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Preis: EUR 6,-

ZEITSCHRIFT DES | naturschutzbund | HEFT 4-2016

MEHR AKZEPTANZ FÜR FISCHOTTER & WOLF! ERSTE WOLFSFAMILIE IN ÖSTERREICH WELCHE WILDBIENEN NUTZEN EIGENTLICH WILDBIENENHOTELS?

MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete


Reihe

WAS SPENDENGELDER ERMÖGLICHEN… FOtOS: NatUrScHUtZB UNd

PrOjeKt 14

SteIerMarK (2); Pet er BUcHNer

In jeder Ausgabe stellen wir Ihnen jeweils ein beispielhaftes Naturschutzprojekt vor, das mit Spendengeldern an den | naturschutzbund | ermöglicht wurde oder daraus mitfinanziert werden konnte.

Projekt: Eindämmung von Neophyten für mehr Schmetterlinge am Hauenstein

Für dIe VIelFalt IM EINSATZ! der Hauenstein, ein seit langem außer Nutzung stehender Steinbruch im Osten von Graz, ist lebensraum für viele wärmeliebende Schmetterlinge. er ist der letzte bestehende Hügel des Mittelsteierischen Berglandes und war schon zur Zeit der Kelten eine Kultstätte. der extrem trockenwarme Standort mit seinem eichenbestand wird zunehmend durch eindringende Neophyten, allen voran die Goldruten, zum Nachteil verändert. Sie dringen massiv in das Steinbruchgelände vor, verdrängen heimische arten und verhindern die direkte Sonneneinstrahlung und die erwärmung des Bodens. dies beeinträchtigt die Verjüngung des eichenbestandes, der wiederum für die raupen des Gelben Ordensbandes (Catocala fulminea) aus der Familie der eulenfalter eine Nahrungsgrundlage bildet. Problematisch ist der Untergrund, der mit reichlich Samen der invasiven Goldrute angereichert ist. eine erprobte Maßnahme gegen die Goldrute ist die entfernung der Pflanzen durch Mahd oder ausreißen mehrmals pro jahr. In den nächsten jahren werden die Neophyten entfernt und an deren Stelle jungeichen gepflanzt. langfristiges Ziel ist es, die Neophyten dauerhaft zurückzudrängen. die Wärme und trockenheit der Kalkfelswand locken nicht nur weitere Schmetterlinge wie den Großen Feuerfalter und den russischen Bär an. auch der Grünspecht und der Neuntöter fühlen sich hier wohl. das macht den Hauenstein zu einem Schwerpunkt faunistischer Bestandserfassungen: Bisher konnte der Schmetterlingsexperte Heinz Habeler 815 Falterarten nachweisen. Mit Ihrer finanziellen Unterstützung kann der Naturschutzbund Steiermark die Pflege dieses einzigartigen Biotops durchführen und den lebensraum für Schmetterlinge nachhaltig sichern.

Invasive Neophyten wie die Kanadische Goldrute müssen am Hauenstein kurzgehalten werden, damit das Gelbe Ordensband und viele weitere Schmetterlinge auch künftig ihre Nahrungspflanzen vorfinden.

Kontakt: DI Markus Ehrenpaar Naturschutzbund Steiermark steiermark@naturschutzbund.at Ihre Spende unterstützt dieses Projekt

Spendenkonto P.S.K. IBAN AT74 6000 0501 1014 0425 BIC BAWAATWW

Winterausgabe | natur&land | 102. JG. – Heft 4-2016


edItOrIal

lIeBe leSerINNeN, lIeBe leSer, nicht von ungefähr führt der Naturschutzbund einen Fischotter in seinem Logo. Das stößt seitens vieler Angler und Teichwirte meist auf Unverständnis. Doch die Sympathie für diesen scheuen Wassermarder war ihm von den Naturschützern seit jeher sicher. Als Überlebenskünstler ist er in Österreich knapp an der Ausrottung vorbeigeschrammt und gewinnt seit etwa drei Jahrzehnten nach und nach wieder sein Terrain zurück. Das ist an sich eine Erfolgsgeschichte, wären nicht zwischenzeitlich die meisten Fließgewässer so verändert worden, dass die Fischbestände stark abgenommen haben und tonnenweise ungeeignete Jungfische von irgendwoher nachbesetzt werden. Da diese Fische aus Zuchtanstalten keine Feinde kennen und nicht an die Gewässer angepasst sind, sind sie für Fischotter eine relativ leichte Beute – eigentlich ein sinnvoller Mechanismus in der Evolution. Und logisch.

Ich wünsche Ihnen im Namen des Redaktionsteams alles Gute für das neue Jahr!

Ingrid Hagenstein Chefredakteurin

Jetzt könnte man meinen, wäre die Zeit für eine neue, naturschonende Besatzpraxis reif. Mitnichten. Obwohl es schon Fischer gibt, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und umdenken. Für die andern aber soll der Fischotter die Suppe auslöffeln, die sie sich z. T. selbst eingebrockt haben. Ihm droht in Niederösterreich nun der Abschuss, nachdem ein Antrag auf Bejagung eingebracht wurde. Der Naturschutzbund lehnt dies ab – über die Gründe berichten wir im Heft.

Wolf

TIER DES JAHRES

jedes jahr ernennt der Naturschutzbund das tIer deS jaHreS. dieses Mal ist die Wahl auf den Wolf gefallen! Hintergrund dafür ist seine rückkehr in unser land und die damit verbundene aufgeschaukelte Stimmung unter den Weidetierhaltern und jägern. das spiegelt sich besonders in der oft einseitigen Berichterstattung landwirtschaftlicher Medien wieder. es braucht also dringend positive Presseberichte zu diesem brandheißen thema. Wir tun aber noch mehr: ein Wolfsprojekt des Naturschutzbundes mit dem zentralen thema „akzeptanzsteigerung für den Wolf“ wird in den nächsten beiden jahren mit Hilfe des „Ministeriums für ein lebenswertes Österreich (BMlFUW)“ umgesetzt. Ziel ist es, mit Betroffenen die gesamte Bandbreite des themas zu diskutieren, Fehlinformationen aus der Welt zu schaffen und eine bessere akzeptanz für Wolf & co zu erreichen. FOtO: cHrIStINe SONVIlla

Winterausgabe | natur&land | 102. JG. – Heft 4 -2016

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INHalt AKTUELL

06

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Inhaltsverzeichnis

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20 jahre Nationalpark donau-auen | 25 jahre alpenkonvention

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40 jahre Wasserschaupfad Umbalfälle | Schadenersatzpflicht bei illegalen übergriffen auf geschützte tiere gefordert |

THEMA

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40 41 42 43 44 45 46 48 U2

Fischotter, Wolf FOTOS: ROBERT HOFRICHTER

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arteNScHUtZ: Mehr akzeptanz für Wolf & Fischotter: an den Gewässern müssen wir aufhören Fischotter über Fischbesatz zu füttern DI Dr. Andreas Kranz

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es war nur eine Frage der Zeit

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erste Wolfsfamilie in Österreich | Interview Fragen an den Wolfsbeauftragten dr. rauer

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Schreiben von Naturschutzorganisationen gegen die Herabsetzung des Schutzstatus von Wolf, luchs, Bär

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Interview mit johann Georg Höllbacher, leiter der nationalen Beratungsstelle Herdenschutz

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Interview mit dem Wolfsspezialisten dr. luigi Boitani

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Wolf: Offener Brief an Umweltminister rupprechter zur empfehlung 3 im Grünen Bericht

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Kommentar zur empfehlung 3 von Prof. dr. Kurt Kotrschal

Ingrid Hagenstein

PROJEKTE DES NATURSCHUTZBUNDES

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TITELBILDER:

06 07

U3

Veranstaltungen jugendseiten: tierspuren Buchtipps (Buchhandel) Bücher der landesgruppen Impressum, adressen der landesgruppen abobestellschein Shop Vorschau & Geschenkabos reihe: Was Spendengelder ermöglichen Windhager-Kooperation

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NatUrFreIKaUF 2016: Feuchtfläche in den Pischelsdorfer Fischawiesen

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NatUr VerBINdet Blumenwiesenprämierung verdienter landwirtinnen und landwirte |

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Praxistage für naturnahe Blühflächen in Gemeinden |

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Pflanzaktion für Wildbienen mit den Bundesforsten

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GrüNeS BaNd camps in Ober- und Niederösterreich |

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Pressefahrt am Grünen Band Oberösterreichs

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BIeNeNScHUtZFONdS Neues

Ingrid Hagenstein

DIES & DAS 36

Welche Wildbienenarten nutzen Wildbienenhotels? Dr. Johann Neumayer

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vielfaltleben-Gemeinde Peilstein | eU-rat für landwirtschaft: Vorschlag zum Pestizidverbot abgelehnt

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Vielfalt des Waldes kann Klimarisiken mindern | achtung vor Mährobotern

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deutschland: Vogelfütterung am Balkon erlaubt | Verbot der betäubungslosen Kastration bei Ferkeln gefordert | Pinzgau/Berchtesgaden: luchs tappte in Fotofalle

Fotografie im Blut ? Natur im Herzen ? Wir wollen Ihre Bilder !

