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URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

URBACT – Europaweiter Erfahrungsaustausch zur integrierten Stadtentwicklung


Vorwort URBACT ist ein Programm der Europäischen Kommission und der Mit­ gliedstaaten, mit dem der Erfahrungsaustausch zwischen den Städten gefördert wird. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen Projekte zur integrierten Stadtentwicklung. Nachdem nun die erste Phase des Pro­ gramms mit beeindruckenden Ergebnissen abgeschlossen ist, stehen wir nun vor der nächsten. Deutschland hat von Anfang an den europaweiten Erfahrungsaustausch zwischen den Städten unterstützt. Uns geht es dabei um den Aufbau einer „Zweibahnstraße“. Deutschlands Städte können auf viele gute An­ sätze und Projekte zur integrierten Stadtentwicklung verweisen. Aber wir wollen auch lernen. Noch nie hat der Blick über den Tellerrand ge­ schadet. Programme wie URBACT oder EUKN öffnen den Blick auf Eu­ ropa. Mit der „Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“ haben die für Stadtentwicklung zuständigen Ministerinnen und Minis­ ter im Mai 2007 ausdrücklich die Bedeutung eines systematischen und strukturierten Austauschs von Erfahrungen und Know-how im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung unterstrichen. URBACT II bildet hierbei eine wichtige Plattform. Mir ist bewusst, dass europäische Zusammenarbeit auch Mehraufwand bedeutet. Aber die in dieser Broschüre vorgestellten Beispiele zeigen: Dieser Mehraufwand lohnt sich. Anders als unter URBACT I können sich jetzt im Rahmen von URBACT II alle Städte der EU, der Schweiz und Norwegens mit 10 000 und mehr Ein­ wohnern am Programm beteiligen. Mit rund 53 Mio. Euro aus dem Eu­ ropäischen Fonds für regionale Entwicklung wird URBACT II zwischen 2008 und 2013 gefördert. Ich wünsche mir eine breite Beteiligung deutscher Städte. Unsere Städte haben viel zu bieten. URBACT II kann nur gelingen, wenn möglichst Viele sich aktiv an dem Prozess beteiligen, ihre Erfahrungen einbringen und bereit sind voneinander zu lernen.

Staatssekretär Dr. Engelbert Lütke Daldrup Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung


Impressum URBACT Nationale Begleitung und Auswertung des URBACT-Netzwerks Projektleitung Dipl.-Soz. Jürgen Göddecke-Stellmann Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Deichmanns Aue 31–37 53179 Bonn Telefon 0 18 88 - 4 01 22 61 Bearbeitung Dipl.-Ing. Sabine Herz Dipl.-Ing. Martina Pauly Dipl.-Ing. Carolin Ruppert Dipl.-Ing. Daniela Vater Forschungs- und Informations-Gesellschaft für Fach- und Rechtsfragen der Raum- und Umweltplanung mbH Bahnhofstr. 22 67655 Kaiserslautern Telefon 06 31 - 36 24 50 Kaiserslautern, den 18. 09. 2007 Gestaltung KOMBO MedienDesign Rainer Geyer, Siegburg Bestellungen Silvia.Becker@bbr.bund.de Stichwort: URBACT Druck Fa. DCM, Meckenheim Nachdruck und Vervielfältigung alle Rechte vorbehalten. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie. http://dnb.ddb.de


Inhalt A URBACT – Erfahrungsaustausch auf Europäischer Ebene 9

Vernetzung städtischer Akteure

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Definition von strategischen Prioritätenachsen

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Fokus auf sechs Themenschwerpunkte

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Netzwerke als Kernelement des Erfahrungsaustauschs

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B Deutsche Beteiligugn im Rahmen von URBACT I 17

1 PHYRE – Ein Netzwerk zur Physischen Stadterneuerung

17

Projektorganisation um drei Themenschwerpunkte

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Fokus auf Fallbeispiele und lokale Projekte

21

Schlüsselkomponenten integrierter Stadterneuerung

21

2 ECO-FIN-NET – Ein Netzwerk zur Förderung der lokalen Ökonomie

28

Bearbeitung einzelner Teilaspekte in Arbeitsgruppen

28

Suche nach innovativen Finanzierungsmöglichkeiten

34

Handlungsempfehlungen zur Unterstützung der lokalen Ökonomie

35

C Erfahrungen aus dem europaweiten Erfahrungsaustausch 40 D URBACT II – Von URBAN in die Mainstreamförderung 44

Ausrichtung auf die Lissabon- und Göteborg-Ziele

46

Thematische Prioritäten als Basis künftiger Projekte

26

Weiterentwicklung und Optimierung der Instrumente

49

E Anhang: Übersicht der Aktivitäten unter URBACT I 53 F Quellenverzeichnis 56 URBACT

56

ECO-FIN-NET

56

PHYRE

56

G Bildnachweis

57


Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Aufbau und Struktur URBACT I (Darstellung FIRU-mbH)

11

Abb. 2: Aufbau des PHYRE-Netzwerks (Darstellung FIRU-mbH)

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Abb. 3: Netzwerkarbeit PHYRE (Darstellung FIRU-mbH)

20

Abb. 4: Aufbau ECO-FIN-NET (Darstellung FIRU-mbH)

28

Abb. 5: Netzwerkarbeit ECO-FIN-NET (Darstellung FIRU-mbH)

34

Abb. 6: Aufbau und Struktur URBACT II (Darstellung FIRU-mbH)

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URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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A URBACT – Erfahrungsaustausch auf Europäischer Ebene

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URBACT ist ein Programm der Europäischen Kom­m ission mit dem Ziel, durch die europaweite Vernetzung städtischer Akteure den Wissensund Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet der integrierten Stadtent­ wicklung zu fördern und voranzutreiben. Bewährte Verfahren werden herausgestellt und weiterentwickelt, best practices verbreitet. Das Programm wurde Anfang des Jahres 2003 im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative URBAN II genehmigt. Vor diesem Hintergrund standen im Zentrum der bis Ende 2006 laufenden ersten Programm­ periode (URBACT I) auch der Austausch, die Weitergabe und die Multiplikation der im Laufe von URBAN erworbenen Erkenntnisse. Programme URBAN I bzw. II und der städtischen Pilotprojekte unter­ stützt wurden, sowie Städte mit mindestens 20.000 Einwohnern aus den neuen EU-Mitgliedstaaten. Das zentrale Medium zur Information über URBACT und zur Ver­ breitung der Erfahrungen, erarbeiteten Hand­lungs­em­pfeh­lungen und sonstigen Ergebnisse ist das Inter­­net: http://www.urbact.eu Im Laufe der ersten Pro­g rammperiode hat sich die Internetseite zu einem umfangreichen Informationsportal entwickelt. Sie enthält eine Vielzahl an Dokumenten der einzelnen Aktivitäten, thematischen Berichten sowie sonstigen querschnittsorientierten Materialien und Hintergrundinformationen.

A  URBACT – ERFAHRUNGSAUSTAUSCH AUF EUROPÄISCHER EBENE

An den Aktivitäten konnten sich Städte beteiligen, die im Rahmen der


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Vernetzung städtischer Akteure Durch die europaweite Vernetzung städtischer Akteure soll der Wis­ sens- und Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet der integrierten Stadt­ entwicklung begünstigt und vorangetrieben werden. Im Einzelnen bedeutet dies: 1. Förderung des Austausch und der Verbreitung von Erfahrungen, Wis­ sen sowie bewährten Verfahren und Praktiken zwischen den teilneh­ menden Städten. 2. Gegenseitiges Lernen und Rückschlüsse aus der gemeinsamen Ana­ lyse der Erfahrungen sowie Nutzen auf kommunaler Ebene, bspw. durch die Weiterentwicklung bewährter Verfahren oder die Umset­ zung innovativer Beispiele. 3. Weitergabe und Verbreitung des im Rah­men der Netzwerkarbeit er­ langten Wissens sowie der aufbereiteten Erkenntnisse über die Netz­ werke hinaus. Nutzbarmachung der Erfahrungen und Informationen

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

für Dritte.

Definition von strategischen Prioritätenachsen Die Verwaltung des Programms wird von der französischen Délégation interministérielle à la ville wahrgenommen. Für die operationelle Umsetzung ist das URBACT-Sekretariat mit Sitz in Paris zuständig. Das Sekretariat koordiniert den Erfahrungsaus­ tausch inhaltlich wie organisatorisch. Ein Begleitausschuss aus Vertretern der beteiligten Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission agiert als Programmkoordination.


