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No.


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Editorial

Liebe Leserschaft Soeben habe ich einen weiteren Teil meiner Musik-Matur hinter mich gebracht. Nun sitze ich in der Aula, lausche dem Gesang meiner Duett-Partnerin, der durch die dünne Trennwand dringt, und schreibe dieses Editorial. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie der junge Hauswart die Stühle stapelt, ganz leise, um die Sängerin nicht zu stören. Draussen fällt Regen. Die Schüler sitzen im Rondell oder in der Mensa. Seit die Viertklässler zuhause am Lesen sind, haben wieder alle Platz. Die erste NAKT ist der Schule gewidmet, in der wir sitzen und lauschen; manchmal der glockenreinen Sopranstimme, meistens aber der vertrauten Stimme einer Lehrperson. Viele von uns kennen gar nichts anderes; Ferienjobs vielleicht, Sozialpraktika, und mindestens neun Jahre Klassenzimmer.

Manuela Zeller, Gesamtleitung

Mit der neuen Kantizeitung wird dieses lauschige Plätzchen um eine Facette reicher. 10‘000 Exemplare der neuen Kantizeitung werden an den Kantonsund Bezirksschulen verteilt, angeschaut und, wer weiss, vielleicht sogar ganz durchgelesen. Warum das wichtig ist? Das ist eure Zeitung! Ob ihr sie euch einfach anseht oder euer eigenes Projekt vorstellen möchtet, ob ihr Geschichten und Reportagen veröffentlicht oder über Missstände referieren wollt, hier habt ihr Gelegenheit. Fotografen dieser Stadt, wo seid ihr? Wir wollen keine Bilder aus dem Internet kopieren, sondern euren Schnappschüssen Raum geben! Aber blättert jetzt erst mal. Ihr werdet sehen: Die neue Kantizeitung ist noch lange nicht perfekt; dafür äusserst neugierig, für alles offen und völlig unabhängig. Es liegt an euch, der Redaktion beizutreten, sie zu beeinflussen und erste journalistische Gehversuche zu unternehmen. Legt den geistigen Maulkorb ab! Als ob wir nichts zu sagen hätten! „Häsch kä Prüefig?“ Der junge Hauswart hat auch etwas zu sagen und reisst mich aus meinen Gedanken. Die Musik hat aufgehört, am Ende Glasmusik, Stimme mit Verstärker. „Hani scho gha“, murmle ich und beim Verlassen der Aula denke ich an den Tag, an dem alles vorbei sein wird. Ave Matura.

Robert Benz, Chefredaktion


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N-aktuell

Tipps für die mündliche Matur [mit Gewehr ]

Graffiti von entpannten Maturanden

Für Minimalisten: Wenn du mit reinem Gewissen behaupten kannst, dass du von sämtlichen Autoren weisst, ob sie männlich oder weiblich sind, bist du bestens vorbereitet!

Back in a Minute – Godot.

Es gilt: Der Klügere gibt nach. Bleibe also bescheiden und bestehe auf deine Meinung!

Examinations – nature’s laxative

Primus’ Gast-Tipp aus der Ausgabe 2008 (wortwörtlich): “...zum Beispiel bei einer mündlichen Prüfung, nützt es, für zwei, drei Minuten die Augen zu schliessen, an etwas Schönes zu denken und dann zu versuchen, das schon Gewusste aufzunehmen und dort weiter zu fahren.“ Falsch: “So, genug gelesen!“ / Fast richtig: “Lesen genügt!“ / Bitter: “Wissen ist mächtig viel Lesen!“ Konzentrationsübung - Stell dir während der Prüfung immer die eine Frage: Denke ich, was ich sage oder sage ich, was ich denke? Zeige dich staatsmännisch – in den Landesfarben deiner Examinatoren! Keine falsche Scheu – weisst du nicht mehr weiter, legst du die Hand auf die Brust und beginnst eine Hymne zu singen. Wenn du unter Prüfungsangst leidest, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du hast dich vorbereitet oder du gehst hin und weisst einfach alles. (A. Läuchli zugeschrieben)

Go home, Oedipus, all is forgiven. Mum. – Over my dead body. Dad.

Education kills by degrees. Aural sex produces eargasms. If Batman is so smart why does he wear his underpants outside his trousers? Christ did not say ‘Kill trees for Christmas’! Is there life before death? Kentucky Freud chicken. Motherfuckin’ good. God – I suspect you of being a left-wing intellectual. Sudden prayers make God jump. The trouble with political jokes is they get elected.


DIVERSICUM

KULTUR

T-FOTO

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DANACH

N-AKTUELL

THEMA

POESIE

FERNWEH

SCHULLEBEN

Was ist das Kantiding?

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Das Bildungskleeblatt

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Maturitätsquote im Sinkflug

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Politisch Unfassbar Studiert

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Ach, Israel...

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Una clase en Perú

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Buch-Tipp & Party-Tipp

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CD-Tipp & T-Spezial-Tipp

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Festivalkalender

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Akte T

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Eigenartigkeiten der Kantis

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Entdecke das Fragezeichen...

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Annette Eckenstein hat sich gewundert

T-fotoumfrage

BezirksschülerInnen

T-fotoumfrage

KantonsschülerInnen

Die nächste Generation

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Titelsucher im weiten Web

Von „Bricks in the Wall“ zu „Ave Matura“

Knackig, klassisch, kultig. Festivals in der Region.

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Eichenlaub & Kirschbaumblüte

Nimm die Nacht, für keinen Augenblick

...und via Wise Guys zu den Berner Troubadours

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Es Freiämterdütsches Gschechtli

Mit dere Schesä go chäsperle – zum Weisse.

Von Zürich quer über den Flösserplatz…

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Riley Haley was weird. Written by kloqué

Andere Lehrer, andere Sitten

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Alles für die grosse Story Roger Köppel im Interview

Eine intensive Woche im Nahen Osten

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Uselütete

Bilder vom letzten Schultag

Rapper „Greis“ im Dialogportrait

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Comic

Das Duschdilemma

Ein Denkanstoss von Emanuel Staubli

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Emma wie noch?

...sagte Wittgenstein schweigend

Erst die Infos, dann Huber versus Unternährer

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Inhalt

Ein Scheck für Chopin Warum eigentlich?


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Ave Matura THEMA

Was ist das Kantiding ? 1. Gefunden von Manuel Diener. Das Kantiding Ach, wie vollgeschrieben ich bin von all diesen unbedeutenden Sinnlosigkeiten! Ich ersehne diesen glasklaren und sonnendurchfluteten Morgen, den ersten an der Kanti, an dem ich jungfräulich neben der Schultasche im Schatten des grossen Feldahorns lag und der mich frisch frisierte Rasen frech kitzelte. Jemand hatte die Wolken wegradiert. Und ich schaute hinauf in den Himmel und wollte beschrieben werden von seinem unendlichen Blau. Wie schon gesagt, war ich ein unbeschriebenes Blatt und obendrein naiv, und so wünschte ich mir tatsächlich das Blaue vom Himmel und hatte auch noch den Anspruch, es wirklich zu erhalten. Ich war von der Oberstufe an die Kanti gekommen. Das letzte Jahr der Oberstufe war der Tod für meine Moral gewesen; ich riss, das Schreibwerkzeug versagte auf mir, meine Seiten verfaulten im Moor der Tinte von all diesen kratzenden, verfehlten, hämischen Buchstaben und Zahlen. Und so kam es, dass die Kanti die grandiose Renaissance, eine neue Ära von glorreichen und ehrenwerten Buchstaben und Zahlen hätte werden sollen, es jedoch nicht wurde, denn das ganze Blau vom Himmel war nur Illusion gewesen, doch Illusion schreibt sich bekanntlich nicht auf Papier, sondern in die Luft und wird mit einem Windstoss auch schon davongetragen (nach dem glasklaren und sonnendurchfluteten Morgen kam dann schon bald der Sturm der Realität). Und so lag ich in der Kanti entweder vergessen im Düster der Schultasche oder ich wurde misshandelt; sie rissen mir Seiten aus, malten mich mit Kreisen und Vierecken und komischen Fratzen voll, zeichneten “Vier Gewinnt” und “Hang man” auf meine unbefleckten Seiten und zwangen mir öde und fantasielose Formeln und wirre Sätze auf, mit denen ich mich schliesslich herumschlagen musste. Ach, wie vollgeschrieben ich bin von all diesen unbedeutenden Sinnlosigkeiten, ich, das Schulheft, mit dem schlimmsten aller Schicksale, dem ich nirgendwo entrinnen werde!

So

lautete die Frage, die der Redaktion unter den Nägeln brannte. Viele waren auf der Website, liessen sich inspirieren und einige haben ihre Vorschläge auch eingeschickt. Eine illustre Jury hat die Einsendungen begutachtet und letztlich Manuel Dieners Vorschlag zugestimmt. Sobald er aus Peru zurück ist, wird er deshalb zusammen mit der Zweitplatzierten Annette Eckenstein einen Tag mit Jörg Meier hinter den Kulissen der Aargauer Zeitung erleben. Zusätzlich hat die Redaktion noch zwei Spezialpreise an Schüler in Wohlen zu vergeben, welche uns aber nicht namentlich bekannt sind. Beim ‚Neuen Kleiderreglement’ sind wir uns derweil nicht ganz sicher, ob die Urheber nicht vielleicht in der Lehrerschaft oder gar in der Administration zu suchen sind. Aber beurteilt selbst!

für findige Kantidingsucher. Aussergewöhnliche Inspiration gezeichen? Für andere bloss ein grosses Fra Ausschreibung Kantiding wird wohl etwas sein das die die NAKT sucht das kantiding. das d oder ein gefühl oder ein kanti symbolisiert. ein gegenstan wir alle kennen? oder doch geruch oder eine einstellung die hälter mit Dino drauf? das eher der blaugelbe petsammelbe neid entscheidet? das absenzenbrett das über freud und en stock? der goldzahn des seltsame raumdeo im wc im erst der katze die immer um die abwartslehrlings oder die karies kantiding mehr aus gefühl oder turnhalle streicht? besteht ein auch ein lehrer? die bis jetzt mehr aus ding? vielleicht ist es euglehrers und der astrologin? heimliche romanze des schlagz rt am montagmorgen im bus, das das wär ja ein ding! oder die fah ittag im latein.. oder.. he ich zuspätkommen, der freitagnachm legt wert auf kommas. noch nie habs, ein komma, nur die kanti klich mit kommas umgehen einen kantischüler erlebt, der wir ns zwar. kantiding, komma, konnte. und kaum lehrer. ich kan . hm, kaum abgehackter. mit den könnte kaum knackiger klingen bazoo, den alas, den kaf und vielen kas. den den antibioti, den oder hinter dem mond da den anaboli. kas. na, komma her masteroiden und kometenhaft. wachsen die verdammten kom die haben an jedem einzelnen lebenslängl ich glaubs ja nicht. wie soll ich das ding stützpunkt plakate aufgehängt. schichte schreiben, kommentar beschreiben?. brief essay kurzge ef oder was schreiben? glosse schreiben, roman leserbri seite... mah von einer schreiben? auf einer halben A4 au! eine rede! eine ansprache! schriftgrösse war ja nicht die gen und klipp und klar. so knackig wie ein pamffleht! kurz und knapp . oder zeichnung skizze foto, ein kommas und doch mit sinn drin in motto: protoonko - genial! gedanke, oh ein motor nein me schüler in rage, ich wie ich fotomontage, eine collage, ein der flasche von mann? nasche, du mit der flasche, mit sse luft. und dann gewinnen und geredeblablabla. blubb. alles hei verbringen. habe das kantiding einen tag mit einer persönlichkeit geschafft und bin erschaffen. erschaffen. habe es geschafft. bin ! i und viel liebe! und überhaupt gebt mir ruhm und schlaf schogg


THEMA

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Ave Matura Ausser Konkurr enz: Das Neue (hochoffizielle) ist des Projekto Kleiderreglemen rs Werk... t Man achte aufs

FallsFalls es sonst noch Kan-

Datum!

tidinger gibt, lasst es uns wissen! Wir werden euren Vorschlägen in der nächsten Ausgabe gerne Platz machen. Falls ihr nicht wisst, was wir meinen, ist das halb so schlimm. Wir wissen’s auch nicht so genau. (www.kantiding.ch)

3.

...und ein ebenso pfundiges wie denkwürdiges Kantiding: Anonyme, leicht verstimmte WC-Benützer an der Kantonsschule Wohlen

Scheisskerl

4.

Der zweitplatzierte Kantidingvorschlag von Annette Eckenstein.

Wir möchten diejenige Person, die einmal wöchentlich ihren mächtigen Stuhlgang an der Kantonsschule hinterlegt, doch bitten, das von nun an zu Hause machen. Denn es ist nicht besonders appetitlich, wenn man einmal selbst das Bedürfnis hat und man in der WC-Kabine von solch einem Haufen angelacht wird. Und dieser dann auch noch unwegspülbar ist. Zudem solltest du auch an die arme Seele denken, die das Ganze dann entfernen muss. Solltest du unserer Bitte nicht nachkommen, drohen dir ernste Sanktionen. Herzlichen Dank PS. Vielleicht solltest du in den Ferien einmal eine Darmspülung machen, das könnte vielleicht helfen. PPS. Auch eine Umstellung deines Ernährungsplans könnte sehr hilfreich sein.


THEMA

Ein vierblättriges Kleeblatt steht in unserer Gesellschaft als Inbegriff für Glück und Freude. Weckt das geplante Bildungssystem im Aargau auch solch positive Emotionen? Werden die Glückskäfer einen gelungenen Flug starten? Oder wird ihnen kurz vor der Landung rau und hart alle Energie aus den Flügeln genommen?

Das Bildungskleeblatt löst in allen Alters-, Gesellschafts- und Berufsgruppen grosse Neugierde aus, stösst aber auch auf grosse Skepsis. Informationen erreichen uns permanent. Einige sind schon wieder veraltet, andere nicht durchführbar oder bereits interkantonal im Wurf – doch wirklich Bescheid wissen die Wenigsten. Schade, denn die Schulzeit ist einer der prägendsten Abschnitte unseres Lebens und die staatliche Schule als Institution ist einer der grössten Arbeitsgeber unseres Kantons. Gerade wir Schüler sollten nachvollziehen können, wie es im Moment um das Bildungskleeblatt bestellt ist. Im Folgenden wird der Informationsknäuel ein wenig entwirrt und ein momentan gültiger roter Faden wird sichtbar. Die vier Grundpfeiler der Bildungsreform sind: die Eingangsstufe, die Harmonisierung der Schulstrukturen, neue Tagesstrukturen und der Sozialindex. Diese vier rechtlich selbstständigen Reformvorhaben haben als Ganzes das angestrebte Ziel, ein individuelles, intensives, integrierendes, forderndes und förderndes Schulsystem zu bilden. Dieses neuartige Bildungssystem soll den Aargau zu einem noch beliebteren Wohn- und Wirtschaftskanton machen, welcher allen erwerbstätigen Eltern ein möglichst attraktives Betreuungs- und Unterstützungsprogramm offeriert und Kinder mit all ihren Begabungen und Eigenheiten ernst nimmt. In der Eingangsstufe werden die beiden Kindergartenjahre mit dem

ersten Primarschuljahr zur ‚Grundstufe’ oder mit den zwei ersten Primarschuljahren zur ‚Basisstufe’ zusammengefügt. Welche dieser Varianten besser geeignet ist, wird sich in nächster Zeit durch die laufenden Schulversuche zeigen. In den aktuellen Gesetzesänderungen ist – mit Blick auf den ganzen Bildungsraum Nordwestschweiz – die Einführung der vierjährigen ‚Basisstufe’ vorgesehen. Jedes Kind erhält durch diese Erneuerung die Chance, die ersten Schuljahre in seinem eigenen Tempo durchlaufen zu können. Sehr leistungsfähige Kinder werden sie also in kürzerer Zeit absolvieren, Kindern mit Lernschwierigkeiten wird durch individuelles spielerisches Lernen und intensivere Betreuung durch Schulische Heilpädagoginnen schon früh adäquat geholfen. Das neue System soll also ohne ‚Kleinklassen’ auskommen. Die Klassen werden altersdurchmischt sein, was den Kindern einen grösseren sozialen Horizont eröffnen wird. Schon in diesen ersten Schuljahren wird zudem ein Schwerpunkt auf die sprachliche Integration gelegt. Für Lehrpersonen bedeutet die Eingangsstufe ein gänzlich neues Berufsfeld, denn die heutigen KindergärtnerInnen und UnterstufenlehrerInnen werden neu als Eingangsstufenlehrpersonen eingesetzt. Mit der Harmonisierung der Schulstrukturen wird die Primarschulzeit, bestehend aus vier Jahren Eingangsstufe und vier Jahren Mittelstufe,

Das Bildungskleeblatt

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Ave Matura

von sieben auf acht Jahre verlängert. Auf die Mittelstufe folgen drei Jahre Sekundarstufe I. Im Ganzen sind es also elf Schuljahre. Die Mittelstufe kann je nach Bedürfnis und Leistungen auch in individueller Geschwindigkeit absolviert werden. Sonderschulung in Kleinklassen gibt es auch in dieser Stufe nicht mehr, besonderen Bedürfnissen wird man durch den Einsatz der erwähnten HeilpädagogInnen gerecht, um alle SchülerInnen in die Regelklassen zu integrieren. Die jetzige Oberstufe erhält neu den Namen „Sekundarstufe I“, in welcher sowohl die momentanen Bezirks- und Sekundarschulen, als auch die Realschulen und die Kleinklassen zusammengefasst werden.


THEMA

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Ave Matura Laura Fricker, KSBA, G2a beweist Übersicht.