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Die Naturbildagentur

Winterausgabe | natur&land | 102. JG. – Heft 4-2016


THEMA

MEHR AKZEPTANZ Im vergangenen Sommer wurden erstmals Wölfe in Österreich geboren und wir haben jetzt die erste Wolfsfamilie seit über 100 Jahren. Die Tiere haben Glück, denn so lange sie auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig leben, wacht das Bundesheer über sie. Doch nicht überall sind sie willkommen: Ihre vereinzelte Rückkehr nach Österreich wird besonders im Alpenraum mit seiner Weideviehhaltung von vielen Landwirtinnen und Landwirten, aber auch Jägern äußerst kritisch gesehen.

FÜR WOLF &

Der Naturschutzbund will deshalb das Thema sachlich aufgreifen und sich bei den betroffenen Bevölkerungskreisen für mehr Akzeptanz gegenüber Beutegreifern einsetzen. Das trifft auch für unser Wappentier, den Fischotter, zu. Ihm geht es zunehmend wieder „an den Kragen“ und es wird höchste Zeit auch hier die Emotionen aus dem Thema zu nehmen und mit Sachargumenten mehr Akzeptanz und Verständnis zu erreichen.

FISCHOTTER!

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FOtOS V. O.: WWF/StaFFaN WIdStraNd; WOlFGaNG ScHrUF

Mit dem Projekt „Akzeptanzförderung für Wolf und Fischotter“ wollen wir diesen Zielen näher kommen und mit Almbauern, Jägern, Anglern, Teichbewirtschaftern und Biologen an Lösungen arbeiten.

Winterausgabe | natur&land | 102. JG. – Heft 4-2016


Fischotter

Neulich saß ich im Zuge einer Fischottererhebung für das Land Oberösterreich in einer Pension in Hinterstoder. Der Pensionsinhaber, weder Fischer noch Ökologe, aber doch über die Problematik des Fischrückgangs an der Steyr informiert, fragte mich ernsthaft und ohne Sarkasmus, wovon die Otter denn leben würden, nachdem die Fischbestände zusammengebrochen wären. VON ANDREAS KRANZ

iese überlegung eines laien bringt die Sache auf den Punkt: Viele Fische, viele Fischotter, aber sicher nicht viele Fischotter und keine Fische, wie man es allzu oft in Fischerkreisen hört. Fischotter sind sehr territorial, keine Nomaden wie die Kormorane, die im Winter einmal hier und einmal dort auftauchen, Fischbestände dezimieren und dann einfach weiterfliegen. Nimmt die Nahrungsbasis für den Otter ab, so geht hiermit unweigerlich auch eine abnahme des Otterbestandes einher. einmal „leer gefressene“ Bäche werden nicht einfach verlassen, um in einem anderen Bach, der noch voller Fische ist, weiter zu fressen. dort sitzt nämlich bestimmt schon ein anderer Otter. es kommt zu auseinandersetzungen, bei denen einer unterliegt; im besten Fall zieht er weiter, aber bald sind die reserven erschöpft und das ende naht. das ist eine Möglichkeit der innerartlichen Bestandsbeschränkung: erhöhte Sterblichkeit betrifft alte und junge Otter, mitunter aber auch mittelalte Otter. die andere Möglichkeit ist eine reduzierte Geburtenrate: Gibt es weniger zu fressen, so unterdrücken die dominanten Weibchen rigoros die Vermehrung von Nebenbuhlerinnen. Wird es für sie selbst knapp, werden weniger junge geboren oder die abstände zwischen den Geburten werden länger. Im Grunde stellt sich auch in unserer Kulturlandschaft ein gewisses Gleichgewicht zwischen Otter und Fischen ein; diese regel ist nicht auf Naturlandschaften oder „Urzustände“ beschränkt. an nicht wenigen, vor allem kleinen Fließgewässern, sind die Fischbestände aber markant gesunken und doch gibt es Otter, mitunter nicht so wenige. Wie passt das zusammen? das geht nur, weil wir Menschen dauernd Fische von außen zusätzlich in den lebensraum der Otter einbringen. dies geschieht über den Besatz mit Fischen an teichen ebenso wie an den Fließgewässern selbst. diese Fische sind für den Otter nicht nur eine willkommene, sondern auch eine besonders leichte Beute. diese Fische kommen aus Fischzuchten, haben keine ahnung, was ein Otter ist, wie

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Winterausgabe | natur&land | 102. JG. – Heft 4 -2016

„AN DEN FLIESSGEWÄSSERN MÜSSEN WIR AUFHÖREN FISCHOTTER ÜBER FISCHBESATZ ZU FÜTTERN.“

Foto oben: am Kleinen Kamp in Niederösterreich ist der Otter nie verschwunden. trotzdem sind die Fischbestände akzeptabel. allerdings wird schon seit mehr als 25 jahren kein Fischbesatz mehr getätigt, es findet also keine „unbeabsichtigte Otterfütterung“ statt. FOtOS V. O.: aNdreaS KraNZ; HelMUt HeIMPel

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nur zwei, sondern sechs Monate gesäugt; weitere sechs Monate werden sie von der Mutter mit Fischen versorgt. Man kann also nicht einfach einen Otter zum abschuss freigeben. Man kann ja Männchen und Weibchen nicht unterscheiden und läuft damit stets Gefahr, dass die jungen eines erlegten Muttertieres verhungern müssen. der lebendfang ist wiederum aufwändig und wird vielerorts nicht effektiv betrieben werden können. Wir sind daher gut beraten, das „Otterproblem“, das eigentlich „Fischbesatzproblem“ heißen müsste, anders in den Griff zu bekommen: an den Fließgewässern müssen wir aufhören Otter über Fischbesatz zu füttern. Kleine teiche muss man otterdicht einzäunen und an großen teichen wie den Waldviertler Karpfenteichen, die man in vielen Fällen nicht einzäunen kann, müssen die Schäden am Fischbestand besser entschädigt werden. damit wären die entscheidenden Schritte getan, um mehr akzeptanz unter Fischern, anglern und teichwirten zu erreichen. Infos: www.naturschutzbund.at (>>Positionen; Presse; natur&land)

Text: DI Dr. Andreas Kranz, alka-kranz Ingenieurbüro für Wildökologie und Naturschutz; Fischotterombudsmann für das Burgenland und die Steiermark; andreas.kranz@alka-kranz.eu

