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Welche Auswirkungen hat das auf uns und unsere Gesellschaft? Intelligente Mülltonnen, automatisierte Produktionsprozesse, Smart Factory – alles Teil der schönen neuen digitalen Welt. Doch kann die Kreislaufwirtschaft wirklich von Industrie 4.0 profitieren? Im Doppelinterview sprechen Trendforscher Prof. Peter Wippermann, Leiter des Trendbüros Hamburg, und IT-Experte Wolfang Dorst, Bereichsleiter Industrial Internet des Digitalverbandes Bitkom, über die Möglichkeiten und die nötigen Rahmenbedingungen des digitalen Wandels. Manche Unternehmen der „Old Economy“ stehen der Digitalisierung eher skeptisch gegenüber. Lohnt es sich wirklich, in die neuen Technologien zu investieren, und was bringt es in Sachen Ressourceneffizienz? Dorst: Die Chancen von Industrie 4.0 in der Kreislaufwirtschaft sind wesentlich größer als die Risiken. Wenn zum Beispiel grenzüberschreitender Verkehr von Abfällen oder die Marktsituation verschiedener Stoffströme mit Algorithmen und Sensoren besser gesteuert werden kann, entsteht nicht nur ein betriebswirtschaftlicher, sondern auch ein volkswirtschaftlicher Nutzen. Wippermann: Bei der voranschreitenden Digitalisierung sind wir auf eine haltbare Hardware angewiesen, weil die Software immer wieder aktualisiert werden muss. Das bedeutet, dass künftig nicht mehr das Produkt an sich ausgetauscht werden wird, sondern es lediglich mit einer neuen Software bespielt wird. Das ist eine ganz neue Herangehensweise im Vergleich zum heutigen Umgang mit Ressourcen. Während heute hauptsächlich kurzlebig produziert wird, geht in Zukunft der Trend dahin, haltbare Produkte zu entwickeln. Welche Auswirkungen hat das auf die Gesellschaft? Verändert sich dadurch unser Umweltbewusstsein? Wippermann: Ein gesellschaftlicher Beitrag zur Ressourcen­ effizienz ist der gesellschaftliche Wandel der Definition von Wohlstand. Während Wohlstand früher noch durch Besitz zum Ausdruck gebracht wurde, ist Wohlstand heute viel mehr in der immateriellen Welt zu finden. Wohlstand bedeutet schon heute und besonders in Zukunft, Möglichkeiten zu haben. Das kann auch einfach Zeit sein. Besitz wird im Gegensatz dazu immer unwichtiger. Statt des Besitzes steht der Nutzen im Vordergrund. 10

Viele Innovationen entstehen heute im Silicon Valley. Was machen wir in Deutschland falsch? Wippermann: Vernetzung ist die Voraussetzung, beispielsweise für die Fernwartung von Produkten. An dieser Stelle hinkt Deutschland jedoch noch deutlich hinterher. Einerseits, weil wir mit unserem Breitbandausbau noch nicht weit vorangeschritten sind, andererseits, weil Deutschland durch Gesetze, die den Datenschutz und die Privatsphäre regeln und aus Zeiten der Industrialisierung stammen, versucht, die Digitalisierung zu unterbinden. Die Lösung zu diesem Problem ist jedoch nicht auf juristischer Ebene zu finden, sondern auf der technischen. Nicht Gesetze können diese Probleme beheben, sondern Programmierer, die in der Lage sind, zuverlässige Sicherheitsprogramme zu entwickeln. Cyber Security ist vor allem ein technisches Thema. Das wird besonders in Hinblick auf die Infrastruktur in der Wasser- oder Energiewirtschaft wichtig. Inwiefern kann die zunehmende Vernetzung für die kritische Infra­struktur gefährlich werden? Dorst: Die Risiken liegen in der Störung der Verfahrensprozesse und im unberechtigten Zugriff auf die Prozessdaten der Verfahren oder die personenbezogenen Daten der Verfahrens­ beteiligten, also der Mitarbeiter oder der Kunden. Darum reicht bei der IT-Sicherheit der gängige Basisschutz für Geräte nicht mehr aus.

nahdran. 3|2016  

Alles Anders: Digitale Tranformation der Kreislaufwirtschaft

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