Zurzeit sieht es so aus, als würde diese Stufe in zwei leistungsorientierte Schultypen unterteilt werden: in die Sekundarschule Typ B (Vorbereitung auf die Berufsausbildung) und die Sekundarschule Typ M (Vorbereitung auf Berufsmaturität/ Gymnasium). Französisch, Englisch und Mathematik würden in sogenannten Niveaugruppen unterrichtet, die typenübergreifend eingeteilt werden. Diese drei Niveaueinteilungen (allgemein, erweitert und progymnasial) würden eine Über- oder Unterforderung verhindern und ein intensiveres Unterrichtsformat ermöglichen. An diese Stufe schliesst wie bisher die Sekundarstufe II an, welche die weiterbildenden Schulen (Gymnasien, Berufsmatura, Wirtschaftsund Diplomschulen) umfasst. Hochbegabte SchülerInnen werden von Beginn weg in ihren Stammklassen und mit besonderen Unterrichtseinheiten gefördert.

In einer zweiten Phase, die ab 2016 in Kraft treten soll, wird dann eine ausgebaute Tagesstruktur entstehen: Von 7 bis 18 Uhr sollen Betreuung, Mittagstische, begleitetes Spielen und Lernen, Schulsportaktivitäten und Hausaufgabenhilfen selbstverständlich werden. Denn die Pisa-Studien haben gezeigt, dass in Ländern, in denen diese Tagesstrukturen schon seit längerem vorhanden sind, ein enormer schu-

der Bevölkerungskultur bezüglich der sozialen, sprachlichen und kulturellen Zugehörigkeit der einzelnen Schulen, Gemeinden und Quartieren angepasst. Der Sozialindex setzt sich aus folgenden Kennzahlen einer Wohngemeinde zusammen: der Arbeitslosen-, der Sesshaftigkeits-, der Wohnform- und der Ausländerquote. Je nachdem kann der Sozialindex zwischen 1.0 für sozial unbelastete und 1.4 für sozial

Die erste Phase der neuen Tagesstrukturen, die 2011 beginnen soll, wird eine intensivere ausserschulische Betreuung anbieten: Eltern soll die Möglichkeit geboten werden, ihre Kinder in einer Frühbetreuung ab 7.00 Uhr morgens und über die Mittagszeit an einem organisierten Mittagstisch verpflegt und betreut zu wissen. Alle Kinder und Jugendlichen werden den Unterricht in Blockzeiten besuchen. Diese Erneuerungen ermöglichen Eltern und vor allem allein erziehenden Personen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und ihre Kinder doch sehr gut aufgehoben zu wissen. Der Besuch von Tagesstrukturen und Tagesschulen ist freiwillig.

lischer Leistungsanstieg verzeichnet werden kann. Die Gemeinden tragen für die Ausführung und Umsetzung dieser Pläne die Verantwortung und sind auch zuständig, eine Tarifgestaltung für die zur Verfügung gestellten Angebote zu verwirklichen.

belastete Gemeinden variieren. Je höher dieser ist, desto mehr professionell betreute Lektionen werden den Schulen zugesprochen. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Lohnkosten werden vom Kanton übernommen, um sozial belastete Gemeinden nicht noch finanziell zu belasten.

Der Sozialindex schliesslich ist ein rechnerisches Mittel, um zu bestimmen, wie viele Unterrichtslektionen welchen Schulen zustehen. Er wirkt sich direkt auf die Finanzen der einzelnen Schulgemeinden aus. Im Vordergrund stehen Massnahmen wie Teamteaching, zusätzlicher Förderunterricht und flexible Lerngruppen. Die Lektions-Zuteilung wird

Zurzeit befinden sich die Verfassungs- und Gesetzesänderungen des „Bildungskleeblattes“ im parlamentarischen Verfahren. Bis zum voraussichtlichen Start im Schuljahr 2011/2012 stehen der Reform noch die Volksabstimmung und die Vorbereitung der inhaltlichen Umsetzung bevor.


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Ave Matura THEMA

Contra: Beat Unternährer »Das überrissene Reform-Paket verursacht Kollateralschäden«

Deshalb lautet meine Forderung:

Ich befürchte, das überrissene Reform-Paket sei für die Schule Aargau unverdaulich. Ich zweifle daran, dass der Grundauftrag der Schule unter diesen Umständen noch erfüllt werden kann. Was bedeutet es für die Zukunft unseres Landes und unserer Wirtschaft, wenn die Chancengleichheit der Durchschnittlichen und der Überdurchschnittlichen im internationalen Konkurrenzkampf sinkt, weil wir meinen, die Chancengleichheit der Schwächeren durch flächendeckende Niveausenkung zu verbessern? Es bedeutet, dass sich diejenigen, die es sich leisten können, inskünftig ihre verlorene Chancengleichheit auf dem globalisierten Arbeitsmarkt in Privatschulen holen. So stellt sich für mich denn die Hauptfrage: rechtfertigt sich der Riesen-Kleeblatt-Aufwand – oder liessen sich die Probleme nicht einfacher, pragmatischer und ohne Kollateralschäden in kleinen Schritten auch lösen? Das Bildungskleeblatt geht für mich in eine höchst bedenkliche, falsche

Richtung. Ich befürchte ein Fiasko, indem der Grundauftrag der Schule nicht mehr erfüllt werden kann. Ausserdem wird die Demokratie ausgehebelt, weil den Gemeinden als Trägern der Volksschule alles vom Kanton verordnet wird. Erstaunt bin ich über die weit um sich greifende Theoriegläubigkeit, die falsch verstandene Chancengleichheit, die uns in grössere Schwierigkeiten treiben wird, als wir heute noch glauben. Die Neuausrichtung von Unterricht wird fatale Folgen haben. Die eindeutigen, transparenten und kontrollierbaren Klassen- und Fächerstrukturen wurden aufgegeben. Die Ausführung wird der Beliebigkeit anheim gestellt. Nur mit integrativem Unterricht, fächerübergreifend mit interdisziplinären Fachverbünden, Projektarbeiten etc. sei ein moderner, ganzheitlicher Unterricht noch zu erreichen. Unsere Befürchtung: Vieles an Grundwissen, Grundfertigkeiten und vor allem an Bildung bleibt unerreicht und wird in den anschliessenden, weiterführenden Schulen (Kanti!) und Ausbildungen schmerzlich fehlen.

• Verzicht auf die flächendeckende Einführung der integrativen Schulform • Verzicht auf die Aufnahme von Schülern mit erheblichen sozialen Beeinträchtigungen in die Regelklasse • Einführung (regionaler) Integrationsklassen mit obligatorisch bestandenem Sprachtest, analog Finnland. • Beibehaltung der dreigliedrigen Oberstufe: Die zweigliedrige Struktur führt den Aargau in eine Aussenseiterrolle, sie löst die Probleme der Realschule nicht, sie führt zu viel Administration und fehlender Nestwärme und zu einem sinkenden Niveau. Die Lösung ist eine dreigliedrige Struktur, wie sie Solothurn und Baselland haben. • Tagesstrukturen ja, aber ohne pädagogisch orientierte Betreuung und nur dort, wo die zuständigen Behörden (Gemeindeversammlung, Einwohnerrat) einen entsprechenden Beschluss gefasst haben. Tagesstruktur als „Kindesrecht“ ist staatspolitisch und ökonomisch unsinnig. Sozialrechte sollen nicht definiert werden. Dies führt dazu, dass Justiz über Bedürfnisse entscheidet. Der Ausbaustandard muss durch die Gemeinde bestimmt werden und nicht durch den Kanton.


THEMA

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Ave Matura

Pro: Regierungsrat Rainer Huber »Die Schule muss sich den neuen Herausforderungen stellen«

Vier Reformen sind im „Bildungskleeblatt“ zusammengefasst:

Die Volksschule hat den Auftrag, den Kindern und Jugendlichen die Grundbildung zu vermitteln. Sie hat aber auch die Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler so zu fördern, dass sie ihre persönlichen Fähigkeiten und Stärken ausbauen können und die Lust am Lernen nicht verlieren. Alle sollen nach der Volksschule eine Lehrstelle finden oder eine geeignete Mittelschule besuchen können. Dies zu erreichen ist in der heutigen Schule nicht einfach. Als Schülerin oder Schüler erleben Sie täglich die Leistungsunterschiede in Ihrer Klasse oder an Ihrer Schule; sei es auf Grund der sozialen und kulturellen Herkunft, sei es auf Grund der verschiedenen Persönlichkeiten. In der Schule haben Sie gelernt, sich in eine Gemeinschaft einzugliedern und Konflikte möglichst friedlich zu lösen. Sie haben feststellen können, dass die eigene Leistung und das Selbstvertrauen für den Schulerfolg sehr wichtig sind − aber nicht nur: Wer zuhause keine Unterstützung beim Aufgabenlösen oder beim Lernen für eine Prüfung bekommt, wer sich

über Mittag irgendwo verpflegen muss, weil er oder sie weder nach Hause noch an einen Mittagstisch gehen kann, hat keine förderlichen Bedingungen für seinen Schulerfolg. Wer schon von einem anderen Kanton in den Aargau gezogen ist, hat selber erlebt, dass die Schulen und die Leistungsanforderungen in jedem Kanton verschieden sind, was vor allem bei Stufenwechseln recht mühsam ist. Dies wird mit dem Bildungskleeblatt besser! Der Aargau will mit der Mehrzahl der anderen Kantone die Volksschule harmonisieren. Die Schulstrukturen sollen angeglichen werden. Gleichzeitig soll die Schule aber auch verbessert werden, damit sie sich den Herausforderungen stellen kann. Die Schule soll ihren Bildungsauftrag auch unter den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen optimal erfüllen. Dies braucht grosse Entwicklungsschritte, denn die Schule hat mit den Veränderungen in der Gesellschaft nicht Schritt gehalten.

• Die Ablösung des Kindergartens und der ersten beiden Primarschuljahre durch die Eingangsstufe; geplant ist die vierjährige Basisstufe. • Die Harmonisierung der Schulstrukturen, das heisst die Verlängerung der Primarschule um ein Jahr mit entsprechender Verkürzung der Sekundarstufe I und eine neu aufgebaute Sekundarschule mit zwei Typen B und M sowie Niveaugruppen in drei bis vier Fächern. • Die Einführung von freiwilligen und bedarfsgerechten Tagesstrukturen. •Ein Sozialindex, der Schulen mit schwierigen Rahmenbedingungen zusätzliche Lektionen zuteilt. Die Reformen des Bildungskleeblatts sind darauf ausgerichtet, dass der Einsatz und der Leistungswille der Schülerinnen und Schüler in der Schule zu mehr Erfolg führen und dass die Neugier und die Lust am Lernen erhalten bleiben. Der Bildungserfolg soll von der individuellen Leistung und nicht von der Herkunft abhängig sein. Mit dem Bildungskleeblatt nimmt die Schule mehr Rücksicht auf die individuelle Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler und deren Entwicklungsstand. Denn wer die Volksschule beendet, soll gut gerüstet sein für die Berufslehre, die Mittelschule oder eine andere weiterführende Schule.


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Ave Matura THEMA

Maturitätsquote im Sinkflug Seit Jahren sinkt im Kanton Aargau die weit unter dem schweizerischen Durchschnitt liegende Maturitätsquote. Über mögliche Ursachen und Lösungen ist im Kanton Aargau eine kontroverse Diskussion entbrannt. Ein Denkanstoss von Emanuel Staubli, Alte Kanti Aarau, G1G

Die Situation alarmierend, denn sowohl bei der Gymnasialen als auch bei der Berufsmaturitätsquote ist ein Abwärtstrend erkennbar. Im Jahr 2006 lag die gymnasiale Maturitätsquote 7%, die Berufsmaturitätsquote 3% und die allgemeine Maturitätsquote 10% unter dem Schweizer Durchschnitt, was dem Kanton Aargau den drittletzten Platz im kantonalen Vergleich bescherte. Die Abschaffung der „guten alten Bez“ (im Zusammenhang mit dem Bildungskleeblatt) ist eine oft zitierte Patentlösung in diesem Fall. Die Statistik beweist aber, dass diese Massnahme nicht genügen würde. Im Jahr 2006 haben 70% der Bezirksschüler einen Notendurchschnitt von 4.4 oder höher erreicht, womit man an einer Wirtschaftsoder Fachmittelschule zugelassen wäre. 45% der Bezirksschüler haben sogar einen Notendurchschnitt von 4.7 oder höher erreicht und sich damit den Zugang zum Gymnasium gesichert. Trotzdem traten 18.3% der Bezirksschüler, die den erforderlichen Notendurchschnitt erreicht haben, nicht ins Gymnasium ein, sondern schlugen den Weg einer Berufslehre ein. Würden diese Schüler ebenfalls eine gymnasiale Laufbahn wählen, würde sich die Maturitätsquote im Jahr 2006 von 13% auf 16.8% erhöhen.

Folglich erfüllt die Bezirksschule ihren Job gut. Nun gilt es herauszufinden, warum so viele Schüler nicht ins Gymnasium wollen, oder anders ausgedrückt, eine Berufslehre bevorzugen. Ein wichtiger Faktor ist sicher, dass der zentrale Standort Aargau attraktive Lehrstellen zu bieten hat, aber auch eine Lehrstelle am Finanzplatz Zürich oder in der Chemiebranche in Basel ermöglicht. In diesen Branchen herrscht ein hoher Bedarf an qualifizierten, praxisorientierten Fachkräften. Des Weiteren sollte man beachten, dass sich die Jugendlichen bei ihrer Ausbildung an der Elterngeneration orientieren (auch ‚integrationelle Bildungsimmobilität’ genannt). Da im Aargau Berufsgruppen dominieren, in welchen die Berufslehren einen hohen Stellenwert haben, ist es für viele nicht nahe liegend, eine akademische Laufbahn anzutreten. Für den Jugendlichen von heute ist es ebenfalls wichtig, sich neben Schule oder Arbeit ein attraktives Freizeitprogramm zu ermöglichen. Da Ausgang, Sport und Kleidung aber nicht gerade billig sind, scheint das karge Budget eines Schülers nicht jedem akzeptabel und so wird oft eine Lehre bevorzugt. Aber auch eine neunjährige, teilweise monotone Schulkarriere mit nicht immer zeitgenössischen Lehrmitteln

(zum Beispiel dem FranzösischLehrmittel der Oberstufe „Portes Ouvertes“, wo Lektionsthemen wie z.B. ein „Flohzirkus“ nicht unüblich sind) weckt auch nicht unbedingt Lust auf mindestens vier zusätzliche Schuljahre. Das Gymnasium scheint aber vor allem für junge Männer, deren Abwesenheit besonders hoch ist, wegen der Sprachlastigkeit nicht sehr attraktiv zu sein. Für die tiefe Maturitätsquote ist möglicherweise auch die doppelte Selektion im Kanton Aargau mitverantwortlich. Im Aargau wird Ende der fünften Klasse selektioniert und dann nach der Bezirksschule ein weiteres Mal für das Gymnasium. Von Bedeutung ist ausserdem, dass die Maturitätsquote mit dem Wirtschaftswachstum korreliert. Deshalb ist es von erheblichem Interesse, diese ohne einen Qualitätsverlust zu erhöhen, damit der Kanton Aargau über genügend qualifizierte Arbeitskräfte verfügt und somit für Unternehmen attraktiv bleibt. Ob die Anhebung der Maturitätsquote nun mit besserer Information über das Gymnasium und die Perspektiven, die sich damit eröffnen, mit mehr Motivationsarbeit, neuen Lehrmitteln oder durch eine Änderung der Schulstruktur erreicht werden kann, würde sich nach einer genauen Studie der Ursachen für die tiefe Quote zeigen.


DANACH

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Massanzug & Bordsteinkante

Politisch unfassbar studiert – Rapper „Greis“ im Dialogportrait

Letzten Frühling, mitten in Zürich stand der bekannte Schweizer Rapper der Neuen Kantizeitung Rede und Antwort. Die klare, bärndütsche Stimme klingt noch immer in den Ohren der Redaktoren. Offen und wortreich, klug aber weder widerspruchsfrei noch widerspruchslos lernen wir den engagierten Musiker, Politiker und Menschen kennen. Ein pointiertes Dialogportrait von Manuela Zeller (NKSA 3aF) und Robert Benz (KSWO 4A) - of bärndütsch, versteht sich.

Grosses Maul und viel dahinter. Ein rappender Student lächelt.

WIE WIRD GREIS WAHRGENOMMEN? Für Greis wurden schon viele Namen gefunden. Der echte lautet Grégoire Vuilleumier und lässt darauf schliessen, dass er zweisprachig aufgewachsen ist. Ausserdem liest man „der Reimeschmied“, weil von Berufswegen erfolgreich Rapper, „der Wortkünstler“, da seine Texte teilweise sinnvoll sind und auch so vorgetragen werden und „der Polit-Rapper“, da er sich lautstark für Menschenrechte, Bio, Fair Trade und Respekt einsetzt. „Der sozialkritischste Musiker der Schweiz“ wird er auch gennant, mag das allerdings nicht (er will keine Titel, sondern nur politisch effizient sein). Diskographisch kennt man ihn zum Beispiel vom Song „Global“ auf dem Album „Eis“, von „Teil vo dr Lösig“ auf seinem Album „Zwei“, von seiner Mitarbeit bei PVP und Chlyklass, von Projekten mit Godessa (SA), Curse (D) und zahlreichen Schweizer Musikern. (Quelle: Google )


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Massanzug & Bordsteinkante DANACH

Greis in Aktion

Und wie nimmt er sich selbst wahr? NAKT : Was füres Bild würsch du gern kreiere vo dir, vo dir als Künschtler? Greis Öffentlechkeitsbeud? E wörd am liebschte eifach so onfassbar blibe we möglech. Weu das eim veu Flexibilität laht. Mer esch bewosst, dass mer, wemmer vomene Musikmarkt redet, sini Brand (engl. für ‚Marke’ [Anm. d. Red.]) ergendwo positioniert, aber e ha we ke Bock of das. I gniesses huere, chli flexibel chönne z blibe, weu dadedör chani ou verschedeni Lüüt aspräche. NAKT Aso du redsch jetzt au vo dinere politische Position? Greis Di politischi Position möchti ned nome vor Glichgsennte inäh, das esch eingch das wo mis Alege esch. U wenn i mi zfescht wör profiliere aus politische Rapper, wöri nome Lüüt erreiche, wo sowiso mire Meinig si. NAKT : Aber din Rap isch trotzdem gröschteteils politisch? Greis Mhm, aber e versueches grad jetzt bem neue Aubom so ongerschweuig we möglech zmache, weus haut o militanter wird we o scho, aber dass es ned aui di Land-Kids, wo vo Huus us ehner em neokonservative Gedankeguet usgsetzt si, dass die ned ganz de

Zuegang verlüre zo mer. Nei, e wott Propaganda betribe! E wott ned zo Bekehrte predige. Aso e erschter Linie nehm i mer emmer no de Luxus, Musig z mache won e am liebschte hätt.