Wolf ES WAR NUR EINE FRAGE DER ZEIT… …wann sich die ersten Wölfe in Österreich niederlassen würden. Nach einem Jahr heftiger Reaktionen gegen durchziehende Wölfe war es diesen Sommer so weit. In geschütztem Umfeld auf einem niederösterreichischen Truppenübungsplatz gründeten Wölfe erstmals seit ihrer Ausrottung wieder eine Familie. Ein Erfolg für den Artenschutz und eine Herausforderung für Landwirte. Höchste Zeit also die Konfliktfelder rund um das Thema Wolf anzugehen. VON INGRID HAGENSTEIN amit ist in erster linie die akzeptanz für den Wolf innerhalb von landwirtschaft und jägerschaft gemeint. Sie zu verbessern muss ein anliegen der nächsten jahre sein. denn zu lange schon nährt sich das Feindbild Wolf von jahrhundertealten Vorurteilen und fehlender erfahrung mit ihm in den vergangenen rund 150 jahren. Seit der letzte Wolf 1882 im Steirischen Wechselgebiet erlegt wurde und die Wolfspopulation in unserem land erlosch, verlernte es der Mensch ab dieser Zeit mit dem Beutegreifer umzugehen. Mindestens so lange ignorierte man die rolle der Wölfe als natürliche regulatoren ihrer Hauptbeutetiere Hirsche, rehe und Wildschweine. Untersuchungen zeigen mittlerweile diesen wichtigen einfluss auf gesunde Wildtierpopulationen. dies trifft

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THEMA

Interview

WOLF: KEIN WEG FÜHRT AM HERDENSCHUTZ VORBEI irgendwo bläst den Wölfen ein rauerer Wind entgegen als von Landwirtschaftsseite. Die almwirtschaftlichen Verbände im Alpenraum, darunter neun österreichische Alm- und Bergbauernvereine, forderten im Juni 2016 die Einführung von großraubtierfreien Zonen (s. Beitrag S. 13). Besonders auch deshalb, da vorbeugende Maßnahmen zum Herdenschutz von vorneherein u. a. als unzumutbar gewertet werden. Seit 2011 gibt es die „Nationale Beratungsstelle Herdenschutz“, gegründet von der Konferenz der Agrarreferenten aller österreichischen Bundesländer, die den Landwirten Hilfestellung bietet. Wir haben den Leiter der „Nationalen Beratungsstelle Herdenschutz und Obmann des Österreichischen Bundesverbandes für Schafe und Ziegen, Johann Georg Höllbacher, über Aufgaben, Maßnahmen und Hürden beim Herdenschutz befragt:

N

Schließen sich Almwirtschaft und Wolf Ihrer Ansicht nach aus? Wenn nein, was sind die Alternativen? Höllbacher: Nicht zur Gänze. je nach Gegebenheit und Struktur der alm braucht es die unterschiedlichsten Herdenschutzmaßnahmen oder bei nicht zu schützenden almflächen die auflassung der Bewirtschaftung. Was kann Herdenschutz zur Vorsorge gegen Verlust von Weidetieren bewirken? Höllbacher: er kann übergriffe auf Nutztiere weitgehend verhindern oder einschränken. Wie nehmen die Almbäuerinnen und -bauern die Beratungsstelle an? Höllbacher: Soweit mir bekannt ist, sehr gut, aber mit großer Skepsis ob der großen Herausforderung. Welche Herdenschutzmaßnahmen eignen sich in Österreich am besten? Höllbacher: das ist schwer zu sagen. In Österreich gibt es keine erfahrungen dazu. ein Umzäunungsprojekt im lungau wird derzeit erfolgreich umgesetzt, während die Behirtung und der einsatz von Herdenschutzhunden nicht so einfach umzusetzen sind, wie allgemein angenommen. Beispiele aus der Schweiz und deutschland zeigen, dass raubtiersichere Zäunung, Nachtpferch, Behirtung und der einsatz von Herdenschutzhunden am wirksamsten

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sind, es im alpinen Bereich aber eine große Belastung für die Bauern bedeutet. Warum wehren sich viele Landwirtinnen und Landwirte gegen einen Herdenschutz? Höllbacher: Schutzmaßnahmen sind in Österreich weitgehend unbekannt und deshalb auch schwer vorstellbar. Man muss sich nur eine mehrere hundert Hektar große, unwegsame Fläche vergegenwärtigen, die vor raubtieren zu schützen ist. das erscheint vielen unvorstellbar und sie fragen sich, wie das gehen soll, diesen enormen arbeitsaufwand und die Kosten zu leisten. deshalb wird es notwendig sein, rahmenbedingungen zu schaffen. der einsatz von Herdenschutzhunden ist eine große Herausforderung für landwirte und die Gesellschaft, angefangen über die artgerechte Haltung (tierschutzgesetz), aufklärung der Bevölkerung, über Bedrohung und lärmbelästigung durch Hunde, richtiges Verhalten bei Begegnungen von Herdenschutzhunden und die Schuldfrage bei übergriffen durch falsches Verhalten usw. Viele glauben, dass Herdenschutz mit Hunden die Bevölkerung nicht betreffen würde. das stimmt nicht. Gerade Wanderer werden davon stark betroffen sein, wenn sie mit diesen Hunden in Berührung kommen. Hier braucht es zum einen klaren gesetzlichen Schutz für landwirte, damit sie nicht allein die last der Verantwortung tragen müssen, wenn es zu Zwischenfällen mit Wandernden kommt. Zum anderen braucht es auch aufklärung der Bevölkerung, wie sie sich Herdenschutzhunden gegenüber verhalten soll. www.herdenschutz.at | www.herdenschutzschweiz.ch

Inteerview: I. Hagenstein

Herdenschutz mit speziell dafür gezüchteten Hunden ist hierzulande noch eine Seltenheit. FOtOS: ÖBSZ

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FOtO: jOHN lINNel/IUcN

THEMA

Interview „NICHT WEGRENNEN!"

Im SPIEGEL-Gespräch vom Frühjahr 2015 erklärt der italienische Ökologe Luigi Boitani, woher die Angst des Menschen vor dem Wolf kommt – und warum sie übertrieben ist. Aufgrund eigener Erfahrungen beschreibt er, wie die Koexistenz mit dem Raubtier gelingen kann.

luigi Boitani, 70, wollte sich nach dem Biologiestudium eigentlich der erforschung der Montecristo-Ziege widmen; doch dann bat ihn ein Kollege, vorher noch kurz bei einem Wolfsprojekt zu helfen. das war vor mehr als 40 jahren. Seither hat ihn die Faszination für die raubtiere nicht mehr losgelassen. Boitani lehrt an der Universität la Sapienza in rom. er hat die rückkehr der Wölfe in viele europäische länder wissenschaftlich begleitet. als Vorsitzender der „large carnivore Initiative for europe“ in der Weltnaturschutzunion IUcN berät er die eUKommission, wie die raubtiere zu schützen sind und die Koexistenz mit ihnen gelingen kann. er hat mehr als 300 wissenschaftliche aufsätze veröffentlicht, vor allem über die Beutegreifer Wolf, Braunbär, luchs und Vielfraß.

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SPIEGEL: Herr Professor, in den vergangenen Wochen sind in Norddeutschland einzelne Wölfe durch Dörfer gestreift, einer wurde in der Nähe eines Waldkindergartens gesehen. Müssen wir uns Sorgen machen? Boitani: Gegenfrage: Wie viele Menschen sind in letzter Zeit in europa von Wölfen gefressen worden? SPIEGEL: Wir wissen von keinem... Boitani: richtig. aber der Wolf ist dennoch für viele Menschen der Inbegriff des raubtiers. die Furcht vor ihm ist teil unserer Kultur – ähnlich wie die Furcht vor Schlangen, auch wenn nur ein Bruchteil von ihnen giftig ist. In Finnland beispielsweise ist die angst vor Wölfen ebenfalls weit verbreitet. Im vergangenen jahr haben wir finnische teilnehmer einer artenschutzkonferenz gefragt, woher das kommt. Sie sagten, in Finnland sei jemand von Wölfen getötet worden. Wir fragten, wie lange das her sei. Ihre antwort: etwa 400 jahre.