Um die genannten Ziele zu erreichen und möglichst effektive Pro­

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grammstrukturen zu schaffen, wurden im Rahmen von URBACT I die folgenden strategischen Prioritätenachsen definiert und um spezi­fische Maßnahmen konkretisiert: 1. Prioritätenachse: Austausch und Verbreitung von Wissen 2. Prioritätenachse: Ergebnisaufbereitung/Nutzbarmachung der

Erkenntnisse und Information

Zusätzlich wurde der funktionale Schwerpunkt „fachliche Unterstüt­ zung“ ein­gerichtet.

URBACT I (2000–2006) Strategische Prioritäten

Instrumente Thematische Netzwerke Qualifikation Studien und andere Initiativen

Information Nutzbarmachung der Erkenntnisse und Information

Koordination Arbeitsgruppen

Fachliche Unterstützung (Vorbereitungs-, Monitoring-, Evaluations- und Kontrollaktivitäten)

1 Eigene Darstellung basierend auf: The URBACT Programme 2002-2006, December 2002 i.V.m. Dé­ légation Interministérielle à la ville: Ex ante Evaluation of the URBACT 2 Programme (based on the Operational Programme dated 29 December 2006), Draft final report, January 2007

Abb. 1: Aufbau und Struktur URBACT I (Darstellung FIRU-mbH1 )

A  URBACT – ERFAHRUNGSAUSTAUSCH AUF EUROPÄISCHER EBENE

Austausch und Verbreitung von Wissen


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Fokus auf sechs Themenschwerpunkte Alle Aktivitäten der ersten Programmperiode standen grundsätzlich im Kontext einer ganzheitlichen Betrachtungs- und Herangehensweise an soziale, kulturelle, ökonomische und ökologische Aspekte. Innerhalb der einzelnen Aktivitäten erfolgte dann den individuellen Bedürfnissen und Interessen der Partner entsprechend eine Schwer­ punktsetzung. Städten mit gemeinsamen oder ähnlichen Problem- und Aufgabenstellungen wurde die Möglichkeit geboten, thematische Partnerschaften einzugehen und gemeinsam Lösungsansätze auszu­ tauschen, zu diskutieren und weiterzuentwickeln. URBACT I vereinte vor diesem Hintergrund unter dem Dach integ­ rierter und nachhaltiger Stadtentwicklungspolitik bzw. übergreifender Planungsansätze zur Aufwertung benachteiligter Quartiere eine breite Themen- und Projektvielfalt: Sechs Schwerpunktthemen: • Bürgerbeteiligung

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

• Wirtschaftstätigkeit und Beschäftigung • Integration ausländischer Mitbürger • Stadterneuerung • Sicherheit in der Stadt • Jugendliche/junge Menschen2 Sonstige Themenfelder: • Verkehr und Umwelt • Soziale Ausgrenzung • Public Private Partnerships • Integrierte Planungsansätze • Informationsgesellschaft • Projektmanagement und -steuerung • Kultur

2 Das Verständnis des Begriffs junge Menschen geht über Kinder und Jugendliche hinaus. Der Begriffsbestimmung des Young Citizens‘ Project folgend zählen alle Zehn- bis Dreißigjährigen zur Gruppe der jungen Menschen.


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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Netzwerke als Kernelement des Erfahrungsaustauschs

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In der ersten Programmperiode wurden thematische Netzwerke, Arbeitsgruppen, Studien und so genannte Qualifizierungsaktionen genehmigt und gefördert. Die transnationalen Netzwerke standen hierbei jedoch im Zentrum von URBACT und stellten den Großteil der genehmigten Aktivitäten des Programms dar. Sie wurden im Sinne der Zielsetzung, Wissen und Erfahrungen zwischen den Städten auszutauschen und zu verteilen sowie dieses Wissen Dritten zugänglich zu gestalten, geschaffen und bilden das Schlüsselelement des Erfahrungsaustauschs. Ein Netzwerk umfasste mindestens fünf Partnerstädte aus mindes­ tens drei Mitgliedstaaten. Die inhaltliche und organisatorische Leitung wurde jeweils durch einen so genannten Leadpartner übernommen. Die Netzwerkarbeit erstreckte sich über einen Zeitraum von bis zu 36 Monaten. Insgesamt haben mehr als 180 Städte an URBACT I teilge­ nommen, davon 12 aus Deutschland. gruppen, die Einzelaspekte des Netzwerkthemas vertieften. Meist wurden thematische Seminare in den beteiligten Städten organisiert und entweder unter Beteiligung einzelner Arbeitsgruppen oder des gesamten Netzwerkes durchgeführt. Durch die Partnerstädte wurden vielfach Fallstudien in die Netzwerkarbeit eingebracht, die gemeinsam untersucht, analysiert und aus denen allgemeingültige Erkenntnisse abgeleitet wurden.

A  URBACT – ERFAHRUNGSAUSTAUSCH AUF EUROPÄISCHER EBENE

Die genehmigten Netzwerke bildeten häufig mehrere Arbeits­


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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B Deutsche Beteiligung im Rahmen von URBACT I

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Zwölf deutsche Städte sowie fünf Universitäten haben sich aktiv an URBACT I beteiligt, die Netzwerkarbeit durch ihre Beiträge bereichert und die Möglichkeit genutzt, unmittelbar von dem europaweiten Wissens- und Erfahrungsaustausch zu profitieren. Insgesamt liefen drei der unter URBACT I genehmigten Aktionen unter deutscher Federführung. Die Humboldt Universität zu Berlin fungierte als Leadpartner der Studie „The Urban Experience“. Im Zentrum der Studie stand die systematische Analyse und Aufbereitung der wissenschaftlichen Literatur zur Anwendung und Umsetzung von URBAN I und II in den europäischen Ländern und Städten.3 Die Städte Kassel und Leipzig haben die Leadpartnerschaft der im Folgenden vorgestellten Netzwerke PHYRE – Physical Regeneration of

1 PHYRE – Ein Netzwerk zur physikalischen Stadterneuerung4 Das Netzwerk PHYRE – Physical Regeneration of Urban Areas beschäftigte sich mit der physischen Erneuerung städtischer Gebiete. Der Fokus des Netzwerkes ging jedoch über die rein bauliche Aufwer­ tung hinaus und beinhaltete soziale wie ökonomische Aspekte. Im Zentrum standen integrierte und ganzheitliche Betrachtungsweisen und Ansätze, die physische sowie soziale, ökonomische und Umwelt­ probleme berücksichtigen und auf eine Bündelung von Ressourcen und Akteuren abzielen.

3 Siehe hierzu: The Urban Experience: The European URBAN Experience – Seen from the Academic Perspective, Study Report, September 2006 sowie die URBAN Bibliographie unter http://urbact.eu/ projects/the-urban-experience/documents.html, Stand: August 2007 4 Darstellung beruht auf: PHYRE: Final Report (Booklet A-D), 2007 i.V.m. unter http://urbact.eu/pro­ jects/phyre/home.html bereitgestellten Informationen, Stand: August 2007 sowie Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Begleitforschung

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

Urban Areas und ECO-FIN-NET übernommen:


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Projektorganisation um drei Themenschwerpunkte Neun Partnerstädte aus sechs europäischen Ländern waren an dem Projekt beteiligt und tauschten sich über einen Zeitraum von zweiein­ halb Jahren aus: • Kassel (DE)

• Komotini (GR)

• West-Athen (GR)

• Taranto (IT)

• Heerlen (NL)

• Saarbrücken (DE)

• Bydgoszcz (PL)

• Lomza (PL)

• Vilnius (LT)

Die Leadpartnerschaft bzw. inhaltliche und organisatorische Leitung des Netzwerkes wurde durch die Stadt Kassel übernommen. Drei Städte der neuen Mitgliedstaaten wurden in PHYRE als so genannte Experten­ städte eingebunden, Bydgoszcz, Lomza und Vilnius. Die Arbeit des Netzwerkes wurde einerseits um die Erfahrungen und lokalen Bei­ spiele dieser Städte bereichert, ihnen sollte andererseits aber vor allem Einblick in die im Rahmen von URBAN gewonnenen Erfahrungen URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

ermöglicht und damit die Gelegenheit geboten werden, diese für ihre Stadtentwicklungspolitik zu nutzen. Das PHYRE-Netzwerk und der Leadpartner Kassel wurden von Beginn an im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) durch BMVBS/BBR unterstützt. Zur Begleitung, Unterstüt­ zung und Auswertung wurde eine wissenschaftliche Begleitforschung (FIRU, Kaiserslautern) eingebunden.


