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NaTechInfo Informationsbulletin des Vereins NaTech Education Nr. 6, August 2009

Editorial

Dr. Ursula Renold Direktorin Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT)

Zeichen setzen in der NMT-Förderung Damit Innovation und Wirtschaftswachs­ tum möglich werden, braucht es quali­ fizierte Fachkräfte in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Technik (NMT). Leider ist es aber eine Tat­ sache, dass sich der Fachkräftemangel­in der Schweiz weiter akzentuiert. Die Zahl der Abschlüsse in den NMT-Bereichen stagniert seit Jahren. Sie wäre sogar leicht rückläufig, würden sich nicht im­ mer mehr ausländische Studierende für diese Studienrichtungen entscheiden. Zudem ist der Frauenanteil an allen Tertiär­abschlüssen in NMT mit 17% einer der weltweit niedrigsten. Der Mangel an qualifizierten Arbeits­ kräften beschäftigt die Wirtschaft und die Bildungsverantwortlichen bei Bund und Kantonen schon länger. Einige der invol­ vierten Akteure haben Zeichen gesetzt­ und wichtige Impulse für die Nachwuchs­ förderung gegeben. Eine zentrale Rolle

Aus dem Inhalt Editorial Kurz nachgefragt bei ... • Michel Junge NaTech Fokus • Kinder haben Spass an Technik 4 Fragen an ... • Remy Auf der Maur Aktuelles Die Geschäftsstelle informiert Kooperationen • Swissmem NaTech Info 02/09

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und diskutiert wurden. Mit über 200 Teil­ nehmenden und überwiegend positiven Rückmeldungen war die Tagung ein voller Erfolg.

spielen dabei Netzwerkveranstaltungen, wo Erfahrungen und Ideen aktiv aus­ getauscht werden. Bundesrätin Doris­ Leuthard hat zu diesem Zweck Ende letz­ ten Jahres die erste Innovationskonferenz mit dem Thema «Nachwuchsförderung in NMT» lanciert. Die Konferenz bündelte bestehende und neue Projekte und fass­ te diese in einem Massnahmenplan zu­ sammen. Die Transparenz wird dadurch erhöht, und Synergien zwischen den Pro­ jekten werden genützt. Eine zweite solche Begegnungsmöglichkeit bot am 10. Juni 2009 die NMT-Sommertagung in BruggWindisch. Die verschiedenen Akteure tauschten sich aus und nahmen an Work­ shops teil, in denen verschiedene Themen zur Nachwuchsförderung NMT behandelt

Ein weiteres gutes Beispiel im Bereich der Nachwuchsförderung sind die Technik­ wochen, die an verschiedenen Pädagogi­ schen Hochschulen durchgeführt werden. Diese praxisorientierten Fortbildungen sensibilisieren die angehenden Lehrper­ sonen für die Wichtigkeit der NMT-För­ derung und zeigen anhand von Beispielen auf, wie die Lehrkräfte dieses Wissen auf interessante Art und Weise an ihre Schü­ lerinnen und Schüler weitergeben kön­ nen. Dies schafft die Basis für den zweiten Schritt: das Begeistern der Jugendlichen für NMT im Schulunterricht. Das BBT ist von der Wichtigkeit dieser Aktionen überzeugt und unterstützt sie bereits seit einiger­Zeit. Gerade in der momentan schwierigen Wirtschaftslage ist es wichtig, die NMTNachwuchsförderung aktiv zu unterstüt­ zen und dadurch einen Beitrag für die längerfristige Nachwuchssicherung zu leisten. Das BBT engagiert sich dafür und freut sich auf die weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Verantwort­ lichen und Trägern des Vereins NaTech Education. Dr. Ursula Renold Direktorin Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT)


Kurz nachgefragt bei …

Michel Junge Leiter Ausstellung und Pädagogik, Technorama – The Swiss Science Center

