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BLICKE

Intendant: Prof. Hans-Christoph Rademann

12. bis 21. September 2014 Programmbuch

MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

BLICKE Grußwort .............................................................................................................................. 4 Orte / Datum .................................................................................................................... 6

❶ Annaberg-Buchholz ............................................................................................ 16 ÜBERBLICK ................................................................................................................... 18 Einführung ....................................................................................................................... 19 Stadtporträt ................................................................................................................... 24 ❷ Schneeberg .................................................................................................................... 26 LICHTBLICK ................................................................................................................. 28 Einführung ....................................................................................................................... 29 Stadtporträt ................................................................................................................... 34

❹ Zwönitz ................................................................................................................................ 48 EINBLICK ......................................................................................................................... 50 Einführung ....................................................................................................................... 51 Stadtporträt ................................................................................................................... 56 ❺ Grünhain ............................................................................................................................ 58 RÜCKBLICK .................................................................................................................. 60 Einführung ....................................................................................................................... 61 Stadtporträt ................................................................................................................... 66

FAMILIENKONZERT ............................................................................................. 36

❻ Lößnitz .................................................................................................................................. 68 BLICKERWEITERUNG .................................................................................... 70 Einführung ....................................................................................................................... 71 Stadtporträt ................................................................................................................... 76

❸ Eibenstock ........................................................................................................................ 38 AUGENBLICK ............................................................................................................. 40 Einführung ....................................................................................................................... 41 Stadtporträt ................................................................................................................... 46

❼ Freiberg ............................................................................................................................... 78 BLICK NACH INNEN ......................................................................................... 80 Einführung ....................................................................................................................... 81 Stadtporträt ................................................................................................................... 84


❽ Marienberg ..................................................................................................................... 86 BRITISH VIEWS ....................................................................................................... 88 Einführung ....................................................................................................................... 89 Stadtporträt ................................................................................................................... 94 ❾ Stollberg ............................................................................................................................. 96 BLICKKONTAKT ..................................................................................................... 98 Einführung ....................................................................................................................... 99 Stadtporträt ............................................................................................................... 104 ❿ Zschopau ....................................................................................................................... 106 AUSBLICK ................................................................................................................... 108 Einführung ................................................................................................................... 109 Die Ensembles ................................................................................................... 110 Stadtporträt ............................................................................................................... 113 ⓫ Schwarzenberg ...................................................................................................... 114 ANBLICK ....................................................................................................................... 116 Einführung ................................................................................................................... 117 Stadtporträt ............................................................................................................... 124

Sonderveranstaltungen, Begleitprogramm........... 128

Künstler-Biografien ................................................................................... 132 Konzert ① 12.9. ................................................................................................. 133 Konzert ② 13.9. ................................................................................................. 135 Familienkonzerte 13., 14.9. ..................................................................... 136 Musikalischer Festgottesdienst 14.9. ........................................ 137 Konzert ③ 14.9. ................................................................................................. 138 Konzert ④ 15.9. ................................................................................................. 139 Konzert ⑤ 16.9. ................................................................................................. 140 Konzert ⑥ 17.9. ............................................................................................... 142 Konzert ⑦ 18.9. ................................................................................................. 143 Konzert ⑧ 19.9. ................................................................................................. 143 Konzert ⑨ 20.9. ................................................................................................. 144 Konzert ⑩ 20.9. ................................................................................................. 144 Abschluss­gottesdienst 21.9. ................................................................. 145 Konzert ⑪ 21.9. ................................................................................................. 146 Impressum ................................................................................................................... 150 MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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GRUSSWORT

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Musikfreunde, herzlich willkommen zu unserem diesjährigen Musikfest Erzgebirge. Und damit herzlich willkommen zu zehn Tagen voller Musik, aber auch voller persönlicher Begegnungen, erholsamer Naturerlebnisse und wertvoller Einblicke in eine facettenreiche Kulturregion, in der Tradition und Moderne auf ganz natürliche Art und Weise miteinander verbunden sind. Vor zwei Jahren haben wir bei unserem Musikfest die tiefe Verwurzelung von Kompositionen, Künstlern und Lebenswegen im Erzgebirge erkundet. Darin spiegelte sich auch mein eigenes Kulturverständnis wider, in dem Herkunft, Überlieferung, Erfahrung und Identität immer eine gewichtige Rolle spielen. Auch in diesem Jahr hat das Festivalmotto »Blicke« letztlich etwas mit ganz persönlichen Erlebnissen und Themen zu tun. Da ist zum einen für mich der faszinierende Moment, wenn sich bei einer Fahrt ins Erzgebirge plötzlich hinter einem Hügel die

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atemberaubende Landschaft öffnet und weithin sichtbare Kirchtürme ein ganz starkes Gefühl der Vertrautheit wecken. Zum anderen suche ich intensiv nach der Bildlichkeit in der Musik, spüre den Motiven in den Werken nach und forsche nach Möglichkeiten, mittels Musik eindringliche Bilder zu formen, die sich auf den Zuhörer übertragen und dann in ihm ihre ganz eigene Wirkung entfalten. Aus diesen beiden Grundgedanken heraus haben wir ein Programm entwickelt, dessen Dramaturgie und künstlerische Qualität Sie sicherlich begeistern wird. Die Konzerte mit herausragenden Künstlerpersönlichkeiten und Ensembles der Gegenwart, mit traditionsreichen Chören der Region und mit experimentierfreudigen jungen Ensembles breiten vor Ihnen eine musikalische Landschaft aus, deren Erkundung ebenso lohnenswert ist wie das Erzgebirge selbst. Zwischen dem grenzübergreifenden Eröffnungskonzert und der Bilderflut des Abschlusskonzertes mit Haydns »Jahreszei-

ten« widmet sich jedes der Konzerte einer bestimmten Form des Blickes. Mit dem Bach Collegium Japan spüren wir der Bedeutung des Sehens in Kantaten Bachs nach, Dorothee Oberlinger führt uns mit Telemann zu unseren Nachbarn nach Tschechien und Polen, das türkische Pera Ensemble lässt zusammen mit dem Dresdner Barockorchester Werke des Dresdner Hofes in gänzlich neuem Licht erscheinen und im Stollberger Ballsaal wird der ›Blickkontakt‹ zur ›schönen Müllerin‹ gesucht. Wir haben unser Angebot für Kinder und Jugendliche erweitert. Junge Sängerinnen und Sänger können mit einer der besten Barock-Interpretinnen in einem Meisterkurs arbeiten. Und auch das beliebte ›Erzgebirgische Sängerfest‹ öffnet sich der jüngeren Generation: Erstmals wirkt ein erzgebirgischer Schulchor mit. Das Musikfest Erzgebirge mit seinen Konzerten, Begleitveranstaltungen und Vermittlungsangeboten ist nur möglich, weil


zahlreiche Menschen, Institutionen und Firmen an die Vision eines einzigartigen, europ채isch bedeutsamen Musikfestes Erzgebirge glauben. Ihnen und dem Kulturraum ErzgebirgeMittelsachsen, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Erzgebirgssparkasse, dem S채chsischen Ministerium f체r Wissenschaft und Kunst, enviaM, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, dem Mitteldeutsche Barockmusik e. V., der Johann-Andreas-Schubert-Stiftung, unseren s채chsischen und bundesweiten Medienpartnern, dem Kuratorium des Festivals und unserem Freundeskreis gilt mein besonderer Dank. Hans-Christoph Rademann Intendant des Musikfestes Erzgebirge

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1 1 Annaberg-Buchholz | 12. September 2014 Annaberg-Buchholz | 13. September 2014 2 Schneeberg | 13. September 2014 Grünstädtel | 14. September 2014 Intendant: Prof. Hans-Christoph Rademann

3 3 Eibenstock | 14. September 2014 4 4 Zwönitz | 15. September 2014 6 Lößnitz | 16. September 2014

5 Grünhain | 16. September 2014 5 6 Lößnitz | 17. September 2014 6 7 Freiberg | 18. September 2014 7 8 Marienberg | 19. September 2014 8 9 Stollberg | 20. September 2014 9 10 Zschopau | 20. September 2014 10 11 Schwarzenberg | 21. September 2014 11

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KUNSTGENUSS

im Zusammenklang von Landschaft, Architektur und Musik.

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GRUSSWORT

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Musikfreunde, als sächsischer Landtagspräsident und Schirmherr des Musikfestes Erzgebirge darf ich Sie herzlich zum nunmehr dritten Jahrgang willkommen heißen. Wir können uns gemeinsam auf bewegende und mitreißende Konzerterlebnisse inmitten einer faszinierenden Kulturregion freuen! Hans-Christoph Rademann und seinem Team, den Städten und Gemeinden, den Künstlern, Sponsoren und Förderern gilt mein ganz besonderer Dank. Vor zwei Jahren beschlossen wir in Schwarzenberg unser Festival mit einem Konzert, in dem sich eine dezidiert europäische Perspektive eröffnete. Nun wird diese Idee, das Musikfest Erzgebirge als ein mitteleuropäisches Kulturereignis zu etablieren, auf ganz wunderbare Weise weiterentwickelt. Neben der starken Verwurzelung in der Region tritt uns in diesem Jahr eine neue Facette der Geschichte des Erzgebirges vor Augen: Über Jahrhun-

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derte war das Erzgebirge auch ein Kulturraum, in dem Gäste und Fremde das Leben bereicherten – sei es als Arbeiter, als Gelehrte oder als Künstler. Immer mehr Musikliebhaber aus anderen Teilen Europas nehmen das Musikfest zum Anlass, um die Landschaft des Erzgebirges und die vielen Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Unser Festival wird hörbar vielsprachiger und hat sich endgültig als wertvolles Kulturgut Sachsens etabliert. Und mehr noch: Mit dem diesjährigen Festivalthema weitet sich der Blick – Konzerte bringen uns die vielfältigen kulturellen Verbindungen unserer Heimatregion mit den Nachbarn in Böhmen, in Polen, ja bis hin zum osmanischen Reich näher. Und wenn im diesjährigen Eröffnungskonzert ganz selbstverständlich Künstler aus Deutschland, Polen und Tschechien miteinander Werke von Jan Dismas Zelenka musizieren, lässt das nicht nur höchsten Kunstgenuss erwarten, sondern ist nach

den Verheerungen zweier großer Weltkriege, die vor 100 Jahren begannen, auch ein bemerkenswertes Signal dafür, wie die Musik Grenzen überwinden kann. Ich wünsche Ihnen und uns ein wunderbares Fest der Musik. Dr. Matthias Rößler Präsident des Sächsischen Landtags


GRUSSWORT

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Musikfreunde, Vorfreude ist bekanntlich die schönste aller Freuden. Verschiedenste Gedankenspiele, Vorstellungen, schöne Erinnerungen an Vergangenes und ein gewisses Maß an angenehmer Ungeduld – all dies macht dieses »kaum Erwarten können« für mich persönlich aus. Nur wenige Veranstaltungen vermögen es, diese besondere Freude in mir zu erwecken und vor allem über die Zeit hinweg zu bewahren. Ich freue mich auf das Musikfest Erzgebirge 2014! Es ist eine Pause in einer lauten und schnellen Zeit. Es ist Erholung von vielen Misstönen unserer Umwelt. Es ist melodische Stille. Die beeindruckenden Werke großer Meister, verbunden mit der Ehrfurcht einflößenden Atmosphäre unserer Sakralbauten, treten in eine belebende Symbiose und entfachen in den Zuhörern eine tiefe Entspannung. Nicht zuletzt spricht die Musik zu uns. Jedes Stück erzählt uns eine Geschichte – Note für Note und Mo-

tiv für Motiv. Diese zu vernehmen und zu verstehen, sollte unser Anspruch als Hörer sein. Wenn uns dies gelingt, eröffnen sich neue Perspektiven und, wie Herr Prof. Rademann in seinem Grußwort bereits sagt, erweitert sich der eigene Horizont. Dies vor allem unter dem Aspekt der kulturellen Verständigung der Regionen und Völker in Europa. Diese schöne Intention gab dem Musikfest sein diesjähriges Motto »Blicke«. Den Organisatoren, allen voran Herrn Prof. Hans-Christoph Rademann, gelang es mit dem Musikfest Erzgebirge bravourös, einen Rahmen für solch ansprechende und belebende Empfindungen und Gedanken bei uns im Erzgebirgskreis zu erschaffen. Das permanente Streben der Initiatoren nach Perfektion, verbunden mit einer künstlerisch meisterhaften Ausführung, ist der Schlüssel zum Erfolg. Ihnen spreche ich mit diesen Zeilen meinen Dank aus. Ebenso danke ich allen Förderern, Unterstützern und Medienpartnern, ohne die das Musikfest so nicht möglich wäre. Sie

alle leisten der Kulturlandschaft hier bei uns einen hoch geschätzten Dienst. Teilen Sie die Vorfreude mit mir, liebe Musikfreunde, und seien Sie alle mit einem herzlichen »Glück auf!« gegrüßt. Ihr Frank Vogel Landrat des Erzgebirgskreises und Kuratoriumsvorsitzender des Musikfestes Erzgebirge

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GRUSSWORT

Sehr geehrte Damen und Herren, das Erzgebirge ist eine traditionsreiche Kulturlandschaft. Geprägt vom Bergbau, war und ist es jedoch immer auch ein Hort der Musik, der Holzschnitzkunst und des Instrumentenbaus. Diesen Reichtum zu pflegen und zu mehren, ist das Anliegen von Hans-Christoph Rademann mit dem vor vier Jahren von ihm ins Leben gerufenen Musikfest Erzgebirge. Der große Zuspruch des Publikums und die Auftritte internationaler wie regionaler Künstler sind Bestätigung und zugleich Ermutigung für eine erfolgreiche Fortsetzung. Bereits zum dritten Mal begleiten Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Erzgebirgssparkasse das spätsommerliche Festival. Es strahlt weit über Sachsen und die Grenzregion hinaus. So gehen die »Blicke« unter dem diesjährigen Motto vom Erzgebirge bis nach Mitteldeutschland und darüber hinaus. Zugleich wird das Erzgebirge viele Blicke auf sich ziehen, wenn zwischen Eibenstock und Marienberg Musik, Architektur und Landschaft

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zum harmonischen Dreiklang werden. In diesem Jahr freuen wir uns mit allen Besuchern auf den Dresdner Kammerchor, die Kantoreien und Chöre des Erzgebirges unter Helmuth Rilling, das Bach Collegium Japan, Dirigent und Organist Masaaki Suzuki, die Sächsische Staatskapelle Dresden oder den Choir of King’s College Cambridge. Wir wünschen Ihnen landschaftliche, architektonische und musikalische Hochgenüsse beim Musikfest Erzgebirge 2014! Dr. Michael Ermrich Vorsitzender des Vorstands der Ostdeutschen Sparkassenstiftung Roland Manz Vorsitzender des Vorstands der Erzgebirgssparkasse


GRUSSWORT

Liebe Musikfreunde, Das Erzgebirge geht neue Wege. Einstmals bekannt als heimelige Berg- und Handwerksregion zeigt die Entwicklung eindeutig in Richtung vielfältiger Tourismusangebote und hochkarätiger Kulturerlebnisse. Da ist das Musikfest Erzgebirge eine Klasse für sich. Nicht nur die Künstler kommen von Nah und Fern, auch das Publikum kommt mit Fahrrad, Reisebus und Flieger aus ganz Europa in unser Kleinod. Und das ist gut so! An zehn dicht beieinanderliegenden Spielorten erwarten Sie elf musikalische Highlights in nur neun Tagen. Ein Musikfest eben und noch dazu ein farbenfrohes steht uns bevor. Blicken Sie mit in die Kirchen und horchen Sie auf! enviaM unterstützt das Musikfest von Beginn an und ist auch in diesem Jahr mit dabei. Mit dem Engagement für die Großveranstaltung im September dieses Jahres fördert enviaM das Gelingen eines Festes, dass seine überregionale Ausstrahlung schon jetzt entfaltet hat. Als führender regionaler Energiedienst-

leister in Ostdeutschland mit über 4.000 Mitarbeitern engagiert sich die enviaMGruppe da, wo wir leben und arbeiten. Gemeinsam gestalten wir die Energiezukunft für Ostdeutschland und nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung ernst. Kultur insgesamt und Musik im Besonderen ist für Mitteldeutschland weit mehr als ein Standortfaktor. Daher unterstützen wir das Musikfest Erzgebirge als Hauptsponsor und freuen uns, so eindrucksvolle BLICKE und Töne im Erzgebirge zu ermöglichen. Bei unserem Engagement legen wir besonderes Augenmerk auf die Jugendförderung. Dafür steht unser Nachwuchswettbewerb »enviaM – musik für kommunen« mit dem großen Finale im November. Doch zuvor lassen Sie uns gemeinsam das Musikfest Erzgebirge 2014 zu feiern! Viel Vergnügen wünscht Tim Hartmann Vorstandsvorsitzender envia Mitteldeutsche Energie AG MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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Unsere Energie für die Mozarts von morgen Um sein Talent zu entfalten, braucht jeder Künstler Energie. Energie in Form von Kraft und Motivation, Energie in Form von Unterstützung durch andere. Als führender regionaler Energiedienstleister in Ostdeutschland spenden wir gern die notwendige Energie für die Mozarts von morgen und das Musikfest Erzgebirge 2014. Mehr über unser kulturelles Engagement erfahren Sie unter www.energie-bewegt.de.

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Hohe Kunst braucht Freunde. Werden Sie Mitglied im Freundeskreis des Musikfestes Erzgebirge Binnen kürzester Zeit hat sich das Musikfest Erzgebirge zu einem wichtigen Bestandteil der Musikkultur Sachsens entwickelt. Der Zusammenklang von Landschaft, Architektur und Musik fasziniert und begeistert Besucher aus nah und fern. Bedeutende Medienpartner wie Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, MDR Figaro und die Freie Presse lassen das Musikfest Erzgebirge weithin sichtbar erstrahlen. Und in den ersten drei Musikfest-Jahrgängen konnten so bedeutende Künstler wie Philippe Herreweghe, Masaaki Suzuki, Annette Dasch, die Sächsische Staatskapelle Dresden, The Sixteen, die Regensburger Domspatzen oder die King‘s Singers im Erzgebirge begrüßt werden. Für die Zukunft brauchen wir Sie an unserer Seite – als musik­begeisterte und enthusiastische Freunde. Und als Förderer der Idee, im traditionsreichen Erzgebirge ein modernes, hoch­karätiges Musikfest zu entwickeln. Seien Sie herzlich willkommen im Freundeskreis des Musikfestes Erzgebirge. Kontakt: Dr. Oliver Geisler | Buchenstr. 6 | 01097 Dresden geisler@musikfest-erzgebirge.de | +49 (0)351 / 810 62 98

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Konzerte & Gottesdienste


KONZERT

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ANNABERG-BUCHHOLZ

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KONZERT

überblick

Freitag, 12. September 2014 | 20 Uhr Annaberg-Buchholz, St. Annenkirche Martina Janková · Sopran Isabel Jantschek · Sopran Wiebke Lehmkuhl · Alt Krystian Adam · Tenor Felix Rumpf · Bariton Dresdner Kammerchor Olaf Katzer · Einstudierung Barockorchester Wrocław Václav Luks · Dirigent

• Konzerteinführung 18:45 Uhr, Bergkirche Annaberg-Buchholz mit Dr. Andreas Bomba • Stadtrundgang 15 Uhr, Treffpunkt: Markt Liveübertragung durch MDR Figaro im Rahmen des ARD Radiofestivals

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KONZERT

programm

Jan Dismas Zelenka (1679–1745) Te Deum ZWV 146 für Soli, Doppelchor und Orchester – Pause – Missa Dei Filii ZWV 20 für Soli, Chor und Orchester

EINFÜHRUNG

Kunstvoll und kühn Jan Dismas Zelenka und die Kirchenmusik am Dresdner Hofmusik Seit rund 35 Jahren wird ältere Musik »historisch informiert« gespielt. Andere Instrumente, andere Klangvorstellungen, andere Spielweisen und andere Besetzungen haben seither den Blick vor allem auf – bis etwa 1750 komponierte – barocke und noch ältere Musik verändert. Wo einst eine Ebene mit viel Glanz oben und, sofern nicht geistlicher Natur und rund um Bach und Schütz angesiedelt, wenig Substanz darunter sich ausbreitete, schauen wir mittlerweile auf eine vielfältige, kleinteilige und lebendige Musiklandschaft, namentlich in Mitteldeutschland. Die vielleicht größte Leistung dieser Bewegung besteht in der Wiederentdeckung von Komponisten, die das Denken des 19. Jahrhunderts und mehr noch: des hier am Romantischen, dort an der Avantgarde ausgerichteten Musikbetriebs im 20. Jahrhundert aus dem Bewusstsein der Musikfreunde eliminiert hatte. Ein solcher Komponist ist Jan Dismas Zelenka. Erst seit etwa 1970, von einzelnen Pionierleistungen (genannt werden muss der Name des tschechischen Flötisten und Musikwissenschaftlers Milan Munclinger) in Prag vorbereitet, finden dieser Komponist und seine Werke stärkere Beachtung im Musikbetrieb; Notenausgaben, Aufführungen und Aufnahmen zeugen von einem handwerklich perfekten, fantasievollen Komponisten und von MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

Musik mit hohen individuellen Qualitäten. Zelenkas Werkverzeichnis wurde erst 1989 zusammengestellt und veröffentlicht; es zählt 252 systematisch geordnete Nummern, darunter knapp 190 zweifelsfrei als echt verbürgte Stücke; die Mehrzahl (173) bilden geistliche Vokalmusik aller Art, Mess- und Psalmvertonungen, Messeabschnitte, Motetten, Litaneien und Hymnen, Musik für den katholischen Dresdner Hofgottesdienst und seine liturgischen Bedürfnisse. Dieser Umstand hat die Entdeckung des 1679 in Böhmen geborenen Musikers zusätzlich behindert; geistliche Barockmusik in Deutschland kam im Schatten des Denkmals Johann Sebastian Bach lange Zeit nur schwer zur Entfaltung, während der Musikbetrieb Osteuropas, zu dem bis 1990 auch Prag und Dresden zählten, geistliche Musik generell nicht allzu groß schrieb. Über Zelenkas Leben wissen wir nicht viel, auch ein ihn porträtierendes Bildnis ist nicht überliefert. Der junge, 1679 geborene Mann wird bei seinem Vater, dem Organisten des mittelböhmischen Ortes Launowitz (heute: Louňovice pod Blaníkem), ersten Unterricht erhalten haben; eigenartigerweise gibt es aus Zelenkas Feder jedoch keine Kompositionen für Tasteninstrumente. In Prag besucht er das Collegium Clementinum, die Schule der

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Jesuiten. 1709 tritt er in die Dienste des kaiserlichen Statthalters Johann Hubert Hartig, im folgenden Jahr als Kontrabassist in die sächsische Hofkapelle ein. 1716 könnte er sich, in Begleitung des Kurprinzen Friedrich August, in Venedig aufgehalten und hier jene Anregungen von berühmten Komponisten wie Antonio Lotti und Alessandro Scarlatti erhalten haben, die sich in seinem Werk wiederfinden. Bis 1719 lebt Zelenka in Wien, wo er bei dem berühmten Meister des Kontrapunkts Johann Joseph Fux (um 1660–1741) studiert. Möglicherweise erlebt er am 20. Augst 1719 die Hochzeit des sächsischen Kurprinzen mit der habsburgischen Erzherzogin Maria Josepha. Danach beginnt sein Aufstieg, zweifellos begünstigt durch seine Konfession; erst 1708 hatte – der aus politischen Gründen zum Katholizismus konvertierte Kurfürst und König – August der Starke das Opernhaus am Dresdner Taschenberg zur Hofkapelle umfunktioniert und mit zusätzlichen Musikern, Kapellknaben und Instrumentalisten ausgestattet. 1723 schreibt Zelenka, im Auftrag des Collegium Clementinum, zur Krönung Kaiser Karls VI. zum böhmischen König, Musik zum Schuldrama Melodrama de Santo Wenceslao; bei der Uraufführung am 12. September in Prag wird er mitgewirkt haben.


Drei Jahre später legt er ein lückenloses, bis 1739 währendes Inventar aller bei der Dresdner Hofmusik musizierten Werke an. Nach dem Tode des Kapellmeisters Johann David Heinichen übernimmt Zelenka 1729 die alleinige Verantwortung für die Hofkirchenmusik. 1731 wird er als Kontrabassist »und Compositeur« bezeichnet; jedoch wird im gleichen Jahr Johann Adolf Hasse (1699–1783) ins Amt des Kapellmeisters berufen, eine Stelle, auf die Zelenka womöglich spekuliert hatte. Weil der gefeierte Opernkomponist es vorzieht, in Venedig zu leben (erst nach dem Amtsantritt Friedrich Augusts II. 1734 wird er geruhen, zusammen mit seiner Frau, der gefeierten Primadonna Faustina Bordoni, nach Dresden zu kommen), bewirbt sich Zelenka im November 1733 formal noch einmal auf die Stelle; er wird immerhin zum »Kirchen-Compositeur« ernannt und erhält 1736 eine Gehaltsaufbesserung. Dies ist insofern interessant, als sich bereits im Juli 1733 der Leipziger Director Musices, Johann Sebastian Bach, ebenfalls um ein »Prädicat von dero Hoff-Capelle« in Dresden beworben und in der Folge den neuen sächsischen Kurfürsten samt Familie mit einigen Huldigungskantaten beehrt hatte. Sicher steckte auch privates Kalkül und die Aufwertung seines Standes gegenüber dem

Rat der Stadt hinter diesem Eifer. Bachs Gesuch wurde im November 1736 auch positiv beschieden; er amtierte nun, wenn auch »von Hause aus«, also nicht mit Anwesenheits- oder anderen konkreten Pflichten versehen, als »Compositeur«. Welche Rolle Zelenka, der mit Bach persönlich bekannt war, hierbei spielte; ob er sogar bei einer Aufführung jener Missa, die Bach 1733 zusammen mit seinem Gesuch nach Dresden geschickt hatte (die Keimzelle der späteren h-Moll-Messe), behilflich war, wissen wir leider nicht. Wie Bach konzentrierte sich Jan Dismas Zelenka in seinen letzten Lebensjahren auf die Komposition exemplarischer Werke; es entstehen die drei »Missae ultimae« und zwei Litaneien, zuletzt 1744 eine Vertonung der Lauretanischen Litanei. Nach 1740 scheint er erkrankt zu sein; Zelenka stirbt am 23. Dezember 1745. Den Text des Te Deum vertonte Zelenka zweimal: ca. 1724 für fünf Vokalstimmen und Orchester (ZWV 145) und 1731 »a due chori«, für zwei Chöre also (ZWV 146); dieses Stück erklingt im heutigen Konzert. Es gilt als sicher, dass dieses großbesetzte und besonders festliche Werk von etwa einer halben Stunde Dauer zur Taufe der Prinzessin Maria Josepha in Dresden musiziert wurde. Bei einem solchen Anlass findet der aufs fünfte Jahrhundert, auf die Kirchenväter Ambrosius von Mailand oder auch Augustinus zurückgehende Lobgesang sicherlich seinen liturgisch passenMUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

den Rahmen. Die Worte »Salvum fac populum tuum Domine...« reduziert Zelenka, sicherlich geboten durch ein besondere, nicht durch musikalische Überhöhung zu »störende« liturgische Handlung, auf eine einstimmige, unbegleitete Intonation. Im Jahre 1740 packte Zelenka ein umfangreiches, ja: kühnes Messe-Projekt an. Es wird in der Musikgeschichte nur noch eine Parallele finden, bei Joseph Haydn nämlich, der rund fünfzig Jahre später für das Haus Esterházy sechs große Messen schreiben und formal damit einen wichtigen Schritt in Richtung »Konzertmesse« wagen wird. Vertonungen des vollständigen liturgischen Standardtextes in einem Umfang von mehr als einer Stunde Dauer hätten den Rahmen eines Gottesdienstes gesprengt und verlangten also nach Möglichkeiten, sie andernorts aufzuführen. Zelenka plante unter dem Titel Missae ultimae (Letzte Messen) ebenfalls sechs Werke. Die erste (Missa Dei Patris, ZWV 19) widmete er im September 1740 Gott-Vater; die zweite (Missa Dei Filii, ZWV 20) etwas später Gott-Sohn. Eine dritte, Gott-Heiligem Geist gewidmete, führte er nicht aus, ebensowenig die Nummern vier und fünf. Die 1736 komponierte Missa Sanctissimae Trinitatis ZWV 17, der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet, könnte in dieser Reihe stehen, wird aber von Zelenka nicht unter die Missae ultimae ge-

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zählt. Im Februar 1741 schließlich entsteht die Missa ultimarum sexta et forte ultimum omnia (ZWV 21), vielleicht, wie er befürchtete, (und wie sich zeigen sollte: tatsächlich) die letzte von allen. Torso geblieben ist nicht nur der sechsteilige Zyklus, sondern auch die Missa Dei Filii. Von ihr stellte Zelenka nur die Abschnitte Kyrie und Gloria fertig, beide in Form einer »Nummern-« oder »Kantaten-Messe«, bei der einzelne Textabschnitte in unterschiedlichen Formen und Besetzungen erklingen. Umfang und Aufführungsdauer dieser beiden – in drei bzw. sieben Sätze untergliederten – Stücke ähneln der »Missa« (Kyrie und Gloria) der Bachschen h-Moll-Messe – was Spekulationen anheizt, ob der Leipziger Kantor Zelenkas Projekt kannte und an ihm sogar Maß nahm. Der Missa Dei Filii fehlen also Credo, Sanctus mit Hosanna und Benedictus sowie das Agnus Dei, ein Hinweis auch darauf, dass diese Stücke nicht für den unmittelbaren Gebrauch in der Dresdner Hofkapelle konzipiert wurden. Die Proportionen der verbleibenden Sätze wirken kühn und, die Textverteilung betreffend, merkwürdig unausgewogen. Zwischen die beiden kurzen und identischen Kyrie-eleison-Stücke des Chores stellt Zelenka eine elegische Sopran-Arie ins Zentrum


(»Christe eleison«). Das Gloria beginnt mit einem ausladenden Instrumentalvorspiel; in diesem Satz voll schwungvoller Zuversicht verarbeitet Zelenka die erste Hälfte des gesamten GloriaTextes. Kunstvoll flicht er die gregorianische Intonation in die Musik ein. Die folgende zweiteilige Bitte um Erbarmen dessen, der die Sünden der Welt trägt, wird nach einer wiederum ausladenden Einstimmung zuerst vom Sopran, dann vom Duett der Männerstimmen eindringlich vorgetragen. »Qui sedes ad dexteram patris« verlagert die Bitte um Erbarmen auf den Chor. Zum Schluss folgen zwei, jeweils vom Chor knapp präludierte Satzpaare. »Quoniam tu solus sanctus« in Form einer virtuosen AltArie, »Cum sancto spiritu« in Form einer Fuge. Deren Thema und Gestus sind aus dem einleitenden »Gloria«-Satz in Erinnerung.

kirchlicher Schreibart kaum noch einen Unterschied machte. Belcanto und Fugen, Kontrapunkt und Konzertantes fanden zu einer wunderbaren Synthese. Ihr fortschrittlichster Meister ist der böhmische Compositeur Jan Dismas Zelenka. Dr. Andreas Bomba ist seit 2006 Intendant der Bachwoche Ansbach. Nach einem Studium der Romanistik und Geschichte arbeitete er u.a. beim Deutschen Musikrat und für die Internationale Bachakademie Stuttgart, wo er die erste Bach-Gesamteinspielung begleitete.

So sehr die Protestanten Sachsens den Konfessionswechsel Augusts des Starken beklagten, so sehr sie die aufrechte Glaubenshaltung ihrer Kurfürstin Christiane Eberhardine (für die Leipziger Trauerfeier nach ihrem Tod 1727 schrieb Johann Sebastian Bach eine imposante Festmusik!) bewunderten, so fruchtbar war die Konversion, aus heutiger Sicht, für die Kirchenmusik. Zur protestantischen Tradition von Choral, Kantaten und Motetten trat jetzt die moderne italienische Kunst, die zwischen weltlicher und MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

STADTPORTRÄT

Annaberg-Buchholz – eine Musikstadt Die Wurzeln der städtischen Musikkultur von Annaberg-Buchholz reichen zurück bis ins Jahr 1498. In der Annaberger Lateinschule, der St. Annenkirche und zu städtischen Festen entwickelte sich ein reges Musikleben. Noch heute werden in Kirchen, dem Eduard-von-Winterstein-Theater, dem Erzhammer, der Musikschule und im Bergmusikkorps »Frisch Glück« sowie in vielen Schulen und Vereinen die musikalischen Traditionen der Stadt gepflegt und in die Zukunft getragen. Heinrich Köselitz alias Peter Gast (1854–1918) aus Annaberg gelangte als Komponist, Schriftsteller und Vertrauter von Friedrich Nietzsche zu überregionaler Bekanntheit. Darüber hinaus verhalfen der Rechenmeister Adam Ries, der Bergbaugelehrte Lazarus Ercker, der Dichter Christian Felix Weiße und weitere Persönlichkeiten der Stadt in der Vergangenheit zu kulturellem Ansehen. In der Gegenwart stellt Annaberg-Buchholz als Hauptstadt des Erzgebirgskreises ein Zentrum von Wirtschaft, Kultur, Tourismus und Verwaltung dar. Ein breites Branchenspektrum sowie leistungsfähige Handwerksbetriebe prägen die Wirtschaftsstruktur. Vielfältige kulturelle Glanzlichter zwischen Tradition und Moderne bilden im Ensemble mit der traumhaften Lage am Fuß des Pöhlbergs ein attraktives Angebot für Entdeckungsreisen. Die vielfältige Museenlandschaft der Stadt wird seit 2010 um einen touristischen Magneten ergänzt: Die Manufaktur der Träume – Sammlung Erika-Pohl Ströher. Im Erlebnismuseum wird einzigartige erzgebirgische Volkskunst in faszinierender Weise inszeniert.

