SONNTAGS IM PARK MIT GEORGE Textbuch

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Textbuch (dt.)

SONNTAGS IM PARK MIT GEORGE

Buch von James Lapine
 Musik und Gesangstexte von Stephen Sondheim

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Deutsche Fassung von Robin Kulisch

Bühnenvertrieb in Deutschland:

Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH

Bahnhofstraße 44-46 | 65185 Wiesbaden ----------------------------------------------------------------e-mail: post@musikundbuehne.de Internet: www.musikundbuehne.de v.RÜ 02/19


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Text, Komposition sowie Text- und Musikmaterial des Bühnenwerks werden Bühnen / Veranstaltern ausschließlich für Zwecke der Aufführung nach Maßgabe des jeweiligen Aufführungsvertrags zur Verfügung gestellt. Jede darüber hinausgehende Verwertung von Text und /oder Musikmaterial des Bühnenwerks bedarf der ausdrücklichen vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für dessen Vervielfältigung, Verbreitung, elektronische Verarbeitung, Übermittlung an Dritte und Speicherung über die Laufzeit des Aufführungsvertrags hinaus. Die vorstehenden Sätze gelten entsprechend, wenn Bühnen / Veranstaltern der Text oder das Musikmaterial des Bühnenwerks ohne vorherigen Abschluss eines Aufführungsvertrages zur Ansicht zur Verfügung gestellt wird. Weitere Einzelheiten richten sich nach den zwischen Bühnen / Veranstaltern und Verlag getroffenen Vereinbarungen. Dieser Text und die damit verbundene Komposition gilt bis zum Tag der Uraufführung / deutschsprachigen Erstaufführung / bis zur Erstübersetzung / der Neuübersetzung als nicht veröffentlicht im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. Es ist nicht gestattet, vor diesem Zeitpunkt das Werk oder einzelne Teile daraus zu beschreiben oder seinen Inhalt in sonstiger Weise öffentlich mitzuteilen oder sich öffentlich mit ihm auseinanderzusetzen. Nicht vom Verlag genehmigte Verwertungen verletzen das Urheberrecht und können zivilrechtliche und ggf. auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

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Wird das Stück nicht zur Aufführung angenommen, so ist das Manuskript umgehend zurückzusenden an:

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Inhaltsverzeichnis 1. Akt

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#01 OPENING PRELUDE (Underscore) ......................................................................................... 5 #02 FLIEGENDE BÄUME (Underscore) ......................................................................................... 7 #03 SONNTAGS IM PARK MIT GEORGE ...................................................................................... 11 #04 SONNENSCHIRM (Underscore) ............................................................................................. 16 #05 JU-HU! (Underscore) ................................................................................................................ 19 #06 KEIN HERZ ................................................................................................................................... 20 #07 SZENENWECHSEL AUF DAS ATELIER (Underscore) ....................................................... 27 #08 FARBE UND LICHT (Teil 1) .................................................................................................... 27 #08A FARBE UND LICHT (Teil 2) .................................................................................................... 30 #08B FARBE UND LICHT (Teil 3) .................................................................................................... 33 #08C FARBE UND LICHT (Teil 4) .................................................................................................... 37 #09 SZENENWECHSEL AUF DEN PARK (Underscore) ............................................................ 38 #10 KLATSCH UND TRATSCH ........................................................................................................ 39 #11 IM PARK (Underscore) ........................................................................................................... 44 #12 ENDLICH FREI (TEIL 1) ........................................................................................................... 48 #12A ENDLICH FREI (TEIL 2) ........................................................................................................... 52 #12B ENDLICH FREI (TEIL 3) ........................................................................................................... 53 #12C ENDLICH FREI (TEIL 4) ........................................................................................................... 54 #12D ENDLICH FREI (TEIL 5) ........................................................................................................... 55 #12E ENDLICH FREI (TEIL 6) ........................................................................................................... 60 #12F ENDLICH FREI (TEIL 7) ........................................................................................................... 61 #13 ALLE HIER LIEBEN LOUIS ....................................................................................................... 62 #14 LINKS ODER RECHTS ............................................................................................................... 66 #15 DER HUT ...................................................................................................................................... 70 #16 TOURNÜRE (Underscore) ...................................................................................................... 73 #17 SZENENWECHSEL AUF DAS ATELIER (Underscore) ....................................................... 74 #18 WIR ZWEI GEHÖR’N NICHT ZUSAMMEN ........................................................................... 82 #19 WUNDERSCHÖN ........................................................................................................................ 86 #20 SOLDAT CUE #1 ......................................................................................................................... 89 #21 JULES UND FRIEDA (Underscore) ....................................................................................... 92 #22 SOLDAT CUE #2 ......................................................................................................................... 93 #23 CHAOS (Underscore) ............................................................................................................... 95 #24 SONNTAG ..................................................................................................................................... 97

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2. Akt

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#25 SO HEISS HIER DRIN .............................................................................................................. 100 #26 EULOGIEN ................................................................................................................................. 107 #27 CHROMOLUME #7 (Teil 1) .................................................................................................. 113 #28 CHROMOLUME #7 (Teil 2) .................................................................................................. 115 #29 SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 1) ....................................................................................... 117 (COCKTAIL MUSIC #1) ........................................................................................................................ 117 #29A SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 2) ....................................................................................... 118 #29B SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 3) ....................................................................................... 119 #29C SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 4) ....................................................................................... 120 #29D SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 5) ....................................................................................... 122 #29E SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 6) ....................................................................................... 123 #29F SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 7) ....................................................................................... 124 (COCKTAIL MUSIC #2) ........................................................................................................................ 124 #29G SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 8) ....................................................................................... 125 #29H SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 9) ....................................................................................... 126 (COCKTAIL MUSIC #3) ........................................................................................................................ 126 #29I SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 10) .................................................................................... 127


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#29J SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 11) .................................................................................... 129 #29K SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 12) .................................................................................... 130 #29L SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 13) .................................................................................... 132 #29M SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 14) .................................................................................... 133 (COCKTAIL MUSIC #3) ........................................................................................................................ 133 #29N SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 15) .................................................................................... 134 #29O SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 16) .................................................................................... 137 #29P SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 17) .................................................................................... 139 #30 KINDER UND KUNST ............................................................................................................. 147 #31 NACH KINDER UND KUNST (Underscore) ..................................................................... 149 #32 LEKTION #8 ............................................................................................................................. 153 #33 FANG AN .................................................................................................................................... 156 #34 SONNTAG (FINALE) ............................................................................................................... 160


3 FIGUREN

1. AKT

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GEORGE, ein Künstler DOT, seine Geliebte Eine ALTE DAME Ihre PFLEGERIN JULES, ein anderer Künstler YVONNE, seine Frau Ein BOOTSMANN CELESTE #1, ein Ladenmädchen CELESTE #2, ein anderes Ladenmädchen LOUISE, die kleine Tochter von Jules und Yvonne FRANZ, der Kutscher von Jules und Yvonne FRIEDA, seine Ehefrau und die Köchin von Jules und Yvonne Ein SOLDAT MR. & MRS., ein amerikanisches Ehepaar * LOUIS, ein Bäcker FRAU mit Kinderwagen ** MANN mit Fahrrad ** HORNSPIELER, kann eine ausgeschnittene Figur sein ** * am Broadway wurde MRS. von der PFLEGERIN gedoppelt

Doppelbesetzungen am Broadway für die „Une Baignade Asnieres“ Szene: Ein JUNGE der im Fluss badet – gespielt von LOUISE Ein JUNGER MANN, der am Ufer sitzt – gespielt von FRIEDA Ein MANN, der am Ufer liegt – gespielt von LOUIS 2. AKT

Doppelbesetzung Broadway

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GEORGE, ein Künstler (GEORGE) MARIE, seine Großmutter (DOT) DENNIS, ein Techniker (FRANZ) BOB GREENBERG, der Museumsdirektor (JULES) NAOMI EISEN, eine Komponistin (YVONNE) HARRIET PAWLING, eine Kunstmäzenin (PFLEGERIN) BILLY WEBSTER, ihr Freund (LOUIS) Eine PHOTOGRAPHIN ** (FRAU mit Kinderwagen) Ein MUSEUMSASSISTENT ** (MANN mit Fahrrad) CHARLES REDMOND, ein Kurator (BOOTSMANN) ALEX, ein Künstler (SOLDAT) BETTY, eine Künstlerin (FRIEDA) LEE RANDOLPH, der Publizist des Museums (MR.) BLAIR DANIELS, eine Kunstkritikerin (ALTE DAME) Eine KELLNERIN ** (CELESTE #1) ELAINE, Georges frühere Frau (CELESTE #2)

** Rollen ohne Text


4 MUSIKALISCHE NUMMERN 1. AKT „SONNTAGS IM PARK MIT GEORGE“..............................DOT „KEIN HERZ“......................................JULES, YVONNE

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„FARBE UND LICHT“..................................DOT, GEORGE „KLATSCH UND TRATSCH“..................CELESTE #1, CELESTE #2, BOOTSMANN, PFLEGERIN, ALTE DAME, JULES, YVONNE „ENDLICH FREI“.......................GEORGE, PFLEGERIN, FRANZ, FRIEDA, BOOTSMANN, SOLDAT, CELESTE #1, CELESTE #2, YVONNE, LOUISE, JULES, LOUIS „ALLE HIER LIEBEN LOUIS“...................................DOT

„DER HUT“...............................................GEORGE „WIR ZWEI GEHÖR’N NICHT ZUSAMMEN“..................DOT, GEORGE „WUNDERSCHÖN“................................ALTE DAME, GEORGE

„SONNTAG“.............................................ENSEMBLE 2. AKT

„SO HEISS HIER DRIN“..................................ENSEMBLE

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„CHROMOLUME #7“..................................GEORGE, MARIE „SETZ ALLES ZUSAMMEN“.........................GEORGE, ENSEMBLE

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„KINDER UND KUNST“.......................................MARIE „LEKTION #8“............................................GEORGE „FANG AN“..........................................GEORGE, DOT

„SONNTAG“.............................................ENSEMBLE


5 1. AKT

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Eine weiße Bühne. Weißer Boden, leicht angeschrägt und perspektivisch verlängert. Vier weiße Portale begrenzen den Raum. Der Proszeniumsbogen setzt sich auch über den Boden fort und schafft so einen kompletten Rahmen um die Bühne.

GEORGE tritt vorne auf. ER ist ein Künstler. Groß, dunkler Bart. ER trägt einen weichen Filzhut mit einer sehr schmalen Krempe, die am Nacken eingedrückt ist, und eine kurze Jacke. ER wirkt recht angespannt. ER setzt sich vorne an die Bühnenkante an eine Staffelei, mit einem großen Zeichenblock und einer Schachtel mit Zeichenkreide. ER starrt einen Moment lang auf den Block, bevor ER sich ans Publikum wendet.

GEORGE Weiß. Eine leere Seite oder Leinwand. Bring Ordnung in das Ganze. #01

Die Herausforderung:

OPENING PRELUDE (Underscore)

(Arpeggio-AKKORD. Bühne herunter)

Ein Baum kommt rechts auf die

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Durch Entwurf.

(Vier Arpeggio-AKKORDE. Die weißen Portale öffnen sich und das weiße Bodentuch verschwindet und enthüllt eine grasgrüne Fläche, während die Portale den Park darstellen)

Komposition.

(Zwei Arpeggio-AKKORDE. die Bühne)

Ein Baum kommt von links auf

(Zwei Arpeggio-AKKORDE.

Zwei Bäume kommen herunter)

Balance.

Licht.


6 (Ein Arpeggio-AKKORD. Das Licht kommt mit einem Schlag herein und gibt den Eindruck eines frühmorgendlichen Sonnenaufgangs auf der Insel La Grande Jatte – harte Schatten und fließendes goldenes Licht, das durch die Bäume fällt) GEORGE (cont’d) Und Harmonie.

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(Die MUSIK verschmilzt zu einem Thema: „SONNTAG“, während sich hinten auf der Bühne die Versatzfiguren eines Pärchens erheben. GEORGE beginnt zu zeichnen, stoppt dann plötzlich und geleitet DOT aus der Gasse zum Publikum hin. SIE trägt ein traditionelles Kostüm aus dem 19. Jahrhundert: bodenlanges Kleid mit Tournüre, etc. Wenn ER sie nach rechts vorn gebracht hat, dreht ER sie ins Profil und geht dann zurück zu seiner Staffelei. ER beginnt zu zeichnen. SIE wendet sich zu ihm. MUSIK unter dem Folgenden)

Nein.

GEORGE (cont’d) (Verärgert) Ich möchte, dass Du jetzt auf’s Wasser schaust.

DOT Ich komme mir albern vor.

GEORGE

Warum?

DOT (Zeigt auf die Tournüre) Ich kann dieses Ding nicht ausstehen. GEORGE

IC

Warum trägst Du es dann?

N

Warum ich das trage?

DOT Alle tragen das! GEORGE

Alle...

DOT

Das weißt Du auch.

(SIE beginnt sich zu bewegen) GEORGE Bitte, steh still. (Die MUSIK stoppt)


7

DOT (seufzt) Ich hab’ gelesen, sie tragen das sogar in Amerika. GEORGE Sie kämpfen gegen Indianer in Amerika -- und Du kannst überhaupt nicht lesen. DOT

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(defensiv) Ich kann lesen... ein bisschen. (Pause)

Warum mussten wir so früh aufstehen? GEORGE

Das Licht.

DOT

Oh.

(GEORGE gibt ein Stöhnen von sich) DOT (cont’d)

Was ist los?

GEORGE (radiert fieberhaft etwas aus) Ich kann diesen Baum nicht ausstehen.

IC

#02

FLIEGENDE BÄUME (Underscore)

(Einer der Bäume steigt auf und verschwindet in den Soffitten. ARPEGGIO)

N

DOT (Verletzt) Ich dachte, Du zeichnest mich. Tu ich.

Tu ich.

GEORGE Steh einfach still.

(DOT nimmt den verschwundenen Baum nicht wahr. Im Verlauf der Szene kann sich die Landschaft weiter verändern. In diesem Moment kommt ein Segelboot langsam in Sicht)

DOT Ich wünschte, wir könnten segeln gehen. so früh am Tag gehen.

Ich würde nur nicht


8 GEORGE Könntest Du den Kopf etwas senken, bitte? (SIE lässt ihren Kopf komplett fallen) Dot. Wenn Du ein gutes Modell sein willst, musst Du lernen, Dich zu konzentrieren. Halt die Pose. Schau hinaus auf das Wasser.

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(SIE gehorcht)

Danke.

(In der hinteren Bühnenecke wird eine ALTE DAME sichtbar) ALTE DAME

Wo ist der Baum hin? (Pause)

SCHWESTER!

SCHWESTER!

DOT

(erschrocken) Mein Gott!

(SIE sieht die ALTE DAME)

Sie ist überall!

(Die PFLEGERIN tritt auf. Kopfputz)

SIE trägt einen enormen

ALTE DAME

IC

SCHWESTER!

PFLEGERIN

N

Was ist denn, Madame? Der Baum.

Der Baum.

ALTE DAME Wo ist unser Baum? PFLEGERIN

Welcher Baum?

ALTE DAME Der Baum, bei dem wir immer sitzen.

Jemand hat ihn entfernt.

PFLEGERIN Niemand hat ihn entfernt, Madame. Er ist doch direkt da drüben. Nun kommen Sie --


9 (Die PFLEGERIN versucht, die ALTE DAME weiterzuführen) ALTE DAME

Schubsen Sie mich nicht! Ich schubse Sie nicht.

PFLEGERIN Ich helfe.

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ALTE DAME Sie schubsen und ich brauche keine Hilfe.

PFLEGERIN (SIE geht über die Bühne und setzt sich) Ja, Madame. ALTE DAME Und das ist nicht unser Baum! (SIE schlurft weiter)

PFLEGERIN

Ja, Madame.

(SIE hilft der ALTEN DAME, sich vor den Baum zu setzen)

DOT Ich beneide das Fräulein nicht.

GEORGE (leise zu sich) Sie kann lesen... DOT

IC

(rächt sich) Sie haben über Dich gesprochen im „La Coupole“. GEORGE

N

Oh.

DOT Und merkwürdige Sachen erzählt...

GEORGE Haben die so wenig zu reden, dass sie über mich reden müssen? DOT Warst Du im Zoo, George? (Keine Antwort) Und hast den Affenkäfig gezeichnet?


10 GEORGE Nicht den Affenkäfig. DOT Sie sagten, sie haben Dich gesehen. Die Affen, Dot.

GEORGE Nicht den Käfig.

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DOT (Kichernd) Es stimmt? Warum zeichnest Du Affen?

(Die ALTE DAME erreicht endlich den Baum) ALTE DAME

Schwester, was ist das?

PFLEGERIN

Was, Madame?

Das!

ALTE DAME (Zeigt nach vorne) Da hinten, in der Ferne.

PFLEGERIN Sie machen Platz für die Ausstellung. ALTE DAME

Welche Ausstellung?

Die Weltausstellung.

PFLEGERIN Sie wollen dort einen Turm bauen.

IC

ALTE DAME Schon wieder eine Ausstellung...

N

PFLEGERIN Man sagt, es soll das größte Bauwerk der Welt werden. Noch mehr Ausländer.

ALTE DAME Ich kann keine Ausländer mehr sehen.


11 #03

SONNTAGS IM PARK MIT GEORGE GEORGE

Mehr Boote. (Ein Arpeggio-Akkord.

Ein Schleppdampfer erscheint)

GEORGE (cont’d)

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Mehr Bäume.

(Zwei AKKORDE.

Mehr Bäume fahren herein)

DOT

George.

(AKKORD)

Wie kommt es, dass Du immer im Schatten sitzt -- und ich muss in der Sonne stehen? (AKKORD.

Keine Antwort)

George?

(Immer noch keine Antwort)

Hallo, George?

(AKKORD)

Hier ist jemand in diesem Kleid!

(Zuckt ein wenig, singt zu sich selbst)

N

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EIN RINNSAL AUS SCHWEISS (Zuckt)

DEN RÜCKEN HIN(Zuckt)

AB. DAS MACHT ER IMMER. (Zischt)

UND MEIN FUSS STIRBT AB. SONNTAG FRÜH IM PARK MIT GEORGE. JEDEN SO-(Zuckt)


12 DOT (cont’d) DER KRAGEN IST FEUCHT. MICH BLENDET DAS LICHT (Leises Zucken) DER ROCK RUTSCHT RUNTER --

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(Zischt und zuckt) ICH BEWEG’ MICH NICHT.

(Windet sich mit einigem Vergnügen, vermischt mit leichten verärgerten Zuckungen)

WER WER WER WER

WAR WAR WAR WAR

NOCH NOCH DORT DORT

IM ZOO, GEORGE? IM ZOO? UND WO, GEORGE? UND WO? GEORGE

Nicht bewegen.

DOT (Unbeweglich) KÜNSTLER SIND BIZARR, KALT. STUR. JA, DU, GEORGE, BIST BIZARR, KALT. STUR. ICH MAG DAS BEI ’NEM MANN. KALT. STUR. GOTT, ES IST SO HEISS.

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IC

WAS IST SO SCHLIMM DRAN, AUF’S WASSER RAUSZUSTARR’N AN EINEM SONNTAG? WAS IST SCHLIMM DRAN, AUF’S WASSER RAUSZUSTARREN, WENN DU FÜR EIN BILD MODELL STEHST, DAS DEIN LIEBSTER VON DIR MALT, MITTEN IM SOMMER, HIER IM PARK, AUF EINER INSEL AUF DEM FLUSS AN EINEM SONNTAG?

(GEORGE rennt hinüber zu DOT und arrangiert sie ein wenig um, als ob sie ein Objekt wäre, geht dann zu seiner Staffelei zurück und zeichnet weiter. DOT zischt, zuckt wieder)

DOT (cont’d) DER UNTERROCK NASS -UND FÜRCHTERLICH SCHWER. DIE SONNE BLENDET. (Schließt die Augen) KONZENTRIER’ DICH MEHR!


13 GEORGE

Augen bitte auf. DOT SONNTAG FRÜH IM PARK MIT GEORGE. GEORGE Schau raus auf das Wasser. Nicht auf mich.

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DOT SONNTAG FRÜH IM PARK MIT GEORGE. KONZENTRIER’N... KONZENTRIER’N...

(Das Kleid öffnet sich und DOT tritt heraus. Das Kleid schließt sich wieder und bleibt stehen; GEORGE zeichnet weiter, als wäre SIE noch darin. Während des Folgenden bewegt sich DOT frei auf der Bühne, windet sich weiter und nimmt repräsentative Posen zur Unterstreichung der Musik ein, die sehr rhythmisch ist)

WÜNSCHT MAN SICH VIEL GELD UND RESPEKT UND BEACHTUNG, SICH’RE ÜBERNACHTUNG, SOLLTE MAN NICHT MODELL STEH’N. (Posiert)

WILLST DU, DASS DIE WELT DICH BEHÄLT, ZWECKS ERINN’RUNG UND GENAUERER BETRACHTUNG, (Posiert)

N

IC

DANN HEISST’S, SCHNELL GEH’N -(Posiert)

UND EINEN MALER,

(Kurze, scharfe Posen während des Folgenden)

DICHTER, BILDHAUER SICH SUCHEN: MARMOR, BRONZE, STEIN... DAUERHAFT. HÜBSCH NUR MUSS ES SEIN UND DAUERHAFT FÜR IMMER.


14 DOT (cont’d) WICHTIG IST NUR: IST ES GUT? (Schaut über GEORGEs Schulter auf seine Arbeit, dann zu GEORGE) UND DU BIST GUT. GEORGE, WIRKLICH GUT.

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GEORGES STRICH IST ZÄRTLICH. GEORGES STIL IST REIN.

(Sitzt oder steht in seiner Nähe und sieht ihm aufmerksam zu)

DEIN BLICK, GEORGE. ICH LIEB’ DEN BLICK, GEORGE. ICH LIEB’ DEN BART, GEORGE. UND DEIN GESCHICK, GEORGE. DOCH MEHR, GEORGE, ALS DAS, NOCH MEHR ALS DAS, LIEB’ ICH DEIN MALEN.

(Schaut hinauf zur Sonne)

TROTZ ALL DER QUALEN...

(Tritt zurück in das Kleid, nimmt die Pose wieder ein, zuckt noch einmal und singt dann wieder sotto voce)

OH, DIESES KORSETT,

IC

(Zuckt)

N

DIREKT AN DER BRUST. DIE STANGEN DRÜCKEN -(Bewegt sich)

HEB’ DEN ARM. DU MUSST --

GEORGE

Bitte heb den Arm nicht.

DOT SONNTAG FRÜH IM PARK MIT GEORGE. GEORGE Den Rock bitte hoch.


15 DOT ER SIEHT DURCH MICH DURCH. ALS WÄR’ ICH EIN BAUM. ER SAGT NOCH „BITTE“, SOGAR NACHTS IM TRAUM.

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AUS DIR WIRD MAN NICHT SCHLAU, GEORGE. WIRD MAN AUS DIR SCHLAU? SONST WUSST’ ICH’S GENAU, GEORGE. ICH HOFF’, DASS ALS FRAU ICH DICH NOCH DURCHSCHAU’. GOTT, MIR IST SO HEISS!

WAS IST SO SCHLIMM DRAN, AUF’S WASSER RAUSZUSTARR’N AN EINEM SONNTAG? WAS IST SCHLIMM DRAN, AUF’S WASSER RAUSZUSTARREN, WENN MAN FÜR EIN BILD MODELL STEHT NACHDEM MAN UM SIEBEN AUFSTAND UND DANN EINSCHLIEF AUF DER FÄHRE AUF DER FAHRT ZU EINER INSEL IN DER MITTE EINES FLUSSES, HALBE STUNDE VON DER STADT, AN EINEM SONNTAG. EINEM SONNTAG HIER IM PARK MIT --

GEORGE (Die MUSIK bricht ab) Nicht den Mund bewegen.

(DOT hält absolut still für eine sehr lange Pause)

N

IC

DOT (Die Musik setzt wieder ein, während SIE all ihre extrem gemischten Gefühle in ein einziges Wort legt) -- GEORGE.


16 (Nach dem Applaus) DOT Ich werde langsam müde. Die Sonne ist heute zu stark. GEORGE Fast fertig. DOT

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(Sexy) Ich wär’ viel lieber im Atelier, George. GEORGE

Ich weiß.

ALTE DAME (Sieht über das Wasser) Die sind heute früh auf den Beinen. PFLEGERIN

Es ist Sonntag, Madame.

ALTE DAME Genau das meine ich ja, Schwester. Junge Burschen, die so früh schwimmen gehen? An einem Sonntag? PFLEGERIN

Nun, es ist sehr warm.

