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Preis: EUR 6,50

ZEITSCHRIFT DES | naturschutzbund | Heft 3-2019

PLAN T

Ein Masterplan für Österreich Hallstatt, Bled

Wie Gemeinden überrannt werden Besucherlenkung

High noon in den (Nock)Bergen naturnahe tourismusangebote

Naturparke und Bergsteigerdörfer

TRENDWENDE IM TOURISMUS NACHHALTIG UND ZUKUNFTSORIENTIERT?


Reihe

WAS SPENDENGELDER ERMÖGLICHEN...

PROJEKT 23

FOTO: OLIVER STÖHR

Projekt: Naturfreikauf im Land Salzburg

Hier kommt auch der Große Brachvogel vor.

WERTVOLLE PUFFERFLÄCHEN IN DER OICHTENRIEDE ANGEKAUFT

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ie Oichtenriede, ein strukturreicher Landschaftskomplex aus Niedermooren, Feuchtwiesen und Bruchwäldern, liegt im nördlichen Salzburger Flachgau und erstreckt sich bis nahe an die Landesgrenze zu Oberösterreich. Sie ist sowohl Naturschutz- als auch Europaschutzgebiet. Die Unterstützung des Landes Salzburg und zweier Großspenderinnen ermöglichte dem Naturschutzbund Salzburg 2019 den Ankauf von drei Parzellen, die zwar außerhalb des Schutzgebietes liegen, aber unmittelbar daran angrenzen. Die Flächen mit einer Gesamtgröße von 29.567 m2 fungieren somit als wertvoller Puffer zu den Feldern und bilden Entwicklungsräume für die Natur. Das war auch einer der Gründe für den Erwerb. Die Parzellen umfassen eine Magerwiese, Feuchtflächen (zum Teil Großseggenried) sowie zum geringeren Teil mehrmähdiges Wirtschaftsgrünland. Zu den Feucht-Biotoptypen der Oichtenriede gehören Pfeifengraswiese, Kohldistelwiese und Schwarzerlenhochwald, die Trollblumen, Enziane, Knabenkräuter, Fettkraut, Wollgras, Baldrian und v. a. feuchtliebende Arten beherbergen. Die mit Gehölzen durchsetzte Feuchtwiesenlandschaft bietet gefährdeten Vogelarten wie Wachtelkönig, Kiebitz, Bekassine und Brachvogel, aber auch Wachtel und Rebhuhn Lebensraum und Nahrung. Durch den Grundstückserwerb können die Flächen in weiterer Folge mittels eines Pflege- und hydrologischen Managements naturschutzfachlich aufgewertet und Wiesenbrüterlebensräume geschaffen werden. Kooperationspartner ist das Land Salzburg – Naturschutz. HA

Durch ihre großzügige Spende wurde der Ankauf möglich. FOTOS: NATURSCHUTZBUND SALZBURG

In jeder Ausgabe stellen wir Ihnen ein beispielhaftes Naturschutzprojekt vor, das mit Spendengeldern an den | naturschutzbund | ermöglicht wurde oder daraus mitfinanziert werden konnte. Ihre Spende unterstützt dieses Projekt

Spendenkonto P.S.K. IBAN AT74 6000 0501 1014 0425 BIC BAWAATWW


EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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enug ist genug. So wie die Bäume nicht in den Himmel wachsen können, so kann und darf das

Wachstum im Tourismus nicht unendlich sein. Denn die Natur ist nicht vermehrbar. Und der Boden schon gar nicht. Den Wald vor lauter Bäumen sollten wir aber dennoch nicht übersehen, geht es doch auch anders. Damit sich der Tourismus nicht den Ast absägt, von dem er lebt, nämlich in erster Linie von der Natur- und Kulturlandschaft, von den Bergkulissen, Seen und Mooren, letztlich die Politiker viel sorgsamer mit der ihnen nur „geliehenen“ Natur umgehen. Das Ziel muss Qualitätstourismus sein und diesen erreicht man nur durch ein Weniger an Erschließungen, Verbauungen und Verkehr. Intakte Naturlandschaften sind von so herausragender Qualität, dass ihr Schutz und ihre Naturvielfalt Vorrang genießen müssen.

VORGESTELLT

Sandhummel in Niederösterreich wiederentdeckt! FOTO: MARIA ZACHERL

müssen die Touristiker wie auch die Gemeinden und

Tourismus gewinnt durch kluge Selbstbeschränkung – und mit ihr das Land und seine Gesellschaft. Einige Gemeinden und vor allem Nationalparks und Naturparke leben vor, dass es auch anders gehen kann. Schöne Beispiele finden Sie im Beitrag „Naturnaher Tourismus in den österreichischen Naturparken“. Ich hoffe, wir haben Ihnen eine interessante Lektüre zusammengestellt!

Ihre

Ingrid Hagenstein Chefredakteurin

Sandhummel mit weiß- bis dunkelgrauer Grundfarbe und weißen Querstreifen auf dunklem Hinterleib.

Z

wei begeisterten Naturbeobachtern ist jüngst eine ganz besondere Hummel-Sichtung gelungen: Dank Maria Zacherl und Wolfgang Schweighofer konnte die sehr seltene Sandhummel Bombus veteranus in Göpfritz im Waldviertel wieder nachgewiesen werden. Davor gab es in Niederösterreich überhaupt erst drei datierte Funde aus den Jahren 1908, 1934 und 2008, und auch sonst wurde sie in Österreich nur ganz selten gefunden. Mehr auf www.naturbeobachtung.at Das Wissen über Österreichs Hummelarten ist spärlich. Der Naturschutzbund will das ändern und ruft zum Melden von Hummelbeobachtungen über seine Beobachtungsplattform bzw. die App naturbeobachtung.at auf.


INHALT

08

Trendwende im Tourismus?

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Interview: Wo soll, wo muss die Trendwende stattfinden?

Ohne Maulkorb: Bremsspur für den Tourismus – aber wie?

17

Interview Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus

42 Naturnaher Tourismus in den österreichischen Naturparken

„Über allen Wipfeln ist Ru-mmel“: So nennt der bekannte Karikaturist Thomas Wizany dieses Motiv. Regelmäßig erscheinen seine Karikaturen in den Salzburger Nachrichten und legen den Fokus auf brandaktuelle Themen. Vor wenigen Jahren erhielt Thomas Wizany den Österreichischen Naturschutzpreis, den der Naturschutzbund vergibt, für seine Arbeiten, die oft genug Umweltprobleme aufzeigen. KARIKATUR: THOMAS WIZANY/SALZBURGER NACHRICHTEN

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FOTO: HORST LEITNER

INHALT

40

Biosphärenpark Nockberge

33 Wem gehört Hallstatt? Lokalaugenschein

FOTO: JOSEF LIMBERGER

38

Besucherlenkung: Initiative: RespekTiere deine Grenzen

01 Editorial | Sensationsfund: Sandhummel in NÖ wiederentdeckt! 02 Inhaltsverzeichnis

AKTUELL 04 05 06 07

bee happy – Bienennisthilfen Workshop in der Steiermark | Ticker Vereinsgründung „Naturschutzhunde“ | Ticker Bienenschutzfonds-Projekt: Das waren die Hummelbestimmungskurse 2019 Jubiläum: 30 Jahre „Grünes Band“ mit Illmitzer Erklärung

TITEL 08 Trendwende im Tourismus – nachhaltig und zukunftsorientiert? Studie: Wie Urlauber auf Overtourism reagieren Ingrid Hagenstein 10 Nachhaltiger Tourismus: Versuch e in komplexes Thema kurz zu fassen Dr. Christian Baumgartner 17 Interview: Plan T – der neue Masterplan Tourismus für Österreich, mit Mag. Ulrike Rauch-Keschmann, BMNT Ingrid Hagenstein 21 Interview: Trendwende im Tourismus – wo soll, wo muss sie statt finden? Gespräch mit Dr. Astrid Rössler, Lehrende am International Institute of Tourism and Hotelmanagement Ingrid Hagenstein 24 Ohne Maulkorb: Bremsspur für den Tourismus – aber wie? Peter Haßlacher 29 Tourismus im Spannungsfeld von Raumplanung und Naturschutz Dr. Winfrid Herbst Beispiele für Massentourismus: 33 Wem gehört Hallstatt? Prof. DI Dr. Friedrich Idam 34 Lokalaugenschein in Hallstatt Josef Limberger 36 Beispiel Massentourismus: Bled zwischen Erholungswunsch und Erschließungsdruck Maya Mathias Beispiele für nachhaltige Tourismuskonzepte und -angebote: 38 RespekTiere deine Grenzen – Eine Initiative für Wildtiere als Lenkungsversuch Ingrid Hagenstein 40 High noon in den (Nock)Bergen: Biosphärenpark Nockberge strebt Besucherlenkung an DI Horst Leitner 42 Naturnaher Tourismus in den österreichischen Naturparken Franz Handler, Marelli-Asamer Handler, Robert Heuberger, Marlene Salchner, Florian Schublach und Bernhard Stejskal 48 Die Bergsteigerdörfer der Alpenvereine Marion Hetzenauer 51 Aus dem Buch „Rettet die Berge“ von Reinhold Messner: Meine Werte-Charta für die Berge 53 Zukunftsszenarium: Tourismusbeitrag für Naturschutz? Brief an Bundesministerin Maria Patek

U2 Spenden-Projekt: Naturfreikauf im Land Salzburg 54 Buchtipps (Buchhandel) 56 Impressum, Adressen der Landesgruppen 57 Abo-/Mitgliederbestellschein 58 Shop 60 Vorschau/Geschenkabos U3 Zugunsten der Natur mit Ihrem Letzten Willen

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Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

Die Naturbildagentur

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AKTUELL

Bienennisthilfen Workshop IN DER STEIERMARK

I

m Rahmen des Projektes bee happy gestalteten zwei Biologinnen der önj (Österreichische Naturschutzjugend) beim Frühlingsfest der Steirerkraft Kernothek am 10. Mai 2019 in St. Ruprecht/Raab einen Workshop für große und kleine Gäste. Sogar zwei Schulklassen waren mit dabei, um sich über das Leben von Wildbienen und deren Bedeutung für unsere Umwelt zu informieren. Jedes Kind durfte sich eine Nisthilfe für zuhause bauen. In kurzer Zeit entstanden über 40 „Kinderstuben“ für Mauerbienen & Co. aus sorgfältig zurechtgeschnittenen Schilfhalmen und Konservendosen. Anstelle der normalerweise in die Dosen abgefüllten Steirischen Käferbohnen g.U.* wurde eine Portion Gips gefüllt, um die Halme damit an der Rückwand zu befestigen. Dieser Trick verhindert, dass geschickte Vögel auf der Suche nach Leckerbissen einzelne Halme herausziehen. Junge Familien, aber auch ältere Semester, zeigten viel Interesse und vor allem Ausdauer beim Ausmustern und Einordnen der Halme. Immer mit dem FOTOS: SUSANNE PLANK & THIER PICHLER/ÖNJ

Mit Jutemantel und Bast „verschönert“ als Geschenk

Knoten zur Rückwand, damit die Wildbienen eine möglichst lange Röhre zur Eiablage vorfinden. Mit einem Jute-Mantel und Bast verschönert, entpuppten sich die Nisthilfen als beliebtes Geschenk für den bevorstehenden Muttertag! Weiters konnten die meisten Besucher zum ersten Mal eine Holzbiene mit der Stereolupe betrachten. bee happy ist ein Kooperationsprojekt des Naturschutzbundes Österreich und der Estyria Naturprodukte GmbH. Ziel des Projektes ist es, möglichst viele Konsument*innen über die unersetzliche Funktion der Wildbienen in unserem Ökosystem aufzuklären und ihnen genug Fachwissen mitzugeben, um die Wildbienen selbst unterstützen zu können. Die folgende Webseite liefert viele wichtige Infos sowie Download-Anleitungen und Merkblätter zum Thema Wildbienenarten, Wildblumenwiese und Nisthilfen. HA *geschützte Ursprungsbezeichnung

>> Infos zum Projekt bee happy: www.steirerkraft.com/de/beehappy/

Groß und Klein beim Nisthilfenbau

++TICKER >> ++Vergiftete Wildtiere in Niederösterreich: Wiener Tierschutzverein ist für Einrichtung einer Taskforce zur Ergreifung der Täter. Das Gift Carbofuran gefährdet auch gesamte Umwelt. ++Haltung von Schweinen auf Vollspaltenböden: Österreich als Nachzügler beim Tierschutz. Verein gegen Tierfabriken präsentiert neue Website www.vgt.at/vollspalten mit interaktiver Karte und Anzahl der Schweine in dieser Haltungsform. ++In 119 von über 300 Waschmitteln zugesetztes Plastik festgestellt. GLOBAL 2000 und AK Oberösterreich fordern umfassendes Verbot aller biologisch nicht abbaubaren synthetischen Polymere. Vier Supermarktketten wollen festes Mikroplastik in Waschmittel-Eigenmarken verbannen. ++Nationalrat beschließt Verbot von Pestizid Glyphosat: Österreich damit Vorreiter in der EU. ++Plastiksackerlverbot beschlossen: Ab Jänner 2020 dürfen keine Einweg-Kunststofftragetaschen mehr in Verkehr gebracht werden. ++Greenpeace bereitet erste Klimaklage in Österreich vor: Klimaschädliche Gesetze verletzen die Grund- und Menschenrechte. ++Kein Regen – vertriebene Kleinbauern in Uganda hungern: Rund 4.000 Menschen mussten 2001 einer Kaffeeplantage des Unternehmens Neumann Kaffee Gruppe weichen. Seither gerichtlicher Streit um Wiedergutmachung und Entschädigung. ++Kritik von NGOs an Wolfs-Abschussforderungen des Salzburger Agrarlandesrates: Das Land Salzburg besitzt Notfall-Herdenschutzsets, die nicht eingesetzt wurden. WWF kündigt rechtliche Schritte im Fall einer Bewilligung an, da Abschuss auf Basis willkürlicher Risszahlen gegen EU-Richtlinie verstoße. ++Sieben Punkte für Insekten: Maßnahmen der Wiener Umweltschutzabteilung-MA 22 zum Schutz und zur Förderung der Insektenvielfalt. Weitere Infos unter:

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AKTUELL

FOTOS: HEIDI KURZ

VEREINSGRÜNDUNG „Naturschutzhunde“ Naturschutzhunde-Tagung 30. 11. 2019, 10 bis 17 Uhr im Seminarhotel Schwartz, Bahnstraße 70, 2624 Neusiedl am Steinfeld. Jede/r, der/die in diesem Bereich arbeitet bzw. arbeiten möchte oder sich für diese Tätigkeit mit Hunden interessiert, ist eingeladen.

Programm

Die Anzeige von Borkenkäfern will gelernt sein.

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unde werden mit ihrer fantastischen Nase bereits in vielen Bereichen eingesetzt und haben in den letzten Jahren auch im Natur- und Artenschutz einen Platz gefunden. So hat hierzulande erstmals der Naturschutzbund die Ausbildung von Wildkatzen-Spürhunden ermöglicht. Weltweit kommen Hunde bei der Suche nach Tier- und Pflanzenarten, die nur schwer zu finden sind oder deren Artunterscheidung schwierig ist, zum Einsatz. Aber auch wenn genetische Proben für weitere Analysen benötigt werden oder wenn es um das Aufspüren von Krankheiten geht, leisten Hunde einen wichtigen Beitrag. Mit der Gründung des Vereins Ende November soll eine Struktur geschaffen werden, an die sich Behörden und Private wenden können, wenn es um die Ausbildung und den Einsatz von Hunden im Naturund Artenschutz geht. Eine Einführung zum Thema bietet die nachfolgende Tagung. HA

>> Vorstellung des neuen Vereins >> Möglichkeiten und Grenzen der Naturschutzhunde >> Hunde und Käfer: Von der Schädlingsbekämpfung zum Naturschutz >> Tote Vögel, tote Fledermäuse: Kadaversuche mit dem Hund >> Hundeführer*innen erzählen von Einsätzen >> Vorführung der Hunde

Anmeldung & Informationen info@naturschutzhunde.at | www.naturschutzhunde.at Die Teilnahme ist kostenlos! Naturschutzhündin „Grace“ zeigt die Reste eines Vogelkadavers an.

++TICKER www.umweltschutz.wien.at. ++Initiative zur Reduzierung von Müll von GLOBAL 2000 und HOFER: Schulwettbewerb und Verwendung der „DreckSpotz-App“ zum Melden von Müll soll Bewusstsein schaffen. ++Neue Meinungsumfrage des WWF zum Thema Wolf: 69 % der Österreicher sehen die Rückkehr des Wolfs positiv. Insgesamt 79 % der Befragten glauben an die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens mit dem Wolf. 89% fordern unbürokratische Hilfe für Weidetierhalter*innen, die Herdenschutzmaßnahmen ergreifen wollen. ++Bundesforste: Klimafitte und artenreiche Mischwälder bis 2100, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. ++Weniger Plastik in Hotels – bessere Gästebewertungen. ++„Reparaturbonus NÖ“: Niederösterreichischen Haushalten werden mit 50 % der Kosten und maximal 100 € jährlich bei der Reparatur von Elektrogeräten unterstützt. ++Tierversuche 2018 zurückgegangen: Tierversuchsstatistik zeigt einen Rückgang von in Tierversuchen verwendeten Tieren um mehr als 26.000 im Vergleich zu 2017. ++Seeadler-Brutsaison in Österreich 2019 erfolgreicher denn je: 70 Seeadlereltern brachten insgesamt 46 Jungvögel zum Ausfliegen. Die größte Bedrohung für die Seeadler sind Vergiftungen und illegale Abschüsse. ++ Behörde lehnt Abschussantrag für Bär und Wolf in Tirol ab. ++Schließung des letzten Kohlekraftwerkes in Niederösterreich am 02. August 2019: Stattdessen kommt eine Photovoltaikanlage. ++EU will mehr Rindfleisch aus den USA importieren: VIER PFOTEN kritisiert angekündigtes Handelsabkommen aufgrund von Tierquälerei in der Rindermast in den USA und wegen Schwächung heimischer Bauern. ++Bericht des Weltklimarats zeigt auf: Rund 37 % der weltweiten Emissionen gehen auf die Nahrungsmittelproduktion zurück. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

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AKTUELL

Bienenschutzfonds-Projekt DAS WAREN DIE HUMMELBESTIMMUNGSKURSE 2019 Seit fünf Jahren veranstaltet der | naturschutzbund | mit seinem Kooperationspartner HOFER jeden Frühling Bestimmungskurse für Hummeln und andere Wildbienen. Auch heuer fanden wieder vier Tages-Kurse im Rahmen des Bienenschutzfonds statt.

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eleitet wurden die Kurse von Johann Neumayer, Walter Wallner, Sophie Kratschmer und Kathrin Grobbauer, den Bienenexpert*innen des Naturschutzbundes. Von April bis Juli nahmen insgesamt knapp 50 Interessierte in vier verschiedenen Bundesländern daran teil. Der Teilnehmerkreis reichte von Studierenden ohne Vorerfahrung bis zum Pensionisten, der seinen Hummelnistkasten mitbrachte und von eigenen Erfahrungen erzählen konnte. Allen gemeinsam war ein lebhaftes Interesse an Hummeln und die Bereitschaft, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Denn erst mit etwas Übung schärft sich der Blick für die Details des Körperbaus, die man für die Bestimmung braucht. Die Kurse gliedern sich in einen theoretischen Teil mit einem Vortrag und Mikroskopieren und einen praktischen Teil im Freiland. Zu Beginn üben die Teilnehmer die Bestimmung: Worauf muss man bei den Arten achten, was zeichnet jede Art besonders aus, wie unterscheiden sich weibliche und männliche Tiere, wie ist das Hummelbestimmungsbüchlein zu nutzen usw. Nach einigem Schwitzen und Seufzen fällt meist der Groschen und alle lernen erstaunlich schnell mit dem Hummelbestimmungs-Schlüssel umzugehen und nicht nur die häufigen Arten, sondern auch manche „Spezialfälle“ zu bestimmen. Freilandbestimmungen rund um die Kursorte ergänzen diese durch und durch gelungenen Tage. Auf dem Weg zu Hummelexpert*innen fehlt den wissbegierigen Teilnehmern nur noch etwas Erfahrung – die wird aber erst nach dem Kurs gesammelt. Und die Meldeplattform naturbeobachtung.at hilft dabei weiter, indem Bestimmungen bestätigt oder auch mal korrigiert werden. Dank der Unterstützung von HOFER – seit 2013 wurde der Bienenschutzfonds mit über 400.000 € für zahlreiche Projekte dotiert – können wir auch in den kommenden beiden Jahren wieder HummelBestimmungs- und Vermehrungskurse anbieten. HA 1 Kurs Wien an der Universität für Bodenkultur: Er erfreute sich wie schon in den Vorjahren großer Beliebtheit und war auch dieses Jahr ausgebucht. Betätigungsfeld waren der Garten und der Türkenschanzpark. 2 Kurs Linz im Biologiezentrum: Dieser wurde v.a. von angehenden Laienforscher*innen und Imker*innen besucht. 3 Kurs Seeham/Salzburg am Bienenlehrpfad: Auf dem Weg zur Hummelexpert*in gilt es nun nur noch Erfahrung zu sammeln. 4 Kurs Floing/Stmk. im Hummelmuseum: Das kleine Museum beim Gasthof Kulmer bietet sich für Kurse bestens an. FOTOS: SOPHIE KRATSCHMER (1, 2); WALTER WALLNER (3); KATHRIN GROBBAUER (4).

INFO ZUM BIENENSCHUTZFONDS

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www.naturschutzbund.at (Projekte und Aktionen)

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AKTUELL

FOTO: BMNT-CHRISTIAN LENDL

Im Rahmen eines Festaktes wurde in Illmitz eine Erklärung zum Schutz des Grünen Bandes unterzeichnet. Im Bild v. l.: LR Heinrich Dorner und Landtagspräsidentin Verena Dunst (Land Burgenland), LR Sara Schaar (Land Kärnten), Bundesministerin Maria Patek (BMNT), NP-Direktor Johannes Ehrenfeldner (Neusiedler See-Seewinkel)

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er Eiserne Vorhang ist seit 30 Jahren Geschichte. An seine Stelle trat das Grüne Band. Dieser Streifen Wildnis quer durch Europa verbindet ein wertvolles ökologisches Netzwerk von Natur- und Kulturlandschaften. Naturschutzexpert*innen aus Österreich, Deutschland, Ungarn, Tschechien, Slowenien und der Slowakei kamen am 19. August im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel zusammen, um die größte Naturschutzinitiative Europas, die European Green Belt Initiative, zu feiern und Zukunftsperspektiven zu diskutieren. „Das Grüne Band gilt als Vorzeigeprojekt, das Natur, Geschichte und zukünftige Entwicklung in Einklang bringt. Es ist deshalb besonders wichtig diesen einmaligen Lebensraum zu bewahren und zu schützen“, so Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek. Auch beim internationalen Projekt „Dare To Connect“ (Umweltbundesamt/UBA und Naturschutzbund) steht das Verbindende zwischen den einzelnen Schutzgebieten im Mittelpunkt: „Die Abschnitte des Grünen Bandes haben unterschiedlichen Schutzstatus und sind durch ungeschützte Naturbereiche, die als Verbindungskorridore dienen, miteinander vernetzt. Diese verbindenden Teile zu erhalten ist eine wichtige Aufgabe des Naturschutzes in Österreich,“ erklärt die Geschäftsführerin des UBA, Monika Mörth. „Erklärung von Illmitz“ Mit einer gemeinsamen Erklärung von Bund und Ländern bekräftigen Bundesministerin Maria Patek und die Landesrät*innen aus Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Kärnten ihren Einsatz das Grüne Band zu schützen und als lebendiges Denkmal der ehemaligen Teilung Europas zu bewahren.

Green Belt Initiative Alle Staaten entlang der einstigen Grenze sind eingebunden. „Die wertvollen Lebensräume, die sich im Schatten des Eisernen Vorhangs entwickelt und erhalten haben, bilden heute das Rückgrat des größten europäischen Biotopverbundsystems“, betont Naturschutzbund-Vizepräsident Johannes Gepp. „Ihr besonderer Wert liegt darin, dass es noch ein verwobenes und ganzheitlich funktionierendes Ökosystem verschiedenster Lebensräume ist.“ Johannes Gepp arbeitet als National-Focal-Point der Green Belt Initiative in Österreich seit Jahren aktiv an der Erhaltung des Grünen Bandes. Weiterführende Informationen: https://www.europeangreenbelt.org/ https://www.gruenesband.at https://www.umweltbundesamt.at/dare_to_connect/ Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

JUBILÄUM: 30 JAHRE GRÜNES BAND Grenzen trennen – Natur verbindet. Unter diesem Motto luden das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), das Umweltbundesamt und der Naturschutzbund zu einer Festveranstaltung in den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel.

INFOBOX 19. August 1989: Der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs An diesem Tag bekam der Eiserne Vorhang beim Paneuropäischen Picknick, einer Friedensdemonstration an der österreichischungarischen Grenze nahe Sopron, seinen ersten Riss. Mit Zustimmung ungarischer und österreichischer Behörden wurde damals ein Grenztor symbolisch für drei Stunden geöffnet. Zwischen 600 und 700 DDR-Bürger nutzten diese kurze Öffnung des Eisernen Vorhangs zur Flucht in den Westen.

