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MUSIKDORF ERNEN*Ma gazin2011*

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Franz Liszt zur Feier des 200. Geburtstags im Zentrum der Klavierwoche

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Ada Pesch und Donna Leon über ihre Leidenschaft für die Barockmusik

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Leidenschaft und Melancholie – Höhepunkte des 25. «Festival der Zukunft»


s gibt Weine, die schmecken, wie von Mozart komponiert.

Andere wie von Miles Davis. Was dazwischen liegt, ist unsere Welt. In all ihren Nuancen.

P r o v I N s , PA r t N e r f 端 r A l l e M u s I k s t I l e .

www.provins.ch

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editorial*

Seite 4 Ein Klavier im Gefängnis – Francesco Walter über das Musikdorf Ernen

Liebe Leserinnen, liebe Leser Ein intaktes Ortsbild und die zauberhafte Landschaft des Binntals geben seit fast vier Jahrzehnten den Rahmen ab für ein ungewöhnliches Klassikfestival, das jeweils im Sommer stattfindet. Ernen im Oberwallis ist dank der Initiative des inzwischen verstorbenen Pianisten György Sebök zum Musikdorf geworden. Dem professionellen Anspruch ist man in Ernen treu geblieben, sehr zur Freude des Publikums, das jedes Jahr zahlreicher erscheint, um den Konzerten in der prächtigen Barockkirche des Ortes zu lauschen. Im Musikdorf Ernen geht es familiär zu und her, dennoch fehlt es dank der Architektur und der Spitzengastronomie nicht an Grandezza. Limousinen und Abendroben können Sie zu Hause lassen, und entspannt den besonderen Charme von Ernen geniessen und die spezielle Atmosphäre der Konzerte, literarischen Veranstaltungen und Seminare auf sich wirken lassen. «Leidenschaft und Melancholie» ist das Thema der 38. Saison im Musikdorf Ernen. Das Programm – wiederum umrahmt von Einführungen, Hörwerkstätten, Film und Literatur – bietet Musik für jeden Geschmack. Lassen Sie sich berühren und überraschen. Ich freue mich auf Sie. Bis bald!

Seite 6 Franz Liszt zur Feier des 200. Geburtstags im Zentrum der Klavierwoche

Seite 8 Musizieren im kollegialen Kreis – die Geigerin Ada Pesch zu den Barockmusikwochen

Seite 10 Händel-Fan und Krimi-Autorin – Donna Leon über ihre Leidenschaft für die Barockmusik

Seite 12 Leidenschaft und Melancholie – Höhepunkte des 25. «Festival der Zukunft»

Seite 14 Altägyptische Impressionen – eine Hörwerkstatt mit dem Komponisten Alfred Zimmerlin

Seite 16 Intakte Natur und Kultur – der Landschaftspark Binntal

Seite 18 Francesco Walter Intendant Musikdorf Ernen

Musikdorf Ernen 2011: Alle Programme, Veranstaltungen und Informationen


Ein Klavier im Gefängnis* Seit dem Tod des Festivalgründers György Sebök leitet Francesco Walter das «Festival der Zukunft» im Oberwalliser Bergdorf Ernen. Mit einer Klavierwoche, einem Barockfestival, einem Schreibseminar und einer Komponistenwerkstatt hat er es inzwischen ausgebaut. Text: Reinmar Wagner

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Francesco Walter, 25 Jahre, was bedeutet das für ein Festival wie Ernen? Francesco Walter: Es ist ein Zwischenziel, irgendwie auch ein Traum. Solche Zahlen sind ja auch im Leben Meilensteine. Und es ist auch eine Zeit der Rückschau. Damals, 1974, als der ungarische Pianist György Sebök seine Schüler in Ernen zum ersten Meisterkurs einlud, war es unvorstellbar, dass daraus etwas so Langfristiges werden könnte. Und auch 1987, als Sebök das erste «Festival der Zukunft» veranstaltete, glaubte niemand, dass das 25 Jahre später noch existieren würde. Was war der Schlüssel zum Erfolg? Francesco Walter: Sicher Sebök selber. Er hatte eine so ungeheure Begeisterungsfähigkeit, dass das Zentrum, das ihm vorschwebte, auch unter den ganz einfachen Verhältnissen hier in Ernen realisiert werden konnte. Wir haben bewiesen, dass es auch mit wenig Mitteln geht. Andere Meisterkurse gab Sebök in den Konservatorien der Metropolen oder in Schlössern, wo in 30 Zimmern 15 Flügel standen. Bei uns waren es dann halt zehn Klaviere, und geübt wurde an den unmöglichsten Orten, auf der Bühne und in der Dusche der Turnhalle, oder sogar in der Gefängniszelle. Ernen hat ein Gefängnis? Francesco Walter: Ja, Ernen war Gerichtsort. Hier stand auch der Galgen, und im Rathaus, damals dem einzigen Steinhaus des Dorfes, gibt es eine Gefängniszelle. Man hat einfach alle verfügbaren Räumlichkeiten ausgenutzt. Das machte auch den Charme dieser Meisterkurse aus. Man wohnte bei den Einheimischen. Und hinter allem steckte der Enthusiasmus von György Sebök. Ich glaube, er hätte auch auf dem Mond einen Meisterkurs veranstalten können. Wie kam dann die Idee eines Festivals auf? Francesco Walter: Das war ganz ähnlich: Sebök hatte die Idee und riss die anderen mit. Niemand konnte sich das vorstellen, aber es funktionierte. Das Festival startete mit einem Budget von 60 000 Franken. Heute haben wir zehnmal mehr, was immer noch bescheiden ist. Aber diese Entwicklung hätte wohl damals niemand für möglich gehalten. Ging es immer nur aufwärts? Francesco Walter: Wir hatten auch schwierige Zeiten, vor allem, nachdem Sebök 1999 starb. Heute stehen wir besser da als noch vor fünf oder zehn Jahren. Alles hat sich konsolidiert, und wir dürfen auch getrost in die Zukunft schauen. Sebök wählte den Namen «Festival der Zukunft», weil er an die Zukunft der klassischen Musik und dieser jungen Musiker glaubte. Aber wir lebten zeitweise von der Hand in den Mund, unsere Zukunft war höchst unsicher, wir gaben Geld aus, von dem wir nicht wussten, ob wir es jemals wieder herein bekommen wür-