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FOtO: c. PrOMBerGer/IUcN

INTERVIEW WOLF

wiesen. die Bedingungen in europa sind gut für Wölfe. es gibt regionen, im Gebirge oder auch im Osten deutschlands, aus denen sich die Menschen weitgehend zurückgezogen haben; und die Wälder sind voller Wild. Was mich an Wölfen am meisten begeistert, ist ihre ungeheure Flexibilität. Sie kommen fast überall zurecht - solange man sie nicht abschießt. SPIEGEL: Das ist ja in den meisten europäischen Ländern streng verboten. Könnten heutige Wolfsgenerationen ihre Scheu vor Menschen auch genau deswegen verlieren? Boitani: Wölfe sind sehr schlaue tiere. die jungen lernen von den älteren. Bedenken Sie, dass wir den Haushund aus dem Wolf gezüchtet haben. Und Hunde können alles lernen! Wir müssen nicht aus jeder Generation ein paar tiere schießen, damit die natürliche Scheu vor Menschen erhalten bleibt. aber man muss das von Fall zu Fall entscheiden. Ich habe nichts dagegen, wenn ein Wolf, der zu viel Ärger macht, erschossen wird. Ich bin artenschützer, aber ich gehöre nicht zu den Wolfsliebhabern, für die jedes einzelne tier heilig ist und unter allen Umständen geschützt werden muss. Mit dieser Haltung tut man auch den Wölfen keinen Gefallen. Man könnte sich auf ein System mit unterschiedlichen Zonen verständigen: In einigen würde der Wolf absoluten Schutz genießen, und in anderen, dichter besiedelten etwa, würde man die Population kleiner halten. die Koexistenz von Mensch und Wolf ist ein Kompromiss, genau wie jede andere art des Zusammenlebens. Sie funktioniert nur, wenn Menschen jene Schäden, die Wölfe verursachen, bis zu einem gewissen Maß tolerieren. Und Wolfsfreunde müssen akzeptieren, dass Wölfe unter bestimmten Umständen auch getötet werden können. SPIEGEL: Wie viel Schaden muss man denn in Kauf nehmen? Boitani: das muss jedes land für sich entscheiden. die Schweizer zum Beispiel haben ein Wolfskonzept, das typisch für dieses fantastische land ist. Wenn Sie ein Wolf sind und in der Schweiz leben wollen, sind Sie willkommen und stehen unter artenschutz. Sie dürfen auch Schafe reißen. aber höchstens 25. Beim 26. Schaf sind Sie tot.

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SPIEGEL: Wer soll die denn zählen? Boitani: auf jeden Fall sollte das Wolfsmanagement zentral organisiert werden, besonders in föderalen ländern wie deutschland. Sie müssen nicht andauernd das rad neu erfinden. es sollte eine Stelle geben, an die sich zum Beispiel Schäfer mit ihren jeweiligen Problemen wenden können. deutschland kann von den erfahrungen profitieren, die andere länder längst gemacht haben – Italien, Polen, rumänien. SPIEGEL: Haben Sie auch einen Rat für Politiker, die besorgten Bürgern schnell Lösungen präsentieren müssen? Boitani: Mein erster rat lautet: keine Panik. die Politik muss sich die richtigen Berater holen weder missionarische Wolfsschützer noch Interessensgruppen wie jäger oder Schäfer, sondern seriöse Wissenschaftler. es gibt sehr gute leute in deutschland. Gemeinsam mit solchen experten kann man ein nationales Forum aufbauen, in dem dann auch lobbygruppen zu Wort kommen können. Und den Sorgen der Bürger muss man mit Informationen begegnen. SPIEGEL: Also noch mehr Wolfsvorträge? Daran herrscht in Deutschland mittlerweile kein Mangel. Boitani: Nicht nur. Schon in Kindergärten und Schulen kann ein anderes Bild von Wölfen vermittelt werden als jenes, das von uralten Ängsten geprägt ist. Vorträge, dokumentationen im Fernsehen, das alles ist wichtig. aber noch wichtiger sind persönliche Begegnungen. Nur wenn sie die machen, verstehen die leute, dass Wölfe tiere sind wie alle anderen auch. Bringt die Menschen dahin, wo die Wölfe leben, lasst sie zuhören, wie die tiere nachts heulen, zeigt Kadaver von Wolfsrissen, Fährten, Kot – zeigt alles! SPIEGEL: Wolfskot? Boitani: ja. der sieht aus wie der von Hunden, aber riechen Sie mal dran! der Gestank ist entsetzlich. den vergessen Sie Ihr leben lang nicht. © SPIEGEL 16/2015; Abdruck mit Genehmigung des Spiegel-Verlags Rudolf Augstein GmbH & Co. KG Hamburg (Redakteurin: Julia Koch) sowie von Professore Ordinario Dr. Luigi Boitani, Università di Roma

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THEMA

Offener Brief an Umweltminister Andrä Rupprechter zur „Empfehlung 3“ im „Grünen Bericht Österreich 2016“: Bejagung von Wölfen WWF und Naturschutzbund fordern darin ein Ende der Hetze auf heimische Beutegreifer und eine Absage des Ministers an eine gesetzwidrige Empfehlung: Wien, am 27. September 2016 Sehr geehrter Herr Umweltminister, mit großem Interesse haben wir den kürzlich erschienenen Grünen Bericht zur Situation der land- und Forstwirtschaft in Österreich gelesen, der als wichtiger offizieller überblick auch uns Naturschutzorganisationen umfassende Informationen bietet. entsetzt waren wir jedoch über „empfehlung 3 betreffend Wolf und almweiden“ in diesem Bericht. In dieser empfehlung werden Sie von der so genannten §7-Kommission (bestehend aus je einem Vertreter der Parlamentsparteien, der Bundesarbeitskammer, der landwirtschaftskammer, der Wirtschaftskammer und des ÖGB) ersucht, auf die Bundesländer hinsichtlich einer Änderung der jagdgesetze einzuwirken. diese mögen dahingehend abgeändert werden, dass der Wolf im alpenraum ganzjährig bejagt werden darf, um schließlich einen wolffreien alpenraum zu ermöglichen. Selbstverständlich sollen im Grünen Bericht auch kritische dinge – wie die rückkehr des Wolfes und die damit verbundenen auswirkungen auf die almwirtschaft – beleuchtet werden. aus unserer Sicht hat jedoch der einbringer dieser empfehlung, Herr robert Zehentner, ebenso wie jene Mitglieder der Kommission, die dieser empfehlung zugestimmt haben, jegliches augenmaß verloren. Zum einen ist die Freigabe der jagd auf Wölfe und die Schaffung von wolfsfreien Zonen nicht mit geltendem eU-recht und somit auch nicht mit der nationalen Gesetzgebung vereinbar. Wölfe dürfen in Österreich nur in gut begründeten ausnahmefällen erlegt werden. Im Gegenteil, Österreich ist verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, damit diese streng geschützte art einen „günstigen erhaltungszustand“ erreicht. durch entsprechendes Management wäre das auch machbar, wie Beispiele aus unseren Nachbarländern zeigen. Zum Zweiten würde die eindämmung der teilweise noch immer sehr kleinen Wolfsbestände jahrzehntelange artenschutzbemühungen zunichtemachen. In zahlreichen, auch aus eU-Mitteln geförderten Projekten hat man in gesamteuropäischer anstrengung Maßnahmen gesetzt, damit ehemals ausgestorbene tierarten wie der Wolf wieder heimisch werden. auch nationale Bemühungen wie etwa die arbeit der Koordinierungsstelle für Bär, luchs und Wolf, die maßgeblich für den Managementplan Wolf verantwortlich zeichnet, werden damit vom tisch gewischt. Zum dritten muss der Fokus auf der Verbesserung des Herdenschutzes liegen, wenn Schäden an Nutztieren langfristig gering gehalten werden sollen. Fakt ist, dass übergriffe von großen Beutegreifern vor allem in ungeschützten Herden geschehen. auch in dieser Hinsicht zeigen die empfehlungen im Grünen Bericht eine deutliche Unkenntnis der Sachlage. Viele länder, u.a. die Schweiz zeigen, dass Weidehaltung und Wolf sehr wohl kombinierbar sind und Schäden deutlich reduziert werden können, wenn den Nutztierhaltern kompetente Beratungsstellen zur Seite stehen und diese geeignete Maßnahmen aufzeigen - wozu tierhalter grundsätzlich gesetzlich auch verpflichtet sind (vgl. §19 des österreichischen tierschutzgesetzes zum Schutz von nicht in Unterkünften untergebrachten tieren vor raubtieren). Studien in europa und Nordamerika zeigen zudem, dass sich durch den abschuss einzelner Wölfe in 70 Prozent der Fälle kein rückgang der übergriffe auf Nutztiere nachweisen lässt. Solche eingriffe in die soziale Struktur von Wolfrudeln erweisen sich oftmals sogar als kontraproduktiv. der abschuss eines elterntieres kann beispielsweise dazu führen, dass Wölfe ihr jagdverhalten ändern und auf leichter zu erbeutende tiere wie ungeschützte Schafe ausweichen. Wäre die expertise etwa der Wolfsbeauftragten der Bundesländer oder der Betreiber der Österreichischen Beratungsstelle Herdenschutz im Grünen Bericht beigezogen worden, hätten diese ein wesentlich differenzierteres Bild zeichnen können.

