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Textbuch (dt.)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Buch von GLENN BERENBEIM Musik von SHUKI LEVY Gesangstexte von DAVID GOLDSMITH (2016)

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Deutsche Fassung von INGO BUDWEG

Bühnenvertrieb in Deutschland:

Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH

Bahnhofstraße 44-46 | 65185 Wiesbaden ----------------------------------------------------------------e-mail: post@musikundbuehne.de Internet: www.musikundbuehne.de 04/19


Alle Rechte vorbehalten. Hierzu zählen insbesondere das Recht der Übersetzung, Verfilmung und Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen und sonstige Medien, der mechanischen Vervielfältigung und der Vertonung (Neuvertonung), die Verwendung zu Bühnenzwecken, Vorlesungen und Aufführungen, gleich ob von Amateur- oder Profibühnen sowie anderen Interessenten.

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Text, Komposition sowie Text- und Musikmaterial des Bühnenwerks werden Bühnen / Veranstaltern ausschließlich für Zwecke der Aufführung nach Maßgabe des jeweiligen Aufführungsvertrags zur Verfügung gestellt. Jede darüber hinausgehende Verwertung von Text und /oder Musikmaterial des Bühnenwerks bedarf der ausdrücklichen vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für dessen Vervielfältigung, Verbreitung, elektronische Verarbeitung, Übermittlung an Dritte und Speicherung über die Laufzeit des Aufführungsvertrags hinaus. Die vorstehenden Sätze gelten entsprechend, wenn Bühnen / Veranstaltern der Text oder das Musikmaterial des Bühnenwerks ohne vorherigen Abschluss eines Aufführungsvertrages zur Ansicht zur Verfügung gestellt wird. Weitere Einzelheiten richten sich nach den zwischen Bühnen / Veranstaltern und Verlag getroffenen Vereinbarungen. Dieser Text und die damit verbundene Komposition gilt bis zum Tag der Uraufführung / deutschsprachigen Erstaufführung / bis zur Erstübersetzung / der Neuübersetzung als nicht veröffentlicht im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. Es ist nicht gestattet, vor diesem Zeitpunkt das Werk oder einzelne Teile daraus zu beschreiben oder seinen Inhalt in sonstiger Weise öffentlich mitzuteilen oder sich öffentlich mit ihm auseinanderzusetzen. Nicht vom Verlag genehmigte Verwertungen verletzen das Urheberrecht und können zivilrechtliche und ggf. auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

Als unverkäufliches Manuskript vervielfältigt. Dieses Material darf weder verkauft, noch verliehen, noch sonst irgendwie weitergegeben werden.

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Wird das Stück nicht zur Aufführung angenommen, so ist das Manuskript umgehend zurückzusenden an:

Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH

Bahnhofstraße 44-46 | 65185 Wiesbaden ----------------------------------------------------------------e-mail: post@musikundbuehne.de Internet: www.musikundbuehne.de


Rollenverzeichnis ............................................................................................................................ 3 Akt I ................................................................................................................................................ 4 Prolog ............................................................................................................................................. 4 Nr. 1: Das Ende des Sommers ............................................................................................................. 4 Szene 1 ............................................................................................................................................ 6

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Nr. 1a: Probe ....................................................................................................................................... 9 Nr. 2: Stell es dir vor!......................................................................................................................... 16

Szene 2 .......................................................................................................................................... 19

Nr. 3: Masada Ouvertüre / Frei ......................................................................................................... 19 Nr. 4: Rufus‘ Brief an Caesar ............................................................................................................. 21 Nr. 4a: Frei / Konnte er wirklich sehn? / Salomes Auftritt ................................................................ 22 Nr. 5: Salomes Klage.......................................................................................................................... 24 Nr. 5a: Die lieblichen Augen .............................................................................................................. 27 Nr. 6 mit Szene: Nicht mehr! ............................................................................................................. 28

Szene 3 .......................................................................................................................................... 30

Nr. 6a: Frei......................................................................................................................................... 30 Nr. 7: Masada .................................................................................................................................... 32 Nr. 7a: Masada Underscore und Caesars Brief ................................................................................. 33 Nr. 8: Heil! ......................................................................................................................................... 35

Szene 4 .......................................................................................................................................... 38

Nr. 9: Ich bin das Licht!...................................................................................................................... 39

Szene 5 .......................................................................................................................................... 41

Nr. 9a: Römisches Lager .................................................................................................................... 41 Nr. 9b: Heil! (Reprise)........................................................................................................................ 43 Nr. 10: Fern von hier! ........................................................................................................................ 44

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Akt II ............................................................................................................................................. 47

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Szene 1 .......................................................................................................................................... 47

Nr. 11 „Den Himmel spürn“ .............................................................................................................. 49 Nr. 12 „Der letzte Lacher“ ................................................................................................................. 53

Nr. 12 a: Akt 2 Masada ...................................................................................................................... 56

Szene 2 .......................................................................................................................................... 56 Nr. 12b: Szenenwechsel zum Gefängnis ........................................................................................... 58

Szene 3 .......................................................................................................................................... 58 Nr. 13: Lass dich nicht stör’n! ............................................................................................................ 59 Nr. 13a: Szenenwechsel nach Gefängnis........................................................................................... 61 Szene 4 .......................................................................................................................................... 62 Nr. 14: Drohendes Unheil! ................................................................................................................ 63 1


Szene 5 .......................................................................................................................................... 63 Nr. 14a: Jeremias Gebet .................................................................................................................... 65 Szene 6 .......................................................................................................................................... 66 Nr. 15: Ich ergeb‘ mich! ..................................................................................................................... 67 Szene 7 .......................................................................................................................................... 67 Nr. 15a: Der Kampf............................................................................................................................ 69

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Nr. 15b: Fern von hier! (Reprise)....................................................................................................... 70

Szene 8 .......................................................................................................................................... 71 Nr. 16: Masada / Die Wahl ................................................................................................................ 72

Szene 9 .......................................................................................................................................... 73

Nr. 16a: Den Himmel spürn! (a cappella) .......................................................................................... 75 Nr. 17: Stell es dir vor - Finale .......................................................................................................... 76 Nr. 18: Ausgangsmusik ..................................................................................................................... 77

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Rollenverzeichnis Daniel Warshowsky (im Stück „Masada”: Eleazar) Rebecca Warshowsky (Tamar)

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Lea Warshowsky (Miriam) Sarah (Naomi)

Max (Jeremiah)

Adolph Warshowsky (Caesar) Adam (Silva) Otto (Rufus)

Lola (Salomé) Jan (Aaron)

Izzy (Pompey) Jacob

Schlomo Esther

SS-Hauptsturmführer Blick Hannah Warshowsky

Ensemble

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SS-Soldaten Schauspieler Bewohner des Ghettos Bürger von Jerusalem

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Akt I

Prolog

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Ein Zugdepot – Warschau – Polen. Das eindringliche Geräusch eines pfeifenden Zuges durchbricht die Dunkelheit. Licht auf Rebecca Warschowsky, sie hält eine Waffe. Sie starrt auf eine Karussell Musik Box, die einen eindringlichen Refrain spielt. Sie erinnert sich an einen glänzenden vergangenen Sommertag, der unvergessen bleibt: Der 31. August 1939.

Nr. 1: Das Ende des Sommers

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Rebecca: Das Lachen, das Tanzen, das Schöne im Ganzen, mein Glück vor dem Ende des Sommers Daniel: Ich küsste dich zärtlich, dein Lächeln so herzlich, ein Tag vor unserem Ende des Sommers Hanah: Und wir tanzten glücklich, sangen wie die Kinder, uns‘re Welt war warm und auch so hell. Daniel: Ich kann mich erinnern es war fast September Daniel/Hannah: das war dann das Ende des Sommers - für uns! Max: Ein Tanz nur für uns, Herz! Sarah: Ich war so verliebt, Herz! Wir lebten am Ende des Sommers Max: Ein Picknick Sarah: im Mondschein Max: und dazu ein Rotwein! Max/Sarah: Das soll‘s! Das war das Ende des Sommers

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Adolph: Ausflug mit mei’m Enkel Leon: Opa kauft mir Eiscreme Adolph: Ich erzählte ihm von mir als Bühnenstar. Rebecca: Mit Vater und Mutter, mit Tante und Bruder, zusammen vor dem Ende des Sommers Ensemble: Alle sangen Lieder und wir tanzten fröhlich so als ob es kein Morgen gäb‘ Sonnenschein auf der Haut sanft und zärtlich wie ein Lebenshauch Laub im Wind wie geschmückt uns‘re Welt war voll Friede und Glück Daniel: Wir spielten am Abend, Gesichter so fragend, ein Tag vor unserem Ende des Sommers! Warschowskys + 2: Ein Krieg uns bevor stand, die Hoffnung noch nicht schwand, das war der letzte Auftritt des Sommers! Überall Gerede, überall Gerüchte was sollt‘ schon passier’n an diesem Tag!? Voller Glück waren wir, denn die Sorgen der Welt war‘n nicht hier Doch ein Sturm zog herauf, und wir spielten ein letztes Mal auf. Die Musik wird düster und Sommer wird Herbst. Das Karussell dreht sich immer schneller, bis es in tausend Stücke zerspringt. Menschen fliehen. Bomben explodieren. Fensterscheiben bersten. Deutsche Soldaten marschieren ein. Alle aus der Familie Warschowsky legen den „Judenstern“ als Armbinde an. Dann versammeln sie sich um das Radio. Radio: Alle Juden von Warschau müssen innerhalb von 24 Stunden ihre Wohnungen verlassen und begeben sich in das Jüdische Ghetto. Juden dürfen ab sofort nur noch in diesem abgesperrten Bereich von Warschau leben! Als die Juden das Ghetto betreten, werden sie von einem deutschen Soldaten über eine Flüstertüte angeschrien. Soldat: Halten sie ihre Papiere bereit. Jeder Jude, der ausserhalb des Ghettos angetroffen wird, wird sofort erschossen!

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Daniel führt seine Familie zu einem verlassenen Zugdepot – baufällig und kaputte Fensterscheiben. Die Darsteller ziehen Karren mit Theaterkoffern, Körben mit Kostümen, Requisiten und Bühnenteilen Warshowskys + 2: Die Lieder so traurig, das Leben so grausig wir träumten von der Zeit vor September! Hoffnung wurde alles, jeder Traum verblasste wie der letzte Sonnenuntergang! Jahre geh‘n, Zeit vergeht, jede Hoffnung im Sturm bald verweht!

Szene 1

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Zugdepot. 1942. Zwei Jahre später. Eine laufende Theaterprobe…Hannah verschwindet, während Rebecca immer noch auf die Karussell Musik Box starrt… Warshowskys + kleines Ensemble: Fremde kam‘ und der Tod und das Leben war nun voller Not. Rebecca: Erinnere Dich leise, es war fast September Sarah, Max, Adolph, Leon und Jan sitzen gedrängt um einen Tisch nahe bei einem kleinen Ofen und studieren ihre neue Skripte. Lola sitzt allein in ihrem Pelz und dreht sich eine Zigarette. Währenddessen leitet Daniel eine Probe zwischen Rebecca und Jacob, einem übereifrigen Neuling, der in Rebecca sichtlich verknallt ist. das war dann das Ende des Sommers – für uns! Daniel: Rebecca – Du träumst!!! (Er gibt ihr eine künstliche Rose, die sie für die Szene braucht) Rebecca: Wohl kaum, Papa! Wenn man in zwei Jahren nicht mal eine richtige Blume gesehen hat, wovon soll man dann noch träumen? Max: Wovon man träumen soll? Eine Tafel Schokolade! Adolph: Oder - ein heißes Bad! Lola: Eine anständige Zigarette! Leon:

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…von Mama! - Sie kommt doch bald wieder Papa, oder? Daniel: Natürlich – wir müssen hoffen – und beten – und werden mit unserer Probe weitermachen, oder? Warum probst Du nicht deine Passahfest-Szene mit Onkel Max? Max: Weil Onkel Max einfach zu kalt ist. Warum erwartest Du überhaupt von uns, zu proben – hier – in diesem Höllenloch ohne Heizung, ohne anständige Bühne und Kostüme… Daniel: Mag sein, dass wir unser Theater verloren haben…. aber nicht unser großartiges Publikum… Jan: …vielleicht hast Du es ja noch nicht mitbekommen, aber das verlieren wir gerade auch…jeden Tag ein wenig mehr…. Rebecca: Armer Papa! In einem Ghetto voll von Tod und Elend konntest auch nur Du an so einen merkwürdigen Optimismus – „erkranken“! Daniel: Ja – und ich hoffe er ist „ansteckend“! - aber nun genug davon! Warum starten wir nicht noch einmal mit dem Duett von dir und Jacob? Jacob: Und wann werden Rebecca und ich unsere Kussszene proben? Daniel: Das ist die richtige Einstellung, Jacob! Sarah: Vater, ist das meine Tischdecke? Adolph: Jetzt nicht mehr – jetzt ist es Caesars Toga! Sarah: Nein – ist sie nicht! Daniel: Sarah, was ist mit meinem Klavierdeckel geschehen? Sarah: Dasselbe, was mit Don Quichotes Windmühle und Draculas Sarg auch passiert ist. Sie wurden den Flammen übergeben, damit wir uns nicht zu Tode frieren! Lola: Diese elende Eishölle hier! Sarah: Du hast Nerven - über die Kälte nörgeln und selbst einen warmen Pelzmantel tragen, den Du werweiß-woher hast! Daniel: Wir versuchen hier zu proben, wenn ihr alle nichts dagegen habt?

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Otto: Nein habe ich nicht – aber ich habe etwas dagegen, diese lächerliche Nebenrolle zu spielen und das bei meinem Talent!

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Max: Dein Talent? … und was ist mit meinem?! Ich triumphierte als „Tevje der Milchmann“! Otto: Und mein „Macbeth“ rührte Eva Braun zu Tränen! Sarah: Oh ja! Eine Frau mit wirklich gutem Geschmack! Otto: Ich war auf dem Weg, der neue Stern am Theaterhimmel zu werden! Izzy: (zeigt auf das Armband mit dem Davidstern) Oh ja – so wie wir alle hier! Daniel: (applaudiert) Tausend Dank… und 1,2,3…

Nr. 1a: Probe

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Rebecca / Jacob: Und ich wart‘ auf dich, brenn‘ für dich, wein‘ um dich, kämpf‘ um dich, Werd‘ immer da sein, bei Tag und bei Nacht! Und ich sing‘ für dich, schein‘ für dich, leb‘ für dich, sterb‘ für dich, Traum meiner Liebe, der Traum ist…- Plötzlich stürmt Adam – ein Widerstandskämpfer – durch die Bühnentür. Er hält eine Pistole in der Hand. Ein Tumult setzt ein. Daniel: Ruhig – alle!!! Sarah: Oh mein Gott – Leon: Er hat eine Waffe! Adam: Ich bin ein Widerstandskämpfer - die SS verfolgt mich! Versteckt mich irgendwo! BITTE! (Draußen hört man Hundegebell und die brüllenden SS-Soldaten, die auf Verfolgung sind) Adam: BITTE!!!