den. Sebök aber war immer zuversichtlich und er hat auch recht behalten. Jetzt haben wir eine gewisse Grösse und interessante Perspektiven. Wo liegen die Grenzen gegen oben? Francesco Walter: In der Klavierwoche haben wir noch Potenzial, obwohl wir in den sieben Jahren schön gewachsen sind. Die Barockkonzerte haben von Anfang an eingeschlagen, auch die Orchesterkonzerte sind gut besucht. Da kommen auch die Passanten, während bei der Kammermusik die Kenner eher unter sich bleiben. Hier wünsche ich mir manchmal ein etwas grösseres Publikum. Das geht anderen ebenso. Mit Kammermusik das Publikum anzulocken, ist schwierig. Francesco Walter: Trotzdem. Ich denke, wir bieten interessante Programme, und man möchte dafür natürlich auch honoriert werden. Andererseits haben wir letztes Jahr für ein Konzert mit Musik von Dohnányi und Kodály über 300 Karten verkauft. Das zeigt doch auch, dass das Publikum bereit ist, sich auf unbekannte Stücke einzulassen. Interessanterweise sind die Begeisterung und der Applaus bei unbekannten Stücken oft herzlicher, als wenn wir Mozart spielen. Und was wir auch deutlich merken: Die Zuhörer, die in die Einführungen kommen, haben die Chance, das Stück dann auch ganz anders zu hören. Deswegen wollen wir diese Einführungen auch pflegen. Das merke ich auch selber: Sogar bei Musik, die man sehr gut kennt, gibt es doch immer wieder Neues zu entdecken. Diesen Sommer heisst das Thema «Melancholie und Leidenschaft». Francesco Walter: Richard Wagner sagte einmal: «Musik ist die Sprache der Leidenschaft». Diese Leidenschaft in der Musik möchten wir in diesem Sommer im Musikdorf Ernen erlebbar und hörbar machen und das Publikum damit anstecken. Anstecken auch für weniger bekannte und neue Musik.

György Sebök Mit fünf Jahren begann der 1922 in Ungarn geborene György Sebök mit dem Studium der Musik. Im Alter von 11 Jahren gab er sein erstes Klavierkonzert, und mit vierzehn Jahren trat er unter der Leitung von Ferenc Fricsay auf. Danach studierte er in Budapest bei Zoltán Kodály und Leo Weiner. 1957 liess er sich in Frankreich nieder und setzte seine Pianistenkarriere auf internationaler Ebene fort. Legendär wurden seine Konzerte und Einspielungen mit dem Cellisten Janós Starker und dem Geiger Arthur Grumiaux. Sebök nahm insgesamt über 40 Schallplatten auf. Ab 1962 unterrichtete er an der Indiana University in Bloomington und gab Meisterkurse in der ganzen Welt. 1973 entdeckte er das Bergdorf Ernen, wohin er bis zu seinem Tod 1999 jeden Sommer mit seinen Schülern zurückkehrte und 1987 das «Festival der Zukunft» gründete.

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Klavierwoche* 9. bis 15. Juli  Als Pianist wie als Komponist ist Franz Liszt eine ebenso vielschichtige wie absolut einmalige Erscheinung. Im Rahmen der «Klavierwoche» steht er, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 200. Mal jährt, in vier spannenden Rezitals im Zentrum. Text: Werner Pfister

schon gefragt haben, ob das denn wirklich mit rechten Dingen zugehe, ob da nicht übersinnliche Kräfte mit im Spiel seien. Vor allem im romantischen 19. Jahrhundert – und ganz besonders dann, wenn Franz Liszt am Flügel waltete, der heiss umworbene Paradiesvogel unter den damals führenden Pianisten. Ein teuflischer Tastenakrobat in schwarzer Priester-Soutane – Liszt empfing als 53-Jähriger die so genannten niederen Weihen als Weltgeistlicher – ein exhibitionistischer Trapezkünstler am Klavier, der, wenn er urgewaltig in die Tasten griff und einen virtuosen Salto nach dem anderen vollführte, nicht nur Frauenherzen höher schlagen liess (die aber ganz besonders, und das auch dann, wenn er nicht am Flügel sass).