ALTE DAME Reichen Sie mir meinen Sonnenschirm. PFLEGERIN

N

IC

Sofort, Madame. #04

SONNENSCHIRM (Underscore)

(Die PFLEGERIN steht auf und öffnet den Sonnenschirm für die ALTE DAME. FRANZ tritt auf. Starrt einen Moment lang die beiden FRAUEN an und kommt dann nach vorne. ER sieht GEORGE und tut so als würde ER posieren, während ER sich setzt) DOT

Oh nein. GEORGE Was? Schau.

DOT Schau, wer da drüben ist.


17 GEORGE

Und? DOT Wenn er in der Nähe ist, weißt Du, wer dann nicht mehr weit sein kann?

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GEORGE Du hast Deinen Arm bewegt. DOT Ich glaube, sie spionieren Dir nach, George. wirklich.

Das glaube ich

GEORGE Kannst Du Deinen Kopf stillhalten?

(Die PFLEGERIN ist in die Nähe von FRANZ hinübergeschlendert)

PFLEGERIN Sie sind ja fürchterlich früh hier heute. FRANZ

Ja.

Sie aber auch.

PFLEGERIN Und Sie arbeiten, an einem Sonntag. FRANZ

Ja...

PFLEGERIN

Es ist ein schöner Tag.

FRANZ

N

IC

(Sexy) Es ist zu heiß.

PFLEGERIN

Finden Sie?

ALTE DAME

Wo ist mein Fächer!

PFLEGERIN

Ich muss wieder zurück. ALTE DAME Schwester, mein Fächer! PFLEGERIN Sie haben ihn heute nicht mitgebracht, Madame.


18 ALTE DAME Natürlich habe ich ihn mitgebracht! FRANZ Vielleicht sehen wir uns später. PFLEGERIN Vielleicht... ALTE DAME Da drüben.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de Da ist er doch.

(Die ALTE DAME hebt den Fächer auf) PFLEGERIN

Das ist mein Fächer --

N

IC

ALTE DAME Nun, den kann ich doch benutzen. Oder etwa nicht? ja nur herum... Was ist denn das für ein Tumult?

Er lag da


19 #05

JU-HU! (Underscore)

(MUSIK. Gelächter aus der rechten Gasse. Ein Wagen fährt herein mit einem Tableau Vivant von Seurats „Une Baignade Asnières“) Nicht so laut!

FRANZ Ruhe, bitte!

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Jungs!

(Das Folgende hört man gleichzeitig)

Ju-hu!

JUNGE IM WASSER Dumm und dämlich!

JUNGER MANN AM UFER

He!

Was glotzt Ihr so?

MANN AM UFER Was für ein Hintern, Madame!

(Der JUNGE MANN lässt einen lauten Jubelschrei los) JUNGE

Ju-hu -- Fusselbart!

MANN

Fusselbart!

JUNGER MANN, JUNGE

N

IC

Fusselbart!

(GEORGE macht eine Geste, als würde ER mit den Händen das Bild vor sich einrahmen -- ALLE erstarren. Stille. Ein Rahmen fährt herein und rahmt sie ein. JULES und YVONNE schlendern herein und pausieren vor dem Bild)


20 #06

KEIN HERZ JULES

Ahh... YVONNE Uuh...

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JULES

Hmm...

YVONNE

Ach.

JULES

Oh je.

YVONNE

Ach herrje.

JULES

ES HAT KEIN LEBEN.

YVONNE

KEIN FEUER.

JULES

KEIN HERZ.

(SIE lachen)

ES IST ZU AFFEKTIERT, ZU ROUTINIERT.

N

IC

YVONNE (Kichernd) DU SAGST DOCH NICHT, ES SEI DAHINGESCHMIERT? (SIE lachen herzlich)

JULES DIE TIEFE FEHLT. ZU DICHT UND UNBESEELT --

YVONNE

KEIN HERZ. Jungs ohne ihre Kleidung -JULES (Spöttisch) Ich muss als nächstes eine Fabrik malen!


21 YVONNE ES IST SO RUSTIKAL. JULES SO TRIVIAL.

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YVONNE FAST WIE AUS EINEM BLÖDEN SOZIALISTISCH-ÖDEN KUNST-JOURNAL. JULES

(Anerkennend)

Gut.

YVONNE

SO KOMPLIZIERT.

JULES

SO KONTROLLIERT.

BEIDE

KEIN HERZ.

JULES Sein Pinselstrich ist irgendwie zu bewusst. YVONNE

Der Hund.

(SIE schreien vor Lachen) JULES

KURZ PROMINENT --

YVONNE

N

IC

Hmm.

JULES DAS HEISST NICHT VIEL.

YVONNE

Ahhh.

ER HAT TALENT --

(JULES schießt ihr einen Blick zu) (Schnell) DOCH KEINEN STIL. JULES Hah.


22 JULES (cont’d) ZU KALT, ZU KLUG. ES LEBT NICHT GENUG. YVONNE GENAUSO WIE ER -(Jules nickt zustimmend)

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BEIDE

KEIN --

(SIE kichern und glucksen)

HERZ.

N

IC

(ARPEGGIO. Die JUNGEN auf dem Bild lassen einen lauten Jubelschrei los. JULES und YVONNE wenden sich ab und schlendern langsam umher)


23

PFLEGERIN (Sieht JULES) Da ist dieser berühmte Maler -- wie heißt er noch gleich... ALTE DAME Wie heißt er denn nun?

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PFLEGERIN Ich kann mich nie an ihre Namen erinnern. (JULES zieht den Hut vor den DAMEN. weiter auf GEORGE zu)

George!

Das PAAR hält

JULES So früh heut schon unterwegs?

(GEORGE nickt, während ER weiter zeichnet. ihren Kopf noch weiter)

DOT senkt

GEORGE

Hallo, Jules.

YVONNE

Ein herrlicher Tag...

JULES Ich könnte heute nicht skizzieren hier draußen -- viel zu sonnig! (YVONNE lacht)

GEORGE Hast Du das Bild schon gesehen?

(Fängt sich wieder)

N

IC

JULES Ja. Ich wollt’s grad sagen! Badende Jungen -- welch kurioses Sujet.

Wir müssen reden.

YVONNE

(aufrichtig) Ich liebe den Hund.

JULES Ich bin sehr froh, dass es eine Ausstellung der unabhängigen Künstler gab. GEORGE Ja...


24

Wir müssen reden.

JULES Wirklich.

(Pause) YVONNE Genießen Sie das Wetter. JULES

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Guten Tag.

(Während SIE abgehen, hält YVONNE JULES an und zeigt auf DOT) YVONNE

Dieses Kleid!

(SIE lachen und gehen ab) DOT

Ich hasse sie.

GEORGE Jules ist ein guter Maler. Das ist mir egal.

DOT Ich hasse sie.

(JULES und YVONNE kehren zurück) JULES

Franz!

YVONNE

IC

Wir warten!

(SIE gehen ab)

N

Ja, Madame, Monsieur.

FRANZ Zu Ihren Diensten.

(FRANZ, der die PFLEGERIN beobachtet hat, springt schnell auf und stürzt JULES und YVONNE hinterher)


25 (GEORGE schließt seinen Zeichenblock. unbeweglich stehen)

DOT bleibt

GEORGE Danke.

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DOT (Bewegt sich) Ich hatte gerade damit angefangen. GEORGE

Womit?

Konzentrieren.

DOT Wie Du gesagt hast.

GEORGE (Gönnerhaft) Das hast Du sehr gut gemacht. DOT

Hab’ ich wirklich?

Ja.

GEORGE (Sammelt seine Utensilien zusammen) Wir sehen uns dann später im Atelier. DOT

(Verärgert) Du kommst nicht mit?

GEORGE

Nicht jetzt.

(DOT ist wütend und beginnt zu gehen)

Wir gehen heute Abend ins Vaudeville.

N

IC

Dot.

(SIE bleibt stehen, sieht ihn an und geht dann ab. GEORGE geht hinüber zu der PFLEGERIN und der ALTEN DAME) GEORGE

Bonjour.

PFLEGERIN Bonjour, Monsieur. GEORGE Ein wunderschöner Morgen, die Damen.


26 PFLEGERIN Ja. GEORGE Ich habe meinen Zeichenblock und meine Stifte heute dabei. PFLEGERIN Oh, das wäre --

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ALTE DAME

Nicht heute!

GEORGE

(Enttäuscht) Warum nicht heute?

ALTE DAME

Zu warm.

GEORGE Es ist warm, aber es wird ja nicht lange dauern. können --

Danach

ALTE DAME (Schaut weiter hinaus auf das Wasser) Ein andermal, Monsieur. (Pause)

GEORGE (Kniet sich hin) Ich bin’s, George -- Mutter.

ALTE DAME (Als sollte das besser ein Geheimnis bleiben)

IC

Sssh...

N

Ja.

GEORGE (Steht wieder auf) Ich schätze, wir sind alle bald wieder hier.

(ER geht ab, während das LICHT langsam verlischt)


27 #07

SZENENWECHSEL AUF DAS ATELIER (Underscore)

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(GEORGEs Studio. Vorne auf der Bühne sitzt DOT [wie in Seurats „La Poudreuse“] an ihrem Waschtisch und pudert ihr Gesicht. Eine gleichmäßige, ruhige, beharrliche RHYTHMISCHE FIGUR untermalt die Szene) #08

FARBE UND LICHT (Teil 1)

DOT (Während SIE rhythmisch pudert) George hat mir alles über Konzentration beigebracht. Kunst, still zu sein“, sagte er.

„Die

(Ein prüfender Blick, dann pudert SIE weiter)

Ich schätze, ich habe es nicht rechtzeitig gelernt. (Taucht die Puderquaste in den Puder)

George ist gern allein.

(Pudert weiter)

Manchmal malt er die ganze Nacht lang. Wir haben deswegen gestritten. Ich brauche Schlaf. Ich liebe es zu träumen.

IC

(Hinten auf der Bühne erscheint GEORGE, auf einem Gerüst, hinter einer großen Leinwand - eine Gaze auf der Teile von „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“ zu sehen sind. ER malt)

N

George braucht nicht so viel Schlaf wie alle anderen.

(Taucht die Puderquaste ein, beginnt den Hals zu pudern)

Und niemals erzählt er mir seine Träume. Geheimnisse.

George hat viele

(Das LICHT auf DOT wird dunkler, wechselt auf GEORGE. Er hat mehrere Pinsel in der Hand und bedeckt einen Teil der Leinwand – das Gesicht der Frau im Vordergrund – mit winzigen Farbflecken, im selben Rhythmus, in dem DOT sich pudert)


28 GEORGE (Hält inne, überprüft) Ordnung. (Tupft mit einer anderen Farbe, hält inne, überprüft, tupft auf die Palette) Entwurf.

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(Tupft mit einem anderen Pinsel)

Komposition. Ton. Form. Symmetrie. Balance.

MEHR ROT.

(Tupft mit größerer Intensität)

UND EIN BISSCHEN MEHR ROT. (Wechselt die Pinsel)

BLAU BLAU BLAU BLAU BLAU BLAU BLAU BLAU SACHTE, SACHTE...

(Wechselt schnell die Pinsel)

GUT...

(Summt)

N

IC

BAMBAM BAM BAMBAMBAM BAMBAM BAM...

(Malt einen Augenblick schweigend)

MEHR ROT...

(Wechselt wieder den Pinsel)

MEHR BLAU...

(Wechselt erneut) MEHR BIER... (Nimmt einen kräftigen Schluck aus einer Flasche in der Nähe, die Augen immer auf der Leinwand, stellt die Flasche ab)


29 GEORGE (cont’d) MEHR LICHT! (ER tupft eifrig weiter und bearbeitet feinfühlig den Bereich in dem ER gerade malt)

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FARBE UND LICHT. ES GIBT NUR FARBE UND LICHT. MEHR GIBT ES NICHT. NUR BLAU, WEISS, GELB UND DAS LICHT.

(Wendet sich an die Frau die ER gerade malt)

SEH’N SIE DIE LUFT DORT...

(Kleckst in den Bereich direkt vor ihr)

DIE BLUMEN BLÜH’N.

NEIN, SEH’N SIE DEN DUFT DORT...

(Tupft auf ihr Auge, hält inne, überprüft es)

DAS MACHT DAS GRÜN...

(Wirbelt mit einem Pinsel im Orange-Becher)

N

IC

VEREINT MIT ORANGE...


30 #08A

FARBE UND LICHT (Teil 2)

(Das LICHT auf GEORGE wird dunkler, wechselt auf DOT, die jetzt ihre Brüste und Achseln pudert. Die RHYTHMISCHE FIGUR läuft darunter weiter)

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DOT Nichts scheint mir richtig zu passen. (Kichert)

Je weniger ich anhabe, umso wohler fühle ich mich. (Prüfender Blick)

MEHR ROUGE.

(Legt die Puderquaste weg, nimmt Rouge und beginnt, es in kleinen rhythmischen Kreisen aufzutragen)

George ist sehr außergewöhnlich. Vielleicht bin ich einfach nicht außergewöhnlich genug für ihn.

(Legt das Rouge weg, nimmt die Augenbrauen-Pinzette)

WÄR’N DIE BEINE LÄNGER.

(Zupft ihre Augenbrauen)

WÄR’ DER BUSEN KLEINER. (Zupft)

IC

WÄR’N DIE HÄNDE ZARTER. (Zupft)

N

WÄR’ DIE TAILLE SCHMALER. (Prüfender Blick)

WÄR’N DIE HÜFTEN FLACHER. (Zupft erneut)

WÄR’ DIE STIMME SANFT. (Zupft) KÖNNT’ ICH MICH KONZENTRIER’N --


31 (Plötzlich beginnen ihre Füße unter dem Tisch Can-Can zu tanzen)

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DOT (cont’d) WÄRE ICH IM VAUDEVILLE. ODER EINEM CABARET. WO DIE FEINEN HERR’N IM FRACK MIT CHAPEAU CLAQUE UND BLUMEN WARTEN. UND ICH LASS SIE EWIG WARTEN.

UND DAS GANZE FEINE PACK, GANZ MEIN GESCHMACK, STÖSST AUF MICH AN, BIS ICH DANN MEINE KRALLEN ZEIG’...

(Sieht auf ihre Nägel, greift nach der Feile)

DANN WOLL’N SIE MICH UMSO MEHR...

(Beginnt rhythmisch ihre Nägel zu feilen)

WENN ICH EIN REVUEGIRL WÄR’. NEIN, DAS WÄRE NICHTS FÜR MICH. DUMME JUNGS... UND EWIG WACH... UND ZU VIEL RAUCH UND ALL DER KRACH UND SO VIEL FARBE UND LICHT...

(LICHT wieder auf GEORGE, der mit der Frau auf dem Bild spricht. Die RHYTHMISCHE FIGUR läuft darunter weiter)

N

IC

GEORGE Sind Sie heute nicht tipptopp, Madame? Ihr Sonnenschirm so exakt angewinkelt, Ihre Tournüre so perfekt ausgerichtet. Zweifelsfrei sitzt Ihr Kinn genau im richtigen Winkel zu Ihrer Brust. (Wendet sich an die Figur eines Mannes neben ihr)

Und Sie, Monsieur. Ihr Hut so schwarz. vielleicht. So rot für mich.

So schwarz für Sie

(Die RHYTHMISCHE FIGUR setzt kurzzeitig aus)

DOT (Besprüht sich rhythmisch mit Parfüm) JEDE NACHT EINE ARBEITSSCHICHT... GEORGE So komponiert für einen Sonntag.


32 DOT WIE KANNST DU SEH’N, WENN SICH DAS LICHT (Sprüht) SCHLICHT (Sprüht)

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NICHT

(Sprüht)

BRICHT?

(Sprüht)

WIE WIRD MAN SCHLAU AUS GEORGE?

N

IC

(Die RHYTHMISCHE FIGUR setzt wieder ein)


33 #08B

FARBE UND LICHT (Teil 3)

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GEORGE (Murmelt wie in Trance, während ER malt) ROT ROT ROT ROT ROT ROT LILA ROT ROT LILA LILA ETWAS BLAU ETWAS ROT ETWAS LILA UND EIN BLAU GRÜN BLAU GRÜN BLAU GRÜN GELBER KREIS AUF DER LILA DIAGONALE DI-AG-AG-AG-AG-O-NAL-E LILA KOMMA LILA KOMMA (Summt, massiert sein taubes Handgelenk)

AUAU AU AUAUAU AUAU AU

(Schnuppert, riecht DOTs Parfüm)

N

IC

BLAU BLAU BLAU BLAU BLAU SIE SITZT ROT BLAU PARFÜM BLAU ROT HEUT’ NACHT BLAU GRÜN RAUS IN DIE STADT DAT DAT DAT DOT DOT SITZT UND DOT DOT WARTET DOT DOT DOT WIRD FETT FETT FETT MEHR GELB UND DOT DOT WARTET, DASS WIR GEH’N GEH’N GEH’N, DOCH NEIN NEIN NEIN GEORGE ERST KOMMT DER HUT ERST KOMMT DER HUT NEIN ZUERST KOMMT DER HUT GEORGE HUT HUT HUT HUT GUT GUT GUT ZU HEISS HIER DRIN...

(Pfeift ein bisschen, dann freudig)

SONNTAG!

FARBE UND LICHT!

DOT (Steckt ihr Haar hoch) Aber wie George schaut. Er könnte für immer schauen. GEORGE ES GIBT NUR FARBE UND LICHT.


34 DOT Als ob er Dich sieht und gleichzeitig auch nicht. GEORGE MEHR GIBT ES NICHT. DOT Was denkt er, wenn er so schaut?

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GEORGE NUR ROT, WEISS, LILA UND LICHT.

DOT Manchmal blinzelt er nicht mal.

Was sieht er?

GEORGE (Zu den jungen Mädchen auf dem Gemälde) WENN SIE GESTATTEN, MEHR KÜHL-BLAU-WEISS.

Seine Augen.

DOT So dunkel und leuchtend.

GEORGE BLEIBT BESSER IM SCHATTEN. ES IST ZU HEISS...

DOT Manche finden sie kalt und schwarz. GEORGE ES WIRD ORANGE FAST...

IC

DOT ES IST WARM IN SEINEM BLICK... GEORGE

N

HEISSER...

DOT ES IST WEICH IN SEINEM BLICK...

(GEORGE geht um die Leinwand herum, um Farbe zu holen oder einen Pinsel zu reinigen. ER wirft einen Blick auf DOT. Ihre Augen treffen sich für eine Sekunde, dann wendet sich DOT wieder ihrem Spiegel zu)

DOT DU VERBRENNST AN SEINEM BLICK... GEORGE Sieh Dir an, wie sie schaut.


35 DOT ER STUDIERT DICH WIE DAS LICHT.

GEORGE Auf ewig vor diesem Spiegel. Was sieht sie? Das runde Gesicht, das winzige Schmollen, den weichen Mund, die cremefarbene Haut...

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DOT DU ERWIDERST SEINEN BLICK.

GEORGE Die rosa Lippen, die roten Wangen... DOT UND ERWISCHST IHN HIER UND DA.

Die großen Augen. Schmollen...

GEORGE Sie studiert das runde Gesicht, das winzige

DOT ER IST NIEMALS WIRKLICH DA.

GEORGE Sieht nur all die einzelnen Teile und nichts von dem Ganzen. DOT ALSO WILLST DU IHN NOCH MEHR.

GEORGE DOCH SIE STRAHLT IN DIESEM LICHT... DOT DU ERTRINKST IN SEINEM BLICK...

N

IC

GEORGE UND IHR HAAR LEUCHTET SO SEHR...

DOT ICH KÖNNT’ IHN ANSEH’N FÜR IMMER...

GEORGE ICH KÖNNT’ SIE ANSEH’N FÜR IMMER...

(Eine lange Pause. Die MUSIK bleibt darunter stehen, verklingt langsam) GEORGE

(Nüchtern) Es läuft gut... DOT Soll ich mein rotes Kleid anziehen oder das Blaue?


36 GEORGE Rot. (Pause) DOT Willst Du Dich gar nicht fertig machen? GEORGE

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Warum?

DOT Das Vaudeville, George! (Pause)

GEORGE Ich muss den Hut zu Ende malen.

(ER geht zurück an seine Arbeit. DOT knallt ihre Bürste hin und starrt auf die Rückseite der Leinwand. SIE geht.

N

IC

Das LICHT vorne wird langsam dunkel, während die RHYTHMISCHE FIGUR wieder einsetzt)


37 #08C

FARBE UND LICHT (Teil 4)

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GEORGE (Während ER malt) Verdammt. Das Vaudeville. Wird sie schreien oder ruhig bleiben? Ohne mich gehen oder in der Ecke schmollen? Wird sie im Bett liegen, wenn der Hut und das Gras und der Sonnenschirm endlich ihren Weg gefunden haben? ZU GRÜN...

Kümmert mich das? ZU BLAU...

Ja...

ZU WEICH...

Was soll ich tun?

(Denkt einen Moment lang nach)

Nun... Rot.

N

IC

(Malt weiter, während die MUSIK und das LICHT verschwinden)


38 #09

SZENENWECHSEL AUF DEN PARK (Underscore)

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(Nachmittag. Ein weiterer Sonntag auf der Insel. Vorne rechts zeichnet GEORGE den BOOTSMANN; ein ausgeschnittener schwarzer Hund steht dicht daneben; die PFLEGERIN und die ALTE DAME sitzen bei ihrem Baum. CELESTE #1 und CELESTE #2 sitzen links auf einer Bank) BOOTSMANN Das Wasser sieht anders aus am Sonntag.

GEORGE Es ist dasselbe Wasser, auf dem Sie die ganze Woche lang mit dem Boot fahren.

BOOTSMANN (Streitsüchtig) Es sieht anders aus vom Park aus.

GEORGE Sie beobachten lieber die Boote, als die Leute, die hier promenieren?

BOOTSMANN (Lacht) Die Leute, die sich alle in ihre besten Sonntags-Sachen geschmissen haben? Sonntag ist auch nur ein Tag wie jeder andere. (DOT und LOUIS kommen Arm in Arm herein. auf das Wasser hinaus)

SIE blicken

IC

BOOTSMANN (cont’d) Ich trage, was ich immer trage -- dann brauch ich mich nicht ärgern. GEORGE

N

Ärgern?

BOOTSMANN So wie ich angezogen bin, lassen sie mich in Ruhe. kommt mir zu nah.

Keiner


39 #10

KLATSCH UND TRATSCH

(MUSIK setzt ein) CELESTE #1 Sieh mal, wer da drüben ist.

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Dot.

CELESTE #2 Mit wem ist sie da?

CELESTE #1 Sieht aus wie Louis, der Bäcker.

CELESTE #2 Also, wie ist Dot denn an Louis geraten?

CELESTE #1 Sie weiß, wie man einen Teig richtig knetet. PFLEGERIN

(Bemerkt DOT) Da ist diese Frau.

ALTE DAME

Mit wem ist sie da?

PFLEGERIN (Schielt hinüber) Sieht aus wie der Bäcker. ALTE DAME Sie arbeitet sich hoch, offenbar.

IC

PFLEGERIN Der Künstler ist viel hübscher.

(DOT und LOUIS gehen ab)

N

ALTE DAME Bilder kann man nicht essen, meine Liebe -- nicht wenn man ein Brot im Ofen hat. (JULES und YVONNE erscheinen. SIE stellen sich auf eine Seite und nehmen eine Pose ein. Die MUSIK spielt weiter, langsam und würdevoll)

JULES Man sagt, er arbeitet an einer riesigen Leinwand. YVONNE Ich hab’ irgendwo gehört, er malt kleine Pünktchen.


40 JULES Das hast Du von mir gehört! Eine riesige Leinwand mit kleinen Pünktchen. Also wirklich... Schau ihn Dir an.

YVONNE Zeichnet einen verlotterten Bootsmann.

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JULES Ich glaube, er versucht mit dem Licht zu spielen. YVONNE

Was kommt als nächstes?

JULES Ein Affenkäfig, sagt man. (SIE lachen)

BOOTSMANN Sonntags-Heuchler. Das sind sie. Klatschen und tratschen über dieses und jenen. Da ist mir mein alter Hund als Gesellschaft allemal lieber. Ein Hund kennt seinen Platz. Respektiert Deine Privatsphäre. Stellt keine Ansprüche. Stimmt’s, Fleck? FLECK (GEORGE)

Jau.

CELESTE #1 MAN SAGT, DASS GEORGE EINE AND’RE FRAU HAT. CELESTE #2

DAS DACHT’ ICH MIR.

IC

CELESTE #1 MAN SAGT, DASS GEORGE NUR MIT FLITTCHEN KANN. CELESTE #2

N

DAS DACHT’ ICH MIR.

CELESTE #1 MAN SAGT, ER SCHLEICHT DURCH DIE STADT IM ZYLINDER SPÄT AM ABEND -CELESTE #2

NEIN!

CELESTE # -- DANN STEHT ER DA UND STARRT LAMPEN AN. CELESTE #2 DAS DACHT’ ICH MIR.


41 BEIDE KÜNSTLER SIND SO SELTSAM... ALTE DAME DIE MÄDCHEN SIND LAUT. PFLEGERIN

Ja, Madame.