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PROJEKTE DES NATURSCHUTZBUNDES

on Frühling bis Herbst erfreuen sie das auge, zudem sind sie Nahrungsgrundlage und sogar lebensraum für viele tiere: artenreiche, bunte Blumenwiesen. Besonders engagierte landwirte wurden für ihre vorbildhafte Naturwiesen-Pflege am 14. September 2016 im rahmen der Kampagne NatUr VerBINdet ausgezeichnet. lKÖVize-Präsident Franz reisecker, Naturschutzbund-Präsident roman türk und Sektionschef Günter liebel überreichten die Urkunden. die ausgezeichneten Flächen wurden aus allen Blumenwiesen ausgewählt, die als Beitrag zur Kampagne NatUr VerBINdet gemeldet worden waren. Bewertet wurden ökologische Kriterien wie Pflanzenvielfalt, seltene arten, Strukturvielfalt, lage und Größe der Fläche und Vernetzung mit

V

„BLUMENWIESEN

VerdIeNter laNdWIrt

FOtOS V. O.: BINdreIter; cHrIStINe PüHrINGer; HaNS Glader

Umweltministerium, Landwirtscha belohnten großen Ein GERHARD UND MARIA BINDREITER, SCHÖNAU (OÖ) werden für fast 12 ha Naturschutzflächen (WF) als überlebensraum v.a. für bedrohte Wiesenvögel im intensiv genutzten Unteren Mühlviertel ausgezeichnet. Neben den Produktionsflächen werden seit 2002 im ÖPUl insgesamt 24 Feldstücke im Sinne des Naturschutzes extensiv bewirtschaftet. düngeverzicht und späte Mahd erhöhen nicht nur die Blütenvielfalt. Vor allem bodenbrütende Vogelarten und Insekten profitieren davon. das engagement der Familie Bindreiter ist beispielhaft dafür, wie ein landwirtschaftsbetrieb sich für den Naturschutz einsetzt und ihn in Form abgestufter Nutzungsintensität in den betrieblichen alltag integriert.

Neben ihren Produktionsflächen bewirtschaftet Familie Bindreiter im ÖPUL insgesamt 24 Feldstücke im Sinne des Naturschutzes extensiv. Die Mähtermine erlauben es bestimmten bodenbrütenden Vogelarten wie der Goldammer die erste Brut durchzubringen. Die NATUR-VERBINDET-Feldtafeln informieren die Anwohner, dass diese WF-Flächen nicht ungepflegt, sondern Rückzugsflächen für die Natur sind.

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PROJEKTE DES NATURSCHUTZBUNDES

N-PRÄMIERUNG“

tINNeN UNd laNdWIrte

aftskammer und Naturschutzbund nsatz für Blühflächen

anderen Blühflächen. „die Beurteilung der Flächen war eine große Herausforderung, da wir aus ganz Österreich so viele und auch ganz unterschiedliche Blumenwiesen genannt bekamen. deshalb freue ich mich ganz besonders, dass wir auch bei den ausgezeichneten Wiesen die große Vielfalt widerspiegeln können!“, sagt NaturschutzbundPräsident roman türk. „Viele Bauern leisten einen großen Beitrag zum Naturschutz, oft als unbewusstes ergebnis ihrer arbeit. eine tragfähige landwirtschaft und gesunde und intakte Naturräume brauchen einander. Wie großartig Bauern das machen, zeigt die Vielfalt an Flächen der heute ausgezeichneten landwirte. die Wertschätzung und das danke der Öffentlichkeit kommen mit dieser auszeichnung zum ausdruck“, sagte landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes. www.naturverbindet.at www.naturschutzbund.at/Naturverbindet

FOtOS: HeIdeGGer

FOtO: WOlFGaNG ScHrUF; HINterGrUNdBIld: BIrGIt MaIr-MarKart

Von l./1. R.: Niedermayer; F. Glabischnig; G. Bindreiter; J. Heidegger; Maggie Entenfellner (Moderation); 2. R. v. l.: F. Pfefferkorn; R. Türk; J. Findling; M. Pfefferkorn; J. Müllner; F. Ulber; M. Heidegger; M. Bindreiter; Günter Liebel (BMLFUW); M. Häuselhofer; J. Pennerstorfer (i. V. R. Kikinger); F. Reisecker; Anton Reinl (LKÖ)

MARIA-LUISE UND JOSEF HEIDEGGER TRINS IM GSCHNITZTAL (TIROL) Familie Heidegger vom Gidnhof bekommt die auszeichnung für eine alpine Bergwiese, die sie mit viel Handarbeit auf ihrem Nebenerwerbsbetrieb in trins erhält. die drei ha große Fläche auf etwa 2.000 m Höhe bearbeiten sie gemeinsam mit Freunden. Wenn auch anstrengend, ist es für die Familie eine besonders schöne Zeit. Beim Mähen kommt zum teil die Sense zum einsatz, die Bringung ist ausschließlich händisch möglich. das Heu wird dabei entweder mit Planen oder mit einem Holzschlitten transportiert. die Blütenvielfalt der Wiese ist schon vom Frühling an überwältigend. die Mahd alle 1-2 jahre hilft diese prächtige Bergwiese zu erhalten. Die Bergwiese liegt auf etwa 2.000 Metern. Die Blütenvielfalt aus Enzianen, Arnika und vielen mehr ist überwältigend. Die Mahd alle ein bis zwei Jahre erhält die große Blumenvielfalt. Insgesamt werden 12 ha Grünland im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Bringung des Bergheus ist nur händisch auf einem Schlitten möglich. Der Großteil wird in einem Stadel gelagert und im Herbst zu Tal gebracht.

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PROJEKTE DES NATURSCHUTZBUNDES

PRAXISTAGE Für NatUrNaHe BlüHFlÄcHeN IN GeMeINdeN Naturnahes Gestalten von öffentlichen Flächen ist ein Thema, das viele interessiert. Zwei NATUR VERBINDETPraxistage ermöglichten Einblicke, wie es gehen kann und worauf es ankommt. ine Stadtgrenze bildet nicht automatisch auch die Grenze zur Natur. denn naturnah gestaltete Blühflächen im öffentlichen raum erhöhen die diversität von Flora und Fauna und sind ganz nebenbei auch optisch ein leckerbissen. das ungenutzte Naturschutzpotenzial vieler unbeachteter Flächen wie Straßenränder, Böschungen, Brachen oder Parkanlagen ist groß und wird doch selten genutzt.

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FOtOS: KONStaNZe ScHÄFer

anhand von Praxisbeispielen erhielten die teilnehmenden einen eindruck davon, was alles im öffentlichen raum möglich ist.