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Daniel: (laut) Ruhig – alle! (wieder ruhig) Haben sie dich gesehen? Adam: Nein! Sarah: Daniel – in Gottes Namen! Sie werden ihn finden und das bedeutet den sicheren Tod für uns alle! Geh! GEH! (Daniel nimmt die Noten vom Klavier und gibt sie Adam in die Hand) Daniel: Nein! Gib mir die Pistole! Adam: Was zum Teufel hast du…. Daniel: sofort!!!! (Adam übergibt die Waffe. Daniel versteckt sie unter einer Falltür. SS-Hauptsturmführer Blick kommt herein, ihn begleiten SS-Soldaten. Draußen hört man weiter das Hundegebell) Daniel: (leise) Tut nichts – vertraut mir!!! Blick: (brüllt – alle Soldaten richten die Waffen auf die Darsteller) Hände hoch alle - und – bleibt wo ihr seid!!! Daniel: Herzlich Willkommen – Herr SS-Hauptsturmführer Blick! Blick: Jeder, der auch nur zuckt, wird sofort erschossen! Daniel: Gott sei Dank sind wir alle zu erstarrt, um uns zu rühren! Blick: Wo ist er? Daniel: Wer – Gott? Keiner weiß es genau, aber ich erzähle ihnen gerne die neuesten Gerüchte – er ist wohl nicht hier in Warschau! Blick: So schlau – so clever - elendes Judenpack! Ganz besonders du – Daniel Warschowsky! Daniel: Herr Hauptsturmführer, ich bin nur ein demütiger Schauspieler, der versucht, den Rest seines Ensembles am Leben zu halten… Blick: …dann sei kein Narr Warschowsky – ein Widerstandskämpfer versteckt sich hier irgendwo in der Nähe…

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Daniel: …aber nicht hier, Herr Hauptsturmführer! Blick: (Blick gibt einen Wink an seine Soldaten) Durchsuchen – alles! Die SS-Soldaten durchsuchen jeden Winkel mit brutaler Effizienz, wobei sie alles umstoßen und zerbrechen, wo es geht. Adam bleibt ungerührt und unauffällig in der Situation. Blick ist sichtlich frustriert, da die Durchsuchung nichts ergibt. Er geht von Schauspieler zu Schauspieler und guckt sich jeden genau an schließlich entdeckt er Jacob. Blick: Der hier ist wohl kein Warschowsky! Daniel: Ja – nun – es gibt nicht mehr genug Warschowskys, um alle Rollen zu besetzen. Irgendetwas im Dritten Reich ist wohl nicht ganz einverstanden mit der Gesundheit unserer Familie. (Blicks Augen schauen misstrauisch, schließlich nimmt er Adolph ins Visier, der gerade sitzt) Blick: Steh auf – alter Mann!!! (Sarah gibt Adolph seinen Spazierstock mit silbernem Knauf. Blick schnappt ihn jedoch weg.) Blick: Als ich noch ein kleiner Junge war, da hatten alle jüdischen Bankiers solch ausgefallene Spazierstöcke und während wir Deutschen hungerten, gingen sie unbekümmert in die Synagogen. Sarah: Bitte, Herr Hauptsturmführer – Sarah Bernhardt schenkte diesen Spazierstock meinem Vater, nachdem sie seinen „Hamlet“ gesehen hatte! Blick: liest die Inschrift „Für Adolph Warschowsky!“ Adolph? – ein Jude mit solch einem Namen? Adolph: Es gab mal eine Zeit, da war ich stolz auf diesen Namen! wütend zerbricht Blick den Spazierstock und wirft die beiden Teile zu Boden. Daniel nimmt den Kopfteil auf Daniel: Danke Herr Hauptsturmführer! Jetzt hat Vaters Spazierstock genau die richtige Länge für Caesars kaiserliches Zepter – für mein neues Stück „Masada“. Ihr Nazis werdet es lieben – es wird gesungen und getanzt – und am Ende sterben alle Juden. (nach einer Pause) – Herr Hauptsturmführer – eine weitere Woche ist jetzt vergangen, seitdem meine Frau verschwunden ist… Blick: Nachforschungen kosten Zeit – und Geld! Daniel: Sie haben bereits unser gesamtes Geld und Vermögen bekommen. Wir haben wirklich nichts mehr! Blick: Ach ja – und was ist mit dem Pelzmantel da?

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Lola: Ich bin keine Warschowsky. Das Ganze hat nichts mit mir zu tun! Sie haben noch silberne Kerzenleuchter versteckt!!!! Rebecca: Die gehören Mama! Blick: Gib sie her!!! (Daniel holt die Silberleuchter aus dem Versteck und gibt sie Blick – Rebecca kämpft mit den Tränen) Sarah: Nein, Papa!!!! Blick: Gib her!!! Blick: Fräulein Rebecca, es schmerzt mich, sie so zu sehen – als kleine Aufmerksamkeit – von mir!!! Plötzlich holt Jacob die Waffe von Adam aus dem Versteck und will auf Blick losgehen – die Falltür fällt mit einem lauten Knall zu. Jacob und die anderen erschrecken sich, so dass Jacob die Waffen fallen lässt. Die Soldaten zielen auf ihn. Blick: Halt! Nicht schießen! Wo hast Du die Waffe her, Du Judensau? - Gut! Schon gut! Adam: will nach vorne treten …SS-Hauptsturmführer Blick, ich… Daniel: Jacob handelte aus eigenem Antrieb – er ist ein wenig verliebt in Fräulein Rebecca… Sie verstehen…? Blick: Nein!... und wer bist Du? Daniel: Einer meiner neuen Darsteller für das Stück „Masada“. Blick: Ich habe ihn hier noch nie gesehen? Daniel: Nun - wir waren gerade beim Vorsprechen und Vorsingen, nun als ihr…. Blick: unterbricht ihn – laut im Befehlston – er packt Adam am Hals und zerrt ihn nach vorne Vorsprechen…Vorsingen? ...er wirft ihn auf die Erde …auf die Knie, Du Judenbengel! …dann zeig mal, was Du kannst… los, sing das Deutschlandlied… LOS!!! ...und gib Dir Mühe!!!!

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Adam: DEUTSCHLAND, DEUTSCHLAND ÜBER ALLES, ÜBER ALLES IN DER WELT, WENN ES STETS ZU SCHUTZ UND TRUTZE BRÜDERLICH ZUSAMMENHÄLT… Blick: Genug!!!! Los – abführen!!! Jacob wird brutal gefesselt und dann hinausgeschleift. So, so Warschowsky… er handelte also aus eigenem Antrieb…und du wusstest natürlich nichts davon! Dieses Mal glaube ich dir, aber wenn ich herausfinde, dass du mich angelogen hast komme ich wieder und töte dich mit meinen eigenen Händen. Warschowsky: Aber ich habe keinen Darsteller, um Jacob zu ersetzen! Herr Hauptsturmführer! Blick: Doch hast du! er sieht Adam an – ihn! zu Lola – den Pelzmantel! Lola: Nein! Nein! Nein! schließlich entreißen ihr die SS-Soldaten den Mantel – Jacob wird abgeführt! Blick: im Abgehen Heil Hitler! Leon: Werden sie Jacob töten – Papa? Daniel: Ich weiß es nicht, mein Junge, aber erst einmal müssen wir sehen, dass nicht noch jemand verletzt wird. zu Adam Kannst du singen? Adam: Ich war mal im Kirchenchor – als Junge – ich bin Christ. Jedoch ist einer meiner Verwandten jüdisch und das machte mich für die Nazis auch zum Juden. Daniel: Du musst Jacobs Rolle wirklich schnell lernen! Adam: Ich soll hierbleiben? – Auf gar keinen Fall! Wenn Blick die Wahrheit erfährt, dann… Daniel: Jacob wird uns unter gar keinen Umständen verraten – auch, wenn das seinen sicheren Tod bedeutet! Glaub mir! Wenn wir mit den Aufführungen begonnen haben, kannst du zu deiner Familie zurückkehren…

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Adam: Ich habe keine Familie - nur meinen Bruder – sonst niemanden. Wir beide krochen heute Morgen unter der Ghettomauer durch, um noch mehr Pistolen und Munition für den Widerstand zu organisieren. Jedoch muss uns jemand verpfiffen haben, denn als wir zurückkamen wartete die SS schon auf uns. Sie eröffneten sofort das Feuer und wir wurden auf der Flucht getrennt. Ich muss meinen Bruder finden, er wird ohne mich nicht überleben!!! Daniel: Wir wohl auch nicht - wenn Du nächste Woche bei der Premiere nicht mit uns zusammen auf der Bühne stehst. Blick wird nur eins und eins zusammenzählen und dann sind wir alle tot. Leon, gib ihm ein Skript. Wir werden mit deiner ersten Szene anfangen – du spielst Caesars ersten General Silva und Rebecca spielt die Tochter des Anführers der jüdischen Rebellen. Leon: Leon kommt zurück mit einem Skript Zunächst verliebt ihr euch ineinander – dann musst du sie küssen – hier – vor allen anderen – AUF DEN MUND!!! Adam: zu Daniel Ist das dein Ernst? Rebecca: Eine Romanze – zwischen einem Römischen General und einer jüdischen Rebellin. Genau das, was das Ghetto jetzt noch braucht! Daniel: Meine Tochter glaubt, dass es in dieser Welt hier keinen Platz für die Liebe gibt! Rebecca: Es wird Zeit, dass wir diese Heuchelei endlich beenden – hier im Ghetto!!!! Daniel: Schluss jetzt – wir haben eine Premiere vorzubereiten! Adam: Singen und Tanzen – auf einem wahren Friedhof! Und das alles, wo die Widerstandsbewegung jeden Mann, Frau und auch jedes Kind braucht, die sie nur kriegen können? Leon: Papa – ich will auch für den Widerstand kämpfen! Adam: Dieser kleine Mann hier hat mehr Mumm als ihr alle zusammen! Daniel: Das, was wir hier alle tun, ist auch eine Art von Widerstand! Adam: …ja… ihr widersteht der Wahrheit… !!! Daniel: Nein!!! Nein!!! Nein!!! Hier auf dieser Bühne bedeutet singen, frei zu sein – tanzen bedeutet frei zu sein!

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Adam: Frei zu sein? – wofür – um in Ruhe den Kopf in den Sand zu stecken? Aber das, was da draußen vor sich geht, das würdet ihr euch alle nicht vorstellen wollen… !!!! Jan: Gott hat uns verlassen! Adolph: Und das von einem, dessen Vater ein Rabbi war! Jan: Ja! …einem Rabbi, der im Ghetto zu Tode hungerte und es selbst immer „Fasten“ nannte…!!! Sarah: Beruhig dich Jan – und verlier nicht deinen Glauben! Irgendjemand wird uns zu Hilfe kommen! Adam: Ja?... Wer soll denn kommen und uns helfen...brüllt…WER??? Esther: Roosevelt!!! Schlomo: Churchill!!! Adam: Wenn ihr das wirklich glaubt – dann seid ihr bereits tot – alle! Rebecca: Er hat Recht! Wir spielen nur in Blicks Hände! (abfällig) Das Ghetto unterhalten, während hier jeden Tag Tausende zu Tode hungern. Daniel: Wir können immer noch ihre Seelen nähren!!! Rebecca: Womit, Papa – WOMIT? Herr Gott nochmal! Ich flehe dich an... PAPA!!!! Daniel: …mit Hoffnung! Rebecca: Hoffnung!!!!... Hoffnung????... Wir werden dieser Hölle niemals entkommen…verstehst du das nicht… NIEMALS!! Wer sollte sich da für die Liebe interessieren? ... oder DEINE verfluchte Hoffnung? Daniel: (er macht einen Schritt zur Bühnenkante – er sieht ins Publikum und lächelt) Wer sich dafür interessiert? …sie tun es!!!!

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Nr. 2: Stell es dir vor!

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Daniel: Halb verhungert, kommen sie ängstlich, sind erschüttert und verstört und was sie bis jetzt erlebten, hat ihr Leben meist zerstört. Und auf kleinstem Raum gefangen, wird kein Flehn‘ mehr erhört. Sie wollen nur entfliehn‘, dem Grauen entkommn‘ denn hier stelln‘ sie sich vor, das Leben wäre noch vollkommn‘! Ein Abend mit viel Tanz im Kerzenleuchterschein, Paris bei Tag voll Glanz, von Angst ganz frei zu sein. Denn hier können sie nun träumen, all der Kummer ist vorbei, sie entfliehn voller Glück und sind frei und nicht ganz zufällig sind wir - mit dabei! Rebecca: Du denkst wir entkommn‘, vergessen den Schmerz, du denkst, wenn wir nur träumen hier, dann heilt schon jedes Herz, doch was immer wir uns vorstelln’, diese Hölle bleibt bestehn‘ warum soll’n wir der Wahrheit entfliehn? Daniel: Weil besser aufrecht im Tode stehn‘ als ein Leben nur auf Knien! Stell es dir vor, die goldene Sonne scheint voraus. Stell’s dir nur vor, und sie zeigt dir den Weg nach Haus! Und im Hafen angekommen, wo man dich als Menschen kennt, hörst du altbekannte Lieder, das ist Benny Goodmans Band! Und du musst nie wieder gehn‘ warst von hier zu lang getrennt. Die Augen zu! Rebecca: Papa – hör auf damit! Daniel: Dann kannst du’s sehn, -

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Adam: Du füllst seinen Kopf nur mit Unsinn! Daniel: in Kopf und Herz, wird es entstehn! Stell es dir vor! Leon: Ein Ort, wo wir die Freiheit spürn Daniel: Stell‘s dir nur vor! Sarah: wo wir die Hoffnung stets berührn Rebecca: Doch das ist nicht die Wahrheit! Daniel: doch im Glauben liegt Wahrheit und die Liebe wird dich führn. Rebecca: Wie soll ich’s spürn, wenn ich’s nicht seh! Daniel: Nur du allein kannst Glaube sein! Alle (außer Daniel, Rebecca und Adam): Stell’s dir nur vor! Daniel: Die Nacht erhellt von Sonnenschein Alle (außer Daniel, Rebecca und Adam): Diese Träume im Leben, sollen Frieden dir geben, bis die Hoffnung wieder blüht. Rebecca: Wir alle sind schon so gequält! Daniel: Drum jeder Traum jetzt noch mehr zählt! Alle (außer Adam und Rebecca): Denn wenn wir es uns vorstelln, dann könn‘ sie es sich vorstelln und ihr Glaube sie beseelt.

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Stell dir mal vor, die Liebe ist dir wohl bekannt! Glaub fest daran, bis dann ihr Flügel dich umspannt. Doch Glaube kann noch so viel mehr, erträumen uns so sehr: Visionen ohne Krieg! Der Schmerz in uns besiegt! Die Nacht so sternenklar! Das Grauen abwendbar! Keine Klagen, nur Lieder, Licht von Kerzen, kein Weinen! Weder Tod noch Verderben! Kein Morden! Kein Sterben! Du ganz allein kannst Hoffnung sein Daniel: Stell es dir vor! Alle: Du ganz allein der Sonnenschein Daniel: Stell’s dir nur vor! Alle: Stell dir nur vor die Angst vergeht und Freiheit wieder hier besteht - voll Lebensglück drum stell’s dir einfach vor!