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ALTE DAME (Auf JULES bezogen) DER MANN IST BERÜHMT. PFLEGERIN

Ja, Madame.

ALTE DAME (Auf den BOOTSMANN bezogen) DER MANN IST SCHMUTZIG.

PFLEGERIN Ihr Sohn scheint ihn interessant zu finden. ALTE DAME (Auf GEORGE bezogen) DIESER MANN TÄUSCHT SICH.

(Die PFLEGERIN überlegt, nickt)

CELESTES KÜNSTLER SIND SO SELTSAM.

ALTE DAME, PFLEGERIN KÜNSTLER SIND SO BESONDERS. YVONNE

N

IC

Affen!

BOOTSMANN NÖRGELWEIBER DENEN’S ZU GUT GEHT, DUMME, KLEINE, ALBERNE MÄDCHEN, HOCHNÄSIGE KÜNSTLER, DIE „SEHEN“ UND „SPÜREN“... ICH SCHEISS DRAUF!


42 ALLE KÜNSTLER SIND SO -CELESTE #1 -- SELTSAM. CELESTE #2 -- RÄTSELHAFT.

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BOOTSMANN -- GERN WAS BESS’RES. PFLEGERIN

-- FASZINIEREND.

ALTE DAME

-- GEFÜHLLOS.

BOOTSMANN Was machen Sie überhaupt mit diesen Zeichnungen? DOT

(Zu Louis) Das ist George.

(ALLE Köpfe drehen sich, erst zu DOT, dann zu GEORGE)

JULES Es heißt, seine Arbeiten sollen bei der nächsten Gruppenausstellung gezeigt werden. YVONNE

Niemals!

JULES

IC

Ganz meiner Meinung. (Pause)

N

Ganz meiner Meinung.

(SIE gehen ab.

Die MUSIK stoppt)

CELESTE #1

Er zeichnet jeden.

CELESTE #2 Einen alten Bootsmann! CELESTE #1 Ein eigenartiger Mensch.


43

CELESTE #2 So wie sein Vater, habe ich gesagt. CELESTE #1 Das habe ich zuerst gesagt.

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(DOT kommt herein und geht links zu einer Parkbank. SIE hat ein Übungsbuch in der Hand. Sehr langsam liest sie laut darin) DOT Lektion Nummer acht. Pro-nomen.

(Stolz wiederholt sie das Wort)

Pronomen.

(SIE liest)

Was ist ein Pronomen? Ein Pronomen ist das Wort, das anstelle eines Nomens benutzt wird. Weißt Du noch, was ein Nomen ist? (SIE blickt auf)

Natürlich weiß ich das noch.

(SIE hält kurz inne, schlägt dann schnell im Buch bei einer früheren Lektion über Nomen nach. SIE nickt wissend mit dem Kopf, blättert dann zu ihrer jetzigen Lektion zurück. SIE liest)

Beispiel: Charles hat ein Buch.

Marie will Charles’ Buch.

(Zu sich)

IC

Nicht schon wieder Marie... (Liest)

N

Marie will sein Buch. Fülle die Lücken aus. Maries Ball fort. Charles lief mit...

Charles lief mit

(SIE schreibt, während SIE laut buchstabiert)

...i-h-r-e-m Ball fort. (Zu sich)

Hol Dir den Ball zurück, Marie. (LOUISE, ein kleines Mädchen, tritt hinten auf)


44 ALTE DAME Kinder sollten nicht unbeaufsichtigt herumlaufen. PFLEGERIN Sie ist viel zu jung, um allein herumzulaufen. ALTE DAME Es gefällt mir nicht, was ich heutzutage sehe, Schwester.

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PFLEGERIN

(Verwirrt) Was sehen Sie?

ALTE DAME

Mangel an Disziplin.

PFLEGERIN

Oh.

ALTE DAME Eine völlig falsche Entwicklung. Rudernde Idioten.

BOOTSMANN Nennen das Erholung! GEORGE

Fast fertig.

(LOUISE ist nähergekommen, um den Hund zu streicheln. Der BOOTSMANN wendet sich wutschnaubend zu ihr) BOOTSMANN

Finger weg von dem Hund!

N

IC

#11

IM PARK (Underscore)

(ALLE Augen richten sich auf den Bootsmann. schreit auf und rennt weinend davon)

LOUISE

GEORGE Das war nicht unbedingt notwendig.

BOOTSMANN Woher wollen Sie wissen, was notwendig ist? Wer sind Sie überhaupt, mit ihrem schicken Block und den Stiften? Das nennen Sie Arbeit? Ihr selbstgefälligen, gottverdammten, überheblichen, beschissenen kleinen Männchen in Euren schicken Klamotten -- Ihr seid mit Pinseln und Stiften auf die Welt gekommen, aber nicht mit Schwänzen. Ihr wisst gar nichts!


45 (Der BOOTSMANN stürmt hinaus. beginnt den Hund zu zeichnen)

GEORGE, verblüfft,

CELESTE #1 (zu GEORGE) Und, was machen Sie jetzt -- wo Sie niemanden mehr haben, den Sie zeichnen können?

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Sshh.

CELESTE #2 Sprich nicht mit ihm. GEORGE

Ich zeichne seinen Hund.

CELESTE #2

Seinen Hund!

(Die CELESTES nähern sich GEORGE langsam) CELESTE #1

Ernsthaft...

GEORGE Ich habe Sie bereits skizziert, meine Damen. CELESTE #1

Was!

CELESTE #2

Tatsächlich?

CELESTE #1 Das glaube ich Ihnen nicht. CELESTE #2

(Währenddessen sind die ALTE DAME und die PFLEGERIN abgegangen)

N

IC

Wann?

GEORGE

Vor einigen Sonntagen.

CELESTE #1 Aber wir haben nie für Sie gesessen. GEORGE Ich habe Sie aus der Ferne studiert. CELESTE #2 Nein!


46 CELESTE #1 Wo sind Sie gewesen? CELESTE #2 Ich will es sehen. GEORGE Eines Tages gern.

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BEIDE CELESTES

Wann?

GEORGE

Guten Tag.

(GEORGE geht nach hinten) CELESTE #1

Er nicht mal gefragt.

CELESTE #2 Kein Respekt vor der Privatsphäre.

CELESTE #1 Ich würde sowieso nicht für ihn sitzen wollen. CELESTE #2 Wahrscheinlich hat er deshalb nicht gefragt. (SIE gehen ab. GEORGE ist zu DOT hinübergegangen) GEORGE

Guten Tag.

IC

DOT

(Überrascht)

N

Hallo.

GEORGE

Lektion Nummer acht?

DOT Ja. Pronomen. Ich kann immer besser schreiben. mir sogar Notizen hinten im Buch. GEORGE Das ist gut. DOT Wie kommst Du mit dem Gemälde voran?

Ich mache


47 GEORGE

Langsam. DOT Schaffst Du jetzt mehr, wo Du im Atelier weniger Ablenkung hast?

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GEORGE (Pause) Es ist jetzt sehr ruhig dort.

(LOUIS springt auf die Bühne mit einer Kuchendose)

LOUIS Ich hab’ Deine Lieblings—

(ER stoppt, als er GEORGE sieht) GEORGE

Guten Tag.

(GEORGE weicht zurück und geht über die Bühne. DOT schaut ihm nach, dreht sich dann zu LOUIS)

LOUIS (öffnet die Dose) Windbeutel!

(Die Bank auf der SIE sitzen fährt von der Bühne, während DOT weiter GEORGE hinterherschaut.

N

IC

GEORGE, der auf seine Skizze von FLECK gestarrt hat, schaut hinüber und sieht, dass SIE weg sind. VAMP. ER beginnt sich in seiner Arbeit zu verlieren.


48 #12

ENDLICH FREI (TEIL 1)

LICHTWECHSEL, der Hund (FLECK) allein auf der Bühne. GEORGE zeichnet den Hund. MUSIK darunter, bricht kurz ab. GEORGE tritt einen Augenblick zurück, arbeitet dann kurz weiter. ER hört wieder auf)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GEORGE WÄR’ DER KOPF NUR KLEINER... WÄR’ DER SCHWANZ NUR LÄNGER... GING SEIN BLICK AUF’S WASSER... WÄR’N DIE KRALLEN KÜRZER... WÄR’ DER HALS NOCH DUNKLER... WÄR’ DER RÜCKEN KRUMM... SO WIE DER SONNENSCHIRM... BAMBAM BAM BAMBAMBAM BAMBAM BAM... MEHR BAUM... MEHR SCHWANZ...

MEHR GRAS!... MÖCHTEST DU NOCH MEHR GRAS? MMM...

FLECK (GEORGE)

(Bellt) WAU! WAU! JAU, DIE WOCHE WAR (Bellt)

N

IC

RAUH! MAN LEBT AUF DEM KAHN WIE DIE LETZTE SAU – (Schnüffelt herum)

ÜBERALL STINKT’S NACH SCHNAPS UND KABELJAU, UND DER BOOTSMANN HAT ’NEN HAU -- WAU, RAUH! (Schnüffelt)

DAS DECK IST RAUH UND DER WIND IST RAUH UND DER HERR GEMEIN UND STÄNDIG – (Schnüffelt) BLAU! RRRRRRRAUH!


49 FLECK (cont’d) ZWISCHEN FISCH UND DRECK, KEIN PLATZ ZUM RENNEN... (Schnüffelt)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

DAS BOOT IST LECK UND DIE PFOTEN BRENNEN. WENN DEIN ARSCH AUF SPLITTERN SASS, GIBT’S NICHTS BESSERES ALS GRAS AM SONNTAG. ENDLICH FREI! (Bellt)

WAU! WAU!

WAU!

WAU!

Das Gras vielleicht noch etwas dicker. Mit etwas Unkraut. Und ein paar Ameisen wär’n nicht schlecht. Ich liebe frische Ameisen. STREIFT MAN UMHER AM SONNTAG, STOCHERT AN JEDEM STOCK UND STEIN, LÄUFT KREUZ UND QUER AM SONNTAG, SCHNÜFFELT AN JEDEM ROCK UND BEIN, DANN HAT MAN MEHR VOM SONNTAG. ENDLICH FREI. (Schnüffelt)

HIER EIN TÖRTCHEN... (Schnüffelt)

N

IC

DA EIN KNOCHEN... (Schnüffelt)

IN DAS TASCHENTUCH HAT JEMAND SICH ERBROCHEN... (Schnüffelt)

EINE DISTEL...

(Schnüffelt) EINE KLETTE... EIN PAAR KLECKSE VON DEM IRREN MIT PALETTE...


50 (FIFI, ein ausgeschnittener Mops, erscheint) FIFI (GEORGE) JAP!

JAP! (Hechelt)

JAP!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

RAUS IN DEN PARK AM SONNTAG, ENDLICH MAL WEG VON FRAUCHENS SCHOSS. ENDLICH AUTARK AM SONNTAG. SECHS TAGE LANG WAR NICHT VIEL LOS -(Kläfft)

JEP! JEP! MAN FREUT SICH ARG AUF SONNTAG. ENDLICH FREI. JEP! TAGELANG NUR AUF IHREM SCHOSS. WAS SOLL MAN TUN? MAN SCHLÄFT HALT BLOSS. HEUTE KLÄFF ICH EINFACH LOS. FLECK

JAU.

FIFI Man muss als Hund so viel über sich ergehen lassen. IST MAN ALLEIN AM SONNTAG, WÄLZT MAN SICH GERN IM DRECK UMHER.

IC

FLECK KNOCHEN WÄR’N FEIN AM SONNTAG, UND EIN STÜCK FLEISCH DANN ZUM DESSERT. FIFI

N

SO MUSS DAS SEIN.

FLECK

AM SONNTAG.

FIFI

ENDLICH FREI.

FLECK (Schnüffelt) ETWAS PELZIG... FIFI (Schnüffelt) ZIEMLICH FUSS’LIG...


51

FLECK (Schnüffelt) FAST NOCH ROH -- EGAL! MAN FRISST SICH DUMM UND DUSS’LIG... FIFI

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GLEICH AM STRUDEL EINGETRUDELT --

N

IC

FLECK WO EIN RUDEL PUDEL SPRUDELND SICH BESUDELT.


52 #12A

ENDLICH FREI (TEIL 2)

(Die FIGUR EINES HORNSPIELERS erhebt sich von der Bühne. ZWEI HORNRUFE. VAMP. Auftritt FRANZ, FRIEDA, CELESTES [mit Angelruten] und PFLEGERIN)

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GEORGE NIMM DIR DIE ZEIT AM SONNTAG. WENN SCHON DIE WOCHE TROSTLOS WAR, DANN SEI BEREIT AM SONNTAG. MONTAG IST FAST SCHON ABSEHBAR. NUTZ DIE GELEGENHEIT AM SONNTAG -ALLE

ENDLICH FREI!

N

IC

(GEORGE schlägt eine Seite seines Skizzenbuchs auf und beginnt, die PFLEGERIN zu zeichnen, während SIE die Enten anlockt)


53 #12B

ENDLICH FREI (TEIL 3)

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GEORGE ACH WIE TREFFEND... IMMER WEITER, WIE EIN SCHAUKELPFERD, DOCH OHNE EINEN REITER. RÖCKE RUTSCHEN, HÄUBCHEN FLATTERN, ER SCHAUT RÜBER, WÄHREND SIE WIE GÄNSE SCHNATTERN. ALTE DAME

(aus dem OFF) Schwester!

PFLEGERIN UND GEORGE STIMMEN, DIE IN DEN OHREN KLINGEN. SCHLIMMER NOCH -- SIE IST IMMER DA. PFLEGERIN DOCH BESSER MIT IHR DEN TAG VERBRINGEN, ALS SONNTAGS ZUHAUSE BEI MAMA.

N

IC

MÜTTER DIE SCHREI’N UND NÖRGELN BLOSS -DOCH PFLEG’ ICH SEINE, FÜHL’ ICH MICH FAMOS, DENN DANN BIN ICH MEINE FÜR EINEN TAG LOS AM SONNTAG -ENDLICH FREI.


54 #12C

ENDLICH FREI (TEIL 4)

(Die CELESTES, beim Angeln. Die MUSIK läuft darunter weiter)

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CELESTE #2 Das ist einfach lächerlich. CELESTE #1 Warum sollten wir nicht angeln? CELESTE #2 Uns wird sowieso niemand bemerken.

(Der SOLDAT tritt auf, verbunden mit einem lebensgroßen ausgeschnittenen zweiten Soldaten, seinem KAMERADEN) CELESTE #1

Da, schau.

CELESTE #2

Wo?

CELESTE #1

Soldaten.

CELESTE #2

Allein.

CELESTE #1

Was habe ich Dir gesagt?

IC

CELESTE #2 Sie werden uns niemals ansprechen, wenn wir angeln. gehen wir nicht --

N

CELESTE #1 Es ist ein wunderbarer Tag zum Angeln.

(SIE lächelt in Richtung der SOLDATEN)

SOLDAT (Sieht zu seinem KAMERADEN) Was meinst Du? (Der KAMERAD nickt) Ich mag die mit dem hellen Hut.

Warum


55 #12D

ENDLICH FREI (TEIL 5)

(LOUISE kommt, sieht FRIEDA und FRANZ auf dem Gras sitzen und stürzt zu ihnen hinüber) LOUISE Frieda, Frieda --

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FRANZ

Oh, nein.

FRIEDA

Nicht jetzt, Louise.

LOUISE

Ich will spielen. Geh weg, Louise.

FRANZ Wir haben heute frei.

LOUISE Lasst uns mit Steinen nach den Enten werfen. Louise!

FRIEDA Man wirft keine Steine nach den Enten! LOUISE

Warum nicht?

IC

FRANZ Du weißt, warum und Du weißt, das heute unser freier Tag ist, also geh und such Deine Mutter und wirf ein paar Steine nach ihr, verstanden? (ER beginnt, LOUISE zu schütteln; FRIEDA löst seinen Griff) FRIEDA

N

Franz!

LOUISE

Ich verpfeif’ Dich!

FRANZ

Mach nur.

Geh!

FRIEDA Franzl -- entspannen. FRANZ Ja... entspannen.


56 (FRANZ öffnet eine Flasche Wein und beginnt, zu trinken. GEORGE schlägt eine Seite um und beginnt, FRANZ und FRIEDA zu zeichnen) GEORGE, FRIEDA ZWEITE FLASCHE...

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GEORGE, FRANZ (während FRANZ weg zur PFLEGERIN sieht) AH, SIE SUCHT NACH MIR...

FRIEDA ER WÜRD’ GERN BEI IHR SEIN... FRANZ

DORT AM BRUNNEN...

FRIEDA

UND IHN LASSEN?

FRANZ WIE STELL’ ICH DAS AN -- ? FRIEDA

NEIN.

Weißt Du, Franz -- Ich glaube, dieser Künstler zeichnet uns. FRANZ

Wer?

FRIEDA

Monsieurs Freund.

Aus

N

IC

FRANZ (Sieht GEORGE. Sie posieren) Monsieur würde es niemals einfallen, uns zu zeichnen! unsereins sieht er doch nur herab. (Pause)

Ich hätte Künstler werden sollen. bestimmt.

Ich war nie für die Arbeit

FRIEDA Künstler arbeiten, Franz. Ich glaube, sie arbeiten sehr hart.


57 FRANZ HART! ... SEHR HART. DIE ARBEIT HIER DIE MACHEN WIR! WIR KOCHEN UND TUN. UND SEINEN DRECK MACH’ ICH WEG!

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FRIEDA

DU ISST DOCH AUCH, WAS ICH SERVIER’.

FRANZ ICH DECK DEN TISCH, WASCH’ UND WISCH’, WACHS’ UND SCHWÄRZ’ --

FRIEDA

FRANZ, DEIN HERZ.

FRANZ

N

IC

DER HERR „KREIERT“ UND WER POLIERT UND PUTZT DEN PLUNDER? SAUBER MUSS ES SEIN! ARBEIT MACHT MAN FÜR DIE ANDERN, LIEBCHEN. KUNST MACHT MAN FÜR SICH GANZ ALLEIN.


58 (JULES kommt herein, als würde ER nach jemandem suchen. Bemerkt stattdessen GEORGE) JULES Schon wieder bei der Arbeit am Sonntag? freien Tag gönnen.

Du solltest Dir einen

GEORGE

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Warum? JULES Du musst doch auch mal auftanken -- oder versiegt Deine Quelle nie?

(Lacht; bemerkt, dass GEORGE gerade FRIEDA und FRANZ zeichnet)

Du zeichnest meine Dienstboten? George, Du könntest mit Sicherheit farbenfrohere Motive finden. GEORGE Wen sollte ich denn zeichnen?

JULES Wie wäre es mit Deiner hübschen Freundin? heute Arm in Arm mit dem Bäcker gesehen?

Warum habe ich sie

(GEORGE sieht auf)

Sie ist ein hübsches Motiv.

GEORGE

Ja.

IC

JULES Dein Leben braucht Würze, George. Geh öfter mal aus. Da triffst Du potentielle Käufer. Amüsier Dich. Die Arbeit soll doch reflektieren, was --

N

GEORGE Du magst meine Arbeit nicht, stimmt’s? JULES Ich hab sie früher gemocht.

GEORGE Du findest sie zu streng.

JULES Die Leute reden über Deine Arbeiten. Bewunderer, aber Du --

Du hast Deine


59

GEORGE Ich benutze jetzt einen anderen Pinselstrich. JULES (Wird ärgerlich) Immer diese Veränderungen! Warum muss man ständig etwas ändern?

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GEORGE Weil ich nicht für Deine Zustimmung male. (Pause)

JULES Und ich nehme an, das ist der Grund, weshalb ich Dich mag. (ER beginnt sich zu entfernen)

War schön, Dich zu sehen, George.

(Überquert die Bühne, um zu gehen)

GEORGE (Ruft ihm nach) Jules. Komm doch irgendwann mal ins Atelier. neuen Arbeiten an...

Sieh Dir die

JULES Weil Du meine Zustimmung willst? GEORGE

Nein, Deine Meinung.

N

IC

JULES (überdenkt das Angebot) Sehr gern.

(ER geht ab. GEORGE blättert eine Seite um und beginnt, den BOOTSMANN zu zeichnen)


60 #12E

ENDLICH FREI (TEIL 6)

GEORGE, BOOTSMANN KUMPEL, WIR ZWEI SIND VERRÜCKTE. WUSSTEST DU NICHT? NEIN, DAS WUSSTEST DU NICHT.

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BOOTSMANN DENN WIR SAGEN WIE’S IST! DU WILLST ZEICHNEN? WEN ZUR HÖLLE WILLST DU ZEICHNEN? MICH? DU KENNST MICH NICHT! ZEICHNE WEITER. ZEICHNEST DOCH NUR, WIE DIE WELT AUSSIEHT FÜR DICH, SOWIESO! (Zeigt auf seine Augenklappe)

EIN BLICK, KEINE LÜGEN – DAFÜR BRAUCHT MAN ZWEI: (Zeigt auf GEORGEs Auge) EINS SIEHT EINWANDFREI. (Zeigt auf das andere) ZWEI SEHEN VORBEI. LOS, LASS DICH BETRÜGEN. DEINE KLECKSEREI -ALLES SCHWINDELEI... (Die MUSIK läuft weiter)

IC

Sitzt hier, mustert jeden von oben bis unten. Jede Bewegung studieren, als ob Du etwas anderes siehst, als ob Deine Augen mehr wissen...

N

KUMPEL, WIR ZWEI -FEHLER HIER IM SYSTEM.


61 #12F

ENDLICH FREI (TEIL 7)

(YVONNE, LOUISE und die ALTE DAME kommen herein. GEORGE packt seine Sachen zusammen)

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ALLE NIMM DIR DIE ZEIT AM SONNTAG. WENN DEINE WOCHE TROSTLOS WAR, ALTE DAME

SCHWESTER!

ALLE DANN SEI BEREIT AM SONNTAG. MONTAG IST FAST SCHON ABSEHBAR. ALTE DAME

SCHWESTER!

(GEORGE beginnt, zu gehen und läuft dabei DOT und LOUIS über den Weg, die gerade hereinkommen. ER zieht hastig seinen Hut vor DOT und verschwindet dann schnell)

N

IC

ALLE DRAUSSEN IM PARK DEN TAG HEUT’ BEENDEN. HIER BIN ICH, WO ICH’S MAG HEUT’, WO GRÜN, BLAU, BLENDEN --


62 #13

ALLE HIER LIEBEN LOUIS

(LOUIS verlässt DOT, um seinen Freunden im Park etwas Gebäck anzubieten. Während des Liedes teilt ER seine Zeit zwischen DOT und den anderen auf)

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DOT (Sieht ins Off, in die Richtung, wo GEORGE abgegangen ist) HALLO, GEORGE... SAG MIR, WIESO, GEORGE? DU BIST DOCH DA, GEORGE. KOMM WIEDER HER, GEORGE. DU BIST GANZ NAH, GEORGE. DA IST NOCH MEHR, GEORGE... ALLE HIER LOUIS_IST ALLE HIER LOUIS_IST

LIEBEN LOUIS, NETT UND PROFAN. LIEBEN LOUIS, LIEBENSWERT. FRANZ

(Grüßt LOUIS) LOUIS!

DOT SCHEINBAR WEISS MAN PARTOUT NIE, WEN MAN TRIFFT, GANZ SPONTAN. (Liebevoll) UND LOUIS DER BÄCKER WAR SICHERLICH NICHT MEIN PLAN. NUN...

N

IC

LOUIS IST NICHT DER SCHNELLSTE. LOUIS’ KUNST IST KEIN SCHERZ. LOUIS IST NICHT DER HELLSTE -LOUIS_IST SEHR BELIEBT. ALLE HIER LIEBEN LOUIS: LOUIS BACKT MIT VIEL HERZ... SO NETT, GEORGE. UND SEIN BAGUETTE, GEORGE. UND DANN IM BETT, GEORGE... MACHT ER MICH MÜRBE – WIE TEIG, UND, OH, GEORGE... HALLO, GEORGE. LOUIS_IST HÖFLICH ZU FRAUEN. LOUIS_IST IMMER GANZ NAH. LOUIS KANN MAN VERTRAUEN, LOUIS_IST GROSSZÜGIG. SO IST DAS HALT MIT LOUIS: LOUIS IST IMMER „DA“.


63 DOT (cont’d) LOUIS KANN MAN GANZ LEICHT DURCHSCHAUEN, LOUIS’S KUNST KANN MAN LEICHT VERDAUEN.

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NICHT, DASS LOUIS PERFEKT IST -DRUM IST ER IDEAL. KAUM ETWAS, DAS AN IHM SUSPEKT IST: LOUIS TRINKT ETWAS, LOUIS HINKT ETWAS. LOUIS WEISS, WAS RESPEKT IST. ICH BIN IHM NICHT EGAL... ES FEHLT WAS. ABER MAN WÄHLT WAS. UND ES GIBT LOUIS’S UND ES GIBT GEORGES -NUN, LOUIS’S UND GEORGE. DOCH GEORGE HAT GEORGE, UND ICH BRAUCH -JEMAND -LOUIS --

(LOUIS gibt ihr ein Törtchen und geht ab)

ALLE HIER LIEBEN LOUIS, IHN UND AUCH SEIN GEBÄCK. ALLE HIER LIEBEN LOUIS, ICH GENAUSO, GEORGE. WAS ER SCHAFFT, ABER DU NIE: SEINE BRÖTCHEN GEH’N WEG. ALLE KOMMEN GUT ZURECHT MIT IHM. DAS PROBLEM IST, NICHTS IST SCHLECHT AN IHM.

