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EINFACH BESSER DEUTSCH

LEARN GERMAN ESTUDIAR ALEMÁN APPRENDRE L’ALLEMAND IMPARARE IL TEDESCO

TRADITION

Wie geht es eigentlich den Weihnachtsmärkten?

12 — 17

IN DIESEM HEFT

Deutschland € 7,90 CH sfr 13,00 A · B · E · F · FIN · GR · I · L · P (cont) · SK · SLO: € 9,00 GB £ 9,50

16 Seiten Sprachteil

MAMA, PAPA , GLÜCK?

Wie Deutschlands Familien leben


Der Audio-Trainer von Deutsch perfekt.

2 Ausgaben

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Deutsch perfekt 12 / 2017

EDITORIAL

3

„Das hat uns noch nie eine Leserin geschrieben: ‚Deutsch perfekt hat nicht nur mein Deutsch verbessert, sondern mein ganzes Leben geändert. ’ “

Eine vollständige deutsche Grammatik als Lern- und Übungsbuch für den Einsatz im DaF-Unterricht für unterschiedliche Anforderungsniveaus (B1 – B2 – C1 – TestDaF)

MITTEL

Titelfoto: Plainpicture/Cultura/Matelly; Illustrationen: Michael Scheufler; Foto: Blende11Fotografen

S

o verschieden Menschen auch sind: Die Parallelen zwischen Vätern oder Müttern sind oft überraschend groß. So schrieb mir unser Korrespondent Marcel Burkhardt, nachdem ich ihm die Titelgeschichte dieser Ausgabe (ab Seite 14) angeboten hatte: „Hab’s gerade schon versucht bei Dir, wahrscheinlich bist Du beschäftigt. Muss dann aber auch bald schon wieder los, meinen väterlichen Pflichten nachkommen und die Kinder abholen, nachdem ich heute parallel zum Job schon meinen ehelichen Pflichten brav nachgekommen bin und die kranke Frau gepflegt habe.“ Warum er mich nicht erreicht hatte, schrieb ich ihm sofort zurück: „Bei mir quasi wie bei Dir: Bin schon auf dem Weg zu Krippe und Musikschule. Kranke Ehefrau zu versorgen, hatte ich letzte Woche – gute Besserung!“ Er hat übrigens zwei Kinder, ich auch: deutscher Durchschnitt. Trotzdem, ein paar Unterschiede gibt es dann schon noch. Mein kleiner Sohn kennt zum Beispiel noch nicht so viele deutsche Wörter wie Burkhardts nur wenige Wochen ältere kleine Tochter. Dafür versteht mein Kind eine Sprache mehr als seines. Wenn der Zweijährige genug gegessen hat, dann ruft er: „Satt! Mett!“ Beides bedeutet das Gleiche, das eine auf Deutsch, das andere auf Norwegisch. Was sind gute Voraussetzungen für eine gelungene mehrsprachige Erziehung? Und wie viele Sprachen können Kleinkinder eigentlich parallel lernen? Fragen wie diese hat jetzt Claudia May untersucht (ab Seite 40). Wenn Diana Ivanova und ihr Freund Stephan Kaneider einmal gemeinsam Kinder kriegen, dann werden diese vielleicht Deutsch und Russisch sprechen. Unsere Leserin Diana Ivanova hat uns einen wirklich außergewöhnlichen Brief geschrieben: „Deutsch perfekt hat nicht nur mein Deutsch verbessert, sondern mein ganzes Leben geändert.“ Wie das? Nun, so eine Geschichte haben wir noch nie gehört. Ab Seite 76 erzählen wir sie.

DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE

die Titelgeschichte, -n

, Text in einer Zeitung/

Zeitschrift, zu dem es meistens auf der ersten Seite ein Bild gibt die Ausgabe, -n , hier: Heft beschæftigt sein , (viel) zu tun haben losmüssen

, m weggehen müssen

seinen väterlichen Pfl“chten nachkommen , ≈ alles tun, was ein Vater tun muss brav

, gut; lieb; hier: ≈ korrekt

quasi , eigentlich die Kr“ppe, -n

, Institution, in der Klein-

kinder bis drei Jahre betreut werden vers¶rgen , hier: alles geben, was sie braucht dafür , hier: aber andererseits

die Voraussetzung, -en , wichtige Bedingung die Erziehung , ≈ Pädagogik außergewöhnlich , hier: ganz besonders; anders als normal der Ch¡fredakteur, -e franz. , Leiter von allen Journalisten bei einer Zeitung oder Zeitschrift

• Erfahrung und Fachkompetenz auf Augenhöhe mit den Deutsch Lernenden • lehrwerksunabhängiges Nachschlagwerk mit detaillierten Sach- und Wortregistern • verständliche und anschauliche Erklärungen mit über 14.000 Anwendungsbeispielen • detaillierte Prüfungsvorbereitung mit 359 Übungen mit 15.000 Übungselementen 736 Seiten | 978-3-9421278-05-9

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Ich wünsche Ihnen viel Freude mit diesem Heft! Ihr

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17,90 € Jörg Walser Chefredakteur

MARE BALTICUM VERLAG www.marebalticum.net marebalticum@t-online.de


DIE THEMEN DES MONATS

Deutsch perfekt 12 / 2017

Themen

In diesem Heft: 16 Seiten Sprachteil

34 DEBATTE Mehr Feiertage für den Norden?

S

36 WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT Die Kirchensteuer

L+

M 40 EIN KIND, DREI SPRACHEN Wie Kinder mehrere Sprachen lernen L

64 GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE Vor 30 Jahren: die Angst vor Aids

M

43 ATLAS DER ALLTAGSSPRACHE Wie weint ein Kind? 44 WÖRTER LERNEN Die Wetterkarte

LM+

70 WIE GEHT ES EIGENTLICH DEN ... Weihnachtsmärkten

S+

L 76 LIEBE KENNT KEINE GRENZEN Wie sich zwei Menschen durch Deutsch perfekt gefunden haben

Fotos: Westend61/Retales Botijero; Interfoto/MNG Collection; Illustrationen: Silke Werzinger, Sead Mujić

Standards 6 Deutschland-Bild 8 Panorama 13 Die deutschsprachige Welt in Zahlen 29 Mein erstes Jahr 68 Kulturtipps 73 Kolumne – Alias Kosmos 74 Reisetipps 78 D-A-CH-Menschen

L L L L

LMS 45 ÜBUNGEN ZU DEN THEMEN DES MONATS Diese Übungen machen Sie fit in Deutsch! LM+ 46 GRAMMATIK Komparativ und Superlativ

48 DEUTSCH IM BERUF Das Jahresgespräch

S+

51 DEUTSCH IM ALLTAG Wann man „Mann“ sagt

M+

52 RATEN SIE MAL! Rätsel zu den Themen des Monats

LM

+

M S L M+

40 Ein Kind,

drei Sprachen M

LMS+ 53 SCHREIBEN / SPRECHEN / VERSTEHEN Probleme mit der Mietwohnung/ Fragen, wie es jemandem geht / Backen in der Weihnachtszeit LMS 55 WORTKOMPASS Extra-Service Übersetzungen in Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Ungarisch, Polnisch, Russisch

30

Was, Sie heißen Adolf? M

Sprechen Elternteile verschiedene Sprachen, lernt auch das Kind oft mehr als eine Muttersprache. Wie klappt das am besten? Welche Probleme ein Vorname machen kann.

Fotos: xxxx

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Deutsch perfekt 12 / 2017

DIE THEMEN DES MONATS

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5

Lernen mit Deutsch-perfekt-Produkten Deutsch perfekt digital – mit der Kiosk-App

Familienzeit

Die Zeitschrift und den Audio-Tainer zusammen in einer App – das macht die praktische Kiosk-App von Deutsch perfekt möglich. Verbessern Sie jeden Monat Ihr Deutsch mit neuen Artikeln und neuen Hörtexten. Egal, wo Sie sind. www.deutsch-perfekt.com/kiosk

M

Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder. Aber wie leben Familien heute? Und wie vereinbaren Eltern Kinder und Beruf?

Deutsch perfekt Audio Der Trainer für Hörverstehen und Aussprache, auf CD oder als Download. Achten Sie im Heft auf diese Symbole: AUDIO und kurz . Zu diesen Artikeln können Sie Texte und Übungen auf Deutsch perfekt Audio hören.

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56 Das Ende der Kasse S

Der Lebensmittelhandel hat sich 2017 verändert wie seit Langem nicht. Alte Anbieter gehen, neue kommen – und machen der Branche Angst. Wohin geht die Reise?

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M MITTEL

S SCHWER

GER: Gemeinsamer Texte auf Stufe Texte auf Stufe Texte auf den Stufen europäischer A2 des GER B1 des GER B2 - C2 des GER Referenzrahmen m lockere Umgangssprache

d

negativ

a Vorsicht, vulgär!

ungefähr, etwa

L

Gegenteil von ...

o

langer, betonter Vokal

¢

kurzer, betonter Vokal

, ¿er

Pluralformen


Deutsch perfekt 12 / 2017

DEUTSCHLAND-BILD

Gute Verbindung LEICHT Es ist mit 14 Metern der höchste

Raum, den Pae White designen durfte. Im zentralen Atrium der Modernen Galerie des Saarlandmuseums hat die US-Amerikanerin viele Kilometer Garn zwischen die Wände gespannt. Das Museum selbst wird bei ihr zur Skulptur. White spielt in der Installation mit den Elementen Farbe, Licht und Bewegung. Und sie zeigt als erste genau an diesem Ort ihre Arbeit. Denn das Atrium ist Teil des vierten, neuen Pavillons. Acht Räume auf vier Stockwerken sind seit dem 18. November für das Publikum offen. Oben können Besucher durch die gigantischen Fenster das fantastische Panorama mit der Stadt Saarbrücken und dem Fluss Saar sehen. Innen gibt es auf 1500 Quadratmetern moderne Kunst. Der elegante Pavillon hat 39,5 Millionen Euro gekostet. Geplant war viel weniger. Aber das ist jetzt nicht mehr so wichtig. Denn an diesem Ort der Moderne hat nicht nur Pae White für eine gute Verbindung zwischen Kunst und Architektur gesorgt. das G„rn, -e

, langes, sehr dünnes

Foto: Iris Maria Maurer

Ding: Damit macht man z. B. Kleidungsteile zusammen zu einem Kleidungsstück. gesp„nnt , Part. II von: spannen ≈ mit Werkzeugen an etwas machen, so dass es stabil und in einer Linie bleibt

die Bewegung, -en

, von: sich bewegen =

hier: nicht stabil bleiben, sondern oft die Position ändern das St¶ckwerk, -e

, z. B. 1. Stock, 2. Stock …

ges¶rgt , Part. II von: sorgen für … = hier: machen, dass es … gibt

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PANORAMA

Am Berliner Olympiastadion spielen Kricket-Teams der Region.

Deutsch perfekt 12 / 2017

LEICHT

SPORT

Kricket-Boom in Deutschland Der Kricketsport in Deutschland profitiert extrem von der großen Zahl von Flüchtlingen aus Afghanistan und Pakistan. Viele von ihnen haben zu Hause Kricket gespielt – und melden sich jetzt in deutschen Vereinen an. Der Sport erinnert die Flüchtlinge an ihre Heimat, macht aber auch die Integration einfacher. So gibt es jetzt 130 Vereine, alle zusammen haben 6000 Spieler – dreimal so viele wie 2015. Seit Anfang November hat der Deutsche Cricket Bund auch ein erstes Mitglied in Thüringen. Das freut seinen Chef Brian Mantle: „Jetzt sind wir in allen 16 Bundesländern vertreten.“ Im Sommer hat das Nationalteam schon an der Weltliga der 30 besten Teams teilgenommen. Bis zum Niveau der besten Kricketnationen ist es aber noch ein weiter Weg. „Das dauert noch zehn bis 20 Jahre“, glaubt Mantle. „Aber es ist unser Ziel.“

profitieren v¶n

, ein positives Resultat /

einen positiven Effekt haben durch der Fl•chtling, -e

, hier: Person: Sie

musste aus ihrer Heimat weggehen. der Deutsche Cr“cket B¢nd , Organisation von allen deutschen Kricketvereinen das M“tglied, -er , hier: Kricketverein vertreten sein , hier: ≈ da sein; an einem Ort sein das B¢ndesland, ¿er , Teil von einer föderalistischen Republik das Niveau, -s franz. , hier: ≈ Qualität; ≈ Standard das Ziel, -e , hier: ≈ Qualität: So gut will man spielen können.


Deutsch perfekt 12 / 2017

das Gr¢ndstück, -e

, Stück Land: Dort kann

man z. B. ein Haus machen. gesp¡rrt , hier: ≈ geschlossen: Dort darf man nicht fahren. die [bkürzung, -en

, hier: kürzerer Weg

die Wahl, -en

, das Wählen von

Politikern für das deutsche Parlament der Artikel, , hier: Text posten engl. , im Internet publizieren teilen , hier: ≈ bei Facebook oder Twitter zeigen Fotos: Gordon Welters/laif; picture alliance/dpa; Illustrationen: Chuenmanuse/Shutterstock.com; ajaykampani/iStock.com

s¡lten

, L oft; hier: fast nie

der Beitrag, ¿e , hier: Text

PANORAMA

WAS HEISST …

„Anlieger“? Einem Anlieger gehört ein Grundstück – oder er hat es gemietet. Wichtig ist dieses Wort im Verkehr. Oft sehen Autofahrer vor einer gesperrten Straße das Schild „Anlieger frei“. Dürfen hier also nur die Personen fahren, die in dieser Straße wohnen? Nein. Auch Autofahrern, die dort jemanden besuchen oder abholen wollen, ist das erlaubt. Außerdem können Kunden zu Geschäften fahren, Gäste in ihr Hotel – und Patienten zu ihrem Arzt. Aber Achtung: Benutzen Autofahrer die Straße nur als Abkürzung, kann das teuer werden. Sie sind nämlich garantiert keine Anlieger.

SOCIAL MEDIA

Politiker vergessen Facebook und Twitter Vor der Wahl im September waren deutsche Politiker in den sozialen Medien sehr aktiv. Fast jeden Tag haben sie Artikel gepostet und ihre Meinung geteilt. So konnten sie Likes und Shares sammeln und ein großes Publikum erreichen. Aber schon kurz nach der Wahl sind viele Accounts wieder ruhig. Politiker der großen Parteien schreiben nur noch selten in den sozialen Medien. Schon Ende Oktober, nur einen Monat nach der Wahl, waren die zehn populärsten Facebook-Seiten deutscher Parteien und Politiker von kleinen Parteien. Auch Angela Merkel hat vom 15. bis zum 31. Oktober auf Facebook nur zwei Beiträge gepostet.

der P„stor, Pastoren

3 FRAGEN

gelischen Kirche religiöse Aufgaben.

Kuriose Kollekte

w¡rfen , hier: hineintun

Jens-Arne Edelmann (53) ist evangelischer Pastor in Gieboldehausen und Wollershausen (Niedersachsen). Er sammelt seit 15 Jahren kuriose Dinge aus der Kollekte.

, Mann: Er hat in der evan-

der Einkaufschip, -s engl. , rundes Plastikstück: Man kann damit einen Einkaufswagen im Supermarkt leihen. das M„rkstück, -e

, ≈ Geldstück zum Preis

von einer D-Mark

(die D-M„rk, - , früheres Geld in Deutschland) das/der Bonbon, -s franz. , kleines Stück aus hartem Zucker und Aromen, z. B. Karamell das H¢ndefutter , Essen für Hunde greifen , die Hand hineintun und etwas nehmen dazugehören , ≈ ein wichtiger Teil sein von nachdenken , ≈ intensiv denken best“mmt , hier: sehr wahrscheinlich der [bschied, -e , hier: ≈ Gruß zum Ende dazukommen , hier: noch mehr werden

1

9

Herr Edelmann, was werfen die Leute alles in die Kollekte? Wir finden dort sehr kuriose Dinge: zum Beispiel Einkaufschips, alte Markstücke, Bonbons oder Tabletten. Auch Hundefutter war schon dabei. Nach den Ferien werfen die Leute oft Geld aus ihrem Urlaubsland in die Kollekte. Vor wenigen Wochen haben wir zum Beispiel englische Pfund gehabt. Einmal war auch Spielgeld in der Kollekte – wahrscheinlich hat ein Kind das hineingeworfen. Tun die Menschen das, weil sie der Kirche kein Geld geben wollen? Das glaube ich nicht. Ein paar Leute haben vielleicht kein Geld dabei. Andere greifen automatisch in ihre Hosentasche oder in die Geldbörse – und nehmen dann das, was sie in der Hand haben. In der Kirche gibt es viele Rituale. Auch die Kollekte gehört dazu. Da denken die Menschen nicht mehr viel nach und kontrollieren auch nicht, ob sie wirklich Geld in der Hand haben oder einen Einkaufschip. Und warum sammeln Sie die Objekte? Bestimmt gibt es in jeder Kirche Deutschlands lustige Dinge in der Kollekte. Ich denke, die meisten Pastoren werfen sie in den Müll. Was soll man denn mit ein bisschen Hundefutter machen? Aber alle Dinge erzählen etwas. Vielleicht ist das Geben des letzten Geldes aus dem Urlaub ein persönlicher Abschied von der Ferienzeit? Vor zwei Jahren habe ich meine Sammlung bei einem Kirchenfest in einer Vitrine gezeigt. Und vielleicht mache ich bald wieder eine kleine Ausstellung. Ich habe jetzt circa 80 verschiedene Sachen. Und wer weiß? Vielleicht kommt bis zum Ende des Jahres noch etwas dazu.

2

3


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PANORAMA

Deutsch perfekt 12 / 2017

Ärger über Schokolade das Z“pfelmännchen, , Männchen mit einer Zipfelmütze (die Z“pfelmütze, -n

, weicher Hut mit einem

langen, dünnen Ende: Es hängt nach unten.)

TRADITIONEN

Ärger über Schokolade

(der Hut, ¿e , Kleidungsstück: Man trägt es auf dem Kopf.) der Bart, ¿e , Haare im Gesicht bei Männern

AUDIO

Amnestie zu Weihnachten

Vielen Menschen sind Weihnachtstraditionen wichtig: der Weihnachtsbaum, die Lichter – und auch die Schokolade. Eine Tradition ändert sich? Da können sie böse werden. Das hat auch der Supermarkt Penny gemerkt, als er ein Bild von der Schokoladenfigur „Zipfelmännchen“ auf Facebook gezeigt hat. Die blaue Figur mit rotem Bart war vielen nicht weihnachtlich genug. Kein Problem für Penny: Der Supermarkt hat schon viele Zipfelmännchen verkauft.

der Krieg, -e , Streit zwischen Nationen

SCHWEIZ

Eldorado im Wasser AUDIO

Experten des Schweizer Forschungsinstituts Eawag haben im Abwasser der Alpenrepublik Gold und Silber im Wert von drei Millionen Schweizer Franken (circa 2,6 Millionen Euro) gefunden, außerdem verschiedene andere Metalle. Die Metalle kommen aus der Industrie. Im Tessin ist die Goldkonzentration besonders hoch. Dort empfiehlt die Eawag deshalb eine Rückgewinnung. Alle Elemente aus dem Abwasser zu holen, ist aber zu teuer.

das B¢ndesland, ¿er

, Teil von einer föderalisti-

NETTE GESTE

Amnestie zu Weihnachten AUDIO PLUS

Bremen hat damit kurz nach dem Krieg angefangen. Seit den 80er-Jahren sind auch die meisten anderen Bundesländer bei der Weihnachtsamnestie dabei. Die funktioniert so: Häftlinge, deren Zeit im Gefängnis in den Wochen vor dem Jahresende endet, dürfen ein bisschen früher nach Hause. Manchmal sind es nur ein paar Tage, manchmal aber auch mehrere Wochen. Die Amnestie

bekommen nur Häftlinge, die sich besonders gut benommen haben – und die nicht wegen besonders schlimmer Verbrechen im Gefängnis waren. Das prüfen Spezialisten bei jeder Person genau. Nicht nur die Häftlinge freuen sich über die Weihnachtsamnestie: Für den Staat ist es billiger, weniger Leute in den Gefängnissen zu haben. Nur in Bayern und Sachsen gibt es die Tradition nicht. Verschieden ist auch in jedem Bundesland, wann die Weihnachtsamnestie beginnt. Im Saarland hat sie dieses Jahr zum Beispiel schon begonnen, in Niedersachsen startet sie erst am 1. Dezember.

schen Republik

der Hæftling, -e , Person: Sie ist zur Strafe im Gefängnis, weil sie eine kriminelle Sache gemacht hat. (die Strafe, -n

, ≈ Sanktion, weil man

etwas Böses gemacht hat) (das Gefængnis, -se

, Haus: Dort müssen kri-

minelle Personen bleiben.)

ben¶mmen , Part. II von: sich benehmen ≈ gut oder schlecht reagieren; hier: sich an den Normen vom Gefängnis orientieren das Verbr¡chen, - , kriminelles Tun; kriminelle Sache der Staat , hier: ≈ Amt (für ganz Deutschland): Es bekommt die Steuern. Eldorado im Wasser das F¶rschungsinstitut, -e , Institut: Dort untersucht man einen speziellen Sektor systematisch. das [bwasser, ¿ , ≈ schmutziges Wasser: Es kommt aus Fabriken oder Häusern. das G¶ld , ≈ sehr teures, gelbes Metall das S“lber , ≈ teures Metall “m Wert v¶n , ≈ zum Preis von die R•ckgewinnung

, von: zurückgewinnen =

hier: wieder herausholen

NEUER BAHNFAHRPLAN

Berlin-München in vier Stunden

PLUS

Ab dem 10. Dezember fahren Bahnkunden zum ersten Mal in weniger als vier statt wie vorher in sechs Stunden von der Hauptstadt in die bayerische Metropole. Mehr als zehn Jahre lang hat die Bahn an der neuen Strecke mit ihren 22 Tunneln und 29 Brücken gearbeitet. Drei Milliarden Euro hat das Projekt gekostet. Der Bahnfahrplan ändert sich jetzt radikal: Jeder dritte Fernzug fährt zu anderen Zeiten als bisher. Zwischen München und Berlin fahren in beiden Richtungen dreimal am Tag ICE-Sprinter. Die brauchen für die Strecke nur 3:55 Stunden. Das ist 20 bis 30 Minuten weniger, als normale ICEs brauchen. Jetzt will die Bahn dem Flugzeug und dem Auto Konkurrenz machen. Bisher reisen nur 20 Prozent der Menschen auf dieser Strecke mit dem Zug.

st„tt … , ist es möglich, aber nicht mehr … die Str¡cke, -n , ≈ Weg der F¡rnzug, ¿e , Zug: Er fährt zwischen großen Städten. bisher , ≈ bis jetzt “n beiden R“chtungen , hier: nach München und nach Berlin der ICE, -s , kurz für: Intercityexpress Konkurr¡nz m„chen , hier: machen, dass mehr Menschen die Bahn benutzen


Deutsch perfekt 12 / 2017

PANORAMA

Das Model Hanne Gaby Odiele ist intersexuell – und mag sich, wie sie ist.

JUSTIZ

Junge, Mädchen und ? Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat entschieden: In Deutschland muss es für Menschen bald möglich sein, ein drittes Geschlecht ins Geburtenregister zu schreiben. Bis Ende 2018 hat das Parlament Zeit, sich um eine neue Regelung zu kümmern. Die Initiative dafür ist von der 26-jährigen Vanja gekommen. Sie ist intersexuell und offiziell als weiblich registriert. Vanja wollte, dass das Amt dies ändert. Nicht weiblich oder männlich, sondern „inter“ oder „divers“ sollte in ihrem Geburtenregister stehen. Denn eine Chromosomenanalyse hat klar gezeigt: Vanja hat nur ein X-Chromosom, ist also keine Frau und auch kein Mann. Aber das Amt wollte nichts ändern. Denn in Deutschland muss nach der alten Regelung im Geburtenregister eines der beiden Geschlechter stehen. Die einzige Alternative: nichts registrieren. Für Vanja war das Diskriminierung. Sie wollte ihre Identität als intersexueller Mensch dokumentieren. Deshalb hat sie die Kampagne „Dritte Option“ gestartet – und geklagt. Die Justiz hat jetzt klargemacht: Die alte Regelung diskriminiert intersexuelle Menschen. Auch sie müssen ihr Geschlecht dokumentieren können. das B¢ndesverfassungsgericht , spezielle Institution in Deutschland: Sie sagt bei einem Streit über die Verfassung, wer recht hat. (die Verf„ssung, -en , schriftliche Form für die Normen in einer Nation)

entschieden

, Part. II von: entschei-

den = hier: ≈ offiziell sagen, dass man … machen muss die Regelung, -en , ≈ Norm: Sie sagt, was gemacht werden soll. die Initiative, -n , hier: ≈ Vorschlag

geklagt , Part. II von: klagen vor = hier: ≈ wollen, dass eine offizielle Institution eine Lösung sucht klargemacht , Part. II von: klarmachen = hier: ≈ offiziell sagen

einzige (-r/-s)

, hier: es gibt nur eine

NAVIGATOR

Diesen Ort gibt es wirklich PLUS

Fotos: Penny PR; Deutsche Bahn AG; imago/UPI photo

Benzin

Das Wort

Diesel, Super Plus, Super E10 – an jeder Tankstelle gibt es viele verschiedene Typen von Benzin. Eines ist aber immer gleich: Ohne Benzin bleibt fast jedes Auto stehen.

Der Ort

Am westlichen Ende des kleinen Dorfs Kritzow (Mecklenburg-Vorpommern) liegt der Ortsteil Benzin. Als „Bentcin“ ist er im Jahr 1300 zum ersten Mal dokumentiert. Der

Name kommt aus der slawischen Sprache und bedeutet „Ort des Beka“. Beka war sehr wahrscheinlich der Name des Vermieters dieses Grundstücks. Eine Sehenswürdigkeit gibt es in Benzin: Eine kleine Kirche aus dem 16. Jahrhundert steht im Ortszentrum. Viele Autos fahren nicht durch den Ort mit seinen sieben Straßen. Eine Tankstelle gibt es in Benzin auch nicht. Die nächste liegt fünf Kilometer entfernt in der Kleinstadt Lübz.

das Gr¢ndstück, -e

, Stück Land: Dort kann man z. B. ein

Haus machen.

das Jahrh¢ndert, -e , Zeit von 100 Jahren … entf¡rnt , in einer Distanz von …

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PANORAMA

Deutsch perfekt 12 / 2017

LEICHT

Auch Ballspiele sind in den Trampolinparks von Jump House möglich.

Nach oben!

PLUS

Die meisten Touristen in den USA wollen viele Sehenswürdigkeiten, bekannte Städte und tolle Nationalparks besuchen. Speziell bei einer Individualreise. Aber die Freunde Till Walz und Christoph Ahmadi haben es komplett anders gemacht. Ihre Routen haben sich nicht am Grand Canyon oder an Metropolen wie New York orientiert. Die Hamburger wollten nämlich so viele Trampolinparks kennenlernen wie möglich. Denn diese Parks wollten sie nach Deutschland holen. „Wir haben die Idee bekommen, als wir zusammen auf dem Balkon gegrillt haben“, erzählt Ahmadi. „Und wir wussten, dass es Trampolinparks in den USA schon länger gibt. Deshalb sind wir dorthin gereist.“ Die Familienurlaube mussten warten. Die beiden heute 44-Jährigen waren nämlich nicht nur einmal Die Idee Menschen springen auf verschiedenen Trampolins in einem Indoor-Park. Warum braucht die Welt das? Weil es sehr viel Spaß bringt, auf einem Trampolin zu springen. Und Sport macht man dabei automatisch. Der schönste Moment? Der erste Tag des Jump House in HamburgStellingen. Die Türen öffnen sich – und da stehen viele Leute, die wirklich alle in den Trampolinpark wollen.

in den USA. 50 verschiedene Trampolinparks haben sie sich angesehen – und mit den Chefs dort geredet. „Alle waren sehr offen zu uns, haben uns erzählt, was gut funktioniert und worum man sich besonders kümmern muss“, erinnert sich Walz. Freunde der Hamburger haben damals noch gedacht: Die sind verrückt. Beide waren schließlich keine jungen Studenten mehr, sondern haben sehr gute Jobs in verschiedenen Medienfirmen gehabt. Trotzdem haben Walz und Ahmadi es riskiert: Am 12. Dezember 2014 öffnete in Hamburg-Stellingen das erste Jump House. „Noch vor Weihnachten waren wir das erste Mal ausverkauft“, erinnert sich Isabel Albrecht, die sich schon seit Beginn von Jump House um das Marketing des Start-ups kümmert. Ziemlich genau ein Jahr später war dann die Premiere in Berlin. Dann ist es sehr schnell gegangen: Flensburg, Köln und Leipzig kamen dazu. Anfang nächsten Jahres soll es noch einen zweiten Trampolinpark in Hamburg und Berlin geben. Und das sollen nicht die letzten sein. Deutschland liebt das Trampolinspringen. Besonders toll finden das Angebot Familien und Schulklassen. Aber auch große Firmen schicken ihre Leute auf die Trampoline. Der Weg nach oben ist für das Team von Jump House also noch lange nicht zu Ende.

spr“ngen , hier: ≈ mit Energie mit den Füßen auf das Trampolin gehen und dann durch die Luft fliegen (s. Foto) „ngesehen

, Part. II von: sich anse-

hen = hier: besichtigen

geredet , Part. II von: reden = sprechen ¶ffen

, hier: so, dass man nicht

lügt und auch über negative Dinge spricht damals , zu der Zeit schließlich , hier: ≈ denn ausverkauft , hier: so, dass es keine Eintrittskarten mehr gibt kamen dazu

, Prät. von: dazukommen

= hier: außerdem neu öffnen

Foto: Anna Lena Ehlers

START-UP DES MONATS


Deutsch perfekt 12 / 2017

DIE DEUTSCHSPRACHIGE WELT IN ZAHLEN

Zeit für Geschenke

“m D¢rchschnitt

, ≈ meistens: Das ist

normal.

der Jahresumsatz, ¿e , Summe von allen Verkäufen in einem Jahr der Spielwarenhändler, , Verkäufer von Dingen zum Spielen

Zum Ende des Jahres suchen die Deutschen dringend Produkte. Denn Weihnachten macht alle ein bisschen verrückt. Das zeigen auch die Zahlen.

Fotos: artofsun/Shutterstock.com; grafixchon, nkbimages/iStock.com; Quellen: EHI Retail Institute, Ostasieninstitut, Christmasworld, DHL, Bundesinnenministerium

LEICHT

6

Geschenke kaufen die Deutschen zu Weihnachten im Durchschnitt. Die meisten geben dafür bis zu 299 Euro aus.

wert sein , einen Preis haben von die Weihnachtsmesse, -n , Ausstellung: Dort werden neue Produkte für die Weihnachtszeit gezeigt. das Gesch¡nkband, ¿er

, dünnes, langes Ding aus

einem speziellen (Plastik-) Stoff: Man macht es zur Dekoration auf ein Geschenk. die Verp„ckung, -en

, von: verpacken = hier:

in eine schöne Tüte oder Papier tun und zumachen

28

der Baumkuchen, , ≈ hoher, sehr feiner Kuchen in der Form von einem Zylinder

Prozent ihres Jahresumsatzes machen Spielwarenhändler in den Monaten November und Dezember. Schon ab Oktober lassen sich Eltern und andere Verwandte inspirieren.

8 400 000 Pakete an nur einem Tag hat im Dezember 2016 DHL seinen Kunden geliefert – ein neuer Rekord.

25 Euro darf ein Geschenk an einen deutschen Politiker maximal wert sein, sonst darf er es nicht behalten.

13

43 000

365

Besucher aus 110 Ländern waren schon im Januar dieses Jahres auf der größten Weihnachtsmesse der Welt in Frankfurt am Main. Ein populäres Angebot der „Christmasworld“: individuelle Geschenkbänder und Verpackungen.

Tage im Jahr bekommt man in Japan den typisch deutschen Baumkuchen. In Deutschland gibt es ihn aber fast nur zur Weihnachtszeit. Ein Problem für die vielen japanischen Touristen, die ihn gern als Geschenk mitnehmen.

Eine Übung zu diesem Text finden Sie auf Seite 45.