(bmb) Welches Erlebnis hat für Sie per­ sönlich den Startschuss gegeben für Ihre Begeisterung an Naturwissenschaften und Technik? Als ich sechs war, besass ich einen «Gokart», der für meinen Geschmack zu langsam fuhr. Zusammen mit meinem Vater startete ich dann ein «Work-inProgress»-Projekt, woraus knapp acht Jahre später ein mit einem Rasenmäher­ motor versehenes, absolut strassenun­ taugliches, aber dafür blitzschnelles Ge­ fährt entstand. Das Ausprobieren, das genaue Beobach­ ten und Nachdenken, das Herantasten an das, was geht – und vor allem auch wie es geht –, die Befriedigung darüber, et­ was «in den Griff zu bekommen»: All dies hat mich schon damals fasziniert und be­ geistert. So stand auch früh fest, welche Berufs­richtung ich wählen würde. Können Sie uns schildern, wie Sie Jugend­ liche für Naturwissenschaften begeistern? Menschen sind von Natur aus neugierig. Sie wollen verstehen, wie die Welt um sie funktioniert, aber sie brauchen die Mög­ lichkeiten, eigene Fragen an die Welt zu entwickeln und diesen Fragen dann auch nachgehen zu können. Allgemein kann man also sagen, dass wir Kinder und Ju­ gendliche nicht für Naturwissenschaften begeistern müssen, wir müssen ihrem Interesse nur angemessen Raum, Zeit und Erfahrungsmöglichkeiten zur Verfü­ gung stellen, also eine Atmosphäre und passende Werkzeuge schaffen, die ihnen beim Erkunden und Begreifen der Welt

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helfen. Das führt natürlich nicht bei jedem­ Besucher und jeder Besucherin zur tiefen Begeisterung für diese Themen, aber es kann die einen Menschen aus der «natur­ wissenschaftlichen Isolation» heraus­ ho­len, anderen einen eigenen Weg in die Naturwissenschaft eröffnen und vor allem bei jüngeren Kindern Anlass für eine Inte­ ressensentwicklung in diesem Bereich sein.

Erwachsene erneuern, erfrischen, spielen,­ experimentieren, entwickeln Vorstellun­ gen und Theorien, probieren gemeinsam aus und forschen, diskutieren, finden Zeit für die Auseinandersetzung mit der Natur und spüren die Faszination der Naturwis­ senschaften. Dafür bietet das Technora­ ma auch 2020 (noch mehr) Raum. Bilder vom Technorama und den «Phänobjekten» finden Sie im Internet: www.technorama.ch/?380

Wo holen Sie sich Inspirationen für neue Ausstellungen? Viele unserer Exponate stellen klassi­ sche Phänomene und Experimente aus der Naturwissenschaft dar. Daher sind typische Experimentalliteratur bzw. Fach­ zeitschriften oft Ideengeber und Vorla­ gen. Oftmals findet man besonders inte­ ressante Phänomene jedoch an Orten, an denen man sie nicht direkt erwartet, also im täglichen Leben. Immer wieder arbei­ ten wir auch mit Künstlern zusammen, die naturwissenschaftliche Phänomene aus einem künstlerischen Ansatz heraus umsetzen. Wie sieht das Technorama im Jahr 2020 aus? Im Jahr 2020 wird das Technorama von Lehrkräften aller Stufen als Ressource­ für den Unterricht genutzt; Kindergar­ ten­­kinder machen erste Grunderfah­ run­gen mit Naturwissenschaften, Pri­ mar­schülerInnen­ experimentieren und entwickeln eigene naturwissenschaftliche­ Interessen,­ SekundarschülerInnen gehen wie schon aus der Primarschule gewohnt­ im Technorama ihren Fragen nach, und

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NaTech Fokus

Links: Zwei Kinder üben sich im Tiefziehen von Formen für das Giessen von Schokolade. Mitte: Auch Mädchen haben das Programmieren schnell im Griff. Rechts: Im Verkehrshaus sind die Schüler auf unzähligen Monitoren zu sehen.

