt oder ein Vertragsarzt die Überweisung ausgestellt hat. Die Überweisung reicht zum Nachweis der Anspruchsberechtigung nicht aus. Legt der Patient keine Karte vor, kann der Arzt nach Ablauf von zehn Tagen eine Privatvergütung verlangen. (siehe Paragraf 18 Abs. 8 Satz Bundesmantelvertrag) Anerkennung als Belegarzt Die Anerkennung als Belegarzt wird in mehrfacher Hinsicht ausgeweitet. Zum einen kann die Anerkennung als Belegarzt künftig auch für mehrere Krankenhäuser ausgesprochen werden und nicht mehr nur für eins. Zudem können künftig auch vertragsärztliche Anästhesisten als Belegärzte bei belegärztlichen Leistungen anderer Fachgruppen tätig sein. Überweisung von Laborleistungen Zum 1. Januar 2014 sollte eine Regelung in den Bundesmantelvertrag aufgenommen werden, wonach Laborleistungen nur an Fachärzte überwiesen werden dürfen, bei denen diese Leistungen zum Kern des Fachgebietes gehören. Nun kommt diese einschränkende Regelung, die als Absatz 4a in Paragraf 25 geplant war, doch nicht. Laborleistungen können also wie gehabt an Fachärzte überwiesen werden.

Krankenkassen müssen ungültige Versichertenkarten einziehen Die Krankenkassen sind auch weiterhin verpflichtet, ungültige Krankenversichertenkarten beziehungsweise elektronische Gesundheitskarten einzuziehen. Der GKV-Spitzenverband hatte ursprünglich auf eine Formulierung gedrängt, nach der die Krankenkassen ab Oktober lediglich verpflichtet gewesen wären, die Karten zu sperren. Dies hätte dazu geführt, dass der von der Ärzteschaft abgelehnte Datenabgleich in den Praxen (das sogenannte Online-Stammdatenmanagement) durch die Hintertür eingeführt worden wäre. Eingeschränkter Leistungsanspruch Versicherte, die ihren Kassenbeitrag nicht zahlen, haben per Gesetz einen eingeschränkten Leistungsanspruch. Diese Regelung wurde in den Bundesmantelvertrag aufgenommen. Die Krankenkassen sind verpflichtet, bei ihren säumigen Beitragszahlern die Versichertenkarte einziehen. Diese erhalten stattdessen einen Schein zum Nachweis des eingeschränkten Leistungsanspruchs (Vordruckmuster 85), den sie beim Arztbesuch vorlegen. In diesen Fällen dürfen Vertragsärzte nur Leistungen zur Behandlung von akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen, Früherkennungsuntersuchungen sowie Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft durchführen. Dabei bestimmen sie nach medizinischen Erfordernissen Art und Umfang der Leistung. Sachleistung hat Vorrang Vertragsärzte dürfen Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht dahingehend beeinflussen, dass diese privatärztliche Leistungen in Anspruch nehmen an Stelle der ihnen zustehenden GKV-Leistungen. Die Regelung, dass Vertragsärzte Sachleistungen vor Kostenerstattung anbieten müssen, steht bereits im Fünften Sozialgesetzbuch (Paragraf 128 Abs. 5a SGB V). Jetzt ist sie auch Bestandteil des Bundesmantelvertrages. Bundesmantelvertrag im Deutschen Ärzteblatt sowie im Internet Der Bundesmantelvertrag liegt dem Deutschen Ärzteblatt als CD-Rom bei (Ausgabe 39/2013). Sie finden ihn zudem auf der KBV-Internetseite unter Rechtsquellen: www.kbv.de/rechtsquellen/. Redaktion, KBV

Arztgruppenübergreifende Anstellung von Ärzten Die arztgruppenübergreifende Anstellung von Ärzten, die nur auf Überweisung tätig werden oder überweisungsgebundene Leistungen durchführen, ist nicht mehr verboten. Das bedeutet, dass sich Ärzte für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Nuklearmedizin, Pathologie, Radiologische Diagnostik beziehungsweise Radiologie, Strahlentherapie und Transfusionsmedizin künftig in Praxen anstellen lassen können, die ohne Überweisung in Anspruch genommen werden können. Mit dieser Regelung werden Arztpraxen in Bezug auf die arztgruppenübergreifende Anstellung mit Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) gleichgestellt. Dort ist die Anstellung bereits seit Langem erlaubt.

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PRAXIS  &  KV B ekanntmachungen

Öffentliche Ausschreibung von Vertragspraxen gemäß Paragraf 103 Abs. 4 SGB V Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein schreibt auf Antrag von Ärzten/ Psychotherapeuten deren Praxen zur Übernahme durch einen Nachfolger aus, sofern es sich bei dem maßgeblichen Planungsbereich um ein für weitere Zulassungen gesperrtes Gebiet handelt. Fachgebiet/Arztgruppe

Planungs­bereich*

Praxisform

Bewerbungs­frist**

Ausschreibungs­nummer

Psychotherapeuten

Kreis Stormarn

EP

30.11.2013

6859/2013

Psychotherapeuten

Kreis Pinneberg

EP

30.11.2013

9717/2013

* Die Stadt Kiel und die Stadt Lübeck stellen jeweils einen Planungsbereich dar. Alle übrigen Planungsbereiche richten sich nach den Kreisgrenzen, außer der Kreisregion Stadt Neumünster/Kreis Rendsburg-Eckernförde (NMS/RD-E) und der Kreisregion Stadt Flensburg/Kreis Schleswig-Flensburg (FL/SL-FL). ** Die Bewerbungsfrist ist eine Ausschlussfrist, das heißt, es können nur Bewerbungen akzeptiert werden, die innerhalb der Bewerbungsfrist eingehen. Sollte innerhalb der Bewerbungsfrist keine Bewerbung eingehen, so gilt die Ausschreibung maxi mal für ein weiteres Jahr. Die Bewerbungsfrist ist gewahrt, wenn aus der Bewerbung eindeutig hervorgeht, auf welche Aus schreibung sich die Bewerbung bezieht, für welche Adresse die Zulassung beantragt wird und ein Arztregisterauszug beigefügt wurde.

Für nähere Informationen hierzu stehen Ihnen unter der Tel.-Nummer 04551 883 und den angegebenen Durchwahlen die folgenden Sachbearbeiter zur Verfügung:

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Frau Bach-Nagel - 378 Herr Wilkening - 561

Kreise Dithmarschen, Nordfriesland, Pinneberg, Segeberg, Steinburg, Stormarn

Frau Kreker Herr Jacoby

- 346 - 259

Stadt Neumünster/Kreis Rendsburg-Eckernförde Kreis Plön, Stadt Kiel

Frau Grommes Frau Fiehn

- 462 - 291

Stadt Flensburg/Kreis Schleswig-Flensburg, Kreis Herzogtum Lauenburg, Stadt Lübeck, Kreis Ostholstein

Der Bewerbung sind ein Auszug aus dem Arztregister sowie ein unterschriebener Lebenslauf beizufügen. Ferner ist ein polizeiliches Führungszeugnis der Belegart „O“ (Behörden­ führungszeugnis) zu beantragen. Hinweis: Die Wartelisteneintragung ersetzt nicht die Bewerbung! Bewerbungen richten Sie bitte an: KVSH, Zulassung/Praxisberatung, Bismarckallee 1– 6, 23795 Bad Segeberg

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PRAXIS  & KV

Folgende Ärzte/Psychotherapeuten wurden ermächtigt bzw. bei folgenden Ärzten haben sich Änderungen ergeben (Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Ermächtigungsverzeichnis auf www.kvsh.de): Name

Fachgruppe

Ort

Dr. phil. Dipl.-Psych. Holger Rek

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

Flensburg

Folgende Psychotherapeuten wurden zugelassen und haben um Veröffentlichung gebeten: Name

Ort

Fachgruppe

Beginn

Nachfolger von

Dipl.-Psych. Kerstin Reinecke-Füßer

24811 Owschlag, Op de Barg 5 a

Psychologische Psychotherapeutin

09.09.2013

Dipl.-Psych. Hannelore Brückner-Schäfer

Dipl.-Psych. Susanne Raedler

22869 Schenefeld, Altonaer Chaussee 74

Psychologische Psychotherapeutin – halbe Zulassung –

01.10.2013

Dipl.-Psych. Susanne Bollinger

Dipl.-Psych. Nicole Singelmann

23909 Ratzeburg, Schmiedestraße 8

Psychologische Psychotherapeutin – halbe Zulassung –

01.09.2013

Dipl.-Psych. Carsten Gamroth

Dipl.-Psych. Manuela Bischoff

24534 Neumünster, Goebenplatz 4

Psychologische Psychotherapeutin

07.08.2013

Dipl.-Psych. Klaus-Peter Dörfer

Dipl.-Psych. Thomas Brade – halbe Zulassung –

25554 Wilster, Deichstraße 59

Psychologischer Psychotherapeut

01.10.2013

Dipl.-Psych. Ruth Nachtigall

Flensburg

Schleswig-Flensburg Nordfriesland

RendsburgEckernförde

Kiel Plön Ostholstein

Dithmarschen Neumünster

Segeberg

Steinburg

Lübeck

Pinneberg

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Stormarn

Herzogtum Lauenburg

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PRAXIS  &  KV B ekanntmachungen Folgende Psychotherapeuten haben die Genehmigung zur Verlegung ihrer Vertragspraxis erhalten und um Veröffentlichung gebeten:

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Name

Fachgruppe

von

nach

Dr. med. Annette Scheuer

ausschließlich psychotherapeutisch tätige Fachärztin für Hautund Geschlechtskrankheiten

