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Preis: eur 6,-

ZEITSCHRIFT DES | naturschutzbund | HEFT 4-2015

RAUMPLANUNG & RAUMORDNUNG WIEVIEL PLANUNG BRAUCHT DER RAUM? Wie zerschnitten ist unser land? Wie steht es uM die lebensrauMvernetzung? MIT UNTERSTÜTZUNG VOM

PraxisMerkblatt: Empfehlungen für den Umgang mit dem Biber


Was sPendengelder erMöglichen… Die artgerechte Haltung von Uhu, Turmfalke & Co ist Reinhard Osterkorn ein großes Anliegen.

PrOjEKt 10

In jeder Ausgabe stellen wir Ihnen jeweils ein beispielhaftes Naturschutzprojekt vor, das mit Spendengeldern an den | naturschutzbund | ermöglicht wurde oder daraus mitfinanziert werden konnte.

Fotos v. o.: OAW; Heidi Kurz

Reihe

Projekt: Greifvogel- und Eulenschutzstation des Naturschutzbundes OÖ

PFlEgE Und BEringUng verletzter greife und Eulen Unzählige verletzte Greife und Eulen, darunter auch sehr seltene Arten, wurden in der Greifvogelund Eulenschutzstation schon gesundgepflegt, beringt und wieder in die Freiheit entlassen. Mit einer glatten Oberarmfraktur am rechten Flügel kam eine erwachsene, männliche Waldohreule aus nÖ zur greifvogel- und Eulenschutzstation des naturschutzbundes OÖ in Ebelsberg bei linz. Betreuer reinhard Osterkorn hat den bei einem Unfall verletzten Vogel wieder gesundgepflegt. immer wieder kommen auch Ästlinge in die Station und müssen mühsam aufgepäppelt werden. diese noch nicht flugfähigen Eulenkinder erwecken mit ihrem daunenkleid das Mitleid so mancher Wanderer und werden mitgenommen. dabei wären sie im Wald besser aufgehoben, denn die Elterntiere sind immer in der nähe, passen auf und füttern ihre jungen. Bei gefahr klettern sie mit Hilfe des Schnabels auf Bäume. Wie wichtig die wissenschaftliche Vogelberingung ist, die von der Mitarbeiterin und Biologin Mag. Heidi Kurz (naturschutzbund OÖ) durchgeführt wird, zeigt folgendes Beispiel: im Sommer 2014 kam ein erwachsenes UhuMännchen vom Zoo Salzburg (Zwischenquartier) zur Behandlung in die

greifvogel- und Eulenschutzstation. dank der aufopfernden Pflege von reinhard Osterkorn konnte der gestärkte Uhu am 27. Februar 2015 beringt, vermessen, gewogen und mit einem gPS-Sender versehen, direkt vom Stationsgelände in Ebelsberg wieder in die Freiheit starten. Seine zweite Chance in freier Wildbahn dauerte jedoch nicht lange, denn am 19. juli 2015 fand ein aufmerksamer Wanderer den ring samt Knochengerüst und Federn in der nähe der linkenbachalm in Abtenau in Salzburg. die todesursache ist unklar, jedoch hätte man das Ableben des Uhus ohne Beringung wohl niemals erfahren. auch nachzuchten kommen im rahmen von Wiederbesiedlungs- und Bestandsstützungsprojekten aus der Station. So wird etwa die erfolgreiche Habichtskauz-Wiederansiedlung im Wildnisgebiet dürrenstein in nÖ mit nachzuchten aus der Eulenstation unterstützt. reinhard Osterkorn und Konrad langer leisten hier seit vielen jahren außerordentlich wertvolle Arbeit für den natur- und tierschutz.

2012 übernahm der naturschutzbund OÖ die trägerschaft der greifvogelund Eulenschutzstation in Ebelsberg bei linz. Mit der Zusage der nötigen Fördermittel seitens des landes konnte er dem Wunsch vieler naturund tierschutzstellen nachkommen. Text: Ingrid Hagenstein Kontakt: Konsulent Reinhard Osterkorn +43(0)676/549 62 31, oaw@naturschutzbund.at Infofolder der Greifvogel- und Eulenschutzstation zum Download : www.naturschutzbundooe.at/OAW_Greifvogelstation.html

ihre spende unterstützt diese arbeit!

Spendenkonto P.S.K. IBAN AT74 6000 0501 1014 0425 BIC BAWAATWW

Winterausgabe | natur&land | 101. JG. – Heft 4-2015


EditOriAl

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Fünf nach zwölf zeigt die symbolische Uhr auf unserem Titelfoto, und fünf nach zwölf ist es auch für das Weltklima. Während ich Ihnen diese Zeilen schreibe, hat die Weltgemeinschaft aus 195 Staaten dieser Situation entsprechend Rechnung getragen und sich in Paris endlich zu einem Klimaschutzabkommen durchgerungen. Defacto ist damit das Ende des Zeitalters der fossilen Energien eingeleitet. Bei allem Respekt für das Gelingen eines derartigen Vertrages darf nicht übersehen werden, dass die Zusagen unverbindlich und die gesamten Emissionen des weltweiten Flug- und Schiffsverkehrs aus dem Vertrag ausgenommen sind. Die Uhr steht auch fünf nach zwölf, wenn man den enormen Verbrauch der Ressource Boden betrachtet. Und da sind wir schon beim Thema dieser Ausgabe. Nur mit dem klugen Einsatz der Raumplanungsinstrumente, frei von Lobbying-Einflüssen und stetem Kniefall vor den Forderungen der Wirtschaft wird es gelingen, dem Bodenfraß Einhalt zu gebieten und auch hier eine Wende für mehr Natur einzuleiten.

Ihre

Ingrid Hagenstein Chefredakteurin

Zahlreiche Spenden durch Naturfreikaufaktion im letzten natur&land Ich möchte allen Leserinnen und Lesern herzlich für Ihre Spenden danken! Es kamen bis zur Drucklegung dieser Ausgabe 4.000 € zusammen. Für diese Summe werden wir ein weiteres Grundstück ankaufen können. Mehr davon im Frühlingsheft!

Winterausgabe | natur&land | 101. JG. – Heft 4-2015

Ein Gutes Neues Jahr!

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18 Wieviel Ordnung braucht der raum?

ab 37 beispiele für lebensraumvernetzung

40 ökologie und naturschutz in der raumplanung und ihr stellenwert anhand einiger beispiele

14 raumordnung und raumplanung: grundbegriffe, bedeutung, instrumente

Fotografie im Blut ? Natur im Herzen ?

Fotos v. l. o.: Franz dollinger; josef limberger; Fabrice Ottburg; gerhard Egger; Pixabay; Manfred Strobl; leopold Kanzler

Wir wollen Ihre Bilder ! titelbild: „Fünf nach zwölf“ © Pixabay

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www.piclease.com

Die Naturbildagentur

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AKTUELL

inHAlt aktuell

ab 30 Wie zerschnitten ist unsere landschaft? lebensraumvernetzung und grüne infrastruktur

01

Editorial

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inhaltsverzeichnis

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bienenschutzfonds-gemeindeworkshop | ticker

05

interview: neue önj-Bundesleiterin Mag. Susanne Plank | ticker

06

nö: 37 rohrweihen abgeschossen | glyphosat schädigt auch regenwürmer | ticker

07

lesermeinung | ticker

08

nachlese zum 45. österreichischen naturschutztag laudatio zur verleihung des naturschutzpreises an Werner gamerith Univ.-Prof. Dr. Bernd Lötsch

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tier des Jahres 2016: der Biber im Spannungsfeld zwischen naturschutz und nutzungsansprüchen des Menschen

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biber-Merkblatt: Empfehlungen für den Umgang mit dem Biber (Kurzfassung) Ingrid Hagenstein

theMa rAUMOrdnUng Und rAUMPlAnUng

08 laudatio zum naturschutzpreis

12 biber-Merkblatt

Richtigstellung In der letzten Ausgabe 3/15, Innenteil Seite XVII, wird im Bildtext zum großen Foto der Flutende Hahnenfuß genannt. Es handelt sich jedoch um den Schild-Wasserhahnenfuß (Ranunculus peltatus), der in der Böhmischen Masse und im Alpenvorland stark bedroht ist.

14

grundbegriffe, Bedeutung, instrumente Priv.-Doz. Dr. Franz Dollinger

18

Wieviel Ordnung braucht der raum? Priv.-Doz. Dr. Franz Dollinger

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den raum neu ordnen – wie geht das? interview mit lHStvtr.in dr. Astrid rössler

25

landnutzungs-App – Citizen Science

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stopp dem bodenverbrauch ist notwendigkeit Dr. Mario Winkler

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Bodencharta

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raumplanung in den alpen Peter Haßlacher

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Wie zerschnitten ist unser landschaft? DI Roland Grillmayer & DI Gebhard Banko & DI Horst Leitner & Mag. Daniel Leissing

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grüne infrastruktur: lebensraumvernetzung DI Horst Leitner & Mag. Irene Engelberger & Mag. Daniel Leissing

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beispiel lebensraumvernetzung: alpen-karpaten-korridor DI Gerhard Egger & DI Sylvia Hysek & Mag. Franz Suppan

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beispiel lebensraumvernetzung: netzwerk naturwald Mag. Christoph Nitsch

40

ökologie und naturschutz in der raumplanung Priv.-Doz. Dr. Franz Dollinger

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beispiele für den stellenwert von naturschutz und ökologie Autos statt Auwald Dr. Hannes Augustin

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Betriebsflächenerweiterung auf Wildtierkorridor Ingrid Hagenstein

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Blauzone rheintal – Freiflächen für Hochwasser

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Auenstrategie für Österreich

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das Ökokonto: Blick nach deutschland

46

vision: Wie retten wir die vielfalt in der natur? di Werner gamerith

47 50 51 52 56

jugendseiten Buchtipps allgemein Bücher der landesgruppen Adressen der landesgruppen nachruf: dr. eva Mössler Abobestellschein geschenkabos

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U2

U3

reihe „Was Spendengelder ermöglichen“: greifvogel- und Eulenschutzstation des naturschutzbundes termin: Wildkatzensuchhunde-Kurse

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AKTUELL der Bienenerlebnisweg im Salzburger Seeham war eines der vorgestellten Projekte. www.bienenerlebnisweg.at

Bienenschutzfonds Gemeindeworkshop

WaruM gibt es in geMeinden sO Wenige blühflächen? eim naturschutzbund stehen die Zeichen ganz auf nAtUr VErBindEt. deshalb fand im Vorfeld des 45. naturschutztages (siehe S. 8) auch ein Workshop zum thema „Wie kommen gemeinden zu mehr Blühflächen?“ statt. Hintergrund ist die tatsache, dass nur in den wenigsten gemeinden Blühflächen entlang von Straßen oder auf gemeindeeigenem grund zu finden sind. dem sollte im rahmen des Bienenschutzfonds, der von der nachhaltigkeitsinitiative „Projekt 2020“ des lebensmittelhändlers Hofer gegründet wurde, auf den grund gegangen werden. eingeladen waren engagierte Personen, die Blühinitiativen in den gemeinden Ainring (Bayern), Völkermarkt (Kärnten), Seeham (Salzburg), Pöchlarn (nÖ) und gallneukirchen (OÖ) setzen. der themenbogen spannte sich um Projekte mit gemeinden und Schulen, vom Bienenerlebnisweg bis zu bunten Blütenflächen. der leiter der Straßenmeisterei Pinzgau legte die rechtliche Situation für die Pflege und Betreuung von Straßenrändern in Österreich dar. Seine Schilderungen aus der Praxis im Pinzgau zeigten in Wort und Bild einen sehr bedachten Umgang mit der natur und das Bemühen, die Vorgaben der richtlinie für

b

die Straßenrandpflege auch umzusetzen. drei hauptgründe für zu wenige Blühflächen kristallisierten sich in der regen diskussion heraus: Ästhetische, betriebswirtschaftliche und Sicherheits-gründe. laut den gesetzlichen Vorgaben für die Pflege von Straßenrändern – hier gilt die richtlinie „Verkehr und Straße, rVS 12.05.11“ – wird darin Wert auf eine möglichst naturnahe, angepasste Bewirtschaftung von Straßenrändern gelegt. die rVS gibt auch genau an, wo und wie breit an Straßenrändern gemäht werden muss, um die Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen. dies sind Mindestanforderungen, die verbindlich für alle Straßen-Erhalter gelten. Es steht also nirgendwo geschrieben, dass die Pflegemaßnahmen maximiert werden müssten. Es sieht ganz danach aus, als ob gemeinden bei ihrer Pflegepraxis fast immer nach eigenem gutdünken verfahren, was die Häufigkeit des Mähens, aber auch den Pflegezeitpunkt und die gründlichkeit betrifft. Kurz gesagt, wird die rVS in der Praxis zu wenig befolgt. Auf Fragen, wer nun eigentlich auf die Einhaltung der verbindlichen Vorgaben schaut und wohin sich Bürger wenden können, wenn sie dies beobachten, konnte vorerst keine Antwort gefunden werden. auf gemeindeeigenen flächen stellen fragwürdige, ästhetische ideale von Bürgern und Politikern

noch mehr das Haupthindernis für fehlende Blühflächen dar. dagegen gilt es mit einem breiten Mix an Maßnahmen und Methoden gegenzusteuern. lösungsansätze für gemeinden:  Kostenvergleich und gegenüberstellung für die gegenwärtige Praxis versus längerer Mährhythmen (mit Mähgutentfernung) und Überdenken der Mähzeitpunkte.  Kontakt zu Entscheidungsträgerinnen: Einfaches Merkblatt, auf dem die richtlinie verständlich erklärt und die verpflichtende Umsetzung klar gemacht wird.  Schulungen für gemeindemitarbeiter anbieten. Hier hat der naturschutzbund bereits zwei Schulungen in den nächsten beiden jahren geplant. im Schneeballsystem könnte dieses Wissen weitergegeben werden.  information für Bürgerinnen anbieten (Methodenvielfalt: tafeln, gemeindezeitungen, Medienberichte, rundfunk, Fernsehen, …)  Saatgutmischungen mit einjährigen, heimischen Blumen schaffen im Siedlungsraum schnelle, erste Eindrücke, die für die Akzeptanz enorm wichtig sind.  rasenflächen zu Blumenwiesen umwandeln

Ingrid Hagenstein & Dr. Johann Neumayer

Projekt des Bienenschutzfonds

++TICKER ++Palmöl-test 2015 – mehr transparenz und Engagement heimischer Firmen gefordert: WWF bewertet PalmölEinkaufspolitik heimischer Unternehmen und findet wenige Positivbeispiele, aber viel Handlungsbedarf. ++Storchenlebensräume in Europa bedroht: „Europäische Storchendörfer“ fordern verbesserten Schutz. ++Mit Sexuallockstoffen gegen den Maiswurzelbohrer: Fruchtfolgemaßnahmen allein sind nicht ausreichend. Pheromonduftstoffe verwirren die Schädlingsmännchen, die folglich die Weibchen nicht finden und somit nicht befruchten können. ++BAUHAUS nimmt glyphosat aus dem Sortiment: Es reagiert damit auf die neue Einstufung des Herbizids als „wahrscheinlich krebserregend“ durch die internationale Agentur für Krebsforschung (iArC). ++OMV steigt aus ÖlbohrPlänen in der Adria aus: glOBAl 2000 begrüßt Entscheidung im Sinne der unternehmerischen Verantwortung und des Klimaschutzes. ++Enormes Stromsparpotenzial bei der Beleuchtung mit lEd: der Umweltdachverband appelliert an Städte

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AKTUELL

Interview NEUE önj-BUNDESLEITERIN Susi Plank studierte Biologie, war einige Jahre als AHS-Lehrerin tätig und ließ sich zur Naturpädagogin, Montessori-Pädagogin und Outdoortrainerin weiterbilden. Neben ihrer Familie widmet sie sich der Erwachsenenbildung und betreut in der „Arbeitsgemeinschaft Kind & Wissenschaft“ in Graz Kindergärten und Schulen bei ihren naturwissenschaftlichen Projekten.

Seit April 2015 ist die Landesleiterin der Steirischen Naturschutzjugend auch für die gesamte önj Österreichs zuständig – ehrenamtlich versteht sich. Sie löste damit Mag. Dagmar Breschar ab, die diese Funktion 14 Jahre lang innehatte – neben der beruflichen Tätigkeit als Pressereferentin des Naturschutzbundes Österreich. In einem Interview erzählt Susi Plank über ihre Motivation für ihr neues „Amt“ und ihre Vorstellungen davon. nl: Warum tut sich heute noch jemand diese zeitintensive Aufgabe an? Meine Liebe zur Natur und zu jungen Menschen ist der Hintergrund und die Kraftquelle. Beides liegt mir sehr am Herzen und bei der önj habe ich die ideale Verbindung für mich gefunden. Ich bin nun seit 1999 dabei – und je länger, desto lieber. Hier kann ich meine vielen Ideen verwirklichen, kann praktisch arbeiten und habe ein nettes Team. Ich schätze das große, bleibende Erbe, das unsere Vorgänger in der önj für uns geschaffen haben. Die Naturschätze der zahlreichen önj-

Öko-Inseln und die fünf önj-Häuser an den schönsten Flecken Österreichs. Mir ist es ein sehr großes Anliegen, bundesweit noch mehr önj-Aktivitäten zu setzen. Ich möchte jungen, naturbegeisterten Leuten die Chance bieten, sich bei der önj zu engagieren und die Rahmenbedingungen dafür schaffen. nl: Das Freizeitangebot für Kinder ist heute sehr groß. Wie und wo kann die önj da punkten? Die önj hat ein reichhaltiges Angebot, das sie einzigartig macht und das viele Eltern für ihre Kinder suchen: die Natur erleben und verstehen, Tiere und Pflanzen kennen- und lieben lernen und dabei viel Spaß in der Gemeinschaft haben. Die önj hat hier jahrzehntelange Erfahrung und hoch kompetente, engagierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, wie es das sonst kaum gibt – die besten Voraussetzungen für gelingende Kinder- und Jugendarbeit in der Natur und für die Natur. nl: Wie wird man Jugendleiter/in? Ich bin sehr froh, dass die neue önj-Jugendleiterausbildung in

Privat

meinem ersten Jahr starten konnte – sie ist dank dem tollen Ausbildungskonzept meiner Stellvertreterin Mag. Margit Angerer vom Unterrichtsministerium zertifiziert und damit z. B. für das Studium anrechenbar. In jedem unserer Häuser findet eines der insgesamt fünf Module mit lokalen Experten aus den Reihen der önj statt. Der erste Turnus mit 20 TeilnehmerInnen hat im Oktober 2015 gestartet und das große Interesse lässt uns an eine Wiederholung im nächsten Jahr denken!

Interview: Ingrid Hagenstein

Kontakt: Mag. Susanne Plank, Mobil: +43/(0)650/802 02 00 susanne.plank@oenj.at www.oenj.at www.oenj-steiermark.at

++TICKER und gemeinden, auf lEd-lampen umzustellen. durch flächendeckende Umrüstung v. a. öffentlicher Beleuchtung könnte der heimische Stromverbrauch um etwa 70 % gesenkt werden. ++AMA-Kontrolleure sollen lebensmittelindustrie prüfen, nicht Bauern: Aussage eines Oppositionspolitikers zum neuen grünen Bericht des landwirtschaftsministeriums und dem AMA-gütesiegel. da findet sich Bio-Margarine mit einer österreichischen Qualtitätsauszeichnung, obwohl diese Palmöl enthält, das in Österreich gar nicht produziert wird. ++Umweltorganisation VirUS begrüßt Wiens faktische Abkehr vom unnötigen und teuren lobauautobahnprojekt. ++Megadeponieprojekt Marchfeldkogel: nicht zur ruhe kommt die in Schieflage geratene Megadeponie, da die Umweltorganisation VirUS gravierende Probleme mit dem grundwasser aufdeckte. nach UVP-„Skandalverhandlung“ um Blaukalk und luftschadstoffe steht das deponieprojekt erneut in der Bredouille. ++Salzburg Ag startet „100 dächer“-initiative für private Photovoltaik: dabei errichtet sie PV-Anlagen auf

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glyPhOsat schädigt auch regenWürMer Wien. in einer aktuellen Studie zeigt ein österreichisches Forscherteam der Universität für Bodenkultur (BOKU), dass der Unkrautvernichter glyphosat (z. B. roundup) die Aktivität und Fortpflanzungsfähigkeit von regenwürmern gravierend schädigt. diese sind eine Schlüsselart für die Funktion eines gesunden Bodens. Mängel im Zulassungsverfahren des vier jahrzehnte lang als unbedenklich eingestuften Herbizids verdecken die giftigkeit für regenwürmer. glOBAl 2000 ging nun der Frage nach, warum die europäischen Pestizid-Zulassungsbehörden in den

37 rOhrWeihen abgeschOssen KEin EinZElFAll in nÖ nö. Anfang Oktober d. j. machte ein Vogelkundler bei Stronsdorf im niederösterreichischen Bezirk Mistelbach einen grausigen Fund: 37 tote rohrweihen lagen verstreut in einem abgeernteten Sonnenblumenfeld. der Mann kontaktierte sofort die Polizei, den WWF sowie den landesjagdverband. die Vögel wurden von Fachleuten untersucht, welche Schrotmunition als todesursache feststellten. dies teilten der WWF und der nÖ landesjagdverband am 12. 10. in einer Pressemeldung mit. „der oder die täter haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Vögel zu vergraben. Offenbar hat man keine Angst, erwischt zu werden“, ist Helmut Pechlaner, Ehrenpräsident des WWF Österreich empört. „Anscheinend fehlt in teilen der jägerschaft jegliches Unrechtsbewusstsein, wenn es um gesetzlich geschützte greifvögel oder um andere, zum „raubzeug“ degradierte lebewesen geht. Was besonders ins Auge springt, ist die offenkundig vorsätzliche Vorgangsweise der täter. die große Kadaverzahl deutet darauf hin, dass systematisch über mehrere tage bis Wochen durchziehende rohrweihen abgepasst und geschossen wurden. in Österreich kommt die rohrweihe – eine rote-liste-Art – sowohl als Brutvogel als auch als durchzügler vor. die nö Jägerschaft distanziert sich auf das Schärfste von diesem gesetzesbruch. Sie zähle bei der Aufklärung auf die aktive Mithilfe aller verantwortungsbewussten

Waidmänner in niederösterreich, so ljM josef Pröll: „Was hier geschehen ist, ist ein Schlag ins gesicht aller jäger“. gemeinsam haben der landesjagdverband und der WWF eine Prämie von € 2.000 für Hinweise ausgesetzt. Obwohl sich rohrweihen vor allem von Mäusen und Kleinvögeln ernähren, hält sich in teilen der jägerschaft noch immer hartnäckig die Vorstellung, dass diese Vögel maßgeblich zum rückgang von Hasen und Fasanen beitragen. Pechlaner fordert deshalb, dass mit diesem irrglauben ein für alle Mal aufgeräumt werden müsse, denn der niederwildrückgang sei eine Folge der viel zu intensiven landwirtschaft, die mit ihrem Pestizideinsatz und mit großflächigen Monokulturen dem Wild die lebensräume raube. Weil viele sich schwer tun dies einzugestehen, stürze man sich auf den Sündenbock greifvogel. dass es sich dabei vor allem in niederösterreich um keinen Einzelfall handelt, zeigt allein die Zahl angeschossener tiere im heurigen jahr: ein verletzt geborgener raufußbussard bei röschitz/Horn, zwei tote Mäusebussarde mit Schrotkugeln bei Bruderndorf/Korneuburg, vier angeschossene rohrweihen in Zellerndorf/Oberstinkenbrunn, Straning und Wartberg, ein toter rotmilan in Bullendorf/Mistelbach. „der gegenwärtige spektakuläre Vorfall zeigt, dass dies nur die Spitze des Eisbergs sein dürfte – die dunkelziffer vor allem im Weinviertel, dürfte weit Foto: Hans glader höher sein“, meint man beim WWF. HA

++TICKER Einfamilienhäusern und übernimmt für ihre Kunden als Full-Service-dienstleister Projektierung, Errichtung und Abwicklung der landesförderung. ++SolarCampus der Energie Ag meldet rekordergebnis: der sonnenreiche Sommer 2015 hat ein traumergebnis bei der Sonnenstromproduktion gebracht. Seit der Errichtung im jahr 2010 wird am SolarCampus in Eberstalzell direkt an der Westautobahn die leistung der Versuchsanlage gemessen. ++Atomstromanteil in Österreich ist im vergangenen jahr auf null gesunken, der Ökostromanteil kletterte auf knapp 90 %. ++ttiP: US-Spitzengewerkschaften warnen vor ttiP: die größten gefahren des transatlantischen Handels- und investitionsabkommen sehen die beiden gewerkschaften PrO-gE und international Brotherhood of teamsters (USA) im Abbau von Umweltstandards, Arbeits- und Konsumentenrechten. ++Zwei neue Atomreaktoren in Ungarn geplant: nur 183 km von Österreich entfernt will die ungarische regierung zwei neue Atomreaktoren im AKW Paks errichten.

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von den Pestizidherstellern vorgelegten „regulatorischen Studien“ bislang keine Anhaltspunkte für die giftigkeit von glyphosat für regenwürmer erkannten. „Am Beispiel der regenwurm-giftigkeit von glyphosat zeigen wir, wie realitätsferne testmethoden systematisch dazu führen, dass Pestizide trotz negativer Umweltauswirkungen jahrzehntelang als unbedenklich gehandelt und vermarktet werden können“, erklärt Umweltchemiker di dr. Helmut Burtscher von glOBAl 2000. Über mögliche Konsequenzen für die Bodenfruchtbarkeit und -funktion ist Alfred grand, regenwurmexperte, Biobauer und Betreiber von Europas führender regenwurm-Kompostanlage sehr besorgt. HA

LESERMEINUNG

www.global2000.at (unter „Pestizide“) http://orf.at/stories/2311978/2311983/(über glyphosat)

Die europäische Zulassungsbehörde verzichtete auf eine Feldstudie, die die Regenwurmtoxizität unter realen Bedingungen abklären könnte.

natur&land 3-2015 ich möchte ihnen für die Ausgabe 3-2015 gratulieren, denn die kompakte „leistungsschau“ durch Flächenankauf und –pflege ist sehr attraktiv, informativ und stimulierend.