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Leadpartner Partnerstädte Expertenstädte

Vilnius

Bydgoszcz

Kassel

Lomza

Heerlen Saarbrücken

Taranto

Santa Cruz de Tenerife

WestAthen Abb. 2: Aufbau des PHYRE-Netzwerks (Darstellung FIRU-mbH)

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

Komotini


Fachliche Unterstützung erhielt das Netzwerk durch zwei unab­

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hängige thematische Experten, die Aufgaben bei der inhaltlichen Vor- und Nachbereitung, der Moderation der Workshops und Seminare sowie der Dokumentation übernommen haben. Zur Strukturierung und zur Steigerung der Effektivität der Netz­ werkarbeit wurde das umfang- und facettenreiche Thema der integrier­ ten Herangehensweise an Stadterneuerung zu Beginn des Arbeitspro­ zesses in drei Schwerpunkte untergliedert: •

Sozial- und Mobilitätspolitik

Strategien der Stadterneuerung

Lokale Ökonomie Zu jedem der Themenschwerpunkte wurde ein eigenständiger Se­

minarzyklus bestehend aus Vorbereitungstreffen, Arbeitsseminar und Nachbereitungstreffen durchgeführt. Die Nachbereitungstreffen wur­ den mit den Vorbereitungstreffen des jeweils nächsten Seminar­z yklus zusammengefasst und damit die Basis für eine möglichst effiziente

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

Netzwerkstruktur geschaffen.

Auftaktphase: 01/2005 - 05/2005 Auftaktkonferenz am 13./14. April 2005 in Kassel, DE

Seminarphase: 06/2005 - 12/2006 Vorbereitung

Arbeitsseminar

Nachbereitung

Sozial- und Mobilitätspolitik

Komotini, GR 07./08.07.2005

Komotini, GR 22./23.09.2005

Heerlen, NL 28.-30.11.2005

Strategien der Stadterneuerung

Heerlen, NL 28.-30.11.2005

Heerlen, NL 16./17.03.2006

Kassel, DE 07./08.06.2006

Lokale Ökonomie

Kassel, DE 07./08.06.2006

Taranto, IT 09./10.10.2006

Auswertungsphase: 01/2007 - 06/2007 Abb. 3: Netzwerkarbeit PHYRE (Darstellung FIRU-mbH)

Abschlusskonferenz vom 21./22. Juni 2007 in Kassel, DE


Fokus auf Fallbeispiele und lokale Projekte

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PHYRE zielte auf einen europaweiten Wissens- und Erfahrungsaus­ tausch auf dem Gebiet der integrierten Stadterneuerung. Im Mittel­ punkt stand der Austausch von Fallbeispielen und lokalen Projekten. Konkret wurden durch PYHRE die folgenden Ziele angestrebt: • Erfahrungsaustausch zu konkreten lokalen Problemen sowie Zusam­ menstellung und Bewertung bestehender Konzepte und Maßnahmen • Aufbereitung der Erkenntnisse des Netzwerkes in allgemeingültiger und transferierbarer Form und Bereitstellung für interessierte Dritte

Schlüsselkomponenten integrierter Stadterneuerung Die vielfältigen Erfahrungen und Erkenntnisse aus den thematischen Seminaren wurden mit speziellem Fokus auf eine integrierte Herange­ hensweise zusammengeführt. Ein gemeinsames Verständnis des Be­ griffes wurde erarbeitet, theoretisch aufbereitet und mit Fallbeispielen illustriert. Damit soll ein Beitrag zum Verständnis, zur Reflexion und Weiterentwicklung von ganzheitlichen Ansätzen in der Stadterneue­ rung geleistet werden. Die Ergebnisse werden in einem aus vier Teilen (Booklets) bestehenden Handbuch anschaulich dokumentiert.

Konzepte zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität innerhalb der Quartiere. Umfassende Herangehensweisen sind mit Blick auf die Bandbreite und die Wechselwirkungen zwischen den Problemen benachteiligter Quartiere unumgänglich. Nachhaltige Effekte können nicht erreicht werden, indem lediglich einzelne Probleme angegangen werden. Grundlegend für das Verständnis ist jedoch, dass integrierte An­ sätze keinem einzelnen exakt definierten Modell oder standardisierten Muster folgen (können). Eine integrierte Herangehensweise muss die vorherrschenden Rahmenbedingungen, unerwartete Entwicklungen und neue Trends etc. berücksichtigen, sich anpassen bzw. angepasst werden. Dennoch kann ein Set aus grundlegenden Prinzipien definiert sowie Schlüsselelemente formuliert werden. Auf dieser Basis können

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

Eine Konzentration von Problemen auf bestimmte Gebiete zeigt sich in Städten in ganz Europa und erfordert in allen Mitgliedstaaten


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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dann die im jeweiligen Einzelfall adäquaten Strukturen und Interven­

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tionsmöglichkeiten geschaffen werden. Die folgenden Merkmale können im Sinne einer Basisdefinition herausgestellt werden und sollten als solche bei der Aufstellung inte­ grierter Konzepte Beachtung finden: •

Strategien müssen gleichzeitig (zumindest jedoch stufenweise) und auf schlüssige Art und Weise physische, soziale und ökonomische Pro­ bleme angehen. Auch Umweltfragen sollten Berücksichtigung finden.

Kernelement und Voraussetzung ist die vertikale und horizontale Einbindung und Vernetzung von Akteuren bzw. Ressorts.

Entscheidend ist eine intensive, breite Beteiligung bzw. weit ent­ wickelte Partnerschaften (Verwaltung, Unternehmen, Freiwilligen­ sektor, Bürger etc.). Diese ist im Sinne von Zusammenarbeit öffent­ licher und privater Akteure, Ressourcenbündelung und Ermutigung aktiver Bürgerbeteiligung im Stadterneuerungsprozess weiterzu­ entwickeln und umzusetzen.

Eine strukturelle Verknüpfung zwischen Top-Down-Ansätzen und Bottom-Up-Initiativen sollte erfolgen.

Kurzfristige Handlungen sind mit langfristigen Vorstellungen und Zielen zu verbinden; Quartiere oder Nachbarschaften sind in einen gesamtstädtischen Zusammenhang einzuordnen.

den Transfer effektiver Maßnahmen zu fördern und best practices zu identifizieren, sieben Schlüsselelemente bzw. Komponenten einer ganzheitlichen Herangehensweise an Stadterneuerung definiert: 1. Kontext, lokale Strukturen und Rahmenbedingungen Die Betrachtung guter Praktiken darf nicht losgelöst von den jewei­ ligen lokalen Strukturen und dem jeweiligen Kontext erfolgen. Faktoren wie Standort, Bevölkerungsgruppen, ökonomische Dynamik etc. sind maßgeblich dafür, dass kein allgemeingültiges Schema für die Aneig­ nung eines integrierten Ansatzes formuliert und angewandt werden kann. Darüber hinaus steht weniger die Umstrukturierung bestehender

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

Aus der Bandbreite der Fallbeispiele und Erfahrungen aus der Netzwerkarbeit wurden in der Bestrebung good practice zu festigen,


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Verfahren im Vordergrund, als vielmehr die Kombination bewährter Instrumente mit neuen oder komplementären Maßnahmen. Die indi­ viduelle Anpassung von Zielen und die Auswahl geeigneter Mechanis­ men kann den Stadterneuerungsprozess vorantreiben. 2. Physische, soziale, ökonomische und ökologische Dimension Maßgeblich für den Erfolg sind ein zielgerichteter, passgenauer Mix und Einsatz von Maßnahmen aus den unterschiedlichen Fachrichtun­ gen. Gerade hinsichtlich der baulichen Aufwertung benachteiligter Quartiere gilt, dass die Maßnahmen etwa mit Projekten zur Stärkung der lokalen Ökonomie und des sozialen Zusammenhalts in Verbindung gesetzt werden müssen. Strategien müssen einerseits an den Problemen und entscheidenden Belangen innerhalb der Quartiere ansetzen und andererseits auf konkreten Zielformulierungen beruhen.