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TITEL

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ekordzahlen über Zuwächse im Tourismus prägen seit einiger Zeit die Medien. Allein in Österreich haben sich die Ankünfte der Touristen in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. Was sich gefühlt, z. B. in Hallstatt oder der Stadt Salzburg, sowohl von Einheimischen als auch länger hier verweilenden Gästen fast nicht mehr ertragen lässt, ist der tägliche Ansturm. Und die Zahlen geben ihnen Recht: Die Nächtigungen in der Stadt Salzburg haben die DreiMillionen-Grenze überschritten (3,1 Mio.), die Zahl der Tagestouristen beläuft sich auf rund 6,5 Millionen. Die immer kürzer werdende Aufenthaltsdauer (Grafik) der Urlauber verursacht überdies ein höheres Verkehrsaufkommen. Auch die

Alpen, Österreichs Freizeitparadies, und die dort lebenden Menschen stöhnen unter dem boomenden Ansturm ebenso wie unter den landschaftsfressenden Aktivitäten in Zusammenhang mit dem Tourismus. Horst Leitner beschreibt in seinem Beitrag auf Seite 40 „High noon in den (Nock)Bergen“ den dringenden Handlungsbedarf für Besucherlenkung in Naturlandschaften. Kritisch setzt sich auch Peter Haßlacher mit dem sich immer weiter drehenden Wachstumskreisel in den Alpen ab Seite 24 auseinander. In diesem Szenario hat das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus Anfang dieses Jahres einen Tourismus-Masterplan erstellt, wohl wissend, dass die Folgen des Wachstums deutliche Auswirkungen auf die Natur – die Grundlage des Tourismus – haben. Mehr darüber im Interview auf Seite 17.

TRENDWENDE IM TOURISMUS NACHHALTIG UND ZUKUNFTSORIENTIERT?

Statistische Aufenthaltsdauer sinkt

6,2 5,5 4,9 4,8

4,3

Entwicklung statistische Aufenthaltsdauer in Nächten 1980-2018

3,9 3,9 3,8 3,7 3,6 3,6 3,6 3,5 3,4 3,4 3,4 3,3

1980 1985 1990 1995 2000 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018

Quelle: Statistik Austria

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TRENDWENDE?

STUDIE: Wie Urlauber auf Overtourism reagieren Immer mehr Urlaubsorte beklagen die Touristenmassen, die gerade in der Hauptsaison beliebte Orte überfluten. Die Internationale Hochschule im deutschen Bad Honnef hat nun erstmalig die Sicht der Touristen darauf untersucht. Die Studie* zeigt, wie Urlauber überlaufene Orte wahrnehmen und welche Auswirkungen das auf ihr Reiseverhalten hat. Zwei von drei Befragten kennen die Problematik „Overtourism“, also zu viele Touristen an einem Ort – sie verbinden damit vor allem folgende Orte: Venedig, Barcelona, Paris, Rom, Amsterdam. Von einer Reise in die betroffenen Urlaubsorte würde sich die Mehrheit (53 %) dennoch nicht abhalten lassen. Der Grund: „Viele der Studienteilnehmer interpretieren die Popularität einer Destination als ein ‚Must see’,“ so Prof. Dr. Claudia Möller, Studiengangleiterin International Tourism Management an der IUBH. Als weitere Gründe für einen Besuch nannten die Befragten die „vielen und speziellen Attraktionen“ vor Ort, „Kultur“, „Geschichte“ sowie „kostengünstiges Reisen“. Viele Befragte würden die betroffenen Orte aber lieber in der Nebensaison besuchen oder etwas außerhalb wohnen. Die sozialen Medien befeuern das Phänomen. Dank ihrer Reichweite werden beispielsweise über ein Bild auf Instagram manchmal kleine Orte ohne vorhandene touristische Infrastruktur sehr schnell sehr bekannt. Die Folge: Viele Urlaubsorte haben vermehrt mit Überfüllung, steigenden Lebenshaltungskosten, Umweltproblemen und der Touristifizierung ganzer Stadtviertel zu kämpfen. Massenabfertigung statt individuellem Service. Ein Drittel aller Befragten würde eine Reise an überfüllte Urlaubsorte lieber vermeiden (30 %) bzw. sogar klar ablehnen (5 %). Denn die Faktoren, die den meisten Befragten in ihrem Urlaub wichtig sind – authentische Atmosphäre (95 %), andere Kulturen (93 %), Sehenswürdigkeiten oder

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Ankünfte in Österreich 1998–2018

(Quelle: Statistik Austria, Tourismusstatistik; erstellt am 25. 3. 2019)

www.klimafonds.gv.at/ausschreibungen/

Museen (91 %) erleben – sehen sie durch die Überfüllung gefährdet. Aus der Sicht der Besucher lauten die wichtigsten Auswirkungen von „Overtourism“ Verlust von Authentizität, Stress und beeinträchtigter Urlaubsgenuss, erhöhte Preise sowie Lärm und Umweltbelastungen. Die Generationen reagieren unterschiedlich. Ob Mann oder Frau, macht bei der Entscheidung für oder gegen einen für seine Überfüllung bekannten Urlaubsort keinen Unterschied – wohl aber das Alter: Bei der Gruppe 15–24 Jährigen ist es signifikant wahrscheinlicher, dass sie auch die für Overtourism bekannten Orte aufsuchen als bei der Gruppe ab 35 Jahre. „Hierbei spielt vermutlich der Geldbeutel eine Rolle,“ so Möller. „Jüngere Reisende buchen häufiger Billigflugreisen oder günstige Kreuzfahrten, die dann genau die typischen überfüllten Urlaubsorte ansteuern. Wer dagegen etwas mehr Geld im Urlaub ausgeben kann, entscheidet sich eher für Exklusivität statt Massentourismus.“ Und noch ein Grund kann sich Möller vorstellen: „Die Älteren waren vielleicht früher einfach schon mal da.“ *Die Studie der Internationalen Hochschule GmbH (IUBH) beruht auf den Antworten eines Online-Fragebogens von 384 Personen aus März 2019 (Geschlechterverteilung: 27 % männlich, 73 % weiblich; Altersverteilung: 41 % 15–24 Jahre, 29 % 25–34 Jahre 30 % über 35 Jahre)

Studie „Overtourism“ zum Download: https://idw-online.de/de/attachment72491 Link zur Pressemeldung: http://idwf.de/-CvpiAA Weitere Informationen: www.iubh-university.de/aktuelles/news-und-presse/

FOTO: PIXABAY

Tourismus-Paket des Österreichischen Klimafonds. Letzterer sucht mittels Ausschreibung eine Region, die Klimaschutz im Tourismus fördert. Ziel ist es diese Region sowohl national als auch international als Vorzeigeregion für klimafreundlichen Tourismus zu etablieren und damit in weiterer Folge die Bemühungen anderer Akteure zu bestärken. Ihre Konzepte einreichen dürfen bis 30. Oktober 2019 alle österreichischen Regionen, die mindestens 500.000 Nächtigungen aufweisen, mehr als zwei Gemeinden umfassen und mindestens 3.000 bis maximal 60.000 Einwohner*innen haben. Damit soll sichergestellt werden, dass sich Regionen bewerben, die touristisch relevant und groß genug sind, um geschaffene Strukturen langfristig zu erhalten. Das ausgewählte Konzept wird mit maximal 10.000 Euro kofinanziert. Ingrid Hagenstein >>

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TITEL

NACHHALTIGER TOURISMUS – Immer mehr zeigt sich, dass die Tourismusentwicklung alle Grenzen sprengt. Wenn wir wollen, dass die Natur nicht noch mehr zur Kulisse verkommt, die Menschen nicht weiter im Verkehr ersticken und Touristen weniger Müll produzieren, liegt die Lösung in nachhaltigen Tourismuskonzepten. Wie kann das gehen?

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bene Schweizer Jost Krippendorf gilt mit seinem Beitrag „Die Landschaftsfresser“ im Jahr 1975 als einer der ersten Kritiker dieses Tourismus. Es begann mit dem „Sanften Tourismus“ und… 1980 kam im Kontext der Suche nach konkreten Alternativen zum Massentourismus der Begriff „Sanfter Tourismus“ auf, als der Zukunftsforscher Robert Jungk in der Zeitschrift „GEO“ das „Sanfte Reisen“ als Gegenpol zum „Harten Reisen“ des Massentourismus vorstellte. Der sogenannte „Sanfte Tourismus“ stellt – trotz seines Schwerpunkts auf ländliche, periphere Regionen mit an sich geringer Tourismusentwicklung – insgesamt eine wichtige Vorstufe der umfassenderen Entwicklung Jost Krippendorf, Schweizer Tourismusforscher und Ökologe, 1938–2003

Die Landschaftsfresser Tourismus und Erholungslandschaft, Verderben oder Segen Jost Krippendorf. Verlag Hallwag, Ostfildern (1982)a, broschiert, 160 Seiten, ISBN-13: 978-3444101328. Gebraucht auf www.booklooker.de und www.amazon.de

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FOTO: WALTER RUTISHAUSER – SAMMLUNG RUTISHAUSER

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er Tourismus hat sich in den letzten 60 Jahren so rasant entwickelt wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig. Während 1950 weltweit lediglich 25 Mio. internationale Touristenankünfte zu verzeichnen waren, lag dieser Wert 1970 bei 166 Mio. und 1990 schon bei 436 Mio.. Auch in den vergangenen zwei Jahrzehnten stieg die Zahl der internationalen Touristenankünfte bis heute kontinuierlich an und erreichte 2012 erstmals über eine Milliarde (1,035 Mrd.). 2018 entfielen von den 1,4 Mrd. Ankünften mit 713 Mio. gut die Hälfte (51 %) davon auf Europa, gefolgt von Asien und der Pazifikregion mit 343 Mio. (24 %), Amerika mit 217 Mio. (16 %) sowie Afrika mit 67 Mio. (5 %) und dem Nahen Osten mit 64 Mio. (4 %) einreisenden Touristen. Der Anteil Europas ist dabei rückgängig, der der Entwicklungs- und Schwellenländer steigend. Die Vorhersagen sprechen von weiteren jährlichen Steigerungen um 3–4 %. Bis Mitte der 1960er Jahre galt Tourismus, damals noch als Fremdenverkehr bezeichnet – vor dem Hintergrund der modernisierten Erdöl-, Kohle-, Eisen- oder Stahl gestützten Industrieproduktion – als „weiße Industrie“, d.h. als „saubere“ Dienstleistungswirtschaft. Deren negative Auswirkungen, insbesondere die des aufkommenden Massentourismus, der u.a. in ungeregeltem Ausbau von „Bettenburgen“ und damit einhergehenden Umweltzerstörungen an sensiblen Küstenstreifen und Berggebieten stattfand, wurde bereits in den 1970er Jahren heftig kritisiert. Der 2003 verstor-

FOTO: WOLFGANG SCHRUF

DER VERSUCH EIN KOMPLEXES THEMA KURZ ZU FASSEN


TITEL Das Gebiet des Tappenkarsees im Land Salzburg ist noch eine Wanderregion zum Erholen. Wer dort hinauf will, findet keinen Lift und muss das noch auf Schusters Rappen tun. Das erfrischende Wasser schätzen nicht nur Rinder, sondern auch manche abgehärtete Wanderer.

unbedingt auf umweltfreundliche Weise geschieht) oder kurze Nationalparkreisen nach Costa Rica (was viele Emissionen verursacht).

Begriffs-Mischmasch. Die Begriffe „Ökotourismus“ und „nachhaltiger Tourismus“ werden immer wieder synonym verwendet – und haben doch große Unterschiede: Ökotourismus ist eine Tourismusvariante wie auch Strandtourismus, Kreuzfahrttourismus, Kulturtourismus etc.. Nachhaltiger Tourismus ist eine Vision, eine Forderung für alle Formen des Tourismus. Die Wurzeln des Ökotourismus liegen in den 1960er Jahren, als „in Schutzgebiete gehender Tourismus“ als Ökotourismus bezeichnet wurde, ohne soziale und ökologische Auswirkungen zu berücksichtigen. 1990 wurde die „International Ecotourism Society (TIES)“ gegründet und definierte Ökotourismus als „verantwortungsbewusstes Reisen in Naturräume, das die Umwelt schont und das Wohlbefinden der Menschen vor Ort verbessert“. Später – als Folge des Internationalen Jahres des Ökotourismus 2002 – versuchten auch die Welttourismusorganisation UNWTO und das UN-Umweltprogramm UNEP eine einheitliche Definition zu schaffen. Heute gibt es so viele unterschiedliche Definitionen, dass alles, was etwas umweltfreundlich zu sein scheint, als Ökotourismus vermarktet wird – seien es Solarpaneele auf dem Hoteldach (was eine Kosteneinsparungsmaßnahme ist), Walbeobachtung (was nicht

…endet beim nachhaltigen Reisen Die größte ökologische Belastung des Tourismus liegt in der Mobilität – die zugegeben zum Verreisen unmittelbar dazugehört. Damit hat der Tourismus einen großen Anteil am Klimawandel – bis zu 15 % der schädlichen Klimawirkung gehen auf sein Konto. Dass der Klimawandel in vollem Gang ist, merken wir am Rückgang der Gletscher ebenso wie an den zunehmenden Wetterkapriolen.

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des nachhaltigen Tourismus bzw. der Umsetzung von Nachhaltigkeit im Tourismus dar, die Mitte der 1990er Jahre begann und bis heute nicht abgeschlossen ist.

Häufiger mal das Auto stehen lassen?

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TITEL

Nachhaltiges Reisen hat im Wesentlichen vier Komponenten: einerseits die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten, zweitens wirtschaftliche Einkommen für die Bevölkerung in den Zielgebieten zu schaffen, drittens zur kulturellen Identität beizutragen und viertens sozial verträglich zu sein – das betrifft im speziellen die Arbeitsbedingungen im Tourismus, aber auch ganz allgemein die Berücksichtigung der Menschenrechte. Wir können, wenn wir nur wollen. Es sind vor allem unsere liebgewonnenen Gewohnheiten und vermeintlichen Bequemlichkeiten, die wir verändern können. Fast alle Urlaubsorte in Österreich lassen sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen – und das ist viel stressfreier, als Sie annehmen. Für die letzten Kilometer stehen so gut wie überall lokale Abholservices oder Taxiunternehmen zur Verfügung. Viele Urlaubsregionen bieten Mobilitätskarten an – mit der Übernachtung gibt es eine Gratisbenützung der lokalen Verkehrsmittel. Der Kauf von Jahresermäßigungskarten der Bahn macht die Anreise nicht nur billiger, sondern motiviert auch, häufiger Bahn zu fahren und das Auto stehen zu lassen. Die Bahn bietet sich auch bei den Reisen in benachbarte Länder an. Der vermeintliche Zeitvorteil des Flugzeugs wird meist durch die Anfahrt zum Flughafen, die Kontrollen dort, Warten aufs Gepäck usw. deutlich relativiert. Und sehr oft bietet die Anreise per Bahn bereits am Reisetag durch den Blick durchs Zugfenster erste Einblicke ins Land und mit den Kontakten mit Einheimischen beginnt schon ein richtiges Urlaubsfeeling. Wenn sich ein Flug nicht vermeiden lässt, können wir CO2-Kompensation zahlen. Von manchen als „Ablasshandel“ bezeichnet, ist die Kompensation eine reale Möglichkeit, dieselbe Menge an CO2, die unsere eigene Reise verursacht, in einem Klimaschutzprojekt einzusparen. Anbieter wie der oftmalige Testsieger Atmosfair garantieren durch externe Kontrollen nachhaltige, das heißt ebenso umwelt- wie sozialverträgliche Projekte, die auch den wichtigen Faktor der „Zusätzlichkeit“ besitzen. Das bedeutet, dass sie den Regierungen nicht die Verantwortung abnehmen, ihre in internationalen Verträgen eingegangenen Verpflichtungen umzusetzen, sondern dass es sich eben um „zusätzliche Projekte“ handelt. Bei der Wahl der Unterkünfte auf kleine, lokale Strukturen wie Urlaub am Bauernhof oder Öko-Labels wie in Österreich das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusbetriebe zu achten, ist für viele Reisende schon selbstverständlich.

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Urlaub ist bekanntermaßen die schönste Zeit im Jahr, dennoch ist das kein Grund, alle Rücksichtnahme auf Umwelt wie auf Menschen, die zu Hause selbstverständlich ist, daheim zu lassen. Riesige All-in-Anlagen, die kaum regionale Küche und keine Kontakte mit Land und Leuten bieten, tragen meist eher zu Urlaubs-Enttäuschungen bei. Kleinere Unterkünfte im Besitz lokaler Familien dagegen schaffen Einblick ins Land und echte Urlaubserlebnisse. Zur Nachhaltigkeit gehören aber bekanntermaßen nicht nur Umweltschutz, sondern auch Respekt vor lokalen Kulturen und die Stärkung der regionalen Wirtschaft. Gerade Begegnungen und Gespräche mit Einheimischen auf gleicher Augenhöhe können zu den Highlights einer Reise werden. Ein zukunftsfähiger Tourismus trägt somit auch zum guten Leben der Bevölkerung in den Zielgebieten bei. Nachhaltigkeitsziele im Tourismus Die UNO hat bereits 2015 ihre Nachhaltigkeitsziele mit dem Tourismus verbunden: Mit den 2015 von ihr verabschiedeten „Sustainable Development Goals (SDG)“ wurde erstmals der Tourismus als wichtiges Instrument zum Erreichen einer nachhaltigen Entwicklung für alle Menschen identifiziert. Drei der 17 Ziele nehmen konkreten Bezug auf Tourismus, im detaillierten Blick erkennt man, dass Tourismus zur Erreichung aller 17 Ziele beitragen kann. Zusätzlich rief die UNO das Jahr 2017 zum „Internationalen Jahr des Nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“ aus. Nationale und regionale Tourismusstrategien, wie auch die Nachhaltigkeitsberichtserstattung in der Hotellerie (z. B. im Boutiquehotel Stadthalle, Wien) oder in anderen Branchen gehen heute verstärkt dazu über, statt allgemein über „Nachhaltigkeit im Tourismus“ zu sprechen, über die Umsetzung der SDGs im Tourismus bzw. im Betrieb zu berichten. Und die Realität? Die möglichen positiven Auswirkungen des Tourismus – wirtschaftliche, soziale und ökologische – werden aktuell von der Diskussion zu punktuellen Überlastungen („Overtourism“) und von den ungelösten Klimaauswirkungen überschattet. Die Menschheit befindet sich in einer Phase, in der die globalen Umweltauswirkungen rasant zunehmen und auch die Tourismuswirtschaft und -politik mit den Konsequenzen, an deren Verursachung sie selbst einen wesentlichen Anteil hat, umgehen muss. Die Tourismusentwicklung sprengt heute die Kapazitäten: Beispielsweise beträgt der – allein auf den Tourismus zurückzuführende – Anteil des Flugverkehrs an den globalen CO2-Emissionen 6–8 %, deren Klimawirksamkeit durch die Emission in der Flughöhe bereits bis zu 15 %. Im Hinblick auf den Verbrauch von Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


FOTO: PIXABAY, GERHARD GELLINGER

NACHHALTIGER TOURISMUS

Hoher Emissionsfaktor Fliegen

Energie, die CO2-Emissionen, den Wasserverbrauch, die Landnutzung und den Nahrungsmittelbedarf werden sich die Auswirkungen des Tourismus innerhalb der nächsten 20 bis 45 Jahre verdoppeln. Selbst wenn Ressourcen in Zukunft deutlich effizienter genutzt würden, wird eine solche positive Entwicklung durch die noch rascher steigende Anzahl an Reisen und der zunehmenden durchschnittlichen Reiseentfernung aufgehoben.

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Arbeitsbedingungen und Menschenrechte. Aber auch die sozialen Auswirkungen zeigen nicht nur die positive Seite der Erweiterung des kulturellen Horizontes für Reisende und Gastgeber*innen, des Zugangs zu Bildung, Information und Gleichberechtigung. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Einhaltung der Menschenrechte stellen den Tourismus weltweit vor große Herausforderungen. Dass das Image des Tourismus als Arbeitgeber bei jungen Österreicher*innen nicht besonders gut ist, liegt nicht nur an oftmals wenig familienfreundlichen Arbeits-

zeiten und vergleichsweise mittelmäßiger Entlohnung. Tourismus zählt auch zu den Branchen mit den größten Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen, wenig Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten und schwierigen Saisonarbeitsanstellungen. Das trifft natürlich nicht auf alle Arbeitgeber im Tourismus zu, führt aber dennoch zu einer – im Vergleich mit allen anderen Branchen – weit überdurchschnittlichen Rate an Jobwechseln und Ausstiegen aus dem Tourismus. Menschenrechtsverletzungen im Tourismus gibt es weltweit – sie reichen vom Verbot einer Mitgliedschaft in Gewerkschaften bis hin zu sexuellem Missbrauch von Kindern oder „Land Grabbing“ und Zwangsabsiedelungen indigener Bevölkerung um eine Ferienanlage zu realisieren. Eine Welle von solchen Fällen ereignete sich nach dem Tsunami von 2004 in Sri Lanka, Indien und Thailand. Berichten von NGOs zufolge flossen internationale Hilfsgelder in einigen Fällen in den Bau touristischer Resorts anstatt in die Rekonstruktion zerstörter Dörfer. Aktuell immer wieder in den Medien ist die

Natur – nur mehr Kulisse?

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TITEL

Viele gute Beispiele. Die Bandbreite erfolgreicher Beispiele in Österreich reicht vom Urlaub im Bregenzer Wald oder dem Biosphärenpark Großes Walsertal im Westen bis zum Waldviertel oder dem Seewinkel im Osten oder dem Lesachtal im Süden Österreichs. Dazu kommen natürlich Urlaube in den Nationalparkregionen oder Mobilitätsvorzeigeregionen wie den „Alpine Pearls“ in Werfenweng, am Weissensee und anderen. Alle diese Regionen bieten Unverwechselbares und überall trägt der Tourismus erfolgreich zum Lebensstandard der lokalen Bevölkerung bei. Ähnliche gute Beispiele kann man in der ganzen Welt finden. High-End Angebote eines wahrlich luxuriösen Urlaubs, etwa in der preisgekrönten „Boomkolbeh-Turkmen Ecolodge“ im Iran oder der ebenso ausgezeichneten „Singita Pamushana Lodge“ in Simbabwe zeigen, dass es auch in diesem Segment möglich ist, nachhaltig und erfolgreich zu sein. Falls die Lust auf mehr und auch weniger luxuriöse Beispiele geweckt wurde: Die Mitglieder des „Forum Anders Reisen“ bieten nachhaltige Reisen in nahezu alle Ecken der Erde an.

geplante zwangsweise Umsiedlung von bis zu 40.000 Massai in Tansania. Vorrangig soll dadurch ein Ökokorridor zwischen dem Masai Mara Nationalpark in Kenia bis zum Serengeti Nationalpark in Tansania ermöglicht werden. Gut informierte Kreise sprechen hingegen davon, dass die tansanische Regierung ein spezielles Jagdtourismusreservat für eine elitäre Klientel plane. Die Schwierigkeiten der Tourismuspolitik Ist es denkbar, dass Tourismus all diesen ökologischen und sozialen Ansprüchen gerecht wird und dennoch – oder gerade deshalb – auch wirtschaftlich erfolgreich ist? Die immer wieder geäußerte Ansicht, dass Nachhaltigkeit nur durch hohe Preise möglich sei oder völlig konträr, dass Nachhaltigkeit nur etwas für die billigen, ländlichen Tourismusregionen sei, sind beide falsch. Erfolgreiche nachhaltige Tourismusregionen und -angebote finden sich in allen Preisklassen, überall auf der Welt und sind für alle Aktivitäten und Urlaubsformen möglich – für fast alle, bei z. B. Kreuzfahrten ist Nachhaltigkeit eher unwahrscheinlich.

Wenig Umsetzung. Um von den guten Beispielen hin zu einem Tourismus zu kommen, der insgesamt nachhaltiger wird, braucht es an erster Stelle ehrliche Strategien. Die meisten regionalen oder nationalen Tourismusstrategien beziehen sich heute auf das Ziel der Nachhaltigkeit. Zum Beispiel sagt der Neue „Plan T – Masterplan für Tourismus“ in Österreich auf der ersten Seite, dass Österreich zur nachhaltigsten Destination der Welt werden will. Die meisten dieser Strategien werden aber nicht ausreichend konkret. Sie nennen keine Prioritäten und Zuständigkeiten, geschweige denn stellen sie finanzielle Mittel zur Verbesserung der Nachhaltigkeit zur Verfügung. Vielerorts scheitert die Nachhaltigkeit auch schlicht am Mangel an Kreativität. Wenn etwa im Wintertourismus an Konzepten aus den 1970er Jahren festgehalten wird – jede Region die ein paar Berge hat, egal wie hoch sie liegt, setzt auf alpinen Wintersport – anstatt die regionalen Besonderheiten, kulturell wie kulinarisch und historisch zu unverwechselbaren – und klimawandelunabhängigen touristischen Produkte zu machen.

TOURISTISCHE BEISPIELE FÜR NACHHALTIGKEIT

Alpine Pearl-Region Weißensee,...

...Pamushana Lodge in Simbabwe

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FOTOS: SCREENSHOTS

...Boomkolbeh Turkmen Ecolodge im Iran,...

Politik: Einzelinteressen wiegen schwerer als das Wohl aller. Vieles ist nur schwierig auf einzelstaatlicher Ebene zu regeln, ein international koordiniertes Vorgehen würde zumindest helfen. Ein Beispiel dafür ist der Versuch die Emissionen, die durch das Fliegen verursacht werden, in den Griff zu bekommen. Vor einigen Jahren ist die EU schon mit dem Vorhaben Flüge in den Europäischen Emissionshandel aufzunehmen gescheitert – vor allem an den Protesten großer Nicht-EU-Mitgliedsstaaten. Der Flugverkehr wurde in Kyoto gar nicht beHerbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


FOTO: WOLFGANG SCHRUF

NACHHALTIGER TOURISMUS

Im Wintertourismus ist Kreativität gefragt: Nicht jede Region mit ein paar Bergen sollte auf Pistenskilauf setzen.