Der nicht ganz selbstlose Greis GREIS Auso, düemer mau Säubschtlosigkeit usdr Wäut schaffe. Dr einzig Wäg, we du öppis Säubschtloses chönntsch mache, esch, wemmer beidi ane Klippe stöh, du gsehsch mi ned, s esch e imaginäri Wand zwösche üs, ond du hesch mi nonie gseh e dim Läbe, ond du bechonnsch d Garantie, dass du mi ned kennsch. E be ned öpper wo e dim Omfäud esch. Ond denn wersch gfragt: Äntwäder sprengsch du, oder di angeri Person werd sprenge... Wo du nonie hesch gseh, ond du wersch se ou ned gseh sprenge. Du chasch dis Läbe ned gäh, för öpper wod kei empathischi Gfühl hesch fürne, oder? Vo mer us gseh wär das z einzig Säubschtlose, wo me chönnt mache. Auso guet. Ab da chömmer is druf einig sih, dassi aues woni mache us Eigeenträsse mache. Solidarität u Säubschtlosigkeit si zwoi verschedeni Sache. I fenges hüchlerisch, wenn egendöpper de Solidaritätsgedanke aus altruestisch versuecht darzstel-

le, das esch es ned. Du chasch es zwäcksrationals notzemaximierends Motiv e jedere Handlig entdecke. NAKT: Gueti Tate gets also gar ned? Greis (überzeugt) Es geht kei onegoestischi Handlige! Hesch schomau emene Grosi etz Tramm ghoufe? Das fägt huere, oder ned? Das geht eim e reese Befredigong. Me füet sech guet. Wenn egendöpper em Roger Köppel soveu Stotz geht, dass er sech d Wäutwoche cha zröggchaufe, ond dass er när die cha so usrechte, dass es europawiit di erschti Parteiziitig wird, wo me am Kiosk wedr öberchonnt, het er o mega Freud, dasch di glichi Freud.

Greis hat Respekt NAKT: Hesch du Respäktspersone? Oder vor was hesch du vor allem Respäkt? Du hesch gseit vor herter Arbeit. Greis (nach kurzer Pause) E ha Respäkt vor schwerige Entscheidige chönne träffe, vor Lüüt, wos ergendwie schaffe, oah.. schwerigi Frag.. e ha huere Respäkt vor Lüüt, wo die Eigeschafte hei, wo mer fähle. Gedoud, wo rezeptiv sih, wo uf angeri Lüüt chöi igah, wo ned säubschtsöchtig sih, wo ned nome sech säuber gseh, wo ou d Wäut gsehnd, vor Lüüt wo versueche


DANACH

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Massanzug & Bordsteinkante

Ein Meilenstein für den sozialkritischen Schweizer Musiker: Album ‚Eis‘. konsequänt z sih, wo ehri Handlige a ehri moralische Aspröch agliche - ond das no metme Lächle chöi mache. NAKT: (erstaunt über so viel Ehrlichkeit) Send das alles Eigeschafte wo du nöd häsch? Greis Das si aues Eigeschafte woni asträbe.. E gloube e be arbeitsam, e be relativ diszipliniert, aber e be extrem.. totau.. i bruche extrem veu Ufmerksamkeit, e be extrem onbescheide, e be extrem egoman, aso weisch, ohni mi weue z verurteile, e ha d Ouge offe förd Wäut, aber i wär gärn aube chli.. oder zom Bischbel.. we e neuere Tegschte: „obwohl i mängisch d Wäut ned gseh, e Momänt wos mi hätti brucht för euch ned da be gsih, weu i so met mer säuber beschäftigt be“ ond ehm glichzitig, e ha huere Respäkt vor Lüt wo gäbed ond ned antizipiere, dass si öppis zrögg bechöme, ond ou ned Angscht hei...

Greis als Student NAKT: Laht sich s Studium mit de Musig veribare? Greis: E ha jetzt em Novämber 06 s Studium abgschlosse met „magna cum laude“. Set 2003 hani s Studium met Rap finanziert. Auso esches doch scho mini Fulltime Arbeit gsih. D Uni het mer en relativ chline Teil

vor Ziit gnoh. Ond Rap het scho emmer de gröscht Teil usgmacht. NAKT: Het d Uni de ned vel Engagement verlangt? Greis (nüchtern) : Nei, o er Schuel hani scho emmer de Vorteil gha, dass is met wenig Ehrforcht ha chönne agah. Mer muess d Sache met Respäkt mache, aso Respäkt ha vo de Ufgabe u de Ziel wo me sech stellt, aber möglechscht ohni Ehrforcht.. Mer duet sehr oft d Sache z gross mache em Chopf. När wird e eifachi Mathiufgab, en eifachi Seminararbeit wird reesig, ned weu mer wörklech lang het zoms bearbeite, sondern weu mer drü Stong ometegeret vorem Pout, weu mer so Angscht het vor dere grosse Arbeit, dass mer scho drü Stong het verlore, ond sech sovel negativi Gedanke het gmacht, dass es när extrem schwerig werd. Hengäge wennd vo Afang ah as Pout geisch, u wouverstange, be mer esch das nor so guet gange, wel i bes zom letschte Ougebleck ha gwartet, bes i öberhoupt as Pout be gange, ond wenn du när nome no 10 Stong ziit hesch zom 20 Siite Arbeit schribe, chasch der nöm gross Gedanke mache, ou shit, we schaffi da, sondern du muesches eifach ergendwie schaffe.

NAKT: (wohlwissendes, zaghaftes Nicken der beiden gebeutelten Kantischüler) [...] Greis (dankenswerterweise positiv) : Ond das wördi jetzt ned empfähle, dass mer au emmer er letschte Minute macht, aber was i wör empfähle, esch s möglechscht pragmatisch azgah, ond z realisiere, em schuelische Berich, was emmer mer macht, was am meischte Energie choschtet esch s ned sofort afah, s esch ned d Ufgab säuber.

Greis als offenes Buch Greis (eine frühere Frage beantwortend) E be emmer no am Tagebuech schribe. U e ha s grosse Glöck, dass e das ergendwie cha veröffentleche. NAKT: Das heisst, du verstecksches ned, wie di meischte Lüüt, du wotsches veröffentleche! Das erstuunt. Greis Ja me chas vo zwe Siite auluege. Einersiits hani nüüt z verstecke, e stah zo auem, aber angersiits esches secher eso, dass das Beud won e mer gebe, wo ja ach so offe esch, hani ja glich onger Kontroue. U e lahne ja glich nome das useseckere woni wott. Es fliesst ned eifach so us mer use.


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Ach, Israel... 1948: Ein kleiner Fleck im nahen Osten rückt in das Licht der Weltöffentlichkeit. Der Staat Israel wird geboren. 60 Jahre und unzählige Kriege später, feiert Israel sein Jubiläum und Palästina gedenkt der Nakba, der grossen Katastrophe. Nach einer Woche in Israel ziehe ich Bilanz über Gefahren, Misstrauen und Frauen. Eine Reportage von Fabio Höhener, Kantonsschule Wettingen, G2E

Zwischen Angst und Gleichgültigkeit Die Israelische Sonne sticht an diesem Nachmittag erbarmungslos auf uns nieder. Gleichzeitig droht uns die fast tropische Luftfeuchtigkeit zu erdrücken. Lachende Kinder, formiert in Schulklassen, dominieren das Strassenbild, nebenbei einige Touristen und wenige, lethargisch wirkende, orthodoxe Juden. Und dann das! Hier und jetzt, an diesem


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bis anhin eher trägen, sommerlichen Tag an diesem idyllischen Ort und kaum ein Steinwurf von der Klagemauer in Jerusalem entfernt, beginnt die Polizei hektisch die Strasse abzusperren. Ein Reisecar steht mitten in der mutmasslichen Gefahrenzone, die direkt vor mir beginnt und sich über einen Radius von 50 Metern erstreckt. Ein verdächtiger Gegenstand sei an einer Bushaltestelle entdeckt worden. Unverzüglich trifft das Bombenentschärfungskommando ein. Genauer gesagt ein einziger, fast schon einsamer, dafür gut ausgerüsteter Bombenspezialist. In seiner Erscheinung eine Mischung aus Hollywoodstar und Zürcher Stadtpolizist am 1. Mai. Er marschiert zielstrebig zum fraglichen Gegenstand, beugt sich zu ihm hinab und begutachtet das Ding von allen Seiten. Dann steht er auf, kommt mit ein paar Schritten auf die wartende Menge zu und bedeutet uns allen, noch einmal zehn Meter Abstand zu nehmen. Es scheint ernst zu sein. Vor mir die angespannten Polizisten, hinter mir die – unbeschwerten Gesichter der wartenden Menge. Es liegt keine Panik in der Luft. Ist diese Situation womöglich zu normal? Ist für die Menschen in Jerusalem Terror an der Tagesordnung? Mittlerweile versucht die Polizei die kontrollierte Sprengung des ominösen Gegenstandes herbeizuführen. Wer jetzt aber auf einen dieser berühmten Roboter wartet, welche an Bahnhöfen und Flughäfen auf der ganzen Welt die Reisetaschen und Koffer vergesslicher Touristen sprengen, wird arg enttäuscht. Hier geht man anscheinend kostengünstiger vor. Unser kühne Held, der Bombenspezialist, wagt sich erneut ins Zentrum der Gefahr, dieses Mal zusätzlich mit einem Seil ausgerüstet. Das eine Ende bindet er an ein Gitter, in der Mitte wickelt er es um die mut-

massliche Bombe, um sich dann mit dem anderen Ende des Seiles hinter eine kleine Mauer zu verziehen. Ich verstehe nicht genau, was jetzt passieren soll. Doch da zieht er auch schon völlig unvermittelt und mit voller Kraft am Seil, so dass das am Seil hängende Objekt in die Luft geschleudert wird und mit Wucht zurück auf den Asphalt knallt. Keine Explosion. Er wiederholt den Vorgang noch fester und noch höher. Dieses Mal sind wir auf den möglicherweise bevorstehenden Knall vorbereitet. Ich nehme mir fest vor, nicht zu erschrecken. Wieder knallt das Ding auf den Boden. Wieder passiert nichts, auch nicht bei den folgenden Versuchen. Die Passanten machen nach wie vor einen eher genervten Eindruck und auch die Polizisten haben allmählich die Nase voll und ziehen genau so schnell wieder ab, wie sie gekommen sind. Die bis anhin wartende Menge sich allmählich wieder in Bewegung, vorbei an der vermeintlichen Bombe, die sie eine halbe Stunde lang aufgehalten hat und die nicht einmal von der Polizei weggeräumt wird. Einige schwarz gekleidete Juden versammeln sich um das Corpus Delicti und stossen es prüfend mit ihren Füssen an. Wahrscheinlich rätseln sie, genau wie ich, über seinen wahren Verwendungszweck und darüber, wie es zur Bombe werden konnte. Denn aus kürzerer Entfernung wird mir klar: Dieses verbeulte und fast vollständig zerstörte Metall ist nicht nur für ein Schweizer Auge eher eine Milchkanne als eine Bombe.

Eine Mauer aus Angst – und aus Beton Dass selbst ein an sich harmloser Gegenstand sofort zur ernsthaften Bedrohung wird, wenn er an einer Bushaltestelle wie dieser

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Unter dem Motto „Entdeckung der christlichen Wurzeln in Israel“ bereisten vom 4. bis am 11. April dieses Jahres zehn Schüler der Kanti Wettingen Israel. Die Reise führte von Tel Aviv über den Kibbuz Degania B am See Genezareth, bis auf die Golanhöhen sowie nach Bethlehem und Jerusalem. NAKT-Redaktor Fabio Höhener war fasziniert von der Tragweite der Kultur und der Tragik der Geschichte. Seine Eindrücke aus dem Geburtsland der Religionen hat er in dieser Reportage festgehalten. „entdeckt“ wird, spiegelt eine grosse Unsicherheit, eine trotz aller oberflächlichen Gelassenheit der Passanten in der Luft liegende Angst wieder. Diese Angst vor verheerenden Selbstmordattentaten veranlasste die Regierung zum Bau einer kolossalen Sperranlage. 759 km lang, bestehend aus Stacheldraht, Gitterzaun oder Betonmauer, soll sie das Israelische Kernland vom Westjordanland trennen. Israel verschanzt sich hinter einer bis zu acht Meter hohen Konstruktion aus purer Angst. Wie bei mittelalterlichen Stadtmauern erheben sich in regelmäßigen Abständen runde Wachtürme aus der Mauer. Diese Wand durchschneidet alles, was ihr in den Weg kommt: Äcker, Strassen, Familien und Freundschaften, sie blockiert Händler und Pendler. Als wir zum Checkpoint in Bethlehem gelangen, ist dieser nahezu leer. Vor wenigen Stunden standen, wie jeden Morgen und Abend, noch Hunderte von Palästinensischen Pendlern, die in Jerusalem arbeiten, am Sicherheitscheck an. Unser Reiseleiter bleibt stehen. Als Israelischer Staatsbürger ist es ihm nicht erlaubt, auf die Palästinensische Seite mitzukommen. Ich schreite


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an der Wand entlang und versuche, alle Botschaften zu beachten, die an der Betonmauer festgehalten wurden. Es sind unzählige Zeichnungen, Malereien und Tags, die mich schwer ins Grübeln bringen, was wiederum dazu führt, dass ich in eine tiefe Melancholie verfalle. Fotos sind nicht erwünscht, werden jedoch mit dem Handy trotzdem gemacht. „This Wall Will Fall“, „Make Bridges Not Walls“ oder „I’m Not A Terrorist“ steht dort geschrieben. Gleichzeitig lasse ich mir von der Reiseleitung erklären, dass seit der Errichtung der Mauer kaum mehr terroristische Anschläge stattgefunden haben und deshalb in Jerusalem das Nachtleben und die Partyszene wieder floriert. Ich nehme die Info schweigend zur Kenntnis. Am Durchgang angekommen, wird unsere Gruppe erstaunlich milde kontrolliert und ich mache meine ersten Schritte auf Palästinensischem Autonomiegebiet. Wir werden bereits von einem Geschwader von Taxifahrern erwartet, doch wir warten auf unseren palästinensischen Reiseleiter, der uns zur Geburtskirche fährt und uns in den Souvenirshop spediert. Verständlich – denn wenn der Tourismus zusammenbricht, bricht auch Palästina endgültig zusammen. Wenn hingegen die Mauer zusammenbricht, zerbricht die trügerische Sicherheit, in der sich Israel wiegt. Denn die Mauer hat die Palästinenser für die Israelis lediglich unsichtbar gemacht. Die Problematik aber gründet tiefer.

Frühstück in Vollmontur Israel ist mehr als eine angsterfüllte, jüdische Enklave inmitten arabischer Staaten. Dass nur Angst und Terror herrscht, halte ich für ein Klischée. Und doch spricht einiges dafür: Denn sei es im friedlichen Kibutz oder an einer Rast-

stätte im Westjordanland; überall treffen wir auf Jugendliche mit einer umgeschnallten „M16“ oder einer „Galil“ auf dem Rücken. Leiter von Jungendorganisationen haben die Pflicht ihre Reisegruppen mit Sturmgewehren zu bewachen. Und es ist ganz schön schwierig, seinen Falafel zu geniessen, wenn die wunderschöne, aber bewaffnete Reiseleiterin dir misstrauisch beim Essen zuschaut. Wenn das Absurde zur Norm wird, werden starke Emotionen zu kleinen Gemütsschwankungen. Jugendherberge Jerusalem: Nach einer durchzechten Nacht mache ich mich schläfrig und hungrig auf den Weg zum Speisesaal. Speisesaal? Weit gefehlt: Der Speisesaal gleicht einer Kaserne. Dutzende Soldaten stehen am grosszügigen Frühstücksbuffet Schlange, ein weiteres Dutzend sitzt bereits am Tisch. Ich lache über die logistischen Schwierigkeiten der Soldaten beim Verstauen ihres Gewehres. So ein Gewehr ist beim Frühstück tendenziell unpraktisch. Einige legen es quer auf den Schoss, was eine verkrampfte Haltung erfordert, damit das Gewehr nicht zu Boden rutscht. Andere wiederum klemmen es einfach zwischen die Beine, womit dann der Lauf der Waffe einige Zentimeter unter das eigene Kinn zielt. Erschreckend, doch ich beginne zu akzeptieren.

Die Waffen der Frauen Da Israel auch für die Frauen eine zweijährige Dienstpflicht kennt, sieht man viele Soldatinnen in der olivfarbenen Uniform. Möglicherweise ist das der Grund, wieso hier alle Frauen so überaus selbstbewusst und stark auftreten. Ja, die israelischen Frauen sind unglaublich! Ob im Nachtleben von Tel Aviv und Jerusalem oder in Masada in


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der Wüste Negev: Überall diese emanzipierten Herrlichkeiten. In einem Taxi in Tel Aviv verrät mir der Fahrer das Geheimnis ihrer betörenden Schönheit: „It’s all because of the mixture.” Die Mischung aus osteuropäischen Gesichtzügen und einem gewissen Äthiopischen Touch, welche durch die zionistische Bewegung entstand, schuf diese berauschenden und stark anziehenden Mulattinnen. Für mich sind sie die schönsten und charakterstärksten Frauen der Welt, obwohl es da wohl noch so einiges zu entdecken gibt...