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

3. Kooperation und Koordination Integrierte Ansätze erfordern eine ganzheitliche Form von Urban Governance. Hierzu gehören die klare Verteilung von Verantwortlich­ keiten und Befugnissen, Kommunikation, Subsidiarität, die Einrich­ tung von Entwicklungsteams und interdisziplinären Arbeitsgruppen sowie der Aufbau einer kooperativen Struktur. Wesentliche Erfolgsfak­ toren sind Flexibilität, Kommunikation und das Fokussieren von Res­ sourcen und Fachwissen jenseits horizontaler Fachbereichsstrukturen. 4. Partnerschaften und deren Steuerung Das Verständnis von Partnerschaften in der Stadterneuerung sollte nicht auf Public Private Partnership begrenzt sein. Es geht um die Ermutigung aller am Stadtentwicklungsprozess beteiligter Akteure und Interessensgruppen, ihr Engagement und den Grad ihrer Beteiligung (als Teil eines gesteuerten Prozesses) zu erhöhen. Dies umfasst nicht nur Investitionen, sondern auch Wissen, Logistik oder die Erbringung von Dienstleistungen. Gerade mit Blick auf die Vielfalt der potenziellen Partner und deren unterschiedliche Erwartungen sollten Partnerschaf­


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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ten sorgfältig gestaltet werden. Dies erfordert ein aktives und sachkun­ diges Management. 5. Finanzierung und Investitionen Die Finanzierung von Projekten vor allem zur Verbesserung benach­ teiligter Quartiere gestaltet sich schwierig, da diese Gebiete häufig aufgrund der schwierigen Marktlage eine geringe Anziehungskraft für private Investitionen aufweisen. Es ist notwendig, alle möglichen öffent­l ichen Finanzierungs- bzw. Förderquellen zu erkunden und zu nutzen. Sie können jedoch nur einen Teil des benötigten Finanz­ volumens darstellen. Die begrenzten öffentlichen Mittel müssen so zielgerichtet wie möglich eingesetzt und ihre Hebelwirkung durch die Bündelung mit privaten Finanzmitteln maximiert werden. Unter Be­ rücksichtigung des öffentlichen, halbprivaten, privaten und Freiwilli­ gensektors müssen auch innovative Modelle (z. B. Mikrokredite, Fonds)

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

einbezogen werden. 6. Bürgerbeteiligung Die Bedeutung von Bürgerbeteiligung ist grundsätzlich erkannt. Die Umsetzung in der Praxis gestaltet sich allerdings nicht immer einfach, auch bestehen unterschiedliche Ansichten hinsichtlich des Grades der Beteiligung. Bewährte Methoden sollten durch innovative Verfahren ergänzt werden, um auch schwer erreichbare Bürger (junge Menschen, ethnische Gruppen usw.) einzubeziehen und so eine stärkere Identifi­


kation zu erreichen. Die Beteiligung sollte im Idealfall über die gesetz­

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lich vorgeschriebene Beteiligung hinausgehen. In der Stadterneuerung ist es wichtig, die Bürger nicht erst im Endstadium einzubeziehen. 7. Management und Monitoring Effektive, aktivierende und qualifizierte Managementstrukturen sind wesentliche Bestandteile jeglicher Stadterneuerungsansätze und permanente Aufgabe während des Erneuerungsprozesses. Sollen nach­ haltige Wirkungen erreicht werden, ist Monitoringmaßnahmen ent­ scheidende Bedeutung beizumessen, damit Anpassungen vorgenom­ men werden können, wenn Ziele nicht erreicht werden. Mit Blick auf die Laufzeiten von Erneuerungsprogrammen und sich ggf. kurzfristig und zügig verändernde Rahmenbedingungen empfiehlt es sich, bereits zu Beginn Monitoringmaßnahmen zu implementieren. So kann Fehlern vorgebeugt bzw. deren Wiederholung vermieden sowie Maßnahmen

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

überprüft und verbessert werden.


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2 ECO-FIN-NET – Ein Netzwerk zur Förderung der lokalen Ökonomie5 Im Zentrum des Netzwerkes ECO-FIN-NET standen Möglichkeiten zur Stärkung und Förderung der lokalen Ökonomie in benachteiligten Quartieren. Intensiv wurden die Unterstützung lokaler Unternehmens­ gründungen und die Förderung von Kleinstunternehmen sowie kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) als Bestandteil integrierter Stadtentwicklungspolitiken untersucht. Dabei lag der Fokus auf der Analyse und Entwicklung von Unterstützungsinstrumenten, mit denen Unternehmer aus Gebieten mit starken wirtschaftlichen und sozia­ len Problemlagen einen besseren Zugang zu Finanzmitteln erhalten können.

Bearbeitung einzelner Teilaspekte in Arbeitsgruppen An dem Netzwerk ECO-FIN-NET beteiligten sich dreizehn Städte aus URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

zehn europäischen Ländern: • Leipzig (DE)

• Evosmos (GR)

• Wien (AT)

• Gera (DE)

• Marseille (FR

• Danzig (PL)

• Birmingham (UK)

• Venedig (IT)

• Grenoble (FR)

• West Athen (GR)

• Gijón (ES)

• Rotterdam (NL)

• Vilnius (LT) Leadpartner des Netzwerkes war die Stadt Leipzig, die im Rahmen ihrer Aufgaben durch den Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städte­ bau und Raumordnung e.V. (DV e.V.) unterstützt wurde. Der DV e.V. fun­ gierte als inhaltlicher Koordinierungspartner. Dem Netzwerk standen darüber hinaus thematische Experten des URBACT-Sekretariats zur Seite.

5 Darstellung beruht auf ECO-FIN-NET: Final Report, 2006 sowie ECO-FIN-NET: Executive summary of the final report i.V.m. sonstigen unter http://urbact.eu/projects/eco-fin-net/home.html bereitge­ stellten Informationen, Stand: August 2007


Leadpartner

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Partnerstädte Expertenstädte

Danzig

Birmingham

Vilnius

Leipzig Rotterdam Gera

Wien

Gijón

Grenoble

Venedig

Evosmos

Santa Cruz de Tenerife

West- Athen

Abb. 4: Aufbau ECO-FIN-NET (Darstellung FIRU-mbH)

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

Marseille


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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Die Netzwerkarbeit wurde durch die Erfahrungen externer Experten

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und durch Vertreter von Finanzinstituten bereichert und inhaltlich wie finanziell unterstützt. Auf deutscher Seite brachte sich insbesondere der Deutsche Sparkassen- und Giroverband intensiv in die Netzwerk­ arbeit ein. Die Arbeit des Netzwerkes gliederte sich in drei Projektphasen: 1. Phase: Bestandsaufnahme und Analyse Das erste Jahr wurde zur Präsentation der praktischen Erfahrungen und konkreten Projekte der einzelnen Partnerstädte genutzt. Die Phase diente der gemeinsamen Analyse, Diskussion und Bewertung bereits bestehender Ansätze zur Förderung von KMU sowie der Identifikation möglicher good practices. 2. Phase: Praktische Netzwerkarbeit Im Rahmen der zweiten Projektphase stand darauf aufbauend die Dis­ kussion über eine Erfolg versprechende Weiterentwicklung der Ansätze und Instrumente zur Förderung der lokalen Wirtschaftstätigkeiten im Netzwerkarbeit in die Gestaltung der lokalen Wirtschaftsförderung einflossen. Die gesammelten Förderansätze und Instrumente wurden zudem in eine umfangreiche Dokumentation aufbereitet.

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

Vordergrund, wobei flankierend die Erfahrungen aus der europäischen


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3. Phase: Handlungsempfehlungen Abschließend wurden, basierend auf den Erfahrungen der Partner­ städte und den gemeinsam gewonnenen Erkenntnissen, Handlungs­ empfehlungen abgeleitet. Zur Strukturierung der Diskussion und zur Bearbeitung spezi­ fischer Teilaspekte wurden drei thematische Arbeitsgruppen einge­ richtet: •

Arbeitsgruppe 1: Private Finanzmittel zur Unterstützung von KMU

Arbeitsgruppe 2: Öffentliche Förderung und finanzielle

Unterstützung von KMU

Arbeitsgruppe 3: Nicht-finanzielle Unterstützungsdienstleistungen

und Netzwerke

Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen wurden in allen drei Projektphasen in gemeinsamen Netzwerkkonferenzen vorgestellt und zusammengeführt, um letztendlich ein in sich schlüssiges Konzept zur

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

Förderung der lokalen Ökonomie zu erhalten.