Politik: touristische Erfolgsindikatoren an der Nachhaltigkeit ausrichten. Es gibt zahlreiche Forderungen an die Politik um bessere Rahmenbedingungen für mehr Nachhaltigkeit zu schaffen. Zum Beispiel ist die Forderung nach einer CO2-Steuer wie einer Besteuerung des staatlich quasi-subventionierten Kerosins nicht neu, aber mehr als notwendig. Fliegen muss teurer werden – aus Klimaschutz- wie aus Kostenwahrheitsgründen. In der jetzigen Situation konkurrieren ferntouristische Destinationen, die zudem billige Arbeitskräfte beschäftigen, mit den näher gelegenen Destinationen auf eine kosten- und preisverzerrende Weise. Das Gegenargument heißt: Dann schließen wir ärmere Menschen von bestimmten Reisen aus, das ist sozial

Label für Nachhaltigkeit. Es gibt (trotz vieler Umweltzertifizierungen) kein wirkliches Label für nachhaltiges Reisen – daher ist auch der Anteil der interessierten Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

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sprochen, in Paris nur an eine UN-Unterorganisation verwiesen. Von dieser gibt es nun einen Ansatz: Ab 2020 werden die Emissionen aller Flüge weltweit von den Fluglinien finanziell kompensiert – allerdings von 2020–2027 auf freiwilliger Basis und ab 2027 betrifft die Kompensation nur den Anteil der Emissionen der im Vergleich zu 2020 zusätzlich gewachsen ist. Viel mehr Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit im Tourismus wird so nicht erreicht werden. Was also ist zu tun? Bei den Reisenden gibt es mittlerweile eine hohe Sensibilität für Umweltthemen. Auch das Bewusstsein für soziale Fragen wie Menschenrechte oder Arbeitsbedingungen wächst. Menschen suchen in den Ferien immer mehr regionale Produkte und authentische Erlebnisse. Gesundheit und Entschleunigung wie eine intakte Urlaubsumwelt werden immer wichtiger. Aber als „nachhaltig“ vermarktete Urlaubsprodukte würden wenig gekauft werden, weil die wenigsten wissen, was sich dahinter verbirgt. Nachhaltigkeit taugt wohl nicht fürs Marketing. Die Reisenden können – ganz ohne Komfortverlust – entscheidend dazu beitragen, den Tourismus umweltund sozialverträglicher zu gestalten. Neben dem bewährten Tipp, im Reisebüro einfach viele Fragen zu stellen, selbst wenn sie vorerst nicht beantwortet werden können und der Möglichkeit, sich über „richtiges“ Verhalten im Urlaubsland zu informieren, hilft v. a. ein Perspektivenwechsel: Stellen Sie sich doch einfach mal vor selbst Gastgeber*in für fremde Menschen zu sein. Welche Verhaltensweisen würden Sie erwarten, welches Interesse an Ihrer Heimat würde Sie freuen? Was würde Sie verletzen? Und schon weiß man im Grunde genommen sehr gut, wie man sich selbst im eigenen Urlaub verhalten soll.

Urlauber*innen schwer einzuschätzen. Die meisten Untersuchungen sprechen von 30–40 % der europäischen Reisenden, das entspricht in etwa auch der Größe der sozialen Schicht jener Menschen, die einen gesundheitsbewussten, nachhaltigen Lebensstil pflegen (LOHAS – Lifestyle of Health and Sustainability). Die Tourismuswirtschaft wartet auf mehr Druck der Konsument*innen. Allerdings sollte die Touristik nicht so lange mit nachhaltigen Produkten warten, bis der Druck nicht mehr zu leugnen ist, sondern auch die eigene Verantwortung wahrnehmen.

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FOTO: HANNES SCHLOSSER

TITEL

Ein Beispiel für sanften Tourismus ist Lunz am See, das zu den „Bergstiegerdörfern“ zählt (siehe Seite 48).

OVERTOURISM Am Limit. Al limite. Tourismusbroschüre mit den Themen: Was sind die Brennpunkte und konkreten Risiken? Wo liegen die Chancen für die Zukunft? Welchen Tourismus braucht Südtirol? 2018, 20 Seiten, kostenloser Download: www.verdi.bz.it/overtourism-am-limit/

INFOBOX Begriffserklärung „Touristen sind Personen, die zu Orten außerhalb ihres gewöhnlichen Umfeldes reisen und sich dort für nicht mehr als ein Jahr aufhalten aus Freizeit- oder geschäftlichen Motiven, die nicht mit der Ausübung einer bezahlten Aktivität am besuchten Ort verbunden sind.“ Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO)

ungerecht. Ich plädiere dafür, dass Menschen reisen, es erweitert den Horizont. Wir müssen aber aus Klima- und Umweltschutzgründen über ganz andere Modelle des Reisens nachdenken, etwa Fernreisen nur alle zwei Jahre, dafür aber mit längerer Aufenthaltsdauer. Das geht häufig nicht, weil Arbeitgeber und Arbeitszeiten nicht flexibel genug sind. Da brauchen wir die Politik, um entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir benötigen auch unbedingt bessere – mehr an Nachhaltigkeit ausgerichtete – Erfolgsindikatoren für den Tourismus, jenseits der üblichen Nächtigungszahlen. Die unterschiedlichsten Förderprogramme wie auch die Vergabe öffentlicher Gelder sollten einen ehrlichen Nachhaltigkeitscheck integrieren – und dann nur noch Projekte hin zu mehr Nachhaltigkeit fördern. Damit würden sich beispielsweise im Wintertourismus zahlreiche kontraproduktive Maßnahmen nicht mehr auszahlen. Tourismus ist ein komplexes Thema – die politischen Forderungen für mehr Nachhaltigkeit im Tourismus sind es logischerweise auch. Fazit An mehr Nachhaltigkeit im Tourismus führt kein Weg vorbei – oder es wird in Zukunft den Tourismus, wie wir ihn kennen, nicht mehr geben. Nachhaltigkeit benötigt gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten – der Reisenden wie der Wirtschaft und der Politik. Es braucht jedenfalls gesamtgesellschaftliche Anpassungen, nicht nur kleine Korrekturmaßnahmen.

Text: Dr. Christian Baumgartner, christian.baumgartner@responseandability.com Der Autor ist Wiener Landschaftsökologe und Professor für Nachhaltigen Tourismus an der Fachhochschule Graubünden in Chur (CH). Er besitzt response & ability und hat 25 Jahre Erfahrung in der theoretischen Konzeption und der praktischen Umsetzung eines Nachhaltigen Tourismus.

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INTERVIEW PLAN T

Interview

FOTO: PAUL GRUBER/BMNT

I

m März 2019 stellte das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) den sog. Plan T – Masterplan für Tourismus in Österreich vor. Erreicht werden soll eine neue Qualität in der Tourismuspolitik. In Zeiten des Massentourismus und der Übernutzung unserer Naturräume ein wichtiges Vorhaben. Dass die Latte hoch liegt, zeigt schon der Untertitel „Auf dem Weg zur nachhaltigsten Tourismusdestination der Welt“. Papier ist jedoch geduldig. Deshalb haben wir bei Mag. Ulrike Rauch-Keschmann, der Leiterin der Sektion Tourismus und Regionalpolitik im BMNT, nachgefragt. Als Naturschutzverein liegt uns besonders am Herzen, wie sich die neue Qualität auf Natur & Umwelt auswirken wird und wie sie umgesetzt werden soll – immerhin ist die vielfältige Landschaft eines der Haupt-Urlaubsmotive der Gäste. Gleichzeitig hat der Tourismus deutliche Auswirkungen auf diese Ressourcen, von der Anreise mit dem Auto bis hin zur Schneekanone. Ziele, Handlungs- und Aktionsfelder des Masterplans finden Sie in der Infobox auf Seite 20.

SC Ulrike Rauch-Keschmann während eines Arbeitstreffens

>> Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

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FOTO: PIA MOKROS

PLAN T

natur&land: Als Leitmotiv bzw. Grundprinzip des Masterplans (MP) wird „Nachhaltigkeit in allen ihren Facetten“ genannt. Wo finden sich die „Facette“ Natur, ihr Schutz und die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen wieder? Uns fehlt dieser Aspekt weitgehend. Rauch-Keschmann: Ganz im Gegenteil – im Masterplan wird sogar ein Paradigmenwechsel festgeschrieben: Nicht mehr der Gast allein steht im Mittelpunkt unserer Tourismuspolitik, genauso wichtig sind die Bedürfnisse unserer Unternehmerinnen und Unternehmer und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch der heimischen Bevölkerung und besonders der Umwelt. Es geht nicht in erster Linie um Tourismusdestinationen, die die Ansprüche unserer Gäste erfüllen, sondern um qualitätsvolle Lebensräume, in denen sich sowohl die Gäste als auch die Bevölkerung wohlfühlen – sei es in der Stadt oder am Land. Der nachhaltigen Sicherung der Lebensgrundlagen ist daher auch ein eigenes Handlungsfeld gewidmet. Der Tourismus muss seiner globalen Verantwortung gerecht werden und einen Beitrag zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen leisten, natürlich auch im ökologischen Bereich. natur&land: Im Masterplan steht, dass der Fokus auf der Wertschöpfung liegt. Was heißt das konkret im Hinblick auf die Natur?

FOTO: WOLFGANG SCHRUF

Rauch-Keschmann: Wir halten im Plan T fest, dass es in Zukunft nicht mehr um Ankunfts- und Nächtigungsrekorde geht. Wir wollen keinen Massentourismus, sondern Qualitätstourismus, der auch eine entsprechende Wertschöpfung mit sich bringt. Wir wollen, dass Tourismus und intakte Umwelt kein Widerspruch sind. Diesem Aspekt soll unter anderem mit einem neuen Indikatorensystem und dem Tourismus-Satellitenkonto als Grundlage für die jährliche Bilanz Rechnung getragen

Wandern und Blumen kennenlernen in der Vorderkaserklamm

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Sie haben maßgeblich am Plan T mitgewirkt: v.l.n.r.: Bundessparten-Geschäftsführer Manfred Katzenschlager, Sektionschefin Ulrike Rauch-Keschmann, Bundessparten-Obfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher, Bundesministerin Maria Patek

werden. Dabei werden erstmals auch ökologische Indikatoren und Bilanzanalysen zur Darstellung der Entwicklung herangezogen werden. natur&land: Begleitet wird der Plan T von Aktionsplänen zur Umsetzung, aktuell von jenem für 2019/20. Hier findet sich zwar ein bedeutsamer ökologischer Aspekt, nämlich der Tourismus als Motor der Energiewende. Maßnahmen zum Schutz von Naturlebensräumen vor zu intensiver Nutzung sucht man jedoch vergeblich. Rauch-Keschmann: Der Aktionsplan enthält die jeweils aktuellen Schwerpunkte, das sind im Aktionsplan 2019/20 unter anderem das bereits erwähnte neue Indikatorensystem oder ganz bewusst der Energiebereich vor dem Hintergrund der nationalen Klima- und Energiestrategie #mission2030. Gleichzeitig spielt der verantwortungsvolle Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen bei vielen weiteren – nicht dezidiert im Aktionsplan angeführten – Maßnahmen im Tourismus eine große Rolle, Stichwort nachhaltige Mobilität oder Nationalparks. Zudem werden in unserem Ministerium zahlreiche weitere Strategien verfolgt, die zwar nicht direkt mit dem Tourismus zusammenhängen, aber dennoch Auswirkungen auf diese Branche haben. Hier möchte ich zum Beispiel die Aktion „Raus aus dem Öl“, das nationale Luftreinhalteprogramm, die Förderung von E-Mobilität oder das aktuelle Plastiksackerl-Verbot erwähnen. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


FOTOS: ÖSTERREICH WERBUNG/HANS WIESENHOFER

INTERVIEW

Berge und Almen sind ein beliebtes Motiv in der Tourismuswerbung. Das Foto zeigt die Heuernte im Brandner Tal.

natur&land: Wer hat am Plan T maßgeblich mitgearbeitet? Wie stark waren Natur- und Umweltschutzverbände eingebunden? Rauch-Keschmann: Die Erarbeitung des Plan T war ein offener Prozess, mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Bereichen haben sich aktiv beteiligt. Jeder Interessierte konnte sich sehr einfach über die Website www.bmnt.gv.at/masterplan-tourismus für die Workshops anmelden. Diese Möglichkeit wurde auch erfreulich oft genutzt, auch von Natur- und Umweltschutzverbänden. Der Umweltdachverband war mit Herrn Präsident Franz Maier zudem auch Mitglied im Expertinnen- und Expertenrat, der den Prozess begleitet hat. natur&land: Laut einer Umfrage von Mindtake (Jänner 2019) lehnt ein Viertel der Befragten den Massentourismus ab, 89 % der Österreicher hoffen auf weitere Stärkung des Qualitätstourismus. Wird es in den weiteren Aktionsplänen Obergrenzen mit konkreten Zahlen geben? Rauch-Keschmann: Massentourismus ist kein Ziel der österreichischen Tourismuspolitik. Es geht um einen vernünftigen und sozial verträglichen InteressenausHerbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

gleich von einheimischer Bevölkerung und Gästen aus aller Welt. Ob Obergrenzen oder Verbote geeignete Instrumente sind, bezweifle ich. Was wir allerdings sehr wohl brauchen, ist eine vorausschauende Besucherlenkung, die in vielen Regionen Österreichs schon sehr gut funktioniert. natur&land: Wer setzt den Plan T um bzw. wer überwacht die Einhaltung der Vorgaben und Ziele? Rauch-Keschmann: Wir haben Ziele gesetzt, die wir zum Teil als Ministerium selbst umsetzen können. Aufgrund der Kompetenzlage braucht es bei vielen Handlungsfeldern aber gemeinsame Anstrengungen unterschiedlichster Akteure. Hier werden wir als Ministerium die relevanten Stakeholder motivieren und Plattformen schaffen, um einen regelmäßigen Austausch und ein koordiniertes Vorgehen zu ermöglichen. Das Engagement der Branche ist erfreulicherweise sehr hoch, ich denke wir sind hier auf einem guten Weg. So wurden zum Beispiel der Aktionsplan für Almen und die Neuaufstellung des Netzwerks Kulinarik bereits erfolgreich umgesetzt.

Interview: Ingrid Hagenstein

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INTERVIEW PLAN T

INFOBOX

Die wesentlichen Punkte im Plan T – Masterplan für Tourismus: 3 Zielkorridore – 9 Handlungsfelder à 3 Aktionsfelder Der Plan T skizziert Wege, Ideen und Grundlagen, die für den Tourismus von großem Wert sein können. Er ist als Grundlage gedacht für die Tourismuspolitik der österreichischen Bundesregierung in den nächsten Jahren: Zielkorridor 1: Tourismus neu denken a. Bewusstsein für den Tourismus stärken mit folgenden Aktionsfeldern: • Wert des Tourismus vermitteln und ein positives Tourismusbewusstsein fördern • Den Menschen ins Zentrum rücken • Selbstbewusstsein erhöhen und Berufsidentität stärken b. Kooperationskultur stärken mit folgenden Aktionsfeldern: • Dialog gestalten und neue Formate etablieren • Kooperationen anstoßen • Wissenstransfer und brancheninternes Lernen ermöglichen c. Digitale Potenziale nutzen mit folgenden Aktions feldern: • Touristische Unternehmen bei der fortschreitenden Digitalisierung unterstützen • Datenallianzen bilden • E-Government-Service ausbauen Zielkorridor 2: Die Leitbranche des 21. Jhdt. weiterentwickeln d. Tourismusstandort attraktiv gestalten mit folgenden Aktionsfeldern: • Regelungen vereinfachen und Steuerbelastung verringern • Chancen für die nächste Generation wahren • Fairen Wettbewerb für alle Vermieterinnen und Vermieter ermöglichen e. Ausbildung und Arbeitsmarkt fit für die Zukunft machen mit folgenden Aktionsfeldern: • Ausbildungsqualität optimieren • Arbeiten im Tourismus besser gestalten • Mit überbetrieblichen Maßnahmen einen Beitrag leisten f. Lebensgrundlage nachhaltig sichern mit folgenden Aktionsfeldern: • Österreich als „grüne“ Destination positionieren • Tourismus zum „Kraftwerk“ machen • Strukturen für eine nachhaltige Mobilität schaffen und Konnektivität verbessern

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Zielkorridor 3: Kräfte bündeln g. Regionalen Mehrwert für alle schaffen mit folgenden Aktionsfeldern: • Regionale Strukturen und Wertschöpfungsketten stärken • Österreich als Kulinarik-Destination erlebbar machen • Land- und Forstwirtschaft als Erlebnis- und Erholungsfaktor nutzen h. Tourismusmarketing erfolgreich weiterentwickeln mit folgenden Aktionsfeldern: • Destinationsmanagement neu denken • Märkte gemeinsam erobern • Digitalisierung für Marketing und Produkt entwicklung nutzen i. Finanzierung und Förderung flexibler gestalten mit folgenden Aktionsfeldern: • Familien- und inhabergeführte Betriebe als Rückgrat des österreichischen Tourismus durch Finanzierungs- und Fördermechanismen stärken • Eigenkapitalnahe Finanzierungsinstrumente schaffen • ÖHT als Know-how-Geberin stärken Die Langfassung finden Sie hier: www.bmnt.gv.at/masterplan-tourismus

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Interview TRENDWENDE IM TOURISMUS – WO SOLL, WO MUSS SIE STATTFINDEN? natur&land: Wo muss die Trendwende ansetzen? Rössler: Die Tourismuswirtschaft ist eine sehr schwankende und verwundbare Branche, und damit meine ich nicht nur Wetterkapriolen oder Flugstreiks, sondern auch Arbeitsbedingungen, internationale Trends und ganz besonders das Thema Klimawandel. Meine 30 Studierenden aus 17 Herkunftsländern haben letztes Jahr übereinstimmend „Climate Change“ als Top-Umweltthema genannt; sie alle sind in ihren Heimatländern bereits betroffen. Genau darin liegt auch das Dilemma: In wirtschaftlich schwächeren Ländern wurde der Tourismus zu einem wichtigen Entwicklungssektor, weil er gute Bildungs- und Einkommenschancen in mehrfacher Weise eröffnet. Zugleich muss dabei ganz besonders auf die sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen geachtet werden, denn die Gefahren der Ausbeutung von Menschen und Natur sind überall gegeben. Dazu müssen wir als Gesellschaft endlich unsere Grenzen akzeptieren und uns vom ewigen Wachstumswahn verabschieden, beim Ressourcenverbrauch, beim CO2-Ausstoß und bei der Belastbarkeit von Ökosystemen. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind untrennbar verbunden, und die Tourismusbranche muss diese Trendwende vollziehen. Darin liegt auch eine große Chance.

Astrid Rössler FOTO: PRIVAT

Die Aussage der Klimaforscherin Almut Arneth „Wir können nicht mehr weitermachen wie bisher“ trifft auch auf den Tourismus zu. Wir haben die Umweltjuristin und Lehrende am internationalen Institute of Tourism and Hotelmanagement in Salzburg-Klessheim, Astrid Rössler, gefragt, was sie ihren Studierenden dazu mit auf den Weg gibt. Immerhin unterrichtet sie seit zehn Jahren das Fach „Sustainable Development“ und hält Vorlesungen an der Salzburger Universität.

natur&land: Ist die Zeit für die Trendwende reif? Rössler: Ja, unbedingt! Die Dringlichkeit eines Systemwechsels wird von jüngeren Menschen deutlich stärker erkannt. Damit meine ich nicht nur die weltweite „Fridays-for-Future“-Bewegung im Klimaschutz, sondern auch die mediale Präsenz der Nachhaltigkeit. Und hier ist die Tourismusbranche inzwischen an mehreren Nachhaltigkeitsfronten gefordert. In Österreich spüren wir bereits die Auswirkungen von Hitzewellen und Unwettern, es gibt die ersten Hotspots von Overtourism, und der wöchentliche Urlauberwechsel beschert uns lange Stauzeiten auf den Hauptrouten des Straßenverkehrs. Dazu kommen Personalmangel und hoher Investitionsdruck in Hotel- und Gastgewerbe. Insgesamt ist ein wachsendes Unbehagen spürbar, es werden Ressourcenverbrauch und Klimaschäden diskutiert, das beginnt bei Plastikflut und Lebensmittelverschwendung und reicht bis zu Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtriesen und Billigflüge. Viele spüren, dass sich etwas ändern muss.

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FOTO: PIXABAY/SASCHA HENDLE

natur&land: Wie sieht es international mit Nachhaltigkeit im Tourismus aus? Rössler: Meine Student*innen fragen immer, warum der Umweltschutz bei uns höher ist. Und sie meinen damit vor allem die Abfalltrennung, das saubere Trinkwasser und die Biolandwirtschaft. Im Rückblick auf fast 40 Jahre Umweltrecht kann ich ihnen erzählen, dass unsere Umweltgesetze und besonders der Vollzug maßgeblich durch Bürger*innen-Engagement und NGOs geprägt und heftig erstritten wurden. Doch in vielen Ländern sind die Umweltstandards niedrig, die Durchsetzungsrechte von Einzelnen gering und die Vollzugspraxis für Einflussnahme und Korruption anfällig. Was ich damit sagen will: Nachhaltigkeit braucht den Rückhalt rechtsstaatlicher Strukturen und dazu auch Individualrechte und Bürger*innenbeteiligung im Umwelt-

Überfüllte Salzburger Altstadt

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FOTO: WOLFGANG SCHRUF

TITEL

Wenig nachhaltig: Künstliche Beschneiung grüner Wiesen in Obertauern im November, um die Wintersaison abzusichern.

schutz und im Sozialsystem. Solange Umwelt- und Sozialdumping den Wettbewerb derart verzerren, sitzt der nachhaltige Tourismusbetrieb leider am kürzeren Ast. Die Welttourismusorganisation (UNWTO) der Vereinten Nationen befasst sich schon lange mit Nachhaltigkeit, sie bezeichnet es als ethische Aspekte im Tourismus. Ausgehend von den Bereichen Umweltschutz, Soziales, Menschenrechte und Tierschutz wurde im Jahr 1999 der Globale Ethikkodex für Tourismus beschlossen. Er umfasst in 10 Artikeln alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekte im Sinne von Nachhaltigkeit und richtet sich an alle öffentlichen und privaten Akteure in der Tourismusentwicklung, also auch an die Reisenden selbst. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig der Ethikkodex für Tourismus bekannt ist. Von meinen ITHStudent*innen hat kaum jemand davon gehört, obwohl es ein Kodex unter dem Dach der Vereinten Nationen ist. natur&land: Haben Sie dafür eine Erklärung? Rössler: Es ist wohl die klare Sprache des Ethikkodex, die uns die Gefahren und Missstände in der Tourismuswirtschaft schon vor 20 Jahren deutlich vor Augen geführt hat. Wenn es in Artikel 2 um Tourismus als individuelle und kollektive Erfüllung geht, dann werden auch die Gleichstellung von Mann und Frau, Menschenrechte und die Bekämpfung von Ausbeutung und insbesondere sexueller Ausbeutung von Kindern direkt angesprochen. Artikel 3 befasst sich mit Naturschutz und Beschränkungen in ökologisch sensiblen Gebieten, Artikel 9 mit den Arbeitsbedingungen im Tourismus. Dazu kommt explizit ein Appell an multinationale Unternehmen, sie „sollten ihre vorherrschende Stellung nicht ausnutzen“ zu Lasten des lokalen Wettbewerbs. Das sind die Schattenseiten eines Wirtschaftszweiges, eine unbequeme Wahrheit, die ausgeblendet wird. Doch da dürfen wir nicht wegschauen, es geht auch um unser Engagement für globale Verantwortung. natur&land: Wo stehen die Touristikfachleute in unserem Land?

