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Titel

Doch Rück- oder Nichtbebauungen lösen nicht das Grundproblem. Schließlich ist meist die gesamte Infrastruktur auf den Skisport ausgerichtet: Hier wird das Geld verdient. Dabei verdienen nicht nur Liftbetreiber und Skiverleiher. Letztlich partizipiert die gesamte Region, wenn Urlauber übernachten, essen und einkaufen und die Gewinne daraus in Renovierungen, neue Möbel oder Straßen fließen. Weil die Umsätze aber größtenteils vom Liftbetrieb und damit von der Schneedecke abhängen, wird der Kuchen statistisch immer kleiner. Nicht nur in Aspen verkürzt sich die Skisaison. Die Herausforderung ist global. Die Wintersportorte müssten deshalb dringend neue schneeungebundene Angebote entwickeln, die einen Ersatz für den langsam wegschmelzenden Skitourismus darstellen. Doch die gibt es bisher kaum. Ein Patentrezept ist nicht in Sicht, schon gar kein massentaugliches. Auch überholte und austauschbare Wellness-Angebote im Hotel werden die fehlenden Schneetage und -umsätze nicht auffangen. Gesucht werden eher attraktiv aufbereitete und flexibel organisierte Kombinationen aus schneegebundenen Aktivitäten

wie Skitouren, Schneeschuhgehen oder Rodeln mit schneeungebundenen OutdoorAngeboten, etwa Winterwandern oder Wildtierbeobachtungen. Um den Wintersportgebieten echte zukunftsfähige Perspektiven im Kklimawandel zu geben, sollte jetzt grundlegend umgedacht werden: a Das Thema Klimawandel muss in sämtliche Tourismusstrategien integriert werden. a Die langfristige Anpassung von Infrastruktur und Angeboten geht vor die kurzfristige Sicherung des Status quo. a Die Angebotspalette muss aktiv auf nicht schneegebundene Sportarten und kulturelle Angebote verbreitert werden. a Neue Angebote sollten fokussiert vermarktet werden, um regionaler Trendsetter zu werden. a Tiefer liegende Pisten müssen zurück gebaut und die Landschaft dabei renaturiert werden. a Nachhaltige Wintersportkonzepte brauchen eine politische und finanzielle Unterstützung, aber auch Ausstiegsszenarien für Extremfälle. a Bei der Anpassung sollte sich die Tourismusförderung auf Maßnahmen konzen-

trieren, die nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll sind. Die Titanik der Tourismusindustrie ist viel zu behäbig, um sich von einigen schneearmen Wintern wirklich aus der Bahn bringen zu lassen. Erst ein durch die Erderwärmung abgebrochener Eisberg wird sie beschädigen können. Dann aber dürften die wirtschaftlichen Schäden in den Wintersportgebieten irreparabel sein. Bisher mangelt es dem Wintertourismus an echten Visionären, die nachhaltige Konzepte entwickeln und sie dann mutig umsetzen. Obwohl heute niemand, der ernst genommen werden möchte, die Erderwärmung leugnet, setzen die Wintersportgebiete die Konsequenzen viel zu zögerlich um. Zu weit scheinen die Änderungen, zu ungewiss ihre Dimensionen. Eine neue Schneekanone hingegen hilft wahrscheinlich erstmal über den nächsten Winter.c Christian Baumgartner Generalsekretär NaturFreunde Internationale

T Download OECD-Studie: Klimawandel in den Alpen: www.kurzlink.de/OECD-Klima-Alpen

ŇSchneeschuhwanderer Ň mit Kind und Kraxe auf dem Feldberg. Der ist nur 1.493 Meter hoch.

4-2011 NATURFREUNDiN

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NATURFREUNDiN 4-2011  

NATURFREUNDiN | Mitgliedermagazin der NaturFreunde Deutschlands Zeitschrift für nachhaltige Entwicklung: sozial - ökologisch - demokratisch...

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