Oktober 2013 | aha - alles halle

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NAH DRAN

VON NULL AUF HUNDERT

[jag] Halle und Händel, das passt zusammen. Aber Halle und HipHop? Thomas Hökelmann und seine Crew ¿Guess What? beweisen, dass sich hierzulande in Sachen HipHop-Kultur noch einiges bewegen kann.

Was macht einen guten HipHop-Tänzer aus? Für Thomas alias Tom ist es „Hunger und Disziplin“. Er muss es wissen, denn „Hunger“ hat er. In drei Tanzstudios und dem Sportkurs der Martin-Luther-Universität gibt er sieben Mal pro Woche HipHop-Unterricht, daneben trainiert er regelmäßig mit seiner Crew ¿Guess What? In diesem Jahr hat er mit seinem Team zum ersten Mal an den Deutschen Meisterschaften im HipHop teilgenommen − und die Silbermedaille abgeräumt. Newcomer aus dem Osten Unter den 20 Mannschaften, die bei der Deutschen Meisterschaft in Mannheim gegeneinander angetreten sind, waren die sieben Tänzer aus Halle die absoluten Neulinge. Erst Ende 2012 hatte sich die Crew ¿Guess What?, bestehend aus fünf Mädels und zwei Jungs, gegründet. Getanzt haben sie allesamt schon vorher, aber eben noch nie auf Turnierebene. Bei dem regionalen Vorentscheid für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften war das Lampenfieber entsprechend groß – wie sich zeigen sollte, aber völlig unbegründet: Die Crew holte den Titel des Ostdeutschen Meisters und löste damit das heiß ersehnte Ticket für die Deutschen Meisterschaften. „Die DM war unser Traum, nur deswegen haben wir die Gruppe überhaupt gegründet“, verrät Tom. Für diesen Traum bereiteten er und seine Truppe sich ein halbes Jahr lang vor. Kurz vor dem Meisterschaftstermin standen sie fast täglich im Trainingsraum. Große Hoffnungen machten sich Tom und seine Tänzer trotzdem nicht: „Wir wussten gar nicht, was uns erwarten würde. Wichtig war für uns eher, dass wir Erfahrungen sammeln und Halle vorstellen.“ Spaß am Tanzen Dass die Truppe mit diesen Erwartungen tief gestapelt hatte, wurde schon in der Vorrunde klar. In der wurden sie in die „Masterreihe“ – eine Jury-Auswahl der besten Gruppen – gehoben. Das lag wohl auch an der humorvollen Choreografie, die Tom und seine Crew einstudiert hatten. „Es gibt ja immer das Klischee der coolen HipHopper, wir wollen aber vor allem den Spaß am Tanzen verkörpern.“ Sowieso nimmt sich Tom, der eigentlich im Master BWL studiert, beim Tanzen nicht allzu ernst. Bei der Frage nach einem Auftritt, an den er sich gern erinnert, erzählt er von einer ARD-Show, bei der er zu Michael Wendlers „Sie liebt den DJ“ die Hüften geschwungen hat. Der Schlagersong war für Tom, der eigentlich eher auf die Musik von Jay-Z und Tyga steht, nicht gerade der Hit, Lampenfieber hatte er trotzdem. „Ich wollte auf keinen Fall bei Stefan Raabs TV-TotalShow auf dem Button landen.“ Tom hatte Glück: Der Button blieb ihm erspart, der „Ruhm“ allerdings nicht. „Am nächsten Tag kannten mich alle Senioren im Dorf meiner Oma.“

HipHop als Lifestyle Auch für ihr Debüt bei den Deutschen Meisterschaften haben Tom und seine Crew viel positives Feedback bekommen. An der Choreografie für das Turnier hat er mit seinen Tänzern wochenlang gefeilt. „Klar habe ich einen Großteil zu der Choreo beigetragen, aber mir war wichtig, dass auch die anderen ihre Ideen einbringen können.“ In den dreiminütigen Tanz sind deshalb ganz verschiedene Stile eingeflossen. Und genau diese Abwechslung findet Tom wichtig: „Schließlich kann sich beim Tanzen innerhalb von einem Jahr viel verändern.“ Um dabei nichts zu verpassen, fährt er so oft wie möglich zu Tanzworkshops quer durch die Republik. Inspiration holt sich der 30-Jährige aber auch gern bei amerikanischen HipHop-Kollegen. „In den USA ist HipHop-Dance ein kompletter Lifestyle, da fangen schon die ganz Kleinen mit Tanzen an; und das sieben Tage die Woche.“ In Halle könne man dagegen in Sachen HipHop-Tanz noch Einiges bewegen, findet Tom: „Hier herrschte jahrelang tote Hose.“ Erst in den letzten zwei Jahren sei die Stadt ein wenig aufgewacht. In Jugendclubs finden immer mehr Kinder und Teenager Begeisterung am Tanzen und genau die möchte Tom in seine Kurse holen. „Halle hat enormes Potential, hängt beim HipHop aber noch ein wenig hinterher. Ich hoffe, dass ich einen Teil dazu beitragen kann, dass sich das ändert.“ Bei dieser Begeisterung ist das wohl nur noch eine Frage der Zeit. Unser Tipp: Am 27. Oktober gibt Tom zusammen mit Steffen Wedler seinen nächsten HipHop-Workshop in der Bergschenke in Kröllwitz, am Hohen Weg 4. Mitmachen dürfen alle, die mindestens 15 Jahre alt sind und schon erste Erfahrungen im HipHop-Tanzen haben. Anmelden könnt ihr euch auf www.facebook. com/DanceWorkshopsHalle. www.facebook.com/tom.thomson.351

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