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Mit etwa 1.000 Exponaten aus über vier Jahrhunderten repräsentiert das Haus weltweit eine der größten Privatsammlungen. Ein immerwährendes Anliegen der Stadt ist es, kulturelle Wurzeln für ein breites Publikum erlebbar zu machen. Weihnachtlich-bergmännische Traditionen und Bräuche lassen in der Advents- und Weihnachtszeit in der Stadt eine Atmosphäre entstehen, die einzig und allein im Erzgebirge zu finden ist. Der Annaberger Weihnachtsmarkt sowie die große Bergparade am vierten Advent bilden dabei besondere Glanzlichter. Jeweils im Frühsommer lockt die Annaberger Kät, das größte Volksfest des Erzgebirges. Annaberg-Buchholz ist eine Stadt, die die Vielfalt des Erzgebirges in all ihren Facetten bündelt. www.annaberg-buchholz.de


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SCHNEEBERG

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KONZERT

lichtblick

Sa, 13. September 2014 | 18 Uhr Schneeberg, St. Wolfgangskirche Letizia Scherrer · Sopran Julia Böhme · Alt Lothar Odinius · Tenor Tobias Berndt · Bass Kantoreien und Chöre des Erzgebirges Erzgebirgische Philharmonie Aue Fabian Enders · Orchesterassistenz Helmuth Rilling · Dirigent

• ganztägig Aufstieg zum Kirchturm möglich

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KONZERT

EINFÜHRUNG

Gleichnishafte Lebenswege

programm

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) Paulus op. 36 (MWV A 14) Erläuterungen zu Mendelssohns Paulus durch Prof. Helmuth Rilling Aufführung Teil 1 und Schlusschor

Der folgende Text will nicht wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, sondern greift gleichermaßen aus der Forschung, aus der biblischen Überlieferung und der kirchlichen Tradition einige Fakten heraus, um die »Fragwürdigkeiten« – im Sinne der Würde, gefragt zu werden – der Lebens- und der Wirkungsgeschichte von Paulus anzusprechen. Der Leser mag sich angeregt oder aufgeregt fühlen, wieder einmal selber nachzulesen. Historisches oder Legende Sicher ist, dass Saulus ein gebürtiger Jude aus wohlhabendem Hause war, aufgewachsen in der Diaspora, also unter Nichtjuden, in Tarsus, einer Stadt weit entfernt von Israel im römischen Reich, bestens ausgebildet in der jüdischen Tradition. Als christlicher Missionar Paulus hatte er später keine Berührungsängste, sich mit seiner Botschaft auf dem »religiösen Marktplatz« seiner Zeit zu präsentieren. Seine Furchtlosigkeit brachte ihn – aufgrund »doppelter Staatsbürgerschaft« als Jude und Römer – bis vor den Kaiser. Sein Ende als Märtyrer bleibt historisch im Dunkeln. Paulus oder Jesus Paulus ist eine derart gewichtige Erscheinung in der Zeit unmittelbar nach Jesu Kreuzigung und in der Zeitspanne der Abfassung der Berichte und Briefe, dem späteren »Neuen Testament«, dass in der Wissenschaft zwischen paulinischer und jesuanischer Theologie unterschieden wird. Ein persönlicher Kontakt zwischen MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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EINFÜHRUNG

Jesus und Saulus hat vermutlich nicht stattgefunden. Bei den Briefen des Paulus müssen wir annehmen, dass sie nicht alle auf uns gekommen sind. Beim Hebräerbrief bleibt die Zuschreibung zu Paulus ohne Nachweis. Unklare Verfasserschaft oder nachträgliche redaktionelle Arbeit schmälern jedoch nicht die Relevanz der neutestamentlichen Zeugnisse. Sie wollen ja keine »Mitschriften« sein, sondern Auskunft geben über den Glauben der Schreiber und über Impulse zum Glauben, auch wenn diese Impulse nicht unbedingt in historischen Ereignissen liegen müssen. Die Texte können auch unsere Gegenwart erhellen, wenn wir sie als Sprungbrett zum eigenen Nachdenken im Horizont und in der Intuition des Alten und Neuen Testamentes reflektieren. Die Korrelation zwischen Jesus und Paulus zu bedenken: darum müht man sich in der sogenannten Hermeneutik, und die kennt viele Zugänge für das Verstehen religiöser Texte, bis sie ein Licht werfen auf uns heute und unser Bedürfnis nach Transzendenz.

spüren von untergetauchten Christen hervortat und dazu auch das weitere Umfeld von Jerusalem aktiv absuchte. Bei so einer »Christenjagd« stürzt er vor Damaskus hin und zeigt Symptome, die man heute als einen epileptischen Anfall diagnostizieren würde: Er empfindet sich von einer Lichterscheinung geblendet und hört eine Stimme, die sich als Stimme Jesu zu erkennen gibt: Saul, was verfolgst Du mich? (Apg. 9) Saulus deutet diesen Einschnitt als ein Stop-Signal Gottes. Überraschend schnell zeigt er Einsicht, Reue, Umkehr und Wiedergutmachungswillen. Wir Menschen nutzen unsere schöpferische Begabung, unsere Kreativität dazu, Ereignisse, Zufälle, Schicksalsschläge, Lebenssituationen mit Bedeutung aufzuladen, ihnen Sinn einzuhauchen. Manchmal liegt dieser Sinn auf der Hand, manchmal wird er mühsam und »um drei Ecken« herbeigeholt. Objektivität ist dabei auch nicht gefragt, wohl aber Verantwortung – soweit man darin geübt ist, sich selbst kritisch zu reflektieren.

Die Bekehrung des Saulus zum Paulus Noch unter seinem ursprünglichen Namen Saulus wird er in einer Randnotiz als Helfershelfer im Zusammenhang mit der Steinigung des Stephanus in Jerusalem erwähnt, als er die Kleider derjenigen beaufsichtigte, die aktiv die Steine hoben und warfen und sich dazu der hinderlichen Überkleider entledigt hatten (Apostelgeschichte 7,57). Sein Bekehrungserlebnis fand statt, als er sich später beim Auf-

Paulus als Einzelkämpfer So wie Paulus ein Eiferer bei der Verfolgung der Christen gewesen war, blieb er es auch nach der Bekehrung – um 180 Grad gedreht nun als Missionar für das Christentum, autorisiert und bevollmächtigt durch die Stimme Jesu, die ihn aus dem Licht vor Damaskus ansprach. So ein »Typ« ist wenig teamfähig, und darum findet er nicht ohne Weiteres seinen Platz unter den Autoritäten der Urchristen, den Jüngern Jesu. Auf dem Apostelkonzil in Jeru-

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salem sorgte er für einen Eklat und suchte anschließend in der weiten – der damals bekannten – Welt seine missionarische »Reisefreiheit«. Auch seine wenigen Begleiter hatten es nicht immer einfach mit ihm. Er predigte das Christusereignis den Juden als Jude, den Griechen als Grieche (1. Kor. 9,20), so dass jeder »darauf abfahren«, sich dazu bekennen konnte. Sein Angebot lautet: Jeder Heide kann unmittelbar Christ werden. Die Jünger Jesu dagegen hielten es noch für eine Voraussetzung bzw. stritten sich darüber, dass sich ein Heide zunächst mit dem jüdischen Verständnis von Gesetz und Gehorsam vertraut machen müsse, um von daher zum Christentum vorzudringen, ihre Bekehrungsreihenfolge also: Heide wird zuerst Jude und danach Christ. Die Typenparade: damals wie heute Bleiben wir noch einen Augenblick beim Stichwort: Eifer. Die Bibel ist kein Psychologielehrbuch, aber die »Spielarten« christlichen Glaubens und christlicher Frömmigkeit stellen bis heute so etwas wie eine Typenparade vor. Das ist wohl so, weil in Fragen der Lebensgestaltung und der Werte-Hierarchie immer auch psychische und biografische Konditionierungen mitreden. Nehmen wir zum Beispiel den Phlegmatiker: er wird eher zur meditativen, kontemplativen Frömmigkeit neigen, oder den Sanguiniker, dem alles Pfingstlerische, Extrovertierte und somit auch Missionsorientierte gefallen dürfte. Auch wenn es diese Typen be-

kanntlich nicht in »Reinkultur« gibt, so wirken sie doch wie Zentrifugalkräfte für Lagerbildung und für Splittergruppen, die auseinanderdriften. Paulus geht sehr detailliert auf diese Bandbreite (1. Kor. 3 / 1. Kor. 14) ein, plädiert einmal für gegenseitige Toleranz und Vielfalt und ein andermal für das Aussortieren von Irrlehren, wenn eine »rote Linie« überschritten war. Und was war er selber für ein »Typ«? Paulus und das Geheimnis seiner personalen Präsenz »Personale Präsenz« hat man es damals nicht genannt; aber Paulus muss eine besondere Ausstrahlung gehabt haben, eine rhetorische Begabung, mit der er seine Zuhörer gewinnen und konkrete Zerstrittenheiten unter seinen Zuhörern moderieren und schlichten konnte. Er konnte für sich in Anspruch nehmen, im »3. Himmel«, in Ekstase, in Verzückung gewesen zu sein (2. Kor. 12). Wenn er aber zur Feder griff, überwog eine andere Seite seiner Persönlichkeit: der scharfsinnige Philosoph und Denker, der – sehr wohl über »Multiplikatoren« – weit in die Kirchengeschichte reichende Weichen stellte, der dafür sorgte, dass sich das Christentum nicht als judäische Sekte im Sande verlief. Von Hause aus war er ein Gelehrtenschüler nicht nur in Sachen jüdischer Tradition, sondern auch hellenistischer Weltanschauung. Er entstammte einem Milieu jenseits der Fischer und Zöllner, aus dem sich Jesus seine Jünger berufen hatte. Paulus konnte zeitMUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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EINFÜHRUNG

gemäß argumentieren, und der Schreibstil seiner Briefe sorgt bis heute unter Theologiestudenten für rauchende Köpfe, wenn sie die Syntax der Briefe zu entschlüsseln suchen. Paulus und das Alte Testament Das Bestechende des Christentums ist u. a., dass es sich trotz radikaler Neuheiten (ein gekreuzigter Menschensohn anstelle unverwundbarer Götterhelden) als Erfüllung des Jahrtausendealten israelitischen Kultes ausgab. Dieser wiederum beruht bekanntlich auf großen Texten, die wir heute als Altes Testament bezeichnen. Paulus verstand es einzigartig, diese Texte auf Christus zu beziehen, sie neu zu interpretieren. Damals war es nicht üblich oder erforderlich, beim Zitieren von Quellen deren Kontext oder Intention zu berücksichtigen. Paulus nutzt und deutet die Schriften seines jüdischen Volkes in einer eigenwilligen, »vorwissenschaftlichen« Weise, die dem Volk Israel alle Rechte belässt und den Christen gleichzeitig alle Rechte zuspricht. Dabei hebelt er seine biografische Identität nicht mit z.B. dem Hinweis auf seine Bekehrung aus, sondern bleibt sich als Jude erstaunlich treu und traut sich gleichzeitig aber weit darüber hinaus … Religionsproduktivitäten zu verschiedenen Zeiten Lebensbedingungen können religionsproduktiv sein. Wir wollen »durchblicken«, Licht um uns haben, um so mehr, wenn das Leben, die Quelle und der Sinn verdunkelt im Schatten liegen. Re-

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ligionsforscher verweisen z.B. auf den modernen Options-Stress unserer Überflussgesellschaft und die Gleichrangigkeit von Pround Kontra-Argumenten, die die Sehnsucht nach Entlastung und Erleuchtung verstärken, nach erlösender Entscheidung durch eine übergeordnete Instanz, eine Ideologie oder einen »Guru«. Der Erlösungs-Bedarf zur Zeit der ersten Christen, im römischen Weltreich, war anderer Art: damals ging es den Menschen um Erlösung aus dem unentrinnbaren Schicksal der Sklaverei. Paulus verkündigte das Evangelium so, dass sich die Grenzen der gesellschaftlichen Schichten öffneten, dass sich der Sklave und der Herr vor dem christlichen Gott unterschiedslos begegneten, ohne dass er zur Revolution gegen die bestehenden Verhältnisse aufgerufen hätte. Der Nerv der Zeit war die Sehnsucht nach Erlösung (Licht) aus der Hoffnungslosigkeit (Dunkelheit); Jahrhunderte später trat an diese Stelle die Sehnsucht nach Erlösung aus der Verdammnis der Hölle, wieder Jahrhunderte später die Sehnsucht nach Erlösung aus der Sinnlosigkeit. Die gute Nachricht dessen, was Paulus predigte, galt nicht vorrangig den Herrschenden auf der Sonnenseite, sondern vor allem denen im Schatten. Die Christen hielten es mit einem Gott, der in Jesus bis in die Todeserfahrung hinein mitfühlend, ohnmächtig mitleidend auf ihrer Seite stand. Die Teilhabe an der Christengemeinde bedurfte keines »Abiturs«, keines Wissensvorsprungs, keiner Elite- oder sozialen Zugehörigkeit. Es genügte – und das


bis heute – allein das Erlebnis der Taufe in eine »neue Haut« hinein, oder mit Paulus: in Christus hinein, die sich als wiederkehrende Tischgemeinschaft (Abendmahl) quasi erneuert und den Christen in die Gemeinde der Gläubigen und unter die Augen eines barmherzigen Gottes stellt (2. Kor. 5,17). So wird neue Selbstdeutung möglich, wie sie bei Mendelssohn im Chor Klang wird: »Lass Dir an meiner Gnade genügen«. So werden Menschen zu »Kindern des Lichts«. Modernität von Paulus im 21. Jahrhundert Viele Gedanken der paulinischen Briefe bedürfen heute einer umständlichen Übersetzungsarbeit »über den garstigen Graben« der Zeit, werden dann aber brisant: da ist Ambivalenz aller Freiheit (Römer 7: haben wir einen freien Willen? Verantwortung oder Prädestination?) oder die Situationsethik aus dem Impuls der Liebe (1. Kor. 13). Einiges finden wir ganz unmittelbar sympathisch: Dass Paulus sich zum Stückwerk bekennt (1. Kor. 13,9), zur eigenen Schwäche, zur Krankheit, zur Gerechtigkeit als einer Kategorie der Beziehung, etc. Und schließlich: Dieser Lebensweg mit einer Wende vom Juden Saulus zum Christen Paulus war über die Jahrhunderte und für viele Menschen gleichnishaft. Auch Mendelssohn ist einer von ihnen: gebürtiger Jude und getaufter Christ. Für manche wird es Anpassung gewesen sein, für andere Überzeugung; unserer Außensicht bleibt das verborgen. Dass die Assimilation in Zeiten

ideologischer Verblendungen keine rettende Wirkung hatte, zeigen die grauenvollen Progrome in der älteren und neueren europäischen Geschichte. Paulus, Saulus? Wir kennen heute eher das Lebensgefühl des Intra-Pluralismus, des sowohl – als auch, haben patchwork-Biografien, fragen uns: Wer bin ich und wenn ja: wie viele? Woher kommen die dunklen Seiten meines Seins? Aber es bleibt auch die Frage: Sehe ich noch durch? In welchem Licht sehe ich diese Welt und mich selber? Dabei ist Eifer für »die eine Wahrheit« von vornherein verdächtig. Selbst Widersprüchlichkeiten gehören nicht nur zum Sein, sondern inzwischen zum Design. Die musikalischen Dissonanzen im »Paulus« von Mendelssohn sind mit Geschichte aufgeladen. Wer aus Geschichte nicht lernt, ist verurteilt, sie wiederholt zu durchleben. Mathias Gauer studierte zunächst Theologie und arbeitete als Jugendpastor in Sachsen und Thüringen. Es folgte ein Studium der Kirchenmusik in Görlitz. Nach seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker in Dresden wurde er 2003 zum Landeskantor im Evangelischen Chorverband Niedersachsen-Bremen berufen, wo er für die Betreuung von 32.000 Chorsängern in 1200 Chören zuständig ist.

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STADTPORTRÄT

Schneeberg Pracht von Silberglanz bis Kobaltblau Schneeberg, die erste Stadt an der Sächsischen Silberstraße, verdankt seine Entstehung dem Bergbau. Kurz nach 1550 soll das erste Bergwerk auf dem Schneeberg angelegt worden sein, geschürft wurde nach Eisenerz. Die Stadtgründung erfolgte 1471 aufgrund reicher Silberfunde und nur 10 Jahre später wurden dem Ort die Rechte einer freien Bergstadt verliehen. Schneeberg ist heute eine Stadt reizvoller Gegensätze, Geschichte und Zukunft, Vergangenheit und Moderne in eindrucksvollem Miteinander. Das nach einem verheerenden Stadtbrand bis 1725 errichtete Marktensemble mit seinen überwiegend im Hochbarock erbauten Bürgerhäusern ist einzigartig im Erzgebirge. Das Rathaus ist ein neugotischer Bau, welcher anstelle eines durch Brand zerstörten Barockbaues in den Jahren 1851/52 errichtet wurde. Die St. Wolfgangskirche zählt zu den größten und architektonisch ausgeprägtesten Kirchen der Spätgotik. In den Jahren 1516 – 1540 erbaut, erhielt sie 1539 den ersten und bis dahin vollkommensten Altar der lutherischen Reformation aus der Werkstatt Lucas Cranach d. Ä. Die Kirche wurde 1945 vollständig zerstört, jedoch in langwierigen Restaurationsarbeiten wieder aufgebaut. Im »Bortenreuther-Haus«, einem repräsentativen Barockgebäude, befindet sich das Museum für bergmännische Volkskunst. Dieses ethnographische Spezialmuseum bietet dem Be-

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trachter einen interessanten Einblick in die Schnitz- und Klöppelkunst des West­erzgebirges. Das Schneeberger Revier war vom 16. bis 19. Jahrhundert weltgrößter Fundort für Kobalterze, welche zur Herstellung des berühmten Kobaltblau verwendet werden. Eines der wichtigsten Denkmale des Kobaltbergbaus ist das Technische Museum »Siebenschlehener Pochwerk«. Es diente der Aufbereitung der abgebauten Erze. Das Kobalt aus dem Schneeberger Revier fand u. a. Verwendung auf Meißner Porzellan, auf chinesischem Porzellan und im blauen Glas aus Venedig. Zum Bergstreittag am 22. Juli und zum Lichtelfest am 2. Advent finden in Schneeberg große Bergparaden statt. www.schneeberg.de


Die Arbeit von Professor Johann Andreas Schubert als Unternehmer, Wissenschaftler und Techniker prägte die Industrialisierung Sachsens maßgeblich. Als Schöpfer der ersten Elbpersonendampfschiffe und der ersten deutschen Lokomotive »Saxonia« hinterließ er bleibende Werke; mit der Göltzschtalbrücke konstruierte er die noch heute größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Die Johann-Andreas-Schubert Stiftung fördert – im Sinne des Namensgebers – die nachhaltige Entwicklung der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Grund­ lagen des Freistaates Sachsen; insbesondere in den Bereichen der Wissenschaft und Forschung, der Kunst und Kultur sowie dem Denkschmalschutz und der Denkmalpflege. Bautzner Straße 17 · 01099 Dresden www.schubert-stiftung.de E-Mail: info@schubert-stiftung.de

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familienkonzert

FAMILIENKONZERT

13. September 2014 | 11 Uhr Annaberg-Buchholz, Bergkirche 14. September 2014 | 15 Uhr Grünstädtel, St. Annenkirche Musitabor Martin Lenz, Puppenspiel Doris Runge, Viola da Gamba Irene Klein, Viola da Gamba Frank Pschichholz, Laute Leila Schoeneich, Blockflöte und Leitung

• Dauer ca. 45 min

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Sie ist nur so klein wie ein Daumen …

programm

Däumelinchen Puppentheater mit Barockmusik für Kinder ab 4 Jahren

… und träumt jede Nacht von einem schönen Prinzen – das Mädchen Däumelinchen. Als ihr der Prinz eines nachts ganz deutlich im Traum erscheint, macht sie sich auf den Weg, um ihn in der Welt zu suchen. Bevor ihr Mut belohnt wird, erlebt sie so manches Abenteuer bei den Fröschen und Marienkäfern, bei der Feldmaus und dem Maulwurf und mit einer hilfreichen Schwalbe – aber seht und hört am besten selbst! Das Kinderkonzert beim Musikfest Erzgebirge ist eine lehrreiche Reise durch märchenhafte Phantasiewelten. Aber nicht nur das, denn den Soundtrack zum Puppenspiel gibt es live von renommierten Spezialisten auf historischen Instrumenten. Auf ganz natürliche Weise lernen Kinder so die besondere Klangwelt des Barock kennen. Und so sind dann Herren wie Georg Philipp Telemann und Jean-Philippe Rameau treue Begleiter dieses Märchens. Und nicht nur das Puppenspiel, sondern auch die mitreißende Barockmusik wird so manches Kinderherz höher schlagen lassen.

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EIBENSTOCK

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augenblick

KONZERT

14. September 2014 | 18 Uhr Eibenstock, Kirche Hana Blažíková · Sopran Robin Blaze · Countertenor Bernhard Berchtold · Tenor Dominik Wörner · Bass Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki · Dirigent

• Konzerteinführung 16:45 Uhr | Rathaus | Dr. Andreas Bomba • Nach dem Konzert: festlicher Empfang des Freundeskreises des Musikfestes Erzgebirge

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EINFÜHRUNG

Bachs Bilanz Historische Augenblicke der Musik programm

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Kantate In allen meinen Taten BWV 97 Kantate Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben BWV 102 – Pause – Konzert für zwei Violinen d-Moll BWV 1043 Lutherische Messe G-Dur BWV 236

Am 21. März 1735 blickte Johann Sebastian Bach zurück auf fünfzig Lebensjahre. Was er an diesem runden Geburtstag unternahm, ob er seine Familie um sich scharte, mit Freunden und Kollegen feierte – wir wissen es nicht. Johann Gottfried Walther, der entfernte Verwandte in Weimar, dankte in einem Brief an den Wolfenbütteler Kantor Heinrich Bokemeyer für den frohen Tag, »an dem uns GOTT dich gab, o! theurer Bach … denn selten wird der Welt ein solch Geschenk gegeben.« Ein Rückblick hätte Bach herausragende Ereignisse in Erinnerung rufen können. Die Stationen Arnstadt und Mühlhausen (wohin er demnächst einmal wieder reisen würde): hier war er sehr selbstbewusst mit seinen Arbeitgebern, dem Rat der Städte, umgesprungen. Fortbildung schien ihm wichtiger als der Dienst – und, da schmunzelte Bach ein wenig: hatte er nicht heimlich eine Frau in der Kirche singen lassen? Und gelegentlich sogar den Weinkeller der Predigt vorgezogen? Seine Halsstarrigkeit musste Bach in Weimar mit ein paar Wochen Gefängnis bezahlen – immerhin aber konnte er hier, als würdiger »Concertmeister«, das Concerto italienischer Art kennenlernen, erste Kantaten komponieren, und er nutzte die Gelegenheit, sich mit seinem Lieblingsinstrument, der Orgel zu beschäftigen. Die glücklichen Jahre in Köthen, wo der Hofkapellmeister Bach im Dienste des »Music so wohl liebenden als kennenden Fürsten« sogar »vermeinete meine Lebenszeit MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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EINFÜHRUNG

zu beschließen«, verdunkelten sich allerdings mit dem Tod seiner ersten Ehefrau und der, mit der Abwendung von der Musik verbundenen, Heirat des Fürsten.

bewusstsein. Anna Magdalena, seine Frau, hatte in den vergangenen zwölf Jahren zehn Kinder zur Welt gebracht – sieben von ihnen waren aber schon wieder gestorben.

In Leipzig hatte Bach zunächst mit viel Elan für eine »regulirte Kirchen-Music« gesorgt, regelmäßig Kantaten und Passionen komponiert und musiziert und vor wenigen Wochen sogar ein Weihnachts-Oratorium in sechs Teilen aufgeführt. Musikliebhaber und Messebesucher aus dem In- und Ausland konnten Noten von Bachs Klavier-Suiten kaufen, eine neue, eigentümlich auf exemplarische Wirkung zielende Sammlung mit einer riesigen Französischen Suite und einem wunderlichen »Concerto italiänischer Art« befand sich gerade im Druck. Wer Bach im Kreise seiner Schüler und Studenten hautnah beim Musikmachen erleben wollte, dem genügte ein Besuch am Freitagabend im Caféhaus von Gottfried Zimmermann.

Kantate BWV 97 »In allen meinen Taten« Unerschütterlich fest stand Bach in seinem Glauben. Wie so vielen Menschen im Laufe der Jahrhunderte scheinen das Evangelium und die Verwurzelung in der Kirche ihm Halt und Sicherheit gegeben zu haben. Entsprechende Bekenntnisse finden wir in seiner für den Gottesdienst komponierten Musik. So hatte Bach im Vorjahr, 1734, noch einmal zur Feder gegriffen und ein, wie es damals hieß, »Kirchenstück« geschrieben, dessen Text sehr gut seiner (hier unterstellten) Gemütsverfassung Ausdruck geben konnte. Es handelt sich dabei um den Choral »In allen meinen Taten« von Paul Fleming (1642). Alle neun Strophen des Liedes übernahm Bach wortwörtlich, vertonte sie jedoch in der mittlerweile üblichen, opernähnlichen Form von Rezitativen und Arien. »Der Höchste«, von dem hier die Rede ist, kann und hat alles. »Er mags mit meinen Sachen nach seinem Willen machen« (Vers 2). »Ich nehm es, wie ers gibet« (Vers 3). »Leb ich nach seinen Gesetzen, so wird mich nichts verletzen« (Vers 4). »Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben« (Vers 8). Dieser gottgegebenen Ordnung entsprechend beginnt die Kantate im feierlichen, höfischen Rhythmus einer französischen Ouvertüre; diesem ersten Satz ist der Choral (im Sopran) und imi-

Nicht alles war jedoch eitel Freude. Die Qualität seines Chores sank, der neue Rektor der Thomasschule schien dem Lateinlehrer nicht mehr wohlgesonnen, der Rat der Stadt, Bachs Arbeitgeber, anstelle der Musik andere Prioritäten zu setzen. Ansehen genoss der Kantor eher außerhalb, vor allem als Orgelvirtuose und -gutachter. Ein Gesuch beim neuen Kurfürsten, ihn zum Hof-Compositeur zu ernennen, lag jedoch seit zwei Jahren unbeantwortet in Dresden. Auch private Schicksalsschläge zehrten an Bachs Selbst-

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tierende Umspielungen (in den Unterstimmen) kunstvoll eingearbeitet. Die an vierter Stelle stehende Arie, ein Dialog zwischen dem Tenor und einer Solo-Violine, erinnert an die Arie »Erbarme dich« aus der Matthäus-Passion, die Bach kurz nach seinem 51. Geburtstag, am 30. März 1736, noch einmal aufführen wird. »Niederlegen – Erwachen« lautet das in der Alt-Arie Nr. 6 bildhaft durchgeführte Thema; das Hin und Her, Oben und Unten bei Sterben und Leben klingen im Duett Nr. 7 und in der Sopran-Arie Nr. 8 an. Zum Schluss dieser ungewöhnlich ausgedehnten Kantate findet Bach seine Gewissheit wieder: über dem vierstimmigen Choral glänzt ein obligater Streichersatz, während die Tenorstimme, auf die Worte »es gehe, wie es gehe« noch sich in der Tiefe krümmend, herausgehobene Höhen erreicht. Denn in der Höhe, bekräftigt der Text, weiß der Vater »allen Sachen Rat«! Kantate BWV 102 »Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben« Wenn Bach also an seinem 50. Geburtstag auf sein Leben zurückblickte, mag er sich vielleicht gewundert haben, wie er einst, zu Beginn seiner Amtstätigkeit in Leipzig 1723, das sich selbst auferlegte Pensum bewältigt hatte: einige Jahre lang fast für jeden Sonn- und Feiertag eine Kantate zu schreiben und aufzuführen. Sicher wollte er sich damit auch ein Repertoire schaffen, auf das er in den kommenden Jahren zurückgreifen könnte – vielleicht ahnte er schon damals, dass der Dienst nicht immer ein Zucker-

schlecken sein und die Energie erlahmen würde. Wenn Bach in späteren Jahren auf solche Kompositionen zurückgriff, wissen wir nicht, ob zum entsprechenden Sonntag gerade keine bessere Musik vorhanden war, oder ob ihm die wiederaufgeführten Stücke besonders gefielen und seiner Gemütslage entsprachen. Um 1737 jedenfalls griff der Thomaskantor, für den 10. Sonntag nach Trinitatis, zu einer Kantate, die er zum 25. August 1726 komponiert hatte und die, wie das zuvor gehörte Stück, auf den Glauben blickt, um in ihm Sicherheit fürs Leben und für die Zeit danach zu finden: »Heut lebst du, heut bekehre dich, eh Morgen kömmt, kann’s ändern sich« heißt es im abschließenden Choral. Im Evangelium des Tages (Luk. 19, 41-48) sagt Jesus die Zerstörung Jerusalems voraus und vertreibt die Händler aus dem Tempel. Der Text zieht weitere Bibelstellen heran: Jeremias 5, 3 für den Eingangschor, Vers 4 und 5 aus dem 2. Kapitel des Römerbriefs für Satz 4, der den ersten Teil der Kantate beschließt. Er handelt von den Gefahren, die dem verirrten Geist, dem versteckten Sinn und die sich von Gottes Gnade trennende Seele drohen. Der zweite, kürzere Teil beginnt mit einem energischen Duett (Nr. 5) von Flöte (bei der zweiten Aufführung: Violine piccolo) und Tenor; thematisiert wird in der aufgeregten Musik das Erschrecken der allzu sicheren Seele, der allein mit Buße (Satz 6) zu begegnen ist. Warten bringt Gefahr, denn: »Gotteslangmut geht auf einem Fuß von Blei, damit der Zorn hernach dir desto schweMUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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EINFÜHRUNG

rer sei«! Am meisten Befriedigung dürfte Bach gespürt haben, als er sich den einleitenden Satz wieder vornahm. Ein Meisterwerk! Hier verwirklichte er seine Idee der »musikalischen Predigt« am eindringlichsten. Für jede Zeile fand er eine eigene Form mit eigenem musikalischem Material; die bewegte Figuration der Instrumente bindet alles zusammen. »Herr Deine Augen sehen nach dem Glauben – du schlägst sie, aber sie fühlens nicht« usw. ist eine Art Präludium mit Fuge, wobei über den »schlägst«-Noten staccato-Punkte stehen. »Sie haben ein härter Angesicht...« ist Gegenstand einer weiteren Fuge; die Worte »härter« und »Fels« markiert Bach mit dem Tritonus-Intervall, dem »Diabolus in musica«, dem Schritt zwischen Grundton (hier: C) und dem Zentrum der zwölf Töne einer chromatischen Tonleiter (hier: Fis). Diese beiden Töne sind zugleich im harmonischen System am weitesten voneinander entfernt. Den Text rückt Bach ins Zentrum des Satzes, indem er die Eingangsworte einrahmend wiederholt. Jedoch führt die Gewissheit des Glaubens nicht weiter als zu der im zweistrophigen Schlusschoral gefundenen Erkenntnis, Buße tun zu müssen. Dass dies ohne die Hilfe des Herrn gar nicht gelingen kann, und dass deshalb alle Stimmen resignierend in die Tiefe geführt werden (»Leib und Seel dort brennen muss«... »zu meiner Heimfahrt sei bereit«), mag Bachs Verfassung vielleicht auch entsprochen haben.

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Konzert BWV 1043 für zwei Violinen d-Moll Alle Instrumentalkonzerte Bachs sind Bestandteil jenes Repertoires, das Bach in den Konzerten mit dem Leipziger Collegium musicum im Caféhaus Zimmermann aufführte. Die meisten Konzerte hatte er jedoch schon früher komponiert, in Köthen (zwischen 1717 und 1723) oder auch schon in Weimar (ab etwa 1713), wo er diese moderne Form auch kennengelernt hatte. Ein oder mehrere Geiger des Ensembles treten, nach einem einleitenden und stets variiert wiederkehrenden »Ritornell«, in musikalischen Dialog mit dem Gesamtensemble; der Mittelsatz ist eher melodisch geprägt, für das Finale bevorzugt Bach oft eine kontrapunktische Form, wie Kanon oder Fuge. 1736 führte Bach das ViolinDoppelkonzert in Form eines Konzerts für zwei Cembali auf – vielleicht mit seinen Söhnen Wilhelm Friedemann und / oder Carl Philipp Emanuel als Solisten? Auf diese Mitglieder der Familie war Vater Bach zu recht stolz! Messe G-Dur BWV 236 Zwei Jahre vor seinem 50. Geburtstag, am 27. Juli 1733, hatte Bach eine Komposition nach Dresden geschickt. Das Paket enthielt die prachtvolle, mehrteilige Vertonung der liturgischen Texte »Kyrie eleison« und »Gloria in excelsis Deo« sowie ein Schreiben mit der Bitte an den neuen Kurfürsten Friedrich August II., ihm »ein Praedicat von dero Hoff-Capelle« zu gewähren. Ob das Stück dort je aufgeführt wurde, ist nicht bekannt.