Praxistag in Wels/OÖ. josef limberger, Naturschutzbund-Obmann in OÖ, präsentierte in seinem referat mit eindrucksvollen Bildern das Naturpotenzial von Parks, Uferböschungen oder Verkehrsgrün. reich an heimischen Pflanzen sollen sie sein, die Blühflächen, und natürlich auch möglichst einfach und wenig aufwändig in anlage und erhaltung. Ob und wie das geht, was man dabei beachten muss und welche erfahrungen sie gemacht haben, zeigten der landschaftsarchitekt Markus Kumpfmüller sowie Irmgard aigner und christoph Haslmayr von den Stadtgärten Wels den mehr als 60 teilnehmenden einige der referenten beim Praxistag: anhand von Beispielen. das Interesse an der Veranstaltung von NaturOÖ-Obmann josef limberger, landschaftsarchitekt Markus Kumpfmuel- schutzbund, rewisa Netzwerk und der Stadt Wels am 12. Oktober war ler und Stadtgärtner christoph Hasl- so enorm, dass viele auf einen weiteren termin vertröstet werden mayr. mussten. Dieser zweite Praxistag wird ganztägig am 11. 5. 2017 in Wels stattfinden. Interessierte können sich schon jetzt anmelden: gudrun.sturm@bundesverband.at

Praxistag in Lamprechtshausen bei Salzburg. „jeder kann etwas tun, damit unsere Orte und unser land aufblühen“ war das Motto des Workshops ende September, das der Naturschutzbund Salzburg gemeinsam mit dem land Salzburg und der Gemeinde lamprechtshausen veranstaltete. angesprochen waren vor allem Praktiker aus den Bauhöfen, die tagtäglich mit den arbeiten auf öffentlichen Flächen der Gemeinden und an Straßen konfrontiert sind, aber auch

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PROJEKTE DES NATURSCHUTZBUNDES

NeUeS VOM BIENENSCHUTZFONDS Im Sommerheft haben wir Ihnen von den Nisthilfen-Baukursen in Volksschulen und den Tiroler Seminaren zur naturschonenden Pflege von Gemeindeflächen berichtet. In der Zwischenzeit ist bei den Projekten des Bienenschutzfonds von Hofer und | naturschutzbund | wieder viel passiert. Von (Wild)Bienen, Blühstreifen und Kürbisbestäubung leisdorf… sfeld bei G h c u rs e V en am Blühstreif

…und anfang September die Kernernte

In diesem zweijährigen wissenschaftlichen Pilotprojekt soll herausgefunden werden, ob ein verstärktes Blütenangebot an Kürbisfeldern mehr Bestäuber anlockt, ob sich das auf den Kürbiskernertrag auswirkt und ob eine starke Hummelpopulation in der Nähe von Kürbisfeldern aufgebaut werden kann, die die Bestäubung der Kürbisse fördert. Um vergleichen zu können, wurden Kürbisfelder mit und ohne Blühstreifen bei mehreren landwirtinnen und landwirten im Südburgenland (Gemeinden St. Martin/raab und Neuhaus/ Klausenbach) und in der Südsteiermark (Gleisdorf) angelegt. Während der Kürbisblüte dokumentierten die Projektleiter Kathrin Grobbauer und joachim tajmel die Bestäu-

berinsekten. Starke SommerUnwetter bei Gleisdorf machten leider eine Projektfläche zunichte. anfang September begann die erntephase. Bei der Kürbis(kern)ernte in St. Martin halfen sogar die Kinder der Naturpark-Volksschule tatkräftig mit. anschließend wurden die Kerne zur Saatzucht Gleisdorf zum trocknen gebracht. Wie die Qualität der Kerne, das sog. Korngewicht ausgefallen ist, welche Insekten die Kürbisblüten besucht haben und ob die Blühstreifen auswirkungen auf den Kernertrag haben, werden wir ende des jahres 2016 erfahren. 2017 wird das gleiche noch einmal wiederholt, um möglichst aussagekräftige daten zu bekommen.

Streuobstwiesen-Initiativen im Naturpark Obst-Hügelland der der en“ halfen die Kin Beim „großen ernt g mit! ißi fle ) gl. (B Martin Naturpark-VS St.

die Vielfalt beeindruck te die Besu beim tag de cher r alten Ob stsorten.

FOtOS S. 34/35, V. l. O.: KatHrIN GrOBBaUer (2); jOacHIM tajMel; jUlIa KrOPFBerGer (3); alexaNder WürteNBerGer (3)

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Streuobstwiesen zählen nicht nur zu den artenreichsten lebensräumen Österreichs, sie beherbergen auch einen großen Schatz an Obstsorten. über 3.000 verschiedene apfelsorten gibt es in Mitteleuropa, viele von ihnen findet man nur in Streuobstwiesen. Nur eine Handvoll davon gelangt in den Handel.

„Tag der alten Obstsorten“: Um das Bewusstsein für diese Vielfalt zu stärken, veranstalteten der Naturschutzbund OÖ, Bio austria Oberösterreich und der Naturpark Obst-Hügel-land anfang Oktober 2016 einen „tag der alten Obstsorten“ in Scharten. die Besucher hatten die Möglichkeit, unbe-

kannte apfel- und Birnensorten aus dem eigenen Obstgarten mitzubringen und vom Pomologen dr. Siegfried Bernkopf und seinen Mitarbeitern Gabi und Klaus Strasser bestimmen zu lassen. die Früchte konnten auch verkostet werden. ein vielfältiges rahmenprogramm bot für jeden etwas: Informationen zur anlage und erhaltung von Streuobstwiesen, köstliches chutney aus Fallobst oder die richtige ObstbaumSchnitttechnik, gezeigt von der Bio-Baumschule junger in dorf/Pram. Vorgestellt wurde auch das Projekt „Obstklaubm – nix vawiastn“, bei dem asylwerber und freiwillige Helfer aus Scharten dafür sorgen, dass liegenge-

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BIENENSCHUTZFONDS

bliebenes Streuobst einer sinnvollen Verwertung zugeführt wird. Kinder konnten frischen apfelsaft pressen, Nützlingsunterkünfte und Nistkästen bauen. Weitere Partner des Projektes sind Bund, land Oberösterreich und die europäische Union

„72 h ohne Kompromiss Obstklaubm“: Zwölf jugendliche des Werkschulheims Felbertal und ihre lehrerin setzten sich vom 20. - 22. Oktober 2016 im rahmen von „72 h ohne Kompromiss“ im Naturpark Obst-Hügelland mit viel engagement ein.

Österreichs größte jugendaktion wurde von der Katholischen jugend Österreich in Zusammenarbeit mit youngcaritas und Hitradio Ö3 organisiert. die ersten zwei tage renovierten sie den Kursraum des Flüchtlingsheimes in leppersdorf. am dritten und letzten tag ging es hinaus in die Streuobstwiese: Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des Naturschutzbundes wurde eifrig Obst gesammelt. ein kleiner teil wurde gleich selbst von den jugendlichen zu apfelsaft verarbeitet und verkostet.

m… Obstklaub hen beim c li d n e g die ju

Krokusse für Bienen und andere Bestäuberinsekten Im vergangenen jahr startete der Bienenzuchtverein Hippach-ramsau-Schwendau gemeinsam mit dem Naturpark Zillertal im hinteren Zillertal das Projekt „Blühende Gemeinden“, bei dem Schulkinder tausende Krokuszwiebeln pflanzten. Im heurigen Frühling waren diese eine erste Nahrungsquelle für die Bienen, zu denen auch die Hummeln gehören. das Projekt gefiel dem Naturschutzbund und Hofer so gut, dass es 2016 im rahmen des Bienenschutzfonds fortgeführt und das einsatzgebiet auf das ganze Zillertal ausgedehnt wurde. Bienenexperten der Bienenzuchtvereine Hippachramsau-Schwendau und Zell a. Ziller kamen in die Schulen und führten in das Bienenthema ein. So beteiligten sich heuer zehn Gemeinden und Schulen mit 400 Kindern, die im Herbst 15.100 biologisch produzierte Krokuszwiebeln pflanzten. dazu wurden von

Oktober bis anfang November eigens „Krokusfeste“ für die Schulen, Gemeinden und eltern veranstaltet, bei denen jedes Schulkind ein Sackerl mit Krokuszwiebeln für den Garten und Gemeindeflächen geschenkt bekam. die Krokusfeste wurden sogar in einem Kurzfilm festgehalten. Ziel der Initiative ist es, sowohl den Kindern als auch den eltern das Universum Biene näher zu bringen und zu zeigen, dass jeder in seinem Umfeld aktiv werden kann. 2015/16 beteiligten sich insgesamt 800 Schulkinder aus 17 Volksschulen und pflanzten rund 24.000 Krokuszwiebeln. die Krokusse werden sich in den Folgejahren wie von selbst vermehren und Menschen wie Bienen erfreuen. Ha Beteiligte Schulen: VS Tux | VS Zell | VS Ginzling | VS Mayrhofen | VS Stumm | VS Fügen |VS Aschau | VS Kaltenbach | VS Ried | VS Hart

…und danach beim Saftpres sen

tal die Kinder der VS Hart/Ziller ln ebe zwi kus Kro beim Setzen der

die Bienenex perten Walte Würtenberge r r und Heinric leo, alex h Wurm (v. l.)