Foto: Studer

AKTUELL

den Artikel – in welcher Form auch immer – ehestens an den Mann und die Frau zu bringen! Er hat sich‘s verdient!

Rudi Triebl, 7142 Illmitz

Dr. Wolfgang Scherzinger, Bischofswiesen/Deutschland

Anmerkung der Redaktion: Der Beitrag samt zahlreichen Reaktionen ist auf www.naturschutzbund.at (Oberösterreich/ News/Stellungnahme zur Krähenjagd) nachzulesen.

Welch positive und für mich freudige Überraschung im letzten Heft vom amtierenden OÖ landesobmann über die „Krähenplage“! Auch wenn durchaus nicht alles stimmt – kann ja gar nicht sein, und Herr limberger natürlich auch subjektive Standpunkte vertritt, sind die Ausführungen sehr umfassend, allgemein verständlich und zeigen die Übel an der Wurzel auf. gelangt der Aufsatz mit seiner berechtigten Kritik und seinen Aufrufen wohl auch an die Adresse der angesprochenen Hauptverursacher wie jäger und landwirte sowie zuständige Beamte und Politiker oder dürfen sich die „naturschützer“ alleine daran ergötzen? Wenn nicht, plädiere ich dafür,

ich bin sowohl Mitglied von Birdlife Kärnten, naturschutzbund Kärnten als auch des Kärntner naturschutzbeirates. ich beziehe schon einige Zeit ihre Zeitschrift natur&land und muss ihnen auf diesem Wege einmal ein großes lob für die Beiträge aussprechen. ich wollte das schon immer einmal machen, doch hat mir der Kommentar von josef limberger über den Umgang mit der rabenvogelproblematik in der letzten Ausgabe als Ornithologe natürlich aus der Seele gesprochen. Vielen dank für solche Statements und bitte macht so weiter!

Gerald Malle, 9020 Klagenfurt

++TICKER ++Shell beendet Arktis-Projekt: gründe dafür seien laut des Unternehmens zu niedrige Öl- und gasvorkommen sowie behördliche Vorgaben. greenpeace fordert ein Ende aller Arktis-Ölbohrpläne. ++Finanzierung des gewässerschutzes sichern! das fordert der Umweltdachverband. leere Fördertöpfe gefährden gewässerschutz und regionale Wirtschaft gleichermaßen. ++Biosphärenpark Wienerwald: Wanderfolder mit zehn jubiläumswegen ist erschienen ++BioAktionsprogramm 2015-2020: Fast 21.000 landwirtschaftliche Betriebe in Österreich wirtschaften biologisch. Mit 526.000 ha beträgt der Bio-Anteil an der landwirtschaftlichen nutzfläche rund 20 %. damit liegt Österreich europaweit an der Spitze. ++„Konfliktmineralien“ und nachhaltige lieferketten: Smartphones, Herzschrittmacher, röntgengeräte, Schmuck usw. können rohstoffe aus Konfliktgebieten enthalten. Firmen müssen seit 2013 jährlich Ursprung und Verwendung von Konfliktmineralien in ihren Produkten nach dem US-dodd-Frank-Act offenlegen.

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AKTUELL N turschutztag Österr. Na 45. Ö 14.-15. Oktober 2015 St. Virgil Salzburg,

nachlese zuM naturschutztag | naturschutzbund | Tagung zeigte Probleme und Möglichkeiten bei der Erhaltung von Blühflächen auf.

V RBINDET TUR VE

men wir zu mehr Wie komme ? henden Landschaften

Blühende Wiesen, Ackerrandstreifen und Wegränder sind ein Hort der Artenvielfalt. Wie sie erhalten werden können, was es braucht um Blühflächen zu fördern und wer dabei eine wesentliche rolle spielt, stand im Mittelpunkt des 45. Österreichischen naturschutztages „Wie kommen wir zu mehr Blühflächen?“ vom 14.-15.10. 2015 im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg. gemeinsam mit Vertretern von land- und Forstwirtschaft, tourismus, Verwaltung, gemeinden, gartenbau und naturschutz wurden viele Möglichkeiten zur Sicherung von Blühflächen beleuchtet.

Tagungs-Impressionen

Fotos: Manfred Strobl (alle)

eine interviewrunde mit den Projektpartnern der Kampagne nAtUr VErBindEt gab gelegenheit, die verschiedenen Perspektiven kennenzulernen.

interviewrunde (v. l.): August Astl (lWK Österreich), Valerie Zacherl-draxler (BMlFUW), Birgit Mair-Markart (naturschutzbund), gerald Plattner (ÖBf-Ag)

in seinem festvortrag „Von Baumeistern, Blumenschläfern und Pollensammlern – eine reise in die faszinierende Welt der Wildbienen“ hielt der Bienenexperte des deutschsprachigen raums, Paul Westrich, ein Plädoyer für blühende landschaften. Er erzählte in eindrucksvollen, hinreißenden Bildern aus dem leben und Schaffen der Wildbienen. Weltweit einzigartige Filmaufnahmen gewährten einen Blick in das spezialisierte leben so mancher Art, sind doch viele von einer einzigen Pflanze oder Pflanzenfamilie abhängig. Verschwinden diese Pflanzen, verschwinden auch die Bienen und mit ihnen viele weitere Arten. Wir Menschen verlieren dadurch wichtige Bestäuber von Kulturpflanzen. danach ging es an die Verleihung des Öster-

„Seiner Zeit voraus und dennoch bereits verstanden“ Laudatio für Naturschutzpreisträger Werner Gamerith Von Univ.-Prof. Dr. Bernd Lötsch Es gibt Menschen, denen ist die Naturliebe in die Wiege gelegt. Ich halte es für eine Begabung. Dies gilt in hohem Maße für den Jubiliar. Der studierte Kulturtechniker, Kunstgewerbler und Meisterfotograph, Sachbuchautor, Naturgarten-Pionier und erfolgreiche Verteidiger des Kamptales und des Lechflusses – DI Werner Gamerith – ist bereits Träger des Konrad Lorenz Staatspreises, den die Umweltminister zu Lebzeiten des Nobelpreisträgers jährlich für „Überragende Leistungen im Kampf für das Unwiederbringliche“ vergaben. Werner Gamerith erhielt den Preis damals mit seiner Frau Tatjana, der natursensiblen Malerin, im Juni 1984, unter dem damaligen Themenschwerpunkt „Ökologie und Kunst“ (zu gleichen Teilen mit dem Maler und Liedermacher

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Arik Brauer und dem Ökologen und Dichter Hubert Weinzierl, der als Präsident des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland zugleich der angesehenste parteifreie Umweltpolitiker der Bundesrepublik war (und als Umweltgewissen bis heute ist)). In der Staatspreis-Begründung der Jury hieß es damals: „Das Künstlerpaar Gamerith hat durch sein Werk und sein unangepasstes Vorleben den Inbegriff einer „Ländlichen Gegenkultur“ eines „Neuen Regionalismus“ verwirklicht, eine Zweipersonen-Avantgarde gegen den Hauptstrom einer alles nivellierenden globalen Urbanzivilisation. Das Leben der beiden ist ein schöpferischer Akt, ihr Alltag wurde zum Gesamtkunstwerk“.

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NATURSCHUTZPREIS-VERLEIHUNG reichischen naturschutzpreises 2015 an Werner gamerith (siehe laudatio). der zweite tag begann mit dem Statement „Was macht eine artenreiche Kulturlandschaft aus?“ von thomas Wrbka (Univ. Wien). Mit ihren good-practice-Projekten und -Programmen zeigten unterschiedliche Akteure aus landwirtschaft, gemeinde, großstadt oder Betrieb, wie es geht: Sie stellten vor, welche Möglichkeiten sie haben und wie wichtig geeignetes Pflanzmaterial, Saatgut bzw. gehölze sind. die Bäuerin Maria hageneder präsentierte mit dem Vortrag „Wiesenmanagement der Vielfalt“ den Bereich landwirtschaft. der Biologe reinhard Witt referierte über „Biodiversität im Betriebsgebiet“ und erläuterte Möglichkeiten für die artenreiche gestaltung von gewerbegebieten und Firmenarealen. karin böhmer klärte in ihrem Vortrag „das perfekte Saatgut“ über Schwierigkeiten und Möglichkeiten der Ansaat geeigneter Pflanzen auf und stellte die Aktivitäten des Vereins rewisa vor. klaus Wanninger ergänzte das thema mit seiner Präsentation „regionales gehölz für Hecke und Co“.

Marion Jaros von der Wiener Umweltanwaltschaft richtete mit ihrer Präsentation „Blühvielfalt in Wien“ die Perspektive auf die großstadt und zeigte auf, dass bunte Artenvielfalt überall ein Zuhause finden kann. Vier Parallel-Arbeitskreise zu den Bereichen landwirtschaft, gemeinden, Betriebe und gärten boten die gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur diskussion. das gemeinsam Erarbeitete wurde anschließend allen vorgestellt – im Bild der Biologe und Hummelexperte Johann neumayer. der restliche nachmittag war ganz dem Zukunftsdialog gewidmet. der Frage „Blühende landschaften – welchen Beitrag kann die gesellschaft leisten?“ stellten sich diskutanten aus den Bereichen gartenbau, landwirtschaftskammer, naturschutz, landschaftsplanung, Wissenschaft, Bundesforste und Urlaub am Bauernhof (v. l.).

das zauberhafte GamerithWerner Gamerith war es Gehöft in den Bergen bei Waldaber auch, der uns schon vor hausen/Strudengau entführte, vier Jahrzehnten durch seine wo (vor nun schon 40 Jahren) Schriften und Rundfunksenso viele ökologische Alternatidungen (gemeinsam mit Gerven – von denen wir nur redenot Graefe) auf den biologiten – bereits im Praxistest schen Landbau als umfasfunktionierten: vom giftfreien sende Alternative aufmerkSelbstversorger-Garten bis zu sam machte – in einer Zeit, in Gernot Gaefes Trestern-Komder chemiefreies Wirtschafpost-Humustoilette, bald auch ten gerade von Agrarwissenroman türk, Werner gamerith und Birgit Mair-Markart (v. l.) Solarthermik und ab 1983 der schaftlern und Bauernfunkerste „Biologische Schwimmtionären einmütig als gefährteich“ Österreichs, gesäumt von den schönsten Sumpfliche Illusion bekämpft wurde – als Weg in uferlose Schädund Wasserpflanzen, welche ihn sauber hielten, an einem lingskalamitäten, Missernten und Welthunger oder zuminSüdhang mit Ausblick bis zur Alpenkette – das Ganze getradest als okkulter Kompostmythos lächerlich gemacht und gen von der kunstvollen Stoffdruck-Werkstätte, umgeben als Konsumentenbetrug diffamiert wurde. Werner Gamerith von Tatjanas Porzellanmalerei, Ölgemälden, Werners Musikund ich lernten uns 1974 auf einer Österreichischen Pflaninstrumenten und seinem improvisierten Foto-Studio, wo zenschutz-Tagung kennen – das war aber kein Treff artendie beiden aus dem Naturgarten berührend schöne, asiaschutzbeflissener Botaniker, sondern als „Pflanzenschutz“ tisch anmutende Blumengestecke im Wandel der Jahresgalten damals fast ausschließlich die mehr oder weniger zeiten arrangierten – für die Umschlagseiten einer erlesegiftigen Sprühnebel der Agrochemie. Der eigentliche Medianen Deutschen Frauenzeitschrift. In dieser Atmosphäre tor unserer Freundschaft war dann Peter Weish, der mich in

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Fotos: Archiv Bernd lötsch

NATURSCHUTZPREIS – LAUDATIO

gewann ich Werner Gamerith als Co-Autor der geplanten agrar-politischen Streitschrift des Naturschutzbundes für eine Ökologisierung der Landwirtschaft, die noch im selben Jahr am Österreichischen Naturschutztag 1976 als „Villacher Manifest“ beschlossen wurde. Jeder von uns hatte etliche der noch seltenen Biobauern besucht, um uns ein Bild ihrer Methoden, Betriebserfolge und Überzeugungen zu machen – es brauchte damals in der Hochblüte der Agrochemie wohl Pioniergeist und Querköpfigkeit, um mit erhöhtem Arbeitseinsatz gegen den Strom, oft auch gegen die Sticheleien der Nachbarn, sogar gegen die Aufsässigkeit von Lebensmittelbehörden zu wirtschaften. Natürlich ging es im „Villacher Manifest“ auch um Konsumentenschutz vor Rückständen, aber viel umfassender um organische Bodenverbesserung, Grundwasserschutz, Vielfalt und Erlebniswert der Kulturlandschaften, Biologische Selbstregulation durch Nützlinge, erhöhte Widerstandskraft von Pflanze und Tier, gerechte Erzeugerpreise zur Kompensation von Mehrarbeit, Arbeitskräftebindung im ländlichen Raum und damit Erhaltung von „Bäuerlichkeit“ versus chemisierter Agroindustrie. Kein geringerer als der ehemalige Landwirtschaftsminister und Vizekanzler Dr. Josef Riegler erklärte wiederholt öffentlich, das „Villacher Manifest“ sei für ihn die entscheidende Wende im agrarpolitischen Denken in Richtung auf die Gründung seines Ökosozialen Forums gewesen. Zu dieser Zeit stritten wohlmeinende Kenner, ob es in Österreich 70 oder vielleicht 80 anerkennungsfähige Biobetriebe gäbe – 30 Jahre später waren es 23.000 auf über 10 % der Agrarfläche und Österreich damit führend in der EU. Doch wie stand es vor 40 Jahren um hunderttausende Hobbygärtner, auch Gartenämter der Gemeinden – selbst hier, ohne ökonomische Ertragszwänge herrschte die Chemie, wurden Werkzeughütten zu Giftdepots, schrieben die Ämter den Kleingärtnern toxische Herbstspritzungen mit dem teuflischen Gelböl vor, galt vielerorts das Diktat von Richtschnur, Herbizid und Schneckengift. Da erinnere ich mich an den Besuch des damals neu bestellten NÖ Landesrates für Umwelt und Finanzen, Mag. Wolfgang Sobotka in meiner Museumsdirektion. Er litt unter

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1984 erhielten tatjana und Werner gamerith (r.), Hubert Weinzierl (l.) und Arik Brauer (hinter Konrad lorenz) den Konrad lorenz Staatspreis für „Ökologie und Kunst“.

seinem Ressort zwischen Industrieschloten, Sondermülldeponien, Feinstaub und Lärmproblemen, machtvollen Lobbys, die gegen Umweltauflagen revoltierten. „Dem Manne kann geholfen werden“, schoss es mir durch den Kopf: Die Naturgarten-Idee – mit Werner Gamerith als seinem Berater – zugleich ihr damals überzeugendster Vertreter in Wort und Bild – vor allem auch durch die Praxis in seinem Gartenparadies am Grünberg bei Waldhausen, das Sobotka dann besuchte. Die Saat ist aufgegangen, „Natur im Garten“ wurde in diesen zwei Jahrzehnten die erfolgreichste Umweltinitiative auf freiwilliger Basis im größten Bundesland Österreichs, sie blüht und gedeiht, begleitet von Werner Gameriths unzähligen Schriften und Bildstrecken (z. B. im Servus Österreich Magazin), seinen Lichtbildvorträgen landauf, landab, seinen Gartenbüchern. Mittlerweile unterschrieben über 100 Gemeinden ein verpflichtendes Bekenntnis zum Verzicht auf Pestizide! gemüseanbau ohne Agrochemikalien war für Werner gamerith eine Selbstverständlichkeit.

Werner Gamerith durchschaute früher als die meisten Zeitgenossen auch die eingebildete Energiekrise unserer tumben Verschwendungswirtschaft und war daher sehr rasch imstande, die geplante Ersäufung des Mittleren Kamptales auch energiepolitisch in Frage zu stellen (1984). Sein Engagement für den Tiroler Lechfluss und die großartigen Menschen, die er hier traf, war die konsequente Weiterführung. Da der Mittlere Kamp durch eine geplante Vergrößerung des bisher kleinen Stauwerkes bei Rosenburg schon wieder um weitere 1,5 wunderschöne Uferkilometer beraubt werden soll, ruft Gamerith erneut zum Widerstand. Er ist für mich einer der überzeugendsten Vordenker und Praktiker des Wertewandels an der Jahrtausendwende. Seinen Erfolg sehe ich darin, seiner Zeit voraus zu sein und dennoch bereits verstanden zu werden.



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Tier des Jahres 2016

der biber iM sPannungsfeld zWischen naturschutz und nutzungsansPrüchen des Menschen In Europa war der Biber fast vollständig ausgerottet, als man seinen Bestand Mitte der 1970 bis 1980er Jahre durch Freilassungsaktionen z. B. in Bayern, am Inn und an der Donau im Wiener Raum wieder aufzubauen begann. Die Biber nutzten ihre Chance und wurden wieder heimisch. Als Gestalter ihres nassen Lebensraumes geraten sie jedoch zunehmend mit uns Menschen in Konflikt. In Nieder- und Oberösterreich wird derzeit über eine Bestandsreduktion diskutiert. Anlass genug für den Naturschutzbund, die Biber-Experten Österreichs an einen Tisch zu holen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. er immer stärker werdende druck auf den Biber ergibt sich vor allem durch den Platzmangel in unserer stark genutzten landschaft. Er läuft wieder einmal gefahr auf der Strecke zu bleiben. tatsache ist, dass in niederösterreich schon bisher Biber auf Antrag und genehmigung durch die nÖ naturschutzabteilung getötet wurden – 2014 waren es 138 tiere. Selbst Anträge auf Eingriffe zur reduktion in natura 2000-Schutzgebieten, wo der Biber als „Schutzgut“ genannt ist, liegen seit jahren vor. der naturschutzbund sieht in dieser Vorgangsweise keine vertretbare lösung der Konflikte. im Herbst 2015 hat die nÖ landesregierung den Schutz des Bibers (und auch des Fischotters) im naturschutzgesetz aufgeweicht, indem durch Änderung des §20 (Ausnahmebewilligungen) eine Ermächtigungsverordnung betreffend der tötung geschützter Arten ermöglicht wird. die Verordnung ist noch nicht erlassen. der naturschutzbund findet die bisher praktizierte Vorgangsweise in nÖ sehr bedenklich: die fachliche Entscheidungsgrundlage der Behörde für eine Entnahme von Bibern ist nicht nachvollziehbar. Es stellt sich die Frage, wie bei dieser Vorgangsweise der günstige Erhaltungszustand der Art sichergestellt werden kann – eine pauschale Entnahmemöglichkeit für Biber in einem größeren gebiet ohne Einzelfallprüfung entspricht nicht den Vorgaben der FFH-richtlinie. Etliche ideen für längerfristig wirksame Konfliktlösungsmöglichkeiten wurden beim Workshop im

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Biber haben es schwer: Man will ihnen schon wieder an den Pelz!

Oktober 2015 diskutiert: Von der Schaffung einer „Biber-Einsatztruppe“, die vor Ort mit anpackt, um Konflikte möglichst rasch zu entschärfen, über eine klare Festlegung von Ansprechpersonen bei den jeweils zuständigen Behörden bis hin zur Möglichkeit der Flächensicherung durch Ankauf oder Pacht von Biberlebensräumen reichen die Vorschläge. dabei sind die Möglichkeiten und Bedürfnisse derzeit in jedem Bundesland anders. grundsätzlich gilt: Wir müssen den Menschen anhand positiver Beispiele zeigen, dass der Biber bei uns Platz hat. Seine rolle als „Ökosystem-ingenieur“ muss im Bibermanagement der jeweiligen Bundesländer, in den entsprechenden natura 2000-Managementplänen und nicht zuletzt in der EU-Wasserrahmenrichtlinie berücksichtigt werden. Und wir müssen den Menschen klar machen, dass die vielen leistungen des Bibers, insbesondere sein positiver Einfluss auf die lebensraum- und Artenvielfalt – von den Fischen und Amphibien bis zu den Vögeln und insekten – nur dann greifen können, wenn wir ihm entsprechend Platz gewähren. Wir müssen wieder lernen, unseren lebensraum mit dem Biber zu teilen. damit dies leichter fällt, haben der naturschutzbund und seine landesgruppen gemeinsam ein „Merkblatt mit Empfehlungen für den Umgang mit dem Biber“ für grundeigentümer, landwirte, gemeinden etc. erstellt. Übrigens hat der naturschutzbund kürzlich den Biber zum „tier des jahres 2016“ gewählt! Kurzfassung des Merkblattes

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MERKBLATT BIBER

Merkblatt EMPFEHLUNGEN FÜR DEN UMGANG MIT DEM BIBER IN DER PRAXIS - Kurzfassung Über Jahrtausende haben Biber die Gewässer in Europa entscheidend mitgestaltet. Sie waren Garant für eine dynamische Entwicklung von unterschiedlichen Lebensräumen an unseren Gewässern und damit für eine hohe Biodiversität. Ihre beinahe vollständige Ausrottung in Europa mit Ende des 19. Jahrhunderts überlebten sie nur an der Elbe in Deutschland, an der Rhône in Frankreich, im Süden Norwegens und in Teilen Russlands. Der letzte österreichische Biber wurde 1869 in Anthering bei Salzburg erlegt. In diesen 150 Jahren haben wir verlernt, mit dem Biber zu leben. Nun ist das größte europäische Nagetier wieder nach Österreich zurückgekehrt. Aufgrund des zunehmenden Konfliktpotenzials wurde in einigen Bundesländern ein Bibermanagement entwickelt, vereinzelt wurden auch Biberberater ausgebildet.

Verbreitung und Bestand des Bibers in Österreich Biber sind mittlerweile in allen österreichischen Bundesländern heimisch geworden. Aktuell (2014/2015) wird der Bestand auf etwa 5.900 Biber geschätzt (vgl. Abb.). Im Bundesland Wien sind alle verfügbaren Biberreviere weitgehend besiedelt. In NÖ schätzt man den Biberbestand auf 3.900 Tiere (Stand 06/2014), in OÖ auf ca. 800. In der kontinentalen Region wird der Erhaltungszustand des Bibers als günstig eingeschätzt – das gilt jedoch nicht für die alpine Region (http://bd.eionet.europa.eu/activities/ Reporting/Article_17/Reports_2013). Außer in Niederösterreich haben die Biber in allen anderen Bundesländern ihre angestammten Lebensräume noch nicht wieder vollständig besiedelt.

Schutzstatus des Bibers Der Biber ist nach der Berner Konvention und dem EURecht (FFH-Richtlinie) geschützt – daraus ergibt sich auch der Schutzstatus nach nationalem Recht. In Österreich sind das die Landesnaturschutzgesetze bzw. Landesjagdgesetze. Nach der FFH-Richtlinie ist es verboten, Bibern nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten und seine Wohnstätte zu beschädigen oder zu zerstören. Es ist auch verboten, Biber in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen. In Einzelfällen sieht die FFH-RL (§16) Ausnahmen vom Eingriffsverbot. Allerwichtigste Voraussetzung dafür ist, dass sich eine geschützte Art in einem günstigen Erhaltungszustand befindet. Österreich und die Länder sind diesen Gesetzen verpflichtet und haben zu gewährleisten, dass ein günstiger Erhaltungszustand für den Biber erreicht wird und erhalten bleibt.

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Abb.1: Anzahl der Biber in Österreich (geschätzter Stand September 2015) und Bundesländer mit einem Bibermanagement (blau). Karte: Peter Gerngroß; Grafik: B. Schön Quellen: NÖ, Burgenland, Wien, Stand 06/2014: Ass.-Prof. Dr. Rosemarie Parz-Gollner/Univ. für Bodenkultur Wien/Inst. f. Wildbiologie und Jagdwirtschaft; OÖ, Stand Dez. 2014: DI Bernhard Schön/OÖ Landesregierung; Salzburg, Stand 2014: Mag. Gundi Habenicht/Salzburger Landesregierung/Abteilung Lebensgrundlagen und Energie; Steiermark, Stand 02/2015: Mag. Brigitte Komposch MSc/Ökoteam Graz und Komposch, B. (2014): Verbreitung und Bestand des Europäischen Bibers (Castor fiber LINNAEUS, 1758) in der Steiermark (Österreich), Linzer biol. Beitr. 46/2 12771320, 19.12.2014; Kärnten: Angaben der Kärntner Landesregierung sowie Pressemeldungen aus dem Jahr 2014 und 2015; Tirol, Stand 2014: 103 Biberreviere und geschätzte 340 Individuen. Mitt. von Mag. Harald Pittracher/Land Tirol/Umweltschutz lt. Jahresbericht von 2014; Vorarlberg Stand 12/2015: Mitt. v. Mag. Agnes Steininger, Naturschutzverein Rheindelta

Bedeutung des Bibers für die Artenvielfalt und den Hochwasserschutz Biberlandschaften ändern das Wasserregime. Sie puffern Starkregenereignisse und schaffen letztlich Retentionsraum für einen verzögerten Abfluss von Starkniederschlägen. Biber beteiligen sich also aktiv am Hochwasserschutz. Sie halten bei Trockenheit Wasser in der Landschaft und die Versickerung in Biberteichen trägt zur Grundwasserneubildung bei. Der Biber ist gleichsam die biologische Antwort auf die technische Gewässerrenaturierung: Er weitet Gewässer auf und schafft Strukturen. Biber haben damit eine Schlüsselrolle für die Fauna und

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MERKBLATT BIBER Flora inne, denn sie schaffen lebensraum für eine Vielzahl an Arten – von Amphibien über insekten (z. B. libellen) und Vögel bis zu den Fischen. Es kommt zu einem Anstieg der individuen- und Artenzahl sowie der Biomasse.