Aufgeführt werden können hätte es in Gottesdiensten beider Konfessionen, sowohl im lutherisch-protestantischen in Leipzig wie auch dem römisch-katholischen in der Landeshauptstadt, den der Kurfürst des protestantischen Sachsen, in Personalunion (katholischer) König von Polen, besuchte. Die Forschung vermutet, dass Bach, indem er sich Dresden zuwandte, zugleich Distanz zu den Leipziger Verhältnissen suchte. Untermauert wird diese Vermutung mit dem Rückgang der Kantatenkomposition zur gleichen Zeit und dem Umstand, dass Bach noch weitere vier »Messen« dieser Art zu Papier brachte, sich überhaupt für diese Form (anhand von Kompositionen italienischer Altmeister wie Palestrina und Caldara) zu interessieren begann. In allen Fällen griff Bach auf Sätze seiner Kantaten zurück. Dabei musste er die für die deutschen Texte gefundenen Motive und Ideen nicht nur auf lateinische Texte übertragen, sondern auch entsprechend ähnliche »Affekte« finden. Für die um 1738/39 entstandene G-Dur Messe griff er auf insgesamt vier Kantaten zurück: Fürs Kyrie (die Bitte um Erbarmen) auf den Eingangssatz der Kantate BWV 179 Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei; deren 3. Satz (»Falscher Heuchler Ebenbild können Sodoms Äpfel heißen«) dient – kurioserweise? – dem »Quoniam tu solus sanctus« als Vorbild. Das »Gloria in excelsis Deo« folgt dem Eingangschor einer Kantate zum Reformationsfest: Gott der Herr ist Sonn und Schild BWV 79, der Messe-Satz »Domine Deus« dem

5. Satz (»Gott, ach Gott, verlass die Deinen nimmermehr«) derselben Kantate. Das »Gratias agimus tibi« der Messe hat BWV 138,5 zur Grundlage: »Auf Gott steht meine Zuversicht«, der stets affirmative Abschluss »Cum sancto spiritu« die virtuose Eingangsfuge der Kantate BWV 17: Wer Dank opfert, der preiset mich. Es scheint also, dass Bach an seinem 50. Geburtstag auch sein bisheriges Schaffen im Blick hatte. Die Virtuosität, das Selbstbewusstsein, wie er mit diesem Œuvre umging, nötigt Bewunderung ab. Vielleicht nutzte er die Rückschau auch, um sich auf künftige Pläne zu konzentrieren: die großen, enzyklopädischen Sammlungen der Clavierübung III, der Kunst der Fuge und der h-Moll-Messe. Dr. Andreas Bomba

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STADTPORTRÄT

Berg- und Stickereistadt Eibenstock Idyllisch auf einer Hochfläche inmitten des Naturparkes Erzgebirge/Vogtland liegt die um 1150 gegründete Berg- und Stickereistadt Eibenstock. Eingerahmt vom 1.018 m hohen Auersberg sowie der Talsperre Eibenstock hat sich das etwa 5.000 Einwohner zählende Städtchen in der jüngeren Vergangenheit zu einem touristischen Zentrum im Erzgebirge entwickelt. Die Zertifizierung als »Staatlich anerkannter Erholungsort« und »Familienfreundlicher Ort« belegen dies eindrucksvoll. Nachdem der Bergbau jahrhundertelang die Geschichte Eibenstocks bestimmte und auch heute noch dem aufmerksamen Gast zahlreiche Zeitzeugen bergbaulicher Vergangenheit begegnen, hielt nach dessen Erliegen am Ende des 18. Jahrhunderts eine neue Kunst Einzug am Auersberg: das Tambourieren. Das sich daraus entwickelnde Handwerk der filigranen Stickerei bescherte der beschaulichen Bergstadt alsbald Weltruhm, ein Konsulat der USA und eine attraktive Stadtentwicklung. Imposante Gebäude, wie zum Beispiel das im Jugendstil errichtete Rathaus, zeugen

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von dieser Blüte und laden heute den interessierten Besucher zu Besichtigungen ein. Neben den vielen Ruhe suchenden Naturliebhabern kommen in Eibenstock vor allem auch Familien und Aktivurlauber voll auf ihre Kosten. Die zahlreichen Freizeiteinrichtungen im Ort bieten ein hohes Maß an Urlaubsaktivitäten, z. B.: Badegärten mit Badeund Saunalandschaft; Wurzelrudis Erlebniswelt mit Allwetterbobbahn, Irrgarten, Tubingbahn und Abenteuerspielplatz; Reitanlage mit großer Reithalle; Minigolfhalle mit Pit-Pat-Anlage; StickereiSchauwerkstatt; Spiel- und Kletterplätze; Bergbaulehrpfad; Aussichtsturm auf dem Bühl und zusätzlich im Winter Ski-Arena, Loipen, Rodelhänge und Pferdeschlittenfahrten. www.eibenstock.de


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Mo, 15. September 2014 | 20 Uhr Zwönitz, Trinitatiskirche

einblick

Ensemble 1700 Dorothee Oberlinger · Blockflöte & Leitung Vittorio Ghielmi · Viola da Gamba & Pardessus de Viole Michael Schmidt-Casdorff · Traversflöte Rüdiger Lotter · Konzertmeister Monica Waisman · Violine Florian Deuter · Viola Irene Liebau · Violoncello Jörg Meder · Violone Markus Märkl · Cembalo

• Konzerteinführung 18:45 Uhr | Festsaal im Gasthof Zwönitz | Dr. Andreas Bomba

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programm

Georg Philipp Telemann (1681 – 1767) Suite a-moll TWV 55: a 2 für Blockflöte, Streicher und Basso continuo Adam Jarzębski (1590 – 1649) Concerto a 3 »Berlinesa« für 2 Violinen, Viola da gamba und Basso continuo Georg Philipp Telemann Doppelkonzert a-moll TWV 52:A1 für Blockflöte, Viola da gamba, Streicher und Basso continuo – Pause – František Jiránek (1698 – 1778) Flötenkonzert G-Dur für Flöte, Streicher und Basso continuo Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749) Ouverture aus: Partia di Signore Steltzeln g-Moll aus dem Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach mit Menuett-Trio BWV 929 ergänzt von Johann Sebastian Bach für Cembalo solo Georg Philipp Telemann Triosonate d-Moll TWV 42:D7 für Blockflöte, Pardessus de Viole und Basso continuo Doppelkonzert e-moll TWV 52:E1 für Blockflöte, Traversflöte und Basso continuo

KONZERT

EINFÜHRUNG

Klingende Geographie oder: Der Blick über den Tellerrand »Im 1704ten Jahr wurde ich nach Sorau, zu S. Excellenz, dem Hrn. Grafen, Erdmann von Promnitz, als Capellmeister berufen. Das gläntzende Wesen dieses auf fürstlichem Fuß neu-eingerichteten Hofes munterte mich zu feurigen Unternehmungen auf, besonders in Instrumentalsachen, worunter ich die Ouvertüren mit ihren Nebenstücken vorzüglich erwehlete, weil der Herr Graf kurtz vorher aus Franckreich wiedergekommen war, und also dieselben liebte. Ich wurde des Lulli, Campra und andrer guten Meister Arbeit habhafft, und legte mich fast gantz auf derselben Schreibart, so daß ich der Ouvertüren in zwey Jahren bey 200. zusammen brachte. Als der Hof sich ein halbes Jahr lang nach Plesse, einer oberschlesischen, promnitzischen Standesherrschafft, begab, lernete ich so wohl daselbst, als in Krakau, die polnische und hanakische Musik, in ihrer wahren barbarischen Schönheit kennen. […] Man sollte kaum glauben, was dergleichen Bockpfeiffer oder Geiger für wunderbare Einfälle haben, wenn sie […] fantaisiren. Ein Aufmerckender könnte von ihnen, in 8. Tagen, Gedancken für ein gantzes Leben erschnappen. Gnug, in dieser Musik steckt überaus viel gutes; wenn behörig damit umgegangen wird. Ich habe, nach der Zeit, verschiedene grosse Concerte und Trii in dieser Art geschrieben, die ich in einen italiänischen Rock, mit abgewechselten Adagi und Allegri, eingekleidet.« – So beschrieb kein Geringerer als Georg Philipp Telemann seine Jahre im Dienste des MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

Grafen Erdmann von Promnitz in Sorau (dem heutigen Żary) zwischen 1705 und 1708 (Autobiographie, 1740). Und mit Blick auf Leben und Wirken dieses musikalischen ›Navigators‹ und stilis­ tischen Tausendsassas überrascht es kaum, dass Telemann unmittelbar im Anschluss daran, 1708, eine Singende Geographie mit 36 Liedern für Singstimme und Generalbass komponierte, die den Schülern des frühen 18. Jahrhunderts dazu verhalf, virtuell um die Welt zu reisen. Die zugrundeliegenden, durchaus spröden Merkverse hatte der Hildesheimer Magister Johann Christoph Losius (1659–1733) verfasst und sein Handbuch Singende Geographie: darin der Kern dieser nöthigen Wissenschaft in deutliche Lieder verfasset benannt. Nach der Aufforderung »Europa, zeige mir dein Bild« reisen der reimende Schulleiter und der mit Sinn für feinen Humor begabte Komponist singend durch Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Frankreich, England, Schottland, Irland, die Niederlande, verschiedene Kleinstaaten Deutschlands, wenden sich nach Österreich und Böhmen, Skandinavien, Russland, Polen, die Türkei und erobern schließlich Asien, Afrika und Amerika. – Der Blick auf die »Welt« scheint schon früh fasziniert zu haben – und ebenso, dass diese Welt schon immer in ihrem Klingen faszinierte und inspirierte. Dorothee Oberlinger äußerte in einem Gespräch mit Guido Fischer, Telemann habe »der Musik verschiedene Gewänder anlegen (können). Er war in allen Stilen zu Hause, dem italienischen, französischen, deutschen und im osteuropäischen Stil. Diese Viel-

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falt, von Johann Joachim Quantz »vermischter Geschmack« genannt, ist das Tolle an Telemann. Seine Musik ist nicht nur gefällig und unterhaltsam und somit etwas für den Kenner wie für den Liebhaber. Sie ist extrem rhetorisch und affektreich, und sie singt, auch ohne Worte. Sein berühmter Satz ‚Das Singen ist das Fundament aller Dinge‘ bringt das auf den Punkt.« (RONDO 6/2013). Dem Stichwort »vermischter Geschmack« darf man hinterher horchen – es stammt von Johann Joachim Quantz (Anweisung die flûte traversière zu spielen, 1752) und meinte, dass »man aus verschiedener Völker ihrem Geschmacke in der Music, mit gehöriger Beurtheilung, das Beste zu wählen weis«. Er nannte das dann »sehr wohl (einen) deutschen Geschmack«. Runde 22 Jahre vorher hatte der berühmte wie streitlustige Johann Adolph Scheibe für eine hohe musikalische Qualität plädiert und festgehalten: »Eine gute fleissige Deutsche Arbeit, Italiänische Galanterie und Französisches Feuer thun dabey das beste.« (Compendium Musices theoretico-practicum, 1730). Ebenderselbe »verwundert« sich (was heißt: bewundert) dann im Jahre 1745, »dass Telemann fast alle Gattungen der musikalischen Stücke so wohl, als die Musikarten aller Nationen, mit einerley Leichtigkeit und Nachdruck ausübet, ohne seinen Geschmack im geringsten zu verwirren oder zu verderben, als welcher allemal schön, vortrefflich, und eben derselbe bleibt.« (Der Critische Musicus, 1745). – Wie es scheint, war hier das theoretische Paradigma keineswegs ästhetische Utopie, sondern klangliche Realität geworden. Und wenn Anselm


Cybinski formulierte: »In Deutschland war das von allen führenden Theoretikern vorgebrachte Postulat eines musikalischen Kosmopolitentums auch deshalb so bindend, weil es eine wirksame Kompensationsstrategie gegenüber der provinziellen Kleinstaaterei des Reichs darstellte: Gerade politisch weniger bedeutende Höfe mussten Interesse daran haben, ihre Teilhabe an den kulturellen Entwicklungen der großen Zentren zu dokumentieren.« (Unterwegs zum ›vermischten Geschmack‹, 2010), dann eröffnet sich unserem Blick eine weitere Dimension: Das Empfinden von beschränkenden Grenzen, die mittels musikalischer »Grenzüberschreitung« zu verschwinden scheinen und Anschluss gewähren. Das scheint wiederum etwas sehr Heutiges in sich zu tragen, was nicht globalisierende Uniformität meint, sondern die Frage nach gegenseitigem Respekt. – Darin liegt das Erfolgsrezept eines Telemann: Denn »wenn behörig damit umgegangen wird«, so kann man aus der »barbarischen Schönheit« des Fremden (nichts anderes zunächst ist auch im Grimmschen Sinne der ›Barbar‹) »Gedancken für ein gantzes Leben erschnappen«. – Welch eine Aus-Sicht! Telemann hatte, wie er in seiner »Autobiographie« 1740 auch berichtet, in seiner Jugend eine Vielzahl Instrumente gespielt und deren klangliche Möglichkeiten ausgetestet: »außer Clavier, Violine und Flöte« habe er »annoch Hoboe, Traverse, Schalümo, Gambe etc. bis auf den Contrebaβ und die Quint-Posaune« in Händen gehabt. Dieser durchaus handwerkliche Eroberungs-

drang war ebenso typisch für den jungen Magdeburger Autodidakten wie eben seine nimmersatte Neugierde auf Unbekanntes, Fremdes, Herausforderndes, das er sich zu eigen machte. Und wenn er 1718 geschrieben hatte: »Gib jedem Instrument das / was es leyden kan / So hat jeder Spieler Lust / du hast Vergnügen dran.«, dann schließt sich hier ein wunderbarer Kreis und gibt den Blick frei auf etwas, was die Solistin des Abends in ihrem bereits erwähnten Gespräch in Bezug auf »ihr« Instrument und Telemann auch noch treffend sagte: »Bei ihm kann sie sehr virtuos, fast geigerisch auftrumpfen. Auf der anderen Seite ist sie bei ihm dann wieder wie eine Gesangsdiva.« So ist denn Telemanns Suite a-Moll für Blockflöte, Streicher und Basso continuo eine große (französische) Orchestersuite – und doch im eigentlichen Sinne ein (italienisches) Solokonzert. Freilich, die übernommenen »Gefäße« einfach weiter zu nutzen, war des Komponisten Sache nicht. Interessant einmal wieder, was er daraus macht: Eine Art »konzertante Suite«, deren Réjouissance mit »Freude« sich polnisch inspirieren lässt und so eigentlich eine Gavotte ist. Dass das alles dann auch noch abseits virtuosen Blendwerks mitunter höllische Anforderungen an die Solistin stellt, bleibt hier zu bemerken und ist im Konzert zu hören. Vermeint man beim Doppelkonzert a-Moll zunächst italienische und französische »Röcke« (s.o.) zu sehen, so lassen die beiden schnellen Sätze unverkennbar böhmische und polnische Einflüsse erkennen: rhythmische Gegenakzente und vielfältige kurze MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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EINFÜHRUNG

Motive, die von beiden Soloinstrumenten fortgesponnen werden. Dabei mischt sich dies wie unauflöslich mit italienisch-konzertanter Manier. Ähnlich gelagert ist dies in Telemanns bezaubernder Triosonate d-Moll: Die schillernde Kombination aus Blockflöte und Diskantgambe vermag eingangs recht würdig einherzuschreiten, lebt sich dialogisierend im zweiten schnellen Satz aus, hält noch einmal elegisch im vorletzten Satz inne und weiß sich dann im beschließenden Allegro umso mehr wieder und erneut den Blick offen zu halten für virtuos-italienisches Konzertieren, final gegründet auf volkstümlich-rhythmisierten Bordunklängen. Beim Doppelkonzert e-Moll liegt das Experiment wohl in der instrumentalen Kombination. Blockflöte und Traverso werden ins Rennen geschickt – und gewinnen beide: Im Liebesduett des ersten Satzes, im quicklebendigen (italienischen) Allegro, im träumerischen Largo und ebenso zum Abschluss im spektakulären, volkstümlich derben Ritornell des Presto, das dann auch noch eine polnische Volksliedmelodie zitiert. Diese Werke mögen also den Blick schärfen für das Grenzüberschreitende auf mancher Ebene: Französische Kompositionsmanier in mährischer und polnischer Nachbarschaft, deren impulsiv und ungebärdig gespielte Folklore die ausformulierte Eleganz italienisch-konzertierender Virtuosität inspiriert und augenzwinkernd ihre slawische Grundierung genießt.

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Im Jahr 1754 veröffentlichte die Societät der musicalischen Wissenschaften zwei Nachrufe, denn mit Gottfried Heinrich Stölzel (1749) und Johann Sebastian Bach (1750) waren zwei bedeutende Mitglieder verstorben, die im Ansehen ihrer Zeitgenossen kaum höher stehen konnten. Der Leipziger Thomaskantor und der Gothaisch-Altenburgische Hofkapellmeister kannten und schätzen sich gegenseitig. So erklang Stölzels Passionsoratorium »Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld«, das 1720 in Gotha entstanden war, am Karfreitag, dem 23. April 1734, unter der Leitung von Bach in der Leipziger Thomaskirche. Und das wohl bekannteste Werk Stölzels, der 1690 im erzgebirgischen Grünstädtel geboren wurde, ist die Arie Bist du bei mir, die lange Zeit Bach zugeschrieben wurde (als BWV 508), da sie ohne Angabe des Komponisten im Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach von 1725 enthalten ist. Auch die Partia di Signore Steltzeln g-Moll aus dem Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach mit dem von Bach ergänzten Menuett-Trio BWV 929 ist ein weiteres Beispiel dieses Respekts, zugleich des Bemühens, dem lernenden Sohn den Blick zu weiten für hohe Qualität bei komponierenden Kollegen. Ist dieses kleine Werk vielleicht schon eine Entdeckung, so dürften es wohl die beiden letzten Komponisten des Programms sein. Einmal abgesehen davon, dass es uns gut ansteht, die ungemein reiche (barocke) Musiklandschaft unserer östlichen Nachbarn neugierig in den Blick zu nehmen, stehen beide Komponisten für Vergleichbares: Erwachsen aus der volksmusikalischen Klangwelt


ihrer Heimat weiteten sie ihren Horizont im Blick auf italienischen Klangzauber und kompositorische neueste Entwicklungen – und prägten diese nicht zuletzt deutlich mit aus. Adam Jarzębski, um 1590 im polnischen Warka (Pilica) geboren, war ab 1612 Violinist in der Hofkapelle Kurfürst Johann Siegmunds von Brandenburg, der ihm 1615/1616 eine Studienreise nach Italien ermöglichte. Ab 1617 war er in Warschau als Mitglied der königlichen Kapelle Sigismunds III. Wasa angestellt. Sein Concerto à 3 stammt aus der 1627 erschienenen Sammlung Canzoni e Concerti a Due, Tre e Quattro Voci, cum Basso continuo, die sowohl freie Kompositionen als auch Übertragungen von Vokalwerken enthält. Auffallend ist, dass einige der Stücke Namen deutscher Städte wie »Berlinesa«, »Norimberga«, »Königsberga« oder »Küstrinella« tragen, was annehmen lässt, dass diese Stücke, die einen ausgereiften italienischen Stil repräsentieren, schon um 1612 bis 1616 entstanden sind, als Jarzębski für den Brandenburger Hof tätig gewesen war. Ab wann František Jiránek, Sohn von Bediensteten des Grafen Wenzel Morzin, eine musikalische Ausbildung erhalten hat, ist nicht bekannt, dass er aber ein außergewöhnliches Talent gewesen sein muss, beweist allein schon die Tatsache, dass der Graf den jungen Mann zwischen 1724 und 1726 nach Venedig schickte, auf dass er im Umfeld Antonio Vivaldis oder sogar bei ihm selbst studieren möge. Der direkte Unterricht ist durchaus denkbar, ist doch Graf Morzin unter anderem Widmungs­

träger von Vivaldis op. 8. Ab 1726 lebte Jiránek wieder in Prag und wirkte als Musiker in der Kapelle seines Gönners. Nach dessen Tod 1737 ging er nach Dresden und wurde Mitglied in der Kapelle Heinrich von Brühls, wo er bis zu seiner Pensionierung 1763 als Violinist und Komponist beschäftigt war. Sein Flötenkonzert G-Dur ist sowohl im Inventar der Musikaliensammlung des mährischen Klosters Rajhrad (Raigern) von 1771 verzeichnet als auch in der Musik- und Theaterbibliothek Stockholm erhalten geblieben, was für eine überregionale Verbreitung seiner Kompositionen spricht. Wie sein Kollege Anton Reichenauer zählt Jiránek zu den wenigen böhmischen Komponisten, von denen wenigstens einige Werke aus der Blütezeit der italienisch geprägten Instrumentalmusik erhalten geblieben sind. Václav Kapsa formulierte es denn auch wie folgt: »Für unseren Blick auf die Geschichte der Musik in den böhmischen Ländern und auf die Musik in Prag während des 18. Jahrhunderts besitzt Jiráneks Werk daher eine erhebliche Bedeutung.« Dr. Christina Siegfried war Dramaturgin und Pressesprecherin der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. Seit 2008 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Schumann-Briefedition und seit 2009 Geschäftsführerin des Mitteldeutschen Barockmusik e.V. und des Heinrich Schütz Musikfestes. MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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STADTPORTRÄT

Zwönitz Alte Bergstadt mit Zukunft Unsere Stadt gehört nicht zu den großen Bergstädten, die ihre Gründung dem »Berggeschrey« verdanken, doch hat der Ort, der im Jahre 2010 seine 850-Jahrfeier beging, auch eine lange Bergbaugeschichte. Schon unter der Herrschaft des Klosters Grünhain schürfte man nach Zinn, Silber und Eisenstein. Letzteres brachte Erfolg und war sicher die Grundlage für den Betrieb zahlreicher Eisenhämmer, eine Grundlage der späteren Zwönitzer Industrie. Die Zwönitzer nutzten auch das vorzügliche Stollenwasser für ihre Röhrwasserleitung und tun das noch heute. Viele der alten Bergwerke wurden nach der Wende wieder aufgewältigt, manche können unter der Obhut des Bergmännischen Traditionsvereins sogar wieder besichtigt werden. Überhaupt sind die Zwönitzer sehr traditionsbewusst. Davon zeugt nicht nur der vom Erzgebirgszweigverein betreute heimatkundliche Lehrpfad mit zahlreichen Tafeln und Schildern zur Heimatgeschichte, auch historische Gebäude wie das Hotel »Roß«

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am Markt und die Postmeilensäule am gleichen Standort stehen für die Zwönitzer Geschichte. Gleich drei Museen beherbergt die Stadt: das technische Museum Papiermühle im Ortsteil Niederzwönitz, das sich für das UNESCO-Weltkulturerbe bewirbt, das Heimatmuseum Knochenstampfe im Ortsteil Niederzwönitz und die Gebhardtsche Sammlung in der historischen Austel-Villa. Einen besonderen Rahmen für Musik bietet die Zwönitzer St. Trinitatiskirche. Sie wurde nach dem Brand im Jahre 1688 neu geweiht und erhielt einen barocken Kanzelaltar des Zwönitzer Meisters Gottfried Ullrich. Ab 1980 wurde das Gotteshaus renoviert und eine neue Orgel der Firma Eule eingebaut, der alte Prospekt jedoch erhalten und sorgsam restauriert. www.zwoenitz.de


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GRÜNHAIN

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rückblick

Di, 16. September 2014 | 20 Uhr Grünhain, St. Nicolai-Kirche Dorothee Mields · Sopran Ulrike Hofbauer · Sopran Isabel Jantschek · Sopran Maria Stosiek · Sopran David Erler · Altus Stefan Kunath · Altus Georg Poplutz · Tenor Tobias Mäthger · Tenor Felix Schwandtke · Bass Martin Schicketanz · Bass Dresdner Kammerchor Dresdner Barockorchester Hans-Christoph Rademann · Dirigent

• Konzerteinführung 18:45 Uhr | Gemeindesaal | Dr. Oliver Geisler • Turmbesteigung ab 17 Uhr

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programm

EINFÜHRUNG

Musikalisches Vermächtnis Die Symphoniae sacrae von Heinrich Schütz

Heinrich Schütz (1585 – 1672) Symphoniae sacrae III Komm, heiliger Geist, Herre Gott · SWV 417 Herr, wie lang willst du mein so gar vergessen? · SWV 416 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen · SWV 399 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist · SWV 409 Es ging ein Sämann aus · SWV 408 Saul, Saul, was verfolgst du mich · SWV 415 – Pause – Der Herr ist mein Hirt · SWV 398 Mein Sohn, warum hast du uns das getan · SWV 401 O süßer Herr Jesu Christ · SWV 405 Vater unser · SWV 411 Lasset uns doch den Herren, unsern Gott loben · SWV 407 Siehe, wie fein und lieblich ist · SWV 412 Nun danket alle Gott · SWV 418

So etwas hatte man im kriegsgeschundenen Europa gut drei Jahrzehnte nicht mehr gehört. Eine solche klangliche Opulenz gepaart mit wortgewandtem musikalischen Ausdruck und einer geradezu vehementen Zuversicht war den Menschen in Dresden, Sachsen und Mitteldeutschland seit den Psalmen Davids von 1619 nicht mehr begegnet. Was Heinrich Schütz (1585 – 1672) da unter dem Titel Symphoniae sacrae. Tertia Pars. Opus Duodecimum. Deutsche geistliche Konzerte für fünf bis acht obligate Stimmen (Singstimmen und Instrumente), Complementum ad libitum (Singstimmen und Instrumente) und Basso continuo im Jahr 1650 veröffentlichte, erweist sich als eine Art Fermate im Lauf der Geschichte. Eine Zäsur in zwei Richtungen – als Werksammlung, die den Weg in die Zukunft anzeigt und als Summe, Bilanz und geordnet-ordnende Zusammenfassung der Vergangenheit. Als würde sich ein Komponist sukzessive aus der Bedrängnis und den Entbehrungen eines allumfassenden, kollektiven Gewaltexzesses herausarbeiten, ist das Werk, von dem hier die Rede ist, von einer Besetzung mit drei Favoritsängern im ersten Konzert allmählich gesteigert bis hin zu sechs Favoritsängern und auch größeren, komplexeren und raumgreifenderen Werkstrukturen. Es ist die Revision eines kulturellen Niedergangs: Denn hatte die gefeierte Dresdner Hofkapelle 1617, am Vorabend des DreißigMUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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EINFÜHRUNG

jährigen Kriegs, anlässlich der 100-Jahrfeier der Reformation, noch ein mächtiges, fünfchöriges »Herr, unser Herrscher« mit Trompeten und Heerespauken in der Dresdner Schlosskapelle erschallen lassen, vernahm man dann 1636 in den Kleinen geistlichen Konzerten eine einzige Solo-Stimme, nur vom Basso continuo begleitet. Diese ist existentiell bedroht und ringt um Worte: »Eile, mich, Gott, zu erretten.« Schütz selbst sprach in jenen Jahren von den »erstickten und in den Koth getrettenen Künsten.« Und noch in der Widmung der Symphoniae sacrae III sieht er diese Werksammlung in unmittelbarem Zusammenhang mit dem zwei Jahre zuvor beendeten Weltkrieg, habe er doch – so richtet er sich an seinen Landesherrn Kurfürst Johann Georg II. – die »abgewichenen langwierigen dreyssig Jährigen Kriegsläufften« in »frischem Andencken«. Aber nun, im Jahr 1650, stellt Schütz inmitten einer Narbenlandschaft – Europa genannt – mittels Musik eine neue alte Ordnung her. Spricht die Nummer 1 mit den Worten »Der Herr ist mein Hirt« den Menschen Trost zu, ist der Abschluss mit der Nummer 21 ein selbstbewusstes Statement mit Blick auf die Zukunft: »Nun danket alle Gott.« Und es sollte sein großes Vermächtnis werden. Rund 100 Jahre bevor Johann Sebastian Bach mit der h-MollMesse eine Art Summe seines Schaffens vorlegte, gab Heinrich Schütz 1650 die Symphoniae sacrae III in den Druck. Der Gedanke des Vermächtnisses drängt sich auf, wenn man Werk und Biografie von Schütz in einen Zusammenhang bringt.

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Nur wenige Wochen nach Erscheinen der Symphoniae sacrae III richtet er ein umfangreiches Memorial an seinen Landesherrn. Er bittet – nach 35-jähriger Dienstzeit am Dresdner Hof – um Amtserleichterung und Entlassung aus dem Dienst. Schütz ist zu diesem Zeitpunkt 65 Jahre alt und wird gern für den »allerbesten teutsche Componisten« gehalten. Gleichwohl klagt er über sein »abgenommen gesicht« und das Schwinden »aller lebenskräfte.« Und da er seine Gesundheit »nicht in gefahr stellen und gar zu boden stürtzen will«, bittet er, man möge ihn in »einen etwas geruhigeren Zustandt« versetzen. Um das Jahr 1650 ist bei Schütz zunehmend ein Bewusstsein für die Geschichtlichkeit des eigenen Lebenswerkes zu beobachten. Er sprach in dem umfangreichen Memorial von 1651 neben körperlichen Gebrechen auch davon, dass er in seiner »Jugendt angefangene Musicalische Wercke colligieren, Completiren, undt zu meinem andencken auch in den Druck geben« wolle. Und es gehe nunmehr darum, »den in meinen jungen Jahren etlicher massen erlangeten gueten namen, bey itzigen meinem Alter zu behaupten.« Andenken und Selbstbehauptung – das waren neue Töne, die die Vorstellung von Vergänglichkeit wie einen Schleier über das eigene Tun legten und das Bedürfnis nach Fort- und Nachleben aufkommen ließen. Schütz’ musikalische Generatio – seine Schöpfung – verschmilzt mit dem Gedanken der künftigen Generationen, als deren Vater Schütz gelten wollte.


Das Vermächtnis ist die Aneignung der italienischen Avantgarde des 17. Jahrhunderts. Und so ist es auch nicht überraschend, dass Schütz in seinem Vorwort zu den Symphoniae sacrae III neben allerlei Floskeln der stark reglementieren höfischen Kommunikation ganz ausdrücklich seinen zweiten Italienaufenthalt 1628/29 erwähnt. Dort habe er die Möglichkeit gehabt »der inzwischen auffgebrachten Neuen/ und heutiges Tages gebrauchlichen Manir der Music mich zuerkundigen.« Allerdings wird die epochale Leistung erst dann ersichtlich, wenn man die Eigenständigkeit, auch Eigenmächtigkeit betrachtet, mit der Schütz die italienische »Manir« mit der »teutschen gravitet« verschmilzt, wie Schütz die Kunstfertigkeit von Monteverdi & Co zur Grundlage eines eigenen, unverwechselbaren Stils macht, der sich dann in Mitteldeutschland fortschreibt und weiter verzweigt. Schütz' Vermächtnis ist nicht weniger als eine, vielleicht die zentrale Weichenstellung für den Fortgang der deutschen und mitteleuropäischen Musikgeschichte. Und die Symphoniae sacrae III sind da die kunstvolle Signatur unter ein Lebenswerk, dem dann auch nichts vergleichbares folgt. Schütz hört keineswegs auf, zu komponieren, allerdings schlägt er einen überraschenden Weg ein: Nach den Psalmen Davids, nach den Kleinen geistlichen Konzerten und nach den Symphoniae sacrae treibt er nicht die Ideen des modernen Konzertes, des Artifiziellen, gern auch Opulenten oder Affektreichen weiter. Was folgt, ist eine sukzessive Reduktion der (äußerlich sicht- und hörbaren) musikalischen Mittel, sodass dann in den späten a-cappella-Passionen eine Form der Konzentration

vorherrschen wird, bei der feinste Nuancen und wenige Gestaltungsmittel zu wahren Bedeutungsexplosionen führen können. Aber das ist im wahrsten Sinne des Wortes Zukunftsmusik. Zurück zu den Symphoniae sacrae III sind wir mit einer überbordenden Fülle an musikalischen Ideen konfrontiert, die alle dem Zweck dienen, den Text so klar und gleichermaßen subtil und komplex auszudeuten. Schütz‘ historische Leistung ist es eben, die italienische »musica« mit der deutschen »poeterey« zu verschmelzen und daraus ein Werk zu erschaffen, das stets vom Wort, von der Aussage und der sprachlichen Mitteilung aus gedacht ist. Bereits das erste Konzert des Werkzyklus‘ sensibilisiert für die raffinierten Elemente einer musikalischen Rede. Der Zuversicht der Aussage »Der Herr ist mein Hirt« im beschwingten Dreier-Takt folgen dann bildliche Miniaturen, etwa die pendelnden Sechzehntelfiguren, die das »Führen zum frischen Wasser« im Sinnbild eines geschlungenen Pfades aufrufen. Die »Wanderung im finsteren Tal« führt nicht nur in die tonliche Tiefe, sondern ist auch als eine Folge von Ton-Schritten plastisch vor Augen gestellt. Wenn es um den Text »du schenkest mir voll ein« geht, hält Schütz eine musikalische Figur bereit, die Fülle und Überfluss auszudrücken vermag. Und schließlich wird gegen Ende dieses Psalms 23 die Verheißung ausgesprochen: »und werde bleiben im Hause des Herren immerdar.« So offensichtlich und ggf. erwartbar die Schütz'sche Idee da vielleicht zu sein scheint, so klar ist sie doch MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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EINFÜHRUNG

in ihrer Funktion und Wirkung, dem Hörer das Bleiben als Verharren auf einem einzigen Ton auszudrücken. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie man bei diesen Werken die Partitur und die Aufführung abschreiten kann und so eine Kette an reizvollen Miniaturen erlebt, die – und das ist die Meisterschaft – immer in einer Gesamtidee, einer umfassenden Aussage zusammengeführt sind. Gerade so, wie aus einzelnen farbigen Steinen ein Mosaik gebildet wird. Die Bildlichkeit geht bei Heinrich Schütz so weit, dass die graphische Dimension der Partituren selbst eine Erwähnung verdient hat. In dem Konzert »Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen« malt die Phrase des Bass-Solisten regelrecht ein Gebirgs­ panorama. Und wenn dann über die Hilfe sinniert wird, die von eben jenen Bergen kommt, zeichnen die Violinen mit ihren Melodieverläufen ebenfalls Landschaften, die dann zu einer wortwörtlichen Tiefendimension und räumlichen Wirkung von Musik führen. Der Ideenreichtum von Schütz ist derart groß, dass dessen Beschreibung den Rahmen eines Einführungstextes sprengt. Sei es das mitreißende und harmonisch extravagante Flehen um Hilfe im »Vater unser«, oder wie in SWV 409 in der Passage »ein voll, gedruckt, gerüttelt und überflüssig [überfließend] Maß« das Taktschema durchgerüttelt wird oder in »Saul, was verfolgst du mich?« die Redewendung »wider den Stachel löcken« verbild-

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licht wird, in dem man jene landwirtschaftliche Ursprungsszene des Sprichworts zu sehen scheint, in der ein Ochse versucht, den Schmerzen eines am Wagen installierten Stachels vergeblich auszuweichen und gerade dadurch permanent vorwärts getrieben wird. Allerdings kann man zur Beruhigung sagen, dass dem aufmerksamen Hörer kaum ein Bild entgehen wird, denn Schütz ist ein Meister der Dosierung und des Timings, so dass, wer den Bildern nachspürt, die einzelnen musikalischen Ideen und Figuren meist genau so lange angeboten werden, wie man braucht, um sie zu entschlüsseln. Und dann schreiten Musik und Text auf gleichsam natürliche Weise voran. Einige der Symphoniae sacrae III haben im 19. Jahrhundert eine ganz eigene Karriere erlebt. Es war kein geringerer als Johannes Brahms, der mit der Aufführung von »Saul, was verfolgst du mich?« im Jahr 1863 dem kunstverwöhnten Wiener Publikum eine regelrechte musikalische Sensation offerierte. Brahms hatte das Werk kennengelernt, da es in Carl von Winterfelds GabrieliBuch abgedruckt und leidenschaftlich besprochen war. Brahms' Liebe zu Heinrich Schütz begann bereits 1858, also einige Jahre bevor Philipp Spitta eine Schütz-Ausgabe anfertigte, als Clara Schumann Brahms anbot, einige Werke von Johann Eccard und Heinrich Schütz für ihn zu kopieren. Doch spätestens mit Spittas editorischer Pionierarbeit war Schütz neben Johann Sebastian Bach zu einem musikalischen Wegbegleiter für Johannes

Brahms geworden. Und so erfüllte sich letztlich, was als Wunsch von Schütz mit der Herausgabe der Symphoniae sacrae III einst formuliert wurde: Sein Werk und musikalisches Erbe wurde für junge Komponisten zum Medium und zur Möglichkeit, sich ihrer eigenen musikalischen Herkunft zu versichern und daraus Wege in die Zukunft zu entwickeln. Es war wohl eine wegweisende und weitsichtige Formulierung, Schütz noch zu Lebzeiten als »parens nostrae musicae modernae«, als »Vater unserer modernen Musik« zu bezeichnen. Und heute? Möglicherweise sind die Symphoniae sacrae III von Heinrich Schütz in ihrer Ereignisdichte, in der Vielschichtigkeit der Textauslegung und in ihrer Sinnlichkeit wieder oder immer noch ein Vermächtnis, dessen musikalische Macht darin besteht, zu überwältigen, aufzuwühlen, nachdenklich zu machen, zu trösten und auch schlichtweg zu erfreuen. Dr. Oliver Geisler ist Dramaturg des Musikfestes Erzgebirge. Zudem ist er Chormanager des Dresdner Kammerchores.

