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Mit Sicherheit Rendite Olaf Neuhaus


Olaf Neuhaus Finanzfachwirt (FH)

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© 2011, Olaf Neuhaus 1. Auflage Februar 2011


Inhaltsverzeichnis 5 6 7 8 11 12 15 17 18 19 22 23 24 25

Vorwort Versorgungslücke – Weltmeister im Sparen und drohende Altersarmut, wie passt das zusammen? Sparen ist wirtschaften – Langfristige Auswirkungen des Zinseszinseffekts Risikolose Kapitalanlagen – Falsches Verständnis von „risikolos“ Anlageklassen – Fremd- und Eigenkapital Streuung – Wie streut man sinnvoll? Chance und Risiko – Die gesunde Portfoliostruktur Chance und Risiko – Beispiel Aktienfonds Chance und Risiko – Mischfonds sind gegebenenfalls die bessere Alternative Zwischen Angst und Gier – Die Gratwanderung Fondsbesprechung – Anmerkungen Sachwert schlägt Geldwert – Anmerkungen zu ungedeckten Geldsystemen Sachwert als wichtiger Anker des Vermögensaufbaus Schlussfazit

Vorwort

I

mmer wieder werden Studien veröffentlicht, die bescheinigen, dass es um das Wissen der Deutschen in Finanzfragen nicht besonders gut bestellt ist. In der Analyse der Gründe, warum mangelndes Wissen und damit letztendlich auch eine große Unsicherheit bei finanziellen Entscheidungen vorherrscht, kommen unterschiedliche Dinge zutage. Zunächst einmal sicherlich die Tatsache, dass hier jeder auf sich allein gestellt ist, denn bekanntlich spricht man über Geld nicht. Weder im Elternhaus, noch in der Schule oder später während des Studiums wird Wissen über Finanzfragen vermittelt. Seit Jahrzehnten hat die Bildung der Deutschen in Finanzfragen die Finanzindustrie (Banken und Versicherungen) übernommen. Ein Interessenkonflikt, denn würde der Anleger über bessere Kenntnisse verfügen, könnte so manches fragwürdige Finanzprodukt nicht mehr abgesetzt werden. Massiv unterschätzt wird die finanzmathematische Kraft des Zinseszins und massiv überschätzt die eigene Leistungsfähigkeit, verlorenes Sparpotenzial früherer Jahre später einmal mit Leichtigkeit aufholen zu können. Sicherlich gibt es auch mehr und mehr Menschen, die aufgrund ihrer Erwerbshistorie oder aufgrund von prekären Beschäftigungsverhältnissen nicht in der Lage sind bzw. es auch nicht gelernt haben, systematisch auch nur kleinere Geldbeträge für Notfälle zurückzulegen.

Dotcom-Blase. Die aktuelle Krise hat weite Teile der Bevölkerung zutiefst verunsichert und große Zweifel an der Solidität unseres Finanzsystems aufkommen lassen. Kein Wunder also, wenn der Verbraucher sich in den vermeintlich sicheren Hafen Festgeld oder Immobilie flüchtet. Meiner Meinung nach mit fatalen Folgen für den zukünftigen Wohlstand in unserem Lande. Den Anstoß für diese Gedankensammlung bekam ich von einem langjährigen Kunden, der mir kürzlich mitteilte, endlich würde er verstehen, warum sein Portfolio eine gewisse Struktur aufweist. Ich war geschockt. Offensichtlich hat der Kunde mir vertraut, aber trotz ausführlicher Gespräche nicht im Detail verstanden, welchen Plan wir gemeinsam für seine Vermögensstruktur entwickelt haben. Grund genug, meine generellen Überlegungen aufzuschreiben und mit interessierten Anlegern zu teilen.

Betrachtet man die Statistiken über die Verteilung des Sparvermögens in Deutschland nach Anlageklassen, so fällt auf, dass in überwiegend schlecht rentierliche Anlageformen investiert wird. Dies oft aus Angst, Unwissenheit und aufgrund von schlechten Erfahrungen beim Platzen der

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Versorgungslücke

Sparen ist wirtschaften

Weltmeister im Sparen und drohende Altersarmut, wie passt das zusammen?

Langfristige Auswirkungen des Zinseszinseffekts

S

S

pare in der Zeit, so hast du in der Not – sagt ein altes Sprichwort. Sparen ist also zunächst nichts anderes, als ein vernünftiger, planerischer Umgang mit den eigenen Geld-Ressourcen. Letztendlich spielt es auch keine Rolle, wofür man spart. Ob für den Ruhestand, die neue Waschmaschine oder größere Investitionen, bis hin zu den eigenen vier Wänden.

Falle der breit gestreuten Vermögenswerte nahezu verzehnfacht. Die Angst vieler Anleger, kurz vor Auszahlung noch einen herben Verlust verkraften zu müssen, scheint aufgrund des riesigen Wertvorsprungs als unbegründet. Und doch ist aus Unkenntnis dieser deutlichen Vermögensdifferenz die Verlustangst bei der Masse der Anleger sehr gegenwärtig.

Verletze ich die erste Regel, Sparbeiträge als einen Posten des festen Budgets zu betrachten, so nehme ich indirekt Kredit bei mir selbst auf und verschulde mich bereits, obwohl die Ausgabe noch nicht aktuell ist.

Der Zinseszinseffekt

elten haben die Deutschen so viel gespart wie heute, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. Die Sparrate ist mit ca. 11 % seit Jahren international betrachtet sehr hoch. Die Lücken der gesetzlichen Sicherungssysteme sind zwar allen prinzipiell bewusst, dennoch ist die Unsicherheit hoch, welche Finanzprodukte für das Ruhestandssparen genutzt werden sollen. Inzwischen hat auch die Politik die Rentenlüge eingestanden und eingesehen, dass es wenig bringt, die Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen. Die demographische Entwicklung und die Besonderheiten des deutschen Rentensystems haben die Schwächen des Systems offen gelegt. Nach einer Modellrechnung des Deutschen Rentenversicherungs Bundes wird das Rentenniveau bis zum Jahr 2020 nur noch bei gut 46 % des Jahresnettogehalts liegen. Tendenz weiter sinkend. Das Thema Vermögensaufbau für den Ruhestand wird daher zum zentralen Thema für viele Menschen. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Psychonomics vom August 2009 ist jeder vierte Bundesbürger an einer professionellen Ruhestandsplanung interessiert. Meine Überzeugung ist, dass nur eine gesunde Vermögensstruktur dem ursächlichen Wunsch des Anlegers nach Sicherheit gerecht wird. Zu oft werden dem Anleger Produkte – anstatt eines individuellen Plans für seinen Vermögensaufbau – verkauft. Die richtige Mischung (Positionierung) ist jedoch maßgeblich entscheidend für den Anlageerfolg. Vorab gilt es den tatsächlichen

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Kapitalbedarf im Alter zu ermitteln. Bei der Berechnung des Barwertes (Kapitalstock für das Schließen der Versorgungslücke neben der staatlichen Rente) sind die langfristigen Auswirkungen der lnflation und eventuelle Mehrbelastungen durch eine Pflege im Alter zu berücksichtigen.

