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Stuttgart Flair

Nummer 87 • Montag, 14. April 2014

Leute

Neue Herren der Bibeln

Foto: Stefan Klein

Die Deutsche Bibelgesellschaft hat zwei neue Führungskräfte. Am Freitag wur­ den Christoph Rösel als Generalsekretär und Reiner Hellwig als verlegerischer und kaufmännischer Leiter beim Fest­ gottesdienst mit Prälat Ulrich Mack in der Schlosskapelle in ihre Ämter einge­ setzt. Sie folgen dem ehemaligen Ge­ schäftsführer Reinhard Adler nach. Christoph Rösel (49) war Professor für

Reiner Hellwig (li.) und Christoph Rösel sind neu bei der Bibelgesellschaft Altes Testament an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg, der Jurist Reiner Hellwig (47) Kaufmännischer Leiter und Prokurist des Thienemann­ Verlags. Rösel will die neue Ausgabe der Luther­Bibel vorantreiben, die zum Re­ formationstag 2016 erscheint und neuen Erkenntnissen der Wissenschaft Rech­ nung tragen soll. Hellwig will die Gesell­ schaft in die Ära der digitalen Medien begleiten. Frank Otfried July, Landesbi­ schof der Evangelischen Landeskirche Württemberg, beglückwünschte die bei­ den und verwies darauf, dass die Bibel in den gegenwärtigen Veränderungsprozes­ sen neu zum Klingen gebracht werden müsse. Stuttgarts Finanzbürgermeister Michael Föll überbrachte die Glückwün­ sche der Landeshauptstadt. Stuttgart, so Föll, sei nicht nur die Stadt des Autos, sondern die Stadt der Bibel. Die vor 202 Jahren gegenüber dem Rathaus gegrün­ dete Bibelgesellschaft und eine der welt­ größten Bibelsammlungen in der Lan­ desbibliothek trügen dazu bei. (gös)

„Das Musical ist in 20 Jahren reifer geworden“ Montagsgespräch: Uwe Kröger über seine einzigartige Karriere, Erinnerungen an Stuttgart und die Vorfreude auf den Fünfzigsten Für die „New York Times“ ist er der „größte Musicalstar Deutschlands“. Uwe Kröger war als Hauptdarsteller dabei, als Stuttgart 1994 mit „Miss Saigon“ zur Show-Stadt wurde. Wir sprachen mit ihm über 20 Jahre Musical bei den Schwaben, Outing und neue Ideen für die Entertainment-Branche.

Herr Kröger, vor 20 Jahren kam ein junger Mann mit langen blonden Haaren nach Stuttgart und stellte sich der Presse vor. Was dachte dieser junge Mann damals über Stuttgart? Es war nicht leicht für mich, um ehrlich zu sein. Ich war neugierig und blieb vorsichtig. Viel verstanden hab’ ich nicht. Wochen hab’ ich gebraucht, um Schwäbisch zu verstehen.

Ha no, heut kennet Se’s aber! Was war damals schlimmer für Sie – die Haare zu schneiden oder aus Wien wegzuziehen? Weder noch. Ich hasse Stagnation und liebe es, wenn man lebendig und beweglich bleibt – geistig wie körperlich. So sehr ich Wien da­ mals liebte und mit dem „Tod“ womöglich die Rolle meines Lebens bereits gefunden hatte, war ich froh, dass die Haare geschnit­ ten wurden und ich mich auf eine Rolle aus Fleisch und Blut vorbereiten durfte.

GI Chris hatte Fleisch und Blut und zeugte mit

Zur Person

Quintus Danesita ist Marketingchef eines Kaufhauses. Eigentlich heißt er Thomas Schuster, aber als er die Stelle in dem

Uwe Kröger

Bei einer deutschsprachigen Erstauffüh­ rung, der Eröffnung eines neuen Musical­ theaters aktiv dabei sein zu dürfen, ist ein großes Geschenk. Wie jede andere Rolle in meinem Leben hat sie mir das nächste Enga­ gement ermöglicht: „Joe Gillis“ in der deutschsprachigen Erstaufführung von „Sunset Boulevard“ in Niedernhausen.

Rolf Deyhle wollte „Miss Saigon“ zehn Jahre spielen. Dachten Sie, das funktioniert?

Von Uwe Bogen

Schurke des Jahres

einem Barmädchen ein Kind. Wie wichtig war diese Rolle für Ihre Karriere?

Nun, ich habe schon immer die Meinung ver­ treten, dass es auf Kunst keine Garantie gibt. Sollte etwas zehn Jahre laufen, dann nur, weil es das Publikum tatsächlich liebt. So­ lange ein Haus voll ist, wäre es ja dumm, es abzusetzen. Dennoch glaube ich an Vielfalt und Abwechselung. Und jedes Stück hat sei­ ne Spieldauer, seine Zeit.