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Rössler: Es gibt erfreulicherweise schon eine Vielzahl von sehr naturverträglichen Angeboten für Reisen und Nächtigungen, viele umweltzertifizierte Betriebe mit hohem Engagement und guten Kooperationen mit regionalen Speisen in Bioqualität. Hier sind Querdenker*innen und Pioniere am Werk, das ist der richtige Weg. Auf der anderen Seite sind zur Absicherung der Wintersaison 70 % der österreichischen Skipisten mit künstlicher Beschneiung ausgestattet. Da laufen wir noch immer in die falsche Richtung, wenn doch allen längst klar sein muss, dass die Winter milder werden. Wie sehen die künftigen Tourismuskonzepte für schneearme Winter aus? Hier vermisse ich auch die politischen Vorgaben an alle Wirtschaftssektoren, konkrete Strategien zur Klimawandelanpassung auszuarbeiten, da verlieren wir wertvolle Zeit. Nachdem unser heimischer Tourismus stark naturund landschaftsbezogen ist, wünsche ich mir eine stärkere Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlichen Produzenten und Tourismusbetrieben. Zum einen geht es um die Wertschätzung für die regionale Produktion von Lebensmitteln, um die Verringerung von Transportwegen und um die Erhaltung der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft. Zum anderen geht es aber auch um Bodenschutz, Artenvielfalt und Erhaltung von Bewirtschaftungsflächen im Sinne von Ernährungssouveränität. Wer die blühenden Almwiesen am Prospekt abdruckt, dann aber Butter und Käse mit Billigimporten im Großmarkt abdeckt, fördert weiter die falsche Agrarpolitik der Massenproduktion. Wenn man Tourismus und Nachhaltigkeit zu Ende denkt, führt an der Biolandwirtschaft kein Weg vorbei. natur&land: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen im Tourismus? Rössler: Nachhaltige Mobilität und Klimagerechtigkeit sind für mich die Kernthemen im Tourismus, sowohl weltweit als auch im heimischen Tourismus. Es ist sehr erfreulich, dass die ÖBB die Nachtzüge wieder forcieren, darin liegt ein großes Potenzial für einen klimaverträgliHerbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


FOTO: WOLFGANG SCHRUF

natur&land: Wo sehen Sie die Chancen im Tourismus der Zukunft? Rössler: Für mich sind Finsternis und Stille die kostbarsten Ressourcen der Zukunft. Die erste Reaktion ist meist ein ungläubiges Innehalten, aber dann verstehen die meisten, was ich damit meine. Wir leben in einer Zeit mit totaler Reizüberflutung, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen werden wir mit Botschaften, Musik,

FOTO: OTHMAR ORTNER

cheren Tourismus. Österreichs zentrale Lage könnte zum Matchwinner fürs Bahnreisen in Europa werden, wenn auch die Tourismusbetriebe mitziehen und das entspannte Reisen als Qualitätsmerkmal bewerben. Regionale Mobilitätslösungen für Urlaubsgäste sind machbar, die Nationalparkregion Hohe Tauern zeigt es vor, die Nationalpark-Card ist ein Renner für Sommer- und Wintergäste. Bei Flugreisen wird allerdings ein deutlich größeres Umdenken nötig sein, denn die Ticketpreise decken bei weitem nicht die wahren sozialen und Umwelt-Kosten der Luftfahrt ab. Im ersten Schritt müssten zumindest eine adäquate Kerosinsteuer und verpflichtende CO2-Kompensation für alle Flugreisen eingeführt werden. Beim Thema Klimagerechtigkeit geht es um die globale Verantwortung für die Folgen der Klimaerwärmung. Die westlichen Länder einschließlich Österreich haben mit ihrem hohen Lebensstandard zum Klimawandel überproportional viel beigetragen. Sie sollten jetzt die stark betroffenen Länder in Afrika und Asien mit ihrem Knowhow für Energieeffizienz unterstützen. Oder um es überspitzt zu formulieren: Während wir uns im reichen Österreich mit komfortablen Klimaanlagen und Gartenpools gegen die Hitze aufrüsten, geht es in diesen Ländern um den existentiellen Zugang zum Trinkwasser. Hier müssen wir mit größerem Engagement zur Bewältigung der Klimakrise beitragen.

INTERVIEW

In Zeiten der Reizüberflutung sind Dunkelheit und Stille wichtig für die Regeneration. Im Lungau ist ein solcher Nachthimmel noch zu sehen.

Werbeslogans, Information, Licht und Geräuschen zugemüllt. Selbst in der Nacht wird es in Siedlungsgebieten nicht mehr leise und dunkel, dabei braucht der Mensch unbedingt Finsternis und Stille zur Regeneration, körperlich wie seelisch. Der Bedarf für Regeneration wird weiter steigen, das Angebot für Wellness boomt und wird sich weiter entwickeln. Entschleunigung und Erholung werden nur in den geeigneten Naturräumen stattfinden können. Dafür müssen wir unsere Wälder, die naturbelassenen Flusslandschaften und alpinen Landschaften vor weiteren Nutzungen und Verschlechterungen schützen. Wir brauchen wieder Finsternis und Stille. Interview: Ingrid Hagenstein Sommerzeit im Skigebiet Waidringer Steinplatte in Tirol: Statt Bergerlebnis gibt es Strandfeeling. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

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FOTO: PIXABAY/HANS BRAXMEIER

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Ohne Maulkorb

BREMSSPUR FÜR DEN TOURISMUS – ABER WIE? Mühsam und mit allen Mitteln versteckt die Tourismusindustrie ihre Sünden, wohl wissend, dass täglich neue hinzukommen – auch bei uns in den Alpen.

Bis heute aktuell: Das Buch „Die Landschaftsfresser“ von Jost Krippendorf aus den 1970er Jahren. Mehr dazu auf Seite 10.

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Skizirkus Ischgl

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as wird den Tirolern nicht gepasst haben, als ihnen der bayerische Ministerpräsident Söder im Zuge der Transitdebatte und Blockadeabfertigung zu verstehen gab, auch im Allgäu lägen schöne Tourismusorte. Dass der tägliche Kampf um den Gast nun auch auf dieser politischen Ebene ausgetragen wird, ist neu. Von der Alpenkonvention – unterzeichnet 1989 in Berchtesgaden – und einer gemeinsam getragenen Alpentourismuspolitik ist da wenig übrig geblieben bzw. entstanden.

Die Gesamtsicht ist verloren gegangen Seit den „Landschaftsfressern“ von Jost Krippendorf in den 1970-iger Jahren hat sich an der grundsätzlichen Bedeutung des Wortes wenig geändert. Als Alpenschützer lässt es einen verzweifeln. Denn nach der Sicht vieler Touristiker ist alles im Tourismus nachhaltig, weitsichtig geplant, innovativ, gesund (auch, wenn daneben wieder ein Dorfgasthaus stirbt). Mit dieser Verengung der Sicht und der Verdrängung der Probleme geht der Blick aufs Ganze, die Gesamtsicht, verloren. Der Hoteltourismus hat dann anscheinend nichts mehr mit Seilbahnen zu tun, der mittlerweile überbordende An- und Abreiseverkehr hängt nicht mehr mit dem Tourismus zusammen, der Flächenverbrauch, die zunehmende Zerschneidung der Landschaft steht für sich allein da. Und die Verbiegungen des Umweltrechts des letzten Jahres geben dieser Entwicklung anscheinend sogar noch Recht. Der Ressourcenverbrauch geht zu langsam, die Rechtsprechung ist zu umweltlastig. Schnell wurde das UVP-G zu Ungunsten der NGOs novelliert, ein Standortanwalt eingesetzt, das Staatsziel „Wirtschaft“ in die Verfassung gehievt. Haben zum Erreichen dieser Ziele möglicherweise auch Touristiker „gespendet“? Dieses schon oft beschriebene Wachstumsschwungrad wird sich nun weiter drehen: Betten, Chaletdörfer, Seilbahnen, Kapazitäten, Straßen, Trails, Großevents, Hotelveräußerungen an Ausländer, usw.. Die Gier ist noch lange nicht geHerbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


sättigt, die rein oberflächlich betrachtete Erfolgsgeschichte des Tourismus nicht zu Ende, Raumplanung und Naturschutz als Fach- und Behördeninstanzen zu schwach und der Kitt zwischen Politik, Grundeignern, Medien, Beamtenschaft noch zu fest, um eine Konsolidierung zu erreichen.

Chaletdorf im Skigebiet der Flachau (Pongau)

Die im oberitalienischen Raum vehement zur Diskussion stehende Verlängerung der Autobahn A 22 –„Alemagna“ würde für die Befüllung der skitouristischen Aufstiegshilfen hervorragend behilflich sein. In Krimml mit den weltbekannten Krimmler Wasserfällen soll die „Krimmler Wasserfallbahn“ von Krimml Ort nach Hochkrimml entstehen. Damit wäre Zell am Ziller/Rohrberg im Zillertal mit Krimml bergüberspannend verbunden. Aber selbst im Kernland der „Seilbahner“, in Tirol, haben die Unternehmen noch immer nicht genug Seilbahninfrastrukturen errichtet und Pisten gebaut. Es

BILDQUELLE: GOOGLE/ARCHIV NATURSCHUTZBUND

Der Wachstumskreisel dreht sich weiter Seit dem vom Schweizerischen Tourismusforscher Josef Krippendorf 1982 veröffentlichten Buch „Die Landschaftsfresser“ und in der Folge von vielen Tausenden von tourismuskritischen Büchern und Essays, zahllosen Auseinandersetzungen um die „richtige“ und „sinnvolle“ Orts- und Regionalentwicklung sollte man annehmen können, dass sich Touristiker eines Besseren besonnen hätten. Aber nein, wenn sich der Tourismus einmal im Wachstumskreisel dreht, dann gibt es kein Anhalten mehr. Am Neusiedler See soll laut Plan der Hafen der Superlative Fertörakos bis 2021 entstehen. Die Anlage soll Stellplätze für 800 Boote und Vier-Sterne-Hotels auf einer Fläche von 60 Hektar umfassen. Landauf landab gibt es einen Chaletdörferplanungsboom, in Kärnten wird das Wurtenkees-„Gletscherskigebiet“ verkauft und eine Hotelanlage und Pisten durch Schutzgebiete errichtet, obschon die Genehmigung den Inhalten der Alpenkonvention widerspricht. Ihre Protokolle sind seit dem Jahre 2002 völkerrechtlich und innerstaatlich in Kraft und sind durch die Behörden anzuwenden. Tief im Südwesten der Republik Österreich, grenzüberschreitend zu Italien (Südtirol, Veneto), wird ein Riesenskigebiet von Sexten nach Sillian (und weiter zum Thurntaler) und von Sexten über den Kreuzberg nach Padola/Comelico entstehen.

FOTO: WOLFGANG SCHRUF

BREMSSPUR FÜR DEN TOURISMUS

In der Kritik: die Pläne für die „Krimmler Wasserfallbahn“. In Rot der geplante Verlauf der Gondelbahn vom Ort Krimml nach Hochkrimml, nahe den Krimmler Wasserfällen, die zum Nationalpark Hohe Tauern gehören. Damit wäre Zell/Ziller im angrenzenden Tirol mit Krimml bergüberspannend verbunden. Weitere Info auf Seite 30.

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FOTO: TIIA MONTO/WIKIPEDIA

TITEL

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Größenwahn am Ötztaler Gletscher in Planung

scheint der Traum eines Tiroler Seilbahnbauers und Multifunktionärs aus dem Zillertal, hart an der Grenze zu Salzburg beheimatet, in Erfüllung zu gehen, dass er eines Tages aus seinem Hotel direkt mit der Gondel ins Tiroler Landhaus nach Innsbruck fahren wird können. Bisher haben sich die Seilbahner auf den östlichen Rand der zwischen Wipptal (Brenner) und Zillertal gelegenen Tuxer Alpen, genannt die „stillen“ Tuxer, konzentriert. Jetzt wollen sie tief in diese Gebirgsgruppe einstechen, den Gilfert in Richtung Inntal bei Schwaz überqueren. So wird ein „stiller“ Ergänzungsraum zum FOTO: WOLFGANG SCHRUF

ie viertgrößte Gletscherfläche der Ostalpen soll dem größten Gletscherskigebiet der Welt weichen. Zwei österreichische Bergbahnbetreiber wollen sich zum größten Gletscherskigebiet der Welt zusammenschließen. Derzeit prüfen Behörden die Umweltverträglichkeit des Projekts. Bisher blieb diese sensible Hochgebirgslandschaft beinahe unberührt, doch der Erschließungsdruck steigt – nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels. Die Pitztaler und Ötztaler Gletscherskigebiete wollen hier schon seit Jahren eine „Lücke“ schließen, indem sie von beiden Seiten Gondelbahnen bauen, die stündlich mehrere tausend Skifahrer bergwärts transportieren. Zudem planen sie ein Skizentrum mit Restaurant, Garagen und diversen Verkehrswegen, wollen 64 ha neue Skipisten auf dem Gletschereis planieren, einen Speichersee für Kunstschneeproduktion graben und einen 614 m langen Skitunnel durch den Berg bohren. Im Frühling haben die beteiligten Bergbahnbetreiber ihre Projektunterlagen vorgelegt, im Oktober 2019 wollen die Behörden die Umweltverträglichkeitsprüfung abschließen. Mehr Infos auf: www.cipra.org/de/news/groessenwahn-am-gletscher

Geht es nach dem Wunsch der Tiroler Seilbahnwirtschaft soll der Gilfert in Richtung Inntal überquert werden. Dann wären es nur mehr wenige Kilometer zu Glungezer und Patscherkofel. Über den Patscherkofel dann nach Igls und von dort mit einer Seilbahn nach Innsbruck-Mitte, wie es bereits mehrere Studien verkehrstechnisch empfehlen!

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Inntal bei Schwaz

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Der Nutzungsdruck steigt überall: Klettersteige und...

übervollen Inntal und bereits hereindrängenden Südbayern geopfert. Dann sind es nur mehr wenige Kilometer zu Glungezer und Patscherkofel. Über die Patscherkofel nach Igls und von dort mit einer Seilbahn nach Innsbruck-Mitte, wie es bereits mehrere Studien verkehrstechnisch empfehlen. Im Tiroler Oberland gibt es jede Menge an geplanten Großangriffen wie zwischen Sellrain und Ötztal, die Erweiterung bzw. den Zusammenschluss zwischen den Gletscherskigebieten Pitztal und Ötztal (allein 64 Hektare in Betracht gezogene Gletscherfläche) und Projekte in der Ferwallgruppe. Für das Gletscherskigebietsprojekt läuft bereits das UVP-Verfahren. Diese Liste der Großverfahren ließe sich fortsetzen und wird im Laufe der Jahrzehnte nicht kleiner werden. Die Crux mit dem Verkehr Dabei ist festzuhalten, dass so manches Tourismusprojekt für sich allein bzw. im regionalen Kontext betrachtet, aus verschiedenen Gründen heraus Sinn machen könnte. Der wirtschaftliche Zusammenhang ist ja nicht von der Hand zu weisen. Die verschiedenen Probleme entstehen durch die wahllose Aneinanderreihung von Projekten. Der motorisierte Freizeitindividualverkehr in und aus den Tourismuszentren zu den Spitzen des Winter- und des Sommerfremdenverkehrs ist dann nicht mehr beherrschbar, die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung, Sicherheit und innerregionale Erreichbarkeit ist nicht mehr im erforderlichen Ausmaß gegeben. In Zusammenhang mit dem alpenquerenden Gütertransitverkehr bricht dann der Verkehr auf der Brennerachse zusammen. Im Tourismuskontext sollte über diese Zusammenbrüche besser nicht geredet werden. Wenn an Wochenenden die Fahrtzeit vom Achensee (Eben am Achensee) zum Knoten Eingang Zillertal für knapp 10 km sechs Stunden beträgt, dann ist am System Tourismus etwas schwer erkrankt. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

FOTO: PIXABAY ALESSANDRO SQUASSONI

FOTO: PIXABAY/HANS BRAXMEIER

BREMSSPUR FÜR DEN TOURISMUS

...Trails querfeldein.

Der nächste Verkehrskollaps ist dabei schon im Entstehen: Bereits jetzt stellt der Fernpass ein berühmt berüchtigtes Nadelöhr zwischen Füssen und dem Inntal dar. Wie wird sich dort die Situation entwickeln, wenn die Erweiterung bzw. der Zusammenschluss der Gletscherskigiebiete Pitztal – Ötztal Realität wird? Sind die Errichtung des Fernpasstunnels und des Tschirganttunnels die unaufschiebbare Konsequenz? Von der Verlagerung auf öffentliche Verkehrsmittel, die dafür stärkere Beanspruchung von Finanzmitteln der Seilbahnunternehmen und/oder die strikte Umsetzung der Inhalte des Verkehrsprotokolls der Alpenkonvention, fehlt noch viel. Das Problem der Nutzungsverdichtung Aber nicht nur auf den Tal- und Hangböden ist es dichter geworden. Zu den Winterinfrastrukturen kommen neue Wanderwege, Klettersteige, Biker-Routen. Das „Erfolgsmodell Winter“ soll auch im Sommer seine Nachahmung finden. Je weiter Aufstiegshilfen in die Höhe gebaut werden, desto höher hinauf gehen die Skitourengeher in die Wildnis- bzw. verbliebenen Freiräume. Bei allem Respekt vor der körperlichen Anstrengung

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TITEL

INFOBOX Die Alpenkonvention ist ein internationales völkerrechtliches Abkommen zum Schutz der Alpenregionen. Die Agenden des Naturschutzes sind im Protokoll „Naturschutz und Landschaftspflege“ geregelt. Das Protokoll sieht insbesondere vor, dass die Alpenstaaten Konzepte, Programme und/oder Pläne erarbeiten, die den angestrebten Zustand von Natur und Landschaft sowie die dafür erforderlichen Maßnahmen beinhalten (Landschaftsplanung). Basis dafür ist der zu erhebende Ist-Zustand.

Landschaft ist verhandelbar Wie unsere Blickwinkel die Alpen formen Themenheft von SzeneAlpen Nr. 104/2018, Cipra International (Hrsg.), 24 Seiten, kostenlos zu beziehen: CIPRA International: international@cipra. org oder www.cipra.org/szenealpen

Text: Peter Haßlacher, Vorsitzender CIPRA Österreich, peter.hasslacher@ cipra.org

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und Herausforderung im Alpinismus bleibt es nicht immer verständlich, dass die großen alpinen Vereine die Verdichtung der Anlagen und Aktivitäten im Hochgebirge derart bewerben und fördern. Oftmals scheint diese Entwicklung aus einer Art Konkurrenzierung um neue Mitglieder zu entstehen. Zu diesen vorrangig touristischen Vorhaben und Eingriffen kommt die Vielzahl an weiteren Forst-, Almwirtschaftsstraßen, Aufschließungswegen für Kraftwerksbauten, Windenergieanlagen, die selbst den Touristikern mancherorts zu viel werden. Da kommt dann immer wieder die Anwendung der Instrumente der „Alpinen Raumordnung“ ins Spiel. Seit dem In-Kraft-Treten der Alpenkonvention im Jahre 1995 bzw. dann in den Protokollen 2002 sind Ruhezonen/-gebiete, Freihaltezonen, Freiräume für den gesamten Anwendungsbereich der Alpenkonvention – das sind rund zwei Drittel der österreichischen Staatsfläche – umsetzbar. In den Protokollen „Naturschutz und Landschaftspflege“, „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“, „Tourismus“ und „Energie“ sind klare Handlungsanweisungen zu finden. Das schaut zwar auf der völkerrechtlichen Ebene gut aus, wird aber innerstaatlich beispielsweise mit Verordnungen nicht/kaum angewendet. Deshalb ist es schwer, eine Gliederung des Hochgebirgsraumes durch Räume unterschiedlicher Nutzungsintensität zu erreichen. Tourismuskonzepte kritisch betrachtet Verbunden mit wichtigen Entwicklungszielen für die österreichischen Bundesländer werden in mehr oder weniger großen zeitlichen Abständen Masterpläne, Tourismuskonzepte oder Raumordnungspläne für eine „raumverträgliche Tourismusentwicklung“ usw. erarbeitet und herausgegeben. Der Maßstab für ihre Umsetzung im täglichen Geschäft folgt dem Grad der von den politischen Willensträgern akzeptierten Einsicht für umwelt- und raumbezogene Themen. Wenig verbindliche Programme sind somit nicht viel mehr wert als das Papier, auf dem sie geschrieben stehen. Im März 2019 hat das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus den sog. Tourismus-Masterplan veröffentlicht. Wie immer in solchen Generalplänen sind auch hier viele zukunftsweisende Sätze enthalten: „Unsere intakte Natur sowie unsere schöne und vielfältige Landschaft sind die Haupt- und Urlaubsmotive unserer Gäste. Gleichzeitig hat Tourismus deutliche Auswirkungen auf diese Ressourcen von der Anreise mit dem Auto bis zur Schneekanone. Dieses Spannungsverhältnis müssen wir im Blick haben und einen vernünftigen Interessenausgleich finden. Es wäre der falsche Ansatz, den Tourismus zu verurteilen (…). Dennoch oder gerade deswegen müssen wir mit unseren natürlichen Ressourcen respektvoll umgehen und Fehlentwicklungen rechtzeitig gegensteuern.“ Die Alpen als wohl größte Landschaftsattraktion in Österreich scheinen in diesem T-Masterplan mit keinem Wort auf. In den Jahren 2019/20 soll der Masterplan mit einem Aktionsplan befüllt werden. Es ist zu hoffen, dass dadurch die Fülle an Konflikten in Zusammenhang mit Tourismusprojekten gemindert werden kann. Ein Schlüssel dazu wird der ehrliche Einbezug der tatsächlich betroffenen Bevölkerung und nicht das Diktat rein wirtschaftsorientierter Tourismus- und Seilbahnpolitiker sein. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


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ES STEHT VIEL AUF DEM SPIEL

TOURISMUS IM SPANNUNGSFELD VON RAUMPLANUNG UND NATURSCHUTZ

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s ist in vielerlei Beziehung verständlich und notwendig, dass man dem Tourismus als Wirtschaftszweig große Aufmerksamkeit zuwendet, sich über seine Zukunft den Kopf zerbricht wie im Tourismus-Masterplan. In seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung entspricht der Tourismus in Österreich beinahe jener, die die Automobilindustrie für das Bruttonationalprodukt unseres großen Nachbarn Deutschland spielt. „Der Plan T soll die Grundlage der Tourismuspolitik in den nächsten Jahren werden“, denn „Er setzt die Leitplanken für die nachhaltige Weiterentwicklung des Tourismusstandortes Österreich und soll die Richtschnur bei politischen Entscheidungen auf allen Ebenen … in Österreich sein. Dieser Plan ist daher kein Endprodukt, sondern der Startschuss für eine neue Qualität der Tourismuspolitik“, heißt es im Vorwort.

Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

Ausverkauf zu Höchstpreisen: Chalets in Neukirchen/Großvenediger – eines von vielen österreichischen Beispielen. Die Umsetzung sieht man auf der nächsten Seite. FOTO: ARCHIV NATURSCHUTZBUND

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet jener Wirtschaftszweig, der Wohlstand und Arbeit in die abgelegenen Regionen gebracht hat, den Menschen heute vielfach die Möglichkeit nimmt sich im eigenen Dorf anzusiedeln. Auch die Verunstaltung und Zerstörung unserer Landschaft hat allzu oft touristischen Hintergrund. Der Beitrag versucht anhand des neuen TourismusMasterplans das Spannungsfeld zu durchleuchten.

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Chaletdörfer und Appartementsiedlungen treiben die Zersiedelung immer weiter in die Landschaft hinein wie hier in Neukirchen/Großvenediger (o.) und Hochkrimml (u.) im Oberpinzgau. Nicht einmal die direkte Nähe zum Europaschutzgebiet „Sieben Möser“ bei Hochkrimml (Mitte) ändert etwas daran.

Traumlage?

MAN NIMMT DEN MUND VOLL – ZU VOLL? Dieser Plan gibt ein sehr anspruchsvolles Ziel vor, nämlich die nachhaltigste Tourismusdestination der Welt werden zu wollen. Kann damit die Basis gelegt werden? Im Plan T wird mehrfach (es dürfte auch gar nicht anders sein!) auf eine der wichtigsten Grundlagen Bezug genommen, für die Österreich als Tourismusziel steht: nämlich auf „intakte Naturlandschaften, Berge, Seen und Nationalparks, unsere Städte usw..“ Das ist gut so. Aber es fehlt etwas ganz Entscheidendes in den Betrachtungen, nämlich die inhaltlichen Festlegungen und Strategien, wie diese Naturlandschaften in der weiteren Entwicklung des Tourismus nicht gänzlich unter die Räder kommen sollen. Das kann gewollt sein (weil man „den Tourismus“ bisher lediglich als Neben- oder Zufallsprodukt der Landbewirtschaftung gesehen hat und es dabei bleiben soll). Es kann aber auch als ein Ausdruck der Ohnmacht und eine Kapitulation vor dem Kirchturmdenken im Land sein. Denn eine Verlagerung von Kompetenzen weg von den dörflichen Beziehungsgeflechten auf andere Entscheidungsebenen ist die Voraussetzung für die Umsetzung des selbstgesteckten Zieles, der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Jetzt darf man wohl nicht allzu spitzfindig sein und alle Formulierungen auf die Goldwaage legen, aber wie muss man den Plan T in oder zwischen den Zeilen lesen, um die Nachhaltigkeit dieses Wirtschaftszweiges richtig erkennen, einordnen und auf seine Ernsthaftigkeit bewerten zu können? Für die Umsetzung des Nachhaltigkeitszieles ist Entscheidendes ausgeklammert. Wem soll das helfen? Sind die laufende ästhetische Vergewaltigung unserer Landschaft und der Verlust an seltenen Arten und Lebensräumen etwa kein Tourismusthema? Ist es einfach nur österreichische Realpolitik, Schwieriges lieber nicht auszusprechen als sich einer notwendige Auseinandersetzung um bessere Lösungen zu stellen? Geht der fortschreitende Bodenverlust die Tourismusverantwortlichen nichts an (15.000 m² täglich alleine im Bundesland Salzburg)? Reicht es, wenn „Unser Wachstum nachhaltig ist und die Qualität unseres Angebotes kontinuierlich steigt“, wie man im Vorspann lesen kann? Der nach wie vor steigende Zuwachs ist kein Thema. Raumordnung: Nehmen wir den Kopf aus dem Sand! Man kann die Augen vor den Fehlentwicklungen nicht verschließen, die in Österreichs Landschaften in den letzten Jahrzehnten geschehen sind, auch wenn sie vom Tourismus nur zu einem Teil zu verantworten sind. Wer stellt die Fragen oder gibt Antworten, wo die Interessen der Freizeitwirtschaft beginnen und wo sie enden? Müssen Seen eine Heizung bekommen, damit sich die Auslastung des Hotels verbessert, müssen Land-

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ES STEHT VIEL AUF DEM SPIEL

schaften mit grauenhaften Figuren zugestellt werden, die den guten Geschmack beleidigen und unterstellen, dass dies den Gästen wohl gefallen müsse? Chaletdörfer werden als eine notwendige Entwicklung gepriesen, auch wenn sie die Zersiedelung immer tiefer hinein in die Landschaft treiben und alle vernünftigen Bebauungspläne obsolet machen. Um die vermeintlichen Wünsche der Gäste zu erfüllen ist keine Idee zu verwegen und kein Projekt überflüssig. Oft wird behauptet, dass man über alle bisherigen Grenzen hinausdenken müsse, dass man gar nicht schräg genug denken kann, wenn man das Land und den Tourismus weiterbringen will. Die meisten wissen oder ahnen noch nicht einmal, was hierzulande alles fehlt. Nach dem Elefantenspektakel am Gletscher und Monsterkonzerten an den entlegensten Flecken im Hochgebirge fehlen dem einen oder anderen Tourismusdirektor nur noch die Pinguine im schmelzenden Eis der Tiroler Gletscherwelt! Andererseits ist es die bittere Wirklichkeit, dass breite Schneisen für eine 380 KV-Leitung in naturnahe Landschaften geschlagen werden können, ohne auch nur einen ernsthaften Widerspruch aus der touristischen Ecke zu riskieren. Wenn der Schutz seltener Lebensräume auf bislang extensiv genutzten Flächen im Bergland aufgegeben werden soll, ist es kein Ohrenwackeln wert. So wundert es nicht, dass die Weitsichtigen unter den Touristikern bisher eher einsam geblieben sind: das Umweltzeichen führen hierzulande ganze 46 (!) Betriebe. Die Herkunft der Lebensmittel ist in der Gastronomie zumeist Betriebsgeheimnis, denn der „Regionale Mehrwert“ kostet und könnte die eigene Expansion bremsen.