FAMILIEN IN DEUTSCHLAND

Deutsch perfekt 12 / 2017

Familienzeit

Foto: Westend61/David Pereiras

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Deutsch perfekt 12 / 2017

FAMILIEN IN DEUTSCHLAND

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Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder. Aber wie leben Familien heute? Wie vereinbaren Eltern Kinder und Beruf – und wie wachsen die Kleinen auf? Von Marcel Burkhardt MITTEL

I

m Auto von Familie Mohs ist gerade richtig Leben: Frieder (4) springt auf seinem Sitz lachend auf und ab. Anders als er haben seine kleinen Geschwister Elmar (2) und Baby Merle aber überhaupt keine Lust aufs Fahren. Das zeigen die beiden ihrer Mutter auch sehr klar. „Superstressig“, findet sie diese Situation. Bei schönem Wetter ist Charlotte Mohs mit ihren Kindern auch lieber zu Fuß unterwegs, aber heute ist es nass und kalt. Und erst sehr spät aus dem Haus gekommen sind sie auch. Denn in 20 Minuten müssen die Jungs im Kindergarten sein, die Fahrt dauert mindestens zehn Minuten. Probleme wie diese haben jeden Morgen Millionen Eltern in Deutschland. Und es wird noch mehr „Action“ geben. Denn die Deutschen bekommen so viele Kinder wie seit vielen Jahren nicht mehr. Schon seit fünf Jahren gibt es fast im ganzen Land einen starken Trend zu mehr Kindern. Und in den letzten drei Jahren konnten die Statistiker dann bei der Geburtenrate eine steile Kurve nach oben zeichnen. Dafür gibt es Gründe: So wächst die deutsche Wirtschaft seit Jahren. Die Firmen freuen sich über Rekordergebnisse, und die Zahl der Menschen ohne einen Arbeitsplatz ist so klein wie lange nicht. Die Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt macht es Familien einfacher, sich wieder für mehr Kinder zu entscheiden. Ein weiterer Grund ist die Familienpolitik. So sehen Familienforscher vor allem bei Akademikerinnen starke Effekte

durch Maßnahmen wie bessere Angebote der Kinderbetreuung, das Elterngeld und die Elternzeit (siehe Kasten Seite 23). Deshalb gilt nicht mehr, was lange galt in Deutschland: Je höher die Bildung, desto weniger Babys. Denn inzwischen entscheiden sich Akademikerinnen wieder öfter für ein Kind. Damit hat sich ein langjähriger Trend umgedreht. Ein gutes Beispiel dafür ist Charlotte Mohs. Sie hat in Deutschland, Frankreich und Italien Romanistik und Kunstgeschichte studiert, viel Zeit und Geld in ihre Ausbildung investiert, mit exzellenten Resultaten. Mohs hätte direkt nach dem Ende ihres Studiums ihre Karriere beginnen können. Aber sie hat sich für einen anderen Weg entschieden. Mit ihrem Mann Matthis (32) und ihren drei Kindern lebt die 30-Jährige heute in Mainz. Die beiden Akademiker haben früher als viele andere Eltern Kinder bekommen. „Wir wollten jung Eltern werden“, erklärt die Mutter. Und ihr Mann erinnert sich an ihren Start ins Familienleben so: „Den richtigen Moment fürs Kinderkriegen gibt es ja angeblich nie – aber als die Kinder unterwegs waren, hat es sich so richtig angefühlt.“ Seine Frau ist nun komplett als Mutter beschäftigt. Ihre Idee, direkt nach dem Studium im Ausland zu arbeiten, blieb ein Wunsch. Aber sie sieht das rational: „Ein Leben geht nie ohne Verzicht. Wer schnell Karriere macht, muss auf etwas anderes verzichten.“ Durch ihre Familie hat sie die moralische Unterstützung und das gute Gefühl, besonders gebraucht zu werden.

vereinbaren

die Maßnahme, -n

, hier: verschiedene

, Aktion, um ein spezielles

… “st gerade r“chtig Leben

die K“nderbetreuung , von: Kinder betreuen = sich intensiv um Kinder kümmern

Aufgaben kombinieren , m … ist es gerade laut

und chaotisch

auf ¢nd „b , hier: hinauf und wieder hinunter superstressig , m sehr anstrengend die J¢ngs Pl. , m Jungen steil , hier: stark nach oben die K¢rve, -n , hier: ≈ Linie, die statistische Größen zeigt weitere (-r/-s) , mehr; andere (-r/-s) der Familienforscher, , ≈ Person, die systematische Untersuchungen rund um das Leben von Familien macht die Akademikerin, -nen , Frau, die an einer Universität studiert hat

Ziel zu erreichen

die B“ldung

, hier: schulische und

berufliche Ausbildung

s“ch ¢mdrehen , hier: in das Gegenteil ändern die Roman“stik , ≈ systematisches Studieren von romanischen Sprachen (z. B. Französisch, Italienisch und Spanisch) und ihrer Literatur exzell¡nt , sehr gut „ngeblich , wie man sagt s“ch „nfühlen , hier: wissen, dass … ist beschæftigt sein , (viel) zu tun haben der Verz“cht , von: verzichten auf = hier: freiwillig nicht haben oder machen


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FAMILIEN IN DEUTSCHLAND

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Nehmen sich viel Zeit für ihre Kinder: Charlotte und Matthis Mohs mit Elmar, Merle und Frieder (von links)

das Wichtigste, und die gewonnene Zeit gehört der Familie. Arbeit gibt es dort mit drei kleinen Kindern mehr als genug. Matthis Mohs ist aber auch noch etwas anderes wichtig. Er sagt: „Ich will das Leben meiner Kinder richtig kennen – dafür brauche ich viel Zeit mit ihnen.“ Er hat deshalb nach Merles Geburt auch vier Monate Elternzeit genommen, um sich vor allem um die Söhne kümmern zu können, während seine Frau mit dem Baby beschäftigt war. Mohs ist ein Vater, der sich sehr für die Bedürfnisse seiner Kinder interessiert. „Da ändert sich ja ständig etwas“, sagt er. Wer ihn im Alltag mit seinen Kindern beobachtet, spürt großes Verständnis. Matthis kann seine Zeit als Lehrer relativ frei gestalten, auch wenn manche seiner Kollegen mit kleinen Kindern sogar in Teilzeit in Zeitnot kommen, wenn ihr Stundenplan extrem ungleich über die Woche verteilt ist. Vormittags und an bestimmten Tagen auch nachmittags muss er seinen Schülern zwar Unterricht geben. Ihre Kursarbeiten kann er aber auch spätabends korrigieren, wenn seine Kinder schon im Bett sind. Dafür kann er nachmittags mit ihnen spielen, malen oder basteln.

læcheln

, ≈ eine freundliche Mimik

mit einem Lachen zeigen

die ]lterninitiative, -n , hier: ≈ Gruppe von Eltern, die einen Kindergarten startet ¡ntspannt , hier: ohne Stress das [rbeitspensum

, (tägliche) Arbeit;

Aufgabe

das Einkommen, , Bezahlung für Arbeit gew“nnen

, hier: mehr bekommen

das Bed•rfnis, -se , Wunsch; hier auch: etwas, das man braucht stændig , immer; dauernd

relativ , ziemlich frei gest„lten

, nach eigenem Wunsch

planen und organisieren sogar , ≈ auch

“n Teilzeit , so, dass man nicht den ganzen Tag oder nicht jeden Tag der Woche arbeitet “n Zeitnot k¶mmen

, ≈ Stress haben, weil man

zu wenig Zeit hat

¢ngleich verteilt , hier: nicht immer zu gleichen, sondern zu verschiedenen Tageszeiten best“mmte (-r/-s) , hier: ≈ geplante(-r/-s) dafür … , hier: ≈ aber, weil das so ist …

beobachten , genau sehen, was andere machen spüren , fühlen; merken das Verstændnis , hier: Verstehen; Akzeptieren

der/die Alleinerziehende, -n , Person, die Kinder ohne Partner erzieht (erziehen , ≈ den Charakter eines Kindes formen) die Lebensgemeinschaft, -en , Paar oder mehrere Personen, die zusammenleben

Fotos: Marcel Burkhardt; Westend61/Chris Adams

Während Mohs das sagt, sitzt die kleine Merle mit am Esstisch und bekommt etwas Milch. Als sie getrunken hat, drückt sie ihren Kopf gegen den Körper ihrer Mutter und lächelt zufrieden. Die Vormittagsstunden gehören den beiden. Für die Jungs hat Familie Mohs nach langer Suche zwei Plätze im Kindergarten einer privat organisierten Elterninitiative gefunden – von morgens um neun bis nachmittags um zwei werden sie dort betreut. In den Kindergärten der Stadt waren alle Plätze schon weg. Die zahlt nun aber wenigstens einen Großteil der Kosten für die Betreuung in der Elterninitiative. Wie viele andere wirtschaftlich starken Städte wächst auch die Einwohnerzahl von Mainz seit Jahren sehr schnell. Das heißt: Trotz der Verbesserungen bei der Kinderbetreuung fehlen an vielen Orten noch immer Angebote. Das macht vielen Eltern Stress. Bei Familie Mohs ist die Situation etwas entspannter, weil Mutter Charlotte mit dem Baby noch zu Hause ist. Ihr Mann arbeitet als Lehrer. In diesem Schuljahr hat er sein Arbeitspensum aber auf 50 Prozent reduziert. Das Einkommen ist trotzdem hoch genug für


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Rund 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen wachsen in Deutschland bei verheirateten Paaren auf, fast 20 Prozent bei Alleinerziehenden und circa zehn Prozent in anderen Formen von Lebensgemeinschaften.

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1,5 Kinder bekommt eine Frau in Deutschland statistisch gesehen. Das ist noch leicht unter dem Durchschnitt der Europäischen Union. Der Trend in Deutschland geht aber nach oben. Allein mit Mama (oder Papa)

In Deutschland wächst heute fast jedes fünfte Kind mit nur einem Elternteil auf – in neun von zehn Fällen mit der Mutter. Lebten 1996 noch rund 1,9 Millionen Kinder nur mit Mutter oder Vater, so sind es heute etwa 2,3 Millionen. Damit ist die Zahl der Kinder, die bei einem Elternteil leben, von fast zwölf Prozent im Jahr 1996 auf circa 18 Prozent im Jahr 2015 gestiegen. Viele Menschen haben über Alleinerziehende immer noch

Vorurteile. Die Ärztin und Bloggerin Alexandra Widmer fasst diese so zusammen: „Alleinerziehende bekommen Hartz IV, gucken RTL, sind dumm.“ Gemeinsam mit anderen Alleinerziehenden kämpft Widmer gegen diese Klischees und fordert mehr Hilfe von der Politik. Zum Beispiel, um das Problem zu lösen, dass nur jedes vierte Kind Unterhalt bekommt. In den meisten Fällen zahlen die Väter nämlich nicht, auch wenn sie das müssen.

der/die Alleinerziehende, -n , Person, die Kinder ohne Partner erzieht

g¢cken , m sehen

Fast 738000 Kinder sind 2015 geboren worden – so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. (erziehen , ≈ den Charakter eines Kindes formen)

das Vorurteil, -e , hier: ≈ negative Meinung, die viele Menschen über Alleinerziehende haben

das H„rtz IV , Geld, das Arbeitslose und sehr arme Menschen als finanzielle Unterstützung vom deutschen Staat bekommen

das RTL , hier: deutsche Fernsehstation, die sich selbst finanziert, z. B. mit Werbung f¶rdern , hier: sagen, dass man … haben will der }nterhalt , hier: ≈ Geld für ein oder mehrere Kinder vom früheren Partner

Fotos: xxxx Foto: Yuri Acurs/iStock.com

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Fotos: xxxxxx

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Großfamilien sind in Deutschland selten geworden: In nur 0,5 Prozent der Haushalte leben Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln unter einem Dach.

Der „Mythos der deutschen Mutter“ ist nicht mehr sehr populär

Dass beide Elternteile arbeiten, ist heute normal. Der früher vor allem in Westdeutschland gepflegte „Mythos der deutschen Mutter“, die zu Hause bleibt und sich auf Kinder und Haushalt konzentriert, ist nicht mehr sehr populär. Und auch mit dem bösen Wort der „Rabenmutter“, die Karriere macht statt sich in Vollzeit um die Kinder zu kümmern, können die meisten jungen Deutschen kaum noch etwas anfangen. Auf der anderen Seite üben sich berufstätige Eltern täglich im Balanceakt, der auch mal zur Zerreißprobe werden kann. Zum Beispiel, wenn die Kinder krank sind. Für die meisten Familien ist das eine Ausnahme, für Katrin und Peter Dörrie ist es Alltag. Ihr Sohn Samuel (2) hat eine seltene Krankheit. Dadurch wachsen bestimmte Körperteile zu stark – bei ihm zum Beispiel eine Wange und ein Fuß.

Die Krankheit ist so selten, dass es in Deutschland nur zwei Ärzte gibt, die sie gut verstehen. Die Dörries müssen deshalb mehrmals im Jahr in Kliniken fahren, die mehrere Hundert Kilometer entfernt sind. Außerdem bekommt Samuel jede Woche Physiotherapie, zu der ihn seine Eltern bringen müssen. Weil die Pflege und Betreuung des Kleinen sehr viel Zeit braucht, arbeitet jedes Elternteil nur 50 Prozent – sie vor allem vormittags, er nachmittags bis in den Abend hinein. Außerdem sind Samuels Großeltern in die Nähe gezogen. Sie betreuen den Jungen jetzt einmal pro Woche. Peter Dörrie wirkt entspannt, während er zusieht, wie sein Sohn Zeitschriften zerfleddert. Der Blick des Vaters ändert sich erst, als er von den Ängsten spricht, die er und seine Frau immer wieder um ihr Kind haben. Zum Beispiel, wenn Samuel von starken Krämpfen geplagt wird. Was Dörrie auch nicht brauchen kann, sind die Kommentare vor allem alter Frauen. Eine hat Samuel vor Kurzem an der Bushaltestelle intensiv angeschaut und dann gefragt: „Da kann man aber schon noch was machen, oder?“ Der 32-Jährige schüttelt den Kopf: „Was willst du da sagen?“ Was er sich wünscht: eine Gesellschaft, in der sein Sohn aufwachsen kann, ohne ausgeschlossen zu werden. „Da leben wir eigentlich in einem guten Land“, sagt er. Bald kommt Samuel zum Beispiel in einen integrativen Kindergarten. Außerdem wünscht er sich, den Spagat zwischen Familienleben und Beruf auch dann noch hinzubekommen, wenn im nächsten Jahr das zweite Kind geboren wird. „Gemeinsame Zeit in der Familie ist doch das kostbarste“, sagt Dörrie.

der Haushalt, -e

, hier: alle Personen,

die zusammen in einer Wohnung oder einem Haus leben die Digitalisierung , von: digitalisieren = so ändern, dass alles mit Computertechnik funktioniert und kontrolliert wird

der Dr¢ck , hier: ≈ unangenehmer Effekt eingehen auf , hier: tun, was sich jemand wünscht aufbauen

, hier: beginnen; starten

s“ch neu erf“nden , sich ändern, um etwas Neues zu machen mal sehen , m warten, was passieren wird pflegen , hier: alles tun, damit der Mythos bleibt die Rabenmutter, ¿

, d Mutter ohne Gefühle

für ihre Kinder

(der Rabe, -n , großer schwarzer Vogel) “n V¶llzeit , so, dass man zwischen 35 und 42 Stunden pro Woche arbeitet; hier: 24 Stunden am Tag kaum n¶ch ¡twas „nfangen kœnnen m“t , hier: nicht benutzen; nicht gut finden s“ch “m Balanceakt üben franz. , versuchen, eine Lösung zu finden, die zwei verschiedene Dinge möglich macht berufstätig

, so, dass man in einem

speziellen Beruf arbeitet

zur Zerreißprobe werden , eine intensive psychische Anstrengung werden

die Ausnahme, -n , Sache, die anders ist als normal; L Regel die s¡ltene Kr„nkheit, -en

, Krankheit, die nur sehr

wenige Menschen bekommen oder haben best“mmte (-r/-s) , hier: so, dass es biologische Kriterien dafür gibt die W„nge, -n , Gesichtsteil, rechts und links von Nase und Mund entsp„nnt , hier: ruhig und ohne Angst zerfl¡ddern , ≈ Hefte oder ein Buch kaputt machen der Kr„mpf, ¿e

, plötzliche Kontraktionen

der Muskeln

(der M¢skel, -n , elastischer Körperteil, um z. B. Arme und Beine oder ein Organ zu bewegen) geplagt werden v¶n

, hier: Schmerzen haben

wegen

den K¶pf sch•tteln , hier: m durch eine Geste mit dem Kopf zeigen, dass er das nicht gut findet ausschließen , hier: L integrieren; z. B. nicht in die normale Schule gehen dürfen der Spagat , hier: extrem schwierige Aufgabe, zwei komplett verschiedene Dinge zu kombinieren h“nbekommen , m eine schwierige Aufgabe mit Erfolg erledigen k¶stbar

, ≈ sehr schön und wichtig

Foto: Hans Endler/Lookphotos

Mohs hat einen staatlichen Arbeitgeber, der es ihm möglich macht, die gewünschte Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Er weiß: „Ich habe es leichter als viele Väter.“ In der Privatwirtschaft lassen sich Arbeit und Familie wirklich oft nicht so einfach vereinbaren. Einer von vielen Gründen: Glaubt man der Wirtschaft, dann spüren viele Firmen durch Globalisierung und Digitalisierung wachsenden Druck. Auf spezielle Wünsche von Müttern und Vätern gehen viele Arbeitgeber deshalb wenig ein. Charlotte Mohs denkt auch deshalb daran, in Zukunft ein eigenes Geschäft aufzubauen. „Ich kann mich in meiner Elternzeit neu erfinden“, sagt sie und lacht: „Mal sehen, wo mich das beruflich hinführt.“


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Elternzeit: eine sichere Pause vom Beruf

Arbeitnehmer haben in Deutschland ein Recht auf Elternzeit. Als Elternzeit gelten die drei Jahre nach der Geburt eines Kindes, in dem ein Arbeitsverhältnis ruhen kann, ohne dass der Elternteil schwere berufliche Nachteile befürchten muss. Sowohl Mütter als auch Väter können die Elternzeit zur Betreuung und Erziehung des Kindes nutzen. Während der Elternzeit darf einem Arbeitnehmer nur in sehr speziellen Fällen gekündigt werden. In diesen Fällen braucht der Arbeitgeber aber eine staatliche Erlaubnis. Nach dem Ende der Elternzeit haben Mütter und Väter das Recht auf den Arbeitsplatz, den sie davor hatten, oder mindestens einen genauso guten Arbeitsplatz.

Mütter sind in Deutschland bei der Geburt ihres ersten Kindes im Durchschnitt 29,5 Jahre alt.

das R¡cht, -e

bef•rchten

, ≈ Regeln eines Staates; hier:

, sich Sorgen machen

das [rbeitsverhältnis, -se , hier: Pflicht zu Arbeiten

die Betreuung , von: betreuen = sich kümmern um

≈ garantierte Möglichkeit

(die Pfl“cht, -en , Sache, die man tun muss) ruhen , hier: nicht aktiv sein

die Erziehung , von: erziehen ≈ den Charakter eines Kindes formen n¢tzen , ≈ benutzen

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FAMILIEN IN DEUTSCHLAND

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Wünschen sich für ihren Sohn eine Gesellschaft, die alle integriert: Katrin und Peter Dörrie mit Samuel

Das klassische Rollenmodell ist immer noch aktuell

Die Realität aber sieht anders aus: Laut Statistischem Bundesamt arbeiten neun von zehn Vätern von Kindern unter sechs Jahren Vollzeit, aber nur jede vierte Mutter. Sind die Kinder älter als sechs, arbeitet jede dritte Mutter Vollzeit. Und das, obwohl sich vor allem beruflich höher qualifizierte Frauen eine bessere Teilhabe im Berufsleben und Chancengerechtigkeit wünschen. Ein Problem ist heute aber immer noch, dass auch bei ähnlicher Qualifikation Männer oft viel mehr Geld bekommen als ihre Partnerinnen. Und je stärker der Einkommensunterschied, desto klassischer ist das Rollenmodell. Insgesamt leisten Mütter in Deutschland pro Woche so auch zehn Stunden mehr Kinderbetreuungsarbeit als Väter. Das heißt: Erziehung, Haushalt oder Hilfe bei den Hausaufgaben der Kleinen ist meistens noch immer Frauenarbeit. Im Haushalt von Familie Drabandt in Eichenberg, einem 200-Einwohner-Dorf in Thüringen, muss nicht eine Frau das alles allein leisten. Die Drabandts sind eine wirkliche Großfamilie, wie sie heute in Deutschland sehr selten geworden ist. Unter einem Dach leben drei

w“rd der Ruf nach … lauter , ≈ wollen mehr Leute … haben vorsehen für , hier: planen, dass das R¡cht, -e , Regeln eines Staates; hier: ≈ garantierte Möglichkeit zur•ckkehren

, zurückkommen

den [nschluss verlieren , hier: z. B. Änderungen und technische Verbesserungen nicht kennen d¢rchsetzen , die eigenen Ziele erreichen einen N¡rv tr¡ffen , hier: etwas zum Thema machen, was zur aktuellen Situation passt

ger¡cht

, hier: so, dass jeder gleich

viel Zeit dafür hat

unterein„nder aufteilen , hier: gemeinsam vereinbaren, wer sich wann wie lange kümmert Laut Stat“stischem B¢ndesamt … , Wie das Statistische Bundesamt berichtet, … die Teilhabe

, hier: das Teilnehmen

die Chancengerechtigkeit franz. , hier: gleiche Chancen für die Frauen leisten , gute Arbeit tun; hier: ≈ machen

die Studie, -n , ≈ systematische Untersuchung

Foto: Marcel Burkhartdt

Das sieht er nicht allein so. Jetzt, wo Deutschland eine neue Regierung bekommt, wird auch der Ruf nach mehr Hilfe wieder lauter: Eltern wünschen sich mehr Zeit für Kleinkinder, ohne Chancen im Berufsleben zu verlieren. Die Parteien reagieren auch, vor allem die Sozialdemokraten (SPD). Ihr Modell sieht für Mütter genauso wie für Väter vor, ihre Arbeitszeit auf 26 bis 36 Stunden reduzieren zu dürfen. Dafür sollen sie 300 Euro Kompensation pro Monat bekommen. Vor allem aber sollen sie das Recht bekommen, von Teilzeit in Vollzeit zurückzukehren. Das würde vor allem Frauen helfen, den beruflichen Anschluss nicht zu verlieren. Das Problem dabei: Die SPD ist jetzt in der Opposition – und konnte ihre Pläne schon während ihrer Regierungszeit nicht durchsetzen. Trotzdem treffen die Ideen einen Nerv: So zeigt eine Studie des Bundesfamilienministeriums, dass sich Mütter und Väter die Betreuung kleiner Kinder gern gerechter untereinander aufteilen würden; 60 Prozent finden es ideal, wenn beide sich in gleichen Teilen um Familie und Haushalt kümmern und ähnlich viel beruflich arbeiten.


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Im Halbschla

f unterweg s

Übermüde t nach einem langen Über verlässt du das Flugz eug und trotte seeflug anderen Reis Fluggästen st den en Richtung hinterher. und Gepäckba Du merkst nd Al Eink nicht, dass dir direkt s aufe der Herr auf den Ausg vor re Tagesz n ang zuste Sicherheits gelm ei uert und bereich verlä äßig tungsa den Pa sst – und extre bonn du mit ihm. uschal Türk en wieder | -K ei od ulturre m güns t beko Schalter | so passieren tig | Zollbeamt lchen er Äg isen du e An mmst du ern de ge Reise ypte rch er Länd bote teil n. Du Kuns sten er w für than Tage und er nimmst ie di eige n ei wirb dw an e ne er ntlic ei st h ni k und n Tepp scho ner n in cht ande ich, billi brau g chst. re Ding divers Verk | Tepp e, di es ich aufs e du vera manuf nsta aktu ltung r| en | Üb erge päck GM_2287_HU

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Das zahlt der Staat

das M“ttel, , hier: Geld zusätzlich , hier: noch dazu die Teilzeitarbeit, -en , Arbeit, die man nicht den ganzen Tag oder nicht jeden Tag der Woche macht

der P„rtnerschaftsbonus , ≈ Vorteil für Eltern, die in einer Partnerschaft leben (die P„rtnerschaft, -en , hier: Ehe; ≈ Zusammenleben wie in einer Ehe) das B¢ndesland, ¿er , Teil einer föderalistischen Republik

Alle Spiele sind auch für die Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch erhältlich.

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Spielend Sprachen lernen Für alle, die spielerisch Vokabeln, Gedächtnis und Konzentration trainieren möchten Ein Wochenende in Berlin Bildnachweis © Thinkstock/iStock/TomasSereda

In Deutschland gibt es mehrere wichtige sozialpolitische Mittel zur Unterstützung von Familien. Das erste ist das Kindergeld, das Familien ab Geburt eines Kindes bis zu 25 Jahre lang bekommen. Es soll Eltern dabei helfen, ihre Kinder zu finanzieren. Das Kindergeld hat eine lange Tradition. Ab Januar gelten neue Beträge. Dann gibt es für jedes der ersten beiden Kinder monatlich 194 Euro, für das dritte Kind 200 Euro und ab dem vierten Kind 225 Euro. Zusätzlich zum Kindergeld gibt es seit 2007 das Elterngeld vom Staat. Das sind 67 Prozent des Nettogehalts, maximal 1800 Euro pro Monat, für bis zu 14 Monate. Seit letztem Jahr gibt es außerdem das Elterngeld Plus: Das soll es Müttern und Vätern leichter machen, Elternzeit und Teilzeitarbeit miteinander zu kombinieren. Das Prinzip dahinter: Eltern, die nach der Geburt des Kindes Teilzeit arbeiten, können längere Zeit Elterngeld bekommen, als wenn sie nicht arbeiten. So werden aus einem Elterngeldmonat zwei Elterngeld-Plus-Monate. Entscheiden Mütter und Väter sich, gleichzeitig mit ihrem Partner in Teilzeit zu gehen – für vier Monate lang parallel und zwischen 25 bis 30 Wochenstunden – bekommen sie mit dem Partnerschaftsbonus vier zusätzliche Elterngeld-Plus-Monate. In drei Bundesländern gibt es eine Sozialleistung für Familien, die ihre Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr betreuen, ohne dabei öffentliche Angebote wie Kindergärten zu nutzen. In Sachsen und Thüringen heißt die Leistung Landeserziehungsgeld, in Bayern Betreuungsgeld. Eltern bekommen pro Kind monatlich mindestens 150 Euro. Um das Betreuungsgeld hatte es in Deutschland lange Diskussionen gegeben. Es war nach dem Willen der konservativen bayerischen Regierung 2012 eingeführt worden. Kritiker nannten das Geld für Mütter, die ihr Kleinkind zu Hause selbst versorgen, eine „Herdprämie“.

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Spielend die Stadt entdecken und die Sprache lernen!

die Sozialleistung, -en , finanzielle Hilfe vom Staat betreuen

, sich kümmern um

n¢tzen , ≈ benutzen einführen , hier: entscheiden, dass es etwas Neues gibt vers¶rgen , hier: sich kümmern um

Hueber

Freude an Sprachen


FAMILIEN IN DEUTSCHLAND

Bekommen viel Hilfe von Verwandten: Esther und Tobias Drabandt mit Elias, Felix (unten) und Hund Emy

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Foto: Marcel Burkhardt

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FAMILIEN IN DEUTSCHLAND

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Die deutsche Durchschnittsfamilie hat zwei Kinder – und die Eltern sind miteinander verheiratet. Generationen. In einem Nachbarhaus auf dem Hof wohnen außerdem noch zwei Tanten. Esther Drabandt, Mutter von zwei Schuljungen, ist froh über diese Konstellation. „Es ist immer jemand da, der sich um die Jungs kümmert“, sagt die Bankangestellte. „Wenn wir die Großeltern und Tanten nicht hier hätten, könnte ich zum Beispiel nicht voll arbeiten, sondern höchstens 20 Stunden pro Woche.“ Esther (39) und ihr Mann Tobias (38) können viele Beispiele von familiärer Solidarität aufzählen. Von den täglichen Betreuungszeiten, die Oma Heiderose und Opa Hartmut übernehmen, bis zu den Urlauben der Jungs mit Tante Jeannette. Auch die sind wirklich ein Glücksfall, denn die Kinder haben 14 Wochen schulfrei, ihre Eltern aber maximal 30 Tage Urlaub.

Ferien bedeuten für Eltern oft Stress

Denn so etwas wie die „Ferienspiele“, in die Tobias Drabandt als Kind ging, gibt es heute nicht mehr. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die bis 1990 existierte, boten die Schulen berufstätigen Eltern eine Kinderbetreuung auch in den Ferien an. „Die Ferienspiele waren eine gute Sache“, erinnert er sich. Wie er fragen sich viele heutige Eltern, die in der DDR aufgewachsen sind, warum Schulen das nicht mehr haben. Zum Glück gibt es in vielen Städten aber Vereine und Institutionen, die ein Ferienprogramm für Kinder anbieten. Außerdem gibt es den sogenannten Hort. Dort werden jüngere Schulkinder nachmittags betreut und können mit Unterstützung der Betreuer auch ihre Hausaufgaben machen. Auch hier gibt es ein Angebot zu bestimmten Ferienzeiten.