Kinder haben Spass an Technik Eine 6. Primarklasse erlebte eine spannende Technikwoche Wie kommt der Schaum in den Mohren­ kopf? Wie produziert man eine Music­ star-Sendung? Wie baut und program­ miert man einen Roboter? Waren bei der ersten Mondlandung wirklich drei Flie­ gen dabei? Viele Fragen rund um Technik konnten nicht nur beantwortet, sondern praktisch erfahren werden. Von Regula Zellweger Seit 1992 finanziert die Organisation «IngCH – Engineers Shape our Future» jährlich bis zu 25 Technikwochen an Mittelschu­ len. Ziel ist die Nachwuchsförderung von Ingenieuren. Rund 3000 IngenieurInnen und TechnikerInnen fehlen der Schweizer Wirtschaft jährlich. IngCH schafft hier Ab­ hilfe und sorgt dafür, dass die Faszination für Technik bei Kindern geweckt und er­ halten wird. Dies erreicht der Verein­ mit Technikunterricht, der Spass macht. Nun kam erstmals eine 6. Primarklasse­ in den Genuss einer Technikwoche. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich während dieser Woche intensiv mit Tech­ nik auseinander, bereits vorher befassten sie sich im Unterricht mit Ingenieurberu­ fen und einem Schokoladeprojekt. Folge­ aktivitäten waren ein Besuch bei einer Zeitungsredaktion und Druckerei sowie ein Papiertechnologie-Workshop.

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Mohrenköpfe bei 30 Grad Am Montag reiste die Klasse nach Walten­ schwil in die Mohrenkopffabrik Dub­ler. Hier schauten die Kinder zu, wie in riesi­ gen Töpfen Zuckermasse zu weissem Schaum gerührt wurde. Die warme, kleb­ rige Masse wurde dann mit Düsen präzis auf die kreisförmigen Biskuitunterlagen portioniert und platziert. Die quellende weisse Masse formte sich automatisch zur typischen Mohrenkopfform und machte sich per Förderband auf den Weg zur Schokodusche, zum Trockenföhnen und Abkühlen. Fasziniert beobachteten die Kinder auch die rein mechanisch arbei­ tende Verpackungsanlage. Das Beste an der Sache jedoch war das Degustieren, draussen im Schatten. «10 vor 10» inklusive Wetterbericht Die SchülerInnen hatten sich gut auf die Arbeit in der Media Factory im Verkehrs­ haus vorbereitet. Blitzschnell kapierten sie den Umgang mit Mikrofon und Misch­ pult, produzierten Werbespots, Sportsen­ dungen und ein ganzes «10 vor 10» inklu­ sive Wetterbericht. Nach einer kurzen Führung durchs Ver­ kehrshaus durften sich die Kinder selbst­ ständig ansehen, was sie interessierte. Die einen zog es zu den Schiffen, die an­

deren zu den Flugzeugen. Abgerundet wurde dieser erlebnis­reiche Dienstag mit einem Besuch im IMAX-Kino. Mit 3-DBrillen begleiteten die Schülerinnen und Schüler drei Stubenfliegen, die sich selbst in eine Rakete geschmuggelt hatten, um an der ersten Mondlandung eines Men­ schen teilzunehmen. Witzige Unterhal­ tung, kombiniert mit Wissensvermittlung. Schokolade wie Musik Zwei Wochen zuvor haben die Schülerin­ nen und Schüler zwei Firmen gegründet, bestimmt, wie ihr Produkt, Geschenk­ schokolade, aussehen sollte, und Formen und Zielgruppen definiert. Nun ging es in der ersten Gruppe da­rum, entsprechend der Zeichnung ein Modell, dann ein Positiv und schliesslich die Gussformen im Tief­ ziehverfahren herzustellen. Mit einem Heissluftföhn wurde die Folie erwärmt und mittels Staubsauger in die Form ge­ zogen. Eine zweite Gruppe designte und produ­ zierte die Verpackung, während die dritte Gruppe für das Giessen der Schokolade verantwortlich war. Zunächst aber übte man sich im profes­sionellen Degustieren von Schokolade. Mancher Weinkenner würde staunen, wie aufmerksam und mit allen Sinnen Schokolade zum Teil blind getestet wurde. Praktische Lösungen finden Der Besuch im Technorama bot unzäh­lige Möglichkeiten, Versuche selbst durchzu­