N

IC

LOUIS BACKT SO WIE ER WILL. GEORGE IST HÖHER GESINNT.

(Leckt an dem Törtchen)

LOUIS GEWINNT.

(SIE wirft das Gebäck weg und geht ab.)


64 (Ein amerikanisches Ehepaar, MR. und MRS. treten auf, gefolgt von GEORGE, der sie zeichnet. SIE sind völlig übertrieben angezogen, essen französisches Gebäck und studieren die Leute im Park) MR. (Spricht mit amerikanischem Akzent) Paris sieht überhaupt nicht aus wie auf den Bildern.

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MRS. (Spricht mit amerikanischem Akzent)

Ich weiß.

MR. (Schaut sich um) Also, ich seh’ hier keine Leidenschaft.

Du?

MRS.

Nein.

MR. Die Franzosen sind so gelassen.

MRS. Ich glaube, viel Stil haben sie auch nicht. MR. Was soll man bloß mit nach Hause nehmen? immerhin.

Köstliches Gebäck,

MRS.

Mmmm, vorzüglich.

IC

MR. Wenn ich die Boote da drüben ansehe, muss ich an unsere Rückfahrt denken.

N

MRS. Ich wünschte, ich wäre wieder Zuhause. MR.

Wirklich?

MRS. Wie bald können wir abreisen?

MR. Du willst schon wieder abreisen? gerade erst angekommen... MRS. Ich weiß.

Aber Darling, wir sind doch


65

MR. (Denkt einen Augenblick darüber nach) Mir gefällt es hier auch nicht! Wir gehen direkt wieder zurück ins Hotel und ich buche eine Überfahrt für Ende der Woche. Wir gehen heute Nachmittag in die Galeries Lafayette und dann nichts wie ab nach Hause!

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MRS. Oh, ich bin so erleichtert. (Im Abgehen)

Dieses Gebäck wird mir allerdings fehlen. MR. Dann nehmen wir einfach einen Bäcker mit. MRS.

Oh, wunderbar.

N

IC

(SIE gehen ab)


66 #14

LINKS ODER RECHTS

CELESTE #1 Du solltest es wirklich mal mit der Angel versuchen. CELESTE #2 Das macht doch eh keinen Unterschied.

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(CELESTE #1 beginnt zu kreischen, als ob SIE einen Fisch gefangen hätte) CELESTE #1

Oh!

Oh!

CELESTE #2

Stimmt etwas nicht?

CELESTE #1

Bleib einfach sitzen.

(CELESTE #1 macht noch eine Weile so weiter [„Der ist riesig!“] und schaut dabei in Richtung des SOLDATEN und seines KAMERADEN, die sich kurz besprechen und dann herüber kommen)

SOLDAT Können wir irgendwie zu Diensten sein, Madame? CELESTE #1

Mademoiselle.

CELESTE #2

Sie hat einen Fisch.

CELESTE #1

IC

Das weiß er.

SOLDAT

N

Erlauben Sie.

(Der SOLDAT nimmt ihr die Angel ab und zieht die Leine ein. Am Haken ist nichts) CELESTE #1

Oh, es hat so gezogen...

SOLDAT Keine Spur von einem Fisch. Na sowas. Freundin.

CELESTE #1 Mein Name ist Celeste. Das hier ist meine


67 CELESTE #2

Celeste. (Der SOLDAT spielt mit der Angel herum) CELESTE #1 Haben Sie auch einen Namen? Manche meinen, ich sollte

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SOLDAT Ich bitte um Verzeihung. Napoleon. ihn ändern. CELESTE #2

Und Ihr Freund?

SOLDAT

Ja.

Er ist mein Freund. (MUSIK)

CELESTE (Kichernd, zum SOLDATEN) Er ist sehr ruhig.

SOLDAT Ja. Das ist er tatsächlich. Er hat sein Gehör bei einer Kampfübung verloren. CELESTE #1

Oh.

Wie bedauerlich.

SOLDAT Sprechen kann er auch nicht.

CELESTE #2

Wie furchtbar.

IC

Oh.

N

SOLDAT Aber wir stehen uns sehr nah.

CELESTE #1

(nervös) Das sehe ich. (MUSIK)

SOLDAT & GEORGE (plötzlich und laut) SIND SIE HEUT’ FREI, MADEMOISELLES? WIR SIND SOLDATEN!


68 (GRUMMELN von seinem KAMERADEN: der SOLDAT hebt die Hand, um ihn zu beruhigen) SOLDAT WENIG ZU TUN, KEIN KRIEG IN SICHT. VIEL ZEIT ZU VERLIER’N. CELESTE #2

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(Beiseite) BEIDE SEH’N PERFEKT AUS.

CELESTE #1 DANN NIMM DU DOCH DEN DA. CELESTE #2 NEIN, ICH WILL NICHT DEN DA.

CELESTE #1 SICHER WILL ICH DEN DA AUCH NICHT. SOLDAT UND NACH EINER WOCHE, DRINNEN VERBRACHT MIT NICHTS ALS SOLDATEN, DÜRFEN WIR ES RISKIER’N, OHNE SIE ZU BRÜSKIER’N -ODER UNS ZU BLAMIER’N, -UND DEN DAMEN SPENDIER’N --

BEIDE CELESTES

(Aufgeregt) OH, SPENDIER’N --

N

IC

SOLDAT -- HEUTE AN DIESEM SONNTAG --

BEIDE CELESTES (Etwas ernüchtert) OH, SONNTAG – SOLDAT ZU VIERT ZU DINIER’N.

(Der SOLDAT bietet seinen Arm an. BEIDE CELESTES stürzen los, um ihn zu erfassen. CELESTE #1 erreicht ihn zuerst. CELESTE #2 versucht, zwischen die SOLDATEN zu kommen, schafft es nicht, und bevor SIE den Kameraden nimmt, nimmt SIE lieber den Arm von CELESTE #1. Sie beginnen, zu promenieren)


69 CELESTE #2 (Zu CELESTE #1) DER RECHTE HAT ECHT WAS DURCHGEMACHT... CELESTE #1 ER WAR IN DER SCHLACHT.

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SOLDAT (Zum KAMERADEN) VIELLEICHT GIBT’S EIN ESSEN UND MEHR HEUT’ NACHT...

(CELESTE #1 schüttelt CELESTE #2 ab, greift den Arm des SOLDATEN und befreit ihn von seinem KAMERADEN)

CELESTE #1 & SOLDAT (Für sich, während SIE abgehen) NA, BESSER ALS NICHTS AM SONNTAG... NA, BESSER ALS NICHTS AM SONNTAG...

(Deprimiert packt sich CELESTE #2 den KAMERADEN)

N

IC

CELESTE #2 (Während SIE abgeht, den KAMERADEN unter dem Arm) NA, BESSER ALS NICHTS AM SONNTAG...


70 (GEORGE ist allein. ER geht nach vorne, zu Fifi dem Mops, der aufsteht, und setzt sich hin) #15

DER HUT

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GEORGE (Blättert durch seine Skizzen) SIND SIE HEUT’ FREI...? (Blättert eine Seite um)

KUMPEL, WIR ZWEI... (Blättert)

ZWEITE FLASCHE... AH, SIE SUCHT NACH MIR... (Blättert)

ACH, WIE TREFFEND... (Blättert)

KLÄFFEND...

(Blättert)

N

IC

WUFF! TÖRTCHEN... KNOCHEN...

(ER leckt sich die Lippen; schaut ins Off, wo DOT hinausgegangen ist)

JA, SIE SUCHT NACH MIR -- SCHÖN. SOLL SIE SUCHEN UND VERSUCHEN ZU ERKLÄREN -UND ICH WUSSTE, SIE WIRD GEH’N. DACHTE, SIE WÜRDE VERSTEH’N. KEINE KONNTE JE VERSTEH’N, ES IST LEICHTER, UMZUDREH’N. DACHTE, SIE KÖNNTE ES SEH’N... DU SIEHST EINEN HUT, ALLES WAS JETZT ZÄHLT IST DER HUT, UND DU SIEHST DEN REST DIESER WELT DURCH EIN FENSTER UND VOLLENDEST DEN HUT.


71 GEORGE (cont’d) MAL DEN HIMMEL AN, PLANE EINEN HIMMEL UND DANN, PLÖTZLICH, SIND DIE STIMMEN DORT HINTER DEM FENSTER STILL UND SIE VERSCHWINDEN, BIS MAN NUR NOCH DEN HIMMEL HÖR’N KANN.

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UND JEDES MAL BLEIBST DU ZU LANGE DORT, AUF DEM GRAS, BEI DEM STOCK UND DEM HUND UND DEM LICHT. UND DIE ART VON FRAU, DIE WARTET, STATT FORTZUGEH’N, IST NICHT DIE FRAU DIE DU WOLLTEST. UND DU SIEHST IN IHR GESICHT NEIN, SIE IST ES NICHT, NICHT SO WIE DER HUT. WICHTIG IST DER HUT. GEH IN SEINE WELT, SEI DER HUT, DENK UND FÜHL UND SIEH WIE EIN HUT, WIE EIN FENSTER, GANZ UND GAR, ABSOLUT.

SIEH IN EIN GESICHT, GEH ZURÜCK, STUDIER DAS GESICHT, EINEN SCHRITT INS LICHT. SCHAU HINAUS DURCH DAS FENSTER UM ZU SEH’N -DENN NUR SO KANNST DU ES SEH’N.

N

IC

UND WENN DIE EINE, DIE DU WOLLTEST, GEHT, SAGST DU DIR: „VIELLEICHT IST ES DOCH BESSER ALLEIN“. DOCH DIE EINE DIE NICHT WARTET VERSTEHT DICH, WAS IMMER AUCH SEIN WIRD EIN TEIL VON DIR, DER NICHT ANDERS KANN, MALT DEN HIMMEL AN, FINDET EINEN HUT... SUCHT NACH EINEM HUT... FINDET SEINEN HUT... (ER zeigt Fifi die Zeichnung)

SCHAU, DA IST EIN HUT... VORHER GAB’S DORT KEINEN HUT...


72 (Nach dem LIED kommen MR. und MRS. Von rechts auf die Bühne. SIE haben sich verlaufen. Der BOOTSMANN geht nah an ihnen vorbei und sie halten ihn an) MR. Wir haben uns verlaufen.

Excusez, Masseur.

BOOTSMANN

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Hä? MRS. Lass mich mal versuchen, Daddy.

(SIE gestikuliert wild bei jedem Wort)

Wir hier fremd.

Wir nicht finden der Weg von die Insel.

BOOTSMANN (Zeigt aufs Wasser) Warum geh’n Sie nicht einfach ins Wasser bis Ihre Lungen vollgelaufen sind und Sie sterben. (Der BOOTSMANN geht lachend fort)

MRS. Ich verabscheue diese Leute.

MR. (Entdeckt LOUIS, der, auf der Suche nach DOT, hereingekommen ist) Ist das nicht der Bäcker? MRS.

N

IC

Oh, ja, er ist es!

(SIE gehen zu LOUIS hinüber. GEORGE bringt den ausgeschnittenen HORNSPIELER auf die Bühne. Die ALTE DAME tritt auf)


73 #16

Wo ist denn der Baum?

TOURNÜRE (Underscore) ALTE DAME Schwester? SCHWESTER!

N

IC

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(Ein HORNRUF. DOT tritt auf, und plötzlich stehen SIE und GEORGE sich regungslos gegenüber und starren sich an. ALLE auf der Bühne wenden sich ihnen langsam zu. Die LEUTE beginnen, Fragmente von Liedern zu singen. DOT und GEORGE gehen näher aufeinander zu, umkreisen sich wie bei einem Pistolen-Duell. Die ÜBRIGEN schließen einen Kreis um sie, bis DOT und GEORGE stehenbleiben und sich gegenüberstehen. Stille. DOT greift ihre Tournüre und dreht sie trotzig um, so dass sie jetzt aussieht wie eine Schwangere. Von den ZUSCHAUERN auf der Bühne kommt ein hörbares Einatmen. Es wird DUNKEL)


74 #17

SZENENWECHSEL AUF DAS ATELIER (Underscore)

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(LICHT fällt langsam auf GEORGE, der in seinem Atelier malt. DOT kommt herein und stellt sich zu GEORGE hinter das Gemälde. GEORGE malt weiter, während SIE ihm dabei zusieht. ER hält einen Augenblick inne, als ER sie bemerkt, dann arbeitet ER weiter) DOT

Du bist fast fertig.

GEORGE Wenn ich es mir nicht nochmal anders überlege.

Und Du?

DOT

Noch zwei Monate.

GEORGE (Lacht leise in sich hinein) Du kannst es Dir nicht nochmal anders überlegen. DOT Das will ich auch gar nicht. (Pause)

Wird es ausgestellt?

GEORGE Ich bin nicht sicher. Jules kommt vorbei, um es sich anzusehen. Er müsste jeden Augenblick hier sein.

IC

Oh. bin.

DOT Ich hoffe, es macht Dir nichts aus, dass ich hergekommen

N

GEORGE Weshalb bist Du gekommen, Dot? George.

DOT Ich würde gern mein Bild haben. GEORGE

Dein Bild?

DOT Das, auf dem ich mich pudere. GEORGE Ich wusste nicht, dass es Deins ist.


75

DOT Du hast einmal gesagt, dass ich es haben könnte. GEORGE Im Schlaf? DOT Ich möchte etwas, um mich an Dich zu erinnern.

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GEORGE Hast Du noch nicht genug? DOT Ich möchte auch das Bild.

(GEORGE hört auf zu malen)

GEORGE Ich höre, Du und Louis, Ihr werdet heiraten. DOT

Ja.

GEORGE Er muss Dich sehr lieben, um Dich in diesem Zustand zu nehmen. DOT

Das tut er.

GEORGE Ich hätte nicht gedacht, dass Du das wirklich zu Ende führen würdest. Ich hätte nicht gedacht, dass es das ist, was Du wirklich willst.

IC

DOT Ich glaube nicht, dass ich haben kann, was ich wirklich will. Louis ist, was ich brauche, glaube ich.

N

Ja.

GEORGE Louis geht mit Dir ins Vaudeville!

Stimmt’s?

DOT George, ich bin nicht hergekommen, um zu streiten. (JULES und YVONNE kommen herein) JULES George? GEORGE Hier hinten, Jules.


76 DOT Ich werde gehen.

Bleib hier!

GEORGE Es dauert nur eine Minute --

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JULES (tritt zu GEORGE hinter die Leinwand) Da bist Du. Ich habe Yvonne mitgebracht. YVONNE

Darf ich mal kurz sehen?

DOT Ich warte im anderen Zimmer.

YVONNE (Sieht DOT) Ich hoffe, wir haben Sie nicht unterbrochen.

(GEORGE nickt. SIE und JULES treten zurück und studieren das Gemälde. GEORGE sieht zu DOT, als SIE ins Nebenzimmer geht)

JULES Es ist so groß. Wie kriegt man da irgendeine Perspektive? Und dieses Licht... (GEORGE hält ein Licht dicht vor die Leinwand) GEORGE

Stell Dich hier hin.

N

IC

Außergewöhnlich!

YVONNE Entschuldigt mich.

(YVONNE geht ab ins Nebenzimmer. DOT sitzt an ihrem Tisch, von dem jetzt alle ihre Sachen abgeräumt sind. YVONNE und DOT sehen sich einen Augenblick lang an)

Das Gerede über Malerei langweilt mich. Es ist schwer zu vermeiden, wenn man mit einem Künstler zusammen ist. (Pause)

Ich weiß nicht, wie Sie all dieses Stufen hinaufgehen können in Ihrem Zustand. Ich erinnere, als ich Louise bekam. Ich konnte mich nie längere Zeit auf den Beinen halten. Und schon gar nicht Treppen steigen. DOT Hat Sie jemand herumgetragen?


77

YVONNE Warum sind Sie so abweisend? DOT Vielleicht mag ich Sie nicht. YVONNE Was habe ich Ihnen je angetan?

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DOT „Was habe ich Ihnen je angetan...?“ Vielleicht ist es die Art, wie Sie reden. Was wollen Sie tatsächlich hier? YVONNE Sie wissen, warum wir hier sind. Werk anschauen kann.

Damit Jules sich Georges

DOT Ich verstehe nicht, warum George Sie einlädt. Sie seine Malerei nicht mögen.

Er weiß, dass

YVONNE Das ist nicht ganz wahr. Jules hat großen Respekt vor George. Und er hat ihn seit ihrer Schulzeit immer bestärkt. DOT Das habe ich anders gehört. Jules ist jetzt eifersüchtig auf George.

YVONNE (Pause) Nun ja... Eifersucht ist doch auch eine Art Kompliment, oder nicht? Ich war auf Sie gelegentlich auch eifersüchtig. (DOT ist überrascht)

IC

Wenn ich sah, wie George Sie gezeichnet hat im Park. hat mich so gut wie nie gezeichnet.

Jules

N

DOT

Sie sind seine Frau.

YVONNE

Zu flach.

Zu knochig.

DOT Modell stehen ist harte Arbeit.

Sie würden es eh nicht mögen.

YVONNE Aber es ist die Mühe wert, meinen Sie nicht? DOT Manchmal...


78 YVONNE Hat sich Ihr Leben sehr verändert, jetzt wo Sie mit dem Bäcker zusammen sind? Vermutlich.

DOT Es macht ihm Spaß, für mich zu sorgen.

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YVONNE Sie haben großes Glück. Oh, ich glaube, Jules sorgt sich auch – aber es gibt Zeiten, da weiß er einfach nicht, dass Louise und ich auch da sind. George scheint sich der anderen nie wirklich bewusst zu sein. (Senkt ihre Stimme)

Jules sagt, das ist es, was an seinen Bildern nicht stimmt. Zu obsessiv. Man muss auch ein Leben haben! Finden Sie nicht? (DOT nickt)

JULES George... Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Was ist das?

GEORGE Was ist die dominante Farbe? Die Blume auf dem Hut? JULES Ist das hier ein Schulexamen, George? GEORGE Was ist das für eine Farbe? JULES

(Gelangweilt)

(GEORGE nimmt ihn bei der Hand und führt ihn näher an die Leinwand heran)

N

IC

Violett.

Siehst Du? gemacht.

GEORGE Rot und blau. Dein Auge hat daraus violett JULES

Und?

GEORGE Also, Dein Auge nimmt beides wahr, rot und blau, und violett. Nur elf Farben -- kein schwarz -- getrennt, nicht gemischt auf der Palette, gemischt durch das Auge. Siehst Du nicht, wie es schimmert?


79 (JULES geht an die Leinwand heran) JULES

George... Wissenschaft, Jules. Musik.

GEORGE Feste Gesetze für Farbe, wie in der

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JULES Du bist Maler, kein Wissenschaftler! Gesichter erkennen!

Man kann nicht mal diese

GEORGE Ich male keine Gesichter! Ich --

JULES George! Ich habe Dein Werk in der Vergangenheit bei jeder Gelegenheit angepriesen, und jetzt bringst Du mich in Verlegenheit! Die Leute reden -GEORGE Warum sollte ich malen wie Du oder wie irgendjemand sonst? Ich versuche etwas Neues zu schaffen. Etwas Eigenes. JULES Und ich versuche zu verstehen.

GEORGE Und ich will, dass Du verstehst. Jules. Sieh wirklich hin.

Sieh auf die Leinwand,

IC

JULES George! Kommen wir auf den Punkt. Du hast mich hierher eingeladen, damit ich mich dafür einsetze, dass das hier auf der nächsten Gruppenausstellung gezeigt wird.

N

GEORGE (Pause -- verlegen) Es ist bald fertig. Ich möchte, dass es gesehen wird.

(YVONNE, die an der Tür des Ateliers gestanden hat, lehnt sich ins Zimmer)

YVONNE Jules, tut mir leid, wenn ich unterbreche, aber wir müssen wirklich los. Du weißt, wir haben eine Verabredung. JULES Ja. YVONNE Danke, George.


80 JULES Ja.

Danke.

Ja.

Danke für’s Kommen.

GEORGE JULES Ich lasse mir das Ganze durch den Kopf gehen.

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(SIE gehen. GEORGE steht einen Augenblick regungslos da und starrt auf die Leinwand, dann stürzt ER sich sofort wieder in seine Arbeit und malt die Mädchen)

GEORGE Er mag Dich nicht. Er versteht oder schätzt Dich nicht. Er kann Dich nur so sehen, wie alle anderen auch. Hat Angst davor, Dich auseinanderzunehmen und für sich selbst wieder zusammenzusetzen. Aber wir wollen uns von niemandem abhalten lassen, nicht wahr? (Summt)

BAMBAM BAM BAMBAMBAM BAMBAM -DOT (Ruft nach ihm)

George! George!

(GEORGE tritt verlegen hinter der Leinwand hervor. ER beginnt zu sprechen. DOT versucht ihn zu unterbrechen.

N

IC

GEORGE Entschuldige -- mit Jules über das Bild zu reden -- naja, ich hab’ dann einfach meinen Pinsel genommen -- ich glaube nicht, dass er sich das Bild überhaupt angesehen hat -(Pause)

DOT Ich habe Dir etwas zu sagen. Ja.

GEORGE Also, wegen „Deines“ Bildes --

DOT Ich gehe vielleicht fort. (Pause)

DOT Du hast mich gebeten, zu bleiben, George, und dann vergisst Du, dass ich überhaupt da bin. George!


81 DOT (cont’d)

Nach Amerika. GEORGE Allein? Natürlich nicht!

DOT Mit Louis.

Er hat Arbeit.

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GEORGE

Wann?

DOT

Wenn das Baby da ist.

GEORGE Dir wird es dort nicht gefallen. DOT Woher willst Du das wissen?

GEORGE

(Wird wütend) Ich habe über Amerika gelesen. Warum erzählst Du mir das? Erst fragst Du nach einem Bild, das nicht Dir gehört -- dann erzählst Du mir das. (Beginnt, ins Atelier zurückzugehen)

N

IC

Ich habe zu arbeiten.


82 #18 (AKKORD;

WIR ZWEI GEHÖR’N NICHT ZUSAMMEN MUSIK unter dem Folgenden)

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DOT Ja, George, lauf zu Deiner Arbeit. Versteck Dich hinter Deinem Gemälde. Ich bin gekommen, um Dir zu sagen, dass ich fortgehe, weil ich dachte, es würde Dich vielleicht interessieren -- dumm von mir, denn Dich interessiert gar nichts -GEORGE Ich interessiere mich für viele Dinge -DOT

Dinge -- nicht Menschen.

GEORGE Menschen auch. Ich kann meine Gefühle nicht so sauber aufteilen wie Du, und ich verstecke mich nicht hinter meiner Leinwand -- ich lebe in ihr. DOT WAS DICH INT’RESSIERT, BIST DU.

GEORGE Mich interessiert dieses Bild. Du wirst in diesem Bild sein. DOT ICH BIN ETWAS, DAS DIR NÜTZT. GEORGE DACHTE, DU WÜRDEST VERSTEH’N.

N

IC

DOT GERADE WEIL ICH ES VERSTEH’, GING ICH FORT -WERDE ICH FORTGEH’N. GEORGE DANN GIBT’S NICHTS MEHR, WAS ICH SAGEN KANN. DOT DOCH, GEORGE, DU KANNST:

DU KANNST SAGEN: „DOT, BLEIB HIER.“ SAG ES EINFACH, „BITTE, DOT, BLEIB HIER.“


83 DOT (cont’d) SAG, DU BIST GEKRÄNKT, SAG, DASS ES DICH FREUT, SAG, ES LANGWEILT DICH -IRGENDWAS, NUR BITTE SPRICH MIT MIR. SAG MIR WAS DU FÜHLST!

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GEORGE WAS ICH FÜHL’? DU WEISST GENAU, WIE ICH MICH FÜHL’. WARUM MUSST DU’S HÖR’N? DU WEISST DOCH GENAU, ICH KANN’S DIR MIT WORTEN NICHT ERKLÄR’N. NICHT SO, WIE DU WILLST. ES IST ALLES GESAGT. ICH KANN NICHT SEIN, WAS DU WILLST. DOT WAS WILLST DU, GEORGE?

GEORGE ICH BRAUCHTE DICH, DU GINGST FORT. DOT DA WAR KEIN PLATZ FÜR MICH --

GEORGE (Geht über sie hinweg) DU WILLST NICHT VERSTEH’N, WER ICH BIN. ICH BIN, WAS ICH TU! DAS WEISST DU, JA, DAS WUSSTEST DU, UND ICH DACHTE, DU BIST BEI MIR -- !