Ergebnis Die Versorgungslücke ist in der Regel mit konservativen Kapitalanlagen nicht zu schließen. Der Anleger hat die Wahl zwischen sicherer Rendite und arm im Alter oder kontrolliert Risiken einzugehen und sich dadurch seine Chancen auf höhere Vermögenswerte im Alter zu erhalten. Ziel dieser Ausarbeitung ist es, dem Anleger die o. g. Problematik durch finanzmathematische Berechnungen zu verdeutlichen und ihm Handlungsalternativen aufzuzeigen. Eine Möglichkeit ist, den Vermögensaufbau strukturiert vorzunehmen. Ein breit streuendes Portfolio ist hierzu am ehesten in der Lage, die Wünsche des Anlegers nach Sicherheit und Rendite zu erfüllen. Im Vordergrund einer gesunden Portfoliostruktur steht, mit kontrolliertem Risiko den Wertzuwachs so zu verstetigen, dass eine attraktive Rendite nachhaltig erwirtschaftet werden kann. Diese Rendite soll den Kaufkraftverlust durch Geldentwertung mehr als ausgleichen und somit nach Inflation und Abgaben das Vermögen so mehren, dass ein realer Vermögenszuwachs erzielt wird. Bleibt nur die Frage: Ist das Wunschdenken oder ist dies tatsächlich möglich?

Der Zinseszinseffekt Der Zins auf Zinsen führt dazu, dass sich nicht nur das eingesetzte Kapital, sondern eben auch die angefallenen Zinsen vermehren. Beim Sparen steigt mit höheren Zinsen und Zinseszinsen das Vermögen entsprechend stärker an. Ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie sind 32 Jahre alt und möchten 10.000 Euro bis zu ihrem 67. Lebensjahr anlegen. Die meisten Menschen sorgen für das Alter mit einer Lebensversicherung und einem Garantiezins von nur noch 2,25 % vor. Ein anderer Anleger investiert breit gestreut über unterschiedliche Kapitalanlagen hinweg und kann damit langfristig z. B. 6,75 % an Rendite erwirtschaften.

Was sind die langfristigen Auswirkungen: Das Kapital hat sich also bei der sicheren Kapitalanlage etwas mehr als verdoppelt und im

mit mit mit mit mit mit

32 Jahren 39 Jahren 46 Jahren 53 Jahren 60 Jahren 67 Jahren

2,25 % EUR 10.000 EUR 11.685 EUR 13.655 EUR 15.955 EUR 18.645 EUR 21.790

6,75 % EUR 10.000 EUR 15.800 EUR 24.960 EUR 39.430 EUR 62.290 EUR 98.400

Inflation ... ... ist der durch Statistik ermittelte Kaufkraftverlust durch Preissteigerung als Folge der Geldmengenausweitung einer Volkswirtschaft. Darüber hinaus kennen wir Kaufkraftverluste durch Erhöhung von Steuern und Sozialabgaben oder der Streichung von Leistungen. Letzte fließt nicht in die Berechnung der Inflationsrate ein, beeinträchtigt aber erheblich die gefühlte Inflation. Es gibt eigentlich nie die eine Inflationsrate, sie ist immer eine ganz persönliche und richtet sich somit nach den eigenen Einkommensverhältnissen und dem eigenen Konsumverhalten. Die historische Inflationsrate der letzten 50 Jahre betrug in Deutschland ca. 3 % im Jahr, die gefühlte Inflation liegt bei ca. 3,5 bis 5 %.

Die Versorgungslücke ist mit konservativen Kapitalanlagen nicht zu schließen.

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Risikolose Kapitalanlagen

Risikolose Kapitalanlagen

Falsches Verständnis von „risikolos“

H

ier gilt es zunächst zu klären, was allgemein als risikolose Kapitalanlage bezeichnet wird. Denn entgegen der langläufigen Meinung gibt es keine sicheren Kapitalanlagen. Alle Kapitalanlagen unterliegen einem Risiko. Einige Anlageformen sind lediglich gefühlt weniger riskant als andere. Hier einmal zwei konkrete Beispiele:

Festgeld Allgemein gelten Festgelder bei einer Bank oder Sparkasse aufgrund der gesetzlichen Garantien als sicher. Eine differenzierte Betrachtung kann jedoch zu einem anderen Ergebnis kommen. Stellen Sie sich vor, ein Anleger hat 100.000 Euro zu 3 % angelegt und hat die Erträge gemäß Abgeltungssteuer zu versteuern. Dann würde die Rechnung bei einer historischen Inflationsrate von 3 % wie folgt aussehen:

Festgeldrendite nach Inflation und Steuern 100.000 € x 3 % Zins = 103.000 € nach einem Jahr darauf 25 % Abgeltungssteuer = -750 € verbleiben also 102.250 € beim Anleger. Bezieht man die Inflation, den Kaufkraftverlust des Vermögens mit ein, dann sieht die Rechnung wie folgt aus: 102.250 € - 3 % Inflation = 99.182,50 € kaufkraftbereinigt.

Ein Verlust nach dem ersten Jahr von 817,50 Euro.

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Obwohl nominell das Vermögen gewachsen ist, ist effektiv ein Wertverlust entstanden, da für das Vermögen weniger gekauft werden kann.

Renten aus Schwellenländern Ende der 90er Jahren galten Renten aus Schwellenländern, sog. Emerging Markets, als besonders riskant. Von Banken, wie übrigens auch Verbraucherschützern, wurde dazu geraten, eher Anleihen aus etablierten Volkswirtschaften (Staaten oder Unternehmen) zu kaufen. Die Zinsen dieser Papiere waren natürlich deutlich niedriger. Objektiv betrachtet stellte sich meiner Meinung nach die Situation aber wie folgt dar: Das Wirtschaftswachstum war in den aufstrebenden Ländern viel höher. Darüber hinaus verbesserten sich die Zahlungsbilanzen dieser Länder aufgrund des wirtschaftlichen Erfolges deutlich. Und drittens erwartete man, dass die Ratingagenturen das Kredit-Rating deutlich anheben würden. Damit konnten diese Staaten sich künftig am Anleihemarkt günstiger refinanzieren und die Kurse der (Alt-) Anleihen würden stark an Wert gewinnen. Bei genauer Betrachtung des tatsächlichen Umfelds kam man also zu einem anderen Ergebnis als der Mainstream. In den letzten 10 Jahren konnten mit Anleihen aus den Schwellenländern deutlich 2-stellige Renditen erzielt werden.