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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Suche nach innovativen Finanzierungsmöglichkeiten

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Im Zuge der Netzwerkarbeit sollten in erster Linie die Bedeutung und Effektivität von Strategien und Maßnahmen zur Stärkung der lokalen Ökonomie in benachteiligten Stadtquartieren verbessert werden. Dies beinhaltete vor allem die Entwicklung neuer, innovativer Finanzie­ rungsmethoden und weiterer Unterstützungsmöglichkeiten für KMU, aber auch die Weiterentwicklung bestehender Ansätze und Instru­ mente. Weiterhin wurden die folgenden Ziele angestrebt: • Austausch von Erfahrungen und Kenntnissen sowie Transfer von good practice • Identifikation von Hemmnissen wirtschaftsorientierter Ansätze in der Stadtentwicklung sowie von Möglichkeiten zu deren Überwindung

1. Projektphase: 01/2004 - 12/2004 URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

Auftaktkonferenz vom 29.-31. März 2004 in Leipzig, DE AG 1: Rotterdam, NL 03./04.06.2004

AG 2: Brüssel, BE 24./25.06.2004

AG 3: Gera, DE 28./29.06.2004

1. Zwischenkonferenz am 11./12. Oktober 2004 in Venedig, IT

2. Projektphase: 01/2005 - 12/2005 AG 1: Danzig, PL 07./08.03.2005

AG 2: Danzig, PL 07./08.03.2005

AG 3: Grenoble, FR 22./23.04.2005

2. Zwischenkonferenz am 12./13. September 2005 in Birmingham, UK

3. Projektphase: 01/2006 - 06/2006 AG 1: Wien, AT 23./24.01.2006 Abb. 5: Netzwerkarbeit ECO-FIN-NET (Darstellung FIRU-mbH)

AG 2: Wien, AT 23./24.01.2006

AG 3: Wien, AT 23./24.01.2006

Abschlusskonferenz am 27./28. März 2006 in Marseille, FR


• Entwicklung und Verbreitung von übertragbarem Know-how, das

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auch durch Dritte genutzt werden kann • Aufzeigen von Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz des öffent­ lichen Mitteleinsatzes bzw. der Wirtschaftsförderung • Ausarbeitung politischer Handlungsempfehlungen

Handlungsempfehlungen zur Unterstützung der lokalen Ökonomie Im Folgenden werden die zentralen Erkenntnisse der drei durch die ECO-FIN-NET-Partnerstädte bearbeiteten Themenfelder schlaglicht­ artig vorgestellt: 1. Private Finanzierung durch Banken und andere Finanzinstitute Grundlegend für unternehmerische Initiativen und die Entwicklung der lokalen Ökonomie ist der Zugang zu den benötigten Finanzmitteln. Üblicherweise erfolgt die Finanzierung von KMU durch Banken oder andere private Finanzinstitute. In vielen Fällen bereitet der Zugang zu den Finanzmitteln jedoch Probleme. Die gemeinsame Analyse ergab drei zentrale Hindernisse, an denen es anzusetzen gilt: Mangel an ausreichenden Sicherheiten und damit erhöhtes Finanzie­ rungsrisiko •

Erfahrungs- und Informationsdefizit hinsichtlich kleiner Unterneh­ men und ihrer Erfolge

Kostenintensive Vorbereitung und Bearbeitung des Darlehensantrags im Verhältnis zum Darlehensvolumen Ansätze zur Reduzierung bzw. Teilung des Risikos sind gefragt. Eine

Möglichkeit zur teilweisen Abdeckung des Risikos der kreditgewähren­ den Institution stellen Garantiefonds dar. Städten wird empfohlen, sich an bestehenden Garantieprogrammen zu beteiligen und so die Bürg­ schaftskonditionen für KMU zu verbessern und die Zugangs­barrieren zu verringern. Allerdings muss die kritische Masse berücksichtigt werden. Auf lokale Garantiefonds ist ausdrücklich zu verzichten.

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I


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2. Öffentliche finanzielle Unterstützung Städte können die Entwicklung der lokalen Ökonomie finanziell unter­ stützen. Erfolgreiche öffentliche Ansätze zeichnen sich hierbei dadurch aus, dass sie stabil, transparent und effektiv sind. Grundsätzlich beste­ hen mehrere Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung von KMU. Gerade im Hinblick auf die Begrenztheit der öffentlichen Mittel stellt sich jedoch die Frage, wie der Nutzen des Mitteleinsatzes maximiert bzw. wie mit geringeren Mitteln mehr erreicht werden kann. Subventionen/Zuschüsse stellen in diesem Zusammenhang erfolg­ reiche, aber auch kostenintensive Instrumente mit geringer Hebel­ wirkung dar. Sie sollten daher nur als Bestandteil eines umfassenden finanziellen Paketes angesehen und eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit bieten Darlehen bzw. Mikrokredite. Städ­ ten wird davon abgeraten, solche Programme selbst zu betreiben und anzubieten. Sie sollten bestehende Modelle durch Anreize unterstützen und darauf hinwirken, dass diese stärker in benachteiligten Gebieten

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

ansetzen bzw. in diese gelenkt werden. Risikokapitalfonds werden aus den unterschiedlichsten Grün­ den generell als ungeeignetes Instrument zur Förderung von KMU in benachteiligten Stadtteilen betrachtet. Im Einzelfall (falls notwendig und gefordert) können Städte eine Partnerschaft mit spezialisierten Institutionen eingehen.


3. Nicht-finanzielle Unterstützungsdienstleistungen und Netzwerke

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Nicht-finanzielle Unterstützungs- und Serviceleistungen sind als wichtige Ergänzung finanzieller Anreize zu sehen. Sie können in vier Kategorien untergliedert werden: •

Information/Orientierung

Schulung/Qualifikation

Coaching/Beratung

Netzwerkunterstützung Zwar können nicht-finanzielle Unterstützungsangebote unterneh­

merische Initiativen begünstigen, allerdings werden sie vielfach nicht in Anspruch genommen. Der Ausbau der Beteiligung stellt eine der zentralen Herausforderungen dar. Insgesamt sind Unterstützungsangebote gefragt, die den Zugang von KMU zu Finanzmitteln erleichtern sowie Maßnahmen zur Steige­ rung der Passgenauigkeit der Angebote auf die individuellen Bedürf­ nisse. Das Netzwerk gibt hierzu eine Vielzahl an Empfehlungen, unter anderem wird Städten geraten, koordinierend tätig zu werden und Netzwerke aufzubauen. Ziel ist der Aufbau einer transparenten An­ gebotsstruktur bzw. eines Überblicks der unterschiedlichen Service­ durch die Abstimmung zwischen Dienstleistern und Banken erfolgen. Als weitere Ansatzpunkte werden z. B. Business Pass und VoucherSysteme genannt.

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

anbieter. Eine zielgerichtete Ausgestaltung der Angebote kann zudem


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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Zentrale Schlussfolgerungen der Zusammenarbeit

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1. In benachteiligten Stadtteilen mit geringer Wirtschaftstätigkeit sind auch kleine, Erfolg versprechende wirtschaftliche Projekte wichtig und sollten gefördert werden. Die kleinteilige Struktur der Wirtschaft ergibt allerdings eine völlig andere Art der Förderung als die klassische Wirtschaftsförderung. Im Zentrum stehen direkte Ansprache, Vor-Ort Kontakt, Hilfe bei alltäglichen Problemen des Unternehmens etc. 2. Umfassende Pakete und Ansätze zur Förderung und Unterstützung von KMU sind essentiell. Soll der Zugang zu den benötigten Finanz­ mitteln erleichtert werden, ist eine Kombination finanzieller und nicht-finanzieller Unterstützungsangebote gefordert. Zudem ist auf eine den Bedürfnissen und Anforderungen der KMU entsprechende Ausgestaltung und Anpassung zu achten. 3. Darüber hinaus sind Partnerschaften öffentlicher und privater Akteu­ re und Institutionen von zentraler Bedeutung. Hier sind insbesondere die lokale agierenden Finanzinstitute, die Kammern, Qualifizierungsund Bildungseinrichtungen sowie weitere professionelle Unterneh­ mensbereitungseinrichtungen einzubinden. Die Städte sollten initia­ tiv werden und vertrauensvolle Partnerschaften auf- bzw. ausbauen. 4. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sind Strategien zur Stärkung der integrieren. Gerade die Förderung von KMU bildet einen wichtigen Bestandteil integrierter Stadtentwicklungspolitik in benachteiligten Quartieren.

