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THEMA

Ein vierblättriges Kleeblatt steht in unserer Gesellschaft als Inbegriff für Glück und Freude. Weckt das geplante Bildungssystem im Aargau auch solch positive Emotionen? Werden die Glückskäfer einen gelungenen Flug starten? Oder wird ihnen kurz vor der Landung rau und hart alle Energie aus den Flügeln genommen?

Das Bildungskleeblatt löst in allen Alters-, Gesellschafts- und Berufsgruppen grosse Neugierde aus, stösst aber auch auf grosse Skepsis. Informationen erreichen uns permanent. Einige sind schon wieder veraltet, andere nicht durchführbar oder bereits interkantonal im Wurf – doch wirklich Bescheid wissen die Wenigsten. Schade, denn die Schulzeit ist einer der prägendsten Abschnitte unseres Lebens und die staatliche Schule als Institution ist einer der grössten Arbeitsgeber unseres Kantons. Gerade wir Schüler sollten nachvollziehen können, wie es im Moment um das Bildungskleeblatt bestellt ist. Im Folgenden wird der Informationsknäuel ein wenig entwirrt und ein momentan gültiger roter Faden wird sichtbar. Die vier Grundpfeiler der Bildungsreform sind: die Eingangsstufe, die Harmonisierung der Schulstrukturen, neue Tagesstrukturen und der Sozialindex. Diese vier rechtlich selbstständigen Reformvorhaben haben als Ganzes das angestrebte Ziel, ein individuelles, intensives, integrierendes, forderndes und förderndes Schulsystem zu bilden. Dieses neuartige Bildungssystem soll den Aargau zu einem noch beliebteren Wohn- und Wirtschaftskanton machen, welcher allen erwerbstätigen Eltern ein möglichst attraktives Betreuungs- und Unterstützungsprogramm offeriert und Kinder mit all ihren Begabungen und Eigenheiten ernst nimmt. In der Eingangsstufe werden die beiden Kindergartenjahre mit dem

ersten Primarschuljahr zur ‚Grundstufe’ oder mit den zwei ersten Primarschuljahren zur ‚Basisstufe’ zusammengefügt. Welche dieser Varianten besser geeignet ist, wird sich in nächster Zeit durch die laufenden Schulversuche zeigen. In den aktuellen Gesetzesänderungen ist – mit Blick auf den ganzen Bildungsraum Nordwestschweiz – die Einführung der vierjährigen ‚Basisstufe’ vorgesehen. Jedes Kind erhält durch diese Erneuerung die Chance, die ersten Schuljahre in seinem eigenen Tempo durchlaufen zu können. Sehr leistungsfähige Kinder werden sie also in kürzerer Zeit absolvieren, Kindern mit Lernschwierigkeiten wird durch individuelles spielerisches Lernen und intensivere Betreuung durch Schulische Heilpädagoginnen schon früh adäquat geholfen. Das neue System soll also ohne ‚Kleinklassen’ auskommen. Die Klassen werden altersdurchmischt sein, was den Kindern einen grösseren sozialen Horizont eröffnen wird. Schon in diesen ersten Schuljahren wird zudem ein Schwerpunkt auf die sprachliche Integration gelegt. Für Lehrpersonen bedeutet die Eingangsstufe ein gänzlich neues Berufsfeld, denn die heutigen KindergärtnerInnen und UnterstufenlehrerInnen werden neu als Eingangsstufenlehrpersonen eingesetzt. Mit der Harmonisierung der Schulstrukturen wird die Primarschulzeit, bestehend aus vier Jahren Eingangsstufe und vier Jahren Mittelstufe,

Das Bildungskleeblatt

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Ave Matura

von sieben auf acht Jahre verlängert. Auf die Mittelstufe folgen drei Jahre Sekundarstufe I. Im Ganzen sind es also elf Schuljahre. Die Mittelstufe kann je nach Bedürfnis und Leistungen auch in individueller Geschwindigkeit absolviert werden. Sonderschulung in Kleinklassen gibt es auch in dieser Stufe nicht mehr, besonderen Bedürfnissen wird man durch den Einsatz der erwähnten HeilpädagogInnen gerecht, um alle SchülerInnen in die Regelklassen zu integrieren. Die jetzige Oberstufe erhält neu den Namen „Sekundarstufe I“, in welcher sowohl die momentanen Bezirks- und Sekundarschulen, als auch die Realschulen und die Kleinklassen zusammengefasst werden.

NAKT #1 Ave Matura  

Die erste Ausgabe der NAKT Neue Aargauer Kantizeitung Troubadour

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