Nominell höheres Guthaben ist keine Garantie für realen Wertzuwachs.

Diese Beispiele zeigen, dass es sich lohnt, auch einmal anders an die Dinge heranzugehen und Querdenker zu sein. Nicht immer ist es richtig, auf Modethemen aufzuspringen, wie uns die Entwicklung bei Immobilienfonds in Dubai zeigt. Und ob ein Zertifikat, ETF oder Indexfonds wirklich ein kostengünstiges und kluges Investment für einen Privatanleger ist, gilt es zu hinterfragen.

Sind hohe Renditen unseriös? Um es vorweg zu nehmen, nein. Gleichwohl gehen Risiko und höhere Renditen einher, d. h. für die höhere Rendite nimmt mein Risiko eines Teiloder sogar Totalverlustes zu. Wenngleich auch dies nur Plakative sind, denn wir kennen Produkte mit niedrigen Renditen und Totalverlust genauso wie Produkte mit hohen Renditen, die keine Verluste erzielt haben. Die Rendite ist immer nur ein Kriterium für die Beurteilung einer Kapitalanlage. Darüber hinaus bewertet man das Risiko nach: • Fungibilität (der Handelbarkeit einer Kapitalanlage) • Laufzeit • dem höchsten Einzelrisiko • möglichen Währungsrisiken • Einzelpersonenrisiken bei den handelnden Personen • das Risiko durch Änderung von bestehenden Gesetzen • Veränderung des Marktes durch Innovation oder dem Fallen von Handelsbarrieren um nur einige zu nennen.

Wie Sie sehen, gilt es also eine Fülle von Dingen zu beachten. Gerade diese Vielzahl von Einzelrisiken lassen den Anleger verzweifeln und zeigt, wie hoch unsere Verantwortung für das Vermögen der Anleger ist. Bei der Prüfung der unterschiedlichen Produkte gilt es daher nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Sinnhaftigkeit zu beurteilen. Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema. Sind hohe Renditen per se unseriös? Stellen Sie sich vor, Sie wollten 5.000 Euro als Festgeld bei einer Bank anlegen. Sie erhalten hierfür zum Beispiel 1,5 % Zinsen im Jahr. Was macht nun die Bank damit? Und was ist eigentlich eine der elementarsten Aufgaben einer Bank? Die Aufgabe einer Bank ist es unter anderem, Gelder (Einlagen) nach Fristen und Losgrößen zu transformieren und in den Wirtschaftskreislauf zu überführen. Was heißt das nun? Rechnen wir einmal gemeinsam: a) Ihre Einlage von 5.000 Euro verzinst Ihre Bank mit 1,5 %. b) Zusammen mit dem Geld anderer Sparer kann dieses Geld z. B. an jemanden als Kredit vergeben werden, der eine Immobilie finanzieren möchte. Der Zins hierfür sei beispielhaft 4,5 %. c) Oder ein anderer Kunde benötigt einen Konsumentenkredit und zahlt hierfür an die Bank 9 % Zins. d) Es soll jedoch auch Menschen geben, die ihr Konto überziehen. Der Überziehungszins sei hier beispielhaft 12 %.

Vielzahl von Einzelrisiken lassen Anleger verzweifeln.

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Risikolose Kapitalanlagen

Anlageklassen Fremd- und Eigenkapital

Zu b) Die Bank hat das Geld bei Ihnen zu 1,5 % eingekauft. Sie geben der Bank praktisch ein Darlehn und werden zum Geldverleiher (siehe Kapitel Anlageklassen unter Fremdkapital). Die Bank verkauft mit einem Aufschlag von 3 % dieses an den Immobilienbesitzer weiter. Der Aufschlag der Bank auf die Ware Geld ist zwar 3 % als Zinsunterschied (1,5 zu 4,5 %), die Handelsmarge in Prozent beträgt jedoch 200 %. 200 % für ein risikoloses Geschäft der Bank, da sie sich ja in das Grundbuch eintragen lässt und somit bei Ausfall des Schuldners die Immobilie verwerten kann. Dass heute ein Immobilienkäufer oftmals nicht die 20 bis 35 % Eigenkapital aufbringen muss, lassen wir einmal unberücksichtigt und werten dies als Auswüchse einer zu freigiebigen Kreditvergabe durch die Banken. Eine Rückbesinnung scheint wünschenswert. Wir erinnern an dieser Stelle an die Verbriefungspraktiken in den USA und die Folgen der Globalen Finanzkrise. Letztendlich zahlen diese Fehlentwicklungen nun die Bürger, anstatt die verantwortlichen Unternehmen mit ihrem Scheitern.

Hier wird allerdings schon deutlich, dass die Kreditvergaben an die Prüfungskriterien der Bank gebunden sind. Die Sicherheit durch Abtretung eines verwertbaren Gutes nimmt ab. Zu beurteilen ist die Höhe und die Häufigkeit von Zahlungsausfällen für die Bank. Durch die hohe Anzahl von Einzelkrediten ist das Risiko gestreut. Die Rendite ist also der Lohn für das höhere Risiko eines Zahlungsausfalles für die Bank. Ich denke, immer noch ein sehr attraktives Geschäft für die Bank. Ich spare mir die Berechnungen im Falle d) und wollte Sie hiermit nur sensibilisieren für ein ganz anderes Thema. Das Risiko eines einzelnen Kreditausfalls ist sicherlich sehr hoch, in der Summe der vergebenen Kredite reduziert sich das Risiko für die Bank aber drastisch. Die Risiken sind gestreut und der Gewinn überkompensiert einen oder auch mehrere Totalverluste bei den Krediten.

Hier einige Beispiele:

Fremdkapital = Geldwerte • Festgeld = ich gebe der Bank einen Kredit und dafür erhalte ich Zinsen. • Anleihe = ich gebe dem Emittenten einer Anleihe Kredit und dieser verspricht mir dafür Zinsen. • Kapital-Lebensversicherung = Der Verwalter (Versicherungsunternehmen) bekommt mein Kapital und investiert zu überwiegenden Teilen in Schuldtitel (Anleihen / Zinspapiere).

• Renten (alle Investitionen in Zinsen) • Immobilien (selbst und fremd genutzt, Gewerbeund Wohnimmobilien) • Aktien • Untern. Beteiligungen (Private Equity) • Rohstoffe • Derivate, Total Return Produkte, Hedgefonds

Die Rechnung hier sieht noch günstiger für die Bank aus. Sie kauft das Geld für 1,5 % ein und verkauft es in unserem Beispiel für 9 % weiter. Eine Marge von 500 %.

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enerell unterscheidet man in Fremd- und Eigenkapitalinvestitionen. Bei Anlagen in Fremdkapital werde ich zum Geldverleiher und erhalte hierfür Zinsen. Ich verhalte mich also wie eine Bank. Bei Eigenkapitalinvestitionen investiere ich mein Vermögen in ein Wirtschaftsobjekt und möchte mit unternehmerischer Tätigkeit Gewinne erzielen.