Die Vielfalt im Ensemble von „Miss Saigon“ fiel auf... . . . oh, ich habe es geliebt, so viele Nationali­ täten auf einem Haufen. Ein wahrlich kos­ mopolitisches Cast! Ein Traum!

Was haben Sie außerhalb vom Musical von Stuttgart mitbekommen? Den Begriff der Kehrwoche, viel gutes Essen und liebe Menschen.

Was war Ihr Lieblingsplatz in Stuttgart? Ich habe die Innenstadt geliebt sowie die vie­ len Grünflächen und Parks, überall Cafés und Parks, das fand ich wundervoll.

Haben Sie noch Freunde in Stuttgart? Ja, die damalige Musicalsprecherin Daniela Mink, heute managt sie den Business Club.

Schon damals waren Ihre vor allem weiblichen Fans völlig verrückt nach Ihnen. Ich erinnere mich an eine Limousinenfahrt, die man mit Ihnen gewinnen konnte. Wie haben Sie diese Hysterie empfunden?

etwas ungewöhnlichen Kaufhaus antritt, in dem man Menschen als Sklaven für alle möglichen Zwecke erwerben kann, beschließt er, nie wieder die Wahrheit zu

Ich glaube, die größte Aufgabe meines Le­ bens war und ist, das Leben so anzunehmen, wie es kommt, egal, wie gut oder schlecht es ist. Und der Schlüssel dazu liegt in Geduld, Demut und Respekt. Ich habe die Treue mei­ ner Fans immer als Geschenk gesehen.

Ein Kosmopolit, der auf vielen Bühnen zu Hause ist: Musicalstar Uwe Kröger Ihre weiblichen Fans hat es nicht gestört, dass Sie seit vielen Jahren mit einem Kardiologen zusammenleben. Schon früh haben Sie sich geoutet... Verleger Marc Hiller und Jan Kossdorff (von links) Foto: Peter Petsch

Uwe Kröger 1997 in Stuttgart mit seinem damaligen Chef Rolf Deyhle Foto: Kraufmann

sagen, da es ihn nicht weiterbringe. Diese und andere schurkische Eigenschaften des Manipulators haben der Romanfigur den Samiel­Award eingebracht. Das ist der mit 666 Euro dotierte Preis für den besten Schurken der in diesem Jahr er­ schienenen Bücher des deutschsprachi­ gen Raums. Er wurde am Donnerstag­ abend in der Buchhandlung Osiander erstmals vom Verlag Digitalpublishers verliehen. Zuvor haben Preisträger Jan Kossdorf aus Wien und weitere nomi­ nierte Autoren ihre Schurken mit kleinen Lesungen angepriesen. 46 Arbeiten wa­ ren eingereicht worden. Der Verleger Marc Hiller betonte augenzwinkernd, wie wichtig gute Schurken für gelungene Literatur seien. (sma)

¡ Geboren ist Uwe Kröger am 4. Dezember 1964 in Hamm (Nordrhein-Westfalen). Nach Abitur und Zivildienst in einer Jugendpsychiatrie besuchte er die Hochschule der Künste in Berlin. ¡ Sein Durchbruch gelang ihm 1992, als er bei der Uraufführung des Musicals „Elisabeth“ in Wien den Tod spielte. ¡ 1994 übernahm er die Hauptrolle des GI Chris in „Miss Saigon“ zur Eröffnung des neuen Musicaltheaters in Stuttgart. ¡ Danach folgten zahlreiche Hauptrollen in vielen verschiedenen Städten. ¡ Seit 1996 ist Uwe Kröger mit dem international bekannten Kardiologen Christopher Wolf liiert, beide leben in Wien. ¡ www.uwekroeger.com

. . . nein, das stimmt nicht. Ich habe mich nie geoutet, aber nie einen Hehl aus meiner Se­ xualität gemacht. Ich halte nichts von dem Wort outen, weil es inhaltlich falsch ist. Ich halte es für distanzlos, danach zu fragen. Das Zauberwort heißt Privatsphäre.

Wie haben Sie es geschafft, über 20 Jahre immer als „Musicalstar“ bezeichnet zu werden? Es ist eine Auszeichnung, die nicht manipu­ lierbar ist. Musicalstar ist kein Beruf, den man erlernen kann. Man sollte immer an sich arbeiten, immer wachsen und nie stagnie­ ren. Das fordert Mut, Disziplin und Demut zugleich. Mehr kann man nicht tun. Der Rest wird vom Universum und zuletzt vom Publi­ kum entschieden.