Konfliktpotenzial Biber werden in den östlichen landesteilen zunehmend pauschal als „Problemtier“ dargestellt. da der Biber in der regel natürliche dynamik schafft, diese jedoch nirgendwo in der Kulturlandschaft mehr ohne ungewünschte Auswirkungen erfolgen kann, führen Biberaktivitäten überall über kurz oder lang zu Konflikten. Selbst in Schutzgebieten zielt der Schutz meist auf spezifische Arten ab und ist dies nicht automatisch mit Biberaktivitäten vereinbar. Konflikte entstehen insbesondere dort, wo in der Vergangenheit der natur im Zusammenhang mit gewässern zu sehr auf den Pelz gerückt wurde. Konkurrenz ist den Bibern aber in jüngster Zeit auch zunehmend durch die Biomassenutzung für die Energiegewinnung entstanden: Biber bevorzugen Weichlaubhölzer wie Weiden oder Pappeln. Waren diese früher von geringerem interesse, so sind sie nun u. a. auch der rohstoff für Hackschnitzelheizungen. Solche „Energiewälder“ sind landwirtschaftlich geförderte Flächen im Sinne von dauerkulturen und als solche auch dauerhaft zu schützen.

Massnahmen zum Schutz des Bibers und zur Konfliktvermeidung bzw. -lösung Um wieder mit dem Biber leben zu lernen, gibt es eine reihe von Maßnahmen, die betroffene landnutzer unterstützen und Konflikte vermeiden helfen können. Wenn wir dem Biber Platz lassen, geben wir nicht zuletzt auch unseren Fließgewässern wieder raum zurück und schaffen die Basis für effektiven und umweltgerechten Hochwasserschutz. die Forderung nach extensiv genutzten gewässerrandstreifen dient dabei nicht nur dem Artenschutz, sondern entspricht darüber hinaus den wesentlichen Zielen des lebensraum- und des gewässerschutzes. da die Uferstreifen inzwischen meist auf ein Minimum von landwirtschaftlichen Flächen, Straßen und Weganlagen zurückgedrängt wurden, ist die rückgewinnung dieser Flächen nicht mehr überall und vor allem auch nicht ohne den Einsatz von kompensatorischen Förderungen und Entgeltzahlungen zu erreichen. Hier richtet sich der Appell an die Politik und die öffentliche Hand, Mittel zur Verfügung zu stellen, um diese Ziele, wo immer möglich, zu erreichen. diese Möglichkeiten sind jedenfalls zu schaffen, bevor allfällige Eingriffe in Biberpopulationen in Betracht gezogen werden. renaturierungsprojekte und Hochwasserschutzprojekte sind derzeit nicht auf Ziele des Biberlebensraumschutzes ausgerichtet. Hier bedarf es einer grundsätzlichen Willensbekundung der zuständigen Fachabteilungen

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und Behörden dieses Ziel zu integrieren. Ziel bei revitalisierungsplanungen und -maßnahmen sollte es sein den Biber von Beginn an einzubeziehen, um einerseits Konflikten vorzubeugen und andererseits die Fähigkeiten des tierischen landschaftsarchitekten zu nutzen – er kann es besser und billiger als es jede menschliche Maßnahme vermag. die lebensweise des Bibers zeigt schonungslos auf, wo die menschengemachten Probleme in unserer landschaft liegen: begradigte Bachläufe mit wenigen Strukturelementen anstelle einer Uferbegleitvegetation mit gehölzen, intensive landwirtschaftliche nutzung bis an den gewässerrand sowie fehlende rückhalteräume bei Starkregen und dadurch vermehrt Überschwemmungen. Maßnahmen können sein: > Ausreichend große Flächen für eine konfliktfreie Entwicklung von Biberlebensräumen bereitstellen: nur dadurch können seine „Ökosystemdienstleistungen“ für den Menschen und die Biodiversität auch zum tragen kommen. > Straßen- und Wegeneubau mit mindestens 20 m Abstand vom gewässer > Berücksichtigung bei gewässerentwicklungskonzepten, Planungsvorhaben und Hochwasserschutzmaßnahmen > Flächen nicht bis an den gewässerrand bewirtschaften > Ungenutzte Ufergehölzstreifen an Ackerflächen stehen lassen > Forstwirtschaft: nicht jeden Quadratmeter Fläche im Auwald in Anspruch nehmen > Energiewälder: im einfachsten Fall Abhilfe mittels eines Elektrozaunes oder auch durch einen Zaun aus Baustahlgitter; kosten pro laufmeter ca. 100 Euro; Zaun 30 cm eingraben und U-förmig vom gewässer weg einbauen. > Elektrozäune für die Fläche > Einbau von drahtgittern in Uferböschungen > drainage von Biberdämmen mithilfe von Abwasserrohren > Ausbau von Förderprogrammen für „Außer-nutzungStellen“

Die Vollversion des Merkblattes finden Sie in Kürze auf unserer Homepage www.naturschutzbund.at Text: Ingrid Hagenstein Fotos v. l. o.: Christian Kutschenreiter; Alexander Schneider; Karin Widerin

MIT UNTERSTÜTZUNG VOM

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Fotos: Hintergrund: land Salzburg/Abteilung 7 Wasser; kl. Bild l.: josef limberger; kl. Bild r.: BMVit/Fabrice Ottburg

THEMA

g n u n d r o m u Ra g n u n a l P M u UND ra

Zerschneidung…

…Vernetzung


RAUMORDNUNG UND RAUMPLANUNG

Was bedeuten sie eigentlich? Wie funktiOnieren sie? Welche instruMente nutzen sie? Was können sie? Nach Friedrich Schindegger, einem früheren Mitarbeiter des Österreichischen Instituts für Raumplanung, herrscht im Bereich der Raumplanung ein ziemlich freizügiger Umgang mit Fachbegriffen, der immer wieder zu Verständigungsschwierigkeiten führt1. Dies drückt sich unter anderem im Umstand aus, dass die beiden Begriffe „Raumplanung“ und „Raumordnung“ synonym verwendet werden. Dies betrifft sogar die Rechtsnormen, da es in den einzelnen österreichischen Ländern ohne erkennbaren Grund sowohl Raumordnungs- als auch Raumplanungsgesetze gibt. VON FRANZ DOLLINGER ie Unübersichtlichkeit wird vollständig erkennbar, wenn neben der Vielzahl an rechtsnormen auch die in diesen definierten sogenannten „formalen instrumente der raumordnung“ betrachtet werden (vgl. tab. 1). Es wird daher niemanden verwundern, dass auch namensgleichheit von Begriffen keine garantie dafür ist, dass auch überall das gleiche gemeint ist. Es könnte fast vermutet werden, dass hier politische Absicht dahinter steht. Wenn das auch nicht der Fall ist, bleibt zumindest festzustellen, dass dieser Zustand für die Politiker einen entscheidenden Vorteil hat: Wenn nicht ganz klar ist, was gemeint ist, müssen sie sich nicht festlegen und können nach Bedarf reagieren. Es braucht uns daher auch nicht zu verwundern, dass die zentralen Begriffe der raumplanung und raumordnung in den gesetzen selbst entweder überhaupt nicht definiert werden oder in den einzelnen ländern sogar eine unterschiedliche Bedeutung haben. in Anlehnung an die definition im „deutsch-Österreichischen Handbuch der Planungsbegriffe“ wird folgende Klarstellung vorgeschlagen: als rauM verstehen wir nicht den dreidimensionalen raum der geometrie und auch nicht die räume in einem gebäude, sondern eine Projektionsfläche zur Abbildung der räumlichkeit, „der räumlichen Verhältnisse und Bedingungen, in/unter denen ökonomische, soziale, technische und ökologische Systeme funktionieren“ (nach Schindegger 1998, S. 24.). rauMOrdnung ist die mit Hilfe der raumplanung erreichte räumliche Ordnung eines gebietes, also ein Strukturabbild der lage- und Beziehungsrelationen im raum (z. B. ob eine Siedlungsstruktur kompakt oder zersiedelt ist). rauMPlanung ist somit die konkrete tätigkeit zur Schaffung einer bestimmten Siedlungsstruktur nach politisch festgelegten Zielen. diese Ziele werden durch die rauMOrdnungsPOlitik auf allen staatlichen Ebenen (EU, Bund, länder, regionen und gemeinden) festgelegt. die rechtslage in Bezug auf die raumplanung ist in Öster-

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reich nicht nur aus verfassungsrechtlichen gründen überaus kompliziert. Bund und länder sind nun einmal gemeinsam für das gebiet der republik Österreich zuständig. Seit dem vom land Salzburg angestrengten Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes aus dem jahr 1954 gilt, dass dem Bund die Verantwortung für die funktionelle raumplanung (Planung von Eisenbahnen, Bundesstraßen, forstliche raumplanung u. a. gefahrenzonenpläne) zukommt und den ländern die Verantwortung für die nominelle raumplanung (gesetzlich normierte überörtliche und örtliche raumplanung). Seit der gemeindeverfassungsnovelle 19622 ist außerdem präzise festgelegt, dass der Aufgabenbereich der örtlichen raumplanung im eigenen Wirkungsbereich der gemeinde gelegen ist und dass den ländern neben der gesetzgebungskompetenz hierfür nur die rolle der Aufsichtsbehörde zukommen kann. das bedeutet konkret, dass das land eine ihm aus fachlichen gründen nicht genehme Widmung nur dann versagen kann, wenn es entweder eine klare Festlegung in einem überörtlichen raumordnungsprogramm dagegen gibt oder die Absicht der gemeinde gesetzwidrig ist.

Wirkungsweise der Raumplanung Eines der häufigsten Missverständnisse in der Außenbeurteilung des Systems raumplanung ist, dass das Planungsverständnis aus dem Bauwesen auf die raumplanung übertragen wird. raumplanung beschäftigt sich im Unterschied zum Bauwesen nämlich mit den funktionellen Beziehungen zwischen verschiedenen Objekten im raum und nicht mit einem konkreten physischen Objekt. Es gibt keinen konkreten Bauplan, sondern nur untereinander abzuwägende Ziele und grundsätze und infolge dessen auch keine Kompetenz zur direkten Planungsumsetzung. die Umsetzung von raumplänen kann nur mittels direkter und indirekter Beeinflussung der Entscheidungen dritter erfolgen. da diesen dritten keine Aufträge zur Planumsetzung (im Sinne der Errichtung eines gebäudes) gegeben werden können, hat die raumplanung nur

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vgl. Schindegger 1998, S. 23; 2Bundesverfassungsgesetz vom 12. Juli 1962, BGBl. Nr. 205/1962

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Welche konkreten Instrumente kann die Raumplanung nun für die Gestaltung des Lebensraums einsetzen? nachdem nun klargestellt ist, wie das raumplanungssystem wirkt, kann nun die Frage beantwortet werden, welche konkreten instrumente seitens der Planungsträger – land, regionalverbände und gemeinden – als gestaltungsinstrument eingesetzt werden können. Mögliche Beispiele dafür sind in der nebenstehenden Box dargestellt. Allen gemeinsam ist, dass sie sowohl von den gemeinden in der örtlichen raumplanung, als auch von land und regionalverbänden im rahmen der überörtlichen raumplanung angewendet werden können. Sowohl bei der erstmaligen Festlegung als auch bei einer nachträglichen Änderung ist eine fachliche Begründung zwingend erforderlich. Änderungen ohne fachliche Begründung sind rechtswidrig und damit von der Aufhebung entweder durch die Aufsichtsbehörde oder durch die gerichtsbarkeit bedroht. Für eine bessere Wirksamkeit dieser Festlegungen wäre jedoch eine andere politische Kultur im Umgang mit den raumplanungsinstrumenten erforderlich: Keine anlassbezogenen Abänderungen sollten möglich sein. dafür wären Präzisierungen in den raumordnungsgesetzen notwendig. neue instrumente wären nicht erforderlich. literatur Arl 2001 – Akademie für raumforschung und landesplanung (2001): deutsch-Österreichisches Handbuch der Planungsbegriffe. Kaiserslautern und Wien: (= Planungsbegriffe in Europa), 238 S. dOllingEr, Franz (2015): raumplanung oder: Warum Österreich 9 verschiedene Planungssysteme und Bauordnungen „braucht“. – in: Alfred Kyrer und Michael A. Populorum (Hrsg.): Über Politische Kultur in Österreich oder: die Eier legende Wollmilchsau. Salzburg und Bergheim: interregio-Verlag, S. 251-291 HAUEr, Andreas und Markus l. nußbaumer (2006): Österreichisches

Foto: pixabay

die Möglichkeit eine zukünftige nutzungswidrige Flächennutzung zu verhindern3. dieser Planungsansatz wird in der Fachliteratur als „negativplanung“ bezeichnet4. Würde die raumplanung als sogenannte „Positivplanung“ ausgerichtet sein, dann müsste beispielsweise ein grundstückseigentümer nach der erfolgten Baulandwidmung innerhalb einer von der gemeinde festzulegenden Frist mit der konkreten Umsetzung, also mit der Errichtung eines gebäudes beginnen. Falls er das nicht macht, müssten bestimmte im gesetz festgelegte Sanktionen eingeleitet werden, z. B. eine Ersatzvornahme durch die gemeinde, die Enteignung des grundstücks etc.. dies würde die verfassungsrechtlichen grenzen in Bezug auf den Schutz des Privateigentums überschreiten, auch wenn es aus raumplanerischen gründen durchaus sinnvoll wäre.

INFOBOX

THEMA

Welche instruMente der gestaltung haben land, regionalverbände und gemeinden? Vorsorgefläche: Fläche, die in einem Sachprogramm oder einem Regionalprogramm zur Flächensicherung für bestimmte überörtliche Flächennutzungsfunktionen ausgewiesen wird. Sie schließt in der Regel konkurrierende Nutzungen aus oder es ist eine Interessensabwägung durchzuführen, bei der ein besonderes öffentliches Interesse für eine andere Nutzung gegeben ist. Solche Vorsorgeflächen können z. B. für Ökologie, Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe oder Rohstoffabbau festgelegt werden. Vorrangfläche: Vorrangflächen haben den Charakter von Zielen der Raumordnung und Landesplanung. Es hat eine Abwägung zwischen verschiedenen, an einen Raum gestellten Nutzungsansprüchen stattgefunden und es ist kein weiterer Abwägungsspielraum gegeben. Es sind nur solche Nutzungen in Vorrangflächen zuzulassen, die der Zweckbestimmung der jeweiligen Vorrangfunktion bzw. Vorrangfunktionen nicht entgegenstehen (z. B. landwirtschaftliche Vorrangflächen, Vorrangflächen für die landschaftsgebundene Erholungsnutzung, ökologische Vorrangflächen). Landschafts- und Grüngürtel: Großräumig raumumschließendes System vegetationsbestimmter Freiräume mit deutlichem räumlich-funktionalem Zusammenhang (Grünraumsystem) im Umland und innerhalb von größeren Siedlungsräumen. Grünverbindung: Lineare Grünraumsysteme mit einer Breite bis ca. 30 m (z. B. Heckenstruktur, Allee, Allee inkl. Radweg, Baumzeile) (nach Landesentwicklungsprogramm LEP 2003, S. 22f)

raum- und Fachplanungsrecht. Engerwitzdorf: (= Serie Umweltrecht, Bd. 2), 594 S. lEP 2003 – Salzburger landesentwicklungsprogramm. gesamtüberarbeitung 2003. Salzburg: (= Entwicklungsprogramme und Konzepte, H. 3), 258 S. SCHindEggEr, Friedrich (1998): raum. Planung. Politik. Ein Handbuch zur raumplanung in Österreich. Wien, Köln, Weimar: Böhlau, 210 S. SCHindEggEr, Friedrich (2009): Krise der raumplanung – aus der Sicht der Praxis in Österreich. – in: Mitteilungen der Österreichischen geographischen gesellschaft, 151. jg., S. 159-170

3

SCHINDEGGER ebd., S. 162: „Raumplanung kann also in aller Regel nur Einfluss nehmen, wenn gebaut wird, nicht aber dass gebaut wird.“ (Hervorhebung F. SCHINDEGGER) 4 Vgl. Andreas HAUER & Markus NUßBAUMER (2006, S. 5).

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RAUMPLANUNGSINSTRUMENTE

tab. 1: instrumente und normen der raumplanung in österreich

überörtliche raumplanung

örtliche raumplanung

gesetz landesplanung

regionalplanung (Planungsträger)

gemeindeebene

Entwicklungsprogramme (land)

Flächenwidmungsplan Bebauungsplan teilbebauungsplan Bebauungsrichtlinie

regionale Entwicklungsprogramme (land)

Örtliches Entwicklungskonzept Flächenwidmungsplan Bebauungsplan (integrierter Flächenwidmungs- und Bebauungsplan)

raumordnungsgesetz 1969, i.d.F. der novelle lgBl. nr. 136/2001 und gemeindeplanungsgesetz 1995, i.d.F. der novelle 85/2013

raumordnungsgesetz Überörtliche regionale raumord2014, lgBl. nr. 3/2015 raumordnungsnungsprogramme (land) programme; raumordnungsprogramme für Sachbereiche; Überörtliche raumordnungs- und Entwicklungskonzepte

Örtliche raumordnungsprogramme (enthält Entwicklungskonzept und Flächenwidmungsplan) Bebauungsplan

raumordnungsgesetz landesraumordnungs1994, i.d.F. der novelle programm 69/2015 raumordnungsprogramm für Sachbereiche

regionale raumordnungsprogramme (land) Entwicklungsleitbilder und interkommunale raumentwicklungskonzepte (regionalverband)

Flächenwidmungsplan mit örtlichem Entwicklungskonzept Bebauungsplan

raumordnungsgesetz landesentwicklungspro2009, i.d.F. der novelle gramm 106/2013 Sachprogramme

regionalprogramme (regionalverband)

räumliches Entwicklungskonzept Flächenwidmungsplan Bebauungsplan (grund- und Aufbaustufe)

regionale Entwicklungsprogramme (land)

Örtliches Entwicklungskonzept Flächenwidmungsplan Bebauungsplan

raumordnungsgesetz landesentwicklungspro2010, i.d.F. der novelle gramm 140/2014 Sachprogramme

raumordnungsgesetz raumordnungsprogramm regionalprogramme 2011, i.d.F. der raumordnungsprogramm regionalpläne novelle 82/2015 für Einkaufszentren (regionalverband) raumordnungspläne

Örtliches raumordnungskonzept Flächenwidmungsplan Bebauungsplan

gesetz über die landesraumplan raumplanung 1996, i.d.F. der novelle lgBl. nr. 54/2015

räumliches Entwicklungskonzept Flächenwidmungsplan Bebauungsplan

Stadtentwicklungs-, (Stadtentwicklungsplan) Stadtplanungs- und Anm.: nicht gesetzlich Baugesetzbuch normiert. (Bauordnung für Wien) 1930, i.d.F. der novelle 8/2015

Flächenwidmungsplan Bebauungsplan

Wien

vorarlberg

stmk.

Überörtliche Entwicklungsprogramme Sachgebietsprogramm raumverträglichkeitsprüfung

tirol

salzburg

kärnten

raumplanungsgesetz landesraumordnungs1969, i.d.F. der novelle plan lgBl. nr. 38/2015 Entwicklungsprogramme

burgenland

land

fOrMale instruMente der rauMPlanung

Quelle: rechtsinformationssystem des Bundes (riS)

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THEMA

WIEVIEL ORDNUNG BRAUCHT DER RAUM? Abb. 1: Siedlungsstrukturelle Unterschiede zwischen Bayern und Österreich Fotos v. l.: pixabay; Franz dollinger (3)

Markt GarmischPartenkirchen

„Die Raumplanung kann zur Lebensraumsicherung beitragen.“

Der Wildwuchs im suburbanen Umland größerer Städte wird von den meisten Menschen als hässlich empfunden. Zahlreiche Leserbriefe und Zeitungsbeiträge beklagen ziemlich einheitlich „Zersiedelung“ und „Flächenfraß“ als Ergebnis einer Raum-Unordnung. Als Ursache dafür werden meist eine überforderte Kommunalpolitik und eine realitätsferne oder rückgratlose Raumplanung angesehen. VON FRANZ DOLLINGER

O

ft werden auch die zersiedelten landschaften Österreichs mit geordneten Verhältnissen im Freistaat Bayern verglichen und die unterschiedlichen Kompetenzzuordnungen als eine maßgebliche Ursache gesehen. „in Bayern sind die dörfer wie Kuhfladen auf einer Wiese verteilt. in Österreich aber habe die Kuh durchfall gehabt, viele kleine Spritzer überzögen das land“, so zitierte der journalist thomas neuhold vor einigen jahren im Standard den Salzburger gaisberg-Beauftragten Winfried Herbst. dieser Vergleich wurde bei einer

Hallwang, Eugendorf, Seekirchen, Blick vom GaisbergRundwanderweg, 2010

Marktgemeinde Großarl, vom Vorplatz der Pfarrkirche gegen Norden, 2013 Bad Oberdorf in der Gemeinde Bad Hindelang, Allgäu, 2006

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RAUMORDNUNG UND RAUMPLANUNG

„Es gibt eine auffällige Diskrepanz zwischen der subjektiven Wahrnehmung und der konkreten Handlung vieler betroffener Menschen!“

Kundgebung gegen die trassenführung der 380 kV-leitung über den gaisberg getroffen. die trasse wurde u. a. auch deshalb zur diskussion gestellt, weil aufgrund der starken Zersiedelung die Suche nach einem siedlungsfreien Korridor eine unlösbare Aufgabe geworden ist (Abb. 1). dieser siedlungsstrukturelle Unterschied hat vielfache Ursachen, wesentlich dafür ist jedoch eine sehr auffällige diskrepanz zwischen der subjektiven Wahrnehmung und der konkreten Handlung vieler Betroffener. diese diskrepanz wurde vom OrF-Moderator tarek leitner in hervorragender Weise in seiner Streitschrift „Mut zur Schönheit“ analysiert. Er schildert darin die Scheußlichkeiten des Siedlungsbreis im suburbanen raum anlässlich einer Wochenendfahrt von Wien ins Salzkammergut. Er macht neben einer „verhaberten“ Kommunalpolitik und den investoren und Bauträgern hauptsächlich die bastelnden Häuslbauer dafür verantwortlich, welche mit ihrer Heimwerkermentalität nicht nur die gartenzwergidyllen mit verursachten, sondern auch die peripheren und autogerechten Standorte der zahlreichen Möbelhäuser und Baumärkte, da sie dort ihr Baumaterial für den Eigenbau bezögen.

Ordnung und Chaos im Raum Allerdings fordert der Wunsch nach scharfen Siedlungsrändern im landschaftsbild auch zu Widerspruch auf: die natur selbst bildet – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – kaum Formen der vom Mathematikunterricht her bekannten (euklidischen) geometrie aus, im gegenteil, ein begradigter Bachverlauf wird geradezu als technisch gestörtes Element wahrgenommen. ich frage mich daher, ob es nicht dem Kampf gegen Windmühlen gleichkommt, wenn wir versuchen, den sog. Urban Sprawl1, also die ungeregelte Ausbreitung von Siedlungsgebieten, einzudämmen. durch die fraktale geometrie lassen sich hingegen nicht nur Küstenformen, inseln, gebirge und andere landschaftselemente im Computer modellieren, sondern auch Siedlungsstrukturen, wie anhand einer dissertation an der EtH Zürich vor vielen jahren eindrucksvoll bewiesen wurde2. gerade eine Mischung aus gesteuertem und ungesteuertem Wachstum erzeugt diese fraktalen Strukturen, erklärt die Autorin in ihrer Arbeit. So gesehen relativieren sich die Beeinträchtigungen des landschaftsbildes durch den Sprawl zumindest aus der landschaftsästhetischen Perspektive (vgl. Abb. 2).

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Abb. 2: Fraktale Siedlungsstrukturen: international und im land Salzburg; gut erkennbar ist die Zersiedelung in den Salzburger gemeinden. linke Spalte: Fraktale Strukturen von rhein-Main, Paris und london; rechte Spalte: Bergheim, Hallwang, Elixhausen, Koppl und Salzburg (Oben), Seekirchen, Eugendorf und Henndorf (Mitte), neumarkt und Straßwalchen (Unten). Quelle: ZiBEll 1995, S. 93 und SAgiS Verbauungskartierung 2002/03.