Während das Angebot an Hortplätzen in Ostdeutschland gut ist, fehlt es in vielen, vor allem wirtschaftlich starken westdeutschen Regionen aber an Angeboten. Besonders in Großstädten wie München, Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart finden viele Eltern für ihre Kinder gar keinen Hortplatz. Und das in Städten, wo auch wegen der hohen Lebenskosten meistens beide Elternteile arbeiten müssen. Wenn dann nicht Großeltern oder andere hilfsbereite Menschen in der Nähe leben, haben Eltern ein Problem. Familiärer Zusammenhalt ist das eine. Das andere sind gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen. Um mehr Chancengerechtigkeit zwischen Müttern und Vätern zu erreichen, hat die Politik in den letzten Jahren zwar schon viel getan. Zum Beispiel haben Eltern inzwischen ein Recht auf Krippen- und Kindergartenplätze für ihre Kinder. Auch gibt es mehr Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen als vor ein paar Jahren. In vielen Regionen sind es aber noch immer zu wenige oder zu schlechte Angebote. Meistens zum Nachteil der Mütter: Denn durch Teilzeitjahre verlieren sie beruflich oft den Anschluss – in Karriere, Bezahlung und später in der Rente. Zum Problem wird das vor allem, wenn die Ehepartner nicht zusammenbleiben. Statistisch gesehen, bleiben Ehepartner heute bis zur Scheidung durchschnittlich nur 15 Jahre verheiratet. Frauen, die während dieser Zeit kein eigenes Einkommen verdient haben, haben als Geschiedene meistens ein großes Armutsrisiko, wenn der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt nicht gelingt. Eine Frau wie Laura Müller rät Müttern deshalb, unabhängig zu sein von ihren Partnern und ihr eigenes Geld zu

die Generation, -en

h“lfsbereit

, Altersgruppe in einer

, so, dass man gerne hilft

der Hof, ¿e , hier kurz für: Bauernhof

der Zus„mmenhalt , von: zusammenhalten = sich gern mögen und sich gegenseitig helfen

die Konstellation, -en , hier: Form des Zusammenlebens in einer Familie

die Rahmenbedingung, -en , hier: schriftliche Normen als Basis

aufzählen , eine Sache nach der anderen nennen

das [rmutsrisiko , Risiko, dass man arm wird

Familie, z. B. Großeltern, Eltern, Kinder …

übernehmen

, hier: sich kümmern um

der Gl•cksfall, ¿e , zufällige Sache, die besonders glücklich macht existieren

, hier: da sein; ≈ geben

während , hier: ≈ im Gegenteil dazu

der Wiedereinstieg, -e , hier: Möglichkeit, wieder im alten Beruf oder neu in einem anderen Beruf zu starten


FAMILIEN IN DEUTSCHLAND

verdienen. Die Angestellte aus der Nähe von Frankfurt ist seit der Trennung von ihrem Partner alleinerziehende Mutter. Ihren echten Namen möchte sie nicht publiziert sehen, aus Sorge vor einer „Sonderrolle“ am Arbeitsplatz. Die 44-Jährige will kein Gerede und kein Mitleid. „Ich bin so normal wie alle anderen auch“, sagt die Frau, die stark sein muss wie zwei. Zum Glück braucht Müller nur fünf Stunden Schlaf, trinkt keinen Alkohol und macht viel Sport. „Das hält mich fit“, sagt sie. „Schwächen kann ich mir keine erlauben.“ Trotz ihres guten Einkommens muss die Alleinerziehende aufpassen, dass sie nicht zu viel Geld ausgibt. Denn obwohl der Vater des gemeinsamen Sohnes Unterhalt zahlen muss, kommt nur sehr selten Geld für den Jungen an. „Große Sprünge sind nicht möglich“, sagt Müller. Theaterabende oder Kinobesuche sind selten geworden, weil zu dem Eintritt immer auch 50 Euro für den Babysitter kommen: „Da überlege ich schon dreimal.“ Ihre Eltern leben mehr als 100 Kilometer entfernt. Oma und Opa können also nicht spontan mal vorbeikommen und den Kleinen betreuen. „Aber in den Ferien fährt Max inzwischen gern zu ihnen

Deutsch perfekt 12 / 2017

aufs Land“, sagt sie. Noch sind ihre Eltern gesund. Sie hofft, dass es noch lange so bleibt. Denn allein ein Kind erziehen, arbeiten und die Eltern pflegen, das würde auch eine starke Frau wie diese an ihre Grenzen bringen. Müller versucht, an so etwas nicht zu denken. Es gelingt aber nicht immer. Und manchmal hat sie auch Angst vor einer möglichen eigenen Krankheit. „Wer würde sich dann um Max kümmern?“, fragt sie nachdenklich. Sie findet zwar, dass ihr Ex-Partner eigentlich „ein lieber Kerl“ ist. Aber sie glaubt nicht, dass er es schaffen könnte: „Er pflegt schon die eigene 80-jährige Mutter.“ Müller schaut auf die Uhr. Sie muss los, den Jungen aus dem Kindergarten holen. Ihr Gesicht hellt sich auf. Sie freut sich auf die gemeinsame Zeit mit ihm. „Wenn wir zusammen sind und ich ihn glücklich sehe, dann vergesse ich oft meine eigenen Sorgen.“ Auf dem Weg zum Kindergarten sagt sie, dass sie das Gefühl von Zweisamkeit in einer Partnerschaft vermisst. Ein neuer Partner wäre gut. Aber Müller sucht nicht verzweifelt. „Eine große Liebe habe ich ja, meinen Max.“ Sie sagt: „Partner kommen und gehen – die Beziehung zu einem Kind hält ein Leben lang.“

die S¶nderrolle, -n

, hier: Art, wie sie nach

Meinung der anderen sein soll

das Gerede , ≈ Gespräch über das Leben anderer Leute mit (nicht wahren) privaten Informationen das M“tleid , trauriges Gefühl für andere, wenn sie Schmerzen oder Sorgen haben f“t h„lten , machen, dass man fit bleibt die Schwæche, -n

, hier: fehlende körperli-

che und psychische Kraft

der }nterhalt , hier: ≈ Geld für ein oder mehrere Kinder vom früheren Partner Große Spr•nge s“nd n“cht möglich. , m ≈ Teure Sachen kann man nicht bezahlen. dreimal überlegen

, m ganz genau

überlegen

„n ihre Gr¡nzen br“ngen

, hier: ≈ machen, dass sie

körperlich und psychisch krank wird

der K¡rl, -e , m Mann sch„ffen , eine schwierige Aufgabe mit Erfolg erledigen s“ch aufhellen , hier: freundlich werden die Zweisamkeit , ≈ friedliches, glückliches Zusammensein von zwei Personen die P„rtnerschaft, -en

, hier: Zusammenleben

als Paar

verm“ssen , traurig sein, weil etwas nicht da ist verzweifelt , sehr unglücklich; hier: intensiv; so, dass sie dringend einen Partner braucht

Foto: Spaces Images/Lookphotos

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Deutsch perfekt 12 / 2017

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MEIN ERSTES JAHR

Hélène Koch

Heimat: Belgien Alter: 26 Jahre

Beruf: Studentin der Forstwirtschaft Start: Februar 2016

Hobbys: Spazierengehen, Wandern, Sticken

„Ich war wie ein Teil der Familie“ Hélène Koch ist nach Deutschland gekommen, um den Wald zu studieren. Bei ihrem Praktikum hat die Belgierin nicht nur viel über die Natur gelernt. Sie hat auch ein Dorf mit Freunden gefunden. LEICHT AUDIO

F

Fotos: privat; image-broker/mauritius-images

Der Pfälzerwald Dort liegt er: Rheinland-Pfalz Dort wohnen: circa 160 000 Menschen Interessant ist: Die Region mit dem Naturpark Pfälzerwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands; dort stehen historische Monumente wie die Reichsburg Trifels oder das Hambacher Schloss. Mein Tipp In Johanniskreuz steht das Haus der Nachhaltigkeit. Dort gibt es viele Informationen, Ausstellungen und Workshops zu einem harmonischen Leben mit der Natur. Und es gibt tolle lokale Produkte: Besucher können zum Beispiel Marmelade kaufen – und viele schöne Sachen aus Holz.

ür eine Försterin ist der Pfälzerwald wirklich die beste Option. Dort stehen sehr alte Eichen. Es gibt außerdem Gebiete mit vielen anderen Bäumen – und Biotope mit weniger Menschen oder Häusern. Deshalb war für mich klar: Für mein Praktikum will ich in diese Region Deutschlands. Klar war aber auch: Dort gibt es nur sehr kleine Orte. Davor hatte ich etwas Angst. Also habe ich Studenten gefragt, die schon dort gewesen waren: Wie war es? Waren die Menschen nett? War es langweilig? Nicht alle haben Positives erzählt. Viele von ihnen konnten aber auch kein Deutsch. Ich habe schon in der Schule Deutsch gelernt. Jetzt weiß ich: Das hat den Unterschied gemacht. Die Leute in dem kleinen Dorf Iggelbach im Zentrum des Walds waren sehr nett zu mir. Sie haben an meine Tür geklopft. Und weil Karneval war, haben sie mich zu einem Fest eingeladen. Auch ein Kostüm hatten sie für mich. Sie haben wirklich viel für mich getan. So habe ich einige Menschen aus dem Dorf schnell kennengelernt. Manche Iggelbacher haben mich zum Beispiel zum Abendessen eingeladen, damit ich abends nicht allein bin. Auch an meinem Arbeitsplatz waren alle sehr nett. Ich war wie ein Teil der Familie. Ohne Deutschkenntnisse hätte ich nie die gleiche Erfahrung gemacht. In Iggelbach wohnen aber nur wenige Leute in meinem Alter. Mit 18 Jahren ziehen viele weg. Sie gehen zum Studieren oder Arbeiten in die Städte. Ein paar von ihnen kommen später mit ihren Familien wieder. Für junge Menschen ist es dort nicht so einfach. Aber für mich war es genau richtig. Ich liebe den Wald und die Natur. Nach drei Monaten bin ich für den nächsten Teil meines Studiums nach Freiburg gezogen. Mein Leben ist jetzt komplett anders. In der Stadt leben viele Studenten. Es gibt auch ein großes kulturelles Angebot. Mein Kalender ist immer voll. Ich kann schnell mit dem Fahrrad ins Kino fahren. Im Pfälzerwald war das ganz anders. Dort musste ich immer jemanden bitten, mich im Auto mitzunehmen. Aber so oft wollte ich nicht weg. Ich habe nur gute Erinnerungen an die Zeit. Aufgeschrieben von Tanja Haas

Hélène Koch

Der Pfälzerwald

die F¶rstwirtschaft, -en , hier: ≈ systematisches Studieren von der Administration von einem großen Wald: Wie kümmert man sich darum? Wie verkauft man das Holz?

das zus„mmenhängende W„ldgebiet, die zus„mmenhängenden W„ldgebiete , sehr großer Wald aus verschiedenen Wäldern: Sie machen zusammen einen ganzen Wald.

st“cken , mit buntem Faden z. B. ein Bild auf Stoff machen (b¢nt , in vielen Farben) (der Faden, ¿

, ≈ langes, sehr dünnes

Ding: Damit macht man z. B. Kleidungsteile zusammen zu einem Kleidungsstück.) die Fœrsterin, -nen , Frau: ≈ Sie kümmert sich um den Wald und die Tiere dort. die Eiche, -n , Baum mit Blättern und harten Früchten das Gebiet, -e , großes Areal gewesen waren , Plusquamperfekt von: sein hætte … gem„cht , Konj. II der Vergangenheit von: machen w¡gziehen , hier: umziehen, um an einem anderen Ort zu leben gezogen , Part. II von: ziehen = hier: umziehen

die Reichsburg, -en

, ≈ großes, massives

Schloss: Der oberste Monarch hat dort auf seinen Reisen gewohnt. Mein Tipp die Nachhaltigkeit , hier: Form des Lebens: Dabei wird die Natur für die nächste Zeit geschützt. (sch•tzen , hier: aufpassen, dass etwas nicht kaputtgeht) lokal , hier: aus der Region


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GESELLSCHAFT

Deutsch perfekt 12 / 2017

Was, wie heiĂ&#x;en Sie? Adolf?

Ein Bild von Adolf Hitler als Teil einer Kunstinstallation auf einer Berliner Fassade.


Deutsch perfekt 12 / 2017

GESELLSCHAFT

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Bis in seine Jugend hinein hatte unser Autor kein Problem mit seinem Vornamen. Dann aber kamen die unsicheren Blicke seiner Umgebung und mit ihnen die Frage: Was hatten seine Eltern sich nur gedacht? Von Adolf Stock MITTEL

Foto: picture alliance/AP

A

dolf mit ph?“ Die freundliche Stimme am Telefon will retten, was aber nicht zu retten ist. „ „Nein, Adolf mit f.“ Selbst schuld, wird sich die Dame am Telefon denken. An ihr lag es nicht. Sie hat alles versucht, was sie tun kann, um mich vor einer peinlichen Situation zu schützen. Eine andere Stimme am Telefon fragt noch einmal nach, um ganz sicher zu sein: „Alfred?“ „Nein, Adolf“, bekommt sie als Antwort. Auch diesmal gab es keine Chance, etwas falsch zu verstehen. Seit Anfang der 50er-Jahre ist der Vorname Adolf fast ausgestorben. Ich selbst hatte das erst einmal gar nicht gemerkt. Als Kind in einer nordhessischen Kleinstadt hat mir kein Mensch aus meinem Namen einen Vorwurf gemacht. Seit ein paar Jahren hieß die Straße, in der meine Eltern wohnten, wieder Brunnenstraße. Adolf-Hitler-Straße, das war jetzt vorbei, sollte vorbei sein. Adolf Hitler war gestern. Mein Vater hatte von der Rückbenennung der Straße gar nichts gemerkt. Er kam erst am Nikolaustag 1949 aus der russischen Gefangenschaft. Als Kind und in meiner Jugend war die Welt noch in Ordnung. Ich lebte ziemlich ohne Sorgen und Probleme, war sogar etwas stolz, dass ich nicht Uwe, Wolfgang oder Peter hieß. Adolf war keiner der Namen, die es gleich mehrere Male in meiner Klasse gab. Es hat lange gedauert – ich war schon 15 oder so –, bis ich merkte, dass mit meinem Namen etwas nicht stimmen konnte. Mitte der 60er-Jahre war ich schon in Kassel, um

das Bäckerhandwerk zu lernen. In der Stadt, in der Kneipe oder in der Berufsschule tuschelten plötzlich manchmal Leute hinter meinem Rücken oder sahen mich etwas komisch an, wenn ich „Adolf“ sagte. Der Name Adolf ist althochdeutsch. Er bedeutet Edelwolf. Das ist doch schön. Also alles gut, wäre da nicht der Diktator aus Braunau am Inn. Der Mann raubt dem Namen bis heute die Unschuld. Kenner der Geschichte denken auch an den Holocaust-Chefplaner Adolf Eichmann, was die Sache nicht besser macht. 2006 wurden in Deutschland 672 724 Babys geboren, nur ein einziges wurde (aber mit zweitem Vornamen) Adolf genannt. Am Ende des 19. Jahrhunderts war Adolf sehr populär. Besonders in Südund Westdeutschland. 1890 waren nur zwölf andere männliche Vornamen populärer, Namen wie Fritz, Franz oder Emil. Vielleicht dachten die Eltern an Adolph Knigge, den Aristokraten, der seit Mitte des 18. Jahrhunderts für gutes Benehmen steht. Oder an Gustav Adolf, den protestantischen König aus Schweden. Auch der sozial engagierte Kirchenmann Adolph Kolping genoss hohen Respekt, vor allem bei Katholiken. „Solche Leitbilder wie Adolph Kolping brauchen wir für die Kirche von heute“, sagte Papst Johannes Paul II. im Jahr 1991. Er hat damals wahrscheinlich nicht an den kontaminierten Vornamen gedacht. Angesprochen auf meinen nun also seltenen Namen wurde ich nie. Das war ein Tabu! Eine Art schlimme Political Correctness, würde ich heute sagen. Erst vor rund 20 Jahren änderte sich das

[n ihr lag ¡s n“cht. , hier: Sie war nicht schuld daran.

der Edelwolf, ¿e , ≈ schöner Wolf

peinlich , unangenehm vor anderen

(der W¶lf, ¿e , wildes Tier, das mit dem Hund verwandt ist und im Wald lebt)

nachfragen

, hier: durch Fragen

prüfen, ob etwas stimmt ausgestorben , hier: so, dass es den Namen nicht mehr gibt der Vorwurf, ¿e

, von: vorwerfen = hier:

sagen, dass man den Namen nicht gut findet

die R•ckbenennung, -en , von: zurückbenennen = den alten Namen geben der N“kolaustag, -e , 6. Dezember; Tag, an dem eine Figur, die ähnlich aussieht wie der Weihnachtsmann, den Kindern kleine Geschenke bringt die r¢ssische Gef„ngenschaft , in Russland mit vielen anderen Soldaten in ein Haus geschlossen sein und nicht weggehen dürfen (der Soldat, -en , Mann, der in Uniform für ein Land kämpft) sogar , ≈ auch das Bæckerhandwerk , Arbeit, bei der mit Händen und Werkzeugen Brot hergestellt wird

die }nschuld rauben , hier: ≈ der Grund sein, warum mit dem Namen schlimme Assoziationen gemacht werden das Jahrh¢ndert, -e , Zeit von 100 Jahren das gute Benehmen , gute Normen im Zusammenleben, z. B.: Wie grüßt oder isst man richtig? stehen für , hier: bekannt sein für sozial engagiert franz. , so, dass man soziale Organisationen startet oder unterstützt der K“rchenmann, -männer/-leute , Mann in einer hohen Position in der Kirche hohen Resp¡kt genießen , ≈ deutlich zeigen, wie wichtig und gut man findet, was eine Person macht s¶lche (-r/-s) , von der genannten Kategorie das Leitbild, -er , hier: Person als Beispiel, an dem sich alle orientieren sollen

h“nter seinem R•cken t¢scheln , ≈ wenn jemand nicht da ist, über ihn reden

der Papst, ¿e , Mann mit der höchsten Position in der katholischen Kirche

komisch „nsehen , m nicht gut finden, was jemand tut

kontaminiert , hier: ≈ schmutzig durch die historischen Ereignisse

„lthochdeutsch , aus der ältesten Form der deutschen Sprache bis ca. 1100

„nsprechen auf , hier: ehrlich und direkt über etwas sprechen


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GESELLSCHAFT

Deutsch perfekt 12 / 2017

Der Komiker Helge Schneider als Adolf Hitler im Film Mein Führer.

langsam. Plötzlich wurde ich mehr oder weniger frech gefragt, was sich meine Eltern nur dabei gedacht haben könnten, mir 1951 so einen Namen zu geben. Ich als erwachsener Mann und Papa und Mama standen plötzlich unter Anklage. Trotzdem, so seltsam das auch ist: Ich hatte nie den Wunsch, meinen Namen zu ändern. Er war von Anfang an ein fester Teil meiner Identität. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, meinen Namen nicht zu nennen. Auch Spitznamen wie Adi oder so fand ich schrecklich und wollte sie nicht haben. Nur in Italien fand ich Azzo oder Aldo ganz okay. Wahrscheinlich auch deshalb, weil es die Italiener nicht lassen können, den Namen noch ein bisschen länger zu machen („Adolfo Valentino“?). Schön ist auch, dass es in Souvenirläden keine Tassen und ähnliche Objekte gibt, die meinen Namen tragen. Das schützt wenigstens vor Geschenken, die ich wirklich nicht haben will. Der Name hat in meiner Familie Tradition. Mein Großvater und mein Vater hießen auch Adolf. Es gab aber keine besonders strenge Adolf-Konvention. Mein Vater bekam als zweitgeborener Sohn den Namen, der Erstgeborene hieß Karl. „Der Führer wünscht das nicht!“ Diesen Satz konnten Eltern, die einen

kleinen Adolf wollten, während der Nazi-Zeit auf dem Standesamt hören. Das weibliche Adolfine ging schon gar nicht, genauso wenig wie Namen wie Hitlerike oder Hitlerine. Am 3. Juli 1933 wurden solche Namen rückgängig gemacht und aus den Registern entfernt. Auch in Österreich waren diese Namen seit Sommer 1932 verboten. Als Ersatz für Adolf kamen Horst (wie der Komponist der Nazi-Parteihymne, Horst Wessel) oder Hermann (wie Hermann Göring, Hitlers Luftwaffenchef) in Mode. Nur wenige, ganz starke Nazis hätten ihr Kind trotzdem Adolf genannt, schreibt Oliver Lorenz in „Die Adolf-Kurve 1932–1945“, einem Beitrag zu dem Buch Volkes Stimme. Als Zweitname bekommen Babys in dieser Zeit den Namen Adolf dreimal so oft. Mit den anfänglichen Erfolgen des Nationalsozialismus ging es mit dem Namen deutlich nach oben. Als der Krieg begann, war der Hype gleich wieder vorbei. Von 43 000 Männern, die zwischen 1932 und 1945 in Frankfurt am Main geboren wurden, trugen 1800 die Namen Horst, Hermann oder Adolf. Vor zwei, drei Jahren wurde ich in der Vorweihnachtszeit von Berliner Freunden zum Tee und Plätzchenessen

mehr oder weniger , ≈ wirklich; eigentlich fr¡ch , hier: provozierend; unhöflich ¢nter [nklage stehen , hier: vermuten, dass sie Nationalsozialisten sind f¡st , hier: so, dass er sich nicht davon trennen will auf die Idee k¶mmen , ≈ die Idee haben der Sp“tzname, -n , hier: Name, den man von Freunden bekommt ¡s n“cht l„ssen kœnnen , m etwas tun, obwohl es vielleicht unhöflich, indiskret oder unsinnig ist str¡ng , hier: so, dass sie auf jeden Fall gilt zweitgeboren

, so, dass man einen

älteren Bruder oder eine ältere Schwester hat schon gar n“cht

, ≈ wirklich nicht

r•ckgängig m„chen , hier: ≈ ungültig machen entf¡rnen , hier: wegmachen der Ers„tz , hier: alternativer Name

der L¢ftwaffenchef, -s

, Chef von dem Teil der

Armee, der mit Flugzeugen kämpft die K¢rve, -n , ≈ Linie in der Form einer Kurve, die mathematische oder statistische Daten zeigt der Beitrag, ¿e , hier: Text in einem Buch deutlich , hier: stark das Plætzchenessen , Essen von kleinen, dünnen, süßen Kuchen, die speziell für Weihnachten gebacken werden


Foto: ddp images

Deutsch perfekt 12 / 2017

eingeladen. Die wunderbare Margot Friedlander saß an einem Tisch mit einem Glas Wasser und einer Tasse Tee. 1921 in Berlin geboren, hat sie den Holocaust überlebt. Sie erzählt die ganze Geschichte in ihrer Autobiografie Versuche, dein Leben zu machen. 2008 war sie von New York wieder zurück nach Berlin gezogen. Mein Vorname war für die alte Dame kein Problem. Als sie ihn hörte, lachte sie laut und sagte die tröstenden Worte: „Mein Mann hieß auch Adolf.“ Zwischen Tee und Plätzchen habe ich damals noch einen anderen Mann kennengelernt. Er war ein paar Jahre älter als ich. Wir kamen ins Gespräch. Er erzählte, dass auch er in Bad Wildungen zur Welt gekommen ist. Seine Mutter musste im Krankenhaus dort in den letzten Kriegstagen ihr Baby bekommen. Die Krankenschwester hat damals zu seiner Mutter gesagt: „Wollen Sie das Kind wirklich haben, jetzt, wo der Führer tot ist?“ Ich wurde im gleichen Krankenhaus fünf oder sechs Jahre später geboren. Als ich zur Welt kam, mit den Füßen zuerst, soll die Krankenschwester gesagt haben: „Da ist ja der kleine Adolf.“ Seit dem Weihnachtstee bei den Freunden in Berlin glaube ich, dass es beide Male die gleiche Krankenschwester war. Als Journalist in Deutschland ist der Name Adolf nicht immer ideal. Kollegen haben manchmal ein Problem damit. Als 2001 das Jüdische Museum in Berlin eröffnet wurde, berichtete ich über den Neubau von Daniel Libeskind. Der Kollege im Radio nannte mich damals Alfred. Er war nicht der Einzige. Jahre später machte ich einen Radiobeitrag über die Architektin Myra Warhaftig. 1930 in Haifa geboren, arbeitete sie später in Paris in einem Architekturbüro und kam Ende der 60er-Jahre nach Berlin. 2008 starb sie, die Akademie der Künste hat später mit einer kleinen Feier an sie erinnert. Eine Kollegin sprach über sie und zitierte auch aus meinem Radiobeitrag. Da war es wieder! „Das sagte Alfred Stock“, sagte die Kollegin vor dem Publikum.Ich habe sie später darauf

GESELLSCHAFT

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„So seltsam das ist: Ich hatte nie den Wunsch, meinen Namen zu ändern.“ angesprochen. Es war ihr peinlich, sie entschuldigte sich bei mir und gab eine Erklärung, die ich nie vergessen habe: „Ich stand dort vorne am Rednerpult und wusste auf einmal wirklich nicht mehr, ob du Adolf oder Alfred heißt. Ich dachte dann, wenn ich Adolf sage und das ist falsch, ist es viel schlimmer, als wenn ich fälschlicherweise Alfred sage.“ Das hat mich dann doch erstaunt, denn bis zu diesem Moment hatte mir noch nie jemand berichtet, warum er meinen Namen nicht korrekt nennt. Nicht überall hat man mit dem Namen so ein Problem wie wir. Das musste ich in New York erfahren. Freund Gregory hat sich um den Besuch aus Berlin gekümmert. Greg ist ein typischer New Yorker. Big Apple, Upper West Side. Greg hatte Karten für „The Colbert Report“ besorgt, eine satirische Comedyshow, absolut Kult. Vor dem Fernsehstudio stand eine lange Schlange, die meisten davon junge Leute. Stargast damals war Stephen King. Bevor es mit der Sendung losging, kam ein Einheizer und bereitete das Publikum darauf vor, wann es klatschen sollte. Er befragte auch Leute im Publikum. Ein Inder und eine Inderin, Bankangestellte aus Manhattan, kamen zu Wort und ein junger jüdischer Mann. Der sagte, dass er sehr unentschlossen ist, was er aus seinem Leben machen soll. Dann kam Greg an die Reihe: „Ich bin Gregory aus New York und bin mit meinen beiden Freunden aus Berlin hier.“ Dann weiter: „Ich bin Matthias aus Berlin.“ Dann zu mir: „Ich bin Adolf aus Berlin.“ Im ganzen Studio: Ruhe. Dann sagt der Einheizer in seinem breitesten Englisch „Adolf from Berlin.“ Das Studio tobt. Die Leute hören gar nicht mehr auf zu lachen. Dann sagt der Einheizer, auf den Unentschlossenen deutend: „Adolf, geh rüber und hau dem Jungen eins hinter die Ohren, damit er endlich etwas tut.“

überleben , nicht sterben tröstend , positiv; so, dass es froh macht jüdisch , von: Jude = Person, deren Religion die Thora als Basis hat erœffnen , zum ersten Mal öffnen zitieren , Worte nennen, die eine andere Person gesagt oder geschrieben hat

kl„tschen

, eine Hand gegen die an-

dere schlagen; applaudieren befragen , Fragen stellen zu W¶rt k¶mmen

, sprechen dürfen

¢nentschlossen

, so, dass man sich schwer

entscheiden kann

„n die Reihe k¶mmen , hier: als Nächster im Publikum etwas sagen

das Rednerpult, -e , ≈ kleiner, hoher Tisch, an dem ein Redner steht

, hier: so, dass es einen

fælschlicherweise , ≈ weil man etwas Falsches glaubt

, hier: laut und fröhlich

erstaunt , ≈ überrascht bes¶rgen , kaufen die Schl„nge, -n

, hier: Reihe von Men-

schen, die auf etwas warten der Einheizer, , m ≈ Person, die sich um eine fröhliche Atmosphäre beim Publikum kümmert

breit

unangenehmen Effekt hat toben sein

deuten

, zeigen

rüber , m hinüber jemandem eins h“nter die Ohren hauen , m jemanden ins Gesicht schlagen


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DEBATTE

Deutsch perfekt 12 / 2017

Mehr Feiertage für den Norden? Während es im katholischen Süden Deutschlands bis zu 14 gesetzliche Feiertage gibt, sind es im Norden des Landes nur neun. Viele finden das ungerecht. Arbeitgeber warnen aber vor den wirtschaftlichen Folgen einer Änderung. SCHWER PLUS


Deutsch perfekt 12 / 2017

Fotos: Mytho/iStock.com; privat (2)

Ja

DEBATTE

„Ein zusätzlicher Feiertag im Norden wäre nur ein kleiner Baustein zur sozialen Einheit des Landes.“

Der Ort mit den meisten Feiertagen in Deutschland heißt: Augsburg. Dort wird seit 1650 neben allen anderen gesetzlichen Feiertagen am 8. August auch noch das Ende des Dreißigjährigen Krieges arbeitsfrei begangen. Ein Feiertag hat Tradition, er ist kulturelles Erbe, ein Augenblick des Innehaltens und ein Extra-Tag für die Familie. Dem Wohlstand hat er außerdem auch in Augsburg nicht geschadet. Tatsache ist: In Berlin, Hamburg und Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen gelten laut Gesetz nur neun Feiertage im Jahr, in anderen Bundesländern zehn. In Bayern gibt es zwölf, in Kommunen mit katholischer Bevölkerung sogar 13 Feiertage. Gerecht geht anders. Die Arbeitgeber wollen keinen neuen Feiertag. Sie reden von den Kosten und setzen ihre Gewinnerwartungen mit den Interessen der ganzen Gesellschaft gleich. Dabei sehen sie nicht, dass die Produktivität in Deutschland dauernd wächst, Arbeitsdruck und Stress aber auch. Die Arbeitswelt hat sich verändert: Belastungen, befristete Arbeitsverträge, Arbeit auf Abruf, Schichtarbeit und Wochenendarbeit nehmen zu. Der PC braucht keine Ruhepause, der Mensch schon. Unser Land ist groß geworden durch Sozialpartnerschaft; Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen sich auf Augenhöhe begegnen. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände handeln Lohn und Arbeitszeiten aus. Aber schon lange ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, sich zu organisieren und gemeinsam für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen. Ein zusätzlicher gesetzlicher Feiertag im Norden wäre nur ein kleiner Baustein zur sozialen Einheit des Landes. Auch danach steht es immer noch zehn zu 13 – oder sogar zu 14. Augsburg wird noch lange von der Tabellenspitze grüßen.

Uwe Polkaehn ist Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord.

zusätzlich , hier: noch einer der Baustein, -e , hier: Komponente; Teil die Einheit , Ganzheit; hier auch: Solidarität begehen , hier: ≈ feiern das kultur¡lle ]rbe , hier: Erinnerung an die Vergangenheit “nnehalten , eine kurze Pause machen der Wohlstand , gute finanzielle Situation gleichsetzen , als gleich sehen die Gew“nnerwartung, -en , ≈ Berechnung, wie viel Gewinn man vermutlich haben wird der [rbeitsdruck , (psychischer) Stress schnell und viel arbeiten zu müssen die Bel„stung, -en , hier: psychische Anstrengung auf [bruf , hier: so, dass man spontan bereit sein muss, zu arbeiten, wenn der Arbeitgeber sich meldet s“ch auf Augenhöhe begegnen , erkennen lassen, dass jeder Partner gleich wichtig ist und die gleichen Rechte hat der [rbeitgeberverband, ¿e , ≈ Organisation für die Interessen von Firmen aus der gleichen Branche aushandeln , diskutieren und sich einigen v¶n der Tab¡llenspitze grüßen , an erster Stelle in einer Liste stehen der Vorsitzende, -n , Person, die eine Organisation leitet der Gew¡rkschaftsbund , Organisation für die Interessen von Gewerkschaften

Nein

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„Nach Berechnungen geht an einem arbeitsfreien Tag 0,1 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung verloren.“

Die Suche nach Gründen für einen zusätzlichen arbeitsfreien und bezahlten Feiertag hört nicht auf. Ein oft genommenes aber ökonomisch wenig überzeugendes Argument: Der Status quo der Anzahl der Feiertage gegenüber den süddeutschen Bundesländern ist „ungerecht“. Unabhängig von der Tatsache, dass bislang noch kein Philosoph eine allgemein verbindliche Definition von Gerechtigkeit geben konnte, dürfen kirchliche, religiöse oder weltanschauliche Motive keine Rolle spielen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft und dem Statistischen Bundesamt geht an einem arbeitsfreien Tag 0,1 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung verloren. Bei nur einem zusätzlichen Feiertag hätte Hamburg einen Verlust von rund 200 Millionen Euro – und Schleswig-Holstein einen von rund 90 Millionen Euro. Dadurch würde das Bruttoinlandsprodukt sinken. Wenn es um die Erinnerung an ein Ereignis geht, müssen auch die Bürgerinnen und Bürger einverstanden sein. Ob zum Beispiel ein ständiger Reformationsfeiertag wirklich von allen als Feiertagsanlass verstanden wird? Zweifel bestehen, da auch die Bedeutung anderer kirchlicher Feiertage den Menschen häufig nicht mehr klar ist. Und zum Erholungsbedarf bleibt zu sagen, dass wir auch im Norden im europäischen Vergleich einen überdurchschnittlichen Anspruch auf Erholungsurlaub haben. Außerdem können bei Feiertagen Arbeitnehmer von der Arbeitspflicht befreit werden. Ein allgemein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag würde diese individuelle Entscheidung entwerten und den Betrieben Kosten bringen, ohne einen nachhaltigen Beitrag über die Bedeutung des Feiertags zu leisten.

Michael Thomas Fröhlich ist Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein.

„llgemein verb“ndlich

, so, dass sich alle daran

orientieren

w¡ltanschaulich , auf der Basis einer ideologischen Meinung über das Leben das Br¢ttoinlandsprodukt , ≈ Produktivität eines Landes stændig , hier: so, dass es ihn jedes Jahr gibt der Feiertagsanlass, ¿e

, Grund, warum es einen

Feiertag gibt

der [nspruch, ¿e , hier: Garantie, etwas zu bekommen nachhaltig , so, dass es einen langen und intensiven Effekt hat der Unternehmerverband, ¿e , Organisation für die Interessen von Unternehmern (der Unternehmer, , Besitzer und oft auch Leiter einer Firma)


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BLINDTEXT

Deutsch perfekt X / 2017

WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT

Kirchensteuer

Wer in Deutschland schon Steuern gezahlt hat, kennt sie wahrscheinlich: Diese Steuer muss jedes Kirchenmitglied zahlen. Es gibt sie in fast keinem anderen Staat. Aber deutsche Kirchen verdienen damit Milliarden.