Eigenkapital = Sachwerte • Kauf einer Aktie = ich erwerbe einen Teil am Unternehmen und habe Anrecht auf eine Beteiligung am Gewinn. • Beteiligung an einem Solarfonds = ich beteilige mich an einem Unternehmen, welches mit der Produktion von Solarstrom Geld verdienen möchte. • Immobilienfonds = ich erwerbe einen Anteil an einer Immobilie und erziele Erträge aus Vermietung.

Anlageklassen

Zu c)

G

Sonderformen sind Käufe von Schmuck, Diamanten, Oldtimern, Antiquitäten, Kunstund Sammlerobjekten. Diese finden bei unseren Überlegungen keine Beachtung, da es sich hierbei um Liebhaberei oder Sammlerleidenschaft handelt.

Streuung ist also ein wichtiges Instrument der Beherrschung von Risiken.

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Streuung

Streuung

Wie streut man sinnvoll? Aufteilung des Vermögens

N

un, Sie streuen nicht, wenn Sie ein Festgeldkonto besitzen, einen Bausparvertrag besparen und in eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung investieren, denn dann sind Sie lediglich in Geldwerten investiert. Unter Streuung versteht man eine Verteilung des Vermögens über alle Anlageklassen, unter Berücksichtigung von Regionen, Branchen, Themen, Währungen, Laufzeiten, Auflegungsjahren, Investitionsstilen und Absicherungsstrategien. Ich nenne dies eine gesunde Vermögensstruktur. Investmentdepots sind für mich die Basis einer Gesamtallokation (Aufteilung von Vermögenswerten). Hier können bereits mehrere Anlageklassen bedient werden. Zudem haben Investmentfonds den Vorteil einer börsentäglichen Handelbarkeit und dieser Teil des Vermögens ist somit liquide.

Die gesunde Portfoliostruktur Betrachtet man die Turbulenzen an den Finanzmärkten der letzten 10 Jahre, so ist es wichtig zu verstehen, was die Ursachen von Krisen und Wirtschaftszyklen sind und wie man besser damit umgehen kann. An den Börsen werden zukünftige Erwartungen gehandelt. Im täglichen Geschäft bestimmen jedoch oft die kleinen, kurzfristigen Ereignisse und Gerüchte den Markt. Nachrichten verbreiten sich dank des Internets in Sekundenschnelle um den Globus und bewegen große Kapitalströme in bestimmte Papiere und Märkte und genauso schnell auch wieder heraus. Ein Wettrüsten um

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die leistungsstärksten Rechner ist entfacht, um aus noch so geringen Handelsdifferenzen Profit für die großen Akteure zu schlagen. Bleibt da der Privatanleger nicht auf der Strecke? Durch die Erfindung des Internets stehen heute alle Informationen prinzipiell allen Marktteilnehmern zur Verfügung. Die Informationsflut hat den Nachteil, dass der Einzelne in der Lage sein muss die entscheidenden Informationen zu finden und richtig zu interpretieren. Darüber hinaus besteht oft die Schwierigkeit, gut verpackte Werbung von echter Information zu unterscheiden. Es ist also nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Gerade auf Finanznachrichten spezialisierte TV-Sender fungieren immer mehr als Werbesendungen für einzelne Produkte. Meine Überlegungen sollen Ihnen helfen, Ihr Vermögen besser und somit langfristig renditestark zu strukturieren. Sie sind Teil der täglichen Arbeit für unsere Kunden.

In der Regel nimmt ein Anleger eine gefühlsmäßige Aufteilung vor. Diese gilt es durch eine gemeinsame Analyse der persönlichen Situation stärker nach objektiven Kriterien auszurichten: a) Strukturierung nach Liquidierbarkeit in kurz-, mittel-, langfristige und spekulative Anteile. b) Strukturierung nach Risikobereitschaft, Erfahrung und Kenntnisse des Anlegers. c) Berücksichtigung der familiären Situation, finanziellen Verhältnisse und der Nachhaltigkeit der Einkommenssituation. d) Strukturierung nach Schwankungsintensität unterschiedlicher Anlagen. e) Strukturierung nach Anlageklassen. f ) Strukturierung nach Regionen, Branchen, Themen und Währungen. g) Einbeziehung der kurz, mittel und langfristigen Ziele des Anlegers (Kapitalbedarf ) sowie evtl. sonstige Zwecke des Investments.

Generelle Überlegungen bei der Investition in ein Investmentdepot In einem Investmentdepot können bereits eine Vielzahl der Anlageklassen abgedeckt werden. Über Fonds sind Investitionen in Aktien, Renten, Immobilien sowie Derivate möglich. Es gibt zwar sog. Rohstofffonds, mit wenigen Ausnahmen investieren diese jedoch in die Aktien von Rohstoffunternehmen, sodass hier nicht die Anlageklasse Rohstoffe, so wie wir sie verstehen, bedient wird. Da Kunden mit ihren Anlagen zumeist einen langfristigen Vermögensaufbau betreiben, sind die

auf kurzfristige Anlagezeiträume von 1 bis 3 Jahren beschränkten Ranglisten der Fondszeitschriften nur bedingt aussagefähig hinsichtlich der Entscheidung für oder gegen einen Fonds. So mancher Renditestar hat sich am Ende als Vermögensvernichter herausgestellt. Besonders ernüchternd wird die Betrachtung, wenn man sich vor Augen führt, dass Mittelzuflüsse in einen Fonds in der Regel erst von Anlegern getätigt werden, nachdem der Fonds eine eindrucksvolle Performance hingelegt hat. Der Normalanleger also von den bisherigen Erfolgen gar nicht profitiert hat. Analysiert man die Zu- und Abflüsse in Investmentfonds und die Entwicklung der Börsen zum Zeitpunkt der Mittelaufkommen, so stellen wir fest, dass nahe von Hochs gekauft und nahe von Talsohlen verkauft wird. Da die Mehrzahl der Anleger dem Prinzip von Angst und Gier folgen, was nur menschlich ist, verspricht dieses Verhalten langfristig keinen überdurchschnittlichen Erfolg. Es gilt also den Wunsch des Anlegers zu erfüllen, Verluste möglichst zu vermeiden und trotzdem eine gute Rendite zu erzielen.