Shalom und Salam Ach Israel, du könntest ein Paradies sein, hätten doch nur bessere Umstände zu deiner Gründung geführt. Würde man die Kriege, den Hass und die Vergangenheit vergessen machen, bliebe noch die atemberaubende Schönheit der Kultur, der Landschaft und natürlich auch der Frauen. Ach Israel, ich betrachtete dich von den Golanhöhen und sah durchschossene Bauten auf fruchtbarem Land, eingezäunt durch Stacheldraht und von Landminen durchsetzt. Es klebt Blut an dir, Israel. So gerne möchte ich sehen, wie wir aus der unstabilen Mauer des Hasses, der Separation und der temporären trügerischen Sicherheit eine krisenfeste Brücke des Verständnisses und des Dialogs bauen. Eretz Israel, ich wünsch dir für deine Zukunft Frieden, Shalom, und jede Menge Salam.

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Una clase en Perú

Dialog: Manuel Diener, KSWE, Austauschschüler in Chimbote (Peru)

Als mir meine peruanischen Gasteltern noch vor dem Austauschjahr berichteten, dass ich in Chimbote eine katholische Privatschule namens „Mundo Mejor“ (bessere Welt) besuchen werde, glaubte ich erst, in eine klosterartige, fromme und sehr strenge Schule gehen zu müssen. Glücklicherweise hat sich das nicht gänzlich bewahrheitet. Das Tragen der Schuluniform und das Beten des „Vater Unser“ und des „Ave Maria“ gehören zwar ebenso zur Tagesordnung wie die starke Autorität der Lehrer, gestützt auf das straffe Regeln- und Strafensystem und die konservativen Moralvorstellungen. Doch die Schule gehört zu den fortschrittlichsten in Chimbote: Sie bietet den Schülern die Möglichkeit in den Armenvierteln Chimbotes Sozialarbeit zu leisten, organisiert zahlreiche Schulfeste und hat ein breites Angebot von Aktivitäten, vom Fussball- bis zum Schachklub. Ausserdem gibt es einen Schülerrat. Den Schülern ist jedoch vieles untersagt, so auch allzu inniges Umarmen auf dem Schulhof oder das Mitbringen von Handys. Zudem lastet ein grosser Leistungsdruck auf den Schülern. Nichts desto trotz sind die Schulstunden oft geprägt von peruanischer Lockerheit und Unkompliziertheit: Es wird gelacht und diskutiert, Witze werden gemacht, der Geräuschpegel steigt bald einmal an und das peruanische Temperament entfesselt sich. Der Lehrer ist daher nicht nur reine Autoritätsperson, sondern auch fast wie ein Freund, mit dem man auch mal über Fussball sprechen kann.

Montagmorgen, 7 Uhr 30, in der Schule “Mundo Mejor”. Die Schüler formieren sich vor dem Schulzimmer in zwei geschlechtergetrennten Reihen.. Alejandra:

Ximena, te cuento. No me vas a creer. Ximena: A ver, ¡cuéntame! Alejandra: ¡Diego agarró con Camila! Ximena: ¡No me digas! ¿Cómo sabes? Die Frauen geben dem Lehrer der Reihe nach ein Küsschen auf die Backe und treten ins Schulzimmer ein. Ximena: Profesor: Ximena: Alejandra:

Ximena:

¡Buenos días, profe! ¿Cómo está? Hola Señorita Ximena. ¿Ya está platicando tanto tan temprano en la mañana? Si, profe, ocurren muchas cosas en el mundo. Alejandra, ¡sigue contando! Bueno. La prima de la enamorada de mi hermano mayor estaba en el cole frente a la Plaza de Armas en la promoción del año pasado, por lo tanto conoce a la gente de allí. Ya pues, también conoce a la hermana de una chica que recién cumplió quince y que hizo su fiesta el fin de semana pasado. Diego y Camila, ¿también fueron invitados?

Die Klasse beginnt die peruanische Nationalhymne zu singen. Alejandra: Salón: Ximena:

Diego, no sé, pero Camila, si, porque ahora es amigaza de la chica. Largo tiempo el peruano oprimido… Camila es una perra, agarra con todo el mundo.

Salón: Alejandra:

Ximena: Alejandra: Salón: Ximena: Manuel: Ximena: Manuel: Ximena: Salón: Manuel: Alejandra: Manuel:

Alejandra: Manuel: Luís: Manuel: Profesor:

Manuel:

Seguro, que sólo se hace amiga de la chica para pescarse sus amigos. Somos libres, seámoslo siempre… Es peor, Diego está con enamorada y si ella se entera, se va a enojar horrible. Si, ¡de hecho! Y su hermano le va a sacar la mugre a Diego. Diego estuvo bien picado, dijo mi hermano. …le atizaron el odio y la venganza… Los hombres y sus borracheras… Al final, siempre los malos, somos nosotros… Allá en Alemania, los hombres, ¿también son así? Suiza. Allá en Suiza, ¿también son pendejos? ¡Viva el Perú! No, ¡todos somos santos! Ya sabía… Pareces un gringo santo con tus ojos celestes. Si, claro. Ahora, ¡escúchame! A mí me dijeron que Camila estaba divulgando ese chisme para difamar a Diego porque ese la mandó a la mierda. Ya estás hablando lisuras. Es lo primero que me enseñaron. ¡Arschloch, Idiot! Y lo primero que ellos aprendieron en alemán… Manuel, meta la camisa en los pantalones. Además, hasta pasado mañana, córtese el cabello. Está muy largo.


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Profesor:

Ximena: Manuel: Ximena: Manuel: Ximena: Manuel:

Profesor: Manuel: Alejandra: Manuel: Alejandra:

Ximena: Profesor: Alejandra: Rafael: Alejandra: Ximena: Alejandra: Profesor:

Ximena: Profesor:

Si, profe. Señorita Ximena, amárrese el cabello. Usted sabe que no se debe llevar suelto. Allá, en Suecia, ¿también tienen uniforme? Suiza. Suiza. ¡Es casi lo mismo! Muy exactos son los suizos. Oye, no me insultes, no soy alemán ni sueco. ¿Acaso eres chilena? Los chilenos… son unos desgraciados… En Suiza, no tenemos uniforme, nos está permitido ir con ropa de calle. Diecinueve. ¡Presente! ¡Tienes que pararte! Muchas reglas… Si, verdad. Si tienes enamorada, ni siquiera puedes agarrarla de la mano. Al toque te separan. Los profesores son como espías que te observan todo el tiempo. Y los profesores son muy chismosos… Veintiséis. ¡Presente! ¡Potona! ¡Mañoso! ¡Coqueta! ¡Cállate, Ximena! Alejandra, ¡cállate! Ten cuidado, te voy a botar y mandar a la dirección. Cuarenta y dos. ¡Presente! Bueno, hoy día les voy a tomar el examen ya que mañana habrá paro de los colectivos y nadie llegará

Chicos:

Profesor:

Luís:

Profesor:

Chicos: Profesor:

al colegio. Ya pues, profe, ¡no sea malo! Postergue el examen, el fin de semana hubo partido de fútbol, no pudimos estudiar. Bueno, es un argumento válido, yo también fui al estadio. ¡Ibarra metió un golazo! Pero el árbitro fue comprado, ¡nos anuló dos goles! Profe, tiene razón, siempre ha sido experto de fútbol. ¿También va al estadio el domingo? De hecho, hijo. Se va a llenar el estadio. Todo el pueblo irá. Bueno, el examen es postergado al lunes de la otra semana. Ya pues, profe, no sea malo, ¡el domingo también habrá partido! Bueno, chicos, calmense. Sólo si nuestro equipo pierde, voy a tomar el examen. Ahora, ¡ya no me molesten! ¡Cállense!

Die ganze Klasse applaudiert. Alejandra: Manuel:

En Suecia, ¿el fútbol también es tan popular? ¡Suiza!

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agarró (agarrar) rummachen platicando (platicar) schwatzen enamorada Freundin cole (colegio) Schule fiesta Fest, Party perra Schlampe pescarse “sich fischen” enojarn erzürnen sacar la mugre zusammenschlagen picado angetrunken borrachera Besäufnis pendejo Schlingel, “böser Junge” gringo „Green Go“, Weisser chisme Gerücht, Klatsch difamar verleumden mandó a la mierda (mandar a la mierda) zum Teufel schicken lisuras Schimpfwörter camisa Hemd cabello Haar agarrarla de la mano bei der Hand nehmen potona “Dickarsch” mañoso geil coqueta Kokette ¡cállate! schweig! paro Stillstand, Streik colectivos Autos, Kleinbusse postergue (postergar) verschieben partido de fútbol Fussballspiel golazo Traumgoal árbitro Schiedsrichter calmense (calmarse) sich beruhigen molesten (molestar) belästigen


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Bühnenbild & Garderobe KULTUR

BUCH-TIPP DAS GUTE – EINE FAMILIENCHRONIK Kaspar Schnetzler, 626 Seiten Bilgerverlag Zürich, 2008 Der Roman ist die Geschichte der Zürcher Familie FrauenlobGerber, die 1912 beginnt, über vier Generationen geht und 2012 endet. Zwei Grundwerte gibt es für die Frauenlobs, eine Familie aus dem bürgerlichen Mittelstand: das Gute und die Familie. Sie glauben an das Gute im Menschen, an den guten Willen aller Menschen, an die gute Sache und an einen guten Gott. Und sie kultivieren die Idee von der zwingenden Einheit der Familie. Beide Vorgaben wirken zerstörerisch auf die Familienmitglieder: Der gute Mensch zerbricht an der Realität, und die Bindung an die Familie hindert das Kind daran, seine Individualität zu entwickeln. Die Fragwürdigkeit der Ideale des Guten und der Familie ist von Anfang der Geschichte an in Spuren feststellbar; in der zweiten Generation zeichnet sich ihr Versagen schon deutlicher ab, in der dritten wird es manifest. Alle Frauenlob-Gerbers scheitern kläglich an der Realität ausser dem einen, Felix, der sich nie an die Familie gebunden gefühlt und schon sehr früh den Glauben an alles Gute verloren hat.

PARTY-TIPP BEATS FOR BENEFIZ Freitag, 27. Juni 2008, Flösserplatz, Aarau 20:00-02:00 Uhr, 15.Style: Ska/Reggae/Alternativ-Rap/HipHop/Roots Es ist wieder mal an der Zeit, den guten Zweck aus der Mottenkiste zu graben und ihn partytauglich zu machen! Die Amnesty International Jugendgruppe Aarau veranstaltet ihr erstes Benefizkonzert; und dies mit einem viel versprechenden Line-Up. Aus den eigenen Reihen kommen ‚Eddie and Marvin’, eine kreative und engagierte Ska-Band aus Basel, die mit ihren politischen und verrückten Texten und mitreissenden Rhythmen den Abend in Gang bringen werden. Aus Aarau tritt der lokal schon bekannte Rapas auf, der mit seinem Team die Stimmung von nachdenklich bis ausgelassen zu steuern weiss und Rap der feinsten Qualität bietet. Last but not least, Bensch, ein Shooting Star im Schweizer HipHop, der nun schon einige Jahre frischen Wind durch die Szene bläst. Der Solothurner hat sich bereits mit einigen Hits etablieren können, und es sieht ganz so aus, als ob der Weg noch weiter nach oben führen würde. Der Erlös des Konzertes wird an das Fraueninformationszentrum (FIZ) in Zürich sowie an Amnesty International gehen, dies im Rahmen der Kampagne Euro 08 gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution. Let’s fight for their rights!


KULTUR

CD-Tipp WISE GUYS »FREI!« A-capella-Wortakrobatik aus Köln Daniel „Dän“ Dickkopf, Frontmann und Texter der Gruppe zum neuen Album: Gerne komme ich der freundlichen Bitte nach, etwas über unser neues Album „Frei!“ zu schreiben, denn ich finde - und diese Meinung teilen glücklicherweise sehr viele unserer Fans - dass diese CD unsere bislang beste ist. Warum? Nun, wir hatten diesmal einfach in allen Bereichen das, was man wohl einen „Lauf“ nennt. Schon das Songwriting gestaltete sich dermaßen produktiv, dass wir später etliche Titel weglassen mussten, die einfach nicht mehr auf die Scheibe passten. Auch das Fotoshooting – wir, in schwarzen Anzügen in der doch recht kühlen Nordsee - und die Aufnahmesessions, zum Beispiel an der Cote d‘Azur bei Nizza, werde ich nie vergessen. „Frei!“ hat einige typische Wise-Guys-Nummern, die wir allerdings einen Schritt weiterentwickelt haben, aber auch diverse ungewöhnliche Titel. Hier seien vor allem „Alles in die Luft“ und „Schiller“ erwähnt. Auch die ruhigen Titel („Wir hatten eine gute Zeit“) erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Tollste ist, dass das Album „Frei!“ tatsächlich schon jetzt unser erfolgreichstes ist. Das hat uns alle sehr erfreut.

T-Spezial-Tipp DIE BERNER TROUBADOURS Zugegeben, wir Aargauer Troubadours sind nicht die ersten Troubadours im Lande. Neidlos gestehen wir ein, dass wir in Sachen „Kunst und Kultur“ meilenweit hinter den „Berner Troubadours“ zurückstehen müssen. Markus Traber, Fritz Widmer, Ruedi Krebs, Bernhard Stirnemann, Jacob Stickelberger und zu guter Letzt der verstorbene Mani Matter sind weit herum bekannte Persönlichkeiten, die uns Aargauer Barden vor Ehrfurcht erstarren lassen! Am 31. Mai gaben Traber, Krebs und Stirnemann anlässlich der Einweihung des neuen Bahnhofsplatzes in Bern eine Kostprobe ihres Könnens. Wer nicht in den Genuss dieser Chansons gekommen ist, dem sei gesagt, dass auf der Website www. berner-troubadours.ch einige Hörproben bereitgestellt werden. Ganze sieben Monate später, notabene zum Jahreswechsel, wirken auch Krebs und Widmer wieder aktiv mit, wenn es heisst: Sylvester mit den Berner Troubadours (sie legen anscheinend Wert darauf, nicht mit den Aargauer Troubadours verwechselt zu werden...)! Wir Aargauer Troubadouren (wie wir unseren Plural eigentlich zu schreiben pflegen) können allen Lesern nur empfehlen, zumindest einmal im Leben einem Auftritt der Troubadours beizuwohnen. Sprachwitz, Eloquenz und Satire paart sich auf wundersame Weise und mit Berner Charme und verblüffend lockerer Gitarrenspielkunst. Ob Troubadours oder Troubabdouren – Barden sind ein Muss!

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Bühnenbild & Garderobe


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Bühnenbild & Garderobe KULTUR

KULTfestivalkalender

Free for Peace: Name:

Free for Peace Festival 08

Datum:

11. und 12. Juli

Ort:

Riniken bei Brugg

Preis: Freitag oder Samstag 25.- Fr. Zweitageticket 45.- Fr. Es gibt sie also noch, die kreativen, musikalischen Enklaven im Aargau. Einige Jahre nach dem Ende des legendären Peacemountains geht das einzigartige Free for Peace Festival vom 11. und 12. Juli in Riniken bei Brugg bereits in die zweite Runde. Ein Openair ohne Sponsoren, ist was ganz besonderes. Nirgends überhebliche Konstruktionen mit nervenden Labels von bekannten Limonadenfabrikanten oder Tabakkonzernen, sondern mit viel Liebe aufgebaute kleine Stände und Bars, die zu wahren Blickfängern werden. Man bemerkt: Hier haben sich kreative Köpfe zusammengetan und was ganz neues geschaffen. Dieses Festival entspricht allen Anforderungen eines umweltbewussten, musikalisch anspruchsvollen Philanthropen. Nach der sehr regnerischen und schlammigen Premiere vom letzten Jahr, erwartet die Besucher an diesem Juliwochenende möglicherweise besseres Wetter, aber auf jedenfall ein noch spektakuläreres Line-up. Dieses Jahr überzeugt das Programm durch Bands wie die Basken von Root System, die mit ihren Reggae-, Ragga- und Ska-Party-Sounds die Bühne und ganz Riniken am Freitag zum beben bringen wird. Am Samstag wartet ebenfalls ein heisser Act. Dieses Mal kommt der Reggae aus Deutschland. Raggabund und die Babacools,

Homepage:

www.freeforpeace.ch

Freitag: The Rocky Delitys, Open Fridge, Troimer, Figli di madre ignota, Root System, Das Pferd, Matija (DJ / Soundsystem) Samstag: Waterproof, Mañana Me Chanto Ministri, The Vad Vuc, Raggabund meets Babacools, Mala Suerte, Riot Sound (DJ/Soundsystem) Besonderes: werbefrei, faire Preise, liebevolle Handarbeit, offene Bühne, alternativ. zwei Formationen rund um Don Caramelo, haben sich bereits in der riesigen deutschen Szene etabliert und sind schon seit einigen Jahren hart daran, die Welt zu erobern. Versehen mit ihren meist politischen und sozialkritischen Texten, singen sie ihren absolut tanzbaren Reggae/Dancehall auf deutsch, englisch und auch auf spanisch. Aber nicht nur die karibische Musik steht dieses Jahr im Vordergrund. Das OK hat es geschafft, eine ausgewogene Mischung verschiedener Stile zu schaffen. Von Funk, Rock, Blues und Jazz über Irish Folk bis zu PunkRock. Auf der Live-Bühne werden die Künstler dem Publikum in der Nacht aber auch mit Minimal und Drum’n’Base einheizen. Es wird also auch in diesem Jahr für jeden etwas dabei sein.