E

in kleines Wartezimmer im dritten Stock des Münchener Standesamtes: Ich sitze auf einem harten blauen Holzstuhl, neben mir sind noch drei oder vier andere Personen. Wir alle warten darauf, unsere Nummer zu hören und in ein kleines Büro gehen zu dürfen. An diesem Mittwochvormittag wollen wir nämlich alle das Gleiche tun: Wir möchten aus der Kirche austreten. Das tun jedes Jahr Hunderttausende. Im Jahr 2016 sind 162 000 Katholiken und 190 000 Protestanten ausgetreten. Dafür gibt es viele Motive: fehlender Glaube, Kirchenskandale oder auch säkulare

LEICHT PLUS

Pädagogik. Aber auch die Geldbörse ist wichtig bei dieser Entscheidung. In Deutschland müssen Mitglieder von verschiedenen Religionsgemeinschaften nämlich Kirchensteuer zahlen. Vor allem die katholische und die evangelische Kirche ziehen sie ein. In Bayern und Baden-Württemberg sind es acht Prozent, in allen anderen Bundesländern neun Prozent der Einkommenssteuer. Muss ein Kirchenmitglied also zum Beispiel 7500 Euro Einkommenssteuer zahlen, kommen noch 600 oder 675 Euro Kirchensteuer dazu. Freiwillig ist die Sache nicht: Wer Geld verdient und nicht aus der Kirche austritt, muss bezahlen.

das K“rchenmitglied, -er

, ≈ Person: Sie ist bei einer

das B¢ndesland, ¿er

, Teil von einer föderalisti-

religiösen Gruppe.

schen Republik

austreten aus , hier: offiziell bei einem Amt erklären, dass man nicht mehr bei einer religiösen Gruppe sein will

die Einkommenssteuer, -n , Steuer: Jeder mit einem Einkommen bezahlt sie.

die Entscheidung, -en , von: entscheiden = hier: sicher sein, dass man ... tun wird die Religionsgemeinschaft, -en , ≈ Menschen: Sie haben den gleichen religiösen Glauben. vor „llem , ≈ speziell einziehen , hier: vom Lohn wegnehmen

(das Einkommen, , Geld: Man bekommt es z. B. für seine Arbeit, aus dem Profit von seiner Firma oder als Miete für sein Haus oder seine Wohnung.) dazukommen , hier: auch noch zahlen müssen


Foto: picture alliance/Eibner Pressefoto

Deutsch perfekt 12 / 2017

Bezahlen muss aber zum Beispiel auch verklagte seine Steuerberater. Und die eine konfessionslose Frau, wenn ihr Ehe- mussten ihm am Ende 1,25 Millionen mann wenig oder nichts verdient und Euro zahlen. Mitglied einer Kirche ist. Anders als Luca Toni zahlen die meisDie Kirchensteuer gibt es seit circa 200 ten Menschen in Deutschland die KirJahren. Zu der Zeit haben die Kirchen we- chensteuer, ohne dagegen zu protestiegen der Säkularisierung einen großen Teil ren. Aktuell sind zwischen Alpen und ihres Besitzes verloren. Die deutschen Nordsee 45 Millionen Menschen MitFürsten haben deshalb entschieden, glied einer der zwei großen christlichen sich um die Kirche zu kümmern und Kirchen. Es werden aber immer weniger: eine Steuer einzuziehen. Im Jahr 1919 2001 waren es noch 53 Millionen. Trotzdem nehmen die Kirchen über wurde die Kirchensteuer offiziell in der deutschen Verfassung festgehalten. Der die Kirchensteuer bis heute sehr viel Geld deutsche Staat sammelt seit dieser Zeit ein: Im Jahr 2016 waren es bei der kathodas Geld für die Kirchen ein. Für diesen lischen Kirche 6,15 Milliarden Euro und Service bekommt er von den Kirchen et- bei der evangelischen 5,45 Milliarden was mehr als 160 Millionen Euro. Die Steuer ist damit Euro pro Jahr. die wichtigste Einnahme45 Millionen Geld bekommen können quelle der Kirchen. Die Menschen in alle Glaubensgemeinschafandere Hälfte ihres Geldes Deutschland bekommen sie durch Spenten, die als Körperschaft sind bei einer Mieten und Fördermitdes öffentlichen Rechts ander zwei großen den, tel. Die sozialen Aktivitäten erkannt sind. Das sind die christlichen der Kirchen in Deutschland christlichen Kirchen, die Kirchen und jüdischen Gemeinden und zahlen deshalb – Kindergärten, Schulen, die Zeugen Jehovas. Eine Kirchensteuer. Krankenhäuser – werden Körperschaft des öffentlifast komplett vom Staat chen Rechts zu werden, ist und von Versicherungen kompliziert. Prinzipiell können den Sta- finanziert. Auch die Gehälter von Relitus aber auch muslimische, buddhistische gionslehrern bezahlt der Staat, nicht die und andere Gemeinschaften bekommen. Kirchen. Die geben ihr Geld vor allem So hat zum Beispiel seit 2013 eine mus- für die Bezahlung von Pfarrern aus. Auch limische Gruppe in Hessen mit 35 000 ihre Verwaltung und die Reparatur von Mitgliedern diesen Status. Kirchengebäuden finanzieren sie durch Die Steuer ist sehr deutsch. In nur ex- die Steuereinnahmen. Die Kirchen stellen das System nur seltrem wenigen anderen Ländern gibt es ähnliche Systeme. Fast überall sonst fi- ten infrage, auch wenn manche kirchliche nanzieren sich Religionsgemeinschaften Gruppen die Nähe zum Staat kritisieren. durch Spenden. So machen Migranten Politiker kritisieren das Prinzip seit Lanbeim Start in Deutschland oft eine böse gem. Mehrere kleine Parteien wollen die Erfahrung. Das zeigt das Beispiel des frü- Steuer minimieren oder abschaffen. Die großen Parteien planen das aber nicht. heren Fußballspielers Luca Toni. Im Standesamt höre ich nach einer Der Italiener spielte von 2007 bis 2010 für den FC Bayern München. In dieser halben Stunde Wartezeit endlich die Zeit zahlte er durch die Kirchensteuer 1,7 617, meine Nummer. Ich gehe in ein kleiMillionen Euro an die katholische Kirche. nes Büro und gebe der Frau hinter dem Als er das ein paar Jahre später endlich Schreibtisch meinen Ausweis. Sie will verstanden hat, war er gar nicht glück- zwei Dinge wissen („Wo wurden Sie gelich. Toni beschwerte sich deshalb über tauft?“, „Römisch-Katholisch ist richtig, seine Steuerberater. Die hatten ihm das oder?“). Ich zahle eine Gebühr von 31 System nämlich nicht erklärt. Und nur Euro, dann bin ich auch schon fertig. Ab deshalb war er nicht aus der Kirche ausge- nächstem Jahr muss ich keine KirchenGuillaume Horst treten, sagte der Italiener. Der Fußballstar steuer mehr zahlen.

WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT

konfessionslos

, so, dass man nicht bei

einer religiösen Gruppe ist

der Bes“tz , Dinge: Sie gehören einer Person oder einer Institution, z. B. Geld und Häuser. der F•rst, -en , Aristokrat entschieden , Part. II von: entscheiden = hier: offiziell sagen, dass man … tun wird w¢rde … f¡stgehalten , ≈ hat man … festgehalten

verklagen

, hier: wollen, dass ein

Streit bei Gericht in einem Prozess untersucht wird (das Ger“cht, -e , hier: offizielle Institution: ≈ Dort wird eine Lösung für einen Streit gesucht. ) (der Proz¡ss, -e , hier: Untersuchung im Gericht zu der Frage: Haben die Steuerberater falsche Informationen gegeben?) einnehmen , hier: Geld bekommen die Einnahmequelle, -n

(f¡sthalten , hier: schreiben)

, ≈ etwas: Dadurch

die Verf„ssung, -en , schriftliche Form für die Normen in einem Land

die Hælfte, -n , 50 Prozent

der Staat , hier: ≈ Amt (für ganz Deutschland): Es bekommt die Steuern. einsammeln , hier: ≈ sich geben lassen die Kœrperschaft des œffentlichen R¡chts jurist. , ≈ Organisation mit einer speziellen Aufgabe: Diese Aufgabe steht in der Verfassung. „nerkannt , hier: so, dass es die Verfassung erlaubt jüdisch , von: Jude = Person, deren Religion die Thora als Basis hat die Gemeinde, -n , hier: Gruppe von Personen mit jüdischem Glauben: Sie gehen alle in dieselbe Synagoge. der Zeuge Jehovas, Zeugen Jehovas , ≈ Person: Sie ist bei einer speziellen christlichen Organisation. ähnlich , fast gleich die Sp¡nde, -n

, Geld: Man schenkt es,

um zu helfen.

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bekommt man Geld.

das Fœrdermittel, , finanzielle Hilfe das/der Geh„lt, ¿er , Geld: Angestellte bekommen es jeden Monat für ihre Arbeit. der Pf„rrer, -

, Mann: Er hat in der

Kirche religiöse Aufgaben. die Verw„ltung, -en , Administration das K“rchengebäude, , Kirche oder Haus: Es gehört einer religiösen Gruppe. infrage st¡llen , hier: sagen, dass … nicht gut ist s¡lten , hier: fast nie;

L

oft

„bschaffen

, hier: ≈ machen, dass es …

nicht mehr gibt

w¢rde … getauft , ≈ man hat … getauft (taufen , durch ein Ritual zum Christen machen)


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Auf Reisen passieren oft ungeplante Dinge - von ärgerlichen Pannen bis zu hocherfreulichen Überraschungen: Flugzeug verpasst, Ticket vergessen, bei der Stadtbesichtigung verlaufen... oder aber ein Upgrade in die Business Class, ein tolles Hotelzimmer mit spektakulärer Aussicht, nette Reisebekanntschaften. 100 solcher Reiseerlebnisse werden in kurzen Texten beschrieben. Die Spieler müssen zu den vorgelesenen Erlebnissen Karten mit passenden Sätzen ausspielen. Sprachspiel. Niveau A2-B2. Deutsch € 24,00 (D)/ € 24,00 (A)


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HUEBER SPRACHSPIEL

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Könnten Sie Deutsche(r) werden?

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Schnell denken, schnell reagieren, geschickt kombinieren – wer die Vokabel kennt und als erster auf die Tischglocke haut, gewinnt die Karte. Jeder Spieler versucht, möglichst viele Karten zu sammeln. Außerdem gibt es für bestimmte Kartenkombinationen Bonuspunkte. Sprachspiel. Niveau: A1 plus. Deutsch € 19,99 (D)/ € 19,99 (A)

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Interpol ermittelt – Deutsch lernen für Krimi-Fans

Ein Wochenende in Berlin

Auf spannende Art und Weise Deutsch lernen: le aufzuklären und den Täter zu überführen. Ein Spieler ist der Täter, die Mitspieler bilden das Ermittlerteam. Zu Beginn jeder Runde wird ein Fall vorgetragen. Die Ermittler erhalten Ermittlungskarten und versuchen dann, durch die richtigen

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Ein Kind, drei Sprachen

Sprechen Mutter und Vater verschiedene Sprachen, wachsen ihre Kinder oft bi- oder trilingual auf. Sie lernen diese sehr viel schneller als Erwachsene. Wie gut funktioniert das? Von Claudia May

weiterbauen. Denn plötzlich versteht keiner mehr den anderen. Zum Glück ist dieser Turmbau zu Babel nur ein Mythos. Und Kinder wie die vierjährige Alice können die Probleme von damals auch nur schwer verstehen. Das kleine Mädchen hat nämlich nicht nur eine chinesische Mutter und einen australischen Vater, sondern wohnt außerdem in München. Alice lernt also drei Sprachen gleichzeitig. „Wir wollten von Anfang an, dass unsere Tochter in allen drei Kulturen zu Hause ist. Und dazu

bilingual

, so, dass man zwei

Muttersprachen hat

trilingual , so, dass man drei Muttersprachen hat gebrauchen , brauchen; benutzen hin„bsteigen , hier: ≈ zu den Menschen hinuntergehen verw“rren , machen, dass das Denken in Unordnung kommt zu , hier: in

Babel , Babylon “n … zu Hause sein

, hier: … sehr gut kennen

Illustrationen: Silke Werzinger (Aufmacher); Iromanova99/iStock.com

I

n der Bibel ist alles noch ganz einfach. „Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten das gleiche Wort“, steht da geschrieben. Aber dann wollen die Menschen einen sehr hohen Turm bauen – bis in den Himmel. Und das gefällt Gott absolut nicht. „Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht“, ist deshalb sein Kommando. Und wenig später stehen die Menschen vor ihrem halb fertigen Turm und können nicht

MITTEL


Deutsch perfekt 12 / 2017

gehört natürlich auch die Sprache“, sagt Sprache“ erklärt der Psycholinguist. „Aber Vater Richard. Deshalb spricht er mit der wenn wir dann eine Einzelsprache lernen, Kleinen meistens Englisch und die Mut- verengt sich die Perspektive, in gewisser ter Chinesisch. Deutsch lernt Alice bei Weise ist das ein Verlust von MöglichkeiFreunden und im Kindergarten. „Natür- ten.“ Was er damit meint, macht dieses lich können wir die Sprachen nicht strikt Beispiel deutlich: Japanische Babys im Altrennen. Ich spreche zu Hause sehr oft ter von circa drei Monaten können ohne Englisch, weil mein Mann nicht so gut Probleme die Laute „r“ und „l“ unterscheiChinesisch kann“, erzählt Mutter Hui- den. „Bei dem Wechsel der Laute hat sich wei. „Und wenn uns deutsche Freunde die Frequenz geändert, mit der die Kinder besuchen, reden wir beide natürlich auf an ihrem Schnuller gesaugt haben“, erDeutsch.“ Auch der Alltag der Familie klärt der 62-Jährige. „Bei Einjährigen war findet natürlich in der deutschen Sprache das dann nicht mehr so. Sie hatten diese statt: das Einkaufen beim Fähigkeit verloren, weil es Bäcker genauso wie Gespräim Japanischen diesen Unche mit den Nachbarn. terschied nicht gibt.“ Das „Lernen Aber sind drei Sprachen menschliche Gehirn selekKinder zwei gleichzeitig nicht zu viel für tiert genau: Wird etwas Sprachen, ist eine Vierjährige? Bekannte nicht gebraucht, fällt es das ein schöSprachwissenschaftler wie weg. Zuerst kann das Kind nes mentales die Laute einer Sprache Leo Weisgerber schrieben Training.“ nicht mehr perfekt formen, noch 1966 davon, dass das später verliert es die Gramfrühe Lernen von mehr als matik, dann das Vokabueiner Sprache „nachteilig für das Kind“ ist. Nur sehr wenige, sehr lar. Was natürlich nicht heißt, dass man intelligente Kinder hätten seiner Mei- es später als Erwachsener nicht wieder nung nach eine reale Chance „die ideale lernen kann. Das ist dann aber sehr viel Form der Zweisprachigkeit zu gewinnen“. schwerer. Und auch heute reagieren viele Deutsche „Untersuchungen zeigen, dass es optiskeptisch: von überehrgeizigen Eltern ist male Phasen zum natürlichen Sprachenoft die Rede – oder von Integrationspro- lernen gibt, für manche sprachlichen blemen durch eine fremde Sprache. Phänomene bis etwa zum sechsten LeAuch Tanja Rinker von der Univer- bensjahr, für andere Phänomene bis zur sität Tübingen kennt diese Vorurteile. Pubertät“, sagt Clahsen. „Lernen Kinder Zur Mehrsprachigkeit forscht sie nicht zwei Sprachen, ist das ein schönes mennur. Sie hat selbst ein Kind, das bilingual tales Training. Denn sie brauchen für ein aufwächst. „Im Untersuchungsheft für Objekt zwei Vokabeln.“ Dass die Kinder meine Tochter hat der Arzt sofort notiert, dabei gern Sprachen vermischen, ist nordass sie Englisch und Deutsch lernt. Und mal. „Sie kennen dieselbe Anzahl von zwar in dem Feld, in dem normalerweise Wörtern wie monolinguale Kinder, oft Auffälligkeiten notiert werden, die man auch mehr, teilen sie dann aber auf verweiter beobachten muss“, sagt sie und schiedene Sprachen auf. Also ist das Vomuss lachen. Rinker weiß genau: Kinder, kabular pro Sprache in den ersten Jahren die mehr als eine Sprache lernen, sind kleiner.“ Kinder wie die kleine Alice lösen das nicht überfordert. „Kleine Kinder saugen alles auf, was ihre Umgebung ihnen Fehlen von Vokabeln dann ganz pragmabietet“, erklärt die 41-Jährige. „Sie wollen tisch. Als sie mit ihrem Vater das Deutlernen, sind sehr motiviert und können sche Museum besuchte und dort ein die vielen Facetten einer Sprache einfach Unfallszenario sah, sagte sie „The cars ausprobieren.“ bumsed into each other.“ Statt des EngliDas kann auch Harald Clahsen von schen Verbes „to bump“ hatte sie einfach der Universität Potsdam bestätigen. „Wir das deutsche „bumsen“ genommen – und kommen zur Welt und sind offen für jede grammatikalisch adaptiert.

SPRACHFEATURE

dazu gehört … , hier: dafür ist … wichtig str“kt , hier: absolut; genau der Sprachwissenschaftler, , Person, die Sprache systematisch untersucht überehrgeizig , hier: so, dass man zu sehr möchte, dass ein Kind in der Schule gut ist und viel lernt die Rede sein v¶n …

, hier: über … diskutiert

werden

das Vorurteil, -e , hier: negative Meinung, die man über Eltern hat f¶rschen , arbeiten für mehr Wissen das F¡ld, -er , hier: kleines Viereck, in das man hineinschreiben kann

41

der Schn¢ller, -

, kleiner Gegenstand, den

man Babys in den Mund steckt, um sie ruhig zu machen saugen

, hier: ≈ mit den Lippen

wegdrücken und wieder zurückholen

(die L“ppe, -n , weicher oberer oder unterer Teil des Mundes) die Fähigkeit, -en

, Können; Talent

das Geh“rn, -e , Organ im Kopf, mit dem man denkt und fühlt selektieren

, hier: aus einer Menge

von Bildern, Lauten, Emotionen und Effekten wählen w¡gfallen , hier: nicht mehr erinnern das Vokabular , hier: alle Wörter einer Sprache

die Auffälligkeit, -en , hier: ≈ etwas, das vielleicht eine psychische Krankheit zeigt

die Pubertät , Phase, in der man vom Jugendlichen zum Erwachsenen wird

beobachten , hier: versuchen, genau zu sehen, was passiert

verm“schen , ≈ mischen

überf¶rdert , hier: so, dass mehr angeboten wird, als sie lernen können aufsaugen , hier: ≈ intensiv hören, sehen, fühlen und dadurch lernen bieten , hier: etwas Spezielles anbieten motiviert , so, dass man etwas mit Lust macht einfach , hier: ≈ nur zur W¡lt k¶mmen , geboren werden ¶ffen

, hier: so, dass man alles

lernen kann ver¡ngen

, hier: machen, dass man

nur einen Teil sieht der Verl¢st, -e , Verlieren

die [nzahl , ≈ Zahl aufteilen , hier: aus jeder Sprache einen Teil benutzen


SPRACHFEATURE

Auch in anderen Dingen sind Kinder in Deutschland viele: Jeder dritte Vorwie Alice perfekt im Adaptieren. Spielt schüler hat einen Migrationshintergrund. sie mit deutschen Freunden, ist ihr klar, In den Metropolen sind es noch mehr. dass sie Deutsch sprechen muss. Kommt Deshalb gibt es immer mehr Angebote die Oma aus Shanghai zu Besuch, wech- mit mehrsprachiger Kinderbetreuung. selt sie ins Chinesische. Und das ist in- Dorthin schicken auch deutsche Eltern zwischen so gut, dass sie sich sehr amü- ihre Kinder gern, auch wenn das oft ziemsiert, wenn ihr Vater das auch versucht. lich teuer ist. Denn Mehrsprachigkeit ist „Sie lacht mich oft aus, wenn ich mit nicht nur Trend, sondern wird im spätemeiner Schwiegermutter rede“, sagt Va- ren Arbeitsleben zum Vorteil. Manche ter Richard und schmunzelt. Natürlich deutsche Mütter und Väter kommen desspricht auch Alice nicht alle Sprachen halb auf die Idee, mit ihren Kindern zum gleich gut: „Im Moment fühlt sie sich im Beispiel nur Englisch zu reden – obwohl Englischen am wohlsten, das wir alle zu es nicht die Muttersprache ist. „Das sollte Hause meistens sprechen.“ Auch das ist man nur machen, wenn man die andere normal. Normalerweise sprechen Kinder Sprache sehr gut spricht“, sagt Expertin am liebsten die Sprache der Umgebung. Rinker. „Kinder kopieren natürlich die Ist Alice später mehr mit Fehler der Eltern. Und wenn man einen kleinen Wortdeutschen Freunden unterwegs, kann sich die schatz hat, ist auch der Wortschatz des Kindes klein.“ Vorliebe ändern. „Es gibt „In welcher Selbst Eltern, die bilingual bei kaum jemandem eine Sprache perfekt balancierte Mehraufgewachsen sind, sollten sprechen Sie sprachigkeit“, sagt auch sich genau überlegen, ob sie spontan mit Ihrem Kind?“ ihrem Kind noch eine SpraExperte Harald Clahsen. che beibringen wollen. „In „Eine Sprache ist immer ein bisschen stärker als die welcher Sprache sprechen andere. Das merken Sie Sie spontan mit ihrem Kind, selbst in Gebieten wie Katalonien, wo fast wenn es hingefallen ist?“ fragt Rinker. jeder bilingual aufwächst.“ „Genau das ist die Sprache, in der sie sich Mehrere Sprachen sprechen heißt selbst zu Hause fühlen. Und nur diese aber noch nicht, dass man auch mehrere kann man wirklich gut weitergeben.“ Sprachen schreiben kann. Alices Mutter Die emotionalen Momente zeigen, wo Huiwei weiß genau, dass Alice später in die sprachliche Heimat ist. Deshalb muss der Schule deutsche und englische Dik- Alice sich von ihrer Mutter auf Chinetate schreiben wird. Aber regulären Chi- sisch anhören, dass sie ein Spielzeug bitte nesischunterricht gibt es natürlich nicht. nicht durch ihr Zimmer werfen soll. Der „Ich selbst musste in der Grundschule Vater tröstet auf Englisch, wenn sie trauin Shanghai jeden Tag mindestens zehn rig ist, weil sie auf dem Weg nach Hause Zeichen auswendig lernen. Und das drei doch nicht mehr sein Büro ansehen kann. Jahre lang. Es gibt immer noch Zeichen, Und der Kindergarten? Dort hängt es dadie ich bis heute nicht kenne“, erzählt die von ab, welche Erzieherin gerade in ihrer 39-Jährige. „Wie soll Alice das neben ihren Nähe ist. Seit einiger Zeit besucht Alice ganzen Hausaufgaben später schaffen?“ nämlich eine Institution, in der neben Sie will ihrer Tochter ein bisschen Kal- Deutsch auch Englisch gesprochen wird. ligrafie zeigen, damit sie eine Idee der chi- Vater Richard ist jetzt schon gespannt, nesischen Schriftkultur bekommt. Aber welchen Akzent die Vierjährige bald in richtiges Schreiben wird sie erst einmal seiner Muttersprache mit nach Hause nicht lernen. bringt. Denn auch wenn er selbst einen Das geht auch Kindern anderer Spra- Mix aus britischem und australischem chen so, die im deutschen Schulsystem Englisch spricht – im bilingualen Kindernicht auf dem Lehrplan stehen. Von die- garten hat Alice sehr viele Freunde, deren sen bi- oder trilingualen Kindern gibt es Eltern aus den USA kommen.

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s“ch amüsieren

, hier: lachen

auslachen , ≈ lachen über die Schwiegermutter, ¿ , Mutter des Ehepartners schm¢nzeln , den Mund etwas breiter machen, weil man etwas lustig findet s“ch „m wohlsten fühlen

, sehr zufrieden sein; sich

sehr gut fühlen

die Vorliebe , hier: Sprache, die man am liebsten spricht balanciert franz. , hier: so, dass man jede Sprache gleich gut kann s¡lbst , hier: auch das Gebiet, -e , Region; Land das Zeichen, , hier: grafisches Symbol, das Teil einer Schrift ist auswendig l¡rnen

, hier: so genau lernen,

dass man sie ohne Modell lesen und schreiben kann sch„ffen

, hier: machen können

der Lehrplan, ¿e , ≈ Programm für den Unterricht

der Vorschüler, -

, Kind im letzten Kinder-

gartenjahr

der Migrationshintergrund , ausländische (Groß-) Eltern die K“nderbetreuung , hier: z. B. Spielprogramm für Kinder auf die Idee k¶mmen , ≈ die Idee bekommen kopieren , hier: die gleichen Fehler auch machen beibringen , ≈ unterrichten h“nfallen

, auf den Boden fallen

(und sich wehtun)

s“ch „nhören m•ssen , m nicht gern hören das Spielzeug, -e , Ding zum Spielen trösten , hier: versuchen, einen traurigen Menschen mit Worten wieder fröhlich zu machen die Erzieherin, -nen

, ≈ Pädagogin

seit einiger Zeit , seit ein paar Wochen oder Monaten gesp„nnt , sehr neugierig

Illustration: Iromanova99/iStock.com

42


ATLAS DER ALLTAGSSPRACHE

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○ HAMBURG

43

LEICHT heult weint flennt

○ HANNOVER

○ BERLIN

brüllt brüelt brell(e)t gellat plärrt blaht greint (grint, grännet) reart

○ KÖLN

rägget tränzt quart

○ FRANKFURT

○ STUTTGART ○ WIEN

○ BASEL

○ SALZBURG

Illustration: CSA Images/iStock.com; Quelle: Atlas zur deutschen Alltagssprache (Elspaß/Möller)

○ GRAZ

weinend , so, dass es weint die Träne, -n , kleine Menge Wasser: Sie kommt aus den Augen, wenn man weint.

○ GENF

das Verh„lten , ≈ Reaktion; hier: das Weinen

Wo spricht man wie? Das Kind heult/plärrt/brüllt ...

Ein weinendes Kind muss man nicht übersetzen. Die Tränen und die starke Mimik versteht man auf der ganzen Welt ohne Worte. Trotzdem beschreiben Deutschsprecher das Verhalten mit ganz verschiedenen Worten. Fast in ganz Norddeutschland, dem Westen und dem Südwesten Deutschlands benutzt man ein lautmalerisches Wort. Man sagt: Das Kind heult. In der Mitte Deutschlands wird das Wort „flennen“ oft gebraucht. Weiter südlich, in Bayern und Österreich, sagen die Menschen besonders oft „plärren“. Und die meisten Schweizer sagen: Das Kind brüelt. Nur in der Westschweiz ist „greinen“ populärer. Das hört man in Deutschland auch in

Franken und der Pfalz. Das standardsprachliche Verb „weinen“ ist aber in diesem Kontext relativ selten. Wahrscheinlich beschreibt es ein Kind, das wirklich laut und mit offenem Mund weint, nicht genau genug. Dafür gibt es in der deutschen Sprache passendere Worte, zum Beispiel „brüllen“. Das bedeutet eigentlich „laut rufen“ – und es ist egal, ob ein Mensch oder ein Tier das tut. Aber auch ein laut weinendes Kind brüllt. In der Form „brüelen“ ist es in der Schweiz das populärste Wort für ein heulendes Kind. In allen deutschsprachigen Ländern gilt aber: Die Menschen nutzen mehrere Worte für das Weinen eines Kindes. Je nachdem, welchen Aspekt sie betonen wollen.

lautmalerisch , so, dass man Laute mit der Sprache imitiert (der Laut, -e , Einen Laut kann man hören.) heulen , lange, hohe Laute machen wie ein Tier relativ , ziemlich s¡lten , L oft g¡lten , hier: richtig sein; normal sein n¢tzen , ≈ benutzen je nachdem , hier: so, dass die Situation wichtig ist betonen , hier: machen, dass man … gut versteht


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WÖRTER LERNEN

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Wetterkarte

5

LEICHT PLUS 1

das Hochdruckgebiet, -e (auch: das Hoch, -s)

2

der Schauer, -

3

die W¡tterfront, -en

4

das Gew“tter, -

5

die Höchsttemperatur, -en (auch: die Höchstwerte Pl.)

6

die W“ndrichtung, -en

7

die W“ndgeschwindigkeit, -en

8

das Tiefdruckgebiet, -e (auch: das Tief, -s)

9

die (W¡tter-)Moderatorin, -nen (auch: die W¡tteransagerin, -nen)

10 der S¶nnenschein 11 die Bewœlkung, -en

8

4 6

2

1

7 3 10

15

9

11 12

14

12 die Tiefsttemperatur, -en (auch: die Tiefstwerte Pl.)

13

13 die W„rnung, -en 14 die (W¡tter-)Vorhersage, -n (auch: der W¡tterbericht, -e) 15 die Glætte (auch: die Glættegefahr)

2. Typische Wörter

Im Fernsehen kommt der Wetterbericht. Setzen Sie ein!

Was passt?

Tiefstwerte – Richtungen – Sonnenschein – Windgeschwindigkeiten – Schauer – Höchstwerten – Wetter – Vorhersage 1. Im Norden regnet es weiter. Es gibt auch in der komund Gewitter. menden Nacht liegen bei -8 bis 2 Grad. 2. Die 3. Es gibt mäßigen Wind aus westlichen bis zu 23 km/h. mit etwas besser mit 4. Morgen wird das von 5 bis 12 Grad. für den Rest der Woche: 5. Die wechselt sich mit Wolken ab, es wird wärmer. Lösungen:

Die Sprache des Wetterberichts ist sehr speziell. Was bedeuten die fett gedruckten Wörter? Verbinden Sie! 1. Im Süden gibt es gebietsweise Regen. 2. Mäßiger Wind aus Südwesten. 3. Morgen bleibt es weitgehend trocken. 4. In der Nacht ist es stark bewölkt. 5. Es bleibt wechselhaft mit Wolken, etwas Sonne und einzelnen Schauern. 6. Am Montag dann heiter bis wolkig.

A fast ganz; meistens B mit Wolken C nur lokal; in speziellen Gebieten D schön; sonnig E (ziemlich) schwach F so, dass sich das Wetter oft ändert

Illustration: Silke Werzinger

1. Wetterbericht

1. 1. Schauer 2. Tiefstwerte 3. Richtungen,

Windgeschwindigkeiten 4. Wetter, Höchstwerten 5. Vorhersage, Sonnenschein

2. 2E 3A 4B 5F 6D


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ÜBUNGEN ZU DEN THEMEN DES MONATS

Übung macht den Meister Das heißt: Durch viel Training wird man sehr gut in einer Sache. Diese Übungen zu verschiedenen Texten aus dem Heft machen Sie fit in Deutsch!

2. Welche Präposition? Lesen Sie die Sätze! Sie ein!

Geschichten aus der Geschichte Seite 64 - 65

Welche Präposition passt? Setzen

auf – über – gegen – vor – bei

1. Alles verstanden?

Die deutschsprachige Welt in Zahlen Seite 13

In der Prüfung Goethe-Zertifikat A2, Lesen, Teil 1, sollen Sie einen Zeitungstext verstehen. Üben Sie hier! Lesen Sie die kurzen Texte auf Seite 13. Wählen Sie für die Aufgaben 1 bis 5 die richtige Lösung A, B oder C. 1. Die meisten Deutschen … A geben sechs Euro für Weihnachtsgeschenke aus. B geben bis zu 299 Euro für Weihnachtsgeschenke aus. C kaufen keine Geschenke für Weihnachten. 2. Geschäfte, die Spielzeug verkaufen, verdienen am meisten … A am Tag vor Weihnachten. B im Oktober. C im November und Dezember. 3. In Deutschland gibt es den typischen Baumkuchen … A fast nur zur Weihnachtszeit. B das ganze Jahr lang. C nur im Winter. 4. Ein deutscher Politiker … A darf ein Geschenk, das 45 Euro gekostet hat, behalten. B muss ein Geschenk, das 15 Euro wert ist, wieder zurückgeben. C darf ein Geschenk, das maximal 25 Euro wert ist, behalten. 5. DHL hatte im Dezember 2016 einen Rekord: Die Firma hat 8 400 000 Pakete … A an nur einem Tag geliefert. B in nur einer Woche geliefert. C in nur einem Monat geliefert.

3. 1C 2F 3A 4D 5E 6B

2. 1. vor 2. über 3. auf 4. bei 5. Gegen

1. 1B 2C 3A 4C 5A

Lösungen:

1. Ende der 80er-Jahre haben die Deutschen Angst einer neuen Krankheit: Aids. 2. In Deutschland schreibt Der Spiegel im Mai 1982 zum diese ersten Mal einen Bericht neue Krankheit. 3. Warum werden homosexuelle Männer krank? Die diese Frage zu dieser Ärzte haben Zeit keine Antwort. 4. Zuerst wird die Krankheit in den USA beobachtet. Im Juli 1982 wird die Krankheit auch zum ersten Mal einem Mann in Deutschland diagnostiziert. das HI-Virus kann man sich nicht 5. impfen lassen.

3. Weihnachtsmärkte

Wie geht es eigentlich …? Seite 70 - 72

Kennen Sie diese Wörter zum Thema „Weihnachtsmarkt“? Testen Sie sich, und verbinden Sie! 1. Die kleinen Geschäfte, die auf einem Weihnachtsmarkt stehen, heißen 2. Die Leute, die von einem Markt zum anderen fahren, um dort ihre Waren zu zeigen, nennt man 3. Ein süßer Weihnachtskuchen mit vielen Gewürzen ist der 4. Zu trinken gibt es auf den Weihnachtsmärkten immer warmen Wein mit Gewürzen, das ist 5. Eine Holzfigur, mit der man Nüsse aufmacht, ist ein 6. Kleine Bälle aus Glas, die man als Schmuck an den Weihnachtsbaum hängt, heißen

A Lebkuchen.

B Christbaumkugeln.

C Stände.

D Glühwein.

E Nussknacker.

F Schausteller.