„Tourismus ist wie ein Edelreiser auf dem alten Stamm Österreichs – er passt wirklich gut drauf, liefert zuverlässig schöne Früchte, an denen viele teilhaben können. Wenn da bloß seine Neigung zu Wassertrieben nicht wäre!“

Wo der Hase im Pfeffer liegt Raumplanung und Naturschutz sind zwar Funktionsgeber für zahlreiche Landespolitikerinnen, aber es fehlt ihnen in diesen beiden Sachbereichen nicht nur ein gemeinsames Bundes(rahmen)gesetz, das einheitliche Standards garantieren könnte. Es ist noch viel schlimmer: Es fehlt das Durchgriffsrecht auf die maßgeblichen, raumwirksamen Entscheidungen in den Gemeinden. Hier liegt der Hase im Pfeffer, denn zu oft endet diesbezüglich das Denken in den 2096 Kommunen schon an den eigenen Gemeindegrenzen. Es mangelt an Mut und Ernsthaftigkeit für das Gesamtinteresse einzutreten, welches bis auf weiteres von unterschiedlichen Gemeindeinteressen zerstückelt wird. Es wird in Kauf genommen, dass dadurch die Grundlagen des Tourismus in Frage gestellt werden, im Vertrauen darauf, dass das Attraktivitätsgefälle zwischen einem südbelgischen Industriegebiet und unseren zersiedelten Tallandschaften weiterhin so hoch bleibt wie bisher. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

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Einzelinteressen versus Gesamtsicht Damit die Auswirkungen neuer touristischer Vorhaben überhaupt beurteilbar und Interessenskonflikte frühzeitig erkennbar werden, ist die Gesamtsicht unverzichtbar, sonst wird Österreich flächig suburbanisiert. Beispiele gibt es dafür mehr als einem lieb sein kann. Erst eine Seilbahn, dann die Hotels, dann Chaletdörfer und Appartements – alles nacheinander eingereicht und garantiert unter den Grenzen für eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung. Oft sind die Wohnung oder der Baugrund für Einheimische nicht mehr leistbar, man wandert ab oder versucht, die Siedlungsgrenzen immer weiter in die Landschaft hinauszuschieben. Am Anfang scheint niemand zu wissen oder wissen zu wollen, wo alles enden wird, man bleibt bei Einzelbetrachtungen. So lässt sich sogar immer wieder an Europaschutzgebiete bauen. Und jedem, der Kritik wagt, schallt vom Kirchturm der dörflichen Interessen entgegen: Wer könnte es besser wissen als wir selbst, was der Gemeinde gut tut? Neue zusätzliche Parkplätze im Umfeld der Krimmler Wasserfälle sind dafür ein gutes Beispiel, geplant von einem Unternehmen, das den Weltkulturerbe-Status beantragt hat und gepusht von einem Bürgermeister mit Hintergedanken. Die eigenen Schäfchen im Dorf fürchten den Bürgermeister mehr als der Schafbauer den Wolf.

ständig sind, fühlen sie sich nicht angesprochen und ducken sich weg. Daran scheiterte bisher z. B. die Umsetzung des Rohstoffsicherungsplans für mineralische Rohstoffe. Dem „Plan T“ soll die Ernsthaftigkeit nicht abgesprochen werden, aber er bleibt in vielem zu unkonkret, weil die vielen Eigeninteressen sich kaum abgrenzen lassen: Sind der Tapezierer, der die Chalets ausstattet, der Notar, der die Verträge beglaubigt, der Rechtsanwalt, der sie ausdenkt und der Baggerfahrer, der die Baugrube aushebt, der Beamte, der sie genehmigt, der Bauer, der den Grund verkauft hat, nicht im gleichen Spinnennetz gefangen wie der Hotelier, der Lieferant der Convenience-Produkte für die schnelle Küche, der Vermittler von Reinigungskräften, der Bus- oder Seilbahnunternehmer und seine Lieferanten, oder der Bürgermeister? Es schimmert überall durch, dass man fürchtet, sich mit konkreten Zielen selbst zu fesseln. Doch unkonkret hilft weniger gut weiter wie konkret, auch wenn das viel Argumentationskraft und Standhaftigkeit erfordert und wohl viel Ärger mit sich bringt.

Naturerbe steht auf dem Spiel Wie äußern sich all jene Touristiker*innen, die die Nachhaltigkeit im Munde führen? Wo sind sie, wenn sich der Tourismus selbst frisst, wenn das gemeinsame Naturerbe auf dem Spiel steht? Mit selbst auferlegten Grenzen tut man sich schwer, aber sie werden gebraucht. Österreichs Natur und Landschaft, aber auch seinem sozialen Gefüge ist mit einer Laissez-faire-Politik nicht gedient. Das gilt für alle Ebenen der Politik. Sogar wenn die Bundesländer selbst für die Erstellung von langfristigen, raumwirksamen Festlegungen zu-

Kitsch in Wald/Königsleiten: Für die Anbiederung an die Wünsche der Tourist*innen scheint keine Geschmacklosigkeit zu verwegen. FOTOS: HANNES AUGUSTIN

Text: Dr. Winfrid Herbst, Vorsitzender des Naturschutzbundes Salzburg, winfrid.herbst@naturschutzbund.at

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FOTO: JOSEF LIMBERGER

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WEM GEHÖRT HALLSTATT?

Von Touristensrömen okkupierte Straße in Hallstatt

Die UNESCO-Welterbekonvention beantwortet diese Frage ganz einfach: der ganzen Menschheit. Was passiert aber mit Hallstatt, wenn alle Menschen ihr Erbe besichtigen wollen? Wie groß ist die carrying capacity einer Welterbestätte, wie viel hält sie aus?

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men Welterbestätten sollte das gegenseitige Verständnis fördern und so den Weltfrieden festigen. Eine gewisse Schieflage dieses Konzepts besteht darin, dass 2019 von weltweit insgesamt 1.092 Welterbestätten fast die Hälfte davon, nämlich 472, in Europa verortet sind, wenngleich hier nur 10 % der Weltbevölkerung leben. Einerseits wird so der Kultur der alten FOTO: FRIEDRICH IDAM

ie Entwicklung in Hallstatt widerspiegelt den internationalen Trend: Im Jahr 2010 kamen 52.533 PKW an, während es 2018 schon 194.613 waren. Die Zahl der Bus-Ankünfte stieg in diesem Zeitraum ebenfalls von 3.440 auf 19.344. Eine Steigerung um über 500 %. Die Bevölkerung muss die Lasten dieser Entwicklung tragen: Der öffentliche Raum ist vom Tourismus weitgehend okkupiert, das authentische Leben im Ort ist verloren gegangen. Die Folgen sind eine sinkende Attraktivität des Ortszentrums als Wohngebiet und dennoch massiv steigende Immobilienpreise, was die Abwanderung der Wohnbevölkerung, vor allem der Jungen, vorantreibt. Zur Beantwortung der eingangs gestellten Frage, die fast jedes UNESCO Weltkultur- und Naturerbe betrifft, lohnt sich ein Blick zurück in die Geschichte. Nach den Menschheits-Katastrophen der Weltkriege des 20. Jahrhunderts wurde nach Gemeinsamkeiten gesucht, welche die verschiedenen Nationen verbinden, nach Gemeinsamkeiten, welche die Grundlage für ein zukünftiges Friedens-Programm bilden könnten. Kulturstätten und Naturräume von außergewöhnlichem, universellem Wert wurden dabei als jene Elemente identifiziert, die nicht nur einer Nation gehören, sondern ein Erbe der gesamten Menschheit darstellen, dessen Authentizität und Integrität unter gemeinsamen Anstrengungen erhalten werden soll. Der Austausch, das Aufeinandertreffen der unterschiedlichsten Menschen in den gemeinsa-

Kaum beachtet: Rasenkrone einer historischen Bruchsteinmauer – auf diesem kargen Standort wächst eine hochalpine Flora.

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WEM GEHÖRT HALLSTATT?

Welt immer noch überproportionale Bedeutung zugemessen, andererseits wirken aber diese Welterbestätten als Tourismusmarken und ziehen die Besucherströme magnetisch an. Der weltweite Trend exponentiell steigender Reisebewegungen wirkt hier am stärksten, von etwa 1,8 Mrd. grenzüberschreitenden Ankünften entfällt etwa die Hälfte auf Europa. Nachdem nun ab 2020 in Hallstatt zumindest eine Beschränkung der Reisebusse durch ein Slot-System möglich wird, kann der nächste Schritt zur Etablierung eines qualitätsvollen Tourismus nur in der radikalen Beschränkung der individuellen Anreise mit dem PKW nach Hallstatt liegen. Der politische Wille des Bürgermeisters und der Gemeinderatsmehrheit, in der Seeuferschutzzone neben dem Naturdenkmal Kessel, einer Riesen-Karstquelle, einen neuen PKW-Parkplatz zu errichten, geht genau in die gegenteilige Richtung. Eine Bürgerliste, die bei der letzten Gemeinderatswahl über 27 % der Stimmen erreicht hat, kämpft gegen diese Entwicklung an. Wenn Hallstatt seine bedrohte Authentizität und Integrität erhalten möchte, ist die Transformation des Massentourismus hin zu einem entschleunigten Qualitäts-Tourismus ein Gebot der Stunde. Um den ursprünglichen UNESCO-Ansatz der Völkerverständigung wieder zu beleben, konzipierte der Autor dieses Textes für die Bewerbung des Salzkammerguts zur europäischen Kulturhauptstadt 2014 ein Vernetzungsprogramm: Kleine Gruppen von Einwohnern aus anderen überbelasteten Welterbestätten sollten nach Hallstatt eingeladen und ihnen der Ort abseits des Massentourismus nahegebracht werden. Sympathie, also Mitleiden im ursprünglichen Wortsinn, wird entstehen, wenn alle gemeinsam über den See rudern oder zu Plätzen wandern, wo es noch ruhig ist. Oder wenn wir schlicht und einfach unsere Gäste privat nach Hause zu einer Kaffeejause einladen und uns über unsere Lebensumstände und Hoffnungen austauschen. So können nicht nur Lösungsansätze für unsere gemeinsamen Probleme und Leitlinien für einen verträglichen Tourismus entwickelt, sondern auch nachwirkende, gegenseitig bereichernde Kontakte geknüpft werden.

Text: Prof. DI Dr. techn. Friedrich Idam, Architekt, Industriearchäologe, Sachverständiger für Denkmalpflege und Bauphysik, Mitglied der ICOMOS Österreich Monitoring Group (Zuständigkeitsbereich für die UNESCO Welterbestätte „Altstadt von Salzburg“), Hallstatt, idam@gmx.at, www.idam.at

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Lokalaugenschein in Hallstatt

TSUNAMI IN DER ALPENREPUBLIK ODER LIEBEN WIR UNSERE WELT ZU TODE?

Kitsch und Ramsch rund um die Uhr: Souvenierautomaten an der Seestraße in Hallstatt. Kleines Bild: Selbstverteidigung der Hallstätter – ein Drohnenverbotsschild. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


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ch habe Hallstatt bei meinem diesjährigen Besuch ganz anders wahrgenommen als während meiner Zeit als Schüler in der Bildhauerei in Hallstatt. Früher war man im Winter allein mit den Einheimischen, und auch im Sommer herrschte zwar ein gewisser Tourismus, aber in sehr erträglicher, vielleicht in durchaus noch zu geringer Form. Doch heute schieben sich Massen an Kurzzeittouristen durch Hallstatt und das Aufgebot an Souvenir-Ständen und Gastronomiebetrieben dominiert den Ort. Von Umweltbelastung durch Feinstaub und Abgase einmal abgesehen, platzt er aus allen Nähten und ist dabei, seine Einzigartigkeit zwischen Schund und Plunder zu verlieren. Eine Lenkung der Touristenströme (z. B. durch limitierten Eintritt in den Ort) wäre höchst an der Zeit. Angeblich stagniert der Qualitätstourismus bereits. Das Echerntal ist mittlerweile völlig abgeriegelt und bewacht – hier wohnt ja auch der Bürgermeister. Die schlechtesten Karten haben jene alteingesessenen Hallstätter, die keinen Souvenir-Stand oder ein Lokal betreiben, aber hier seit Generationen leben. Auslöser der ganzen Misere ist übrigens eine sehr erfolgreiche Fernsehserie in Südkorea und die ohnehin missglückte, weil seitenverkehrte Kopie von Hallstatt im fernen China. Gäste, die mehrere Tage im Ort verweilen, flüchten selbst vor dem Tsunami an Stundenbesuchern, vorwiegend aus Asien, aber auch aus Ländern des Nahen Ostens kommend. Beim Ortseingang ist bereits der erste Wachtposten stationiert. Vor den Toiletten und vor den mit Billigkitsch vollgepackten Verkaufsständen stehen die Menschen Schlange. Bemerkenswert am Rande ist, dass manche dieser alpenländischen Souvenirs aus China stammen, Dass manche der mit Handykameras „bewaffneten“ Touristen den Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit nicht auseinander halten können, ist auch schon in Applaus für eine Bestattung am Ortsfriedhof ausgeartet. Es ist an der Zeit nicht immer neue Parkplätze, sogar in unmittelbarer Nähe von Naturdenkmälern wie dem Kessel zwischen Obertraun und Hallstatt zu errichten, wie von der Gemeinde neuerdings geplant, sondern eine Limitierung der Gästezahlen bei den Kurzzeittouristen. Es gäbe auch die Möglichkeit, die Menschen zum Anreisen mit der Bahn zu ermuntern und entlang der Strecke an den Bahnhöfen kleine Erweiterungen und Parkmöglichkeiten (gegen Gebühr) zu schaffen, um die Menschen mit der Bahn in den Ort zu bringen (Schifffahrt inbegriffen). Ansonsten verliert ein Jahrtausende Jahre alter Kultur- und Naturort wie Hallstatt sein Gesicht. Oder aber Hallstatt verkommt zur Immobilie für Reiche, wo keine Einheimischen mehr zu finden sind. Auf dem Weg dahin befindet es sich ja bereits, wie mir eine Hallstätterin erzählte. Dies ist eine neue Form der

Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

Hallstatt mit Touristen

Okkupation, die nicht nur Hallstatt, sondern viele Kulturerbestätten Europas betrifft. Ein ähnliches Schicksal hat auch die Stadt Dubrovnik, die zurzeit von Touristenströmen heimgesucht wird, denen die geschichtsträchtige Stadt absolut egal ist. Sie wollen nur die Schauplätze der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ bewundern. Junge Menschen müssen dort über den Sommer aus ihren Wohnungen, weil die Besitzer mit der Vermietung an Kurzzeittouristen viel mehr Geld verdienen. Dieser Neoliberalismus ist dabei die Welt um des Gewinnes wegen zu zerstören – und wir machen sehenden Auges mit – zu Lasten von Natur und Kultur. Im Tourismus herrscht leider vielerorts Goldgräberstimmung mit allem Negativen, was für Mensch und Natur bleibt. Auch der ORF mischte hier mit seinen „Neun Plätze, neun Schätze“ voll mit. Von Touristikern als große Chance gesehen, hinterlassen sie kulturelle Wüsten, in denen nur Klischees bedient werden. Auch damit werden Massen in sensible Gebiete gelockt und richten dort Schaden an unter dem Motto „Alles ist Volksfest“. Man braucht ja nur nach einer der bekannten ORF-Wanderungen einmal hinter dem Tross der kapperl- und fähnchensammelnden „Naturliebehaber*innen“ hergehen und ihre Hinterlassenschaften zählen. So sollten wir mit unserem Land nicht umgehen! Auch mit dem Trend unsere Berge mit weiteren Klettersteigen und Aussichtsplattformen zu „erschließen“, sollte endlich Schluss sein. Österreich hat mehr zu bieten als Touristenramsch, nämlich wunderschöne Landschaften, die keiner Animation durch findige Touristiker*innen mehr bedürfen.

Text & Fotos: Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbundes OÖ, oberoesterreich@naturschutzbund.at

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Lokalaugenschein im slowenischen Bled

ALPENTOURISMUS

FOTOS: PIXABAY

ZWISCHEN ERHOLUNGSWUNSCH UND ERSCHLIESSUNGSDRUCK

Idyllische Lage am See: Bled zählt nicht umsonst zum Netzwerk der „Alpine Pearls“

Einsame Bergseen, malerische Ortschaften, unberührte Natur: Die Tourismuswirtschaft in den Alpen vermittelt die immer gleichen Bilder. Im slowenischen Bled zeigt sich beispielhaft, wie Massentourismus das Leben bestimmt. Lebensqualität trotz Alpentourismus war denn auch das Motto der letztjährigen Jahrestagung* der Alpenschutzkommission Cipra.

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regor schiebt seine Sonnenbrille in die Stirn und stützt sein Bein beim Erzählen lässig auf der Pletna ab, dem traditionellen Plattenboot aus Lärchenholz mit dem blau gestreiften Sonnendach. Die Gesichter der Umstehenden blicken ihn verständnislos an. Bürgermeister Janez Fajfar erhebt seine mächtige Stimme und übersetzt ins Englische, ihre Mienen hellen sich auf. Gregor ist Pletna-Bootsführer. Er fährt seine Gäste über den See zur berühmten Insel von Bled. Die Bootsfahrten haben Tradition und sind schon lange Teil des Stadtbilds und Selbstverständnisses der slowenischen Kleinstadt. Pletnafahren ist Familiensache, vernehmen die Umstehenden aus dem Mund des Bürgermeisters. Die heißbegehrten Lizenzen werden von Generation zu Generation weitergegeben, erzählt Gregor. Janez Fajfar übersetzt wortgewaltig. Früher sei es ein Zusatzverdienst für arme Leute gewesen, heute ein lukrativer Job: „Seit sechs Generationen rudert meine Familie die Pletna“. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


LOKALAUGENSCHEIN IN BLED

menden die ankommenden Busse im Zehnsekundentakt. Sie haben als erste den Burghügel erklommen und warten oben auf die Gruppe rund um den Bürgermeister. Die Busse spucken Touristinnen und Touristen aus. Diese halten ihre Kamera hoch, machen ein paar Selfies mit dem Kran, der Baumulde und der mittelalterlichen Burg im Hintergrund und reihen sich in die Schlange ein. Menschen aus Asien, Europa, Amerika, Afrika warten in der Mittagssonne vor dem Tickethäuschen, manche mit Schirm, andere mit Sonnenhut, alle mit Kamera. Die Burg ist zwar die Attraktion in Bled, doch die Gemeinde bekommt nur den Verkehr ab. Vor einiger Zeit, als sie immer mehr Gäste anzog, hat der slowenische Staat sie zum Staatseigentum erklärt und heimst seither die Eintritte ein. Sie sei, so hieß es, ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Auf der kopfsteingepflasterten Burgterrasse, dem touristischen Epizentrum, liegen Gäste aus aller Welt auf der Lauer und schießen über die Burgmauer hinweg Fotos von der Insel im See. Durch die sozialen Medien, Zeitungen und das Internet in die Welt getragen, verspricht dieses Bild Idylle, Kulturerlebnisse und Einzigartigkeit. Um genau dieses Foto zu schießen, stürmen jedes Jahr Tausende Touristinnen und Touristen die Kleinstadt und die Burg. Mal schneebedeckt im Winter, mystisch im Nebel oder auch im satten Blattgrün wie am heutigen Frühlingstag Ende Mai 2018 – das Licht, die Jahreszeiten ändern sich, das Motiv bleibt. Was diese Fotos nicht zeigen, sind die Massen links und rechts. Die Exkursionsteilnehmenden zücken ebenfalls ihre Smartphones.

Die Umstehenden sind aus verschiedenen Alpenländern nach Bled gereist, um bei der gemeinsamen Jahrestagung* von CIPRA International, CIPRA Slowenien und vom Gemeindenetzwerk „Allianz in den Alpen“ über Tourismus und Lebensqualität in den Alpen zu diskutieren. Der Tourismus hat relativen Wohlstand in die Alpen gebracht. In vielen Regionen ist er nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle. Gleichzeitig bringt er jedoch auch Herausforderungen mit sich, wie Übererschliessungen oder ungelenktes Wachstum. Viele Gäste, eine lautstarke Fun-Szene und Blechkolonnen rufen bei den Einheimischen vielerorts Skepsis gegenüber dem Tourismus hervor. Bled als Tagungsort ist ein anschauliches Beispiel dafür. Die idyllische Lage am See, die mittelalterliche Höhenburg und das beeindruckende Bergpanorama der Julischen Alpen und Karawanken machen die 8.000-Seelen-Gemeinde in den slowenischen Alpen zum Tourismusmagneten. Mit 8.000 Gästebetten verdoppelt sich die Anzahl der Menschen während der Hochsaison – eine Herausforderung für Politik, Bewohnerinnen und Bewohner.

Eine Kulisse von nationaler Bedeutung „20, 21, 22…“ zählen die jüngeren ExkursionsteilnehHerbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

Keine Zeit für Gespräche In der kleinen Bäckerei Zima drängen sich Menschen dicht an dicht und versuchen, die Aufmerksamkeit von Besitzer Klemen Zima zu erregen. „One of these, one of those, please!“ Der Geruch von Frischgebackenem und Süßem liegt in der Luft. Zum Abschluss eines Besuchs FOTO: PIXABAY

Germanisch-slawisch-romanische Alpenmischung Die Helden von Bled heißen Arnold Rikli, Ivan Kenda, Anton Vork, Jula Molnar. Streng blicken sie von steinernen Reliefs an der grünen Gedenksäule unter den schattigen Bäumen im Kurpark. Selber erkrankt, habe der Schweizer Naturheiler Rikli Bled 1855 als Kurort entdeckt – und das Konzept später in die Schweiz zurückexportiert, wie Fajfar behauptet. „Kein Alkohol, kein Fleisch, jeden Morgen den Berg hoch.“ Der Bürgermeister schüttelt sich. Die dunkelblaue Jacke lässig um die Schultern gelegt, den Geniesserbauch unter dem karierten Hemd vorstreckend, erzählt er aus der Geschichte Bleds, als ob er dabei gewesen wäre. „Luft, Sonne und Wasser können alles heilen“, zitiert er Rikli. Migration habe es schon immer gegeben: Bauernkrieger Peter Passler im 16. Jahrhundert, reiche Juden während des zweiten Weltkriegs… Das Ergebnis sei eine germanisch-slawisch-romanische „Alpenmischung“ – und die Häufung des Namens Peter in vielen Familien. Selber spricht der Bürgermeister, der die Geschicke Bleds seit 2006 lenkt, acht verschiedene Sprachen. Er stellt eine rasante Entwicklung fest: „Der Tourismus ist schnelllebiger geworden.“ Für viele sei Bled nur ein kurzer Stopp auf der Europa-Reiseliste, den es abzuhaken gelte. „Für uns stellt sich die Frage, wie wir die Gäste länger hier behalten können.“ Und wie sie ihnen beibringen könnten, nicht überall zu baden. „How to behave“, heisst ein Kurzfilm, den die Gemeinde vor kurzem gedreht hat.

Plättenausflug

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von Bled gehört eine Cremeschnitte. Bilder an der Wand erzählen von der Vergangenheit: Seit 1880 gibt es die Bäckerei, seit 2007 führt die Familie Zima den Back- und Konditoreibetrieb. Die Angestellten eilen hin und her, um die Kundschaft zu verköstigen. Für einen Schwatz mit den Gästen bleibt keine Zeit. Aus der Backstube wird gleich das nächste Blech der mit Puderzucker bestäubten Süssigkeit geliefert. *Die Jahresfachtagung fand vom vom 25. – 26. Mai 2018 statt.