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Szene 2

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Zugdepot – Theater. Premierenabend. Daniel erscheint in einem Spot begleitet von Applaus. Meine Damen und Herren, Herzlich Willkommen zu unserer heutigen Premiere von „Masada“. Aber bevor wir beginnen, stellen sie sich einmal folgendes vor…also, wenn sie wollen. Zwei Juden in Warschau erfahren durch einen Zufall, dass Hitler für den folgenden Tag plant, dass Ghetto zu besuchen und zwar vor dem Mittagessen. Also stehlen sie ein Deutsches Gewehr und planen, ein Attentat auf Hitler zu verüben. Am nächsten Morgen treffen sie sich auf der Spitze eines Kirchturmes und warten auf Hitlers Autokonvoi. 11.00 Uhr geht vorbei – kein Hitler, 11.30 Uhr – immer noch kein Hitler – es wird Mittag – aber weit und breit kein Hitler. Schließlich um 12.30, als sich immer noch kein Führer in Sicht ist, sagt der eine Jude besorgt zu dem anderen: „Oh mein Gott, hoffentlich ist ihm nichts passiert!“ wieder ernst, leidenschaftlich Meine Freunde – es gibt die, die sagen, dass Hitler den Krieg gewinnen wird und – das gesamte jüdische Volk – sei verdammt und verloren! Das sind solche, die dasselbe schon einmal gesagt haben – nämlich vor ca. 2000 Jahren am Fuße unseres Berges „Masada“. Die Römer hatten sich vorgenommen, den jüdischen Glauben zu brechen – unser Volk sollte völlig ausgelöscht werden. Ihre tragische Geschichte von damals ist unsere Geschichte – heute. Wir haben zwar kein richtiges Bühnenbild und unsere Kostüme sind mehr Flickenwerk, aber wenn sich der Vorhang öffnet, dann seht einfach mehr als einen nackten Holzboden und hungrige Schauspieler. Stellt es euch einfach vor!!!!

Nr. 3: Masada Ouvertüre / Frei

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Jerusalem – 70 v. Chr. Daniel: Ich spiele Eleazar, Anführer der jüdischen Rebellen. Ich kämpfe für die Freiheit und für meine Tochter – Tamar. Er gibt ihr eine Rose. Jüdische Bürger von Jerusalem betreten die Bühne Bürger von Jerusalem: Und trotz der Plage Roms werd’n wir bestehen und auferstehen! Und aus der Wüste Glut wird unsere Hoffnung blühn! General Silva (Adam) betritt die Bühne mit einigen Soldaten. Rufus (Otto) wendet sich an die Massen von Jerusalem. Rufus: Bürger von Jerusalem! Caesars geliebter General beehrt uns mit seinem Besuch. Und ihr werdet ihm zujubeln – oder ihr sterbt wie dieser Jude hier, der es nicht für nötig hielt, sich vor uns zu verbeugen. Rufus packt David (Leon) und Soldaten trennen das Kind von seinen Eltern, Naomi (Sarah) und Aaron (Jan). Naomi: Bitte! Er ist doch nur ein Junge! Aaron: Er hat es nicht böse gemeint – er ist wirklich noch ein Kind!

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Bürger von Jerusalem: Und so wie damals als der Herr teilte das Meer, wir unser Schicksal nun erfülln, Freiheit wird uns führn! Und wir träumn nur vom Paradies, so wie der Herr es uns verhieß! Und es wird Friede mit uns sein, weit weg von Roms brutaler Pein! Tamar kniet zu den Füßen von General Silva Tamar: Verehrter General Silva – seid ihr ein Römer oder ein Barbar? Silva: Du solltest mir mehr Respekt zollen! Tamar: Wollt ihr meinen Respekt befehlen oder wollt ihr ihn euch verdienen? Silva: Wie ist dein Name? Tamar: Was tut das zur Sache, wenn hier das Leben eines Kindes auf dem Spiel steht? Silva: Lasst ihn frei! Rufus: Nein! Silva: Sofort! Silva und Tamar sehen sich in die Augen, während David mit seiner Familie wiedervereint ist Rufus: General Silva, Caesar erwartet euch in Rom! (Tamar gibt Silva die Rose als er geht, Soldaten zum Teil mit ab, nach dem Silva gegangen ist ohrfeigt Rufus Tamar, ein lauter Aufschrei beginnt, als er abgehen will – Eleazar tritt auf mit seinen jüdischen Rebellen) Rufus: Eleazar! Jetzt wirst Du sterben! Eine Schlacht beginnt, während Rufus die gesamte Stadt in Flammen setzt.

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Nr. 4: Rufus‘ Brief an Caesar

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Rufus: Großer Caesar, ’s ist geschehn Jerusalem brennt im Wind und dies Judenvolk wird sehn, wer die wahren Herrscher sind! Ihr Verweigern, sich zu beugen nahm schon überhand. Und sie sind auch nicht das auserwählte Volk im Land. Rom führt meine Hand: Die Stadt fällt jetzt und brennt nieder und wir zeigen kein Erbarmen und ihr Rachegott wird sie gewiss nicht retten! Ja, sie sterben – doch sie lernen wenn sie Roms Zorn jetzt umarmen denn als Sklaven legen wir sie nun in Ketten! Die Musik geht weiter. Eleazar flieht mit den Rebellen, u.a. Tamara, Naomi, Aaron, David, Jeremiah und andere Rebellen Jeremiah: Sie verbrennen unseren Tempel! Aaron: Eleazar – sie haben die Stadt eingenommen! Naomi: David? – Wo ist unser Sohn? Aaron: sieht ihn - David!!! Daniel: Kommt alle zusammen, wir werden in die Wüste fliehen! Rufus: Nur ein Teil des Judenabschaums floh schnell aus der Stadt auf den Berg genannt Masada ohne Zuversicht! Sie sterben sicherlich! Denn Caesar und die Götter Roms, sie mögen herrschen ewiglich!

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Nr. 4a: Frei / Konnte er wirklich sehn? / Salomes Auftritt

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Der Berg MASADA – ein Bergpfad – Eleazar führt die Rebellen einen steilen Bergpfad hinauf Eleazar: Hier lang! Wir sind bald da! Jeremiah: Wo? – In der Hölle? Du denkst wirklich, durch die Wüste zu fliehen, wäre ein Weg, dem Zorn Caesars zu entgehen? Eleazar: Man sagt, dass es eine Festung gibt auf dem Gipfel des Berges! Jeremiah: Und ich sage, dass du ein Narr bist! Du und deine Rebellen! Du musst Frieden schließen mit Rom… Aaron: …ja genau…wie alle Tempelpriester, die dasselbe versucht haben und die man grausam abgeschlachtet hat! Naomi: Warum sollte mein Sohn in einer Welt aufwachsen, um sich zu unterwerfen – oder gekreuzigt zu werden! Jeremiah Gott wird uns alle bestrafen! Eleazar: Nein! Da ist die Festung, für die wir gebetet haben! Aaron: Dies ist die Chance für uns Jerusalem neu aufzubaun! Naomi: Das ist die Zeit für uns, dass unser Volk erblüht! Rebellen: Wir sind erlöst vom Dunkeln der Vergangenheit und gehn in Gottes neues Licht! Der Schmerz ist vorbei, wir sind endlich frei! (Adam erscheint in den Seitenschals. Daniel verlässt die Bühne, um ihn anzusprechen) Daniel: Was tust Du, Adam? Du bist erst in der nächsten Szene dran! Adam: Von „Freiheit“ zu singen wird uns aber nicht befreien, verstehst du? Wir müssen endlich Widerstand leisten, Daniel - und dieses Ghetto in eine Festung verwandeln! Daniel: Was denkst Du, warum ich dieses Stück geschrieben habe?

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Adam: Ehrlich gesagt – habe ich keine Ahnung! Daniel: „Masada“ ist das hebräische Wort für „Festung“. Ich bin auf deiner Seite, Adam – dies hier ist meine Art, Widerstand zu leisten! Rebellen: Bald sind wir da und werden unser Land bestellen! Sicher und frei gibt es dort Wasser und auch Wein! Wir sind erlöst im Wolkenschatten, von Masada! Gottes Geschenk, wird uns befrein! Naomi geht zu Tamara, die etwas abseitssteht. Naomi: Komm Tamara und feiere mit uns! Wir sind endlich sicher hier! Und diese römischen Schlächter werden uns hier niemals finden, vertraut mir! Tamara: Aber sie sind nicht alle Schlächter! Naomi: Bei allem, was wir gesehen und durchgemacht haben, wie kannst Du da anders drüber denken? Tamara: Was ist mit General Silva? Er hat deinen Sohn verschont! Naomi: Aber er ist und bleibt ein Römer! Tamara: Aber er ist ein Mann mit Mitgefühl! Naomi: Und hat der Römer, der deine wehrlose Mutter brutal ermordete, auch irgendwelches Mitgefühl gezeigt? Sie sind nun mal, was sie sind – Schlächter und Barbaren! geht schnell und verständnislos ab und betritt zusammen mit den anderen Rebellen die Festung Masada Tamar: Konnte er wirklich sehn was ich für ihn empfand, wie mein Herz leise raste? Was die Stimme verschwieg, sagte ihm dann mein Blick!

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Doch er darf es nicht sein, denn es ist nur ein Traum, der seitdem nie verblasste! Dieses zarte Gesicht, kehrt zu mir nie zurück! Und ich wart auf dich, bau auf dich wein um dich, kämpf um dich, werd auf dich warten bei Tag und bei Nacht! Und ich sing für dich, schein für dich, leb für dich, sterb für dich, Es bleibt ein Traum, der vergeht! Rom. Der kaiserliche Palast. Fanfare. Silva betritt mit seinen Soldaten den Palast Silva: Heil Caesar! Sodaten: Heil Caesar! Caesar: Willkommen zurück in Rom, General Silva! Setzt euch – ruht euch aus und genießt die exotischen Speisen und den exzellenten Wein! Und wenn ihr wollt, steht euch Salome ebenfalls zu Diensten!

Nr. 5: Salomes Klage

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Caesar: Tanz du Verführerin, tanz! Zeig ihm, was du kannst! Salome: Schon am ersten Tag im Leben, warn die Männer mir ergeben, durch den Namen, den ich jeden Tag verschmäh! Nicht durch Herkunft, noch Erregung, nur durch pure Namensgebung, drum nennt eure Töchter niemals, Salomé! Mein Name stammt, von der Vorzeit verdammt, der Prinzessin ab, die nicht rein war! Doch ihr Tanz, zog den König bald ganz, in den Bann dieser Schleierfee!

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Ihr Tanz voll Scham, ihr die Ehre bald nahm, und ihr Name dadurch befleckt war! Jeden Mann zieh ich so in den Bann, denn mein Name ist Salomé. Sklavinnen: Salomé, zeig nur nicht, was ich seh, dass du hoffst, was sie stöhnend tun, ganz schnell vorbei ist, lächle fein, und bewahre den Schein Salomé: Was für sie nur ein Tanz, ist für mich Sklaverei! Slavinnen: Bist gefang‘ durch der Männer Verlang‘ Salomé: Also stirb oder schür ihr Feuer! Fühl die Scham, die mir niemand je nahm, denn mein Name ist Salomé. Soldaten: Ja – ihr Name ist schön! Sklavinnen: Denn wärst du klug oder kalt, wär dein Schicksal Wohlergehn! Soldaten: Und sie weiß zu verwöhn! Sklavinnen: Mit jedem Atemzug wünschst du nur ihren Tod! Soldaten: Und sie weiß zu verführn! Sklavinnen: Doch sie sehn dich niemals an, könn‘ den Hass in dir nicht sehn! Soldaten: Sündhaft wolln wir sie spürn!

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Salomé: Und doch ihr urteilt über mich, doch wärt ihr so wie ich, Sklavinnen/Salomé: die Todesangst wär eure Not! Salomé: Fraun wie ich, spürn die Freiheit doch nicht, denn wir leben um zu bezahln des Namens Schuld Sklavinnen/Soldaten: verzückt euch mit Geduld! Salomé: Ich bin Salomé! Caesar: Entspannt euch in ihren Armen, Silva! Silva: Ihr seid wirklich großzügig, Caesar, aber ich muss ablehnen – verzeiht. Caesar: Seit dankbar und schweigt! Wie mir mein Magistrat in Jerusalem zugetragen hat, habt ihr wohl die Aufmerksamkeit einer dunkeläugigen Schönheit auf euch gezogen, bevor ihr in eurem Streitwagen davonfuhrt und Rufus die ganze Drecksarbeit habt machen lassen. Silva: Mächtiger Imperator – eure Befehle hießen mich, nach Rom zurückzukehren – deshalb tat ich es. Ansonsten wäre ich pflichtbewusst in Jerusalem geblieben. Caesar: Nun! – Jerusalem gibt es nicht mehr! Rufus hat es bis auf die Grundmauern niedergebrannt! Silva: Was? Gab es Überlebende? Caesar: Ja – gab es! Aber nicht für lang – ihre Tage sind gezählt! Silva: Großer Caesar – sind wir Römer oder Barbaren? Caesar: Ich bin ein Gott – Silva – EIN GOTT!! Und ich werde ihrem Gott trotzen! Masada wird fallen! Und ich will diesen Rebellenführer Eleazar in Ketten sehen. Und du Silva wirst ihn in einer großen Parade durch die Straßen von Rom führen, damit jeder sehen kann, was ihm geschieht, wenn er sich gegen mich auflehnt! Silva: Großer Caesar, bitte – ich bitte euch – habt Erbarmen…

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Caesar: Ihr kehrt zurück nach Judäa und tut, was ich sage oder ich werde euch wie eine Weintraube zerquetschen. Also, was wollt ihr lieber, Silva? Umjubelt und geehrt, in einem goldenen Streitwagen durch die Straßen von Rom fahren oder verspottet, an ein Holzkreuz genagelt elendig in der glühenden Sonne sterben! Geehrt oder genagelt – ihr habt die Wahl! Caesar geht mit Salome ab. Silva bleibt zurück und trauert um den Verlust von Tamar.

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Nr. 5a: Die lieblichen Augen

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Silva: Hätt ich doch nur geahnt, dass die lieblichen Augen, nie mehr für mich leuchten! Denn mein Herz war berührt, als sie da vor mir stand! Alles war wie im Traum, wenn auch nur ein Moment, unentdeckt, unerwartet! Doch wir warn schon verlorn, und die Liebe verbrannt! (Silva entdeckt einen Palastsklaven, POMPEY, der sich hinter einem imperialen Banner versteckt und heimlich Weintrauben isst.) Silva: Wer ist da? Pompey: Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, ehrwürdiger General. Sie füttern uns hier nicht so gut müsst ihr wissen. Wenn man die Sklaven ein wenig hungern lässt, dann haben sie gar nicht mehr so große Lust, zu revoltieren. Seht – ich lege sie zurück. Silva: Du hast gelauscht! Pompey: Ich!!! Wie könnte ich!!! Ich bin viel zu hungrig, um zu lauschen!!! Silva: Dich werde ich lehren, einen römischen General zu bespitzeln. Pompey: Bitte, Euer General… Groß… Würden. Ihr solltet lieber richtig wichtige Leute töten und nicht solch einen niemand wie mich. Und glaubt mir – ich bin ein Niemand! Ich komme aus einer kleinen verschlafenen Stadt am Fuße eines langweiligen Vulkans namens Vesuv. Niemand hat je davon gehört. Und in meiner Stadt passiert nie etwas – alles ist wie tot. Silva: Oh gut! Dann wirst Du Dich gleich wie zuhause fühlen!!!!

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Nr. 6 mit Szene: Nicht mehr!