23552 Lübeck, Breite Straße 1 - 5

23560 Lübeck, Borsigstraße 11

01.10.2013

Dr. phil. Dipl.-Psych. Carsten Schmidt

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

24340 Eckernförde, Kieler Straße 72

24340 Eckernförde, Horn 11

01.06.2013

Dipl.-Psych. Katrin Schmidt

Psychologische Psychotherapeutin

24937 Flensburg, Rathausstraße 9

24937 Flensburg, Südergraben 37

02.09.2013

Dipl.-Psych. Karin Lausmann

Psychologische Psychotherapeutin

24211 Schellhorn, Wehrbergallee 3

24211 Preetz, Lange Brückstraße 22

14.10.2013

Andrea Fladerer

Psychologische Psychotherapeutin

24159 Kiel, Jaegerallee 16

24159 Kiel, Fritz-Reuter-Straße 89

02.08.2013

Dipl.-Psych. Katja Wilkens

Psychologische Psychotherapeutin

24105 Kiel, Blücherplatz 11

24105 Kiel, Blücherstraße 14

01.10.2013

Dipl.-Psych. Norbert Maack

Psychologischer Psychotherapeut

25899 Niebüll, Westersteig 6

25899 Niebüll, Schmiedestraße 11

08.07.2013

Dipl.-Psych. Susanne Raedler

Psychologische Psychotherapeutin

22869 Schenefeld, Altonaer Chaussee 74

22869 Schenefeld, Osterbrooksweg 13 a

07.10.2013

Dipl-Sozialarb. (FH) Diana Will

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

23758 Oldenburg, Große Schmützstraße 8

23758 Oldenburg, Carl-Maria-vonWeber-Straße 4

01.08.2013

Hedwig Hunter

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

24146 Kiel, Troppauer Straße 44

24146 Kiel, Rönner Weg 24

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Datum

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Leserbriefe PRAXIS  & KV Leserbriefe sind keine Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen. Bitte geben Sie Ihren Namen, die vollständige Adresse und für Rückfragen Ihre Telefonnummer an. Wir freuen uns auf Ihre Leserbriefe. Bitte schicken Sie diese per E-Mail an: nordlicht@kvsh.de, per Post: KVSH Redaktion Nordlicht, Bismarckallee 1-6, 23795 Bad Segeberg, per Fax: 04551 883 396

N ordlicht 0 7 | 2 0 1 3 Mehr Niederlassungsm ö glichkeiten in S chleswig-Holstein, S eite 16 bis 19

Hohn und Spott Seit gut zwei Jahren bin ich als Psychologische Psychotherapeutin in Stormarn niedergelassen und verdiene mein Geld zu 90 Prozent im Kostenerstattungsverfahren. Beinahe täglich rufen nach Psychotherapie suchende Menschen bei mir an, die berichten, dass Vertragsbehandler im Kreis keine Patienten mehr annehmen. Auch meine kleine Praxis weist eine Warteliste bis weit über das Jahresende hinaus auf bzw. der Anrufbeantworter läuft seit Monaten mit der Ansage, dass ich auf vertretbare Sicht keine neuen Patienten annehmen kann.

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Der Bedarf und die Nachfrage – mithin die Verzweiflung der Patienten – sind also groß. Wenn ich nun im Nordlicht schwarz auf weiß lesen muss, Stormarn sei im Bereich Psychotherapie „überversorgt“, klingt das in meinen Ohren wie blanker Hohn und Spott. Kann mir da jemand erklären, wie meine tägliche Erfahrung mit „überversorgt“ zusammengehen soll? Wer stellt denn die Versorgung sicher? Und: was sage ich (als eine, die ja sogar schon zusätzlich zu den Kollegen „im System“ arbeitet) den Patienten? Wenn ich mir vorstelle, dass wir mit dieser sogenannten Bedarfsplanung vermutlich wieder 20 Jahre werden leben müssen, wird mir – mit Verlaub – ziemlich schlecht. Ich hoffe nur, die Planung ist für andere Disziplinen oder Gegenden besser gelungen. Dorothee Dechmann, Psychologische Psychotherapeutin und Psychoonkologin, Bad Oldesloe

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PRAXIS  &  KV neues aus K V en und K B V

„Hamburg-Zuschlag“ für Ärzte und Psychotherapeuten Hamburg – Die in der Hansestadt tätigen niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten erhalten einen gesonderten Aufschlag für die überdurchschnittliche Kostensituation in Hamburg. Er gilt rückwirkend ab Januar 2013. Mit dieser Entscheidung hat das Schiedsamt den seit neun Monaten schwelenden Honorarkonflikt zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) und den Krankenkassen beendet. Der bundesweit einmalige Aufschlag beträgt gut zwei Prozent. Da im Schiedsspruch eine Fülle weiterer Fragen geregelt werden, steigt das Honorar 2013 insgesamt um rund vier Prozent. „Das Ergebnis ist qualitativ ein wichtiger Durchbruch, quantitativ kann es nur ein erster Schritt sein“, mit diesen Worten kommentierte der KV-Vorsitzende Walter Plassmann die Entscheidung des Schiedsamtes: „Es freut uns sehr, dass der besonderen Kostenbelastung in Hamburg endlich Rechnung getragen wird, aber angesichts einer Unterdeckung von rund zwanzig Prozent kann die Gesamtsteigerung nicht befriedigen.“ Plassmann bewertet positiv, dass Haus- und Heimbesuche sowie die onkologische Betreuung nunmehr zu vollen Preisen bezahlt werden können. Die Honorarrunde 2013 war die härteste in der Geschichte der KV Hamburg. Sieben Monate verhandelten KV und Kassen, ohne ein Ergebnis erzielen zu können, zwei Monate und drei Sitzungen benötigte das Schiedsamt, um den Konflikt zu schlichten. Mehrfach waren die Hamburger Ärzte zu Kundgebungen zusammengekommen, um auf die Honorarmisere in Hamburg aufmerksam zu machen.

Mobile Notfalldienst-App Dortmund – Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL)  erweitert ihr Serviceangebot  im  ärztlichen Notfalldienst mit einem praktischen Helfer für den Alltag. Gemeinsam mit dem Stuttgarter IT-Spezialisten „MedizinweltenServices“ wurde  eine neue Notfalldienst-App für WestfalenLippe entwickelt. Die App ist ab sofort verfügbar und lokalisiert den eigenen aktuellen Standort und zeigt automatisch die Notfalldienstpraxen in der Nähe inklusive deren Adressen und Öffnungszeiten. Mit einer integrierten RoutenplanerFunktion können sich die Benutzer anschließend mit einem Klick zu einer der ausgewählten Praxen in Westfalen-Lippe navigieren lassen. Die App bietet außerdem alle wichtigen Kontakt-Informationen zu den drei fachärztlichen Notfalldiensten der Augen-, HNO- und Kinderärzte. Abgerundet werde das Informationsangebot durch eine direkte Anruffunktion der kostenlosen Arztrufnummer 116 117.

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Kodex für den Umgang mit Individuellen Gesundheitsleistungen Stuttgart – Die Kassenärztliche Vereinigung BadenWürttemberg (KVBW) bietet den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in Baden-Württemberg die Möglichkeit an, sich an einem einheitlichen IGeL-Kodex zu beteiligen. Der IGeL-Kodex umfasst zehn Grundsätze zum fairen IGeLn, zu denen sich die teilnehmenden Ärzte mit ihrer Unterschrift bekennen. Damit machen sie ihren Patienten ein nachweisliches Qualitätsversprechen und schaffen zusätzliche Sicherheit. „Die KVBW wird bei den IGeL aktiv, um die Bedeutung dieser Leistungen für die Versorgung zu unterstreichen und gleichzeitig auf die öffentlichen Diskussionen der vergangenen Jahre zu reagieren“, erläutert Dr. Norbert Metke, Vorsitzender der KVBW, die Aktion. „IGeL sind eine sinnvolle Ergänzung zur Behandlung im Rahmen der GKV, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte. So wurden beispielsweise zahlreiche ehemalige IGeL, wie etwa das Hautkrebsscreening, zwischenzeitlich in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen.“ Die Ärzte und Psychotherapeuten haben nun in den nächsten Wochen die Gelegenheit, bei der KVBW Plakat und Flyer für ihre Praxis zu bestellen und damit ihre Patienten zu informieren. Die Plakate werden mit der Unterschrift der Ärzte in den Praxen ausgehängt und sind damit für alle Patienten sichtbar.

Bereitschaftsdienstreform im Saarland geplant Saarbrücken – Mit einer Reform des Bereitschaftsdienstes will die Kassenärztliche Vereinigung Saarland die Zahl der Nachtdienste für die Ärzte verringern. Helfen soll dabei die Zusammenlegung der 52 Notdienstringe zu 13 Bezirken. Grund für die Reform der Notdienste ist der demografische Wandel, nicht nur bei den Patienten, sondern auch den Ärzten. Dr. Joachim Meisner, stellvertretender Vorsitzende der KV Saarland, sagte dazu: „Die Demografie greift jetzt bei uns.“ In einigen Bezirken seien die Hälfte der Kollegen schon über 60 Jahre alt. Die genauen Bedingungen der Refom stehen noch nicht fest. Auf einer Veranstaltung nach den Sommerferien möchte der KV-Vorstand mit den Ärzten über die Reformpläne sprechen. In Kraft treten soll die Reform im Jahr 2014. Zu Beginn der Reform soll die Bereitschaftsnummer 116 117 im Saarland eingeführt sein. aktuell

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PRAXIS  &  KV

Nachrichten aus der Psychotherapie Probatorische Sitzung nun doch nicht als Doppelstunde Dem Hinweis aus Nordlicht Aktuell Heft 6/2009 sowie 6/2013, dass probatorische Sitzungen als Doppelstunde abgerechnet werden können, muss leider widersprochen werden. Das Referat Psychotherapie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) teilt nun mit, dass man ja lediglich gemeint habe, der Psychotherapeut darf gemäß Psychotherapie-Richtlinie und Psychotherapie-Vereinbarungen die probatorische Sitzung als Doppelstunde erbringen. Aber dass dies nicht bedeute, dass er diese dann auch abrechnen darf. Für die Abrechnung sei der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) zuständig und der ließe so etwas nicht zu. Die Angelegenheit ist besonders ärgerlich, glaubten wir doch alle, nach der damaligen Aussage aus dem Hause der KBV zur Abrechnung von probatorischen Sitzungen richtig gehandelt zu haben. Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein ist an die Vorgaben des EBM gebunden. Und hiernach ist die

Keine fremdsprachliche Psychotherapie Neue Regelung des Sonderbedarfs – was nicht geregelt wurde Über den Anfang Juli in Kraft getretenen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zum Sonderbedarf wurde bereits an mehreren Stellen berichtet. Unerwähnt blieb bislang, welche Bereiche der G-BA nicht geregelt beziehungsweise abgelehnt hat, zu regeln. So wurde unter anderem die Forderung von Psychotherapeuten, einen Versorgungsbedarf an fremdsprachlicher Psychotherapie anzuerkennen, abgelehnt. Dabei sind die Gründe für die Verankerung eines Sonderbedarfstatbestands an fremdsprachlicher Psychotherapie offensichtlich. Einerseits leben in Deutschland fast sieben Millionen Ausländer