Der grösste Neiderreger Jede Publikumsumfrage würde es wohl bestätigen: Das Klavier hat einen besonderen Beliebtheitsgrad. Für viele Konzertbesucher ist es ausgesprochen das Lieblingsinstrument. Die fingerflinken Virtuosen, die kraftmeierisch in den Tasten wühlen, die feinhörigen Pianoforte-Poetinnen, die in scheinbar träumerischer Selbstvergessenheit dem Flügel melancholischen Melodienzauber entlocken – sie haben bis heute nichts an Faszinationskraft eingebüsst. Manchmal weiss man kaum, worüber man mehr staunen soll – über die zuweilen fast orchestrale Fülle der Farben und Klänge eines Flügels oder aber über die Tatsache, dass ein Einziger darüber herrschen und gebieten darf. Manch einer mag sich 6

Spätere Generationen haben ihm das prompt zum Vorwurf gemacht, und nicht nur das. Seine Kompositionen seien äusserlich, von eher billiger Sentimentalität – Wirkung um der Wirkung willen, die dort ihre exaltiertesten Triumphe feiere, wo möglichst viele Noten in möglichst kurzer Zeit möglichst laut bewältigt werden müssen. Das habe nichts mit der holden Tonkunst zu tun, sondern eher mit sportlicher Leidenschaft. Und wer sich als ernst zu nehmender Künstler für solche Musik einsetze, sei eben nicht ernst zu nehmen. Franz Liszt war zweifellos das grösste Klaviergenie des 19. Jahrhunderts. Seine unerreichte Technik, die alles herkömmlich Gewohnte, alles bislang für menschenmöglich Gehaltene weit überstieg, hat dazu geführt, dass seine Auftritte als überirdisches Ereignis, ja geradezu als sakraler Akt gefeiert wur-


den. Damit wurde Franz Liszt zum grössten Neiderreger seiner Zeit, weil keiner mit ihm gleichziehen konnte – und das schadete seinem Nachruhm bis weit ins 20. Jahrhundert. Doch mittlerweile haben sich die Zeiten geändert, zugunsten Liszts, und sein vielfältig innovatives pianistisches Werk gehört heute weltweit zum Standard-Repertoire der tonangebenden PianistenPersönlichkeiten. Vor 200 Jahren – genau am 22. Oktober 1811 – wurde Franz Liszt geboren, vor 125 Jahren, am 31. Juli 1886, starb er: ein doppeltes LisztJubiläum im Jahr 2011 und sozusagen ein doppelt aktueller Anlass, um diesen Komponisten in Ernen ins Zentrum der «Klavierwoche» zu stellen. Drei Pianisten und eine Pianistin – Hisako Kawamura, Pietro De Maria, Hüseyin Sermet und Konstantin Scherbakov – stellen ausgewählte Werke von Franz Liszt seinen romantischen Zeitgenossen gegenüber, nehmen aber auch Bezug auf künstlerische Vorfahren von Liszt aus entfernteren Epochen sowie auf Nachfolger in neuester Zeit.

Beziehungsreiche Programmvielfalt Hüseyin Sermet, der in Istanbul geborene und mit Preisen unter anderem beim Queen Elizabeth-, Maurice Ravel- und Géza Anda-Piano-Wettbewerb ausgezeichnete Pianist, widmet sich ganz dem romantischen 19. Jahrhundert, indem er Liszts zweifellos ambitioniertestes und umfangreichstes Klavierwerk, seine Sonate in h-Moll, Werken von Schumann und Mendelssohn gegenüber stellt. Eine sehr persönliche Beziehung ergibt sich in dieser Werkkonstellation nicht zuletzt dadurch, dass Liszt seine Sonate Schumann gewidmet hat. Hier offenbart sich eine wechselseitige Wertschätzung, und man möchte Mendelssohn ebenso miteinbeziehen, zumal die drei mit Jahrgang 1809, 1810 und 1811 Altersgenossen und Exponenten der deutschen musikalischen Romantik sind. Wie sich eine solche gemeinsame Epochenzugehörigkeit allerdings auf höchst unterschiedliche Weise respektive in einer je sehr persönlichen Eigenständigkeit manifestiert, das ist hier im klingenden Nebeneinander zu erleben. Hisako Kawamura weitet in ihrem Klavierabend dieses zeitliche Spektrum. Einerseits zurück ins Barockzeitalter zu Johann Sebastian Bach, andererseits in unsere unmittelbare Gegenwart zu Guillaume Connesson, womit das Woher und Wohin von Liszts Musik beziehungsreich anklingt. Die aus Japan stammende Pianistin, Preisträgerin beim Concours Géza Anda 2003 in Zürich, beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2006 in München und beim Concours Reine Elisabeth 2007 in Brüssel, gewann im September 2007 zudem den ersten Preis beim renommierten Concours Clara Haskil in Vevey. Den Schwerpunkt ihres Klavierabends legt sie

auf Transkriptionen und Paraphrasen von Franz Liszt – einst abschätzig als Salonmusik verschrien, heute indes in ihrem wahren künstlerischen Wert zunehmend hoch geschätzt. Denn in seinen Paraphrasen und Transkriptionen gelang es Liszt auf ebenso einmalige wie innovative Weise, grosse Musik für sein ureigenes Instrument, das Klavier, zu «orchestrieren». Kein anderer vermochte derart fantasievoll und einfallsreich über die expressiven Qualitäten und klangfarblichen Möglichkeiten des Klaviers zu gebieten.