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KONZERT

STADTPORTRÄT

Grünhain-Beierfeld Geschichte im Spiegelwald Die westerzgebirgische Stadt Grünhain-Beierfeld erstreckt sich rund um den 728 m hohen Spiegelwald. Die Stadt besteht aus den Stadtteilen Grünhain, Beierfeld und Waschleithe mit dem Verwaltungssitz in Beierfeld. Beierfeld kann auf eine 800-jährige wechselvolle Geschichte zurückblicken. Mit dem Silber- und Erzbergbau sowie der Löffelmacherei begann ab dem 15. Jahrhundert die Industriegeschichte. Blecherzeugnisse, allen voran die Sturmlaternen, begründeten Beierfelds Weltruf und der Ort wurde zum größten Industriedorf Mitteldeutschlands. Heute gibt es in Beierfeld zahlreiche metallverarbeitende Produktionsstätten, in denen die Hochtechnologie Einzug gehalten hat. Grünhain verdankt seine überregionale Bekanntheit dem 1232 gegründeten Zisterzienserkloster. Historische Pfade im Klostergelände führen entlang der 1,4 km langen erhaltenen Klostermauer. Auch der Fuchsturm, das Amtsgebäude, das Mönchsbrunnenensemble mit der Postmeilensäule und die Grundmauern des Klosters sind noch erhalten. Der denkmalgeschützte Marktbereich mit der St. Nicolai Kirche, dem Pfarramt und der »Alten Schule«

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erzählen aus dem vorigen Jahrhundert. Grünhain bietet interessante Möglichkeiten für Urlaub, Erholung und Kuraufenthalte. Eine reizvolle idyllische Landschaft, mit ganzjährig gesundheitsförderndem Heilklima, lädt dazu ein. Im reizvollen Landschaftsschutzgebiet »Oswaldtal« liegt der Waschleithe. Als touristischer Anziehungspunkt der Stadt Grünhain-Beierfeld bietet er Bewohnern und Gästen eine große Palette vielfältigster Freizeitmöglichkeiten. Überregional bekannt wurde der Ort als Schauplatz des Sächsischen Prinzenraubes. Heute sind die Schauanlage »Heimatecke«, das Schaubergwerk »Herkules-Frisch-Glück« und der Natur- und Wildpark Waschleithe ganzjährig Besuchermagneten für Gäste aus nah und fern. www.gruenhain-beierfeld.de


HEINRICH SCHÜTZ : DIE GESAMTEINSPIELUNG historisch informiert, heute interpretiert Hans-Christoph Rademann · Dresdner Kammerchor Oktober 2014

Carus 83.232 (2 CDs)

Carus 83.237

Carus 83.238 (SACD)

Carus 83.239

Carus 83.252

Carus 83.253

Neu

Carus 83.255

Heinrich Schütz

Auferstehungshistorie

2 SACDs

Weihnachtshistorie Carus 83.257

CCarus

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Gerlinde Sämann · Stefan Kunath · Georg Poplutz · Felix Rumpf The Sirius Viols · Hille Perl · Lee Santana · Ludger Rémy · Instrumenta Musica

Mields · Werneburg · Erler · Kunath Poplutz · Mäthger · MacLeod · Schwandtke

Dresdner Kammerchor Hans-Christoph Rademann

Dresdner Kammerchor · Dresdner Barockorchester Hans-Christoph Rademann

Carus 83.254

Carus 83.256

Heinrich Schütz

Psalmen Davids

Carus 83.255 (22 SACDs)

Carus 83.256

Eine Koproduktion mit MDR FIGARO

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KONZERT

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LÖSSNITZ

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blickerweiterung 70

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⑥ programm

Mi, 17. September | 20 Uhr Lößnitz, Johanniskirche Francesca Lombardi · Sopran Dresdner Barockorchester Ulrike Titze · Konzertmeisterin Pera Ensemble Mehmet Yeşilçay · Leitung

Johann David Heinichen (1683 – 1729) Allegro aus »Diana su l‘Elba« Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) Amabile e sempre piano aus »Flavio« Johann Adolph Hasse (1699 – 1783) Allegro assai aus »Siroe« Johann David Heinichen Aria »Languido al par del guardo« aus »Diana su l‘Elba« Johann David Heinichen Aria »Vieni, vieni o de viventi dolce orror« Georg Friedrich Händel Aria »Vo‘ far guerra, e vincer voglio« aus »Rinaldo« Johann Adolph Hasse Ballo da Turca aus »La Contadina« Johann Georg Pisendel (1687 – 1755) Imitation des caracteres de la danse

Di, 16. September | 15 Uhr Schülerkonzert

Nicola Antonio Porpora (1686 – 1768) Aria des Arminio»Parto di Lascio« aus »Germanico in Germania«

18:45 Uhr Lößnitz, Gemeindesaal Künstlergespräch

Antonio Vivaldi (1678 – 1741) Aria »Per noi soave« aus »Giustino«

Konzertmitschnitt

– Pause –

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KONZERT

Antonio Lotti (1667 – 1740) 1. Satz aus der Sinfonia zu »Teofane« Giovanni Battista Sammartini (1700/1701 – 1775) Andante aus der Sinfonia zu »Memet« Johann Joseph Fux (ca. 1660 – 1741) Turcaria Georg Friedrich Händel Aria »Mi lagnerò tacendo« aus »Siroe« Johann Adolph Hasse Aria »Un sol tuo sospiro« aus »Marc‘ Antonio e Cleopatra« Georg Philipp Telemann (1681 – 1767) »Mezzetin en Turc« aus »Suite burlesque« Dervis Frenk Mustafa »Murabba« aus der Sammlung Ali Ufki Georg Philipp Telemann / Ali Ufki »Les Janissaires« aus der Suite in D / »Rehavi Semai« Silvius Leopold Weiss (1687 – 1750) Ciacona Antonio Vivaldi Allegro aus Sinfonia »Tempesti mare« Johann Adolph Hasse Arie »Se tutto il mondo« aus »L‘amor prigioniero«

EINFÜHRUNG

Auf der Suche nach einer neuen Klangkultur MEHMET YEŞILÇAY, wie ein Kernphysiker lassen Sie heute Abend barocke und osmanische Musikteilchen aufeinanderprallen und gucken, was passiert. Gab es ein musikalisches Erweckungserlebnis, das Sie auf diese Idee brachte? Das liegt vielleicht in meiner Herkunft begründet. Ich kam mit neun Jahren nach Deutschland und bin erst mal nicht mit Klassik, sondern mit Jimi Hendrix konfrontiert worden. Mit sechzehn, siebzehn begann mich die hochkomplexe osmanische Musik wieder zu faszinieren. Parallel beschäftigte ich mich mit europäischer Musik; aber nicht aus dem Barock, eher mit den Zeitgenossen. Irgendwann habe ich versucht, Verbindungspunkte dieser Stile für ein gemischtes Ensemble zu finden, Werke selber zu schreiben. Erst dann, Mitte der Achtziger, habe ich angefangen, mich mit mittelalterlicher Musik aus Spanien und Italien zu beschäftigen. Eine komplexe Entwicklung, oder? Ja, vor allem: wie und wo nähert man sich denn in Deutschland am besten der osmanischen Musik? Es hat mich sehr viel Zeit gekostet, das herauszufinden. Ich habe viel Schule geschwänzt, und mein Studium hat doppelt so lange gedauert. Über Jahre bin ich viele Male in die Türkei gereist, um Musik aus der ersten Quelle zu hören und bei den großen Meistern wie Cinuçen Tanrikorur zu studieren. Nur so kann das funktionieren. Und irgendwann entschieden Sie: jetzt machen Sie die mal selbst? Ich hatte ja ein Mittelalter-Ensemble, dort verabschieMUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

dete ich mich irgendwann, und zeitgleich ging Werner Erhardt von Concerto Köln weg. Wir trafen uns und überlegten, was wir gemeinsam auRhtmischf die Beine stellen könnten. Das war die Geburtsstunde von Pera. Gibt es denn eigentlich ein Pendant zum Interesse der Europäer an türkischer Musik? Nein. Die Osmanen haben sich lange geweigert, europäische Sprachen zu lernen und die Musik anzunehmen. Das begann erst 1830, 1840. Pera ist ja der Name eines Stadtviertels von Istambul, dort waren die europäischen Botschaften. Die Italiener, Franzosen, Engländer und auch die Deutschen hatten ihre eigenen Orchester. Aber der Austausch mit den Osmanen fand nicht wirklich statt, die Türken hielten diese europäische Kultur für minder. Andersherum ist ein Interesse für türkische Musik nicht erst bei Mozart, sondern schon bei Monteverdi zu finden: der kämpfte gegen die Türken in verschiedenen Seeschlachten! Die Sklaven, die Kriegsgefangenen trugen die Kultur hin und her. Die »Alla turca«-Mode kam dann nach der letzten Belagerung von Wien auf, als die militärische Gefahr gebannt war. Plötzlich interessierte man sich für die »edlen« Türken. Und die edlen Türken kümmerten sich nicht um die Europäer? Das Osmanische Reich spannte sich einst von Spanien über den Balkan bis Afghanistan und China. Fünfhundert Jahre lang war es das weltgrößte Imperium! Es gab verschiedene Rechtssysteme, Kirchen und Moscheen standen nebeneinander. Hinzu

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kommt, dass die Araber und Türken im Mittelalter hinsichtlich der Baukunst, der Mathematik, auch der Geisteswissenschaften weit voraus waren. Da Vinci? Kalter Kaffee. Rom hat die Osmanen nicht interessiert, sie haben nur ab und zu mal damit gedroht, die Stadt einzunehmen. Mensch, die hatten 148 rhythmische Metren, 650 Tonleitern, Europa hatte quasi nur Dur und Moll! Da ist es doch kein Wunder, wenn ein Sultan im 16. Jahrhundert abfällig bemerkt, diese europäische Musik sei so einfach gestrickt, die würde ja nicht mal Kinder unterhalten! Der Niedergang der Geisteswissenschaften begann 1730; danach schaute man ab und an nach Europa. …wo die Türkenmode am Dresdner Hof schon Blüten getrieben hatte. Wie müssen wir uns die eigentlich vorstellen? Das können wir gar nicht mehr genau sagen. Wir können zumindest den höfischen Berichterstattern nicht trauen, die alles beschönigt haben. Ungefähr wissen wir, was musikalisch gespielt wurde. August war ein großer Freund der osmanischen Kultur und Mode. In die Hochzeitsfeierlichkeiten seines Sohnes war eine eigene türkische Feier integriert, ein Janitscharenensemble spielte. Noch heute sieht man in den Museen, was er an Zelten, Schmuck, Kleidern hortete: noch sein Großvater hatte gegen die Türken gekämpft! Seine türkische Geliebte Fatima gebar ihm ein Kind, das er anerkannt hat! Aber man muss auch sagen, August war nie in seinem Leben in der Türkei. Und die Berichte und Quellen waren


miserabel. Nackte Frauen, die im Harem rumliegen: das war so ungefähr die barocke Vision des Orients. Speziell am Dresdner Hof schätzte man zudem das Märchenhafte, den Prunk. Wenn sich der türkische Botschafter bei Ludwig XIV. ankündigte, haben sie allein dafür einen Boten mit 600 Leuten geschickt. Kaffee, Kleider, auch die Musik, die war für die Leute sehr interessant. Verstanden die Europäer die osmanische Künste? Überhaupt nicht. Monteverdi versuchte die türkische Musik zu imitieren, hörte die modale Musik mit ihren Mikrointervallen und versuchte, das mit Chromatik abzubilden. Für Europäer war diese Musik ein Kulturschock, manche schrieben von »Gejaule«, aber auch von Musik aus dem Paradies. Ich glaube, die Faszination galt nicht nur der Musik: die Gewürze, die Gerüche, die Reinlichkeit des Orients! Stellen Sie sich vor, Sie kommen mit einer Karawane in eine Karawanserei. Dort durften Sie eine Woche kostenlos bleiben, Wasser, Nahrung, die Tiere wurden versorgt, alles Flatrate sozusagen! Medizinische Versorgung gab es zum Nulltarif. Seit dem 14. Jahrhundert inklusive Musiktherapie, später die ersten öffentlichen Impfungen. Es gab Armenhäuser, Krankenhäuser, Universitäten. Die Türken sind die Erfinder des Stiftungswesens, auch der Suppenküchen: Man sagt, dass man in Istanbul niemals einen Menschen sah, der gehungert hätte. Es gab keinen Adel, alle waren gleich. Über das Interesse am Exotischen hinaus, was fasziniert bei

den Konzerten des Pera Ensembles am jeweils anderen Musikstil? Ich bin der Verbindungspunkt zwischen den Welten, stelle das Programm zusammen und arrangiere die Stücke. Unsere Idee für »Diana unterm Halbmond« war die Suche nach einer neuen Klangkultur. Wir stellten uns vor: am Hof Istanbuls sind europäische Musiker zu Gast. Was könnte da passiert sein, was boten sie dar? Und wie reagierten die türkischen Musiker? Eine Möglichkeit wollen wir im heutigen Konzert vorstellen.

ULRIKE TITZE, schon einmal waren Sie dabei, als Orient und Okzident musikalisch zueinanderfanden... Ja, das war, als wir einmal Georg Friedrich Händels Oper »Agrippina« in der türkischen Stadt İzmir aufführten. Der Dirigent Wolfgang Riedelbauch, der eingeladen war, das Projekt zu leiten, lud mich als Konzertmeisterin dazu. Die Spitzenpositionen des Orchesters waren mit deutschen Musikern besetzt; die restlichen Mitglieder spielten im lokalen Opernorchester. Sie hatten sich Barockbögen und Darmsaiten besorgt und waren zum großen Teil sehr aufgeschlossen. Für einen Großteil der Musiker war das eine völlig neue Welt. Wie reagierte denn das Publikum auf diese Musik? Ach, die Musikwelt von İzmir ist schon sehr vielfältig. Am Vorabend unserer Aufführung hatte ich mir Mikis Theodorakis’ »Alexis Sorbas« angesehen. Wo wird das in Europa denn im Augenblick geMUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

spielt? Barock-Oper zu hören, war kein Schock für das Publikum. Und für die Musiker, die das einfach mal ausprobiert haben, war es ein Gewinn, sich dieser Musik auf andere Weise zu nähern. Bedrückt haben mich eher die Begleitumstände, die wir hier gar nicht mehr kennen. Zum Beispiel gab es nur ein ganz schreckliches Cembalo, das klang wie eine Drahtkommode. Haben auch Sie künstlerisch etwas von der Musikerbegegnung mitgenommen? Auf alle Fälle! Ich lerne auch selbst viel von Reisen wie dieser. In einem ungarisch besiedelten Gebiet von Rumänien beispielsweise habe ich mich mit Volksmusiktradition beschäftigt. Da sind mir geigentechnisch Dinge aufgegangen, etwa was Haltung oder Lagenwechsel angeht. Die Musiker sind ja viel näher an der italienischen Musik als wir! Ich hörte, wie ein Musiker Vivaldis »Chaconne« aufbrach und mit Volksmusik mixte - total klasse. Ein Geiger aus Bukarest, der jetzige Rektor der Budapester Musikhochschule, stellte auf der Bühne einen alten Codex mit Melodien vor. Tänzer in Kostümen überbrachten ihm das Buch, er - in Mönchskutte - spielte eine Caprice mit allen technischen Rafinessen. Alles, was auf der Geige technisch möglich ist, spielte er, ohne eine Note aufgeschrieben zu haben. Toll! Welche Schnittmengen zwischen den Welten gibt es eigentlich instrumentell gesehen? Das ist ein spannendes Thema für mich. Man weiß ja, dass viele Instrumente, die wir heute in Europa

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kennen, über das arabische Andalusien »einsickerten« und dann Anreger waren für unsere späteren Instrumente. Die Kamancheh, eine gestrichene Laute, kam als »Fidel« nach Europa, letztlich entwickelten sich daraus die europäischen Streichinstrumente mit. Das war übrigens sehr früh: die Kamancheh gibt es schon seit dem 10. Jahrhundert. »Keman« ist heute der türkische Ausdruck für Geige. Das heutige Programm enthält Musikbausteine aus vielen Welten und soll im besten Falle eine »Blickerweiterung« anregen. Können Sie uns ein paar der Musikbausteine näher erläutern? Da hätten wir zum Beispiel Wojciech Bobowski, ein Pole, um 1600 herum in Lemberg geboren. Er geriet in türkische Gefangenschaft, konvertierte zum Islam, dolmetschte am Hof des Sultans und war als Musiker im Serail angestellt. Von ihm existiert die erste Sammlung türkischer Musik in europäischer Notation, aber er komponierte auch selbst. Ein Stück von »Ali Beg Ufqi« so wurde Bobowski am Hof genannt – ist im heutigen Programm dabei. Mehmet Yeşilçay hat das mit Cello und Theorbe besetzt; eine spannende Idee! Der spannendste Programmpunkt für mich: ich habe Mehmet vorgeschlagen, die Oper »Memet« von Giovanni Battista Sammartini, die in Dresden liegt, ins Programm zu nehmen. Das Dresdner Barockorchester hat die Sinfonia kürzlich für die CD »Gloria Dresdensis« aufgenommen; uns ist die Musik noch


gut im Ohr, und nun haben wir den Mittelsatz der Oper dabei. Und dann wäre da der Baustein Johann Jacob Bach, der drei Jahre ältere Bruder von Johann Sebastian. Johann Jacob (oder Jakob) entschloss sich mit 22 Jahren, in Dienst des Schwedenkönigs Karls XII. zu treten, der mit August dem Starken im Großen Nordischen Krieg lag. Er reiste als Mitglied der Militärkapelle mit dem König mit und blieb nach der Schlacht von Poltawa, in der die Schweden vernichtend geschlagen wurden, mit dem König im Exil im Osmanischen Reich. In Konstantinopel lernte er den französischen Flötisten Pierre-Gabriel Buffardin kennen, der ihn im Flötenspiel unterrichtete. Um nun den Bogen zum Programm zu schlagen: musikalisch befassen wir uns mit der Heirat des sächsischen Kurprinzen Friedrich Augusts mit Maria Josepha. Die Braut wurde im September 1719 mit einer Prunkgondel von Pirna nach Dresden gefahren. Auf dem Schiff spielte Buffardin eine Chaconne des berühmtesten Lautenisten der damaligen Zeit, Silvius Leopold Weiss, den August der Starke zu seinem Kammerlautenisten ernannt hatte, und Werke des »Kammermusikus« Augusts, Pantaleon Hebenstreit. Nach ihm ist das »Pantalon« benannt, eine Art großes Hackbrett, von dem man nicht weiß, wie eng die Bezüge zu türkischen Vorbildern wie dem Kanun sind. Auch Hebenstreit hielt sich übrigens 1713 in Konstantinopel auf! Mich fasziniert dieser künstlerische Austausch hin und her, das ist ja keine Erfindung unserer Zeit. Es geht uns nicht um das Nachspielen der

Hochzeitsmusiken, sondern vorrangig um das In-Austausch-Treten. Wir wollen dem barocken Geist nachfühlen, aus der Situation etwas Musikalisches neu erwachsen lassen. Erwähnung finden könnten in diesem Zusammenhang auch die »Planetenfeste«, die August der Starke anlässlich der Vermählung stattfinden ließ, und die künstlerisch wie philosophisch ganz unterschiedliche Blickerweiterungen ermöglichten… Die »Planetenfeste« waren ja im Prinzip eine Öffnung zum Überirdischen, Kosmischen, das Leben wurde in Beziehung gesetzt zu dieser weiten Sicht… Ich bin überzeugt, dass die Erfahrungen Gottsuchender aller Religionen im Grunde genommen dieselben sind, jenseits von allen Ritualen, Schriften und Erkenntnissen. Wenn wir uns das bewusst machen, brauchen wir uns eigentlich nicht um Gepflogenheiten zu streiten. Ein Projekt wie das heutige hat für mich daher auch einen großen geistigen Wert. Dr. Martin Morgenstern leitet die Öffentlichkeitsarbeit des Musikfestes Erzgebirge. Er lehrt Musikwissenschaft an der Technischen Universität Dresden im Honorarlehrauftrag und ist Chefredakteur von »Musik in Sachsen«.

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KONZERT

STADTPORTRÄT

Lößnitz Salz, Eisen und Liebenswürdigkeit Die Stadt Lößnitz liegt in einem langgezogenen Tal und wurde bereits 1284 erstmals als Stadt (Civitas) urkundlich erwähnt. Lößnitz zählt zu den ältesten Städten des Erzgebirges. Bis heute hat Lößnitz mit seinen Ortsteilen Affalter, Grüna, Dittersdorf und Dreihansen nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Während in den genannten Ortsteilen eine vorwiegend ländliche Struktur erhalten ist, begegnet dem Besucher im eigentlichen Ortskern die Liebenswürdigkeit einer Kleinstadt. Über Jahrhunderte prägten Bergbau, Handel und Gewerbe das Geschehen in der Stadt am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Handelswege (Salzstraße und Eisenstraße). Heute findet man noch reichlich Zeugen dieser Entwicklung. Das Kulturleben wird vorwiegend von den Vereinen und der Kirche in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung geprägt. Kulturelles Zentrum ist das Bürgerhaus am Markt, ehemals das alte Amtsgericht, mit Bücherei und Ausstellungsräumen des ältesten Schnitzvereins im Erzgebirge sowie einem kleinen, liebevoll eingerichteten »Heimatmuseum«. Besonders sehenswert sind die St. Johanniskirche mit einem der ältesten Bronzeglockenspielen Deutschlands, der Rösselturm und Reste der Stadtmauer, das Renaissance-Portal am Rathaus, das Schnitzerheim sowie das historische Bergbaugebiet Kutten.

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Alljährliche Höhepunkte der Region sind der »Lößnitzer Salzmarkt« (3. Wochenende im Juni) und der Lößnitzer Weihnachtsmarkt zum 3. Advent. In der 1996 fertiggestellten Erzgebirgshalle können Besucher die Heimspiele des EHV Aue (2. Handball-Bundesliga) anschauen oder sich auch selbst vielfältig sportlich betätigen. In den Sommermonaten gehört ein Besuch des kleinen schmucken Freibades in Affalter ganz einfach dazu. Ausgezeichnete Wintersportbedingungen findet man am Skilift im Skigebiet »Auf der Milda«. Für Wanderfreunde kann u. a. der Wanderweg »Historische Salzstraße« empfohlen werden. www.loessnitz.de


tickets_musikfest-erzgeb_176x119_neu.pdf

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16.05.2012

16:32:33

Tickets im Vorverkauf

Rock & Pop | Schlager & Volksmusik | Klassik Oper & Operette | Festivals | Theater | Lesungen Musical | Comedy | Kabarett | Show & Revue Jazz | GroĂ&#x; & Klein | Open Air | Party | Sport

Der ausfĂźhrliche Ticket-Kalender erscheint immer donnerstags im Freizeitmagazin WOHIN. Tickets, bundesweit, erhalten Sie in allen Freie Presse-Shops.

Kostenlose Ticket-Hotline 0800 80 80 123 | www.freiepresse.de/tickets MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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blick nach innen

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Do, 18. September 2014 | 20 Uhr Freiberg Dom St. Marien Masaaki Suzuki · Orgel

• Domführung bei Nacht im Anschluss an das Konzert • 18:30 Uhr Besuch und Gespräch im Silbermann-Haus mit dem Domorganist und Präsidenten der Silbermann-Gesellschaft Albrecht Koch • Stadtrundgang 15 Uhr


KONZERT

programm

EINFÜHRUNG

»Man kann nichts würdigeres, erhabeneres und heiligeres hören …« Die Achtzehn Choräle als Gipfel der Orgelkunst Johann Sebastian Bachs

Johann Sebastian Bach (1685–1750) Fantasia super: Komm, heileger Geist, Herre Gott · BWV 651 Komm, heiliger Geist, Herre Gott · BWV 652 An Wasserflüssen Babylon · BWV 653 O Lamm Gottes unschuldig · BWV 656 Von Gott will ich nicht lassen · BWV 658 Nun komm, der Heiden Heiland · BWV 659 Allein Gott in der Höh sei Ehr · BWV 663 Allein Gott in der Höh sei Ehr · BWV 662 Praeludium und Fuge e-moll · BWV 548

Johann Sebastian Bach galt schon zu Lebzeiten als bedeutendster Organist und Orgelexperte weit und breit. Der 1754 gedruckte Nachruf rühmt ihn als den »stärksten Orgel und Clavierspieler, … den man jemals gehabt hat.« »Niemand konnte besser, als er, Dispositionen zu neuen Orgeln angeben, und beurtheilen«. Gewährsleute dieses Textes sind Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel und sein Schüler Johann Friedrich Agricola. Bachs Söhne waren es auch, die Johann Nikolaus Forkel, der 1802 die erste Bach-Biographie auf den Markt bringen sollte, weitere Details aus dem Leben des Vaters erzählten. So widmet Forkel Bachs »Art, die Orgel zu behandeln« fünf Seiten und eine weitere den »Orgelsachen«, also Kompositionen, zu einer Zeit, die sich dem Instrument Orgel aus ästhetischen wie ideologischen Gründen bereits entfremdet hatte. Forkel rühmt das obligate Spiel Bachs auf dem Pedal, »von dessen wahrem Gebrauch nur wenige Organisten etwas wissen«, ferner seine Art zu registrieren und seine tiefe Kenntnis der Harmonie: »er hat endlich in den neuern Zeiten die Orgelkunst zu ihrer größten Vollkommenheit gebracht.« Orgelmusik begleitete Johann Sebastian Bach sein Leben lang. Bereits in seiner Heimatstadt Eisenach erlebte er, wie sein Onkel MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

Johann Christoph Bach – den er später als »profonden Componisten« schätzte und dessen Musik er noch in Leipzig aufführte – den Bau einer neuen Orgel in seiner Taufkirche St. Georg leitete und überwachte. Verbürgt ist es nicht, aber doch gut vorstellbar, dass der noch nicht zehn Jahre alte Junge den Handwerkern über die Schultern schaute, wie er mit offenen Ohren der Intonation der Pfeifen folgte und vielleicht sogar auf der Baustelle herumkletterte. Bach – Virtuose, Gutachter und Komponist Orgelwerke gehören zu den frühesten und auch zu den letzten Kompositionen Bachs. In Arnstadt (1703 – 1707) und Weimar (1709 – 1717) war sein Dienstsitz die Orgelbank; von Köthen aus bewarb er sich 1720 um eine Organistenstelle in Hamburg; sieben Jahre zuvor hatte er mit einem Amt in Halle geliebäugelt und die neue Orgel der Marienkirche begutachtet; von diesem Aufenthalt ist eine üppige Verpflegungsrechnung erhalten. Von Leipzig aus – hier gehörte das Orgelspiel nicht zu seinen Aufgaben – bereiste er Mitteldeutschland von Dresden bis Kassel, um Orgeln zu prüfen, zu begutachten und Konzerte zu spielen. Für solche Anlässe entstanden ebenso weitere Kompositionen wie zu Unterrichtszwecken; nicht nur der Virtuose und der Sachverständige, sondern auch der Lehrer Bach war eine gesuchte Persönlichkeit. Das Bach-Werkeverzeichnis führt zwischen den Nummern 525 und 771 knapp 250 Orgelwerke Bachs auf: Triosonaten, Toccaten, Präludien und Fugen, Konzertbearbeitungen und vor allem

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choralgebundene Stücke, knappe Vorspiele, umfangreichere und tiefgründige Bearbeitungen sowie Choralpartiten, also Variationen. Die wenigsten dieser Stücke sind von Bachs eigener Hand überliefert, sondern in Abschriften, die Söhne und Schüler anfertigten, um diese Musik zu besitzen und zu spielen, ein damals übliches Verfahren. Drucken, das heißt: in verbindlicher und multiplizierbarer Form verbreiten ließ Bach nur drei Sammlungen: den Dritten Theil der Clavierübung, ein von einem mächtigen Paar Präludium und Fuge (Es-Dur, BWV 552) eingerahmtes Kompendium von »Vorspielen über die Catechismus- und andere Gesaenge«. Der Druck erschien 1739, als sich der Jahrestag der ersten Predigt Martin Luthers in der Thomaskirche zum 200. Male jährte. 1747 Einige canonische Veränderungen über das weihnachtslied ›Vom Himmel hoch da komm ich her‹, eine Auftragsarbeit für die Mizlersche »Sozietät der musikalischen Wissenschaften«. Gegen Ende seines Lebens schließlich legte Bach Sechs Choräle von verschiedener Art vor, gedruckt bei Johann Georg Schübler im thüringischen Zella. Hierbei handelt es sich um kunstvolle Bearbeitungen von Sätzen aus Bachs Kantatenwerk. Weimar und Leipzig – Erstfassungen und Überarbeitungen In Weimar hatte Bach ein »Orgelbüchlein« begonnen, eine systematische Sammlung von 164 knappen Choralvorspielen, von denen er im Laufe der Jahre jedoch nur 46 komponierte und eintrug. Die restlichen, schon vorbereiteten Seiten blieben frei. Eine Sammlung besonderer Güte, ja: finaler Qualität schließlich sind die sogenannten Achtzehn Choräle der Leipziger Originalhand-


schrift, um deren Entstehung, Sinn und Zweck sich allerlei Vermutungen ranken. Zweifellos handelt es sich um ein Spätwerk. Bach führte in dieser Handschrift ab etwa 1740 17 Choralbearbeitungen zusammen, die eigentlich schon in Weimar entstanden waren (einige von ihnen stehen in Erstfassung im »Orgelbüchlein«). Als wolle er die nach seiner Meinung besten und gelungensten Werke adeln und der Nachwelt als Vermächtnis anzubieten, überarbeitete Bach die Vorspiele und perfektionierte sie. Ob die Sammlung gedruckt werden sollte, wissen wir jedoch genauso wenig wie die Kriterien, nach denen Bach die einzelnen Choräle auswählte. Die Zusammenstellung folgt jedenfalls weder dem Kirchenjahr noch einer liturgischen Bestimmung. Von den 18 Bearbeitungen schrieb Bach selbst 15 nieder; sein Schüler und Schwiegersohn Johann Christoph Altnickol zwei weitere und schließlich auch den Choralsatz, der unter dem Titel »Vor deinen Thron tret’ ich hiermit« (BWV 668) auch die Kunst der Fuge beschließt. Dieses gewaltige Kompendium des Kontrapunkts konnte Bach bekanntlich nicht mehr fertigstellen; ob, wie Carl Philipp Emanuel auf die letzte Seite des Fragments schrieb (und später im Erstdruck wiederholte), der Verfasser wirklich über der letzten Fuge verstorben war und den nämlichen Choral gleichsam als Schwanengesang seinem Schwiegersohn aus dem Stegreif in die Feder diktiert hatte, wird von der Bachforschung heute in Frage gestellt.

Bach und Silbermann Ebenso wüssten wir gerne, ob Bach die wunderbaren Silbermann-Orgeln in Freiberg gespielt hat. Die Orgel im Dom entstand zwischen 1710 und 1714, zu Bachs Weimarer Zeit also; zu den Prüfern des fertigen Instruments gehörte auch Bachs Vorgänger im Thomaskantoren-Amt, Johann Kuhnau. Die Orgel der Petrikirche wurde gleichzeitig mit dem Instrument in der Dresdner Frauenkirche erbaut; auf diesem brandneuen Instrument spielte Bach am 1. Dezember 1736 nachweislich ein Konzert. Von eher anekdotischem Reiz ist der Umstand, dass Bach Anteile an einem Silberstollen in Kleinvoigtsberg nahe Freiberg besaß; zu deren Erwerb musste er jedoch nicht eigens ins Erzgebirge reisen. Zusammen mit dem berühmten Gottfried Silbermann examinierte Bach außerdem 1746 die von Silbermanns Schüler Zacharias Hildebrandt erbaute Orgel der Wenzelskirche zu Naumburg; hier wirkte Bachs oben erwähnter, allerdings früh verstorbener Schwiegersohn Altnickol als Organist. An eine Silbermannorgel, die in der (im Krieg verbrannten) Dresdner Sophienkirche, vermittelte Bach seinen Sohn Wilhelm Friedemann. »Man kann nichts würdigeres, erhabeneres und heiligeres hören, als diese Vorspiele.« Johann Nikolaus Forkels Würdigung gilt bis in die Gegenwart. Dr. Andreas Bomba

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KONZERT

STADTPORTRÄT

Freiberg – die Stadt … … mit dem Charme ihrer historischen Baukunst ist idyllisch gelegen am Fuße des Erzgebirges. Das Gesicht Freibergs ist geprägt durch den Reichtum und Wohlstand, den 800 Jahre Silberbergbau brachten. Die Silberstadt Deutschlands fasziniert durch ihren geschlossenen Altstadtkern. Mit engen Gassen, historischen Fassaden und malerischen Ensembles strahlt sie große Lebendigkeit aus. Beeindruckende Kulturdenkmäler zeugen von der langen und bedeutenden Tradition des Silberbergbaus. Die Universitätsstadt Freiberg ist Sitz der TU Bergakademie. Sie betreibt bis heute erfolgreich das, wofür sie 1765 gegründet wurde: praxisnahe Ausbildung und Forschung. Ihr klares Profil mit den vier Gebieten Geowissenschaften, Energie, Umwelt und Werkstoffe greift die aktuellen Themen einer modernen Industrie­nation auf. Der Wirtschaftsstandort Freiberg gilt längst als Solarhauptstadt Ostdeutschlands und ist einer der globalen Leuchttürme der Halbleiterindustrie. Freiberg gehört zu den führenden Herstellern von Reinst-Silizium. Dieses ist ebenso Ausgangsstoff für die Herstellung von Solarzellen und -modulen, die ebenfalls in Freiberg produziert werden: Siliziumwafer aus Freiberg sind der Grundstock für die Photovoltaik weltweit. Auf der Spur des Silbers kann in Freiberg vielerorts gewandelt werden: in Sachsens ältestem und bedeutendstem Silberbergwerk, im Museum, im Schloss Freudenstein, beim Bergstadtfest oder der Mettenschicht. Aus der Bergbautradition resultiert ein

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großer kultureller Reichtum. So ist Freiberg stolz auf seine weltberühmten Silbermannorgeln, die noch heute durch ihre Klänge bezaubern, seinen imposanten Dom, das älteste Stadttheater der Welt, seine beeindruckende Stadtarchitektur mit einem der schönsten Marktplätze Deutschlands. Die Montanregion Erzgebirge ist eine einzigartige Kulturlandschaft, geprägt vom Bergbau- und Hüttenwesen. Das Freiberger Umland kann auf vielfältige Weise erkundet werden: gut ausgebaute Wander- und Radwege locken ebenso wie im Winter ein flächendeckendes Loipennetz. Entdeckt werden können hier zahlreiche Schlösser und Burgen und natürlich die Stätten der erzgebirgischen Holzkunst. www.freiberg.de


Barocke Orgeln Baroque Organs

Einzigartige Landschaft Unique Landscape Faszinierende Klangräume Fascinating Acoustic Spaces

Silbermann-Tage 2. – 13.9.2015

Internationales Musikfestival und Orgelwettbewerb zwischen Freiberg, Dresden und dem Erzgebirge International Music Festival and Organ Competition between Freiberg, Dresden and the Erzgebirge

www.silbermann.org

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KONZERT

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MARIENBERG

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british views

KONZERT

Fr, 19. September 2014 | 20 Uhr Marienberg, St. Marienkirche Choir of King‘s Choir Cambridge Stephen Cleobury · Dirigent

programm

• William Byrd (ca. 1543 – 1623) Sing joyfully • Henry Purcell (1669 – 1695) I was glad • Thomas Tallis (1505 – 1585) Suscipe quaeso, Domine • Henry Purcell Suscipe quaeso, Domine • Herbert Howell (1892 – 1983) Master Tallis‘ Testament • Sir Charles Hubert Hastings (1848 – 1918) Lord, let me know mine end. Aus: Songs of Farewell

Liveübertragung

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KONZERT

EINFÜHRUNG

Eine ganz eigene Tradition Chormusik mit dem Choir of King‘s College Cambridge • Charles Villiers Stanford (1852 – 1924) A Song of Wisdom. Aus: Bible Songs and Six Hymns • Benjamin Britten (1913 – 1976) Hymn to St. Cecilia – Pause – • Heinrich Schütz (1585 – 1672) Also hat Gott die Welt geliebt. Aus: Geistliche Chor-Music 1648 • Johann Hermann Schein (1586 – 1630) Die mit Tränen säen. Aus: Israelsbrünnlein • Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) Orgelwerk • Joseph Gabriel Rheinberger (1839 – 1901) Kyrie und Gloria. Aus: Messe Es-Dur »Cantus Missae« • Johannes Brahms (1833 – 1897) Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz