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THEMA Die potemkinschen Dörfer der Raumplanung an einem Beispiel aus Salzburg Überörtliche Raumplanung

Abb. 3: immissionsfreie Zone um die Stadtgemeinde Salzburg Quelle: Ausschnitte aus dem Entwicklungsplan „die Stadt Salzburg und ihr Umland“, Beilagenkarte.

die ersten verbindlichen Entwicklungspläne nach dem Salzburger raumordnungsgesetz (rOg) 1956 bzw. 1968 waren der Entwicklungsplan „Wallersee“ (1965) und der Entwicklungsplan „die Stadt Salzburg und ihr Umland“ aus dem jahre 1971. Bei beiden war nur der Plan verbindlich und enthielt großräumige Ordnungsvorstellungen (vgl. Abb. 3). innerhalb des Autobahnringes wurde damals eine „immissionsfreie Zone“ festgelegt (vgl. Abb. 3). in dieser durfte keine Widmung für gewerbe- und industriegebiete erfolgen. der Entwicklungsplan war bis zum jahr 1999 in rechtskraft. Als eine gemeinde ein gewerbegebiet nahe der tauern-Autobahn widmen wollte, stand dem die Festlegung dieser „immissionsfreien Zone“ nördlich der Autobahn im Entwicklungsplan entgegen. Um die Umwidmung aufsichtsbehördlich möglich zu machen, wurde einfach per Verordnung der gesamte Bereich der Festlegung in dieser gemeinde aufgehoben. Hier tut sich überdies die Frage auf, wie weitere gewerblich-industrielle nutzungen in manchen Umlandgemeinden außerhalb der gekennzeichneten gebiete für Betriebsanlagen möglich wurden. Ähnlich war die Situation mit dem heute auch außer Kraft getretenen Entwicklungsprogramm Pongau aus dem jahre 1986. Hier wurden mehrfach überörtliche Siedlungsgrenzen anlassbezogen abgeändert. diese Praxis hat auch heute noch tradition. immer dann, wenn durch einen überörtlichen Plan oder ein Programm eine kommunale Entwicklungsabsicht verhindert werden würde, wird das Problem durch eine Änderung der Festlegung gelöst und nicht durch einen Verzicht auf die Widmungsabsicht. Übrigens wurde dieser lösungsweg auch beim regionalprogramm Salzburg Stadt und Umgebungsgemeinden gewählt, um die Erweiterung der Betriebsstandorte der Firmen MACO/Porsche (s. Seite 41) zu ermöglichen. Mit solchen anlassbezogenen Abänderungen werden diese Festlegungen in der Praxis wirkungslos, das Programm oder der Plan wird zur Fassade, zu einem potemkinschen dorf eben, reduziert. tarek leitner beschäftigt sich in seinem neuesten Buch (siehe S. 23) mit den gesellschaftlichen Ursachen für dieses Phänomen.

Örtliche (kommunale) Raumplanung

Fußzeilen 1 Der englische Ausdruck Urban Sprawl drückt aus meiner Sicht die Situation besser aus als alle deutschsprachigen Begriffe in diesem Umfeld vermögen. 2 Vgl. Barbara ZIBELL (1995): Chaos als Ordnungsprinzip im Städtebau. Ansätze zu einem neuen Planungsverständnis. Zürich: (=ORL-Bericht 99/1995), S. 93f. 3 DOUBEK, Claudia und Ulrike HIEBL (2001): Soziale Infrastruktur, Aufgabenfelder der Gemeinden. Expertengutachten des Österreichischen Instituts für Raumplanung (ÖIR). Wien: (=ÖROK Schriftenreihe, Nr. 158), 86 S und DOUBEK, Claudia und Gerhard ZANETTI unter Mitarbeit von Gerhard BAYER et al. (1999): Siedlungsstruktur und öffentliche Haushalte. Wien: (= ÖROK-Schriftenreihe, Nr. 143), 122 S.

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Unmittelbar erkennbar wird der potemkinsche Charakter jedoch bei den instrumenten der kommunalen Planung, insbesondere beim Flächenwidmungsplan (FWP). Hier hat sich zwar seit der rOg-reform 1992 eine Verbesserung der Situation ergeben, da der Paradigmenwechsel hin zur bedarfsorientierten raumplanung die trugbilder unbebauter Baulandreserven beseitigte: Zuvor bestand nämlich die Situation, dass der Flächenwidmungsplan darstellte, wie sich die gemeinde eine kompakte Siedlungsentwicklung unter Berücksichtigung mehrhundertjähriger Entwicklungsreserven wünschte (vgl. Abb. 4: Seekirchen hatte vor der Überarbeitung des FWP eine Baulandreserve für ca. 300 jahre). da sich aber niemand um die Verfügbarkeit der neu ausgewiesenen Flächen kümmerte, blieb es beim Wunsch. Für die gemeindepolitik war das aber kein Problem. Es gab ja das instrument der Einzelbewilligung nach § 19 rOg (1977). dieses wurde zwar eigentlich für hofweichende Erben aus der landwirtschaft eingeführt, um diesen ausnahmsweise den Hausbau auf eigenem grund und Boden zu ermöglichen. Es wurde jedoch von vielen

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WIEVIEL ORDNUNG BRAUCHT DER RAUM?

Abb. 4: seekirchen am Wallersee (im Foto links außen): Baulandwidmung 1995/96, Verbauung 2002/03 und der ursprünglich geplante Hl-Korridor im Bereich des Ortes.

Foto: Wolfgang Schruf

die Karte zeigt die unverbauten Baulandreserven 1995/96 in gelb (mittlerweile durch die Überarbeitung des Flächenwidmungsplans nach dem rOg 1992 zum großteil zurückgewidmet) und die Verbauung im jahr 2002/2003 in dunkelrot sowie den Verlauf der Ende der neunziger jahre präsentierten trasse für die Hochleistungsstrecke zwischen Attnang-Puchheim und Salzburg als rote linie. gut erkennbar ist auch die disperse Siedlungsstruktur, die durch die zahlreichen Einzelbewilligungen vor 1993 entstanden ist. die Spitze des roten Pfeils zeigt auf eine Baulandzun-

ge. diese keilförmige Baulandfläche wurde als Aufschließungsgebiet von der Straße bis zum Waldrand gewidmet, um eine ursprünglich abgelehnte Einzelbewilligung für ein Wohnhaus doch noch zu ermöglichen. in einem Bauland-Aufschließungsgebiet konnte nach der damaligen rechtslage trotz fehlendem Kanal eine Einzelbewilligung für ein Haus mit Sickergrube erteilt werden (sozusagen als Vorgriff auf eine beabsichtigte Verbauung). Anfang der 1990er jahre begann die damalige Hochleistungsstrecken Ag (Hl-Ag) mit der Planung einer neubaustrecke zwi-

schen Salzburg und Attnang-Puchheim. 1997 erwarb die land-invest nach erfolgter Verhandlungsfreigabe durch die Aufsichtsbehörde land das Aufschließungsgebiet. die notwendige Aufschließung wurde hergestellt und es wurde eine reihenhaussiedlung errichtet. Als dann Ende der neunziger jahre von der Hl-Ag die Vorschlagstrasse präsentiert wurde, wandten sich die Bewohner der nunmehrigen riedlwaldsiedlung nachvollziehbarerweise gegen diese trasse.

gemeinden als Hauptinstrument missbraucht – und damit für die Siedlungsstruktur zum Problem. die gemeinde hingegen konnte mit diesem instrument nach jeder gemeinderatssitzung einen teil ihrer Wählerschaft mit der genehmigung ihrer Bauvorhaben beglücken. in der Folge wurde diese Vorgangsweise ein großes Problem für die Betreiber von leitungsinfrastrukturen bzw. die Planung von Umfahrungsstraßen und Hochleistungstrassen (Hl) für die Eisenbahn. die Hl-trasse zwischen Attnang-Puchheim und Salzburg wurde de facto wegen einer Siedlungsentwicklung nach einer raumordnungspolitisch bedenklichen Ausnahmegenehmigung blockiert (vgl. Abb. 4).

Die Folgen der Zersiedelung Sowohl in der Bevölkerung als auch unter Experten gilt die Zersiedelung der landschaft zu recht als das raumordnungsproblem nr. 1. Während bei Ersteren eine gewisse diskrepanz zwischen Problemwahrnehmung und eigener Handlung besteht, sind den Experten die Folgen dieser Siedlungsstruktur bekannt: Hohe Kosten für die Erschließung, hohe volkswirtschaftliche Kosten für die Verhinderung bzw. Verzögerung wichtiger öffentlicher Projekte, Abhängigkeit vom PKW usw. Wie das

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Siedlungserweiterung auf der „grünen Wiese“ wie hier im Pinzgau erzeugen hohe Kosten auf allen Ebenen. Foto: referat Örtliche raumplanung/land Salzburg

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Foto: pixabay

zahlen & fakten zuM flächenverbrauch in österreich Trotz geringem Bevölkerungswachstum (+1,4 % in den letzten 3 Jahren) steigt die Flächeninanspruchnahme weiter stark an, sowohl in den ländlichen als auch in den stadtnahen Gebieten: +4,2 % in den letzten 3 Jahren Der tägliche Verbrauch für Siedlungsund Verkehrstätigkeit liegt bei 6,4 ha (ohne Betriebsflächen) bzw. bei 15,2 ha/Tag (inkl. Betriebsflächen) und die gesamte Flächeninanspruchnahme (inkl. Sportflächen, Abbauflächen) bei 20,1 ha/Tag (Durchschnitt der Drei-Jahres-Periode 2010–2013) und damit noch

„Ungesteuerte Siedlungsentwicklung kostet die öffentlichen Haushalte Milliarden.“

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immer um das 8-fache über dem Reduktionsziel der Nachhaltigkeitsstrategie. Nahezu 5.066 km² der österreichischen Bundesfläche sind Bau- und Verkehrsflächen (inkl. Betriebsflächen) bzw. 4.519 km² (ohne Betriebsflächen), davon sind etwa 60 % versiegelt. 3/4 der mehr als 2 Mio. Gebäude in Österreich sind Ein- und Zweifamilienhäuser. 45 % der fertiggestellten neuen Wohnungen wurden 2011 als Ein- und Zweifamilienhäuser errichtet. Diese Wohnformen benötigen im Vergleich zum Mehrfamilienbau oder anderen verdichteten Bauformen wesentlich mehr Fläche.

grafik: Quelle: Umweltbundesamt 2013: Zehnter Umweltkontrollbericht.

Quelle: www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/raumordnung/flchen-entw

Österreichische institut für raumplanung nämlich in zwei überaus lesenswerten Studien3 im Auftrag der Österreichischen raumordnungskonferenz feststellte, kam dies der österreichischen Volkswirtschaft sehr teuer zu stehen: Es wurde nachgewiesen, dass eine ungesteuerte Siedlungsentwicklung zu Milliarden an Mehrkosten für die öffentlichen Haushalte führt. dabei werden diese Kosten für die technische infrastruktur bloß zu einem geringfügigen teil von den Verursachern getragen. Vielmehr tragen die Kosten zu mehr als 60 % die öffentliche Hand (Bund, länder und gemeinden, wobei auf letztere nur 16 % der gesamtkosten entfallen). noch deutlicher ist dies bei der sozialen infrastruktur: Von der gesamtsumme der Kosten für Kinderbegleitdienste und innergemeindliche Schülertransporte sowie Heimhilfebesuche tragen 82 % der Kosten Bund und länder. Auf gemeinden und Bürgerinnen entfallen jeweils nur etwa 9 % der Kosten. der Staat könnte daher auf so manches Sparpaket verzichten, wenn er sich zu einer konsequenteren Siedlungspolitik entschließen würde, ist die lehre aus diesen beiden Arbeiten.

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WIEVIEL ORDNUNG BRAUCHT DER RAUM?

der griff ins grünland zur Schaffung neuer Baulandflächen ist allerdings immer noch erste Wahl in vielen gemeinden. Viele trends der letzten jahre zeigen, dass das Halten der Siedlungsaußengrenzen ein immer schwieriger werdendes Unterfangen ist. Auch die Zukunft lässt in diesem Zusammenhang nichts gutes erwarten.

Lösungsansatz Wir brauchen eigentlich keine großen reformen in der raumordnungspolitik zum Schutz des lebensraums. die raumplanung braucht nicht mehr instrumente, die vorhandenen würden durchaus genügen eine restriktive raumordnungspolitik umzusetzen. nur trauen müssten wir uns. Alles was wir brauchen, ist eine Aufklärung der Bevölkerung und insbesondere der politisch Verantwortlichen in regionen und gemeinden über die Zusammenhänge zwischen Siedlungsstruktur, Verkehr, Flächenverbrauch und Umweltbelastungen (hierfür sind die beiden Bücher von tarek leitner sehr hilfreich). die Bevölkerung muss nämlich selbst begreifen, dass die beklagte „Verschandelung der landschaft“ nur dann gestoppt oder rückgeführt werden kann, wenn siedlungen konsequent nach innen verdichtet werden (z. B. das Potenzial an leerstehenden Wohnungen bzw. stillgelegten Betriebsgelände nutzen) bauland in peripherer lage nur mehr sehr eingeschränkt ausgewiesen wird eine weitgehende rückwidmung unbebauter, als Bauland ausgewiesener Flächen erfolgen wird. Wenn nicht, werden uns ohnehin die zu erwartenden globalen Veränderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und der Energiewende zu sehr einschneidenden Maßnahmen zwingen. je später, desto einschneidender. 

Glückliche Orte. Und warum wir sie erschaffen sollten. Streitschrift gegen Tarek Leitner. 2015, die Verschandelung 216 Seiten, Hardco- Österreichs ver, ISBN 978-385033-923-0, € 22,50

Tarek Leitner. 2012, 208 Seiten, ISBN 978 3 85033 659 8, € 22,50

Brandstätter Verlag

Text: Priv.-Doz. Dr. Franz Dollinger, Amt der Salzburger Landesregierung, Abt. Wohnen und Raumplanung, Stabsstelle Raumforschung und grenzüberschreitende Raumplanung franz.dollinger@salzburg.gv.at Zum Autor: 2015 veröffentlichte der Autor einen Buchbeitrag über die „Baustelle Raumplanung“ in Österreich. Teile dieser Veröffentlichung wurden für diesen Beitrag unverändert übernommen. Ziel ist es, darüber aufzuklären, dass eine Vielzahl undefinierter bzw. unterschiedlich definierter Begriffe im Umfeld von Raumordnung und Raumplanung durchaus als eine wesentliche Ursache für das Systemversagen in der Raumordnung gesehen werden kann.

www.bodenfreiheit.at

damit der landfraß wie hier in Annaberg (Salzburg) eingedämmt werden kann, muss der Bevölkerung und den Kommunalpolitikern klargemacht werden, dass 2/3 der Kosten auf der Öffentlichen Hand lasten. Foto: referat Örtliche raumplanung/land Salzburg

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in Österreich ist die dichte an Handelsstandorten so hoch wie nirgendwo sonst in Europa.

Den Raum neu ordnen – wie geht das? Interview mit der Salzburger LHStv.in Dr. Astrid Rössler die übergeordnete raumordnung ist laut Bundesverfassung eine Kernaufgabe eines Bundeslandes. Sie sollte eigentlich regeln, wo und wie gebaut werden darf. Schaut man sich im land um, ist sichtbar, dass sie versagt hat. den gemeinden hat augenscheinlich eine übergeordnete, regionale Planung gefehlt. dabei hat Salzburg in Sachen raumordnung/raumplanung eine Vorreiterrolle inne: Es hat 1954 den grundstein für eine Österreichische raumordnung gelegt und greift nun in der Person von raumordnungsreferentin lHStv.in Astrid rössler dieses „heiße Eisen“ als erstes Bundesland umfassend an. Vorrangiges Ziel ist es, der massiven Zersiedelung, insbesondere durch Handelsstandorte wie Einkaufszentren, grenzen zu setzen und verwaiste Ortskerne wieder zu beleben. Wir haben bei Astrid rössler nachgefragt, welche Schritte sie in richtung „raumordnung neu“ bisher gemacht hat bzw. machen wird.

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NL: Sehr zur Freude des Naturschutzbundes hat die Sbg. Landesregierung Erweiterungswünschen von Handelskonzernen eine Abfuhr erteilt. Wird das auch in Zukunft halten? Von beantragten 57.000 m² hat die Landesregierung im April 2015 nur 11.000 genehmigt, davon überwiegend Bestandserweiterungen. Die Errichtung von Handelsgroßbetrieben in Orts- und Stadtzentren ist weiterhin möglich und erwünscht. Die Entscheidung gegen großflächige Neuausweisungen und -erweiterungen wurde vorerst für drei Jahre, also bis zum Ende der Legislaturperiode, getroffen, um weiteren Fehlentwicklungen und der übermäßigen Agglomeration von Verkaufsflächen im Salzburger Zentralraum zu Lasten anderer Regionen entgegen zu steuern.

NL: Ihre Entscheidung findet viel Zustimmung in der Bevölkerung – erleichtert das Ihr weiteres Vorgehen?

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INTERVIEW

Mit einer neuen aPP freizeitWissenschaftler/in Werden! Per Handy Landnutzung dokumentieren Bei bestehenden Siedlungssplittern soll die Zersiedelung nicht fortgesetzt werden. Einzelne Lückenschlüsse im Grünland sind zur Verdichtung aber wie bisher möglich.

NL: Wird das Salzburger Raumordnungsgesetz nun reformiert und verbessert?

Die Zustimmung kommt aus einem allgemeinen Unbehagen über die offensichtliche Verödung mancher Ortskerne und die Frage nach einer zukünftigen Versorgung mit Gütern des täglichen Gebrauchs. Wir kaufen ja beinahe alle immer wieder auch in Einkaufszentren oder am Heimweg bei größeren Handelsbetrieben an der Peripherie von Ortschaften ein. Dass ist dann problematisch, wenn dadurch das Angebot in den Zentren immer stärker ausdünnt oder ganz zum Erliegen kommt. Die zahlreichen Rückmeldungen haben uns auch bestärkt, da sich eine breite Bevölkerungsmehrheit lebendige Ortskerne wünscht.

NL: Die Landesregierung hat in ihrem Arbeitsübereinkommen festgehalten, dass sie aktiv gegen eine weitere Zersiedelung vorgehen möchte. Was bedeutet das für die zahlreichen Siedlungsansätze, die derzeit über keine Baulandwidmung verfügen? Dürfen diese Siedlungen nicht mehr erweitert werden? Auch nicht nach innen?

Die Ziele der aktuellen Novellierung sind im Arbeitsübereinkommen der Regierungspartner festgeschrieben. Besonders dringend sind Maßnahmen zur Baulandmobilisierung, eine Infrastrukturabgabe, insgesamt ein sparsamer Flächenverbrauch und ein Eindämmen der Zersiedelung sowie die Erhaltung regionaler und überregionaler Grünkorridore.

NL: Haben auch andere Bundesländer Interesse für die Salzburger Gangart gezeigt? Gerade was den Umgang mit Erweiterungen von Verkaufsflächen und Neubauten an peripheren Standorten betrifft gab es einige interessierte Anfragen aus anderen Bundesländern. Grundsätzlich ist die Situation Salzburgs mit anderen alpinen Bundesländern gut vergleichbar. Auch dort gibt es einen hohen Druck auf die vorhandenen Flächen und intensive Bemühungen die Entwicklung des Flächenverbrauchs nachhaltig zu steuern.

interview: ingrid Hagenstein

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Die österreichische Landschaft erkunden und dabei die Bodenbedeckung und die Landnutzung für die Wissenschaft dokumentieren. Damit kann jede/r bei der Erforschung von Landschaftsveränderungen in Österreich mithelfen. Solche Daten sind nämlich die Basis für nachhaltige Städteplanung, Klimawandelforschung, Naturschutz und Wassermanagement. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Schutz von Feuchtgebieten, die große Mengen an CO2 abspeichern und deshalb für die Bekämpfung des Klimawandels extrem wichtig sind. Das ist die Grundidee der neuen kostenlosen FotoQuest Austria App, die vom Forschungsinstitut IIASA (Internationales Institut für angewandte Systemanalyse) entwickelt wurde. Mit der FotoQuest Austria App kann jede/r mit dem Smartphone etwa beim Joggen oder Wandern wertvolle Daten über die Beschaffenheit der Bodenvegetation sammeln, die der Wissenschaft fehlende Informationen über die Landschaftsveränderungen in Österreich liefern. Das Umweltbundesamt gab den Entwicklern Feedback zur Gestaltung der App und unterstützte dabei, die gesammelten Informationen für die Wissenschaft optimal nutzbar zu machen. FotoQuest Austria App ist ein Projekt von Citizen-Science, das auch der Naturschutzbund unterstützt. Ganz nebenbei kann man Punkte sammeln, um Smartphones und Tablets zu gewinnen. http://www.citizen-science.at/projekte/fotoquest-austria app direkt: fotoquest.at Foto: Screenshot/fotoquest.at

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THEMA

„Stopp dem Bodenverbrauch ist eine ökonomische und ökologische Notwendigkeit.“ Österreich verbaut täglich doppelt so viel Fläche wie die Schweiz oder Deutschland. Wir haben die höchste Supermarktfläche und das längste Straßennetz pro Kopf in Europa. Lebensmittel können darauf allerdings nicht wachsen. VON MARIO WINKLER

„W

ir müssen den rasanten Bodenverbrauch in Österreich stoppen. dazu müssen wir Bewusstsein schaffen, dass der Boden die Basis für unser leben ist. Eine bodenschonende raumplanung soll landwirtschaftliche Vorrangflächen gesetzlich schützen und leerstehende immobilien wieder in wirtschaftliche nutzung bringen. Mit diesen Maßnahmen soll es gelingen, dass unser raum nicht weiter verunstaltet wird und nicht unsere lebensgrundlage Boden für künftige generationen verloren geht“, appellierten Univ.-Prof. dr. roland norer von der Österreichischen gesellschaft für Agrarund Umweltrecht, Univ.-Prof. dr. gottfried Holzer von der Universität für Bodenkultur Wien und dr. Kurt Weinberger von der Österreichischen Hagelversicherung anlässlich einer Pressekonferenz Mitte Oktober d. j. in Wien. „Österreich ist bei Ös Österreich terreich vverbaut erbaut jährlich der Verbauung Eurodoppelt so viel Agr Agrarfläche arfläche pameister im negatiwie die Schweiz eiz oder Deutschland ven Sinn“, fasste Kurt Weinberger die ge0,5% genwärtige Situation 0,25% 0,25% zusammen und weist auf die fortschreitenDeutschland Schw Schweiz eiz Österreich Österreich de Versiegelung heimischer Böden hin: „täglich werden in Österreich rund 20 ha Wiesen und Äcker für Straßen, Siedlungen, Shopping-Center oder industriehallen verbaut. Wir haben die höchste Supermarktfläche mit 1,8 m² pro Kopf und mit 15 m Straßenlänge pro Kopf international das längste Straßennetz vorzuweisen.“ laut Umweltbundes-

Quell Quelle: e: ÖHV

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norer, Weinberger, Holzer (v. l.)

amt gibt es rund 130.000.000 m² (= 13.000 ha) ungenutzte industriehallen, bei Berücksichtigung aller leerstehenden Wohn- und geschäftsimmobilien sind es rund 500.000.000 m² (= 50.000 ha). diese müssten durch entsprechende Anreizsysteme wieder wirtschaftlich nutzbar gemacht werden. Eine rückführung dieser Flächen würde – ebenso wie die revitalisierung von Ortskernen anstelle von neubauten im grünen – dem trend der Versiegelung von neuflächen entgegenwirken. die Versiegelung hat weitreichende Folgen für die Volkswirtschaft: Unwetterschäden nehmen zu, der tourismus wird negativ beeinflusst, die heimische lebensmittelversorgung wird gefährdet. das alles wirkt sich auch auf die Arbeitsplatzsituation negativ aus.

Bodenschutzstrategie als Lenkungsinstrument der örtlichen und überörtlichen raumplanung kommt eine Schlüsselkompetenz im Kampf gegen den fortschreitenden Verlust an landwirtschaftlichen nutzflächen zu. das Fehlen einer auf den Flächenschutz bezogenen agrarischen Fachplanung und die bisherige Planungspraxis der gemeinden haben vielfach dazu geführt, dass die rauminanspruchnahme vor dem Schutz landwirtschaftlich wertvoller Böden steht. „Eine solche "Fehlplanung" widerspricht allerdings den 2013 im Bundesverfassungsgesetz über die nachhaltigkeit festgeschriebenen Staatszielen. Eine gesetzliche Ausweisung von landwirtschaftlichen Vorrangflächen und die damit verbundene Festlegung von Siedlungsgrenzen könnten ein Fortschreiten des ungezügelten Winterausgabe | natur&land | 101. JG. – Heft 4-2015


STOPP DEM BODENVERBRAUCH

Fotos: ÖHV

„Der Boden ist die einzige Ressource, mit der Lebensmittel produziert werden können.“ BODENCHARTA ¡ Unterzeichnet am 27. März 2014 von zehn namhaften Organisationen

Bodenverbrauches bewirken“, so gottfried Holzer über mögliche lenkungsinstrumente. Eine umfassende Bodenschutzstrategie erfordert aber ein Zusammenwirken raumplanerischer instrumente mit einer reihe weiterer Maßnahmen wie zum Beispiel monetäre und steuerliche Anreize zur Wiederinstandsetzung leerstehender immobilien. dazu roland norer: „das geltende Bodenschutzrecht in Österreich erweist sich in Hinblick auf die Verbauung der Böden als wenig wirksam und schlagkräftig. die instrumente, insbesondere des raumplanungsrechts, berücksichtigen kaum ökonomische, ökologische und überzeugende Elemente. dem Erhalt landwirtschaftlicher Böden muss schon allein aus dem grund der Versorgungssicherheit mit lebensmitteln künftighin in interessensabwägungen verstärktes gewicht zukommen. Es ist heute nicht mehr zu rechtfertigen, wenn der Bodenverbrauch zum Beispiel für infrastrukturen oder Siedlungen höher gewichtet wird als Böden zur Produktion von heimischen lebensmitteln.“

Nicht die Zukunft der Kinder verbauen „der Boden ist die einzige ressource, mit der lebensmittel produziert werden können und deshalb ist sein Schutz für die Ernährung der steigenden Weltbevölkerung unverzichtbar. Verbauen wir nicht die Zukunft unserer Kinder! Österreich soll auch in Zukunft ein land der Äcker und nicht ein land der leeren industriehallen, Straßen und Einkaufszentren sein. Böden sind unsere lebensgrundlage. Böden sind Kulturgüter ersten ranges, sie sind schützenswert und verdienen daher wieder mehr respekt“, appellierten abschließend alle drei an die Verantwortlichen für die raumordnung. 