«Tour de Suisse» mit Liszt Auch im dritten Klavierrezital steht Liszt im Zentrum; und Piero De Maria umrahmt ihn mit Werken von György Ligeti und Frédéric Chopin. Der italienische Pianist, dessen Karriere mit Preisen beim Tschaikowsky- und Géza Anda-Wettbewerb ihren Anfang nahm, arbeitet zurzeit an einer Gesamteinspielung von Chopins Klavierwerk. So wird sein Blick auf Liszt und Chopin, auf die beiden Altersgenossen und wahlverwandten Dioskuren des Klavierspiels, zweifellos zu besonders interessanten Aufschlüssen führen. Konstantin Scherbakov, der den ersten Rachmaninoff-Wettbewerb in Moskau gewann und zudem mit Preisen beim Montreal-, Busoni-, Géza Anda- und «Roma 1994»-Wettbewerb ausgezeichnet wurde, wagt zum Abschluss der Klavierwoche ein ganz besonderes Liszt-Abenteuer. Er nimmt seine Zuhörer auf eine pianistische «Pilgerreise» durch die Schweiz mit: vom Vierwaldstättersee an den Walensee, vom Wallis nach Genf. Nicht nur Wilhelm Tell kommt dabei in Tönen zu Wort, sondern auch das berühmte «Heimweh», das man angeblich nur in der Schweiz kennt. Kuhreigen und Hirtenmelodien klingen an – ein einzigartiges pianistisches Panorama. Und im Anschluss an diese musikalisch-touristische «Tour de Suisse» spielt Scherbakov Beethovens zweite Sinfonie in der ungemein wirkungsvollen Klavier-Transkription von Franz Liszt.

Concours Géza Anda Der Concours Géza Anda gehört weltweit zu den renommiertesten Klavierwettbewerben und findet seit 1979 alle drei Jahre in Zürich statt. 1978 gründete Hortense Anda-Bührle, die Witwe des 1976 verstorbenen ungarischen Pianisten Géza Anda, zu seinem Gedenken die Géza Anda-Stiftung, die den Wettbewerb seit der Gründung im Jahre 1979 durchführt. Die bekanntesten Preisträger sind Hüseyin Sermet (1985), Konstantin Scherbakov (1991), Matthias Kirschnereit (1991), Pietro De Maria (1994), Henri Sigfridsson (2000), Alexei Volodin (2003), Hisako Kawamura (2003) und Nikolai Tokarev (2006). Die Besonderheit des Concours Géza Anda liegt in der Förderung der Preisträger, denen während drei Jahren kostenlos von der Géza Anda-Stiftung Konzertauftritte vermitteln werden. Die Preisträger erhalten Auftrittsmöglichkeiten in Europa, Südamerika und Asien – sowie im Musikdorf Ernen.

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BarockMusikwochen* 17. bis 28. Juli Musizieren im kollegialen Kreis, heisst ihre Devise: Jahr für Jahr lädt die Geigerin Ada Pesch Musikerinnen und Musiker aus ihrem Freundeskreis nach Ernen ein, wo sie gemeinsam die Konzertprogramme der Barockmusikwochen erarbeiten. Text: Werner Pfister

Ada Pesch, seit wann sind Sie regelmässig in Ernen mit dabei? Ada Pesch: Mein erstes Jahr war wohl der Sommer 1982. Ich war damals noch Musikstudentin an der Indiana University School of Music in Bloomington. Der Pianist György Sebök unterrichtete bei uns; ich lernte ihn damals bei Meisterkursen kennen, und bei dieser Gelegenheit lud er mich an sein Musikfestival in Ernen ein. Seither bin ich jedes Jahr mit dabei. Schon damals mit einer besonderen Vorliebe für Barockmusik und historische Instrumente? 8

Ada Pesch: Nein, ich habe Geige gespielt, aber moderne Geige. Und ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Sommer: Per Zufall war auch der damalige Solocellist der Hofer Symphoniker mit dabei, und er sagte mir, dass in diesem Orchester die Stelle als Konzertmeisterin vakant sei. So kam ich 1984 als Konzertmeisterin nach Hof – meine erste Stelle in Europa. Erinnern Sie sich noch an ihre erste, entscheidende Begegnung mit Alter Musik und historischen Instrumenten? Ada Pesch: Vorausschicken muss ich, dass es mir von Kindesbeinen an klar war, dass ich Geigerin werden wollte. Als vielleicht Zehnjährige musste ich in der Schule einen Aufsatz schreiben zum Thema, was ich später einmal werden möchte. Ich schrieb, dass ich Konzertmeisterin beim Cleveland Orchestra werden wolle. In meiner Ausbildung in Bloomington kam ich allerdings mit Barockmusik und vor allem mit authentischer Aufführungspraxis von Alter Musik kaum in Berührung. Zwar wurde das bei uns unterrichtet, doch mein Professor war gegen jede historisierende Aufführungspraxis und pflegte sogar Witze zu machen: Demnächst würden diese authentischen Musiker auch noch in alten Kostümen auftreten. Heute ist das in der Ausbildung ja ganz anders: Jeder Musiker muss in allen Stilbereichen Bescheid wissen. Wann kam die grosse Erleuchtung hinsichtlich der Alten Musik und dem historisch authentischen Musizieren?