Novellierung des Arbeitsschutzgesetzes Psychische Belastungen in der Arbeitswelt finden erstmals Berücksichtigung Ende Juni hat der Bundestag das Arbeitsschutzgesetz novelliert. Erstmals werden nun im Gesetz psychische Belastungen als Gefährdung aufgeführt. Dementsprechend lautet Paragraf4 nun folgendermaßen: „Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und psychische Gesund-

P s y chotherapie

Gebührenposition (GOP) EBM-Nr. 35150 in derselben Sitzung nur einmal bei mindestens 50 Minuten Erbringungszeit abzurechnen. Dauert dieselbe Sitzung 100 Minuten, auch dann kann die Position nur einmal angesetzt werden. Finden mehrere Sitzungen uhrzeitlich getrennt an einem Tag statt, kann je Sitzung einmal die GOP EBM-Nr. 35150 angesetzt werden. Unbedingt ist den Positionen dann jeweils eine Uhrzeit zuzuordnen. Sonderfall KJP: Probatorische Sitzung allein mit Bezugsperson Im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist bei der Abrechnung einer probatorischen Sitzung dann ein „B“ hinter die GOP EBM-Nr. 35150 zu setzen, wenn dieses Erstgespräch mit einer oder mehreren Bezugspersonen ohne die Anwesenheit des Kindes oder Jugendlichen in der Praxis stattgefunden hat. Die Rückrufaktion der KBV macht es nun notwendig, dass für den Fall, wo beispielsweise morgens ein Elterngespräch als Erstgespräch stattgefunden hat und am selben Tag nachmittags das Kind eine probatorische Sitzung hat, den GOPs unbedingt jeweils eine Uhrzeit beigefügt werden muss. Die Kennzeichnung „B“ allein ist nicht ausreichend, um die Zulässigkeit dieser Form der Abrechnung deutlich zu machen.

(darunter allein 2,5 Millionen Türken) und noch einmal so viele Menschen mit Migrationshintergrund – die meisten davon Beitragszahler in die gesetzliche Krankenversicherung. Andererseits ist Psychotherapie im Vergleich zu anderen medizinischen Leistungen besonders stark auf authentische und verständliche Kommunikation angewiesen. Dieses setzt, so führte die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) im Vorfeld der Beratungen aus, in der Regel voraus, dass Patient und Psychotherapeut dieselbe (Mutter-)Sprache sprechen. Wenn nicht, kann dieses die Kommunikation und damit den psychotherapeutischen Prozess beeinträchtigen. Unterschreiten die Sprachkenntnisse ein bestimmtes Niveau, wird Psychotherapie unmöglich. Diese Besonderheiten der Psychotherapie hätten es auch gerechtfertigt, den Sonderbedarfstatbestand allein auf fremdsprachige Psychotherapie zu beschränken, so die BPtK.

heit möglichst vermieden … wird.“ Da das Arbeitsschutzgesetz nur einen groben Rahmen setzt und wenig Präzises enthält, bemängeln vor allem Arbeitnehmervertreter, das Fehlen einer konkretisierenden Anti-Stress-Verordnung analog den Verordnungen zum Schutz vor Lärm oder Gefahrstoffen. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Immerhin gibt es bereits eine Initiative des Bundesrates zur Schaffung einer Verordnung zum Schutze vor psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Heiko Borchers,Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Kiel

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die menschen im land V or O rt

Glückliche Gründerin Dr. Karin Erasmi hat sich ihren Traum erfüllt. Die 46-jährige Fachärztin für Anästhesie meisterte den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin und eröffnete in Flintbek eine neue Hausarztpraxis. Im Interview berichtet sie vom hindernisreichen Weg zur eigenen Praxis. Erasmi: Mich reizen Selbstbestimmung und Autonomie. Mich reizt es Dinge zu gestalten, umzusetzen und dabei meinen eigenen Weg zu gehen. Mich reizen vernetzte Arbeit und Kommunikation auf Augenhöhe mit den anderen Kollegen aus dem ambulanten Bereich. Mich reizt es, in meiner Praxis mehr zu leisten als qualitativ und handwerklich gute Medizin. Ich bin mit vielen anderen spannenden Themen wie Personalführung, Team- und Mediengestaltung und Betriebswirtschaft befasst. Außerdem kann ich meine Arbeitszeiten selbst einteilen und bin nicht Sklave eines Dienstplans oder anderer hierarchischer Strukturen wie sie in der Klinik bestehen. Den besonderen Wert der Hausarztmedizin macht für mich dabei aus, dass hier quasi allumfassendes Wissen gefordert ist. Mein jüngster Patient ist vier Monate, meine älteste Patientin 101 Jahre alt. Die Spannbreite der Fälle ist also sehr hoch.

Nordlicht: Wie lief die Startphase Ihrer Praxis? Dr. Karin Erasmi: Sehr engagiert, aber auch etwas chaotisch, denn der Praxisstart fiel durch eine Verzögerung mitten in die Bauphase. Verschieben konnten wir ihn nicht, denn der Eröffnungstermin am 1. April 2013 war gesetzt, entsprechend kommuniziert und die Patienten haben auf uns gewartet. Letzten Endes ist aber alles gut gelaufen und wir hatten im ersten Quartal schon 300 Patienten. Für eine neue Praxis ein sehr guter Wert. Es kamen jung und alt, darunter viele junge Mütter mit ihren Kindern aus den Neubaugebieten Flintbeks, aber auch viele alleinlebende ältere Frauen. Nordlicht: Warum haben Sie sich für den ländlich geprägten Standort Flintbek entschieden? Erasmi: Ich wohne selbst seit fast sieben Jahren in der Region, bin aber die ganze Zeit nach Lübeck gependelt und deshalb nie richtig hier angekommen. Das wollte ich ändern. Es war daher eine ganz bewusste Entscheidung von mir als Hausärztin aufs Land zu gehen. Außerdem mag ich die bodenständige und naturverbundene Art der hier lebenden Menschen. Ich gehe gerne mit der Arzttasche zum Hausbesuch auf einen Bauernhof. Eine Standortanalyse ergab zudem viele günstige Faktoren: Mehrere Neubaugebiete mit jungen Familien, ein engagierter, junger Bürgermeister und eine sehr aktive Wirtschaftsgemeinschaft vor Ort. Ich spürte, dass man hier etwas bewegen will. Außerdem gab es zwar vier männliche Kollegen in Flintbek, aber noch keine Ärztin. Nordlicht: Was reizt Sie an der freiberuflichen Tätigkeit in der eigenen Hausarztpraxis?

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Nordlicht

Nordlicht: Warum wählten Sie die Form einer Praxisneugründung und nicht die Übernahme einer bestehenden Praxis? Erasmi: Das ist unüblich, doch eine alte und überteuerte Praxis wollte ich nicht übernehmen. Kooperationen mit Kollegen vor Ort, die ich durchaus angestrebt habe, zerschlugen sich und kamen auch nicht in Frage. Ich wollte von Anfang an neue Strukturen, selbstbestimmt arbeiten und Chefin sein. Da kam eigentlich nur noch eine Neugründung in Frage. Die ist zwar sehr risikoreich, zumal ich das ganze Projekt komplett fremdfinanziert habe, aber das schreckt mich nicht. Ich arbeite sehr gerne und sehr viel, wenn die Arbeitszufriedenheit so stimmt wie jetzt. Ich empfinde es jeden Tag als echten Luxus, dass ich mir meinen eigenen Arbeitsplatz zu den Bedingungen einrichten konnte, die mir entsprechen.

Nordlicht: Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Neugründung? Erasmi: Ein wenig Irrsinn gehörte von Anfang an dazu, denn als Neugründerin einer Arztpraxis passte ich anscheinend in keine Schublade. Dramatisch waren vor allem die Umstände der Finanzierung. Ich musste ein sehr hohes Darlehen im sechsstelligen Bereich aufnehmen. Das Geld wurde mir zuerst zwar prinzipiell auch bewilligt, aber kurz vor der entscheidenden Unterschrift bemerkte ich einen Passus im Vertrag, dem zufolge ich nicht unterschreiben konnte. Ich musste also innerhalb von einer Woche eine sehr hohe Summe auf eigene Faust organisieren. Letztlich aktuell

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die menschen im land

Erasmi: Der Aufwand war sehr hoch. Ich habe viel gearbeitet, nebenbei zwei Kinder versorgt und in einer anderen Stadt gewohnt. Das alles unter einen Hut zu bringen, war nicht einfach, denn ich habe lange Zeit quasi in zwei Parallelwelten gelebt. Um auf meine vorgeschriebenen Stunden in der Allgemeinmedizin zu kommen, musste ich zwischen 60 und 70 Stunden in der Woche arbeiten. Zum Glück hatte ich die Unterstützung meiner Familie, meines damaligen Klinikchefs Prof. Peter Schmucker und meines hausärztlichen Ausbilders Dr. Hilmar Keppler. Wir waren mehr als einmal kreativ, um alles unter einen Hut zu bekommen. Nordlicht: Ist der Quereinstieg in die Allgemeinmedizin aus Ihrer Sicht ein geeignetes Mittel, um dem Ärztemangel in ländlichen Gebieten entgegenzuwirken?

halfen mir zwei liebe Menschen mit einem Privatdarlehen aus: Meine Schwiegermutter und ein guter Freund. Dann waren noch 19 weitere Telefonate mit der Bank nötig, bevor letztlich alles in trockenen Tüchern war. Den Zuschlag bekam eine Bank aus der Region Flintbek. Nordlicht: Wie kamen Sie auf die Idee, fachlich noch einmal von der Anästhesie Richtung Allgemeinmedizin umzusatteln? Erasmi: Unlust am Fach war es eindeutig nicht, denn ich war 20 Jahre lang leidenschaftlich gerne Anästhesistin. Mich reizte vor allem die Chance, mich selbstständig zu machen. Ich wollte noch einmal etwas Neues erfahren und Kapitän statt Matrose sein. Ich organisiere und manage gerne und das wollte ich einbringen. Ich bin Mitte vierzig und hatte genug davon, in der Klinik Dinge umsetzen zu müssen, von denen ich nicht immer hundertprozentig überzeugt war. Die medizinische Versorgung des Patienten hat mir nicht mehr gereicht, denn ich hatte als Anästhesistin ja immer nur einen kleinen Ausschnitt, wollte aber ein größeres Bild vom behandelten Menschen und seinen Lebensumständen. Ich erfuhr z. B. nie, was aus den Patienten nach der Operation wurde und wie ihre poststationäre Versorgung aussah. In der Klinik fehlte oft die Zeit für Gespräche mit Kollegen und Patienten und das hat mich unzufrieden gemacht. Die Allgemeinmedizin hielt ich als Fachgebiet für eine hochspezialisierte Generalistin, die ich als Anästhesistin ja bin, für sehr gut geeignet. Der Quereinstieg machte für mich in jeder Hinsicht Sinn. Nordlicht: Wie hoch war der Aufwand des Quereinstiegs und wie haben Sie ihn zeitlich und organisatorisch bewältigt?