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Pompey: Das ist es – das bitt‘re Ende! Macht es kurz und bitte schnell! Verlängert nicht den Terror hier im Ganzen. Aber wartet – was fühl ich da? Doch das ist mein Naturell! Ihr sagt: „Ich töte dich!“ und ich will nur noch tanzen! Silva: Verstehst Du nicht! Dein Ende ist nah – die Unterwelt erwartet dich - bete zu den Göttern, wenn Du kannst- warum tanzt du??? Nie mehr geschlagen, nichts mehr ertragen, nie mehr der Sorgen Qual! Nie wieder Hunger, nie wieder Kummer, nie mehr im Todestal! Ich hatte niemals einen Sohn und auch ne Frau war nie mein Lohn nur einmal jemand anders sein, ja – das wünscht ich mir immer schon. Hätte ich nur etwas Zeit, mich zu verändern, ich säß als echter Bürger wie auf einem Thron. Nie mehr versklavt sein, nie mehr bestraft sein, Schwitzen – bis man zerbricht! Peitsche und Tränen nie mehr erwähnen Freiheit, die Glück verspricht! Und von dem Wasser bitte mehr! Der Duft von Gras erfreut mich sehr und der Klang von Kinderlachen, ja – für sie ist gar nichts schwer! Diese kleinen Dinge, die mein Leben säumen, nur komisch, dass ich das zuvor noch niemals sah! Nennt mich verrückt, doch ich will nur sehn und die Welt verstehn denn sie wird schon bald den Sanftmütigen voll und ganz gehörn

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Die Wolken fliehn und die Sonne scheint, eine neue Welt – voller Glück vereint, Hab so was gehört – ich könnt es schwörn! In einer Welt voll Blumenkindern, bekäm ich auch nen Liebeskuss! Es wär egal wie lang es dauert, doch es wär ein Muss! Doch… Pompey: Bitte! Gebt mir eine Chance! Ich bin auf eurer Seite! Ihr hasst Caesar doch genauso wie ich! Silva: Shhh! Seid leise! Willst du, dass man uns beide umbringt? Pompey: Ich habe eine bessere Idee! Lasst uns beide leben! Und ich, Pompey von Pompeji, werde euer Sklave werden! Der beste Rüstungspolierer, Giftweintester, Geheimnisbewahrer und „Ich kratz euch dort, wo ihr nicht hinkommt – Sklave!“, den ihr jemals gesehen habt! Ich folge euch bis ans Ende des Imperiums! Silva: Genau dahin schickt uns Caesar! In die trostlose Wüste von Judäa! Pompey: Das Heilige Land! Silva: Nur Christen nennen es so! Pompey: Ja, ich traf mal einen Christen, der mir davon erzählt hat – kurz bevor er an die Löwen verfüttert wurde. Also – was sagst du? Daumen hoch oder Daumen runter? Bitte – kein Schwertstich! Bitte – verschont mich! Bitte – ich leb so gern! Werd nie mehr klagen und nicht verzagen! Danke – ich hab‘s gelernt! Und bis zum Tag im Todestal, bleibt jedes Leben eine Qual! Doch wenn der letzte Vorhang fällt dann steht ihr auf und ruft: „Nochmal!“ Zeigt etwas Mitleid für den armen rührnden Bettler! Ich seh doch jetzt erst, was ich immer schon begehr! Ein bisschen Leben noch – ich bitt euch Herr! Nein, ich will mehr! Nur ein wenig mehr!

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Silva: Okay – pack deine Sachen Pompey von Pompeji. Wir gehen nach Masada. Pompey: Das Heilige Land!

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Szene 3

Masada – einige Monate später. Die einst so öde Festung ist nun üppig bewachsen mit Vegetation und voller Leben.

Nr. 6a: Frei

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Rebellen: Frei – das Feld bestelln und frei das Korn zu ernten! Frei – trinken wir Wein! Das ist der Traum vom Paradies, so wie der Herr es uns verhieß! Hier wird Masadas Friede schein weit weg von Roms brutaler Pein! Römische Fanfaren erklingen. Die ängstlichen Rebellen versammeln sich auf dem Wall der Festung Jeremiah: Jetzt sieh selbst! Auf mich wolltest Du nicht hören – und auch nicht auf Gott. Aber vielleicht wirst Du einer GANZEN Römischen Armee zuhören! Naomi: Mein Gott! So viele Soldaten! Aaron: Eine ganze Legion! Jeremiah: Es gibt nur noch einen Weg unser Leben zu retten. Sich ergeben und um Gnade flehen. David: Sie haben bereits den gesamten Berg umstellt! Jeremiah: Wenn ihr leben wollt, dann folgt mir!!! Eleazar: Nein! Sind wir so weit gegangen, um jetzt auf den Knien zu den Füßen eines Tyrannen zu kriechen und um Gnade zu winseln? Aaron: Er hat Recht! Ich bleibe hier bei Eleazar!

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David: Ich auch! Eleazar: Wir werden uns bewaffnen und wie Helden sterben. Jeremiah: Du meinst wohl – wie Hunde sterben! Eleazar verteilt Waffen. David setzt einen viel zu großen Helm auf und begleitet die bewaffneten Männer Naomi: Jeremiah hat Recht! Sie werden keine Gnade zeigen! Zu Aaron Nicht mal gegenüber unseren Kindern! Silvas Stimme ist vom Fuße des Berges zu hören Silva: Eleazar! Sieh – das ist die gesamte zehnte Legion von Rom! Wir sind 10.000 Soldaten und ihr seid nur eine Hand voll! Die Rebellen nehmen eine Kampaufstellung ein mit Speeren, Bögen, Schwertern, Steinen und alles andere, was man hier als Waffe benutzen kann Eleazar: Also wollen wir sie würdig empfangen! Öffnet die Tore! Tamara: Nein Vater – warte! Es gibt keinen Grund in einem aussichtslosen Kampf zu sterben! Wir kämpfen, um zu überleben! Also – lass sie doch versuchen, die Festung einzunehmen. Der Bergpfad ist viel zu steil und zu schmal für eine ganze Römische Legion. Und hier oben sind wir sicher – wir haben Nahrung, Wasser und die Waffen, um sie immer wieder abzuwehren. Also Vater – lass sie nur kommen! Masada wird IHNEN eine Lektion erteilen! Tamar: Für uns, gab‘s jahrelang nur Irrfahrt und Verfolgung! Hier sind wir jetzt – der Rest von uns starb grausam in der Schlacht! Tamar / Naomi: Wir leben noch! Doch niemand wird sich je an uns erinnern! Rebellen: So bauen wir – an diesem Ort hier – das Glück!

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Nr. 7: Masada

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Eleazar: Masada – Himmeltsor der Wüste, du bist Heim und Festung, du bist Schwert und Schild! Die Schönheit deiner weiten Grenzen, gibt uns Kraft zum Leben – bist ein Himmelsbild! Masada – du bist unser Streben, niemals aufzugeben, wir sind sicher hier. Masada – du schenkst uns die Freiheit, die uns andere nahmen, und wir danken dir! Tamar: Kein Weinen mehr! Die Rebellen können ihre Position behaupten, während die Römer erfolglos versuchen, die Festung zu stürmen. Rebellen: Und auch kein Fliehn! Wir werden vor der Tyrannei nie wieder knien! Kein Mann soll je, eines anderen Sklave sein! das Licht der Freiheit möge ewig für uns schein! Eleazar: Masada! Masada! Die Römer weichen zurück. Die Fanfaren blasen zum Rückzug. Rebellen: Masada – nur ein Schritt vom Himmel lebt der Gott der Wahrheit, du bist unser Herr! Masada – durch der Wolken Schatten – niemals mehr ermatten! und kein Klagen mehr! Nein, kein Klagen mehr!

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Nr. 7a: Masada Underscore und Caesars Brief

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(Silvas Zelt. Monate später. Silva tritt ein, er ist verwundet – Pompey und Salome kümmern sich um ihn und bedienen ihn.) Pompey: Ihr seid verletzt! Silva: Das ist nur ein Kratzer! Pompey: Ein ziemlich großer Kratzer, und er sieht aus wie eine Pfeilspitze. Silva: Jedes Mal, wenn ich versuche, meine Männer den schmalen Bergpfad hinaufzuführen – dann sind wir ein leichtes Ziel für die Pfeile der Rebellen – es gibt halt keine Deckung - und so langsam verliere ich das Vertrauen meiner Männer! Pompey: Sie stecken seit Monaten hier in diesem Wüstenloch! (zu Salome) Salome, sei so gut und hole bitte etwas Wein für den General! (Salome ab) Denkt mal nach, General Silva! Ihr seid der einzige Mann in dieser riesigen Legion, der sich eine Sklavin hält. Silva: Ach – lass sie doch denken, was sie wollen! Es gibt sowieso nur eine Frau, die ich jemals… Pompey: Ja?… nur weiter – BITTE – und erzählt mir alle Details. Silva: Niemals!!! Pompey: Oh! Es wäre auch wirklich vermessen von mir, eurem persönlichen Diener, mich in eure privaten Dinge einzumischen. Zum Beispiel – würde ich niemals fragen, wie sie heißt – wo ihr sie getroffen habt oder andere Dinge! Silva: Ich kenne ihren Namen nicht! Und ganz nebenbei – sie ist vermutlich längst tot. Und wenn nicht, dann wäre das wirklich ein wahres Wunder!!! Pompey: Aber auch die geschehen, General! Habt ihr noch nie von diesem Juden gehört, der von den Toten auferstanden ist? Silva: Pompey – das ist Christengeschwätz!!! Salome tritt zusammen mit Rufus ein. Salome: General Silva – ihr habt Besuch! Rufus: Heil Caesar!

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Silva: Rufus! Der Mann, der Jerusalem niedergebrannt hat! Rufus: Ja – und er wurde befördert! Ich bin jetzt Caesars Stadthalter in Judäa. Und diese elenden Rebellen werden nicht mehr lange über Masada herrschen. Du hast ja noch andere Eroberungen, mit denen du dich ablenken kannst! Silva: Rufus – Sie war ein Geschenk von Caesar - an mich! Rufus: Du weißt doch was die Griechen sagen, oder! Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul! Salome: General Silva ist mein erster Herr, der mir gegenüber immer respektvoll war. Rufus: Ja! – Ich zeige dir auch Respekt und vor allem den Ort, wo du hingehörst! Er wirft sie brutal zu Boden. Silva: Genug Rufus – was führt dich nach Masada? Rufus: Sehen wir mal - 16 Tonnen Lebensmittel, sechstausend Gallonen Wasser, also insgesamt 400 Kamelladungen durch diese schreckliche Wüste und das alles jeden Tag – JEDEN TAG – das ist es, was das alles hier kostet. Und Caesar unterstützt deine Armee weiter – egal womit – Pferde, Waffen – zu Salomé Unterhaltung. Und hier sind deine neuen Befehle – von Caesar höchstpersönlich. Er gibt Silva neue Befehle von Caesar – Caesar erscheint in Rom. Caesar: Ich gebe euch eine letzte Chance, Silva. Zuerst werdet ihr eine Rampe bauen, die bis auf die Bergspitze führt. Dann werdet ihr einen Rammbock hinaufbringen und die Festungstore von Masada damit in tausend Stücke zerschlagen, bevor ihr dasselbe mit diesen jüdischen Rebellen tut. Rebellen: Masada! Rufus: Caesar will sie alle tot sehen. Abgeschlachtet wie Vieh. So als ob sie nie existiert hätten. Rebellen: Masada! Rufus: Ihr habt Zeit bis zur nächsten Fors Fortuna – dann werde ich euch zurück nach Rom eskortieren – entweder im Triumph oder…. in Ketten!!! Alle gehen ab – Silva bleibt allein zurück.

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Nr. 8: Heil!

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Silva: Oh großer Caesar, gab mein Blut für euch, doch jetzt fordert ihr noch mehr! Ihr nennt euch selber einen Gott und doch nenn ich euch niemals Herr! Wo ist der Traum der Republik für den Roms Frieden einmal stand? Verbrannt zu Asche und das Blut der Toten klebt an eurer Hand! Heil! seid mir gegrüßt mit einem Heil! ihr bietet nur das Böse feil! Ich knie vor euch und ihr zeigt kein Erbarmen! Heil! Soldaten: Heil! Heil! Silva: Und wird mir auch der Sieg zuteil, Soldaten: Sieg Heil! Sieg Heil! Silva: trifft mich Roms Kreuz doch wie ein Pfeil! Soldaten: Sieg Heil! Sieg Heil! Silva: Und Caesars Nagel ist des Henkers Beil! Und ich hatte gehofft, dass das Schicksal mich fand, um die Welt zu verwandeln. mit Idealen so rein, die beschützenswert sind! Ach wie blind und naiv, denn das Grauen des Kriegs, zeigt die Schmach meines Handelns! Und dann seh ich zurück - war nur Roms Sklavenkind! Soldaten: Oh großer Caesar, ja wir folgen dir, denn du bis unser Herr! Silva: Die Rüstung fesselt mir das Herz!

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Soldaten: Und wenn wir sterben hier für Rom, begrüßen wir den Tod noch mehr! Silva: Die Riemen bringen mir nur Schmerz! Obwohl mein Schild den Todesstachel von mir hält – Soldaten: Bei Schwert und Schild sei hier geschworn: Wir sind Rom treu und seiner Macht! mit Stolz verteidign wir Roms Pracht! Silva: so nimmt er mir auch alle Freude dieser Welt! Doch wenn der Hass endlich zerbricht, sieht man ein menschliches Gesicht, das voll von Schönheit und doch fremd die ganze Welt für mich verändert! Wo bist du nur? Wüstenrose, du? Ohne dich, werd ich nur vergehn! Deine Augen, die mich verbrennen, die dunklen Augen, die mich ansehn… Tamar: Mein geliebter, mein ehrbarer Mann, gibt’s kein Weg für mich, dich nur zu lieben? Silva: …und nach Jasmin riecht dein Haar! Tamar: Durch das Schicksal getrennt, gibt es kein du und ich! Silva: Und ich atme dich, teile dieses Glück mit mir… Tamar: Und wie soll ich die Glut deiner Augen vergessen, die mir alles sagte? Silva: …dein Lied klingt in meinem Herz! Tamar: Doch mein Herz spricht die Wahrheit und die macht mich frei!

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Silva: …und ich bin nun endlich frei! Beide: Und ich wart auf dich, brenn für dich, wein um dich, kämpf um dich, Werd immer da sein, bei Tag und bei Nacht! Und ich sing für dich, schein für dich, leb für dich, sterb für dich, Traum meiner Liebe, der Traum ist… Silva: …fort! …denn sie ist tot und lange fort! und doch bleib ich an diesem Ort - bis Rom den letzten Funken Hoffnung hier zerstört, denn Soldaten: Heil! Sieg Heil, Sieg Heil! Silva: kein Traum kann mich noch retten! ich sterb in Caesars Ketten! Soldaten: Sieg Heil, Sieg Heil! Silva: Versuch die Hand zu heben, während ich hier todgeweiht verweil! doch sie zeigt nur ein Heil! Soldaten: Oh großer Caesar, ja wir folgen dir und grüßen mit Sieg Heil!