Bewertung: Artist: Preis: Ambiente: Preis/Leistung: Total:

***** ***** ***** ***** 17/20


KULTUR

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Bühnenbild & Garderobe Festival des Arcs:

Open Eye:

Chrutwäje

Bereits die neunte Ausgabe des Openairs wird uns dieses Jahr wieder beglücken. Klein, fein, publikumsnah und familienfreundlich mit jungen Bands aus der Region Aargau – das ist auch dieses Jahr das Konzept dieses Festivals. Selbstverständlich mit Verzicht auf störende, kommerzielle Sponsoren.

Nur offene Ohren können hören, Nur offene Augen können sehen, Nur offene Menschen können verstehen!

Beim 25-Jubiläum lockt das GratisOpenair mit hochstehenden Acts wie Marvin oder 7 Dollar Taxi die Massen zur Pferderennbahn in Aarau.

Datum:

13. und 14. Juni

Ort: Ehrendingen bei Baden (Mit Shuttelbus ab Ehrendingen Post)

Preis: Freitag 20.- Fr. Samstag 25.- Fr. Zweitageticket 35.- Fr. Vergünstigung für Familien und Kinder

Homepage: www.festival-des-arcs.ch Freitag: Ganges, Fisher Inc., Blue Lips Scorcher, DJ David Huber. Samstag: Trionettli, Jermain, Trd, Space Note, Zisa, Cool Sound Machine, DJ Muck Bewertung: Artist: Preis: Ambiente: Preis/Leistung: Total:

***** ***** ***** ***** 17/20

Fazit: Für alle Fans und Unterstützer von ambitionierte junge Bands aus der Region ein Muss. Angenehmes Ambiente weit weg von den kommerziellen Openairs.

So lautet das Motto am legendären Festival auf dem Bauernhof in Oberlunkhofen. Hier wird der Öpfelchäller zum Jazzkeller und der Miststock zur Bar umfunktioniert. Dieses Jahr wartet wieder ein erstaunlich gutes Programm für ein Festival dieser Grössenordnung. Bereits bekannt sind die französischen ‚Könige des Dubs’ aka Zenzile und die beiden Schweizer Musikgrössen Elijah und William White. Datum:

20. und 21. Juni

Ort:

Oberlunkhofen

Preis:

Datum:

4.Juli

Ort:

Aarau

Preis: Homepage:

GRATIS!!! www.chrutwaeje.ch

Acts: 7 Dollar Taxi, Marvin, Alles Roger, Bad News Entertainment, Alaska, The Vegetarians, Sugar & the Josephines, Neve, Fiji

1 Tag: CHF 25.00 2 Tage: CHF 45.00 (im Vorverkauf: CHF 40.-)

Homepage:

www.openeye.ch

Freitag: William White & The Emergency, Fischer Inc., Neve, An Lar, Pablo Samstag: Zenzile, Elijah, Slam&Howie, Waterproof, Cowboys from Hell, Strozzini, The Comeback Special Bewertung: Artist: 4/5 Preis: 4/5 Ambiente: 5/5 Preis/Leistung: 5/5 Total: 18/20

***** ***** ***** ***** 17/20

Fazit: Jedes Jahr ein Traum. Gute Leute, gutes Essen, gute Musik und geniales Ambiente macht dieses Festival zu einem der beliebtesten alternativ Openairs im Aargau.

Weitere: Open Air Wettingen 4. und 5. Juli www.openairwettingen.ch Open Air Freaktal in Frick 7. - 10. August www.openair-freaktal.ch Heitere Open Air Zofingen 8. - 10. August www.heitere.ch Open Air Gränichen 22. und 23 August www.openairgraenichen.ch


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Wohlen

FrüMoFe Der morgendlichen Maturfeier Ende Juni begegnen zahlreiche Wohler Schüler mit Skepsis. Dabei sollten sie der Schulleitung für die Ansetzung auf 9 Uhr früh danken. Bei über 140 Maturanden ist die Kanti nämlich bereits bei je zwei Begleitpersonen komplett ausgebucht – zumindest die Sitzplatztickets (!) für die Aula. Inoffiziell kann man aber dank dem Termin ruhig probieren, eine dritte Person einzuschleusen. Wer die Anwesenheitsquote der Freiämter Kantonsschüler für Schulanlässe am Samstagmorgen kennt, der weiss warum. Falls man den Weg in die Allmendstrasse zu dieser samstäglichen Herrgottsfrühe trotzdem nicht scheut, man denke daran: Der Lehrerparkplatz ist tabu! Seit den schriftlichen Prüfungen wissen wir, dass nichts so unsicher ist wie ein Schülerauto auf einem Lehrerparkplatz! Piraten-Parkierer werden unbarmherzig aus dem Maturagaudi in der Aula hinaus auf den Parkplatz beordert. Wenn die Fehlbaren dem Gebot nicht Folge leisten, dürfen ihre Autos ungefragt aufgebrochen und, im Umkreis von 500 Metern, umparkiert werden. Die eine oder andere Schlafmütze wird sich das nicht zweimal sagen lassen...

die akte t


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Zofingen

Der Aula-Wahnsinn Wie auch immer die Zofinger das gescha fft haben! In der Tat ist es dem Hauswa rten unglaubliches gelungen. Mithilfe einer noc h nicht vollständig erforschten, chemis che n Reaktion und einigen rudimentären Hilfsmitteln wie Schalungsbrettern, drei Metern Dra ht und dergleichen konnte das Team die Vertiefung im Aula-Boden in Nullkommanichts auff üllen. So dass es scheint, als wäre dort nie eine Vertiefung , sondern schon seit Urzeiten ein tellerfl acher Aulaboden gewesen. Dieser Special-Effekt könnte die kulture lle Abteilung unserer Freunde im Süd-We sten im buchstäblichen Sinne auf ein ungleic h höheres Niveau heben. Allerdings gibt ’s beim Umkehr-Effekt noch einige Schwierigkeiten. Jedenfalls lässt das nebenstehende Bild erkennen, dass die Neuerung eine famose Wirkung erzielt, selbst wenn gerade keine Auff ührung stattfindet.

Aarau

The root is on fire Die GV der Kantizeitung vom 5. April könnte für längere Zeit die letzte Versammlung an der Alten Kanti Aarau gewesen sein. Zwar haben sich mit Katharina Prautsch und Emanuel Staubli wieder zwei Redaktionsmitglieder aus der Alten Kanti an der Entwicklung beteiligt, doch sind schulinterne Redaktionen wie beispielsweise Wettingen und erstaunlicherweise auch Baden stärker vertreten. Bereits ist es am 7. Juni zu einer Kantizeitungssitzungspremiere in Wettingen gekommen und für das nächste Schuljahr gilt probeweise der Grundsatz: Die beste Redaktion holt die Sitzung in die eigene Kanti. Fest steht auch, dass unsere al-AKSA-Brigaden für ihre Sache kämpfen werden...

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Baden

Den Dealern auf der Spur Eine neue Droge kursiert in der Kanti Baden! Seit das Gebäude 1 mit einer kleiner Kochnische und integrierter Mikrowelle eröffnet wurde, sind immer öfter merkwürdige, aber gutriechende Düfte wahrzunehmen. Wenn man sich die drei Treppen des Gebäudes hinaufquält, erweckt diese Zauberluft neue Kräfte in den müden Körpern und verleiht ihnen beinahe übermenschliche Ausmasse! Doch was ist das für eine neue Droge, die auf so spezielle Art zubereitet wird und kleine ‚Poings’ und ‚Pengs’ in der Mikrowelle auslöst und in speziellen braunen Tüten geschmort wird? Die wohlklingende Melodie eines kleinen Feuerwerkes, die während der Herstellung dieser Illegalität ertönt, läst uns stille Geniesser immer wieder rätseln, welche chemischen Vorgänge in dieser Mikrowelle wohl vor sich gehen und warum sich dieser hochgradig effektive Stoff noch nicht in der Reihe der Designerdrogen etabliert hat. Es wird spekuliert, dass er aus Mais, ein bisschen Butter und Salz besteht und sogar in jeder normalen Küche hergestellt werden kann, wenn man nur diese drei Geheimzutaten zur Hand hat! Ob die Ausbreitung noch gestoppt werden kann? Wohl eher nicht...

e t k a t e i d Aarau

Akte Tee An der NKSA konn te sich der Tee-Sc hwarzmarkt erne brühte, aufgekoc ut etablieren. Sc hte, kleine Grupp hwarztee! Eine ab e revolutionärer an besonders ka geSchüler hat sich lten Morgen den im Heizraum eingen B oiler anzuzapfen Scheinbar werde istet, um und Tee in grösse n so Teile der Sc ren Mengen herz hülerschaft mit B Querdenker offen us illigtee versorgt. tellen. sichtlich das (ver Damit wollen die traglich geregelt Dass sie damit ge ju ng en e) Te gen die aktuelle e-Monopol der M n Regelungen ve ensa durchbrech „In erster Linie w rstossen, kümm en. ollen wir damit er er t die jungen Wilden kälteten Schülern mals nicht leiste w enig. helfen, die sich de n könnten“, argu mentiert die Teeb n teuren Mensa seit Mai auch Eistee oftande. Politische Tee ausgeschenkt Motive haben si wird, macht dies Die Mensaleitun e keine. Dass e Begründung al g will diesen Rege lerdings unglaubw lverstoss nicht hi se Massnahmen ürdig. nnehmen und ha angedroht. Dass t bereits rigorodie Teekocher de Becher verwende r Tarnung wegen n (die einen Dec Mensakel haben und da zimmern zugelass mit sogar in den en sind), ist in de Schuln Augen der Men Provokation. Verb samitarbeiter pu indungen zu illeg re alen, chinesischen nicht auszuschlie Teehändlern sind ssen.


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Wettingen

Teehüsli Gflüs c

hter

Wie wir alle w issen, ist Kiffen von Gesetzes ten. Doch in W wegen verboettingen genü gt ein vom Staat Verbot offenb erlassenes ar nicht. Neue rdings ist der U Konsumentinn mgang mit en von Cannab is auch in unse ordnung veran rer Schulkert. Da fragt m an sich natürlic Gründen, die zu h nach den einer solchen Massnahme fü könnte einerse hren. Es its ein Versuch unserer Schulle die Gerüchte, itung sein, dass beim Kon sum von Cann Schule allzu oft abis an unsere ein Auge zuge r drückt wird, e Schweigen zu ndlich zum bringen. Doch es kursieren a tungen, dass d uch Vermuieses Verbot n icht etwa gege lerinnenschaft n die Schüzielt, sondern sich tatsächlic Lehrerinnen ri h gegen die chtet. Diese sc heinen dem C nämlich auch a nnabiskonsum nicht allzu abg eneigt zu sein können auch si . Und natürlich e bei Verdacht auf Cannabisko Urinprobe aufg nsum zur eboten werde n. Es bleibt de schaft also nu r Le r zu hoffen, da hrerinnenss wir Schüleri tolerant ein Au nnen ebenso ge zudrücken werden, wie si getan haben. e es bei uns

Wettingen

Endlich ein Mittel gegen nasse Füsse Die Kanti Wettingen ist eine wunderschöne Schule. Die alte Klosteranlage ist malerisch und weitläufig. Dies führt dazu, dass die Wettinger Schülerinnen* entweder die besten Schuhe oder eine sehr gute Gesundheit besitzen. Wer schon einmal bei strömendem Regen von den Turnhallen zur Alten Spinnerei gewatschelt ist und dann verschwitzt und mit nassen Füssen im 4. Stock angelangt auch noch die Moralpredigt einer erzürnten Lehrerin über sich ergehen lassen musste, der weiss, wovon die Rede ist. Doch anscheinend gibt es eine Möglichkeit, wie diesem Übel ein Ende bereitet werden könnte. Die Schulleitung denkt nämlich über den Bau einer Passarelle nach. Der Weg über den Dächern unserer Schule soll vom Hauptgebäude über die neue Mensa bis zur Spinnerei reichen und wäre natürlich überdacht. Allen Pessimistinnen, die dem neuen Projekt eine Zukunft in einer verstaubenden Schublade voraussagen, sei gesagt, dass bei der heutigen Version (dank der Mensa als Mittelstück) der Preis tiefer und die Bauzeit kürzer ist. Wir können es also wagen, zu hoffen.

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Eigenartigkeiten Kuriositäten unseres Schulalltags Schüler, die jeden Tag den Bus verpassen, wenn sie nicht verschlafen haben. Lehrer, die jegliche Autorität verloren haben, sofern sie je in Besitz dieser waren. Rektoren, die vor Nervosität anfangen zu tanzen oder vergessen, wie man eine Rede hält. Jedoch besitzen nicht nur Personen ihre eigene Art: Dinge verselbstständigen sich, funktionieren nicht oder verwundern einfach. Annette Eckenstein, KSBA, G3a, hat sich gewundert.

Es ist früh am Morgen, im Halbschlaf möchtest du die Eingangstüre öffnen. Du ziehst, aber nichts rührt sich. Als du aufschaust, siehst du, dass die Türe daneben geöffnet wird. Mühsam zwängst du dich an der entgegenkommenden Person vorbei ins Innere. Eigentlich ist es nichts Neues; jene Türe ist noch nie aufgeschlossen worden, seit du an der Schule bist. Dennoch fragst du dich jedes Mal, warum du dich auch zu Stosszeiten durch diesen Spalt quetschen musst. Geschlossene Ausgangstüren kennen die meisten Schulen, so auch die Kantonsschule Wohlen, deren Neubau zwei Flügeltüren besitzt, von denen konsequent eine zu bleibt. An der genannten Schule gibt es ein Rondell, in dessen Mitte kein kleines, leises Geräusch klein und leise bleibt. Die ausgelösten Schallwellen werden von allen Seiten so zurückgeworfen, dass wahrlich jeder Anwesende mitbekommt, welche Töne im Zentrum hervorgebracht werden. Ein anderes Beispiel von Merkwürdigkeit zeigen Getränkeautomaten. Sie richten sich nach dem Motto „andere Automaten – andere Preise“. So ist es möglich, an der Kanti Wettingen 70 Rappen zu sparen, indem man das gewünschte heisse Wasser am richtigen Getränkeautoma¬ten herauslässt

und nur 30 Rp. bezahlt, anstatt einen ganzen Franken ausgeben zu müssen. Bleiben wir bei Getränken. Aus den Trauben auf dem Wettinger Gelände soll Wein hergestellt werden! Die Idee ist nicht ganz so absurd, wie sie im ersten Moment scheint. Dennoch klingt „Kantiwein“ irgendwie seltsam. Dass diese Kanti in älteren Gebäuden einquartiert ist, kann man nicht nur an den Gräbern unter dem Kreuzgang und an der Tatsache,

dass es überhaupt einen Kreuzgang gibt, feststellen, son¬dern auch an den Duschen. Sie sind vermutlich nicht ganz so alt wie das Kloster oder die Spinne¬rei, jedoch zeigen sie fortgeschrittene Altersschwächen auf. Meist reicht der Druck auf den Lei¬tungen nicht aus, dass mehrere Duschen zur gleichen Zeit einwandfrei laufen. Vielleicht wird mit ihrer Erneuerung gewartet, bis gar kein Wasser mehr fliesst. In Baden ist der Umbau gelungen. Er liefert das skandalträchtigste Beispiel von Eigenartigkeit. Im ersten Stock des Hallerbaus, welcher von Asbest befreit und renoviert wurde, brannte Licht und die Heizung lief – sonntags in einem menschenleeren Gebäude, dessen Fenster weit offen stan¬den. Eben eine ganz eigene Art, Energie zu sparen und die Umwelt zu schonen… Nachdem die Renovierung endlich abgeschlossen ist, lässt sich das Ergebnis durchaus sehen. Die Storen funktionieren so gut wie vor dem Umbau: Sie bleiben auf einer Seite hängen, stehen an oder können nicht vollständig gekippt werden. Seltsames lässt sich immer entdecken, ob ohne oder mit Erneuerungen. Es würde dich auch verwundern, wenn du eines Morgens ziehen würdest und die Türe ginge auf, während jemand aus der anderen Türe tritt.


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Emma wie noch? Jahr für Jahr werden an unseren Schulen fast so viele Maturitätsarbeiten (kurz MAs) produziert, wie es Viertklässler gibt. Selbstverständlich gibt’s unter all diesen Produktionen einige amüsante, die wir euch nicht vorenthalten wollen... Gesammelt und kommentiert von Marie-Louise Marbach, Kanti Wettingen, G3H

„Die öffentlichen Toiletten des Bezirks Zofingen - Ein Photoband“ ...gewiss eine sehr appetitliche Arbeit...

“Vermessung eines Teils des Hallwilersees“ ...wozu braucht es ein Topographisches Institut, wenn es Kantischüler gibt?

“Christliche Lobpreismusik. Vergleich von christlicher Lobpreismusik aus dem Popbereich mit nichtchristlicher Popmusik“ ...holy Jesus, ich bin leicht verwirrt...

“Energiekonzept für das Geografiezimmer P8“ ...jeder fängt einmal klein an...

“Verpackt“ ...worum es dabei gehen könnte? Um die Entwicklung von Verpackungsmaterial? Oder um die Nachfolger von Christo und Jeanclaude? “Züri brännt“ und ich war dabei“ ...wow, tönt kein bisschen schadenfreudig... “Verleiht Red Bull wirklich Flügel? Eine Untersuchung von Red Bull als Sportgetränk mit Verbesserungsvorschlag in Form eines eigenen Sportdrinks inklusive Produktgestaltung“ ...also der Titel hat keine Flügel...und Red Bull ist ein Sportgetränk? “Der Schlaf der Zofinger Kantonsschüler“ ...kaum aus Mangel an Forschungsmaterial... “Tagebuch - Der Film“ ...ist das jetzt ein Film oder ein Tagebuch? “Illusionismus“ ...die Arbeit ist nie in Zofingen aufgetaucht. “Einflüsse von Tee auf unseren Körper“ ...Tee verleiht Flügel... “Qualitätsuntersuchung von Papiertaschentüchern“ ...jaja, die Frage nach dem Sinn....