N

IC

DOT NEIN, DU BIST KOMPLETT, GEORGE, JA, DU BIST DEIN. WIR ZWEI GEHÖR’N NICHT ZUSAMMEN. DU BIST KOMPLETT, GEORGE, DU GANZ ALLEIN. ICH BIN NICHT FERTIG, NICHT GEGENWÄRTIG, MIT DIR, ALLEINE.

WIR ZWEI GEHÖR’N NICHT ZUSAMMEN, DABEI WAR’N WIR SO GUT, ZUSAMMEN. WAS RICHTIG WAR AN „ZUSAMMEN“, DAS MACHT JETZT ALLES FALSCH.


84

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DOT (cont’d) NIEMAND IST DU, GEORGE, DAS SEH’ ICH EIN. EGAL, WAS ICH TU, GEORGE. NIEMAND IST DU UND NIEMAND KANN’S SEIN, DOCH NIEMAND IST ICH, GEORGE, NIEMAND IST ICH. WIR ZWEI GEHÖR’N NICHT ZUSAMMEN. UND WIR WERDEN’S AUCH NIE -- !

DU WEISST, WAS DU WILLST, HAST EINE MISSION. SO WIE JETZT AUCH ICH, GEORGE. DABEI WAR’N WIR SO GUT, ZUSAMMEN. JETZT FANG ICH NEU AN.

N

IC

(SIE stehen für einen Moment da und schauen sich an, während die MUSIK ruhiger wird. DOT geht. GEORGE hört auf zu malen und tritt vor die Leinwand. ER bleibt allein auf der Bühne zurück. Das LICHT um ihn herum verschwindet, er bleibt in einem einzelnen SPOT stehen)


85 (Das BÜHNENBILD wechselt zurück auf die Parkszenerie um ihn herum. Wenn der Wechsel vollzogen ist, kommt GEORGE nach vorne rechts zu der ALTEN DAME, und beginnt, sie zu zeichnen. SIE sind allein auf der Bühne, bis auf den ausgeschnittenen KAMERADEN, der jetzt mit dem Blick nach hinten steht.

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Der Ton wechselt bei GEORGE und der ALTEN DAME. SIE hat eine Art liebevolle Haltung angenommen, sanft und träumerisch. GEORGE ist in ihrer Gegenwart ziemlich mürrisch)

ALTE DAME (Starrt über das Wasser) Ich erinnere mich noch an damals, als Du ein kleiner Junge warst. Du bist sonntags morgens immer früh aufgestanden und schwimmen gegangen... GEORGE Ich kann gar nicht schwimmen...

ALTE DAME Die Jungs sind immer vorbeigekommen, um Dich abzuholen... GEORGE Ich hatte immer Angst vor dem Wasser.

ALTE DAME Und Dein Vater hat Euch alle immer ans Ufer der Seine begleitet... GEORGE Vater hat sich nie viel um uns gekümmert.

N

IC

ALTE DAME Und er hat Euch Jungen immer sorgfältig alles beigebracht und Euch gesagt, wie weit Ihr hinausschwimmen dürft... GEORGE Und er hat uns sicherlich nie etwas beigebracht...

ALTE DAME Und jetzt schau, da drüben -- in der Ferne -- all die schönen Bäume, gefällt für einen albernen Turm.


86 #19

WUNDERSCHÖN

(Die MUSIK setzt ein) GEORGE Ich glaube nicht, dass es da je Bäume gab.

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ALTE DAME Wie ich die Aussicht von hier geliebt habe... ANDERS.

GEORGE Ich bin mir ziemlich sicher, da war ein offenes Feld... ALTE DAME

ALLES ANDERS.

GEORGE Ich hab dort als Kind immer gespielt. ALTE DAME

ICH SEH’ TÜRME WO BÄUME WAR’N. FORT IST ALL DIE STILLE, DIE EINSAMKEIT, GEORGIE.

TAGE DIE VERSCHWINDEN, IMMERZU. UND ALLES WAR SO SCHÖN...

N

IC

GEORGE ES IST NOCH IMMER SCHÖN, MUTTER, DER TURM, DIE BÄUME, WUNDERSCHÖN. DER TURM DORT -WUNDERSCHÖN, MUTTER, SCHAU! (Macht eine Geste)

PERFEKTES BLAU. SCHÖN IST NICHT, WAS HÜBSCH AUSSIEHT, MUTTER. HÜBSCH IST SCHNELL VERGÄNGLICH. AUGEN SIND EMPFÄNGLICH FÜR DAS, WAS SCHÖNHEIT IST.


87 ALTE DAME SIEH DOCH... GEORGE WIR ÄNDERN UNS ALLE. ALTE DAME

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ES VERSCHWINDET... GEORGE ICH ZEICHNE UNS, BEVOR’S GESCHIEHT, MUTTER. ALTE DAME

VOR DEN AUGEN SCHMILZT ES DAHIN.

GEORGE

SCHAU, ICH ERNEU’RE UNS DIE WELT.

ALTE DAME WÄHREND WIR HIER SITZEN -SCHNELL, HALT ES FEST, GEORGIE... GEORGE

MUTTER...

BEIDE

TAGE --

ALTE DAME

IC

DIE VERSCHWINDEN, GEORGIE, SCHAU --

GEORGE

N

Schau! ... Schau! ...

ALTE DAME (Hört ihm nicht zu, liebevoll) DU MACHST ES WUNDERSCHÖN. (Die MUSIK spielt weiter)

ALTE DAME Oh, Georgie, wie ich mich nach der alten Aussicht sehne. (MUSIK aus)


88 (Der SOLDAT [ohne KAMERAD] und CELESTE #2 kommen Arm in Arm herein und promenieren) SOLDAT (Bemerkt seinen KAMERADEN) Ich bin froh, dass ich ihn los bin.

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CELESTE #2 Freunde können sehr einengend sein. SOLDAT Er hat meine Launen nie verstanden. CELESTE #2 Sie hat nur an sich selber gedacht.

(MR. und MRS. Treten auf. ER trägt einen großen Überseekoffer. SIE trägt eine Reihe berühmter Gemälde, gerahmt, unter ihrem Arm. IHNEN folgt DOT, die ihr BABY, ein weißes Bündel, trägt, und LOUIS)

SOLDAT Es fühlte sich immer an, als ob ich eine Last an meiner Seite hatte.

CELESTE #2 Sie hat sich nie wirklich für mich interessiert.

SOLDAT Wir hatten einen sehr unterschiedlichen Geschmack.

IC

CELESTE #2 Sie hatte überhaupt keinen Geschmack.

MR. Schon wieder diese verdammte Insel! Ich verstehe nicht, Warum wir nicht direkt auf Unser Schiff gehen. MRS. Sie wollten erst noch hierher kommen.

MR. Das habe ich schon verstanden -- aber warum? Hast Du sie nicht gefragt?

MRS. Ich weiß nicht.

N

SOLDAT Sie schien ziemlich aufdringlich. Sehr!

CELESTE #2 Und er war so seltsam.

SOLDAT (Verärgert) Er ist nicht seltsam.

CELESTE #2 Nein. Nein, ich meinte nicht wirklich seltsam...

(MR. und MRS. stoppen als der SOLDAT sagt, „Er ist nicht seltsam“)


89 #20

SOLDAT CUE #1

(LOUISE kommt auf die Bühne gehüpft. Der BOOTSMANN tritt auf, sieht sie und läuft auf sie zu)

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BOOTSMANN (Murmelt, während ER hinter LOUISE herjagt) ...pass bloß auf, dass ich Dich nicht in die Finger kriege, Du kleine Kröte. (LOUISE legt ihre Hand über ihr Auge und macht ein steifes Bein, um den BOOTSMANN zu imitieren)

BOOTSMANN (Während ER sie von der Bühne jagt) Hör sofort auf damit! MR. Werden wir es jemals nach Hause schaffen?! (MR. und MRS. gehen ab. GEORGE)

DOT geht nach vorne zu

GEORGE (Ohne aufzusehen) Du stehst mir im Licht.

DOT Marie und ich wollten ein wenig zuschauen. (Pause)

GEORGE

(Murmelt)

IC

Marie...

(Pause)

N

Du weißt, ich mag es nicht, wenn man mir über die Schulter sieht. DOT

Ja, ich weiß.

(SIE geht auf eine andere Position)

George, wir sind kurz vor der Abreise nach Amerika. Ich bin gekommen, um Dich nochmal nach dem Bild zu fragen, auf dem ich mich pudere. Ich würde es gerne mitnehmen.


90

Oh?

GEORGE (ER stoppt für einen Moment) Ich habe es neu gemalt. DOT

Was? GEORGE

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Ein anderes Modell. DOT Du wusstest, dass ich es haben wollte.

GEORGE Vielleicht, wenn Du stillgehalten hättest --

DOT Vielleicht, wenn Du von Deinem Zeichenblock einmal aufsehen würdest! Was ist los mit Dir, George? Kannst Du nicht einmal Dein eigenes Kind anschauen? GEORGE Sie ist nicht mein Kind. Louis ist ihr Vater. DOT Louis ist nicht ihr Vater.

GEORGE Von nun an ist Louis ihr Vater. Louis wird ein aufmerksamer und liebevoller Vater sein. Das kann ich nicht, weil ich nicht von meinem Zeichenblock aufsehen kann.

(SIE steht einen Augenblick lang sprachlos da, dann beginnt sie, fortzugehen; GEORGE dreht sich zu ihr)

IC

Dot.

(SIE stoppt)

N

Es tut mir leid.

(DOT und LOUIS gehen.

GEORGE malt die ALTE DAME)

ALTE DAME Ich mache mir Sorgen um Dich, George.

GEORGE Könntest Du Dich leicht zu mir drehen, bitte. (SIE tut es) ALTE DAME Es ist sinnlos, zu träumen.


91

GEORGE Den Kopf etwas tiefer, bitte. (SIE tut es. CELESTE #1 tritt auf und geht zu dem ausgeschnittenen KAMERADEN)

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ALTE DAME Ich mache mir Sorgen um Dich und auch um diese Frau. GEORGE Es gibt jetzt eine andere Frau in meinem Leben. ALTE DAME Sie alle sind immer die gleiche Frau.

GEORGE (Kichert) Variationen über ein Thema.

ALTE DAME Ah, als Kind hast Du Dich immer treiben lassen. GEORGE

(Murmelt) Die Schatten sind zu stark.

ALTE DAME Da warst immer woanders -- hast Dinge gesehen, die niemand sonst sehen konnte. GEORGE

Weicheres Licht.

IC

(Das LICHT wird langsam weicher)

Das

N

ALTE DAME Wir haben versucht, aus Dir schlau zu werden, George. haben wir wirklich. (GEORGE hört auf zu zeichnen. Sieht auf die Zeichnung) GEORGE

(Traurig) Mach Dich auf, George. (Verhallend) Mach Dich auf...

ER sieht sie an.


92 #21

JULES UND FRIEDA (Underscore)

(FRIEDA und JULES treten wieder auf. sich verstecken zu wollen)

SIE scheinen

FRIEDA Sind Sie sicher, dass Sie das tun wollen?

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JULES (Unsicher) Natürlich. Wir müssen nur ein ruhiges Fleckchen finden. wollte es schon immer mal draußen machen.

Ich

FRIEDA Franz würde Sie umbringen -JULES

(In Panik) Ist er hier?

FRIEDA

Ich bin nicht sicher. Oh.

Na dann.

JULES Vielleicht lieber an einem anderen Tag.

FRIEDA An einem anderen Tag? Immer an einem anderen Tag. wollen Sie gar nicht wirklich --

Vielleicht

JULES

Doch.

(Unterwürfig) Doch! Ich liebe hohes Gras.

N

IC

Ja. Hohes Gras. oder? Nein.

Nein.

FRIEDA Sie spielen doch nicht mit meinen Gefühlen,

JULES Natürlich nicht.

FRIEDA Da drüben ist ein ruhiges Fleckchen.

JULES (Zeigt in die Richtung, nervös) Da drüben. Da sind aber Leute in dem Gehölz --

(FRIEDA legt seine Hand auf ihre Brust. SIE werden von CELESTE #2 und dem SOLDATEN unterbrochen. FRIEDA und JULES ab)


93 JULES (Im Abgehen)

Bonjour. SOLDAT Vermuten Sie, der Mann tut etwas Gesetzwidriges? CELESTE #2

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Was? SOLDAT Irgendwas liegt heute in der Luft...

CELESTE #1 (Zu dem KAMERADEN) Allein zu sein ist nichts Neues für mich. SOLDAT (Bemerkt CELESTE #1) Sehen Sie mal, wer uns beobachtet.

CELESTE #1 Sonntage sind so langweilig. Ich wäre fast lieber im Laden. Mögen Sie Ihre Arbeit? Ich hasse meine!

CELESTE #2 Es macht mir nichts aus, wenn sie nie wieder mit mir spricht. SOLDAT

Das wird sie auch nicht.

N

IC

#22

SOLDAT CUE #2

(AKKORD. FRANZ und die PFLEGERIN treten auf, wie bei einem Rendezvous) YVONNE

(Im Auftreten)

FRANZ!

(Die PFLEGERIN ab.

YVONNE geht hinüber zu FRANZ)

Franz, haben Sie Louise gesehen? FRANZ

(Wütend) Nein, Madame. YVONNE Ich dachte, Frieda würde sich heute den ganzen Tag um sie kümmern.


94 FRANZ Aber es ist Sonntag. YVONNE Ja und? FRANZ Unser freier Tag. YVONNE Aber ich habe gerade mein kleines Mädchen verloren.

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(FRANZ zuckt mit den Schultern und beginnt, nach LOUISE zu suchen)

SOLDAT Kommen Sie, wir sagen Celeste hallo. CELESTE #2

(Empört) Ich will nicht mit ihr sprechen! Kommen Sie.

SOLDAT Das wird lustig!

(Der SOLDAT geht mit CELESTE #2 auf CELESTE #1 zu. LOUISE kommt atemlos hereingelaufen. SIE läuft sofort an YVONNEs Seite)

Louise!

YVONNE Wo hast Du gesteckt, junge Dame?! LOUISE

Bei Frieda.

YVONNE

IC

Da sehen Sie’s.

FRANZ

N

Frieda?

LOUISE

Und bei Vater.

YVONNE Dein Vater ist im Atelier. Nein, ist er nicht.

LOUISE Er ist bei Frieda. FRANZ

Wo?

Ich hab’ sie gesehen.


95

Da drüben.

LOUISE Sie knutschen.

(FRANZ ab) CHAOS (Underscore)

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#23

Manieren.

Anstand.

ALTE DAME Respekt.

YVONNE (beginnt LOUISE zu versohlen) Was fällt Dir ein, junge Dame!

LOUISE Es ist wahr. Es ist wahr!

(SOLDAT und CELESTE #2 kommen zu CELESTE #1)

CELESTE #1 Was wollt Ihr?

(JULES kommt, ziemlich verlegen)

YVONNE Wo zur Hölle warst Du? Was machst Du hier?

JULES Liebling, ich bin auf der Suche nach Louise.

N

IC

LOUISE (Heulend) Du bist hier zum Knutschen.

SOLDAT Wir wollten einen Besuch abstatten.

CELESTE #1 Ich will ihr nicht hallo sagen. Billiges Flittchen.

CELESTE #2 Billig! Das sagt ja die Richtige. Du hast den schlechtesten Ruf in ganz Paris.

CELESTE #1 Ich hab wenigstens einen Ruf. Du lockst ja nicht mal eine Fliege auf einen Fliegenfänger!

(Der BOOTSMANN kommt herein und beginnt, LOUISE über die Bühne zu jagen. MR. und MRS. kommen herein und werden in den Wahnsinn hineingezogen. Die Hölle bricht los, alle sprechen gleichzeitig, auf der Bühne herrscht das totale Chaos)


96 YVONNE Wie kannst Du es wagen, Jules! (SIE geht zu ihm und beginnt, ihn zu schlagen) JULES Da war nichts! Ich schwöre.

CELESTE #2 Also ich kann mich nicht beklagen. CELESTE #1 Hah. Mit einem kranken Soldaten!

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YVONNE Da war nichts? Und das hier?

SOLDAT Aber meine Damen, nun streiten Sie doch nicht.

(FRANZ zerrt FRIEDA herein)

YVONNE Waren Sie mit meinem Ehemann zusammen?

FRIEDA Madame, er ließ mir keine Wahl.

FRANZ Was meinst Du damit, er ließ Dir Keine Wahl?

JULES (Lässt von LOUISE ab, die zur Seite verschwindet) Das ist nicht wahr. Ihre Frau hat mich dazu verführt.

SOLDAT Momentchen mal!

CELESTE #1 Überall diese ekligen Wunden.

CELESTE #2 Red nicht so über ihn.

SOLDAT Ja, sagen Sie sowas nicht --

CELESTE #1 Ich sage, was immer ich will. Ihr beide seid undankbarer, billiger, hässlicher, kranker, ekliger Abschaum.

N

IC

FRIEDA Sie verführt! Sie haben mich SOLDAT doch regelrecht dazu gezwungen -- Hören Sie mal, meine Dame, sofern Sie überhaupt eine JULES Dame sind. Sie sollten froh Sie sind beide gefeuert! sein, wenn Sie überhaupt jemanden abbekommen können, FRANZ ganz egal, wie, und ich -GEFEUERT! Glauben Sie, wir würden weiterhin in Ihrem Haus CELESTE #2 arbeiten? Du denkst, Du wüsstest alles. Du bist nichts YVONNE Besonderes und nicht Jules, jetzt wechsle nicht das annähernd so hübsch, wie Du Thema. Was habt Ihr beiden denkst, und jeder, der in gerade getrieben? den Laden kommt, weiß genau, was Du für eine bist und was -(JEDER hat sich langsam bis zur Mitte der Bühne durchgekämpft, und es bildet sich eine einzige große Auseinandersetzung.


97 GEORGE und die ALTE DAME haben das Chaos beobachtet. GEORGE beginnt, die Bühne zu überqueren, um zu gehen) #24

SONNTAG JEDER

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(ARPEGGIO-AKKORD, wie zu Beginn des Stückes. erstarrt plötzlich an seinem Platz) ALTE DAME

Erinnere Dich, George.

(GEORGE wendet sich zu der Gruppe) GEORGE

(Murmelt)

Ordnung.

(Ein weiterer AKKORD. ALLE wenden sich gleichzeitig zu GEORGE. Während sich die AKKORDE fortsetzen, sieht GEORGE JEDEN EINZELNEN nacheinander an und wir sehen seine ultimative Macht über seine Figuren. ER nickt ihnen zu und JEDER nimmt eine Position auf der Bühne ein)

Entwurf.

(AKKORD. GEORGE nickt FRIEDA und FRANZ zu und SIE gehen nach vorne rechts zur Bühnenkante)

IC

Spannung.

(AKKORD. GEORGE nickt CELESTE #1 und #2 zu und sie kommen nach vorne. Ein weiterer AKKORD. JULES und YVONNE gehen nach hinten)

N

Balance.

Harmonie.

(AKKORD. Die ALTE DAME geht nach rechts, während DOT und LOUIS in die Mitte kommen. GEORGE schickt LOUIS weg von DOT. AKKORD. GEORGE gibt dem BOOTSMANN ein Zeichen, der nach vorne rechts kommt)


98 (Die MUSIK wird ruhig, würdevoll, triumphierend. GEORGE wendet sich zum Publikum. Die PROMENADE beginnt. Während des Songs läuft GEORGE umher, arrangiert Bäume, Versatzstücke und Figuren – und erschafft ein perfektes Bild) ALLE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SONNTAG AN DEM BLAULILA-GELB-ROTEN WASSER AUF DEM GRÜNLILA-GELB-ROTEN GRAS, WO MAN SASS, IM PERFEKTEN PARK, SO WIE JEDEN SONNTAG, DORT AM DREIECKIG-KÜHL-BLAUEN WASSER, AUF DEM WEICHGRÜN-ELLIPTISCHEN GRAS, UND MAN SASS UNTER MUSTERN AUS SCHATTEN EINES VERTIKALEN BAUMS FÜR IMMER... (Das HORN erklingt)

DORT AM BLAULILA-GELB-ROTEN WASSER, AUF ORANGEVIOLETT-GRÜNEM GRAS UND VERGASS IM PERFEKTEN PARK,

GEORGE

N

IC

GANZ AUS DUNKELHEIT UND LICHT,

MÄNNER

DEN SONNENSCHIRM,

GEORGE BAMBAM BAM BAMBAMBAM BAMBAM BAM...

ALLE EIN SPAZIERGANG DURCH DEN PARK UNTER BÄUMEN, NAH AM FLUSS, EINE INSEL AUF DEM WASSER, UND EIN GANZ NORMALER SONNTAG...


99 (Das HORN ertönt. Positionen)

GLOCKEN.

ALLE erreichen ihre

ALLE (cont’d) SONNTAG... (Wieder das HORN. ALLE nehmen ihre finale Pose auf dem Gemälde ein. GEORGE tritt aus dem Bild heraus)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SONNTAG...

(Im letzten Moment läuft GEORGE zurück und entfernt LOUISEs Brille. ER stürzt wieder aus dem Bild heraus und lässt sie erstarren. SIE schließen plötzlich alle ihren Mund. Das Bild ist komplett. SCHLUSSAKKORD. herunter.

Das vollendete Gemälde fährt von oben

Das Licht erlischt sehr langsam, während das Bild der Figuren hinter dem Gemälde, vor dem GEORGE steht, verschwindet. BLACKOUT)

N

IC

ENDE DES 1. AKTES


100 2. AKT

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Das LICHT kommt langsam herein und wir sehen ALLE in dem Tableau erstarrt. Es gibt eine sehr lange Pause, bevor es weitergeht. Das Publikum sollte die Spannung spüren, während es darauf wartet, dass etwas passiert. Schließlich setzt die MUSIK ein.

#25

SO HEISS HIER DRIN DOT

SO HEISS HIER DRIN.

YVONNE SO HEISS UND SCHRECKLICH FAD UND TRIST. LOUISE ICH WILL DIE BRILLE.

FRANZ MEIN PROFIL SIEHT NICHT GUT AUS.

PFLEGERIN Mein Profil kann man überhaupt nicht sehen. CELESTE #1 ICH HASS’ DAS KLEID.

CELESTE #2 WIE SCHNELL UNS DER SOLDAT VERGISST.

IC

FRIEDA DER BOOTSMANN SCHWITZT SO.

N

JULES Ich bin völlig unproportioniert.

SOLDAT WELCH GUTER KAMERAD DU BIST.

ALTE DAME DER BAUM VERSPERRT MIR DIE SICHT. LOUISE UND ICH KANN GAR NICHTS SEH’N.


101 BOOTSMANN SIND WIR NICHT GESEGNET, DASS ES HEUT’ NICHT REGNET? DOT ICH HASS’ SIE ALLE.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ALLE SO HEISS HIER DRIN, EIN SCHEISS HIER DRIN. SO HEISS HIER DRIN FÜR IMMER. WIR DREH’N UNS NUR IM KREIS HIER DRIN. SO HEISS HIER DRIN, MIR RINNT DER SCHWEISS. KEIN LÜFTCHEN REGT SICH JE HIER DRIN, ICH STEH’ HIER DRIN FÜR IMMER. MAN WIRD, ICH WEISS ZUM GREIS ES IST SO

SO VIEL HIER DRIN, HIER DRIN. HEISS HIER DRIN.

YVONNE (Zu LOUISE) Liebling, klammere Dich nicht ganz so fest an Mutters Hand. Danke. CELESTE #1

SO HEISS HIER DRIN.

N

IC

FRIEDA SIE HABEN EINEN SONNENSCHIRM.

SOLDAT, PFLEGERIN, YVONNE, LOUISE SÄSS’ ICH IM SCHATTEN, WÄR’ ICH LIEBER RUHIG. JULES

(Zu DOT) Ich hoffe, meine Zigarre stört sie nicht – unglücklicherweise geht sie niemals aus. (SIE schenkt ihm keine Aufmerksamkeit) Sie haben eine ausgezeichnete Konzentration.


102 SOLDAT (Zum KAMERADEN) WAS TÄTE ICH DENN OHNE DICH BLOSS? CELESTE #2 (Zu CELESTE #1) NA, ICH SAG’ DOCH, DIE SIND SCHRÄG. CELESTE #1

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SITZ GRAD.

LOUISE

ER HAT DIE BRILLE!

YVONNE DEINE HÄNDE SIND GANZ KLEBRIG.

PFLEGERIN ICH HAB’ MICH EXTRA GESCHMINKT... FRIEDA (Zum BOOTSMANN) NEHMEN SIE DENN NIE EIN BAD?

ALTE DAME

DEN FÄCHER, NA LOS!

PFLEGERIN

UND WIE?