Ada Pesch: Das war Händels «Alcina» unter Nikolaus Harnoncourt am Opernhaus Zürich, wo ich seit 1990 erste Konzertmeisterin bin. Zwar liess uns Harnoncourt auf modernen Instrumenten spielen, aber sein Umgang mit dieser barocken Oper wirkte auf mich wie eine Revolution. Dazu muss man wissen, dass klassisches Musizieren damals vor allem eine Sache instrumentaler Perfektion war: Alles musste metronomisch genau sein; keinerlei auch nur kleinste Freiheiten wurden geduldet; alles musste gleich und ebenmässig klingen. So habe ich das gelernt, und gerade in den USA war man in dieser Hinsicht doppelt extrem. Dann kam die Begegnung mit Harnoncourt – und für mich fing musikalisch sozusagen ein neues Leben an. Die Folge davon war, dass ich zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Orchester der Oper Zürich das Barockorchester «La Scintilla» gründete. Offenbar ist daraus eine Herzensangelegenheit geworden … Ada Pesch: Ich spiele viel Barockmusik, aber ich spiele auch gern das gesamte Opernrepertoire, auch moderne Musik. Ich bin eine Konzertmeisterin – ich sehe mich nicht wirklich als Barock-Spezialistin. Dennoch müssen Sie über eine immense Kenntnis der Barockmusik verfügen. Denn auf Ihren Programmen für die Barockwochen Ernen kommen Komponistennamen vor, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Ada Pesch: Nun ja, ich lade jedes Jahr Kollegen ein, die viel mehr wissen als ich, und sie bringen dann ihre eigenen Programmvorschläge mit. Davon profitieren unsere Barock-Programme. Wir sind alle gut befreundet. Manche von ihnen verbringen einen grossen Teil ihrer Zeit in Bibliotheken, wo sie nach vergessenen Werken suchen. So sind wir in der Lage, jedes Jahr mit neuen Entdeckungen aufzuwarten. Also eine Art von kollektiver Programmgestaltung? Ada Pesch: Genau. Nur einmal, nämlich im letzten Jahr, haben wir das geändert, indem eine einzige Person für die Konzeption sämtlicher Programme zuständig war. Doch das kam bei den Musikern nicht sehr gut an, denn sie waren sich gewohnt, eigene Vorschläge und eigene Meinungen mit einzubringen. Nur auf solcher Basis ist ein freundschaftlich-kollegiales Musizieren überhaupt möglich. Nach welchen Überlegungen stellen Sie Ihre Programme für die Barockwochen zusammen? Ada Pesch: Ich mische bekannte Werke mit unbekannten. Auch in instrumentaler Hinsicht achte ich auf möglichst grosse Abwechslung. Genau aus diesem Grund lassen sich diese Programme auch nicht unter einem Sammelthema verkaufen. Immerhin haben sie jedes der fünf Konzerte nach einer bestimmten thematischen Leitlinie konzipiert.

Ada Pesch: Das stimmt. Das erste Programm ist auf Venedig fokussiert, auf den italienischen Frühbarock. Dann gibt es ein Programm mit deutschem Barock, und auch der englische Barock darf natürlich nicht fehlen, der ist nämlich besonders bunt. Manchmal müssen wir auch pragmatisch vorgehen: Dieses Jahr zum Beispiel kann der Flötist nicht ganz von Anfang an mit dabei sein. Also wählte ich für das erste Konzert ausschliesslich Werke mit kleinerer Besetzung, und die Flöte stösst dann erst im zweiten Konzert dazu, und zwar mit dem Flötenkonzert von Giuseppe Tartini. Das hat wohl noch kaum einer je gehört – auch ich kenne es nicht.

«Wir sind alle gut befreundet» Was macht für Sie die besondere Atmosphäre von Ernen aus? Ada Pesch: Dass die Musiker zwischen den Konzerten meistens etwas freie Zeit haben. Auch sie können mit ihrer Familie wandern gehen und die Gommer Bergluft geniessen. Allerdings gilt das nicht für alle Musiker – gerade die Continuo-Gruppe und die Geigen braucht es in jedem Konzert. Und wir müssen diese Konzerte ja auch erarbeiten. Proben dazu finden nicht schon Wochen vorher statt, sondern erst in Ernen. Das ist, musikhistorisch gesehen, sogar authentisch: Im Barockzeitalter bekamen die Musiker ihre Noten nämlich auch erst kurz vor dem Konzert. Aber vielleicht noch wichtiger für die besondere Atmosphäre von Ernen ist die Tatsache, dass wir Musiker alle befreundet sind. Wir kommen freiwillig nach Ernen und freuen uns aufs gemeinsame Musizieren. Diese Freude teilt sich unmittelbar auch dem Publikum mit. Wir spielen stark aus dem jeweiligen Moment heraus. Der Funke soll unmittelbar springen … Ada Pesch: Genau. Und dabei darf auch einmal ein Fehler passieren – das beeinträchtigt das musikalische Erlebnis nicht. Überhaupt ist uns der Kontakt mit dem Publikum wichtig. Man kennt uns im Dorf, zudem darf das Publikum auch jederzeit zu unseren Proben kommen. Wissen Sie, für viele Menschen, die mit klassischer Musik sonst kaum in Berührung kommen, kann es sehr interessant sein, in eine Probe hineinzuhören. Oft reift dann spontan der Entschluss, abends ins Konzert zu kommen. Dieser wechselseitige Austausch zwischen Publikum und Musikern ist für beide Seiten ungemein bereichernd.