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4 Fragen an …

führen. «Es hatte voll coole Experimente. Es hatte eine grosse Glaskugel. Im Inne­ ren der Kugel wurden Blitze nach aussen gestrahlt. Also konnte man die Hand an die Kugel halten,­ und wenn man jeman­ den berührte, bekam man einen ziemlich starken Zwick», beschreibt Severin. Mi­ chael hat das Karussell gefallen, wo die ganze Klasse die Creolis- und die Zentri­ fugalkraft erleben durfte: «Wir mussten versuchen, im Drehen zum Beispiel Hände­ und Füsse zueinanderzubringen. Das war fast unmöglich, weil man durch das Dre­ hen immer zur Seite fiel.» Roboter lernen gehorchen Viele Kisten mit Lego-Mindstorms-Ele­ menten und Laptops brachte Vance Carter ins Schulhaus in Hausen am Albis.­ Ziel des Tages: Einen Roboter bauen und so programmieren, dass er Legoblöcke aus einem Viereck am Boden schiebt, dass er einen Ball in einen Behälter befördert und einer schwarzen Linie am Boden folgt. Unglaublich, wie schnell die Roboter Form annahmen und die Schülerinnen und Schüler sie an den Computer andock­ ten, um zu programmieren. Kinder haben von klein auf Spass an Tech­ nik. Idealerweise geht dieser im Lauf der Schulzeit nicht verloren. Tüfteln,­ auspro­ bieren, entwickeln, mit Denken und Han­ deln praktische Lösun­gen finden – all das mögen Kinder. Zum Glück, denn viele der heutigen Kinder werden sich in Zukunft beruflich mit Technik befassen.

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(sb) Was fanden Sie an dieser Projekt­ woche besonders gelungen? Kurz nach der Technikwoche an der PHZ im Rahmen meiner Ausbildung zum Sekundarlehrer führten wir an der Primarschule, an der ich unterrichte, mit den SchülerInnen einen Techniktag durch. Beide Projekte nutzten die Technik «Tief­ziehen einer Gussform». Durch die Technikwoche erlebte ich die einzelnen Arbeitsschritte zum Erstellen einer Gussform für Schokolade bereits selbst praktisch und war mit der Methodik vertraut. Das gab mir Sicherheit für die Durchführung mit SchülerInnen. Meinen zurückhaltenden LehrerkollegInnen an der Primar­schule, die noch nie eine Gussform mit «Tiefziehen» hergestellt hatten, konnte­ ich einen reibungslosen Ablauf versichern. Denn: Als Lehrer benötige ich für derartige Projektarbeiten in erster ­Linie Klarheit und Sicherheit: Klappt das? Können die Schüler die Aufgabe selber erledigen? Wie kann ich als Lehrperson helfen? Wie beurteilen Sie den Austausch mit den Fachpersonen? Der Vortrag des Referenten von der ETH über den «Stellenwert der Technik heute­ und morgen» war sehr spannend und informativ. Ich finde es wichtig, sich mit der Selbstverständlichkeit der Technik in unserem Alltag auseinanderzusetzen. Und das sollte sich auch im Unterricht wider­spiegeln. Gut gefallen hat mir der Besuch der Bäckerei Hug. Eine richtige Firma kennenzulernen, war sowohl für die Berufswahlphase von Sekundarschü-