Vor über 500 Jahren wurde der King’s College Choir Cambridge gegründet. Dieser Chor und weitere Kathedralchöre in England haben die reichhaltige Musikgeschichte ihres Landes wesentlich geprägt. Obwohl der King’s College Choir heute auch Konzertverpflichtungen in aller Welt nachgeht, steht die Pflege der eigenen geistlichen Musik und die musikalische Begleitung der Gottesdienste stets im Mittelpunkt der Chortätigkeit. Im ersten Teil des Konzertes bekommen wir Einblick in diese spezielle britische Chortradition, die zwar stets Einflüsse des Musiklebens auf dem europäischen Kontinent aufgenommen hat, sich aber insbesondere innerhalb der geistlichen Musik über Jahrhunderte eine ganz eigene Tradition geprägt hat. William Byrd (ca. 1543 – 1623) war zu Zeiten Shakespeares einer der bedeutendsten und angesehensten Komponisten Englands. Gemeinsam mit Thomas Tallis war er Organist an der Royal Chapel in London und komponierte in fast allen damals maßgeblichen Genres Chor- und Instrumentalmusik, und zwar sowohl für die anglikanische Kirche als auch für die römisch-katholische Liturgie. Das aus seinem Spätwerk stammende sechsstimmige Sing Joyfully ist ein schönes Beispiel bildhafter, meisterlich angewandter Kontrapunktik – der kurze Lobgesang wirkt sofort plastisch durch die freudig aufschwingenden Intervalle zu Beginn und die MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

chorische Nachzeichnung der »Violen, Harfen und Trompeten«, die in das Gotteslob einstimmen sollen. I was glad (»Laetatus sum« – Psalm 122,1) ist ein Introitus der anglikanischen Kirche – dieses Anthem wird traditionell zu den Krönungsfeierlichkeiten gesungen. Der Text wurde von den jeweiligen Zeitgenossen neu vertont – das wohl berühmteste Beispiel stammt von Sir Hubert Parry anlässlich der Krönung von Edward VII. im Jahr 1902 – dieses Stück wurde erst 2011 zur Hochzeit von Prinz William und Kate Middelton zelebriert. Henry Purcells (1669 – 1695) I was glad-Vertonung zur Krönung von James II. aus dem Jahr 1685 ist eines der ältesten, wohl auch kunstvollsten Beispiele. Purcell war selbstbewusst genug, seinen eigenen unverkennbaren Stil auch in dieser höchst offiziellen Angelegenheit nicht zu verleugnen. Möglicherweise sind die hörbaren chromatischen »Dornen« in Purcells Vertonung schon prophetisch deutbar: James II. war eine turbulente Regentschaft von nur drei Jahren beschieden, die schließlich in pro-katholische Konflikte der »Glorious Revolution« mündete und zu seiner Absetzung führte. Thomas Tallis (1505 – 1585) war neben William Byrd, der sein Schüler und Kollege im Organistenamt war, der wichtigste Komponist der englischen Reformation. Unter seinen Messen und Motetten ragen einige monumentale Werke wie das berühmte 40stimmige Spem in alium heraus. Seine zweiteilige Motette Suscipe quaeso, Domine zu sieben Stimmen wurde vermutlich für eine Zeremonie 1554 geschrieben, bei der Kardinal Reginald Pole

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England vom Schisma entband und gilt bis heute als eines der wichtigsten Meisterwerke des 16. Jahrhunderts. Plötzliche Homophonie zum Text »Peccavi« – »Ich habe gesündigt«, Seufzerfiguren und wiederholte Fragen unterstreichen die enge WortTon-Beziehung. Tallis und Byrd haben maßgeblich die Musikgeschichte Englands beeinflusst, viele Komponisten beziehen sich auf diese beiden »Väter«. Diese Tradition ist auch in Henry Purcells Werk lebendig, doch zeigt bereits die frühe Motette Jehova, Quam Multi Sunt Hostes Mei nach Psalm 3 unverkennbar den Einfallsreichtum des Komponisten, der sich in reicher kontrapunktischer Arbeit und auffälligen Kontrasten äußert. Zwar gibt sich das Anthem im Wechselgesang des sogenannten »Verse Anthem« zwischen Soli und Chor durchaus traditionell, zu beachten ist aber vor allem die metrische und rhythmische Detailarbeit, die Purcell bereits meisterlich beherrscht. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spricht man in England von einer »Zweiten Englischen Renaissance« – viele Komponisten besannen sich ihrer Wurzeln und bezogen modale Skalen, Zitate und Formen mit großem Respekt, aber auch mit viel Fantasie in ihre eigenen Werke ein. In Herbert Howells (1892 – 1983) Orgelstück Master Tallis‘ Testament – das dritte einer Reihe von sechs Stücken, komponiert 1939, ist sogar ein doppelter Bezug vorhanden. Howells schrieb das Stück im Eindruck der zuvor veröffentlichten Tallis-Fantasie seines Zeitgenossen Ralph Vaughan Williams, es atmet aber auch einen tiefen Ernst, dessen Ursprung


in Howells eigener Biografie zu finden ist - 1935 starb sein neunjähriger Sohn an einer Polio-Infektion. Howells suchte dieses erschütternde Ereignis in mehreren Werken zu verarbeiten und wandte sich seitdem auch verstärkt der geistlichen Musik zu. Sir Hubert Parry (1848 – 1918) und Charles Villiers Stanford (1852 – 1924) sind zwar jenseits der britischen Inseln immer noch wenig bekannt, ihre Bedeutung für die englische Musikgeschichte ist jedoch immens, waren sie doch Wegbereiter eben jener »zweiten Renaissance« und zudem Professorenkollegen am Royal College of Music in London. Sie bildeten dort eine ganze Komponistengeneration aus, mit deren Neuerungen die britische Musik auch wieder internationale Strahlkraft erhielt. Ihre eigenen Werke werden oft als »viktorianisch« bezeichnet und sind Ausdruck ihrer Zeit. Nicht vergessen werden darf dabei die englische Bach-Renaissance im 19. Jahrhundert, kräftig unterstützt etwa durch die Konzertreisen von Felix Mendelssohn Bartholdy – sein Oratorium Elias wurde bekanntlich 1846 in Birmingham uraufgeführt. Hubert Parrys Motette Lord, let me know mine end stammt aus dem Zyklus Songs of Farewell (1916-18) – ein Zyklus, mit dem der Komponist bewusst ein Resümee seines Lebens zieht und eine Musik schreibt, die ihm besonders am Herzen liegt: »I have reached the last milestone« konstatierte Parry an seinem 70. Geburtstag. So hören wir in dem achtstimmigen Werk sowohl die alte Musik als auch Brahmssche Klänge wie eine respektvolle Hommage an eine durch die Schrecken des 1. Weltkrieges min-

destens überdeckte, möglicherweise auch verschwundene Welt. Charles Villiers Stanfords A Song of Wisdom entstammt dem Vokalzyklus Bible Songs and Six Hymns, Opus 113 – Antonín Dvořáks 1895 veröffentlichte Biblische Lieder dürfte diesem Werk ein Vorbild gewesen sein, in dem Stanford schlichte, aber wirkungsvolle Hymnen und Chorsätze verbindet. Benjamin Britten (1913 – 1976) ist als wichtigster Protagonist und Neuerer der englischen Musik des 20. Jahrhunderts unbestritten. Weniger bekannt ist, dass neben Opern und Liedern auch die Chormusik sein gesamtes musikalisches Lebenswerk durchzieht und für verschiedenste Anlässe Kantaten, Motetten und geistliche Sätze entstanden. Seine Hymn to St. Cecilia ist sein wohl berühmtestes und auch anspruchsvollstes a-cappella-Chorwerk, es ist ohne direkten Anlass entstanden, aber Britten hatte über eine längere Zeit den Gedanken, eine Hymne an die Heilige Cecilia, die Patronin der Musiker, an deren Namenstag er auch geboren wurde, zu schreiben. Erst die Bekanntschaft mit dem Dichter W. H. Auden führte dann zu einem passenden Text für das neue Werk. Während der Komposition 1942 hatte sich Britten entschlossen, nach einem längeren Aufenthalt in den USA zurück nach England zu ziehen – mitten im 2. Weltkrieg. Etliche Manuskripte wurden vom Zoll vor der Überfahrt konfisziert, so dass Britten gezwungen war, die Noten der Hymne und auch die der zeitgleich entstandenen Ceremony of Carols auf dem Schiff erneut aus dem Gedächtnis aufzuschreiben. Während die Carols MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

durch ihre Innigkeit faszinieren, gelang Britten mit der Hymn to St. Cecilia ein opulenter Wurf, ein Lobgesang an die Musik, der trotz großer Herausforderungen an die Stimmen heute zum Repertoire vieler Konzertchöre gehört. Im zweiten Teil des Konzertes steht die geistliche deutsche Vokalmusik vom Barock bis zur Romantik im Mittelpunkt. Natürlich kann dies nur schlaglichtartig geschehen, trotzdem wird ein großer Bogen von Schütz zu Brahms gespannt. Heinrich Schütz (1585 – 1672) war zu Ende des Dreißigjährigen Krieges besonders produktiv – zwischen den Teilen der Symphoniae sacrae schrieb er in Dresden die Motettensammlung der Geistlichen Chormusik, aus der heute die fünfstimmige Motette Also hat Gott die Welt geliebt erklingt. Explizit beschreibt Schütz im Vorwort, dass »der Bassus Generalis auff Gutachten und Begehren / nicht aber aus Nothwendigkeit / zugleich auch zu befinden ist« – jeder Komponist, so Schütz, habe sich im »Stylo« ohne Basso Continuo zu befleißigen. So gesehen kann man die Geistliche Chormusik als Lehrwerk betrachten, gleichzeitig stellt sie einen Höhepunkt des Schützschen Schaffens dar. In dieser Motette scheint zudem ein höchst ökonomischer Ansatz erkennbar: die Text-Ton-Beziehung wird auf das deutlichste herausgestellt und wenige rhetorische Figuren genügen, um auszudrücken, was gesagt werden muss. Der Leipziger Thomaskantor Johann Hermann Schein (1586 – 1630) war Zeitgenosse von Heinrich Schütz – sicherlich

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beackerten beide Komponisten verschiedene »Felder« in Leipzig und Dresden. Gerade die Motettensammlung Israelsbrünnlein (1623) darf jedoch in enger Verwandtschaft zu Schütz, aber auch im historischen Kontext etwa ähnlicher Sammlungen von Vulpius und Franck gesehen werden. Schein hat die Motetten »auff Italian-Madrigalische Manir« geschrieben - der genaue liturgische Zweck der doch sehr verschiedenen Werke ist unklar. Der Zyklus mit seinen 26 Motetten fasziniert durch die Farbigkeit vieler rhetorischer Figuren. Die mit Tränen säen verfehlt seine Wirkung vor allem aufgrund der eingesetzten Chromatik im ausladenden Klagegesang zu Beginn und der im folgenden eingesetzten Kontraste beim Wandel des Textes zu Freude und Gottvertrauen nicht. Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) feierte nicht nur als Dirigent und Komponist Erfolge, sondern widmete sich lebenslang auch dem Orgelspiel, mit dem er bereits als Jugendlicher etwa bei seinen Reisen nach England Erfolge feierte. Robert Schumann feierte in seinen Rezensionen Mendelssohns Orgelspiel enthusiastisch und würdigte auch dessen Verdienste um die Werke von Johann Sebastian Bach. Es ist heute kaum begreiflich, dass das Bach-Spiel von Mendelssohn bei den Zeitgenossen »ungläubiges Erstaunen« hervorrief, zudem konnte der Meister auch noch vortrefflich improvisieren. Seine berühmten sechs Orgelsonaten entstanden jedoch erst 1844/45, zuvor hatte Mendelssohn einige Fugen und Studien vor allem für seine englischen Orgelfreunde geschrieben. In all diesen Werken ist das Vor-


bild Bach fast wie eine musikalische Büste erkennbar – Präludien, Fugati, Choräle und Rezitative sprechen eine deutliche Sprache der Bach-Pflege. Die kompositorischen Errungenschaften der Sonate aber weisen ganz klar in die neue Zeit der Orgelromantik, in der der Virtuose an seinem Instrument im Mittelpunkt des Konzertgeschehens steht. Auf dieser Basis baute auch Joseph Gabriel Rheinberger (1839 – 1901) auf, der mit seinem Schaffen nicht nur der Orgel zu weiterer, großer Bedeutung verhalf, sondern auch über Jahrzehnte die Kirchenmusik in München prägte, nachdem der in Liechtenstein geborene Komponist bereits am Münchner Konservatorium ausgebildet wurde. Rheinberger komponierte im Zusammenhang mit seinen Anstellungen in den Kirchen und am Münchnerhof etliche geistliche Werke. Unter seinen Messvertonungen nimmt die Missa Es-Dur ‚Cantus Missae‘ eine Sonderstellung ein, da dieses Stück nicht von der Orgel oder Instrumenten begleitet und zudem doppelchörig angelegt ist. Das mag an die Vielstimmigkeit der Renaissance erinnern, doch die Messe ist stilistisch durchaus auf der Höhe ihrer Zeit »romantisch« angelegt und gebraucht somit ganz andere Satztechniken. Oft ist die Harmonik schlicht und der »Cantus«, das singende Element, ist in dieser Messe bestimmend und führt alle Stimmungen an, die wirkungsvolle Entwicklungen durchlaufen. Während man Rheinberger eine gewisse »klassische« Stilistik innerhalb der Romantik zuspricht, sind bei den Chorwerken

von Johannes Brahms (1833 – 1897) zwar ähnlich liedhafte Abschnitte zu beobachten, doch vor allem alte Formen wie Fuge und Kanon werden hier mit einfachsten Mitteln zu monumentaler Wirkung gebracht. Hinzuweisen ist bei dieser um 1860 entstandenen frühen Motette auch, dass die barocke Figuren- und Formenlehre zu dieser Zeit das wichtigste kompositorische Rüstzeug darstellte und das Können eines Komponisten auch mit der Aneignung dieser Stile bewertet wurde. Die Motette Schaffe in mir, Gott, ein rein‘ Herz beginnt kanonisch und empfunden, der zweite Abschnitt »Verwirf mich nicht« ist eine anspruchsvolle chromatische Fuge. Orgelpunkte, Imitationen und verschiedene Wechselgesänge münden schließlich in eine freie Fuge, die den »freudigen Geist« zu einem mit »Animato« überschriebenen Jubelgesang führt. Alexander Keuk lebt als freischaffender Komponist und Musikjournalist in Dresden.

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STADTPORTRÄT

Marienberg – Glanz und Renaissance einer Bergstadt »Wo eyn man ercz suchen will, das meg her thun mit rechte« – so die Zusicherung des Markgraf von Meißen an Siedler, Bergleute und Köhler im 12. Jahrhundert. Das Silber des Erzgebirges zog in den Bann und die Suche nach dem »Ercz« war 1519 im heutigen Marienberger Raum mehr als ein Glücksfall für die Stadtgründung 1521 durch Herzog Heinrich den Frommen. Es sind die Zeit und der Gedanke der Renaissance, die Marienberg prägen. Nördlich der Alpen zeigt die bis heute einzig erhaltene Idealstadtanlage dieser Epoche, mit welch Weitraum und Regelmäßigkeit Marienberg konzipiert wurde. Einer der größten quadratischen Marktplätze Europas oder das Rathaus mit einem der bedeutendsten Eingangsportale Sachsens geben Zeugnis dieser europäischen Blütezeit. Marienberg wäre nicht Marienberg, wenn es sich allein auf den Glanz des Silbers und den der italienischen Renaissance verließe. Beides waren Impulse für Freiraum, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung, die bis in die Gegenwart weiterwirken. Seit sechs Jahren erzählt eines der wenigen noch erhaltenen Bauwerke bergbaulichen Ursprungs im Erzgebirge – das Bergmagazin – wieder Kulturgeschichte der Region und das Knarren der über 200 Jahre alten Holzbalken lässt ahnen, welch

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eine Geschichte dieses markante Haus atmet. Das Jahr 2006 birgt für Marienberg und die Montanregion Erzgebirge einen weiteren Meilenstein für die Bewahrung bergbaulicher Tradition und Geschichte – die Eröffnung des wiedererrichteten Besucherbergwerks »Pferdegöpel« auf dem Rudolphschacht. Die von Pferden angetriebene Mechanik der Förderanlage, altes Handwerk in der Bergschmiede oder die Möglichkeit untertage einzufahren, sind seit Eröffnung Besuchermagnet. Sollten Sie demnächst Lust auf die Bergstadtkultur Marienbergs spüren, dann ist der Marktplatz idealer Ausgangspunkt. Erst kürzlich ist der neue Marktbrunnen in Betrieb genommen und eines war unübersehbar – die Renaissance in Marienberg lebt fort. www.marienberg.de


Denken. Fühlen. Wissen. Der Deutschlandfunk ist das aktuelle Informationsprogramm für alle, die es genau wissen wollen. Mit Nachrichten, Presseschauen und Reportagen über Aktuelles aus Deutschland und der Welt. Deutschlandradio Kultur ist das Radiofeuilleton für Deutschland. Hörens- und Wissenswertes über Kunst und Kultur, Politik und Geschichte, Wirtschaft und Wissenschaft. DRadio Wissen informiert 24 Stunden täglich intelligent und unterhaltsam über alles Wissenswerte – für alle, die topaktuellen Journalismus und smarte Popmusik suchen. Zu finden in bester Klangqualität online, im Digitalradio, Kabel und über Satellit.

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blickkontakt

KONZERT

Sa, 20. September 2014 | 16 Uhr Stollberg, Ballsaal im Bürgergarten Tobias Berndt · Bariton Daniel Heide · Hammerflügel

Konzertmitschnitt

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KONZERT

programm

Franz Schubert (1797 – 1828) Die schöne Müllerin, op. 25, D. 795 Das Wandern Wohin? Halt! Danksagung an den Bach Am Feierabend Der Neugierige Ungeduld Morgengruss Des Müllers Blumen Tränenregen Mein! Pause Mit dem grünen Lautenbande Der Jäger Eifersucht und Stolz Die liebe Farbe Die böse Farbe Trockne Blumen Der Müller und der Bach Des Baches Wiegenlied

EINFÜHRUNG

»Hinunter und immer weiter / und immer dem Bache nach« Franz Schubert »Die schöne Müllerin« Sie sind sich nie begegnet, der Dichter Wilhelm Müller und der fast gleichaltrige Komponist Franz Schubert. Sicher ist, dass wir ohne die Vertonungen der Gedichtzyklen Winterreise und Die schöne Müllerin heute kaum von dem Dichter Ahnung hätten. Allzuoft wurde er als typische Erscheinung der Romantik kritisiert, doch scheint gerade die Schlichtheit der Worte und die auf Empfindung ausgerichtete Poesie ideal für Franz Schuberts Intentionen gewesen zu sein. Ein wenig sächsische Geschichte darf in der heutigen Aufführung mitschwingen, denn der in Dessau ansässige Dichter hatte beste Verbindungen nach Dresden, wo er auf dem Landsitz des Grafen von Kalckreuth im Plauenschen Grunde weilte und sowohl zum »Dresdner Liederkreis«, zu Persönlichkeiten wie Otto von Malsdorf und Ludwig Tieck Kontakte pflegte. Den zweiten Band seiner »Sieben und siebzig nachgelassene Gedichten aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten« widmete er Carl Maria von Weber »als ein Pfand seiner Freundschaft und Verehrung« – diese Sammlung enthält auch Die schöne Müllerin, einen abgeschlossenen Zyklus, der im Original 23 Gedichte sowie einen Prolog und Epilog umfasst. Die umrahmenden, den Zyklus ironisierenden Worte des Dichters sowie drei weitere Lieder hat Schubert nicht vertont – schon bei dieser Entscheidung darf man von Komposition sprechen, denn so enthebt Schubert den Zyklus seinem ursprünglichen Zweck MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

als »Liederspiel« – eine Aufführungstradition, die auf das französische Vaudeville zurückgeht und im deutschen Raum vor allem von Johann Friedrich Reichardt gepflegt wurde. Einzelne Gedichte der Schönen Müllerin entstanden bereits 1816/17 für ein solches Liederspiel. Der Müllerbursche als romantischer, auch tragischer Held war populär, eine Oper gleichen Sujets von Giovanni Paisiello könnte die Vorlage geliefert haben. Auch in Brentanos 1808 erschienener Volksliedersammlung Des Knaben Wunderhorn finden sich ähnliche Gedichte. Es ist bezeichnend, dass Schubert sich hier von einem Thema angezogen fühlt, das in seiner Schlichtheit den »Geist der alten Liedesformen« beschwört, damit gleichzeitig eine Sehnsucht nach etwas unerreichbar gewordenem ausdrückt. Die von einem Berliner Literatenkreis gesammelten Gedichte wurden von Ludwig Berger vertont, Müller überarbeitete den Zyklus dann für die Drucklegung 1821 grundlegend. Schubert streicht die erklärende Umrahmung – in einigen Konzerten und Aufnahmen wird Müllers Text als Bonus hinzugegeben. Die durch die einleitenden und abschließenden Worte des Dichters entstehende Distanz zur Handlung wahrt Schubert mit Mitteln der Musik. Drei weitere Gedichte entfallen wohl aufgrund eines retardierenden Spannungsverlaufes, der durch Einbezug dieser beschaulichen Strophengedichte entstanden wäre: »Nun

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singe neue Lieder von alter Seligkeit« heißt es in »Erster Schmerz, letzter Scherz« – es wäre ein zu frommer Wunsch gewesen, nachdem bereits in »Pause« des Müllers Laute verstummt ist: »Ich kann nicht mehr singen, mein Herz ist zu voll.« – Schließlich erreicht Schubert mit den zwanzig Liedern, die von vornherein als Zyklus geplant waren, eine innere Symmetrie und Geschlossenheit zwischen einem ersten Teil aus zehn Liedern, die dem Wandern und der Hoffnung auf erfüllte Liebe gewidmet sind und dem zweiten Teil, der mit dem jähen Zerplatzen der Träume beginnt und die Wanderschaft des Müllers nach und nach mit einem immer dunkleren Schleier aus Kummer und Schmerz bedeckt. Über seine Gedichte schreibt Wilhelm Müller 1815 selbst: »Ich kann weder spielen noch singen – (…) aber getrost, es kann sich ja eine gleichgestimmte Seele finden, die die Weise aus den Worten heraushorcht und sie mir zurückgibt.« – Schubert horchte die Weisen aus Müllers Worten, kam später für die Winterreise und das Lied »Der Hirt auf dem Felsen« auf den Dichter zurück. Im Winter 1822 machte sich Schubert an die Vertonung, bereits im August 1823 erschien der erste Teil der Müllerin im Druck. Vollständig aufgeführt wurde der Zyklus allerdings erst 1857 durch den Bariton Julius Stockhausen. Die Komposition fällt in eine Zeit großen Schöpfertums – immerhin entstanden 1822 die berühmte Unvollendete, die Wanderer-Fantasie und vor allem mehrere Bühnenwerke, mit denen


Schubert sich in Wien, aber auch über Carl Maria von Weber in Dresden zu profilieren versuchte, was aber sowohl mit Alfonso und Estrella als auch mit Fierabras misslang. Über seine Dichterfreunde Franz von Schober und Johann Mayrhofer kam Schubert (»wir halten bei Schober wöchentlich 3mahl Lesungen«, schreibt er im Dezember 1822) wohl mit der Neuerscheinung von Wilhelm Müller in Berührung und muss die Schöne Müllerin wohl auch ohne weiteren Aufschub sehr zeitnah nach dem Kennenlernen vertont haben. Zwar ist Schuberts Zyklus wohl der erste bekannte, an den man denkt, neu war diese Idee jedoch nicht: Ludwig van Beethovens »An die ferne Geliebte« oder Carl Maria von Webers »Leyer und Schwert« sind Vorläufer und Schubert selbst hat einzelne Lieder gleicher Dichter zu Liederheften zusammengestellt, gleichwohl fehlt hier der narrative Zusammenhang. Zyklischen Zusammenhalt findet man in der Schönen Müllerin zunächst von Wilhelm Müller vorgegeben in der Abfolge von Gefühls- und Naturbetrachtungen und einfachen Liedern, die nach und nach die wechselnde Gemütshaltung durch die vergebliche Liebesmüh schildern. Dass formal das Strophenlied überwiegt, liegt an Müllers Vorlage – aber Dietrich Fischer-Dieskau weist in seiner Betrachtung des Schubertschen Liedschaffens hier auf das Potenzial der Interpreten hin. Wo, wie gleich im ersten klassischen Strophenlied »Das Wandern«, die Mühle unablässig musikalisch

»arbeitet«, ist es Sache des Sängers und Pianisten, die Farben der unterschiedlichen Strophen einzubringen. Schuberts eigene zyklische Ambitionen sind beim ersten Hinschauen eher vage zu erkennen, erst bei deutlicherer Analyse offenbaren sich einige klare Fäden, die sich durch die Musik spinnen. So ist es eben die Abwesenheit eines systematischen Plans für die Tonarten, der die »Müllerin« bestimmt, vielmehr schafft Schubert eine viel intensivere Atmosphäre in der Verwendung der den Tonarten eigenen Charakteristik, dem »Farbgehalt«. Überzeugend wirkt etwa dann der Zusammenhalt von Anfangs- und Schlusslied in den weit entfernt scheinenden Tonarten B-Dur und E-Dur, ein wörtliches Wegbegeben von der Ausgangslage wird ebenso erzeugt wie das Wandern auch in der Musik zum zyklischen Thema wird. Die Wanderung des Müllerburschen beinhaltet Bewegung, gleich ob mit den Füßen oder im Laufe der Lieder auch mit dem Herzen – das »Bewegtsein« formt Schubert in den zwanzig Liedern unterschiedlich, das Thema ist aber stets präsent: ob es die naturalistische Malerei des rotierenden Mühlenrades im ersten Liedes ist oder das Einssein mit dem Gewässer im letzten Lied: »Woget und wieget den Knaben mir ein!« – kein Ton ist da im Klavier zuviel und auch Schuberts deutliche Tempoangaben bestimmen über den ganzen Zyklus hinweg dieses Thema in verschiedenen, mit Bedacht zu interpretierenden Varianten: selbst das im LiebesMUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

rausch übersteigerte »Mein!« erhält ein »Mäßig geschwind«, um sich in den Lauf des Gesamten einzuordnen. Der Bach schließlich ist Symbol, (einziger!) Gesprächspartner, Lebensinhalt und am Ende sogar Grabstätte. Sein unablässiges Rauschen bekommt bereits im zweiten Lied »Wohin?« den emotionalen Subtext und damit die Vorahnung: es ist der Rausch der Lebendigkeit, gleichzeitig »berauscht es den Sinn«, und mit »laß rauschen« gibt sich der Müllerbursch dem Schicksal hin. Der Bach steht als überzeugendes Bild für den unausweichlichen Lauf der Dinge und Peter Gülke benennt daher auch aus diesem zweiten Lied »Wohin?« ein taugliches Motto für den ganzen Zyklus in den beiden Zeilen: »hinunter und immer weiter / und immer dem Bache nach«. Was Schubert in der Schönen Müllerin weiterhin gelingt, ist eine unnachahmliche Einheit zwischen Text, Gesang und Klavierbegleitung zu schaffen – Innen und Außen, Natur und emotionales Empfinden, Ansprache und Nachsinnen gehen stets ineinander und werden von Schubert keineswegs mit deutlicher Emphase überhöht, sondern so subtil behandelt, dass die poetische Atmosphäre gewahrt bleibt. Manchmal sind es Textwiederholungen (alle »Gewässer«-Stellen werden weitaus intensiver als bei Müller behandelt) oder auch harmonische Hinweise wie die den Scheitelpunkt des Zyklus markierende Wahl der strahlenden Triumph- oder Siegestonart D-Dur in »Mein!« oder das »ahnende«,

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zwischen Moll und Dur im Gegensatz zur »klareren« Komposition der Lieder des ersten Teils schwankende »Die böse Farbe«. Die Geschichte wird von Schubert nicht - um im »Gewässermodus« zu bleiben – vor uns ausgeschüttet, sondern von innen heraus erzählt, und zwar in Augenblicken und Stimmungslagen, zu denen es keiner weiteren Handlung oder kompositorischer »Erläuterung« bedarf. Dazu gehören Momente der Rast, des »traulichen Beisammensitzens« ebenso wie die verstummte Laute an der Wand oder die allmähliche Wandlung der Farbe Grün von der urromantischen Naturfarbe des Waldes und des »grünen Rosmareins« hin zur Schicksalsfarbe. Das Farbspiel zeigt einen weiteren zyklischen Gedanken des zweiten Teils: das Grün wandelt sich in das Blau des Vergissmeinnichts, die »Trockenen Blumen« haben weiterhin keine Farbe mehr, und im folgenden Lied welken die Lilien, die Todesblumen. Die Schöne Müllerin ist, wenn überhaupt in einem Satz fassbar, mit Sicherheit ein Drama, aber in Schuberts Gewande eben eines, das niemals den poetischen Raum verlässt und daher um so stärker in uns wirken mag. Alexander Keuk


Dresdner Kammerchor | Dresdner Barockorchester | AuditivVokal Dresden Das MusikForum Dresden betreut den Dresdner Kammerchor in allen organisatorischen Belangen und wird von der Landeshauptstadt Dresden für seine Arbeit unterstützt. Darüber hinaus betreut das Team des MusikForums Dresden auch das Dresdner Barockorchester und AuditivVokal Dresden. Wenn Sie Fragen zu diesen Ensembles haben, sich für deren Einspielungen oder für Konzertkarten interessieren, wenden Sie sich gern jederzeit an die Mitarbeiter oder besuchen Sie uns in unserer Geschäftsstelle auf der Buchenstraße 6 im Dresdner Hechtviertel.

Buchenstraße 6 | 01097 Dresden Telefon: +49 (0)351 8106298 Fax: +49 (0)351 8106182 info@musikforum-dresden.de

www.musikforum-dresden.de Gefördert durch die Landeshauptstadt Dresden.

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KONZERT

STADTPORTRÄT

Stollberg Tradition und Moderne, Industrie und Natur, Geschäftigkeit und Entspannung, Arbeit und Freizeit – Gegensätze, die viele Menschen zwar im Einzelnen schätzen, die aber selten besonders gut vereinbar sind. Stollberg hat jedoch das Glück, dass es in dieser Hinsicht kaum Reibungspunkte gibt: Wir haben den Vorteil der verkehrstechnischen Anbindung an die Bundesautobahn 72, die unser Stadtzentrum jedoch nicht »zerschneiden« und mit der City-Bahn den »Direktfahrschein« zwischen Stollberg und dem Oberzentrum Chemnitz. Industrieund Gewerbeansiedlungen treffen im Gewerbegebiet auf hervorragende Infrastruktur, man hat gute Chancen auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz (vor Ort!) und unsere Wohngebiete zeigen sich facettenreich. Flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden, Spielplätze ebenso, unsere Schulen arbeiten mit Ganztagsangeboten und halten engen Kontakt zu den ortsansässigen Betrieben. Sportplätze und insbesondere der neue Sportpark an der Glückaufstraße bieten eine echte Vielfalt: Fußball, Leichtathletik, Tennis, Beach-Volleyball, ein Bolzplatz und seit kurzem auch einen Indoor-Fitness-Bereich im neu entstandenen Funktionsgebäude. Einrichtungen zur gesundheitlich Versorgung (Arztpraxen, Apotheken und das Kreiskrankenhaus) sind ebenso wie die meisten unserer Bildungs-, Betreuungs-, Versorgungs- und Sporteinrichtungen erlaufbar – und falls nicht, gibt es

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ja noch die Stadtbus-Linie. So findet man in Stollberg alles Wichtige in buchstäblich greifbarer Nähe. Eine ganz besondere Empfehlung ist ein bauliches Ensemble im Zentrum, das erst kürzlich wieder »wach geküsst« wurde: unser »Bürgergarten«. Das einstige Ballhaus verlor seine Bedeutung mit der Wende und fand – Dank der Bemühungen des Bürgergartenvereins und der Stollberger selbst – wieder zu alter Würde, aber auch zu neuem Glanz. Der neoklassizistische Saal empfiehlt sich zum Beispiel für Orchester- und Chorkonzerte, aber auch für Kabarettabende und – natürlich – Bälle. Wir laden Sie herzlich ein, das festliche Ambiente zu einer unserer nächsten Veranstaltungen zu genießen. www.stollberg-erzgebirge.de


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KONZERT

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ZSCHOPAU

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KONZERT

ausblick

Sa, 20. September 2014 | 21 Uhr Zschopau, Busdepot

Drei Ensembles – drei musikalische Überraschungen – eine einzigartige Atmosphäre Michaelis Consort Lao Xao Trio Les haulz et les bas Moderation: Dr. Hans Dieter Heimendahl und Prof. Hans-Christoph Rademann

Konzertmitschnitt

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KONZERT

EINFÜHRUNG

Nach(T)Klang 2014 In Kooperation mit Deutschlandradio Kultur Alte Musik hat nicht nur etwas mit Geschichte zu tun. Es gibt eine überaus spannende Gegenwart und Zukunft. Gerade eine junge Musikergeneration ist geprägt durch neue Einflüsse, durch neue Ansichten und die Lust am grenzüberschreitenden Experiment. Beim Musikfest Erzgebirge 2012 sorgte da eine neuartige Veranstaltungsidee für Furore: Der »Nach(T)Klang« kreierte neue Perspektiven auf Alte Musik und war eine Zeitreise zurück in die Zukunft. In Kooperation mit Deutschlandradio Kultur entstand ein ungewöhnlicher Konzertabend, an dessen Ende vom Publikum ein Gewinner gekürt wurde, der eine CD bei Deutschlandradio Kultur produzieren konnte. Auch in diesem Jahr sind junge Künstler, Ensembles und Bands eingeladen, sich mit der Musik vor 1800 auseinanderzusetzen, sie neu zu interpretieren, zu verwandeln oder auf den Kopf zu stellen und von einem Busdepot aus eine abenteuerliche Fahrt ins Offene zu wagen. Die drei überzeugendsten Ideen wurden ausgewählt und treten gegeneinander in Kurzkonzerten an. Und Sie, liebes Publikum, haben es in der Hand: Wer bekommt den Nach(T)Klang-Preis 2014?

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NACH T KLANG

DIE ENSEMBLES

Michaelis Consort Moritz Görg · Naturtrompete Uwe Ulbrich · Violine Felix Görg · Violoncello, Viola da Gamba Julia Chmielewska · Cembalo Andre Bartetzki · Elektroakustik

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Moving sound Klangfarben im Raum GemNachteinsam mit dem Elektroakustiker Andre Bartetzki hat das Michaelis Consort ein Programm entwickelt, welches alte und älteste Musik mit den Klangmöglichkeiten der Elektroakustik verbindet. Die Musiker spielen auf historischen Instrumenten kurze Charakterstücke aus der »alten« Zeit, die durch elektronische Mittel der »neuen« Zeit verändert und verfremdet, fortgesponnen und aufgegriffen werden: eine Fanfare für Trompete und Trommeln aus dem 16. Jahrhundert von Marcus Alsen, eine Bühnenmusiksuite aus dem 18. Jahrhundert von Jeremiah Clarke, ein Tanzsatz aus dem Leipzig des 17. Jahrhunderts von Johann Pezel und eine Meditation für Viola da Gamba solo von Tobias Hume (1605). Die Diskussion zwischen authentischem und synthetischem Klang, die wir musikalisch auf der Bühne führen, gibt dem Publikum die Chance, gewohnte Klangbilder zu verlassen und konkrete neue Klangoptionen zu erfahren. Das Michaelis Consort erkundet Farben in der Instrumentierung und in der Verfremdung. Das Aufbrechen von Klangidealen ist traditionell eine Aufgabe der forschenden »Alten Musik« – die Leipziger Musiker und der Berliner Klangforscher gehen noch einen Schritt weiter und hinterfragen auch die Authentizität unseres Hörerlebnisses. Ein Spiel zwischen Sinnes-Erleben und Hör-Herausforderung.


