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Wohnhaus bei Schmallenberg mit Schieferdach in Altdeutscher Doppeldeckung

Altdeutsch doppelt Bei der Sanierung von Althausdächern und im Arbeitsbereich des Denkmalschutzes ist die Altdeutsche Doppeldeckung eine oft bevorzugte Schieferdeckungsart. Aber auch bei modernen Bauaufgaben findet „Altdeutsch doppelt“ Zuspruch.

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Die Schieferbekleidung des Schornsteinkopfes wird durch eingefügte Farbschieferschablonen akzentuiert.

ei der Planung oder Ausführung eines altdeutschen Schieferdaches stehen mehrere Deckungsarten zur Wahl. Die Altdeutsche Deckung, umgangssprachlich Einfache Deckung genannt, ist die überregional bevorzugte Regelausführung. Diese Deckart ist u. a. durch das Maß der Höhenüberdeckung definiert. Bei Einfachdeckung werden die Decksteine in der Höhe bis zu einem Drittel der Decksteinhöhe überdeckt. Bei der Drittelüberdeckung z. B. sind die Decksteingebinde jeweils ein Drittel unterdeckt und ein Drittel überdeckt. Anders die Altdeutsche Doppeldeckung. Sie ist eine Alternative der Einfachdeckung. Bei der Altdeutschen Doppeldeckung wird jedes Deckgebinde vom übernächsten noch mindestens 2 cm überdeckt. Die Höhenüberdeckung der Decksteine beträgt ins-

gesamt mehr als eine halbe Decksteinhöhe, bei einem Deckstein von 30 cm Höhe z. B. insgesamt mindestens 16 cm. Dank dieser üppigen Überdeckung ist die wasserführende Deckfläche der Decksteine ganzflächig unterdeckt, das Doppeldach mit einer großen Sicherheitsreserve ausgestattet. Zudem ist die Doppeldeckung außergewöhnlich stabil und strapazierfähig. Fällt trotzdem ein Deckstein, unter mechanischer Last oder altersbedingt aus dem Decksteinverband heraus, läuft das Wasser an dieser Stelle nicht sogleich nach innen, das Dach bleibt zunächst funktionsfähig. Verständlich, dass „altdeutsch doppelt“ zur Bewältigung der großen Höhenüberdeckung angemessen große Decksteine erfordert. Bevorzugt werden Decksteine mit einem oberhalb der Höhenüberdeckungslinie

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WERKSTOFF UND TECHNIK

An den flach beilaufenden Graten wurden ansprechend lange Anfangortgebinde durch jeweils mehrere Zwischensteine erreicht.

nur wenig gerundeten Rücken. Das hat den Vorteil, dass die Spitzen der Decksteine schlüssig an die Decksteinrücken im vorherigen Gebinde anschließen, in der Fußlinie der Deckgebinde also keine Lücken entstehen.

Großer Dachneigungsbereich

Decksteinverband und Überdeckungen bei altdeutscher Doppeldeckung

Die Altdeutsche Doppeldeckung eignet sich für Dächer aller Art mit einem Neigungswinkel im Normalfall von mindestens 22° aufwärts. Es wäre also falsch, anzunehmen, die Doppeldeckung käme wegen ihrer zuvor erwähnten Sicherheitsreserve nur für wenig geneigte Dächer in Betracht. Ein spezieller Marktsektor ist die Sanierung des Althausbestandes und der Arbeitsbereich des Denkmalschutzes. Dass sich auch der aktuelle Wohnhausbau, der Altdeutschen Doppeldeckung bedient, zeigt das hier vorgestellte Wohnhaus. Es steht in einer Hanglage, unweit der westfälischen Stadt Schmallenberg. Die Häuser ringsherum haben alle ein Schieferdach, viele auch mit Schiefer be-

Die hier als Doppelort ausgebildeten Endortgebinde sind neigungsbedingt über jeweils mehrere Deckgebinde gestaffelt.

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WERKSTOFF UND TECHNIK

Ansicht der „altdeutsch doppelt“ gedeckten Dachflächen und der ebenfalls doppelt gedeckten Schieferkehlen

kleidete Außenwände. Das Walmdach dieses Hauses hat einen differenten Grundriss. Es ist durch Anbauten, Grate und Kehlen stark gegliedert. Die Haupt- und Nebendachflächen haben einen etwa gleich großen Dachneigungswinkel von 30°. Das Dach ist „altdeutsch doppelt“ gedeckt. Davon ausgenommen sind die Gebinde längs der Traufen sowie die Deckung der Grate und Firste. Diese Details wurden zwar in Einfachdeckung ausgeführt, aber mit einer besonders reichlichen Höhenüberdeckung ausgestattet. Die Decksteingebinde sind rechts oder links gedeckt. Doppelt gedeckt sind auch die Kehlsteine der beiderseits mit Schwärmern an die Decksteingebinde an-

geschlossenen, flach geneigten Herzkehlen. Die stark beilaufenden Grate haben einerseits lang gestreckte Anfangortgebinde mit mehreren Zwischensteinen, andererseits über mehrere Deckgebinde gestaffelte Endorte aus Doppelortsteinen. Ein interessanter Blickfang ist die Bekleidung des Schornsteinkopfes, bei dem Schablonen aus Farbschiefer in das Ornament eingebunden wurden.

BAUTAFEL Dachdeckungsarbeiten: Böddicker GmbH, Brilon-Scharfenberg Fredeburger Schiefer: Schiefergruben Magog, Fredeburg

Fazit Die Altdeutsche Doppeldeckung ist eine Alternative der herkömmlichen Einfachdeckung. Beide Deckungsarten haben das gleiche Deckungsbild. Der Unterschied liegt in der größeren Überdeckung der Doppeldeckung und der daraus resultierenden Sicherheitsreserve. Altdeutsch doppelt wird, unabhängig von der Dachneigung, oft bevorzugt, wenn Althausdächer im Bestand oder unter dem Aspekt der Denkmalpflege saniert werden sollen. Dass ein Schieferdach in Doppeldeckung auch beim heutigen Wohnhausbau Zuspruch findet, zeigt das hier vorge■ stellte Architekturbeispiel.

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Wohnhaus mit altdeutscher Schieferdeckung  

Naturschiefereindeckung an einem Wohnhaus mit Fredeburger Schiefer aus der Grube Magog

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