Remy Auf der Maur Primarlehrer in Ausbildung zum Sekun­dar­ lehrer über seine Erfahrungen mit der Technik­ woche an der PHZ und dem Techniktag an der Primarschule

lerInnen wertvoll als auch im Hinblick auf die ­virtuelle «Firmengründung» innerhalb der Technikwoche: Der Einblick in die Rea­ lität floss direkt in die Projektarbeit ein. Haben Sie brauchbare Impulse für den «Natur und Technik»-Unterricht erhalten? Ja, sensationell gut gefallen hat mir die «Blackbox» – ein hervorragendes Konzept für SchülerInnen, um einen Auftrag ohne detaillierte Anweisung umzusetzen. Das werde ich ganz sicher in den Sekundarunterricht mit übernehmen! Der Prozess, selbst etwas zu erarbeiten, entwickeln, experimentieren und zu bauen, ist sehr wertvoll und benötigt zur Lernkontrolle­ keine Prüfung, sondern kann mittels Selbstreflexion in die Schülerbewertung einfliessen. ERLEBEN IST LERNEN. Welches zusätzliche Angebot würden Sie sich als Lehrperson für den «Natur und Technik»-Unterricht wünschen? Für den Technik- und Naturlehrunterricht eignen sich stufengerechte Experimente,­ in denen SchülerInnen prozessorientiert lernen und durch eigene Erfahrung Zu­ sammenhänge erkennen können. Ich werde selbst Experimente kreieren und mich mit anderen interessierten Päda­ gogen austauschen. Selbsterfahrung und Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen sind genauso wichtig wie für SchülerInnen. Besten Dank!

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Ende Mai erhielten die zuständigen Gre­ mien unsere Stellungnahme zur Ver­ nehmlassung zum Deutschschweizeri­ schen Lehrplan (D LP21). Der Verein NaTech Education begrüsst es ausdrücklich, dass sowohl die Naturwis­ senschaften als auch die Technik einen gewissen Stellenwert im Lehrplan 21 haben.

Aktuelles

Tagung «Praxis und Potenzial. Good Practices der NMT-Förderung» Am 10. Juni 2009 fand die Umsetzungs­ tagung «Praxis und Potenzial. Good Prac­ tices der Naturwissenschafts-, Mathe­ matik- und Technikförderung (NMT) aus Unternehmen, Institutionen und Schulen» der NMT-Initiative des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements­(EVD) statt. Seit Jahren ist insbesondere in den Berei­ chen Naturwissenschaften, Mathematik und Technik ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften festzustellen. Deshalb hat das EVD im November 2008 die NMTInitiative lanciert, die das Interesse der Jugendlichen an diesen Ausbildungsbe­ reichen fördern will. An der Tagung stellten rund 30 Organisa­ tionen ihre NMT-Nachwuchsförderungs­ projekte den über 200 Teilnehmenden vor und luden zur Mitarbeit ein. Vertre­ terinnen und Vertreter aus KMUs waren ebenso anwesend wie Exponentinnen und Exponenten verschiedener Schulstufen, Bildungsexpertinnen und -experten von Bund und Kantonen sowie Repräsentan­ ten zahlreicher Organisationen. Im Zent­ rum standen der Austausch und die Infor­ mation. Daneben blieb jedoch viel Zeit, um sich über die Zukunft der NMT-Nach­ wuchsförderung Gedanken zu machen. Nach der Präsentation bewährter Initia­ tiven bestand die Gelegenheit, in Ge­ sprächsrunden Themen wie «Mädchen­