Aufgabenstellung und Vorbemerkungen Mit der Einführung der Abgeltungssteuer hat es einen gewaltigen Umbruch für Kapitalanleger gegeben, der von der Mehrzahl der Bundesbürger noch gar nicht realisiert wurde. Die Steuerlast auf die ordentlichen Erträge (Zinsen, Dividenden etc.) ist vom individuellen Spitzensteuersatz auf den Abgeltungssteuersatz gesunken (25 % zzgl. Soli und evtl. Kirchensteuer). Im Gegenzug werden zur pauschalen Besteuerung

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Streuung

Chance und Risiko Die gesunde Portfoliostruktur

mit dem Abgeltungssteuersatz künftig alle Kursgewinne erfasst. Während Zinsen und Dividenden jeweils im Jahr des Zuflusses versteuert werden, sind Kursgewinne erst dann zu versteuern, wenn sie beim Anleger endgültig realisiert werden, also beim Verkauf des jeweiligen Wertpapiers / Fonds. Wesentlich kommt es also jetzt darauf an, eine Anlagestruktur zu finden, die den angestrebten langfristigen Chancen und der diesem Streben meist entgegenstehenden Risikobereitschaft in verschiedensten Marktphasen gerecht wird. So wie 2005 oder 2006 noch der warnende Hinweis angebracht war, sich nicht an den besonders guten Ergebnissen der letzten Jahre zu orientieren, so muss man sich heute frei davon machen, aufgrund jüngster Börsenturbulenzen zu vorsichtig zu agieren. Eine falsche Positionierung und häufige Umschichtung des Depots mindert sofort den Wertzuwachs um die abfließende Abgeltungssteuer.

C

hance und Risiko einer Anlage stehen stets in unmittelbarem Zusammenhang. So ist ein höherer Ertrag einer x-beliebigen Kapitalanlage genau genommen nichts anderes als eine Art Risikoprämie für die in Kauf genommenen Risiken. Dabei muss mit Risiko keineswegs ein absolutes Verlustrisiko gemeint sein. Von mangelhafter Verfügbarkeit bis hin zu Schwankungsrisiken gibt es eine Reihe von Einschränkungen, die bei einer Kapitalanlage hinterfragt werden müssen. Aber nicht immer führen höhere Ertragschancen bei höheren Risiken auch tatsächlich zu besseren Ergebnissen. Dies soll an einem einfachen – zugegebenermaßen besonders plakativen – Beispiel verdeutlicht werden.

Systematischer Vermögensaufbau Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3 Jahr 4 Jahr 5 Jahr 6 Jahr 7 Jahr 8 Jahr 9 Jahr 10 addiert kummuliert Strategie 1 +30 % -15 % Strategie 2 +7 % +7 %

+10 % +10 % +10 % -15 % +7 % +7 % +7 % +7 %

Obwohl die Strategie 1 in 8 von 10 Jahren ein um mindestens 40 % besseres Ergebnis erwirtschaftet hat, ist die auf den ersten Blick eher langweilig anmutende Strategie 2 per Saldo deutlich erfolgreicher. Es kommt also sehr wesentlich darauf an eine Anlage zu finden, bei der verschiedene Bausteine so miteinander kombiniert werden, dass insgesamt eine vergleichsweise konstante Entwicklung erwartet werden kann. Streckenweise scheint diese Strategie den starken Aufschwungphasen nach einer heftigen Korrektur unterlegen zu sein. Wer ein Ertragsziel von bspw. 12,5 % pro Jahr anpeilt und im ersten Jahr gleich 25 % verliert, der müsste im zweiten Jahr ein Plus von 68,75 % erzielen, um wieder (mit einem Depotwert von knapp 127 %) auf Kurs zu sein.

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+10 % +10 % +10 % +10 % +70 % +83,0 % +7 % +7 % +7 % +7 % +70 % +97,6 %

Ist also nun bspw. eine 7 %-ige Ertragsentwicklung über einen längeren Zeitraum angestrebt, so wird es natürlich nicht zu der gleichmäßigen Entwicklung gemäß Strategie 2 (siehe Tabelle) kommen. Gewisse Schwankungen der Wertentwicklung stellen – insbesondere bei Betrachtung kürzerer Zeiträume – ein Risiko dar, für welches der langfristig höhere Ertrag, der angestrebt wird, die Prämie ist. Kommt es also zu einer geradezu idealtypischen Entwicklung, wie sie schematisch in der Grafik auf der nächsten Seite dargestellt ist, so stellt man fest, dass die angestrebte Entwicklung sich nur ganz selten in der Realität wieder findet (rote Kreise in der Grafik), obwohl man eigentlich grundsätzlich auf dem richtigen Kurs ist.

Systematischer Vermögensaufbau funktioniert nur mit langfristiger Perspektive.

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Chance und Risiko

Chance und Risiko Beispiel Aktienfonds

Es kommt also darauf an, möglichst unterschiedliche Fondskonzepte zu einer Depotstruktur zusammenzufassen, die bei unterschiedlichem Kursverlauf die Konsistenz der Depotentwicklung dahin gehend begünstigen, dass stärkere Schwankungen verhindert werden.

Mancher Fonds erbringt eine gewisse Zeit lang in Relation zum Markt beste (jedoch vom Anleger so nicht eingeschätzte) Ergebnisse. Andere Fonds erzielen in Phasen einer Korrektur geringere Verluste oder sogar Gewinne, was eine stetigere Depotentwicklung begünstigt.

Dabei fällt es Anlegern oft schwer die Fonds, die sich bei guter Börsenstimmung vermeintlich schlecht entwickeln, zu akzeptieren. Viel wichtiger als kurzfristige Erfolge, die für das Langfristergebnis völlig irrelevant sind, scheint also die Frage, was bestimmte Bausteine des Depots langfristig Positives bewirken können.

In diesem Sinne sollen die nachfolgenden Ausführungen durchaus auch verstanden werden.

H

öhere Chancen sind im Prinzip nichts anderes, als der Lohn der Angst – oder anders ausgedrückt: Langfristig höhere Erträge sind die Risikoprämie für die in Kauf genommenen Schwankungen der Wertentwicklung. Am Beispiel eines außerordentlich erfolgreichen Fonds, der übrigens – damit keine Missverständnisse aufkommen – deutlich besser rentierte, als die überwältigende Mehrzahl aller ähnlichen in Deutschland zugelassenen Fonds – soll aufgezeigt werden, was damit gemeint ist. Es handelt sich um den im Oktober 1990 aufgelegten europäischen Aktienfonds Fidelity European Growth. Nur die allerwenigsten Anleger dürften allerdings seit Beginn dabei sein, denn alleine in den letzten fünf Jahren floss dem Fonds fast die Hälfte seiner aktuellen Anlagemittel zu.

erwirtschaftet. Doch dieser Erfolg verteilte sich keineswegs linear. Nach vierjähriger SeitwärtsBewegung folgte ein Anstieg von 250 % in dreieinhalb Jahren. Anleger, die nun den Mut zum Einstieg fassten, erlebten zunächst einmal 41,5 % Minus im Herbst 1998. Nur wer durchhielt, gewann anschließend in knapp zwei Jahren 170 % hinzu, ehe ein erneuter Crash auf Raten mit einem Minus von abermals rund 40 % folgte. Ab März 2003 hat sich der Wert deutlich mehr als verdoppelt, ehe es dann gar um 57 % bergab ging. Dies ist der Preis für hohen langfristigen Wertzuwachs.