Lao Xao Trio

Tradition ist heute

Khanh Nguyen · Gesang, Percussion, Dan Tranh Stefan Wehrenpfennig · Gitarren, Dan Moi Diethard Krause · Violoncello, Dan Bau

Der Ursprung der Musik des »Lao Xao Trios« findet sich im traditionellen Liedgut Vietnams, welches die jungen Musiker im Kontext ihrer eigenen musikalischen Herkunft und Einflüsse verarbeiten. Die vietnamesischstämmige, aber in Deutschland geborene Sängerin Khanh Nguyen begeisterte einst den Gitarristen Stefan Wehrenpfennig und den Cellisten und Gambisten Diethard Krause mit einer alten Melodie aus der Heimat ihrer Eltern. Altes Volksliedgut geht seither im »Lao Xao Trio« eine Symbiose mit abendländischen Stilrichtungen ein und erfährt einen zeitlich und räumlich weit versetzten Widerhall. In ihrem Nach(T)Klang-Programm beschäftigt sich das Lao Xao Trio mit alten vietnamesischen Instrumenten und deren Verbindung zu europäischen Instrumenten des 17. und 18. Jahrhunderts: So spielt die Sängerin das Dan Tranh, eine vietnamesische Zither, der Cellist das Dan Bau, ein monochordisches Obertoninstrument und der Gitarrist die Dan Moi, eine vietnamesische Maultrommel.

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DIE ENSEMBLES

Les haulz et les bas

Blast from the past

Gesine Bänfer · Schalmei, Dudelsäcke, Sopransaxophon Ian Harrison · Schalmei, Zink, Dudelsäcke David Yacus · Zugtrompete, Busine, Posaune Thomas Bergmann · Gitarre Jörgen Welander · Tuba Michael Metzler · Percussion

Das Ensemble Les haulz et les bas hat sich seit 1993 auf die Aufführung historischer Bläsermusik aus Mittelalter und Renaissance spezialisiert. In detektivischer Kleinarbeit rekonstru­ieren sie die Musik der Stadtpfeifer und der mittelalterlichen Höfe für Schalmei, Pommer und Zugtrompete – der Alta Capella. Das Bläserensemble hat den Nachlass der mittelalterlichen Bläser durchleuchtet, die verlorene Kunst neu erlernt und diese faszinierende und wunderschöne Musik mit großem Erfolg auf den führenden europäischen Festivals präsentiert. Während die Trompete ihren Siegeszug in der klassischen Musik und dem Jazz angetreten hat, sind Schalmeien und Dudelsäcke noch heute in den traditionellen Musikkulturen Europas weit verbreitet. Les haulz et les bas kreieren mit dem Programm »Blast from the past« eine originelle Synthese mit Schalmeien, Dudelsäcken und Gitarre, Percussion, Saxophon, Zugtrompete und Tuba.

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STADTPORTRÄT

Zschopau – die idyllische Bergstadt grüßt seine Gäste Die über 700 Jahre alte Stadt Zschopau mit den Ortsteilen Krumhermersdorf, Ganshäuser und Wilischthal liegt im landschaftlich reizvollen Zschopautal. Im Jahre 1292 wurde Zschopau erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1493 die Privilegien einer »Freien Bergstadt«. Das mittelalterliche Ambiente des historischen Stadtkerns mit seinen zahlreichen barocken Bürgerhäusern um den Alt- und Neumarkt, das im neuen Glanz erstrahlende Schloss Wildeck mit dem alten Bergfried »Dicker Heinrich«, die Stadtkirche St. Martin mit der drittgrößten Barockorgel Sachsens und die restaurierten Gebäude und Straßen sind nur einige der lohnenden Ziele. Auf weitere wollen wir Sie aufmerksam machen: das ehemalige Alte Rathaus mit Portalen, Stadtwappen und Glockenspiel aus

17 Bronzeglocken, das Neue Rathaus mit Renaissanceportal und konservierten Fundamentresten des früheren Treppenturmes im Hinterhof, das Wilkehaus, ein Fachwerkhaus von 1457, das durch seine vier Reihen Andreaskreuze und den beschnitzten Eckstiel mit Kerbschnittblüte beeindruckt, das imposante Bodemer-Herrenhaus von 1805, Ursprung einer aufblühenden Spinnereiindustrie, die alte Zschopau-Steinbrücke, 1812–1815 als Nachfolger einer überdachten Holzbrücke gebaut, mit dem Gedenkstein »Zschap mei Geeß«, dem Dankgebet der einstigen Fuhrleute. Freuen Sie sich auf einen Besuch in der kleinen Bergstadt Zschopau und entdecken Sie selbst ihre schönsten Ecken! www.zschopau.de

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anblick

So, 21. September 2014 | 20 Uhr Schwarzenberg, St. Georgenkirche Christina Landshamer · Sopran Werner Güra · Tenor Daniel Schmutzhard · Bass RIAS Kammerchor Ralf Otto · Einstudierung Sächsische Staatskapelle Dresden Hans-Christoph Rademann · Dirigent

Konzerteinführung 18:45 Uhr mit Dr. Andreas Bomba im Schloss Schwarzenberg, Festsaal Aufstieg zum Kirchturm 17 Uhr Stadtrundgang 15 Uhr Konzertmitschnitt

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KONZERT

EINFÜHRUNG

Aber das hat doch keine Tiefe! programm

Joseph Haydn (1732 – 1809) Die Jahreszeiten Hob. XXI: 3

Ein angesehener Doktor der Tonkunst, hochbetagt und ziemlich müde, im Wortduell mit einem der einflussreichsten und schöngeistigsten Mäzene Wiens, Baron Gottfried van Swieten. Gleich nebenan brütet Joseph Haydns treuer Kopist über ein paar Notenblättern und hört jedes Wort. Man stelle sich vor: Die Tragweite der Begegnung erkennend, lässt der gute Mann für einige Minuten seine Arbeit Arbeit sein, um mit flinker Feder mitzuschreiben …

Gottfried van Swieten: Und? Haben Sie’s schon gelesen? Joseph Haydn: Was gelesen? Swieten: Na, was schon? Mein Textbuch für unser neues Oratorium. Darum bin ich hier. Haydn: Ja, hab ich. Aber … Swieten: Was aber? Haydn: Ich denke, wir sollten’s lassen. Swieten: Lassen? Sie enttäuschen mich, Haydn. Gibt es Gründe? Haydn: Mehr als genug. Erstens: Sehen Sie mich an. Swieten: Was gäbe es da zu sehen? Alles wie immer. Haydn: Schön wär‘s, Baron! Wir schreiben heuer das Jahr 1799. Es ist Ende März, morgen feiere ich meinen siebenundsechzigsten Geburtstag. Grundgütiger! Ich bin am Ende meiner Kraft! Wissen Sie, was das heißt, ein ganzes Oratorium zu schreiben? Das ist kein Pappenstiel. Hab‘ ich Ihnen nicht schon bei der Schöpfung gesagt, dass ich zu alt bin für derlei Plackerei? Ihre Sprache ist keineswegs leicht in Töne zu setzen. Und dann mein ewiges KopfMUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

fieber! Ist rheumatisch, sagt der Arzt. Ja, wenn’s nur a Quartetterl wär‘, das ließe sich wohl immer machen … Swieten: Hm. Und zweitens? Haydn: (etwas kleinlaut) Nun, ehrlich gesagt: Mir gefällt’s nicht recht, Ihr Libretto. Swieten: Ach was! (beleidigt) Und warum nicht, wenn man fragen darf? Haydn: Das lässt sich kaum mit ein paar Worten sagen. Vielleicht sollten Sie lieber den Beethoven fragen, ob er Lust dazu hat. Der ist vierzig Jahre jünger und ein ganz patenter Bursche auf seine Art. Obzwar – irgendwie macht er mir Angst mit seinen aufrührerischen Gedanken. Haben Sie seine neuesten Klaviersachen gehört, seine Grande Sonate pathétique für Fürst Lichnowsky? Ziemlich überspanntes Zeug. Und diese wirren Modulationen! Ich fürchte, ich verstehe ihn nicht mehr. Überhaupt – diese jungen Leute … Ich bin ein Kind des achtzehnten Jahrhunderts, mit dem neunzehnten hab‘ ich nichts mehr zu schaffen. Damit mögen sich gefälligst andere herumschlagen. Swieten: Unsinn! Sie überleben uns alle. Und für ein großes Oratorium braucht es keine revolutionären Ideen, sondern vor allem eins: gediegene musikalische Wissenschaft. Damit aber bin ich bei Ihnen, werter Doctor Musicae, gewiss noch immer am besten aufgehoben. Haydn: Wirklich? Sie Schmeichler. – Aber das ist es ja gerade. Mal

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ehrlich, van Swieten, was will bei diesem Stoff denn eine Wissenschaft? Die Jahreszeiten. Pah! Ein paar pausbäckige Szenen aus dem Landleben, hübsch bunt und gar so idyllisch angerichtet. Ein jedes Ding hat seinen Platz und sein Gutes obendrein. Harmonie allüberall. Und Freude, wohin man nur blickt. Wir wissen doch beide, dass die Wahrheit anders aussieht … Swieten: (knurrend) Wahrheit. Was ist Wahrheit? Als ob es darum ginge. Haydn: … stattdessen harte Arbeit, Not, Entsagung. Ich bin aufgewachsen auf dem Land. Im Gegensatz zu Ihnen, der Sie in die gutbürgerliche Obhut einer Arztfamilie im holländischen Leiden hineingeboren wurden. Nobles Ambiente und Ihr Glück. Mein Vater war ein einfacher, doch ehrbarer Wagenmacher in Rohrau. Und ich weiß, wovon ich spreche, weiß, wie es zugeht, wenn man von der eigenen Hände Arbeit kaum leben kann. Da ist nichts mit Heisa und Juchhe. Das dürfen Sie glauben! Jedenfalls habe ich nie auch nur einen einzigen Bauern fröhlich flötend pflügen sehen. Ächzend vielleicht, fluchend, weil der Gaul nicht will, wie er soll, aber flötend … Ich bitte Sie! Kurzum: Ihre drollige Zuckergusspoesie in Ehren, aber sie belügt die Leute, und das würde durch meine Musik kaum besser. Kommt, ihr Mädchen, laßt uns wallen auf der bunten Flur! – liest sich wie bemühte Pennälerlyrik, seltsam philiströs. Und reimen tut sich’s auch nicht. Bitte um Vergebung, lieber Baron, aber das hat doch überhaupt keine Tiefe, ge-


schweige denn Erhabenheit! Und schlimmer noch: Es nimmt uns niemand ab! Swieten: (ziemlich verschnupft) Das nenn‘ ich wahrhaft scharf geschossen. Aber ein wenig Idealisierung wird wohl noch erlaubt sein. Außerdem: Sie haben doch Humor, Haydn, das weiß ich nur zu gut. Ich verlange ja gar nicht, dass Sie alles glauben, was da geschrieben steht. Bierernst war gestern. Ein Augenzwinkern hier – eins dort. Nur Vorsicht vor Übertreibung! Die Leute wollen unterhalten werden heutzutage, statt ewig nur gebildet und bekehrt. Wahrheit haben sie im Alltag schon genug und mit Erhabenheit ist heuer überhaupt kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Haydn: Ach nein? Swieten: Als ich Ihnen vor ein paar Jahren nahelegte, die längst stockfleckige Gattung des italienischen Oratoriums beiseite zu lassen und sich der deutschen Sprache zuzuwenden, wollten Sie mir auch zuerst kein Gehör schenken. Herrje, was haben Sie sich gewunden! Wissen Sie noch? – Und das mit den Reimen, die Ihnen angeblich so fehlen: volksnahe Dichtung nennt man das. Nicht gedrechselt, nicht hochgestochen, sondern einfach und verständlich. Zudem ist auch diesmal mein Textbuch wieder durch fremde Lektüre angeregt. Wie ich mich bei der Schöpfung an John Miltons religiösem Versepos Paradise Lost orientiert habe, so hat mich diesmal James Thomson inspiriert. Haydn: Nie gehört.

Swieten: Ein geschätzter schottischer Theologe und Poet aus Edinburgh. Leider schon eine ganze Weile tot. Sein wunderschönes Lehrgedicht The Seasons hat mir als Vorlage gedient. Natürlich musste ich mich auf eine Auswahl beschränken, die betreffenden Verse übersetzen und ein ganz klein wenig nachschminken. Haydn: Was auch nichts entschuldigt … Swieten: Aber ich bitte Sie! Können zwei kluge Köpfe gleichzeitig irren? Master Thomson und ich? Haydn: Hier riecht’s auf einmal so streng … Swieten: Dann sollten Sie mal lüften! Was die musikalische Umsetzung anbelangt, habe ich übrigens bereits meine eigenen Vorstellungen entwickelt. Ziemlich konkrete Vorstellungen, wenn ich’s recht bedenke. Habe sie gleich neben dem Text notiert. Haydn: (lacht gequält) Wie gewöhnlich. Infamer Eingriff in meine Zuständigkeit! Und ich bin -nur der Handlanger … Swieten: Ach bitte, nicht wieder die Nummer mit der verletzten Eitelkeit! Wichtig ist: Man muss die Natur hören, sie sehen, fühlen, schmecken. Die Menschen, die Tiere, das Wetter, den Wein … Verstehen Sie? Ihre Musik muss die Lämmer springen lassen, die Bienen summen, die Vögel flattern und die Frösche quaken. Das Gewitter soll ordentlich krachen, die Flinten knallen und das Landvolk grölen, wie man es noch nie zuvor gehört hat. Sie können sowas, und es wird Ihnen Spaß machen. (glucksend) Einen Haydnspaß, wenn mir der Kalauer erlaubt sei! MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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KONZERT

EINFÜHRUNG

Haydn: Nein! Bewahre! Da mach‘ ich nicht mit! Für konzertierende Frösche, und quakten sie noch so melodisch, steht ein Haydn nicht zur Verfügung. Nie werden Sie mich nötigen, solchen französischen Quark zu servieren. Swieten: Quark? Pfui, Haydn! Dieses böse Wort sollte man Ihnen mit Salz und Pfeffer einreiben! Haydn: Still! Ein Musikverständnis dieser Art mag angehen in Paris. Voilà! Die Franzosen haben Sinn für derlei musikalischen Klamauk, das ist mir bekannt. Wissenschaft aber, wie Sie sie von mir fordern, taugt wenig zur plumpen Nachahmung. Swieten: Wer sagt, dass es plump sein muss? Mit der richtigen Prise Esprit kriegen wir sie alle an den Haken, die Liebhaber so gut wie die Kenner. Ich versichere Ihnen: Genau das will man hören, auch hier in Wien. So weit ist Paris nämlich gar nicht weg. Das Publikum wird toben vor Begeisterung! Gerade erst haben wir die Uraufführung der Schöpfung bei Fürst Schwarzenberg erlebt. Auch da haben Sie mit Tönen gemalt. Wenn ich nur an die Schilderung des vorschöpferischen Chaos zu Anfang denke. Was für ein musikalisches Bild! Unergründlich! Unerhört! Unbeschreiblich! Der Saal lag Ihnen zu Füßen. Haydn: Ach, wissen Sie, in London haben mich die Leute auf Händen getragen, mir Doktorhüte übers greise Haupt gestülpt, mich the greatest composer ever, den größten Tonschöpfer aller Zeiten genannt. Meinen Sie, da gäbe ich was drum, wenn unsere Wiener

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Honoratioren mit ihren Rockschößen den Boden wischen? Verzeihen Sie meine Hochnäsigkeit: Ich bin Erfolg gewohnt. Swieten: Gewiss. Nur … Haydn: (barsch) Nein, van Swieten, da bewege ich mich keinen Zoll! Merken Sie sich ein für alle Mal: Es ist nicht die Aufgabe der Musik, die Menschen schauen zu lassen. Dafür gibt es Maler. Die können das besser. Meine Kunst steht über den Dingen der sichtbaren Welt. Weit darüber. Swieten: Das ist nun aber wirklich hochnäsig argumentiert, lieber Haydn. Engstirnig obendrein und auch nicht ganz schlüssig, wenn ich mir die eine oder andere Ihrer Sinfonien in Erinnerung rufe. Mit Ihrer ablehnenden Haltung der Tonmalerei gegenüber stechen Sie jedenfalls in ein ziemlich betriebsames Wespennest. Diskutiert wird das Für und Wider schon seit geraumer Zeit. Hitzig diskutiert. Die Kunst verrate sich, sagen die einen. Sie solle endlich von ihrem hohen Ross herabsteigen, die anderen. Wer hat nun Recht? Ich für meinen Teil sehe mich auf der Seite des Fortschritts, der Moderne, und pflichte unumwunden dem großen Charles Batteux bei. Der seinerseits beruft sich auf kein Geringeres als die Poetik des Aristoteles, indem er alle Kunst, insonderheit aber die Musik dazu ermuntert, die Natur nachzuahmen, endlich das wahre Leben abzubilden. Haydn: Wenn er den Aristoteles da mal richtig verstanden hat. Swieten: Die Natur ist unser größtes Vorbild, vollkommen, un-


erreicht, weil Gottes Schöpfung. Dadurch voller Wunder. Alles Künstliche, Künstlerische ist von Menschen gemacht, hat Regeln zu folgen, die wiederum nur von Menschen gemacht sind. Und diese Regeln werden zumeist von oben diktiert. Begreifen Sie? Batteux löst sich damit ein Stück weit von den autoritären Strukturen des Absolutismus, zeigt uns einen anderen, einen neuen, einen freiheitlicheren Weg. Und er hat prominente Mitstreiter auf seiner Seite. Sulzer zum Beispiel oder Jean-Jacques Rousseau. Haydn: Den Philosophen? Swieten: Eben den. Komponiert hat er übrigens auch nicht übel. Sein Devin du village hat Charme und Witz, hier wie da auch wohl ein bisschen Wissenschaft. Très amusant! Der Mann ist unstreitig ein Universalgelehrter, wie er im Buche steht, ein Vordenker der Aufklärung, ein Humanist par excellence … Haydn: … und wie Batteux ein Franzose. Siehe oben. Swieten: Papperlapapp! Der stammte aus Genf. Und außerdem: Denken Sie universell, lieber Doktor. Retour à la nature! sagt Rousseau. Zurück zur Natur! könnte Haydn einstimmen. Das ist mehr als ein Schlagwort. Dahinter steht die Überzeugung, dass sich die Kunst wie vieles andere in unserer Gesellschaft vor langer Zeit vom Menschen entfremdet und sich in eine steife Formelsprache verwandelt hat, die letztlich zum Selbstzweck erstarrt. Sehr ungesund. Dem sollten, dem müssen wir entgegen wirken. Es ist unsere Pflicht, den Künsten neues Leben einzuhauchen. Das dür-

fen wir nicht den Franzosen allein überlassen. Unsere Ehre steht auf dem Spiel! Haydn: Zugegeben, das klingt nicht ganz unvernünftig. Aber wenn es so ist, wie Sie sagen, dann könnten womöglich bald alle Schranken fallen, die Genregrenzen vollends verwischen. Dann wird früher oder später irgendein Komponist auf die Idee kommen, Kuckuck, Wachtel und Nachtigall in eine Sinfonie hineinflöten zu lassen, sie Pastorale taufen und als musikalische Großtat verkaufen. Ein anderer wird sprudelnde Wasserfälle an Alpenhängen, blökende Schafe, gar Don Quixotes Windmühlenduelle in Töne gießen … Bitte sehr, wenn’s beliebt. Aber das ist doch … verstehen Sie mich nicht falsch … ich meine … das ist doch keine Kunst. Swieten: Dann machen Sie welche draus! (lange Generalpause) Nun, Meister? Jetzt hab‘ ich Sie! Zu den Degen! En garde! Haydn: Stellung eingenommen, Baron! Prêt? Swieten: Bereit! Haydn: Allez! Ich fürchte, die Wissenschaft zu erniedrigen, wenn ich sie zur Dienerin bloßer Anschaulichkeit mache. Swieten: Ganz im Gegenteil. Sie adeln sie, wenn Sie sie mit der Vollkommenheit der Natur verbrüdern. Haydn: Point! Aber wo finden wir hier in Wien einen Unterstützer unserer Ideen? Wer gibt uns das Forum für so ein Stück, das im Grunde doch eher einem prallen Bilderbogen gleicht als einem würdevollen Oratorium? Wer hat den Mut dazu? MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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Swieten: Das lassen Sie mal meine Sorge sein. Gestern traf ich unseren braven Schwarzenberg im Casino. Er ist noch immer ganz benommen von der Schöpfung und brennt darauf, Ihnen auch für die Jahreszeiten wieder sein Palais am Neuen Markt zur Verfügung zu stellen. Publikum inklusive. Salär gesichert. Mein Wort. Haydn: Point! Aber was ist, wenn der Wind dreht? Neue Ästhetik, Haydn vergessen, abgestempelt, out of time. Ganz plötzlich. Perdu. Swieten: Freiheitliche Winde pflegen nicht so leicht zu drehen. Ich garantiere Ihnen Unsterblichkeit! Noch in zweihundert Jahren wird man unsere Jahreszeiten spielen. Über mein Textbuch mag man sich erheitern, meinethalben auch die Haare raufen. Sei’s drum. Damit kann ich leben. Ich heiße nicht Lessing. Ihre Musik aber… Haydn: Point double! Doppelter Punkt für Sie! Doch wie zum Teufel soll ich es anstellen, Ihre sturzbesoffene Herbstgesellschaft mit meiner Kunst zu versöhnen? Wein und Wissenschaft – wie geht das zusammen? (innehaltend) Obwohl: Da käme mir jetzt tatsächlich ein spaßiger Gedanke. Swieten: Touché! Treffer! (beiseite) Jetzt ist er verloren! Haydn: Wie wäre es, wenn sich die alkoholisierte Bande an einer großen Chorfuge versuchte? Aus albernem Übermut gewissermaßen. Geht natürlich gründlich schief im Rausch: falsche Einsätze, lächerliche Kontrapunkte, sinnloses Gestammel. So hät-

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ten die Kenner ihr Vergnügen und alle anderen erfreuten sich am Heisa und Juchhe. Swieten: Jetzt haben Sie mich verstanden, Haydn. Musikalische Ironie. Sie werden ihr König! Haydn: Und ich glaube, ich weiß auch schon, wie ich die Frühlingsdämpfe instrumentiere oder die Sommerglut. Und auch, wer mit dem Jagdhund durchs Unterholz kriecht. Achten Sie auf das Fagott, Baron! Das wird ein Jux! Swieten: Superb, Maître! Recht so! Dann dürfen die Zuhörer auch endlich mal lachen im Konzert. Korsett gesprengt! Haydn: Aber eins müssen Sie wissen: Das Ganze fordert eine wahrlich opulente Orchesterbesetzung. Eine reiche Farbpalette mit manchem Zusatz. Piccoloflöte sollte schon sein, Klarinetten, Kontrafagott und drei Posaunen natürlich. Vier Hörner für ein vollschlankes Jagdgemälde. Mindestens. Und auch ein wenig Schlagwerk fürs Bacchanal, wenn’s denn gehörig von den Sitzen reißen soll. Swieten: Ganz in meinem Sinne. Nur zu! Schwarzenberg zahlt. Haydn: Schön – (plötzlich zögernd) Aber nein, das wird vermutlich doch gar zu fett, zu oberflächlich, platt. Zu wenig Idee, zu viel schnöder Effekt. Ich wusste es gleich: Der Stoff ist wertlos. Wir lassen’s! Swieten: O bitte nicht nochmal von vorn, Verehrtester! Immerhin schreite ich doch ein gutes Stück über den bloßen Bilderbogen


hinaus. Haben Sie denn nicht zu Ende gelesen? Über allem strahlt zu guter Letzt der Stern der Tugend, das wird im Winter klar. Sie wissen schon: Außen blank und innen rein muß des Mädchens … Haydn: Ein recht frivoler Vers, wenn ich mir die Bemerkung gestatten darf. Swieten: Ich bitte Sie, das ist ein Bild. Nichts weiter. Völlig harmlos. Gemeint ist die Sittsamkeit. Sehen Sie ihn denn nicht, den erhobenen Zeigefinger der Moral? Für deren hehre Prinzipien hat der große Joseph Haydn doch seit je eine Schwäche. Haydn: Wie wahr! Swieten: Und bedenken Sie schließlich auch die schöne, ernste Metaphorik in Simons letzter Arie vor dem großen Schlussensemble zum Lobe des Herrn, wenn es um die Endlichkeit der menschlichen Existenz geht. Oberflächlich? Nein. Da hab‘ ich mir tüchtig Mühe gegeben, ein Sinnbild zu schaffen für alles Werden und Vergehen in dieser Welt, so eben auch den Zyklus der Jahreszeiten. Ein Körnchen Metaphysik. Etwas memento mori. Demut. Das müsste Ihnen doch aus dem Herzen sprechen, der Sie so gern mit Ihrem Alter kokettieren. (gewichtig) Hier sind Sie Mensch, Haydn, frei, aus dem Vollen Ihrer Kunst zu schöpfen. Hier dürfen Sie‘s sein. Haydn: Point! Auch dieser Punkt geht an Sie. (außer Atem) Schluss jetzt! Ich gebe mich geschlagen, Baron. Sie fechten unstreitig den flinkeren Degen, was niemanden wundert, sind Sie doch auch ein

gutes Jahr jünger als ich. – Also abgemacht: Obgleich ich mich von Ihnen überrumpelt fühle, mich nach wie vor ein schlimmes Unbehagen plagt, das nicht recht zu benennen ist, ich irgendwie das Gefühl nicht loswerde, diese Jahreszeiten könnten mir den Rest geben und sollten besser nie geschrieben werden … Ich mach’s trotzdem! Ihnen zuliebe. Könnte ja wirklich ganz lustig werden. Morgen setze ich mich an die Arbeit. Oder übermorgen. Nächste Woche? Mal sehen. Ende April haben Sie Ihren Frühling, so ich dann noch lebe. Swieten: Das nenn‘ ich Courage! Man wird es Ihnen danken. Haydn: Meinen Sie? Roman Hinke studierte Schulmusik, Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Paderborn, Köln und Berlin. Seit 1978 journalistische Tätigkeit für verschiedene Printmedien (Rheinische Post, Der Tagesspiegel, Neue Zeitschrift für Musik, Neue Musikzeitung) und Rundfunkanstalten (DeutschlandRadio, Bayerischer Rundfunk). Von 1993 bis 2001 zuständig für Konzertdramaturgie und Projektdurchführung bei der Akademie für Alte Musik Berlin. Betreut als freier Autor und Redakteur die Programmeinführungen für zahlreiche Konzertveranstalter und Schallplattenlabels.

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KONZERT

STADTPORTRÄT

Schwarzenberg Die Perle des Erzgebirges Die Bergstadt Schwarzenberg, auch »Perle des Erzgebirges« genannt, hat ihren Namenszusatz schon vor langer Zeit bekommen und wird ihm heute mehr denn je gerecht. In über 850 Jahren aufregender Geschichte gewachsen, steht Schwarzenberg für ein beliebtes Ausflugs- und Touristenziel, ist aber ebenso ein leistungsfähiger Wirtschaftsstandort. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen u. a. die Wahrzeichen Schwarzenbergs, Schloss und Kirche Sankt Georgen, das Museum Schloss Schwarzenberg, das Meißner Porzellanglockenspiel und das Eisenbahnmuseum. Erwähnung sollten an dieser Stelle auch die Waldbühne als zweitgrößte Freilichtbühne Deutschlands und das Besucherbergwerk Zinnkammern Pöhla mit Europas wohl größten Zinnkammern finden. Ebenso ist Schwarzenberg vielen durch die »Unbesetzte Zone 1945« und den damit verbundenen Mythen und Legenden ein

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Begriff. Das Gebiet um Schwarzenberg blieb vom 11. Mai bis 25. Juni 1945 von Alliierten unbesetzt. Der Schriftsteller Stefan Heym schrieb Jahre später über diese geschichtliche Besonderheit einen Roman und seither haftet der Stadt die Legende einer »Freien Republik Schwarzenberg« an. Zu den jährlichen Veranstaltungshöhepunkten zählen der Ostermarkt (Ostersonntag & Ostermontag), das Altstadt- und Edelweißfest (3. Wochenende im August) und der Schwarzenberger Weihnachtsmarkt mit seiner über 475-jährigen Tradition (Freitag vor dem 2. Advent bis 3. Advent). Die restaurierten kleinen Gässchen von Alt- und Vorstadt bieten dabei für diese und viele weitere Veranstaltungen einen ganz besonders schönen Rahmen. www.schwarzenberg.de


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Hohe Kunst, tief verwurzelt – dieser Gedanke verbindet das Musikfest Erzgebirge mit den vielfältigen Traditionen des erzgebirgischen Handwerks. Bereits zur Festivalpremiere 2010 gab daher der Landrat des Erzgebirgskreises und Vorsitzende unseres Kuratoriums, Frank Vogel, dieser Verbindung einen sichtbaren Ausdruck. Er stiftete dem Musikfest Erzgebirge ein Maskottchen – den Picus. Dem singenden Picus 2010 und dem Instrumentalisten 2012 folgt in diesem Jahr ein Dirigent. In einer limitierten Edition, die nicht im Handel erhältlich ist, wird er den Künstlern des Musikfestes Erzgebirge am Ende des Konzertes überreicht. Als Dankeschön für herausragende musikalische Leistungen und als beständiger Botschafter der Kulturlandschaft Erzgebirge. Wir danken dem Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e. V. und dem Gestalter Andreas Fleischer für die Entwicklung und Herstellung des Musikfestpicus. www.erzgebirgskreis.de

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MUSIKALISCHER FESTGOTTESDIENST

ABSCHLUSSGOTTESDIENST

So, 14. September 2014 | 10 Uhr Annaberg-Buchholz, St. Annenkirche

So, 21. September 2014 | 10 Uhr Schwarzenberg, St. Georgenkirche

Gottfried Heinrich Stölzel (1690 – 1749) Kantate »Wie schön und lieblich bist du« (Wiedererstaufführung)

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Kantate »Herr Jesu Christ, wahr’ Mensch und Gott« BWV 127

Birte Kulawik · Sopran | Julia Böhme · Alt Benjamin Glaubitz · Tenor | Cornelius Uhle · Bass

Teilnehmer des Meisterkurses »barock.musik.singen« Schwarzenberger Kantorei Chemnitzer Barockorchester

Kantorei St. Annen Collegium Instrumentale Chemnitz

KMD Matthias Schubert · Leitung

KMD Matthias Süß · Leitung

Rolf Scholz · Predigt

Superintendent Dr. Olaf Richter · Predigt Im Anschluss laden wir zum MusikFestCafé vor der Kirche ein. Liveübertragung als MDR-Rundfunkgottesdienst MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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Sonderveranstaltungen Begleitprogramm Detaillierte Informationen erfahren Sie im Festivalb端ro unter 0351.810 62 98 oder unter info@musikfest-erzgebirge.de

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Mai bis Oktober 2014

Das begehbare Programmheft »Musik sehen, Landschaft hören« Manufaktur der Träume, Annaberg-Buchholz Die Sonderausstellung zum diesjährigen Musikfest Erzgebirge bietet Ihnen vielfältige Einblicke in die Kulturgeschichte hinter der Musik der Abendkonzerte. Bilder, Objekte und Literatur lassen ein farbenreiches Bild der Kulturlandschaft Erzgebirge entstehen, beleuchten die Verbindungen des Festivalprogramms zur Region und stellen die Bildkraft von Musik vor Augen. Und schließlich können Sie per Tablet-PC virtuell den Klangraum Mitteldeutschland erkunden und so in die wechselvolle Musikgeschichte des Erzgebirges, Sachsens und Mitteldeutschlands eintauchen. In Kooperation mit der Manufaktur der Träume, AnnabergBuchholz und dem Mitteldeutsche Barockmusik e. V. Manufaktur der Träume Buchholzer Straße 2 • 09456 Annaberg-Buchholz täglich 10.00 – 18.00 Uhr www.manufaktur-der-traeume.de

12. – 21.9. Das leibliche Wohl Während des Musikfestes Erzgebirge bieten wir Ihnen vor und nach den Konzerten sowie in den Konzertpausen mit unseren Cateringpartnern warme und kalte Getränke sowie kleine Speisen an.

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12. – 21.9. Zum Nachhören In den Konzertpausen und nach den Konzerten können Sie CDs und DVDs der diesjährigen Musikfest-Künstler erwerben und signieren lassen. Mit freundlicher Unterstützung des Musikhauses Philipp, Schwarzenberg

12. – 21.09. Stadtführungen Jeweils an den Konzerttagen können Sie im Vorfeld die gastgebende Stadt bei einer Führung durchstreifen. Für Inhaber einer Konzertkarte ist der Rundgang kostenlos. Den Treffpunkt und die Zeit erfahren Sie unter www.musikfest-erzgebirge.de oder im Musikfest-Büro.

17. – 21.09. Internationaler Meisterkurs

barock.musik.singen mit Dorothee Mields

Die Möglichkeiten, als Gast die Kursarbeit kennenzulernen, erfragen Sie bitte im Musikfest-Büro.

12.09. Konzerteinführung

18:45 Uhr Annaberg-Buchholz, Bergkirche Dr. Andreas Bomba

13.09. Besuch der Zinnkammern Pöhla

11 Uhr, Zinnkammern, Luchsbachtal 19, 08340 Schwarzenberg / OT Pöhla Erleben Sie die faszinierende Bergwelt des Erzgebirges. Nach einer Fahrt mit der historischen Grubenbahn 3000 m in den Berg hinein wartet nicht nur ein einzigartiger Anblick auf Sie, sondern auch eine musikalische Überraschung.

14.9. Konzerteinführung

16:45 Uhr Eibenstock, Rathaus Dr. Andreas Bomba

14.9. Empfang für die Mitglieder des

Freundeskreises des Musikfestes Erzgebirge

im Anschluss an das Konzert, Eibenstock, Rathaus Informationen zur Anmeldung und zur Mitgliedschaft im Freundeskreis erteilen wir Ihnen gern im Musikfest-Büro.

15.9. Konzerteinführung

18:45 Uhr, Brauerei Gasthof Zwönitz, Festsaal Dr. Andreas Bomba

16.9. Wanderung zum Spiegelwaldturm 14 Uhr, Gemeindehaus Grünhain, Markt 1

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16.9. Konzerteinführung

18:45 Uhr, Gemeindesaal Grünhain Dr. Oliver Geisler

17.9. Besichtigung Bronzeglockenspiel ganztägig, Lößnitz, St. Johanniskirche

17.9. Öffentlicher Gastvortrag »Mitteldeutsche Barockmusik« im Rahmen des 2. Internationalen Meisterkurses 17 Uhr, Annaberg-Buchholz, Bergkirche Dr. Christina Siegfried

17.9. Künstlergespräch

18.9. Domführung bei Nacht im Anschluss an die Freiberger Abendmusik

21.9. MusikFestCafé

Schwarzenberg, St. Georgenkirche Im Anschluss an den Abschlussgottesdienst laden wir Sie zu Kaffee, Tee und Kuchen ein.