Erasmi: Das könnte so sein, wenn der Quereinsteig begleiteter und besser strukturiert wäre. Es gibt viele Kollegen, die geeignete Qualifikationen mitbringen. Gerade ärztliche Kolleginnen hätten sicherlich daran Interesse. Es müssten aber ganz dringend andere Gelder zur Überbrückung her, denn kein Quereinsteiger mit 40, der ein Klinikgehalt gewohnt ist, kann sich den Umstieg finanziell leisten. Die 3.500 Euro Fördergeld sind zwar gut und schön, aber am Ende bleiben davon ja nur 2.000 Euro übrig. Da müssen sie notgedrungen parallel arbeiten, was nur schwer durchzuhalten ist. Ich habe das gemerkt, als ich meine Facharztprüfung geschafft hatte und mich viele Kollegen darauf ansprachen, wie ich das gemacht habe. Die Bereitschaft viel zu arbeiten, muss also vorhanden sein. Viele hatten zwar prinzipiell Interesse am Quereinstieg, aber auf paralleles Arbeiten hatte niemand Lust. Es fehlen dafür einfach die nötigen Zeitfenster. Für einige Fachgruppen ist der Quereinstieg schwer zu bewältigen, weil zuviel Fachwissen dazu gelernt werden muss. Für die Anästhesie gilt das nicht. Leider nehmen wir durch den Quereinstieg aber letztlich auch wichtige Fachkräfte weg, die an den Kliniken ebenso dringend gebraucht werden. Der Quereinstieg ist also nur ein kleines Instrument mit sehr begrenzter Breitenwirkung. Ich glaube eher, dass wir früher ansetzen und den Hausarztberuf schon für junge Kollegen attraktiver machen müssen. Zum Beispiel dadurch, dass man den ärztlichen Nachwuchs möglichst schnell mit der Hausarztmedizin in Kontakt bringt und die Attraktivität des Hausarztberufes für die jungen Mediziner konkret erfahrbar macht. Mir ist das selbst sehr wichtig und meine Praxis ist deshalb auch Lehrpraxis an der ChristianAlbrechts-Universität Kiel. Falls sich jemand für den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin interessiert, stehe ich übrigens gerne als Mentorin mit Rat und Tat zur Verfügung. Das Interview führte Jakob Wilder, KVSH

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SERVICE T eam B eratung Welche Arzneimittel sind grundsätzlich verordnungsfähig? Wie viele Heilmittel dürfen pro Rezept verordnet werden? Welche Budgetgrenzen sind zu beachten? Diese Fragen stellen sich niedergelassene Ärzte immer wieder, denn die Gefahr ist groß, in die „Regress-Falle“ zu tappen. Damit Sie sicher durch den Verordnungs-Dschungel kommen, in­formieren wir Sie auf dieser Seite über die gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien bei der Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln.

Sicher durch den Verordnungs-Dschungel

Heilmittelverordnungen Es gibt seit dem 1. Januar 2013 im Bereich der Heilmittelverordnungen Praxisbesonderheiten, die das Ausgabenvolu­men nicht belasten. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Indikationen, bei denen ein langfristiger Heilmittelbedarf unterstellt wird. Auf der Bun­desebene hat man sich geeinigt, dass Indikationen, die als Praxisbeson­derheiten gelten (in dem Heft der KV hellblau unterlegt) nicht zur Ge­nehmigung vorgelegt werden müssen. Bei den langfristigen Heilmittelbe­ darfsdiagnosen muss theoretisch eine Genehmigung der jeweiligen Krankenkasse eingeholt werden. Diese Genehmigung soll für mindes­tens ein Jahr ausgestellt werden. Auf die Vorlage zur Genehmigung haben alle Krankenkassen – mit Ausnahme einzelner Betriebskrankenkassen – verzichtet. Haben Sie einen BKK-versicherten Patienten, bei dem eine Diagnose aus dem Bereich langfristiger Heilmittelbedarf gestellt wurde, so muss dieser bei seiner Kasse nachfragen, ob er eine Genehmigung einholen muss, oder nicht. Langfristverordnung bedeutet nicht, dass Sie ein Rezept für ein oder auch ein halbes Jahr ausstellen können.

Die Anzahl der Therapieeinheiten muss so bemessen sein, dass min­destens einmal im Quartal ein Arzt-Patientenkontakt stattfindet. Diese Regelung gilt für alle Verordnungen im Heilmittelbereich. Einige Kran­kenkassen haben uns bereits darauf hingewiesen, dass die Vertrags­ärzte in Regress genommen werden sollen, die sich nicht an diese Vor­gabe halten. Die Kennzeichnung der Praxisbesonderheiten/langfristiger Heilmittelbedarf mit ICD-Code ist für die Praxis zwar wichtig, damit die Kosten herausgerechnet werden können, jedoch besteht keine Verpflichtung hierfür. Auch trifft es nicht zu, dass die Therapeuten die Behandlung nicht vergütet bekommen, wenn der ICD-Code fehlt. Sollte Ihnen das Heft mit den ICD-Codierungen für Praxisbesonderhei­ten/langfristiger Heilmittelbedarf nicht vorliegen, können Sie dieses auf unserer Homepage einsehen, herunterladen oder in der For­mularausgabe bestellen. Thomas Frohberg, KVSH

Haben Sie Fragen? Dann rufen Sie das Team Beratung der KVSH an: Ihre Ansprechpartnerin im Bereich Hilfsmittel

Ihr Ansprechpartner im Bereich Arzneimittel, Heilmittel und Impfstoffe

Birgit Willig Tel. 04551 883 362 birgit.willig@kvsh.de

Thomas Frohberg Tel. 04551 883 304 thomas.frohberg@kvsh.de Ihre Ansprechpartnerin im Bereich Sprechstundenbedarf

Ellen Roy Tel. 04551 883 931 ellen.roy@kvsh.de

Heidi Dabelstein Tel. 04551 883 353 heidi.dabelstein@kvsh.de

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Service

Sie fragen – wir antworten Auf dieser Seite gehen wir auf Fragen ein, die dem Service-Team der KVSH immer wieder gestellt werden. Die Antworten sollen Ihnen helfen, Ihren Praxisalltag besser zu bewältigen.

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Antworten des Service-Teams Wir sind eine gynäkologisch/hausärztlich tätige Praxis und nehmen an QuaMaDi – „Qualitätsgesicherte Mammadiagnostik“ teil. Nun ist eine Patientin bei uns, die über das Auslandsabkommen versichert ist. Darf diese Patientin an QuaMaDi teilnehmen? Ja, Frauen im Rahmen des Sozialversicherungsabkommen (SVA) – Status 7 – und heilfürsorgeberechtigte Polizeivollzugsbeamtinnen können an QuaMaDi teilnehmen. Frauen, die bei anderen „Sonstigen Kostenträgern“ versichert sind, können nicht teilnehmen. Dies gilt auch für Versicherte mit Status 4.

Wenn ein Patient mit einem Behandlungsausweis vom Sozialamt kommt, dürfen diese Patienten weiter überwiesen werden? Grundsätzlich gilt, wenn ein Arzt bei einem Sozialhilfeempfänger eine fachärztliche Behandlung für erforderlich hält, ist er berechtigt, einen kassenüblichen Überweisungsschein auszustellen. Dies gilt nicht für Leistungsberechtigte des Kreises Dithmarschen. Patienten dieses Kostenträgers benötigen immer einen weiteren Krankenbehandlungsschein. Bei Asylbewerbern gilt der eingeschränkte Leistungsanspruch nach dem AsylbLG. Überweisungen sind nur im Rahmen der erforderlichen ärztlichen Leistungen zur Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände sowie sonstiger zur Genesung, zur Besserung oder zur Linderung von Krankheiten oder Krankheitsfolgen erlaubt. Ausnahme hier ist das Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster. Leistungsberechtigte dieses Kostenträgers benötigen grundsätzlich einen weiteren Krankenbehandlungsschein. Wichtig: Beachten Sie generell die Einschränkungen und Angaben auf dem Krankenbehandlungsschein der Kostenträger.

Wenn bei einem Patienten eine Laborbefreiungsziffer bei entsprechender Indikation abgerechnet wird (32005-32023 EBM), wirkt sich diese nur an dem Behandlungstag befreiend aus?

Das Service-Team erreichen Sie unter der Rufnummer 04551 883 883 • montags bis donnerstags von 8.00 bis 17.00 Uhr • freitags von 8.00 bis 14.00 Uhr 10 | 2013

Nein, die befreienden Indikationsziffern gelten arztübergreifend für den Behandlungsfall.