Infos zu den Projekten inkl. Film über die Krokusfeste: www.naturschutzbund.at/Projekte/ Bienenschutzfonds Unterstützt aus Mitteln des Bienenschutzfonds

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elle hrungsqu e erste Na in ) e d d il B in s m e (i ienen Krokuss nd Honigb für Wild- u

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WildbienenNisth Bausatz für ilfen: Kinder am En d des Heftes e

DIES & DAS

WELCHE WILDBIENEN NUTZEN eIGeNtlIcH WIldBIeNeNHOtelS?

anche leute streiten gern über Begriffe, z. B. ob Bienenhotels Hotels sind. Nun, diese bieten jedenfalls kein Service, und putzen müssen die Bewohner auch selbst. es sind also eher Wohnungen, genauer gesagt Kinderstuben oder Nisthilfen. auf keinen Fall sind sie Insektenhotels, denn laufkäfer, HeuNisthilfen benützen u. a. schrecken und libellen >BLATTSCHNEIDER- können unmöglich darin zu BIENEN (2) Hause sein. Und, so wichtig >LÖCHERB. (6) Bienen sein mögen, mit knapp >MASKENB. (7) 700 arten in Österreich stellen sie >MaUerBIeNeN keine 2 % der heimischen Insek4 GeHÖrNte M. tenwelt. 5 rOte M. aber sind sie wenigstens für >ScHereNB. (1) alle Bienen von Nutzen? Wie >WOllBIeNeN (3) >SCHLUPFWESPEN immer geht auch hier kein Weg am differenzieren vorbei: Nur ca. >GOLDWESPEN 20 % der einheimischen Bienen>KEULENWESPEN arten, also um die 140 arten, bauen ihre Nester in Käferfraßgängen von totholz, einige nagen auch selbst Gänge in morsches Holz. Und nur sie besiedeln die klassischen Wildbienennisthilfen mit angebohrten laubholzstämmen und Schilfhalmen. Zusätzlich zu diesen nutzt eine erkleckliche anzahl an Grabwespen, also der Gruppe, aus der sich die Bienen entwickelt haben, diese Nisthilfen, ebenso einige Faltenwespen und Wegwespen. Natürlich nisten in den engen löchern nur solitäre arten. Für staaText: tenbildende Wildbienen wie z. Dr. Johann B. den Hummeln fehlt schlicht Neumayer, der Platz. daher ist auch mit keiBiologe und Bienenexperte, nerlei angriff eines sich verteidiNaturschutz- genden Volkes zu rechnen. dazu bund kommen viele Parasitoide (Haut-

M

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flügler wie z. B. Schlupfwespenlarven), die sich von Bienenlarven ernähren, und auch Kleptoparasiten (Keulenwespen und Goldwespen), die ei und Vorräte stehlen und verzehren. In Summe ist es eine erkleckliche anzahl vor allem an Hautflüglern, die sich an die Besiedlung von Fraßgängen in stehendem totholz angepasst haben: denn trockenere Plätze als einen toten stehenden Baum hat die Natur nicht zu bieten. Und viele darunter, wie Mauer- und Blattschneiderbienen sind wichtige und effiziente Bestäuber von Obst und Blumen und die kleinsten Grabwespen tragen Unmengen an Blattläusen als larvennahrung ein. Natürlich sollte man, wenn man ein Bienen„hotel“ aufstellt, auch an die bodennistenden Bienenarten denken und ihnen Nistmöglichkeiten geben: ein besonnter Sandhaufen, vegetationsfreie trittstellen, ja ein nicht zu perfekt aufgeräumter Garten bieten vielfältige Nistmöglichkeiten für ei5 ne Vielzahl an Bienenarten. Sogar Pflanzkübel mit wenig gegossenen Sukkulenten werden nicht selten besiedelt. Wer Bienen Nistplätze anbietet, sollte auch für Nahrung durch ein vielfältiges Blütenangebot sorgen – was sich eigentlich von selbst versteht. Und damit sind wir schon beim übergeordneten thema: es geht nichts über einen Naturgarten!

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FOtOS: j. NeUMaYer (1,2,3); W. ScHrUF (4,7); j. GePP (5); GIdeON PISaNtY (GIdIP)/WIKIPedIa (6)

Den Mangel an natürlichen Nistmöglichkeiten kann man mit Wildbienenhotels ein wenig lindern. Beileibe aber nicht alle Wildbienen nutzen diese Nistmöglichkeiten.


DIES & DAS

VIELFALT DES WALDES kann Klimarisiken mindern und Holzertrag steigern

Laut Studie sinkt die Holzproduktion durchschnittlich um 6-7 %, wenn die Baumarten um 10 % abnehmen.

FOtO: MaNFred FIala

Wald mit einer großen Vielfalt an Pflanzen kann besser auf den Klimastress reagieren und den Holzertrag steigern. Das zeigen zwei wissenschaftliche Studien.

Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung konnten für das amazonasgebiet erstmals mittels computer-Simulation zeigen, dass die Vielfalt der eigenschaften all der verschiedenen Pflanzen in den Wäldern des amazonas diesem helfen kann, sich auf ein gewisses Maß an Klimaver-

änderung einzustellen. das überleben von Baumarten hängt z. B. davon ab, was die Forscher „BlattÖkonomie“ nennen: deren Größe, dicke oder langlebigkeit bestimmen mit, wie gut eine Pflanze höhere temperaturen oder Wasserknappheit verträgt. Biodiversität erweist sich hier als Muss und nicht als hübsches Beiwerk. allerdings hängt dies vom ausmaß der Belastung ab: Nur bei einem Szenario mittleren Klimawandels kann eine große arten- und lebensraumvielfalt dazu beitragen, dass sich nach einem drastischen rückgang der Biomasse große amazonasgebiete nach jahrhunderten wieder erholen. eine weltweite Untersuchung der Forschungsgemeinschaft „Global Forest Biodiversity Initiative“ (GFBI), an der auch die technische Universität München beteiligt war, belegt, dass der Holzertrag – zusätzlich zu den vielen ökologischen Vorteilen – steigt, wenn Monokulturen wieder in Mischwälder umgewandelt werden. Nach den Studienergebnissen lässt eine abnahme der Baumarten um 10 % die Holzproduktion im Mittel um 6 -7 % sinken. Bei einem weiteren artenrückgang nehmen die ertragsverluste sogar exponentiell zu. eine artenverarmung um 99 % führt zu wirtschaftlichen Verlusten von schätzungsweise 166 - 490 Mrd. US-dollar im jahr, berechnen die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science“. www.pik-potsdam.de | http://dx.doi.org/10.1038/nclimate3109 www.gfbinitiative.org/research | www.geo.at

ACHTUNG VOR MÄHROBOTERN IM GARTEN Große Verletzungsgefahr bei Igeln und anderen Gartentieren das berichtet der landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (lBV) auf seiner Homepage. die in Gärten immer häufiger eingesetzten rasenmähroboter stellen nach ersten erkenntnissen des Projekts „Igel in Bayern“ eine erhebliche Verletzungsgefahr für Igel dar. Hinzu kommt, dass die Geräte beim einsatz insbesondere in der Nacht auch viele weitere Gartentiere wie Blindschleichen, amphibien und Insekten töten. da die Bedienungsanleitung der Hersteller darauf hinweist, dass das Gerät nicht unbeaufsichtigt im Beisein von Kindern und Haustieren arbeiten darf, lassen die meisten Besitzer ihren Mähroboter nachts laufen. dies kann tödlich für Igel und viele andere nachtaktive tiere ausgehen. das zeigt auch die Nachfrage des lBV bei vielen Igelstationen, deren Zulauf stark verletzter tiere durch elektrische Gartengeräte parallel zu den Verkaufszahlen der Mähroboter angestiegen ist. da Igel bei Gefahr nicht fliehen, sondern sich zusammenrollen, sind sie besonders gefährdet. Lesen Sie mehr auf www.lbv.de/ratgeber/tipps-fuer-haus-undgarten/naturnaher-garten/rasenroboter.html BIlder V. O.: PIxaBaY; PIcleaSe/aNja addIS