FRANZ EIN GLÜCK – DAS GÖR IST BEI DER MUTTER. LOUISE

ICH HÖR’ DICH!

N

IC

JULES (Zu DOT) FRÄULEIN DOT, ICH WILL SIE! FRIEDA

HAH!

YVONNE

JULES!

BOOTSMANN WIE IM ZOO HIER DRIN... DOT ICH HASS’ SIE ALLE.


103 ALLE SO HEISS HIER DRIN UND TRIST HIER DRIN, MAN IST HIER DRIN, FÜR IMMER

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

WIE RUHIG ES IST, WELCH TROTT ES IST, UND GOTT, ES IST SO HEISS!

SOLDAT Ich mag die mit dem hellen Hut.

DOT HALLO, GEORGE. ICH WILL NICHT, DASS MAN SICH ERINNERT AN MICH, GEORGE, WIE DIE, GEORGE. MEIN KNIE, GEORGE... ICH KANN NICHT MEHR UND DIESER AFFE UND DANN DIESE LEUTE, GEORGE -SIE STREITEN HIN UND HER, EGAL WOHIN ICH SEH’. DOCH GEORGE, ICH DANK’ DIR SEHR DASS ICH GANZ VORNE STEH’, IM SCHATTEN, DAS TUT GUT... UND FÜR DEN HUT...

CELESTE #1

SO HEISS HIER DRIN.

N

IC

YVONNE SO HEISS UND SCHRECKLICH FAD UND TRIST. LOUISE ICH WILL DIE BRILLE!

FRANZ MEIN PROFIL SIEHT NICHT GUT AUS. (Gleichzeitig)

CELESTE #1 ICH HASS’ DAS KLEID. CELESTE #2 WIE SCHNELL UNS DER SOLDAT VERGISST.


104 CELESTE #1 SITZ GRAD! BOOTSMANN WIE IM ZOO... JULES SAGTE ICH SCHON, DASS ICH SIE WILL?

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

PFLEGERIN ICH HAB’ MICH EXTRA GESCHMINKT... FRIEDA NEHMEN SIE DENN NIE EIN BAD?

SOLDAT WAS TÄTE ICH DENN OHNE DICH BLOSS? ALTE DAME

DEN FÄCHER, NA LOS!

DOT

SO HEISS HIER DRIN.

YVONNE SO HEISS UND SCHRECKLICH FAD UND TRIST. LOUISE ER HAT DIE BRILLE, ICH WILL DIE BRILLE! FRANZ MEIN PROFIL SIEHT NICHT GUT AUS.

N

IC

ALLE NUR ZUSEH’N, WER LANGSAM VERBLASST HIER. OH, WIE MAN ES HASST HIER. UND GOTT, MIR IST SO HEISS!

NUN, WAS IST SCHLIMM DRAN, ZU SCHWITZEN HIER IM PARK AN EINEM SONNTAG? WAS IST SCHLIMM DRAN, ZU SCHWITZEN HIER IM PARK BOOTSMANN WENN DU DOCH SCHWITZT AUF EINEM BILD DAS EIN GENIE VON DIR GEMALT HAT


105 FRANZ UND DU WEISST, DU BIST UNSTERBLICH FRIEDA UND MAN WIRD DICH NIE VERGESSEN PFLEGERIN AUCH WENN DICH KEIN MENSCH HIER SEH’N KANN

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ALTE DAME UND DU HÖRST DIR DAS GESCHWÄTZ AN SOLDAT UND BIST TEIL DES KAMERADEN.

LOUISE UND DIE BRILLE WURD’ GESTOHLEN YVONNE UND MAN LANGWEILT SICH ZU TODE LOUIS UND DAS KIND HAT KEINE WINDELN CELESTE #1 (Zu CELESTE #2) SITZ GERADE. CELESTE #2

TU ICH DOCH!

JULES UND DU VERLIERST DIE PROPORTIONEN

N

IC

DOT UND ICH HASS’ SIE ALLE! UND DER WIR FÜR

ALLE

NIEMALS WEHT WIND HIER DRIN, SIND HIER DRIN IMMER.

DER PREIS, DEN MAN HALT ZAHLT HIER DRIN, GEMALT HIER DRIN, EIN TEUFELSKREIS. IST UND EIN FÜR

ALLES KRUMM SCHIEF HIER DRIN. MIEF HIER DRIN, IMMER.


106 ALLE (cont’d) UND PUNKT FÜR PUNKT VERBLASST HIER DRIN. DU HAST HIER DRIN BALD NUR NOCH WEISS. (Lange Pause.

Die MUSIK läuft endlos weiter)

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ES IST HEISS!

N

IC

(SIE befreien sich für einen kurzen Moment aus ihren Posen, nehmen sie aber auf den letzten Schlag der Musik wieder ein)


107 #26

EULOGIEN

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(Im Folgenden steigen alle CHARAKTERE aus ihrer jeweiligen Pose aus, wenn SIE sprechen und gehen ab, wenn SIE fertig sind. Ihr Abgang wird jeweils begleitet von einem Teil des Bühnenbildes, das herausfliegt, so dass, wenn der BOOTSMANN am Ende dieser Sequenz abgeht, das Bühnenbild wieder seine ursprüngliche, weiße Gestalt angenommen hat) CELESTE #2

Einunddreißig...

CELESTE #1 Es ist kaum zu glauben... CELESTE #2

Ja.

CELESTE #1 Mir kommt es vor, als hätten wir ihm gestern erst Modell gestanden. CELESTE #2 Wir haben ihm nie Modell gestanden!

CELESTE #1 Natürlich haben wir das! Wir sind in einem Gemälde, oder etwa nicht? CELESTE #2 Es ist ja nicht so, als hätte er uns gebeten, für ihn zu sitzen!

IC

CELESTE #1 Wenn Du gerade gesessen hättest --

N

SOLDAT Könntet Ihr Zwei endlich mal RUHIG sein! (Die CELESTES gehen ab)

Ich kannte den Mann kaum. Ich verbrachte meine Sonntage hier und sah ihn zeichnen, deshalb war ich überrascht, als er plötzlich nicht mehr auftauchte. Natürlich habe ich es nicht sofort bemerkt. Aber eines Tages fiel mir auf, dass etwas anders war -- wie ein Blitz durchfuhr es mich, genauso, wie dieser Mann einen anstarrte, wenn er zeichnete -- ich wusste, es gab ihn nicht mehr.


108 (Der SOLDAT geht ab. LOUISE reißt sich von ihrer Mutter los und stürzt nach vorne) LOUISE Ich werde Maler, wenn ich groß bin! BOOTSMANN Wenn Du dann noch lebst.

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(LOUISE läuft weg)

FRIEDA

Also wirklich!

BOOTSMANN

Halten Sie Ihren Mund!

FRIEDA Das ist mein Mund, und ich mache, was mir gefällt!

Ruhe!

FRANZ George war ein Gentleman. FRIEDA

Still.

FRANZ Und er war ein viel größerer Künstler als Monsieur. FRIEDA George hatte sehr schöne Augen. FRANZ

Ja, er -- schöne Augen?

IC

FRIEDA Ja... naja... Augen, die die Schönheit einfingen.

N

FRANZ (argwöhnisch) Ja... er hat seine Motive gut gewählt. (SIE gehen ab)

DOT Ich war in Charleston, als ich es erfuhr. Zuerst war ich von der Nachricht überrascht. Beinahe schon erleichtert. Vielleicht wusste ich, dass es so enden würde -- vielleicht wussten wir das beide. (DOT geht ab)


109

ALTE DAME Eine Mutter möchte zuerst sterben. Aber George war immer auf dem Sprung, und ich konnte nie mit ihm Schritt halten. PFLEGERIN Kein Mensch wusste, dass er krank war, bis ganz zum Schluss. Ich bot an, ihn zu pflegen, aber er ließ niemanden in seine Nähe. Nicht mal sie.

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(Die ALTE DAME und die PFLEGERIN gehen ab)

JULES (zu aufrichtig) George war sehr vielversprechend als Maler. Es ist wirklich eine Schande, dass seine Karriere so abrupt zu Ende ging. Er hatte ein ungewöhnliches Gespür für Farbe und Licht, und sein Werk war nicht so schematisch, wie manche behaupten. Ich mochte George. Er ging ganz in seiner Arbeit auf -- machte selten etwas anderes als arbeiten -- und ich bin stolz, dass ich hin zu meinen Freunden zählen konnte.

YVONNE Einmal sprach mich George im Park an -- es war das einzige Mal, dass ich, außer in Gesellschaft von Jules, mit ihm gesprochen habe. Er starrte einen Augenblick lang meine Jacke an, murmelte etwas von schönen Farben und ging einfach weiter. Ich mochte George sehr. (JULES sieht sie an)

Nun, die meisten Frauen mochten ihn!

(JULES und YVONNE gehen ab)

N

IC

BOOTSMANN Sie alle haben ihn gewollt und zugleich gehasst. Sie wollten gemalt werden -- an irgendeine feine Salonwand geklatscht werden. Aber sie haben ihn auch gehasst. Gehasst, weil er nur redete, wenn er unbedingt musste. Am meisten haben sie ihn gehasst, weil sie gewusst haben, dass er immer da sein würde. (Der BOOTSMANN geht ab.

Die Bühne ist leer)


110 (Das LICHT wechselt. ELEKTRONISCHE MUSIK. Es ist 1984. Wir befinden uns im Auditorium des Museums, in dem das Gemälde jetzt hängt.

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Auftritt GEORGE. ER fährt seine Großmutter, MARIE [gespielt von der Darstellerin der DOT] herein, die neunundachtzig Jahre alt und an einen Rollstuhl gefesselt ist. DENNIS, GEORGEs technischer Assistent, schiebt eine Kontroll-Konsole herein. Eine riesige weiße Maschine rollt auf die Bühne. Unser zeitgenössischer GEORGE ist ein ErfinderBildhauer, und dies ist seine neueste Schöpfung, CHROMOLUME #7. Die Maschine ist postmodern und wird im oberen Teil beherrscht von einer 1,20 Meter großen Kugel. Sie leuchtet in verschiedenem kühl-farbigem Licht. MARIE sitzt an der einen Seite der Maschine, GEORGE steht an der Konsole auf der anderen Seite. Hinter ihnen befindet sich eine bühnenfüllende Projektions-Leinwand)

IC

GEORGE Meine Damen und Herren, 1983 wurde ich von diesem Museum beauftragt, ein Werk zu schaffen zum Gedenken an George Seurats Gemälde „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“. Mein neuestes Chromolume steht nun vor Ihnen, das siebte in einer fortlaufenden Serie. Da ich eine besondere Beziehung zu diesem Gemälde habe, hat Robert Greenberg, der Direktor dieses Museums, vorgeschlagen, dass ich eine kurze Präsentation zusammenstelle, bevor meine neueste Erfindung aktiviert wird. Ich habe meine Großmutter mitgebracht, die mir dabei behilflich sein wird. (Was folgt, in eine koordinierte Vorführung von MUSIK, Text [den GEORGE und MARIE von Karteikarten ablesen], Filmprojektionen und Licht-Emissionen der Maschine. Der erste Teil wird von Filmprojektionen begleitet) GEORGE (cont’d)

N

Meine Großmutter, Marie.

MARIE Ich wurde vor achtundneunzig Jahren in Paris, Frankreich, geboren. Mein Enkel, George. GEORGE Ich wurde vor zweiunddreißig Jahren in Lodi, New Jersey, geboren.

MARIE Meine Mutter war verheiratet mit Louis, einem Bäcker. Sie verließen Frankreich, als ich noch ein Baby war, und reisten nach Charleston, South Carolina.


111 GEORGE

Georges Seurat. MARIE Geboren: 02. Dezember 1859.

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GEORGE Durch seine Mutter lernte der zukünftige Künstler die Parks der einfachen Pariser kennen. Seurat erhielt eine klassische Ausbildung an der École des Beaux-Arts. MARIE Wie sein Vater war er nicht einfach zu begreifen.

GEORGE Er lebte zu einer Zeit, in der die Wissenschaft Einfluss auf romantische Prinzipien gewann. MARIE

Er arbeitete sehr hart.

GEORGE Sein erstes Gemälde im Alter von Vierundzwanzig, „Die Badenden in Asnières“ wurde von der Jury des Pariser Salons zurückgewiesen, aber von der Gruppe der unabhängigen Künstler gezeigt. MARIE Sie hängten es über den Erfrischungsstand. (Ad libitum)

War das nicht fürchterlich?

IC

GEORGE Am Himmelfahrtstag 1884 begann er mit der Arbeit an seinem zweiten Gemälde, „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“. Er arbeitete zwei Jahre daran.

N

MARIE Er wusste immer, wo es hingehen sollte, bevor er einen Pinsel in die Hand nahm. GEORGE Er lehnte die konventionelle Perspektive und den konventionellen Raum ab.

MARIE Auch in seinem Lebensstil war er unkonventionell. (Wieder frei)


112 MARIE (cont’d) So wie ich! Wissen Sie, ich war für kurze Zeit ein FloraDora-Girl – als ich Charleston verließ und bevor ich meinen ersten Ehemann heiratete -GEORGE Marie.

Marie!

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(SIE sieht zu ihm hinüber) Der Film läuft.

MARIE

Entschuldigung.

(SIE liest)

Sie hängten es über den Erfrischungsstand. GEORGE

Marie!

(ER liest)

Nachdem er wissenschaftliche Erkenntnisse über Farben studiert hatte, entwickelt er einen neuen Malstil. Er fand heraus, dass, wenn man winzige Partikel, Farbe neben Farbe, malte, für das Auge ab einer gewissen Entfernung die Flecken optisch verschmelzen und so eine größere Intensität als bei gemischten Farben entstehen würde. MARIE Er wollte mit farbigen Lichtern malen.

IC

GEORGE Mit farbigen Lichtstrahlen, so hoffte er.

N

MARIE Es wurde auf der achten und letzten ImpressionistenAusstellung gezeigt.

GEORGE Monet, Renoir und Sisley zogen ihre Beiträge wegen seines Gemäldes zurück.

MARIE Sie platzierten es in einem kleinen Raum abseits der Haupthalle, wo es zu dunkel war, um das Gemälde richtig sehen zu können. GEORGE Das Bild wurde von den meisten verspottet. Aber es gab auch eine Handvoll Bewunderer, die an sein Werk glaubten.


113

MARIE Er malte noch sechs weitere große Gemälde vor seinem plötzlichen Tod im Alter von einunddreißig Jahren. Er hat zu seinen Lebzeiten nie ein Bild verkauft. GEORGE Heute präsentiere ich mein neuestes Chromolume -MARIE

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-- Nummer Sieben --

GEORGE -- eine Hommage an „La Grande Jatte“ und an meine Großmutter Marie. Die Musik für diese Präsentation komponierte Naomi Eisen.

(NAOMI tritt auf, verbeugt sich und geht wieder ab) #27

CHROMOLUME #7 (Teil 1)

MARIE (SIE liest irrtümlicherweise eine Bühnenanweisung) George beginnt, die Chromolume-Maschine zu aktivieren, während... Nein.

GEORGE Den Teil musst Du nicht lesen, Großmutter. MARIE

N

IC

Oh... das nicht lesen...

(Die MUSIK beginnt, an Lautstärke und Intensität zuzunehmen. STROBOSKOPLICHT wird von der Maschine ausgestrahlt, zusammen mit seitlichen Strahlen gleißenden Lichts. Farben beginnen die Bühne und den Zuschauerraum zu füllen und erschaffen einen pointilistischen Eindruck. Als die Kugel zu leuchten beginnt und verschiedene Bilder aus dem Gemälde produziert, gibt es eine plötzliche EXPLOSION mit Funken und Rauch. Das Lichtsystem flackert an und aus, bis alles, einschließlich der MUSIK, erstirbt. Es gibt einen Moment des Chaos im Dunkeln) GEORGE

(Geflüstert) Scheiße. (Gerufen) Robert Greenberg.


114 GREENBERG (Aus dem Hintergrund) Eine Minute, George! (Etwas LICHT kehrt auf die Bühne zurück. ist voller Rauch)

Die Bühne

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DENNIS (Aus dem Off) Es ist der Regler, George.

(LICHT auf George, der ins Innere der Maschine guckt. ER kommt nach vorne zum Publikum)

GEORGE Es tut mir leid, meine Damen und Herren. Zur präzisen Synchronisation aller visuellen Elemente habe ich einen neuartigen japanischen Mikro-Computer installiert, der den Spannungsregler kontrolliert. Ich vermute, dass die plötzliche Belastung durch das musikalische Equipment einen Kurzschluss verursacht hat. (Pause)

Bedauerlicherweise, ohne Elektrizität - keine Kunst. Geben Sie uns einen Moment, dann werden wir den Regler überbrücken können und sind wieder einsatzbereit.

(Nach „ohne Elektrizität - keine Kunst“ ist GREENBERG aufgetreten und steht seitlich am Bühnenrand. DENNIS kommt herein. GEORGE, der an der Maschine gearbeitet hat, packt ihn und zieht ihn zu sich herüber)

N

IC

GREENBERG Es tut mir sehr leid, meine Damen und Herren. offenbar kleine elektrische Schwierigkeiten.

Wir haben

(NAOMI ist hereingekommen und zur Maschine geeilt) NAOMI

Wir haben keinen Saft!

GREENBERG Sie müssen bedenken, dies ist das erste Mal, das hier im Museum eine solche Kooperation stattfindet, und das hat einige außergewöhnliche Anforderungen an uns gestellt. (NAOMI und DENNIS gehen laut diskutierend ab. GEORGE geht zurück zur Maschine)


115

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GREENBERG (cont’d) Ich hoffe jedenfalls, Sie alle im Anschluss an die Präsentation auf dem Empfang zu sehen. Er findet in der Hauptgalerie statt, einfach die Halle runter, wo das Gemälde hängt. Und nach dem Dinner haben wir noch etwas ganz Besonderes für Sie vorbereitet. Wie Sie sicher bemerkt haben, haben wir beschlossen, den Luftraum über dem Museum zu verkaufen, um zusätzliche Mittel zu erhalten – und ein paar der siebenundzwanzig Stockwerke mit Eigentumswohnungen, die sich jetzt darüber befinden, können heute von Ihnen besichtigt werden. Vielleicht möchten Sie ja sogar einer unserer neuen Nachbarn werden! GEORGE

Wir sind soweit, Bob. Nun... dann weiter.

Dennis!

GREENBERG Weiter!

GEORGE (In sein Headset) Das Licht.

(Das LICHT wird dunkler und die Präsentation wird fortgesetzt. #28

CHROMOLUME #7 (Teil 2)

Die MUSIK gewinnt an Dynamik. Das Chromolume beginnt einige Sekunden bevor das Sprechen wieder einsetzt)

IC

MARIE Als ich jung war, liebte meine Mutter es, mir Geschichten von ihrem Leben in Frankreich zu erzählen, und davon, wie es war, einem Künstler Modell zu sitzen.

N

GEORGE Ihre Mutter zeigte ihr dieses großartige Gemälde, deutete auf diese Frau und sagte, das sei sie.

MARIE Und sie zeigte auf ein Paar im Hintergrund -- sie hielten ein Baby auf dem Arm -- und sie sagte, das sei ich!

GEORGE Kurz vor ihrem Tod sprach meine Urgroßmutter von ihrer Beziehung zu dem Künstler dieses Bildes. Sie erzählte Marie, dass er ihr richtiger Vater war. MARIE Ich war schockiert!


116

GEORGE Meine Eltern haben diese Geschichte nie geglaubt. schließlich keinerlei Beweise. Ich weiß nicht --

Es gab

MARIE (Zieht, ohne GEORGEs Wissen, das rote Buch hervor) Meine Mutter gab mir dieses kleine rote Buch.

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GEORGE

Marie!

MARIE Oh, George, ich wollte das Buch mitbringen und es zeigen. (Zum Publikum)

Im hinteren Teil sind Notizen über seinen Urgroßvater, den Künstler.

GEORGE Eigentlich ist dieses Buch einfach nur ein Grammatikbuch mit der Handschrift eines Kindes, und obwohl es tatsächlich Notizen hinten gibt, die einen Georges erwähnen -- könnten sie sich auf irgendjemanden beziehen. MARIE

Tun sie aber nicht.

GEORGE Ich weiß nicht, ob an dieser Geschichte etwas wahr ist. MARIE

Natürlich ist es wahr!

IC

(Zum Publikum)

Er muss immer alles schwarz auf weiß haben!

N

GEORGE Die Fakten sind unklar. Geschichten gibt es viele. Ich möchte Sie einladen zu meinem „Sonntag: Insel des Lichts“. Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. August, hier in der oberen Galerie.

(Die MUSIK schwillt an, während LASERSTRAHLEN überall durch den Zuschauerraum jagen. Wenn sie ihren Lauf beendet haben, beginnt die Kugel sich zu drehen und ein blendender Lichtstrahl strömt aus ihr heraus)


117 (Das GEMÄLDE kommt herunter. Wir befinden uns in dem Ausstellungsraum, in dem das Gemälde hängt und vor dem gerade der Empfang beginnt. HARRIET und BILLY kommen herein, dicht gefolgt von REDMOND, GREENBERG, ALEX, BETTY und NAOMI. COCKTAIL MUSIK spielt im Hintergrund) SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 1) (COCKTAIL MUSIC #1)

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#29

BILLY Also, ich kann nicht behaupten, dass ich verstehe, was diese Maschine mit dem Bild zu tun hat. HARRIET Darling, es ist ein Thema mit Variation. Oh.

BILLY Thema mit Variation.

GREENBERG (Zu REDMOND) Die Zeiten ändern sich so schnell. REDMOND

Weiß Gott.

GREENBERG Das ist die Herausforderung bei unserer Arbeit. welche Bewegung als nächste en vogue sein wird. Künstler man etwas Gutes tun soll.

Man weiß nie, Welchem

IC

(RUMBA-VAMP)

N

NAOMI Ich fand es lief sehr gut, bis auf diese elektrische Panne. Wie fanden Sie es?

ALEX Grauenhaft.

BETTY

Grandios.

(Kurze peinliche Pause)


118 #29A

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 2)

HARRIET ICH MEIN, ICH KANN DAS SCHWER EINSORTIEREN -BILLY DAS DACHT’ ICH MIR.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

HARRIET WIE ER DIE TRENDS MIXT IN SEINEM STIL. BILLY

DAS DACHT’ ICH MIR.

HARRIET MAN KANN DIE KUNST HEUTZUTAGE NICHT LEICHT KLASSIFIZIEREN -BILLY

OH.

HARRIET WAS ZÄHLT IST DOCH DER WEG, NICHT DAS ZIEL. BILLY

DAS DACHT’ ICH MIR.

N

IC

BEIDE SO IST DAS HEUT’ MIT DER KUNST, MEIN SCHATZ. SO IST DAS HEUT’ MIT DER KUNST.


119 #29B

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 3)

GREEBERG ES REICHT NICHT AUS, GUT UND SCHLECHT ZU MESSEN. REDMOND SIE SAGEN ES --

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GREENBERG DOCH WAS IST NEU, WAS IST BLOSS KLISCHEE? REDMOND

SIE SAGEN ES --

GREENBERG UND IST ES NEU, DANN NUR KURZ -REDMOND

NOUVEAU.

GREENBERG DENN GESTERN IST VERGESSEN.

REDMOND UND WAS MORGEN KOMMT IST LÄNGST SCHON PASSÉ. GREENBERG

NICHTS NEUES HIER.

N

IC

BEIDE SO IST DAS HEUT’ MIT DER KUNST, MEIN FREUND. SO IST DAS HEUT’ MIT DER KUNST.


120 #29C

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 4) BETTY

INNOVATIV IST ER. ALEX War.

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NAOMI ICH MAG DIE BILDERWELT. ALEX

Teils.

BETTY

ACH KOMM. DU WARST SCHON DRAN, JETZT IST (HALT) GEORGE AM ZUG -ALEX IST GEORGE AM ZUG? ICH REDE NICHT VON ZÜGEN, SONDERN KUNST.

BETTY (Zu NAOMI) IST ER DENN NICHT INNOVATIV? NAOMI

JA, SCHON...

BETTY

(Zu ALEX) DU REDEST MÜLL.

N

IC

ALEX (Zu NAOMI) DOCH IST ES WIRKLICH NEU? NAOMI

NAJA...

ALEX

(Zu BETTY) SOGAR DIE MITARBEITER -- !

BETTY (Gleichzeitig zu NAOMI) ES IST DOCH NEUARTIG. NAOMI JA, SCHON...


121 BETTY (Zu ALEX) ES IST NUR UNPERSÖNLICH -ALEX ALLES VERMARKTUNG, ABER --

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ALEX, BETTY (Zu NAOMI) SO IST DAS HEUT’ MIT DER KUNST, HAB ICH RECHT? NAOMI

N

IC

NUN...