Text: Dr. Mario Winkler Leitung Kommunikation Die Österreichische Hagelversicherung, 1080 Wien m.winkler@hagel.at

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¡ Unterzeichner: Ökosoziales Forum, Klimabündnis, Gemeindebund, Lebensministerium, Landwirtschaftskammer Österreich, Umweltbundesamt, Österreichische Hagelversicherung, Handelsverband, Bundesforschungszentrum für Wald und b5-corporate soil competence ¡ Alle Organisationen bekennen sich dazu,… …den massiven Bodenverbrauch stoppen | die Ressource Boden nachhaltig schützen | Ortskerne beleben | Leerflächen nutzen zu wollen. Mit der Bodencharta sollen insbesondere hochwertige landwirtschaftliche Böden geschützt werden, da diese vom rasanten Bodenverbrauch am meisten betroffen sind und durch kein vorhandenes Regelwerk bisher hinreichend geschützt werden. Aus dem Inhalt 1. Bewusstsein stärken Der Wert des Bodens muss einer breiteren Öffentlichkeit bewusst gemacht werden. Boden muss sinnvoll genützt und sorgsam geschützt werden. Die vielfältigen Funktionen des Bodens sollen auf breiterer Basis vermittelt werden. 2. Gesetzliche Rahmenbedingungen verbessern Bund und Länder sind aufgefordert, sich auf eine verbindliche Zielsetzung zum Bodenverbrauch zu einigen (Artikel 15a B-VG Vereinbarung Bund-Länder). Darüber hinaus ist die Reduktion des Bodenverbrauchs als Ziel in den bodenrelevanten Gesetzen zu verankern und für ein entsprechendes Monitoring zu sorgen. 3. Bodenschutz bei Großprojekten beachten Bei Bauvorhaben, die insbesondere einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegen, sind Bodenverbrauch und Verlust an Bodenfunktionen zu beachten und zu minimieren. 4. Ortskerne beleben und Leerflächen nutzen Die Innenentwicklung von Orten, die Wiederinstandsetzung von Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsbrachen sowie die Nutzung von Leerflächen sind mit entsprechenden Anreizsystemen zu forcieren. Dadurch soll das Bauen auf der „grünen Wiese“ verringert werden. Eine Reduktion des Bodenverbrauchs ist als unerlässlicher Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung zu sehen und dient der Erhaltung der Ernährungssicherheit. www.bmlfuw.gv.at (Download) www.bodeninfo.net www.umweltbundesamt.at (Download)

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THEMA

Mit der Unterzeichnung der Alpenkonvention wurde der Startschuss für die inhaltliche Ausgestaltung dieses Vertragswerks gegeben. Sie ist ein völkerrechtlich verbindliches Steuerungsinstrument und muss in nationales Recht umgesetzt werden. Sie beinhaltet verschiedene „Protokolle“, die die Umsetzung ermöglichen. Eines davon ist das Protokoll „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“.

Foto: josef Essl

RAUMPLANUNG IN DEN ALPEN: WAS STEHT DAZU IN DER ALPENKONVENTION? Siedlungen fressen sich im tiroler inntal unaufhörlich in die landschaft.

VON PETER HASSLACHER rsprünglich sollte dieses Protokoll bloß raumplanungsfragen behandeln. doch die Schweizer Vertretung verlangte bei den Verhandlungen unter heftigem druck der gebirgskantone die positive Fokussierung dieses Protokolls auf die „nachhaltige Entwicklung“. damit sollte der Entwicklungsaspekt der Alpenkonvention für künftige generationen verstärkt zum Ausdruck gebracht werden. Allerdings – und das bleibt ein Wermutstropfen dieses Protokolls – ist es recht unkonkret und die verpflichtende Umsetzung wird von den zuständigen gebietskörperschaften nicht eingefordert. das heißt aber nicht, dass dieses für die vorausschauende Steuerung des Alpenraumes wichtige Protokoll wertlos wäre. Obwohl der inhalt dieses dokuments vor über 20 jahren verhandelt worden ist, sind darin zahlreiche „heiße Eisen“ und politikrelevante Ansätze enthalten.

U „Das Raumplanungsprotokoll hat ein offensichtliches Vollzugsdefizit.“

INFOBOX

Kernelemente des Protokolls alPenkOnventiOn – daten, fakten  Unterzeichnung am 7. 11. 1991 in der Salzburger Residenz  alpenweit geltend  völkerrechtlich verbindlich  in nationales Recht umzusetzen  Beinhaltet 8 Durchführungsprotokolle, die am 18. 12. 2002 in Österreich in Kraft traten, darunter auch das Protokoll zur Durchführung der Alpenkonvention im Bereich „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“ (BGBl. III Nr. 232/2002 idF Nr. 114/2005 )  Verfügt über keine eigene finanzielle Dotierung für Projekte

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das „raumplanungs-Protokoll“ beinhaltet eine Fülle an hilfreichem Substrat für eine erfolgreiche Arbeit auf dem gebiet der raumplanung. der politische rahmen ist nach wie vor hoch aktuell und der inhalt dient der täglichen Planungsarbeit als Begründung. der im Protokoll enthaltene Zielkatalog und die grundverpflichtungen sind auf nachhaltigkeit ausgerichtet. Sie wollen gar nicht allen, oft konträren Ansprüchen der gesellschaft, gerecht werden. damit natürliche Erschwernisse und die leistungen des Alpenraums für die Allgemeinheit berücksichtigt werden, damit die ressourcennutzung eingeschränkt und der Preis dafür ihrem wahren Wert entspricht, braucht es jedoch eine neuorientierung der Förderungs-, Finanz- und Wirtschaftspolitik für den Alpenraum. die Alpenkonvention kann somit einen Hebel für eine längst fällige diskussion über die Alpenpolitik darstellen, u. a. in Österreich über die debatte zur neugestaltung des Finanzausgleichs mit einem Mehrwert für gemeinden im ländlichen raum und im Berggebiet. das raumordnungs-Protokoll beschäftigt sich intensiv mit Plänen und Programmen für die raumplanung und die nachhaltige Entwicklung auf allen Ebenen der gebietskörperschaften: regionale Wirt-

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schaftsentwicklung, ländlicher raum, Siedlungsraum, natur- und landschaftsschutz, Verkehr. durch den mancherorts (erzwungenen oder freiwilligen) rückzug der raumplanung auf die Moderatoren- und Mediatorenebene ist das ein klarer Fingerzeig für regionen, die Planungsinstrumente wieder ernst zu nehmen und damit auch transparenz, Planungssicherheit und insgesamt die Auseinandersetzung mit der eigenen Zukunft im räumlichen Kontext herzustellen. diese sollen auch grenzüberschreitend sein. die raumplanungsabteilung des Amtes der Steiermärkischen landesregierung hat 2011 zur Umsetzung einen „leitfaden Alpenkonvention für die örtliche raumordnung“ erstellt. Fest verankert ist auch die Einführung einer raumverträglichkeitsprüfung für die direkten und indirekten Auswirkungen öffentlicher und privater Projekte.

Mehr politische Aufmerksamkeit ist gefordert damit das raumplanungsprotokoll erfolgreich umgesetzt werden kann, bedarf es aber einerseits interessierter Politikerinnen mit einem wachen Sensorium für die Alpenthemen. Andererseits braucht es Behörden, Vertreter der Zivilgesellschaft aus Vereinen und Bürgerinitiativen, die die Umsetzung laufend vorantreiben und hartnäckig einfordern. im regierungsübereinkommen 2013–2018 der Österreichischen Bundesregierung spielt die Alpenkonvention keine rolle mehr, in den Arbeitsprogrammen der landesregierungen von Kärnten, Salzburg und tirol wird sie zumindest erwähnt. in der Steiermark fehlt das Alpenthema zur gänze.

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neuerdings scheint der Alpenkonvention auch noch „Konkurrenz“ aus der makroregionalen Alpenraumstrategie (EUSAlP) zu erwachsen. denn wo die Finanzmittel gelagert sind, da konzentriert sich der Einfluss. die Alpenkonvention selbst verfügt nämlich über keine Fördermittel zur Finanzierung von Projekten. deshalb sollten sich die Alpenkonferenzen der Minister mehr als politische instanz für die Belange des Alpenraums verstehen und im inhalt eine Korrekturinstanz zu den Auswüchsen der globalisierung sehen. Eine alle zwei jahre stattfindende Zusammenkunft mit wenig Substanz ist längerfristig gesehen einfach zu wenig und bringt keinen Mehrwert für die Alpen. das raumplanungs-Protokoll der Alpenkonvention hat aufgrund des geringen Verpflichtungsgrades in einzelnen Artikeln ein offensichtliches Vollzugsdefizit bei der implementierung. der in den jahren 2015/2016 amtierende deutsche Vorsitz bei der Alpenkonferenz nimmt sich interessanterweise erstmals in vertiefter Form dieses wichtigen Steuerungswerkzeugs an. das raumplanungsprotokoll wird bei verschiedenen Agenden auf der tagesordnung stehen, so auf einer raumordnungs-Ministerkonferenz der Alpenstaaten im April 2016. die Ergebnisse werden anlässlich der xiV. Alpenkonferenz am 13. Oktober 2016 präsentiert. Hoffentlich wird das eine gute Vorlage für die darauffolgende österreichische Präsidentschaft in den jahren 2016 bis 2018. 

Text: Peter Haßlacher, Vorsitzender Internationale Alpenschutzkommission CIPRA Österreich peter.hasslacher@cipra.org, www.cipra.at, www.alpconv.org (Protokolltext)

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THEMA

WIE ZERSCHNITTEN IST UNSERE LANDSCHAFT? status der landschaftsfragMentierung in österreich und iM eu-vergleich

Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass in Österreich der Grad der Landschaftszerschneidung noch nicht so weit fortgeschritten ist wie in anderen Mitgliedsstaaten. Die natürliche Vernetzung der Landschaft ist zumindest noch teilweise vorhanden. Ein Trugschluss wäre es allerdings zu glauben, dass in Österreich das Thema der Lebensraumvernetzung auf die lange Bank geschoben werden kann. VON ROLAND GRILLMAYER, GEBHARD BANKO, HORST LEITNER, DANIEL LEISSING ie höchste Fragmentierung in Europa weisen Holland und Belgien, gefolgt von deutschland, Frankreich, Polen und tschechien auf (vgl. Abb. 1). im Bereich der großstädte und deren Umland sowie entlang der hochrangigen infrastruktureinrichtungen werden die höchsten Werte erreicht. Besonders dramatisch stellt sich die Situation in Holland dar. Aufgrund der gleichmäßigen flächendeckenden Besiedelung und der damit verbundenen Entwicklung von Streusiedlungen ist Holland der am stärksten von der landschaftsfragmentierung betroffene Mitgliedstaat der EU. Österreich und die Schweiz weisen hingegen einen Fragmentierungsgrad auf, der geringer ausfällt als jener von norwegen und Finnland. Werden jedoch für diese beiden länder die Alpen als mehr oder weniger nicht fragmentierter landschaftsraum herausgerechnet, weisen die Schweiz und Österreich einen vergleichbar hohen Fragmentierungsgrad auf – sie belegen dann die Plätze 11 und 18 im europäischen Vergleich. Würde man weitere alpenspezifische barrierewirksame Bereiche in der Berechnung berücksichtigen, würde sich der Fragmentierungsgrad weiter verschlechtern. Von Seiten der naturschutzbehörden wurden z. B. Schigebiete als ganzjährige barrierewirksame gebiete genannt. Als weitere zerschneidende, vor allem im Alpenraum überproportional repräsentierte Bereiche wären Forststraßen zu nennen, die zurzeit nicht in der Berechnung Berücksichtigung finden. die außeralpinen gebiete und die tallagen innerhalb der Alpen weisen schon heute extrem hohe Fragmentierungswerte auf (Abb. 2). genau jene gebiete werden allerdings konzentriert durch Bau- und Verkehrsflächen in Anspruch genommen. Ein weiterer Anstieg der landschaftsfragmentierung ist somit zu befürchten. Handlungsbedarf ist unverzüglich gegeben. Am Beispiel von Holland lässt sich aufzeigen was passiert, wenn man die Fakten zur landschaftsfragmentierung ignoriert. dort werden Milliarden für die Wiederherstellung der lebensraumvernetzung investiert. das Ziel einer intakten lebensraumvernetzung ist dort teilweise nur mehr durch drastische Maß-

d Abb. 1: Mittlerer Fragmentierungsgrad der EU-Mitgliedsstaaten 2009 Quelle: landscape fragmentation in Europe, EEA report no 2/2011, Seite 33, Map 3.2

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Foto: josef limberger

nahmen wie das Absiedeln ganzer landwirtschaftlicher Betriebe bis hin zu Enteignungen erreichbar (vgl. gEBBinK 2009).

Zeichen der Zeit erkennen: Lebensraumvernetzung aktiv betreiben! lebensraumvernetzung jetzt aktiv zu betreiben bedeutet somit, Steuergelder zu sparen und durch rechtzeitiges Handeln in Österreich derartig drastische Maßnahmen wie in Holland nicht realität werden zu lassen. Vor diesem Hintergrund wurde von Seiten des Bundesministeriums für land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft das Projekt „lebensraumvernetzung Österreich“ initiiert. nähere informationen zu diesem Projekt finden Sie im Artikel: „grüne infrastruktur – lebensraumvernetzung in Österreich“.  Quellen: AndrEAS gEBBinK 2009: naturschutz in den niederlanden, Url: https://www.unimuenster.de/niederlandenet/nl-wissen/umwelt/vertiefung/naturschutz/index.html, zuletzt abgefragt am 15.10.2015 EEA (2011): landscape fragmentation in Europe. joint EEA-FOEn report. iSSn 1725-9177 BAnKO, g. und WEiß M. (2015): Kriterium Zerschneidung/lebensraumvernetzung, S. 127 in: AnPASSUng An dEn KliMAWAndEl in ÖStErrEiCH: Fortschrittsbericht, text und redaktion: Barbara Kronberger-Kießwetter (BMlFUW), Maria Balas, Sonja Völler, ivo Offenthaler (Umweltbundesamt gmbH), BMlFUW, Wien 2015. http://www.eea.europa.eu/publications/landscape-fragmentation-in-europe, zuletzt abgefragt am 15.10.2015

www.umweltbundesamt.at

Text: DI Roland Grillmayer & DI Gebhard Banko, Umweltbundesamt, Abt. Biologische Vielfalt&Naturschutz, Wien roland.grillmayer@umweltbundesamt.at gebhard.banko@umweltbundesamt.at Die weiteren Autoren siehe nächster Beitrag.

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INFOBOX

Abb. 2: Fragmentierungsgrad in Österreich, durchschnittliche effektive Maschenweite pro km²

MethOden, uM die zerschneidung einer landschaft darzustellen in Forschungsfeld der „Landschaftsökologie“ beschäftigt sich mit der Entwicklung von robusten und aussagekräftigen Landschaftsindikatoren, um qualitative Aussagen über Landschaftsstrukturen zu ermöglichen. Ziel ist es, diese Landschaftsstrukturen und die mit ihnen in direkter Verbindung stehenden Prozesse und Funktionen analysier- und messbar zu machen.

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Maschenweite. Jochen Jäger entwickelte als Indikator eine Methode zur Ermittlung der „effektiven Maschenweite“. Der berechnete Wert gibt an, wie groß die Ausbreitungsdistanz eines Tieres bzw. einer Pflanze in der Landschaft ist, ohne dass sie auf eine Barriere (Verkehrsinfrastruktur, intensive genutzte landwirtschaftliche oder forstlich genutzte Fläche usw.) treffen (vgl. EEA 2011). Die „durchschnittliche Maschenweite“ ist somit ein repräsentatives Fragmentierungsmaß, ohne dabei auf spezielle Arten einzugehen. Die für die Berechnung benötigten Geodaten stehen flächendeckend in gleicher Qualität und mit dem gleichen Aktualisierungszyklus für Europa zur Verfügung. Somit weist dieser Landschaftsindikator „Maschenweite“ alle Voraussetzungen für die Aufgaben des Monitorings bzw. die vergleichende Analyse der EU Mitgliedsaaten hinsichtlich ihres Fragmentierungsgrades auf.

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THEMA

Flächenversiegelung, Lebensraumzerschneidung und intensive Landbewirtschaftung sind die Hauptursachen für den Verlust des Lebensraumverbundes und der Biodiversität in unserem Land. Dieser Beitrag zeigt die dramatische Situation auf und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Lage zu verbessern. VON HORST LEITNER & IRENE ENGELBERGER & DANIEL LEISSING

GRÜNE INFRASTRUKTUR: LEBENSRAUMVERNETZUNG status quO und uMsetzungsMöglichkeiten

ie Vernetzung von lebensräumen ist in der Europäischen Union ein thema mit großer Bedeutung. denn lebensräume mit entsprechender Vernetzung sichern die lebensgrundlage sowohl für tiere und Pflanzen als auch für uns und unsere Kinder. Mit der Zerschneidung und Verkleinerung werden diese lebensräume entwertet und die Biodiversität nimmt ab. der breiten Bevölkerung ist das thema noch viel zu wenig bewusst. Fachlich jedoch bekommt das thema immer mehr Schwung, sowohl auf landes- als auch auf Bundesebene.

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Lebensraumzerschneidung verursacht eingeschränkte Mobilität für wandernde Tiere

2.000 km Zaun an Autobahnen und Schnellstraßen sind zwar ein Schutz für Wildtiere wie Autofahrer, bedeuten aber eine totalbarriere für landgebundene großsäuger. Foto: daniel leissing

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die lebensraumzerschneidung ist allgegenwärtig und findet durch Verkehrsinfrastruktur, Siedlungswesen, Energiewirtschaft, tourismusund Erholungswirtschaft sowie durch land- und Forstwirtschaft statt. Selbst das gebirgige Österreich zerschneiden pro Quadratkilometer 1,5 km Straßen. Als totalbarriere für landgebundene großsäuger gelten rund 2.000 km gezäunte Autobahnen und Schnellstraßen. die wenigen vorhandenen Querungsmöglichkeiten müssen dringend funktional abgesichert werden. Besonders in den gebirgstälern konzentriert sich die Flächeninanspruchnahme auf wenige begünstigte lagen entlang der Flusstäler, wodurch für ganze gebirgsstöcke die Vernetzung verloren geht. Aktuelle negativbeispiele sind das inntal oder das Mürztal, deren Querung für Wildtiere nur mehr sehr eingeschränkt möglich ist. Aber auch das Salzachtal hat Streckenabschnitte, an denen die Querung immer schwieriger wird. die Folgen der Zerschneidung sind lebensraumverlust, Beeinträchtigung der Wander- und dispersionsmöglichkeiten, Verlust an Fitness, genetischer Variabilität und Biodiversität. Für Wildtiere bedeutet eingeschränkte Mobilität beispielsweise, dass tägliche Bewegungen zwischen ruhegebieten und nahrungsflächen nicht oder nur mehr eingeschränkt möglich sind, dass saisonale Wan-

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LEBENSRAUMVERNETZUNG

Zerschneidung und Vernetzung an der A3 (l.). Wandernde tierarten wie z. B. Wildkatzen sind auf vernetzende Strukturen wie grünbrücken angewiesen (hier über die A6). Fotos v. l.: gerhard Egger (2), Fotofallenbild Peter gerngroß

IN ÖSTERREICH derungen zwischen Winter- und Sommerlebensräumen unterbunden werden und dass dispersion, also das Abwandern von jungtieren, verhindert wird.

Vernetzung bedeutet Lebensversicherung für Natur und Mensch All das hat auch den Verlust an genetischer Vielfalt zur Folge. grundlage dieser Vielfalt ist die Zahl der genvarianten, also der genpool einer Population. die gene stecken in der dnA, dem träger der Erbinformation. Verschiedene Varianten und Kombinationsmöglichkeiten der gene sorgen für die unterschiedlichen Eigenschaften der lebewesen. die genetische Variationsmöglichkeit von indiviGanze Gebirgsstöcke sind für duen und Populationen der gleichen Art ist wichtig für die wandernde Tiere durch die Anpassungsfähigkeit an sich ändernde UmweltbedingunBarrieren in den Tälern kaum gen. in Zeiten des Klimawandels ist dies von unschätzbamehr erreichbar. Beispiele: rem Wert. genetische Vielfalt bedeutet auch Schutz vor rascher spürbaren inzuchteffekten. inzucht birgt die Inn-, Mürz- oder Salzachtal gefahr einer geringeren Fitness durch verminderte Fruchtbarkeit, Krankheitsresistenz und Wachstumsraten, was die Überlebenschancen einer Population insgesamt schmälert. genetische Vielfalt bildet neben Arten- und Biotopvielfalt die dritte wichtige Säule der biologischen Vielfalt (Biodiversität). nimmt die biologische Vielfalt ab, verlieren wir auch zahlreiche Ökosystemleistungen. Es sind dies leistungen oder Funktionen, die bereits im Forstgesetz für das Ökosystem Wald fortschrittlich beschrieben sind: nutz-, Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungsfunktion. diese leistungen werden der Menschheit von den Ökosystemen weitgehend gratis zur Verfügung gestellt. Sie müssen nur erkannt und folglich auch erhalten werden.

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THEMA

Obwohl sich in fast allen Bundesländern Fachleute aus Wissenschaft, naturschutz, jägerschaft und raumplanung mit der Problematik befasst haben, ist das thema lebensraumvernetzung noch nicht im breiten Bewusstsein der Bevölkerung verankert und somit auf politischer Ebene auch wenig populär. Folglich ergeben sich in der praktischen Umsetzung Schwierigkeiten. Fest steht, dass lebensräume mit entsprechender Vernetzung für tiere und Pflanzen und für die damit verbundenen Artengemeinschaften nicht nur laut Konventionen und richtlinien zu erhalten sind. letztendlich geht es auch darum, die lebensgrundlage für uns und unsere Kinder zu sichern.

Nationale und internationale Vorgaben Biodiversität und lebensraumvernetzung sind bei einer großen Mehrheit der Österreicher noch kein thema. Beim Wissen um die Vielfalt an Arten und lebensräumen liegen wir laut Eurobarometer deutlich hinter dem EU-durchschnitt zurück. Seit dem letzten jahr gibt es einen klaren Auftrag zur Vernetzung von lebensräumen.

Nationale Biodiversitätsstrategie im jahr 2014 wurde das thema der lebensraumvernetzung als Maßnahme in die nationale „Biodiversitäts-Strategie Österreich 2020+“ aufgenommen. Ziel 10 und Ziel 11 der Strategie erteilen einen klaren Auftrag zur Schaffung und Stärkung des Biotopverbundes, zur raumplanerischen Absicherung von Wildtierkorridoren, lebensraumvernetzungsachsen und grüner infrastruktur, zur signifikanten Erhöhung der ökologischen durchlässigkeit von übergeordneten Verkehrswegen, zur deutlichen reduktion der täglichen Flächeninanspruchnahme und zur Erarbeitung bundesweiter Strategien zur lebensraumvernetzung. Stromleitungen und Windräder „zerschneiden“ den luftraum von Vögeln und Fledermäusen.

Internationale Vorgaben

Bereits in den 1970er jahren wurde das thema lebensraumvernetzung im internationalen Kontext diskutiert und fand in der berner konFoto: josef limberger vention 1979 erstmals seinen niederschlag. im Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und tiere und ihrer natürlichen lebensräume verpflichten sich die Vertragsparteien, besondere Aufmerksamkeit dem Schutz jener gebiete zuzuwenden, die für wandernde Arten aus Anhang ii und iii von Bedeutung sind, und die als Überwinterungs-, Sammel-, Futter-, Brut- oder Mauserplätze im Verhältnis zu den Wanderrouten günstig liegen. im selben jahr wurde die bonner konvention verabschiedet und in Österreich im jahr 2005 ratifiziert. Hier ist sozusaLebensraumvernetzung ist bei gen der titel – Konvention zur Erhaltung wandernder wild einer großen Mehrheit der lebender tiere – schon Programm. in den Protokollen der Österreicher noch kein Thema. alpenkonvention für „Verkehr“, „raumplanung und nachhaltige Entwicklung“ sowie „naturschutz und landschaftspflege“ verpflichten sich die Vertragsparteien geeignete Maßnahmen zu treffen, um einen nationalen und grenzüberschreitenden Verbund ausgewiesener Schutzgebiete, Biotope und anderer geschützter oder schützenswerter Objekte zu schaffen. Auf europarechtlicher Ebene wurde im jahr 1992 die fauna-florahabitat-richtlinie (ffh) verabschiedet. Sie dient der Erhaltung der natürlichen lebensräume sowie der wildlebenden tiere und Pflanzen.

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LEBENSRAUMVERNETZUNG

Artikel 3 besagt, dass sich die Mitgliedsstaaten bemühen werden, die ökologische Kohärenz von natura 2000 zu verbessern. dies kann durch die Erhaltung und gegebenenfalls die Schaffung der in Artikel 10 genannten landschaftselemente, die von ausschlaggebender Bedeutung für wildlebende tiere und Pflanzen sind, erreicht werden. in Artikel 10 wird ferner festgehalten, dass die angesprochenen landschaftselemente aufgrund ihrer linearen Struktur oder ihrer Vernetzungsfunktion für die Wanderung, die geographische Verbreitung und den genetischen Austausch wildlebender Arten wesentlich sind. die biodiversitätskonvention der Un wurde bereits im jahr 1992 in rio beschlossen und mittlerweile von 168 Staaten unterzeichnet. ihre drei Ziele werden in Artikel 1 wie folgt formuliert: „Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige nutzung ihrer Bestandteile und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus der nutzung der genetischen ressourcen ergebenden Vorteile“. die Vertragsparteien sind unter anderem dahin übereingekommen, dass sie Ökosystemen und lebensräumen, die von wandernden Arten benötigt werden, besondere Beachtung zukommen lassen werden. die biodiversitätsstrategie 2020 der Europäischen Kommission besagt, dass unter anderem der Verlust von natürlichen Habitaten nahezu gegen null gehen muss und deren Verschlechterung und Fragmentierung weitgehend reduziert werden soll. gut vernetzte Schutzgebietssysteme sind zu erhalten und andere Maßnahmen in ein weiteres landschaftliches Feld zu integrieren.