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GRAMMATIK

Deutsch perfekt 12 / 2017

Ist Winter schöner als Sommer? Vergleiche sind oft der Beginn von interessanten Diskussionen. Was ist besser oder schlechter, was mögen Sie lieber? Um Vergleiche zu formulieren, brauchen Sie Komparativ und Superlativ. MITTEL PLUS

Umlaute

Bei vielen Adjektiven, die nur eine Silbe haben, ändert sich der Vokal zu einem Umlaut im Komparativ und im Superlativ. Dann wird a zu ä, o zu ö und u zu ü: Positiv

Komparativ

Superlativ

lang

länger

am längsten

groß

größer

am größten

jung

jünger

am jüngsten

Auch so: alt, arg, arm, dumm, gesund, grob, groß, hart, kalt, klug, kurz, scharf, stark, schwach, schwarz, warm

Unregelmäßige Formen

Die Grundform des Adjektivs steht nach dem Verb und hat keine Endung: Sandras Auto war billig. Von den meisten Adjektiven in der Grundform (dem sogenannten Positiv) lassen sich zwei Steigerungsformen bilden: der Komparativ und der Superlativ.

Formen Komparativ

Beim Komparativ bekommt das Adjektiv die Endung -er: Sandras Auto war billig. Karls Auto war billiger. Bei Adjektiven, die auf -el oder -er enden, fällt im Komparativ das -e- weg: dunkel dunkler teuer teurer

Superlativ

Den Superlativ bildet man mit am + Adjektiv + -sten: Sandras Auto war billig. Karls Auto war billiger. Julias Auto war am billigsten. Endet die Grundform des Adjektivs auf -d, -t, -s, -sch, -ss, -ß, -tz, -x oder -z, dann ist die Endung im Superlativ -esten: laut am lautesten frisch am frischesten

Komparativ

Superlativ

gern

lieber

am liebsten

gut

besser

am besten

hoch

höher

am höchsten

nah(e)

näher

am nächsten

viel

mehr

am meisten

Verwendung

Einen Vergleich mit einem Adjektiv in der Grundform bildet man mit (genau)so … wie oder nicht so … wie. So drückt man Gleichheit oder Nicht-Gleichheit aus: Anja ist (genau)so alt wie Jan. Laurenz ist nicht so alt wie Anja. Bei einem Vergleich mit einem Adjektiv im Komparativ verwendet man als. So drückt man aus, dass etwas „mehr“ oder „weniger“ ist: Anja ist älter als Laurenz. Der doppelte Komparativ wird mit je … desto/umso gebildet: Je älter Anja wird, umso mehr versteht sie.

Steht das Adjektiv im Komparativ oder Superlativ vor einem Nomen (= attributiv), dann wird es dekliniert: Endlich habe ich eine bessere Arbeit gefunden. Das ist mein interessantester Job bis jetzt. Und die interessantesten Jobs sind oft auch besser bezahlt!

Illustration: Silke Werzinger

Allgemein

Positiv


Deutsch perfekt 12 / 2017

Der Superlativ kann auch relativiert werden. Man kann ihn dadurch einschränken, dass man ihn als Teil einer Gruppe nennt. Diese Gruppe, also das Nomen und das Adjektiv, stehen dann im Genitiv Plural. Der indefinite Artikel bezieht sich auf das Nomen im Genitiv: Sie ist eine der beliebtesten Autorinnen Deutschlands. (= Sie ist eine von mehreren beliebten Autorinnen.)

2. Vergleiche Schreiben Sie Vergleiche wie im Beispiel! 1. Maja, drei Jahre – Louis, fünf Jahre – Ilka, sechs Jahre (alt) Louis ist

älter als Maja. Aber Ilka ist am ältesten.

2. der Silberring, 80 Euro – der Goldring, 300 Euro – der Diamantring, 1500 Euro (teuer) Der Goldring ist

Ergänzen Sie die richtige

1.

Ich suche eine Bluse zu diesem Rock. Diese ist (schön), aber zu (groß). Ja … Was sagen Sie zu dieser hier. Sie ist (klein) als die andere.

2.

Danke. Ich probiere sie mal an … Nein, die ist mir (kurz). leider zu Dann probieren Sie doch die mal. Das Material ist (gut), und sie ist schön sehr (leicht).

3.

Oh, aber die kostet 180 Euro! Das ist mir viel zu (teuer). Da gehe ich (gern) in das Geschäft nebenan. Dort sind die Blusen (billig) als hier.

3. Rekorde Bilden Sie den Superlativ! Achten Sie auch auf die richtige Adjektivendung! Ein1. China ist das Land mit den wohnern. (viel) Grenze zwischen zwei Län2. Die dern ist die zwischen den USA und Kanada. (lang) Land der 3. Die Vatikanstadt ist das Welt. (klein) See ist der Baikalsee in Russ4. Der land. (tief) Temperaturen der Welt wur5. Die den bisher im Death Valley gemessen. (hoch)

4. Claudia, 59 Punkte – Bernhard, 70 Punkte – Laura, 98 Punkte (gut) Bernhard war im Test

Lösungen:

5. Jochen, 1,73 m – Klaus, 1, 84 m – Olaf, 1,97 m (groß) Klaus ist

1. 1. schön, groß, kleiner 2. kurz, gut, leicht 3 teuer, lieber, billiger

3. Frau Lohner, 1900 Euro – Herr Bast, 2800 Euro – Herr Graumann, 4900 Euro (viel) Herr Bast verdient

Positiv oder Komparativ? Form der Adjektive!

3. 1. meisten 2. längste 3. kleinste 4. tiefste 5. höchsten

Bei zusammengesetzten Adjektiven aus Adjektiv + Adjektiv/Partizip kann entweder der erste oder der zweite Teil gesteigert werden: Ihr letztes Buch ist der meistgelesene Roman des Jahres. Er hat sich das Buch mit dem altmodischsten Titel gekauft.

1. Im Kaufhaus

2. 2. … teurer als der Silberring. Aber der Diamantring ist am teuersten. 3. … mehr als Frau Lohner. Aber Herr Graumann verdient am meisten. 4. … besser als Claudia. Aber Laura war am besten. 5. … größer als Jochen. Aber Olaf ist am größten.

Besonderheiten

GRAMMATIK

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DEUTSCH IM BERUF

Wie war Ihr Arbeitsjahr? Das Jahr geht zu Ende. In den kommenden Wochen treffen sich wieder viele Chefs mit ihren Mitarbeitern zum Vier-AugenBilanztermin. Was sollten Sie als Mitarbeiter in einem Jahresgespräch beachten? SCHWER PLUS

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Allgemein

Auch wenn immer mehr Menschen Feedback im Jahresrhythmus nicht mehr für zeitgemäß halten: Ein rituelles jährliches Mitarbeitergespräch – deshalb oft auch Jahresgespräch genannt – ist in den deutschsprachigen Ländern immer noch ein typisches Instrument, um Mitarbeitern Feedback für das vergangene Jahr zu geben und über Ziele für das nächste Jahr zu sprechen. Hier ist Platz für positives Feedback, aber auch für Kritik. Aber keine Angst! Das Jahresgespräch soll eine Chance sein, Ihr Arbeitsleben zu verbessern. Gehen Sie also positiv in den Termin! Zeigen Sie Ihrem Chef, dass Sie motiviert sind und lernen, arbeiten und weiterkommen wollen.

Vorbereitung

Bereiten Sie sich unbedingt auf Ihr Mitarbeitergespräch vor! Überlegen Sie sich Antworten auf die folgenden Fragen:

(¢nter) vier Augen

, nur zu zweit; ohne ande-

re Personen, die zuhören zeitgemäß , ≈ modern

das Instrum¡nt, -e , hier: Möglichkeit; Mittel motiviert , so, dass man etwas mit Lust und Freude macht

Illustrationen: A-Digit/iStock.com

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Deutsch perfekt 12 / 2017

⋅⋅ ⋅ ⋅

DEUTSCH IM BERUF

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Wie war Ihre Leistung im vergangenen Jahr? Was hat besonders gut geklappt, was nicht so gut? Warum? Wie war die Arbeit im Team / mit Ihren Kollegen / mit Geschäftspartnern / mit Ihrem Chef? Was möchten Sie im neuen Jahr erreichen?

Diese Gespräche sollten immer protokolliert werden. Falls Sie also schon einmal ein solches Gespräch hatten, dann sehen Sie sich zur Hilfe das Protokoll des letzten Jahres an: Welche Vereinbarungen hatten Sie getroffen? Welche Ziele wurden vor einem Jahr formuliert? Ist es aber Ihr erstes Mitarbeitergespräch, dann überlegen Sie sich: Über welche Themen möchte Ihr Chef wahrscheinlich sprechen? Außerdem: Was wollen Sie mit dem Gespräch erreichen? Schreiben Sie eine Liste mit Ihren konkreten Zielen. Denn wenn Sie genau wissen, was Sie wollen, können Sie am besten vorher Argumente sammeln. Achten Sie aber darauf, dass Ihre Ziele realistisch sind und Sie diese erreichen können! Bereiten Sie sich außerdem auf mögliche Kritik vor! Das hilft, um nicht emotional und damit unprofessionell zu reagieren. Fragen Sie sich: Womit könnte Ihr Chef unzufrieden sein? Warum? Was sollte besser werden?

Tipp: Informieren Sie sich, ob es in Ihrer Firma einen Leitfaden für das Jahresgespräch gibt. Oft steht dieses im Intranet der Firma. So können Sie sich noch gezielter auf das Mitarbeitergespräch vorbereiten! der Leitfaden, ¿ , hier: ≈ Zusammenfassung für den Ablauf

gezielt , hier: genau

Inhalt und Ablauf

In der Regel gibt es in einem Mitarbeitergespräch drei Teile. Zuerst wird über Ihre Leistung im vergangenen Jahr gesprochen. Was waren Ihre bisherigen Erfolge? Wurden die geplanten Ziele erreicht? Dazu gibt es dann Feedback und Kritik. Hier sollte nicht nur Ihr Vorgesetzter sprechen! Beteiligen Sie sich aktiv am Gespräch. Und sagen Sie auch, ob Sie mit Ihrer Arbeitssituation zufrieden sind. Im zweiten Teil des Gesprächs geht es um die Planung und die Ziele für das neue Jahr: Wird es oder soll es Veränderungen geben und welche? Was sind Ihre Ziele für die nächsten zwölf Monate? Versuchen Sie dabei, konkret messbare Ziele festzulegen. Bei Dingen, die schwer oder nicht messbar sind, sollten Sie trotzdem versuchen, diese Ziele zumindest so konkret wie möglich zu formulieren. Auch wichtig: Sprechen Sie darüber, welche Unterstützung Sie für das Erreichen dieser Ziele brauchen und bekommen sollten! Im letzten Teil des Gesprächs geht es um Ihre Zukunft und persönliche Entwicklung. Was sind Ihre beruflichen Perspektiven? Woran möchten Sie an sich selbst arbeiten? Welche Potenziale möchten Sie ausbauen? Werden Sie konkret: Möchten Sie eine Weiterbildung machen? Mehr Verantwortung übernehmen? Ein größeres Team leiten? Erfahrungen im Ausland sammeln?

protokollieren , hier: genau mitschreiben, was bei einer Besprechung gesagt wird (eine) Vereinbarung tr¡ffen , vereinbaren der/die Vorgesetzte, -n , Chef/Chefin s“ch beteiligen „n

, hier: aktiv mitmachen bei

f¡stlegen

, hier: vereinbaren; ≈ verabreden

zum“ndest , ≈ wenigstens ausbauen , hier: sich darum kümmern, dass etwas mehr und besser wird


50

DEUTSCH IM BERUF

Deutsch perfekt 12 / 2017

Ganz zum Schluss bekommt in der Regel der Chef Feedback vom Mitarbeiter. Überlegen Sie sich deshalb schon vor dem Gespräch Antworten auf diese Fragen: Wie war das Arbeitsklima? Wie war die Zusammenarbeit in Bezug auf Vertrauen und Wertschätzung? Fühlten Sie sich von Ihrem Chef unterstützt? Wie war die Kommunikation? Haben Sie alle wichtigen Informationen bekommen? Sie können in der deutschen Arbeitskultur Ihren Vorgesetzten kritisieren. Bleiben Sie dabei aber immer höflich und diplomatisch (siehe Deutsch perfekt 11/2016). Und vergessen Sie nicht zu sagen, was gut war. Über positives Feedback freut sich jeder.

⋅⋅ ⋅⋅

1. Gespräch mit dem Chef Was passt?

Projekte – Jahr – Gruppen – Kommunikation – Idee – Leistung – Geschäftspartner – Vorschläge 1.

2. Beschweren Sie sich im Jahresgespräch nicht beim Chef über andere Mitarbeiter. Das ist unprofessionell. Falls es Probleme im Team gibt, sollten Sie zuerst persönlich mit den Kollegen sprechen, die involviert sind. involviert sein , hier: mit denen man ein Problem hat

⋅⋅ ⋅⋅ ⋅

Checkliste für ein erfolgreiches Jahresgespräch Gute Vorbereitung Positive Herangehensweise Aktive Teilnahme am Gespräch Konkrete Ziele für das nächste Jahr Schriftliches Protokoll

die Her„ngehensweise, -n

, hier: Art, wie man sich vorbereitet

und darüber denkt

3.

So, dann blicken wir doch zuerst einmal auf das zurück. Waren Sie mit Ihrer letzte zufrieden? Ja. Es war ein sehr gutes Jahr für mich. Alle konnten termingerecht umgesetzt werden. Unsere waren sehr zufrieden mit der Arbeit. Das sehe ich auch so, Sie haben sich wirklich toll in die Projekte eingebracht und auch gute für deren Umsetzung gemacht. Das Einzige, was ich anmerken wollte ist: Leider hat im Team nicht so gut funktiodie niert. Haben Sie eine , wie man das verbessern könnte? Ich denke, wir sollten das Team in kleine einteilen. Diese kommunizieren dann wöchentlich. Und das gesamte Team trifft sich wie bisher ein bis zwei Mal pro Monat.

2. Liste Frau Pöhler bereitet sich auf ihr Mitarbeitergespräch vor und schreibt eine Liste. Welche Themen passen zur Überschrift? Kreuzen Sie an! Immer zwei Lösungen sind richtig!

das Protok¶ll, -e

, wortgenauer Text über das, was

gesagt wurde

“n Bezug auf

2. 1A, B 2B, C 3A, B 4A, C

1. 1. Jahr, Leistung, Projekte, Geschäftspartner 2. Vorschläge, Kommunikation 3. Idee, Gruppen

Lösungen:

Setzen Sie ein!

, hier: ≈ in Zusammen-

hang mit

die Wertschätzung

, hier: ≈ Zeigen, dass

man gut findet, wie der Mitarbeiter ist und seine Aufgaben erledigt

1. Erfolge letztes Jahr A drei wichtige neue Kunden gewonnen B Launch eines neuen Produkts C nette neue Kollegen bekommen 2. Ziele für nächstes Jahr A schlechtes Arbeitsklima B Teamleitung C mehr Projekte

3. Persönliches A Weiterbildung Grafikprogramme B Möglichkeit, vier Monate in Mexiko zu arbeiten? C dem Chef das Du anbieten 4. Feedback für den Chef A zu wenig Feedback bekommen B Betriebsausflug: wohin? C gute Zusammenarbeit


Deutsch perfekt 12 / 2017

DEUTSCH IM ALLTAG

51

Oh Mann! Warum sagen die Deutschen manchmal „Mann“ zu einer Frau? Mann, Mann, Mann … gute Frage. Aber keine Angst, das ist gar nicht so kompliziert. MITTEL AUDIO PLUS

1 Mann

2 Mensch

Und, wie war die Weihnachtsfeier? Gut! Aber du glaubst ja nicht, was mir passiert ist! Ich habe vorher extra nachgesehen, wo das Restaurant ist. Und als ich ankomme, ist da kein Mensch! Was? Warum das? Ja, ich habe mich auch gewundert. Und plötzlich kam da jemand vom Parkplatz, mit zwei Messern in den Händen. Ich habe wirklich Angst bekommen. Aber dann war das zum Glück nur der Koch des Restaurants! Mensch, das ist ja gruselig. Total. Dann hat er mir erzählt, dass es noch ein anderes Restaurant gibt, nämlich das Seecafé. Und ich stand aber vor dem Seehotel. Ich habe mich gefühlt wie der erste Mensch. Aber gut. Jeder macht mal Fehler. Ich bin auch nur ein Mensch.

Zur Erinnerung: Mann!/Mensch! = m Ausruf, wenn man enttäuscht oder ärgerlich ist oder sich freut oder überrascht ist

n“cht ohne sein

, m ganz extrem

sein

gebr¶chen

, von: brechen ≈

kaputtgehen (ein Teilstück des Skeletts)

nachsehen

, prüfen, kontrol-

lieren

gruselig

, hier: so, dass

etwas extrem ist und Angst macht

w“ld , hier: gefährlich

1. Was signalisieren die Ausdrücke?

2. Menschen

Was bedeuten die Ausdrücke und Interjektionen? Versuchen Sie, diese aus dem Kontext zu verstehen, und verbinden Sie!

Mit dem Wort „Mensch“ gibt es viele Ausdrücke im Deutschen. Was passt? Setzen Sie ein!

A signalisiert Bewunderung B signalisiert Überraschung C signalisiert Ärger D signalisiert Angst und Sorge E signalisiert Enttäuschung

Ich bin auch nur ein Mensch – Mensch – kein Mensch – wie der erste Mensch 1. Man hätte das bestimmt auch besser machen können! Aber ich hatte kaum Zeit, um mich vorzuberei! ten. Klar macht man dann auch Fehler. , ich freue mich so, dich zu sehen! 2. 3. Die Ausstellung war schön, aber leider ist gekommen. 4. Dieses Programm hatte ich noch nie benutzt, und ich hatte auch keine Ahnung davon. Ich saß vor dem . Computer und habe mich gefühlt Lösungen: 2. 1. Ich bin auch nur ein Mensch 2. Mensch 3. kein Mensch 4. wie der erste Mensch

1. Mannomann! Schön, dass du hier bist! Ich dachte, du bist in Berlin! 2. Julia ist wieder o. k. Aber Mann, Mann, Mann … Ich habe mir wirklich große Sorgen gemacht. 3. Du gehst ohne mich ins Kino? Menno, ich wäre gern mitgekommen. 4. Mann, du siehst ja super aus! 5. Oh Mann, warum kommst du so spät? Ich warte schon ewig!

1. 1B 2D 3E 4A 5C

Illustration: Silke Werzinger

Mann! Du bist ja total braun! Ja, letzte Woche war ich beim Skifahren. Was? Warum ohne mich? Menno! Tut mir leid, ich bin mit Selina gefahren. Aber Mann, Mann, Mann … das war nicht ohne! An einem Tag war das Wetter schlecht. Sie hat einen Skifahrer nicht gesehen und hatte einen Unfall. Mannomann! Was ist passiert? Geht’s ihr gut? Der Unfall sah wirklich schlimm aus. Aber zum Glück ist dem anderen Skifahrer gar nichts passiert. Und Selina hat sich „nur“ den Arm gebrochen. Oh Mann! Das ist ja eine wilde Geschichte. Hoffentlich geht es ihr bald besser. Die Ärzte haben gesagt, das sieht alles ganz gut aus. In drei Monaten sollte alles wieder okay sein.

Zur Erinnerung: Menno! = m Ausruf, um Ärger zu zeigen oder zu zeigen, dass man unglücklich ist Mannomann! = m kommt von: Mann, o Mann!; Ausruf, um Überraschung zu zeigen


RATEN SIE MAL!

Deutsch perfekt 12 / 2017

Mein erstes Jahr: Seite 29

1. Hinaus in die Natur Hélène Koch lernt in ihrem Studium viel über die Natur. Welche Wörter zu diesem Thema kennen Sie? Suchen Sie neun weitere Wörter, und markieren Sie sie.

ae = ä oe = ö

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G

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B

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T

T

E

R

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2. Sportlich!

D-A-CH-Menschen: Seite 78

Daniela Stein muss als Stuntfrau sehr sportlich sein. Welche Sportarten kennen Sie? Ordnen Sie die Buchstaben, und finden Sie die Lösung! Lösungen:

1. waagerecht: Foersterin (= Försterin), Biotop, Holz, Tiere, Blaetter (= Blätter) senkrecht: Eiche, Pflanzen, Baeume (= Bäume), Waldgebiet

1. Sport: Man tanzt mit speziellen Schuhen und einem Rock oder einer engen Hose: leBaltt 2. Sportart mit zwei oder vier Spielern, bei der man einen Ball und ein Netz braucht: sinTen 3. Man bewegt sich auf zwei Rädern mit einem Motor: rotorMadrafhne 4. Man braucht dafür Schnee und einen Berg: fiSkehran 5. Auf dem Wasser mit einem Brett fahren: Sernuf

2. 1. Ballett 2. Tennis 3. Motorradfahren 4. Skifahren 5. Surfen

52


Sammelkarte Schreiben

Deutsch perfekt 12 / 2017

SCHWER

Aufgepasst! Leben Sie in einem der deutschsprachigen Länder? Oder planen Sie es? Manchmal gibt es Probleme mit der Mietwohnung. Wenn die Heizung nicht geht (obwohl Sie schon drei Mal beim Vermieter angerufen haben) oder wenn plötzlich die Miete ohne Grund erhöht wurde – dann ist es Zeit, Ihrem Vermieter zu schreiben.

Mieterhöhung

Der Vermieter kann die Miete nicht ohne die Zustimmung des Mieters erhöhen. Er muss die Erhöhung der Miete auch begründen. Der Mieter hat dann drei Monate Zeit, um die Mieterhöhung zu prüfen. Wenn die Erhöhung juristisch in Ordnung ist, muss der Mieter zustimmen. Wenn nicht, kann er sie ablehnen.

Mieterhöhung ablehnen Sehr geehrte Frau Braun, der angekündigten Mieterhöhung können wir nicht zustimmen, da wir erst sein neun Monaten in der Wohnung im Alpenweg 3, 2. Stock, wohnen. Laut Gesetz darf die Miete innerhalb des ersten Jahres nicht erhöht werden.

Andere Gründe

Mit freundlichen Grüßen

Es ist Pflicht des Vermieters, den Grund für eine höhere Miete zu nennen. Da Sie keinen Grund angegeben haben, lehnen wir eine Erhöhung ab. Sie begründen die Mieterhöhung mit Sanierungsund Modernisierungsmaßnahmen. In unserem Haus wurden diese aber noch nicht durchgeführt. Wir lehnen deshalb die Mieterhöhung ab.

Sammelkarte Sprechen

Deutsch perfekt 12 / 2017

LEICHT PLUS AUDIO

Wie geht’s?

In den deutschsprachigen Ländern dürfen Sie auf die Frage „Wie geht’s?“ in privaten Situationen wirklich sagen, wie es Ihnen gerade geht. Trotzdem wird meistens zuerst kurz geantwortet. Wenn dann eine zweite Frage kommt, können Sie länger erzählen.

Fragen, wie es jemandem geht

⋅ ⋅⋅ ⋅

Allgemein: Wie geht es dir? / Wie geht es Ihnen? Wie geht’s? m Wie geht’s, wie steht’s? m Alles klar/okay (bei dir)?

Wenn jemand schlecht aussieht: Geht’s dir nicht gut? Fehlt dir/Ihnen etwas? Was ist los (mit dir)? Du siehst so müde/traurig … aus.

⋅⋅ ⋅

Wenn jemand ärgerlich aussieht: Warum hast du denn so schlechte Laune? m Was hat dir denn die Laune verdorben/vermiest/ verhagelt? m Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen? m Bist du sauer? Warum denn?

⋅ ⋅ ⋅ ⋅

⋅ ⋅ ⋅⋅

Wenn jemand krank war: Na? Wie fühlst du dich heute? Geht es dir/Ihnen (schon) wieder besser? Bist du wieder gesund? Schön, dass es dir/Ihnen wieder besser geht!

Sammelkarte Verstehen

Deutsch perfekt 12 / 2017

MITTEL PLUS

Lecker! Zur Weihnachtszeit wird viel gekocht und gebacken. Haben Sie Lust, ein paar deutsche Rezepte auszuprobieren?

Geräte und mehr das B„ckblech, -e

, flache, viereckige Form, auf die man

Dinge tut und dann in den Ofen zum Backen schiebt

Illustration: Silke Werzinger

das B„ckpapier , spezielles Papier, damit z. B. der Kuchen nicht in der Form kleben bleibt der (B„ck-)Ofen, ¿

, Teil des Herdes, in dem z. B. Kuchen

gebacken wird

die Pf¡ffermühle, -n , Gerät, mit dem man Pfeffer in sehr kleine Stücke macht

Mengen der P“nsel, - , langes Holzteil mit Haaren an einem Ende das Rührgerät, -e , Gerät, um Zutaten zu mischen der Schäler, , Gerät, mit dem man die Haut von Früchten oder Gemüse wegmacht der Schneebesen, , Gerät, mit dem man flüssige Zutaten mischen kann das Sieb, -e , Gerät mit vielen kleinen Löchern: Wasser läuft durch, feste Teile bleiben darin.

der ]sslöffel, - (kurz: EL)

, Suppenlöffel

die M¡sserspitze, -n (kurz: Msp.) , kleine Menge, die ganz vorne auf dem Messer Platz hat die P„ckung, -en , z. B. Tüte, dickes Papier oder Plastik, in dem Lebensmittel sind die Prise, -n , kleine Menge, die zwischen zwei Fingern Platz hat der Teelöffel, - (kurz: TL) , kleiner Löffel


Sammelkarte Schreiben

Deutsch perfekt 12 / 2017

Den Vermieter über Probleme informieren Sehr geehrte Frau Braun, wie ich Ihnen bereits am Telefon sagte, habe ich in meiner Wohnung im Alpenweg 3, 2. Stock, Schimmel an der Badezimmerdecke entdeckt. Vermutlich ist das Problem die defekte Hausbelüftungsanlage. Ich bitte Sie, möglichst schnell für die Behebung des Schadens zu sorgen. Mit freundlichen Grüßen

Andere Mängel oder Schäden melden der Sch“mmel , = Pilz, der auf feuchtem Material lebt die Bel•ftungsanlage, -n , = Konstruktion, die frische/kühle Luft bringt der M„ngel, ¿ , = Fehler, Problem der R¶llladen, ¿ , = Konstruktion vor Fenstern oder Türen, die man nach oben ziehen kann

• Der Boiler im Bad funktioniert seit gestern nicht mehr. • Der Rollladen im Wohnzimmer lässt • •

sich plötzlich nicht mehr öffnen. Laut Mietvertrag ist diese Außenreparatur die Aufgabe des Vermieters. Eine der Waschmaschinen für die Hausgemeinschaft im Keller geht seit Montag nicht mehr. Das Licht im Treppenhaus ist schon seit mehr als einer Woche defekt.

Sammelkarte Sprechen Sagen, dass es einem gut geht

⋅ ⋅⋅ ⋅⋅ ⋅⋅

Von „sehr gut“ zu „okay“: Mir geht es bestens/super/ spitze / sehr gut! Alles bestens / m paletti! Alles in Ordnung, danke der Nachfrage. Es geht mir gut. Ganz gut. Danke. m So weit ist alles okay.

Deutsch perfekt 12 / 2017

Sagen, dass es einem nicht gut geht

⋅⋅ ⋅⋅ ⋅

Allgemein: Na ja, (es) geht so. (Leider) Nicht so gut. m So lala. Es geht mir schon länger nicht gut. Ich weiß auch nicht (so genau), aber es geht mir irgendwie nicht so gut.

⋅ ⋅ ⋅ ⋅ ⋅

Bei Krankheit: Ich fühle mich nicht wohl/ gut. Heute fühle ich mich gar nicht gut. Mir geht es heute ziemlich schlecht. Mir ist schon seit heute Morgen schlecht/übel. Ich glaube, ich bin erkältet/ krank.

⋅ ⋅

Bei schlechter Laune: Heute funktioniert irgendwie gar nichts. m Ich glaube, ich bin heute mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden. Nichts klappt/ funktioniert!

Tipp! Je besser Sie die Person kennen, mit der Sie sprechen, umso ehrlicher und länger können Sie antworten.

Sammelkarte Verstehen

Deutsch perfekt 12 / 2017

Zubereitung (= Herstellung von Speisen) ausrollen/auswalgen

, flach und glatt machen

(m“t B„ckpapier) auslegen , (Backpapier) genau in der Größe der Form legen in bestreichen , mit einem Pinsel verteilen auf

der Eischnee

, Eiweiß, das so lange mit einem Kü-

chengerät gemischt wird, bis es fest ist (das Eiweiß,- e , weiße Substanz außen um den gelben Teil vom Ei) erwärmen , warm machen

cremig/schaumig rühren , so lange mischen, bis man eine cremige oder weiche, leichte Masse hat

, mischen und mit den Händen formen

einrühren , mit einem Löffel dazugeben und mischen

mahlen , mit einer Maschine (Mühle) in sehr kleine Teile machen

kneten

reiben , auf einem Küchengerät hin- und herbewegen und dadurch in sehr kleine Stücke machen rühren , durch Kreisbewegungen mischen schm¡lzen , so heiß machen, dass es weich und fließend wird steif schlagen , eine Masse so lange mischen, bis sie fest wird

¢nterheben

, eine leichte Masse mit einer festen

Masse vorsichtig mischen

der Teig, -e , weiche Masse, z. B. aus Mehl, Eiern und Butter vorheizen

, den Ofen vor dem Backen warm

werden lassen

verm¡ngen , mischen die Zutat, -en

, Lebensmittel, das zur Herstellung

einer Speise nötig ist


Deutsch perfekt 12 / 2017

WORTKOMPASS

55

„Mein Lieblingswort des Monats ist die Schneekugel. Ich liebe die Klarheit von Komposita. Mit zwei Wörtern kann man ein ganz neues Konzept ausdrücken.“ Anne Wichmann schreibt die Übungen für Deutsch perfekt und Deutsch perfekt Plus.

Die polyglotte Seite Kennen Sie die deutschen Wörter zu diesen Themen im Heft? Testen Sie sich nach dem Lesen: Legen Sie die Hand auf die deutschen Wörter, und finden Sie die richtige Übersetzung! DEUTSCH

ENGLISCH

SPANISCH

FRANZÖSISCH

ITALIENISCH

UNGARISCH

POLNISCH

RUSSISCH

WÖRTER ZUM WEIHNACHTSMARKT, TEXT: WIE GEHT ES EIGENTLICH DEN WEIHNACHTSMÄRKTEN? SEITE 70 - 72

die Schneekugel

snow globe

la bola de nieve

la boule de neige

la palla di neve

hógömb

śnieżna kula

der Schausteller

showman

el feriante

le forain

il venditore della bancarella

mutatványos

aktor

снежок владелец аттракциона

der Glühwein

mulled wine

el vino caliente especiado

le vin chaud

il vin brûlé

forralt bor

wino grzane

глинтвейн

der Lebkuchen

gingerbread

el pan de jengibre

le pain d'épices

il panpepato

mézeskalács

piernik

пряник

die gebrannten Mandeln Pl.

roasted almonds

las almendras garrapiñadas

les amandes grillées le mandorle tostate pirított mandula

migdały prażone

жареный миндаль

der Stand

stall

el puesto

le stand

la bancarella

stand, bódé

stoisko

прилавок/ларёк

der Nussknacker

nut cracker

el cascanueces

le casse-noix

lo schiaccianoci

diótörő

dziadek do orzechów

das Räuchermännchen

incense smoker

el pebetero (en for- das Räuchermännma de hombrecillo chen (homme brûle-chandelle) de madera)

figura in legno tipica pipázó emberke (füstölő) della tradizione natalizia tedesca

la bola del árbol de Navidad

la palla dell’albero di karácsonyfagömb Natale

bombka

opieka nad dziećmi уход за детьми

die Christbaumkugel Christmas tree ball

la boule d'arbre de Noël

щипцы для орехов, Щелкунчик drewniany ludzik na «курильщик» świąteczną świecę

ёлочный шар

WÖRTER ZU FAMILIE UND BERUF, TEXT: FAMILIENZEIT SEITE 14 - 26

die Kinderbetreuung child care

el cuidado de niños

la garde d'enfants

la cura dei bambini

die Kindertagesstät- day care centre te (kurz: Kita)

la guardería

la crèche

l’asilo a tempo pieno gyermek napköziotthon

die Tagesmutter

childminder

la niñera

la nounou

la signora che accudisce a casa propria bambini dietro compenso

das Elterngeld

parental allowance el subsidio parental l’allocation familiale l’assegno parentale gyermekgondozási zasiłek rodzinny támogatás

die Elternzeit

parental leave

der Mutterschutz

paid maternity leave la protección de la maternidad

la baja por materni- le congé parental dad/paternidad le congé maternité

gyermekgondozás

családi napközi

placówka dziennej opieki nad dziećmi

дневной детский сад

opiekunka

нянявоспитательница пособие по уходу за ребенком

il congedo parentale gyermekgondozási urlop wychowawczy декретный отпуск szabadság la tutela della maternità

anyavédelem

urlop macierzyński

охрана материнства

Foto: Maximilian Nickel; Illustration: i_panki/iStock.com

WÖRTER ZU SOCIAL MEDIA, TEXT: POLITIKER VERGESSEN FACEBOOK UND TWITTER SEITE 9

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supprimer de ses amis

togliere l’amicizia

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WIRTSCHAFT

56

Deutsch perfekt 12 / 2017

Das Ende der Kasse Der Lebensmittelhandel hat sich 2017 so stark verändert wie seit Langem nicht. Die Bilanz am Jahresende: Ein großer Anbieter ist weg (Kaiser’s Tengelmann) – und ein neuer macht der Branche Angst (Amazon). Aber das ist noch nicht alles. Wohin geht die Reise? Von Marlene Weiß

3

-,99

Illustration: Sead Mujić

SCHWER

ck Stü €

1

Eingang

In manchen Supermärkten werden sich Kunden in Zukunft am Eingang mit einer SmartphoneApp registrieren, über die dann alle Einkäufe abgerechnet werden. Der Online-Gigant Amazon etwa arbeitet am Modellsupermarkt Amazon Go, in dem man sich einfach aus den Regalen bedienen kann; Kameras und Sensoren sollen alle ausgewählten Produkte registrieren, die Summe kommt aufs Telefon. Bis jetzt ist die Technik allerdings offenbar noch nicht gut genug. der S¡nsor, Sensoren

, hier: kleines elektronisches Stück, das z. B. Bewegun-

2

gen und Distanz feststellen kann

Lo

2

gin

Kundenführung

Wie der Kunde durch den Laden geht, ist für Händler ein schwieriges Thema. Einerseits soll er sich nicht über lange Wege und Orientierungslosigkeit ärgern. Da helfen Abkürzungen zur Kasse, an denen eilige Kunden Fertigmahlzeiten und Getränke finden. Andererseits werden Spontankäufe wahrscheinlicher, wenn Kunden viel vom Laden sehen. Darum kann es sinnvoll sein, etwa Milchprodukte weit hinten aufzustellen. Die ideale Lösung gibt es nicht.