Text: Maya Mathias, Internationale Alpenschutzkommission CIPRA, Im Bretscha 22, 9494 Schaan, Liechtenstein, maya.mathias@cipra.org Quelle: Jahresbericht 2018, CIPRA International: Zu Gast und zu Hause, www.cipra.org/jahresberichte

RESPEKTIERE DEINE GRENZEN EINE INITIATIVE FÜR WILDTIERE Im Jahr 2004 wurde in Vorarlberg die Initiative „Respektiere deine Grenzen“ mit dem Ziel ins Leben gerufen, systematisch und flächendeckend Schutz für sensible Lebensräume von wildlebenden Tieren zu schaffen. Damit rückt die Initiative den respektvollen Umgang mit der Natur ins Blickfeld. Auch das Bundesland Salzburg sowie Bayern und die Provinz Südtirol beteiligen sich seit Jahren an der Initiative.

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n erster Linie geht es darum die Lebensräume der Wildtiere – Wiesen, Wälder und Gewässer – zu respektieren. Das heißt konkret, ihre Ruhezonen zu beachten, im Wald auf markierten Routen und Wegen zu bleiben, Waldränder und schneefreie Flächen als Lieblingsplätze von Wildtieren zu meiden und Hunde an der Leine zu führen. Das Problem Durch die Vielfachnutzung der Natur werden die Lebensräume heimischer Tiere immer mehr zerschnitten und verkleinert – mit negativen Auswirkungen auch auf die Pflanzenwelt. Wildtiere wie Gämse, Hirsch oder Alpenschneehuhn verbringen im Winter eine schwierige Zeit. Die Temperatur sinkt auf frostige Werte, das Nahrungsangebot wird

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FOTO: HEINZ SLUPETZKY

BESUCHERLENKUNG

Schneehühner sind perfekt getarnt, ob wie hier im Sommer oder im Winter mit ihrem weißen Federkleid. In ihrem hochalpinen Lebensraum kann eine Störung im Winter durch Skitourengeher die letzten Reserven kosten.

knapp und der Schnee macht die Fortbewegung mühsam. Wildtiere müssen darum sehr sorgsam mit ihrer Energie umgehen. Werden sie durch Schneeschuhwanderer oder Tourenskifahrer gestört, bleibt ihnen oft nichts Anderes übrig als die Flucht. Sie verlieren dabei kostbare Energie, ihr Überleben steht auf dem Spiel. Wenn Wintersportler dem Lebensraum der Wildtiere jedoch mit Respekt begegnen, ihre Lieblingsplätze meiden und sich an gewisse Regeln halten, bietet die Winterlandschaft genügend Raum für Mensch und Tier. Wer die Natur schützt, schützt auch sich Der Schutz des alpinen Lebensraums bedeutet auch das Überleben für Menschen. Denn: Von ihren Futterplätzen aufgescheuchte Tiere naschen in der Folge mit Vorliebe an den Trieben junger Bäume des Schutzwaldes. Der soll eigentlich vor Steinschlag, Erdrutsch und Schneelawinen schützen, wird so aber massiv geschwächt. Und das wiederum gefährdet Siedlungen gleichermaßen wie Wintersportler*innen und Wintersportler. Damit sich Mensch und Natur nicht ins Gehege kommen, markieren Schilder solch entscheidende Gebiete im gesamten Vorarlberg.

Die Lösung Wenn man davon ausgeht, dass ein überwiegender Teil der Verursacher sich der Tragweite ihres Handelns gar nicht bewusst ist, kann die Lösung nur in einer konsequenten Aufklärung der Öffentlichkeit liegen. Professionell gemachte Werbung und Öffentlichkeitsarbeit können helfen, ein entsprechendes Bewusstsein für die Zusammenhänge zu vermitteln und ein Umdenken bei Einheimischen und Gästen bewirken. -HAINFOBOX Quellen: www.respektieredeinegrenzen.at https://respektiere-deine-grenzen.at Projekte, Infomaterial zum Download und v. a. m. auf: www.respektieredeinegrenzen.at https://respektiere-deine-grenzen.at Kontakte: Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abteilung Umwelt- und Klimaschutz T +43/(0)5574/511/24505 naturvielfalt@vorarlberg.at Amt der Salzburger Landesregierung Projektleiter Christoph Burgstaller T +43/(0)676/581 01 30 info@respektieredeinegrenzen.at

Zeichnung: Mit freundlicher Genehmigung des Landes Salzburg

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FOTO: HORST LEITNER

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HIGH NOON IN DEN (NOCK)BERGEN BIOSPHÄRENPARK NOCKBERGE STREBT BESUCHERLENKUNG AN Die Alpen sind für immer mehr Menschen aus der ganzen Welt ein Freizeitparadies. Steigende Besucherzahlen, neue Sportarten und unterschiedliche Nutzerinteressen machen eine Besucherlenkung im Biosphärenpark nötig.

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as Angebot der Alpen reicht vom kollektiven Genuss des Sonnenaufgangs auf den höchsten Berggipfeln inklusive Wiener Frühstück bis zu Schneeschuhwandern im Wildtierlebensraum bei Pulverschnee. Forst- und Wanderwege reichen als Bewegungslinien nicht mehr aus, sie werden ergänzt durch Downhillstrecken für den mutigen Radfahrer, der Brutfelsen wird zur Kletterwand. Bergauf geht’s mit Unterstützung von Seilbahn oder Elektromotor. Von den Gipfeln verteilen sich die Erholungsuchenden füllhornartig über die Wildlebensräume, deren Zerschneidung fröhlich voranschreitet. Dass die Tourismusbranche boomt, ist grundsätzlich ein Grund zur Freude. „Unsere intakte Natur sowie unsere schöne und vielfältige Landschaft sind die Haupt-Urlaubsmotive unserer Gäste“, schreibt das BMNT in seinem Masterplan Tourismus. Doch, so heißt es dort weiter, hat dies deutliche Auswirkungen auf die Ressource Natur. Ein vernünftiger Interessensausgleich wird gefordert. In der Tourismusregion Nockberge werden bereits jährlich rund 1,5 Mio. Nächtigungen verzeichnet. Besucherlenkung braucht wildökologische Grundlagen Steigende Besucherzahlen, neue Sportarten und unterschiedliche Nutzerinteressen sind es, die den Biosphärenpark Nockberge in Kärnten unter der Leitung von Dietmar Rossmann veranlassten, eine wildökologische Grundlagenerhebung für das Schutzgebiet in Auftrag zu geben. Das Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft erhebt mit Hilfe der Grundeigentümer und Jagd-

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ausübungsberechtigten die Vorkommensgebiete der sensiblen Wildtierarten Rot- und Gamswild sowie Auer-, Birk-, Schnee- und Steinhuhn auf rund drei Viertel der Biosphärenparkfläche. Ebenfalls erhoben wurden die Tourismus- und Freizeitaktivitäten. Die geschaffenen Grundlagen dienen dazu störungslindernde Maßnahmen für Wildtiere und deren Lebensräume genau dort zu setzen, wo der Druck auf die Natur am größten ist. Ersichtlich gemacht wird dies auf sogenannten Konfliktkarten, welche Überschneidungen von Freizeitaktivitäten und sensiblen Kernlebensräumen der untersuchten Tierarten ausweisen. Besucherlenkung ist für den Biosphärenpark eine besondere Herausforderung, da aufgrund der sanften Topografie der Nockberge natürliche, schwer erreichbare Ruhezonen für Wildtiere weitgehend fehlen. Besucherlenkung braucht LebensraumPartner und Leittierarten Ohne Lebensraum-Partner ist Besucherlenkung nicht umzusetzen. Aus diesem Grund sind die Jägerschaft und Alpinvereine sowie Grundeigentümer und Jagdausübungsberechtigte auf freiwilliger Basis mit im Boot. Die genannten Tierarten fungieren als Schirmarten. Ihre Vorkommensgebiete und Kernlebensräume werden auf Beeinträchtigungen durch Bergsport- und Freizeitaktivitäten im Sommer wie im Winter untersucht. Für die sich daraus ergebenden Konfliktbereiche werden in einem zweiten noch zu lancierendem Teilprojekt lindernde, lenkende und bewusstseinsbildende Maßnahmen ausgearbeitet. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


BESUCHERLENKUNG

Was ist zu tun? Das mögliche Maßnahmenspektrum ist vielgestaltig und reicht von der Streichung, Zusammenlegung und Verlegung von Wander-, Schi- und Radrouten, Wegegeboten, einer besseren Beschilderung bis zur Aktualisierung von Karten. Bewusstseinsbildung über unterschiedliche Medien soll den Besuchern grundlegende Verhaltensregeln in der Natur (Fair Play) und die Bedürfnisse der Wildtiere näherbringen. Eine gemeinschaftliche Abstimmung sämtlicher Maßnahmen mit allen Lebensraumpartnern und die Sicherung ihrer Akzeptanz ist Voraussetzung für das Gelingen des Projekts. Fazit Funktionierende Ökosysteme sind die Grundlage unseres Lebens. Funktionierende Besucherlenkung, klare

Verhaltensregeln und mehr Bewusstsein können dafür sorgen, dass die Leistungen intakter Natur den unterschiedlichen Ansprüchen der Menschen auch noch in Jahrzehnten in hoher Qualität zur Verfügung stehen. Im Biosphärenpark Nockberge sollte dies gelingen. INFOBOX Biosphärenpark Nockberge (Kärntner Teil); Fläche: 48.500 ha; Vier Gemeinden: Bad Kleinkirchheim, Reichenau, Krems in Kärnten, Radenthein. Acht Hegeringe; 112 Jagdreviere; Zonen: Entwicklungszone 30.100 ha Pflegezone 10.700 ha Naturzone 7.700 ha

Beispielkarte für Konfliktbereiche in den bearbeiteten Gebieten – bis dato konnten ¾ der Fläche des Biosphärenparks Nockberge untersucht werden

Quellen: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/ tourismus/beherbergung/ankuenfte_naechtigungen/index.html (abgerufen am 26.7.2019); https://www.bmnt.gv.at/tourismus/masterplan_tourismus.html (abgerufen am 26.7.2019); https://www.bio sphaerenparknockberge.at/forschung-bildung/wild%C3%B6kologische-grundlagenerhebung/ (abgerufen am 26.7.2019); https://www. rechnungshof.gv.at/rh/home/home/Umsetzung_der_Jagdgesetze_ in_Kaernten__Salzburg_und_Tirol.pdf (abgerufen am 26.7.2019); https://www.nockberge.at/images/Presseinfos/Factsheet_ Winter_2018_Region_Nockberge.pdf (abgerufen am 26.7.2019)

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Text: DI Horst Leitner (Bild) und Wolfram Jantsch, Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft e.U. www.wildoekologie.at

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FOTO: EWALD NEFFE

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Die österreichischen Naturparke repräsentieren charakteristische Natur- und Kulturlandschaften in sieben Bundesländern. Oberstes Ziel ist der Erhalt und die Weiterentwicklung dieser vielfältigen und artenreichen Landschaften. Im Bereich des naturnahen Tourismus, einer speziellen Form des nachhaltigen Tourismus, liegt der Fokus auf einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Landschaft.

NATURNAHER TOURISMUS IN DEN ÖSTERREICHISCHEN NATURPARKEN

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etrachtet man wesentliche Qualitätsstandards für naturnahen Tourismus, z. B. naturnahe Region und Angebotsentwicklung, professionelle Informations- und Bildungsangebote, Förderung einer nachhaltigen Verkehrsplanung, Förderung der regionalen Wertschöpfung, naturnahes Marketing in Kooperation mit den Tourismusorganisationen*, so ist diese Form für Schutzgebiete eine sehr passende Art einer Tourismusentwicklung. Die österreichischen Naturparke setzen, wie die folgenden Beispiele belegen, in unterschiedlichen Bereichen wichtige Impulse für diese Tourismusform. Als Schutzgebiete auf einer Fläche von über 500.000 ha mit hoher landschaftlicher und ökologischer Qualität sind diese Regionen prädestiniert interessante und qualitative Angebote gemeinsam mit den touristischen Verantwortlichen zu erstellen.

*Literaturhinweis: „Naturnaher Tourismus – Qualitätsstandards für sanftes Reisen in den Alpen“, Siegrist Dominik u.a., Haupt Verlag, Zürich 2015)

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Besonders erfolgreich haben sich spezielle Informations- und Bildungsangebote zu Natur und Landschaft entwickelt. Sowohl im Bereich der Vermarktung als auch in der inhaltlichen Gestaltung wurden innovative Produkte entwickelt. Wobei in diesem Zusammenhang gesagt werden muss, dass sich die Kooperation zwischen Tourismus- und Naturparkorganisationen in vielen Regionen und Bundesländern entscheidend verbessert hat. Einige interessante Leuchtturmprojekte wurden auch im Bereich der „sanften Mobilität“ entwickelt – sei es die öffentliche Anreise oder lokale und regionale Mobilitätskonzepte. Für die oft strukturschwachen Naturparkregionen ist es essenziell von der regionalen Wertschöpfung zu profitieren. Durch „Naturparkpartnerbetriebe“ im touristischen und landwirtschaftlichen Bereich gelingt es regionale Wertschöpfungsketten und Wirtschaftskreisläufe zu stärken.

Nachfolgend sind einige Beispiele aus den oben genannten Themenbereichen kurz dargestellt: Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


NATURNAHER TOURISMUS NATURPARK

Der Weißensee in Kärnten

Naturnaher Tourismus und sanfte Mobilität IM NATURPARK WEISSENSEE Die Naturparkgemeinde Weißensee ist aufgrund ihrer einzigartigen Besonderheiten (unverbauter See, Talschluss, Qualitäts-Betriebe) sowohl im Winter (Eislauf-Paradies) als auch im Sommer (See-/Wandererlebnis) eine der touristischen Top-Destinationen im Alpenraum mit einem hohen Bekanntheitsgrad. Pro Jahr werden insgesamt ca. 65.000 Gästeankünfte und ca. 415.000 Gästenächtigungen verzeichnet – davon ca. 115.000 im Winter (27 %) und 300.000 (73 %) im Sommer. Der Weißensee ist auch ein beliebtes Ausflugsziel: So frequentieren im Sommer zusätzlich ca. 120.000 Tagesgäste (Schifffahrt, Bergbahn, Badegäste) bzw. ca. 50.000 Tagesgäste (Eisläufer) im Winter die Region. Dadurch ergab sich eine intensive Verkehrsbelastung mit bis zu 4.500 PKW im Zentrum, gezählt an einem durchschnittlichen Wochentag im Sommer. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

In einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Gemeinde, Naturpark und Tourismus wurde eine modellhafte und machbare Umsetzung eines umfassenden, zukunftsfähigen Konzeptes „Sanfte Mobilität Weißensee“ realisiert, dessen Auswirkungen sehr erfolgreich waren: Bei den Nächtigungsgästen konnte die Anzahl der mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahn) anreisenden Gäste von 2010 bis 2018 mehr als verzehnfacht werden. Ein überwiegender Anteil aller innerörtlichen Kfz-Fahrten während des Aufenthalts wird durch die Bereitstellung sanfter Mobilitätsformen deutlich vermindert. Dazu zählen der Naturpark Bus (Shuttle im 30Minuten-Takt), Schiff, (Elektro)Fahrräder etc.). Weiters werden Tagesgäste im Naturpark durch vielfältige Angebote zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bzw. sonstige sanfte Mobilitätsformen bewegt („Auffangparkplatz Praditz“ mit WC Anlage und Orientierungstafeln, Parkraumbewirtschaftung im Ort, Naturpark Bus). INFOBOX Weitere Informationen: www.weissensee.com/ weissensee/sanfte-mobilitaet-kaernten.html

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FOTOS: MARIA HOLUNDER

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Mit dem Fahrrad durch sechs Naturparke

PANANET – PANNONIAN NATURE NETWORK Ein wichtiger Qualitätsstandard des naturnahen Tourismus ist es, professionelle Informations- und Bildungsangebote zu Natur und Landschaft anzubieten. Daran arbeiten in besonderem Maße die Natur- und Nationalparks des westpannonischen Raums beidseits der Grenzen. Die sechs Naturparke, der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel im Burgenland und die Nationalparks und Naturparke Westungarns arbeiten seit 2008 im „Pannonian Nature Network PaNaNet“ zusammen. Ziel ist, das ökotouristische Angebot sowie die Infrastruktur für das Naturerlebnis der grenzüberschreitenden Region deutlich zu erweitern und zu verbessern.

Die Kompetenz im Bereich „Naturerlebnis“ stellt PaNaNet bei der Organisation der grenzüberschreitenden Natur.Erlebnis.Tage – jedes Jahr zu Saisonstart im April – unter Beweis: Aus jeweils rund 60 Angeboten in Ungarn wie im Burgenland können die Gäste wählen. Die Natur. Erlebnis.Tage sind eine Kombination von Erlebnis und Naturgenuss. Das Angebot reicht von Biberbeobachtungen vom Kanu aus, über Birdwatching-Exkursionen und grenzüberschreitenden Rad- und Bootstouren, z. B. am Grenzfluss Raab bis zu speziellen Kinderführungen. In Erprobung ist auch ein neues Angebot im Radtourismus, die PaNaTOUR. Diese siebentägige Radstrecke durch die Schutzgebiete beidseits der Grenze soll einerseits als Routenvorschlag für selbständige Radtouren ausgearbeitet, andererseits als Premiumangebot mit eigenem Tourguide und Gepäcktransfer konzipiert werden. Über PaNaNet werden auch laufend gemeinsame Aus- und Weiterbildungsprogramme organisiert, wie eine Ausbildung zum zertifizierten Kanu-Guide oder zum Thema „Barrierefreiheit in der Umweltbildung“. INFOBOX

Mit dem Kanu auf der Raab

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Weitere Informationen: www.naturparke.at/ naturparke/burgenland/

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NATURNAHER TOURISMUS NATURPARK Erkundungstour mit der Mariazellerbahn

Naturpark Ötscher-Tormäuer: NATURNAHER TOURISMUS EINGEBETTET IN EIN PARTIZIPATIV ERARBEITETES NATURPARK-KONZEPT

Im Naturpark Ötscher-Tormäuer

Der Naturpark Ötscher-Tormäuer ist der größte Naturpark in Niederösterreich. Er beeindruckt durch seine fast unberührten, einzigartigen Landschaften wie die Ötschergräben, die Tormäuer oder auch den weithin sichtbaren Ötscher. Sie prägen das Gebiet genauso wie die seit Jahrhunderten bewirtschaftete Kulturlandschaft. In den letzten beiden Jahren beschäftigte sich der Naturpark in einem österreichweiten Pilotprojekt intensiv mit der Erstellung eines Naturparkkonzepts, um eine selbstbestimmte, nachhaltige Regionalentwicklung zu ermöglichen. Etwa 120 Menschen aus der Bevölkerung haben sich dabei aktiv in eine der vier Arbeitsgruppen gemäß der Naturparkphilosophie – Schutz, Bildung, Erholung und Regionalentwicklung – eingebracht, um die Zukunft des Naturparks und somit ihrer Heimat

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mitzugestalten. Eingebunden in dieses Konzept sind auch Ziele, konkrete Maßnahmen und Projekte für einen naturnahen Tourismus im Naturpark. Die touristische Kernkompetenz der Naturparkregion ist Wandern und Naturerlebnis. Den Wanderern stehen rund 300 km Wanderwege und entsprechende Infrastruktur zur Verfügung. Als Kristallisations- und Informationspunkt wurde 2015 in Wienerbruck das Naturparkzentrum Ötscher-Basis eröffnet. Zentral gelegen am Wienerbrucker Stausee gleich am Einstieg in die Ötschergräben und die Hinteren Tormäuer, bietet die Ötscher-Basis einen idealen Ausgangspunkt für Erkundungstouren. Vor allem die gute Anbindung an die Mariazellerbahn ermöglicht es vielen Gästen bei der Anreise in den Naturpark auf das eigene Auto zu verzichten. Seit 2019 organisiert der Naturpark in enger Zusammenarbeit mit den Naturparkgemeinden einen Wanderbus, um auch weitere sehr attraktive Wanderungen besser autofrei zu erschließen. Im Naturpark steht neben dem Wanderangebot die Naturvermittlung und Umweltpädagogik im Vordergrund. Mit einem umfassenden Vermittlungsangebot wurden Angebote geschaffen, die sowohl aus touristischer als auch naturschutzfachlicher Sicht aufbereitet sind. INFOBOX Weitere Informationen: www.naturparkoetscher.at FOTOS: FRED LINDMOSER

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Die WÖFFIS – WANDERN IN DEN FÜNF TIROLER NATURPARKEN MIT ÖFFENTLICHER ANREISE

Faszination Natur

Oberösterreichisches „NATURSCHAUSPIEL“ Das naturtouristische Bildungsangebot „NATURSCHAUSPIEL“ umfasst attraktive Angebote in den Schutzgebieten Oberösterreichs, die in Form eines Theaterspielplanes präsentiert werden. Exklusive Naturerfahrungen, Wissensvermittlung, Erholung und Genuss werden damit auf spannende Art verbunden. Auf NATURSCHAUSPIEL.at, der Angebotsplattform der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich, machen die kreativsten Naturvermittler*innen Oberösterreichs besondere Naturräume erlebbar. Ziel ist es den

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FOTO: THOMAS REIBNEGGER

„Das Wandern boomt“ war der Startschuss für die Tiroler Naturparke, in einem Gemeinschaftsprojekt fünf regionsspezifische Wanderbroschüren mit Informationen zur öffentlichen Anreise herauszugeben. Mit deren Hilfe wird die Tourenplanung leicht gemacht. Der Genuss und der Schutz der Natur werden dabei fokussiert. 74 Wanderungen bieten die Möglichkeit die Tiroler Naturparke in all ihren Facetten kennen zu lernen. Vielfältig und bunt sind die Landschaften: Unterschiedliche Lebensräume von den Gletschern bis ins Tal können die Wanderer entdecken. Durch den Zemmgrund geht es bei einer Gletschertour auf den Schwarzenstein oder bei einer Talwanderung entlang der Wildflusslandschaft am Tiroler Lech. Höhepunkte der Tourenvorschläge sind ein Besuch beim Großen Ahornboden, beim Piller Moor und dem Obergurgler Zirbenwald. Alle Wanderungen sind auf einer interaktiven Karte verzeichnet. Damit kann die Tour im Vorfeld erkundet werden und Details, wie Streckenlänge, Höhenmeter, Schwierigkeitsgrad, Gehzeit oder Tourenbeschreibung abgefragt werden. Das Gemeinschaftsprojekt verstärkt die Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Partnern. Die Tiroler Naturparke werden durch regionale Tourismusverbände und Verkehrsbetriebe beim Marketing und Vertrieb der Broschüre unterstützt.

INFOBOX Weitere Informationen: www.naturparke.tirol

Menschen einen neuen Blickwinkel auf die Natur zu ermöglichen. Jährlich stehen über 100 Themenführungen in allen Landesteilen für Zielgruppen von Jung bis Alt auf dem Programm. Mit über 150.000 naturinteressierten Teilnehmer*innen seit Gründung vor zehn Jahren sind diese Angebote ein wichtiger Beitrag zum Ausflugs-Tourismus-Angebot des Landes. Naturpark Mühlviertel: Abenteuer Schluchtwald und die verlorene Perle der Naarn Das „Abenteuer Schluchtwald“ ist ein Beispiel für ein sehr beliebtes Angebot und punktet mit einer Mischung aus Naturinformationen und Gruppenerlebnis. Die steilen Schluchtwälder im Naturpark Mühlviertel entlang des Flusses und die Naarn selbst beherbergen eine faszinierende Flora und Fauna, die nur wenigen bekannt ist. Aus nächster Nähe können die Besucher*innen gigantische Blockburgen bewundern, die Entstehungsgeschichte der Naturparklandschaft nachvollziehen, den Lebensraum Totholz im Schluchtwald erforschen und ein vom Aussterben bedrohtes Weichtier, die Flussperlmuschel, kennen lernen. INFOBOX Weitere Informationen: www.naturschauspiel.at

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NATURNAHER TOURISMUS NATURPARK

FOTO: OIKOS

Wenn VermieterInnen und Gäste LUSTVOLL INS GRAS BEISSEN …

Mutige Grasbeißer

In den steirischen Naturparken entdecken Gastbetriebe und Gäste jene Naturschätze, die sich vor ihrer Haustüre befinden. Beim Backhendlwirt Hubmann im steirischen Pöllau steht eine Piepshow auf dem Programm: Ein Comic-Huhn führt durch den Betrieb und greift Themen rund um Biodiversität auf, etwa am gesunden Salatbuffet oder im Hühnerstall. Am Michlbauernhof in Neuberg blüht naturnaher Blumenschmuck aus der Region statt exotischer Importpflanzen, und im Pichlschloss wurde eine Streuobstwiese mit seltenen Sorten revitalisiert und für Gäste erlebbar gemacht. Diese Wandlung durchliefen 65 Nächtigungsbetriebe – vom Bauernhof bis zum 4-Sterne-Hotel. Natur ist mehr als Kulisse Alle diese Betriebe sind in einem der sieben steirischen Naturparke angesiedelt. Sie tragen das Zertifikat „Naturpark-Partner“ und haben sich in den letzten Jahren

zur Förderung eines ökologisch wertvollen Lebensraums sowie zu gesundem Wohnen und Essen verpflichtet. Im Rahmen mehrjähriger EU – Projekte entwickelten sie Sensibilität für die Naturjuwele auf ihren Flächen und ihren Wert. Dafür wurde ein multidisziplinäres Team von Biolog*innen, Naturführer*innen und Marketingexpert*innen auf den Weg geschickt, um die Betriebe zu durchleuchten. Sie umrundeten die Hotels, Pensionen und Gasthöfe – jeder mit seiner spezifischen „Fachbrille“ – und stellten danach in einem Brainstorming einen individuell für jeden Betrieb ausformulierten Ideenkatalog zusammen. Die Natur rund ums Haus ist nun nicht bloß idyllische Kulisse, sondern wurde zur betrieblichen, zukunftsfähigen Ressource.