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BarockMusikwochen* Fast jeder hat schon im Geiste mit Commissario Brunetti in Venedig ermittelt. Was wenige wissen: Die Krimi-Autorin Donna Leon ist ein riesiger Fan von Händels Opern. Während der Barockmusikwochen leitet sie in Ernen seit acht Jahren eine Schreibwerkstatt. Text: Reinmar Wagner

Donna Leon, woher kommt Ihre Leidenschaft für Händels Opern? Donna Leon: Ich kann es nicht sagen. Barockmusik spricht mich einfach an. Ich bin keine Musikerin, und mag meistens die Opern nicht, die Musiker lieben. Meine Vorliebe für Barockmusik ist keine intellektuelle Position, sondern einfach Geschmackssache, so wie Sie eine Speise besonders lieben und eine andere weniger. Unterdessen haben Sie sich so intensiv mit Händel beschäftigt, dass Sie doch eine Expertin sind. Donna Leon: Ich habe viel Händel gehört, auch andere barocke Opern von Vivaldi, Rameau, Lully, 10

Cavalli. Aber ich bin überhaupt keine Expertin. Ich bewundere Leute grenzenlos, die eine Partitur lesen können. Das muss magisch sein. Sie sind eine gute Freundin des Dirigenten Alan Curtis. Hat er nie versucht, es Ihnen beizubringen? Donna Leon: Doch, seit zehn Jahren schon. Ich bin oft mit ihm und seinem Ensemble «Il complesso barocco» unterwegs, begleite sie auf Tourneen und bin in Italien in «unserem» Kloster bei den Aufnahmen dabei. Aber da fehlt meistens die Zeit für solche Dinge. Sind es besonders die Opern von Händel, die Sie ansprechen? Donna Leon: Schon Gesang in erster Linie. Ich mag auch die Oratorien sehr. Das grosse Problem dabei ist, dass man dafür nicht nur eine gute Solistenbesetzung braucht, sondern auch noch einen ausgezeichneten Chor. Schon eine Oper aufzuführen oder einzuspielen, ist enorm teuer, ein Chor sprengt diesen Rahmen. Aber «Theodora» zum Beispiel ist ein Traum von einem Oratorium. Gibt es auch Stücke, die Sie nicht mehr hören können? Donna Leon: Wenn ich noch einmal die Arie «Lascia la spina» in einem Lift höre, drehe ich durch. Aber so, wie es Marc Minkowski am Opernhaus Zürich dirigiert hat, war es ein Traum. Gibt es Lieblingsopern, Lieblingsfiguren in Händels Werk? Donna Leon: «Giulio Cesare» und «Alcina» sind meine Favoriten. Alcina ist eine hochinteressante Figur: ein ältere Frau, die liebt, aber nicht lieben


darf, die gequält wird von ihrer Schwäche und als Zauberin doch grosse Macht hat, die enorm grausam sein kann, und perfid wie eine Schlange. Darum mag ich diese Figur, sie ist gemein und in dieser Gemeinheit grossartig. Man hat ja nicht nur Sympathien für gute Menschen. Und welche Sängerin mögen Sie in dieser Rolle besonders? Donna Leon: Wir haben die Oper mit Joyce DiDonato aufgenommen. Ich versuchte objektiv zu sein, und habe die anderen CD-Produktionen intensiv angehört. Aber ich muss sagen, ich bevorzuge unsere Einspielung. Also doch eine Expertin für Operngesang? Donna Leon: Nein. Das denken die Leute immer, wollen mich in Jurys von Gesangswettbewerben einladen. Aber es ist nicht wahr, ich tauge nicht für Expertenmeinungen. Ich habe viel Zeit mit Händel verbracht, aber ich habe keine weiteren Kenntnisse, ich kenne die Techniken des Gesangs nicht, ich kenne das Vokabular nicht. So ist es einfach Liebe und Leidenschaft. Donna Leon: Ja. Und Fun, vor allem das. Ich verbringe gerne meine Zeit mit den Musikern. Ich freue mich, ein Teil dieser Familie zu sein. Hängt das vielleicht damit zusammen, dass Schreiben ein einsamer Job ist? Donna Leon: Schreiben ist tatsächlich ein sehr einsamer Job. Aber das ist nicht der Grund. Zum Schreiben brauche ich die Isolation, ich spreche auch praktisch nie über meine Bücher. Was soll ich denn auch sagen? Ich habe heute einen tollen Abschnitt geschrieben: Mein Held geht über die Strasse und wird erschossen! Ich bin auch nicht wirklich stolz auf meine Bücher. Mit einer Ausnahme: «Tiere und Töne». Darin beschreiben Sie auf humorvolle Weise die vielen Tiere, die in Händels Opern vorkommen. Wie kamen Sie auf diese Idee? Donna Leon: Spontan, mit Curtis, den Musikern und seinem Manager. Es gibt über 30 Arien von Händel, in denen Tiere vorkommen. Wir baten den Maler Michael Sowa um Illustrationen und legten eine CD bei. Ich finde es eine wundervolle Sache: Es bringt die Leute von ganz verschiedenen Ebenen zusammen: Jene, die Händel mögen, jene, die meine Bücher mögen, Menschen, die sich von den Illustrationen angezogen fühlen. Kennen Sie eigentlich alle Opern von Händel? Es gibt über 40. Donna Leon: Und ein paar zerquetschte. Ja, ich glaube, ich habe unterdessen alle gehört. Mittlerweile werde ich von den Theatern auch eingeladen. Sehr angenehm. Gefallen Ihnen auch die Inszenierungen? Donna Leon: Manches grenzt an Geisteskrank-