21.9. Stadtführung »Aus- und Rundblicke«

15 Uhr, Schwarzenberg (der genaue Treffpunkt wird noch bekannt gegeben) Die besondere Einstimmung auf das Abschlusskonzert mit Haydns »Jahreszeiten«: Erkunden Sie gemeinsam mit dem Verantwortlichen des städtischen Forstes die Stadt und Natur in und um Schwarzenberg.

18:45 Uhr Lößnitz, Gemeindesaal

18.9. Begegnung im Silbermann-Haus 18:30, Freiberg, Silbermann-Haus, Schlossplatz 6 Mit dem Domorganisten und Präsidenten der Internationalen Gottfried-Silbermann-Gesellschaft Albrecht Koch im neuen Silbermann-Haus

21.9. Konzerteinführung

18:45 Uhr, Schwarzenberg, Festsaal im Schloss Dr. Andreas Bomba

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K端nstler-Biografien

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KONZERT

12.9.2014

Martina Janková Martina Janková wurde in Tschechien geboren und gehörte nach ihrem Studium an der Basler Musik Akademie und am Internationalen Opernstudio Zürich vierzehn Jahre dem Ensemble des Opernhauses Zürich an. Heute zählt sie zu den gefragtesten Mozart-Interpretinnen ihrer Generation. Ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen gab sie im Jahr 2000 in Cherubinis »Medée«. Neben ihrer Arbeit auf der Opernbühne ist Martina Janková eine gefragte Konzertsängerin. So trat sie mit führenden europäischen Orchestern wie den Berliner und Münchner Philharmonikern, den Radio-Sinfonieorchestern Frankfurt und Berlin, dem Deutschen Symphonieorchester Berlin sowie dem Gustav Mahler Jugendorchester auf. Auf ihrer neuesten CD, die beim Label Supraphon im Juni 2013 erschien, ist Martina Janková mit Bach-Kantaten, begleitet vom Collegium 1704 unter Václav Luks, zu hören.

Isabel Jantschek Die Sopranistin Isabel Jantschek studiert seit 2008 an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden Gesang bei Hendrikje Wangemann und seit 2011 in der Liedklasse bei Olaf Bär. Wichtige Impulse in Lied und Oratorium erhielt sie ebenso von Ruth Ziesack, Ingeborg Danz, Britta Schwarz und Tobias Kram-

pen, im Bereich der neuen Musik im Ensemble Auditiv Vokal. Bereits heute kann sie auf zahlreiche Konzerte zurückblicken, ebenso wie auf Wettbewerbe und erhielt u.a. mehrere erste Preise beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert«, bei welchem sie 2011 auch als Jungjurorin tätig war. Sie ist Mitglied und Chorsolistin des Dresdner Kammerchores, welcher sie schon nach Israel und Taiwan führte und war im Rahmen dieser Engagements an mehreren CD-und Rundfunkproduktionen beteiligt.

Wiebke Lehmkuhl Die aus Oldenburg stammende Altistin Wiebke Lehmkuhl erhielt ihre Gesangsausbildung bei Ulla Groenewold und bei Hanna Schwarz an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. In den Jahren danach erhielt sie einige Auszeichnungen wie z.B. den Mozart-Preis der Stadt Hamburg im Mozart-Jahr 2006. Auf den internationalen Konzertpodien ist sie eine gefragte Solistin und regelmäßig bei den wegweisenden Festivals zu Gast, so z.B. beim Schleswig-Holstein Musik Festival, dem Lucerne Festival und dem Festival La folle journée in Nantes. Außerdem gastiert Wiebke Lehmkuhl unter anderem am Wiener Musikverein, im Gewandhaus zu Leipzig, in der Berliner Philharmonie sowie in Bilbao, Tokio und Shanghai. Die junge Altistin arbeitete mit Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Philippe Jordan, Thomas Hengelbrock, Marc Minkowski, Daniel Harding und Kent Nagano.

Krystian Adam Geschätzt wird er für seine Interpretation von Werken des 17. und 18. Jahrhunderts: der polnische Tenor Krystian Adam arbeitet regelmäßig mit den wichtigsten Dirigenten der historischen Aufführungspraxis zusammen. Unter John Eliot Gardiner sang er in Cambridge, Barcelona, Versailles und Salzburg; Bachs Matthäus-Passion führte er mit der Akademie für Alte Musik in Berlin und München auf, ebenso mit dem Collegium 1704 und Vaclav Luks im Prager Rudolfinum und der Dresdner Annenkirche; mit denselben Künstlern sang er in Mysliveceks’ »L’Olimpiade« am Theater an der Wien. Pläne für die Zukunft umfassen Mozarts »Idomeneo« unter Marc Minkowski, »Le nozze di Figaro« unter Antonio Pappano an der Oper Covent Garden; »Il Re Pastore« am Théâtre du Châtelet unter Jean-Christophe Spinosi und »L’occasione fa il ladro« am Théâtre des ChampsElysées unter Enrique Mazzola; schließlich »Il trionfo del Tempo e del Disinganno« in Versailles mit La Risonanza und Fabio Bonizzoni.

Felix Rumpf Der lyrische Bariton Felix Rumpf wurde 1984 in Halle an der Saale geboren. Erste musikalische Erfahrungen sammelte er im Stadtsingechor zu Halle. 2004 begann er seine Gesangsstudien an der Musikhochschule Dresden. Im Jahr 2007 wurde er Mitglied der Liedklasse von Olaf Bär. Nach dem Diplom im Jahr 2009 folgte ein Aufbaustudium, welches er 2011 mit Auszeichnung

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abschloss. Als Konzertsänger ist Felix Rumpf im klassisch-romantischen Repertoire sowie in Werken des Früh- und Hochbarock zu erleben. Zu seinen musikalischen Partnern zählen dabei Dirigenten wie Hans-Christioph Rademann, Ludger Rémy und Ludwig Güttler. Felix Rumpf gestaltet zahlreiche Liederabende, u.a beim »Lied in Dresden« und der Reihe »Liedgut«. Felix Rumpf besuchte Meisterkurse bei Dietrich Fischer-Dieskau, Julia Varady, Peter Schreier, Ruth Ziesak und Gerold Huber.

Dresdner Kammerchor Seit seiner Gründung 1985 durch Hans-Christoph Rademann hat sich der Dresdner Kammerchor zu einer festen Größe im deutschen und europäischen Musikleben entwickelt. Mit der ersten Heinrich-Schütz-Gesamteinspielung (2011-2017) und der kontinuierlichen Pflege und Erschließung des musikalischen Erbes prägt er die kulturelle Identität der Region. Einspielungen mit Werken u.a. von Heinrich Schütz, Johann Adolf Hasse, Johann David Heinichen und Jan Dismas Zelenka wurden mit Preisen wie dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik gewürdigt. Die Zusammenarbeit mit bedeutenden Orchestern und Dirigenten unterstreicht das internationale Renommee des Chores. Zu den musikalischen Partnern gehörten bisher u.a. René Jacobs, Sir Roger Norrington, Ádám Fischer, Herbert Blomstedt und Riccardo Chailly sowie die Sächsische Staatskapelle, das

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Gewandhausorchester Leipzig, The Orchestra of the Age of Enlightenment, Concerto Köln und die Akademie für Alte Musik Berlin. In der jüngsten Zeit arbeitete der Dresdner Kammerchor u.a. mit Christian Thielemann, Reinhard Goebel und Václav Luks. Gastspiele führten den Dresdner Kammerchor zu Festivals und Musikzentren in ganz Europa, Indien, Taiwan und Südamerika.

Barockorchester Wrocław Das Barockorchester Wrocław wurde von Andrzej Kosendiak, dem Leiter der Philharmonie Wrocław, 2006 gegründet. In jeder Konzertsaison der Philharmonie präsentiert das Barockorchester seine eigene Konzertreihe mit Werken, die vom Frühbarock bis zur Frühromantik, von Kammermusik bis zu großen Oratorien reichen. Seit der Gründung ist Jaroslaw Thiel der Künstlerische Leiter des Orchesters. Das Orchester kann auf Zusammenarbeiten mit den renommiertesten Künstlern und Ensembles der Alte-Musik-Szene verweisen. Unter anderem standen Philippe Herreweghe, Giovanni Antonini, Jaap ter Linden, Andrew Parrott am Pult des Ensembles. Einladungen führten die Musiker zu Festivals wie Wratislavia Cantans, dem Warschauer Ludwig-van-Beethoven-Osterfestival oder den Tagen Alter Musik in Herne. 2012 nahm das Orchester seine erste CD mit Sinfonien tschechischer Klassizisten auf. Die Aufnahme wurde für zwei Fryderyk Awards nominiert. Die folgenden Aufnahmen umfassten u.a. Haydn-Sinfonien, unveröffentlichte Werke von

Franz Xavier Richter und Mozarts Konzertarien mit der Sopranistin Olga Pasichnyk. Diese CD gewann u.a. fünf Diapasons.

Václav Luks Václav Luks studierte an der Akademie der Musischen Künste in Prag Horn und Cembalo sowie an der Schola Cantorum Basiliensis mit Spezialisierung Erforschung Alter Musik. Als Gründer und Künstlerischer Leiter des Barockorchesters Collegium 1704 und des Vokalensembles Collegium Vocale 1704 entwickelte er diese zu führenden Ensembles der internationalen Alte-Musik-Szene und gastiert mit ihnen regelmäßig bei den renommiertesten Festivals (Lucerne Festival, Oude Muziek Utrecht, MAfestival Brügge, Festival de La ChaiseDieu, Händel-Festspiele Halle, Bachfest Leipzig) und in den wichtigsten Konzerthäusern Europas (Konzerthaus Wien, Philharmonie Köln, Laeiszhalle Hamburg, BOZAR Brüssel). Darüber hinaus realisiert Václav Luks mit beiden Ensembles die Konzertreihen Collegium 1704 im Rudolfinum und die ganzjährige, in beiden Städten parallel verlaufende Musikbrücke Prag – Dresden. Zudem trug er wesentlich zur Wiederentdeckung der Musik des böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka bei. Seit 2013 unterrichtet Václav Luks an der Hochschule für Musik in Dresden das Fach Chordirigieren.


KONZERT

13.9.2014

Letizia Scherrer Die Schweizer Sopranistin wurde am Konservatorium Feldkirch sowie an den Hochschulen in Zürich, Tel Aviv (T. Rachum) und Basel (K. Widmer) ausgebildet und u.a. vom Eliettevon-Karajan-Kulturfonds (Karajan Preis 2003) ausgezeichnet. 1999 gab Letizia Scherrer unter der Leitung von Jordi Savall ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen sowie in der Carnegie Hall New York unter der Leitung von Helmuth Rilling. Inzwischen kann die vielseitige Sopranistin, deren weitgespanntes Repertoire vom Barock bis zur Moderne reicht, auf eine rege Konzerttätigkeit in vielen Ländern Europas, Südamerikas und den USA blicken. Sie arbeitete u.a. mit Dirigenten wie Michel Corboz, Marcus Creed, Manfred Honeck, Gérard Korsten, Roger Norrington, Wolfgang Sawallisch, Philippe Herreweghe, Kirill Petrenko, Mario Venzago, Jörg-Peter Weigle und Hans-Christoph Rademann zusammen. Sie musizierte hierbei regelmäßig mit Ensembles wie dem Collegium Vocale Gent und der Chapelle Royale, Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, Orchester und Chor des BR, RIAS Kammerchor, der Akademie für Alte Musik, Dresdner Kreuzchor, Gulbenkian Orquestra, Internationale Bachakademie und dem Radiosinfonieorchester des SWR Stuttgart.

Julia Böhme Die Altistin Julia Böhme wurde in Eilenburg/ Sachsen geboren. Sie studierte zunächst Schauspiel, Gesang und Tanz an der Berliner Schule für Bühnenkunst und nahm in München privaten Gesangsunterricht. 2012 schloss Julia Böhme ihr Gesangsstudium an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden ab. Die Liedklasse von Olaf Bär und Meisterkurse bei Ingeborg Danz ergänzen ihr Studium. In der Spielzeit 2012/13 gastierte Julia Böhme an der Oper Halle als Antippo in Telemanns »Der geduldige Sokrates« und 2013/14 trat sie ebenda als Ramise in Händels »Arminio« auf. An der Semperoper Dresden wirkte sie 2012/13 in Hans Werner Henzes »Wir erreichen den Fluss« und bei der Uraufführung der Kinderoper »Prinz Bussel« mit. Regelmäßig arbeitet sie mit der Lautten Compagney Berlin zusammen. 2015 erscheint ihre Debüt-CD mit Arien von Vivaldi und Händel, die sie mit dem La Folia Barockorchester einspielen wird.

Lothar Odinius Lothar Odinius gehört zu den gefragtesten Konzert- und Oratoriensängern. Nach einem Studium bei Prof. Anke Eggers an der Berliner Universität der Künste Berlin sowie bei Dietrich Fischer-Dieskau und Neil Semer hat er sich als Interpret mit einem Repertoire vom Barock bis in die Gegenwart international einen Namen gemacht. Er ist regelmäßiger Gast bei internationalen Festivals und in allen wichtigen Kon-

zertsälen von Berlin, Wien, Mailand, London bis nach New York. So arbeitete Lothar Odinius mit Dirigenten wie Ivor Bolton, Adam Fischer, Emmanuelle Haïm, Nikolaus Harnoncourt, Thomas Hengelbrock, Philippe Herreweghe, Andrew Manze, Sir Neville Marriner, Kirill Petrenko, Hans-Christoph Rademann, Helmuth Rilling, András Schiff, Peter Schreier, Andreas Spering Christian Thielemann und Franz Welser-Möst zusammen und war an zahllosen Rundfunkaufnahmen und vielen CD-Produktionen beteiligt. Neben der Leidenschaft für den Konzertgesang haben die Tätigkeit als Opernsänger und besonders die lyrischen Mozart-Partien einen hohen Stellenwert. Wichtige Opernproduktionen waren außerdem Strawinskys‘ Renard / Rossignol an der Canadian Opera in Toronto, mit Gastspielen in New York und an der Opéra Lyon, Schuberts‘ Alfons und Estrella am Opernhaus Zürich unter Nikolaus Harnoncourt, sowie Steffani’s Niobe bei den Schwetzinger Festspielen und dem Royal Opera House Covent Garden unter Thomas Hengelbrock. Im Sommer 2011 erfolgte sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen als Walther von der Vogelweide (Tannhäuser) unter Thomas Hengelbrock, in 2012 dann unter Christian Thielemann und aktuell ist er Froh (Rheingold) unter Kirill Petrenko.

Tobias Berndt siehe Konzert ⑨ am 20.9.

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Erzgebirgische Philharmonie Aue

Helmuth Rilling

Die Erzgebirgische Philharmonie Aue ist seit über einhundert Jahren fester Bestandteil der Kulturlandschaft des Erzgebirges. Herrschten zur Gründungszeit neben wenigen Abonnements-konzerten noch Sonntagnachmittagskonzerte vor, führte der künstlerische Weg von Platz- und Volkskonzerten, Turm- und Kirchenmusiken sowie Kurkonzerten immer mehr hin zu anspruchsvollen Sinfonie- und Kammerkonzerten. Seit 1990 wurde zunehmend eine enge Kooperation mit dem Orchester des »Eduard-vonWinterstein-Theaters Annaberg-Buchholz« praktiziert, um auch anspruchsvolle Sinfonik größerer Dimension aufführen zu können. Im Juni 1997 erfolgte mit der Gründung der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH die Fusion der beiden Orchester. Das Spektrum des Orchesters reicht von Serenaden-, Opern-, Operetten- und Chorkonzerten bis zur Kammermusik und zu Schülerkonzerten sowie eine vielgestaltige Zusammenarbeit mit Musikbund Musikhochschulen. Neben ausgedehnter Konzerttätigkeit nimmt das Orchester seine Verpflichtungen als Theaterorchester bei allen Musiktheateraufführungen im Eduardvon-Winterstein-Theater wahr.

»Musik darf nie bequem sein, nicht museal, nicht beschwichtigend. Sie muss aufrütteln, die Menschen persönlich erreichen, sie zum Nachdenken bringen.« Dies ist das persönliche Leitbild des Dirigenten Helmuth Rilling. 1954 gründete Helmuth Rilling die Gächinger Kantorei, 1965 kam das Bach-Collegium Stuttgart als instrumentaler Partner dazu. Seit 1970 ist er künstlerischer Leiter des von ihm mitbegründeten Oregon Bach Festivals, eines der profiliertesten Musikfestivals in den USA. 1981 gründete Helmuth Rilling die Internationale Bachakademie Stuttgart. Die internationale Arbeit mit jungen Menschen ist zentraler Bestandteil der Arbeit Helmuth Rillings; sie manifestiert sich in Workshops und Arbeitsphasen an Universitäten und Hochschulen weltweit sowie in der Zusammenstellung internationaler Jugendensembles. Schallplatten-, Hörfunk- und Fernsehproduktionen dokumentieren das Schaffen Helmuth Rillings. Als erster Dirigent spielte er sämtliche Kantaten J. S. Bachs ein; zum Bach-Jahr 2000 erschien unter seiner künstlerischen Gesamtleitung die Gesamtaufnahme des Bachschen Werkes auf 172 CDs. Im Oktober 2013 hat Helmuth Rilling den ECHO Klassik für sein Lebenswerk erhalten.

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13., 14.9.2014 FAMILIENKONZERTE

MUSITABOR zeigt seit 1998 eine ganze Reihe von Kinderprogrammen mit Alter Musik, die die Flötistin Leila Schoeneich in Zusammenarbeit mit Musikern, Erzählern, Puppenspielern und Tänzern konzipiert hat. Mit Musitabor möchte sie Kinder mit dem Klang Alter Musik in Berührung bringen, ihnen historische Instrumente zeigen und wie sie gespielt werden. Die Kinder sollen sich verzaubern lassen, sie sollen ahnen, wie fein und verschiedenartig Musik sein kann. Deshalb geht die Musik bei MUSITABOR die Verbindung mit dem Märchen ein. In jedem Stück von MUSITABOR klingt die Musik anders, mal ist die Theatermusik aus der Zeit des Mittelalters, mal aus dem Barock oder der Renaissance, dabei ist sie immer im Dienst der Handlung, unterstreicht die Stimmungen und Gefühle, schafft Atmosphäre und setzt markante Akzente. Einige der musikalischen Märchentheaterstücke wie »Däumelinchen«, »Das tapfere Schneiderlein« und »Die drei Orangen« wurden zuerst bei den Berliner Tagen für Alte Musik aufgeführt. Inzwischen gab es viele erfolgreiche Aufführungen, z. B. im Händel Haus Halle, bei den Potsdamer Musikfestspielen Sanssouci, an der Landesmusikakademie Berlin, bei der Mitteldeutschen Barockmusik und den Schütz-Festspielen.


14.9.2014 MUSIKALISCHER FESTGOTTESDIENST

Birte Kulawik Birte Kulawik absolvierte an der Musikhochschule Dresden ihr Studium in den Fächern Gesang, Violine und Barockvioline. In verschiedenen Meisterkursen vervollkommnete sie ihre Ausbildung, darunter bei Barbara Schlick und Semjon Skigin. Sie arbeitet mit Dirigenten wie Morten Schuldt-Jensen, Ludwig Güttler, Matthias Grünert, Matthias Jung und verschiedenen Ensembles, z. B. dem Immortal-Bach-Ensemble, der LauttenCompagney Berlin, dem Ensemble Amarcord und dem Sächsischen Vocalensemble zusammen. Birte Kulawik gastierte bei Festivals wie dem Rheingau Musikfestival, den Händelfestspielen Halle und dem Musikfestival Mecklenburg-Vorpommern. Verschiedene CD- und Rundfunkproduktionen dokumentieren ihre Tätigkeit.

Julia Böhme siehe Konzert ② am 13.9.

Benjamin Glaubitz Benjamin Glaubitz wurde 1986 im heutigen Chemnitz geboren. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er im Dresdner Kreuzchor, wo ihm 2005 das Rudolf-Mauersberger-Stipendium zuerkannt wurde. Ab Oktober 2006 studierte er bis zur Meisterklasse an der Hochschule für Musik Carl Maria

von Weber Dresden bei Margret Trappe-Wiel und Olaf Bär. Zusätzlich absolvierte er Meisterkurse bei Charlotte Lehmann, Peter Schreier, Dietrich Fischer-Dieskau, Lothar Odinius und Gerold Huber. Der junge Sänger musizierte mit Ensembles wie dem Dresdner Barockorchester, dem Sächsischen Barockorchester, der Lautten Compagney Berlin, der Batzdorfer Hofkapelle, La Partita Zürich, der Staatskapelle Halle, den Hamburger Philharmonikern, der Dresdner Philharmonie u.v.a. Er sang unter Dirigenten wie Alessandro De Marchi, Roderich Kreile, Hans-Christoph Rademann, Helmuth Rilling, Markus Poschner und Ludwig Güttler. Als Solist oder in Ensembles wie Collegium Vocale Gent konzertiert er regelmäßig im In- und Ausland.

Cornelius Uhle Der Bariton Cornelius Uhle war Mitglied des Dresdner Kreuzchores und wurde bereits als Knabensopran mit ersten solistischen Aufgaben betraut. Er studierte an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden bei Christiane Junghanns und Olaf Bär. Schon sehr bald war er in verschiedenen Hauptrollen auf der Opernbühne zu erleben. Schwerpunkt seiner Konzerttätigkeit ist der Oratorien- und Liedbereich. Mit besonderem Interesse widmet sich Cornelius Uhle dabei dem Spannungsfeld zwischen historischer Aufführungspraxis und zeitgenössischer Musik, wobei er mit namhaften

Ensembles und Festivals zusammenarbeitet. Zahlreiche CD- und Rundfunkaufnahmen runden seine Gesangstätigkeit ab.

Collegium Instrumentale Chemnitz Das Collegium Instrumentale Chemnitz gründete sich 1956 unter dem Namen »Collegium musicum Karl-Marx-Stadt«. In den Achtziger Jahren erhielt es seinen jetzigen Namen »Collegium Instrumentale«. Seither widmet sich das Orchester der Kirchenmusik in Chemnitz und der Region; die 25 Mitglieder sind freischaffende Musikerinnen und Musiker. Das musikalische Repertoire umfasst die großen Werke der Kirchenmusik, zum Beispiel Kantaten des Frühbarock, Werke Johann Sebastian Bachs, Haydns »Schöpfung«, Mozarts »Requiem« und das »Deutsche Requiem« von Johannes Brahms.

Matthias Süß 1957 im erzgebirgischen Aue geboren, erhielt Matthias Süß im Alter von 7 Jahren seinen ersten Klavierunterricht. Musikalische Impulse bot ihm von 1967 bis 1975 die Mitgliedschaft im Dresdner Kreuzchor, währenddessen er u.a. auch Orgelunterricht bei Kreuzorganist Herbert Collum nahm. Von 1975 von 1981 studierte Matthias Süß Kirchenmusik an der Hochschule für Musik »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig. 1980 wurde er Preisträger beim VI. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig. 1981 übernahm Matthias Süß das

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Amt des Kantors und Organisten an der Trinitatiskirche in Chemnitz. 2004 wurde er an die St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz und zum Kirchenmusikdirektor für den Kirchenbezirk Annaberg berufen. Mit Konzerten gastiert Matthias Süß regelmäßig im In und Ausland, Europa und Südamerika, sowie in Zusammenarbeit mit der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz und der Erzgebirgsphilharmonie Aue. Es liegen mehrere Rundfunk- und Fernsehaufnahen sowie CD-Einspielungen vor.

KONZERT

14.9.2014

Hana Blažíková Hana Blažíková wurde in Prag geboren, wo sie im Jahr 2002 ihr Abschlussdiplom am Konservatorium in der Klasse von Jiří Kotouč erlangte. Sie erweiterte ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in Kursen von Poppy Holden, Peter Kooij, Monika Mauch und Howard Crook. Die junge Sopranistin ersang sich schnell einen ausgezeichneten Ruf als Barockinterpretin und wurde bald von Dirigenten wie Philippe Herreweghe und Masaaki Suzuki eingeladen. So arbeitet sie als Solistin inzwischen regelmäßig mit Ensembles und Orchestern von internationalem Rang, etwa dem Collegium Vocale Gent, dem Bach Collegium Japan, Collegium 1704, Capella Regia und anderen. Sie trat bei zahlreichen renommierten Festivals auf, wie dem Prager Frühling, Festival Oude Mu-

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MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

ziek Utrecht, Resonanzen in Wien, Tage Alter Musik in Regensburg, Festival de Sablé, Festival de La Chaise–Dieu und vielen weiteren.

Robin Blaze Robin Blaze studierte Musik am Magdalen College Oxford und setzte seine Gesangsausbildung mit einem Stipendium am Royal College of Music fort, wo er heute als Professor für Gesang lehrt. Als erstklassiger Interpret der Musik von Purcell, Bach und Handel ist Robin Blaze auf den Bühnen in Europa, Süd- und Nordamerika, Japan und Australien unterwegs. Er ist regelmäßig zu Gast bei den Festivals in Boston, Edinburgh, Halle, Island, Jerusalem, Innsbruck, Karlsruhe, Leipzig, Lucerne, Saintes und Utrecht, und arbeitet mit namhaften Dirigenten wie Nicholas Cleobury, Sir John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Christopher Hogwood, René Jacobs, Robert King, Ton Koopman und Masaaki Suzuki. Zu den Klangkörpern, mit denen er konzertierte, zählen u. a. The Academy of Ancient Music, das Collegium Vocale Gent, The English Concert, das King’s Consort, das Orchestra of the Age of Enlightenment, der RIAS Kammerchor und die Berliner Philharmoniker. Robin Blaze ist regelmäßiger Interpret bei der Bach-Kantaten-Gesamtaufnahme des Bach Collegium Japan’ unter Masaaki Suzuki und spielte in diesem Rahmen u. a. sämtliche Alt-Solo-Kanaten Bachs ein.

Bernhard Berchtold Der österreichische Tenor Bernhard Berchtold studierte am Mozarteum in Salzburg und besuchte die Liedklasse von Hartmut Höll. Ausgezeichnet mit mehreren Preisen bei internationalen Gesangswettbewerben, erhielt er eines seiner ersten Engagements im Rahmen der Händel-Festspiele Karlsruhe. Als Henry in »Die schweigsame Frau« von Richard Strauss gab Bernhard Berchtold in der Spielzeit 2009/10 sein Debut am Teatro de la Maestranza Sevilla und an der Dresdner Semperoper. Weitere Gastengagements führten ihn unter anderem an das Teatro Comunale Bologna, Teatro Carlo Felice Genova, Staatsoper Hannover, Opéra Lyon, Mailänder Scala, Bayerische Staatsoper München, Teatro Verdi Trieste, Theater an der Wien und zu den Salzburger Festspielen. 2013 gab er sein Debut bei den Bayreuther Festspielen in »Das Liebesverbot«, einer Koproduktion mit der Oper Leipzig.

Dominik Wörner Dominik Wörner gilt als einer der profiliertesten Sänger seiner Generation. Er studierte Kirchenmusik, Musikwissenschaften, Cembalo, Orgel und Gesang in Stuttgart, Fribourg und Bern. Den Grundstein für seine internationale Karriere legte er mit dem Gewinn des 1. Preises beim renommierten Internationalen BachWettbewerb in Leipzig 2002. Er arbeitete mit bedeutenden Dirigenten wie Thomas Hengelbrock, Philippe Herreweghe,


Manfred Honeck, Sigiswald Kuijken und Helmuth Rilling zusammen. Eine besonders enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Bach Collegium Japan und Masaaki Suzuki. Er ist ein gern gesehener Gast bei Ensembles der historischen Aufführungspraxis wie der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Collegium Vocale Gent, dem Freiburger Barockorchester, La Petite Bande oder dem Ensemble Baroque de Limoges. Mittlerweile dokumentieren mehr als 40 CDund DVD-Produktionen Alter und Neuer Musik bei verschiedensten Labels sein Können.

Bach Collegium Japan Das Bach Collegium Japan wurde 1990 von Masaaki Suzuki mit dem Ziel gegründet, das japanische Publikum mit dem zeitgenössischen Instrumentarium des Barock bekannt zu machen. Inzwischen haben sich Chor und Orchester international durch die vielgepriesenen Aufnahmen der Werke Johann Sebastian Bachs eine herausragende Reputation erarbeitet. In dieser Saison findet der Einspielungszyklus der kompletten Kirchenkantaten des Komponisten mit inzwischen über fünfzig CDs, die seit 1995 erschienen sind, seinen triumphalen Schluss. Die jüngsten Aufnahmen wurden u.a. mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik, dem Diapason d’Or de l’Année und dem BBC Music Magazine Award bedacht. Das Bach Collegium Japan und Mazaaki Suzuki sind mit ihren Interpretationen in der internationalen Musikszene präsent, von Amsterdam,

London und Berlin bis Hong Kong, Los Angeles, Melbourne, New York und Soul. Bei renommierten Festivals wie den BBC Proms, dem Edinburgh Festival und dem Hong Kong Arts Festival wurden die Musiker gefeiert. Der Auftritt beim Musikfest Erzgebirge ist Teil einer großen Europatournee, die die Künstler auch nach Barcelona, Lyon, Paris und Toulouse führt.

erhielt Suzuki beim Flandern-Festival in Brügge den 2. Preis im Cembalo-Wettbewerb und 1982 den 3. Preis beim Orgel-Wettbewerb. Heute wirkt er als Professor an der Tokyo National Universitiy of Fine Arts and Music und in Yale.

Mazaaki Suzuki

Dorothee Oberlinger

Spätestens seitdem er 1990 das Bach Collegium Japan gründete, ist Masaaki Suzuki unangefochtener Spezialist für das ?uvre Johann Sebastian Bachs. Als Leiter des Ensembles hat er sich weltweit einen herausragenden Ruf als Interpret der historischen Aufführungspraxis erworben. Als exzellenter Organist, Cembalist und Dirigent konzertiert er nicht nur in Japan, sondern auch in den USA und in vielen Ländern Europas. Seine zahlreichen Einspielungen, u. a. der wichtigsten Choralwerke und geistlichen Kantaten wie auch der Cembalowerke Bachs finden höchstes Lob. Als Solist für Orgel und Cembalo ist er in diesem Jahr in der Carnegie Hall New York und auf dem Hong Kong Arts Festival zu hören. Bereits als Zwölfjähriger spielte er regelmäßig sonntags im Gottesdienst Orgel. Nach dem Studium von Komposition und Orgel in Tokyo absolvierte er am Sweelinck-Konservatorium Amsterdam bei Ton Koopman und Piet Kee eine Ausbildung an Cembalo und Orgel. Beides schloss er mit dem Solistendiplom ab. 1980

KONZERT

15.9.2014

1969 in Aachen geboren, studierte Dorothee Oberlinger Blockflöte in Köln, Amsterdam und Mailand. Ihr Debüt gelang ihr 1997 mit dem 1. Preis im internationalen Wettbewerb SRP/ Moeck U.K. in London. Seitdem ist Dorothee Oberlinger regelmäßig zu Gast bei den großen Festivals und Konzertreihen in ganz Europa, Amerika und Asien und spielt als Solistin mit dem von ihr 2002 gegründeten Ensemble 1700 sowie mit renommierten Barockensembles und Orchestern wie den Sonatori de la Gioiosa Marca, Musica Antiqua Köln, der Akademie für Alte Musik Berlin, London Baroque, der Academy of Ancient Music oder Zefiro. Sie ist mehrfache Preisträgerin des renommierten Musikpreises Echo Klassik und wurde mit dem Diapason d’Or ausgezeichnet. Seit 2009 ist Dorothee Oberlinger Intendantin der traditionsreichen Arolser Barockfestspiele und seit 2004 Professorin an der Universität Mozarteum Salzburg, wo sie das dortige Institut für Alte Musik leitet.

MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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Ensemble 1700 Das Ensemble 1700 wurde 2002 von Dorothee Oberlinger in Köln gegründet und widmet sich der europäischen Kammermusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Auf musikwissenschaftlich fundierter und aufführungspraktischer Grundlage, gepaart mit höchster spieltechnischer Fähigkeit, entstanden abwechslungsreiche und lebendige Konzertprogramme, die von Presse und Publikum gleichermaßen enthusiastisch aufgenommen wurden. Die Gastspiele in bedeutenden Spielstätten (u.a. Konzerthaus Wien, Philharmonie Köln) und bei wichtigen europäischen Musikfestivals (u.a. bei den »Tagen der Alten Musik« in Herne oder den »Resonanzen« in Wien) verliefen äußerst erfolgreich und festigten so den Ruf des noch jungen Ensembles. Die letzte Aufnahme des Ensembles mit Werken von Georg Philipp Telemann wurde als maßstäbesetzende Einspielung »mit Gewicht und Verve« (Der Spiegel) gefeiert. Ergänzend zur Stammbesetzung lädt Dorothee Oberlinger immer wieder renommierten Spezialisten als Gäste zu Konzertprojekten und CD-Einspielungen ein.

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KONZERT

16.9.2014

Dorothee Mields Dorothee Mields ist eine der führenden Interpretinnen für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und wird von Publikum und Presse besonders für ihr einzigartiges Timbre und ihre berührenden Interpretationen geliebt. Ihre makellose Technik und Stimmführung prädestinieren sie ebenso für die Werke zeitgenössischer Komponisten. Sie konzertiert mit dem Collegium Vocale Gent, dem Freiburger Barockorchester, der Nederlandse Bachvereiniging, dem Bachcollegium Japan, RIAS Kammerchor, Orchestra of the 18th Century, Beethovenorchester Bonn, der Sächsischen Staatskapelle Dresden, L’Orfeo Barockorchester, der Lautten Compagney und dem Klangforum Wien, und mit Dirigenten wie Stefan Asbury, Ivor Bolton, Frans Brüggen, Beat Furrer, Paul Goodwin, Philippe Herreweghe, Gustav Leonhardt, Sir Roger Norrington, Emilio Pomárico, Hans-Christoph Rademann, Masaaki Suzuki und Jos van Veldhoven. Eine stetig wachsende Diskographie mit etlichen preisgekrönten Aufnahmen dokumentiert ihr künstlerisches Schaffen. Besondere Beachtung fand auch ihre neueste Einspielung »Inspired by song« mit dem Flötisten Stefan Temmingh.

Ulrike Hofbauer Ulrike Hofbauer studierte Gesang und Gesangspädagogik an den Hochschulen Würzburg und Salzburg und an der Schola Cantorum Basiliensis. Zu ihren maßgeblichen Lehrern zählen Sabine Schütz, Evelyn Tubb und Anthony Rooley. Die in Oberbayern geborene Sängerin ist heute in der Nähe von Basel ansässig und musizierte als Solistin unter anderem mit Singer Pur, dem Collegium Vocale Gent, L’Arpeggiata, La Chapelle Rhénane, L’Orfeo Barockorchester und Cantus Cölln und arbeitete mit Andrew Parrott, Philippe Herreweghe, Christina Pluhar, Andrea Marcon, Gustav Leonhardt, Manfred Cordes, Hans-Christoph Rademann und Jörg-Andreas Bötticher zusammen. Ab Oktober 2014 wird die Sängerin am Institut für Alte Musik der Universität Mozarteum in Salzburg Barockgesang unterrichten.