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Immer wieder kommt es zwischen Mietern, Vermietern und Nachbarn zu Problemen, weil naturliebende Menschen Vögel am Balkon füttern. das landgericht Berlin hat nun entschieden, dass es erlaubt ist, Singvögel (außer tauben) auch am Balkon zu füttern (aufhängen von Futtergeräten, Futterhäuschen oder ausstreuen von Futter für Singvögel auf Fensterbänken), denn Vogelkot auf Balkon und terrasse sei ohnehin nicht zu vermeiden. damit stellt das Vogelfüttern keinen vertragswidrigen Zustand dar und kann vom Vermieter nicht beanstandet werden. es darf auch kein Grund für eine Mietminderung sein. die Berliner richter begründen dies damit, dass das Füttern von Vögeln weit verbreitet ist. es überschreitet nicht die Grenzen des vertragsgemäßen Gebrauchs der gemieteten Wohnung. das gilt aber nur, solange es nicht zu übermäßig starker und gesundheitlich bedenklicher Verschmutzung kommt. damit tauben das Futter nicht erreichen, kann man Schutzkäfige an Futtersäulen etc. anbringen, durch die die tauben nicht schlüpfen können. Quelle: www.lbv.de/ratgeber/vogelschutz/voegel-fuettern/fuettern-am-balkon/rechtliche-lage.html

FOtO: WOlFGaNG ScHrUF

recHt/deUtScHlaNd GESETZ ERLAUBT VÖGELFÜTTERUNG AM BALKON

BETÄUBUNGSLOSE KASTRATION BEI FERKELN: FORDERUNG NACH VERBOT

FOtO: BaYerN WIld, GreGOr lOUISOder UMWeltStIFtUNG

Fast drei Millionen Ferkel werden jährlich ohne Betäubung kastriert. das ist in Österreich gängige Praxis und nicht, wie viele vielleicht vermuten, die ausnahme. eine betäubungslose Kastration, bei der die Hoden mit einer Quetsch-Zange oder einem Skalpell entfernt werden, bedeutet für die tiere unglaubliche Schmerzen. aus diesem Grund haben sich United creatures, Verein gegen tierfabriken (VGt), VIer PFOteN, die Wiener tierombudsstelle und der Verband „pro tier“ zusammengeschlossen und die Initiative „Fair Ferkel Bündnis für mehr tierwohl in der Nutztierhaltung" ins leben gerufen. Ziel ist es, zeitgleich mit deutschland, 2019 ein Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln zu verabschieden. alternativen zu dieser Praxis gibt es bereits, sogar solche, die keinen chirurgischen eingriff erfordern. es gilt nicht die augen zu verschließen und alternativen in Betracht zu ziehen, um dem leiden ein ende zu setzen. aBB: PIxaBaY

Luchs Alus im Grenzgebiet Pinzgau-Berchtesgadener Land unterwegs, wie dieses Fotofallenbild von Ende September beweist.

LUCHS ALUS TAPPT IN FOTOFALLE Im September 2016 startete ein Fotofallenprojekt im Pinzgau an der Grenze zu Bayern. Bereits nach knapp vier Wochen konnte das erste luchs-Bild ausgelesen werden. 2015 wurde erstmals ein luchs im Gebiet Berchtesgadener land – Pinzgau nachgewiesen. das männliche tier mit dem Namen alus war aus Nord-Ost-Italien zugewandert. Hinweise, dass sich hier ein luchs aufhalten könnte, gab und gibt es aus Kreisen der jägerschaft und der Forste immer wieder. Ziel des gemeinsamen Fotofallenprojektes der Gregor louisoder Umweltstiftung, der Bayerischen Staatsforste und der Österreichischen Bundesforste ist es herauszufinden, ob sich alus noch im Gebiet aufhält. die Fotofallen sind auf den Flächen der Bayerischen Staatsforste und der ÖBf-aG aufgestellt. das Projekt läuft noch bis august 2017. Weitere Informationen: www.bayern-wild.de www.umweltstiftung.com/projekte/bayern-wild/luchsmonitoring/

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VORSCHAU

dIe NÄcHSte aUSGaBe: amphibien sind eine faszinierende tiergruppe mit beeindruckender entwicklung vom ei bis zum erwachsenen tier. In Österreich sind alle amphibienarten in der roten liste vermerkt, d. h. sie sind alle in ihrem Bestand bedroht. Neben der Zerstörung ihrer lebensräume und deren Zerschneidung dezimiert auch eine Pilzkrankeit die Bestände. Hier etwas zu ändern ist ein wesentliches anliegen des Naturschutzbundes im rahmen seiner amphibienaktivitäten. Mit dem Projekt „Frosch im Netz“ haben wir mithilfe neuer Medien neuen Schwung in den amphibienschutz gebracht und alle teile der Bevölkerung eingebunden. Kernpunkt ist die amphibien-Meldeseite auf unserer OnlinePlattform naturbeobachtung.at. ergänzend dazu bieten wir in der Zeit der intensivsten amphibienwanderungen einen Bestimmungsservice durch unsere expertinnen an. Sie erfahren in dieser ausgabe über die neuesten amphibienschutzprojekte in und außerhalb des Naturschutzbundes, z. B. wo Froschtümpel angelegt und Froschzäune aufgestellt wurden.

HEFT 1 „FRÜHJAHRSHEFT“ ERSCHEINT MITTE MÄRZ 2017

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Zeitschrift des | naturschutzbundes | Heft 1/2-2013

100 JAHRE NATUR & LAND | naturschutzbund |

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DIE GESCHICHTE DER NATURSCHUTZBEWEGUNG HOHE TAUERN UND NEUSIEDLER SEE Der Weg zu einem Nationalpark LANDESGRUPPEN Gestern und heute

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FOtO: WOlFGaNG ScHrUF

Schwerpunkt: Amphibien Ein BergmolchMännchen


WINDHAGER-KOOPERATION

WILDBIENENNISTHILFEN BAUSATZ FÜR KINDER ZUM SELBST BEMALEN UND ZUSAMMENBAUEN der Bausatz „Insektenhotel Bee“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund speziell für Kinder entwickelt, um das Interesse an der Natur zu wecken sowie Spaß beim Zusammenbau und beim Bemalen zu haben. Idealerweise sollte das Wildbienenhotel in der Nähe eines blühenden Gartens aufgestellt werden, damit die Nützlinge im Umkreis genug Nahrung finden.

aBBIldUNGeN: WINdHaGer

Wie funktioniert ein Wildbienenhotel? die verschieden großen Bohrungen im Massivholzblock imitieren Käferfraßgänge in totholzstämmen, die von gewissen Bienen- und Wespenarten als Bruthöhlen verwendet werden. auch die Schilfstängel werden von Wildbienen und Grabwespen als Brutplätze genutzt. In den Zwischenräumen der Halme finden z. B. auch Ohrwürmer während des tages Unterschlupf. die verschlossenen Bohrungen und Schilfrohre dürfen auf keinen Fall geöffnet werden. Ganz wichtig ist, dass das Wildbienenhotel an einer gut vor der Witterung geschützten und möglichst sonnigen Stelle steht und nicht nass wird, da ansonsten die Brut verschimmeln könnte. es sollte zwischen 0,5 m und 2 m über dem Boden oder auf Balkonen und überdachten terrassen angebracht werden. www.windhager.eu/de/garten/tiere-im-garten/windhager-kids/

Weitere P ro aus dem „W dukte indhager Kids“ Sort iment, die in g sortierten Baumärkte ut n zu finden sin d: Vogelfu tterBausatz W oodpecke r, Nistkastenba usatz Rob in und Bech erlupe

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Größe: 5 x 26,5 x 23 cm inkl. Pinsel und 4 Farben


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natur&land 4 2016  

Mehr Akzeptanz für den Wolf & Fischotter

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