1

die [bkürzung, -en

, hier: kürzerer Weg

aufstellen , hier: an einen speziellen Platz stellen


Deutsch perfekt 12 / 2017

WIRTSCHAFT

182 Minuten

Bio arp S is pre

4

Elektronische Preisschilder

Manche Supermärkte nutzen schon heute elektronische Preisschilder. Dann können Preise leichter automatisch gesenkt werden, zum Beispiel wenn sich die Erdbeeren dem Ende der Haltbarkeit nähern. Die ganze Zeit wechselnde Preise wie an der Tankstelle erwarten Experten aber eher nicht, auch nicht individuell zugeschnittene wie manchmal im Internet.

p! To

s¡nken , niedriger machen eher , hier: wahrscheinlicher individu¡ll zugeschnitten , individuell genau passend 4

9 1,9

3

Individualisierte Produkte

In Zukunft könnten auch Supermärkte individuellere Produkte anbieten, um mit dem wachsenden Online-Angebot mitzuhalten: zum Beispiel selbst kombinierte Flockenmischungen oder frisch zubereitete Marmeladen. m“thalten , hier: dasselbe Angebot und dieselben Preise machen können

G 24 Sh h op

57

die Fl¶ckenmischung, -en

, ≈ Mischung von kleinen

Getreidestücken z. B. mit getrockneten Obststücken oder Nüssen

Gut drei Stunden pro Woche verbringen erwachsene Deutsche laut Statistischem Bundesamt mit dem Einkaufen von Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs (nicht im Internet). Bei Frauen ist es eine halbe Stunde mehr als bei Männern. Damit ist das Engagement der Geschlechter inzwischen viel ähnlicher als früher: Noch 1996 betrug der Unterschied mehr als eine Stunde in der Woche. Insgesamt verbringt der Durchschnittsdeutsche damit mehr als ein Jahr seines Lebens in Supermärkten und anderen Geschäften der tägliche Bed„rf

, alles, was man an einem Tag braucht

das Engagement franz. , hier: ≈ Aktivität

zubereiten , Speisen herstellen

errit Kahl schiebt den Einkaufswagen zum Stand mit den Plastikorangen und nimmt eine heraus. Das Tablet in der Halterung am Wagen piepst, man sieht die Orange auf dem Bildschirm: „Das System weiß, dass ich hier bin“, sagt Kahl, Sensoren haben sein Tablet erkannt und die Orange gemeldet. Ein paar Schritte weiter nimmt Kahl eine leere Müslipackung aus dem Regal. 1,60 Euro, zeigt das digitale Preisschild an. Ein regionales Produkt, lobt das Tablet, ach, das Schokomüsli kommt aus dem Saarland? Nein, es ist nur der Hersteller gemeint. Willkommen in Sankt Wendel, im Innovative Retail Laboratory des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, in dem Laborleiter Kahl und seine Kollegen am Einkauf der Zukunft arbeiten. Und das ist kompliziert, denn man hat es mit dem Kunden zu tun, dem größten Störfaktor im Supermarkt. Der Kunde will Hilfe, aber nicht zu viel Technik. Er wünscht sich schicke, aber billige Läden. Er muss bezahlen, aber er leidet darunter. Und er will schnell einkaufen, die Sache aber manchmal auch genießen. „Das Ziel

der St„nd, ¿e , hier: ≈ kleiner Tisch, wo Waren liegen die H„lterung, -en , hier: Konstruktion, in der man ein Gerät festmachen und wieder herausnehmen kann piepsen , hier: ein hohes Signal geben

der S¡nsor, Sensoren

, hier: kleines elektro-

nisches Stück, das z. B. Bewegungen und Distanz feststellen kann digital , hier: ≈ so, dass man etwas mit Computern lesen kann genießen , Freude haben an


WIRTSCHAFT

sind zwei Märkte in einem“, sagt Antonio Krüger, wissenschaftlicher Direktor des Forschungssupermarkts, der neben Kahl durch die Kulisse läuft: „ein Feng-Shui-Erlebnismarkt und ein auf Schnelligkeit getrimmter Supermarkt“. Dabei erscheint nicht unbedingt alles sinnvoll, was in Sankt Wendel ausprobiert wird. Das zeigt sich zum Beispiel an der Bedienungstheke, wo Krüger auf Wurst und Käse zeigt. Eine Kamera registriert seine Bewegungen, auf einem Bildschirm sieht man das Produkt, auf das er zeigt. Oder das daneben, davor, dahinter? Zeigen ist eine schwierige Sache. Der eine

Interaktive Bildschirme Auf interaktiven Bildschirmen kann man sehen, wo ein bestimmtes Produkt zu finden ist oder welche Backwaren glutenfrei sind.

Deutsch perfekt 12 / 2017

peilt, der andere zielt, wie soll das Gerät erkennen, was gemeint ist? Aber auch wenn diese Funktion sich nie durchsetzen sollte: Sicher ist, dass der Lebensmitteleinkauf sich verändern wird.

Zurzeit größtes Ärgernis beim Einkauf: das Bezahlen an den Kassen

Der durchschnittliche Deutsche verbringt sehr viel Zeit im Supermarkt. Bloß an den Kassen wartet er jedes Mal etwa sieben Minuten. Und zerstreut ist er auch noch. Oft vergisst er mindestens einen Artikel und geht auch darum häufig dreimal pro Woche oder öfter einkaufen. Und wozu? Um Milch, Joghurt, Salat, Käse, Wurst, Dosentomaten und Spaghetti in den Wagen zu legen, meistens immer wieder das Gleiche, manchmal ergänzt durch Kaffee, Klopapier und Müllbeutel. So langweilige Tätigkeiten wie diese wurden in anderen Bereichen schon lange automatisiert. Noch hält sich das seltsame Ritual jedoch. Das liegt zum einen am Preis: Die Margen sind bei Lebensmitteln winzig. Online-Einkäufe sind meistens teurer, weil noch die Lieferung hinzukommt. Bei frischen Produkten ist die Kühlkette ein Problem, und schließlich wollen viele ihre Lebensmittel einfach lieber direkt aussuchen. Trotzdem ist der Lebensmittel-Markt im Umbruch, auch wenn das nicht so schnell geschieht, wie es bei Büchern oder Musik passiert ist. Der Online-Riese Amazon bedient mit seinem Lebensmittellieferdienst Amazon Fresh seit Anfang Mai Berlin und Potsdam und mit Prime Now auch München. Das Angebot soll noch ausgeweitet werden. Auch Abo-Dienste für Bio-Kisten, Windeln oder Kochboxen nehmen den traditionellen Supermärkten Marktanteile weg. Die versuchen, sich zu wehren. Viele Rewe- oder Edeka-Märkte bieten einen Online-Vorbestellservice an, dann muss man die fertig gepackten Einkäufe nur noch auf dem Heimweg abholen. Supermärkte und Discounter haben ihre Läden reihenweise aufgehübscht, heller und geräumiger gemacht. Regale waren früher leicht zwei Meter hoch. Heute können

die Kul“sse, -n

, hier: nicht echter

Supermarkt

der Erlebnismarkt, ¿e , ≈ Supermarkt, in dem das Einkaufen ein schönes Erlebnis ist auf Schn¡lligkeit getr“mmt , m hier: so eingerichtet, dass man möglichst schnell einkaufen kann die Bedienungstheke, -n , Theke, an der der Kunde von Verkäufern bedient wird (die Theke, -n , hier: Bereich, wo etwas verkauft wird) peilen , hier: m in irgendeine Richtung zeigen s“ch d¢rchsetzen , hier: überall benutzt werden zerstreut , unkonzentriert der M•llbeutel, , ≈ Mülltüte s“ch h„lten , so bleiben, wie es ist

“m }mbruch sein

, sich ändern

der Riese, -n , sehr großer Mensch; hier: sehr große Firma der Lieferdienst, -e , Firma, die einen Lieferservice anbietet ausweiten , hier: in mehr Orten möglich machen der [bo-Dienst, -e

, Service, den man abon-

nieren kann

die Bio-K“ste, -n , Kiste mit saisonalen Lebensmitteln von einem ökologisch wirtschaftenden Bauernhof die W“ndel, -n , eine Art Hose aus Plastik oder Stoff, die Babys tragen, bevor sie selbst zur Toilette gehen können (z. B. Pampers) die K¶chbox, -en

, Kiste mit Rezepten und

dazu passenden Lebensmitteln der M„rktanteil, -e

, Menge der verkauften

w“nzig , sehr klein

Produkte einer Firma im Vergleich zur Menge der verkauften Produkte aus dem ganzen Wirtschaftssektor

hinzukommen , hier: auch noch bezahlt werden müssen

s“ch wehren , kämpfen gegen und versuchen, sich zu schützen

die Kühlkette, -n , ≈ System des Lagerns und Transportierens von gekühlten Produkten

der Vorbestellservice, -s , ≈ Bestellservice

die Marge, -n franz. , ≈ Gewinn; ≈ Profit

reihenweise , m in großer Zahl aufhübschen , m schöner machen geräumig , so, dass es viel Platz gibt leicht , hier: ungefähr

Illustration: Sead Mujić

58


Deutsch perfekt 12 / 2017

1

WIRTSCHAFT

Interaktive Käsetheke

Kameras können die Bewegungen des Kunden registrieren, sodass auf einem Display durch die kurze Berührung mit einem Finger Informationen über Weichkäse oder Salami zu sehen sind. Wenn alle anderen Kunden in der Schlange gleichzeitig Ähnliches versuchen, wäre ein solches System allerdings schnell überfordert. die Käsetheke, -n

, ≈ Tisch oder Bereich

in einem Laden, wo Käse verkauft wird

die Schl„nge, -n , hier: Reihe von Menschen, die auf etwas warten

überf¶rdert , hier: so, dass es bei zu vielen Kunden nicht mehr funktioniert

2

1

Der durchschnittliche Deutsche vergisst oft mindestens einen Artikel und geht auch darum häufig dreimal pro Woche oder mehr einkaufen.

2

Wohlfühlzone

Der Supermarkt der Zukunft soll zwar effizienter werden, aber auch angenehmer. Bei Modernisierungen werden Läden meistens heller und größer, Regale niedriger. Ob auch Ideen aus der Supermarkt-Forschung wie animierte Fische auf Wänden fürs Wohlgefühl positiv sind, ist nicht sicher. effizi¡nt

, (ökonomisch) sinnvoll und

nützlich

animiert

, hier: so, dass sie mit einer Com-

puteranimation gemacht sind

59


WIRTSCHAFT

Deutsch perfekt 12 / 2017

2

Nicht-ganz-Preise

In Europa und den USA sind Preise wie 0,99 oder 2,95, die knapp unter einer runden Zahl liegen, sehr verbreitet. Das soll nach weniger aussehen. Experimente haben jedoch gezeigt, dass Kunden Produkte dadurch nicht häufiger kaufen.

1

die r¢nde Zahl, -en

, hier: Zahl ohne Cent,

Liefersysteme

z. B. 1 oder 3 Euro

Noch ist der Online-Einkauf bei frischen Lebensmitteln in Deutschland, wo die Supermarktdichte sehr hoch ist, ein extrem kleiner Markt. Amazon liefert jedoch im Raum Berlin und in München schon Lebensmittel in Kühltaschen, in manchen Rewe- oder Edeka-Filialen kann man online bestellen und dann den verpackten Einkauf abholen. die Supermarktd“chte

, Zahl der Supermärkte

pro Ort

“m Raum …

, hier: in … und seiner

Umgebung

die Filiale, -n

verbreitet

, hier: häufig zu finden

9€

, eines von mehreren

2,9

Geschäften von einer Firma

2

ur tn z t Je

€ 9 9 -,

9€ 4 , 4 1

3

Automatisches Bezahlen

Geldausgeben schmerzt, und es wird nicht besser, wenn man dafür anstehen muss. Auch darum haben etwa Apple Stores keine Kassen, man drückt nur einem Verkäufer die Kreditkarte in die Hand. In vielen Supermärkten kann man selber scannen, damit es wenigstens schnell geht. In Zukunft könnten Einkäufe schon im Laden digital registriert werden, das Geld wird automatisch abgebucht. „nstehen

, in einer Reihe

3

mit anderen Personen stehen und warten

“n die H„nd dr•cken , m geben digital , hier: so, dass fast alles in Computern gespeichert ist und Computer benutzt werden

„bbuchen

, Geld von einem

Konto wegnehmen Illustration: Sead Mujić

60


Deutsch perfekt 12 / 2017

WIRTSCHAFT

das Sortim¡nt, -e

die Geh“rnstruktur, -en

61

Kunden oft darüberschauen, die Orien- sich nichts davon: Der Umsatz der aufge- , ≈ Warenangebot , ≈ Struktur des Denkens tierung ist einfacher geworden. Häufig rundeten Drogerieprodukte blieb stabil. die Ges¡llschaft für (das Geh“rn, -e gibt es noch ein Café oder Probierstände. Andere Versuche im Versandhandel zeig- Konsumforschung , Organ im Kopf, mit dem Das scheint sich zu lohnen. Nach La- ten aber schon einen Effekt – das könnte , Firma, die systematische man denkt und fühlt) Untersuchungen macht, kr¢mm , hier: m ≈ den-Modernisierungen wird immer das allerdings auch daran liegen, dass viele welche und wie viele Pronicht aufgerundet größere Sortiment gelobt, die bessere Kunden inzwischen automatisch „billig“ dukte gekauft werden (aufrunden , eine Zahl Auswahl bei Obst und Gemüse. Das sagt denken, wenn sie eine neun nach dem das Verbraucherpanel, -s auf die nächste Zahl (z. B. ≈ repräsentative Gruppe , Marc Knuff von der Gesellschaft für Komma sehen. mit einer Null) bringen) Konsumforschung (GfK), die aus ihrem Aber das größte ungelöste Problem von Verbrauchern kl“ngen , hier: machen, Verbraucherpanel mit 30 000 Haushalten des physischen Einkaufs ist das Bezah- (der Verbraucher, dass man denkt, etwas ist … , Person, die Waren kauft und qualitativen Befragungen den Kun- len. „Kassen sind immer ein Ärgernis“, und benutzt) der Emeritus, Emeriti lat. den wohl besser kennt als er sich selbst. sagt Antonio Krüger in Sankt Wendel, , Universitätsprofessor, die qualitative Befragung, der offiziell aufgehört „Dabei stimmt das gar nicht. Es ist nur „das macht das ganze Kauferlebnis ka- -en hat, an der Universität zu mehr Platz“, sagt Knuff. Jedenfalls kann putt“. Online muss sich der Kunde kaum , ≈ Umfrage arbeiten der deutsche Verbraucher sich nicht be- mit dem Geldausgeben beschäftigen, mit n“cht viel haben v¶n der }msatz, ¿e , Summe schweren, findet der Experte, es hat sich 1-Click-Systemen oder gar per Sprach- , keinen großen Vorteil aller Verkäufe in einer haben von speziellen Zeit viel verbessert. erkennung mit den Alexa-Zylindern von Und die Händler bemühen sich wirk- Amazon, bei denen man mündlich bestel- aufstellen , hier: an einen der Vers„ndhandel speziellen Platz stellen , Firma, die Waren an die lich um den Kunden, auch wenn der nicht len kann. Käufer schickt d“cht gep„ckt , hier: sehr immer viel davon hat. Im EingangsbeAuch im Nebenraum des Forschungs- voll mit Waren reich – der sogenannten Bremszone – stel- supermarkts steht so ein Gerät. Kaum s¢boptimal , weniger gut len sie meistens Obst- und Gemüsestän- spricht man von Alexa, ist nebenan eine de auf. Das sieht nett aus, und der Kunde Stimme zu hören: „Ich habe das leider ist auf den ersten Metern sowieso mit An- nicht verstanden.“ kommen beschäftigt. Dicht gepackte Regale sieht er Intelligenter Einkaufswagen nicht. Dumm nur, Mit einem elektronischen Display oder einer Smartphonedass dann Salat Halterung könnten Einkaufswagen den Weg durch den und Erdbeeren Laden zeigen, Einkäufe digital registrieren und Produkte anzeigen, die mit den individuellen Lebensmittelzuerst in den Einunverträglichkeiten und Interessen zusammenpassen. kaufswagen gelegt die Auswahl , ≈ von: auswählen = hier: das Beste wählen werden. Milchdie H„lterung, -en digital die }nverträglichprodukte dagekeit, -en , hier: Kon, hier: so, dass struktion, in der fast alles in Com, von: unverträggen stehen oft ganz hinten, damit man man ein Gerät putern gespeichert lich = so, dass man viel vom Laden zu sehen bekommt und festmachen ist und Computer gesundheitliche spontan noch Olivenöl und Haarshamund wieder benutzt werden Probleme bekommt herausnehpoo mitnimmt. Zwei Liter Milch oben, men kann Beeren unten – suboptimal. In sehr vielen Geschäften läuft man außerdem linksherum vom Eingang zur Kasse; angeblich passt das besser zur Gehirnstruktur, und es wird mehr gekauft. Viele Supermarktforscher halten das allerdings für eine Legende, bewiesen ist es nicht. Ähnlich ist es mit den krummen Preisen: Noch heute glauben viele Händler fest daran, dass man 2,99 Euro leichter bezahlt als drei Euro, dass 9,95 nach weniger klingt als zehn. Als Hermann Diller, inzwischen Emeritus der Universität Erlangen-Nürnberg, das jedoch in den 90er-Jahren testete, zeigte

Nach Laden-Modernisierungen wird immer die bessere Auswahl gelobt, dabei ist meistens nur mehr Platz.


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WIRTSCHAFT

Deutsch perfekt 12 / 2017

Dies ist eine einfachere Version eines Texts aus der Süddeutschen Zeitung.

Denn auch wenn viele Amazon noch für ein Handels- und Logistikunternehmen halten – eigentlich ist es ein Datenkonzern. „Bei Amazon ist jede einzelne Entscheidung datengetrieben, dem muss man etwas entgegensetzen“, sagt Michael Feindt. Früher hat der Physiker am Teilchenforschungszentrum Cern gearbeitet und die Datenberge der dortigen Detektoren ausgewertet. Aber als er vor vielen Jahren eine Menge Geld mit Aktienfonds verloren hatte, fing er an, seine Algorithmen auch auf den Aktienmarkt anzuwenden. Und schließlich gründete er 2008 Blue Yonder: Das Unternehmen wertet die Kassenzettel-Daten von Handelsketten aus, gibt Wetterdaten und Ähnliches dazu und wendet am Ende einen komplexen Algorithmus darauf an. Das Resultat ist eine ziemlich gute Prognose, was morgen, übermorgen, am Wochenende gekauft wird – lange bevor die Kunden selbst wissen, dass sie am ersten warmen Samstag seit Monaten in großer Menge Fleisch für spontane Grillpartys kaufen werden. So kann der Händler automatisiert bestellen und muss weniger wegwerfen. Der erste große Kunde war

„bschaffen , hier: wegmachen das Kont„ktfeld, -er , Bereich, den man berühren muss die Attr„ppe, -n , Imitation, die echt aussieht der [bzug , von: abziehen = wegrechnen; durch Rechnen wegnehmen v¶rne dabei , m auf den ersten Positionen das Unternehmen, , Firma das Konz¡pt, -e , Plan; Idee s“ch n“cht entgehen l„ssen , ≈ nicht verpassen wollen sch•tzen l„ssen

, hier: bei einer offiziellen

Institution anmelden, um als Einziger das Recht zu haben, den Slogan zu benutzen vor s“ch her treiben

, hier: zwingen, auch aktiv

zu werden und Neues zu erfinden

der Konz¡rn, -e

, Gruppe von Firmen mit

gemeinsamer Leitung

datengetrieben , ≈ verursacht durch Daten entgegensetzen

, hier: ≈ kämpfen gegen

das Teilchen, - , hier: ≈ sehr kleines pysikalisches Objekt, z. B. Atom, Proton … der Datenberg, -e , m sehr große Datenmenge auswerten , analysieren, damit man die Ergebnisse verwenden kann der [ktienfonds, - franz.

, ≈ Investitionsform mit

Aktien

(die [ktie, -n , Dokument über den Besitz eines bestimmten Teils des Kapitals und des Gewinns einer Firma) „nwenden auf , ≈ benutzen bei die H„ndelskette, -n , Firma mit mehreren Läden an verschiedenen Orten

Illustration: Sead Mujić

An der Kasse endet das Feng-ShuiWohlgefühl, am liebsten würden Einkaufsingenieure sie abschaffen. Kahl und Krüger sind inzwischen am Ausgang angekommen. Dort steht nur eine Art weiße Theke, Ikea-Stil. Auf ein Kontaktfeld hält Kahl einen Autoschlüssel. Vermutlich parkt irgendwo auf dem Hof die passende Auto-Attrappe dazu, aber hier geht es um den eingebauten Chip: Der autorisiert die Bezahlung der Produkte, die das Tablet registriert hat. Viel angenehmer kann eine Geldübergabe nicht sein. Aber das System arbeitet mit RFIDTags. Jedes Produkt trägt eine kleine elektronische Markierung. Die teilt den Antennen im Regalboden mit, was herausgenommen wurde. „RFID-Tags auf allen Supermarkt-Produkten wären nicht realistisch“, sagt Kahl, „dafür sind sie zu teuer.“ Auf einem Joghurt für 45 Cent, an dem der Händler nach Abzug seiner Kosten vielleicht einen Cent verdient, lohnt sich kein RFID-Marker. Eine Alternative könnten Kameras sein, die das Produkt automatisch identifizieren. Im Prinzip ist das machbar, aber kompliziert. Vorne dabei ist wieder einmal Amazon. Das Unternehmen arbeitet längst an einem kassenlosen Supermarkt namens Amazon Go. In dem Werbevideo dazu halten schöne Menschen kurz das Smartphone auf einen Sensor und stecken dann schöne Produkte ein, mit denen sie einfach aus dem Laden spazieren. Eigentlich sollte das erste Geschäft in Seattle schon Anfang des Jahres eröffnen, doch der Start wurde verschoben. Offenbar macht die Technik Probleme, sobald mehr als 20 Leute einkaufen oder Bewegungen zu schnell sind. Trotzdem hält Amazon an dem Konzept fest; einen Lebensmittelmarkt von 800 Milliarden Dollar allein in den USA will man sich nicht kampflos entgehen lassen. So hat Amazon seinen Go-Slogan „No Queue. No Checkout. (No, seriously)“ auch in Europa schützen lassen. Heute wissen Händler vor den Kunden, dass diese am Samstag Grillfleisch kaufen werden Schon jetzt treibt der Händler mit seinen Methoden die anderen vor sich her.


Deutsch perfekt 12 / 2017

„Die meisten Firmen haben Daten gesammelt, aber noch nicht allen ist klar, wie wertvoll sie sind.“ Michael Feindt, Chef der Firma Blue Yonder

WIRTSCHAFT

der Drogeriemarkt dm, inzwischen plant Blue Yonder für seine Kunden unter anderem fast den gesamten Sushi-Verkauf in deutschen Supermärkten. Die Spezialität ist genau zwei Tage haltbar. „Die meisten Firmen haben Daten gesammelt, aber noch nicht allen ist klar, wie wertvoll sie sind“, sagt Feindt. Nicht nur für die Einkaufsoptimierung, auch für die Preissetzung. Am Ende der Saison die Ladenhüter im Schlussverkauf für geringe Summen verkaufen, kurz vor Ablauf der Haltbarkeit noch schnell reduzieren? Das geht besser. Feindt wehrt sich aber gegen die Unterstellung, dass immer der Preis verlangt wird, den der Kunde gerade noch zu bezahlen bereit ist. „Gute Preisgestaltung geht nicht gegen den Konsumenten, sondern sichert das Überleben des Händlers, der seine Margen halten muss“, sagt er. „Der Verbraucher hat nichts davon, wenn nur Amazon Datenmethoden nutzt und deshalb am Ende als einziger Anbieter übrig bleibt.“ Und so ist die Zukunft der Supermärkte wieder ziemlich offen, 60 Jahre nachdem 1957 in Köln der erste große Supermarkt in Deutschland aufmachte. Nicht sicher war man damals, schrieb die Wochenzeitung Die Zeit am 20. Juni 1957, ob das nicht nur ein einmaliges Experiment bleibt. In Sankt Wendel ist der Einkauf beendet. „Alexa, stoppe Systeme“, sagt Gerrit Kahl zum schwarzen Zylinder, das hat er neu eingerichtet. Das Rolltor fährt herunter – Ladenschluss.

der Ladenhüter, -

der Konsum¡nt, -en

, Produkt, das niemand

, Person, die Produkte

vor [blauf , vor dem Ende

, hier: weiter existieren

kauft und das deshalb lange im Laden bleibt

die Unterst¡llung , von: unterstellen = etwas Negatives sagen, ohne zeigen zu können, dass es stimmt die Preisgestaltung

, ≈ Entscheidung, welche

Preise gelten sollen

kauft

überleben

das R¶lltor, -e , Tor, das sich automatisch aufrollt (s“ch aufrollen , hier: in eine Zylinderform bewegen) der Ladenschluss , Ende der täglichen Verkaufszeit in einem Laden

Intelligente Regale Nimmt ein Kunde eine Packung aus einem elektronisch aufgerüsteten Regal, registriert das ein Sensor. Dann sind zum Beispiel auf einem Bildschirm noch mehr Informationen zu sehen, oder das Produkt kommt direkt in den Smartphone-Einkaufswagen. elektronisch aufgerüstet

, ≈ so, dass Elektrotechnik eingebaut wurde

der S¡nsor, Sensoren

, hier: kleines elektronisches Stück, das z. B. Bewe-

gungen und Distanz feststellen kann

63


64

BLINDTEXT

Deutsch perfekt X / 2017

Die Krankheit, die Angst und der Tod Das Wort des Jahres 1987 ist „Aids“. In dem Jahr ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen so hoch wie nie davor und nie danach.

D

eutschland hat Angst. Große Angst, irrationale Angst. Im Mai des Jahres 1987 schreibt der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter in der Wochenzeitung Die Zeit von einer Angst, die so groß ist, dass sie droht, „alle anderen Ängste zu überwuchern“. Was er meint, ist die Angst der Deutschen vor einer neuen Krankheit: Aids. Wer im Jahr 2017 an die Ereignisse vor 30 Jahren erinnert, kennt die Fortschritte,

MITTEL AUDIO

welche die Medizin in den letzten Jahren gemacht hat. Seit 1996 gibt es gute Medikamente. Die können eine HIV-Infektion zwar nicht heilen. Aber durch sie bricht die Aids-Krankheit nicht aus. Wer diese Tabletten früh und oft genug einnimmt, hat gute Chancen, genauso alt zu werden wie gesunde Menschen. Von diesen Möglichkeiten ist die Welt 1987 weit entfernt. Aids kommt Anfang der 80er-Jahre wie aus dem Nichts über die Menschheit. In einer Zeit, in der die

das HIV , kurz für: human immunodeficiency virus ≈ Virus, das macht, dass die Aids-Krankheit beginnt drohen , hier: möglich sein, dass etwas Schlimmes passiert überwuchern , (Pflanzen) extrem wachsen über; hier: extrem stark werden heilen , gesund machen

ausbrechen , hier: plötzlich beginnen einnehmen , hier: über die Nase, den Mund oder das Blut in den Körper bringen wie aus dem N“chts k¶mmen , plötzlich (und überraschend) da sein


Deutsch perfekt 12 / 2017

GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE

65

e HIV-positiv oder nicht?

Foto: picture alliance/cultura/image source

1987 war das eine Frage von Leben und Tod.