B  DEUTSCHE BETEILIGUNG IM RAHMEN VON URBACT I

lokalen Ökonomie in übergeordnete Stadtentwicklungsstrategien zu


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C Erfahrungen aus dem europaweiten Erfahrungsaustausch Rückblickend auf die erste Programmperiode hat URBACT I den Stellenwert und Nutzen des Austauschs guter Beispiele, vorbildlicher Projekte und bewährter Praktiken für die Städte in ganz Europa ver­ deutlicht: 1. Der Austausch zu Themen von besonderem Interesse, zentralen Problemen und Herausforderungen sowie die gemeinsame Suche nach Lösungsansätzen kann zu neuen Impulsen, einem Weiter- bzw. Umdenken auf lokaler Ebene führen und die künftige Stadtentwick­ lung vorantreiben. 2. Die Zusammenarbeit mit anderen Städten kann dazu führen, dass bis­

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

lang ungenutzte Entwicklungspotenziale und -chancen entdeckt und Strategien zur Mobilisierung für die künftige Stadt- und Quartiersent­ wicklung erarbeitet werden. 3. Die Erkenntnisse aus der Netzwerkarbeit können zur Überprüfung und Anpassung bestehender oder geplanter Projekte und Einzelmaß­ nahmen genutzt werden. 4. Die Fallstudien und Beispiele aus den Partnerstädten können Diskus­ sionen anstoßen und als Impuls- und Ideengeber für weitere Projekte innerhalb der Städte fungieren. 5. Die Netzwerke können als Plattform für die Erprobung und Diskussi­ on innovativer Ansätze zur Stadterneuerung und Aufwertung benach­ teiligter Stadtteile genutzt werden. Der Erfahrungsaustausch, die Diskussion ausgewählter Themen und die Erörterung gemeinsamer Herausforderungen trägt zur Erweiterung des Blickwinkels kommunaler – aber auch regionaler und nationaler – Akteure bei. Neue Sichtweisen werden eröffnet. Dies gilt in besonderem Maße für die europaweite Vernetzung städtischer Akteure, da auf diese Art und Weise ein Einblick in die vielfältigen Rahmenbedingungen, die unterschiedlichen Herangehensweisen sowie das breite Projekt- und


C  ERFAHRUNGEN AUS DEM EUROPAWEITEN ERFAHRUNGSAUSTAUSCH

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Maßnahmenspektrum ermöglicht wird. Vor allem die Fallbeispiele offenbarten die Bandbreite und Vielfalt der Ansätze auf dem Gebiet der integrierten Stadtentwicklung bzw. zur Aufwertung benachteiligter Quartiere. URBACT I bot mit den einzelnen Aktivitäten ein Forum für die Diskussion städtischer Beispiele vor Ort und damit die Möglichkeit, vorbildliche Ansätze unmittelbar in ihrem Kontext zu betrachten bzw. in diesen einzuordnen. Auf diese Art und Weise konnten der indivi­ duelle Nutzen und der Lerneffekt erhöht werden. Das europäische Städtenetzwerk hat zum Erfahrungs- und Wis­ sensgewinn auf lokaler Ebene beigetragen und konnte neue Projekte anstoßen. Zahlreiche Partner der ersten Programmperiode stellten die Bedeutung der Netzwerkarbeit für die lokalen Akteure heraus. Ideen für neue Projekte wurden vorgebracht und auf nach wie vor bestehenden Vertiefungsbedarf verwiesen. Einzelne Städte, aber auch ganze Netz­ werke haben Interesse daran bekundet, auch künftig ihre Erfahrungen mit anderen Städten auszutauschen und gemeinsam neue Wege für

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

eine integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung zu erproben. So will auch der Großteil des vorgestellten Netzwerkes ECO-FIN-NET im Zuge von URBACT II weiter zusammenarbeiten, sich mit neuen Partnern austauschen und neue Projekte diskutieren und angehen. Der Erfolg des Programms zeigt sich jedoch nicht nur in den unmit­ telbar involvierten Städten und Institutionen. Durch die Aufbereitung, Veröffentlichung und Verbreitung der methodischen wie inhaltlichen Erkenntnisse gehen die positiven Impulse über die Netzwerke hinaus. Durch die einzelnen Aktivitäten wurden beispielhafte Praktiken identifiziert, Handlungsempfehlungen abgeleitet und transferierbares Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Netzwerke wurden zusätzlich auf nationaler Ebene von Beginn an im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Die querschnittsorientierte bzw. netzwerk­ übergreifende Auswertung der einzelnen Aktivitäten ermöglichte es, gezielt Handlungsschwerpunkte, vorbildliche Herangehensweisen und Ansätze zu identifizieren, die in die Diskussion um die künftige natio­ nale Städtebau- und Stadtentwicklungspolitik einfließen können.


C  ERFAHRUNGEN AUS DEM EUROPAWEITEN ERFAHRUNGSAUSTAUSCH

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D URBACT II – Von URBAN in die Mainstreamförderung6 Die Erfahrungen aus URBACT I haben die Bedeutung des Erfahrungsund Wissensaustauschs auf europäischer Ebene verdeutlicht, bislang unbehandelte bzw. lediglich am Rande der Arbeit angesprochene Themenfelder offenbart und zu Interessensbekundungen an einem weitergehenden Austausch geführt. URBACT hat sich grundsätzlich als Instrument bzw. Plattform zur Vernetzung von Städten in ganz Europa bewährt und wird als solches in der EU-Förderperiode 2007–2013 fortgesetzt. Jedoch ergeben sich vor dem Hintergrund der Reform der Struktur­ fonds und der Evaluation der ersten Programmperiode auch wesent­

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

liche Neuerungen. So geht mit der Überführung der Gemeinschafts­ initiative URBAN in die allgemeine europäische Strukturförderung bzw. die „Mainstream-Programme“ die Integration von URBACT in das neue Ziel 3 „Europäische territoriale Zusammenarbeit“ einher. URBACT II steht hierbei ebenso wie INTERREG IV C in Zusammenhang mit der Initiative „Regionen für den wirtschaftlichen Wandel“ bzw. dient deren Umsetzung. Mit dem Wegfall der Gemeinschaftsinitiative URBAN entfällt darüber hinaus die Teilnahmebegrenzung. Während im Zentrum der ersten Programmperiode die Erfahrungen der URBAN-Städte standen, wendet sich das Programm nun an alle Städte der Europäischen Union, der Schweiz und Norwegen ab 10 000 Einwohnern sowie an regionale Behörden und Universitäten. Darüber hinaus sind die (potenziellen) Beitrittskandidaten zur Teilnahme eingeladen und auch sonstige Län­ der können sich auf eigene Kosten beteiligen.

6 Darstellung beruht auf: The Urban Development Network Programme URBACT II, final operational programme, June 2007 i.V.m. Délégation Interministérielle à la ville: Ex ante Evaluation of the URBACT 2 Programme (based on the Operational Programme dated 29 December 2006), Draft final report, January 2007


D  URBACT II – VON URBAN IN DIE MAINSTREAMFÖRDERUNG

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In inhaltlicher Hinsicht ist URBACT II durch eine stärkere Fokussie­ rung auf die Lissabon- und Göteborg-Ziele und damit auf die Themen­ bereiche „Wachstum und Beschäftigung“ sowie „attraktive und kohä­ sive Städte“ geprägt. Die zweite Programmperiode ist mit ca. 53 Mio. € aus dem Euro­ päischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ausgestattet. Der EUZuschuss für beteiligten Städte wird in beiden thematischen Prioritäten maximal 80 % in den Konvergenzregionen bzw. 70 % in den sonstigen Regionen betragen. Die Auswahl der Netzwerke erfolgt durch einen Begleitausschuss.

Ausrichtung auf die Lissabon- und Göteborg-Ziele Die zweite Programmperiode steht unter der übergreifenden Zielset­ zung, die Effektivität nachhaltiger integrierter Stadtentwicklungs­ politiken in Europa – mit Blick auf die Umsetzung der Lissabon- und Göteborg-Strategie – zu verbessern. URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

Diese umfassende Zielsetzung wird durch drei Teilziele konkre­ tisiert: 1. Förderung des Wissens- und Erfahrungsaustauschs zwischen städ­ tischen Entscheidungsträgern und Praktikern auf dem Gebiet nach­ haltiger Stadtentwicklung sowie des vertikalen Austauschs zwischen kommunalen und regionalen Behörden 2. Streuung der Erfahrungen, bewährter Praktiken und gezogener Leh­ ren sowie Sicherung des Erfahrungs- und Wissenstransfers im Bereich nachhaltiger Stadtentwicklung 3. Unterstützung der Akteure bei der Festlegung von Aktionsplänen einer nachhaltigen Entwicklung städtischer Gebiete und damit Stärken der Beziehung zu den Mainstream-Programmen

Thematische Prioritäten als Basis künftiger Projekte URBACT II basiert im Gegensatz zu URBACT I weniger auf strate­ gischen Prioritäten, sondern ist vielmehr auf Themen fokussiert und im Wesentlichen um zwei thematische Prioritätenachsen strukturiert.