Über die gut 19 Jahre seines Bestehens hat der Fonds im Schnitt pro Jahr rund 10,3 %

Angestrebte Durchschnittsentwicklung und Tatsächliche Depotwertentwicklung Wertentwicklung

Fidelity European Growth vs. Euro Stoxx 50 -57 %

14 12 10

16

844 % 673 %

8 7 6

Zeit

1102 %

-40 % -41,5 %

587 % 501 %

5

329 %

4

243 %

3

158 %

2

72 %

1994

1996

1998

2000

2002

2004

2006

2008

2010

Anlegerpsychologie und zyklisches Verhalten sind Gründe für schlechte Renditen.

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Chance und Risiko

Zwischen Angst und Gier

Mischfonds sind gegebenenfalls die bessere Alternative

Die Gratwanderung

D

W

ie Problematik bei vielen unzufriedenen Anlegern ist, dass sie aufgrund hervorragender Ergebnisse, die einer oder mehrere Fonds jüngst erzielt haben, mit hohen Erwartungen in diese Fonds investiert bleiben und sich keine Gedanken darüber machen, wie hoch die Schwankungsbreite des Ergebnisverlaufs (und damit das maximal akzeptierte Rückschlagpotenzial) ausfallen darf. Folgt dem steilen Anstieg (an dem der Anleger oft nicht beteiligt war) ein herber Kurssturz, so wird zum völlig falschen Zeitpunkt die Konsequenz gezogen: Ausstieg mit Verlust! Gerade bei Länder-, Branchen- oder ThemenInvestitionen, bei denen die Trends noch deutlich ausgeprägter verlaufen, wird dies zu einer großen Gefahr für den langfristigen Erfolg der

Vermögensanlage (vgl. Seite 15; Tabelle Strategie 1 und 2). Es kommt also ganz wesentlich darauf an, eine möglichst genaue Definition der Anlageziele vorzunehmen. Ggf. kann ein langweiliger Mischfonds die deutlich bessere Alternative sein: Jeder vermiedene (oder zumindest abgeschwächte) Rückgang muss anschließend nicht aufgeholt werden. Und dass man mit einer defensiveren Ausrichtung nicht zwangsläufig auf Ertragschancen verzichten muss, zeigt der langfristige grafische Vergleich eines hervorragenden Mischfonds mit dem Fonds-Klassiker Templeton Growth Inc. (durchschnittlich 9,85 % p. a. seit 1954). Es scheint plausibel, dass der Mischfonds langfristig offensichtlich trotz – oder gerade wegen – seiner geringeren Schwankung sehr ansprechende Erträge generieren kann.

arum es so schwierig ist, daran zu glauben, das Richtige getan zu haben, zeigt die folgende Grafik, deren Gesamtentwicklung natürlich heute bekannt ist, sodass die Entscheidung für die sich konsistenter entwickelnde Anlage einleuchtet. Aber die einzelnen Phasen zeigen das Dilemma.

DWS Vermögensbildungsfond I vs. Internationale Mischfonds

170 160 150 140 130 120 110

241 % 221 % 201 % 181 % 161 % 140 % 120 %

100

100 %

90

80 %

80

60 %

70

40 %

60

20 %

50

0 % 2000

Templeton Growth Fund vs. Mischfonds

21

648 %

17

505 %

14

308 %

12

327 %

10

266 %

8

185 %

6

114 %

4

42 %

1991

18

1993

1995

1997

1999

2001

2003

2005

2007

2009

2002

2003

2004

2005

2006

Die vier folgenden kleinen Grafiken zeigen exakt den Verlauf der großen Grafik in vier unterschiedlichen Phasen. Stets hat man das Gefühl, vielleicht doch nicht die richtige Entscheidung getroffen zu haben, weil erst der langfristige Überblick zeigt, was wirklich richtig war. Dieses Beispiel dient nur der Verdeutlichung und soll keine Aufforderung sein, nun in diesen oder in einen einzigen Fonds zu investieren.

0 %

2,8

2001

2011

2007

2008

2009

2010

Schwankungen auskommt, durchaus in der Lage, langfristig vergleichbare Erfolge zu erzielen. Natürlich wird es zwischenzeitlich Phasen geben, in denen der Aktienfonds deutlich überlegen scheint (bspw. 1999–2002). Hiervon darf man sich nicht verunsichern lassen, denn in der nächsten Korrektur oder Baisse schlägt die Stimmung schnell wieder um.

Defensivere Strategie ist nicht gleichbedeutend mit geringerem Ertrag. Wie der langfristige Vergleich eines erfolgreichen Aktienfonds mit einem globalen Mischfonds auf der vorigen Seite bereits zeigt, ist eine gleichmäßigere Entwicklung, also eine Entwicklung, die mit geringeren

Defensive Strategie ist nicht gleichbedeutend mit geringerem Erfolg.

19


Zwischen Angst und Gier

Zwischen Angst und Gier

110

109,2 %

100

90,2 %

90

71,2  %

80

52,1 %

70

33,1 %

60

14,1 %

52,6 Jul 99

Jul 99

Jul 99

Jul 99

125

11,6 %

112

0 %

105

-6,3 %

95

-15,2 %

85

-24,1 %

75

Mitte 2002: „Das war wohl nichts. Dann doch lieber konservativ!“

-33,1 % Okt 00

Jan 01

Apr 01

Jul 01

Okt 01

Jan 02

Apr 02

94 90 86 82 78

22,3 % 17,1 % 11,9 % 6,7 % 1,5 %

72 68 64

-6,3 % -11,5 % -16,7 %

60

-21,9 %

56

-27,1 %

52

Mitte 2004: „Immerhin liege ich mit meiner Entscheidung noch vorn, aber …“

Jan 03

Apr 03

Jul 03

Okt 03

Jan 04

46,9 % 41,6 % 36,2 % 30,9 % 25,6 % 20,2 % 14,9 % 9,5 %

78 74,9

4,2 % 0 %

70

Mitte 2007: „Habe ich´s doch gewusst. Der Aktienfonds war doch die bessere Wahl!“

-6,5 % Jan 05

Jul 05

Jan 06

Jul 06

25,3 % 19,9 % 14,4 % 9 %

85

-7,4 %

80

-12,8 %

75

-18,3 %

70

-23,7 %

65

-29,2 %

60

-34,6 %

3,5 % 0 %

-40,1 %

55 Jan 06

Jul 06

Jan 07

Jul 07

Jan 08

Jul 08

Jan 09

150

Apr 04

110 106 102 98 94 90 86 82

115 110 105 100 95 91,8

DWS Vermögensbildungsfond I vs. verschiedene Mischfonds

-32,3 % Okt 02

Die nächste Grafik unten zeigt einen Ausschnitt aus der Gesamtentwicklung wie sich verschiedene Mischfonds in der Krise in Relation zum Klassiker DWS Vermögensbildungsfond I entwickelt haben. Dass mit einem solch vorsichtigen Agieren nicht zwangsläufig alle Chancen im Aufschwung vergeben sind, zeigt die längerfristige Betrachtung in der darauf folgenden Grafik, in der genau die gleichen Fonds mit dem DWS-Aktienfonds gut mithalten konnten.