Ein Ideenpool für Biodiversität Jeder Ideenkatalog enthält ca. 20 umsetzungsreife Möglichkeiten, wie die Biodiversität rund ums Haus betrieblich genutzt werden kann – als Angebot für Gäste, aber auch für das Marketing. Die Ideen reichen vom „Storytelling“ zu entdeckten, seltenen Orchideen- und Insektenarten bis zu Nouvelle Cuisine mit Wildkräutern. Insgesamt wurden ca. 1.000 Ideen präsentiert, davon bisher rund die Hälfte von den Betrieben laut Kriterien umgesetzt. Ein jährlich organisierter Wettbewerb zeichnet die besten Umsetzungen aus. INFOBOX Weitere Informationen: www.naturparkesteiermark.at in der Rubrik „Projekte“

Autoren: Franz Handler, Marelli-Asamer Handler, Robert Heuberger, Marlene Salchner, Florian Schublach, Bernhard Stejskal Unter Mitarbeit von: Thomas Böhm, Barbara Derntl, Michaela Heinisch, Andrea Sedlatschek Kontakt: Franz Handler, Geschäftsführer Verband der Naturparke Österreich, Alberstraße 10, 8010 Graz, T: ++43/(0)316/31 88 48 – 99, handler@naturparke.at AUTORENFOTOS: MARIJA KANIZAJ (1, 2); HEUBERGER (3); JUSTIN TAUSCHER (4); UNBEKANNT (5); OIKOS (6).

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FOTO: TVB OSTTIROL

TITEL

DIE BERGSTEIGERDÖRFER DER ALPENVEREINE

Oberstalleralm im Osttiroler Villgratental

Anregung ohne Hektik, Belebtheit ohne Lärm, Nähe ohne Respektlosigkeit, Genuss auf hohem Niveau und Bewegung aus eigener Kraft sind die Leitmotive der Initiative, die inzwischen 29 Gemeinden und Regionen in Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien umfasst.

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A

bseits des Massentourismus finden sich in den Alpen Orte und Regionen, die vom „Erschließungs-Kapital-Event-Kreisel“ verschont geblieben sind und sich so ihre Authentizität und Kleinheit erhalten konnten. Einige von ihnen haben sich bewusst für eine nachhaltige, eigenständige und selbstbewusste Entwicklung entschieden. Die Initiative Bergsteigerdörfer – vom Österreichischen Alpenverein 2008 angestoßen und seit 2016 auch in den Alpenvereinen der Nachbarländer vertreten – nimmt sich mithilfe der Alpenvereinssektionen, des Ständigen Sekretariats der Alpenkonvention und Partnern aus öffentlicher Verwaltung und Tourismus dieser Gemeinden an. So unterschiedlich diese Bergsteigerdörfer sind, so haben sie doch einiges gemeinsam, was viele andere Regionen in den Alpen schon lange nicht mehr haben: eine weitestgehend unverbrauchte Natur- und Kulturlandschaft, eine jahrhundertealte alpine Tradition und ein starkes Selbstbewusstsein. Als Grundlage für die Auswahl der Bergsteigerdörfer gelten eine Reihe von Kriterien. Sie zeichnen sich durch ihre Lage im alpinen Raum, ihre Kleinheit (max. 2.500 ständige Einwohner), eine bodenständig gebliebene Tourismusinfrastruktur, zahlreiche unberührte Berggipfel und eine prägende Alpingeschichte aus. Auch die vorhandene Alpinkompetenz in Form bewirtschafteter Schutzhütten alpiner Vereine oder vergleichbarer Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


FOTO: GIANNI BODINI

BERGSTEIGERDÖRFER

Matsch am Ortler

FOTO: ULRICH KIRCHMAYR

Standorte der 29 Gemeinden und Regionen

Lesachtal

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Hütten, eines durchgehenden beschilderten Wegenetzes und ausgebildeter Berg- und Wanderführer*innen ist ein wichtiger Faktor. Über bilaterale Abkommen wird sichergestellt, dass die Kriterien weiterhin für alle Orte streng eingehalten werden und die Initiative in der Hand der Alpenvereine bleibt. Zusammen mit den Sektionen des Alpenvereins wird an einer umfangreichen Angebotspalette an Aktivitäten gearbeitet, die ohne technische Hilfsmittel auskommt. Je nach Charakter des Bergsteigerdorfes können sich Gäste in einer weitestgehend unverbrauchten Landschaft aktiv erholen: Wandern, Bergsteigen, Klettern, Bouldern, Skitourengehen, Schneeschuhwandern, Langlaufen und Rodeln stehen auf dem Programm der Bergsteigerdörfer. Auch

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FOTO: KARL SELDEN

TITEL

Herbststimmung im Bergsteigerdorf Zell-Sele

abseits des Bergsports ist einiges geboten, z. B. geführte geologische oder ornithologische Wanderungen, Besuche von Bergwerksstollen, Museen und alten Werkstätten. Johnsbach im Gesäuse ist beispielsweise besonders bekannt für seine zahlreichen alpinen Klettertouren, die von den „Gesäuse-Pionieren“ erschlossen wurden. Die Steirische Krakau ist ein Skitourengebiet, wie man es kaum sonst wo findet, und Weißbach bei Lofer hat sich vor allem auf das Sportklettern spezialisiert. Einige der Gemeinden sind Teil eines Naturparks wie Ginzling, Vent und Lungiarü oder sind Gemeinden im Nationalpark wie Mallnitz, Malta, Hüttschlag (Nationalpark Hohe Tauern) oder Ramsau bei Berchtesgaden (Nationalpark Berchtesgaden). Im Großen Walsertal wurden sechs Biosphärenparkgemeinden als Bergsteigerdörfer ausgewählt. Mit dem Besuch in einem der Bergsteigerdörfer entsteht eine echte Symbiose: Während Gäste endlich den Alltag hinter sich lassen können, werden in den Gemeinden Arbeitsplätze gehalten, kleine Gastronomiebetriebe können ihr Auskommen finden, Nächtigungen werden auf Schutzhütten gebucht und das regionale kulinarische Angebot findet seine Abnehmer. Genau das entspricht einer gelebten Umsetzung der Alpenkonvention – die Balance zwischen Schutz der Gebirgsregionen und einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung.

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BROSCHÜRE

Rückfragen und Bestellung von Infomaterial an: Österreichischer Alpenverein Broschüre zum Download: www.bergsteigerdoerfer.org

Text: Marion Hetzenauer, Österreichischer Alpenverein Olympiastraße 37, 6020 Innsbruck Tel.: +43(0)512 595 47 31 info@bergsteigerdoerfer.org

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TITEL

Aus dem Buch von Reinhold Messner

VORGESTELLT

MEINE WERTE-CHARTA FÜR DIE BERGE „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“ Alexander Freiherr von Humboldt

D

ie Bergregionen Europas sind Höhenlagen über 500 Meter: Alpen, Apennin, Pyrenäen, Sierra Nevada, Karpaten sowie britische, französische, italienische, belgische, deutsche, schweizerische, österreichische, tschechische, slowakische, spanische, portugiesische Mittelgebirge, skandinavische Gebirge, dinarisches Gebirge, griechische und bulgarische Gebirge. Neben Klima, geografischer Vielfalt und Erholungswert haben sie auch ähnliche sozialökonomische Strukturen, die sie zu einem verbindenden Element innerhalb der Europäische Union machen. Ihre Bedeutung für die jetzige oder erweiterte EU liegt nicht nur in gemeinsamen Problemen, sondern auch in den mit ihnen verbundenen Werten: Wasserspeicher und Wasserkraft, Ökosystem und Artenvielfalt, Ruhezone und Erholungsraum, Stille und Raum der Phantasie, kulturelle Identität und Vielfalt, landwirtschaftliche Ressourcen (traditionelle Haustierrassen und Nutzpflanzensorten). Diese Berggebiete machen ein Drittel der EU-Gesamtfläche aus und die Herausforderungen vor Ort sowie die entsprechenden Lösungen gleichen sich. Nur mit einem länderübergreifenden Konzept, das dem Anspruch auf Nachhaltigkeit und Arbeitsplatzsicherung gerecht wird, können jene Werte verteidigt werden, die der lokalen Bevölkerung ein Auskommen und den Städtern obendrein eine Erholungsmöglichkeit dort garantieren. Es geht dabei immer auch um den Erhalt der Berggebiete als Lebensraum. Meine „Werte-Charta für die Berge“ soll Anregung sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Berggebieten zu ihrer wahren Bedeutung verhelfen. 1. Berggebiete sind überall als Summe von kleinräumiger Kulturlandschaft – jahrtausendelang von Menschenhand gestaltet und gepflegt – und von erhabener Hochgebirgslandschaft definiert. Diese Summe ist ein einmaliger, nicht teilbarer Wert. 2. Gepflegte Kulturlandschaft in den Berggebieten kommt allen zugute. Geht es doch um Landschaft und Gewässerschutz, Erholungsraum sowie Produktion gesunder und hochwertiger Nahrungsmittel. Gebirge sind zudem die grüne Lunge aller nahegelegenen Ballungszentren. 3. Die zur Pflege der Kulturlandschaft notwendige, unverzichtbare Bearbeitung setzt eine autarke, verantwortungsvolle Bevölkerung mit der Möglichkeit zur lokalen, eigenverantwortlich-autonomen Gestaltung ihres Lebensraumes voraus. Nur wenn sich ihr Wirtschaften trägt, bleibt sie am Berg.

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Rettet die Berge Ein Appell von Reinhard Messner Als die Romantiker die Schönheit der Berge entdeckten, konnte niemand ahnen, dass dies der Beginn des alpinen Massentourismus sein würde. Heute sind ganze Bergregionen ein einziger Spielplatz mit inszenierten Freizeitparks und kahlen Hängen. Mountainbiker, Kletterer, Trekker und Skifahrer erwarten ein perfektes Vergnügen, Alpinisten eine allgegenwärtige Bergwacht. Die Erhabenheit der Natur aber wird zusehends banalisiert. Reinhold Messner, der wie kein anderer die Berge dieser Welt kennt, setzt sich für die Pflege der Kulturlandschaft und den Schutz der Wildnis in den Gebirgen ein. Auf pointierte, meinungsstarke Weise zeigt er, dass wir alle Mitverantwortung für den Fortbestand dieser Urlandschaft tragen. Denn nur wenn der Einzelne sein Verhalten ändert, können wir die Berge vor ihrem Niedergang bewahren. Reinhold Messner. Benevento Verlag, 2019, 128 Seiten, ISBN-13 9783710900716, € 10,00/ CHF 14,50 E-Book: ISBN-13 9783710950810, € 5,99/ CHF 9,00.

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FOTO: PIXABAY/HEINZ HUMMEL

WERTECHARTA FÜR DIE BERGE

Ansturm auf die Zugspitze

4. Die Hochgebirgsregionen hingegen – die Zonen über der Waldgrenze, die erst seit der modernen Erschließung für den Tourismus genutzt werden – beinhalten Werte wie Weite, unverbaute Landschaft Stille und Erhabenheit. Auch Gefahr, die dazugehört und nicht wegrationalisiert und ausgemerzt werden soll. 5. Diese Naturlandschaft, einst als Ödland und vordergründig unnütz betrachtet, und ihre Werte gilt es zu schützen. Nicht nur weil in der Welt ein immer größerer Mangel daran herrscht. Die Hochgebirgswelt als Erfahrungsraum muss unverändert bleiben, denn durch weitere Erschließung und zusätzliche Infrastrukturen wäre sie unabdingbar verloren. Ein Erschließungsstop in den Hochgebirgsregionen ist also Pflicht. Bestehende Verbauung bleibt, da oft viele Arbeitsplätze daran hängen. 6. Ein weiteres Vordringen in die Hochgebirgsregionen darf weder mit Infrastrukturen – Seilbahnen aller Art, Straßen –, noch mit anderer moderner Technik erleichtert werden. Wer in Eigenverantwortung und ohne bleibende Spuren zu hinterlassen ins Hochgebirge geht, lernt rasch, diese „Urnatur“ als Wert zu respektieren und diesen Gefahrenraum für alle weiteren Generationen zu verteidigen. Naturschutz wird hier zur Voraussetzung einer erträglichen Nutzung, weil das Hochgebirge selbst den Menschen ausgrenzt. 7. Nur eine dezentrale Besiedelung und eine dezentral nachhaltige Nutzung der Berggebiete unterhalb der Waldgrenze sichern die Wegbarkeit dieser Räume, die Grundlage für das Bleiben, mögliche Erholung und zugleich Naturerfahrung sind. Damit der Bergbevölkerung im Gegenzug eine höhere Lebensqualität erhalten bleibt, sind Transitstrecken so zu gestalten, dass Lärmund Umweltbelastungen aller Art minimal bleiben. 8. Ich persönlich sehe in der Verzahnung von lokaler

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Lebensart, gepflegter Kulturlandschaft und einer von Infrastrukturen freien Naturlandschaft den Schlüssel zum Schutz der Berggebiete. Nur so sind diese auch touristisch langfristig nutzbar. Gemeinsam sind Berglandwirtschaft und Tourismus der Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung im Gebirge. Vor Ort gilt es, in Nachbarschaftshilfe zusammenzustehen, darüber hinaus soll großräumige Zusammenarbeit der Berggebiete gefördert und größtmögliche Selbstverwaltung eingefordert werden. 9. Nur regionales Kulturgut, intakte Kulturlandschaft und die jeweils unverwechselbare, einmalige Gebirgslandschaft darüber garantieren Nachhaltigkeit sowie das Selbstverständnis der Bergbevölkerung, die sich so mit ihrem Umfeld identifizieren kann. 10. Bergregionen und Ballungszentren brauchen einander. Erstere sind mithilfe der Ballungszentren in jenem Gleichgewicht zu halten, das das Tiefland vor Katastrophen schützt und den Gebirgsbewohnern ein Auskommen sichert. Eine räumlich ausgewogene Siedlungsund Wirtschaftsstruktur erfordert von der Politik die Berücksichtigung – nicht Vernachlässigung – der Peripherie. Es wäre negativ, wenn Berggebiete sich (weiter) entvölkerten und die Stadtregionen weiter stark anwüchsen. Also sind Maßnahmen zu ergreifen, um eine solche Entwicklung zu verhindern. Die meisten Berggebiete außerhalb Europas liegen weiter entfernt von Ballungsräumen und haben, aufgrund ihrer Lage und der sozioökonomischen Verhältnisse der lokalen Bergbevölkerung, andere Probleme. Die Lösungsansätze für eine nachhaltige Entwicklung dort sollten nicht von europäischen Modellen übernommen werden. Es gilt, für jedes Berggebiet Strategien zu dessen Nutzung und Schutz zu entwickeln. Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


Zukunftsszenarium

Tourismus-Abgabe für die Nutzung der Natur?

An s.g. Frau Bundesministerin Maria Patek Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus Stubenring 1 1010 WIEN

Mit diesem Anliegen hatte der Naturschutzbund einen Brief an Bundesministerin DI Maria Patek gesandt. Die nachfolgende Einladung zu einem Gespräch Ende August 2019 mit der Tourismus-Sektionschefin Mag. Ulrike Rauch-Keschmann konnte für die Erläuterung der Standpunkte genutzt werden. In weiterer Folge wird der Naturschutzbund konkrete Vorschläge ausarbeiten.

10. 07. 2019

Sehr geehrte Frau Bundesministerin DI Patek! Der Naturschutzbund hat an der Entwicklung des Positionspapiers „Tourismus in Österreichs Nationalparks“ des Beirats von Nationalparks Austria mitgearbeitet und möchte Ihnen als konkrete Maßnahme zur Umsetzung dieses Papiers folgenden Vorschlag näherbringen: Im Wissen, dass jeglicher Tourismus auf Nationalparkflächen – auch in sanfter Form – ein Eingriff in den Naturhaushalt bedeutet, ist ein achtsamer Umgang mit diesem Thema Gebot der Stunde. Mit jeder Zunahme – auch eines nachhaltigen – Tourismus, der sowohl im „Masterplan Tourismus“ als auch im Positionspapier von Nationalparks Austria als möglich und erwünscht erscheint, wird der Naturhaushalt genutzt, letztlich in seiner Funktionalität beeinträchtigt und die Natur dadurch scheibchenweise zurückgedrängt. Doch gerade Nationalparks sind und sollen Bastionen zur Bewahrung unserer österreichischen Naturschätze sein, weshalb uns ein Ausgleich besonders notwendig erscheint. Der Naturschutzbund schlägt daher vor, einen Teil der Einnahmen der Tourismuswirtschaft in einen neuen Fonds („Tourismus-Naturerbe-Fonds“) fließen zu lassen, der der Natur wieder zu Gute kommt. Eine Möglichkeit dafür könnte sein die Tourismusabgabe in den Gemeinden um einen Betrag von 50 Cent pro Tag und Gast zu erhöhen. Die dadurch aufgebrachten Mittel sollen ausschließlich Maßnahmen des Naturschutzes und die Schaffung und Erhaltung von Naturflächen fördern: Flächenmäßige Erweiterung der Nationalparks, flächenmäßige Erweiterung der Kernzonen der Nationalparks, Extensivierungsmaßnahmen in Nationalpark-Randzonen, Schaffung von Trittsteinbiotopen und Lebensraumverbund-Maßnahmen im Vorfeld der Nationalparks (Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete/private Naturschutzflächen zwischen Nationalparks) sowie Schaffung neuer Nationalparks. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir ein entsprechendes Programm zur Erhaltung und Förderung unserer Naturschätze mit Vertretern des BMNT und der Tourismuswirtschaft entwickeln könnten und bitten um einen diesbezüglichen Gesprächstermin. Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen,

Univ. Prof. i. R. Dr. Roman Türk e.h. Präsident

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Mag. Birgit Mair-Markart e.h. Bundesgeschäftsführerin

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BUCHBESPRECHUNGEN Geschichte unserer Umwelt 66 Reisen durch die Zeit Schon seit frühester Zeit haben wir unsere Umwelt beeinflusst, geformt und verändert. Von den frühen Gesellschaften als Jäger und Sammler über den ersten Ackerbau bis hin zur Industrialisierung, zu Atomkraftwerken und zur Abholzung des Regenwaldes hat der Mensch in den natürlichen Kreislauf eingegriffen. Aber natürlich hat auch die Umwelt Einfluss auf unsere Entwicklung, unser Verhalten und unsere Geschichte gehabt. Das Buch wurde prämiert als „Wissenschaftsbuch des Jahres 2015“ und von der Deutschen Umweltstiftung zum „Umweltbuch des Jahres 2015“ gekürt. Verena Winiwarter & Hans-Rudolf Bork. Verlag wbg Theiss, Jubiläumsausgabe 2019, 3.erweiterte und aktualisierte Auflage, 208 Seiten mit etwa 149 farbigen und 63 s/w Abb., 22 x 29 cm, gebunden, ISBN 978-3-8062-3199-1, € 39,95, eBook: € 19,95

Unser Urwald Die letzten wilden Wälder im Herzen Europas An verborgenen Orten, gar nicht weit weg von den Metropolen Mitteleuropas, existieren die letzten überlebenden Urwälder: Unentdeckte Paradieswälder in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Kroatien, Italien und Slowenien. Der Umweltschützer und Fotograf Matthias Schickhofer hat sie in atemberaubenden Bildern eingefangen, seine Reiseberichte zeugen von der Faszination dieser entrückten Orte und rufen zum Schutz der ursprünglichen Wälder auf. Mathias Schickhofer. Brandstätter Verlag, Bildband, 192 Seiten, 130 Abb., mit 12 Erlebnistipps für individuelle Wanderungen/Führungen im Anhang, Hardcover, ISBN 9783-85033-924-7, € 34,90

Der Traum der Schildkröte Meine Freundschaft mit einem besonderen Geschöpf und die Geschichte seiner Art Wer kann besser über das Leben auf Erden berichten als eine Schildkröte? Sie bewohnt unseren Planeten länger als fast jede andere Art und hat miterlebt, wie sich dieser durch das Zutun der Menschen massiv verändert hat. Angeregt durch das Zusammenleben mit seiner Schildkröte Fred, hat Peter Laufer diese Geschichten niedergeschrieben: von den ersten Begegnungen zwischen Mensch und dem gepanzerten Reptil, bis zur Realität des Schildkrötenlebens. Das Buch ist ein Aufruf für die Zukunft unseres Planeten einzutreten. Mit einem Vorwort von Richard Branson. Peter Laufer, Nadine Lipp. Terra Mater Books, 2019, 336 Seiten, ISBN-13 9783990550175, € 24,00/ CHF 33,90; E-Book: € 18,99/CHF 27,00

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Avifauna Steiermark Die Vögel der Steiermark Den zentralen Bestandteil des Buches machen die insgesamt 378 Artkapitel aus, welche detaillierte Angaben zur Verbreitung, Bestandsentwicklung und Gefährdung (Rote Liste) der heimischen Brutvogelarten sowie zum Vorkommen von Durchzüglern, Gastvögeln und Gefangenschaftsflüchtlingen beinhalten. Das Buch ist das bisher umfangreichste Grundlagenwerk der Vogelwelt eines österreichischen Bundeslandes. Zwölf renommierte steirische Ornithologen haben über zweieinhalb Jahre lang unermüdlich gearbeitet, das gesamte Wissen über die heimische Vogelwelt zusammenzutragen und auszuwerten. Ernst Albegger, Otto Samwald, Hartwig W. Pfeifhofer et al., 883 Seiten, 863 Fotos, 220 Verbreitungskarten, ISBN 978-37011-7992-3, € 69,00 + Versandkosten; Bestelladresse: BirdLife Österreich/Landesgruppe; Steiermark c/o Inst. f. Pflanzenwissenschaften, Universität Graz, Schubertstr. 51, 8010 Graz, avifauna@club300.at

Rettet den Boden! Warum wir um das Leben unter unseren Füßen kämpfen müssen Ein Millimeter fruchtbarer Boden kann dreihundert Jahre zum Aufbau benötigen. Waren die Landwirte vor der Industrialisierung noch darauf angewiesen, Humus aufzubauen, um die Böden lebendig zu erhalten, nutzt die moderne Landwirtschaftsindustrie den Boden nur noch als bloßes Subs-trat, in das die Überproduktion von Exkrementen der industriellen Fleischfabrikation als Dünger eingebracht wird. Die Gesundheit der Böden und der Menschen, die seine Früchte täglich essen, ist dabei vollkommen aus dem Blick geraten. Der Autor fordert dringend die Rettung der Böden einzuleiten. Denn wenn die Böden erst einmal abgetötet sind, brauchen wir nicht mehr umzudenken – dann verliert auch die biologische Landwirtschaft der Zukunft den Boden unter den Füßen. Florian Schwinn. Westend Verlag, 2019, 272 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN 978-3864-89242-4, € 24,00, auch als eBook

Unaufhaltsam in den Abgrund Leitfaden für das Unikat „Mensch“ Was nützen uns technischer, kultureller, moralischer und sozialer Fortschritt, wenn wir ihn nicht sinnvoll und nachhaltig nutzen? Der Schweizer Autor appelliert an die menschliche Vernunft, um die Erde vor dem Kollaps zu retten. Er nennt viele Missstände beim Namen und versucht konkrete Lösungen aufzuzeigen. Er sagt von sich: „Ich bin weder ein Pessimist noch liebe ich die Schwarzmalerei, aber als Realist […] gibt es nun mal nicht viel zu beschönigen.“ John Roomann. Novum Verlag 2018, 402 Seiten, ISBN: 978-3-99064-328-0, € 19,90 Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019


BUCHBESPRECHUNGEN Wander- und Radtouren mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Raum Salzburg Alpintourismus und sanfte Mobilität Sommer/Herbst 2019 Sieben Hütten der OeAV-Sektionen Bad Reichenhall, Traunstein und Salzburg laden zu warmer Küche und Übernachtung ein. Herausgeber des grenzüberschreitenden Tourenführers sind die genannten Sektionen. Weitere Tourentipps finden Sie – je nach Jahreszeit aktualisiert – in www.tourenautofrei.at. Die Winterausgabe erscheint Ende Dezember. Die Broschüre ist in den Geschäftsstellen aller teilnehmenden Alpenvereine erhältlich (in Salzburg: Zusendung gegen Spesenersatz € 4,50 möglich). Zum Herunterladen unter: www.alpenverein-salzburg.at

Mit Bahn und Bus in die Wiener Hausberge 50 Touren zwischen Donau, Mur und Enns Zügig in die Wiener Hausberge – ganz entspannt und ohne Stau. Mit Bahn und Bus lassen sich von Wien abwechslungsreiche Wandergebiete erreichen. Die Ausgangs- und Endpunkte der Touren sind hervorragend ans Bahn- und Busnetz angebunden. Die Touren vom Wienerwald bis zum Gesäuse umfassen gemütliche Halbtageswanderungen ebenso wie anspruchsvolle Wochenendtouren. Peter Backé. Bergverlag Rother, 2. Auflage 2018, 224 Seiten mit 128 Farbabbildungen, 50 Höhenprofile, 50 Wanderkärtchen, Übersichtskarte, Tourentabelle, GPS-Tracks sowie Bahn- und Busverbindungen 2019 zum Download: www.rother.de (bei der Buchbeschreibung), kartoniert, ISBN 978-3-76333091-1, € 17,40