Der Marktplatz liess neue Ideen und neue Kooperationen entstehen. (Bild: Tom Kawara)

förderung», «Experimentieren im Labor», «Unterrichtsmaterialien» oder «Aus- und Fortbildung für Lehrpersonen» mit einem Blick auf die Zukunft zu diskutieren. Da­ bei standen Fragen der Kooperation und Koordination im Vordergrund: Wie können sich KMUs in die bestehenden Projekte einbringen? Welche Erwartungen haben Schulen? Wie können Bildungsverant­ wortliche in diesem Bereich wirken? Wie können Akteure gewinnbringend zusam­ menarbeiten? Dazu Dr. Ingrid Kissling-Näf, Direktorin des KTI und Umsetzungsbe­ auftragte der NMT-Initiative: «Die Tagung war eine Gelegenheit zur persönlichen Begegnung und zum Informationsaus­ tausch. Es ist gelungen, den Kontakt zwi­ schen Lehrpersonen, Bildungsverant­ wortlichen und Wirtschaftsvertretern auszubauen und den aktiven Ideen- und Erfahrungsaustausch­voranzutreiben.» Für NaTech Education ergaben sich hier folgende wichtige Inputs: 1. Bildungspolitischer Druck zum Stellen­ wert der einheitlichen Lehrpläne sowie die Förderung der Weiterbildung von Lehrpersonen im Bereich NMT, 2. Empfehlungen «Good Practices didak­ tischer Mittel für den Einsatz im Unter­ richt» auf der Volksschulebene, 3. die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den PHs, ETHs, FHs, der Wirt­ schaft und den Schulen. Die Dokumentation und Referate der Tagung­ fin­

Die Geschäftsstelle informiert Am 16. Mai 2009 fand unter der Leitung des Instituts für Weiterbildung IWB der PH Bern die «NaWiTech»-Tagung statt, die ei­ nen Beitrag zum Dialog der Fächer Tech­ nisches Gestalten und Natur, Mensch, Mitwelt (NMM) im Hinblick auf eine allge­ meine technische Bildung leistete. Ziel ist ein bewusster und verantwor­ tungsvoller Umgang mit Technik im priva­ ten, öffentlichen und beruflichen Bereich. Bereits ab dem Vorschulalter müssen Kompetenzen vermittelt werden, die tech­ nisches Handeln im Zielkonflikt zwischen dem ökonomisch Vernünftigen, dem öko­ logisch Vertretbaren und dem human und sozial Wünschbaren ermöglichen. Das Einstiegsreferat von Dr. Patrick Hofer, CEO 3S Swiss Solar Systems AG, beleuch­ tete verschiedenste Aspekte zur Technik­ bildung aus Sicht der Wirtschaft: Gelingt es den Schulen, Interesse an Technik zu fördern, lernen SchülerInnen, Probleme zu lösen und Wissen zu teilen, so erwer­ ben sie die für die Wirtschaft entscheiden­ den Kompetenzen. Im Anschlussreferat zeigten die Fachdozenten Andreas Käser und Urs Wagner auf, wie eine technische Allgemeinbildung aussehen könnte. Was ist innerhalb der bestehenden Lehrpläne möglich? Was ist im Lehrplan 21 für die Deutschschweizer Kantone dazu angedacht? Am Nachmittag arbeiteten die gut 75 Teilnehmenden in 13 Workshops, erwarben neues Wissen und tauschten ihre Erfahrungen aus.

den Sie unter www.senarclens.com/links-nmt.

Brigitte Manz-Brunner Geschäftsführerin NaTech Education

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Kooperationen

Swissmem Peter Stössel, Mitglied der Geschäftslei­ tung / Bildung und Innovation, Swissmem