Vernetzungsprojekte in Österreich im Österreichischen raumentwicklungskonzept ÖrEK wird auf eine nachhaltige Freiraumentwicklung verwiesen und im Forstgesetz auf eine lebensraumfunktion, ganz generell. in einigen Bundesländern nimmt man die Probleme der Zerschneidung ernst, wenngleich die Arbeiten zur Vernetzung von lebensräumen auf länderebene unterschiedlich weit gediehen sind. das so genannte „grüne rückgrat kärntens“ stellt beispielsweise einen Biotopverbund dar, der die Vernetzung der Kernlebensräume durch Wildtier- oder lebensraumkorridore gewährleistet. Als Planungsgrundlage werden die Biotopverbund-Unterlagen bereits eingesetzt. Was noch fehlt, ist die rechtliche Verbindlichkeit und somit der funktionelle Schutz der Korridore. in der steiermark wurde im rahmen des Südosteuropa-Projektes nAtrEg sehr ambitioniert an Wildtierkorridoren gearbeitet. Vorangetrieben wurde das Projekt durch die Abteilung 16 des landes, verantwortlich für die landes- und gemeindeentwicklung. die fachliche initiative von Seiten der raumplanung ist besonders wünschenswert, da durch sie die rechtliche Verbindlichkeit von Korridoren per Verordnung als grünzone erwirkt und somit das risiko einer barrierewirksamen nutzung stark minimiert werden konnte. für Oberösterreich hat die landesumweltanwaltschaft eine sehr anschauliche lebensraumvernetzung auf überregionaler Basis ausgearbeitet. durch die Markierung in grün-, gelb- und rot-Zonen werden Korridore in ihrer Wirksamkeit bzw. gefährdung beurteilbar. in salzburg wurden Wildtierkorridore im Auftrag von raumplanung, regionalplanung, naturschutz und jägerschaft für den Pinzgau erstellt. die wesentlichen 30 (von insgesamt 56 ausgewiesenen) Korridore fan-

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„doppel-grünbrücke“ über die A6 und die Begleitstraße. Es zeigt die Problematik von parallel geführter infrastruktur und ihrer Überbrückung. Foto: Fabrice Ottburg/BMVit

MaßnahMen seitens des verkehrsMinisteriuMs Im Jahre 2007 wurde vom Verkehrsministerium (BMVIT) zur Verbesserung der Lebensraumvernetzung an Autobahnen und Schnellstraßen die Richtlinie Wildschutz für verbindlich erklärt (Österr. Forschungsgesellschaft Straße - Schiene - Verkehr 2007). Die Richtlinie besagt, dass an allen Autobahnen und Schnellstraßen sowie Eisenbahnverbindungen, die für Wild eine Vollbarriere darstellen und neu errichtet werden, im Grünland auf zumindest jedem dritten Kilometer eine Querungsmöglichkeit für Wildtiere errichtet werden muss. Die Breite der Querungen aus der Sicht des Wildes reicht in Abhängigkeit ihrer Bedeutung von 25 bis über 80 Meter. Darüber hinaus erging eine Dienstanweisung an die ASFINAG, derzufolge an Bestandesstrecken zwanzig Grünbrücken zur Wiedervernetzung von Lebensräumen bis zum Jahr 2027 zu errichten sind (BMVIT 2006). Vier davon wurden bereits realisiert.

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INFOBOX

LEBENSRAUMVERNETZUNG PrOJekt „lebensrauMvernetzung österreich“ Eine bundesweite Datensammlung findet derzeit im Rahmen des, vom „Ministerium für ein lebenswertes Österreich“ beauftragten Projektes „Lebensraumvernetzung Österreich“ statt. Bearbeitet wird es von Umweltbundesamt und dem „Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft“. Mit Hilfe einer Status-Quo-Erhebung und daraus abzuleitender Handlungsfelder soll das Problem der unterschiedlichen Zugänge in den Ländern und Regionen bearbeitet werden. Das Projekt soll helfen, die Akteure auf dem Gebiet der Lebensraumvernetzung (Land- und Forstwirtschaft, Raumplanung, Naturschutz, Verkehr, Jagd, Wildökologie) zusammenzuführen, um noch verbliebene Möglichkeiten eines vernetzten Lebensraumes gemeinsam zu sichern. Im Projektfokus steht die Aufrechterhaltung von letzten Grünverbindungen in der Landschaft und nicht die Art und Weise der Flächenbewirtschaftung. Wesentlich wird sein, die unterschiedlichen Methoden der Länder und Regionen aufeinander abzustimmen, Lücken im Vernetzungsnetz zu schließen, die Daten gut aufzubereiten und für die allgemeine Nutzung zugänglich zu machen sowie die Öffentlichkeit über die Bedeutung von vernetzten Lebensräumen mit ihren vielfältigen Funktionen für Pflanze, Tier und Mensch zu informieren. Vervollständigt wird das Projekt bis Ende 2015 mit der Datenplattform www.lebensraumvernetzung.at. Hier sind alle bekannten Projekte zum Thema Lebensraumvernetzung zu finden und stehen je nach Verfügbarkeit zum freien Download für alle Planer des Lebensraumes bereit. Das Projekt gilt als eine Umsetzungsmaßnahme der Biodiversitätsstrategie Österreich 2020+. www.lebensraumvernetzung.at

Wildtierkorridor: Die Grünbrücke über die A3 bei Steinbrunn mit Blick auf das Rosaliengebirge liegt am AlpenKarpaten-Korridor. Ein Jahr nach der Fertigstellung nutzt auch das Rotwild die Brücke regelmäßig. Gedacht ist sie jedenfalls auch für Bären, Wölfe und andere wandernde Tierarten. Fotos: gerhard Egger; 4nature/Hubert Heimpel (Bär); WWF/Helmut Klein (Wolf)

den über regionalprogramme Eingang in die raumplanung. Auch für die übrigen Salzburger Bezirke wurden inzwischen grünkorridore erarbeitet. daneben gibt es noch Wildtierkorridore für das burgenland und teilkorridore für die bundesländer niederösterreich (Alpen-KarpatenKorridor, siehe nächster Beitrag) und tirol (Via Claudia Augusta). Alle Korridorplanungen sind jedoch noch Stückwerk auf unterschiedlichem niveau. 

Texte: DI Horst Leitner & Mag. Irene Engelberger & Mag. Daniel Leissing Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft e.U. Anton-Gassner-Weg 3 9020 Klagenfurt am Wörthersee horst.leitner@wildoekologie.at irene.engelberger@wildoekologie.at daniel.leissing@wildoekologie.at

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literaturhinweise AMt dEr SAlZBUrgEr lAndESrEgiErUng 2013: regionalprogramm Pinzgau regionalprogramm rV Oberpinzgau - Ziele, Maßnahmen & Empfehlungen. 34 S. BMlFUW - BUndESMiniStEriUM FÜr lAnd- Und FOrStWirtSCHAFt, UMWElt Und WASSErWirtSCHAFt 2014: Biodiversitäts-Strategie Österreich 2020+. Wien. 48 S. BUndESMiniStEriUM FÜr VErKEHr, innOVAtiOn Und tECHnOlOgiE 2006: dienstanweisung lebensraumvernetzung Wildtiere. gZ. BMVit300.040/0002-ii/St-Alg/2006. FOrStgESEtZ 1975: Bundesgesetz vom 3. juli 1975, mit dem das Forstwesen geregelt wird. gESCHÄFtSStEllE dEr ÖStErrEi-

CHiSCHEn rAUMOrdnUngSKOnFErEnZ (ÖrOK) 2011: Österreichisches raumentwicklungskonzept ÖrEK 2011. Österreichische raumordnungskonferenz, Beschluss vom 4. August 2011 (Schriftliches Verfahren), Wien. 101 S. ÖStErrEiCHiSCHE FOrSCHUngSgESEllSCHAFt StrASSE - SCHiEnE - VErKEHr 2007: rVS 04.03.12 Wildschutz. Bundesministerium für Verkehr, innovation und technologie, Zi. 300.041/0042ii/St-Alg/2007. UMWEltBUndESAMt 2013: Zehnter Umweltkontrollbericht - Umweltsituation in Österreich. reports, Bd. rEP0410, Umweltbundesamt, Wien. Weitere literaturhinweise können bei den Verfassern angefordert werden: www.wildoekologie.at

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Beispiel

der alPen-karPaten kOrridOr Der Alpen-Karpaten-Korridor verbindet überregional die Alpen mit den Karpaten. Zwar schränken Straßen, Siedlungsgebiete und Landwirtschaft seine Durchgängigkeit stark ein. Mit einem umfassenden Projekt ist es jedoch gelungen, dass Wildtiere wieder ungehindert wandern können. VON GERHARD EGGER & SYLVIA HYSEK & FRANZ SUPPAN

or mehr als 20 jahren begann eine intensive diskussion, wie der landschaftsverbund auch im Ballungsraum zwischen Wien und Bratislava erhalten werden kann. der Bau einer grünbrücke über die S4 bei Pöttsching 2006 war die erste konkrete Umsetzungsmaßnahme, die jedoch vorerst nur lokale Wirkung entfaltete. Zwischen 2008 und 2014 wurde dann ein umfassendes, grenzüberschreitendes Projekt zur Sicherung des gesamten Korridors – von den Weißen Karpaten bis zu den Ausläufern der Alpen – durchgeführt. Meilensteine sind die flächenscharfe Abgrenzung des Korridors auf einer Strecke von 150 km, die Planung und der Bau von grünbrücken, der Abbau von Zäunen und die Adaptierung von raumordnungsprogrammen. 2015 erfolgte mit dem Bau der mittlerweile vierten grünbrücke bei Moravský Sv. ján in der Slowakei der lückenschluss. Über die Marchund donau-Auen, das leithagebirge und kleinere trittsteine können Wildtiere sich heute wieder frei zwischen Alpen und Karpaten bewegen. Auf dem Weg von der idee zur Umsetzung mussten etliche Hürden genommen werden.

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Zukünftige Zerschneidungen vermeiden. Ohne die Festlegung des Korridors in den regionalen und örtlichen raumordnungsprogrammen

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sowie die Berücksichtigung beim interessensausgleich in der raumnutzung ist es praktisch unmöglich, überregionale Korridore zu bewahren. Viele Wirtschaftssektoren bestimmen die raumnutzung, unzählige gesetzesmaterien wie das jagdrecht oder das ÖPUl Programm beeinflussen die raumentwicklung. im Alpen-Karpaten-Korridor-Projekt (AKK) wurden deshalb raumplanungsinstrumente genutzt, die eine langfristige, großräumige und sektorenübergreifende Wirkung haben. in der Slowakei sind dies die regionalen raumordnungspläne. diese beeinflussen die konkrete örtliche raumordnung genauso wie etwa Schwerpunktsetzungen in Förderprogrammen. im Burgenland ist der AKK im landesentwicklungskonzept, in niederösterreich im Überörtlichen raumordnungsprogramm verankert. Voraussetzung für die Anwendung ist die entsprechende Kommunikation mit Planern, gemeinden und anderen raumnutzern, sowie die Bereitstellung konsistenter geodaten (z. B. im nÖ Atlas, atlas.noe.gv.at).

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ALPEN-KARPATEN-KORRIDOR

Ausschnitt vom Alpen-KarpatenKorridor – die Aussengrenzen des Korridorverlaufes sind grün strichliert. im Foto oben die A3 mit der Engstelle bei Müllendorf. Fotos: gerhard Egger (3)

Erklärung der gemeinsamen Absicht. der größte Stolperstein bei der Sicherung des AKK liegt jedoch in der natur von netzwerken. die Schwachstellen definieren die Funktionalität des gesamten gebildes. die beste grünbrücke hilft wenig, wenn das Umfeld beispielsweise aufgrund von Wildzäunen unpassierbar ist. diese Abhängigkeit hemmt die sektorenübergreifende Zusammenarbeit. Manchmal ist der Verweis auf die Säumigkeit des nachbarn vielleicht auch nur eine bequeme Ausrede, um unbeliebte Maßnahmen nicht setzen zu müssen. im Alpen-Karpaten-Korridor-Projekt wurde diese Hürde durch die frühzeitige Festlegung und öffentliche Erklärung der gemeinsamen Ziele überwunden. Auf Basis der gemeinsamen Absichtserklärung zur Sicherung des Alpen-Karpaten-Korridors hat jeder Partner und Unterstützer seinen Beitrag geleistet, damit der Korridor heute wieder durchgängig ist. die gründliche Vorbereitung hat sich zweifelsfrei ausgezahlt. 

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Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung zum Schutz des Alpen-Karpaten-Korridors in Pressburg am 30. 1. 2012 mit den „symbolischen“ Pässen von Hirsch und luchs: die slowakischen Minister jàn Figel (Mitte) und józsef nagy (4. v. l.), die Vertreter der nÖ landesregierung, lr Stephan Pernkopf (Mi. r.) und lr Karl Wilfling (3. v. l.) sowie Vertreter der ASFinAg und der slowakischen Autobahngesellschaft ndS.

Text: DI Gerhard Egger, WWF &DI Sylvia Hysek, Weinviertel Management &Mag. Franz Suppan, Universität für Bodenkultur/Inst. für Vermessung, Fernerkundung und Landinformation gerhard.egger@wwf.at, franz.suppan@boku.ac.at sylvia.hysek@euregio-weinviertel.eu

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Fotos: nationalpark Kalkalpen/Erich Mayrhofer; Science Vision (luchs)

beispiel

netzWerk naturWald: lebensräuMe verbinden – geMeinsaM Wege finden

Von Schutzgebiet zu Schutzgebiet, vom OÖ Schieferstein bis zum NÖ Ötscher können Luchs & Co künftig ihre Fährten ziehen.

Das Netzwerk Naturwald ist ein innovativer Schutzgebietsverbund in den Nördlichen Kalkalpen. Drei Bundesländer werden über einen Trittsteinkorridor vernetzt. chutzgebiete wie die international anerkannten nationalparks Kalkalpen (OÖ), gesäuse (Stmk.) und das Wildnisgebiet dürrenstein (nÖ) beweisen den großartigen reichtum an naturschätzen im Bereich der nördlichen Kalkalpen. diese haben sich im netzwerk naturwald zusammengeschlossen und die Vorreiterrolle zu Arbeiten an einem regionalen Schutzgebietsverbund übernommen. So wurde in den vergangenen jahren in umfangreichen Arbeiten die Vernetzung der Kernlebensräume durch einen trittstein-Korridor konzipiert und mittlerweile auch schon mit der Umsetzung begonnen. das innovative Konzept soll die langfristige Vernetzung der Schutzgebiete durch die Sicherung einzelner ausgewählter hochwertiger trittsteinbiotope erhalten. dazu wurde die Vernetzungsfunktion der einzelnen potenziellen trittsteinflächen untersucht und damit eine Prioritätenreihung vorgenommen. in einem Planungskonzept wurde die naturschutzfachliche Planung veröffentlicht und auch das Potenzial dieser region für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der region aufgezeigt. Auch bei der Umsetzung geht das netzwerk naturwald neue innovative Wege. So wurden mittlerweile drei prioritäre trittsteinflächen von insgesamt rund 150 ha dauerhaft aus der forstwirt-

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schaftlichen nutzung genommen und der natur überlassen. gemeinsam mit den Steiermärkischen landesforsten und den Österreichischen Bundesforsten – beide sind wichtige Partner im netzwerk naturwald – konnte dies im Wege des Vertragsnaturschutzes erreicht werden. initiiert und überwiegend finanziert wurden die Arbeiten von der Schweizer Privatstiftung „MAVA Fondation pour la nature“, die auf die außergewöhnliche Biodiversität in diesem gebiet aufmerksam wurde. neben der schrittweisen Umsetzung des Schutzgebietsverbundes wird weiter daran gearbeitet, den Verantwortungsträgern und der regionalen Bevölkerung die naturräumliche Besonderheit bewusst zu machen und sie zu überzeugen, dass der Erhalt der Arten- und lebensraumvielfalt die größte Chance für die region bietet und gemeinsam auch entsprechend in Wert gesetzt werden kann. „gezielt schützen und klug nützen!“ sollte das Motto dafür lauten. 

Text: Mag. Christoph Nitsch, Netzwerk Naturwald Nationalpark OÖ Kalkalpen GmbH, Nationalpark Zentrum, 4591 Molln, christoph.nitsch@kalkalpen.at T +43(0)7584/39 51-234, +43(0)664/88 34-2360 www.netzwerk-naturwald.at

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die Bedeutung von trittsteinbiotopen, wie dieses inmitten einer Ackerlandschaft, Vorbehaltsflächen für Wildtierkorridore oder Vorrangflächen für Hochwässer werden vielfach unterschätzt.

Die örtliche Raumplanung hat die Aufgabe eine zukünftige Nutzung für bestimmte Flächen eines Gemeindegebietes im Flächenwidmungsplan festzulegen. Bei „überörtlichem“ Interesse wie etwa ökologischen Gründen kann die „überörtliche Raumplanung“ die Entscheidungsfreiheit der Gemeinde einschränken. Festgelegte Vorrang- und Vorbehaltsflächen spielen dabei eine wichtige Rolle. Dies wird besonders vonseiten der Landwirtschaft als Eingriff in das Privateigentum gesehen. VON FRANZ DOLLINGER

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it dem Flächenwidmungsplan werden jedoch nur die zukünftigen nutzungsmöglichkeiten des grundstückseigentümers eingeschränkt. Aktuelle nutzungen können unverändert beibehalten werden. diese tatsache rückt im Unterschied zu vielen naturschutzrechtlichen Festlegungen die grundeigentümer in eine für sie sehr angenehme lage: Wenn eine gemeinde ein landwirtschaftlich genutztes grundstück in Bauland umwidmet, kann der Eigentümer das grundstück weiter nutzen und trotzdem die Wertsteigerung in Form eines Hypothekardarlehens lukrieren . im idealfall (für die Eigentümer) kann er seine Baulandreserven je nach jährlichem geldbedarf parzellenweise verscherbeln. Erst ein zukünftiger Eigentümer wäre an die getroffene nutzungsfestlegung gebunden und das auch nur dann, wenn er dort ein Bauwerk errichten möchte. die „überörtliche raumplanung“ kann die Entscheidungsfreiheit der gemeinde allerdings dann einschränken, wenn es aus überörtlichem interesse her geboten ist (z. B. zur Sicherung von rohstoffreserven, zum Schutz vor naturgefahren, zur Freihaltung unbebauter Korridore aus landschaftsästhetischen oder lufthygienischen gründen). Aus diesem grunde ist die Festlegung von Vorrang- und Vorbehaltsflächen mit überörtlicher Begründung die einzige wirksame Möglichkeit zur Freiraumsicherung. dabei kann die landesregierung durch die Erlassung eines überörtlichen raumordnungsprogramms (Entwicklungsprogramm nach dem Salzburger rOg 2009) zum Beispiel eine überörtliche Siedlungsgrenze einziehen, bestimmte nutzungen aus bestimmten Flächen ausschließen (=Vorbehaltsfläche) oder auch eine vorrangige nutzung durchsetzen (=Vorrangfläche). Verfassungsrechtlich ist eine Begründung mit fachlicher Analyse für die Festlegung notwendig. leider werden diese Festlegungen von den landwirten und deren regionalen politischen Vertretern als Eingriff in das Privateigentum missverstanden. Hier zeichnet sich allerdings ein Wertewandel von „oben“ ab: die Präsidialkonferenz der landwirtschaftskammern kooperiert mit der Versicherungswirtschaft gegen den aktuellen Verlust landwirtschaftlicher Böden und fordert in der Bodencharta 2014 einen nachhaltigen Schutz der ressource Boden (siehe Seite 27).

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Foto: gerhard Egger

ÖKOLOGIE UND NATURSCHUTZ IN DER RAUMPLANUNG


ÖKOLOGIE IN DER RAUMPLANUNG

stellenWert vOn naturschutz und ökOlOgie in dEr rAUMPlAnUng An MEHrErEn BEiSPiElEn Welchen Stellenwert Naturschutz und Ökologie in der Raumplanung haben, wird spätestens dann klar, wenn es darum geht neue Betriebsflächen oder Erweiterungen für einflussreiche Wirtschaftstreibende zu schaffen. Hier einige Beispiele, positive wie negative.

 autOs statt auWald betriebserWeiterung in der salzachau ie Firmen MACO und Porsche haben in der nachkriegszeit ihre Firmensitze im Auengebiet an der Alpenstraße in Salzburg errichtet. die Umgebung wurde landschaftsschutzgebiet „Salzburg Süd“, nördlich von MACO grenzt ein geschützter landschaftsteil an. diese rahmenbedingungen sind aus Sicht einer geordneten raumplanung denkbar schlechte Voraussetzungen für Betriebserweiterungen. Mit EU-Beitritt kamen noch weitere Hemmnisse aufgrund von verschärften Biotop- und Artenschutzbestimmungen hinzu, die einer Firmenexpansion im Wege stehen. dennoch wurde mit politischem druck und trickreichem Vorgehen die Erweiterung vorangetrieben. Annähernd 10 jahre lang drängten die Betriebe MACO und Porsche in fast erpresserischer Art – unter drohung von Betriebsabsiedelungen und/ oder Abbau von Arbeitsplätzen – darauf, einen teil des Auwaldes südlich der Stadt Salzburg zu roden und im ehemaligen landschaftsschutzgebiet Parkplätze und gebäude zu errichten. Einem teil des Areals wurde ja zu diesem Zweck von der Politik bereits „vorsorglich“ – um das Vorhaben leichter durchsetzbar zu machen – der Status als landschaftsschutzgebiet entzogen. Kompromissvorschläge wie z. B. eine bessere raumnutzung der beste-

Betriebsansiedlungen mitten im Auwald wie jene von Maco und Porsche gehören zu den „Sünden“ einstiger raumordnungspolitik.

Foto: Wolfgang Weber

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henden Betriebsareale scheitern am sturen Festhalten der Politik sowie der Firmen Porsche und MACO an ihren veralteten Konzepten. Stellplätze für Autos statt für Bäume im Auwald ist ihre devise. Umweltanwaltschaft, naturschutzbund, einzelne Politiker und Vertreter von Behörden versuchen beharrlich, die geplante naturzerstörung hintan zu halten. Auch die „Aktion grünland“ hatte sich bereits im Zuge der Bürgerabstimmung zur grünlanddeklaration um den Erhalt des Schutzgebietes bemüht, ebenso war das Vorhaben ein Fall für den Volksanwalt und den Bürgeranwalt. noch vor Wochen hatte der landesumweltanwalt wegen einer Verlängerung einer rodungsbewilligung (sie war abgelaufen) den Verdacht des Amtsmissbrauchs geäußert. Ende Oktober d. j. hat er nun im Alleingang einem fragwürdigen „Kompromiss“ zugestimmt und das alles mit einem Schlag

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zunichte gemacht: die Firma MACO braucht nur auf einen Bruchteil der gesamterweiterungsfläche zu verzichten. Es ist davon auszugehen, dass der gesinnungswandel des landesumweltanwaltes unter massivem politischem druck erfolgt ist, obwohl die Unabhängigkeit und Weisungsfreiheit im lUA-gesetz festgeschrieben ist. die lUA wurde seitens der Politik schon seit jahren finanziell und personell ausgehungert. die Vermutung liegt nahe, dass über die lUA das damoklesschwert einer weiteren Verkleinerung gehängt wurde. damit stünde sie am Scheideweg: Entweder erfüllt sie konsequent weiter die ihr eigentlich zugedachte Aufgabe, engagierter Anwalt von natur und Umwelt zu sein, oder sich in ein Schicksal zu ergeben, welches sie zum zahnlosen Widerpart wirtschaftlicher interessen macht. die lUA hat im Kampf um die südliche Salzachau

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ÖKOLOGIE IN DER RAUMPLANUNG

vorzeitig die rechtlichen Waffen gestreckt. das ist eine Einladung an alle Projektwerber, sich über politische Hintertürchen nicht ihr recht, aber ihre wirtschaftlichen interessen zu sichern und sich ihr Wunschkonzert politisch durchwinken zu lassen. nun wurde bereits damit begonnen, Bäume im Auwald nördlich der

Firma MACO zu fällen und Fakten zu schaffen, die rodung des Areals und die Bodenversiegelung stehen bevor. der naturschutzbund Salzburg hat daraufhin abermals die Volksanwaltschaft eingeschaltet und sie ersucht, den Fall zu prüfen, bis hin zum Vorwurf des möglichen Amtsmissbrauches in diesem Verfahren. 

Text: Dr. Hannes Augustin, GF Naturschutzbund Salzburg salzburg@naturschutzbund.at Infos: www.lua-sbg.at/archiv/items/ maco-porsche-faktencheck.html

Oberösterreich: betriebsflächenerWeiterung auf WildtierkOrridOr

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Selbst die wenigen lebensnotwendigen Wanderrouten werden den Wildtieren seitens der Wirtschaft streitig gemacht.