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Szene 4

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Plötzlich beginnen die elektrischen Lichter der Bühne an zu flackern und schließlich ganz ausgehen. Zugdepot. Die Szene geht weiter. Adam tritt nach vorne und richtet sich ans Publikum. Adam: Keine Panik, meine Damen und Herren! Bleiben Sie einfach ruhig auf Ihren Sitzen! (Daniel erscheint mit einer Taschenlampe) Daniel: Meine Damen und Herren, bitte! Bleiben Sie ruhig und tun Sie, was er sagt – wir haben nur ein kleines technisches Problem. Adam: Bitte – seid alle leise – sonst können wir nicht hören, ob es sich eventuell um einen bevorstehenden Luftangriff handelt! (Alle werden ganz still – ein spannungsvoller Moment – dann hört man die Pfeife eines sich nähernden Zuges in einiger Distanz) Daniel: Es ist nur ein Zug – Gott sei Dank – sie müssen die Zugstrecke repariert haben! Adam: Ein Zug…!!! Daniel: Es ist war nur ein Stromausfall – nichts weiter! Adam: Daniel – verstehst Du denn gar nichts! Du weißt, was das bedeutet! Adam zieht sein Kostüm aus Daniel: Was hast Du vor? Rebecca: Adam!!! Adam: Ich kann nicht länger hierbleiben! Er geht ab – Rebecca folgt ihm. Daniel: Meine Damen und Herren. Während des Blackouts geht unser kleines Stück mit Kerzenlicht weiter und das solange bis der Strom zurück ist – naja – das kennen sie ja – also zumindest die jüdischen Ehemänner hier im Publikum kennen das ganz bestimmt – das ist ungefähr so, als ob ihre Frau zurück in den Raum kommt - meist sehr spannungsreich und meist unangenehm elektrisierend… Nachdem wir nun wieder in Masada sind, sind mittlerweile einige Monate vergangen. Die Rampe, die vom Römischen Feldlager auf die Spitze des Berges führt ist nun fast fertiggestellt. Morgen wird der große Rammbock die Tore der Festung erreicht haben. Aaron hatte nachts versucht, die Festung zu verlassen und den Rammbock in Brand zu stecken. In der Festung erwartet Naomi, Aarons Frau, sehnsüchtig seine sichere Rückkehr, als ich, Eleazar ihr die schrecklichsten Nachrichten überbringen muss, die man sich nur vorstellen kann.

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Nr. 9: Ich bin das Licht!

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David: Eleazar? Naomi: Wo ist Aaron? – (Pause – Eleazar kann die Antwort nicht geben) – Eleazar? David: Wo ist Vater? Naomi: Wo ist mein Mann? Eleazar: Sie haben ihn gefangen genommen! Naomi: Nein!!!! David: Das bedeutet seinen sicheren Tod! Naomi: Eleazar – sie werden ihn kreuzigen!!! David: Bitte Eleazar – sie dürfen ihn nicht kreuzigen – er ist mein Vater! Naomi: Weit weg von hier, ein Licht bricht durch die Nacht, zu dem Friedensbaum ganz sacht, auf einem Berg, über dem Schlachtfeld. Doch Tag für Tag, die Menschen ihn nicht sehn‘, doch sein leises Flehn‘ ist wie der Flug der Friedenstaube ins Licht! Ich bin das Licht, mein Leuchten ist ein Traum, wie der Friedenstaube Flaum, schweb ich im Wind und schenke Hoffnung! Sie werden sehn‘, wenn der Flügelschlag sie streift, dass die Liebe reift zu einem Schwert, das alles Dunkle zerbricht! – Das Theater von außen – Adam erreicht den Umschlagplatz, als Rebecca ihn einholt.

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Rebecca: Adam – was hast Du vor? Adam: Geh wieder rein, Rebecca – bitte! Rebecca: Du verlässt uns nach der Hälfte der Aufführung - und das, obwohl mein Vater gelogen hat, um dein Leben zu retten! Adam: Das ist es nicht – ich hätte schon vor Wochen gehen sollen! Rebecca: Was willst du denn tun? Wenn Blick herausfindet, dass mein Vater einem Widerstandskämpfer versteckt hat, dann ist meine gesamte Familie tot! wieder ist die Pfeife eines Zuges zu hören Adam: Hörst du das? Es geschieht wirklich – und viel früher als ich dachte! Rebecca: Wovon redest du? Adam: Dafür ist jetzt keine Zeit – ich muss wirklich gehen – und du würdest mir eh nicht glauben, wenn ich es dir sage! Ein Leichenkarren fährt vorüber – Adam erkennt eine der Leichen! Oh mein Gott! Nein! Nein! Rebecca: Ist das dein Bruder? Adam: Sie haben ihn getötet! Sie haben meinen Bruder getötet! Jetzt habe ich niemanden mehr! Rebecca: Das stimmt nicht! Du hast mich noch! Adam rennt davon – Rebecca bleibt allein zurück Naomi: Hell wie ein Stern, scheint mein Frieden von fern, zu dem Menschen, der für die Liebe lebt! Der Baum strahlt so rein, in dem Licht meines Scheins‘, wenn sich die Taube erhebt und jede Trauer begräbt!

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Und ein vertrautes Heim bleibt sicherlich kein Traum, denn er wird wahr im Schatten dieses Baums! Rebecca tritt wieder auf, um mitzuspielen - sie legt ihren Mantel ab. David: Tamar! Sie werden meinen Vater kreuzigen. Tamar: Wenn er stirbt, wird auch ihr General sterben. Tamar: Ich bin das Licht, doch bleibt die Dunkelheit, trotz Blut und Todesleid, schwebt weiter Staub über dem Schlachtfeld! Und ich muss sehn‘ die Leben, die vergehn‘, wie mein Traum, mein Baum, gefällt und zerlegt, wird jetzt ein Kreuz, das Todesqualen verspricht! Naomi / Tamar: Wann wird die Welt es verstehn‘? Kann sie mein Licht denn nicht sehn‘? Doch mein Friedenstraum bleibt, bis das Grauen zerfällt! Diese Hoffnung verweilt, bis zum Ende der Welt! Und so schein, ich voraus, bis die Dunkelheit bricht! Ich bin das Licht!

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Szene 5

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Nr. 9a: Römisches Lager

Das römische Feldlager. Diese Nacht. Pompey beobachte Silva, während er Wein trinkt und seine Soldaten ausgelassen mit Sklavinnen spielen. Silva: Du siehst Pompey – jetzt bin ich nicht mehr der einzige Mann in dieser Legion, der sich eine Sklavin hält. Pompey: Wie mitfühlend von Euch, General Silva – euren Männern eine wilde Orgie mit Wein und Sklavinnen zu spendieren und das am Vorabend eines Massakers. Silva: Masada fällt bei Tagesanbruch! Mögen die Götter mit mir sein!

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Pompey: Die Götter? – wofür solltest du die nötig haben? Du hast 10.000 bluthungrige Soldaten unter deinem Kommando, die nur darauf warten die Tore dieser Festung zu zerschlagen. Wenn du mich fragst, dann sind es diese armen Juden, die in der Festung eingeschlossen sind, die etwas göttlichen Beistand nötig haben! Silva: Du kennst meine Befehle. Töte sie alle – ALLE!!! Pompey: Auch die Frauen und Kinder? Silva: Caesar giert es nach jüdischem Blut! Pompey: Aber es sind menschliche Wesen – General Silva? Silva: Denkst du ich weiß das nicht? Die einzige Frau, die ich jemals wirklich geliebt habe – kam aus Jerusalem. Pompey: Könntest du sie auf Caesars Befehl hin töten? Silva: Ich habe es dir schon einmal gesagt – SIE IST TOT! Ich kann nichts mehr tun, außer für ein Wunder zu beten. Pompey: Na – das ist doch mal eine gute Idee! Silva: Okay – Du betest – ich trinke! Silva geht ab – die Musik geht weiter. – Silvas Zelt – dieselbe Nacht. Pompey tritt ein und kniet sich hin. Pompey: Hilf ihm, Vater. Hilf ihm, die Courage zu finden, die er braucht! (Er neigt seinen Kopf, er betet und bekreuzigt sich) Pompey: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Er betet weiter, während sich hinten am Zelt der Vorhang teilt und Rufus schließlich auftritt. Er hat alles mit angehört. Rufus: Was für ein bewegender Moment des Glaubens! Pompey: Rufus! – ich habe euch erst morgen zurückerwartet.

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Rufus: Ja! Und am Vorabend von General Silvas großem Triumpf, zu meiner großen Überraschung, da finde ich seinen treuen Diener hier kniend in dieser doch so kompromittierenden Situation. Wachen! Wachen! Silva tritt herein – begleitet von Soldaten. Silva: Was geht hier vor? Was machst du hier, Rufus? Rufus: General Silva, ich verlange die sofortige Kreuzigung dieses Sklaven! Silva: Mit welcher Begründung? Rufus: Ist das nicht die Strafe, die Caesar befohlen hat? Die Strafe, die jeder Christ verdient hat? Silva: Pompey – du musst das bestreiten! Sag ihm, dass du kein Christ bist! Sag es einfach! Bitte! Pompey: Das kann ich nicht! Und ich will es auch nicht! Ich bin ein Christ! Rufus: Also, General Silva? Worauf wartet ihr dann noch? Silva: Ich bringe ihn zurück nach Rom. Dann kann Caesar über sein Schicksal entscheiden. Bringt ihn weg. Silva bleibt nichts anderes übrig als zuzusehen, wie seine Soldaten Pompey abführen.

Nr. 9b: Heil! (Reprise)

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Rufus: während er abgeht Heil Caesar! Silva: Nein! Er stirbt am Kreuz das darf nicht sein! Die Mühlen Roms‘ sind meine Pein! Doch ist’s egal, ob ich zermahln‘ werd oder selbst mahl… Mein Streben hat doch kein‘ Sinn, da ich schon längst wie sie bin! Oh Götter könnt ihr mich erlösen, denn nur Schuld wird mir zuteil! doch ihr sprecht auch nur….

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Eine verhüllte Gestalt erscheint hinter einem Vorhang von Silvas Zelt. Sie tritt hinter Silva – man sieht einen Dolch, der sich langsam hebt. Silva entreißt der Gestalt den Dolch – erhebt sich und will sich wehren, ist jedoch geschockt als er Tamar erkennt. Sie ist ebenfalls geschockt, als sie ihn erkennt. Silva: Du!?? Tamar: General Silva!?? Er hält immer noch den Dolch in den Händen – ihm ist schwindelig. Silva: Wie ist dein Name? Tamar: Tamar. Silva: Tamar. Tamar: Ich dachte, ihr wärt in Rom! Silva: Und ich dachte, ihr wärt tot! Er schaut ihr in die Augen und sie versucht verzweifelt, ihm zu widerstehen.

Nr. 10: Fern von hier!

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Silva: Ganz verlorn‘ einsam in der Wüste, hört' ich Dich im Traum „Komm zu mir, ich bin nah!“ und dann hast du mich gefunden! Du bist hier so wie ich’s erträumte, fühl‘ der Liebe Kraft. Doch wir bleiben getrennt und ohne Hoffnung meist. Und obwohl ich dich spür, darf ich dich nicht kennen, wenn Freund und Feind uns trennen, durch Hass in jedem Wort, der mich zerreißt. Fern von hier bin ich deine Zuflucht und du bist mein Licht!

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Fern von hier und vom jetzt komm‘ wir fliehn‘ zu dem Ort, wo die Liebe den Hass zerbricht! Tamar: Bitte sieh mich nicht so an, weiß nicht, wie ich‘s sagen kann. Lass mich sterben oder lass mich gehn‘. Aus dem Traum bist du erwacht, und er hat dich blind gemacht, doch auch ich kann ihm nicht widerstehn‘. Dort stehst du, so wie ich’s erträumte, lügt mein Herz mich an Fern von hier und vom jetzt, ist es wahr oder nicht? Du bist hier so wie ich! Silva: Sieh mich an! Du bist meine Liebe! Tamar: So wie du für mich! Silva: Doch steht jeder für sich, getrennt durch dieses Tor. Doch im Auge des Sturms, bleibt unser Traum am Leben, wird uns die Kraft gegeben und unsere Liebe steigt ganz hoch empor! Tamar / Silva: Sieh mich an! Meine Welt ist deine und wir sind befreit! Silva: Ich spür dich in meinem Arm, Tamar: schau dir auf der Seele Grund, Silva: fühl den Herzschlag, der mich tief berührt!

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Tamar / Silva: Und im Fieber träumte ich: Ja – du küsstest mich zärtlich, bis mein Herz nur noch das deine spürt! Fern von hier und vom jetzt komm‘ wir gehn‘ komm‘ wir fliehn‘ wir sind frei, denn ich liebe dich! Sie küssen sich – während das Publikum applaudiert, kommt hinter der Bühne im Zugdepot zur selben Zeit Blick mit zwei seiner Soldaten herein. Blick: Freunde – jetzt, wo gleich Pause von eurem kleinen Theaterstück ist – habe ich noch wirklich gute Nachrichten für euch, über die ihr in aller Ruhe nachdenken solltet. Euer Leiden hat ein Ende. Wenn ihr wollt, dann könnt ihr das Ghetto morgen früh verlassen. Ein neues Leben erwartet euch im Osten, wo wir Deutschen ein wirklich schönes Lager für euch gebaut haben – mit Bäumen, Blumen und Vogelzwitschern. (Im Hintergrund hört man wieder einen Zug näherkommen, doch diesmal ist das Geräusch lauter und bedrohlicher) Ihr werdet euch morgen früh auf dem Umschlagplatz einfinden um genau null – sieben – hundert. Und als Bonus erhalten alle, die freiwillig gehen, einen großen Laib Brot und ein Kilo Marmelade. Das Licht eines Zuges kommt immer näher. Jeder von euch darf einen Koffer mitnehmen. Und vergewissert euch, dass ihr alle Wertsachen, wie Gold, Silber, Schmuck und Uhren, sowie Brillen, Lederschuhe, Pelze und Familienerbstücke mitnehmt Zugbremsen quietschen und während Blicks Stimme übertönt wird, donnert der Zug ins Depot. Ende Akt I

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Akt II

Szene 1

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Dieselbe Szene wie am Ende des ersten Aktes – alle haben dieselbe Position – Lola fehlt – Blick und seine Soldaten sind nicht mehr da. Wir befinden uns backstage ca. fünf Minuten später. Das Licht geht langsam an und wir sehen alle Darsteller wie vorher – sie sind aufgeregt und die Szene muss sehr intensiv und lebendig wirken. Max: Brot! Izzy: Brot! Was für ein schönes Wort! Adolph: Ist das wirklich wahr? Wir können das Ghetto verlassen? Sarah: Ja, Vater. Wir werden in ein Lager im Osten gehen! Leon: Was für ein Lager? Daniel: Ihr seht – alles, was man braucht ist ein kleiner Krümel Hoffnung! Max: Ein Krümel?! Er sprach aber von einem ganzen Laib! Jan: Morgen ist Sabbat. Am Ende haben wir Brot für das Tischgebet! Vielleicht schickt uns Gott endlich ein kleines Wunder! Adolph: Jetzt klingst du wirklich wie der Sohn eines Rabbis! Daniel: Habt ihr den Witz gehört über Hitler und den Segen des Brotes? Izzy: Ja – das ist mein Witz! Daniel: Ein jüdischer Vater bringt seinem Sohn den Segen über das Brot beim Tischgebet bei. Er sagt: „Heutzutage in Polen spricht man den passenden Segen so – Wir danken Gott und Hitler für das Brot!“ Da fragt der Sohn „Aber Papa, glaubst du Hitler wird sterben?“ Leon: Da sagt der Vater: „Ok – dann dank einfach nur Gotts sei Dank!“ Izzy: Oh mein Gott – erst der Vater – jetzt auch noch sein Sohn!