Welt in West und Ost geteilt ist und plötzlich alleine, weil auch Freunde und Menschen auf der ganzen Welt Angst vor Verwandte Panik haben, sich anzustenuklearen Waffen haben, gibt es plötzlich cken. eine neue, tödliche Krankheit – und keine Und das, obwohl ziemlich bald klar ist, dass man sich beim alltäglichen Kontakt Chance auf Heilung. In Deutschland schreibt Der Spiegel nicht anstecken kann. Das passiert nur im Mai 1982 zum ersten Mal über eine durch Blut, Sperma, Vaginalsekret und Krankheit, die seit ein paar Monaten in Muttermilch. Jemandem die Hand geben, den USA beobachtet wird: An der Ost- ihn umarmen, aus dem gleichen Glas trinküste erkranken Menschen an einer spe- ken, ein intensiver Kuss: ungefährlich. Aber auf so viele Fragen gibt es noch ziellen Form von Hautkrebs, der Kaposi-Krankheit. Plötzlich gibt es immer keine Antworten. Wo kommt das Virus mehr von diesen extrem seltenen Tumo- her? Warum kann man sich nicht dagegen ren – und alle Kranken sind homosexuelle impfen? In der Panik reagieren viele MenMänner. Außerdem berichten Ärzte über schen extrem. Weil am Anfang vor allem viele tödliche Lungenentzündungen bei Homosexuelle die Krankheit bekommen, Drogensüchtigen, die ihren Stoff sprit- werden diese stigmatisiert. Daran sind zen. Das Immunsystem der Kranken ist auch die Medien in der Bundesrepublik extrem schwach. Aber warum? Darauf mit schuld, die von einer „Lustseuche“ schreiben und über das Sexualleben von haben die Mediziner keine Antwort. Homosexuellen berichten. Im Juli 1982 bekommt das Das Thema polarisiert. Phänomen in den USA zum Wie soll die Poersten Mal den Namen, der Auf der einen Seite steht litik reagieren? Gesundheitsministerin Rita später offiziell wird: Aids. Mit Hilfsangebo- Süßmuth. Die ChristdemoDas Wort ist ein Akronym, ten oder restrik- kratin ist für eine gute Unes steht für den englischen tiv? Die Frage terstützung der Kranken, für Ausdruck „acquired impolarisiert. Forschung – und dafür, die munodeficiency syndrome“, auf Deutsch: „erworbenes Menschen zu informieren. Immundefizit-Syndrom“. Im Juli 1982 Anfang 1987 startet ihre Kampagne für wird die Krankheit auch zum ersten Mal die Benutzung von Kondomen beim Sex. Auf der anderen Seite stehen christsoin Deutschland diagnostiziert: bei einem Mann mit schwerer Lungenentzündung ziale Politiker aus München mit radikalen Ideen. Ab Mai 1987 gilt in Bayern: Prostiin Frankfurt am Main. Auf die ersten Erkrankungen folgt tuierte, Homosexuelle und andere müsPanik – auf der ganzen Welt. Am Anfang sen sich auf HIV testen lassen – wenn sie wissen die Mediziner sehr wenig über das nicht wollen, werden sie von der Polidie neue Krankheit. Sicher ist nur: Wer zei zum Arzt gebracht. Das tut die Polizei an Aids erkrankt, hat nicht mehr lange zu auch. HIV-positive Ausländer bekommen leben. Ärzte registrieren bald immer mehr keine Aufenthaltserlaubnis mehr. Die AtErkrankungen. In den ersten Jahren ver- mosphäre wird dort immer aggressiver. Im Dezember wählt die Jury der Gedoppelt sich die Zahl jedes Jahr. Nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts sellschaft für deutsche Sprache „Aids“ (RKI) erreicht die Zahl der Neuinfektio- und „Kondom“ zu den Wörtern des Jahnen in der Bundesrepublik 1986 den Hö- res. Im gleichen Monat wird die Natiohepunkt von rund 6000 Personen. Aber nale Aids-Stiftung gegründet. Und nach weil HIV-Infektionen in der Bundesre- dem Jahr 1987 steigt die Zahl der Infizierpublik noch nicht registriert werden, gibt ten langsamer an. In den 90er-Jahren ist sie laut Schätzung des RKI nicht höher es keine genauen Statistiken. 1983 wird in Berlin die Aids-Hilfe als 2000 Personen pro Jahr. 2001 schafft gegründet, die sich um die Kranken Bayern die meisten unfreiwilligen HIVkümmert. Diese Angebote werden drin- Tests wieder ab. Rita Süßmuth hat sich gend gebraucht. Denn viele Kranke sind schließlich durchgesetzt. Barbara Kerbel

teilen , in zwei oder mehr Teile machen die nukleare W„ffe, -n , ≈ Nuklearbombe tödlich , so, dass man sterben muss beobachten , hier: genau sehen, was passiert erkr„nken „n , krank werden; eine Krankheit bekommen der Hautkrebs

, gefährliche Krankheit,

bei der Tumoren auf der Haut wachsen

der s¡ltene Tumor, Tumoren , Tumorkrankheit, die nur ganz wenige Menschen haben und die bei Ärzten nicht sehr bekannt ist die L¢ngenentzündung, -en , Pneumonie der/die Drogensüchtige, -n , Person, deren Körper täglich Drogen braucht, sonst fühlt sie sich schlecht (die Droge, -n , z. B. Heroin) der St¶ff, -e , hier: m Droge spr“tzen , hier: sich mit einem kleinen, medizinischen Gerät eine Droge ins Blut drücken das Akronym, -e , wenige Buchstaben, die an der Stelle mehrerer Wörter stehen stehen für , hier: an der Stelle sein von erw¶rben , hier: durch Kontakt mit anderen Menschen oder Substanzen krank geworden f¶lgen

, hier: nach etwas

kommen

s“ch verd¶ppeln , doppelt so groß werden die Schætzung, -en , ≈ ungefähre Rechnung; Vermutung

das R¶bert-K¶ch-|nstitut

, ≈ Bundesinstitut, das

über Krankheiten forscht und sie beobachtet

(f¶rschen , ≈arbeiten für mehr Wissen) der Höhepunkt, -e , hier: ≈ Phase mit den meisten Kranken gr•nden , ≈ starten s“ch „nstecken

, auch krank werden

um„rmen , die Arme legen um “mpfen , ein Medikament geben, um den Körper vor einer Krankheit zu schützen stigmatisieren , hier: negative Dinge sagen über die L¢stseuche, -n , d ≈ Krankheit, die sehr viele Menschen, die mit verschiedenen Menschen Sex haben, in kurzer Zeit bekommen; ≈ Epidemie wegen vieler sexueller Kontakte (die L¢st , hier: Lust auf Sex) die F¶rschung , Arbeit für mehr Wissen die Ges¡llschaft, -en , hier: Organisation die Nationale Aids-St“ftung , ≈ Organisation für die Interessen von Aids-Kranken in Deutschland „nsteigen , hier: höher werden der/die Infizierte, -n , ≈ krankgewordene Person laut Schætzung des RKI , so sagt es die Schätzung des RKI „bschaffen , hier: entscheiden, dass man … nicht mehr machen muss s“ch d¢rchsetzen , hier: die eigenen Ziele erreichen, auch wenn andere dagegen sind

Eine Übung zu diesem Text finden Sie auf Seite 45.


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KULTURTIPPS

Deutsch perfekt 12 / 2017

Ötzi im Film: War er so vor mehr als 5000 Jahren in den Alpen unterwegs?

Film MITTEL

Ötzi, die Mumie

Über das Leben und den Tod von Ötzi, eine der international bekanntesten Mumien, ist kaum etwas bekannt. Ein Kinofilm versucht, Ötzis Welt trotzdem zu erklären.

A

ls Erika und Helmut Simon Ötzi fanden, lag er schon mehr als 5000 Jahre im Eis. Aber das wusste zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1991 noch niemand. Das Ehepaar aus Nürnberg machte eine Bergtour durch die Ötztaler Alpen in Südtirol, als es am Tisenjoch auf etwa 3200 Metern Höhe einen menschlichen Körper sah. Zuerst glaubten die beiden, die Leiche eines Wanderers gefunden zu haben, der in den Bergen einen schlimmen Unfall hatte. Die Polizei wurde gerufen, um den Körper zu holen. Die Aktion war kompliziert, die Leiche und ein Teil ihrer Kleidung wurden dabei kaputt gemacht. Eine Axt aus Kupfer, die bei der Datierung geholfen hätte, wurde von der Polizei ins Tal gebracht. Erst der bekannte Extrembergsteiger Reinhold Messner kam auf die Idee, dass es sich bei der Leiche nicht um einen normalen

Wanderer handeln konnte. Er war zu dieser Zeit auch an der Grenze zwischen Österreich und Italien in den Bergen unterwegs. Messner meinte, dass der tote Körper ein prähistorischer Fund ist und schätzte sein Alter auf etwa 2000 Jahre. Der Körper wurde in das Institut für Ur- und Frühgeschichte nach Innsbruck gebracht. Schnell war den Experten dort klar: Messner hatte recht. Der Archäologe Konrad Spindler stellte fest, dass Ötzi noch viel älter sein musste als gedacht: Etwa 5300 Jahre lag er im Eis. Ötzi ist damit eine der ältesten Mumien der Welt. Das Eis hat seinen Körper über eine extrem lange Zeit konserviert. Aber die Untersuchungen zu Ötzi waren damit noch lange nicht fertig. Die Wissenschaftler wollten so genau wie möglich wissen, wer er war und wie genau er gestorben ist. Inzwischen ist sicher, dass Ötzi in der Kupferzeit gelebt hat und

1

das J¶ch, -e , hier: ≈ Verbindungsstelle zwischen zwei Bergen

prähistorisch , ≈ in der Zeit, als es noch keine Schrift gab

die Leiche, -n , Körper eines toten Menschen

der F¢nd, -e , etwas, das man gefunden hat

die [xt, ¿e , scharfes Werkzeug, mit dem man z. B. Holz in Stücke macht

schætzen auf , vermuten, dass … ist

das K¢pfer , orange-rotes Metall

, ≈ älteste Periode der

die Datierung , von: datieren = hier: eine Information geben, wann Ötzi gelebt hat auf die Idee k¶mmen , ≈ die Idee bekommen

die Ur- ¢nd Frühgeschichte

Menschheitsgeschichte der W“ssenschaftler, , Person, die ein Thema systematisch untersucht die K¢pferzeit , ≈ frühhistorische Kulturperiode, in der die Menschen z. B. ihre Werkzeuge aus Kupfer hergestellt haben


Fotos: Port au Prince Filmproduktion/Martin Rattini; Camino Filmverleih

Deutsch perfekt 12 / 2017

aus der Region des heutigen Südtirol kam. Zum Zeitpunkt seines Todes war er ungefähr 45 Jahre alt. Ob Ötzi der Chef eines Clans war oder zum Beispiel ein Händler, können auch die Wissenschaftler nicht sicher sagen. Vor allem sein Tod ist ein großes Rätsel. 2001 machten Experten eine radiologische Untersuchung der Schulter der Mumie. Dabei fanden sie das Ende eines Pfeils. Ötzi ist also ermordet worden. Es ist einer der ältesten Morde der Geschichte. Spezialisten haben versucht, ihn zu rekonstruieren. Aber auch die Wissenschaft wird wahrscheinlich nie sagen können, was in den Alpen vor vielen Tausend Jahren genau passiert ist. Der Film Der Mann aus dem Eis von Felix Randau will Ötzis Welt jetzt mit den Mitteln der Fiktion erzählen. Die Mumie hat ihren Namen von den Ötztaler Alpen, wo sie gefunden wurde. Im Film heißt Ötzi aber Kelab. Gespielt wird er von dem bekannten Schauspieler Jürgen Vogel. Randau hat sich dafür entschieden, Kelab als Chef einer Großfamilie in den Ötztaler Alpen zu zeigen. Als er an einem ganz normalen Tag auf der Jagd ist, werden seine Verwandten ausgeraubt. Die Räuber ermorden seine Familie und nehmen das Heiligtum der Gruppe mit. Kelab will das nicht akzeptieren. Er sucht nach den Räubern – und wird durch einen Irrtum selbst zum Gejagten. Randau hat sich für eine spezielle Sprache entschieden: In seinem Film sprechen die Schauspieler die rätische Sprache, deutsche Untertitel gibt es nicht. Klar wird trotzdem schnell: Traurigkeit und Wut sind die Gefühle, die Kelab immer weiter machen lassen. Es kann nicht die Aufgabe dieses Films sein, die ultimative Lösung des Rätsels um die Mumie zu finden. Es geht vor allem darum, eine mögliche Erklärung für das Handeln eines Menschen aus seinen Emotionen heraus zu geben. Wer Ötzi wirklich war und wie er gestorben ist, wird wahrscheinlich für immer ein Rätsel bleiben – für die Wissenschaft und natürlich auch für die Kunst. Am 30. November kommt Der Mann aus dem Eis von Felix Randau in die Kinos. Ana Maria Michel

KULTURTIPPS

der Hændler, - , Verkäufer das Rätsel, - , hier: Sache, für die man keine Erklärung findet die Sch¢lter, -n , Körperteil zwischen Hals und Arm der Pfeil, -e , dünner, langer Gegenstand aus Holz mit einem scharfen Ende, den man wirft oder mithilfe einer Konstruktion schießt erm¶rden , einen Menschen absichtlich so verletzen, dass er stirbt die Jagd, -en , von: jagen = Tiere in der Natur finden und totmachen ausrauben , plötzlich kommen und alles wegnehmen, was man hat der Räuber, - , Person, die anderen etwas wegnimmt (z. B. Geld) das Heiligtum, ¿er

67

Zwei Schwestern

der Regisseur, -e franz. , Leiter, der Schauspielern Instruktionen gibt

Psychothriller sind im deutschen Kino selten. Der Regisseur Oliver Kienle hat trotzdem einen gemacht. In seinem zweiten Kinofilm mit dem Titel Die Vierhändige (ab 30.11.) erzählt er die Geschichte zweier Schwestern, die als Kinder ein schlimmes Verbrechen sehen. Jessica (Friederike Becht) verspricht ihrer jüngeren Schwester Sophie (Frida-Lovisa Hamann), für immer auf sie aufzupassen. 20 Jahre später sind die beiden Schwestern wie zwei Teile einer kaputten Seele: Sophie will das Trauma vergessen und als Pianistin Erfolg haben. Jessica hat Wahnvorstellungen, ihr Versprechen von damals ist zu einer gefährlichen Obsession geworden. Als die Täter von damals frei kommen, will Jessica sie finden.

die Vierhändige, -n , von: vierhändig ≈ mit vier Händen; so, dass zwei Personen an einem Piano spielen

2

, hier: sehr wichtige

Sache

das Verbr¡chen, -

, kriminelles Tun; kriminel-

le Sache

die Seele, -n

, ≈ das Fühlen und Denken

eines Menschen; Psyche

die Wahnvorstellung, -en

, ≈ unrealistische (kranke)

Idee

der Täter, , Person, die etwas Kriminelles gemacht hat

Sophie (FridaLovisa Hamann) versucht, ihr Trauma in der Welt der Musik zu vergessen.

der |rrtum, ¿er , hier: falsche Vermutung der/die Gejagte, -n , von: jagen = hier: versuchen, … zu fangen der }ntertitel, -

, hier: Textzeile mit

Übersetzung

die Wut , intensives Gefühl von Ärger ]s geht ¢m … , hier: Das Wichtigste ist … h„ndeln , ≈ tun; machen

3

Ende und Anfang

Dieser Film beginnt am Ende einer Liebesgeschichte: Die Juristin Hannah (Sylvia Hoeks) und der Fotograf Julian (Fahri Yardim) wollen nach dem Ende ihrer Beziehung die gemeinsame Wohnung übergeben. Als der neue Mieter nicht kommt, sitzen die beiden dort ungeplant am Silvesterabend fest. In dieser Wohnung lernten sich Hannah und Julian sieben Jahre vorher kennen: Sie wurden Mitbewohner, gingen sich dann erst einmal oft auf die Nerven – bis sie sich ineinander verliebten. Die Wohngemeinschaft wurde zum Zuhause einer Familie. Aber die Wohnung ist auch der Ort, wo sich das Paar dann immer weniger gut verstanden hat. Der Silvesterabend erzählt in der Komödie Whatever Happens (ab 30.11.) von Niels Laupert nicht nur die Geschichte der Beziehung. Der letzte Abend in der alten Wohnung ändert plötzlich vieles.

übergeben

, hier: einem neuen Mie-

ter den Schlüssel geben f¡stsitzen

, hier: m nicht wegge-

hen können

der M“tbewohner, -

, Person, die in der

gleichen Wohnung lebt s“ch auf die N¡rven gehen

, ≈ sich stören, sich

ärgerlich machen

s“ch verlieben , beginnen, zu lieben die Wohngemeinschaft, -en , Gruppe von Personen, die zusammenwohnt


Deutsch perfekt 12 / 2017

Sozialkritik

5

„Ich hab’ noch niemals irgendwo reingepasst“, rappt Prinz Pi am Anfang des Titelsongs seines neuen Albums Nichts war umsonst. Der Musiker will für die Außenseiter singen und war nach Meinung vieler selbst lange Außenseiter in der deutschen Rapszene. Prinz Pi heißt eigentlich Friedrich Kautz. Er wuchs in einem konservativen Stadtteil in Berlin auf, machte Abitur, studierte Kommunikationsdesign. Zuerst machte er unter dem Namen Prinz Porno Musik. Aber statt über Gewalt und Drogen rappt Prinz Pi vor allem über sozialkritische und persönliche Themen. Er wurde deshalb „Studentenrapper“ genannt. Heute steht er mit anderen populären Musikern wie Casper oder Marteria für einen neuen deutschen Hip-Hop.

Singt traurig und schön: Gisbert zu Knyphausen.

Musik MITTEL

Traurig und schön

Sieben Jahre lang war wenig von Gisbert zu Knyphausen zu hören. Jetzt ist er mit einem neuen Album zurück. „Was hast du der Menschheit jemals Gutes gebracht? / Außer Musik und Kunst und billigen Gedichten? / Hast du darüber schon mal nachgedacht? / Ach so klappt das nie / Melancholie / So klappt das nie.“ Das sang der Liedermacher Gisbert zu Knyphausen auf seinem letzten Soloalbum Hurra! Hurra! So nicht. Obwohl er die Melancholie kritisiert, ist sie seine wichtigste Muse. Depression, Zweifel, Liebe ohne Kitsch: Seine Lieder sind gleichzeitig traurig und schön. Zu Knyphausens Melancholie ist nie nur depressiv. Denn in den Songs ist auch viel Hoffnung und Ironie, die alles leichter macht. Lange Zeit war wenig von zu Knyphausen zu hören. Das hatte auch etwas mit dem plötzlichen Tod seines Kollegen Nils Koppbruch im Oktober 2012 zu tun, mit dem er unter dem Namen Kid Kopphausen Musik machte. Nach sieben Jahren Pause ist nun zu Knyphausens neues Album Das Licht dieser Welt da. Der Titelsong war schon Anfang 2017 Teil des Soundtracks des Kinderfilms Timm Thaler oder das verkaufte Lachen. Zu Knyphausen wuchs als Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen im hessischen Rheingau auf. Bald zog er nach Hamburg, machte dort in der Indie-Szene Musik und startete mit einem Freund das Label Omaha Records, das „ausgefallenes Songwriting“ unterstützt. Mit dem Rheingau ist der Liedermacher aber auch heute noch verbunden. Auf dem Weingut seiner Familie in Eltville macht er jedes Jahr das Musikfestival Heimspiel Knyphausen. Bands wie Element of Crime, The Notwist und AnnenMayKantereit waren schon dabei. 2018 findet das Festival Ende Juli statt. Davor ist zu Knyphausen im Januar auf Konzerten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu hören und zu sehen.

4

jemals

zu tun haben m“t

, hier: schon einmal

, hier: der Grund sein für

der Liedermacher, , ≈ Musiker, der Lieder zu aktuellen Themen selbst schreibt und singt

der Freiherr, -en , ≈ Name für eine niedrige Position in der Hierarchie der Aristokratie

der Zweifel, , Gefühl, dass etwas nicht wahr oder richtig sein kann

, ≈ alle Menschen, die Indie-Mu-

die |ndie-Szene, -n

sik machen oder hören

ausgefallen , anders als sonst; L durchschnittlich; L normal verb¢nden sein

, hier: intensiven Kontakt

haben; oft da sein

das Weingut, ¿er , Bauernhof, auf dem Wein hergestellt wird

der Außenseiter, -

, hier: Person, die nicht im

sozialen System der Gesellschaft integriert ist die Rapszene, -n engl. , ≈ alle Menschen, die Rap hören oder selbst rappen

die Gew„lt , hier: Aggression, Schlagen und Kämpfen, z. B. mit Messern oder Pistolen die Droge, -n , z. B. Heroin, Kokain … stehen für , hier: bekannt sein für

Vergessene Komponistin

6

Clara Schumann, geborene Wieck, ist vor allem als Frau des Komponisten Robert Schumann bekannt. Aber auch sie selbst machte Musik, sie komponierte und spielte schon als Jugendliche ein Klavierkonzert. Die Pianistin Ragna Schirmer hat ihr nun die CD Clara gewidmet. Der Enthusiasmus ist bei Schirmer schon lange da, seit 30 Jahren studiert sie die Arbeit von Clara Schumann. Auf der CD spielt sie mit der Staatskapelle Halle unter der Leitung der französischen Dirigentin Ariane Matiakh Klavierkonzerte von der Komponistin und von Ludwig van Beethoven. Beethoven hat Schirmer deshalb gewählt, weil auch Schumann ihn oft interpretiert hat. komponieren

die Staatskapelle, -n

, ≈ Musik schreiben

, ≈ Staatsorchester

das Klavierkonzert, -e , Musikkomposition für Piano und Orchester

¢nter der Leitung , hier: mit … als Chefin

w“dmen , hier: machen, um an … zu erinnern

, Chefin eines Orchesters

die Dirig¡ntin, -nen


Deutsch perfekt 12 / 2017

SPRACHKURSE UND SPRACHFERIEN Autor John Boyne

Hitler und der kleine Junge Autor John Boyne kombiniert Fiktion und Realität: Der siebenjährige Pierrot zieht von Paris in die Sommerresidenz von Adolf Hitler. Was soll er jetzt machen? Pierrots Vater hat die Familie schon lange verlassen, jetzt ist seine Mutter gestorben. Zum Glück erinnert sich seine Tante Beatrix an ihn. Sie ist Angestellte in einem reichen Haushalt in Deutschland. Auch der Hausherr hat nichts dagegen, dass der Siebenjährige bei ihnen wohnt. Aber der Hausherr ist kein Unbekannter. Es ist Adolf Hitler. Die Tante arbeitet auf seiner Sommerresidenz auf dem Obersalzberg. Pierrot ist schnell fasziniert von dem Diktator. Er will dazugehören. Er hört auf, Briefe an seinen besten Freund Anshel zu schreiben, einen Juden. Aus Pierrot wird Peter, der die Nazi-Ideologie liebt. Er darf mit Hitlers Hund Blondi spielen, und der Diktator selbst schenkt ihm die Uniform der Hitlerjugend. Er ist jetzt zu allem bereit, um seinem Führer zu zeigen, dass er ihm vertrauen kann. Autor John Boyne zeigt in seinem Roman, wie ein kleiner Junge immer mehr in den Einfluss des Bösen kommt. Natürlich ist Pierrot eine fiktive Figur, aber im Buch trifft er auf historische Personen, die wirklich bei Hitler auf dem Obersalzberg waren. Filmemacherin Leni Riefenstahl ist eine davon, SS-Führer Heinrich Himmler auch. Das macht die Geschichte sehr interessant – und auch unheimlich. Der Leser ist fasziniert und fragt sich: Wenn das Pierrot passieren kann, kann es auch mir passieren? John Boynes Buch Der Junge auf dem Berg ist für Leser mit guten Deutschkenntnissen (ab Niveau B2) zu verstehen.

7

verl„ssen

Fotos: Dennis Williamson; Fischer Verlag

, weggehen und nicht

die Thora als Basis hat zu „llem bereit sein , alles mitmachen wollen

dazugehören , ≈ Mitglied einer Gruppe sein

in Heidelberg

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VERSCHIEDENES

der Jude, -n

der Hausherr, -en , Mann, dem ein Haus gehört und der auch darin wohnt

fasziniert sein v¶n , hier: gut finden; gut gefallen

Testzentrum

, Person, deren Religion

mehr zurückkommen

n“chts dagegen haben , m kein Problem haben mit

Sprachen lernen...

der Einfluss, ¿e , hier: ≈ Kontrolle tr¡ffen auf

, ≈ treffen

¢nheimlich , so, dass es Angst macht das Niveau, -s franz. , hier: Qualität der Sprachkenntnisse

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WIE GEHT ES EIGENTLICH DEN …

Weihnachtsmarktbesucher geben jährlich Milliarden Euro aus. Essen und Trinken sind ganz wichtig. Für Schönes haben die Leute aber immer weniger Geld übrig. Von Vivien Timmler SCHWER PLUS

A

m Morgen des Silvestertages wird Jürgen Heimann keinen Cent in der Tasche haben. Er wird dann seinen Stand auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt aufschließen – zum letzten Mal in diesem Jahr, vielleicht zum letzten Mal für immer. Er wird auf die Schneekugeln, Tonhäuschen und Keramikfiguren blicken, zwischen denen er die vergangenen 32 Winter verbracht hat, und sich fragen, wofür er das eigentlich noch alles macht.

„Man friert sich den ganzen Tag den Arsch ab, und am Ende reicht das Geld nicht einmal für ’ne Bratwurst.“ Heimann ist Schausteller, genau wie sein Vater und genau wie sein Großvater. Er ist 56 Jahre alt, aber er sieht älter aus. Jeden Winter steht er mit einer Bude auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt, immer an derselben Stelle: mitten auf dem Marktplatz, direkt neben der Show-Bühne, ein Premium-Platz. Aber selbst das heißt heute nichts mehr. Vor ein paar

der St„nd, ¿e

, kleines Geschäft auf

einem Markt

die Schneekugel, -n , kleines, halbrundes Ding: Darin sind Wasser, kleine weiße Stücke und z. B. eine Plastiklandschaft. Man kann das Wasser und die kleinen Stücke durch Schütteln mixen, sodass es aussieht wie Schneefall. das Tonhäuschen, , Häuschen aus Ton (der Ton , schwere Erde, die man formen und bei sehr hoher Temperatur hart machen kann) verg„ngen , ≈ schon vorbei

s“ch den [rsch „bfrieren

, m a extrem frieren

(der [rsch, ¿e , m a Körperteil, auf dem man sitzt) reichen , hier: genug sein der Schausteller, , Person, die von einem Markt zum anderen fährt, um dort etwas zu zeigen die Bude, -n

, kleines Haus aus Holz;

hier: kleines Geschäft

Foto: Mauritius images/Alamy

Weihnachtsmärkten?


Deutsch perfekt 12 / 2017

WIE GEHT ES EIGENTLICH ...?

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Unter den deutschen Weihnachtsmärkten hat der Dortmunder die meisten Stände.

e

Jahren machte er noch Gewinn, sagt er. teilen. Jedes Jahr kommen in Dortmund Eine Summe mit vier Ziffern. Aber diese ein paar Stände hinzu. Mehr als 300 StänZeiten sind schon lange vorbei. de stehen auf dem Markt, er ist damit der Heimann ist einer von vielen Schau- größte in Deutschland – aber für immer stellern, die mit Weihnachtsmärkten mehr Händler wird er zum Verlustgenicht nur Lebkuchenduft und Lieder von schäft. Offen darüber reden will kaum George Michael verbinden, sondern auch jemand. Aber „Die Zeiten haben sich geden Kampf ums finanzielle Überleben. ändert“ scheint so etwas wie ein CodeEinige von ihnen erwirtschaften in wort zu sein für: „Es ging uns schon mal dieser Zeit einen Großteil ihres Jah- besser.“ resumsatzes, aber für die Anbieter von Peter Frahm ist einer von den wenigen, Kunsthandwerk unter ihnen wird das die reden. Er raucht eine Zigarette nach immer schwieriger. Das meiste Geld der anderen, während er vom Geschäft geben die Menschen auf Weihnachts- mit Weihnachten erzählt. „Ich verstehe märkten für Essen aus, zum die Geheimniskrämerei nicht. Sagen wir es doch, wie es ist: Beispiel für Bratwürste und „Ich schaue Bisher läuft es ganz schön Backkartoffeln. An zweiter den Leuten scheiße“, sagt er. Seit 30 JahStelle steht Glühwein, und direkt ins an dritter Stelle folgen Süßigren verkauft Frahm auf dem keiten wie Lebkuchenherzen Portemonnaie Dortmunder Weihnachtsmarkt Holzfiguren, vor allem oder gebrannte Mandeln. Das und sehe: Da Nussknacker und Räucherist das Ergebnis einer europaist nichts.“ männchen aus dem Erzgebirweiten Studie des britischen Zentrums für Einzelhandelsge. Ihm brechen langsam die forschung. Nicht einmal die Hälfte der Sammler weg, gibt er zu, aber das ist für Besucher gibt Geld für Dekoartikel aus, ihn nicht das größte Problem. „Ich schaue nur ein knappes Drittel geht gezielt auf den Leuten direkt ins Portemonnaie und die Suche nach Geschenken. sehe: Da ist nichts“, sagt er. Wenn doch, dann tun das die Besu„Ich denke zum ersten Mal in meicher am liebsten in den Weihnachts- nem Leben ernsthaft ans Aufhören“, sagt markt-Hochburgen des Landes. Sie fah- Frahm. Im Sommer hat der Mann mit ren nach Köln (am besten besucht), nach dem grauen Bart einen Ballwurfwagen, Nürnberg (am bekanntesten) oder nach mit dem er über die Jahrmärkte zieht. ImDresden (der älteste). Aber Ruhrpott mer häufiger muss er sein Weihnachtsgeund Weihnachtsmarkt-Romantik, das schäft mit den Gewinnen aus dem Sompasst für viele einfach nicht zusammen. mer subventionieren. „Man spürt, dass Deshalb hat sich auch Dortmund in den die Leute für Schönes immer weniger vergangenen Jahren ein paar Rekorde Geld übrighaben“, sagt er. „Ich frage mich: zugelegt. Der Markt hat inzwischen den Will ich dieses Geschäft wirklich meinen mit Abstand größten Weihnachtsbaum Kindern vererben?“ Den Zahlen zufolge scheint die Leim Land. Die meisten Stände. Und die kultigsten Händler. gende vom großen Geld, das sich auf Aber das reicht nicht. Nur etwa zwei den Weihnachtsmärkten Deutschlands Millionen Menschen besuchen den verdienen lässt, trotzdem immer noch zu Dortmunder Weihnachtsmarkt jedes stimmen. Zwischen vier und fünf MilliarJahr. Zum Vergleich: Auf den Stuttgarter den Euro erwirtschaften alle deutschen Weihnachtsmarkt zieht es jährlich drei- Weihnachtsmärkte zusammengenomeinhalb Millionen Menschen, nach Köln men im Jahr. Das geht aus einer Studie kommen fast viereinhalb Millionen. des Bundesverbands Deutscher SchauZwei Millionen Besucher in Dortmund steller und Marktkaufleute hervor. Auch sind ja auch nicht wenig. Das Problem: in Dortmund dürfte es eine dreistellige Die Schausteller müssen sich das Geld Millionensumme sein. Das Geld ist jeder Besucher mit immer mehr Kollegen doch extrem ungleich verteilt.

der Lebkuchenduft , von: Lebkuchen duften = Lebkuchen riechen gut (der Lebkuchen, , ≈ süßer Weihnachtskuchen mit vielen Gewürzen) überleben , hier: weiter existieren erw“rtschaften , durch Arbeit Profit machen der Jahresumsatz, ¿e , Summe aller Verkäufe in einem Jahr das K¢nsthandwerk

, Beruf, bei dem aus

Handarbeit Kunst wird ¢nter , hier: ≈ von der Glühwein, -e

, warmer Wein mit

Gewürzen

die gebr„nnte M„ndel, -n , Süßigkeit: Mandeln werden mit Zucker so lange gekocht, bis der Zucker außen an den Mandeln getrocknet ist. (die M„ndel, -n , harte Frucht eines Baums, aus der man auch Marzipan macht) die Studie, -n , wissenschaftliche Untersuchung die Einzelhandelsforschung , Forschung im Bereich Einzelhandel (der Einzelhandel , alle Geschäfte, die direkt an die Konsumenten verkaufen) (der Konsum¡nt, -en , Person, die Produkte kauft) gezielt , hier: mit Absicht; mit dem Plan die Hochburg, -en , hier: Stadt, in der es einen sehr bekannten Weihnachtsmarkt gibt der Ruhrpott , m Ruhrgebiet = Region mit vielen Industriestädten in Nordrhein-Westfalen s“ch zulegen , hier: bekommen m“t [bstand , ≈ mit großem Unterschied k¢ltig , m mit Kultstatus zieht ¡s , hier: wollen

die Geheimniskrämerei, -en , m d ≈ Simulation, dass man über wichtige Dinge nicht sprechen darf, obwohl sie gar nicht geheim sind scheiße laufen , m a hier: wenig verdienen g„nz schön , hier: m ziemlich; sehr der N¢ssknacker, -

, Holzfigur, mit der man

Nüsse aufmacht

das Räuchermännchen, -

, Holzfigur, in der man

etwas brennen lassen kann, was gut riecht w¡gbrechen , hier: viel weniger werden zugeben , hier: ehrlich sagen ¡rnsthaft , hier: so, dass man wirklich tun will, was man sagt der B„llwurfwagen, , gemeint ist hier: Stand, an dem man mit Bällen auf Ziele wirft und dafür etwas gewinnen kann der Jahrmarkt, ¿e

, Fest, das einmal oder

mehrere Male im Jahr stattfindet

ziehen über , hier: von einem Ort zum nächsten fahren subventionieren , finanziell unterstützen ver¡rben , den eigenen Besitz nach dem Tod an eine andere Person weitergeben Den Zahlen zuf¶lge … , Wie die Zahlen zeigen … der B¢ndesverband, ¿e , Organisation für ganz Deutschland


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WIE GEHT ES EIGENTLICH ...?

Deutsch perfekt 12 / 2017

Das Räuchermännchen ist ein Klassiker des weihnachtlichen Kunsthandwerks. quasi

, ≈ wirklich; ≈ eigentlich

„bfüllen , hier: eine genaue Menge füllen in der T„nk, -s

, großer Container für

Wasser, Benzin …

der Ausschankbetrieb, -e

, Betrieb, der Getränke

in Gläsern oder Tassen verkauft

ausmachen

, hier: betragen

das Zuschussgeschäft , gemeint ist hier: Geschäft, für das man mehr gespartes Geld bezahlen muss, als man damit verdient die F“xkosten Pl. , Kosten, die immer gleich bleiben das Getœpferte , ≈ Ware, z. B. Vase oder Tasse, die aus schwerer Erde (= Ton) geformt und bei hohen Temperaturen hart gemacht wurde ¢mlegen , hier: verteilen reinbekommen , m hier: verdienen ¡s gut haben , ≈ keine Probleme haben der S¡lbstläufer, , m hier: Produkt, das sich ohne viel Werbung automatisch gut verkauft der Riesengewinn, -e

, sehr hoher Gewinn

s“ch r¡chtfertigen , (entschuldigende) Gründe nennen, warum das so ist das Pf„nd , hier: Geldbetrag, den man beim Kauf einer Tasse Glühwein bezahlt. Man bekommt ihn zurück, wenn man die Tasse zurückgibt. die Chr“stbaumkugel, -n , ≈ kleiner Ball aus Glas als Schmuck für den Weihnachtsbaum schräg

, diagonal;

L

gerade

der W“rtschaftsf„ktor, -faktoren , etwas, was einen entscheidenden Effekt auf die Wirtschaft hat profitieren , Vorteile haben das Glühweinzapfgerät, -e , ≈ Gerät, mit dem man Glühwein aus einem Tank direkt in die Tasse tun kann das M“tspracherecht , garantierte Möglichkeit, an gemeinsamen Entscheidungen teilzunehmen “n der H„nd sein v¶n , im Besitz sein von vergeben , hier: einem Bewerber geben st¡llen , hier: sein zug¢nsten , zum Vorteil von eingetrübt

, ≈ ein bisschen traurig

s“ch verkriechen , hier: so stehen oder sitzen, dass man sie nicht sehen kann pfeifen d¢rch , wehen und dabei hohe Laute machen verl„ssen , hier: leer die G„sse, -n

, kleine, enge Straße

Dies ist eine einfachere Version eines Texts aus der Süddeutschen Zeitung, recherchiert im vergangenen Jahr.

