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18     NAH DRAN

AUF DEM WEG ZUM HIER UND JETZT [mfr] Wir stehen vor dem Wolkentor. Auf

den ersten Blick ein unscheinbares ehemaliges Fabrikgebäude, welches von einer kleinen Mauer umringt wird. Dirk Künne öffnet die Tür. Über uns tibetische Gebetsfahnen, treten wir in einen japanisch anmutenden Garten. Vorbei an einem Teich, Buddha-Statuen und kreisförmig geharktem Kies betreten wir den Zen-Tempel am nördlichen Stadtrand von Halle. Er selbst sei während einer persönlichen Krise zum Zen gekommen, erzählt Dirk. Für ihn war es wichtig, Ruhe zu finden und ganz bewusst mit sich allein zu sein. Schnell wurde ihm klar, dass die Stille etwas sehr Positives ist, aus dem er geklärt mit sich selbst wieder heraustritt. Die Verbindung zum Zen kam erst später durch Bücher, in denen klar wurde, dass die Ziele und Praktiken dieser religiösen Lehrtradition viele Gemeinsamkeiten mit dem hatten, was er suchte. Es folgten Recherchen über konkrete Übungen, die man selbst ausprobieren kann. Und so begann ein langer Weg in die Welt der Meditation. Nach einer 15-jährigen Ausbildung hat es Dirk zum Zen-Meister geschafft und seit über 10 Jahren betreibt er das Wolkentor, seinen eigenen kleinen Tempel. Zen entstand ursprünglich in Indien als ein Teil des Buddhismus. Im Laufe der Zeit entwickelten sich jedoch viele verschiedene Strömungen in Korea, Japan und außerhalb Asiens. Für Dirk steht die Religion jedoch nicht im Vordergrund. Auf die Frage, ob er sich selbst als Buddhisten bezeichnen würde, reagiert er zwar zögernd mit ja, aber eindeutig beantworten könne er diese Frage nicht. Wichtig sei für ihn vor allem, dass die Praxis im Fokus steht. Nahezu alle Teilnehmer seiner Kurse sind Atheisten. Es geht nicht um Mystik oder gar Esoterik, was oftmals zu Unrecht von vielen Menschen mit Themen wie Zen und Meditation in Verbindung gebracht wird und sie abschreckt. Vielmehr ist das Ziel, das Hier und Jetzt voll auszuschöpfen, zu lernen, sich richtig zu konzentrieren und Ruhe zu finden, um dann wieder gestärkt in den Alltag zu gehen. Wer sich mit Zen auseinandersetzen will, sollte vor allem offen gegenüber Neuem sein und verstehen, dass es sich dabei keinesfalls um einen Lifestyle oder Wellness handelt. Vielmehr verfolgt es einen sehr praktischen alltäglichen Nutzen, von dem die meisten von uns profitieren würden. Versucht doch mal, 15 Minuten lang nur zu sitzen und euch ausschließlich auf die Atmung zu konzentrieren – ohne an etwas anderes zu denken. Gar nicht so einfach, oder?

Das alles erfordert Geduld und Übung. Viele von denen, die das MeditationsCoaching wieder abbrechen, scheitern daran, dass ihre Erwartungen in die falsche Richtung gehen, meint Dirk. Man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn man nach wenigen Versuchen noch nicht die Ruhe selbst ist. Auch geht es nicht darum, Lösungen für private Probleme zu finden. Zen ist keine Therapie. Die Praktizierenden lernen, von ihren Gedanken loszulassen, ihre Sorgen für den Moment zu vergessen und sich nur auf den Augenblick zu konzentrieren. Den eigenen Kopf freizukriegen, ohne sich ablenken zu lassen, ist dabei gar nicht so einfach, wie es klingt. Gerade in Zeiten, in denen Burn-out und hohe psychische Belastungen keine Seltenheiten sind, ist es jedoch eine sehr nützliche Fähigkeit. Wie man am besten an die Zen-Praxis herangeht, ist individuell unterschiedlich. Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Die klassische Übung besteht aus dem reinen Meditieren. Dies tut man weitestgehend für sich, aber es werden auch Einzelgespräche mit dem Lehrer geführt. Wem das zu trocken ist, der kann sich im Wolkentor aber auch an vielfältigen weiteren Angeboten orientieren. So ist es möglich, das Ganze mit Yoga zu verbinden oder eine kleine Pilger-Reise zum Petersberg zu unternehmen. Übrigens braucht ihr keine Angst davor zu haben, lange knien zu müssen. Zwar ist es die traditionelle Haltung, im Knien auf einer Matte Platz zu nehmen, aber bei Bedarf kann man sich auch auf einen Stuhl setzen, um seine Gelenke zu schonen. Ob dieses Angebot etwas für euch ist, erfahrt ihr, wenn ihr einfach mal einen Zen-Tag im Wolkentor besucht. Dann werden alle wichtigen Dinge erklärt und ihr bekommt einen Einblick. Der nächste Zen-Tag ist übrigens am 18. Dezember. www.wolkentor-zen.de

Dezember 2016 | aha - alles halle  

aha - alles halle | Dezember 2016 | Titel: Club L1

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