“Das Nichtausdrückbare in Wittgensteins Sprachphilosophie“ ...noch so eine Arbeit die nie erschienen ist... “Sinn und Aussagekraft von Umfragen und Statistiken in Maturitätsarbeiten“ ...eine ausführliche Umfrage mit Statistik, die erstmals bewies, das Umfragen und Statistiken in Maturitätsarbeiten unsinnig sind... “Warum verzeichnet die Universität Zürich einen stetigen Zuwachs an Jusstudenten“ ...das habe ich mich auch schon lange gefragt... “Nähen eines viktorianischen Korsetts“ ...ob sie das dann auch getragen haben? Und wo bleibt da die ‚Emma’nzipation?


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Ein heisskalter Comic von Marie-Louise Marbach


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e t e t ü l e Us

Vier Jahre sind genug – Eindrücke vom letzten „Schultag“

elebss auf, z s o r g n e dliche trumpf und frie ttinger Die We farbenfrohes in rieren e -Spektakel! te e t lü Use In Aarau wir d zudem im Flösserplatz gefeiert.

Die Wohle r Maskott chen Schn si posiere ü n nachde m sie den fi und Stupgen durch ganzen M die Klasse ornzimmer waren. gehoppelt

Feierlaune auch bei der NAKT-Redaktion. Gute bis ausgelassene Stimmung am Grillfest in Rudolfstetten. Das Wetter hielt und auch der Grillmeister hielt, was er versprochen hatte. Der Höhepunkt des Abends war jedoch nicht vom Grill. Mit panierten Auberginen an Essig zog Marie-Louise die Sympathien bis spät in der Nacht auf ihre Seite. Nicht zuletzt deshalb findet die nächste Sitzung ‚bei ihr’ in Wettingen statt.

Nächste Redak tionssitzung de r NAKT am 23. August 200 8, 9 Uhr, Kanti Wettingen, Raum H110 Kopf as auf den tw e r, e g ä tr KSA kleiosen Ein Paar H f die Nase. An der N au l. und etwas einfach, aber genia h ic s n det ma

Mehr im Forum unter www.kantizeitu ng.ch.vu


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Massanzug & Bordsteinkante DANACH

» Für die grosse Story Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der Weltwoche, über leidenschaftlichen Journalismus vs. Unternehmertum, Christoph Blocher, Angela Merkel, seine Zeitung und seine Wandlung vom linken Studenten zum bürgerlich-liberalen Missionierer. Im Zwiegespräch mit David Plaz.

Der 43jährige Teetrinker im Sitzungszimmer der Redaktion

Herr Köppel, Sie waren neulich bei Giabocco/Müller auf SF1 zu sehen. Und wieder hatte man das Gefühl, dass, wenn man Sie schon nicht missversteht, man Ihnen etwas in die Schuhe schieben möchte. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen? Ich zerbreche mir eigentlich nicht den Kopf darüber. Ich bin einfach einer der ersten Journalisten gewesen, der aus dem linken Mainstream ausgebrochen ist und etablierte Meinungen hinterfragt hat. Das fing schon als Filmredaktor bei der NZZ an, und hat seinen Höhepunkt darin gefunden, wie ich mich

erfrecht habe, George W. Bush oder gar Christoph Blocher entgegen der allgemeinen Ablehnungsfront positiv zu portraitieren. Da spielen auch intellektuelle Grabenkämpfe eine Rolle, die über solche Themen ausgetragen werden. Und ich sage Ihnen, für einen jungen Journalisten, der ich damals war, konnten die schon sehr heftige Ausmasse annehmen. Sie hatten je eine recht sprunghafte Karriere: NZZ, Tagi, Weltwoche, Die Welt, Weltwoche. Steht diese in einem Zusammenhang mit ihrem eigenwilligen Stil?

So sprunghaft war sie auch wieder nicht. Ich war sieben Jahre bei der NZZ als Sport- und Filmredaktor beschäftigt, dann sieben Jahre beim Tagi, wovon ich drei als Chefredaktor des Magazins und stellvertretender Chefredaktor des Tages-Anzeigers tätig war. Danach erst kam ich zur Weltwoche, worauf ich die kurze deutsche Episode einschob, die vertraglich ja eigentlich länger ausgestaltet war. Ende 2006 hatte ich aber die Möglichkeit, die Weltwoche wieder zu leiten, nur dieses Mal unternehmerisch. Meine Karriere war damit immer Ergebnis der Chancen, die ich genutzt habe, und


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wäre ich bereit, alles aufzuopfern! «

nicht so sehr das Ergebnis meines Stils gegen den Mainstream. Oft wird Ihnen Finanzierung durch rechte Kreise oder den Tessiner Finanzinvestor Tito Tettamanti vorgeworfen. Was ist nun ihr unternehmerisches Engagement bei der Weltwoche? Ich bin zu 100% Aktionär, zu 100% verschuldet und habe sogar Privatvermögen in die Weltwoche eingebracht. Lohnt sich das Investment? Wer die Weltwoche aufschlägt, dem fällt angenehm wenig Werbung ins Auge. Also, was heisst hier wenig Werbung!? Wir haben die Werbeeinnahmen gegenüber dem Vorjahr um 20% steigern können! Stellen Sie sich vor, übernommen habe ich die Weltwoche, als Sie 2.5 Millionen Franken Verlust machte, im letzten Jahr schrieben wir schwarze Zahlen. Unsere Umsatzrendite liegt bei 10%, und auch bei der Leserschaft gibt es einen Trend: aufwärts. 4% im letzten Jahr. Spüren Sie zwischen dem Journalist und dem Unternehmer in Ihnen keine Zielkonflikte? (lacht) Nein, der Unternehmer in mir sorgt einfach dafür, dass die Zeitung nach unternehmerischen Gesichtspunkten geführt wird. Das Problem ist: als leidenschaftlicher Journalist wäre ich sofort bereit, für

eine grosse Story alles aufzuopfern. Daher muss der Verleger in mir dafür sorgen, dass er solche Schwärmereien dämpft. > Da parlieren wir beide also im Sitzungszimmer neben seinem Büro. An der Wand hängen die Poster, die die Stil-Kolumne von Alex Sharkey begleiten. Unglaublich schöne Menschen in Überlebensgrösse in der sonst so schlichten Redaktion. Graue Teppichböden, weisse Wände, kreatives Chaos im grossen Redaktionszimmer. Es wirkt fast so, als würde sich das Interieur der fünften Etage des grauen, modernen Bürogebäudes im Design der Weltwoche fortsetzen: Kein Schnickschnack, schreiben was ist. Auch wenn’s weh tut. Von einem „grossen Jungen im Anzug“, wie Köppel in einem Artikel vom Berliner Tagesspiegel aus dem Jahr 2003 beschrieben wird, kann keine Rede sein. Mir gegenüber sitzt ein Mann, der eine Mission hat, der kämpft, und den das Kämpfen hart gemacht hat. Und er kämpft schon lang. < Wie sind Sie eigentlich zum Journalismus gekommen? Angefangen habe ich schon vor dem Studium als Lokalreporter beim Zürcher Unterländer, bin dann parallel zum Studium in die TagesAnzeiger Sportredaktion hineingerutscht, und 1987 bin ich darauf aufmerksam geworden, dass man bei der NZZ einen Sportredaktor

sucht. Während des Studiums habe ich aber auch einmal für die ZS geschrieben. Stichwort Studenten: Wie erklären Sie sich, dass man als WeltwocheLeser an der Uni fast wie ein Aussätziger behandelt wird? Ihr Unimarketing ist, gelinde gesagt, mangelhaft. Nun, die Weltwoche hat sich nie irgendwelchen Zielgruppen angebiedert. Ja, wir schreiben kontrovers und vielleicht ist die Situation an der Uni so, dass die Weltwoche heute dort ist, wo die NZZ in den 80ern war. Eben bürgerlich, darum vielleicht verpönt, aber als intelligentes Debattenorgan auch respektiert. Was gibt Ihnen denn den Drive, sich ständig gegen den Mainstream zu stellen? Im Journalismus gibt es diesen unsäglichen Herdentrieb, alle rennen in die gleiche Richtung. Es muss doch einen geben, der dagegen hält und rationale Argumente präsentiert, wenn der Rest der Welt diesen und jenen in den Himmel hebt und einen anderen dagegen als den Allerletzten verurteilt. Also von der These über die Antithese zur Synthese? Ja, das ist schon ein dialektischer Approach.


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Ist die Redaktion der Weltwoche in sich auch so dialektisch? Kritiker - und derer gibt es genügend - meinen, Sie hätten unliebsame Journalisten aus der Redaktion entfernt. Sicher, es hat schon einige Ab- und Zugänge gegeben; ich meine, wir waren tief in der Verlustzone und die Redaktion war schlicht zu gross für die Zeit der Wirtschaftskrise. Die Weltwoche ist aber viel offener als man meint. Als ich damals Mörgeli neben Bodenmann gesetzt habe, war das ein Affront! Wir bringen auch viele linke Journalisten bei uns, doch häufig sagen diese: Nein, für die schreibe ich nicht, bei denen will ich nicht erscheinen! Ich persönlich finde das schade, denn ich bin sehr interessiert an der Debatte. Ein Journalist muss doch die besten Argumente aufspüren und sich nicht hinter einem politischen Trachtengrüppli verstecken. Aber oft darf man die Tatsachen ja gar nicht mehr beim Namen nennen, man wird sofort in eine Ecke gedrängt. > Wer dem Mainstream in der Konkordanzdiktatur nicht folgt, wird schnell angefeindet. In persönlichen Gesprächen, die ich vor und nach dem Interview mit Freunden führe, wird genau dieser Sachverhalt immer wieder lamentiert. Die Schweiz sei ein Land der Mediokrität, ein Mann wie Blocher (auf welchen wir noch zu sprechen kommen) oder ein Mann wie Köppel ist gut beraten, nicht zu polarisieren. Doch ist es nicht gerade das, was die politischen Positionen im Land abbildet, ist es nicht das, was den Mehrwert der Weltwoche als Wochenzeitung ausmacht? Um in „ausgefahrenen Gleisen“ zu fahren, braucht es keine Weltwoche, meint Köppel, und beweist mit steigenden Leserzahlen, dass er so falsch nicht liegen kann. < Oder?

Ich sehe Sie ein bisschen in der Tradition von Tina Brown, gefeierte Chefredaktorin des New Yorkers, die in einem Interview mit Ihrem Magazin postulierte, eine Wochenzeitung müsse sich positionieren, um wahrgenommen zu werden. Nun steht das aber in scharfem Kontrast zu dem was Kurt Schildknecht, ebenfalls in Ihrem Magazin, behauptete, nämlich dass es gerade die neutralen Medien (20min, News etc.) sind, die florieren. Die einzige Linie auf die sich die Weltwoche festlegen liesse, ist die, dass sie gerne überrascht. Ständig die gleiche Position zu beziehen ist langweilig, und ein Kampfblatt für eine Partei wollte die Weltwoche nie sein. Nur, als intelligentes Blatt muss die Weltwoche eine gewisse Stringenz in ihrer Argumentation bewahren, ein „Economist“ wird auch nicht von heute auf morgen die Marktwirtschaft verurteilen. So ein Kurs wird schnell unglaubwürdig.

Politisch aktiv oder nur die Nestwärme spürend? Ich hatte eigentlich schon als Schüler eine Abneigung gegen politischen Aktivismus. Man ist einfach ein bisschen pro-Öko, ziemlich antiBlocher gewesen, und die Schweiz war für uns so oder so ein „Auslaufmodell“.

Die Weltwoche ist aber bürgerlich und liberal, daran gibt es keinen Zweifel. Sicher, aber als solche müssen wir für jede Debatte offen sein und auch denen eine Plattform bieten, die uns nicht schätzen.

Wann vollzog sich Ihre politische Wende? Endgültig wohl als Chefredaktor vom Tagi-Magi. Wenn man um Inserate werben muss, kommt man zwangsläufig mit den unternehmerischen Sphären in Kontakt, und für mich mit meinem linken Background war das wie eine neue Welt. Ich stellte dann schnell fest, dass meine Ansichten wohl teils ziemlich illusionär gewesen sein müssen.

Waren Sie immer schon bürgerlich und liberal, oder anders gefragt: Was hat Sie bewegt, als Sie rauchend aufs Tram fürs Feierabendbier nach der Vorlesung gewartet haben? (lacht) Ich habe nie geraucht, und trinke auch nicht. (Ich muss hier nachhaken, das sprengt meinen Vorstellungshorizont) Neben dem Studium habe ich viel gearbeitet, habe mich intensiv mit Film, Musik, Sport und Kultur beschäftigt, worüber ich letztlich auch geschrieben habe. Aber ob Sie das glauben oder nicht, ich war relativ gut integriert in den linken Kreisen damals.

> Roger Köppel konnte dieses Weltbild sogar gegenüber dem intellektuellen Druck des Wirtschaftsgeschichtsstudiums verteidigen, obschon er sich als „intellektuell sehr neugierig“ bezeichnet. Die Aufzählung der Professoren, Autoren, Philosophen (Braun, Habermas, Lübbe, Schmid; Infos hierzu unter www. akademikerzeitung.ch), die ihn während seiner Studienzeit inspirierten, nachdenklich machten, bestätigt sein Selbstbild. Er ist immer noch leidenschaftlicher Leser, ein Eklektiker, der aus Versatzstücken mit Hingabe etwas Neues, Ganzes formt. Und das, sagt er, versucht er auch


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mit der Weltwoche. Und schiebt in einem Nebensatz ein, dass er es traurig findet, immer wieder auf Blocher reduziert zu werden. < Sie wollen aber nicht behaupten, dass Sie Blocher nicht wenigstens inspirierend finden? Ich habe Blocher bei einem Interview für eine amerikanische Studentenzeitung kennen gelernt. Er hat mich tief beeindruckt, wie er denkt, wie er argumentiert, was er macht. Und da merkte ich, das wird mir übel genommen. Man sagte, es kann doch nicht sein, dass ein seriöser Journalist Blocher gut findet. Sicher, auch er hat Fehler gemacht, doch die machen wir alle. Die ganzen Anfeindungen, die mir deshalb zuteil wurden, habe ich dennoch nie ohne Humor genommen. Wenn selbst Grössen wie Frank A. Meyer Briefe zu mir ins Büro schicken, kann man nur sagen: Viel Feind, viel Ehr. … und viele prominente Interviewpartner. Neben Blocher waren da Kissinger, Vaslav Klaus, Barroso, Gerhard Schröder, Angela Merkel. Ein paar Worte … … zu Roger Schawinski Ich bewundere ihn für seine unternehmerische Leistung, und wir sind wohl häufiger einer Meinung, als wir manchmal öffentlich zugeben wollen. … zu Angela Merkel (die er als Chefredaktor der Welt einmal interviewte) Hochintelligente Frau! Sie ist eine echte Risikoeinschätzungsmaschine, und obwohl ich keine Indizien dafür habe, bin ich doch davon überzeugt, dass sie das richtig machen wird, wenn auch vielleicht über Umwege. Deutschland hat viele geschichtliche Altlasten, die sich nicht einfach so wegfegen lassen.

… zum Bundesrat: Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Regierung ein bisschen verwildert. Calmy-Rey bringt es fertig, uns mit ihrer Aussenpolitik zum Pariastaat zu machen, Leuenberger betrachtet als Gast das Desaster, das er selbst angerichtet hat, Couchepin sinniert über die Achse Mengele-Mörgeli und die zwei SVP-Bundesräte haben sich selber in die Peripherie manövriert. Gott sei Dank ist die Schweiz nicht auf eine starke Bundesregierung angewiesen. Wenn jetzt jemand käme und sagte, „der Köppel, der ist keine Edelfeder wie Urs Paul Engeler oder Michèle Roten“, was sagen Sie denen? Ich bin sicher kein Hyperstilist, ich bewundere das immer bei anderen. Aber ich kann einigermassen klar schreiben, Sachverhalte analysieren und verständlich machen. Und: Unausgesprochenes spreche ich an, wie der „big snorting elephant“. Ich werde einfach angezogen von den kontroversen Themen. Ich kann auch Werbekunden vom Konzept der Weltwoche überzeugen; in einem schwindenden Markt ist das vielleicht wichtiger als der lockere Umgang mit der Sprache. Was sind denn die Ziele für die Weltwoche in der nächsten Zeit, wohin geht die Reise? Die Reise geht immer über die nächste Ausgabe, und da müssen wir uns fragen, frei vom technokratischen Leserbegriff: Wird das spannend, interessiert das die Leute? Klar wollen wir organisch wachsen, klar muss unser Internetauftritt verbessert werden, aber das Konzept Unabhängigkeit, Nonkonformismus und eine Mischung zwischen aktuellen, kontemplativen und recherchierten Themen wird sich ganz sicher auch in Zukunft bewähren.

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> Damit ist für mich wie für ihn das Gespräch beendet. Mir sind die Fragen ausgegangen, er hat gleich ein wichtiges Telephon in der Leitung. Fürs Photo zwischen vier Frauenbeinen findet er noch Zeit. So verlasse ich die Redaktionsräume der Weltwoche und bin mir bewusst, dass ich vielleicht eine der wenigen sein werde, die Roger Köppel positiv zu portraitieren versuchen. Schon wähne auch ich mich auf der Seite gegen den Mainstream, auf der Seite Davids gegen Goliath. Falsch fühlt es sich jedenfalls nicht an. Und ist es nicht schön, aus der Position des Underdog zu überraschen? <

Das Interview führte David Plaz, Chefredaktor der Akademikerzeitung (AkZ), im Rahmen einer neuen und äusserst erfreulichen Kooperation zwischen der NAKT und der AkZ. Diese erscheint 4x jährlich und kann auf ein sehr talentiertens Redaktionsteam zurückgreifen. Die siebte und aktuelle Ausgabe widmet sich unter anderem dem Bankgeheimnis, überrascht aber auch mit intelligenten Selbstreflexionen, guten Insider-Tipps und hochkarätigen Interviews. Bestes Beispiel ist der vorliegende Artikel. Die Redaktion der NAKT freut sich auf die kommende Zusammenarbeit in Form eines regen Artikelaustausches und wünscht der AkZ weiterhin gutes Gelingen!