Eine Übung zu diesem Text finden Sie auf Seite 45.

Fotos: EdnaM/iStock.com

Während das Geschäft auf dem WeihEin noch größeres Geheimnis machen nachtsmarkt für Imbiss- und Glühwein- Wendler und seine Kollegen nur um ein budenbesitzer häufig bis zu einem Viertel Thema: den Glühwein. Woher er kommt, ihres Jahresumsatzes ausmacht, ist es für was drin ist, wie viel abgefüllt wurde – alimmer mehr kleine Stände ein Zuschuss- les geheim. Nur die Tausend-Liter-Tanks geschäft. Das fängt schon bei den Fixkos- hinter den Buden, die jeden Tag neu auften an. Zwar gibt der Schaustellerverband gefüllt werden, geben einen Hinweis dakeine offiziellen Standgebühren bekannt, rauf, wie viel von dem Getränk tatsächlich und kaum ein Schausteller will darüber in so einem Winter fließen muss. sprechen, aber eine junge Frau, die in der Besitzer von Imbissbuden und AusNähe der evangelischen Kirche Sankt schankbetrieben sind aber nicht die einReinoldi Getöpfertes verkauft, ist dann zigen, die vom Wirtschaftsfaktor Weihdoch dazu bereit. Ihren Namen will sie nachtsmarkt profitieren. Um den Markt aber nicht in der Zeitung lesen, sagt sie herum ist eine ganze Industrie entstannoch. Dann holt sie ein ledernes Büchlein den. Drei Firmen vermieten die Holzbuden jedes Jahr für 1500 Euro das Stück, unter dem Tisch hervor. Etwas mehr als 4000 Euro muss sie für eine vierte Firma produziert jährlich die 42 Tage, die der Weihnachtsmarkt 100 000 Glühweintassen für den Markt dauert, an Standmiete zahlen, liest sie und eine fünfte kümmert sich am Ende vor. Hinzu kommen 1500 Euro für die darum, dass die Glühweinzapfgeräte Bude, denn die ist nur gemietet. Dann auch im nächsten Jahr wieder funktionoch Strom und Wasser, Steuer, die Kos- nieren. Und es profitiert die Stadt Dortmund: Durch Steuern und ten für den 45 Meter hohen Weihnachtsbaum, die auf „Ich muss 20 000 verschiedene Gebühren kommen jede Weihnachtsalle umgelegt werden – Backkartoffeln markt-Saison Beträge in schon ist sie bei etwas mehr verkaufen, Millionenhöhe rein. als 6000 Euro. „Das muss ich bevor ich Gewinn Wenig Mitspracherecht mit Töpferware erst einmal mache.“ wieder reinbekommen“, hat die Stadt bei der Verteilung der Standlizenzen. sagt sie. „Die Imbissbuden und Glühweinstände, die haben es gut. Kaum ein deutscher Weihnachtsmarkt ist Das sind Selbstläufer. Und die Besitzer noch in der Hand von Kommunen. Zwar sitzt ein Vertreter der Stadt in dem Komimachen Riesengewinne.“ Günter Wendler kann dieses Argu- tee, das die Plätze vergibt. Den Großteil ment nicht mehr hören. Dauernd muss er von dessen Mitgliedern stellen aber die sich rechtfertigen. Der groß gewachsene Schaustellervereine, die den Markt orgaMann besitzt die zweistöckige „Almhüt- nisieren. 60 Prozent der Buden werden te“, den größten Glühweinstand auf dem an Kunsthändler vergeben, so will es das ganzen Weihnachtsmarkt. Nirgendwo Komitee. Die restlichen 40 Prozent sind sonst stehen so viele Menschen wie bei Imbiss-, Süßwaren- und die Ausschankbetriebe. Von Letzteren gibt es allerdings Wendler. Wendlers Leute verkaufen pro Tag nur zehn auf dem Dortmunder Weihmehrere Tausend Tassen Glühwein, zu nachtsmarkt. Das Weihnachtsmarkt-Ko2,50 Euro plus Pfand. Wie viele genau, mitee legt nicht ohne Grund Wert auf verrät er nicht. Klar ist aber: So viele seine 60 : 40-Quote zugunsten der KunstChristbaumkugeln verkauft der Kollege handwerker – der Atmosphäre wegen. am Stand schräg gegenüber an 42 Tagen Am späten Abend ist diese Atmosphänicht. „Was die Leute nicht sehen: Wir re eingetrübt: Die meisten Händler haben subventionieren quasi die Plätze der klei- sich hinter ihrer Ware verkrochen, ein nen Privathändler, weil wir eine viel höhe- kalter Wind pfeift durch die verlassenen re Standmiete zahlen“, sagt Wendler. Wie Gassen zwischen den Buden. Nur Jürgen viel mehr? „So ungefähr das Sechsfache“, Heimann steht noch am Grill. Jetzt isst er eine Bratwurst. sagt er. Das wären mehr als 20 000 Euro.


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KOLUMNE – ALIAS KOSMOS

„Plötzlich war ich Teil der größten Evakuierung“

Alia Begisheva wurde in Moskau geboren. Heute lebt die 42-Jährige mit ihrem kanadischen Mann und ihren zwei Kindern in Frankfurt am Main und weiß viel besser als viele ihrer deutschen Nachbarn, dass man Papier und Glas nicht in dieselbe Mülltonne wirft. Jeden Monat schreibt sie diese Kolumne.

Unsere Lieblingsrussin musste ihre Wohnung in Frankfurt verlassen. Grund war nicht ein böser Vermieter, sondern eine Bombe. Trotzdem war es ein netter Tag. SCHWER AUDIO

Foto: Stephan Sperl

A

m Montag meldete sich eine Freundin, mit der wir am nächsten Sonntag verabredet waren. „Wir können euch nicht einladen“, schrieb Alex und hängte einen Zeitungsartikel an. Ich konnte mit meinem Handy schon den Vorspann lesen: Es ging um eine Bombe, die entschärft werden musste – und eine Evakuierung. „Kommt zu uns“, antwortete ich, ohne den Artikel aufzumachen. Aber am nächsten Morgen hat es klick gemacht: Werde ich vielleicht auch evakuiert? Wir wohnen noch nicht einmal einen halben Kilometer voneinander entfernt. Dass in Deutschland noch Bomben entschärft werden, die die Briten oder Amerikaner im Zweiten Weltkrieg abgeworfen haben, wusste ich – aus der Zeitung. Ich fand es schon immer bizarr: „Bombe“ und „Evakuierung“ waren für mich Begriffe aus sowjetischen Kriegsfilmen. Seit ich in Deutschland lebe, habe ich keinen mehr geschaut. Ich öffnete den Link, den mir Alex geschickt hat. Und plötzlich war ich Teil der größten Evakuierung seit dem Krieg. Eine der insgesamt 70 000 Personen im 1,5-Kilometer-Umkreis. Weil die Bombe mit 1,4 Tonnen Sprengstoff gefüllt war. Ich lernte, woher das Wort „Blockbuster“ kommt. Bomben wie diese waren in der Lage, ganze Wohnblöcke in die Luft zu sprengen. In den nächsten Tagen war die Bombe das Thema Nummer eins. Mit jedem Gespräch wurde der Schaden, den sie anrichten könnte, immer größer. „In Augsburg ist es gut gegangen, in Hannover auch – Zeit, dass es schiefläuft“, prophezeite ein pessimistischer Kollege.

Am Donnerstag dachte ich an Irina, die auch in der Nähe wohnt. Sie und ihre Eltern sind als Juden nach Deutschland eingewandert. Sie schauen nur russisches Fernsehen und haben nur russische Freunde. „Was macht ihr am Sonntag?“, schrieb ich. „Was soll da sein?“, antwortete Irina. „Na, die Bombe“, schrieb ich. – „Ist das ein Witz?“ Irina konnte sich noch weniger als ich vorstellen, dass im Jahr 72 nach Kriegsende noch funktionierende Bomben herumliegen könnten. Ich schickte ihr die Notrufnummer, die in der Zeitung stand. Der Tag rückte näher. Wir erhielten eine Mail von den Eltern eines Freundes meines Sohnes. Sie luden mehrere Familien aus der „Zone“ zum Frühstück ein. Freitagmittag meldete sich Irina. „Das ist alles wahr“, schrieb sie. „Schon wieder werden die Juden deportiert.“ Sie müssen wissen: Irina ist dafür bekannt, dass sie ihren Humor auch in Krisensituationen behält. Sie war überrascht, dass wir bei „Deutschen“ unterkommen werden. Irina dachte, nur Russen helfen Freunden aus. Am Sonntag verließen wir kurz nach acht Uhr unsere Wohnung. Die Straßen waren gespenstisch leer. Ich hatte meinen Pass dabei. Damit ich nicht zum unfreundlichen russischen Konsulat muss, falls der Blockbuster hochgeht. Die deutschen Freunde warteten mit Kaminfeuer, Brezeln und Kaffee. Überall in der Stadt haben sich Menschen zusammengetan. Die Bombe wurde natürlich entschärft. Ich habe es auch nicht anders erwartet. Am Ende war es einer der schönsten Sonntage seit Langem.

„nhängen

, hier: an das Ende einer

E-Mail stellen

der Vorspann, ¿e , hier: Teil am Anfang eines Zeitungsartikels, in dem z. B. die Autoren genannt werden entschærfen , machen, dass eine Bombe nicht explodieren kann (Da) h„t ¡s kl“ck gem„cht. , hier: ≈ (Da) habe ich plötzlich die Bedeutung für uns erkannt. biz„rr , ≈ seltsam; verrückt der Begr“ff, -e

, Wort

der }mkreis , nahe Umgebung der Spr¡ngstoff, -e

, Substanz, die mit Feuer

und Lärm kaputtgeht “n die L¢ft spr¡ngen

, durch eine Explosion

zerstören

„nrichten , hier: verursachen gut gehen , hier: gelingen; funktionieren Zeit … , hier: m ≈ Jetzt ist der Moment gekommen … schieflaufen

, nicht richtig klappen;

nicht funktionieren

prophezeien , ≈ eine Prognose machen

einwandern , immigrieren näher r•cken , bald da sein ¢nterkommen

, eine Unterkunft finden

aushelfen

, hier: helfen, wenn Hilfe

nötig ist

gesp¡nstisch , hier: so, dass es Angst macht hochgehen , hier: m explodieren s“ch zus„mmentun , hier: ≈ mit anderen eine Gruppe formen


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REISETIPPS

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LEICHT

Farben, fantastisches Aroma und Nostalgie Pünktlich am 1. Dezember startet einer der bekanntesten Weihnachtsmärkte der Welt: der Nürnberger Christkindlesmarkt. Den mehr als 300 Jahre alten Markt besuchen jedes Jahr rund zwei Millionen Menschen. Er ist einer der größten Weihnachtsmärkte in Deutschland. Das Event im historischen Zentrum von Nürnberg beginnt mit Musik und Poesie. Vom Balkon am Hauptmarkt sagt das Nürnberger Christkind die wichtigen Worte: „Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein.“ Bis zum 24. Dezember ist dann sehr viel los in der Stadt. Besonders schön ist der Markt in den Abendstunden. Dann sieht man die Lichter in verschiedenen Farben besonders gut, und ein fantastisches Aroma ist in der Luft. Zu kaufen gibt es Spielzeug aus Holz, Dekoration für den Weihnachtsbaum und die typischen kulinarischen Spezialitäten der Stadt: Lebkuchen, Würstchen und Stollen. Nürnberg hat auch noch andere tolle Märkte: zum Beispiel die Kinderweihnacht am Hans-Sachs-Platz mit Karussells und Nostalgie. Am Rathausplatz gibt es außerdem Spezialitäten aus den Partnerstädten Nürnbergs: Antalya (Türkei), San Carlos (Nicaragua) und Shenzhen (China).

1

das Spielzeug, -e , Ding zum Spielen die Spezialität, -en , hier: für eine Region typisches Lebensmittel der Lebkuchen, , ≈ süßer Weihnachtskuchen mit vielen Gewürzen (das Gew•rz, -e , z. B. Salz, Pfeffer, Anis, Safran ...) der St¶llen, , typischer Weihnachtskuchen

SALZBURGER LAND

Bergfahrt

2

Wer Lust auf Schnee und Spaß hat, ist im Salzburger Land in Österreich richtig. Toll ist ein Spaziergang zur Kleinarler Hütte. Besucher brauchen dafür Tourenski oder gute Winter- oder Schneeschuhe. Auf der Hütte können sie etwas Warmes trinken und essen und dann einen Schlitten leihen. Auf dem Weg gibt es kein Licht. Deshalb ist es wichtig, früh genug zu starten – oder Stirnlampen mitzunehmen. Denn so eine circa 6,5 Kilometer lange Schlittenfahrt dauert. www.kleinarler-huette.at die H•tte, -n , hier: einfaches Bergrestaurant der Tourenski, - franz. , spezieller Ski für Wanderungen und Fahrten im Schnee (der Ski, -/-er

, eins von zwei langen Stücken:

Damit kann man auf Schnee einen Berg hinunterfahren.)

www.christkindlesmarkt.de

3

der Schneeschuh, -e , ≈ spezielle Hilfe aus Plastik für den Schuh: Man macht sie unter den Schuh und kann so durch tiefen Schnee gehen. der Schl“tten, , Transportmittel: Damit kann man auf Schnee und Eis fahren. die St“rnlampe, -n , kleine Lampe: Man trägt sie am Kopf .

GALTÜR

Schnee und Sonne

Sonne und Schnee sind im Paznauntal in Österreich ab Dezember fast sicher. Das macht Ischgl und Galtür bei Langläufern zu populären Orten. Auf 1377 bis 2000 Metern gibt es Loipen für Langläufer ohne große Erfahrung und für ambitionierte Fahrer. Für den Start ist die Tschaffein-Loipe gut. Sie ist eine einfache und kurze Route – zu sehen ist dabei die Ballunspitze, der wichtigste Berg von Galtür. Für ganz späte Wintersportfans gibt es noch die Nachtloipe. Dort ist bis 22 Uhr das Licht an. www.galtuer.com

das Tal , ¿er , ≈ Landschaft: Sie liegt tief zwischen Bergen. der L„ngläufer, -

(das Fl„chland

, L Berge)

die Loipe, -n

, Person: Sie fährt auf Skiern im

, spezieller Weg für Langläufer

(der Ski, -/-er , eins von zwei langen Stücken: Damit kann man auf Schnee einen Berg hinunterfahren.)

, hier: Berg in der Form von einer

Flachland.

die Sp“tze, -n Pyramide

Fotos: Erwin Trampitsch; Jürgen Sack/iStock.com

NÜRNBERGER CHRISTKINDLESMARKT


Deutsch perfekt 12 / 2017

IM NÄCHSTEN MONAT

r im Jan2u0a18

IMPRESSUM Herausgeber Rudolf Spindler Chefredakteur Jörg Walser

Gesamt-Anzeigenleitung Matthias Weidling +49 (0)40/32 80-142 matthias.weidling@zeit.de

Leitung Kooperationen Key Account Manager Sprachenmarkt Redaktion Iriet Yusuf Barbara Duckstein (in Elternzeit), Tel. +49 (0)89/8 56 81-135 Katharina Heydenreich, Sonja Krell i.yusuf@spotlight-verlag.de (frei), Claudia May, Nadine Miller (frei), Cornelia Osterbrauck (frei), Sales Manager Sprachenmarkt Eva-Maria Markus Eva Pfeiffer (frei) Tel. +49 (0)89/8 56 81-131 Bildredaktion e.markus@spotlight-verlag.de Sarah Gough, Judith Rothenbusch Anzeigenpreisliste Redaktionelle Mitarbeit Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 12 Anne Wichmann (frei), Guillaume seit Ausgabe 1/17. Horst (frei) Art Director Michael Scheufler

Autoren Ana Maria Michel

ISSN 1861-1605 Deutsch perfekt erscheint monatlich.

Korrespondenten Marcel Burkhardt (Mainz), Joseph Gepp (Wien), Barbara Kerbel (Berlin), Astrid Labbert (Bremen), Swantje Zorn (Zürich)

© 2017 Spotlight Verlag, auch für alle genannten Autoren, Fotografen und Mitarbeiter

Gestaltung Anna Sofie Werner, Nerina Wilter (frei)

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Druck Vogel Druck & Medienservice GmbH, 97204 Höchberg Deutsch perfekt wird besonders umweltfreundlich auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Verlag und Redaktion Spotlight Verlag GmbH Fraunhoferstraße 22 82152 Planegg Tel. +49 (0)89/8 56 81-0 Fax +49 (0)89/8 56 81-105 Geschäftsführer Rudolf Spindler, Jan Henrik Groß Leiter Lesermarkt Holger Hofmann Vertriebsleitung Monika Wohlgemuth

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Nicolas Gauert, Marion Weskamp, Martin Gehlen (Finanzen) Kasernenstraße 67 40213 Düsseldorf Tel. +49 (0) 2 11/8 87-20 55 sales-duesseldorf@iqm.de Carsten Thum, Oliver Mond, Christian Leopold Eschersheimer Landstraße 50 60322 Frankfurt Tel. +49 (0) 69/24 24-45 10 sales-frankfurt@iqm.de Jörg Bönsch, Anne Sasse, Tina Kreibich Nymphenburger Straße 14 80335 München Tel. +49 (0) 89/54 59 07-29 sales-muenchen@iqm.de Jörg Bönsch, Thierry Kraemer, Tina Kreibich Mörikestraße 67, 70199 Stuttgart Tel. +49 (0) 7 11/9 66 66-560 sales-muenchen@iqm.de

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Besser lernen

Wir wollten es einmal ganz genau wissen: Wie funktioniert Deutschlernen am besten? Gefragt haben wir deshalb ganz unterschiedliche Menschen: Wissenschaftler berichten über neue Studien, Didaktiker über Erkenntnisse aus dem Unterricht – und Lerner empfehlen das, was bei ihnen persönlich perfekt funktioniert hat.

Lebensretter

Sechs Helden des Alltags, die Menschen in größter Not gerettet haben: Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Und warum haben sie geholfen, obwohl andere nichts getan haben?

der W“ssenschaftler, -

, Person, die ein Thema

systematisch untersucht die Studie, -n , wissenschaftliche Untersuchung die Erk¡nntnis, -se , neues Wissen; neue Information

der H¡ld, -en , Mann, der ohne Angst gefährliche Aufgaben löst; hier: Mensch, der etwas Gutes und Wichtiges gemacht hat


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LIEBE

Deutsch perfekt 12 / 2017

Liebe kennt keine Grenzen

Im Sommer liest Diana Ivanova in Deutsch perfekt eine Reportage über den Piloten Stephan Kaneider. Es sind nur sechs Seiten – aber ihr Leben ändert sich danach radikal. Trotzdem lernt die Buchhalterin Deutsch. Sie interessiert sich sehr für die deutsche Sprache und Kultur. Denn ihr Vater wurde in Köln geboren. Die 37-Jährige hat in Genua schon das B1-Zertifikat gemacht und liest jeden Monat Deutsch perfekt. Ganz anders Kaneider: Er kommt aus Österreich, wohnt aber schon lange in Wittmund (Niedersachsen). Der Pilot fliegt eine der kürzesten Strecken in Deutschland, nämlich von Harle an der Nordseeküste auf die circa acht Quadratkilometer kleine Insel Wangerooge. Und wer jetzt denkt: Von diesem Mann und seiner Arbeit habe ich schon einmal gelesen – der hat recht. Im Juni steht in Deutsch perfekt eine Reportage über den Inselflieger. Es sind

erscheinen

die Buchhalterin, -nen

, hier: plötzlich zu sehen

, Frau: Sie kümmert sich

das Paar, -e , hier: zwei Personen: Sie lieben sich.

, ≈ ist … geboren

sein

um die Dokumentation der Finanzen von einer Firma. w¢rde … geboren

entf¡rnt

die Str¡cke, -n , hier: Flugweg

, in der ersten intensiven

(fr“sch) verliebt sein Phase der Liebe sein

die N¶rdseeküste , Stück Land direkt an der Nordsee

sch¢ld sein „n , hier: ≈ das Motiv geben für

die |nsel, -n , Stück Land in einem Meer, See oder Fluss

, in einer Distanz von

Foto: privat; Illustration: Pyty, Alex Belomlinsky/Shutterstock.com

E

s ist gar nicht so einfach, mit Diana Ivanova und Stephan Kaneider zu sprechen. Gerade sind die beiden nämlich in der estnischen Hafenstadt Pärnu. Und jetzt, am späten Nachmittag, will fast jeder ins Internet. So ist die Skype-Verbindung zu den beiden nicht besonders stabil. Aber dann erscheint das Paar trotzdem auf dem Bildschirm: 1428 Kilometer entfernt sitzen die beiden zusammen in einem kleinen Zimmer – und lachen wie zwei sehr glückliche Teenager. Sie sind frisch verliebt. Und daran sind wir schuld, das Team von Deutsch perfekt. Ivanova kommt aus Russland, wohnt im italienischen Genua und spricht an ihrem Arbeitsplatz meistens Englisch.

LEICHT


Deutsch perfekt 12 / 2017

LIEBE

77

e Stephan Kaneider und

Diana Ivanova vor dem kleinen Flugzeug des Piloten

nur sechs Seiten, aber sie ändern das Leben von Ivanova und Kaneider radikal. „Ich habe die Reportage gelesen. Und nicht nur der Text, auch der Protagonist hat mir sehr gefallen“, erzählt Ivanova und lacht. Sie reist sehr gern. Warum soll sie nicht auch einmal Wangerooge besuchen? Also schreibt die Russin eine Mail an den Inselflieger, sehr höflich und sehr offiziell. Sie will sich auch über Reisemöglichkeiten informieren. Für Kaneider ist die Mail trotzdem eine Überraschung. Einen Brief von einer Leserin von Deutsch perfekt – das hat er nicht erwartet. „Ich habe auch sehr offiziell geantwortet“, erzählt der 47-Jährige und lacht. „Aber dann haben wir uns immer wieder geschrieben.“ Beide merken schnell: Der andere interessiert sich wirklich für mich. „Ich habe mich dann beim Schreiben verliebt. Das konnte ich selbst kaum glauben“, sagt der Pilot. Sie schreiben Mails, viele Mails. Und Kaneider wird klar: „Wir müssen jetzt Nägel mit Köpfen machen.“ Drei Monate nach der ersten Mail vereinbaren beide ein persönliches Treffen. Ivanova packt ihre Koffer und fliegt nach Bremen. Sie hat nun genug Mails geschrieben. Noch kennt sie seine Stimme nicht, er ihre auch nicht. Denn sie haben nicht ein Mal telefoniert. Als Kaneider seinen Gast am Bremen Airport Hans Koschnick abholt, fühlt sich „alles sofort richtig an“, erzählt Ivanova. „Es hat einfach gepasst.“ Von diesem Zeitpunkt an beginnen beide ziemlich viel Geld in Flugtickets zu investieren. Genua-Wittmund: 1023 Kilometer Distanz, auf der direkten Luftlinie. Aber die Verbindung von Genua nach Wittmund ist nie direkt – und immer teuer. Außerdem finden viele Freunde die Sache ein bisschen verrückt. „Viele sagen, dass eine Beziehung bei der großen Distanz nicht funktionieren kann“, sagt Kaneider. „Unser Kennenlernen ist ja auch ein bisschen wie in einem Hollywoodfilm. Das ist wirklich kaum zu glauben.“ Eines findet der Pilot ziemlich lustig: Seine Diana ist durch eine Zeitschrift für Deutschlerner ausgerechnet zu ihm gekommen – einem Österreicher. „Wir

sprechen normalerweise mit einem starken Dialekt. Das ist nicht sehr einfach zu verstehen“, erklärt er. „Aber weil ich schon so lange in Norddeutschland lebe, ist es für Diana jetzt einfacher.“ Nur: In Norddeutschland lebt Kaneider vor allem im Sommer. In den Wintermonaten arbeitet der Pilot in Estland. Auch dort brauchen die Menschen kleine Flugzeuge. So trifft sich das Paar jetzt in Pärnu. Von da sind es nur noch 373 Kilometer bis Sankt Petersburg, Ivanovas Geburtsort. Mit einer BN Islander, wie Kaneider sie fliegt, ist die Distanz in eineinhalb Stunden zu machen. Ivanovas großer Wunsch: einmal mit dem Freund zu fliegen. Aber leider ist das Wetter zum Mitfliegen zu schlecht, seit sie in Estland ist. In zwei Tagen muss die Russin zurück nach Italien. Vielleicht klappt es morgen noch. Silvester feiert das Paar zusammen in Pärnu. „Wir wissen noch nicht genau, was wir machen. Aber es wird etwas Romantisches sein“, sagt Kaneider. Ivanova sitzt neben ihm und nickt glücklich. „Noch einmal vielen Dank für den Artikel“, sagt sie und lacht. Auch ihr Freund muss lachen, als er sagt: „Ja, der Artikel war wirklich sehr gut.“ Claudia May

der Protagon“st, -en

, hier: Person: Über sie

gibt es eine Reportage.

die Reisemöglichkeit, -en , ≈ Option: Mit welchen Verkehrsmitteln kann man reisen? erw„rten , hier: meinen, dass … kommen wird }nd Kaneider w“rd klar … , ≈ Und Kaneider weiß plötzlich … Nägel m“t Kœpfen m„chen , m etwas komplett und sehr gut machen; gemeint ist hier: sich treffen nun , hier: zu der Zeit die St“mme, -n , hier: Laute: Man macht sie, wenn man spricht oder singt. (der Laut, -e , Einen Laut kann man hören.) s“ch „nfühlen , hier: ≈ sein; ≈ wissen, dass … ist

v¶n diesem Zeitpunkt „n

, ab diesem Moment

die L¢ftlinie, -n , kürzeste Distanz zwischen zwei geografischen Stellen die Beziehung, -en , hier: ≈ Liebe zwischen zwei Menschen ausgerechnet , hier: ≈ so, dass es überrascht normalerweise , ≈ meistens: Das ist normal. vor „llem , ≈ speziell kl„ppen , hier: m funktionieren; ≈ gehen das/der Silv¡ster

, letzter Tag im Jahr; 31.

Dezember n“cken

, eine Geste mit dem Kopf

machen und damit Ja sagen der Artikel, , hier: Text in einer Zeitschrift oder Zeitung

einfach , hier: wirklich

Um sich zu sehen, müssen die beiden oft reisen – und viel Geld in Flugtickets investieren.

Pärnu

Wittmund

Genua


Deutsch perfekt 12 / 2017

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D-A-CH-MENSCHEN – EINE VON 98 MILLIONEN

„Wie Kinder habe ich keine Angst“

Daniela Stein ist die bekannteste Stuntfrau Deutschlands. In mehr als 300 Serien und Filmen wie Inglourious Basterds, Keinohrhasen oder Captain America springt sie von hohen Häusern, fliegt mit Motorrädern ins Wasser oder lässt sich von Autos überfahren.

Seit 25 Jahren arbeitet Daniela Stein als Stuntfrau. Sie nennt sich selbst einen Adrenalin-Junkie und hat viel Freude an ihrem Job. Trotzdem empfiehlt sie ihrer Tochter diese Karriere nicht. MITTEL PLUS

Ich habe das Glück gehabt, dass ich gut bin und ein breites Repertoire habe – ich kann Auto und Motorrad fahren, brennen und von Gebäuden springen. Aber das ist eher die Ausnahme. War es für Sie als Frau schwierig, in diesem Geschäft akzeptiert zu werden? Die Leute, mit denen ich meistens zusammenarbeite, kenne ich schon lange. Da habe ich kein Problem. Aber wenn ich neu in ein Team komme, gibt es manchmal Schwierigkeiten. Ich muss immer erst mal zeigen, dass ich gut bin. Ich stehe manchmal vor zehn Männern und gebe Kommandos. Dann glaube ich, dass es sofort klappen muss. Es gibt aber keine Garantie. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Männer froh sind, wenn bei mir etwas nicht funktioniert. Bei einem Mann wäre das nicht so. Das ist schon ärgerlich, aber ich komme damit zurecht. Sie haben bei deutschen und amerikanischen Filmen gearbeitet. Gibt es Unterschiede? Die amerikanischen Produktionen sind weniger gefährlich. Dort wird sehr viel im Studio gemacht und bei Stunts sind wir immer mit Seilen abgesichert. Was war Ihr verrücktester Stunt? Ich habe viele verrückte Sachen gemacht. Am gefährlichsten sind Unfälle, bei denen ein Auto mich mit hoher Schnelligkeit anfährt. Als Frau muss ich auch oft einen Minirock anziehen und kann keine Beinschützer tragen. Dadurch wird es noch gefährlicher. Mein spektakulärster Stunt war ein Motorradsprung über 27 Meter ins Wasser – und das Motorrad ist in der Luft explodiert! Das sah sehr cool aus. Interview: Guillaume Horst

überfahren

, über jemanden fahren

das Seil, -e

, dünner, langer Gegen-

(und ihn dabei verletzen oder totmachen)

stand z. B. aus Nylon, an dem man sich halten kann

auf die Idee k¶mmen , ≈ die Idee bekommen

„bsichern , hier: halten, damit man vor dem Fallen geschützt ist

ein Risiko eingehen

, ≈ mit Absicht in eine

gefährliche Situation gehen s“ch verkr„mpfen , hier: harte Muskeln bekommen (der M¢skel, -n , elastischer Körperteil, um z. B. Arme und Beine oder ein Organ zu bewegen) die Vielseitigkeit , hier: Variation sp„nnend , L langweilig

der Beinsch•tzer, -

, hier: spezielles Klei-

dungsstück, um bei einem Unfall die Beine zu schützen spektakulär

, hier: toll, aber auch

gefährlich

der Motorradsprung, ¿e

, Springen mit einem

fahrenden Motorrad

explodieren , ≈ plötzlich mit Lärm und Feuer kaputtgehen

„berkennen , hier: offiziell entscheiden, dass die Selbstständigkeit nicht länger möglich/ gültig ist das Geschæft, -e , hier: das Geldverdienen in diesem Beruf eher

, hier: ≈ mehr

In Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) leben 98 Millionen Menschen. An dieser Stelle interviewen wir jeden Monat einen davon.

Foto: Elke Schmidt

Frau Stein, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Stuntfrau zu werden? Das wollte ich schon mit 14 Jahren machen. Ich habe sehr früh mit vielen verschiedenen Sportarten – Ballett, Tennis, Skifahren, Surfen – angefangen. Da habe ich gesehen, dass ich gerne ein Risiko eingehe. Irgendwann habe ich im Fernsehen von diesem Beruf gehört und gesagt: „Das werde ich später machen.“ Welche Qualitäten brauchen Stuntleute? Seit ich ein Kind bin, habe ich kein Problem damit, beim Skifahren zu fallen oder zu springen. Mein sehr guter Instinkt schützt mich. Wie Kinder habe ich keine Angst. Das ist das Wichtigste bei diesem Beruf. Wer Angst hat, der verkrampft sich und tut sich öfter weh. Sie machen den Job seit 25 Jahren. Gefällt er Ihnen noch? Ja, das Interessante ist die Vielseitigkeit. Ich habe keine Routine und weiß oft am Sonntag nicht, was ich die nächste Woche mache. Ich finde es auch spannend, immer wieder an mein Limit zu gehen. Ihre Tochter ist 16 Jahre alt. Würden Sie ihr eine Karriere als Stuntfrau empfehlen? Sie sagt jetzt schon, dass sie Stuntfrau werden will. Ich unterstütze das aber nicht. In dem Job weiß man nie, ob man im nächsten Jahr noch Arbeit haben wird. So kann nicht jeder arbeiten. Im Moment ist es auch problematisch, weil die Politik uns die Selbstständigkeit aberkennen will. Das wäre für uns Stuntleute eine Katastrophe. Das Geschäft ist auch nicht einfach, der deutsche Markt ist nicht sehr groß. In England, Frankreich und den USA verdienen Stuntleute viel besser.


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Deutsch perfekt 12 2017  
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