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Studie „Wildtierkorridore in Oberösterreich“ bekannt hat und davon nunmehr anscheinend nichts mehr wissen will. in der Studie wurden die notwendigen Freiräume für weit wandernde und an großflächige Waldlebensräume gebundene großsäuger ermittelt. das Hauptaugenmerk galt dabei der Sicherstellung der lebensraumvernetzung der großen Waldgebiete im Böhmischen Massiv mit jenen in den Alpen. denn das zwischen diesen großlebensräumen liegende Alpenvorland ist geprägt von intensiver landnutzung, starker Zersiedlung und durch Verkehrswege. Hier wurden daher jene noch geeigneten Verbindungsachsen als Wildtierkorrido-

Karte: Oö. Umweltanwaltschaft, land Oberösterreich - data.ooe.gv.at

in grieskirchner landmaschinenerzeuger beabsichtigt die Errichtung einer knapp 20 ha großen Produktionsstätte im Zentrum eines überregional bedeutsamen Wildtierkorridors (Pfeil). dieser Umstand beeindruckt weder die gemeinde noch die Aufsichtsbehörde oder den politischen raumordnungsreferenten. letzterer teilt sogar offen mit, im Falle negativer naturschutzfachlicher gutachten eine Weisung erteilen zu wollen, um die Betriebsbaugebietswidmung zu ermöglichen. Bemerkenswert an dieser Ankündigung ist, dass sich die landespolitik noch im jahr 2012 zur lebensraumvernetzung und zu der in diesem Kontext auf breiter Basis erstellten

re ausgewiesen, die mit einem Minimum an Aufwand die Sicherstellung eines überregionalen Biotopverbundes ermöglichen. die Studie umfasst weiter eine auf die lokale Ebene heruntergebrochene Konfliktanalyse des ist-Zustands sowie die Ausarbeitung von Maßnahmen zur Sicherung bzw. Wiederherstellung der Korridorfunktion. Bisher konnte auf die Ergebnisse der Studie als landesweite Planungsund Entscheidungsgrundlage und zur Vermeidung von Konfliktsituationen immer wieder erfolgreich zurückgegriffen und lösungen im Konsens erarbeitet werden. im aktuellen Fall in grieskirchen stellt eine naturschutzfachlich vertretbare lösung nur das Abrücken auf einen Alternativstandort dar. der Zustand des Korridors am derzeit geplanten Standort ist äußerst schlecht. Eine Baulandverdichtung wäre kontraproduktiv, empfohlen wurden vielmehr Maßnahmen zur Aufwertung der Korridorfunktion. doch anstatt sich dieser Empfehlungen anzunehmen, wird die in Fachkreisen über die landesgrenzen hinaus anerkannte Studie ins lächerliche gezogen, stichhaltige naturschutzaspekte werden mit Polemik abgetan und gegen den landesumweltanwalt werden schwere geschütze aufgefahren. Politik und Wirtschaft verbünden sich und rufen medial geschickt inszeniert das duell luchs gegen Arbeitsplätze aus, um sich dann selbst die fadenscheinige Frage zu stellen, wer oder was denn wohl wichtiger sei? dass auch beides

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STELLENWERT DES NATURSCHUTZES

möglich wäre, also sowohl die Schaffung von Arbeitsplätzen als auch die Sicherstellung der Wildtierkorridore, wird unter den tisch gekehrt. Es scheint vielmehr so, als dass man den naturschützern zeigen will, wer hier das Sagen hat und nicht daran denkt, vom Wildtierkorridor abzurücken und auf einen Alternativstandort zu wechseln. Zwei Aspekte sind für die lebensraumvernetzung in Kulturlandschaften von Bedeutung: die Möglichkeit zur Überwindung bestehender Barrieren und die Freihaltung vor weiterer Verbauung. Wildtierkorridore fungieren dann nicht nur als Ausbreitungsachse, sondern haben multifunktionale Bedeutung und bieten die Mög-

lichkeit der räumlichen trennung von unterschiedlichen raumnutzungsformen. die unverbauten räume sind wichtige naherholungsgebiete und ein garant für lebensqualität. Bürger in St. georgen bei grieskirchen haben das erkannt und mangels politischer Unterstützung gegen den geplanten Produktionsbetrieb eine eigene Partei gegründet, die bei den letzten gemeinderatswahlen einen ansehnlichen Erfolg feiern konnte. noch ist keine Umwidmung von grünlandflächen erfolgt und es bleibt die kleine Hoffnung auf eine glückliche Wendung. Mit einer aufsichtsbehördlichen genehmigung durch die Abteilung raumordnung würde das land Oberösterreich nach Ansicht der

naturschützer gegen gemeinschaftsrechtliche Bestimmungen der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie verstoßen. der naturschutzbund OÖ sah sich in diesem Fall gezwungen, gemeinsam mit anderen naturschutzorganisationen im november d. j. eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission einzubringen, damit nicht mit einem Schlag alle bisherigen Bemühungen umsonst gewesen sind und künftige Planungen wie die Errichtung einer grünbrücke über die innkreisautobahn hochgradig gefährdet werden. 

„blauzOne rheintal“ – freiflächen für hOchWasser

Text: Ingrid Hagenstein

Vor zwei Jahren hat das Land Vorarlberg per Verordnung beschlossen, im Rheintal überörtliche Freiflächen festzulegen, die dem Schutz vor Hochwasser dienen. Umwidmungen sind dabei notwendig. iel des im dezember 2013 beschlossenen landesraumplans „Blauzone rheintal“ ist es, aus schutzwasserwirtschaftlicher Sicht erforderliche und zusammenhängende Freiflächen langfristig zu sichern. Zur Vermeidung neuer isolierter baulicher Entwicklungen ist als Maßnahme vorgesehen, dass die als Blauzone ausgewiesenen Flächen von den gemeinden als Freifläche-Freihaltegebiet gewidmet werden müssen und somit von einer Bebauung freizuhalten sind. Ausgenommen davon sind Flächen für bestehende landund forstwirtschaftliche Anlagen, in deren räumlichem naheverhältnis (Hofverband) eine Weiterentwicklungsmöglichkeit vorgesehen ist. Auch bestehende anderweitige Widmungen, wie z. B. Sondergebiete, Verkehrs- und Vorbehaltsflächen bleiben davon unberührt. die „Blauzone rheintal“ betrifft insgesamt 22 gemeinden von Bregenz bis Feldkirch und umfasst 5.438,7 ha. Sie schließt sowohl Flächen ein, die nach derzeitigen Berechnungen tatsächlich überflutet (bis HQ 300) werden, als auch Flächen, die für künftige schutzwasserbauliche Maßnahmen von Bedeutung sein können. Über 90 % der Flächen befinden sich auch in der „landesgrünzone“, das sind überörtliche Freiflächen in den talsohlen von rheintal und Walgau, die schon 1977 verordnet worden waren. die Feldkircher Stadtvertretung hat im juli 2014 begonnen, den Flächenwidmungsplan der gemeinde dahingehend anzupassen und betroffene Flächen von einer „Freifläche – landwirtschaftsgebiet“ in eine „Freifläche – Freihaltegebiet“ umzuwidmen. HA

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infos und Plan: https://www.vorarlberg.at/pdf/blauzonerheintal-erlaeute.pdf Quelle: www.feldkirch.at/rathaus/stadtplanung/projekte/blauzonenplan-bedingt-umwidmungen

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ÖKOLOGIE IN DER RAUMPLANUNG

auenstrategie für österreich

Auen befinden sich heute in den Spannungs- und Schnittfeldern verschiedenster gesellschaftlicher Ansprüche und Interessen. amit ist der mittlerweile enorm gestiegene Flächenbedarf für Siedlungen sowie für wirtschaftliche und technische infrastrukturen angesprochen. Umgekehrt nehmen, nicht zuletzt auch infolge dieser Flächeninanspruchnahme, Anforderungen an den Hochwasserschutz zu. Hinzu kommt die unbestritten notwendige Erhaltung der ökologischen Funktionsfähigkeit der gewässer und wasserabhängigen Ökosysteme wie auch der „dienstleistungen“, die sie erbringen. So geben verschiedene europäische richtlinien die Erhaltung oder Erreichung eines günstigen Erhaltungszustandes für die gewässer sowie bestimmter naturnaher lebensräume und Arten vor. die nationale und europäische Biodiversitätsstrategie wiederum stehen in Kontext zu einem demgegenüber anhaltenden Verlust von tier- und Pflanzenarten und ihrer lebensräume. Aber nicht nur der raum, den intakte Auen heute einnehmen, ist geringer geworden, sondern auch der raum in dem sie liegen. da in den intensiv genutzten tallagen und den urban-wirtschaftlichen gunstlagen im Flachland der druck auf grüne infrastrukturen und ökologische Ausgleichsflächen hoch ist, sind die Möglichkeiten, solche wiederherzustellen bzw. zu entwickeln, sehr eingeschränkt.

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Wichtige raumordnungsbezogene Elemente der Auenstrategie ≈ hochwasserschutzplanung und -umsetzung: Bestehende naturnahe Auen und Überflutungsräume schützen und sichern, Bereitstellung von Flächen für den Hochwasserschutz ≈ bedürfnisse des hochwasserschutzes in die raumplanung integrieren, strategische Anwendung des instruments grundumlegung/Flurbereinigung ≈ berücksichtigung von auen in anderen strategien z. B. in der natura-2000-Managementplanung, der Hochwasserrisikoplanung, in wasserwirtschaftlichen Planungen, in der raumplanung, im Wald-dialog ≈ schaffung „grüner infrastruktur“ entlang von flüssen: Erhaltung angrenzender Auen und ökologisch wertvoller (Hang-)Wälder ≈ flächen ablösen und freihalten sensibler flussgebiete von neuen infrastrukturen ≈ flüssen mehr raum geben und, wenn möglich, verlorene Flächen renaturieren ≈ Wiederherstellung und Optimierung der natürlichen dynamik ≈ bewusstsein und Wertschätzung für auen schaffen: v. a. Auen vor Ort erlebbar machen ≈ verbesserung der ökologischen vernetzung längs der gewässer ≈ verstärkte zusammenarbeit an grenzflüssen z. B. durch gemeinsame EU-Projekte

Auenlandschaften: Enormes Potenzial für Hochwasserschutz und Artenvielfalt. 85 % der ursprünglichen Auen in Österreich sind jedoch in den letzten 60 jahren verschwunden. Um die noch verbliebenen 15 % Auenflächen zu erhalten, wurde 2015 eine öster-

reichweite Auenstrategie von Bund und ländern erarbeitet und beschlossen. der naturschutzbund war gemeinsam mit den Büros lazowski und Fluvius an dem lE-Projekt (EU, Bund, länder) unter der leitung der Arge nAtUrSCHUtZ maßgeblich beteiligt. Erstmals wurden Ziele,

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STELLENWERT DES NATURSCHUTZES

Prioritäten und Vorgehensweisen länderübergreifend vereinbart. die Vernetzung einzelner länderkonzepte und Strategien soll eine Bundesländer übergreifende Zusammenarbeit und damit den Erfolg der Anstrengungen sichern. Expertinnen und Experten für Auen definierten dabei Ziele, Prinzipien, Maßnahmen

sowie Wege für eine langfristige Sicherung der heimischen Auen und Flusslandschaften. in den nächsten jahren soll diese Strategie in Zusammenarbeit mit den Betroffenen partnerschaftlich umgesetzt werden. 

„auenstrategie für österreich 2020+“ TB Lazowski, TB Fluvius, Arge NATURSCHUTZ; Naturschutzbund Österreich, BMLFUW (Hrsg. und Medieninhaber), 2015 Wien, 24 Seiten

Der Kamp bei Hausbach. Bei Rosenburg droht ihm eine schwere Zerstörung. www.lebendiger-kamp.at

AUENSTRATEGIE FÜR ÖSTERREICH 2020+

Foto: Alexander Schneider

Zum Download: www.bmlfuw.gv.at/publikationen/wasser/Auenstrategie-fuer-Oesterreich.html. Auf Wunsch versendet das BMLFUW auch ein gedrucktes Exemplar. Bestellungen gerhard.schwach@bmlfuw.gv.at

BliCK ZUM nACHBArn dEUtSCHlAnd

DAS ÖKOKONTO - EIN VORSORGEINSTRUMENT DER GEMEINDEN Das Ökokonto ist ein Instrument zur Bevorratung künftig erforderlicher Ausgleichsflächen und -maßnahmen und gibt es bei unseren Nachbarn seit etwa 1998. Im Rahmen eines Ökokontos können Gemeinden bereits vor der Planung von Baugebieten Ausgleichsmaßnahmen durchführen und diese später refinanzieren. In der Bebauungsplanung kann die Gemeinde dann auf die Flächen des Ökokontos zurückgreifen und den aktuellen Bedarf „abbuchen“. Welche Anforderung werden an Ausgleichsflächen und -maßnahmen gestellt? Die Flächen müssen ökologisch aufwertbar sein. Die Flächen dürfen nicht bereits Ausgleichsflächen sein oder durch andere Eingriffe bedroht werden. Diese frühzeitige und aktive Bevorratung trägt dazu bei, die Kosten für den Ausgleich zu senken. Sie erleichtert auch die Anwendung der Eingriffsregelung. Besonders empfehlenswert ist ein Ökokonto in Kommunen mit einer dynamischen baulichen Entwicklung, in Gebieten mit hohen Bodenpreisen oder Knappheit an geeigneten Ausgleichsflächen. Die entstehenden Kosten zum Beispiel für Planung, Grunderwerb und Herstellung der Maßnahme bis zum Erreichen der angestrebten ökologischen Funktion können refinanziert werden. HA Quellen: www.stmuv.bayern.de/umwelt/naturschutz/oekokonto Infos: www.lfu.bayern.de/natur/oekokonto/index.htm www.bund-bawue.de (Pressemitteilung 30.03.2011) | https://de.wikipedia.org/wiki/ökokonto

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THEMA

VON WERNER GAMERITH

WIE RETTEN WIR DIE VIELFALT IN DER NATUR? Foto: Werner gamerith

Trotz internationaler Konferenzen und zahlloser Sonntagsreden schwindet der natürliche Reichtum. Tropische Wälder weichen industriellen Monokulturen. Wildnisreste werden in unserer Kulturlandschaft zugunsten einer chemiegestützten Pflanzenproduktion und anderer einseitiger Nutzungen verdrängt. Sogar verordnete Natura 2000-, Natur- und Landschaftsschutzgebiete werden durch Straßenbauten für eine forstliche oder touristische Intensivierung erschlossen. Vom Lebensministerium ausgewiesene „Flussheiligtümer“ werden ungeniert für Kraftwerke verplant, wie derzeit an Sulm oder Kamp.

Visionen eines Naturschutzpreisträgers as können wir der Stumpfheit und gier entgegensetzen, die letztlich hinter der naturzerstörung stehen? Seit vielen jahren wissen wir, dass unser Wirtschaftssystem nicht nur Armut erzeugt, sondern auch lebenserhaltende Systeme unseres Planeten überlastet. der Schwund von Vielfalt und Schönheit in der natur ist eine Folge davon und ruft wache Menschen zum Widerstand auf. nur durch zivilen Widerstand werden zerstörerische Vorhaben manchmal verhindert. Auch die geschichte vieler nationalparks begann mit der Abwehr geplanter Kraftwerke. Erst bei einer Bedrohung von naturjuwelen wird vielen Menschen der Wert solcher lebensräume wirklich bewusst. Und der geht über messbare leistungen für landschaft, Boden, Klima und Erholung weit hinaus. denn die Schönheit des natürlich gewordenen und gewachsenen – eines wilden Flusses, eines naturwalds, einer seltenen Art – macht uns einfach glücklich. Wir spüren, dass wir sie brauchen und dass es ein Fehler ist, sie für schnelles geld unwiederbringlich zu opfern.

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Technokratisch eingestellten Menschen sind solche gefühle ver-

Ziviler Widerstand gegen ein Kraftwerk in den donau-Auen bei Hainburg 1984 – der Autor (r.) mit Friedensreich Hundertwasser

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dächtig, sie verdrängen sie bei sich selber und werten sie bei anderen als sentimental und irrational ab. Bereits vor 30 jahren hat Horst Stern zu mehr Mut zur Emotion aufgerufen. gefühle sind nicht nur ein wesentlicher teil des Menschen, sondern auch unserer Wahrnehmung. Wie verbreitet die Kopflastigkeit ist, zeigen quantifizierende Studien, mittels derer die Heilwirkung von naturkontakten belegt wird. das ist so, wie wenn die liebe zwischen Menschen erst durch die Messung von glückshormonen und anderen Parametern glaubhaft würde. die moderne Wissenschaft hat in ungeahntem Maß unser Weltbild erweitert und verfeinert. Es droht aber auch seine Verengung, wenn wir andere Fenster zur Wirklichkeit verschließen. Wir erfahren die Welt zuerst durch eigenes Erleben, das neben geist und Sinnen auch unser gemüt bewegt – erst danach in Schulstunden und lehrbüchern. Herausragende Werke der dichtung, der Malerei oder Musik, die großartigen Bilder und gleichnisse der religionen verweisen uns auf Fragen und geheimnisse, welche die Wissenschaft nicht sieht. Auch intensive Begegnungen mit der natur können uns auf viel tieferen Ebenen berühren und wachsen lassen, als alle gelehrsamkeit.

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der Begriff „tiefenökologie“ meint ein Bewusstsein unseres Verbundenseins mit der Biosphäre, das über den Verstand hinaus auch gefühl und Spiritualität erfasst. langfristig wird nur eine solche, alle Schichten unseres Wesens durchdringende Einsicht jene Solidarität mit unseren Mitgeschöpfen ermöglichen, die wir zum Frieden mit der uns erhaltenden natur benötigen. Meine Hoffnung sind naturverbundene Menschen, welche wissen, dass wir nicht außerhalb stehen, sondern teil eines großartigen ganzen sind.

Zahlreiche Organisationen arbeiten für die Erhaltung von lebensräumen, für eine gerechtere, menschlichere, zukunftsfähige Welt – und streuen Sand ins getriebe der gewinnmaximierer. immer mehr Menschen bevorzugen regionale, biologische und zu fairen Bedingungen erzeugte Waren und fördern damit ihre gesundheit wie auch gesunde wirtschaftliche Alternativen. das ständig steigende interesse an naturkundlichen Exkursionen, Meditationen im Freien und anderen Formen der naturerfahrung signalisiert eine gegenbewegung zur bedauerlichen naturentfremdung. Mehr Ökologie in der raumordnung, Schutzgebiete, naturschutzbundProjekte wie „natur freikaufen“ und „grünes Band Europa“, giftfreie Verfahren und andere techniken zum Schutz der Umwelt, kritischer Konsum und weniger Verschwendung sind wichtige Schritte. Freilanderhebungen von Fauna und Flora verdienen vermehrte Förderung, denn sie dokumentieren den Zustand der lebensräume. das alles geschieht aber bislang nicht ausreichend, weil die Bedeutung der Biodiversität für leib und Seele von zu Vielen noch zu wenig verstanden wird. der niedergang von Arten und der Zerfall von Ökosystemen sind keineswegs beendet.

Wir müssen uns vom selbstzerstörerischen Wahn, die Biosphäre beherrschen zu wollen, befreien. Wer sein glück in menschlichen Werten und der Schönheit dieser Welt statt in geld und Konsum sucht, ist auf einem guten Weg. nicht nur der äußere raum bedarf einer bewussteren Ordnung, sondern auch der geistig-seelische raum in jedem von uns und die Zielsetzung unserer gesellschaft. das mag utopisch klingen. Aber Visionen stehen immer am Anfang. Erst sie schenken uns die Kraft uns und unser System zu ändern. 

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Auf Bäume kraxeln, in der Au herumstreunen, eigene naturerfahrungen sammeln – das hat für Kinder heute Seltenheitswert. in ihrem Wohnumfeld ist meist alles verbaut, von Straßen zerschnitten, kaum mehr ein Flecken ungenutzt. Wir alle brauchen hier ein Umdenken: Wenn unverbautes land, naturflächen einen höheren Stellenwert bekommen, dann investiert die gesellschaft in ihre Zukunft.

Text: DI Werner Gamerith, Naturgartenexperte, Naturfotograf und Autor gamerithwerner@gmail.com


dr. uhu ...  



 

 



   





 

 















 

 



     

  

Erkennst du, welcher Boden gemeint ist? Kathi RENDZINA 



 



 

  







 



 

 





  

 

 



Nassfuss GLEY 

Petra RANKER







 

Bruno BRAUNERDE  

 

 

 

 







 

 



 



 

 

 

 

  



 

 







 

 

 





 



   













 











  

 

 





  











 





 





 

























 

  





 








Boden ist Leben!  

 













JUGENDSEITE



  





    

 

  









  

 





















 



 











Versuche, die Worte richtig einzusetzen!  





 





 







 



 















 



 













 



fruchtbar – Humus – Jungen – Karotten – Knollen – Maulwurf – Tastsinn – Tausendfüßer – Totengräber











Lösungsworte:



 

























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BUCHTIPPS – BUCHHANDEL Sylvia Hamberger & Axel Doering

Der gekaufteWinter Winter der gekaufte EineBilanzderkünstlichenBeschneiungindenAlpen

jahrbuch raumplanung 2014

der gekaufte Winter

Zahlen - Daten - Fakten

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Das Jahrbuch Raumplanung 2014 ist der zweite Band der nunmehr jährlich erscheinenden Schriftenreihe des Dep. für Raumplanung der TU Wien. Aktuelle Forschungsund Planungsansätze werden vorgestellt und in ihrem Bezug zur Praxis diskutiert. Im aktuellen Band bildet der Alpenraum den Fokus. Wichtigen Fragen geben die Beiträge Antworten: Ist für die Windenergienutzung Platz im Alpenraum? Ist Raumplanung ein Wachstumsregulator in alpinen Tourismusgemeinden? Jens S. Dangschat/Michael Getzner/Markus Haslinger/Sibylla Zech (Hrsg.). Band 2, TU Wien, NW-Verlag, 176 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-7083-1010-7, EUR 38,80

Eine Bilanz der künstlichen Beschneiung in den (Bayerischen) Alpen

Die Studie beschreibt anhand von Dokumenten, Daten und Beispielen, wie der Industriekomplex „Kunstschnee“ funktioniert, wer zahlt und wer verdient. Das Ausmaß der künstlichen Beschneiung in den Alpen, der Energie- und Wasserverbrauch werden mit neuen Fakten belegt. Ein Kapitel widmet sich dem Ausbau mit Beschneiung in bayerischen Skigebieten. Gratis Download: www.goef.de/kunstschnee Gesellsch. für ökologische Forschung e.V. Frohschammerstr. 14, D-80807 München, T+49 (0)89/359 85 86, F+49 (0)89/359 66 22, nfo@goef.de

gehen uns bald die ackerflächen aus? Die Landwirtschaft verliert an Produktionsmöglichkeiten. Das stellt sie vor ein schwerwiegendes Problem, denn alle Prognosen zum Thema Welternährung haben eines gemeinsam: Die Landwirtschaft muss in Zukunft noch viel mehr Lebensmittel produzieren, um den steigenden Bedarf aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und des höheren Wohlstands zu decken. Die Vergeudung von Grund und Boden stellt das infrage. Österreichische Jungbauernschaft – Bauernbund – Bauernbund Gratis Dowonload: www.salzburg.gv.at/ broschuere_bodenverbauung_web.pdf

aus kontrolliertem raubbau Karl Ludwig Schweisfurth

der Metzger, der kein fleisch mehr isst Früher galten sie als Sonderlinge, heute ist es „cool“, sich fleischlos zu ernähren. Vegetarier leben angeblich nicht nur gesünder, sie setzen auch ein Signal gegen die Massentierhaltung. Das tut auch der Autor – aber anders: Im vorliegenden Buch schildert er seinen Lebensweg vom Großmetzger zum Biobauern. Europas ehemals größter Fleischwarenfabrikant zeigt eindrücklich auf, dass Fleischkonsum auch ohne Reue möglich ist – nämlich immer dann, wenn wir weniger, dafür aber qualitativ hochwertiges Fleisch verzehren, wenn wir die Tiere in ihren Bedürfnissen achten und sie artgerecht halten. oekom verlag München, 208 Seiten, ISBN 13-978-3-86581-470-8, EUR 19,95

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Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren Alle Hoffnungen ruhen auf der Green Economy. Subventioniert von der Politik, unterstützt von Umwelt-NGOs, „nachhaltigkeitsgepriesen“. Doch auch der Rohstoffhunger des grünen Kapitalismus ist riesig: Selbst für nachhaltiges Palmöl, das in Biodiesel und Fertigprodukten steckt, werden Regenwälder gerodet und Menschen vertrieben, wie Kathrin Hartmann in aufrüttelnden Reportagen aus Indonesien zeigt. Eine schonungslose Abrechnung mit der Illusion des grünen Wachstums, dem Zynismus von Wirtschaft, Politik und NGOs und unserem verschwenderischen Lebensstil. Blessing Verlag, 448 Seiten, ISBN 978 3 89667 532 3, Paperback, EUR 19,60

lebensräume verbinden – gemeinsam Wege finden Planungskonzept zum Schutzgebietsverbund Nationalpark Kalkalpen, Nationalpark Gesäuse und Wildnisgebiet Dürrenstein Jedes dieser Schutzgebiete ist ein Naturjuwel mit einzigartigen Lebensräumen. 126 Seiten, gebunden. Kostenloser Bezug: christoph.nitsch@kalkalpen.at T +43(0)7584/39 51-234 Zum Download: www.netzwerk-naturwald.at/ index.php/downloads-de

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BUCHAUSWAHL LANDESGRUPPEN

serpentinstandorte im südburgenland

die lafnitz als lebensraum für fische

der schilfgürtel des neusiedler sees:

artenschutzprogramm tagfalter im burgenland –

Erhebung, Management, Schutz, Bewusstseinsbildung

Äschenprojekt Lafnitz – Monitoring 2013-14

Schwerpunkt Europaschutzgebiete

Die Serpentinstandorte des Bernsteiner und Günser Berglandes mit ihrer hochspezialisierten Vegetation sind eine Besonderheit. Sie gilt es zu schützen und zu erhalten.