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Rebecca: Vielleicht finden wir auch Mama wieder, wenn wir in das Lager gehen! Leon: Glaubst du wirklich? Rebecca: Ich bete, dass sie die ganze Zeit dort auf uns wartet! Leon: Ich hole die Musik-Box, die ich von ihr habe! (Leon geht ab, Lola betritt die Szene, sie umklammert den Pelz, den sie am Anfang des Stückes verloren hat) Otto: Na sieh mal einer an – da hat wohl jemand seinen heißgeliebten Pelz wiederbekommen! Lola: Ich tue nur alles, um zu überleben! So wie ihr es auch alle tut! Sarah: Kein Zweifel – sie musste darum betteln! Auf den Knien? Daniel: Sarah – bitte! Rebecca: Lola – wie konntest du nur? Lola: Sieh mich nicht so an! Ich habe keinen Widerstandskämpfer, der mich wärmt! Adam: Der Mantel wird dich auch nicht retten. Er wird genauso enden wie dieser hier. Er wurde mir auf der anderen Seite des Ghettos verkauft, obwohl er meinem Vater gehörte! Daniel: Verkauft – ich verstehe nicht! Adam: Er trug ihn an dem Tage, als er plötzlich verschwand. Und so wie diesen bekommt man heute viele solcher gebrauchten Kleidungsstücke später – und sie kommen aus „Lagern“ wie dem, von dem Blick gesprochen hat. Dieses Lager ist ungefähr 100 km von Warschau entfernt bei einem kleinen Dorf namens Treblinka. Die Züge fahren dorthin mit Juden aus Warschau – Juden wie wir. Und dann kommen sie zurück – ohne Juden aber gefüllt mit Schuhen, Brillen, Hüten, Haaren – und Mänteln. Rebecca: Ich verstehe das nicht! Adam: Du meinst, du willst es nicht verstehen! Rebecca: Mir egal – ich werde morgen mit diesem Zug fahren – um meine Mutter wiederzufinden!

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Adam: Ja? – dann sieh einfach nach oben, wenn du in Treblinka ankommst! Dann kannst du sie sehen in einem Himmel voller Asche – du kannst sie alle sehen – Mütter, Väter, Schwestern, Brüder…. Rebecca: Nein! (alle sind geschockt über die Adams Wahrheit, als Leon mit der Musik-Box zurückkommt) Leon: Kann ich das hier wohl ins Lager mitnehmen? (Alle schweigen) Was ist los? Ist Mama doch nicht dort? Adolph: Daniel? Daniel: Doch sie ist ganz sicher dort! Und wenn wir dort ankommen, dann rate mal, wo wir alle zusammen hingehen werden? Leon: Wohin?? Daniel: Auf einen Jahrmarkt mit einem Zauberkarussell!

Nr. 11 „Den Himmel spürn“

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Daniel: Glaub mir fürwahr, ganz himmelsnah, da gibt’s nen Jahrmarkt und der öffnet, das ganze Jahr! Mit nem‘ Wunschbrunnen und mit Ballons, mit viel Tanz und Musik – voller Pracht und voll Glanz! Doch – hoch in der Luft durch Zauberkraft siehst du das magische Glühn‘ eines Traum-Karussells. Jan: Jedes Kindergesicht leuchtet hell, denn es dreht Izzy: sich so schnell und steigt hoch, weit hinauf in das Licht, Max / Sarah: dessen Glanz durch die Baumkronen bricht! Adam: Ja und wir, die da hier noch stehn, könns‘ nicht sehn!

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Rebecca: Nimm nur meine Hand, vertrau dem Band, wir schweben durch die Nacht! Frauen: Ohne Sorgen hier, ganz frei sind wir, wer hätte das gedacht! Männer: Und noch höher geht’s, denn wir wolln‘ stets, ohne Angst die Welt berührn! (Die Darsteller benutzen Gegenstände und Requisiten des Theaters, um die magische Welt des Traumkarussells wahrwerden zu lassen – dabei heben sie Leon in die Luft.) Alle: Und so wolkennah, wird ein Traum wahr, wenn wir den Himmel spürn‘! Flieg ein Stück mit mir, dann zeig ich Dir, dass wir ganz sicher sind! Wenn die Angst verfliegt, hast du gesiegt, und lächelst frei im Wind! Daniel: Also sei dabei, wenn wir ganz frei, diesen Zaubertrick vollführn‘! Alle: Und der Weg geht weiter, wenn wir ganz heiter – hier den Himmel spürn‘! Daniel: Hand in Hand wir gehn‘ und zusammenstehn‘, Alle: wenn wir den Himmel spürn‘! SS-Hauptsturmführer Blick erscheint plötzlich mit zwei SS-Soldaten, er ist wütend und schlägt Daniel brutal ins Gesicht, er blutet und geht zu Boden. Leon: Papa! Blick: Daniel Warschowsky – dachtest du, du könntest ihn vor meinen Augen verstecken und einen totalen Narren aus mir machen?

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Rebecca: Herr Hauptsturmführer, bitte… Blick: Keine Sorge „Fräulein“. Ihr bekommt gleich meine Spezialbehandlung…. Adam: Rühr sie nicht an! Blick: Oh – nicht einmal der Herr Widerstandskämpfer kann dir nicht widerstehen. (zu Lola) Gib ihr den Mantel! Sofort! Lola Aber wir hatten eine Abmachung! Blick: Die meisten Spitzel verhalten sich etwas weniger auffällig! Sarah: Du hast uns alle für einen dämlichen Mantel verraten? (Lola versucht über den Seitenvorhang zu fliehen. Blick feuert sein Pistole ab. Sie fällt zu Boden und ist tot. Die Wachen ziehen sie hinaus.) Blick: Wer ist der Nächste? Es gibt genug Patronen für jeden von euch! Adam: Das ist keine Drohung mehr Herr Hauptsturmführer. Sie alle wissen, was sie erwartet – ich habe ihnen alles über Treblinka erzählt! Blick: Aber vielleicht gibt es auch eine Alternative. Wir könnten einander helfen. Daniel: …einander helfen? Blick: Ihr alle könnt das Ghetto morgen früh verlassen – aber nicht nach Treblinka, sondern nach Zürich. Ich persönlich werde für jeden von euch Papiere bereitstellen, die euch als Juden von Wert für das Deutsche Reich Immunität zusichern. Sarah: Danke, Herr Hauptsturmführer! Max: Ja – danke, Herr Hauptsturmführer – danke, danke! Daniel: Und was müssen wir dafür tun? Blick: Nur euer Theaterstück heute Abend beenden!

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Daniel: Ich – ich verstehe nicht. Blick: Wir wollen doch nicht unser Publikum enttäuschen – oder ihr Misstrauen schüren – oder? Adam: Ihr meint wohl eher – ihren Verdacht erregen! Und das wäre schon tragisch, wo ihr doch morgen früh ihre ganze Kooperation braucht, um sie in Ruhe und ahnungslos in den sicheren Tod schicken zu können. (Blick schlägt Adam mit dem Gewehrkolben in den Magen. Er geht auf die Knie und krümmt sich vor Schmerzen) Blick: (zu Daniel) Ich würde vorschlagen, dass du einen Weg findest, dein Ensemble etwas besser zu kontrollieren – zumindest so lange, wie noch Zeit ist ihr Leben zu retten. Wenn die Aufführung heute Abend gut über die Bühne geht, dann garantiere ich euch die Freiheit morgen früh und die sichere Ausreise nach Zürich. Und euer Publikum bekommt Brot und Marmelade. Bis zum Ende der Pause erwarte ich deine Entscheidung – Daniel Warschowsky. (Blick geht ab – die SS-Soldaten folgen ihm) Adolph: Wir müssen das Stück zu Ende spielen! Otto: Natürlich werden wir das – ansonsten wird er uns alle töten! Max: Also – ich kann nicht da rausgehen und schauspielern. Izzy: Also alles wie immer! Otto: Wir werden dieser Hölle entkommen – ist euch das allen klar! Sarah: Und wir bekommen Pässe – wir können nach Zürich ausreisen! Izzy: Freiheit! Sarah: Und…Schokolade!!! Daniel: Das macht uns allen zu Mittätern! Sarah: Nein, Daniel – es macht uns zu Überlebenden! Daniel: Überlebende? – indem wir Blick vertrauen? – Glaubt ihr wirklich, dass es uns besser ergehen wird als Lola?

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Izzy: Er hat Recht – die Chancen stehen eine Million zu eins gegen uns – einige Dinge werden sich halt nie ändern! Sarah: Vater – rede du mit ihm – bitte! Es ist zumindest eine Chance! Adolph: Daniel – du kannst die Welt nicht retten – aber du kannst deine Kinder retten! Daniel: Vater – wie kannst du so etwas sagen – Blick erwartet, dass wir jeden Menschen in diesem Ghetto verraten. Welches Recht haben wir, zu überleben, wenn sie alle in den sicheren Tod gehen? Otto: Wir können wirklich gar nichts tun… Adam: Doch – wir können Widerstand leisten! Otto: Und womit bitte? – mit unseren nackten Händen? Die Nazis haben Gewehre und Panzer – wir dagegen haben gar nichts! Daniel: Akzeptiert die Wahrheit. All diese Menschen (er zeigt auf das Publikum) werden morgen in die Züge steigen und das nur, weil sie an eine Lüge glauben… Sarah: Und was sollen wir deiner Meinung nach tun? – auch sterben? Wenn du auf der Titanic gewesen wärst, hättest du nicht alles getan, um in ein Rettungsboot zu kommen? Da ist es Daniel! Hier ist unser Rettungsboot – es ist genau vor dir! Also lass uns einsteigen, solange wir noch die Chance dazu haben – BITTE! Rebecca: Papa – was sollen wir jetzt tun? (Wartend auf eine Antwort, friert das gesamte Bild ein. Wir sehen Daniel in einem einzelnen Spot)

Nr. 12 „Der letzte Lacher“

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Daniel: Was sollen wir jetzt nur tun, Papa? Was sollen wir jetzt nur tun? Gäbs wirklich eine Antwort, wär sie weder schlecht noch gut! Was sollen wir jetzt nur tun, das fragt sie, was sag ich ihr nur zurück gibt’s kein Deus ex machina, der uns alle erlöst hier am Ende des Stücks? Erzähl‘ ihm einfach nen Witz, Papa, das verschafft uns etwas Zeit und mach es richtig lustig, und lass dir viel Zeit dabei.

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Mach‘, was du immer tust Papa, mach, dass uns keiner was tut! Du kennst den Witz, der uns rettet, du hast den Stolz und den Mut! (gesprochen) Na gut! (singt) Geht ein Nazi durch die Wüste, sitzt ein Jude dort im Sand, und er bittet ihn um Wasser, denn der Durst ist eklatant! Doch der Jude zuckt die Schultern, denn er hat kein Wasser mehr! „doch verkauf ich die Krawatte und der Preis ist wirklich fair!“ „Blöder Jude!“ brüllt der Nazi du denkst immer nur ans Geld! Die Krawatte brauch ich kaum, wenn mich der Durst zu Tode quält! Doch der Jude bleibt ganz freundlich: „Nur zwei Stunden Richtung Ost, ja dort findet ihr ein Gasthaus – bester Wein und feinste Kost!“ Doch zurück kriecht er nach Stunden, und der Durst, der quält ihn noch. „Mein Freund, das Gasthaus hat nen Dresscode dort, die Krawatte kauf‘ ich doch!“ (Zäsur) Warum nur dieses Spiel, Papa? Hilft uns das wirklich hier raus? Vielleicht dient es der Wahrheit, dass sie ohne uns vergehn‘! Verlier nicht den Mut Tochter, spiel den Part, den du musst, und wir täuschen sie bis zum Schluss! Erzähl‘ uns noch nen Witz Warschowsky, denn wir warten schon! Am besten über Juden, Daniel, der Spott ist dann dein Lohn! (gesprochen) So – ein kleiner Junge kommt aus der Schule und erzählt seiner Mutter, dass er eine Rolle in dem neuen Schultheaterstück bekommen hat. „Mazeltov!“ sagt sie, „welche Rolle hast Du bekommen?“. „Ich spiele den jüdischen Ehemann!“ – Die Mutter blickt ganz finster drein und sagt dann „Du gehst sofort zurück und sagst, dass du eine Sprechrolle haben willst!“.

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(Zäsur für Applaus) Wartet! Ich habe noch Millionen solcher Witze! Einen für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind hier im Ghetto! (gesungen) Genug von den Witzen, Daniel, denn du langweilst mich schon sehr! Ich nehm‘ dir die Familie weg, dann hast du gar nichts mehr Ach wär ich einfach Al Jolson, in New York, wo niemand fragt. Warum singt der Jude „Mammy“? von der Wahrheit nicht geplagt! Oder könnt ich wie Houdini einen Zaubertrick vollführn‘, so dass alle meine Liebsten sicher wärn‘ und kein Leid spürn‘ bist nicht Jolson, nicht Houdini du bist bald vergessen hier, niemand kennt mehr deinen Namen, keine Spur bleibt mehr von dir! Ich bin doch kein Held, ich bin ein Mensch Überleben ist mein einz’ges Ziel Ich wollte für sie nie ein Moses sein ich wollte niemals dieses Spiel Ich schrieb dies Stück, damit sie sehn wie sich die Hoffnung dann erhebt mag sein, sie sitzen hier in Dunkelheit doch spürn‘ sie auch, die Liebe lebt! Und durch den Witz, weiß ich, ich bin ich kann nur das und bin noch da! Denn wenn du lachst, weißt du, du lebst auch wenn’s dein letzter Lacher war! Ihr Nazis liebt es, mit viel singen, tanzen am Schluss ist das Judenpack tot Judenpack tot…. Judenpack…. tot…. Meine Tochter, meine Schwester, Freunde, jeder hier im Saal, wenn ihr mich fragt, was wir tun solln‘ ja dann gibt’s nur eine Wahl. So wie Jolson und Houdini kämpf ich nun ganz unbedacht lachend werden wir bestehen in der langen dunklen Nacht! Die Szene geht weiter – das Freeze löst sich. Blick kommt zurück mit den SS-Soldaten.

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Blick: Warschowsky, deine Zeit ist um – wie hast du dich entschieden? Sarah: Daniel? Daniel: Auf geht’s – worauf wartet ihr – nehmt alle eure Plätze ein! Unser Publikum wartet auf den 2. Akt!

Nr. 12 a: Akt 2 Masada

Die Musik beginnt, Blick geht sichtlich zufrieden ab.

Szene 2

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Die Aufführung wird fortgesetzt. Silvas Zelt im römischen Lager. Tamar liegt in Silvas Armen. Sie rührt sich. Leise nimmt sie ihren Dolch. Silva: Tamar! Er entreißt ihr den Dolch. Tamar: Du hättest mich besser töten sollen letzte Nacht. Tu es jetzt! Silva: Wie könnte ich die Frau töten, die ich liebe! Tamar: Und wie kann ich den Mann lieben, den ich eigentlich hassen sollte? Der Römische General, der uns alle abschlachten wird! Silva: Ich habe euch Gnade gewährt! Eine Chance zur Kapitulation. Jetzt ist es zu spät! Caesar will Blut. Entweder meines oder das von Eleazar! Tamar: Eleazar? Aber er ist…. Rufus: (von außerhalb des Zeltes) General Silva! Silva: Versteck dich! Silva versteckt sie hinter einem Vorhang Rufus: Heil Caesar! Silva: Ich habe euch nicht gerufen, Rufus! Was wollt ihr?

