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Vom Kompost zur Kilowattstunde Nach Energiepflanzen werden Rest- und Abfallstoffe zunehmend für die Biogasgewinnung eingesetzt

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ago di Como, 1776: Alessandro Volta entdeckt »brennbare Luft« als er die Sumpfgase des Comer Sees untersucht. Der Physiker stellt fest: Bei der Zersetzung von Biomasse entsteht Methan. Das ist der Beginn für die Erforschung und Nutzung von Biogas.

Im 21. Jahrhundert hat sich Biogas als unverzichtbarer Bestandteil der Energieversorgung etabliert. Es gilt als Allrounder unter den Erneuerbaren. Das methanhaltige Gas wird nicht nur zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt, sondern auch als Treibstoff und Erdgas-Äquivalent. Biogas lässt sich speichern, in das Erdgasnetz einspeisen und transportieren. Moderne Blockheizkraftwerke verbrennen nicht mehr rund um die Uhr, sondern passen die Stromund Wärmeerzeugung auf Biogas-Basis dem Bedarf an. Keine Kilowattstunde geht verloren – anders als bei anderen regenerativen Energieträgern. Biogas leistet außerdem einen steigenden Beitrag zur ökologisch sinnvollen Verwertung von Bioabfällen aus Haushalten, Kommunen und Landwirtschaft. Denn neben Energiepflanzen wie etwa Mais können organische Reststoffe – von der Gülle und Speiseresten bis hin zum Inhalt der Biotonne – durch Vergärung in Biogas umgewandelt werden. Biogas aus Reststoffen ersetzt »Energiepflanzen« Bislang nutzen deutschlandweit erst rund 1 000 der insgesamt etwa 8 000 Biogasanlagen das Potenzial von Energie aus organischen Abfällen. Der Großteil des Bioabfalls wird zu Dünger verarbeitet. Doch egal ob Grünabfälle, Reste aus der Lebensmittelindustrie, Klärschlamm von kommunalen Abwasseranlagen oder Abfälle aus der Biotonne: Die Energie, die in biogenen Abfallstoffen steckt, kann durch Vergärung genutzt werden.

Wird dieses Potenzial stärker ausgeschöpft, verringert sich auch der Bedarf an zusätzlichen Anbauflächen für »Energiepflanzen«. Speziell für die Biogasproduktion angepflanzte Monokulturen wie Mais sind umstritten. Kritiker bemängeln, Ackerflächen zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion würden durch falsche Anreize verdrängt – mit negativen Folgen für das Ökosystem. Die Politik steuert gegen Bereits mit der EEG-Reform 2012 wurde der Einsatz von Energiepflanzen als Biomasse begrenzt. Mit der aktuellen Novellierung wird ihr Anteil weiter reduziert, um Abfallund Reststoffe bei der Biogas-Erzeugung zu fördern.

Biogas in der EEG-Novelle 2014 Die letzte Novelle hat viele in der Biogasbranche verunsichert. Anlagen-Betreiber, die selbst produzierten Strom für den Eigenverbrauch nutzen, werden nun mit Kosten aus der EEG-Umlage belastet. Die Vergütung für den Einsatz von Anbaubiomasse und Gülle fällt weg, nur eine Grundvergütung bleibt bestehen. Auch für die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan und dessen Einspeisung ins Erdgasnetz entfällt der Gasaufbereitungsbonus. Die Novelle begrenzt die zusätzliche Produktion von Strom aus Biomasse auf 100 MW/Jahr, um weiteres Wachstum einzudämmen, und reduziert den Anteil von Energiepflanzen in Biogasanlagen. Neue Anlagen sollen künftig vornehmlich mit Abfall- und Reststoffen gefüttert werden. Die Pflicht zur Direktvermarktung für Strom aus Biogasanlagen, die nach dem 1.1.2014 ans Netz gegangen sind und deren Leistung mindestens 750 kW beträgt, bleibt weiterhin bestehen.

nahdran. 2|2014  

Energie aus der Tonne – Was Reststoffe für die Energiewende leisten

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