David Erler David Erler stammt aus dem sächsischen Vogtland und studierte als Stipendiat der HannsSeidel-Stiftung München Gesang bei Marek Rzepka in Leipzig. Als europaweit gefragter Solist arbeitet er mit Peter Van Heyghen, Jos van Immerseel, Wolfgang Katschner, Hermann Max, Hans-Christoph Rademann, Ludger Rémy und Roland Wilson sowie mit Ensembles wie Collegium Marianum Prag, Ensemble Inégal, Gesualdo Consort Amsterdam, Lautten Compagney Berlin, Les Muffatti Brüssel und Weser-Renaissance Bremen. Vokalensembles wie


amarcord, Calmus, Singer Pur, Singphoniker und Stimmwerck laden ihn als Gastsänger ein, zahlreiche CD- und Rundfunkproduktionen sowie Festivalengagements (Bachfest Leipzig, Händelfestspiele Halle, Resonanzen Wien, Musica Antiqua Brügge) zeugen von seiner künstlerischen Arbeit. Zudem ist er Herausgeber der Kantaten von Johann Kuhnau beim Pfefferkorn Musikverlag Leipzig.

Georg Poplutz Der Tenor Georg Poplutz konzertiert regelmäßig bei namhaften Festivals und in bedeutenden Konzerthäusern und Kirchen in Deutschland und Europa und arbeitete dabei u.a. zusammen mit L. Güttler, T. Kaljuste, H. Max, Sir R. Norrington, R. Otto, L. Rémy, M. Schneider, M. Suzuki, W. Toll und R. Wilson. Er singt außerdem im »Johann Rosenmüller Ensemble« von A. Paduch sowie in K. Junghänels »Cantus Cölln« und wirkt mit an der aktuellen Heinrich-SchützGesamtaufnahme mit H.-Ch. Rademann. Weitere Rundfunk-, DVD- und etwa 30 CD-Aufnahmen dokumentieren sein Singen, darunter neuerdings Schuberts »Die schöne Müllerin« mit Romantischer Gitarre und Quintbass. Auch mit seinem Klavierpartner Hilko Dumno verbindet ihn seit einigen Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die in Liederabenden immer wieder zu erleben ist. Poplutz studierte nach einem Lehramtsstudium noch bei B. Possemeyer und Ch. Prégardien Gesang und erhält nun weitere künstlerische Impulse von C. Meyer-Bruetting.

Tobias Mäthger 1977 geboren, studierte Gesang, Dirigieren sowie Schulmusik und ist als freischaffender Sänger, Dirigent, Pädagoge und Kirchenmusiker tätig. Bereits heute kann er auf eine vielfältige, erfolgreiche nationale und internationale Konzerttätigkeit zurückblicken. Er ist Mitglied und Solist des Dresdner Kammerchores sowie langjähriger Assistent von Hans-Christoph Rademann. Ebenso gehört er auch dem Solistenensemble des Musikpodiums Stuttgart unter Frieder Bernius an. Daneben arbeitete er mit namhaften Künstlern und Ensembles wie z.B. Marc Minkowski, Peter Schreier, Ludger Rémy, Hermann Max, Matthias Goerne, der Dresdner Staatskapelle, der Bremer Kammerphilharmonie, dem Dresdner Kreuzchor und der Lautten Compagney zusammen. Ein besonderes Engagement gilt vor allem der Neuedition und Aufführung wiederentdeckter Werke Alter Meister. Zahlreiche Tondokumente seines Schaffens liegen im Rahmen von CD- und Rundfunkproduktionen vor.

Felix Schwandtke Der junge Bassist Felix Schwandtke stammt aus dem sächsischen Freiberg und kam über den Chorgesang zur Musik. Nach ersten musikalischen Erfahrungen im Freiberger Knaben­ chor wechselte er ans Sächsische Landesgymnasium für Musik in Dresden. Seit 2008 studiert er an der Hochschule für Musik Dresden, gegenwärtig in der Gesangsklasse von Matthias

Henneberg sowie in der Liedklasse von Olaf Bär. Eine langjährige und intensive Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Dresdner Kammerchor und dessen Chefdirigenten HansChristoph Rademann. Im Rahmen der ersten Gesamteinspielung der Werke Heinrich Schütz’ übernimmt er in CD-Produk­tionen und Konzerten regelmäßig die Basspartie. Darüber hinaus arbeitet er mit weiteren namhaften Dirigenten der Alten Musik wie Andreas Spering oder Ludger Rémy.

Dresdner Kammerchor siehe Konzert ① am 12.9.

Dresdner Barockorchester Dresden und die Barockmusik haben eine gemeinsame Geschichte, da die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert eine Musikstadt von europäischem Rang war. Hier lebten und wirkten bedeutende Komponisten und Musiker der Zeit wie zum Beispiel Jan Dismas Zelenka, Johann David Heinichen und Johann Adolph Hasse. 1991 entdeckten Absolventen der Dresdner Musikhochschule ein gemeinsames Interesse an dieser Musikepoche und gründeten das Dresdner Barockorchester. Lebendiges Musizieren auf barocken Instrumenten im Sinne der historischen Aufführungspraxis und besonders die Wiederentdeckung vergessener Werke aus der Sammlung der Dresdner Hofkapelle sind den Musikern des Orchesters wichtige Anliegen und wurden zu ihren Markenzeichen.

MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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Eine fruchtbare Zusammenarbeit verbindet das Orchester mit dem Dresdner Kammerchor und seinem Leiter Hans-Christoph Rademann unter anderem bei Aufführungen der großen Oratorien Bachs und Händels und bei der jüngsten Gesamteinspielung der Werke von Heinrich Schütz. Publikum und Presse bestätigten immer wieder die ergreifende Wirkung der Verschmelzung von Chorklang und historischem Instrumentarium. Das hohe Können der Interpreten ist durch zahlreiche CD-Einspielungen dokumentiert.

Hans-Christoph Rademann Hans-Christoph Rademann studierte an der Musikhochschule Dresden Chor und Orchesterdirigieren. Bereits während seines Studiums gründete er den Dresdner Kammerchor. Von 1999 bis 2004 leitete er als Chefdirigent den NDR Chor, ab 2007 fungierte er als Chefdirigent des RIAS Kammerchors und wurde 2013 als Nachfolger Helmuth Rillings zum Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart berufen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Alte Musik, insbesondere die Erschließung bislang unbekannter Schätze der Dresdner und der sächsischen Musikgeschichte. Hans-Christoph Rademann leitete zahlreiche Erstaufführungen von Werken Zelenkas, Hasses und Heinichens – epochale Wiederentdeckungen, die auch als CD-Produktionen zahlreiche Preise erhielten. Mit dem Dresdner Kammerchor und dem Dresdner Barockorchester realisiert er aktuell die erste Heinrich-Schütz-Gesamtaufnahme.

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MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

Für seine Verdienste um das Dresdner Musikleben wurde Hans-Christoph Rademann mit dem Förderpreis und jüngst dem Kunstpreis der Landeshauptstadt ausgezeichnet, 2008 zudem mit der Sächsischen Verfassungsmedaille. 2000 erhielt er den Ruf zum Professor für Chorleitung an die Hochschule für Musik »Carl Maria von Weber« in Dresden. Seit der Gründung im Jahr 2010 ist er Intendant des Musikfests Erzgebirge.

KONZERT

17.9.2014

Francesca Lombardi Francesca Lombardi Mazzulli studierte am Konservatorium G. Verdi in Mailand und am Konservatorium G. Frescobaldi in Ferrara, seit 2005 tritt sie in zahlreichen Konzerten und Opern weltweit auf. Sie arbeitete unter anderem mit dem Barock-Ensemble von Limoges und »Le Musiche Nove« unter Claudio Osele zusammen und sang am Stadttheater Gießen unter der Leitung von Michael Hofstetter die Titelpartie in Händels »Agrippina« und die Partie der Leonore in Verdis »Oberto«, bevor sie 2013 in Buthan und Neuseeland gastierte. Als Solistin trat Francesca Lombardi Mazzulli unter anderem auf dem Barock-Festival in Rom, beim »Maggio Musicale« Florenz, auf dem Vercelli Festival in Bologna und auf dem Festival styriarte in Graz auf. Trotz ihres jungen Alters debütierte sie bereits in den großen Theatern der Lombardei, im Teatro Dal Verme in Mailand,

dem Rossini Theater von Pesaro und im Donizetti Theater von Bergamo anlässlich der Preisverleihung an Luciano Pavarotti, dessen Schülerin sie von 2006 bis 2007 war.

Pera Ensemble Das Pera Ensemble, benannt nach einem Stadtteil Istanbuls, in dem sich schon seit der Antike bis heute Menschen verschiedener Herkunft, Religionen und Kulturen treffen, wurde 2005 von den aus Istanbul stammenden Musikern Mehmet Cemal Yesilcay und Ihsan Özer gegründet. Pera kombiniert bei der Aufführung der musikalischen Tradition der Osmanischen Musikvokale und instrumentale Virtuosität mit Musik aus Europa, wobei ebenso musikwissenschaftliche und historische Forschungen die Grundlage für das musikalische Wirken bilden. Nicht zuletzt widmet sich das Ensemble der Aufführung von bislang unentdeckten bzw. rekonstruierten Fassungen alter Werke. Als »Suchende« auf diesem Gebiet fördert Pera hierbei Kunstwerke zu Tage, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind und einer breiteren Öffentlichkeit wieder bekannt gemacht werden sollen. Fundierte Recherche gepaart mit lebendigem und frischem Musizieren kennzeichnen die Arbeit des Ensembles. Im Zentrum der Arbeit des Ensembles steht der Austausch mit klassischer europäischer Musik. Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollen hier gezeigt werden und ebenso in einer musikalischen Symbiose neue Klänge entstehen: »Musik ohne Grenzen«, ohne die eigene Identität aus den Augen zu verlieren.


Für die Produktion »Baroque oriental« wurde Pera 2012 mit dem Echo Klassik in der Kategorie »Klassik ohne Grenzen« ausgezeichnet.

Dresdner Barockorchester

KONZERT

18.9.2014

Mazaaki Suzuki: siehe Konzert ③ am 14.9.

siehe Konzert ⑤ am 16.9.

Mehmet Yeşilçay Mehmet C. Yeşilçay ist Gründer und musikalischer Leiter des Pera Ensembles. Er studierte Musiktheorie, Makamlehre und Laute (Ud) bei C. Tanrikorur und geistliche Musik (Sufimusik) bei Seyyid Nusret Yeşilçay. Konzerte mit dem Ensemble Sarband, unter anderem aber auch mit Concerto Köln und Jordie Savall machten den Musiker und Komponisten international bekannt. Weiterhin machte er auf sich aufmerksam durch Konzerte und Bearbeitungen von Werken Eric Saties, Auftritten mit großen Sufiorchester (Mevlevi), unter anderem in der Münchener Philharmonie, wo er musikalischer Direktor war. Gleichzeitig hat er sich mit Neubearbeitungen und Kompositionen von Händelarien für die Sopranisten Edita Gruberova beschäftigt und zahlreiche andere Kompositionen für verschiedenste Besetzungen geschaffen. Aber auch in anderen Musikgenres ist Mehmet Yeşilçay heimisch. So betreibt er seit Jahren Produktionen im Bereich Filmmusik, elektronischer Musik, World Music, traditioneller türkischer Musik und Jazz. Mehmet C. Yeşilçay lebt seit seiner Kindheit in München.

KONZERT

19.9.2014

Choir of King’s College, Cambridge Der Choir of King’s College, Cambridge, singt täglich zu den Gottesdiensten in der King’s College Chapel, eines der Juwelen des kulturellen und architektonischen Erbes Großbritanniens. Die sechzehn Chorknaben, vierzehn Chorschüler und zwei Orgelschüler lernen allesamt am College, das 1441 von Heinrich VI. gegründet wurde. Weltweite Bekanntheit genießt der Chor durch das »Festival of Nine Lessons and Carols«, ein Gottesdienst zu Heiligabend, der zu Weihnachten 1918 erstmals am College abgehalten und seit 1928 von der BBC übertragen wird. Beginnend mit seinem Konzert beim Musikfest Erzgebirge, wird der Chor in der Saison 2014/2015 öfter in Deutschland zu hören sein. Auftritte führen ihn zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem MDR Musiksommer, dem Choriner Musiksommer und dem Rheingau Musik Festival. Außer in seinem Heimatland ist der Chor in den kommenden Monaten auch in den USA, in Asien und mehreren europäischen Ländern zu Gast.

Mehr als einhundert CDs hat der Chor bei den Labels EMI und Decca aufgenommen, bevor er 2012 sein eigenes Label gründete. Seitdem sind Aufnahmen der »Nine Lessons & Carols«, von Mozarts und Faurés Requiem und von Werken Benjamin Brittens erschienen.

Stephen Cleobury Stephen Cleobury fungiert seit dreißig Jahren als Musikalischer Leiter am King’s College, Cambridge. Im Rahmen seiner Tätigkeit arbeitet er mit den führenden Solisten und Ensembles des Landes zusammen, unter ihnen die Academy of Ancient Music, das Philharmonia und das BBC Concert Orchestra. Am King’s College ist es sein erklärtes Ziel, den Ruf des weltbekannten Chors zu stärken, sein Repertoire zu erweitern und neue Werke für den Chor in Auftrag zu geben. Auf ihn geht auch die Gründung des jährlichen Osterfestivals »Easter at King’s« zurück, dessen Veranstaltungen landesweit von der BBC übertragen werden. Von 1995 bis 2007 war Stephen Cleobury Chefdirigent der BBC Singers und wurde vom Ensemble anschließend zum Conductor Laureate berufen. Über Cambridge hinaus wirkt er als Dirigent, Jurymitglied und Leiter von GesangsWorkshops. Im April nahm er zudem eine Residenz an der Louisiana State University wahr. Als Organist hat Stephen Cleobury weltweit konzertiert. Beim Label Priory Records ist kürzlich eine weitere von vielen Aufnahmen erschienen, die sich populärem Orgelrepetoire widmet. Ste-

MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

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phen Cleobury amtierte als Präsident des Royal College of Organists. Seit 2009 ist er Komtur des Britischen Verdienstordens (CBE).

dels‘ Joshua mit dem NDR Chor und dem FestspielOrchester Göttingen unter Laurence Cummings in Göttingen, Hamburg und London.

Daniel Heide KONZERT

20.9.2014

Tobias Berndt Tobias Berndt ist Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe und arbeitet als gefeierter Konzertsänger regelmäßig mit Dirigenten wie Hans-Christoph Rademann, Philippe Herreweghe, Helmuth Rilling, Christoph Spering, Teodor Currentzis und Andrea Marcon zusammen. In Konzerten war er außerdem mit dem Orchestre National Bordeaux Aquitaine unter Kwamé Ryan und mit dem Konzerthausorchester Berlin unter Marcus Creed zu hören. Vergangene Engagements der Saison 2013/14 beinhalteten eine Europatournee an Seite von Simone Kermes und Nuria Rial mit Purcells’ Dido und Aeneas zusammen mit Musica Aeterna und Teodor Currentzis, die Matthäuspassion unter Masaaki Suzuki bei der Bachakademie in Stuttgart sowie auch unter Andrea Marcon beim Danish National Symphony Orchestra in Kopenhagen, ferner Gustav Mahlers’ Kindertotenlieder unter Toshiyuki Kamioka auch in Kopenhagen, Konzerte bei den Schwetzinger Festspielen mit Werken von Carl Philipp Emanuel und Johann Sebastian Bach unter Frieder Bernius und Hän-

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MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014

Der aus Weimar stammende Daniel Heide begann mit 5 Jahren mit dem Klavierspiel. Ein Jahr später wechselte er in die Hochbegabtenklasse von Prof. Sigrid Lehmstedt an der Spezialschule für Musik »Belvedere« seiner Heimatstadt. Es folgte ein Klavierstudium an der Weimarer Musikhochschule. Während dieser Zeit konzentrierte er sich ganz auf die Arbeit mit Sängern und absolvierte Meisterkurse bei Dietrich Fischer-Dieskau und Christa Ludwig. Zahlreiche Liederabende und Kammerkonzerte in vielen deutschen Städten, in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Schottland, Italien, Spanien, Griechenland, Tschechien und Island zeugen mittlerweile von seiner intensiven Konzerttätigkeit. Neben seiner ständigen Zusammenarbeit mit Sängern wie Ingeborg Danz, Britta Schwarz, Roman Trekel und Tobias Berndt spielt er Liederabende mit Christoph Pregardien, Simone Kermes, Luca Pisaroni, Melanie Diener, Johannes Weisser, Stephan Genz, Hans-Jörg Mammel, Ruth Ziesak, Sybilla Rubens und Lothar Odinius. Einen wichtigen Impuls für seine Karriere als Liedbegleiter stellt die Gründung der Konzertreihe Der lyrische Salon – Liederabende auf Schloss Ettersburg dar. Seit Mai 2011 findet dort monatlich ein Liederabend unter seiner künstlerischen Leitung statt.

KONZERT

20.9.2014

LAO XAO TRIO Das Lao Xao Trio wurde von Khanh Nguyen (Gesang, Perkussion), Stefan Wehrenpfennig (Gitarre) und Diethard Krause (Violoncello) gegründet. Das Ensemble widmet sich mit kammermusikalischem Anspruch der kreativen Aufarbeitung vietnamesischer Volksweisen. Das Trio gewann den Weltmusikwettbewerb »Creole Mitteldeutschland 2011« und bekam 2013 den Deutschen Weltmusikpreis »RUTH« auf dem TFF Rudolstadt verliehen. Es folgten Auftritte bei Festivals wie der transVocale sowie Rundfunkkonzerte beim WDR in Köln. Das Debut-Album »Upon tree Đa« wurde für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Khanh Nguyen studierte JazzRockPop-Gesang an der Dresdner Musikhochschule bei Céline Rudolph. Im Mai 2014 übernahm sie als »Prinzessin Oanh« eine Hauptrolle in Karsten Gundermanns vietnamesischer Oper »Drachensöhne und Feentöchter« in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Stefan Wehrenpfennig studierte am selben Haus Gitarre bei Ralf Beutler, Stephan Bormann und Thomas Fellow. Er konzertierte mit der Dresdner Philharmonie und dem Schlagzeuger Günter Baby Sommer. Diethard Krause studierte Violoncello und Viola da Gamba in Dresden und Rostock. Als Gambist konzertierte er beim Collegium 1704, bei


der Batzdorfer Hofkapelle und an der Semperoper Dresden. Zur Zeit ist er am Theater Magdeburg engagiert.

Andre Bartetzki studierte Tonmeister an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin. Während des Studiums begann er dort mit der Einrichtung eines Studios für elektroakustische Musik, das er bis 2002 leitete. 1999-2004 lehrte er am elektronischen Studio der Weimarer Musikhochschule und an der Bauhaus-Universität Weimar. 20092012 leitete er gemeinsam mit Volker Straebel das Elektronische Studio der TU Berlin. Er arbeitet als Programmierer, Sounddesigner und Toningenieur für Klangkünstler, Musiker, Komponisten und Veranstalter im Bereich Neuer und experimenteller Musik. Seine eigenen künstlerischen Projekte umfassen elektroakustische, audiovisuelle und instrumentale Kompositionen und Improvisationen sowie Klang- und Videoinstallationen, oft in Zusammenarbeit mit anderen Musikern, Tänzern und Bildkünstlern. Teilnahme an zahlreichen internationalen Festivals für zeitgenössische Musik, Computermusik und Medienkunst.

Das Michaelis Consort ist ein junges Ensemble, welches künstlerische Antworten im Bereich der historischen Aufführungspraxis sucht. Die Basis bildet dabei die forschende Tätigkeit, sowohl auf dem Gebiet der Musikwissenschaft als auch der Ethnologie

und Kulturwissenschaft. Das Experimentieren mit dem Überbrücken der Barrieren zwischen Bühne und Zuschauer ist Kernbestandteil seiner Aufführungskonzepte. Seit 2011 bestehend findet sich das Michaelis Consort für unterschiedlichste Projekte zusammen: Von Renaissancemusik auf den Freiberger Geigen bis zu Kantatenprojekten mit Werken von J.S. Bach und Projekte in denen Barockmusik mit modernen Kurzfilmen kombiniert wird. Das Michaelis Consort war Gast bei verschiedenen Festivals (Bachfest Leipzig, Gottorfer Hofmusik, MAFestivals Brugges und Festival Oude Muziek Utrecht) und ist regelmäßig in der Thomaskirche zu Leipzig zu hören.

London, dem Königlichen Konservatorium Den Haag und an der Schola Cantorum Basiliensis hielten sie Vorträge über die Alta Capella. Eine Veranstaltung mit diesem außergewöhnlichen Ensemble wird für Veranstalter und Zuhörer zu einem unvergesslichen Erlebnis. Das Ensemble hat eine Reihe hochgelobter CDs veröffentlicht. Die Bandbreite der angebotenen Konzertprogramme reicht von Kammermusikkonzerten mit drei Bläsern über Festkonzerte in größerer Besetzung bis hin zu Open Air Konzerten.

Les haulz et les bas

Chemnitzer Barockorchester

Das Ensemble Les haulz et les bas hat sich seit 1993 auf die Aufführung historischer Bläsermusik aus Mittelalter und Renaissance spezialisiert. In detektivischer Kleinarbeit rekonstruieren sie die Musik der Stadtpfeifer und der mittelalterlichen Höfe für Schalmei, Pommer und Zugtrompete - der Alta Capella. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben internationale Anerkennung gefunden und sie sind Preisträger des »Internationalen Festivals für Alte Musik, Brügge« und Gewinner des belgischen BRTN – Radiopreises. Gesine Bänfer und Ian Harrison sind weiterhin Preisträger des Festivals »Rencontres Internationales de St. Chartier (France)« und Preisträger der »deutschen Popstiftung 2007«. Sie geben Konzerte auf den führenden europäischen Festivals. An den Universitäten von Oxford und

Das Chemnitzer Barockorchester setzt sich aus Musikern der Robert-Schumann-Philharmonie, Freischaffenden der Chemnitzer Region und gleichgesinnten Musikern aus ganz Deutschland zusammen. Es gründete sich im Dezember 2003 anlässlich eines Benefizkonzertes in der Schlosskirche Chemnitz zu Gunsten der Finanzierung des dortigen Orgelneubaus und für den Elternverein krebskranker Kinder. Seither steht es unter der künstlerischen und organisatorischen Leitung von Ekkehard Hering. Wichtigster Arbeitsschwerpunkt des Ensembles ist die Beschäftigung mit der Musik des 18. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der historischen Aufführungspraxis. Besondere Projekte wie die Aufführung unbekannterer Kompositionen von sächsischen Ba-

21.9.2014 ABSCHLUSS­ GOTTESDIENST

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rockmeistern gehören ebenso zur Arbeit des Orchesters. Eine eigene CD-Produktion mit italienischer und deutscher Weihnachtsmusik sowie zahlreiche Einladungen zu Konzerten im In- und Ausland belegen das hohe künstlerische Niveau des Ensembles.

Matthias Schubert Matthias Schubert wurde 1969 in AnnabergBuchholz geboren. 1990 begann er - nach einer Ausbildung zum Maler – ein Studium der Kirchenmusik an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden, das er 1995 erfolgreich abschloss. Seine erste Stelle als Kantor führte Matthias Schubert an die St. Laurentius-Kirche nach Crimmitschau, in der unter seiner Leitung eine lebendige und anspruchsvolle Kirchenmusik wuchs. Ehrenamtlich ist Matthias Schubert unter anderen Mitglied des Fördervereins Crimmitschauer Kirchenmusik e.V., er unterstützt die Deutschen Stiftung für Denkmalschutz sowie den Förderverein für die Byzantinische Kirche in der Abtei Niederaltaich e.V. Seit 2013 arbeitet er als Kantor und Kirchenmusikdirektor in Schwarzenberg.

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KONZERT

21.9.2014

Christina Landshamer Die gebürtige Münchnerin Christina Landshamer studierte an der Hochschule für Musik und Theater München bei Angelica Vogel sowie anschließend in der Liedklasse von Konrad Richter und in der Solistenklasse bei Dunja Vejzović an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Nach ersten Gastengagements an der Stuttgarter Staatsoper sang die Sopranistin 2011 am Pariser Théâtre du Châtelet und unter der Leitung von Christian Thielemann in »Frau ohne Schatten« bei den Salzburger Festspielen, wo sie ein Jahr später wieder zu erleben war, diesmal unter Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern. Im selben Jahr debütierte sie bei den Baden-Badener Festspielen, wieder unter Christian Thielemann. 2015 wird sie erneut mit Christian Thielemann zusammenarbeiten, dann an der Semperoper Dresden. Wichtige Stationen ihrer bisherigen sängerischen Laufbahn mit Dirigenten wie Kent Nagano, Marc Albrecht, Marcus Creed, Manfred Honeck, Yakov Kreizberg, Frans Brüggen, Philippe Herreweghe, Ton Koopman, Nikolaus Harnoncourt und Riccardo Chailly waren Konzerte u.a. mit den Münchner Philharmonikern, dem Freiburger Barockorchester, dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Werner Güra Der in München geborene Tenor Werner Güra absolvierte sein Studium am Mozarteum in Salzburg. Seine vokale Ausbildung setzte er fort bei Kurt Widmer in Basel, Margreet Honig in Amsterdam und Wessela Zlateva in Wien. Nach Operngastspielen in Frankfurt und Basel wurde er 1995 Ensemblemitglied der Semperoper in Dresden, wo er mit den großen Rollen seines Stimmfachs in Opern von Mozart und Rossini zu hören war. Als Konzert- und Oratoriumsänger steht er auf den wichtigen Konzertpodien Europas und arbeitet mit Orchestern wie u.a. Berliner Philharmoniker, Sächsische Staatskapelle Dresden, Gewandhausorchester Leipzig, Wiener Symphoniker, London Philharmonic Orchestra, den deutschen und holländischen Rundfunkorchestern sowie BBC Symphony Orchestra und Orchestre National de France, unter Dirigenten wie Claudio Abbado, Riccardo Chailly, Michel Corboz, Sir Colin Davis, Adam Fischer, Daniel Harding, René Jacobs, Marek Janowski, Ton Koopman, Kurt Masur, Ingo Metzmacher, Sir Roger Norrington, Trevor Pinnock, George Prêtre, Peter Schreier, Yannick Nézet-Séguin. Der Tenor erfreut sich einer regelmäßigen Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt. Seit 2009 unterrichtet Werner Güra Gesang an der Musikhochschule Zürich.


Daniel Schmutzhard

RIAS Kammerchor

Daniel Schmutzhard studierte bereits während der Schulzeit am Tiroler Landeskonservatorium Innsbruck bei Karlheinz Hanser und setzte seine Ausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Ralf Döring fort. Von 2005-2011 war er an der Wiener Volksoper engagiert und Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe. An der Frankfurter Oper, zu deren festem Ensemble er gehört, wird er in einer Neuproduktion als Harlekin (»Ariadne auf Naxos«) zu hören sein sowie sein Rollendebüt als Wolfram (»Tannhäuser«), Don Giovanni und Albert (»Werther«) geben. Hochkarätige Konzertverpflichtungen führten den Künstler zur Schubertiade Schwarzenberg und ins Wiener Konzerthaus. Im Leipziger Gewandhaus sang er Orffs »Carmina Burana« und unter der Leitung von Tomas Netopil in Rachmaninoffs »Die Glocken« am Teatro del Maggio Musicale Fiorentino. Daniel Schmutzhard hat u.a. mit Simon Rattle, Sebastian Weigle, Franz Welser-Möst und Ivor Bolton gearbeitet. Neben seiner Operntätigkeit hat er sich einen ausgezeichneten Namen als Konzertsänger erworben und ist u.a. im Wiener Musikverein, der Berliner Philharmonie, dem Festspielhaus Baden-Baden und bei den Salzburger Osterfestspielen aufgetreten.

Das künstlerische Profil des RIAS Kammerchors ist in seinem Facettenreichtum unverwechselbar. Unter den Berufschören ist er der Pionier in historischer Aufführungspraxis. 1948 als Chor des Rundfunks im Amerikanischen Sektor gegründet setzt er sich außerdem beispielhaft für die Musik der Gegenwart ein. In diesem Spannungsfeld gewinnen auch die Werke des klassischen und romantischen Repertoires in den Interpretationen des Chores intensive Klangrede mit Tiefenschärfe. Seit 2007 setzt Hans-Christoph Rademann als Chefdirigent die wesentlichen Akzente in der Entwicklung des Chorklanges. 2013 erhielt das Ensemble den Ehrenpreis Nachtigall des Preises der deutschen Schallplattenkritik und wurde 2010 von der Zeitschrift Gramophone unter die zehn besten Chöre der Welt gewählt. Der RIAS Kammerchor ist ein Ensemble der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH. Gesellschafter sind Deutschlandradio, die Bundesrepublik Deutschland, das Land Berlin und der Rundfunk Berlin-Brandenburg.

2012/2013 ist Christian Thielemann Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle. Das Orchester ist pro Saison in etwa 260 Opernund Ballettaufführungen zu hören. Hinzu kommen ca. 50 symphonische und kammermusikalische Konzerte. Als eines der international begehrtesten Symphonieorchester wird die Staatskapelle regelmäßig in die großen Musikzentren der Welt eingeladen. Seit 2013 ist die Sächsische Staatskapelle Dresden das Orchester der Osterfestspiele Salzburg. Die Staatskapelle engagiert sich auch in der Region: Seit Oktober 2008 ist sie Patenorchester des Meetingpoint Music Messiaen in der Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec. Im September 2010 rief sie darüber hinaus die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch (Sächsische Schweiz) mit ins Leben, die sich – als einziges Festival weltweit – jährlich dem Schaffen des Komponisten Dmitri Schostakowitsch widmen.

Hans-Christoph Rademann siehe Konzert ⑤ am 16.9.

Sächsische Staatskapelle Dresden 1548 durch Kurfürst Moritz von Sachsen gegründet, ist die Sächsische Staatskapelle eines der ältesten und traditionsreichsten Orchester der Welt. Zu ihren Leitern gehörten u.a. Heinrich Schütz, Johann Adolf Hasse, Carl Maria von Weber und Richard Wagner. Seit der Saison

ausführliche Informationen zu den Künstlern finden Sie unter www.musikfest-erzgebirge.de

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Impressum Prof. Hans-Christoph Rademann, Intendant Präsident des Sächsischen Landtages Dr. Matthias Rößler, Schirmherr Landrat des Erzgebirgskreises Frank Vogel, Vorsitzender des Kuratoriums Ben Uhle, Geschaftsführer Dr. Oliver Geisler, Dramaturgie

Blicke zum Mitnehmen – in limitierter Auflage Das Musikfest Erzgebirge bietet vor und nach den Konzerten die Zeichnungen von Wilhelm Dilich, die im Programmbuch abgedruckt sind, als Reproduktionen zum Erwerb an.

Dr. Martin Morgenstern, Öffentlichkeitsarbeit Josefa Hose, Künstlerisches Betriebsbüro

Kontakt: Festivalbüro, Musikfest Erzgebirge Tel. +49 (0)351. 810 62 98 Fax +49 (0)351. 810 61 82 info@musikfest-erzgebirge.de www.musikfest-erzgebirge.de folgen Sie uns auf

Titel © Musikfest Erzgebirge, S. 5 Hans-Christoph Rademann © Musikfest Erzgebirge/Matthias Heyde, S. 6/7 Karte vom Ertzgebürgischen Kreyse um 1750 © Deutsche Fotothek, S. 8 Dr. Matthias Rößler © Sächsischer Landtag, S. 9 Frank Vogel © Erzgebirgskreis, S. 10 Roland Manz © Erzgebirgssparkasse, S. 10 Tim Hartmann © enviaM, S. 18/19: Wilhelm Dilich: Annaberg-Buchholz. Aus: Wilhelm Dilichs Federzeichnungen erzgebirgischer und vogtländischer Orte 1626-1629. Schwarzenberg 1927, S. 26/27 Wilhelm Dilich: Schneeberg. Aus: Dilich, 1927, S. 38/39 Wilhelm Dilich: Eibenstock. Aus: Dilich, 1927, S. 48/49: Wilhelm Dilich: Eibenstock. Aus: Dilich, 1927, S. 58/59 Wilhelm Dilich: Grünhain. Aus: Dilich, 1927, S. 64 Heinrich Schütz: Ich hebe meine Augen auf. Aus: Symphoniae sacrae III. Hg. v. Philipp Spitta. Quelle: http://javanese. imslp.info/files/imglnks/usimg/3/3f/IMSLP251744-PMLP408017-Schutz_Ich_hebe_meine_Augen_SWV399.pdf, S. 68/69 Anonym: Lößnitz um 1750 © Stadtverwaltung Eibenstock, S. 78/79 Wilhelm Dilich: Freiberg. Aus: Dilich, 1927, S. 86/87 Wilhelm Dilich: Eibenstock. Aus: Dilich 1927, S. 96/97 Wilhelm Dilich: Stollberg. Aus: Dilich, 1927, S. 106/107 Wilhelm Dilich: Zschopau. Aus: Dillich 1927, S. 114/115 Wilhelm Dilich: Schwarzenberg. Aus: Dilich 1927, S. 126 Musikfest-Picus 2014 © Drechslerei Breitfeld, Annaberg-Buchholz, S. 127 Annaberg-Buchholz, St. Annenkirche © Stadt Annaberg-Buchholz, S. 127 Schwarzenberg, St. Georgenkirche © wikipedia.org, S. 129 Das begehbare Programmheft 2012 © Jörg Bräuer

Vom 12. – 21. September 2014 begrüßen wir Sie gern in unserem Festivalbüro in Annaberg-Buchholz (Rathaus), Markt 1, 09456 Annaberg-Buchholz Tel. 03733. 428 59 49

Verantwortlich für den Inhalt: Musikfest Erzgebirge gUG Redaktion: Dr. Oliver Geisler, Dr. Martin Morgenstern, Musikfest Erzgebirge Gestaltung: Thomas Pegel, sachenwerk Druck: Belzing Druck GmbH Redaktionsschluss 25.08.2014 – Änderungen vorbehalten

Letizia Graul, Betreuung Familienkonzerte Paul Zöllner, Fahrten Juliane Blechschmidt, Thea Hose, Cornelius Nitzsche, Monika Vesela, Felix Zöllner, Aufbau/Konzertservice

     

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MUSIKFEST ERZGEBIRGE 2014


d a s m u s i k f e s t e r zg e b i r g e 2014 w i r d u n t e r s t 端 t z t v o n

Deutschlandfunk

Deutschlandradio Kultur Radio, Fernsehen, Online


ZWEI FESTIVALS EINE IDEE Auf ein Wiedersehen bei den 21. Silbermann-Tagen 2. – 13. September 2015 und beim Musikfest Erzgebirge 9. – 18. September 2016 Intendant: Prof. Hans-Christoph Rademann

www.musikfest-erzgebirge.de www.facebook.com/musikfesterzgebirge

Musikfest Erzgebirge | Programmbuch 2014  
Musikfest Erzgebirge | Programmbuch 2014  
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