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Rufus: Verzeiht, dass ich so hereinplatze, aber es gab leider niemanden, der mich hätte ankündigen. Silva: Und wessen Schuld ist das? Rufus: Ach ja richtig – Pompey – er sitzt im Gefängnis und betet zu Jesus! (Rufus entdeckt den Dolch von Tamar) Silva: Ich habe keine Zeit für so etwas! Was wollt ihr Rufus? Rufus: Ich dachte es wäre gut für die Moral der Männer, wenn wir diesen jüdischen Rebellen noch vor der Schlacht kreuzigen. Tamar: Oh nein, nicht Aaron! Rufus greift nach dem Dolch Silva: Nein, wartet! Rufus: Gut, gut! Ich bin gespannt, was Caesar dazu sagen wird! Tamar: Was? – ihr seid ein Narr! Caesar wird wohl eher erfreut sein, dass Silva den hohen Preis für eine blutige Schlacht vermeiden wollte. Deshalb habe ich mich mit General Silva hier heimlich getroffen – um ein Treffen zwischen ihm und meinem Vater zu verabreden – Eleazar! Silva: Er ist euer Vater? Tamar: Ja – und es ist unsere einzigen Hoffnung. Werdet ihr ihn treffen heute Nacht bei Sonnenuntergang? Silva: Wenn ich zustimme, wird er es auch tun? Tamar: Aber nur, wenn ihr die Kreuzigung absagt und Aaron verschont! Rufus: Verschonen? Silva: Ihr werdet den Rebellen nicht anrühren, Rufus. Das ist ein Befehl! Rufus: Aber General…

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Silva: (unterbricht ihn) Schweigt! Ich unterstehe Caesar und ihr Rufus untersteht mir. Vergesst das nicht – das IST ein Befehl!

Nr. 12b: Szenenwechsel zum Gefängnis

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Szene 3

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Das römische Lager. Etwas später. Eingesperrt in einer Zelle sitzt Pompey zusammen mit dem gefangenen jüdischen Rebellen Aaron. In der Ferne errichten römische Soldaten ein Holzkreuz. Pompey pfeift im Takt der Hammerschläge. Aaron: Würde es dir was ausmachen, wenn du… Pompey: Was meinst du? Aaron: Das Pfeifen! Pompey: Oh – entschuldige! Aaron: Ich bin ein kleinwenig… Pompey: …angespannt? Aaron: Ja! Pompey: Ich verstehe! Aaron: Und was ist mit dir? Hast du keine Frau und einen Sohn, die du vielleicht niemals wiedersehen wirst? Pompey: Glaub mir, wenn ich mit dir den Platz tauschen könnte, dann würde ich es sofort tun! Aaron: Warum? Man wird dich nur nach Rom zurückbringen – mich wird man jedoch kreuzigen! (Nachdem sie das Kreuz fertiggestellt haben, kommen die Soldaten zurück und trinken etwas Wasser aus einem Eimer) Aaron: Bitte! Nur ein kleines Schlückchen! BITTE! (Ein Soldat füllt die Kelle mit Wasser und hält sie dann außerhalb der Reichweite von Aaron über seinen Kopf. Schließlich schüttet er das Wasser auf die Erde. Die Soldaten lachen – dann gehen sie ab)

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Aaron: Vielleicht habe ich ja Glück und ich verdurste hier einfach! Pompey: Das weißt du schon, was dein Problem ist, oder? Wenn du den Eimer dort siehst, dann siehst du ihn halbleer. Aber wenn ich ihn ansehe… Aaron: Du bist nicht jüdisch, oder? Pompey: Wie kommst du darauf? Aaron: Du bist ein wenig zu fröhlich! Pompey: Aber ich war nicht immer so! Glaub mir, mein Leben war ein langer spiritueller Weg.

Nr. 13: Lass dich nicht stör’n!

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Pompey: …ein langer Weg… meist ungepflastert und mit Tausenden von Schlaglöchern! (singt) Pompey: Ich betete zu Jupiter, doch der war halt kein Zeus und Hades war nicht Fisch nicht Fleisch doch das war auch nichts Neu’s. Aphrodite war ‚ne Niete, Eros brachte mir kein Glück Adonis selbstverliebt war, doch von ihm war ich entzückt Und auch Apoll es doch nicht sein soll, Poseidon lebt zu tief, da saß ich nun bei Hypnos und ganz friedlich ich einschlief! Doch dann kam ein Typ aus Nazareth den fand ich wirklich richtig nett, und die Sache mit dem Glauben wieder lief! So hast du dein Altes Testament mein neues kam hinzu! Und wir Christen sind nur Anhänger war‘n Juden, so wie Du?

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Damit uns Gott nicht noch mehr straft, lach mich nicht aus ich bete mal zu ihm dann hilft er dir hier raus. Will nicht störn‘ du bist beschäftigt ich bin ein Niemand es geht ganz schnell Will nicht störn‘ Du hast auch Sorgen Ich will nur fragen, ganz generell denn mein Freund hier, ist ein Vater Ehemann auch, das wusstest du, wenn du ihn verschonst, dann lass ich dich in Ruh! Du und ich, soviel gemeinsam nur eins ist anders, aber nur eins! Lieber Gott, sieh meinen Freund hier, er hat Probleme wie einst dein Sohn! Und ich dachte ja du als Vater siehst ihn mit Augen wie’s ein Vater tut! Und erinner‘ dich zurück, was geschah war nicht so gut! Er hat ne Frau Aaron: Ich hab‘ ne Frau Pompey: Er hat nen Sohn Aaron: Für meinen Sohn Pompey: Verschon ihn nun Aaron: Verschon mich nun

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Pompey: Vater unser… Aaron: Vater…wie…was? Warte! Pompey: (gesprochen) Whoops… (nicht auf Note!!!) (jetzt weiter auf Melodie) falsches Gebet! Aaron: Doch wenn es geht! Aaron / Pompey: find‘ einen Weg! Aaron: Nur eine Sache noch von mir, wenn du mir hilfst, dann hilf auch ihm! Aaron / Pompey: Hör‘ unser fleh‘n! Hilf uns hier raus Lass dich nicht störn‘! Pompey: (gesprochen) Es war wirklich nett, mit dir zu reden! (zu Aaron) Sag etwas! Aaron: Amen!

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Nr. 13a: Szenenwechsel nach Gefängnis

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Szene 4

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Masada. Später am selben Morgen. Die Rebellen bereiten sich auf die römische Belagerung vor. Eleazar: Tamar! Jeremiah: Erst hast du Aaron in Gefahr gebracht – und nun deine eigene Tochter? Eleazar: Ich habe dir gesagt, dass ich keine Ahnung hatte. Sie handelte aus eigenem Antrieb. Tamar! Tamar: Hier bin ich Vater! Eleazar: Gott sei Dank. Wo warst du so lange? Tamar: Ich habe mich letzte Nacht in das römische Lager geschlichen, um General Silva zu töten – aber ich konnte es nicht! Naomi: Du konntest es nicht – warum nicht? Er wird meinen Ehemann kreuzigen! Tamar: Nein wird er nicht – er ist ein guter Mensch. Und er wird Aaron verschonen. Naomi: Aaron lebt? David: Vater lebt! Tamar: Ja! Naomi: Dank sei Gott. Tamar: Vater – General Silva will einen Friedensvertrag mit dir aushandeln. Jeremiah: In unserer dunkelsten Stunde wurden unsere Gebete doch noch erhört. Eleazar – du hast unser aller Leben riskiert – nun hast du die Chance, uns alle zu retten. Eleazar: Das ist nur ein Trick, um mich in eine Falle zu locken! Tamar: Nein Vater – du kannst Silva vertrauen. Naomi: Du nennst ihn Silva? – Oh mein Gott, du warst die ganze Nacht bei ihm.

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Nr. 14: Drohendes Unheil!

Szene 5

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Das römische Lager – ein wenig später. Während die Soldaten ein Manöver durchführen, erscheint Rufus. Rufus: Männer – hört mir zu – Silva trifft sich bei Sonnenuntergang mit Eleazar. Wenn die Rebellen sich ergeben, wird es morgen kein Massaker geben. Sind unsere Truppen zu Tausenden hier in Wüste gestorben, damit unser geliebter General eine Jüdin lieben kann? Sollen sich diese jüdischen Rebellen noch weiter vermehren und ausbreiten können? Ich sage – es kostet Opfer, ein echter Römer zu sein – echte Römer – so wie wir. (Die Männer stimmen zu) Also – wir haben alles, was wir brauchen: Holz, Nägel und – einen jüdischen Gefangenen – (noch mehr Zustimmung) Gut – dann lasst uns anfangen! Heil Caesar! Männer: Heil Caesar! Rufus: (singt) Lasst dies Kreuz eine Warnung sein für diese elenden Juden, dass wir nun als Herrscher hier stehn. Soldaten: Herrscher hier stehn! Rufus: Und was nun getan werden muss wird getan eh‘ die Juden die Welt übernehm‘ Soldaten: Juden die Welt übernehm‘ Rufus: Wir müssen jetzt und hier das Ungeziefer verschling‘ eh ihm die Welt gehört! Soldaten: Das Ungeziefer! Rufus: Sie sind die Krankheit, die Silva befall’n hat und unser Reich bald schon zerstört doch nun hab ich Neuigkeiten für dies Judenpack jetzt wo man Rache schwört Soldaten: Jetzt wo man Rache schwört!

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Rufus: Silva kriecht nur und gibt auf dann, ist ein Führer, der nicht führn‘ kann während wir die Toten unter uns beklagen. Doch er zögert, währ’nd wir sterben denn sie sind unser Verderben es wird Zeit sie an ein großes Kreuz zu schlagen Das Lied geht auf der Bühne weiter. Szenenwechsel – Backstage versammelt Daniel den Rest des Ensembles. Daniel: Meine Freunde. Dies hier ist nicht länger nur ein Theaterstück. Die Rebellen auf Masada hatten dieselbe Wahl, die wir jetzt haben – entweder sie retten ihr Leben oder sie stehen für das ein, woran sie glauben. Sarah: Wir gehen in die Schweiz. Daniel: Aber unser Publikum wird nicht in die Schweiz gehen. Und sie gehen auch nicht in ein wunderschönes Lager. Versteht doch – wir müssen sie warnen! Adolph: Sie warnen? Max: Hier von der Bühne aus? Adolph: Dann kannst du auch gleich Selbstmord begehen! Daniel: Der Weg, den die Rebellen für sich wählten, schickte eine klare Botschaft nach Rom. Wir können die gleiche Nachricht schicken – nach Berlin. Sarah: Wir sind aber keine Figuren in deinem Stück, Daniel! Daniel: Nein, das hier ist unser Leben – ich weiß. Ich habe einen Plan – hört mir bitte alle zu! Sarah: Du hast kein Recht, über unser aller Leben zu entscheiden. Daniel: Das weiß ich. Wenn am Ende unseres Stückes alle Rebellen auf Masada tot auf der Bühne liegen – dann steht wieder auf, wenn ihr meiner Meinung seid. Steht auf und alle da draußen werden uns hören. Sarah: Und wenn einer von uns – auch nur einer von uns nicht aufsteht? Daniel: Dann werde ich gar nichts tun – und wir alle werden mit dieser Entscheidung - LEBEN!

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Soldaten: Tötet sie alle! Judenpack stirb! Drohendes Unheil naht! Herrscher hier stehn! Juden die Welt übernehm‘! Tötet sie alle! Judenpack stirb! Drohendes Unheil! Rufus / Soldaten: Jetzt wo uns hier Unheil droht müssen wir vor den Juden das Schicksalsschwert ziehn Wir wissen hier, wer wir sind, was zu tun ist bevor wir selbst vorm Schicksal fliehn‘ Rufus / Soldaten: Wir sterben nicht, doch ihr Tod ist in Sicht, wenn wir hier nun, das Richtschwert ziehn Rufus: denn wir folgen dem Ruf von Rom Rufus / Soldaten: wenn wir hier nun das Richtschwert ziehn!

Nr. 14a: Jeremias Gebet

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Masada. Ein wenig später. Naomi sieht von den Festungsmauern herab. Naomi: Nein! Sie haben Aaron gekreuzigt! David: Vater! Tamar: Ich verstehe das nicht. Silva versprach, dass er ihn verschone würde. Gibt es irgendjemanden hier, der mir glaubt? (Leise zu ihrem Vater) Vater? Hast du gar nichts zu sagen? Eleazar: Doch! Das Gebet für den Toten! Jeremiah: (betet, während die Szene weitergeht) Heilig und gelobt sei sein großer Name! Erhaben und geheiligt! Geehrt und gepriesen, sei der Name des heiligen Herrn!

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Szene 6

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Das römische Lager. Zur selben Zeit. Silva: Ist das wahr? Der jüdische Rebell wurde gekreuzigt? Rufus: Ja, General. Silva: Ihr wusstet, dass ich ihn verschonen wollte, oder? Rufus: Ja, General. Silva: Und obwohl Ihr das wusstet, habt Ihr bewusst meinen Befehl missachtet! Rufus: Nein, General. Ich wusste nichts davon, bis es zu spät war! Silva: Wenn es nicht Eure Schuld war, wessen war es dann? Rufus: Ich werde das sofort herausfinden, General. (Soldaten betreten das Zelt, sie tragen einen Körper eingehüllt in ein Leichentuch. Silva zieht das Tuch zurück, um das Gesicht zu erkennen.) Silva: Pompey! Rufus: Was? Wie konnte das passieren? Pompey: Zum Glück konnten Eure Männer uns nicht auseinanderhalten. (zu Silva) Bitte General, verschont den Rebellen – verschont Aaron, bitte! Silva: (zu den Soldaten) Lasst den Rebellen sofort frei! (zu Pompey) Warum hast du dich für ihn geopfert? Pompey: Er hatte mehr zu verlieren als ich! Silva: Ach, mein Freund…

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Pompey: Werd‘ nicht mehr klagen und nicht verzagen! Danke – ich habs‘ gelernt! (Pompey stirbt)

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Nr. 15: Ich ergeb‘ mich! Masada. Die Rebellen beklagen Aarons Tod, bis Rebecca und Naomi ihn am Fuße des Berges erkennen, wie er sich der Festung nähert. Die Rebellen jubeln, als er mit seiner Familie wiedervereint ist. Rebecca: Vater – sieh doch – es ist Aaron! Silva hat Wort gehalten! Naomi: Tatsächlich – das ist Aaron – sieh doch David – da kommt dein Vater! (Die Familie ist wiedereint – die Rebellen jubeln Rebecca und Eleazar gehen etwas aus der Szene heraus) Eleazar: Ich werde mich mit deinem römischen General treffen. Rebecca: Ich danke dir, Vater!

