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Ave Matura THEMA

Contra: Beat Unternährer »Das überrissene Reform-Paket verursacht Kollateralschäden«

Deshalb lautet meine Forderung:

Ich befürchte, das überrissene Reform-Paket sei für die Schule Aargau unverdaulich. Ich zweifle daran, dass der Grundauftrag der Schule unter diesen Umständen noch erfüllt werden kann. Was bedeutet es für die Zukunft unseres Landes und unserer Wirtschaft, wenn die Chancengleichheit der Durchschnittlichen und der Überdurchschnittlichen im internationalen Konkurrenzkampf sinkt, weil wir meinen, die Chancengleichheit der Schwächeren durch flächendeckende Niveausenkung zu verbessern? Es bedeutet, dass sich diejenigen, die es sich leisten können, inskünftig ihre verlorene Chancengleichheit auf dem globalisierten Arbeitsmarkt in Privatschulen holen. So stellt sich für mich denn die Hauptfrage: rechtfertigt sich der Riesen-Kleeblatt-Aufwand – oder liessen sich die Probleme nicht einfacher, pragmatischer und ohne Kollateralschäden in kleinen Schritten auch lösen? Das Bildungskleeblatt geht für mich in eine höchst bedenkliche, falsche

Richtung. Ich befürchte ein Fiasko, indem der Grundauftrag der Schule nicht mehr erfüllt werden kann. Ausserdem wird die Demokratie ausgehebelt, weil den Gemeinden als Trägern der Volksschule alles vom Kanton verordnet wird. Erstaunt bin ich über die weit um sich greifende Theoriegläubigkeit, die falsch verstandene Chancengleichheit, die uns in grössere Schwierigkeiten treiben wird, als wir heute noch glauben. Die Neuausrichtung von Unterricht wird fatale Folgen haben. Die eindeutigen, transparenten und kontrollierbaren Klassen- und Fächerstrukturen wurden aufgegeben. Die Ausführung wird der Beliebigkeit anheim gestellt. Nur mit integrativem Unterricht, fächerübergreifend mit interdisziplinären Fachverbünden, Projektarbeiten etc. sei ein moderner, ganzheitlicher Unterricht noch zu erreichen. Unsere Befürchtung: Vieles an Grundwissen, Grundfertigkeiten und vor allem an Bildung bleibt unerreicht und wird in den anschliessenden, weiterführenden Schulen (Kanti!) und Ausbildungen schmerzlich fehlen.

• Verzicht auf die flächendeckende Einführung der integrativen Schulform • Verzicht auf die Aufnahme von Schülern mit erheblichen sozialen Beeinträchtigungen in die Regelklasse • Einführung (regionaler) Integrationsklassen mit obligatorisch bestandenem Sprachtest, analog Finnland. • Beibehaltung der dreigliedrigen Oberstufe: Die zweigliedrige Struktur führt den Aargau in eine Aussenseiterrolle, sie löst die Probleme der Realschule nicht, sie führt zu viel Administration und fehlender Nestwärme und zu einem sinkenden Niveau. Die Lösung ist eine dreigliedrige Struktur, wie sie Solothurn und Baselland haben. • Tagesstrukturen ja, aber ohne pädagogisch orientierte Betreuung und nur dort, wo die zuständigen Behörden (Gemeindeversammlung, Einwohnerrat) einen entsprechenden Beschluss gefasst haben. Tagesstruktur als „Kindesrecht“ ist staatspolitisch und ökonomisch unsinnig. Sozialrechte sollen nicht definiert werden. Dies führt dazu, dass Justiz über Bedürfnisse entscheidet. Der Ausbaustandard muss durch die Gemeinde bestimmt werden und nicht durch den Kanton.

NAKT #1 Ave Matura  

Die erste Ausgabe der NAKT Neue Aargauer Kantizeitung Troubadour

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