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NEUBURG AN DER DONAU

STADT-BILD-VERLAG LEIPZIG


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Neuburg an der Donau „Man sollte sich für Neuburg, dieses Wunder an gescheiter Restaurierung, Zeit nehmen“, schwärmt die Regensburgerin Eva Demski in Mama Donau, einer Hommage an den großen europäischen Strom, der in Neuburg mal sanft und mal ungestüm am steilen Nordhang des Stadtberges vorbeifließt. In exponierter Lage bezaubern das vorbildlich restaurierte Schloss – bitte keine Burg! – und die schmucken Häuser ehemaliger Adelsfamilien und Hofbeamter. Um das Herz der Altstadt, den Karlsplatz, versammeln sich wie in einem Bilderbuch architektonische Kostbarkeiten der Renaissance, des Barocks und des Rokokos. Neuburgs Geschichte beginnt jedoch viel früher, als Teil eines uralten Siedlungsraums. Die Sensationsfunde aus den Höhlen der Schwäbischen und der Fränkischen Alb, an derem südlichsten Punkt Neuburg liegt, sind weltbekannt. Zur ersten dauerhaften Ansiedlung kommt es am heutigen Seminargarten vor rund 7 000 Jahren. Im ersten und vierten Jahrhundert beschützt ein römisches Grenzkastell den Donaulimes. Der Name „Nivuinburcg“ taucht erstmals in einem Schreiben von Papst Leo III. im Jahre 798 auf, kurz vor Ende des Bistums Neuburg. Ab 1420 baut der Ingolstädter Herzog Ludwig „der Gebartete“ Neuburg zur Nebenresidenz aus. Er gibt ein illustriertes Neues Testament in Auftrag, das Pfalzgraf Ott-heinrich erbt und vollenden lässt: die berühmte OttheinrichBibel. Mit Ottheinrich beginnt der Hauptakt in der Neuburger Geschichte. Im Jahre 1505 betritt er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Philipp die historische Bühne, nachdem König Maximilian I. für die beiden Wittelsbacher‘schen Waisenkinder das kleine Fürstentum Pfalz-Neuburg mit der Residenzstadt Neuburg geschaffen hat. Ottheinrich und die sieben nachfolgenden Herzöge hinterlassen in Neuburg tiefe Spuren, ein bauliches und geistiges Erbe, das es zu bewahren gilt. Mit dem Tode von Herzogin Maria Amalie im April 1831 endet die Hofhaltung im Neuburger Schloss und das Zeitalter des Bürgertums beginnt. Auch wenn seit 1837 der Bezirksname „Kreis Schwaben und Neuburg“ die Erinnerung an die ehemalige Residenz wachhält, fällt Neuburg in den Dornröschenschlaf einer katholisch-konservativen Provinzstadt, die von Handwerk, Handel, Militär und Gaststätten geprägt ist. Bayerns Industrialisierung rauscht an Neuburg 3


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17 Kinder brauchten Platz und so ließ Pfalzgraf Philipp Wilhelm zwischen 1665 und 1668 den mächtigen Ostflügel des Schlosses – heute Schlossmuseum Neuburg – auf älteren Vorgängerbauten errichten. Seine Töchter verheiratete er mit europäischem Hochadel, was ihm den Beinamen „Schwiegervater Europas“ eintrug. Literatur zum Schloss und die passende Muße zum Schmökern findet man im Café Wort.Schatz mit reizvollem Blick auf Elisenbrücke und Donauinsel.

The east wing houses the castle museum. It was built between 1665 and 1668 by count Philipp William, who needed space for his 17 children. He was given the by-name „Father-in-law of Europe“ because he married the daughters to rulers of many European countries and principalities. Literature about the castle and the atmosphere to enjoy leafing through them can be found in Café Wort.Schatz, which has an attractive view of the Danube and of the island.

17 enfants avaient besoin de place; ainsi comte Palatin Philipp Wilhelm fit construire entre 1665 et 1668 la majestueuse aile est du château (aujourd’hui musée du château) sur les anciennes constructions. Il maria ses filles avec la haute noblesse européenne ce qui lui valut de porter le surnom de «beau-père de l’Europe» - C´est au Café Wort.Schatz que l’on peut trouver beaucoup d’ouvrages relatifs au château ainsi que la muse vous incitant à bouquiner en profitant d’une vue pleine de charme sur Elisenbrücke et l’île sur le Danube. 13


Blick vom Turm der Studienkirche St. Ursula auf den Westsporn des Stadtbergs, der im Gegensatz zur Ostseite Burg-Charakter zeigt. Im 1. und 4. Jahrhundert hatten hier die Römer ein Grenzkastell zum Schutz des Donaulimes errichtet. Das 1506 der Stadt verliehene Stadtwappen am Oberen Tor – erbaut im Jahre 1530 (s. Cover) – zeigt die beiden ersten Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp als Steckenpferdreiter. Im Kölner Spruch von 1505 hatte König Maximilian I. das Fürstentum Pfalz-Neuburg zum Unterhalt der beiden 3- und 2-jährigen Waisenkinder geschaffen. View from the tower of St. Ursula’s Church showing the western spur of the hill upon which the old town is situated. From the first to the fourth centuries A.D., the Romans established a fortress which guarded the border of their territory, ending just north of the Danube. Neuburg was awarded its town’s coat of arms in 1506. This was painted on the Upper Gate, built in 1530. (See Cover) It shows both Ottheinrich and his younger brother Philipp playing hobbyhorse. King Maximillian I awarded the principality Palatine Neuburg in 1505 in order to support the three- and two-year-old orphans. Vue depuis la tour de l’église Sainte Ursule sur l’éperon rocheux occidental de la montagne qui contrairement au côté oriental dévoile le caractère fortifié de la ville. Au 1er et au 4ème siècle, les Romains avaient construit à cet emplacement un château fort pour protéger le limés du Danube. Les armoiries attribuées à la ville en 1506 que l’on peut voir au - dessus de la porte haute construite en 1530 (voir la couverture du livre) montrent les deux premiers Comtes Palatins Ottheinrich et Philipp montant les bâtons à tête de cheval. Lors des «résolutions de Cologne» de 1505, le roi Maximilien Premier avait crée la Principauté du Palatinat de Neuburg pour subvenir aux besoins des deux orphelins respectivement âges de deux et trois ans. 36


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ISBN 978-3-942146-81-4

Neuburg an der Donau - Leseprobe  

2015 im Stadt-Bild-Verlag Leipzig - Fotos von Martin Vahlbruch - Texte von Marcus Prell

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