heit. Aber die Inszenierung spielt für mich gar keine so grosse Rolle. Ich will den Gesang hören, ich will dem Dirigenten folgen. Was der Regisseur macht, finde ich absolut sekundär. Aber viele Produktionen haben mich auch szenisch überzeugt, etwa Nigel Lowery, der in Innsbruck vor Jahren eine wirklich lustige «Partenope» gemacht hat. Mit Stofftieren, die kämpften und einem Ping-Pong-Match als Duell der Helden. Oder «Theodora» in Glyndebourne, oder die Arbeiten von Richard Jones in München mit dem Dinosaurier für «Giulio Cesare».

«Warum sollte ich nicht etwas tun, was mir Spass macht?» Sie sehen, ich mag auch moderne Inszenierungsideen so lange die Musik nicht beeinträchtigt wird und der Regisseur nicht nur von seinen persönlichen Problemen erzählt. Sie leiten in Ernen eine Schreibwerkstatt. Ist Barockmusik Inspirationsquelle für Ihre Bücher? Donna Leon: Nein. Bis auf die Titel, die fallen mir eigentlich immer in den Konzerten ein. Da muss ich mich bei den Musikern bedanken. Kann man Schreiben lernen? Donna Leon: Richard Powers, mit dem ich in den vergangen Jahren die Schreibwerkstatt leitete, und ich haben verschiedene Meinungen. Er meint, man kann es lernen, ich bin unsicher. Ich denke, man kann lernen, sorgfältig zu arbeiten, korrekte Sätze zu bilden, logische Abfolgen etc., das ist die Knochenarbeit, das hat nichts mit Imagination oder Inspiration zu tun. Wie viele Brunetti-Bücher werden es am Ende sein? Donna Leon: Keine Ahnung. Jetzt sind es 21, ich habe eine Idee für Band 22. Ich mag das Schreiben, warum sollte ich nicht etwas tun, was mir Spass macht? Sie sind ein glücklicher Mensch. Donna Leon: Ja. Absolut. Am Ende ist es genau das, was Erfolg bedeutet: Das zu tun, was man gerne macht. Zum Beispiel, im Sommer nach Ernen zu gehen.

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festival der zukunft* 31. Juli bis 13. August  Leidenschaft und Melancholie – so lautet das Motto des 25. «Festival der Zukunft» im Musikdorf Ernen. Beides gehört zu den elementaren Antrieben beim Musizieren, und die Musikgeschichte liefert einen reichen Fundus an Werken zu diesem dankbaren Thema. Text: Stephan Thomas

Das Musikdorf Ernen gleicht in mehrfacher Hinsicht seinem grossen Bruder Lucerne Festival. So weiss man im Oberwallis wie in der Zentralschweiz, dass ein griffiges Motto einer solchen Veranstal12

tung eine schärfere Kontur geben kann. Und dann ist Ernen auch nicht ein einzelnes Festival, sondern eine Trilogie aus «Klavierwoche», «Barockmusikwochen» und «Festival der Zukunft». Letzteres ist der


Kammer- und Orchestermusik gewidmet und findet in der ersten Augusthälfte statt; von ihm soll nachfolgend ausschliesslich die Rede sein. Wer durchschnittliche Passanten fragt, welche Art von Musik sie mit den Stichworten «Leidenschaft und Melancholie» verbinden würden, wetten, dass achtzig Prozent von ihnen «Tango» antworten. In der Tat verkörpert dieser Stil wie kein zweiter das Wechselbad der Gefühle zwischen temperamentvoller Euphorie und elegischer Melancholie. Viele Musiker der klassischen Sparte, wie Gidon Kremer oder Yo-Yo Ma, haben sich in den letzten Jahrzehnten für den Tango begeistert, besonders für die Welt von Ástor Piazzolla.