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Kunterbunt & Koloratur DIVERSICUM

Riley Haley was weird.

According to Miss Bringsdale he wasn’t weird; he was just special, distinguished. Which sounded, analysing the tone of her voice and her eyebrows going all the way up her front, like a synonym to it. Riley Haley was weird on his first day at school when he came in and Miss Bringsdale was trying to introduce him to a bunch of grade four kids, but all he did was walking straight up to the second row, stopping in front of the place where Stefanie Laurel had been sitting since grade one. So he threw his backpack on the table and said: “That’s the place where I am gonna sit from now on, c***.” Putting his hands on the edge of the desk, he stared without blinking at Stef, her blue eyes and her blonde hair, a little girl – superficially clichéd – she looked like she couldn’t kill an ant but the kids in the room knew better. So the class went dead quiet, you could only hear Steven’s hiccup which was always present when he was nervous and he was unfortunately always nervous. Nobody knew the last word he had said, except maybe Miss Bringsdale but that didn’t count, she was older. But surprisingly, Stef knew exactly what it meant. Maybe because of her father, they said afterwards; who knows if it is because of Joe, him always coming home drunk from Meagan’s Pub and maybe calling her all those names. So Stef got up, swinging her tiny hand through the air, placing it tremendously accurate on Riley’s

cheek, one finger even landed in his right eye. “You deserved it, s***!” she said, sitting back down on her chair, curling one of her buckles. Riley was just standing there, a copy of Stef’s hand perfectly visible on his cheek. Then suddenly he turned around, ran through the rows of chairs, opened the mealy window and jumped out. The class room was on the fourth floor. After having a rose bush saved his life, Riley was back, slight hand copy on his cheek, scratches and thorns all over his arms and face so that Stef’s hand was actually almost covered by scratches, and he became best friends with Stef. It wasn’t the typical friend-friend kind of relationship that people are used to from ten-year-olds; it was more a bossemployee relationship where it was Riley’s verdict to run for about everything Stef wanted, being this a piece of gum, a math test in Mister Perry’s class the next day or the keys to his dad’s car. Then Riley wrote this play, and even Mister Cunningham who was the English teacher was thrown off by it. Nobody even knew he was writing, and even less could write for he was always using street language and every second word coming out of his mouth was a swear word. But he did, anyways, and the play was, let’s say, weird, if not distinguished,

or special. It was the story of a guy that liked to walk on his hands so that he could see the world upside down because he wanted to try to ignore or weaken the problems of today’s society. So he got a lot of muscles in his arms, and one day his phys-ed teacher offered him free lessons at his box club where he then was exercising all day after school. He stopped walking on his hands and he stopped seeing the world upside down and all he could still see was the punching bag in front of his eyes or his combatants face in a fight. His world got small until it was just happening in the boxing ring. That’s when he lost touch with everyone else and his mother - who had been the only one supporting him with his point of view - divorced from his dad who was the CEO of a huge pharmacy company and went away to Alaska where she married a native and never came back. His dad was so upset about the loss of his wife that he killed himself taking exactly twenty-two pills of “Phorphetamine extra strong”, the drug he became famous for. The cleaning lady found him two days later on his bed, a book lying across his chest. The book was called “What do we know about the Inuit?”, open on page sixty-four. That was the plot anyway, so at first the teachers were kind of controversial. They said it didn’t belong in primary school; but then they showed it to the drama teacher and


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Kunterbunt & Koloratur

Written by kloqué

he said if he couldn’t put on that play he would quit the school and go to Alaska and never come back again. So they said yes, he could do it; because the drama teacher was the best teacher they had at school. They worked on the play for three and a half months, mothers sewing oodles of costumes for the kids who got a supernumerary role, they glued and cut and drilled the props. They made cakes and coffee to sell for on the nights of representation. It was March 29 when at exactly seven o’clock sharp the curtain should fall for the first time. There was a huge mess behind the stage, everyone looking for his or her costume, not finding a hat or having a safety needle pricking in the back and it was on the climax of this chaos when Riley stood up on a stool. Nobody noticed him at first but then he shouted “Guys!” and the room went quiet. He turned around about his own axe once and said: “Don’t bother about the costume, guys. Just don’t put them on.” Homer Mackenzie who was the protagonist because he had a lot of muscles from playing football all the time forgot to hold his pants up so that they fell down and everyone had free sight on his pinkish underwear which used to be white until his mom washed them with red stuff and for which he was so ashamed of that he hoped to God no one would be seeing them. But they all did and still nobody said one word. “I want you to go on that stage

without wearing clothes”, Riley repeated in a calm tone but one could still hear an ounce of demand in it. “Riley”, Mister Hover the drama teacher began cautiously for he knew of Riley’s temper. “Riley”, he repeated, “just calm down. Everyone now should be putting their clothes on and go on that stage. We’ve got ten minutes left.” “NO!” Riley shouted louder than expected so Sharon winced and lost a piece of fur from her Inuit costume. “If you don’t I will be running out there and yell at the people to go home and if they don’t leave I will go down in the basement and turn out the fuse so that this place will go dark till tomorrow.” Hover - who sometimes had a weak temper and a slow reaction time and absolutely no experience in treating weird kids because they usually behaved well in his class - started to shake a little bit and especially his hands trembled, sparsely in the beginning and then heavily. That was the time when Stef stood up, she was one of the boxers that had to fight against Homer because of a lack of men in the play. She just stood there and said with a firm voice: “Riley, just shut up and don’t behave like a child. I’ve got a weird birth mark on my butt and I really don’t want everybody to see that one tonight. Furthermore we put so much effort into these costumes so we want to present them to the people. You could have said that you want us to play naked in the beginning then we wouldn’t have had

to bother about making all them.” Then she turned around and helped Sharon fix the fur back on. So Riley didn’t know what to do anymore. He just turned around and left the room, going into the nowhere. Ten days later he came back, having missed two incredibly good performances. He never mentioned the play again, refused to give an interview to the local newspaper and one night he broke into the school, stole the costumes and burnt them on the field. He just left one note on the piano. “I should have done this before”, he wrote, leaving some of the ashes from the fire right beside. Riley grew quiet after that, still following Stef around who became more and more like her father; getting drunk not only at the weekends but also during the week where she enjoyed a beer or two in front of the TV. Her curly blond hair became straight and she stopped washing it so it hung greasy and lanky from her head. That was about the time when she had her first steady boyfriend after functioning for months as the local town mattress. They went out, did what the other kids were doing, hanging out in the centennial hall, driving up and down the main street in Stef’s old car that she had inherited from her dad, listening to loud music in the front porch. And Riley was always there too, sometimes without even being noticed by them. He used to hide in the luggage compartment once when they drove to the movies,


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lying squashed in there, trying to open it up by himself which turned out to be quite difficult, frankly said impossible so that he had to wait for them to come back. Then he hollered, shyly at first and then louder and when he was screaming his lungs out, the trunk door finally opened and Stef’s face appeared and all she said was “Jesus Christ, you are such a child”, helped him out of there, shut the door closed, got in the car and drove away, high speed, while Riley could still hear the penetrating sound of their laughter. He was left alone, a freezing wind blowing around his head; and not knowing where he was, he felt even sadder and all he could do was setting one foot in front of the other, trying to make his way back home. He came back at four in the morning, his clothes and shoes being soaked from the rain pouring from the sky. He lay in his bed, not caring about his wet clothes, just for being woken up three hours later from the ringing of his alarm clock. It was seven o’clock, the time when he always got up, every single day of the week. He went to the window, looked at Stef’s house across the street where the lights were still dark. So they were still sleeping, he thought, walking into the bathroom. He felt like he was going to be sick, threw in a couple of aspirins and observed his face in the mirror. Haven’t changed much since grade four, he thought brushing his teeth, watching the white foam running in a little thread down his chin. He was standing by the window when the door to Stef’s house swung open, Stef herself stepping outside only wearing her underwear and a long T-Shirt, followed by Dan. She looked up and saw him staring at her, waved her hand as if she had forgotten last night. “Come here!” she shouted. Riley nodded, threw him-

self in a fresh shirt and ran down the stairs. When he arrived at her garden fence, she leaned across and kissed him on his cheek, the same cheek she had slapped a few years ago. “What are you up to?” she asked in an amicable tone. “Not much”, he said, adapting to her way of speaking. “I heard your mum was baking last night…” she looked at him, her glance demanding in an attractive way. “Yeah”, Riley muttered, “she did some kind of chocolate cake.” “Don’t you want to go and get us some?” she asked, looking to her right side down the street for only less than a second. “Now?” he asked. “Now”, she said, pushing him away from the fence so that he stumbled into the street and he didn’t even have the time to see the car coming from the right, the old reddish pick-up truck that was coming up the road and he didn’t see that it was Stef’s dad driving, coming home after a long drunk night in Meagan’s Pub. He just felt nothing. Stef was standing there, Dan’s arm around her waist watching Riley flying through the air and then she turned to Dan, kissed him and said: “I would really love to taste that chocolate cake Mrs Haley has made, don’t you too?” Dan just stood there and all he did was nodding with his head but not because he fancied the chocolate cake but because of Riley falling and all he did then was passing out, right into the rose bush behind him.


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Es freiämterdüütsches Gschechtli Erzählt von Julia Schumacher feat. Kerstin Burkard, Kanti Wohlen 4A. Inspiriert von Franz Hohler. Für Nicht-Freiämter: Honig Hong: Rösti Broisi: Häugeli: Kreuzchen, Totenbildchen Marienstöckchen Häugestöckli: Sack, Tasche (Kleider) Bomper: Hosentasche Hosebomper: kleckern göddere: Kaubonbon Schegg: kleines Bonbon Scheggli:

gootsche: überschwappen Ägerscht: Elster lööte: trinken ohne zu schlucken Bränte: Milchkanne Fläre: Blauer Fleck chörble: hervorbrechen weisse: vor Schmerz quieken chäsperle: intensiv flirten Schesä: hinterhältiges Weib

Vor ned allzu langer Ziit esch de Walti amene laue Früehligsmorge met de Händ im Hosebomper dornes chliises Freiämter Dörfli gloffe. Es esch ned öppe es normals Dörfli gsi, näi, Boiu hed’s gheisse. Wössider, det bi Wittu ond Buttu zue... Am Vortag hend’s im Radio no gseid gha, es täch am nöchste Tag chuute ond tue, wie mer’s no nie vorhär gseh heig. Drom esch de Walti omso heiterer gstemmt gsi, well d’Sonne so rechtig schön vom Hemmel gschone hed. Guet, zode Heiterkeit hed au d’Tatsach biitreid, dass de Walti am Vorobig nochem Wätterbrecht rächt eis glööted hed ond det drufabe össerscht fröhlech esch go pfuuse, nochdem er sech vom Fruscht erholt gha hed. Well er ned nor es Gläsli, sondern e ganzi Bränte voll gha hed, send die eint oder andere Promill emmerno i sim Bluet omegschwaderet... Grad i dem Momänt, wode Walti met sim Schegg e Blootere gmacht hed, hed de Schatte vonere Ägerscht sis Gsecht gstreift. Das muess es Zeiche sii, hed sech de Walti dänkt ond hed det drufabe am Bronne im Cherchfäld en Frau erbleckt. Sie hed gweisset, wie’s de Walti no nie vorhär vomene Mönsch ghört hed. Er esch zonere äne ond hed met Erstuune feschtgstellt, dass er die Frau no nie in Boiu gseh hed. So öpis, bi eus z’Boiu, es onbekannts Gsecht! Sie sigi neui do, hed sie gmeint. Det drufabe hed sie zönftig omepfoderet ond meteme Scheggli im Muul omepfnätschet. Sie sigi am ganze Körper voll Fläre, well sie

Ribiise: hinterhältiges Weib Schnoderlompe: Taschentuch Grossmuetter: Fonduebodenkruste pfnätsche: schmatzen pfodere: meckern Lädi: Latzen chutä: stürmen

usgrötscht sig. Ergend sone Schnodergof heig do am Bronne omegootsched, dass de ganz Bode gschlefrig worde seig. S’sigi ächt zom chörble! Zerscht hed sech de Walti dänkt, das sig jo e rächti Scheesä, aber im Grond gno esch er scho emmer of derartegi Ribiise gstande. Drom heder ehre si Schnoderlompe änegstreckt ond gmeint, sie söll sech met dem abtröchne. Det drufabe hend die beide metenand afo omechäsperle, dass mer scho bald bes of Buttu öbere d’Hochziitsglogge ghört hed lüüte. De Hürotsatrag hed de Walti ehre bimene Fondueässe nochem Höck vom Tornverein gmacht. Sie esch grad dra gsi, d’Grossmuetter usem Gagglon z’chratze, wo de Walti metem Lädi ome Hals om ehri Hand aghalte hed. Das sig jetz au gar en onpassende Momänt, d’Grossmuetter sigi s’Bescht am Fondue! Aber guet, wenn er meini, er sigi jo scho en Zwääge. Bim Hochsig ide Boieler Chele hend sech de Walti ond sini Frau gägesiitig es Häugeli öberreicht. So wie’s halt Gang ond Gäbe esch z’Boiu. De Walti hed mol vo eim ghört, wo verzellt hed, dass die z’Muri onde enand Reng asteckid bim hürote. Sache get’s, die get’s gar ned. Z’Boiu ämu ned. Bim aschliessende Fäschtässe – Broisi met Hong, wie sech’s ghört – hend alli wonderbar gödderet met em Wii. So rechtig schön heimelig. Bald esch bim Walti sinere Frau de erscht Gof onderwägs gsi. Weiss Gott, wievell’s inzwösche send. Ond wenn’s Gott ned weiss, de weisses secher ganz Boiu.


POESIE

Folgerichtung „c“ (läppische Handbewegung) „ch“ (verschämtes Lachknirschen) „ich“ (verhaltene Streckbewegung) „dich“ (leichtes Vorbeugen) „dicht“ (sanftes Zusammenzucken) „dichte“ (leises Wortgeflüster) „Dichter!“, ruft er, „Ich, der Dichter!“

Für keinen Augenblick Manchmal bin ich gern der Regen denn dann hat mich jemand lieb Manchmal netz ich gern dagegen kleines Spielsandkastensieb Manchmal leucht ich gern im Mond denn dann schaut mich jemand an Manchmal bin ich gern der thront und über andre fallen kann Manchmal bin ich gern Genuss denn dann zollt man mir Respekt Manchmal schwimm ich gern im Fluss der weiterfliesst Vertrauen weckt Manchmal werde ich Ungetier denn auch Gefahren können mir Mir nicht dir nur mir nichts schaden wie leicht verlier ich Kameraden Manchmal geh ich tief in mich denn für keinen Augenblick Meine Ruh kehrt endlich ein zisch nur Ich mein heisser Stein

Die Alten und die Jungen »Unverständlich sind uns die Jungen« Wird von den Alten beständig gesungen; Meinerseits möcht ich‘s damit halten: »Unverständlich sind mir die Alten.« Dieses am Ruder bleiben Wollen In allen Stücken und allen Rollen, Dieses sich unentbehrlich Vermeinen Samt ihrer »Augen stillem Weinen«, Als wäre der Welt ein Weh getan Ach, ich kann es nicht verstahn. Ob unsre Jungen, in ihrem Erdreisten, Wirklich was Besseres schaffen und leisten, Ob dem Parnasse sie näher gekommen Oder bloß einen Maulwurfshügel erklommen, Ob sie, mit andern Neusittenverfechtern, Die Menschheit bessern oder verschlechtern, Ob sie Frieden sä‘n oder Sturm entfachen, Ob sie Himmel oder Hölle machen E I N S läßt sie stehn auf siegreichem Grunde: Sie haben den Tag, sie haben die Stunde; Der Mohr kann gehn, neu Spiel hebt an, Sie beherrschen die Szene, sie sind dran. (Theodor Fontane)

Verfangen im Leben wie Zweige im Fluss Nimm die Nacht Nimm ihr volles Dunkel Nimm ihr jeden Sternenfunkel Nimm ihr allen Mondenschein Und fühl dich in der Nacht allein Schauderlicht Wie siehst du nicht Wie der Fluss spricht Gib mir die Nacht Gib mir das Dunkel Gib jeden deiner Sternenfunkel Gib allen Mondenschein Und werfe dich in mich hinein Wunderlicht Wie schmilzt du nicht Verbleibst so dicht Bist schlicht

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Eichenlaub & Kirschbaumblüte


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Kunterbunt & Koloratur DIVERSICUM

Titelsucher im weiten Web Weil an der Redaktionssitzung aus Zeitmangel nicht endgültig über den Titel entschieden werden konnte, führte die NAKT-Redkation bis zum Redaktionsschluss eine zuweilen knüppelhart kontroverse Diskussion um den Titel der vorliegenden Ausgabe. Ob wir richtig entschieden haben, sei dahin gestellt. Mangelnden Einsatz kann man uns, zumindest bei der Titelfrage, jedenfalls nicht vorwerfen. Bemerkenswerte Foren-Vorschläge in chronologischer Ordnung.