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SERVICE Ä rztlicher B ereitschaftsdienst

Alte Nummer wird zum Auslaufmodell 01805 11 92 92 war gestern: In den nächsten Monaten wird in Schleswig-Holstein die alte Telefonnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst endgültig abgeschaltet. Dann gilt nur noch die bundesweit einheitliche, kostenlose Rufnummer 116 117. Helfen Sie mit, die neue Nummer noch bekannter zu machen. Mit der Neustrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Schleswig-Holstein wurde für Hilfe suchende Patienten im Jahr 2006/2007 die Rufnummer 01805 11 92 92 aktiviert. Diese blieb zur Sicherheit auch dann geschaltet, als Mitte April 2012 die bundesweit einheitliche Rufnummer 116 117 eingerichtet wurde. Die Umstellung hat sich aber anscheinend noch nicht überall herumgesprochen, denn nur knapp 70 Prozent der schleswigholsteinischen Bevölkerung nutzen momentan die 116 117, um

den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu kontaktieren. Die übrigen 30 Prozent wählen immer noch die alte Rufnummer, die demnächst endgültig abgeschaltet wird. Sie können uns dabei helfen, Ihre Patienten über die 116 117 zu informieren. Flyer und InfoKärtchen zum Auslegen in Ihrer Praxis können Sie kostenlos über die Firma Grafik und Druck in der von Ihnen gewünschten Anzahl mit einem Faxformular (siehe Seite 43) anfordern.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst IN SCHLESWIG-HOLSTEIN

116 117

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Service F a x formular

Nachbestellung

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Info-Material zum vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst (KVSH) Anzahl Flyer__________________ Anzahl

Kärtchen allgemeine Anlaufpraxen

Anzahl

Kärtchen kinderärztliche Anlaufpraxen

 Bad Oldesloe

 Eutin

 Bad Segeberg

 Flensburg

 Brunsbüttel

 Heide

 Büsum

 Husum

 Eckernförde

 Itzehoe

 Eiderstedt

 Kiel

 Elmshorn

 Lübeck

 Eutin

 Neumünster

 Fehmarn

 Pinneberg

 Flensburg

 Ratzeburg

 Geesthacht

 Rendsburg

 Großhansdorf

 Schleswig

 Heide  Henstedt-Ulzburg  Husum  Itzehoe  Kappeln  Kiel  Lübeck  Neumünster  Neustadt  Niebüll  Norderstedt  Oldenburg  Pinneberg  Preetz  Ratzeburg  Reinbek  Rendsburg  Schleswig  Westerland/Sylt  Wyk/Föhr

Bitte zurückfaxen an: 04 31 64 2168 G+D Grafik + Druck GmbH + Co. KG Rendsburger Landstraße 181, 24113 Kiel

___________________ ___________________________ Datum/Unterschrift Praxisstempel 10 | 2013

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SERVICE Ä rztlicher B ereitschaftsdienst

Achten Sie bitte auch auf die Änderung Ihres Ansagetextes auf dem Praxis-Anrufbeantworter. Vorschlag für korrekte Ansagetexte der Anrufbeantworter in den Arztpraxen bei Abwesenheit des Vertragsarztes

Vorschläge für Ihre Anrufbeantwortertexte:

Fall 1: Sie unterbrechen an einem Praxistag lediglich für einige Stunden den Praxisbetrieb (Mittagspause): Teilen Sie dem Patienten mit, wann die nächste Sprechstunde stattfindet, und dass er sich in einer Notfallsituation an den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 wenden kann. Bitte weisen Sie nicht ohne Angabe der Bereitschaftszeiten auf die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes hin, da dieser montags, dienstags und donnerstags erst deutlich später und damit möglicherweise erst nach Ihrer Nachmittagssprechstunde einsetzt. Die Leitstelle ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Personal besetzt, sodass der Patient dort keine Hilfe erhält. Die Zeiten des ärztlichen Bereitschaftsdienstes sind: Montag, Dienstag, Donnerstag 18.00 Uhr bis 8.00 Uhr am Folgetag Mittwoch, Freitag 13.00 Uhr bis 8.00 Uhr am Folgetag Sonnabend, Sonntag, Feiertag 8.00 Uhr bis 8.00 (ganztags)

Fälle 1 und 2: Sie sind mit der Praxis xxx verbunden. Leider rufen Sie außerhalb unserer Sprechzeiten an. Unsere Sprechzeiten sind ..... Der ärztliche Bereitschaftsdienst steht Ihnen montags, dienstags und donnerstags von 18.00 Uhr bis 08.00 Uhr am Folgetag, mittwochs und freitags von 13.00 Uhr bis 8.00 Uhr am Folgetag sowie sonnabends, sonntags und feiertags von 8.00 Uhr bis 8.00 Uhr (ganztags) unter der Telefonnummer 116 117 zur Verfügung. In lebensbedrohlichen Notfällen wählen Sie bitte die Nummer des Rettungsdienstes 112. Fall 3: Sie sind mit der Praxis xxx verbunden. Wir befinden uns vom ..... bis ..... im Urlaub. Die Vertretung übernimmt die Praxis (Name, Anschrift, Telefonnummer), deren Sprechzeiten sind: ..... Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie montags, dienstags und donnerstags von 18.00 Uhr bis 8.00 Uhr am Folgetag, mittwochs und freitags von 13.00 Uhr bis 8.00 Uhr am Folgetag sowie sonnabends, sonntags und feiertags von 8.00 Uhr bis 8.00 Uhr (ganztags) unter der Telefonnummer 116 117. In lebensbedrohlichen Notfällen wählen Sie bitte die Nummer des Rettungsdienstes 112.

Fall 2: Nach dem Ende Ihrer Nachmittagssprechstunde: Geben Sie auf dem Anrufbeantworter bitte Ihre Sprechzeiten an und verweisen Sie für Notfälle auf die Nummer des Rettungsdienstes 112. Sie sind zudem verpflichtet, die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 anzugeben. Bitte weisen Sie auch hier unbedingt auf die oben genannten Zeiten des ärztlichen Bereitschaftsdienstes hin, da der Patient dort vorher niemanden erreicht. Fall 3: Sie sind an der Ausübung der Praxis gehindert (z. B. wegen Urlaub): In diesem Fall sind Sie verpflichtet, Ihre Vertretung mit einem oder mehreren Ärzten konkret abzusprechen. Auf dem Anrufbeantworter sollten daher Name und Sprechzeiten des Vertreters genannt werden, der dem Patienten dann absprachegemäß zur Verfügung steht. Ein Hinweis auf eine Vertretung durch „umliegende Praxen“ ist unzureichend. Weisen Sie zudem auf die Nummer des Rettungsdienstes 112 für Notfälle, sowie auf die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 unter Nennung der Bereitschaftszeiten hin. Bitte beachten Sie, dass das Vertragsarztrecht keine sogenannten „Brückentage“ kennt. Brückentage gelten als normale Arbeitstage, an denen die üblichen Vertretungsregelungen greifen. Sie sind daher verpflichtet, auch an diesen Tagen für Ihre Patienten eine zumutbare medizinische Versorgung durch konkrete kollegiale Vertretungen zu organisieren. Bitte setzen Sie Ihre Patienten durch Aushang und Anrufbeantworter hierüber in Kenntnis.

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Service T elematik

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Voice over IP (VoIP): neu, günstig, unsicher? versendet. Das IP-Telefon des Angerufenen nimmt diese Datenpakete an und wandelt sie wieder in hörbare Sprache um. Hat der Angerufene kein IP-Telefon, wandelt ein Übersetzungs-Server (Gateway) des Telefonanbieters die IP-Datenpakete in eine telefon-konforme Form um, damit sie gehört werden können. Wenn jetzt so ein digitales Sprachpaket aus dem Internet unterwegs ist, kann es an überraschend vielen Stellen mitgeschnitten werden. Wenn das Datenpaket dann auch noch unverschlüsselt ist, kann mitgehört werden. Dies würde eine Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht darstellen!

Man denkt an nichts Böses, tauscht sich mit einem Kollegen telefonisch über einen gemeinsam behandelten Patienten aus – und macht sich strafbar. Wie kann das denn sein? Mit der unbedarften Unterschrift unter einem neuen Telefonvertrag kann das kleine „Horror-Szenario“ Realität werden. Trotz aller Unklarheiten im Umfeld der NSA- und BND-Schlapphüte gibt es ein im Grundgesetz in Artikel 10 verankertes Recht auf Unverletzlichkeit des Post- und Fernmeldegeheimnisses. Sie als (Patienten-)Geheimnisträger können sich darauf berufen und so unbeschwert mit dem mitbehandelnden Kollegium telefonieren, da das Fernmeldegeheimnis Ihre Schweigepflicht unterstützt, da Telefonate (normaler Weise) nicht abgehört werden können und dürfen.

Fazit Sie als Übermittler von Patientengeheimnissen müssen also wissen, ob Ihr Telefonanschluss durch das Fernmeldegeheimnis geschützt ist. Das ist bei „alten“ Analog- und ISDN-Anschlüssen der Fall. Arbeitet Ihr „moderner“ Anschluss aber mit VoIP-Technik, sollten Sie Ihren Telefonanbieter auf Einhaltung des Fernmeldegeheimnisses ansprechen. Manche Anbieter verschlüsseln die Sprachdaten, andere haben vom Internet abgeschirmte Datenleitungen und andere können/wollen keine Auskunft geben. Bei letzteren sollte man vorsichtig sein. Udo Karlins, KVSH

StGB Paragraf 203 Verletzung von Privatgeheimnissen (1) Wer unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als [..] Arzt [..] anvertraut worden oder sonst bekanntgeworden ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Die moderne Technikwelt bietet alternativ zu den bestehenden Analog- und ISDN-Telefon-Anlagen jetzt auch das Telefonieren über das Internet: „Voice over IP“ heißt das Kind. Hierbei werden die Sprachsignale digitalisiert und über das „normale“ Internet 10 | 2013

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SERVICE was , wann , wo ?

Seminare

Zu Seminaren wird nicht mehr persönlich eingeladen. Bekanntmachungen erfolgen ausschließlich über das Nordlicht.

fÜR Praxismitarbeiter

für Ärzte und Psychotherapeuten

thema: F  ehlermöglichkeiten bei Konstanz-

thema: Moderatorengrundausbildung

prüfungen erkennen und eingrenzen

für Qualitätszirkel

datum: 20. November, 15.30 bis 18.45 Uhr

datum: 22. November, 15.00 bis 21.00 UHR

Die Abteilung Qualitätssicherung lädt alle Praxismitarbeiter, die mit der Konstanzprüfung und Filmverarbeitung der analogen Röntgenanlage betraut sind, zu diesem Seminar ein. Ziel dieser Veranstaltung ist es, Ihren Mitarbeitern Hinweise und Tipps zur Konstanzprüfung zu geben, um bei Abweichungen der Grenzwerte oder bei fehlerhaften Abbildungen die möglichen Ursachen leichter erkennen und in einigen Fällen auch beseitigen zu können. Dieses soll in einem kurzen theoretischen Abriss und danach anhand von Fallbeispielen geschehen. Sie haben hier auch die Möglichkeit Aufnahmen aus Ihrer Praxis mitzubringen, um diesbezügliche Probleme zu schildern und zu besprechen. Um eine möglichst praxisnahe und anschauliche Gestaltung zu ermöglichen, wird das Seminar in einer kleinen Gruppe durchgeführt.