122 #29D

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 5)

BILLY (Zu HARRIET) KUNST IST NICHT EINFACH --

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

HARRIET (Nickt) ÜBERALL NUR BANAUSEN -BETTY RUHM UND VERRISSE --

GREENBERG OFT IST ES KATEGORISCH MIST. REDMOND (Nickt) KUNST IST NICHT EINFACH. ALEX

PLÖTZLICH BIST (Schnipst mit den Fingern) DU DRAUSSEN. NAOMI

NUR KOMPROMISSE --

HARRIET (Zu BILLY) WENN’S DANN AUCH NOCH ALLEGORISCH IST -- ! REDMOND, GREENBERG KUNST IST NICHT EINFACH --

N

IC

ALLE WIE MAN’S AUCH BETRACHTEN MAG.


123 #29E

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 6)

(AKKORD. FANFARE. GEORGE hat seinen großen Auftritt mit MARIE, die in einem Rollstuhl sitzt, und ELAINE. APPLAUS von den GÄSTEN. GEORGE und MARIE gehen auf das Bild zu.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Das LICHT wechselt auf GEORGE, der singt) GEORGE

BEREIT, GEORGE? NUTZ DIE GELEGENHEIT, GEORGE... ES GEHT HIER NICHT UM RUHM, GEORGE. DAS NÄCHSTE CHROMOLUME, GEORGE. NA LOS, MACH DICH ANS WERK...

George, sieh mal.

MARIE All diese netten Leute vor unserem Bild.

(GREENBERG tritt zu GEORGE)

GREENBERG George, ich möchte Dich mit einem unserer Vorstandsmitglieder bekanntmachen. (GREENBERG führt ihn zu BILLY und HARRIET hinüber)

Das ist Harriet Pawling. Sehr erfreut.

HARRIET Und das ist mein Freund, Billy Webster. BILLY

IC

Angenehm!

N

GREENBERG Nun, ich lasse Euch drei dann mal allein.

(GREENBERG ab)


124 #29F

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 7) (COCKTAIL MUSIC #2)

BILLY Harriet war sehr beeindruckt von Ihrer Präsentation.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

HARRIET Das ist schon die dritte Arbeit, die ich von Ihnen gesehen habe. Die werden ja immer größer! BILLY In welche Rubrik fällt Ihr Werk?

GEORGE Die meisten würden sagen, Skulptur. BILLY

Skulptur...

GEORGE Eigentlich sehe ich mich aber nicht nur als Bildhauer, sondern ebenso als Erfinder. BILLY Es ist sehr unkonventionell für eine Skulptur.

N

IC

(Das LICHT wechselt wieder nur auf GEORGE)


125 #29G

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 8)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GEORGE (Zum Publikum und zu sich selbst) SPIEL MIT, GEORGE LOS, GIB DIR EINEN TRITT, GEORGE. UND MACH DEN NÄCHSTEN SCHRITT, GEORGE. MASCHINEN BRAUCHEN SPRIT, GEORGE. LOS, SETZ ALLES ZUSAMMEN...

(Das LICHT wechselt wieder zurück)

HARRIET Ich wette, Ihr Urgroßvater wäre sehr stolz!

(MARIE und ELAINE, die in der Nähe standen und das Gespräch zufällig mitgehört haben, kommen dazu)

Ja.

MARIE Er hätte diesen Abend geliebt.

BILLY Woher wollen Sie das wissen?

N

IC

Ich weiß es einfach.

MARIE So bin ich eben.


126 #29H

Hi.

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 9) (COCKTAIL MUSIC #3)

HARRIET Ich bin Harriet Pawling. BILLY

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Billy Webster. Sehr erfreut.

MARIE Das ist Elaine -- Georges Ex-Frau.

ELAINE (In Verlegenheit gebracht)

Hallo.

MARIE Elaine ist wirklich ein Schatz, für mich wird sie immer wie eine Enkelin sein. Ich bin so glücklich, dass diese Kinder sich immer noch so nahestehen. Ist das nicht schön? BILLY Ja. Harriet hat gerade eine ziemlich hässliche Scheidung hinter sich – HARRIET

BILL!

(Peinliche Pause)

Was für eine faszinierende Familie Sie haben!

N

IC

MARIE Das sagen viele. George und ich reisen nächsten Monat nach Frankreich. Wir besuchen die Insel, auf der das Bild entstand, und George wird das Lomochrome mitbringen.

(MUSIK)


127 #29I

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 10) GEORGE

Chromolume. (MUSIK)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Ich präsentiere die Maschine auf der Insel. Auf Einladung der Regierung. MARIE George war noch nie in Frankreich.

GEORGE (Nach vorn) KUNST IST NICHT EINFACH – (ER stellt eine Versatzfigur von sich selbst vor BILLY und HARRIET) MAG MAN DICH AUCH SEHR.

BILLY (Zu der Versatzfigur) Sind Ihre Erfindungen Einzelstücke?

GEORGE KUNST FÖRDERN IST GANZ EINFACH -(Zu BILLY, aber nach vorn)

Ja.

SIE FINANZIER’N IST SCHWER.

MARIE Es dauert ein Jahr, sie zu machen. GEORGE

IC

(Nach vorn) DEN KOPF VOLLER VISIONEN, DOCH SIE BRAUCHEN EIN VENTIL.

N

MARIE Sobald er eine fertig hat, beginnt, er, Geld für die nächste aufzutreiben. GEORGE WENN KEINER SIE ZU SEH’N KRIEGT, BRINGEN SIE NICHT VIEL.

Arbeit.

Arbeit.

MARIE Arbeit.

GEORGE SIE MÜSSEN RAUS ANS LICHT!


128 (Die MUSIK läuft weiter. GEORGE spricht wie zu BILLY und HARRIET, aber von ihnen abgewendet nach vorne) GEORGE Ich schreibe die Namen meiner Geldgeber auf jede Maschine. ELAINE Ein paar sehr beeindruckende Leute!

N

IC

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

HARRIET Nun, lassen Sie uns auf jeden Fall im Gespräch bleiben. Meine Familie hat eine Stiftung gegründet, und wir sind immer auf der Suche nach neuen Projekten.


129 #29J

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 11)

GEORGE (Nach vorne) STÜCK FÜR STÜCK SETZT MAN ES ZUSAMMEN...

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MARIE Familie -- das ist alles, was man hat. GEORGE

TEIL FÜR TEIL -DENN NUR SO ENTSTEHT EIN KUNSTOBJEKT. KEIN DETAIL IST JEMALS NULL UND NICHTIG, UND JEDER MOMENT DIENT DEM PROJEKT. SICHER SIND VISIONEN GUT UND RICHTIG, ABER AUCH DIE UMSETZUNG IST WICHTIG: WIE KOMMT ES ZUSAMMEN? DARUM GEHT’S!

HARRIET (Zu der Versatzfigur) Übrigens tritt der Stiftungsvorstand nächste Woche zusammen... GEORGE STEIN FÜR STEIN SETZT ES SICH ZUSAMMEN...

HARRIET Kommen Sie doch zum Lunch.

N

IC

GEORGE SCHEIN FÜR SCHEIN, FINANZIERT DAS NÄCHSTE KUNSTOBJEKT. OHNE FINANZIERUNG GEHST DU BADEN. STEHT SIE NICHT, RISKIERST DU DAS PROJEKT. WIRST DU VON DER STIFTUNG EINGELADEN, KANN EIN WENIG SMALLTALK WOHL NICHT SCHADEN. SICHER SIND VISIONEN GUT UND RICHTIG, ABER AUCH DIE UMSETZUNG IST WICHTIG. ALS KÜNSTLER IST DIE KUNST: WIE SETZT MAN ES ZUSAMMEN? STÜCK FÜR STÜCK...


130 #29K

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 12)

(Die Versatzfigur bleibt stehen, während sich BILLY und HARRIET mit ihr unterhalten; GEORGE wird von CHARLES REDMOND in eine Ecke gedrängt. MARIE schläft ein. ELAINE schaukelt sie sanft. Die MUSIK läuft weiter)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

REDMOND Wir beobachten Sie schon seit einiger Zeit. Wir haben uns noch gar nicht kennengelernt. Charles Redmond. County Museum Texas. GEORGE Freut mich, Sie kennenzulernen.

REDMOND Ihre Arbeiten sind wirklich gewaltig. GEORGE

Danke.

REDMOND Ich möchte bei einem gesellschaftlichen Anlass nicht über das Geschäft sprechen, aber Sie sollten wissen, dass wir dabei sind, einige sehr beträchtliche Auftrage zu vergeben -GREENBERG Sie wollen ihn uns doch nicht wegstehlen, oder?

(GEORGE gibt ein Zeichen und eine weitere Versatzfigur von ihm kommt von der Seite herein. lässt sein Glas in ihrer Hand und tritt vor)

N

IC

GEORGE DRINK FÜR DRINK KNÜPFST DU DIE KONTAKTE... NICK UND WINK UND VERGISS DAS LÄCHELN DABEI NICHT. ETWAS POLITIK DANN ZUR GARNIERUNG, WICHTIG NUR: VERLIER NICHT DEIN GESICHT. DOCH EIN WENIG GELD VON DER REGIERUNG HILFT DIR BEI DER AUFTRAGS-FINANZIERUNG UND VERSCHAFFT DEM WERK ERST HONORIERUNG DURCH DIE NÄCHSTE AUSSTELLUNGS-PLATZIERUNG. KUNST IST NICHT EINFACH. JEDES KLEINSTE DETAIL MUSS MAN PERFEKTIONIEREN, TROTZDEM DARF MAN DABEI NICHT DEN MASSTAB VERLIEREN --

ER


131 (Hält für den Bruchteil einer Sekunde inne)

N

IC

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GEORGE (cont’d) JEDES MAL, WENN ICH MICH FRAG’: „WAS WILL ICH?“ SAGE ICH MIR, LASER SIND NICHT BILLIG. UND EIN BISSCHEN SMALLTALK KANN NICHT SCHADEN, WIRD MAN VON DER STIFTUNG EINGELADEN, WAS DEN NÄCHSTEN AUFTRAG GENERIER’N KANN, SO DASS MAN SEIN WERK AUCH PRÄSENTIER’N KANN.


132 #29L

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 13)

(Die GÄSTE promenieren kurz durch den Raum) ALLE (Außer MARIE, die eingeschlafen ist) KUNST IST NICHT EINFACH --

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ALEX, BETTY ES GEHT NUR UM KONTAKTE -ALLE NIEMAND VERSTEHT SIE --

HARRIET, BILLY WAS DIE EVALUATION ANGEHT -ALLE KUNST IST NICHT EINFACH --

GREENBERG SAMMELT MAN ARTEFAKTE -ALLE UND WOHIN GEHT SIE -- ?

NAOMI (Zu wem auch immer, der gerade zuhört) UND WAS DIE KOOPERATION ANGEHT --

N

IC

ALLE KUNST IST NICHT EINFACH, WIE MAN’S AUCH BETRACHTEN MAG...


133 #29M

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 14) (COCKTAIL MUSIC #3)

(AKKORD. COCKTAIL PIANO. Inzwischen ist BLAIR DANIELS, eine Kunstkritikerin, aufgetreten. Zu GEORGE tritt LEE RANDOLPH mit MARIE)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MARIE George, Du musst Mister Randolph kennenlernen! Hallo!

Lee Randolph.

RANDOLPH Ich mache die PR für das Museum. GEORGE

Guten Abend.

(NAOMI tritt zu ihnen)

NAOMI Da bist Du ja, George! Hi, Marie. (Zu RANDOPLH) Naomi Eisen. Sehr erfreut. Abend.

RANDOLPH Ihr Kids habt ganz schön Aufsehen erregt heute

NAOMI Siehst Du, George -- diese kleine elektrische Panne hat unserem Projekt nicht geschadet.

N

IC

RANDOLPH Ist ’ne super Gelegenheit hier für ein bisschen gute Presse.

(GEORGE macht eine Geste; eine dritte Versatzfigur von ihm fährt vor NAOMI und RANDOPLH hoch. GEORGE tritt vor und singt)


134 #29N

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 15)

GEORGE BLICK FÜR BLICK, SO ENTSTEHT DEIN IMAGE.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(Blitzlicht. Ein PHOTOGRAPH beginnt, Photos von der Versatzfigur zu machen) KLICK FÜR KLICK, SICH ZU DISTANZIEREN BRINGT NICHT VIEL. MANCHMAL MUSST DU SELBER DAS MOTIV SEIN, DENN NUR SO GELANGST DU AN DEIN ZIEL -(Blitzlicht. Pause. Versatzfigur)

ER schaut zur ersten

UND AUCH EIN WENIG HYPE KANN EFFEKTIV SEIN, SO LANG ER DICH NICHT STÖRT BEIM KREATIV SEIN. DENK DARAN, GEORGE, OHNE PROFILIERUNG WIRD’S NICHTS MIT DER AUFTRAGS-GENERIERUNG. GEH UND NUTZ DIE CHANCE DEINES LEBENS. SONST WAR ALL DER SMALLTALK NOCH VERGEBENS.

(Die MUSIK endet plötzlich, als DENNIS, GEORGEs Techniker und Assistent, herüberkommt, aufgelöst und sich rechtfertigend. DENNIS ist ein ziemlicher Nerd)

DENNIS Tut mir wirklich leid, George. (COCKTAIL MUSIK)

IC

Ich hatte mit Naomi ganz genau besprochen, wie viel Elektrizität ihr Synthesizer brauchen würde -- ich hab’ die genaue Spannung berechnet --

N

Dennis!

GEORGE

Ist okay.

DENNIS Der Laser war wunderschön, George.

GEORGE Ja, oder? Jetzt hol Dir einen Drink, Dennis. unter die Leute. George. wollte. --

Misch Dich

DENNIS Da ist noch eine Sache, über die ich mit Dir sprechen Ich wollte damit warten, bis -- nein, ich warte damit


135 GEORGE

Was? DENNIS Ich mach’ Schluss. (Die MUSIK setzt plötzlich aus) GEORGE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Schluss?

DENNIS Ich geh’ zurück zur NASA. Dieser Job hier ist mir einfach zu stressig. GEORGE Dennis, triff jetzt keine voreiligen Entscheidungen. Nimm’s nicht so tragisch, schlaf eine Nacht drüber und wir reden morgen. DENNIS

Okay, George.

GEORGE (Zu uns. VAMP) KUNST IST NICHT EINFACH...

(ALEX und BETTY kommen näher) BETTY

Hey, das Brain!

GEORGE BIST DU NOCH SO SCHLAU...

N

IC

ALEX Kleine technische Panne heute Nacht, Dennis? (DENNIS geht)

GEORGE BRICHT ALLES AUSEINANDER, NÜTZT DIR AUCH KEIN KNOWHOW... (VAMP läuft weiter)

BETTY Ich liebe die neue Maschine, George. Danke.

GEORGE Das freut mich wirklich.


136 ALEX Wir haben Dich mit Redmond aus Texas reden sehen. GEORGE Ja. BETTY Hast Du einen der Aufträge bekommen?

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GEORGE Wir haben darüber gesprochen. Und Ihr? Sie.

ALEX Meine Arbeiten sind ein wenig zu hermetisch.

GEORGE Ich liebe Deine Arbeiten, Alex. Dich ein. ALEX

N

IC

(Defensiv) Er kennt meine Arbeit!

Ich lege ein gutes Wort für


137 #29O

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 16)

GEORGE (Unbehaglich) Das ist alles Politik, Alex. Vielleicht solltest Du einfach ab und zu ein bisschen lockerer sein.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

BETTY (Beschwichtigend) Texas wäre lustig!

(GEORGE gibt ein Zeichen und eine vierte Versatzfigur kommt herein und fährt auf BETTY und ALEX zu) GEORGE

(Nach vorne) KUNST IST NICHT EINFACH. (Macht eine Geste zu ALEX) PLÖTZLICH BIST DU EIN TREND, UND PASST GRAD IN DIE MODE --

(Hinter ihm sinkt Versatzfigur #1 langsam in den Boden)

IST DER TREND DANN ZU ENDE, BIST DU NUR NOCH EPISODE...

(Bemerkt die Figur, geht während des Folgenden zu ihr, um sie wieder aufzurichten)

N

IC

DRUM DARF MAN DEN ANSCHLUSS NICHT VERLIEREN UND DIE KONKURRENZ NICHT IGNORIEREN, MUSS SICH AUCH MAL NEU POSITIONIEREN.

(Versatzfigur #4 ist zu weit hereingefahren, und BETTY und ALEX haben sich abgewendet; GEORGE, ganz ruhig, schiebt oder weist sie an ihren Platz zurück und BETTY und ALEX beginnen wieder, sich mit ihr zu unterhalten)

WENN SICH ALLE SOLIDARISIEREN, STEHT MAN NIEMALS GANZ ALLEINE DA. SOLL SICH ALL DIE ARBEIT MAL RENTIEREN, MUSS MAN TRADITIONEN RESPEKTIEREN UND DEN NÄCHSTEN AUFTRAG GENERIEREN --

(Versatzfigur #1 beginnt wieder, zu versinken; GEORGE eilt zu ihr, um sie wieder aufzurichten)


138 GEORGE (cont’d) UND SICH AUCH EIN BISSCHEN PROFILIEREN, DENN MAN MUSS SICH SELBST GUT PRÄSENTIER-(Wird nervös) MAN MUSS SEIN WERK -- SEIN WERK! -- GUT PRÄSENTIEREN --

N

IC

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(LAUTE PROMENADE, sehr kurz, während Versatzfigur #1 erneut beginnt, zu versinken, aber stehenbleibt, gerade als GEORGE sie erreicht. In dem Moment kommt BLAIR DANIELS zu ihm. AKKORD)


139 #29P

SETZ ALLES ZUSAMMEN (Teil 17)

DANIELS Da ist ja der Mann der Stunde. GEORGE Blair.

Hallo.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(AKKORD)

Ich habe Ihren Artikel über Neo-Expressionismus gelesen -(AKKORD)

BLAIR Darauf hat die Welt gewartet -- noch ein Artikel über NeoExpressionismus. GEORGE

Nun, ich mochte ihn.

(Weitere AKKORDE, unregelmäßig)

DANIELS Gut für Sie! Also, ich hatte ja keine Ahnung, dass Sie eine Beziehung zum Frankreich des neunzehnten Jahrhunderts haben könnten. GEORGE Irgendeine dunkle Abstammungslinie.

IC

DANIELS Ich brenne darauf, Ihre Großmutter kennenzulernen. Es war lustig, Sie beide mit Ihrer Erfindung auf der Bühne zu sehen. Das hat dem ganzen Geschehen eine gewisse Menschlichkeit verliehen. GEORGE

N

Menschlichkeit? George.

DANIELS Chromolume Nummer 7?

GEORGE EIN SPIEL, GEORGE...

(Winkt nach einer weiteren Versatzfigur; es kommt keine) DANIELS Ich hatte gehofft, es würde eine Serie von drei -- höchstens vier.


140 GEORGE UND KOSTET ES AUCH VIEL, GEORGE... (Macht erneut eine Geste; nichts) DANIELS Das hatten wir alles schon, wissen Sie.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GEORGE Sie sind nie um eine Meinung verlegen, oder, Blair?

DANIELS Meine Meinung hat Sie nie gestört, so lange sie zu ihren Gunsten ausfiel!

DANIELS Ich habe Ihre Arbeit von Anfang an angepriesen, das wissen Sie. Ihre Lichtmaschinen hatten etwas -- damals. Jetzt haben sie einfach mehr und mehr immer... weniger und weniger.

GEORGE DU WEISST, DAS IST IHR STIL, GEORGE -(Geste; nichts) DAS IST NUN MAL DER DEAL, GEORGE... (Geste; nichts)

GEORGE

Das find’ ich nicht.

(VAMP. BLAIR DANIELS wendet sich kurz von ihm ab, um in ihrer Handtasche nach einer Zigarette zu kramen. GEORGE nutzt die Gelegenheit, um von der Bühne zu stürzen und Versatzfigur #5 hereinzubringen und vor ihr aufzubauen)

N

IC

DANIELS Verstehen Sie mich nicht falsch. Sie haben Talent. Wenn Sie das nicht hätten, würde ich unsere Zeit nicht mit meinen Meinungen vergeuden. Ich glaube, Sie sind zu weit mehr fähig. Nicht, dass Sie keinen Erfolg haben würden, wenn Sie einfach ein Chromolume nach dem anderen produzieren -- aber es gibt Neues zu entdecken, George. (SIE hält ihre Zigarette hoch und wartet, dass ihr die Figur Feuer gibt) GEORGE

SEI NEU, GEORGE. NA KOMM SCHON, NICHT SO SCHEU, GEORGE. TRENN WEIZEN VON DER SPREU, GEORGE. VIEL GLÜCK UND TOI TOI TOI, GEORGE. NUR BLEIB DIR SELBER TREU...

(Wandert zwischen den VERSATZFIGUREN umher, kontrolliert sie)


141

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GEORGE (cont’d) STÜCK FÜR STÜCK SETZT ES SICH ZUSAMMEN. SCHRITT FÜR SCHRITT, ALLES WAS DU BRAUCHST IST ETWAS GLÜCK. SEI AM RECHTEN ORT ZUR RECHTEN UHRZEIT, WIRFT DICH AUCH DAS LEBEN MAL ZURÜCK, DENKE IMMER DRAN: DU BRINGST ES NUR WEIT MIT GENUG GEDULD UND ETWAS STURHEIT... (VAMP stoppt. BLAIR, die immer noch auf Feuer wartet, wird ungeduldig, verlässt die VERSATZFIGUR und geht zu einer anderen GRUPPE. GEORGE bemerkt dies. Pause)

HARRIET WIE ER DIE TRENDS MIXT IN SEINEM STIL...

(Pause. Die VERSATZFIGUR bei HARRIET und BILLY schwankt)

GEORGE (Geht ruhig zu ihr hinüber, während der VAMP wieder einsetzt) SMALLTALK MIT DER STIFTUNGS-VORSTANDS-LEITUNG -(Richtet sie wieder auf) EIN PAAR GUTE FREUNDE ALS BEGLEITUNG -BETTY ...INNOVATIV IST ER... ALEX

N

IC

...WAR...

(Während des Folgenden beginnen alle VERSATZFIGUREN vereinzelt zu schwanken, was GEORGE veranlasst, immer schneller zwischen ihnen hin und her zu laufen)

GEORGE PLUS EIN WENIG GELD VON DER REGIERUNG -UND DIE NÄCHSTE AUSSTELLUNGS-PLATZIERUNG -ETWAS POLITIK NOCH ZUR GARNIERUNG -UND EIN HÜBSCHES PHOTO IN DER ZEITUNG -EINE SICH’RE AUFTRAGS-FINANZIERUNG -NICHTS GEHT OHNE GUTE VORBEREITUNG -UND GENÜGEND SELBSTDISZIPLINIERUNG -SCHON STEHT MAN KURZ VOR DER KOMPLETTIERUNG --


142 (Simultan mit GEORGE) BETTY ICH MAG DIE BILDERWELT. ALEX TEILS.

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BETTY DAS IST DIE ANTWORT AUF SEURAT. ALEX

SEURAT?

BETTY

DAS KUNSTWERK! BULLSHIT. --

ALEX ÜBERHAUPT, „GRANDE JATTE“ WIRD ÜBERSCHÄTZT UND

ÜBERSCHÄTZT?

BETTY ES IST EIN MEISTERWERK!

EIN MEISTERWERK?

ALEX VIELLEICHT HISTORISCH VON BEDEUTUNG --

BETTY MAN „ÜBERSCHÄTZT“ SEURAT -- NATÜRLICH...

ALEX ES IST BLOSS GEFÄLLIG, SO WIE GEORGES WERK:

BETTY DU BIST DOCH NEIDISCH BLOSS AUF GEORGES WERK:

N

IC

ALEX NULL NUANCEN, NULL RESONANZ, NULL RELEVANZ --

BETTY VOLL NUANCEN UND VOLL RESONANZ, VOLL RELEVANZ -ALEX DA GIBT’S NICHT VIEL ZU DISKUTIER’N. ES GEHT NUR UM VERMARKTUNG, ABER --

BETTY NOCH VIEL ZU DISKUTIER’N. ES GEHT NICHT UM VERMARKTUNG, ABER --


143 GREENBERG UND IST ES NEU, DANN NUR KURZ, DENN GESTERN IST VERGESSEN. IST ALLES EINE FRAGE DER VERMARKTUNG, ABER -REDMOND

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

NOUVEAU. DENN GESTERN IST VERGESSEN. MAN KANN GUT UND SCHLECHT NICHT MESSEN. DAS IST ALLES EINE FRAGE DER VERMARKTUNG, ABER -HARRIET KUNST IST NICHT LEICHT ZU VERSTEH’N. GEH MIT IHR! WAS IST ALS NÄCHSTES DRAN? BILLY DAS DACHT’ ICH MIR. WAS IST ALS NÄCHSTES DRAN?