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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Die Hauptthemen der zweiten Programmperiode sind den beiden

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inhaltlichen Prioritäten zugeordnet. Ziel ist es, je Hauptthema mindes­ tens ein Netzwerk zu etablieren. 1. Prioritätsachse: Städte als Motoren für Wachstum und Beschäftigung • Förderung von Unternehmertum • Ausnutzen und Verbessern der Informations- und Wissens- ökonomie • Beschäftigung und Humankapital 2. Prioritätsachse: Attraktive und kohäsive Städte • Integrierte Entwicklung benachteiligter bzw. gefährdeter Gebiete • Soziale Integration • Umweltfragen • Governance und Stadtplanung Daneben wurden Querschnittsthemen festgelegt, die durch alle potenziellen URBACT-Aktionen (oder im Zuge eigenständiger Netz­

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

werke) berücksichtigt werden sollen: •

Chancengleichheit

Genderaspekte

Umweltverträglichkeit

Governance

Integrierte Herangehensweise Die beiden inhaltlichen Prioritätenachsen werden ergänzt um

fachliche Unterstützung als dritte Priorität. Mit diesem Schwerpunkt sollen die Vorbereitungs-, Management-, Monitoring-, Evaluations- und Kontrollaktivitäten des Programms unterstützt werden. Es wurden drei Handlungsebenen, die für beide thematischen Prioritäten gelten, definiert: Im Zentrum des Programms steht hierbei nach wie vor der Austausch und das gegenseitige Lernen. Daneben sollen aber die Aspekte Ergebnisaufbereitung und Nutzbarmachung sowie Kommunikation und Verbreitung der Erkenntnisse ausgebaut und gestärkt werden, um den Nutzen und die Wirkungen des Programms zu erhöhen. Qualität und Übertragbarkeit der Endberichte sowie sonstigen Ergebnisse rücken stärker in den Mittelpunkt, der Stellenwert der Ergebnisaufbe­ reitung und Nutzbarmachung soll von Beginn an konsequent betont


und die Erkenntnisse so weit und effektiv wie möglich kommuniziert

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und gestreut werden.

Weiterentwicklung und Optimierung der Instrumente Die Instrumente der ersten Programmperiode wurden zum Teil über­ arbeitet und umstrukturiert, zum Teil durch neue Instrumente ersetzt bzw. ergänzt. Die Schlüsselinstrumente von URBACT II bilden die Instrumente zum Austausch und gegenseitigen Lernen: •

Thematische Netzwerke: Die thematischen Netzwerke bilden auch in URBACT II den Kern des Programms, wurden jedoch, um den Nutzen und die Wirkungen der Zusammenarbeit zu maximieren, angepasst. So sollen künftig neben allgemeingültigen Erkenntnissen und poli­ tischen Handlungsempfehlungen durch die einzelnen Partnerstädte eigene Aktionspläne erarbeitet werden. URBACT II zielt zudem auf eine stärkere Beteiligung lokaler Schlüsselakteure. In den Städten sollen URBACT Local Support Groups (ULSG) entstehen, die Städte können hierbei grundsätzlich auch auf bestehende Gremien zurück­

URBACT II (2007–2013) Thematische Prioritäten

Handlungsebenen

Instrumente Thematische Netzwerke

Austausch & Lernen Städte als Motoren für Wachstum und Beschäftigung

Arbeitsgruppen Kapitalisierung

Ergebnisaufbereitung & Nutzbarmachung

- Thematische Pole - Thematische Experten - Studien

Fast-Track-Networks

Attraktive und kohäsive Städte

Kommunikation und Verbreitung Kommunikation & Verbreitung der Ergebnisse

- Jährliche Konferenz - Themat. Regionalkonferenzen - Sonstige Instrumente

Partnerschaften (nationale Dissamination-Points)

Fachliche Unterstützung (Vorbereitungs-, Management-, Monitoring-, Evaluations- und Kontrollaktivitäten)

7 Eigene Darstellung basierend auf: The Urban Development Network Programme URBACT II, final operational programme, June 2007 i.V.m. Délégation Interministérielle à la ville: Ex ante Evaluation of the URBACT 2 Programme (based on the Operational Programme dated 29 December 2006), Draft final report, January 2007

Abb. 6: Aufbau und Struktur URBACT II (Darstellung FIRU-mbH)7

D  URBACT II – VON URBAN IN DIE MAINSTREAMFÖRDERUNG

greifen. Die Zahl der Partner je Netzwerk ist auf zwölf begrenzt.


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Arbeitsgruppen: Im Vergleich zu den Netzwerken sind Arbeits­ gruppen in URBACT II weniger auf den Austausch als vielmehr die Generierung qualitativ hochwertiger Ergebnisse fokussiert. Mit den Arbeitsgruppen soll eine Vielzahl an Akteuren für die Bearbeitung eines spezifischen Themas zusammengebracht werden. Neben kom­ munalen, regionalen und lokalen Behörden können unter anderem Praktiker und Experten in dem zu bearbeitenden Themenfeld sowie Universitäten und Forschungszentren einbezogen werden. Auch wird die Zusammenarbeit mit anderen Netzwerken auf europäischer wie nationaler Ebene ermöglicht. Neuerungen im Bereich Ergebnisaufbereitung und Nutzbar­

machung ergeben sich nicht nur aus der Evaluation der ersten Pro­ grammperiode, sondern vor allem auch durch die Verknüpfung mit der Initiative „Regionen für den wirtschaftlichen Wandel“: •

Instrumente der Kapitalisierung: Mittels thematischer Pole, thema­ tischer Experten und Studien soll die Nutzbarmachung und Aufbe­ reitung der Ergebnisse sowie deren Verteilung gefördert werden. Die

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

thematischen Pole stellen ein neues Element der zweiten Programm­ periode dar und wurden eingerichtet, um Schlüsselfragen anzugehen und sicherzustellen, dass Nutzen aus den vorhandenen Erfahrungen und Informationen gezogen wird. Die genehmigten Projekte sollen jeweils einer thematischen Einheit zugeordnet werden, im Zuge derer dann unterschiedliche Aktivitäten entwickelt und durchgeführt wer­ den können. Auch in URBACT II werden zudem thematische Experten zur Unterstützung der Netzwerkarbeit zur Verfügung stehen. Auf­ grund der positiven Erfahrungen der bisherigen Aktivitäten soll diese Programmkomponente gestärkt und ausgebaut werden. •

Fast-Track-Networks: Die sogenannte Schnellspurvariante ist Teil der Initiative „Regionen für den wirtschaftlichen Wandel“ und beruht auf der Initiative und Begleitung der Europäischen Kommission. Ziele der Schnellspurvariante sind der unmittelbare Transfer von good practice in eine oder mehrere Städte, die Lösungsansätze in diesem spezi­ fischen Thema suchen. Die Verbindung zwischen den Netzwerken und den Hauptprogrammen auf allen Ebenen soll gestärkt werden. Eine Besonderheit ist die aktive Begleitung und Teilnahme der Kom­ mission an diesen Fast-Track-Networks.


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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Umfassende Ergänzungen wurden auch im Schwerpunkt Kommu­

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nikation und Verbreitung vorgenommen: •

Instrumente zur Kommunikation und Verbreitung: Auch in der zweiten Programmperiode wird die Internetseite das zentrale Medium zur Streuung der Ergebnisse darstellen. Neu sind jedoch die vorge­ sehenen thematischen Printerzeugnisse in lokaler Sprache. Neben diesen Möglichkeiten zur Veröffentlichung der Ergebnisse, sollen ins­ besondere Konferenzen für die Verbreitung genutzt werden. Geplant sind jährliche Konferenzen für alle Akteure auf dem Gebiet nachhal­ tiger Stadtentwicklung sowie thematische Regionalkonferenzen.

Partnerschaften: URBACT II zielt auf eine verstärkte Freisetzung und Nutzung von Synergieeffekten durch Partnerschaften, bspw. mittels Austausch und Kooperation mit sonstigen Netzwerken auf euro­ päischer und nationaler Ebene. Zusätzlich soll durch die Einrichtung nationaler Dissemination Points der wechselseitige Informations- und Kommunikationsfluss mit den Mitgliedstaaten gestärkt werden, aber auch Informationen aus dem URBACT-Programm in der jeweiligen

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

Landessprache zur Verfügung gestellt werden. URBACT II setzt den mit URBACT I eingeschlagenen Weg fort und bietet den Städten einerseits vielfältige Anknüpfungspunkte, vorhan­ denes Wissen und Erfahrungen einzubringen anderseits aber auch die Chance, von anderen zu lernen. URBACT erleichtert den Zugang zu Wissen und Erfahrungen und bietet eine Plattform für den struktu­ rierten Erfahrungs- und Wissensaustausch von politischen Entschei­ dungsträgern, Praktikern und Wissenschaftlern auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Die Mitgliedstaaten der EU haben in der Leipzig Charta die Bedeutung des systematischen und struktu­ rierten Austausches zur nachhaltigen Stadtentwicklung zum Ausdruck gebracht. Die deutschen Städte sollten die von URBACT gebotenen Chancen nutzen und durch eine breite Beteilung zur erfolgreichen Umsetzung von URBACT II beitragen.