Ergebnisorientiertes Arbeiten im Qualitätszirkel erfordert Moderation. Sie sollte zielorientiert, achtsam und methodisch sein. Dies erfordert Übung und Methodik. Beides sind wesentliche Bestandteile dieser speziellen Moderatorengrundausbildung für die Qualitätszirkelarbeit. In den letzten Jahren wurden viele Techniken und sogenannte Qualitätszirkeldramaturgien entwickelt, die dem Moderator die Arbeit erheblich erleichtern können. Die Teilnehmer werden in der Grundausbildung qualifiziert: • das Setting eines Qualitätszirkels zu erarbeiten, • den Zirkel zu moderieren, • verschiedene QZ-Techniken bedarfsgerecht einzusetzen, • die Gruppenprozesse in Qualitätszirkelsitzungen zu steuern und • mit schwierigen Situationen in Gruppenprozessen umzugehen.

Für Mitarbeiter, die eine digitale Röntgenanlage nutzen, wird ein gesondertes Seminar angeboten. Über Termine hierzu werden Sie rechtzeitig im Nordlicht informiert.

Inhalte des Seminars: • Moderationstechniken • Dramaturgien • Übung von Moderationssituationen • Umgang mit Teilnehmern • Kommunikation und Gruppendynamik • Rahmenbedingungen zur Qualitätszirkelarbeit • Gründung von Qualitätszirkeln

23. November, 9.00 bis 17.00 UHR

Referenten: Uta Markl Tanja Ohm-Glowik ORT: S itzungsraum der Radiologie-Kommission (Raum 2.2.100) Im Haus 2 der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein Bismarckallee 4 – 6, 23795 Bad Segeberg

ORT: Sitzungszentrum der KVSH, Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad Segeberg

Teilnahmegebühr: Dieses Seminar ist kostenfrei! Teilnahmegebühr: 200 Euro pro Person, inkl. Tagungspauschale für Material und Verpflegung Fortbildungspunkte: 20

TEILNAHMEBEDINGUNGEN: Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, werden die Anmeldungen in der Reihenfolge des Posteingangs berücksichtigt. Erhalten Sie keine Absage, so gilt die Teilnahme als bestätigt.

TEILNAHMEBEDINGUNGEN: Die vorhandenen Seminarplätze werden nach Eingang der Rückmeldung und vorrangig an Mitglieder der KVSH vergeben.

kontakt + anmeldung Abt. Qualitätssicherung

kontakt + anmeldung Abt. Qualitätssicherung

Bismarckallee 1– 6, 23795 Bad Segeberg

Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad Segeberg

Nadine Pries Tel. 04551 883 332 Fax 04551 883 7332 E-Mail nadine.pries@kvsh.de

Detlef Greiner Tel. 04551 883 527 Fax 04551 883 7527 E-Mail detlef.greiner@kvsh.de

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Regina Steffen 04551 883 292 04551 883 7292 regina.steffen@kvsh.de 10 | 2013


Service

Veranstaltungen KVSH

Wir übernehmen nur für KVSH-Termine Gewähr.

20. November, 15.00 bis 17.00 uhr

Fallkonferenz Ort:

6. November, 14.00 bis 17.00 Uhr

Offene Sprechstunde Ort: Zulassung/Praxisberatung der KVSH Info: An jedem ersten Mittwoch im Monat • für alle Ärzte und Psychotherapeuten zu Themen aus dem Bereich der Zulassung (Praxisübergabe, Anstellung, Verlegung, Kooperation etc.) • ohne vorherige Terminvergabe Sabrina Pingel, Zulassung/Praxisberatung, Tel. 04551 883 255, E-Mail: sabrina.pingel@kvsh.de www.kvsh.de

Pflegezentrum, Travemünder Allee, 23568 Lübeck

20. November, 14.00 bis 18.00 uhr

Pathologischen PC-/Internet-Gebrauch – Störungsbild und Therapie Ort: Hanseaten-Platz 2, 25524 Itzehoe, Hotel Mercure Info: Dipl.-Psych. Ulla Kamps-Blass, Wilhelmstraße 16, 25524 Itzehoe, Tel. 04821 600184 Referent: Dr. Bernd Sobottka, Psychologischer Psychotherapeut, LeitenderPsychologe der AHG Klinik Schweriner See. E-Mail: ulla@kamps-blass.de www.uksh.de

26. November, 20.00 bis 22.00 uhr

KVSH-Kreisstellen

Informationsveranstaltung der KVSH und Krankenkassen/-verbände: Für und Wider der Langzeitverschreibung von Benzodiazepinen und Z-Drugs

23. Oktober, 18.00 uhr

Klinik für Neurologie: 3. Flensburger MS-Symposium Ort: Hotel Wassersleben Info: Nähere Informationen unter: Tel. 0461 812 2103, www.diako.de oder unter Tel. 0461 816 2511, www.malteser-franziskus.de www.aeksh.de/ec

30. Oktober, 18.00 uhr

Med.Klinik II: Erhöhte Leberwerte – was tun? Ort: Strandhotel Glücksburg Info: Nähere Informationen unter: Tel. 0461 812 2103, www.diako.de oder unter Tel. 0461 816 2511, www.malteser-franziskus.de www.aeksh.de/ec

Schleswig-Holstein 23. Oktober, 16.30 uhr

15. Hamburger Facharztgesprächen „Think the Link“ Ort: Empire Riverside Hotel in Hamburg Info: Thema: Basis an Praxis – Physikum in drei Stunden, Voranmeldung: Fax 040 889 009 833 www.herz-hh.de

Ort: KVSH (Abgeordnetensaal), Bismarckallee 1– 6, 23795 Bad Segeberg Info: Referent: Dr. Rüdiger Holzbach, Chefarzt der Abt. Suchtmedizin der LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein, Anmeldung bis zum 1. November 2013 ist erforderlich, Fortbildungs- punkte sind beantragt, Anmeldung: ellen.roy@kvsh.de, Tel. 04551 883 931 oder birgit.willig@kvsh.de, Tel. 04551 883 362 www.kvsh.de

30. November, 9.00 bis 16.00 Uhr

forum gynäkologie 2013 Ort: Kieler Yacht Club, Hindenburgufer 70, 24105 Kiel, Tel. 0431 85021, Kostenfreies Parken auf hoteleigenem Parkplatz (begrenzt) und in der näheren Umgebung Info: Um eine Voranmeldung wird aus organisatorischen Gründen bis zum 23. November 2013 gebeten. Sekretariat: Wicara Kongressorganisation, Gabriele Wickert & José Aranzabal, Amsterdamer Weg 78, 44269 Dortmund, Tel. 0231 909 80 23, Fax 906 24 51, Mobil 0173 238 57 73 E-Mail: gabriele.wickert@wicara.de www.uksh.de

4. Dezember,16.00 bis 18.00 uhr

Die Nieren im Arzneimittel-Fokus

9. nOVEMBER, 9.00 bis 14.00 uhr

Menschen mit Demenz im Krankenhaus Ort: Strandhotel, Elisabeth-Saal, Kirstenstraße 6, 24960 Glücksburg Info: Voranmeldung: Sekretariat Dr. Klaus Weil, Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation, Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospital, Waldstraße 17, 24939 Flensburg, Tel. 0461 816 2515, Fax 0461 816 2025 E-Mail: anke.suckow@malteser.org www.malteser-franziskus.de

Ort: KVSH (Abgeordnetensaal), Bismarckallee 1– 6, 23795 Bad Segeberg Info: Referent: Dr. Andreas Seifert, Internist und Nephrologe (Schleswig), Vorsitzender des Landesverbandes niedergelassener Nephrologen (Dialysen-SH GbR) Anmeldung bis zum 15. November 2013 ist erforderlich, Fortbildungs- punkte sind beantragt, Anmeldung: ellen.roy@kvsh.de, Tel. 04551 883 931 oder birgit.willig@kvsh.de, Tel. 04551 883 362 www.kvsh.de

9. November, 9.00 bis 14.00 uhr

20 Jahre Schleswiger Schmerztagung 1993–2013 Ort: Aula der Gehörlosenschule, Seminarweg 20, 24837 Schleswig Info: Fortbildungspunkte beantragt E-Mail: harald.lucius@helios-kliniken.de www.helios-kliniken.de 10 | 2013

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Service kontakt

Ansprechpartner der KVSH Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein Bismarckallee 1 - 6, 23795 Bad Segeberg Zentrale 04551 883 0, Fax 04551 883 209

Vorstand

Vorstandsvorsitzende Dr. Monika Schliffke�������������������������������������������������������� 206/217/355 Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Dr. Ralph Ennenbach������������������������������������������������������� 206/217/355

Geschäftsstelle Operative Prozesse

Ekkehard Becker...............................................................................486

Selbstverwaltung

Regine Roscher.................................................................................218

Abteilungen

Abrechnung Petra Lund (Leiterin)/Ernst Sievers (stellv. Leiter)����������������� 306/245 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 322 Abteilung Recht – Justitiar Klaus-Henning Sterzik (Leiter)������������������������������������������������� 230/251 Abteilung Recht Maria Behrenbeck��������������������������������������������������������������������������� 251 Hauke Hinrichsen����������������������������������������������������������������������������� 265 Tom-Christian Brümmer������������������������������������������������������������������� 474 Esther Petersen������������������������������������������������������������������������������� 498 Ärztlicher Bereitschaftsdienst Thomas Miklik (BD-Beauftr. d. Vorstands)�������������������������������������� 579 Alexander Paquet (Leiter)��������������������������������������������������������������� 214 Akupunktur Doreen Knoblauch��������������������������������������������������������������������������� 445 Ambulantes Operieren Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 459 Arthroskopie Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 459 Ärztliche Stelle (Röntgen) Kerstin Weber���������������������������������������������������������������������������������� 529 Uta Markl����������������������������������������������������������������������������������������� 393 Tanja Ohm-Glowik���������������������������������������������������������������������������� 386 Ines Deichen������������������������������������������������������������������������������������� 571 Ärztliche Stelle (Nuklearmedizin/Strahlentherapie) Kerstin Weber���������������������������������������������������������������������������������� 529 Nina Söth����������������������������������������������������������������������������������������� 325 Arztregister Anja Scheil/Dorit Scheske��������������������������������������������������������������� 254 Assistenz-Genehmigung Renate Tödt������������������������������������������������������������������������������������� 358 Petra Fitzner������������������������������������������������������������������������������������ 384 Balneophototherapie Michaela Schmidt���������������������������������������������������������������������������� 266 Betriebswirtschaftliche Beratung Marion Grosse���������������������������������������������������������������������������������� 343 Chirotherapie Michaela Schmidt���������������������������������������������������������������������������� 266 Dermatohistologie Marion Frohberg������������������������������������������������������������������������������ 444 Dialyse-Kommission/LDL Marion Frohberg������������������������������������������������������������������������������ 444 48