Die Weichen richtig stellen Für die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) mit 350 000 Beschäftigten ist und bleibt die Schweiz ein bedeutender Werkplatz. Gut ausgebildetes Personal ist eine wichtige Voraussetzung. Wo setzt Swissmem die Bildungsschwerpunkte? Wachgerüttelt wurde die Schweiz durch die Pisa-Studien. Zukunftsweisend hat das Stimmvolk 2006 einen Schritt gewagt: «Kommt auf dem Koordinationsweg keine­ Harmonisierung des Schulwesens im Be­­ reich des Schuleintrittsalters und der Schul­ pflicht, der Dauer und Ziele der Bildungsstufen und von deren Übergängen sowie der Anerkennung von Abschlüssen zustande, so erlässt der Bund die notwendigen Vorschriften», heisst es heute in der Verfassung. Wunschtraum oder Wirklichkeit? Die Volksschule ist zum Auffangbecken erzieherischer Aufgaben geworden; daneben läuft eine schulische Integration, die ihre gute Seite hat, aber auch Zweifel­aufkommen lässt, ob hohe Bildungsstandards zu erreichen sind. Eine frühe­Einschulung ist wichtig: Kinder sind wissbegierig und aufnahmefähig. Die Schwerpunkte in der Volksschule sind bei den Sprachen, der Mathematik und den Naturwissenschaften zu setzen, mit messbaren Standards und Qualitätssicherung. Die Technik muss ein Thema sein; von ihr lassen sich naturwissenschaftliche Phänomene herleiten und erarbeiten. In der Oberstufe ist dem Berufswahlprozess frühzeitig genügend Raum zu geben, damit der Eintritt in die Sekundarstufe II reibungslos erfolgt. NaTech Info 02/09

Unsere berufliche Grundbildung ist von der Praxis geprägt und zudem für den Staat kostengünstig: Der ideale Weg in die Fachhochschule. Ein anderer Zugang zur erfolgreichen Karriere führt über die höhere Berufsbildung – Bildungswege, die im OECD-Raum kaum bekannt sind. Deshalb auch der Vorwurf, unsere gymnasiale Maturitätsquote sei mit knapp 20% zu niedrig. Im Gegenteil: Kein erfolgreicher Werkplatz ohne praxisorientiert ausgebildetes Personal! Man geht davon aus, dass sich auf Hochschulstufe das Missverhältnis zwischen den Geistes- und Sozialwissenschaften gegenüber den Ingenieurwissenschaften noch verstärkt. Zwar konnte bei den Inge­nieurinnen und Ingenieuren etwas Boden gutgemacht werden. Das genügt aber nicht, schon gar nicht angesichts der demo­grafischen Entwicklung. Bleibt uns der Ingenieurmangel erhalten? Die Weichen sind frühzeitig zu stellen: im Elternhaus, in der Volksschule. Die Begeisterung für die Technik fehlt. Ihre Errungenschaften im Alltag werden als selbstverständlich hingenommen. An den Ingenieur denken wir, wenn etwas schief geht. Dabei gestalten Ingenieure unseren Alltag. Was gibt es Spannenderes? Aus diesem Grund engagiert sich Swissmem als Mitglied des Vereins NaTech Education bei der Verbesserung des Stellenwerts von Naturwissenschaften und Technik.

Über NaTech Education Der Verein NaTech Education • setzt sich für die Förderung der Na­ turwissenschaften und des Technik­ verständnisses auf der Primarschulund Sekundarstufe I ein, • fördert die Schaffung von geeigneten Lehrmitteln für das Technikverständ­ nis in der Volksschule, • engagiert sich, damit die Bildungszie­ le, die zum Verständnis von Technik und Naturwissenschaften führen, auf der Ebene der Volksschule im Lehr­ plan verankert sind. Machen Sie mit!

Mitgliedschaft Werden Sie Mitglied von NaTech Educa­tion und leisten Sie einen Beitrag zur Förderung der Naturwissenschaften und des Technikverständnisses in der Allgemeinbildung! Einzelmitgliedschaft: CHF 100.– Kollektivmitgliedschaft: CHF 750.– Gönnermitgliedschaft: ab CHF 5000.– Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Webseite unter www.natecheducation.ch/pages/mitgliedschaft.html oder per Mail: info@natech-education.ch.

Impressum Redaktion Brigitte Manz-Brunner, Sabine Braun, Inci Satir NaTech Education, Freigutstrasse 8, 8027 Zürich, www.natech-education.ch Gestaltung, Layout, Realisation www.visum-design.ch, Bern Druck Kaelin Produktion AG, Zürich Auflage F 500, D 2000 Exemplare Erscheinungsweise Dreimal jährlich

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