Diese Broschüre zeigt die Ergebnisse jahrelanger, umfangreicher, fischökologischer Untersuchungen und den Artenreichtum an Fischen in der Lafnitz.

Lebensraum für Kleinlebewesen und Fische. Fischerei Nahrungsgrundlagen

2015, 48 Seiten, ISBN 978-3902632-38-8

2015, 40 Seiten, ISBN 978-3902632-35-7

(Bei allen 4 Broschüren fallen nur Versandkosten an!)

Bestelladresse: | naturschutzbund | Burgenland, T 0043/(0)664/845 30 48, burgenland@naturschutzbund.at

Bestelladresse: | naturschutzbund | Steiermark, T 0043/(0)316/32 23 77, steiermark@naturschutzbund.at

Die Broschüre veranschaulicht in vielen Details das empfindliche Ökosystem Neusiedler See und ist das Ergebnis langjähriger limnologischer Untersuchungen. 2015, 60 Seiten, ISBN 978-3-902632-36-4

Zehn Schmetterlingsarten wurden zur Evaluierung bereits bestehender Artenschutzprogramme und zur Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen ausgewählt. 2015, 40 Seiten, ISBN 978-3 902632-39-5

Wildes burgenland Unser Erbe an die nächste Generation Auf der Suche nach den letzten intakten Naturlebensräumen: urwaldähnliche Wälder, mit Blumen übersäte Steppenrasen und Feuchtwiesen, versteckte Gewässer u. v. m.

Wilde W ilde lde lde ld de Bu des Bu Burg urg rg gen g enland en nla nl n land lan an nd

Manfred Fiala. 2012, Bildband, 176 Seiten, 193 Farbfotos, € 29,90 + Versand

Modellregion Steiermark 2030 ohne Intensiv-Massentierhaltung Ökologische und kulturelle Notwendigkeit oder fundamentalistische Utopie?

T A G U N G S B E R I C H T einer Veranstaltung der Plattform “Modellregion Steiermark 2030 ohne Intensiv-Massentierhaltung” am 17.10.2014 an der Karl-Franzens-Universität Graz

Eine Publikation des Naturschutzbund | Steiermark

Modellregion Steiermark:

flussjuwel schwarze sulm Moorreiche steiermark

Der unberührteste Gebirgsfluss der Ostalpen – im Bereich der Koralpe/SW-SteiÖkologische und kulturelle ermark – wird mit über 500 Notwendigkeit oder fundaFarbfotos über Gewässer, mentalistische Utopie? Pflanzenraritäten und Tiere in Tagungsbericht mit zahlreidiesem prächtigen Bildband chen Beiträgen von Bernd Lötsch, Toni Meier, R. Steiner, eindrucksvoll präsentiert. Johannes Gepp & Walter Postl, Johannes Gepp et al.

2030 – ohne intensivMassentierhaltung

2015, 88 Seiten A4, färbig bebildert, € 15,00 inkl. Versand

ca. 250 Seiten; € 25,00 + Versand

Winterausgabe | natur&land | 101. JG. – Heft 4-2015

389 Moore der Steiermark Der Bildband präsentiert die enorme Vielfalt an kostbarsten Feuchtflächen in der Steiermark. Das Buch unterstützt die Forderung nach einer Regelung zum Schutz der Moore im Landesnaturschutzgesetz. Harald Matz & Johannes Gepp. 272 Seiten, 400 Fotos, € 25,00 + Versand

am grünen band österreichs Vom Eisernen Vorhang zum Naturjuwel Dieses Buch erzählt in kurzen Einführungstexten und atemberaubenden Bildern von den Naturjuwelen am 1.200 Kilometer langen österr. Grünen Band. Johannes Gepp & Alexander Schneider. Leykam Verlag, ISBN 978-3-7011-7803-2, € 34,90 + Versand

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ADRESSEN + IMPRESSUM

OFFiZiEllES OrgAn dES | naturschutzbund |

bundesverband Museumsplatz 2, 5020 Salzburg Mo–Do 8–17, Fr 8–12 Uhr T: 0662/64 29 09 bundesverband@naturschutzbund.at

burgenland Esterhazystr. 15, 7000 Eisenstadt Mo-Do 8-11.30 Uhr T: 0664/845 30 48, F: 02682/702-190 burgenland@naturschutzbund.at

iMPrESSUM

....in 9 lAndESVErBÄndEn FÜr SiE ErrEiCHBAr

kärnten Adalbert-Stifterstr. 21, 9500 Villach Mo–Fr 9–13 Uhr T+F: 04242/21 41 42 H: 0676/3 36 82 62 kaernten@naturschutzbund.at

Wien Museumsplatz 1, Stiege 13 1070 Wien Di 9–11, 17–18.30, Mi 9–11 Uhr T+F: 01/522 35 97 wien@naturschutzbund.at

niederösterreich Marianneng. 32/2/16, 1090 Wien Mo-Do 9–13 Uhr T+F: 01/402 93 94 noe@naturschutzbund.at Oberösterreich Promenade 37, 4020 Linz Mo–Fr 7.30–12.30 Uhr T: 0732/77 92 79 oberoesterreich@naturschutzbund.at

steierMark Herderg. 3, 8010 Graz Mo–Do 8.00–15.00, Fr 8.00–12.00 T: 0316/32 23 77, F: -4 steiermark@naturschutzbund.at vOrarlberg Schulg. 7, 6850 Dornbirn Mo, Do 8.30–11.30, 13.30–16.00 Fr: 8.30-11.30 T: 05572/296 50, F: 05572/2 10 53 vorarlberg@naturschutzbund.at tirOl Im Alpenzoo, Weiherburgg. 37a 6020 Innsbruck, Bürozeiten variabel T: 0664/443 09 59, F: 0512/26 00 87 tirol@naturschutzbund.at salzburg Museumsplatz 2, 5020 Salzburg Mo–Do 8–17, Fr 8–12 T: 0662/64 29 09-11 salzburg@naturschutzbund.at

bezugsbedingungen: Abo-jahresbezug (einschließlich Postzustellung): EUr 26,– für Österreich, EUr 30,– für das Ausland; Abobeginn jederzeit (mit Zusendung aller bis dahin erschienen Ausgaben); Einzelhefte EUr 6,– + Versand (wenn nicht anders angegeben). Bestellungen nehmen der | naturschutzbund | sowie alle Buchhandlungen entgegen. Abbestellungen werden bis 31. 12. eines laufenden jahres für das nachfolgende jahr berücksichtigt. danach automatische Verlängerung um ein jahr. Für unverlangte Manuskripte oder Anfragen rückporto beilegen. Bei nichtlieferung der Zeitschrift ohne Verschulden des Herausgebers besteht kein Anspruch auf Entschädigung. Für nicht verlangte Manuskripte und Fotos wird keine Haftung übernommen! bankverbindung: Salzburger Sparkasse, 5020 Salzburg, iBAn At342040400000018069, BiC SBgSAt2Sxxx herausgeber, eigentümer, verleger: | naturschutzbund |, Museumsplatz 2, 5020 Salzburg, t 0043/(0)662/64 29 09 redaktionsleitung: Chefr ingrid Hagenstein (HA) tel. 0043/(0)662/64 29 09-13 E-mail: natur-land@naturschutzbund.at redaktionsmitarbeit: Mag. Birgit Mair-Markart, Mag. Christine Pühringer Präsidium: Univ.-Prof. i. r. dr. roman türk (Präsident), Hildegard Breiner, Prof. Univ.-doz. dr. johannes gepp, Univ.-Prof. dr. Walter Hödl (Vizepräsidentin/en) satz, dtP-layout, druckvorstufe: ingrid Hagenstein druck: Bubnik druck, 5323 Ebenau, Am Kirchberg 1. gedruckt auf chlorfrei gebleichtem zertifiziertem Papier. Offenlegung laut Mediengesetz: natur&land ist eine konfessions- und parteiungebundene Zeitschrift, die seitens des | naturschutzbund | herausgegeben wird. redaktionelles ziel: Kritische information zu Fragen des natur- und Umweltschutzes. namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors wieder und decken sich nicht unbedingt mit der der redaktion und des Herausgebers. im Sinne der Vereinfachung können u. U. geschlechtsspezifische Endigungen weggelassen werden. Selbstverständlich sind immer beide geschlechter angesprochen.

issn: 0028-0607

Tipp

dVr 0457884

SIE SUCHEN ARTIKEL ODER AUTORINNEN UND AUTOREN? Natur & Land-ARCHIVE finden Sie auf: VV www.naturschutzbund.at/naturundland/Archiv/Artikelübersicht (Tabellarisch) und auf

der | naturschutzbund | ist Mitglied der Weltnaturschutzorganisation „international Union for Conservation of nature“

VV www.landesmuseum.at/sammlungen/datenbanken (Zeitschriften als pdf)

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Winterausgabe | natur&land | 101. JG. – Heft 4-2015


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…OdEr EinEM ABOnnEMEnt VOn natur&land Jahresbezug: Inlandsabo EUR 26,–/Jahr, Auslandsabo EUR 30,–/Jahr. Erscheint 4x pro Jahr: März, Juni, September, Dezember. Für Vollmitglieder der Naturschutzbund-Landesgruppen ist das Abo in der Mitgliedschaft enthalten. Abo-Beginn jederzeit (mit Erhalt aller erschienenen Ausgaben des Jahres). Abbestellungen bis 31.12. gelten ab dem Folgejahr. Anschriftänderungen, die die Mitgliedschaft in einer Landesgruppe betreffen, richten Sie bitte dorthin.

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Naturfreikauf Lasst Blumen blühen! Business&Biodiversität Wildkatze Auenschutz quo vadis? Abenteuer Faltertage Initiative Grünes Band Europa Die Biber sind zurück! Jubiläumsheft 100 J. Menschen im … Auenschutz mit… Wald… Moore/Rolle im… Schwerpunkt Vögel Konflikte mit… GEO-Tag(e)… Naturnah gärtnern Moore… Fische Flusskrebse

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chriftd Zeits tzbun 0 schu | natur Heft 1/2-2

HRE 100 JA & LAND d | NATUR schutzbun | natur

natur&land SCHWERPUNKTHEFTE

›› Naturfreikauf mit Strategie ›› Lasst Blumen blühen! ›› Business & Biodiversität ›› Auf den Spuren der Wildkatze ›› Abenteuer Faltertage ›› Initiative Grünes Band Europa ›› Die Biber sind zurück! ›› 100 Jahre Naturschutzbund ›› Menschen im Naturschutzbund ›› Auenschutz mit Strategie ›› Wald zwischen

E DER NG EGU CHICHT DIE GES CHUTZBEW NATURS UND TAUERN HOHE DLER SEE NEUSIE g zu einem Der We alpark Nation PPEN te GRU LANDES und heu Gestern

Mythos und Vision

6,– 5,– 5,– 5,– 5,– 5,– 5,– 5,–

BAND 1: familienausflüge & kinderWanderungen Salzburg, Flachgau, Tennengau, Berchtesgadener Land, Chiemgau, Pongau 200 S., EUr 15,20

(siehe Vorderseite)

BAND 2: familienWinter-führer Salzburg Stadt, Flachgau, Tennengau und Berchtesgadener Land E. göllner-Kampel 172 Seiten, EUr 9,90

BAND 3: langlaufloipenführer für Salzburg, Flachgau, Tennengau und Berchtesgadener Land Renate & Christian Jeblinger, 180 Seiten, EUR 16,20

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BAND 4: natur für jeden garten 10 Schritte z. NaturErlebnis-Garten – das Einsteiger-Buch. reinhard Witt. 479 S., iSBn 978-3-00041361-2, EUr 27,00

BAND 5: das Wildpflanzen-topfbuch Ausdauernde Arten für Balkon, Terrasse und Garten reinhard Witt. 297 S., iSBn 978-3-00021048-8, EUr 24,95

BAND 6: feldbestimmungsschlüssel für die hummeln Österreichs, deutschlands und der Schweiz Aktual. neuauflage, Biologie Zentrum OÖ, 42 S., EUR 16,00

BESTELLKARTE

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tOnträger  ..St. CD Vogelst.-Trainer 24,95 ..St. Audioversion ..St. PC-Version  ..St. Stimmen d. Greifvögel 17,95 (Ohne Abbildung)  ..St. DVD Vogelwelt a. Futterpl. 14,95  ..St. DVD Vogelwelt Gärten 14,95  ..St. DVD Vogelwelt Wald 4,95  ..St. CD Vogeltipps 14,95  ..St. CD Vogelstimmen Rätsel à 9,95      

 CD1  CD2  CD3 ..St. CD Erlebnis Wald ..St. CD Erlebnis Bauernhof ..St. CD Sommer (o. Abb.) ..St. CD Froschlurche ..St. CD Enspannung Alm ..St. CD Entspannung Wald

12,95 12,95 9,95 17,95 9,95 9,95

 ..St. CD Eulengeschichten9,95 Folge 1: Der Scheunengeist; Der Uhu  ..St. CD Eulengeschichten9,95 Folge 2: Der Totenvogel; Das Parkgespenst

faMilienWander-/Winterbücher  Band 1  Band 2  Band 3

15,20 9,90 16,20

sOnstige bücher  Band 4  Band 5  Band 6

Notizen:

27,00 24,95 16,00

infOfOlder

à 0,80 Luchs (neu) Naturfreikauf Wildbienen Tätigkeitsbericht 2014 Grünes Band Auen Wildkatze Amphibien Feldhamster Wiedehopf Haselmaus Moore Schmetterlinge Schwalben und Mauersegler  Ziesel  Alte Bäume              

Winterausgabe | natur&land | 101. JG. – Heft 4-2015


TONTRÄGER - SHOP

shOP – WWW.NATURSCHUTZBUND.AT

die wichtigsten vogeltipps Ob Fragen zu Nistkästen, Winterfütterung, verlassenen Jungvögeln oder vogelfreundlicher Gartengestaltung – diese CD hilft mit fachlich fundierten Antworten. Audio-CD, 32-seitiges Beiheft dr. Uwe Westphal,

DVD-Film zur Vogelbestimmung

die vogelwelt in gärten und Parks die vogelwelt des Waldes

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Vögel beobachten und erkennen

Die DVD zeigt die häufigsten heimischen Vögel (26 Arten). Für jede Art ein Kurzfilm! DVDFilm von Susanne Hoffmann. 57 Min., EUR 14,95

Jede Vogelart ist einzeln abrufbar und wird in einem eigenen Kurzfilm vorgestellt. Fachkundige Begleittexte liefern hilfreiche Hintergrundinformationen über Brutverhalten, Nahrungssuche etc.. Ein Schnelldurchlauf sämtlicher Vögel ermöglicht ein leichtes und sicheres Bestimmen. Auch für Einsteiger geeignet. DVD-Filme, Susanne Hoffmann, Gesamtlänge: 77 bzw. 85 Min., à EUR 14,95

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Vogelstimmen erkennen

24 Rätselvögel

Gesänge und Rufe von 175 heimischen Vogelarten ohne Umgebungsgeräusche. 68seitiges Begleitheft mit Farbfotos und Steckbriefen aller zu hörenden Vögel. CD in Audio- oder PC-Version, 79 Min., EUR 24,95

CD 1: Wald | CD 2: Auwald | CD 3: am Wasser Inkl. Lösungsschlüssel. Ohne gesprochenen Text – eignen sich deshalb auch zur Entspannung. Spieldauer je CD 67 Min., à EUR 9,95

Audio-CD inklusive 32-seitigem Beiheft mit vielen Informationen, farbigen Zeichnungen und Fotos, Pflanzenführer, Spurensuche und Rätselspiel. 78:53 Min., EUR 12,95

Tierstimmen und Geräusche des Landlebens; Fernand Deroussen, AudioCD, inklusive Beiheft mit Informationen, Memory. 71:43 Min., EUR 12,95

eulengeschichten 1-2

froschlurche

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AUF DER ALM

IM GRÜNEN WALD

Lauschen Sie in aller Ruhe den beruhigenden Klängen der Bergwelt und schöpfen Sie neue Energie. Audio-CD, 60 Min., EUR 9,95

Lauschen Sie den Klängen der Natur, tauchen Sie ein in die beruhigende Atmosphäre eines Waldspaziergangs! Audio-CD, 61 Min., EUR 9,95

76 Min., EUr 14,95

Wenn der Opa mit dem Enkel Die Stimmen aller heimischen Arten. Audio-CD inklusive Beiauf Entdeckungstour geht, heft, Tonaufnahmen aller 14 erleben sie abenteuerliche heimischen Froschlurche von Dinge. Spannende KinderCDs für kleine Vogelfreunde, Immo Tetzlaff, 63 Min., à ca. 60 Min. je CD, à EUR 9,95 EUR 17,95 Winterausgabe | natur&land | 101. JG. – Heft 4-2015

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NACHRUF

Wir trauern uM eva Mössler

*19. 5. 1940 † 19. 11. 2015

der naturschutzbund ist tief betroffen vom tod der Wiener Kollegin dr. Eva Mößler. Sie ist am 19. november 2015 völlig überraschend nach kurzer, schwerer Krankheit im 76. lebensjahr verstorben. Eva war neben ihrer beruflichen tätigkeit als leiterin der Bildungswerkstatt Breitenfurt und gesundheitstrainerin seit 1987 ehrenamtlich beim naturschutzbund Wien als geschäftsführerin (Schriftführerin) tätig. Sie betreute mit großer Fürsorge die Mitgliederverwaltung und die Veranstaltungen der Wiener landesgruppe. Für ihren langjährigen Einsatz erhielt sie 2010 das Ehrenzeichen des naturschutzbundes .

heft 1 „frühlingsheft“ erscheint Mitte März 2016

jEtZt Ein jAHrESABO BEStEllEn OdEr VErSCHEnKEn! Abo-Vorteile: Günstiger als im Einzelverkauf. Sie versäumen keine Ausgabe. Unabhängig vom Zeitpunkt der Bestellung erhalten Sie alle bis dahin erschienen Ausgaben des laufenden Jahres! 











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Zeitschrift des | naturschutzbundes | Heft 1/2-2013

100 JAHRE NATUR & LAND | naturschutzbund |

Ja, schicken Sie mir natur&land als Jahresabo* (4 Hefte) zum Preis von 26,00 € (inkl. Versand Österreich), 30,00 € (inkl. Versand Europa).

Beim Geschenkgutschein bitte Namen und Adresse des Beschenkten eintragen:

DIE GESCHICHTE DER NATURSCHUTZBEWEGUNG HOHE TAUERN UND NEUSIEDLER SEE Der Weg zu einem Nationalpark LANDESGRUPPEN Gestern und heute

T für mich

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Redaktion natur&land | Museumsplatz 2 | 5020 Salzburg

Österreich | 0043/(0)662/64 29 09-13

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www.naturschutzbund.at/natur&land *das Abonnement gilt zunächst 1 jahr (1.1.-31.12.). Es verlängert sich automatisch um 1 jahr, falls es nicht bis zum Ende der laufzeit mit 31.12. schriftlich gekündigt wird. Unabhängig vom Zeitpunkt des Abobeginnes werden alle bis dato erschienenen Ausgaben zugeschickt.

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Winterausgabe | natur&land | 101. JG. – Heft 4-2015


verans taltun g: Wild

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auf der sPur der Wildkatze – HUNDE IM EINSATZ FÜR DEN NATURSCHUTZ Fotos v. o.: leo SlottaBachmayr; Wolfgang Schruf

veranstaltungsort: Forstliche Ausbildungsstätte (FASt) in Ossiach/Kärnten

die lebensweise von Wildtieren findet häufig im Verborgenen statt, wodurch der sichere nachweis mancher Arten besonders schwierig ist. Mit Hilfe von Hunden, die auf Kot, Kadaver oder Baue bestimmter Wildtierarten trainiert sind, ist das kein Problem.

kosten: € 250,- pro team und Modul (ohne Unterkunft und Verpflegung)

der | naturschutzbund | Österreich bietet daher in Zusammenarbeit mit erprobten Hundetrainern eine Ausbildung für Menschen an, die mit ihren Hunden unterstützend im Wildtiermonitoring tätig werden wollen.

anmeldung: leo@dogteam.at; danach erhalten Sie weitere details. anmeldeschluss: 29. 2. 2016

voraussetzung: Hunde und Hundeführerin sollten gut aufeinander eingespielt sein und bereits zusammen gearbeitet haben, wenn möglich im Bereich „nasenarbeit“. der Hund sollte mit Futter oder Spielzeug motivierbar und möglichst „wildfest“ sein. Mindestalter des Hundes: 6 Monate trainer: dr. leopold Slotta-Bachmayr (Zoologe und Suchhundeführer beim roten Kreuz) sowie dr. gabriele Sauseng (Zoologin, Hundetrainerin) nach erfolgreichem Abschluss beider Module erhalten die Hund/Hundeführer-teams einen Ausbildungsnachweis sowie ein Kennzeichnungselement für den Hund (z. B. Schutzdecke für den Hund). Weitere trainingsmodule zur Optimierung der leistungsfähigkeit der teams bzw. Aufbaumodule (z. B. Erweiterung der geruchsdetektion auf andere Zielgerüche) werden in weiterer Folge angeboten.

MOdul i – geruchsPrägung, anzeigeverhalten

MOdul ii – geruchsPrägung zielgeruch und suchtaktik

11.-13. 3. 2016

13.-15. 5. 2016

Maximal 12 teilnehmerinnen

Maximal 8 teilnehmerinnen

in diesem Modul lernt der Hund einen bestimmten geruch zu erkennen und anzuzeigen. die Anzeige erfolgt passiv durch Anstarren, Vorsitzen oder Ablegen.

der Hund wird in diesem Modul auf einen biologischen Zielgeruch (z. B. Wildkatzenkot) geprägt und wir trainieren die Suche im gelände. Am Ende des Moduls steht eine Überprüfung.

in zwei theorieeinheiten werden die grundlagen der Ausbildung sowie die Einsatzmöglichkeiten der Hunde präsentiert.

in zwei theorieeinheiten werden die grundlage der geruchsaufnahme sowie die geruchsausbreitung präsentiert. voraussetzung für dieses Modul ist die teilnahme an Modul i. MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete

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Nordland-Sommer

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Der schönste Weg zum Nordkap führt durch Norwegen! Inkl. Fahrt auf einer Teilstrecke der Hurtigruten 2. - 16.6., 9. - 23.6., 17.6. - 1.7., 24.6. - 8.7., 2. - 16.7., 9. - 23.7., 17. - 31.7., 23.7. - 6.8., 31.7. - 14.8., 7. - 21.8.2016 Flug ab Wien, Bus, Schiff (Teilstrecke der Hurtigruten Harstad - Tromsö sowie Viking Helsinki - Stockholm), *** u. ****Hotels/meist HP, Eintritte, RL: Ingrid Hafeneder (1. T.) € 2.620,--

Hurtigruten Schiffsreise zum Nordkap ‘Die schönste Seereise der Welt’ von Bergen nach Kirkenes und retour bis Trondheim Inkl. geführter Landgänge mit österr. RL 10. - 21.6., 21.6. - 2.7., 3. - 14.7., 14. - 25.7., 19. - 30.7.2016 Flug ab Wien, Bus, Bahnfahrt mit der Bergenbahn, 1x Hotel/NF, Schiffsreise auf Hurtigruten/VP, Landgänge, Eintritte, RL: Waltraud Jungreithmayr (1. Termin) ab € 3.240,--

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Wandern in Island Landmannalaugar - Myvatn - Vatnajökull-NP 12. - 27.7.2016 Flug ab Wien, Geländebus, Schlafsackquartier/meist VP, 3 Nächte im Gästehaus/NF, Eintritt, RL: € 2.990,-Dr. Robert Kraus (Biologe)

Höhepunkte Islands Inkl. Watt-Fahrt zum Vogelfelsen Ingólfshöfdi Inkl. Walbeobachtungsfahrt Inkl. Wanderungen in den schönsten Nationalparks 5. - 20.7., 12. - 27.7., 26.7. - 10.8.2016 Flug ab Wien, Geländebus, Hotels/Gästehäuser/Country-Hotels/meist HP, Eintritte, RL: Dr. Peter Gruber (1. Termin) ab € 3.990,--

Rund um Spitzbergen SchiffsReise mit ‘MS Plancius’ 6. - 16.7., 15. - 25.7.2016 Flug ab Wien, 1 x Hotel/NF und Schiffreise in Außenkabine/VP, Ausflüge, Landgänge, ab € 6.880,-Zodiacfahrten, deutschsprachige RL

Spitzbergen, Unterwegs mit dem Zodiac

© Oceanwide Expeditions

P.b.b. 02Z 031442 M Abs. | naturschutzbund | Österreich Museumsplatz 2, 5020 Salzburg

Empfänger

dVr 0457884 i |SSn: 0028-0607 | Heft 4-2015

Skandinavien mit Lofoten zum Nordkap

28.6. - 6.7., 5. - 13.7., 12. - 20.7., 26.7. - 3.8., 2. - 10.8, 16. - 24.8.2016 Flug ab Wien, Geländebus, *** u. ****Hotels/ HP, Eintritt, RL: Mag. Martina Lepschi (Geografin/1. Termin) € 2.590,--

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natur&land 4/2015: Raumordnung und Raumplanung  

Der Boden ist verfassungsrechtlich ein Umwelt(Schutz)gut, sein Schutz liegt in der Kompetenz der Bundesländer. Österreich braucht eine stärk...

natur&land 4/2015: Raumordnung und Raumplanung  

Der Boden ist verfassungsrechtlich ein Umwelt(Schutz)gut, sein Schutz liegt in der Kompetenz der Bundesländer. Österreich braucht eine stärk...

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