ANDERE KUNST IST DOCH BLOSS EINE FRAGE DER VERMARKTUNG, ABER -GEORGE ALS KÜNSTLER IST DIE KUNST:

ALLE SO IST DAS HEUT’ MIT DER KUNST WIE SETZT MAN ES ZUSAMMEN -- UND KUNST IST NICHT EINFACH. GEORGE

N

IC

STÜCK FÜR STÜCK BLICK FÜR BLICK KLICK FÜR KLICK TRICK FÜR TRICK UND SO IST DAS HEUT’ MIT DER

-----

(ALTERN.) UND DAS NENNT MAN „STATE OF THE

ALLE

KUNST.

ART“.


144 (GEORGE rahmt das erfolgreich vollendete Bild mit seinen Händen, wie am Ende des 1. Aktes. Sobald er abgeht, fallen jedoch die Versatzfiguren um und verschwinden. MARIE ist bei dem Gemälde; bei ihr sind BILLY und HARRIET)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

GREENBERG Meine Damen und Herren, das Dinner ist serviert. (Der GRÖSSTE TEIL der PARTY geht ab)

HARRIET (Zu MARIE) Verzeihung, könnten Sie mir bitte sagen: was ist das für eine quadratische Form da oben?

(BLAIR DANIELS, die Kunstkritikerin, hat in der Nähe gestanden) DANIELS

Das ist ein Kinderwagen.

MARIE Wer hat Ihnen das gesagt?!

DANIELS Entschuldigen Sie, dass ich mich einmische. Ich bin Blair Daniels und ich habe nur auf die Gelegenheit gewartet, Ihnen zu sagen, wie sehr mir Ihr Auftritt gefallen hat.

MARIE Oh, vielen Dank. Aber, meine Liebe, das ist kein Kinderwagen. Das ist Louis’ Waffel-Ofen.

N

IC

DANIELS Waffel-Ofen? Ich habe alles gelesen, was man über dieses Werk lesen kann, und da ist nirgendwo die Rede von einem WaffelOfen! MARIE Ich habe auch ein Buch. Von meiner Mutter. Es ist ein Familien-Erbstück, wie dieses Gemälde. Und meine Mutter hat oft von Louis’ Waffel-Ofen gesprochen! Louis.

DANIELS Ja, Sie erwähnten ihn in Ihrer Präsentation. (GEORGE kommt wieder herein; bleibt jedoch an der Seite)


145 MARIE Wissen Sie, das ist alles was man hat.

Familie.

BILLY Das sagten Sie bereits. MARIE Das sage ich oft.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

HARRIET

Entschuldigen Sie uns.

(HARRIET und BILLY ab)

MARIE Wissen Sie, Miss Daniels, es gibt nur zwei Dinge, die es sich lohnt, zu hinterlassen, wenn man diese Welt verlässt. Kinder und Kunst. Hab’ ich nicht recht? DANIELS Darüber habe ich noch nie nachgedacht. (ELAINE tritt zu ihnen) MARIE

Kennen Sie Elaine? Nein.

DANIELS Ich glaube, wir kennen uns nicht.

Blair Daniels.

ELAINE Ich habe schon viel von Ihnen gehört. DANIELS

Oh, ja.

N

IC

MARIE Elaine und George waren mal verheiratet. Ich war so aufgeregt. Ich dachte, sie würden vielleicht ein Kind haben. George und ich sind die einzigen, die übrig geblieben sind, fürchte ich. (Flüstert) Ich wünsche mir, dass George ein Kind hat -- die Linie fortsetzt. Das kannst Du doch verstehen, nicht wahr, Elaine? ELAINE

Natürlich. MARIE Sind Sie verheiratet, Miss Daniels? DANIELS Es war furchtbar nett, Sie kennenzulernen.


146 (SIE schüttelt MARIEs Hand und geht) MARIE Elaine, stell meinen Stuhl so, dass ich Mama sehen kann. (SIE tut es.

ELAINE geht zu GEORGE)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ELAINE George, ich glaube, Marie ist etwas zu müde für die Party. Sie scheint ein wenig neben sich zu stehen. GEORGE Ich bringe sie besser zurück ins Hotel. Ich bringe sie zurück.

ELAINE Bleib Du hier.

GEORGE Nein, das ist die perfekte Ausrede, um früh zu gehen.

ELAINE George. Sei nicht albern! Du bist der Star der Party. Du solltest Dich großartig fühlen. GEORGE Ich fühle mich aber nicht großartig.

N

IC

ELAINE Armer George. Naja... für Marie war das heute ein großartiges Erlebnis. Ich kann mich nicht erinnern, sie jemals so glücklich gesehen zu haben. Es war eine sehr gute Idee, sie dazuzuholen.


147 #30

KINDER UND KUNST

GEORGE Sie ist wirklich außergewöhnlich, nicht wahr? ELAINE Ja, das ist sie...

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(ELAINE beginnt zu gehen; GEORGE stoppt sie und SIE umarmen sich. Dann geht SIE ab. Das Geschehen wurde mit den AKKORDEN aus dem 1. Akt untermalt. MARIE hat währenddessen auf das Gemälde gestarrt)

MARIE DU WÜRD’ST IHN MÖGEN, DAS WAS ER TUT -MAMA, DIE DINGE, MAMA, SIND GUT.

IMMER HOCH IN DEINER GUNST: KINDER UND KUNST... (Beginnt einzunicken) KINDER UND KUNST... ER IST NICHT GLÜCKLICH -MAMA, WAS NUN? WAS SOLL ICH TUN? KÖNNT’ST DU’S ERLEBEN, DU GLAUBST ES NICHT! MAN WAR UMGEBEN VON FARBE UND LICHT -- !

N

IC

VERSTEHE ZWAR NICHT, WAS ES WAR, DOCH, MAMA, ES IST WUNDERBAR -SO GLITZERND UND SCHIMMERND UND KLAR -DU WÜRD’ST SIE LIEBEN... ES... IHN...

Henry...

Henry?... Henry...

GEORGE (Kommt herüber) Ich bin’s, George, Großmutter.

MARIE Natürlich. Ich dachte für einen Moment, Du wärst Dein Vater. (Zeigt auf das Bild) Habe ich Dir erzählt, wer das ist?


148

Natürlich.

GEORGE Das ist Deine Mutter. MARIE

Das ist richtig.

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IST SIE NICHT WUNDERSCHÖN? DA IST SIE -(Zeigt auf verschiedene Figuren) DA IST SIE, DA IST SIE, DA IST SIE -MAMA IST ÜBERALL, SO SEHR HAT ER SIE GELIEBT...

GEORGE Ist das wirklich überall sie, Marie? MARIE UNS’RE FAMILIE -DIE ER BESCHREIBT. WENN ICH MAL GEH’, IST DAS ALLES WAS BLEIBT, MEIN HERZ.

GEORGE Lass uns jetzt nicht diese Diskussion führen -MARIE WAR SIE NICHT WUNDERSCHÖN, SAG? DU WÜRD’ST SIE MÖGEN. MAMA TAT DAS, WAS SIE TUN MUSST’. MAMA WAR LUSTIG, SO VOLLER LUST. VIEL ZU SPÄT WUSST’ ICH, WAS SIE LÄNGST WUSST’:

N

IC

SIE SPRACH, „DU MUSST DICH TRAUEN, HAB’ MUT! ES GEHT NICHT UM ‚TUN WAS MAN MAG’, SONDERN DASS MAN AUCH MAG WAS MAN TUT.“ MAMA SPRACH, „DARLING, MACH NICHT SO EIN DRAMA. DENK NICHT SO VIEL, SONDERN FÜHL LIEBER MEHR -- “

GEORGE Bitte, fang nicht damit an -MARIE (Als GEORGE sie scharf ansieht) ICH ZITIERE NUR MAMA...


149

DAS UND WIE WAS

MARIE (cont’d) (Unterbricht, zeigt auf LOUISE) KIND IST SO SÜSS... (Zeigt auf die beiden CELESTES im Zentrum) DIE MÄDCHEN VOLL LEIDENSCHAFT... ER SIE EINFÄNGT -ER MIT DEN BEIDEN SCHAFFT. GEORGE

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Ja, das stimmt, Marie.

MARIE DU WÜRD’ST SIE MÖGEN -DAS IST NICHT WAHR. DU WÜRD’ST SIE LIEBEN.

MAMA WAR FRÖHLICH. MAMA WAR SCHLAU. SCHAU, WIE SIE SCHIMMERT -MAN SIEHT SIE GENAU. (ELAINE kommt herein und bleibt an der Seite stehen) ICH WEISS, ES IST SCHWER ZU VERSTEH’N, (Zeigt auf das Bild) DER STAMMBAUM WIRD WEITER BESTEH’N. UND SIND WIR ERST DORT, WIRST DU’S SEH’N -UND MICH VERSTEH’N... (SIE driftet ab) MAMA WAR SCHLAU... HÖR DOCH AUF MAMA... KINDER UND KUNST... DARAUF VERTRAU...

(SIE schläft ein und ELAINE geht zu ihr hinüber und schiebt sie nach draußen. Im Abgehen:)

IC

MARIE

N

Gute Nacht, Mama. #31

NACH KINDER UND KUNST (Underscore)

(GEORGE schaut einen Augenblick lang auf das Bild)

GEORGE Mach Dich auf, George, mach Dich auf...

(GEORGE geht ab; das Gemälde verschwindet)


150 (Die Insel erscheint wieder, auch wenn sie jetzt kaum wiederzuerkennen ist, da wir uns jetzt in der Gegenwart befinden und die Bäume durch hohe Gebäude ersetzt wurden. Lediglich der Baum vorne, unter dem die ALTE DAME und die PFLEGERIN immer saßen, ist noch zu sehen. DENNIS sitzt dort und studiert seine technischen Zeichnungen. GEORGE tritt auf, eine Kamera in der Hand)

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GEORGE Bist Du sicher, dass das hier der beste Platz für das Chromolume ist?

DENNIS George, das hier ist die größte Lichtung auf La Grande Jatte. GEORGE

Wo ist der Kondensator?

DENNIS Der ist fertig und sollte morgen früh ein paar Stunden vor dem Chromolume hier eintreffen. Ich wollte ihn heute haben, aber sonntags liefern sie nicht. GEORGE Und frisches Wasser für das Kühlsystem?

DENNIS Das nehmen wir aus der Seine. Was die Elektrizität angeht -GEORGE Hast Du diesen Baum gesehen? DENNIS

Nein.

N

IC

GEORGE Das könnte der Baum auf dem Bild sein. Ja.

DENNIS

Könnte er.

(GEORGE gibt DENNIS die Kamera und geht zu dem Baum. DENNIS macht ein Photo.)

GEORGE Zumindest irgendwas ist hier noch wiederzuerkennen... was ist mit der Elektrizität? DENNIS Der Generator steht da drüben.

Also,


151

GEORGE Du bist mal wieder sehr effizient, wie immer. DENNIS Danke. GEORGE Du wirst mir fehlen bei der Arbeit, Dennis.

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DENNIS Naja, ich kann Dir ein paar sehr qualifizierte Leute empfehlen, die Dir bei dem Texas-Auftrag helfen können. GEORGE

Ich habe abgelehnt.

DENNIS

Was?

GEORGE Dennis, warum hörst Du auf?

DENNIS Ich hab Dir doch erklärt, dass ich -GEORGE Ich weiß, was Du mir erklärt hast! weggehen?

Warum willst Du wirklich

DENNIS George. Ich liebe die Chromolumes. Aber ich habe Dir bei den letzten fünf geholfen, und jetzt möchte ich gerne mal was anderes machen.

IC

GEORGE Ich wünschte, Du hättest mir das von vornherein gesagt. DENNIS

N

Tut mir leid.

GEORGE Warum, denkst Du, habe ich den Auftrag abgesagt? Ich will auch nicht immer und immer wieder dasselbe machen. DENNIS Es gibt andere Dinge, die Du machen könntest. Das weiß ich. wichtig ist.

GEORGE Ich würde nur gerne etwas machen, das mir

(Pause. GEORGE steckt die Kamera in die Tasche und holt DOTs rotes Buch heraus)


152

DENNIS Ich sehe, Du hast das rote Buch dabei. GEORGE Jetzt, wo Marie gestorben ist, dachte ich, ich bringe zumindest etwas von ihr mit hierher.

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DENNIS Marie wollte so gern noch diese Reise unternehmen. GEORGE

Ich weiß.

DENNIS Ich hoffe, es ist okay für Dich, ich habe einen Blick in das Buch geworfen. Es ist sehr interessant. GEORGE Es ist nur ein Grammatikbuch, Dennis. DENNIS

(Inständig) Das meine ich nicht. Ich meine die Notizen hinten drin.

(GEORGE blättert durch das Buch bis nach hinten)

Naja, jetzt müssen wir noch warten, bis es dunkel wird. bin mir nicht sicher wegen des Umgebungslichts. Geh ruhig, Dennis.

Ich

GEORGE Ich glaube, ich wäre gern allein. DENNIS

Bist Du sicher?

GEORGE Wir sehen uns dann im Hotel.

IC N

Ja.

(ER setzt sich auf den Boden)

DENNIS (Beginnt zu gehen) George. Ich freue mich sehr auf das, was Du Dir als nächstes einfallen lässt.

GEORGE (Lächelnd) Da bist Du nicht der Einzige, Dennis.


153

#32

LEKTION #8

(DENNIS geht. liest)

MUSIK.

GEORGE blättert im Buch,

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GEORGE (cont’d) „CHARLES HAT EIN BUCH...“ (Blättert um) „CHARLES ZEIGT SEINE STIFTE...“ (Blättert ein paar Seiten zurück) „MARIE HAT DEN BALL VON CHARLES...“ (Dreht das Buch, um zu lesen, was am Rand notiert ist) „GUT FÜR MARIE...“ (Lächelt wegen der Übereinstimmung der Namen, blättert eine Seite um) „CHARLES, IHM FEHLT SEIN BALL...“ (Sieht auf) GEORGE, IHM FEHLT MARIE... GEORGE, IHM FEHLT SO VIEL... GEORGE IST ALLEIN. GEORGE SIEHT SICH UM. ER SIEHT DEN PARK. SO DEPRIMIEREND. GEORGE SIEHT NACH VORN. GEORGE WAR SO STARK. GEORGE SIEHT NICHTS MEHR. WO SIND DIE LEUTE, DIE SONNTAGS SPAZIEREN?

N

IC

GEORGE SIEHT SICH SELBST: GEORGE FEHLT DER MUT. ES IST FRUSTRIEREND. GEORGE SIEHT ZURÜCK: ER WAR SO GUT. JETZT IST ER LEER. DU WOLLTEST LEUTE, DIE SONNTAGS SPAZIEREN -SORRY, MARIE...

(Schaut wieder auf den Namen im Buch)

WIE GEORGE GEWESEN IST -- GEORGE, VERGISS NIE: VOLLER VISIONEN UND VOLLER ERFINDUNG. SIEH, GEORGE, VIELLEICHT SIEHST DU EINE VERBINDUNG. DOCH HIER STEHT JETZT KAUM NOCH MEHR ALS EIN BAUM -(Humorvoll) DEIN STAMMBAUM, GEORGE, SIEH -SORRY, MARIE...


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GEORGE (cont’d) WAS IST GESCHEH’N? SIEH DEN PARK FAST VÖLLIG VERSCHWINDEN. AUCH GEORGE WIRD GEH’N. SPURLOS, VERBLASST, ZIEHT ER DAHIN. SO WIE DIE LEUTE DIE SONNTAGS SPAZIEREN...

N

IC

GEORGE SIEHT SICH UM. GEORGE IST ALLEIN. NICHT MEHR ZU FINDEN. GEORGE BLEIBT JETZT STUMM. WIE KANN GEORGE SEIN, WAS ICH NICHT BIN? GEORGE HÄTT’ SO GERN GESEH’N, WIE SIE HIER SONNTAGS SPAZIEREN...


155 (DOT erscheint. GEORGE sieht auf und entdeckt DOT.

ER steht auf)

DOT Ich hätte Dich fast nicht erkannt ohne Deinen Bart. mein Buch.

Du hast

GEORGE

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Dein Buch?

DOT

Ja.

GEORGE Es ist ein wenig schwierig zu verstehen.

DOT Naja, ich habe mich selber unterrichtet. Ich konnte immer besser schreiben. Ich habe sehr hart gearbeitet. Ich habe dafür gesorgt, dass Marie es von Anfang an richtig lernt. GEORGE (Schaut auf das Buch)

Marie...

DOT Es ist schön, Dich zu sehen. Nicht, dass ich Dich je vergessen hätte, George. Du hast mir so viel gegeben. GEORGE Was habe ich Dir gegeben?

N

IC

DOT Oh, so vieles. Du hast mir beigebracht, mich zu konzentrieren. Am Anfang dachte ich, das heißt nur, still zu sein, aber dann habe ich verstanden, dass es viel mehr bedeutet. Du wolltest mir klarmachen, dass ich da sein muss, wo ich bin -- nicht irgendwo in der Vergangenheit oder der Zukunft. Ich dachte, die Welt könnte perfekt sein. Ich habe mich getäuscht. GEORGE

Was noch?

Oh, genug von mir. Neuem? Nein.

DOT Was ist mit Dir?

GEORGE Ich arbeite nicht an etwas Neuem. (MUSIK setzt ein)

Arbeitest Du an etwas


156 #33

FANG AN

DOT Das passt gar nicht zu Dir, George. GEORGE NICHTS NEUES IN MIR.

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DOT

Du hast noch so viel...

GEORGE ES IST ALLES SCHON GESAGT.

DOT NICHT VON DIR, GEORGE [-]...

GEORGE ICH WEISS NICHT, WOHIN ICH GEH’. DOT

SO GING’S MIR AUCH.

GEORGE ICH WILL ETWAS NEUES TUN, ETWAS TUN, DAS ZÄHLT...

DOT ICH HABE FÜR MICH GEWÄHLT: GEORGE

IRGENDETWAS FEHLT.

DOT

N

IC

FANG AN.

FRAG DICH NICHT SO SEHR, WO’S HINGEHT -FANG AN. SELBST WENN DU NICHT WEISST, WO’S HINGEHT, AUCH DANN: FANG EINFACH NUR AN. ICH WÄHLTE EIN AND’RES LEBEN, EGAL! ES LIESS MEINE WELT ERBEBEN, (DOCH) ICH TRAF EINE WAHL. NUR SO FÄNGT ES AN.


157 DOT (cont’d) SIEH NUR, WAS DU WILLST, NICHT BLOSS, WO DU BIST, WAS MAN VON DIR DENKT. SIEH DOCH, DU HAST MIR SO VIEL GESCHENKT:

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WECKTEST MEINEN BLICK, LEHRTEST MICH VERSTEH’N, JEDEN BAUM ZU SEH’N -GEORGE ...JEDEN BAUM ZU SEH’N...

DOT UND DAS LICHT ZU SPÜR’N --

GEORGE ... UND DAS LICHT ZU SPÜR’N... DOT MICH ZU KONZENTRIER’N --

GEORGE WIE FANG ICH NUR AN? WIE KANN ICH DAS LICHT VERSTEH’N? WIE KANN ICH VON HIER WEITERGEH’N, ETWAS NEUES SEH’N? ETWAS NUR VON MIR -BEIDE

FANG AN. FANG AN.

N

IC

DOT HÖR AUF, DICH ZU HINTERFRAGEN UND GEH! WEN SCHERT ES, WAS AND’RE SAGEN -SIE SAGEN’S DOCH EH. LASS LOS UND FANG AN. (Gleichzeitig)

DOT SIEH NUR, WAS DU KANNST, DANN SIEH, WAS DU WILLST, NICHT BLOSS, WO DU BIST, WAS MAN DENKT. SIEH DOCH, DU HAST MIR DIE WELT GESCHENKT.

HEUTE GEB’ ICH DIR EIN GESCHENK VON MIR. ES WÜRD’ MICH SO FREU’N...

GEORGE (Sieht sich um) ... ETWAS IN DEM LICHT, HINTER JEDEM BAUM, AUF DEM GRAS, ETWAS, DAS MICH LENKT... DINGE, DIE ICH NIE VORHER SAH: WIE DIE BLUME AUF DEINEM HUT.


158

GEORGE UND DEIN LÄCHELN UND DEIN HAAR. WIE DU STRAHLST IN DIESEM LICHT. HELL UND KLAR. UND DAS LEBEN. UND DIE WELT FÄNGT NEU AN.

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DOT

WIR BEIDE GEHÖR’N ZUSAMMEN!

BEIDE WIR GEHÖREN DOCH LÄNGST ZUSAMMEN! DOT FANG EINFACH NUR AN. KEINE FALSCHE SCHEU. BLEIB DIR SELBER TREU. NUR SO WIRD ES NEU.

GIB UNS MEHR ZU SEH’N...

Dich hat nie interessiert, was die Anderen dachten. Das hat mich damals geärgert, weil ich wollte, dass Du Dich dafür interessierst, was ich denke. GEORGE Ich bin sicher, das habe ich getan.

IC

DOT Ich bin auch sicher, dass Du das getan hast. GEORGE

Dot.

N

(Zeigt auf das Buch) Warum hast Du diese Worte hier aufgeschrieben?

DOT (SIE kommt zu ihm herüber und schaut in das Buch) Es sind Deine Worte, George. Die Worte, die Du so oft bei Deiner Arbeit gesagt hast. GEORGE (Liest langsam) „Ordnung.“


159 (AKKORD. Die ALTE DAME tritt auf) ALTE DAME

George.

Bist Du das?

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(GEORGE dreht sich zu ihr um. ER blickt zurück zu DOT, die lächelt, dann wieder zu der ALTEN DAME) GEORGE

Ja.

ALTE DAME Ist dieser Ort so, wie Du ihn Dir vorgestellt hast?

Sag mir!

GEORGE

Was?

ALTE DAME

Der Park, natürlich.

GEORGE

In etwa.

ALTE DAME

Weiter.

GEORGE Naja, das Grün ist etwas dunkler. Schlammfarben im Wasser.

Der Himmel etwas grauer.

ALTE DAME

(Enttäuscht) Nun, ja, ich nehme an --

IC

GEORGE Aber die Luft ist satt und voller Licht.

N

ALTE DAME

Gut.

(AKKORD.

Während die ALTE DAME hinausgeht, liest GEORGE das nächste Wort:)

„Entwurf.“


160 #34

SONNTAG (FINALE)

(Die MUSIK setzt ein. Das Gebäude vorne rechts beginnt hochzufahren. Die CELESTES erscheinen und beginnen, die Bühne zu überqueren)

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„Spannung.“ (Zwei Gebäude rechts und links fahren hoch. Weitere FIGUREN aus dem Gemälde erscheinen und beginnen zu promenieren)

„Komposition.“

(Ein Gebäude fährt hoch)

„Balance.“

(Gebäude fahren hoch. Die Bühne ist gefüllt mit den FIGUREN aus dem Gemälde)

„Licht.“

(Das große undurchsichtige Gebäude ganz hinten fährt hoch)

Dot.

Ich kann dieses Wort nicht lesen. DOT

„Harmonie.“

ALLE (außer GEORGE)

N

IC

SONNTAG AN DEM BLAULILA-GELB-ROTEN WASSER AUF DEM GRÜNLILA-GELB-ROTEN GRAS, WO MAN SASS,

UNTER MUSTERN AUS SCHATTEN EINES VERTIKALEN BAUMS FÜR IMMER...

GEORGE (Liest weiter, kämpft mit den Worten) „So viel Liebe in seinen Worten... auf ewig bei seinen Farben... wie George schaut... er könnte für immer schauen... was sieht er? ...seine Augen so dunkel und leuchtend... so bedacht... so exakt...“ (DOT nimmt GEORGE am Arm und dreht in zur GRUPPE um)

(ALLE verneigen sich vor GEORGE)


161 ALLE (cont’d) DORT AM BLAULILA-GELB-ROTEN WASSER, AUF ORANGEVIOLETT-GRÜNEM GRAS UND VERGASS DOT

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

IM PERFEKTEN PARK, GEORGE

GANZ AUS DUNKELHEIT UND LICHT,

ALLE (außer GEORGE und DOT) DEN SONNENSCHIRM,

EIN SPAZIERGANG DURCH DEN PARK UNTER BÄUMEN, NAH AM FLUSS, EINE INSEL AUF DEM WASSER, UND EIN GANZ NORMALER SONNTAG...

(Das ENSEMBLE ist an den Positionen angekommen, die sie in dem Gemälde einnehmen)

SONNTAG...

(ALLE beginnen langsam abzugehen, außer DOT, die vorne bei GEORGE bleibt)

SONNTAG...

IC

(DOT verlässt GEORGE und geht nach hinten in den Park; SIE dreht sich zu GEORGE um. Die weiße Leinwand kommt herunter)

N

GEORGE (liest aus dem Buch) „Weiß. Eine leere Seite oder Leinwand. viele Möglichkeiten...“

Sein Liebstes.

(ER schaut auf und sieht DOT hinter der weißen Leinwand verschwinden. Das LICHT wird langsam dunkel) ENDE DES 2. AKTES

So


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