Störungsökologie Störungen sind zeitlich und räumlich diskrete Ereignisse, die zu Verlust von lebender Biomasse führen und Lebensgemeinschaften tiefgreifend verändern. Die Summe aller in einer Landschaft wirkenden Störungen ergibt ein Störungsregime, welches durch typische Rhythmen und Interaktionen gekennzeichnet ist. Ökosysteme werden beispielsweise durch Wind, Feuer, Insekten- oder Pilzbefall sowie durch die anthropogene Landnutzung gestört. Störungen können Ökosysteme rasch wandeln, aber auch langfristig zu deren Stabilisierung beitragen. Dieses Lehrbuch ist das erste in deutscher Sprache zu dieser Thematik. In 18 Kapiteln charakterisiert es Störungstypen und Störungsregime sowie ihre Bedeutung für Ökosysteme und beschreibt die Anpassungen von Arten und Pflanzengemeinschaften an diese Störungen. Es bietet einen breiten Überblick zum Stand des Wissens in der Störungsökologie. Zahlreiche Beispiele illustrieren dabei die Verhältnisse in Mitteleuropa. Thomas Wohlgemuth, Anke Jentsch, Rupert Seidl (Hrsg.). Hauptverlag 2019, utb, 396 Seiten, 167 Abb., 17 Tab., ISBN: 978-3-8252-5018-8, € 46,30 Herbstausgabe | natur&land | 105. JG. – Heft 3-2019

Die Beschleunigung der Berge Eine Umweltgeschichte des Wintertourismus in Vorarlberg/ Österreich (1920–2010) Umwelthistorische Forschungen – Band 7 Die große Beschleunigung seit Beginn der Industrialisierung wurde in vielen Teilen der Alpen durch den Wintertourismus angetrieben. Mit den mechanischen Aufstiegshilfen begann sich eine Spirale von Modernisierung, Ausweitung und Intensivierung zu drehen. an deren vorläufigem Ende gänzlich verwandelte Peripheren stehen. Der Autor legt mit dem Buch eine erste Umweltgeschichte der Transformation agrarischer Kulturlandschaften durch den Wintertourismus vor. Robert Groß. Böhlau/Vandenhoek und Ruprecht Verlage, 2019. 361 Seiten, mit 46 s/w Abb. und 6 farb. Abb., ISBN 978-3-412-51168-5, € 52,00, eBook € 41,20

Erhebung der Einstellung von Einheimischen und Touristen zur Rückkehr des Wolfes nach Südtirol Mittels der Eurac-Studie wurde erstmals sowohl die Haltung als auch das Wissen der Bevölkerung und der Touristen in Südtirol zum Thema Wolf erhoben. Die von unterschiedlichen Zielgruppen wahrgenommenen Probleme und Ansichten wurden objektiv und neutral dargestellt. Sie dienen als Grundlage für konkrete Maßnahmen zur Konfliktminimierung. Von den 1.818 Befragten antworteten über 70 %, dass sie mehr über den Wolf, über sein Verhalten und sein Vorkommen hierzulande wissen möchten. Die Mehrheit der UmfrageTeilnehmer zieht vorbeugende Schutzmaßnahmen in Form von Zäunen, Herdenschutzhunden oder Hirten einem Abschuss vor. Stauder J., Omizzolo A., Streifeneder T., Favilli F., Eurac Research, 2019, 48 Seiten, Kostenlos zum Download: http://hdl.handle.net/10863/9263

Ergebnisorientierte Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in der Berglandwirtschaft Ein Handbuch für die Politik Biodiversität berührt uns beim Anblick bunter Wiesen. Agrarumweltprogramme sind ein Mittel, diese Biodiversität zu bewahren. Das MERITForschungsprojekt will herausfinden, ob ergebnisorientierte Agrarumweltmaßnahmen funktionieren könnten. Im Unterschied von den bisher üblichen handlungsorientierten Agrarumweltmaßnahmen, erfordert dieser Ansatz eine enge Zusammenarbeit mit den Bauern und Bäuerinnen. Daniel Bogner, Matthias Stolze, Rebekka Frick et al. Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Schweiz (Hrsg), 2016. Zum kostenlosen Download: shop.fibl.org sowie www.umweltbueroklagenfurt.at/merit/media.php

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ADRESSEN + IMPRESSUM BUNDESVERBAND Museumsplatz 2, 5020 Salzburg Mo–Do 8–17, Fr 8–12 Uhr T 0662/64 29 09 bundesverband@naturschutzbund.at

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TIROL NIEDERÖSTERREICH rungen einzuleiten. Im gesamten Jahr 2016 stand das Thema um-

Im Alpenzoo, Weiherburggasse 37a Mariannengasse 32/2/16, 1090 Wienim Mitwelt und Nachhaltigkeit telpunkt. Mit beginn des Jahres esordnung 6020 Innsbruck, Bürozeiten variabel Mo–Do 9–13 Uhr 2017 wurden zusätzliche inhaltliche Schwerpunkte wie Partner0664/443 09 F 0512/26 00 87 T + F 01/402 93 94 schaft oder WillkommenskulturTaufgenommen. Die 59, heurigen aker Beschlussfähigkeit tionszeiträume sind: lebendigetirol@naturschutzbund.at Partnerschaft / Einfach essen, noe@naturschutzbund.at

cht durch den Geschäftsführer einfach trinken / Herzlichkeit verschenken / Tief durchatmen / assiers Den Sonntag feiern / zeiten der besinnung OBERÖSTERREICH SALZBURG echnungsprüfer ntlastung des Vorstandes Gutes Leben Museumsplatz 2, 5020 Salzburg Knabenseminarstraße 2, 4040–Linz on Vorstand, Fachbeirat und Mo–Do trinken 8–17, Fr 8–12 Uhr einfach essen Uhr und einfach Mo–Fr 7.30–12.30 üfern Tätigkeiten und 0732/77 92 79auch Tso,0662/64 gehtTes Ihnen manchmal dass Sie 29 09-11 mm von der Fülle und Vielfalt der salzburg@naturschutzbund.at Konsumwelt oberoesterreich@naturschutzbund.at erung fast erschlagen werden? Je bewusster Sie ung über den Voranschlag genießen, desto weniger brauchen Sie. ung über Mitgliedsbeiträge ÖSTERREICHISCHE NATURSCHUTZJUGEND önj „Weisheit und Einfachheit ung über Anträge gesellen sich gerne.“

Bundesleitung Eustacchiogasse 44, 8010 Graz Aktionswoche: 3. bis 9. April 2017 susanne.plank@naturschutzjugend.at Aufgabe: Eine Woche lang bewusst einfach essen und trinken T 0650/802 02 00 (Russisches Sprichwort)

Kurze Pause

on Bundesgeschäftsführerin rgit Mair-Markart:

In dieser Woche laden wir Sie ein, einfache Speisen zu kochen. am Montag oder Dienstag werden die lebensmittel für die ganze restliche Woche eingekauft. zu den Mahlzeiten wird möglichst nur Wasser aus dem Wasserhahn getrunken. als positiver Nebeneffekt dieser aktionswoche werden sich Ihr Haushaltsmüll SIE SUCHEN ARTIKEL ODERauch AUTORINNEN UNDreduzieren. AUTOREN? und wahrscheinlich die Einkaufswege Weitere Details unter: https://www.familie.at/site/salzburg/ angebote/projekte/gutesleben ›› Artikelübersicht (tabellarisch):

am mehr erreichen – jekte des Naturschutzbundes beobachtung, Naturfreikauf, faltleben u. a. m.

TIPP

elliger Ausklang

www.naturschutzbund.at/naturundland/Archiv/

rschutzbund wünscht den Mitgliedern und Freunden Frohe Ostern ›› natur&land-Ausgaben im pdf-Format:

ISSN: 0028-0607 DVR 0457884

http://tinyurl.com/Archivausgaben mäß § 25 Mediengesetz Danke für die (archiviert über dasStv.OÖ Landesmuseum) für NATUR und UMWELT; Vorstand | naturschutzbund | Salzburg: Vorsitzender:

HNER, Geschäftsführer/Schriftführer: Dr. Hannes AUGUSTIN, Stv. Schriftführerin: Mag. assier: MMag. Dr. Johann NEUMAYER, Stv. Kassierin: Gabriele ESTERER; Redaktionsplatz 2, 5020 Salzburg; E-Mail: salzburg@naturschutzbund.at

Crocus vernus

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Gedruckt derder Richtlinie „Druckerzeugnisse“ Gedrucktnach nach Richtlinie „Druckerzeugdes Österreichischen Umweltzeichens, nisse“ des Österreichischen Umweltzeichens, Druck GmbH, UW-Nr. 1193 1193 Druck&&Medienwerk Medienwerk GmbH, UW-Nr.

IMPRESSUM Bezugsbedingungen: Abo-Jahresbezug (einschließlich Postzustellung): € 27,00 für Österreich, € 31,00 für das Ausland; Abobeginn jederzeit (mit Zusendung aller bis dahin erschienen Ausgaben d. laufenden Jahres); Einzelhefte € 6,50 + Versand (wenn nicht anders angegeben). Bestellungen nehmen der Naturschutzbund sowie alle Buchhandlungen entgegen. Abbestellungen werden bis 31. 12. eines laufenden Jahres für das nachfolgende Jahr berücksichtigt. Danach automatische Verlängerung um ein Jahr. Für unverlangte Manuskripte oder Anfragen Rückporto beilegen. Bei Nichtlieferung der Zeitschrift ohne Verschulden des Herausgebers besteht kein Anspruch auf Entschädigung. Für nicht verlangte Manuskripte und Fotos wird keine Haftung übernommen! Bei Fragen zur Nutzung Ihrer personenbezogenen Daten lesen Sie bitte unsere Datenschutzbestimmungen auf www.naturschutzbund.at/ datenschutz.html oder wenden sich telefonisch an +43/(0)662/64 29 09-20. Herausgeber, Eigentümer, Verleger: | naturschutzbund |, Museumsplatz 2, 5020 Salzburg, T +43(0)662/64 29 09 Präsidium: Univ.-Prof. i. R. Dr. Roman Türk (Präsident), Hildegard Breiner, Prof. Univ.-Doz. Dr. Johannes Gepp, Univ.-Prof. Dr. Walter Hödl (Vizepräsidentin/en), Wolfgang Maislinger (Finanzreferent); Dr. Friedrich Schwarz (Schriftführer), Univ.-Prof. Dr. Walter Kofler (Mitglied) Redaktionsleitung: ChefR Ingrid Hagenstein (HA) T +43(0)662/64 29 09-13 E-mail: natur-land@naturschutzbund.at Redaktionsmitarbeit: Mag. Birgit Mair-Markart, Mag. Christine Pühringer Aboverwaltung/Bestellungen: Gudrun Sturm, natur-land@naturschutzbund.at, DW -50 Anzeigenmanagement: multichannel agentur F.E.S. – Werbe Ges.m.b.H, Erich Hammerschmid, Vierthalerstraße 5, 5050-Salzburg, T +43(0)662/ 62 40 08, mobil: +43(0)664/102 22 91; E-mail: e.hammerschmid@multi-channel.at Bankverbindung: Salzburger Sparkasse, 5020 Salzburg, IBAN AT342040400000018069, BIC SBGSAT2SXXX Satz, DTP, Druckvorstufe: Elisabeth Kisters Media Druck: Salzkammergut Media Ges.m.b.H., 4810 Gmunden/5323 Ebenau; gedruckt auf chlorfrei gebleichtem, zertifiziertem Papier. Offenlegung laut Mediengesetz: natur&land ist eine konfessions- und parteiungebundene Zeitschrift, die seitens des Naturschutzbundes herausgegeben wird. Redaktionelles Ziel: Kritische Information zu Fragen des Natur- und Umweltschutzes. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors wieder und decken sich nicht unbedingt mit der der Redaktion und des Herausgebers. Im Sinne der Vereinfachung können u. U. geschlechtsspezifische Endigungen weggelassen werden. Selbstverständlich sind immer beide Geschlechter angesprochen.

unterstützung: Der | naturschutzbund | ist Mitglied der Weltnaturschutzorganisation „International Union for Conservation of Nature“

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MITGLIEDSCHAFT + ABO

UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT MIT IHRER MITGLIEDSCHAFT... Ich möchte Mitglied in folgender Landesgruppe werden: ❒ Burgenland ❒ Kärnten ❒ Oberösterreich ❒ Niederösterreich ❒ Salzburg ❒ Steiermark ❒ Tirol ❒ Vorarlberg ❒ Wien A-Mitgliedschaft: € 36,00/Jahr, Mindestbeitrag für Wenigverdienende: € 24,00 /Jahr, Familienmitgliedschaft: ab € 40,00 (je nach Landesgruppe). Für Mitglieder der Landesgruppen ist das natur&land-Abo in der Mitgliedschaft enthalten. Details auf www.naturschutzbund.at (Bundesländer)

… ODER EINEM ABONNEMENT VON natur&land Jahresbezug: Inlandsabo € 27,00/Jahr, Auslandsabo € 31,00/Jahr. Erscheint 4x pro Jahr: Mitte März, Juni, September, Dezember. Für Vollmitglieder der Naturschutzbund-Landesgruppen ist das Abo in der Mitgliedschaft enthalten. Abo-Beginn jederzeit (mit Erhalt aller erschienenen Ausgaben des Jahres). Abbestellungen bis 31. 12. gelten ab dem Folgejahr. Anschriftänderungen, die die Mitgliedschaft in einer Landesgruppe betreffen, richten Sie bitte dorthin.

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Schwerpunkt-HEFTE/NR. ❒ Flüsse, Länder, ..., 2-19 6,5 ❒ Arten des Jahres, 1-19 6,5 ❒ Säugervolkszählg., 4-18 6,5 ❒ Heim. Reptilien, 3-18 6,5 ❒ Bestäuber-Krise, 2-18 6,5 ❒ Naturschutzaktiv., 1-18 6,5 ❒ Bunte Säume, 4-17 6,5 ❒ Invasive Pflanzen..., 3-17 6,5 ❒ Welt der Pilze, 2-17 6,5 ❒ Lust auf Molch?, 1-17 6,5 ❒ Fischotter&Wolf, 4-16 6,– ❒ Artenkenntnis? 2-16 6,– ❒ Raumplanung, 4-15 6,– ❒ Naturfreikauf, 3-15 6,– ❒ Neobiota u. a., 1-15 6,– ❒ Business&Biodiv., 4-14 5,– ❒ Wildkatze, 3-14 5,– ❒ Auenschutz-wohin, 2-14 5,– ❒ 10 J. Grünes Band, 4-13 5,– ❒ Biber, 3-13 5,– ❒ 100 Jahre ÖNB, 1/2-13 5,– ❒ Auenschutz m. Str., 3-12 5,–

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BÜCHER – SHOP

natur&land-SCHWERPUNKTHEFTE ›› Flüsse, Länder, Menschen, 2-19 6,5 ›› Die Arten des Jahres, 1-19

6,5

›› Säugervolkszählung, 4-18

6,5

›› Heimische Reptilien, 3-18

6,5

›› Bestäuber in der Krise, 2-18

6,5

›› Naturschutzaktivitäten, 1-18

6,5

›› Bunte Säume. Lebensräume, 4-17 6,5 ›› Invasive Pflanzen und Pilze, 3-17 6,5 ›› Geheimnisv. Welt d. Pilze, 2-17

6,5

›› Lust auf Molch & CO?, 1-1

6,5

›› Akzeptanz f. Wolf & Otter, 4-16

6,–

›› Artenkenntnisverlust? 2-16

6,–

›› Raumplanung & RO, 4-15

6,–

BAND 1: Wanderund Hüttenurlaub in Bayern, Österreich, Südtirol Von Hütte zu Hütte. Mit Sonderteil: knieschonende Wege. 296 S., € 18,90

BAND 2: Abenteuer Natur Wien, NÖ, Burgenland 55 Outdoor-Tipps für 1-6-jährige Entdecker und Entdeckerinnen, 170 Seiten, € 15,20

BAND 3: Kinderwagen- und Tragetouren Tirol 47 Wanderungen für das Baby- und Kleinkindalter + 7 extreme Touren, 176 S., € 15,20

BAND 4: Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten Kräuter, Stauden und Sträucher. Reinhard Witt. 297 S., ISBN 978-3-00021048-8, € 55,00

BAND 5: Natur für jeden Garten 10 Schritte z. NaturErlebnis-Garten – das Einsteiger-Buch. Reinhard Witt. 479 S., ISBN 978-3-00041361-2, € 27,00

BAND 6: Österreichs Jahrhundert des Naturschutzes Von der Gründung 1913 bis heute. J. Gepp (Hrsg.) et al. Unipress Verlag, 408 S., € 34,80

W W W.WA NDAV ERL AG. AT

S H O P – W W W. N AT U R S C H U T Z B U N D . AT

›› Naturfreikauf mit Strategie, 3-15 6,– ›› Neobiota und anderes, 1-15

6,–

›› Business & Biodiversität, 4-14

5,–

›› A. d. Spuren der Wildkatze, 3-14

5,–

›› Auenschutz-wohin? 2-14

5,–

›› 10-Jahre Grünes Band, 4-13

5,–

›› Die Biber sind zurück! 3-13

5,–

››100 Jahre ÖNB, 1/2-13

5,–

›› Auenschutz-Strategie, 3-16 5,–

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BESTELLKARTE TONTRÄGER

FAMILIENWANDERBÜCHER

❒ ..St. CD Vogelst.-Trainer 29,95 ..St. Audioversion / ..St. PC-Version ❒ ..St. CD Vogeltipps 14,95 ❒ ..St. DVD Vogelwelt Gärten 14,95 ❒ ..St. DVD Vogelwelt Wald 14,95 ❒ ..St. CD Tierstimmen 9,95 ❒ ..St. CD Vogelstimmen Rätsel à 9,95 ❒ ..St. CD1 ❒ ..St. CD2 ❒ ..St. CD3 ❒ ..St. CD-Rom Stimmen Säuget. 49,99 ❒ ..St. CD Der Wald/Konzertsaal 14,95 ❒ ..St. CD Wasser 9,95 ❒ ..St. CD Erlebnis Bauernhof 14,95 ❒ ..St. CD Erlebnis Wald 14,95 ❒ ..St. CD Heuschrecken 19,99

❒ Band 1 Wander- und Hüttenurlaub in Bayern,

Alle Tonträger erhalten Sie frei Haus direkt vom Musikverlag, die Rechnung erhalten Sie vom Naturschutzbund.

Österreich, Südtirol

❒ Band 2 Abenteuer Natur Wien, NÖ, Burgenland ❒ Band 3 Kinderwagen- und Tragetouren Tirol

18,90 15,20 15,20

SONSTIGE BÜCHER ❒ Band 4 Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten 55,00 ❒ Band 5 Natur für jeden Garten 27,00 ❒ Band 6 Österreichs Jahrhundert des Naturschutzes 34,80

Notizen:

Alle Preise (in Euro) von Broschüren, Büchern und Postern verstehen sich zuzügl. Versandkosten.

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{siehe auch Vorderseite}


TONTRÄGER – SHOP

S H O P – W W W. N AT U R S C H U T Z B U N D . AT

Vogelstimmen-Trainer

Vogelstimmen erkennen Gesänge und Rufe von 175 heimischen Vogelarten ohne Umgebungsgeräusche. 68-seitiges Begleitheft mit Farbfotos und Steckbriefen. CD in Audio- oder PCVersion, 79 Min., € 29,95

Stimmen der Säugetiere (Schwerpunkt Europa) Mit 1.132 Tonaufnahmen von über 300 Säugetieren. 2 CDRom (MP3), 60-seitiges Begleitbuch (u. a. Register deutscher und wissenschaftlicher Namen), K.-H. Dingler, K.-H. Frommolt, U. Westphal. 12:18 Stunden, € 49,99

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Vogelstimmen Rätsel-CDs Tierstimmen

Die Vogelwelt in Gärten und Parks Die Vogelwelt des Waldes

Vögel beobachten und erkennen Jede Vogelart ist einzeln abrufbar und wird in einem eigenen Kurzfilm vorgestellt. Fachkundige Begleittexte liefern hilfreiche Hintergrundinformationen über Brutverhalten, Nahrungssuche etc.. Ein Schnelldurchlauf sämtlicher Vögel ermöglicht ein leichtes und sicheres Bestimmen. Auch für Einsteiger geeignet. DVD-Filme, Susanne Hoffmann, Gesamtlänge: 77 bzw. 85 Min., à € 14,95

Der Wald als Konzertsaal

Die wichtigsten Vogeltipps

Gesänge und Rufe heimischer Vögel im Fichten-, Au-, Laubwald, in den Jahreszeiten, am frühen Morgen bis in die späte Nacht. Audio-CD mit Naturkonzerten zum Entspannen! K.-H. Dingler. 79 Min., € 14,95

Ob Fragen zu Nistkästen, Winterfütterung, verlassenen Jungvögeln oder vogelfreundlicher Gartengestaltung – diese CD hilft mit fachlich fundierten Antworten. Audio-CD, 32- seitiges Beiheft, Uwe Westphal, 76 Min., € 14,95

Erlebnis Bauernhof

Erlebnis Wald

Froschlurche

Tierstimmen und Geräusche des Landlebens; Fernand Deroussen Audio-CD, inklusive Beiheft mit Informationen, Memory. 71:43 Min., € 14,95

Audio-CD inklusive 32-seitigem Beiheft mit vielen Informationen, Zeichnungen und Fotos, Pflanzenführer, Spurensuche und Rätselspiel. 78:53 Min., € 14,95

Die Stimmen aller heimischen Arten. Audio-CD inklusive Beiheft, Tonaufnahmen aller 14 heimischen Froschlurche von Immo Tetzlaff, 63 Min., € 19,99

24 Rätselvögel CD 1: Wald | CD 2: Auwald | CD 3: am Wasser Inkl. Lösungsschlüssel. Ohne gesprochenen Text – eignen sich deshalb auch zur Entspannung. Spieldauer je Audio-CD 67 Min., à € 9,95

Säugetiere, Lurche, Insekten Mit den Tierstimmen von 31 bekannten Säugetieren, Lurchen und Insekten Mitteleuropas. Die Audio-CD wird mit einem Begleitheft geliefert (Abb. der Tiere, Beschreibung). Für alle Altersgruppen, 73 Min., € 9,95

Heuschrecken Die Stimmen von 61 heimischen Arten. Audio-CD inklusive 28-seitigem Beiheft, Heiko Bellmann, schnelles und sicheres Bestimmen. 66:47 Min., € 19,99

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Schwerpunkt der nächsten Ausgabe:

Naturraumsicherung

FOTO: MANFRED FIALA

VORSCHAU

Flächensicherung für Betriebe und Wohnungen ist ein beliebtes Schlagwort geworden. Naturraumsicherung, bei der naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume für die Nachwelt erhalten werden, ist ein relativ neues Schlagwort. Der Naturschutzbund verfolgt dieses Ziel seit über 100 Jahren erfolgreich. Immer mehr naturverbundene Menschen begrüßen diese Form des Naturschutzes. Wir zeigen Ihnen, wo es in den vergangenen Jahren gelungen ist, weitere Grundstücke zu erwerben und für die Nachwelt zu erhalten!

➔ HEFT 4/2019 „WINTERHEFT“ ERSCHEINT MITTE DEZEMBER

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❏ als Geschenk

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Telnr. E-Mail Redaktion natur&land | Museumsplatz 2 | 5020 Salzburg Österreich | T +43/(0)662/64 29 09-13

Das Geschenkabo kann jederzeit beginnen. Ich begrenze das Geschenkabo ❏ bis auf Widerruf (mind. 1 Jahr) ❏ auf 1 Jahr Ich zahle per Rechnung.

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www.naturschutzbund.at/natur&land *Das Abonnement gilt für das laufende Jahr (1.1.–31.12.). Es verlängert sich automatisch um ein Jahr, falls es nicht bis zum Ende der Laufzeit mit 31.12. schriftlich gekündigt wird. Unabhängig vom Zeitpunkt des Abobeginnes werden alle erschienenen Ausgaben des laufenden Jahres zugeschickt.

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Spuren hinterlassen

S

eit über 100 Jahren verstehen wir uns als „Anwalt der Natur“ und übernehmen in diesem Sinne Verantwortung für viele, oft bedrohte Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Mit Ihrem Vermächtnis oder Ihrer Kranzspende helfen Sie uns, Österreichs Naturschätze für die nachfolgenden Generationen zu erhalten und unsere Schutzprojekte fortzusetzen.

Zugunsten der Natur

Mit Ihrem Letzten Willen

E

in Testament zugunsten des | naturschutzbund | hilft der Natur, unseren Kindern und Kindeskindern. Wenn Sie mehr über die Arbeit des | naturschutzbund | wissen wollen, steht Ihnen die Geschäftsführerin Mag. Birgit MairMarkart gerne zur Verfügung. Rufen Sie uns an oder vereinbaren Sie ein Treffen, persönlich und unverbindlich. Kontakt: Tel +43(0)662/64 29 09-12 birgit.mair-markart@naturschutzbund.at Zu erbrechtlichen Fragen steht Ihnen der Rechtsanwalt unseres Vertrauens, Dr. Stefan Hornung, für ein kostenloses Erstgespräch zur Verfügung. Kontakt: Tel: +43(0)662/84 16 16-0 stefan.hornung@lawconsult.at • www.lawconsult.at

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ISSN: 0028-0607 | Heft 3-2019

Österreichische Post AG MZ 02Z 031442 M | naturschutzbund | Österreich, Museumsplatz 2, 5020 Salzburg VORTEILSTARIF

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Trendwende im Tourismus - nachhaltig und zukunftsorientiert?

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