DWS Vermögensbildungsfond I vs. verschiedene Mischfonds

3 % Apr 99

20

Mitte 2000: „Na da wechsle ich doch lieber in den erfolgreichen Aktienfonds!“

163,7 %

140

120,9 %

130

105,1 %

120

81,5 %

110

65,7 %

100

49,9 %

90

34,1 %

80

18,4 %

70

10,5 %

63,4 60

0 % -5,3 %

55

Jan 07

-13,2 % 2004

Depotstrukturierung ist die Kunst, den Grat zwischen Angst und Gier auszuloten und zu versuchen, auf keiner der beiden Seiten abzustürzen.

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

Vermögensverwaltende Fonds mit klaren Vorteilen.

21


Fondsbesprechungen

Sachwert schlägt Geldwert

Anmerkungen

Anmerkungen zu ungedeckten Geldsystemen

D

ie bewusst kurz gehaltenen Besprechungsergebnisse der einzelnen Fonds dienen dazu, einen groben Überblick über die Leistungsfähigkeit von vermögensverwaltenden Fonds zu geben. Die Besprechung aller Details zum Konzept, zum Management, zu Kosten (die in den dargestellten Ergebnissen mit Ausnahme des Agios stets berücksichtigt sind) und zur Risikokontrolle würde derart umfangreich ausfallen, dass sie den hier gesteckten Rahmen sprengen würde. Zu beachten ist, dass mit teilweise dargestellten Fonds keinerlei Empfehlung verbunden sein kann, da diese nur zur Verdeutlichung der Anlageproblematik dienen sollen und dabei völlig unberücksichtigt lassen, ob der jeweilige Fonds zu den individuellen Vorstellungen hinsichtlich Anlagehorizont, Risikobereitschaft etc. passt. So sind auch als besonders gut herausgestellte Fonds zunächst einmal nur im Rahmen vergleichbarer Fonds besonders gut. Der beste Aktienfonds kann für einen konservativen Anleger mit geringer Risikobereitschaft ebenso schlecht sein, wie ein schwankungsarmer Fonds mit entsprechend geringer Renditechance für einen langfristig orientierten Anleger mit einer gewissen Risikobereitschaft. Gerade unter dem Aspekt der Abgeltungssteuer kommt es darauf an, den Anlagehorizont und die individuellen Vorstellungen hinsichtlich Chance und Risiko anhand der Ausführungen auf den ersten Seiten bestmöglich zu präzisieren, um eine Struktur von unterschiedlichen Fonds vorschlagen zu können, mit der die mit der Anlage verbundenen Ziele möglichst lange im Anlegersinne verfolgt werden können, ohne dass die Pferde gewechselt werden müssen.

22

Ohnehin wird sich erfahrungsgemäß ein gewisser Teil der ausgesuchten Anlagen – heute natürlich nicht erkennbar – künftig schlechter als bislang entwickeln, was am besten durch entsprechende Streuung (und damit auch Fonds, die sich besser als erwartet entwickeln) ausgeglichen werden kann. Wichtige Grundlage für eine gute Beratung ist zweifelsfrei die Unabhängigkeit von Konzerninteressen, denn es gibt für verschiedene Bereiche jeweils von verschiedenen Gesellschaften die besten Fonds. Wenn aber die Volksbank überwiegend Union-Fonds bzw. die Deutsche Bank mehrheitlich DWS-Fonds anpreist, dann kann man wohl kaum von einer objektiven Beratung ausgehen.

G

eld ist eine Erfindung, die den Warenaustausch oder die Bezahlung von Dienstleistungen vereinfachen soll. Denn eine Tauschwirtschaft stößt sehr schnell an ihre Grenzen und ist heutzutage nicht mehr vorstellbar. Zunächst gilt es aber zu verstehen, was Geld eigentlich ist. Bis 1971 war in unserem US-Dollar zentrischen Finanzsystem die Währung durch Goldreserven gedeckt. US Präsident Richard Nixon hob die Hinterlegung des US-Dollar mit Gold auf. Dadurch konnte Amerika einfacher Giralgeld (FIAT Money = aus dem Nichts geschaffen) erzeugen und die Kosten des Vietnam Krieges finanzieren. Seit diesem Zeitpunkt ist zu beobachten, dass weltweit die Verschuldung der Staaten enorm zunimmt und die Geldmenge schneller wächst als die Summe der Wirtschaftsleistungen. Die Zunahme an Geld ist der Grund für Inflation (Kaufkraftverlust) und den allmählichen Verfall der Währungen. Letztendlich basiert der Wert von Geld auf dem Vertrauen in die Stabilität einer Währung. Und so kann man die Umrechnungskurse der unterschiedlichen Währungen untereinander durchaus als Gradmesser für das Vertrauen in eine Währung verstehen. Wenn also der US-Dollar gegenüber dem Euro schwächer wird, so ist dies ein Ausdruck des schwindenden Vertrauens in die Leistungsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft sowie derer ausufernden Staatsverschuldung. Im Falle Deutschlands nimmt der Staat (indirekt die Bürger) Geld bei Banken auf oder gibt Staatsanleihen aus (siehe Fremdkapital). Bezahlen müssen die Bürger diese Verschuldung letztendlich selbst. Entweder über höhere Steuern und Abgaben, über Kürzungen von Leistungen des

Staates oder über die Entwertung ihres Vermögens (Inflation). Würde man also die Kapitalzinsen auf Anleihen um die o.g. Effekte bereinigen, also abzüglich Inflation, Steuern, etc., so findet real permanent Vermögensenteignung statt. Beobachtungen können den Schluss zulassen, dass Politiker häufig nur in Wahlperioden denken und nicht an die langfristigen Folgen ihres Handelns. Der Bürger heißt Bürger, weil er für die Schulden des Staates bürgt. Auch wenn alle Bürger gleichermaßen betroffen sind, so gilt es aus meiner Sicht natürlich den fleißigen Sparer vor diesen Effekten zu schützen. Denn Geld kann man nur von jemandem nehmen, der Vermögen hat. Wenn Geld, wie schon Voltaire so treffend bemerkte, sich irgendwann seinem inneren Wert nähert, nämlich Null, dann ist es sinnvoll, neben Geldwerten auch in Sachwerte zu investieren, da diese i. d. R. nicht auf Null fallen können. Bedenken Sie, es gibt praktisch keine Währung, die vor 200 Jahren geschaffen wurde und heute noch existiert. Auch der Euro ist eine fehlerhafte Konstruktion, wie wir heute wissen. Denken Sie einmal an den de facto Staatsbankrott von Griechenland oder die Tatsache, dass die Mehrheit der Franzosen eine Rentenreform mit der Erhöhung des Renteneinstiegsalters von 60 auf 62 Jahre kategorisch ablehnt. Indirekt oder direkt zahlt dies der deutsche Steuerzahler mit seinen Beiträgen an die EU oder in Rettungsfonds. Obwohl Deutschland zu den Hauptprofiteuren

Der innere Wert von Papiergeld ist Null.