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Diabetes-Kommission Aenne Villwock�������������������������������������������������������������������������������� 369 DMP Team Marion Frohberg ����������������������������������������������������������������������������� 444 Helga Hartz ������������������������������������������������������������������������������������� 453 Caroline Polonji ������������������������������������������������������������������������������ 280 Carolin Tessmann����������������������������������������������������������������������������� 326 Tanja Glaw��������������������������������������������������������������������������������������� 685 Drogensubstitution Astrid Patscha���������������������������������������������������������������������������������� 340 Christine Sancion����������������������������������������������������������������������������� 470 EDV in der Arztpraxis Timo Rickers������������������������������������������������������������������������������������ 286 Janin Looft��������������������������������������������������������������������������������������� 324 Tobias Kantereit������������������������������������������������������������������������������� 320 Ermächtigungen Susanne Bach-Nagel������������������������������������������������������������������������� 378 Daniel Jacoby������������������������������������������������������������������������������������ 259 Katja Fiehn��������������������������������������������������������������������������������������� 291 Tyneke Grommes����������������������������������������������������������������������������� 462 Evelyn Kreker���������������������������������������������������������������������������������� 346 Karsten Wilkening��������������������������������������������������������������������������� 561 ESWL Monika Nobis ��������������������������������������������������������������������������������� 938 Finanzen Karl-Heinz Buthmann (Leiter)���������������������������������������������������������� 208 Formularausgabe Sylvia Warzecha������������������������������������������������������������������������������� 250 Fortbildung/Veranstaltungen Nadine Pries������������������������������������������������������������������������������������ 332 Fortbildungspflicht nach Paragraf 95 SGB V Detlef Greiner���������������������������������������������������������������������������������� 527 Früherkennungsuntersuchung Kinder (Hausärzte) Heike Koschinat������������������������������������������������������������������������������� 328 Gesundheitspolitik und Kommunikation Marco Dethlefsen (Leiter Kommunikation)������������������������������������ 381 Delf Kröger (Leiter Gesundheitspolitik)������������������������������������������� 454 Hautkrebs-Screening Christine Sancion���������������������������������������������������������������������������� 470 Hausarztzentrierte Versorgung Heike Koschinat ������������������������������������������������������������������������������ 328 Herzschrittmacherkontrollen Monika Vogt������������������������������������������������������������������������������������ 366 Hilfsmittel Anna-Sofie Reinhard������������������������������������������������������������������������ 362 Histopathologie im Rahmen Hautkrebs-Screening Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 HIV/AIDS Doreen Knoblauch��������������������������������������������������������������������������� 445 Hörgeräteversorgung Doreen Knoblauch��������������������������������������������������������������������������� 445 Homöopathie Heike Koschinat������������������������������������������������������������������������������� 328 HVM-Team/Service-Team Stephan Rühle (Leiter)�������������������������������������������������������������������� 334 aktuell

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Service kontakt

Internet Jakob Wilder������������������������������������������������������������������������������������ 475 Borka Totzauer��������������������������������������������������������������������������������� 356 Invasive Kardiologie Monika Vogt������������������������������������������������������������������������������������ 366 Interventionelle Radiologie Daniela Leisner ������������������������������������������������������������������������������� 533 Kernspintomographie Ute Tasche��������������������������������������������������������������������������������������� 485 Koloskopie Carolin Tessmann����������������������������������������������������������������������������� 326 Koordinierungsstelle Weiterbildung Petra Fitzner������������������������������������������������������������������������������������ 384 Krankengeldzahlungen Doris Eppel��������������������������������������������������������������������������������������� 220 Laborleistung (32.3) Marion Frohberg ����������������������������������������������������������������������������� 444 Langzeit-EKG Monika Vogt������������������������������������������������������������������������������������ 366 Mammographie (kurativ/Screening) Kathrin Zander��������������������������������������������������������������������������������� 382 Anja Liebetruth�������������������������������������������������������������������������������� 302 Molekulargenetik Marion Frohberg������������������������������������������������������������������������������ 444 MRSA Angelika Ströbel������������������������������������������������������������������������������ 204 Niederlassung/Zulassung/Zweigpraxis Susanne Bach-Nagel������������������������������������������������������������������������ 378 Katja Fiehn��������������������������������������������������������������������������������������� 291 Evelyn Kreker���������������������������������������������������������������������������������� 346 Tyneke Grommes����������������������������������������������������������������������������� 462 Daniel Jacoby����������������������������������������������������������������������������������� 259 Karsten Wilkening��������������������������������������������������������������������������� 561 Nordlicht aktuell Borka Totzauer ������������������������������������������������������������������������������� 356 Jakob Wilder������������������������������������������������������������������������������������ 475 Nuklearmedizin Daniela Leisner�������������������������������������������������������������������������������� 533 Onkologie Doreen Knoblauch��������������������������������������������������������������������������� 445 Otoakustische Emissionen Michaela Schmidt���������������������������������������������������������������������������� 266 Patientenauskunft Paragraf 305 SGB V Detlef Greiner���������������������������������������������������������������������������������� 527 Personal Christine Storm��������������������������������������������������������������������������������� 260 Lars Schönemann������������������������������������������������������������������������������ 275 Yvonne Neumann����������������������������������������������������������������������������� 577 Anke Siemers ���������������������������������������������������������������������������������� 333 Dirk Ludwig��������������������������������������������������������������������������������������� 425 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 451 Phototherapeutische Keratektomie Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 459 Photodynamische Therapie am Augenhintergrund Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 459 Physikalisch-Medizinische Leistungen Michaela Schmidt���������������������������������������������������������������������������� 266 Plausibilitätsausschuss Hauke Hinrichsen������������������������������������������������������������������������������ 265 Susanne Hammerich������������������������������������������������������������������������� 686 Ulrike Moszeik��������������������������������������������������������������������������������� 336 Rita Maass��������������������������������������������������������������������������������������� 467 10 | 2013

Nordlicht

Polygraphie/Polysomnographie Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 Pressesprecher Marco Dethlefsen���������������������������������������������������������������������������� 381 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������������� 396 Psychotherapie Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 Qualitätssicherung Aenne Villwock (Leiterin)�������������������������������������������������������� 369/262 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 374 Qualitätszirkel/Qualitätsmanagement Angelika Ströbel������������������������������������������������������������������������������ 204 Detlef Greiner���������������������������������������������������������������������������������� 527 Regina Steffen��������������������������������������������������������������������������������� 292 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 374 QuaMaDi Kathrin Zander��������������������������������������������������������������������������������� 382 Radiologie-Kommission Aenne Villwock................................................................................. 369 Cornelia Thiesen............................................................................... 458 Röntgen (Anträge) Christina Bernhardt�������������������������������������������������������������������������� 533 Röntgen (Qualitätssicherung) Cornelia Thiesen������������������������������������������������������������������������������ 458 Rückforderungen der Kostenträger Björn Linders������������������������������������������������������������������������������������ 564 Schmerztherapie Monika Vogt������������������������������������������������������������������������������������ 366 Service-Team/Hotline Telefon������������������������������������������������������������������������������������� 388/883 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 505 Sonographie (Anträge) Ute Tasche��������������������������������������������������������������������������������������� 485 Sonographie (Qualitätssicherung) Susanne Paap���������������������������������������������������������������������������������� 228 Christina Witt����������������������������������������������������������������������������������� 315 Sozialpsychiatrie-Vereinbarung Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 Soziotherapie Kevin Maschmann��������������������������������������������������������������������������� 321 Sprechstundenbedarf Heidi Dabelstein������������������������������������������������������������������������������ 353 Strahlentherapie Daniela Leisner�������������������������������������������������������������������������������� 533 Struktur und Verträge Dörthe Deutschbein (Leiterin)��������������������������������������������������������� 331 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 488 Telematik-Hotline��������������������������������������������������������������������������������� 888 Teilzahlungen Brunhild Böttcher���������������������������������������������������������������������������� 231 Tonsillotomie Doreen Knoblauch��������������������������������������������������������������������������� 445 Umweltmedizin/Umweltausschuss Marion Frohberg ����������������������������������������������������������������������������� 444 Vakuumbiopsie Dagmar Martensen ������������������������������������������������������������������������� 687 Verordnung medizinische Rehaleistungen Christine Sancion����������������������������������������������������������������������������� 470 Verordnung (Team Beratung) Thomas Frohberg����������������������������������������������������������������������������� 304 Widersprüche (Abteilung Recht) Gudrun Molitor�������������������������������������������������������������������������������� 439 aktuell

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Service kontakt

Zulassung Bianca Hartz (Leiterin)������������������������������������������������������������� 255/358 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 276 Zytologie Marion Frohberg������������������������������������������������������������������������������ 444

Zentrale Stelle Mammographie-Screening Bismarckallee 7, 23795 Bad Segeberg Tel .................................................................................................... 898900 Fax ................................................................................................ 8989089 Dagmar Hergert-Lüder (Leiterin)����������������������������������������������������� 8989010

Stelle nach Paragraf 81a SGB V: Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen

Klaus-Henning Sterzik�������������������������������������������������������������� 230/251 An diese Stelle nach Paragraf 81a SGB V kann sich jede Person wenden. Es handelt sich um eine organisatorisch verselbstständigte und weisungsungebundene Einrichtung. Sie hat im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages allen genügend substanziierten Hinweisen auf Sachverhalte nachzugehen, die auf Unregelmäßigkeiten oder auf eine rechtswidrige oder zweckwidrige Nutzung von Finanzmitteln im Zusammenhang mit den Aufgaben der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein hindeuten und die aufgrund der einzelnen Angaben oder der Gesamtumstände glaubhaft erscheinen.