Szene 7

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Masada – am Fuße des Berges bei Sonnenuntergang. Rebecca rennt den Bergpfad hinunter, um Silva zu treffen. Tamar: Ich seh‘ dich an und ich ergeb‘ mich dein Blick hat mich gefang‘ die Welt für mich nun still steht! Silva: fühl deine Hand und ich ergeb’mich so nah bin ich bei dir, die Welt sich nur um dich dreht! Tamar: dein warmes Herz mit deiner Liebe ist mein Heim und ich bin frei in deinen Armen und ganz dein! Du kommst mir nah und ich bin machtlos, dir nur zu widerstehn, ich kann mich nicht entziehen! Silva: Und ich verlier‘ fast meine Sinne, doch fand ich hier mein Herz,

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Tamar / Silva kann dir nicht mehr entfliehen! Ich halte dich, du bist das Licht in meiner Nacht! ich bin ganz sicher, wenn dein Herz über mich wacht! und jede Wolke soll dir Glück und Schatten spenden so wie das Licht der Sonne will ich für dich schein‘ Und jeder Kuss verspricht dir: das hier wird nie enden! Ich bin ganz dein und du ganz mein! (Die Musik geht weiter – Eleazar kommt dazu – Tamar schweigt als die beiden Männer sich Auge in Auge gegenüberstehen.) Eleazar: General Silva, ich habe mir immer gewünscht, dass meine Tochter die Liebe findet – aber nicht in den Armen meines Feindes. Silva: Eleazar, Tamar hat die Liebe gefunden – und das in den Armen eines Freundes. (Silva nimmt Tamars Hand) Eleazar: Nichts als Worte! Silva: Nicht nur Worte! Morgen, wenn ihr euch ergebt, dann werde ich den Angriff abbrechen und werde jeden hier auf Masada verschonen. Tamar: Glaub ihm Vater – und vertrau ihm! Eleazar: Warum sollte ich das tun? Tamar: Weil ich ihn liebe – und er liebt mich! Tamar: Und jeder Atemzug besiegelt den Liebesschwur von mir, ich werd‘ dich immer lieben! Eleazar: Wie konntest du mir das nur antun, mein liebes Kind Silva: Und bis zum Tod wird‘ ich dich lieben, mein Herz gehört nur dir! ich werd‘ dich immer lieben! Eleazar: Doch ich kann das Licht auch sehn‘ wenn sie so glücklich sind

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Tamar: Ich werd‘ dich immer lieben Silva: Und unser Traum vom Glück, ich kann ihn endlich sehn! Tamar: Denn dieser Traum, ich kann ihn endlich sehn! Eleazar: Denn dieser Traum, ich kann ihn endlich sehn! Silva: Und ich verspreche dir, ich lass dich niemals gehn! Tamar: versprech‘, ich lass dich niemals gehn! Eleazar: Ich lass dich mit ihm gehn! Tamar / Silva: Ich halt‘ dich fest und ich ergeb‘ mich glaub nur fest an mich denn unsre Herzen komm‘ sich näher und berühren sich! Du bist mein Glück und ich ergeb‘ mich denn ich liebe dich! dieselbe Szene wie vorher

Nr. 15a: Der Kampf

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Rufus: (von draußen) Verräter! (Rufus erscheint mit vier römischen Soldaten) Silva: Rufus! Eleazar: Ich wusste es – es war eine Falle! Silva: Nein – ich schwöre es! Rufus: General Silva. Im Namen von Caesar verhafte ich euch wegen Verschwörung mit dem Feind. Die Soldaten ziehen ihre Waffen.

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Rufus: Tötet sie – alle! Silva zieht einen Dolch hervor und wirft sein Schwert zu Eleazar. Silva: Eleazar! Ein brutaler Kampf folgt, Silva und Eleazar töten einige der Soldaten. Rufus: Tötet sie – jetzt! Als Eleazar den letzten Soldaten getötet hat, treibt Rufus Silva in eine Ecke und will zuschlagen – doch plötzlich geht er zu Boden – man erkennt Tamar, die unerkannt hinter Rufus stand. Sie lässt ihren blutigen Dolch fallen. Tamar und Silva fallen sich in die Arme. Eleazar: Ihr habt mein Leben gerettet – ich danke euch Silva. Aber auf jeden Mann wie ihr es seid, kommen zehntausend, die so sind wie Rufus. Ihr könnt unser aller Leben verschonen, aber wirklich frei werden wir nur hier sein. Silva: Liebt ihr eure Freiheit denn mehr als euer Leben, Eleazar? Eleazar: Ihr bekommt meine Antwort bei Sonnenaufgang. (zu Tamar) Kommst du? Silva: Tamar? Eleazar: Du musst dich entscheiden – jetzt! Eleazar geht ab. Tamar und Silva sehen sich in die Augen

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Nr. 15b: Fern von hier! (Reprise)

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Tamar: Fern von hier bin ich deine Zuflucht und du bist mein Licht! Fern von hier und vom jetzt, komm‘ wir fliehn‘ zu dem Ort, wo die Liebe den Hass… (gehn ab)

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Szene 8

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Masada in der Nacht. Die Rebellen feiern das Passahfest. Jeremiah: So wie der Herr uns eins aus Ägypten führte Und so wie er das Meer vor uns weichen ließ wird uns in der Wüste speisen mit dem Manna er kehrt zurück wie er’s verhieß! (Jeremiah gießt Wein in einen Becher und stellt ihn auf einen Felsvorsprung ins Mondlicht) David: Wofür ist das? Jeremiah: Jedes Jahr zum Passahfest füllen wir einen Becher mit Wein für Elijah David: Wer ist Elijah? Jeremiah: Der Prophet des Friedens David: Aber er ist letztes Jahr nicht zu uns gekommen und das Jahr davor auch nicht! Jeremiah: Aber wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben Eleazar kommt dazu. Naomi: Eleazar! Die Musik stoppt. David: Wo ist Tamar? Eleazar: Meine Freunde, bei Sonnenaufgang ist der Rammbock vor unseren Toren. Unsere Waffen können gegen ihre nichts ausrichten. Wenn wir kämpfen, werden wir sicher sterben. Wenn wir uns ergeben, dann wird General Silva den Angriff abbrechen. Naomi: Er wird unser aller Leben verschonen? Eleazar: Ja! Jeremiah: Dank sei Gott!

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Eleazar: Ja, aber – (laut über ihrem Gejubel) – wartet – hört mir zu – lasst mich zu Ende sprechen! Er kann unsere Leben verschonen, aber er kann er kann Rom nicht daran hindern, den Rest von unserem Volk abzuschlachten. Jeremiah: Aber am Ende leben wir und sehen den nächsten Tag! Eleazar: Nennst du das – leben? Siehst du das denn gar nicht? In Rom werden wir die Letzten eines aussterbenden Volkes sein. Wir werden überleben, um ihnen als Sklaven zu dienen. Unsere Frauen werden ihr persönlicher Besitz sein. Und unsere Kinder werden weit ab von dem Land aufwachsen, das wir so lieben. Naomi: Aber was haben wir für eine Wahl? Am Ende werden sie aufwachsen. Jeder Tag, den mein Sohn lebt und atmet ist ein Segen für mich. Eleazar: Aber nicht, wenn das Leben keine wirkliche Bedeutung hat. Aaron: Unser Sohn ist Bedeutung genug! Naomi: Stell dir vor, es wäre dein Sohn, Eleazar! Sieh ihn dir, sieh ihn dir an… und dann sage mir bitte, was du tun würdest, wenn es dein Sohn wäre. Daniel: Ich würde sagen, mein liebes Kind, in einer besseren Welt überleben die Kinder ihre Eltern, ich lebe durch dich weiter und du lebst durch deine Kinder weiter. Wer wird um uns trauern, wenn wir gegangen sind? Niemand! Lasst uns gemeinsam daran erinnern, wofür wir uns auf diesem Berg aufgeopfert haben und welchen Preis wir bezahlen, um unsere Geschichte zu erzählen! Lasst uns zusammenstehen und gemeinsam in Würde sterben - hier und jetzt. Tamar erscheint

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Nr. 16: Masada / Die Wahl

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Tamar: Masada, Himmelstor der Wüste, du bist Heim und Festung, du bist Schwert und Schild. Masada, tröstest uns im Elend, und du heilst die Wunden, jeder Durst gestillt. Naomi: Erinnert, euer Glück im Mondlicht und des Friedens Schönheit in der freien Luft.

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Alle: Erinnert euch der wahren Treue, wenn ihr Wind euch einfängt, mit vertrautem Duft. (Eleazar verteilt die Dolche, die sie benutzen, um in Freiheit zu sterben, um nicht in die Sklaverei gehen zu müssen.) Eleazar: Vom Leben haben sie uns alles fast genommen. Wir leben nicht, wenn unsere Körper seelenlos vergehn‘. Nie mehr zurück! der einz‘ge Weg zur Freiheit liegt nun vor uns seht nicht zurück, wir finden im Tod des Lebens Glück. Alle: Kein Weinen mehr! Nie wieder fliehn‘ wir werden vor der Tyrannei nie wieder knien! ein Schritt, ein Weg doch wir sterben in Freiheit nun und werden würdevoll in deinen Armen ruhn‘!

Szene 9

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Masada. Vor den Festungstoren. Am nächsten Morgen. Sonnenaufgang. Die Musik geht weiter. Die Rebellen töten sich gegenseitig. Am Ende sind nur noch Eleazar und Tamar übrig, als Silva die Festungstore erreicht. Silva: Eleazar! Tamar! Öffnet die Tore oder ich werde sie einreißen lassen! Er wartet vergeblich auf eine Antwort, als Eleazar seine Tochter tötet, dann tötet er sich selbst. Silva kommt herein, er starrt ungläubig auf das sich ihm offenbarende Bild. Tote Familien liegen sich völlig friedlich in den Armen. Silva findet Tamar, die ganz nahe bei Eleazar liegt – er nimmt sie in den Arm und trauert – Masada endet. Nach einer Pause steht Sarah auf und legt ihr Kostüm ab, so dass man ihre Ghettokleidung sehen kann. Einer nach dem anderen vom Ensemble steht auf legt sein Kostüm ab, um Daniel beizustehen. Sarah: Masada – sei ein brennend Mahnmal für den Kampf der Hoffnung der Gefang’nen hier! Alle: Masada – du schenkst uns Vertrauen, auf dich können wir bauen wir erliegen dir!

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Masada – nur ein Schritt vom Himmel, werdet ihr erkennen, was den Tod bezwingt Wir schweben durch der Wolken Schatten, was wir niemals hatten Daniel gibt schließlich ein Zeichen, woraufhin eine Leinwand enthüllt wird auf der in großen Buchstaben steht: „STEIGT NICHT IN DEN ZUG EIN“. Daniel: und sind endlich frei! Alle: Wir sind nun frei! Blick stürmt mit einer SS-Einheit auf die Bühne und stoppt die Aufführung, die Musik stoppt. Blick: (brüllt) Hände hoch! Die Aufführung ist vorbei! An die Wand alle! (zu Rebecca) Und du kommst mit mir! (In dem ganzen Chaos nimmt Daniel Adam und Leon beiseite) Daniel: Vielleicht kannst du Rebecca noch retten! Versteck euch! (Daniel versteckt Adam und Leon hinter einem Vorhang und sie verschwinden im Schatten als Blick das Ensemble abführen lässt) Blick: Schafft sie nach draußen – alle! Rebecca: Lassen sie mich bei meiner Familie bleiben! (Er hält sie fest) Papa! Leon! Leon: Rebecca! (Leon kommt aus seinem Versteck und rennt von der Bühne – Blick zieht seine Waffe und zielt auf Leon – Daniel geht dazwischen) Daniel: Herr Hauptsturmführer! Ich bitte sie! Blick: Auf die Knie! (Leon kommt zurück und hat das Karussel dabei, das er vor Blick hinstellt) Leon: Hier! Bitte! Ich will nur meine Schwester zurückhaben! Blick stößt Leon zu Daniel rüber

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Blick: Du hast deine Wahl getroffen, Warschowsky Sich der Situation bewusst, legt Daniel seine Arme um Leon.

Nr. 16a: Den Himmel spürn! (a cappella)

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Blick: Schafft sie raus - alle! Als Leon an Blick vorbeigeht, hält er ihn fest. Alle werden nach hinten hinausgeführt – Rebecca bricht zusammen – kurz vor Ende des Liedes hält Blick Rebecca die Ohren zu – dann fallen sekundenlang Maschinengewehrschüsse. Rebecca: Nein!!! (sie geht zu Boden) Blick: Komm her! Als Blick sie mit roher Gewalt an sich zieht, kommt Adam aus seinem Versteck uns stürzt sich auf Blick. Sie kämpfen. Rebecca sieht wie versteinert auf die beiden Männer, die um Blicks Waffe ringen. Adam: Verschwinde, Rebecca – versteck dich! (Die Waffe wird im Kampf weggestoßen, als Blick Adam auf den Boden drückt.) Adam: Rebecca – die Waffe! Rebecca ist immer noch wie versteinert. Blick scheint den Kampf zu gewinnen – schließlich schlägt er Adam nieder, der benommen ist. Er bindet ihm die Hände und dreht ihn schließlich auf den Rücken. Dann sieht er ihm in die Augen und streichelt ihn zärtlich – dann beginnt er langsam ihn zu erwürgen. Plötzlich – doch ganz ruhig – geht Rebecca auf die Waffe zu und schießt auf Blick – sie leert das gesamte Magazin und lässt die Waffe fallen. Adam: Komm, Rebecca – wir müssen hier raus. Komm schon, Rebecca! (er versucht, sie mitzuziehen, doch sie bricht weinend zusammen) Rebecca: Es ist zu spät! Adam: Nein! Wir sind am Leben! Rebecca: Was spielt das für eine Rolle – sie haben meinen Vater getötet! Adam: Wir haben eine Waffe – und wir haben eine Chance zu entfliehen – unter der Ghettomauer durch!

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Rebecca: Fliehen? Du weißt, was da draußen wartet – gar nichts! Meine gesamte Familie ist weg! Adam: Nein! Rebecca, nein! (Als sie die Waffe nimmt, berührt sie das Karussell, das sofort anfängt zu spielen. – Sie starrt auf das Karussell)

Nr. 17: Stell es dir vor - Finale

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Adam: Stell dir vor Ein Ort, wo wir die Freiheit spürn‘ Rebecca: (gesprochen) Hör auf damit! Adam: Ein Ort an dem wir Liebe fühln‘ Rebecca: (gesprochen) Es ist zu spät! Adam wo die Hoffnung ganz nah ist und du selbst voller Licht bist! Rebecca: (gesprochen) Ich will nichts mehr sehen oder glauben! Adam: dann kannst Du die Welt berührn‘! (gesprochen) Und wer soll sich an sie erinnern, wenn du auch nicht mehr da bist? (singt) Denn du allein kannst Glaube sein! Ensemble: Stell es dir vor! Adam: Die Nacht erhellt von Sonnenschein Ensemble: Diese Träume im Leben, sollen Frieden dir geben, bis die Hoffnung wieder blüht. Rebecca: Stell es dir vor! Daniel: Und blicken wir auf dies zurück

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Ensemble: Stell es dir vor Daniel: erinnern wir uns durch dies Stück! denn wir standen hier aufrecht und wir blieben ganz aufrecht Rebecca: nur die Wahrheit schenkt dir Glück! Ensemble: Stell dir mal vor, die Liebe ist dir wohl bekannt glaub fest daran, bis dann ihr Flügel dich umspannt. Doch Glaube kann noch so viel mehr erträumen uns so sehr Visionen ohne Krieg der Schmerz in uns besiegt die Nacht so sternenklar das Grauen abwendbar keine Klagen, nur Lieder Licht von Kerzen kein Weinen weder Tod noch Verderben kein Morden kein Sterben Stell dir nur vor in tausend Jahrn‘ Daniel: Stell es dir vor! Ensemble: sind wir nicht mehr was wir einst warn‘ Daniel: Stell’s dir nur vor! Alle: Stell dir nur vor die Angst vergeht und Freiheit wieder hier besteht voll Lebensglück drum stell’s dir einfach vor! Ende des Musicals

Nr. 18: Ausgangsmusik

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