23


Sachwert als wichtiger Anker des Vermögensaufbaus des Euro gehört, ist die Frage, wie lange die Bürger bereit sind, für die Fehlentwicklungen in anderen Staaten aufzukommen. Geldwertstabilität ist also auch ein Thema der Politik und nicht nur der Finanzindustrie.

Sachwerte als wichtiger Anker des Vermögensaufbaus. Die Preise von Sachwerten unterliegen Schwankungen. In konjunkturell starken Zeiten sind die Preise für Immobilien höher als in Schwächeperioden. Und auch für andere Sachwerte können die Preise je nach Situation an den Weltmärkten höher oder niedriger ausfallen. Klassische Beispiele sind Missernten, Ungleichgewichte bei Angebot und Nachfrage, kostenintensivere Förderung von Rohstoffen oder auch gesetzliche Auflagen die Produkte verteuern können (z. B. Klimaschutz). Daher ist es wichtig, eine breite Streuung der Vermögenswerte vorzunehmen und Preisrückgänge bei einem Vermögenswert durch Preissteigerungen in einem anderen auszugleichen. Der am häufigsten genannte Sachwert  ist  die Immobilie, gefolgt von der Aktie. Wenige Kapitalanleger nutzen jedoch weitere Möglichkeiten der Diversifizierung. Unternehmerische Beteiligungen sind bei dem Gros der Anlegern kaum oder gar nicht bekannt. Zumal die Angst vor Verlusten, in dem oft als grauen Kapitalmarkt bezeichneten Segment, sehr groß ist. Aufgrund von gesetzlichen Standards ist in den Prospekten gefordert auf alle Risiken hinzuweisen. Das größte Risiko eines Unternehmens ist der Konkurs und so ist in allen Prospekten der Verweis auf einen Totalverlust der Anlage obligatorisch. Das schreckt die Masse der Anleger ab. Leider

24

beschneiden sie sich dadurch aber selbst. Denn erstens können Sie nicht an bestimmten Chancen partizipieren und zweitens verletzen sie das Gebot der Streuung über alle Anlageklassen hinweg. Die Branche hat dies inzwischen erkannt und bietet daher dem Anleger Produkte an, in denen mit wenigen Tausend Euro in sog. Portfolio Fonds investiert werden kann. Bei einem Portfolio Fonds (Dachfonds) beteiligt sich der Anleger gleich an mehreren geschlossenen Fonds aus unterschiedlichen Bereichen. Sollte ein ZielInvestment einmal weniger erfolgreich sein als ursprünglich prognostiziert, so ist dennoch nicht die ganze Investition durch einen Total- oder Teilverlust gefährdet. Mehrere Studien haben belegt, dass die Beteiligung an geschlossenen Fonds eine breitere Streuung ermöglicht und das Risiko für das Portfolio reduziert. Gleichzeitig verbessert sich die Rendite und laufende Ausschüttungen können zum Verzehr genutzt werden. Der Anleger bezahlt diesen Vorteil jedoch mit längeren Laufzeiten (3–25 Jahre), denn eine tägliche Handelbarkeit wie bei einem Investmentfonds ist hier nicht gegeben. Ein vorzeitiger Ausstieg ist nicht möglich. Einen geregelten Zweitmarkt gibt es für diese Beteiligungen nicht, sodass im Falle eines vorzeitigen Verkaufs hohe Verluste auf den Anleger zu kommen. Diese Art der Investitionen sollte also nur bei ausreichenden Reserven eingegangen werden und wenn man auf laufende Erträge aus seinem Investment nicht angewiesen ist. Denn auch wenn diese prospektiert und geplant sind, können diese jederzeit bei nicht planmäßigem Verlauf der Beteiligung durch den Initiator ausgesetzt oder reduziert werden.

Schlussfazit

D

em Anleger empfehle ich, je nach persönlicher Lebens- und Vermögenssituation, seine Positionierung regelmäßig zu überprüfen und dabei den Gedanken eines gesunden Portfolios zu verfolgen. Beachten Sie das Gebot der Streuung und setzen Sie nicht alle Karten auf nur ein Pferd. Überlegen Sie, welche Anlagen kurzfristig zu liquidieren sind (Notgroschen) und welche Gelder mittel- oder langfristig investiert werden können. Eine Investition sollte plausibel sein und ihr Bauchgefühl positiv ansprechen, ansonsten lassen Sie die Finger davon und beobachten Sie das Investitionsthema zunächst weiter. Manchmal muss man neuen Anlagethemen etwas Zeit lassen. Finanzprodukte beinhalten Kosten für Management, Auflegung, Prospekt und Marketing, Anlegerbetreuung und Rechenschaftsberichte, Treuhänder, Anwälte und Wirtschaftsprüfer, Jahresabschlüsse, Vertrieb, usw. Alleine nur auf die Kosten zu schauen ist aber genau so falsch, wie gar nicht auf die Kosten zu achten. Die Kosten einer Kapitalanlage sollen in gesundem Verhältnis zu der Renditeerwartung, dem Investitionsvehikel und dem Anlagehorizont stehen.

Ziel Ihrer persönlichen Vermögensstruktur sollte es sein, • Vermögen langfristig zu erhalten und aufzubauen. • eine Rendite zu erwirtschaften die einen angemessenen Inflationsausgleich herstellt (>5 % p. a.). • Ihr Gesamtvermögen nicht zu großen Einzelrisiken auszusetzen und • Ihr Vermögen, gemäß Ihrer individuellen Risikoneigung, geringeren Schwankungen auszusetzen.

Ich wünsche Ihnen hierbei viel Erfolg.

Investieren Sie künftig wie die weltweit erfolgreichsten Investoren, und gehen Sie dadurch weniger Risiken für ihren Vermögensaufbau ein.

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Platz f端r Ihre Notizen

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Mit Sicherheit Rendite  

Ein Buch von N-FINANCE, Olaf Neuhaus.

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