Prüfungsstelle

Nordlicht aktuell

Bahnhofstraße 1, 23795 Bad Segeberg Tel. 04551 9010 0, Fax 04551 901022 Beschwerdeausschuss Dr. Johann David Wadephul (Vorsitzender)��������������������������������� 90100 Prof. Günther Jansen (Stellvertreter)������������������������������������������ 90100 Leiter der Dienststelle Markus Eßfeld���������������������������������������������������������������������������� 901021 Verordnungsprüfung Elsbeth Kampen ������������������������������������������������������������������������ 901023 Dr. Michael Beyer���������������������������������������������������������������������� 901015 Dorthe Flathus-Rolfs������������������������������������������������������������������ 901015 Astrid Stamer����������������������������������������������������������������������������� 901024 Evelyn Sonnenrein��������������������������������������������������������������������� 901024 Katja Junge�������������������������������������������������������������������������������� 901024 Ina Buchholz������������������������������������������������������������������������������ 901024 Sprechstundenbedarfs-, Honorar- und Zufälligkeitsprüfung Birgit Wiese������������������������������������������������������������������������������� 901012 Catherin Weh����������������������������������������������������������������������������� 901011 Iris Flägel����������������������������������������������������������������������������������� 901011 Stefanie Kuhlee������������������������������������������������������������������������� 901013 Zweitmeinungsverfahren Gastroentereologie, Rheuma und Plaque-Psoriasis Nadja Kleinert���������������������������������������������������������������������������� 901025 Organisation Dorina Schadendorf ������������������������������������������������������������������ 901020 Tanja Bauer............................................................................ ..... 901016 Sabine Kruse ����������������������������������������������������������������������������� 901016 Elisabeth Möller-Kammritz ������������������������������������������������������� 901017 Gabriele Stüven ������������������������������������������������������������������������ 901017 Susanne Schuldt.................................................................... ..... 901017 Melanie Buchbach................................................................. ..... 901019 Lina Fitzner............................................................................ ..... 901019

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Impressum

Nordlicht

Offizielles Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein Herausgeber Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein Dr. Monika Schliffke (v.i.S.d.P.) Redaktion Marco Dethlefsen (Leiter); Prof. Jens-Martin Träder (stellv. Leiter); Borka Totzauer (Layout); Jakob Wilder Redaktionsbeirat Ekkehard Becker; Dr. Ralph Ennenbach; Reinhardt Hassenstein; Dr. Monika Schliffke; Druck Grafik + Druck, Kiel Fotos iStockphoto Anschrift der Redaktion Bismarckallee 1– 6, 23795 Bad Segeberg, Tel. 04551 883 356, Fax 04551 883 396, E-Mail: nordlicht@kvsh.de, www.kvsh.de Das Nordlicht erscheint monatlich als Informationsorgan der Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Namentlich gekennzeichnete Beiträge und Leserbriefe geben nicht immer die Meinung des Herausgebers wieder; sie dienen dem freien Meinungsaustausch. Jede Einsendung behandelt die Redaktion sorgfältig. Die Redaktion behält sich die Auswahl der Zuschriften sowie deren sinnwahrende Kürzung ausdrücklich vor. Die Zeitschrift, alle Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit schriftlichem Einverständnis des Herausgebers. Wenn aus Gründen der Lesbarkeit die männliche Form eines Wortes genutzt wird („der Arzt“), ist hiermit selbstverständlich auch die weibliche Form gemeint („die Ärztin“).

aktuell

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Service K ontakt

Kreisstellen der KVSH Kiel

Kreisstelle: Herzog-Friedrich-Str. 49, 24103 Kiel Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 0431 93222 Fax����������������������������������������������������������������������������������������� 0431 9719682 Wolfgang Schulte am Hülse, Allgemeinarzt Tel�������������������������������������������������������������������������������������������� 0431 541771 Fax������������������������������������������������������������������������������������������� 0431 549778 E-Mail��������������������������������������������������������������������� Kreisstelle.Kiel@kvsh.de

Lübeck

Kreisstelle: Parade 5, 23552 Lübeck, Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 0451 72240 Fax����������������������������������������������������������������������������������������� 0451 7063179 Dr. Andreas Bobrowski, Laborarzt Tel ������������������������������������������������������������������������������������������� 0451 610900 Fax����������������������������������������������������������������������������������������� 0451 6109010 E-Mail�������������������������������������������������������������� Kreisstelle.Luebeck@kvsh.de

Flensburg

Kreisstelle: Berglücke 5, 24943 Flensburg Tel ��������������������������������������������������������������������������������������������� 0461 42939 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 0461 46891 Dr. Wolfgang Barchasch, Frauenarzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 0461 27700 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������� 0461 28149 E-Mail������������������������������������������������������������ Kreisstelle.Flensburg@kvsh.de

Neumünster

Jörg Schulz-Ehlbeck, hausärztl. Internist Tel ������������������������������������������������������������������������������������������� 04321 47744 Fax������������������������������������������������������������������������������������������� 04321 41601 E-Mail����������������������������������������������������� Kreisstelle.Neumuenster@kvsh.de

Kreis Dithmarschen

Burkhard Sawade, Praktischer Arzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04832 8128 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 04832 3164 E-Mail����������������������������������������� buero@kreisstelle-dithmarschen@kvsh.de

Kreis Herzogtum Lauenburg

Raimund Leineweber, Allgemeinarzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04155 2044 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������� 04155 2020 E-Mail���������������������������������������������������������� Kreisstelle.Lauenburg@kvsh.de

Kreis Nordfriesland

Dr. Martin Böhm, Internist Tel ��������������������������������������������������������������������������������������������� 04841 5037 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 04841 5038 E-Mail����������������������������������������������������� Kreisstelle.Nordfriesland@kvsh.de 10 | 2013

Nordlicht

Kreis Ostholstein

Dr. Bettina Schultz, Frauenärztin Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04521 2950 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 04521 3989 E-Mail��������������������������������������������������������� Kreisstelle.Ostholstein@kvsh.de

Kreis Pinneberg

Dr. Zouheir Hannah, Orthopäde Tel�������������������������������������������������������������������������������������������� 04106 82525 Fax������������������������������������������������������������������������������������������� 04106 82795 E-Mail����������������������������������������������������������� Kreisstelle.Pinneberg@kvsh.de

Kreis Plön

Dr. Joachim Pohl, Allgemeinarzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04526 1000 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������� 04526 1849 E-Mail������������������������������������������������������������������ Kreisstelle.Ploen@kvsh.de

Kreis Rendsburg-Eckernförde

Carl Culemeyer, Allgemeinarzt Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04353 9595 Fax��������������������������������������������������������������������������������������������� 04353 9555 E-Mail����������������������������������������������������������������������� KVKreisRdEck@aol.com

Kreis Schleswig-Flensburg

Dr. Carsten Petersen, Internist Tel ������������������������������������������������������������������������������������������ 04621 951950 Fax ������������������������������������������������������������������������������������������ 04621 20209 E-Mail����������������������������������������������������������� Kreisstelle.Schleswig@kvsh.de

Kreis Segeberg

Dr. Dieter Freese, Allgemeinarzt Tel�������������������������������������������������������������������������������������������� 04551 83553 Fax ���������������������������������������������������������������������������������������� 04551 879728 E-Mail������������������������������������������������������������ Kreisstelle.Segeberg@kvsh.de

Kreis Steinburg

Dr. Klaus-Heinrich Heger, Internist Tel���������������������������������������������������������������������������������������������� 04124 2822 Fax �������������������������������������������������������������������������������������������� 04124 7871 E-Mail������������������������������������������������������������ Kreisstelle.Steinburg@kvsh.de

Kreis Stormarn

Dr. Hans Irmer, Arzt Tel�������������������������������������������������������������������������������������������� 04102 52610 Fax ������������������������������������������������������������������������������������������ 04102 52678 E-Mail������������������������������������������������������������� Kreisstelle.Stormarn@kvsh.de

aktuell

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Vorschau

1. November 2013 Tag der Netze von 15.00 Uhr bis 21.00 Uhr • Steigenberger Hotel Conti Hansa Kiel

e z t e n s i x a r P r Tag de Wir bitten um eine Vo ranmeldung bis zum 25. Oktober 20 13 Ruth Ulmer, KVSH Telefon: 04551 883 217 E-Mail: ruth.ulmer@kvsh .de

Tag der Netze – das Programm

Referenten:

am 1. November 2013 von 15.30 Uhr bis 21. Uhr Steigenberger Hotel Conti Hansa, Schlossgarten 7, 24103 Kiel

Susanne Eble Berlin „Versorgung 2020 – weshalb wir Netze mit einem professionellen Management brauchen“ Leiterin Abt. Gesundheitsmanagement Berlin-Chemie AG, stellv. Vorsitzende BMC, Herausgeberin des Buches „Gesundheitsnetzwerke managen“

Dr. Carsten Jäger Elsterwerda „Versorgungssicherung ländlicher Regionen – eine Aufgabe für Ärztenetze?“ Geschäftsführer der ANSB Consult GmbH des Ärztenetzes Südbrandenburg

Dr. Veit Wambach Nürnberg „Regionale Versorgung und Verantwortung – Das Gesundheitsnetz QuE“ Ärztlicher Leiter QuE eG des Praxisnetzes Nürnberg Nord, 1. Vorsitzender der Agentur Deutscher Arztnetze

Sonja Laag Wuppertal „Die Art Nouveau der Arztnetze – moderne ärztliche Kunst im historischen Kollektivvertrag“ Sachgebietsleiterin Versorgungsprogramme der BarmerGEK

Podiumsdiskussion:

Moderation:

Dr. Franz-Joseph Bartmann Ärztekammer Schleswig-Holstein Randy Lehmann Leitstelle Gesundheitswirtschaft des Ministeriums für Wirtschaft – Angelika Forster AOK Nordwest – Heike Steinbach Ärztenetze Eutin-Malente e. V. (ÄNEM) – Dr. Svante Gehring HausArztNetz Nord (HANN) Dr. Monika Schliffke KVSH

Dr. Angela Borwitzky Diese Veranstaltung ist von der Ärztekammer Schleswig-Holstein mit sechs Fortbildungspunkten anerkannt.

Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein KÖRPERSCHAFT DES ÖFFENTLICHEN RECHTS


Nordlicht 10 2013 web  
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