E Anhang: Übersicht der Aktivitäten URBACT I Projekt

Kurzbeschreibung

Deutsche Beteiligung

Building sustainable communities (Studie)

Auswirkungen der Mobilität der Bevölkerung auf das Management von Dienstleistungen in Großstädten.

Berlin

C.H.O.R.U.S.

Innerstädtische Stadterneuerung durch Aufwertung des kulturellen Erbes. Einbeziehung der historischen wie modernen Bedeutung der Bauwerke in den Innenstädten oder neueren Stadtquartieren.

Citiz@Move

Sammlung von Methoden und Konzepten zur verbesserten Bürgerbeteiligung. Stärkung der Beteiligung durch neue Technologien, lokale Steuerung und unter Einbeziehung ethnischer Minderheiten.

CIT-U-M

Suche nach Lösungen für lokale Verkehrsprobleme, v.a. in benachteiligten Gebieten, durch Beteiligung der Nutzer sowie Sicherung der Entwicklung eines nachhaltigen Verkehrssystems.

Civitas

Untersuchung wie Stadterneuerung auf lokaler Ebene durch Entscheidungen anderer politischer Ebenen beeinflusst wird und welche Instrumente/ Maßnahmen zu verbesserten örtlichen Handlungsmöglichkeiten führen können.

Cultural activities and creative industries

Kulturelle Aktivitäten und Kreativität als Motor für die Stadterneuerung und die Bedeutung der Kultur in Teilthemen (physische, ökonomische und soziale Dimension sowie integrierter Ansatz).

ECO-FIN-NET

Förderung der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung in benachteiligten Quartieren durch innovative Finanzierungsinstrumente.

EQUPTI (Qualifizierungsaktion)

Unterstützung von Städten der neuen Mitgliedstaaten in Anwendung und Umsetzung von integrierter Stadtentwicklung, v.a. hinsichtlich verkehrlicher Aspekte.

EUKN (Arbeitsgruppe als Pilotphase des Projektes)

Erstellung einer «Wissensdatenbank» auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen zu vier Schwerpunktthemen mit dem Ziel der verbesserten Zugänglichkeit von Erkenntnissen.

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Leipzig (Lead-partner)/ Gera

BBR als nationaler Focal Point

E  ANHANG: ÜBERSICHT DER AK TIVITÄTEN UNTER URBACT I

Jena/Gera


URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

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Projekt

Kurzbeschreibung

Euromediation SecuCities (Arbeitsgruppe)

Vergleich und Erfahrungsaustausch bezüglich bestehender Mediationstechniken als Instrument der Konfliktbewältigung.

Hous-Es

Modernisierung und Sanierung von Großwohnsiedlungen unter Beachtung der Qualitätssteigerung des öffentlichen Raumes, der besseren Nutzungsmischung und der Steigerung der Sicherheit.

Duisburg

I.S.N.

Thematisierung der sozialen Auswirkungen der Informationsgesellschaft, Förderung der sozialen Integration durch die Nutzung von Informationstechnologie.

Gera

MED-INT

Identifikation von Strategien zur nachhaltigen Stadtentwicklung sowie Erfolgsfaktoren integrierter Entwicklung.

MetroGov

Untersuchung geeigneter Regierungsstrukturen für eine erfolgreiche Entwicklung von Stadtregionen.

Partecipando

Bürgerbeteiligung in Programmen der integrierten Stadtentwicklung als Schlüssel zur Verbesserung des sozialen Zusammenhalts.

Partners4Action

Anwendung von PPP-Modellen zur Bekämpfung von wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Problemen in benachteiligten Stadtteilen.

Gera/Chemnitz

PHYRE

Integrierte Strategien zur Stadterneuerung. Neben physischer Erneuerung Einbeziehung ökonomische und soziale Aspekte.

Kassel (Leadpartner)/ Saarbrücken

Pre-Regeneration

Wissens- und Erfahrungsaustausch im Bereich der integrierten Stadtentwicklung.

REGENERA

Integrierte Entwicklung von benachteiligten Gebieten und Integration von Minderheiten ausländischer Herkunft.

Berlin

REGE-NERANDO

Aufzeigen verschiedener lokaler Politiken zur Wirtschaftsentwicklung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Entwicklung neuer Strategien für die Wirtschaftsförderung.

Gera

SecurCity

Verbesserung der Strategien und Maßnahmen zur Bekämpfung der (gefühlten) Unsicherheit in den Städten.

Gera

Deutsche Beteiligung

Köln/Frankfurt a.M.


Projekt

Kurzbeschreibung

Deutsche Beteiligung

Skills

Am Skills-Symposium im November 2006 nahmen Akteure aus 30 europäischen Ländern teil. Diskussion, welche grundsätzlichen Strategien und Fähigkeiten nachhaltig wirtschaftende Gemeinden für ihre Struktur und Finanzierung in Zukunft benötigen.

Münster/Aachen

STRIKE (Arbeitsgruppe)

Optimierung von Organisationsstrukturen der Städte mit dem Ziel der Förderung der „knowledge economy“ zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit. Ermittlung und Ausschöpfung vorhandener Potenziale.

S.U.D.C. (Arbeitsgruppe)

Handlungsmöglichkeiten der lokalen Politik zur Vermeidung der Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen i.V.m. Sicherheit und unter Berücksichtigung kultureller Diversität.

Sudest

Effekte der Hafenwirtschaft auf die Transformation der städtischen Umgebung und ihre Auswirkungen auf die sozioökonomische Entwicklung der Hafenstädte.

Surch

Bedeutung des kulturellen Erbes für die Stadterneuerung. Förderung des sozialen Zusammenhalts aller Beteiligten.

The Urban Experience (Studie)

Systematisierung der wissenschaftlichen Literatur zur Anwendung der URBAN I+II Programme in den verschiedenen europäischen Ländern und Städten.

UDIEX – UDIEX ALEP

Integriertes Austauschprogramm zum Thema „Vielfalt und Integration“ zur Förderung der sozialen Integration.

Urbamas

Entwicklung neuer effizienter Methoden und praktischer Stadterneuerungsinstrumente, die im integrierten, nachhaltigen Stadtentwicklungs- und -Managementsystem genutzt werden können.

URBANITAS

Bekämpfung städtischer Zäsuren und deren physischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen. Erarbeitung von Strategien.

URB. Health

Aufbau von Kooperationen zwischen Gesundheitswesen und Stadtplanung. Abbau von gesundheitsgefährdenden Mängeln durch Stadterneuerung.

Young Citizens’ Project

Schaffung von Möglichkeiten für junge Menschen, sich für das öffentliche Leben in ihrer Stadt zu engagieren.

Young people – From Exclusion to Inclusion

Integration junger Leute durch die Stärkung von Verbindungen und Kooperationen zwischen Schulen und der öffentlichen Verwaltung.

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Berlin

Gera

E  ANHANG: ÜBERSICHT DER AK TIVITÄTEN UNTER URBACT I

Humboldt Universi­ tät Berlin, FU und TU Berlin, Bauhaus Universität Weimar, Universität Dortmund


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F Quellenverzeichnis URBACT •

Délégation Interministérielle à la ville: Ex ante Evaluation of the UR­ BACT 2 Programme (based on the Operational Programme dated 29 December 2006), Draft final report, January 2007

The Urban Development Network Programme URBACT II, final ope­ rational programme, June 2007

The URBACT Programme 2002-2006, December 2002

http://urbact.eu, Stand: August 2007

URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung

ECO-FIN-NET •

ECO-FIN-NET: Final Report, 2006

ECO-FIN-NET: Executive summary of the final report

http://urbact.eu/projects/eco-fin-net/home.html, Stand: August 2007

PHYRE •

PHYRE: Final Report (Booklet A-D), 2007

http://urbact.eu/projects/phyre/home.html, Stand: August 2007


G Bildnachweis Alle Fotos (Seite 8, 13, 14, 41, 43, 45, 47, 51) und Titelfoto: BBR, JĂźrgen GĂśddecke-Stellmann Titelfoto, Stockholm S. 8, Berlin S. 13, Kassel S. 14, Ludwigshafen am Rhein S. 41, Kassel S. 44, Den Haag S. 46, Berlin S. 47, Stockholm S. 51, Bielefeld Netzwerk PHYRE S. 16, Komotini S. 22, Workshop Heelen S. 26, Taranto Netzwerk ECO-FIN-NET S. 30, Workshop Gera S. 33, Marseille S. 38, Abschlusskonferenz

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URBACT – Europäisches Städtenetzwerk zur integrierten Stadtentwicklung


BBSR Urbact