Wie hat sich das Musical in Deutschland aus Ihrer Sicht entwickelt? Es ist vielschichtiger, reifer geworden. Ich

Foto: dpa

bin froh darüber. Denn es gibt nur gute oder schlechte Produktionen, gute oder schlechte Geschichten. Gott sei Dank sind die Ge­ schmäcker verschieden.

Ende des Jahres feiern Sie einen runden Geburtstag. Wie fühlt sich das für Sie an?

Würden Sie gern mehr deutsche Eigenproduktionen sehen?

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Es gibt immer mehr. Ich hatte zuletzt in Wien mit „Der Besuch der alten Dame“ die Pre­ miere eines deutschsprachigen Stücks.

Warum ist ein amerikanisches Erfolgsmusical wie „42nd Street“ in Stuttgart gefloppt? Keine Ahnung, ich glaube, es ist ähnlich wie bei der grandiosen Produktion von „Produ­ cers“, die trotz hervorragender Kritiken floppte, da in unseren Breitengraden die Thematiken nicht wirklich bekannt oder übersetzbar sind.

Die 50 kann ich kaum erwarten. Ich fühl’ mich prächtig, möchte kein Jahr missen. Ich spiele bis Juni 2014 noch in Wien „Der Besuch der alten Dame“, im August über­ nehme ich in der deutschsprachigen Erst­ aufführung von „The Addams Family“ die Rolle des Gomez Adams. Außerdem bin ich in „La Cage aux Folles“ und „Sound of Mu­ sic“ am Salzburger Landestheater zu sehen. Am 4. Dezember gibt es in der Wiener Stadt­ halle eine große Geburtstagsgala zu meinem Fünfzigsten mit vielen Gästen auf der Büh­ ne. Dann erscheint auch mein erstes Buch mit dem Titel „Ich bin, was ich bin“.

Um was geht es da? Was raten Sie jungen Talenten, die einen Weg und eine Karriere wie Sie einschlagen wollen? Talent reicht nicht. Es kommt an auf Diszi­ plin, Demut und Liebe zu dieser Berufung.

Um meine Erlebnisse in 50 Jahren. Es sind tolle Erlebnisse auf und hinter der Bühne. Stuttgart kommt auch drin vor. Net nur de Kehrwoch!

Gewinnspiel

Wo ist dieser Schriftzug? Wie gut kennen Sie Stuttgart? Unser Foto­ graf Leif Piechowski war mit der Kamera in der Stadt unterwegs.Wo hat er das linke Foto aufgenommen?

a) Friedhofsamt b) Friedrichsbau c) Friedenskirche Das können Sie gewinnen:

Foto: Leif Piechowski

Wir verlosen dreimal zwei Karten für das Konzert von The Baseballs am 24. April in der Stadthalle Reutlingen, die uns vom Kon­ zertbüro Musiccircus zur Verfügung gestellt wurden. Die Rock’n’Roll­Band verknüpft moderne Lieder mit dem Sound und dem Le­ bensgefühl der 50er und 60er Jahre.

So machen Sie mit Rufen Sie an: 0137 9881022 (legion, 50 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk ggf. abweichend)

Das Gustav-Siegle-Haus am Leonhardsplatz

Foto: Peter Petsch

Die Auflösung Vergangene Woche waren wir auf der Suche nach den Pferden, die den Eingang des Gus­ tav­Siegle­Hauses am Leonhardsplatz in der Stuttgarter Innenstadt zieren. Das am 6. Oktober 1912 eröffnete Haus zählt zu Stuttgarts traditionsreichsten Veranstal­ tungs­ und Kulturstätten. Gebaut wurde es von der Gustav­Siegle­Stiftung, die von den Erben des Industriellen Gustav Siegle ge­ gründet wurde. Das Haus sollte Räumlich­ keiten für die Volksbildung bieten. Der Auf­ trag ging an den Architekten Theodor Fi­ scher, der Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart war. Bei einem Flie­ gerangriff im Jahr 1944 wurde das Gustav­ Siegle­Haus stark beschädigt und blieb zu­

nächst als Ruine im Leonhardsviertel zu­ rück. 1949 wurde die Gustav­Siegle­Stif­ tung aufgelöst. Die Ruine ging an die Stadt Stuttgart. Diese ließ das Haus 1953 nach den alten Plänen wieder aufbauen. Heute sind unter anderem die Stuttgarter Philharmoni­ ker in dem Haus angesiedelt. (StN)

Die Gewinner Einen Breuninger­Gutschein über 100 Euro hat gewonnen: Willi Noll. Gutscheine im Wert von jeweils 50 Euro gehen an: Eberhard Lauer und Jennifer Hamm. Herzlichen Glückwunsch!


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