„Bricks in the Wall“ „Die Kanti und ihre gebrochene rationale Funktion“ „Mit Ecken und Kanti“ „mehr als kanti erleben“ „mittel.schule“ Und „mittel(punkt)schule“ stiess auf grossen Anklang. Alle lehnten sich zurück. Irgendjemandem hat das aber gar nicht gepasst. Nachts um 3 Uhr entstand deshalb der nun folgende Beitrag:] äääh.. de titel isch schwachsinn, wemmerem öpperem zeigt, dänkt er sich zersch mal äääääh, wasch de daaas, mh, supper mittel punkt schule, grml... chömemer uf nüt gschiiders, isches das scho xi? kantischüeleriistellig, ich ha die au... nur ke kritik üssere, nur keni iistecke oder aaneh... ich kontere kritik, wenn nötig... wie wärs mit: „Spott on!“ - „Jööö, e Kanti“ - „Kack Kanti“ „Krümelmonster Kantikäse“ - „Kantikrümel“ - „Das Kanti-Quadrat“ Ich ha ned mal zwe Minute gha zum die Sache anezschriebe, also mached euch mal chli Gedanke! GEEDDAAANK-

KEE!! Sorry, das gaht überhaupt gar ned gäg dich. Nur gäg die verbreiteti Weichspüelkritikiistellig! Positiv wie negativ! nomal Idee: „Kann man Kanti kochen?“ - „Killen Kanti-Kantinen Kaninchen?“ - „Hurra, hurra, die Schule brennt!“ - „Schule und Sühne“ - „zur Schule“ - „Zur Schule links abbiegen!“ - „Rechte Facts zur linken Schule“ - „Haben Linke Rechte?“ (Ned ganz ernst gmeint, aber kreativ...) „Kopf, Körper, Kanti“ - „Mittelschule, Mittelmass“ - „Abführmittelschule“ - „Gehirnwaschmittelschule“ - „Geschirrspülmaschine“ (haha) - „Interkantinental - Rechts und links der Mittelschule“ - „Känguru - wo die Kanti hüpft“ - „Kwasi Kanti“ - „Quanti Kanti?“ (was heisst quanti?) - „Schulöwel und Kantiger“ - „Verkantet oder verkannt? Mittelschule im Porträt“ - „mittel . schule - Keiljungfer, Knabenkraut, Kleeblätter“ - „Kantibunter Kummerhaufen“ - „Villa Kunterbunt - die Façons der Mittelschule“ - „Ave Matura - morituri te salutant!“ Gooooootttt, da gibts so viel... Wir haben etwas und geben uns zufrieden. Ich könnte mich Ohrfeigen. Aber ich werde euch Feige feige Ohrfeigen, sollte

ihr feige Kritiken oder feigerweise keine neuen Kombinationen kreiieren. „Création Kanti - Es ist angerichtet“[...das brachte die Diskussion wieder in Gang und es hagelte neue Vorschläge: „52 Seiten Tipps und Trost für Vollzeit-Schüler“ „Pikant - Vollzeitschüler trösten sich! „ „Ave Matura - Kanti kommt, Kanti geht“ „Schule und Sühne“ „Mittel.Schule - Sleep tight ya Morons! „ „Ausgeliefert: PiKantes aus dem Alltag eines Vollzeitschuelers“ „Von Ausbildung und Einbildung“ „Ave Matura - Hin und wieder hin und weg! „ „Ave Matura - Gemeinsam durch Säuren und Basen“ „Mutter Kanti - eine Hassliebe“ „Die AufKläranlage“ „Kant(ons)schule - Der Weg in die Unmündigkeit?“


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T-fotoumfrage Frage an SchülerInnen der Bezirksschulen:

Was hast du den Kantonsschülern zu sagen?

Tamara, Bez Mutschellen : Sarah, Bez Wohlen

:

Möcheders eifach w iller nüt bessers wüssed?

Ich hoffe, dass ier de Kantiabschluss schaffed – und gross usechömed!!

Ueli, Bez Bremgarten : Viel Spass idene vier Joor!

Julia & ihre beinharten n Kolleginnen, Bez Mutschelle : Ich muss für min Bruef id Kanti – das schisst mi aber r aa! Mier gönd eifach ned seh gern id Schuel. Fast alles wo ig! üss mer lehred, isch überfl in, & Benjam Roberto len : Bez Woh pt? überhau ti n a K d s Bringtse

Mike und Alessandro, Bez Mutschellen : Kantischüeler? Das sind zielstrebigi Lüüt, wones Ziel verfolged! Vieli chönd sich aber au eifach ned entscheide...


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T-fotoumfrage Frage an SchülerInnen der Kanti Zofingen:

Was hast Bezirks zu

Claudio: Sgit nüt zum Angscht ha, chömed nume…

Eve-Anne & Pia: Sgit kein Grund ned ad Kanti zgoh. Es öffnet eim viel Türene. Me hed viel Freiziit, viel Ferie, s’isch ned so sträng…

Marlies Ryser (Mensa Aussenposten): Melissa & Minc:

Sgit äuä nümme so lang da usse so feini Pizza Margerita, obwohli es paar tolli Stammgäscht ha. DLüüt chöme gern zu mir, dir hoffentli o!

Ier setted euch eifach sicher si, was mache nacher! Zviel Lüüt hend eifach nur dKanti gno und wills ned gwüsst hend, was mache. Aber aso dKanti isch gar ned so schlimm und me wird sälbstständig.

Michi:

Rachel & Larissa: Im Grosse und Ganze isch dKanti gmüetlich, aber dasser de ned sGfühl hend, mer lerned nüt…!

Wenner de Schnitt hend, de gönd au ad Kanti! Wennd es 4.7 gschafft hesch, de geit das guet.


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T-fotoumfrage Frage an SchülerInnen der NKSA: Urs Burkhard 2eF:

du den schülern sagen?

Wenn man eine Mittelschule besuchen will, ist Selbstdisziplin Voraussetzung, sonst wird’s schwer. Aber man kann ja einmal wiederholen. (lacht)

Mischa Dolezal G3B:

Barbara Wettstein G3D:

Die Kanti bringt mehr Freiheiten und Wahlmöglichkeiten zur persönlichen Entfaltung in das eigene Leben.

Die Kanti ist eine gute Sache, weil man sich ein breites Allgemeinwissen aneignen kann und somit gute Voraussetzungen für die Uni/Fachhochschule hat.

Oliver Rhyner G4B: (An seinem letzten Schultag in UselüteKleidung)

Wie überall im Leben triffst du auf Arschlöcher und nette Leute.

Gabriela Mighali G2B:

Melanie Göldi G1B:

(2te von rechts)

An der Kanti hat man viel mehr Freiheiten. Hier darf man rauchen und kann auf der Wiese bei schönem Wetter chillen. Die Schule ist jedoch viel anstrengender und selbständiges Arbeiten wird erwartet.

Ohne lernen kann man in der Kanti keine guten Noten mehr erwarten. Hier ist es jedem selbst überlassen, ob er die Hausaufgaben machen will oder nicht. Man hat mehr Entscheidungsfreiheit und ist für sein Tun selbst verantwortlich.


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T-fotoumfrage Frage an SchülerInnen der Kanti Wohlen:

Gabi (Mensadame mit Dutt):

Nico:

Kantischüeler sind zwar eifach unordentlich, aber defür fröndlech. Sisch es Geh und es Neh.

Im zwoite Jahr hani dänkt, ich hett lieber e Stifti gmacht. Es isch ebe scho hert, no einisch vier Jahr id Schuel zgah.

Sarah: n seit, isch Was de Stefa ! sicher richtig

Ivo & Simon & Steve:

Tim (Austauschschüler): Niemand spricht Englisch mit mir... (seufzt)

Stefan Vock (Gesangslehrer): Chömed unbedingt go singe ade Kanti! „Es schläft ein Lied in allen Dingen…“

Selina:

DLehrer sind lo ckerer als ide Bez, es gitt wen iger unsinnigi Themene als id e Bez – usser im Dütsch!

Ier münd euch eifach mega sicher si, dasser das wänd mache. Es git ja no viel anderi gueti Sache! Sonja: Ade Kanti Wohle schaffeds alles ab, wo luschtig isch.


Frage an SchülerInnen der AKSA:

Homayun S obkani, G3G , AKSA: In der Kanto nsschule ist es wichtig P rioritäten in bestimmten Fächern zu setzen. Abe r man sollte die Kanti auch e asy nehmen .

Hüsser Noah, G

1G, AKSA:

Die Kantonssch ule ist sehr zu empfehlen. Man lernt viel Neues, auch we nn die Schule nicht immer Sp ass macht. Zudem lernt m an viele neue Leute kennen.

ü du ch st kss ha zir as e ? W n B gen de sa

zu

Daniela Leimgruber, Damaris Geissbühler, Sabrina Lüscher:

rn le

Vor der Kantonsschule sollte man keine Angst haben, man lernt viele Leute kennen. Die Schule sollte einen nicht „anwidern“, da Disziplin gefordert und auch gefördert wird. Alen Men

etyan, G3 G

Nicholas Hänny, G1A

,AKSA:

r KanDas wichtigste in de man tonsschule ist, dass immer seine Hausaufgaben für die macht, damit man rnen Prüfung weniger le muss.

, AKSA: Die Kanto nss wichtig fü chule ist sehr r die Allge meinbildung u nd unerlä sslich für spätere S tudien.

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T-fotoumfrage


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T-fotoumfrage Frage an SchülerInnen der Kanti Baden: es,

r Lynn And G1b:

Melanie Bösiger, G2e:

nn ihr (Jööö) We g un keine Ahn ihr habt, was t, oll machen w an hig kommt ru die Kanti.

Gehe nicht an die Kanti, wenn du nicht weisst, was du machen oder nichts arbeiten willst.

Was hast du den Bezirksschülern zu sagen? Daniel Kim, G4d: Wenn du nicht weisst, was du machen willst, komm an die Kanti.

Wendy Stuber, G3f:

Andrea Winzer, G3e: An der Kanti habt ihr mehr Freiheit, müsst aber auch mehr Verantwortung tragen.

Das Studentenleben an der Kanti Baden ist geil, man darf einfach keine allzu grossen Erwartungen haben. Tipp: Glaubt nicht alles, was die Lehrer sagen und sorgt selbst dafür, dass ihr alle Informationen bekommt, die ihr braucht.

Tina Stäheli, G3e: Gnüss es!


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T-fotoumfrage Frage an SchülerInnen der Kanti Wettingen:

Alex 19: Mached eu gfasst uf wiiteri vier Jo hr hänge.

Leandra 19 : Merked eu schnäll de Plan. (Aber ihr sind au luschtig, wenn er umehüenered. )

Alex 20 : Sie sölled sich das gnau überlegge.

Christoph 20, Manu el 20, Adi 2 0: Wachsed !

und Belén 16 n 17 : Schamira o u sicher d Es wird e li o o isch ä c gfallä, äs t. coolä Lüü it m l e u h Sc . Viel Glück

Lea 19 : Verschrecked nöd, wägä de viele Schuelzimmer. Mallik 19 : Nämed ä gnueg grossi Täsche mit, sgit Tonne vo Schuelbüecher ; ) Tatjana 18 : Kafi, Kafi, Kafi! ; )

Sandro 18 : so ä grossi Äs isch nöd Sach. Ivan 18 : Äs chillt.

isch voll ge-

Rebecca 16 und Eva 16 : Gnüssed die vier Johr, au wänn‘s mängisch sträng isch.


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Kunterbunt & Koloratur WARUM EIGENTLICH?

Ein Scheck für Chopin Was soll eigentlich dieses ewige Gemeckere seitens der Naturwissenschaftler und Hobby-Ökonomen? Ununterbrochen nörgeln sie an uns Musikern rum. Von wegen wir hätten weniger als nichts zu tun. Von wegen wir hätten ja keinen Schimmer von richtiger Arbeit. Von wegen ‚Matura Light’! Bei jeder sich bietenden Gelegenheit spreizen sie Daumen und Zeigefinger so weit auseinander wie geht. Nur um mit diesem verkrampften Fingerpaar gefühlte drei Millimeter vor unserer Netzhaut wild herumzufuchteln. „So dick ist alleine mein Volkswirtschaftsordner, siehst du, so dick! Das muss alles bis morgen in meinen Kopf!“ Dabei hat es dort etwa so viel freien Platz wie frische Luft in einer Musikkoje. Liebe Vasellas und Ackermanns der Zukunft, die ihr mir später mein Arbeitslosengeld zahlen werdet, schiebt das ZGB geistig mal ein Stück zur Seite und erinnert euch an das eine Konzert, das ihr gezwungenermassen besuchen musstet! Habt ihr verdrängt? In Ordnung. Aber selbst wenn es wirklich das alberne, stundenlange Rumgedudel gewesen sein sollte, für das ihr es gehalten habt, die Proben dafür haben Unmengen an Zeit verschlungen; unzählige Feinkorrekturen, monatelanges Komponieren, kräfteraubendes Arrangieren, et cetera. Seien wir mal ehrlich. Wenn ihr nicht genau wüsstet, dass Wirtschaft der einzig probate Weg zum grossen Geld ist, würdet selbst ihr nicht auf die Idee kommen, euch solch unermessliche Strapazen, solch unmenschlich schwere Bürden auf die tief gebeugten Rücken zu laden, dass sie kaum zwischen Zeigefinger und Daumen passen. Ihr würdet keine Siebenecke verzaubern und auch das OR nicht in einen Eimer Leuchtstiftflüssigkeit tauchen. Euch treibt das Geld, uns treibt die Sonatenhauptsatzform. Verflixt nur, dass eure Schecks später viel mehr Einfluss haben werden als unsere Chopin-Etüden. Und gerade deshalb ist es so entscheidend, dass ihr nach der Matur die Scheuklappen abnehmt, einen Stift zwischen Daumen und Zeigefinger klemmt und die Schecks an die Richtigen verteilt! Übrigens: Wer hat eigentlich dieses scheinintelligente Unwort ‚Matura light’ erfunden? Zumindest keiner der gewusst hat, dass ein normaler Musik-Maturand alleine für die Instrumentalprüfung, die gerade mal 12.5% der Schlussnote ausmacht, gut und gerne 20-40 Stunden aufwendet. Ein Glück, dass Musik meistens Freude bereitet und sich ein musischer Charakter zumindest teilweise vom manischen Ernst der Wirtschafter unterscheidet. Denn was ist schon die Bedeutung eines fuchtelnden Wirtschaftszeigefingers im Vergleich zu der einer entfesselten Schlagzeugerpranke? [rho]

Gastkolumne der Studienberatung Aargau:

Aus Beiz mach Beratung Text: Erich Auderset, Studien- und Laufbahnberater Auf ein Bier können Sie bei uns am GaisKreisel in Aarau nicht mehr vorbeikommen. Dazu sind Sie mindestens sechs Jahre zu spät. Doch der Reihe nach: An drei Standorten habe ich in meiner Zeit bei der Studien- und Laufbahnberatung in Aarau bisher gearbeitet. Der Einstieg war von vornehmer Art: die ehemalige Villa einer Fabrikantentochter am Gönhardweg. Ob das auf Dauer gut gehen kann? Schliesslich stammen nicht alle Ratsuchenden aus der Oberschicht. Die Antwort auf meine Frage kam nach ein paar Jahren. Plötzlich standen Herren in dunklen Anzügen im Entrée der Villa. Sie seien die potentiellen Nachmieter. Es folgte ein Zwischenhalt in der alten Kavalleriekaserne. Mehr war da nicht drin. Ist ja auch klar: Von Militärmusik und „Schutzmaske auf“-Gebrüll in unmittelbarer Nähe der Beratungsbüros fühlen sich auch nicht alle abgeholt. Doch jetzt haben wir unseren Platz gefunden. Eine Beiz musste unseren neuen Räumlichkeiten am Gais-Kreisel Platz machen. Hier verkehrten früher die Mitglieder der „Akademische Turnerschaft Alemannia“ (eher rechts anzusiedeln), dann die autonomen Häuserbesetzer (eher links anzusiedeln). In der Studien- und Laufbahnberatung Aargau lassen wir verschiedene Meinungen innerhalb dieses Spannungsbogens gelten. Hier bleiben wir, auch wenn es kein Bier gibt. – Studieren Sie erst mit uns!


IMPRESSUM

Neue Aargauer Kantizeitung Troubadour

Alte Kantonsschule Aarau (AKSA) Emanuel Staubli * G1G Katharina Prautsch * G3G

Forum www.kantizeitung.ch.vu info@kantizeitung.ch

# 1 (32), Ave Matura, Juni 08 Auflage: 10‘000 (gedruckt bei AZPrint) Schüler: kostenlos, Lehrerkollekte

Kantonsschule Baden (KSBa) Laura Fricker * G2a Sara Trifković * G2a Annette Eckenstein * G3a

Infos und Kritik aller Art an chefredaktion@kantizeitung.ch

Kantonsschule Wettingen (KSWe) Marie-Louise Marbach * G3H Fabio Höhener * G2E Manuel Diener * G3P(erú)

Abo Für 15.- wird der Troubadour während eines Jahres (3 Ausgaben) bequem per Post nach Hause geliefert. (abo@ kantizeitung.ch)

Chefredaktion Manuela Zeller, Gesamtleitung Robert Benz, Chefredaktion Layout/Grafikdesign Tamina Duscha [tamina.duscha@yahoo.com, www.taminaduscha.com] Inserate Laura Fricker Michael Küng

Lektorat Hanna Widmer

Finanzen Laura Fricker

Forum Emanuel Staubli

Unterstützt durch das BKS

Kantonsschule Wohlen (KSWo) Robert Benz * 4A Stefanie Freudenthaler * 3B Neue Kantonsschule Aarau (NKSA) Manuela Zeller * 3aF Isabelle Reding * 3aF Redaktionsverantwortliche unter: [schule]@kantizeitung.ch z.B. neue.aarau@kantizeitung.ch Kontakt Verein Troubadour Redaktion NAKT Postfach 5000 Aarau

Beiträge aller Art an texte@kantizeitung.ch

Die Redaktion dankt an dieser Stelle allen Einsendern von Beiträgen, den Inserenten, dem Departement für Bildung, Kultur und Sport, allen, die sonst zum Gelingen der ersten NAKT beigetragen haben, und natürlich den Leserinnen und Lesern. Die Meinungen der Autoren müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Allgemeine Personenbezeichnungen wie „Schüler“ oder „Schülerinnen“ beziehen sich manchmal auf beide Geschlechter. Beim Übernehmen von Texten bitte die Chefredaktion informieren und die Quelle (Name des Autors, Troubadour) angeben.


NAKT #1 Ave Matura  

Die erste Ausgabe der NAKT Neue Aargauer Kantizeitung Troubadour

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