Bach und Tango Auch im diesjährigen Erner Festival spielt der Tango eine tragende Rolle. Verkörpert wird er durch den norwegischen Bandoneonisten Per Arne Glorvigen, der früher Gidon Kremer bei seinen Tango-Auftritten das unverkennbare Klangkolorit geliefert hatte. So schiebt sich denn im ersten Orchesterkonzert Piazzollas «Grand Tango für Viola, Bandoneon und Orchester» zwischen ein Bach-Klavierkonzert und Tschaikowskys Streicherserenade. Das Werk, in sich schon ein Brückenschlag zwischen den Welten des Tangos und der Klassik, erinnert daran, dass Piazzolla bei keiner Geringeren als Nadja Boulanger ganz zünftigen Kompositionsunterricht genossen hatte. Die grosse Lehrmeisterin der französischen Moderne hatte bekanntlich seinerzeit die Grösse, einzusehen, dass ihr argentinischer Zögling seine wahren Talente auf dem Gebiet des Tangos zu liegen hatte. Im zweiten Kammermusikkonzert erleben wir Per Arne Glorvigen nicht nur als Interpreten am Bandoneon, sondern auch als Komponisten von «Duda y fuerza für Bandoneon und Streichquartett». Wie Piazzolla wagt Glorvigen also den Brückenschlag zwischen den beiden konträren Stilrichtungen. Einen weiteren Auftritt haben Glorvigen und der Tango im dritten Kammermusikkonzert, wo Piazzollas «Tristezas de un AA» zur Aufführung kommen; hier sind wir froh um den Hinweis, dass das Buchstabenkürzel nicht für eine bekannte Selbsthilfegruppe, sondern für einen berühmten Bandoneon-Bauer steht. Eingebettet ist dies jeweils in klassisches Repertoire, im letzten Fall in Kammermusikwerke von Johann Sebastian Bach – allerdings nicht in Originalbesetzung, sondern fürs Bandoneon eingerichtet – und Antonín Dvoˇráks Dumky-Trio.

Kohärente Programme Denn eigentlich will man in Ernen nicht verleugnen, ein Klassik-Festival zu sein. Man hat einfach zwischendurch Lust, etwas über die engen Zäune der Genres zu grasen. Deshalb bieten der Intendant

Francesco Walter und die künstlerische Leiterin Xenia Jankovic auch ein Jazzkonzert an. Dass aber auch hier keine Monokultur herrscht, verraten die Namen Bach, Liszt und Chopin zwischen den Jazztiteln. Zum Abschluss dieses Abends steht gar Bachs a-Moll-Konzert auf dem Programm, gespielt auf der ehrwürdigen Orgel der Erner Kirche, ein Denkmalinstrument aus dem 17. Jahrhundert. Wem der Sinn weniger nach Experimenten dieser Art steht, kann auch einfach das klassische Kammer- und Orchesterrepertoire geniessen. Ausgewiesene Interpreten und eine kluge Programmierung zeichnen den 25. Jahrgang aus. Als Musterbeispiel taugt gleich das erste Kammermusikkonzert, wo in einem symmetrischen Aufbau Werke von Franz Schubert und Leoš Janᡠcek gegenübergestellt werden. Einen besonderen Platz haben in Ernen Werke, die aus dem einen oder anderen Grund in der öffentlichen Wertschätzung zu kurz gekommen sind. Etwa das Streichtrio von Gideon Klein, der in Theresienstadt kurz vor der Befreiung bei Kriegsende mit sechsundzwanzig Jahren ums Leben kam.

Streichquartett-Vielfalt Oder Gustav Mahlers Klavierquartettsatz a-Moll, ein Frühwerk, das nur als Fragment und Rohfassung erhalten ist, weil das vollständige Stück auf dem Postweg zu einem Kompositionswettbewerb verloren ging. Mahlers Werk eröffnet den fünften Quartettabend, der mehrheitlich dem 20. Jahrhundert gewidmet ist. Anton Webern und Alfred Schnittke stehen hier im Zentrum, wobei letzterer mit seinem Stück auf ein Mahler-Fragment aus dem schon erwähnten Frühwerk baut, was dem Konzertablauf eine überzeugende Kohärenz verleiht. Auch im Orchesterbereich ist das 20. Jahrhundert mit Karl Amadeus Hartmanns «Concerto funèbre» für Violine und Orchester gewichtig vertreten. Freunde des Streichquartetts kommen in Ernen besonders auf ihre Rechnung. Schuberts und Mendelssohns Werke gehören zum Kernrepertoire, Jean Sibelius’ Quartett d-Moll «Voces intimae» hingegen dürfte selbst für manchen Kenner eine Entdeckung sein. Ravels Quartett F-Dur hingegen ist ein Kulminationspunkt der Gattung, ein kompositorischer Wurf und eines der nicht beliebig zahlreichen Werke, die auch nach dem zehnten Anhören keine Spur ihrer Faszination verloren haben. Doch auch grösser Besetztes hat am «Festival der Zukunft» Platz: Krönung und Schlusspunkt zugleich ist Brahms’ Doppelkonzert für Violine und Cello. Und wem ein gewissermassen kulinarischer Musikgenuss zu wenig fordernd ist und lieber das Hören durch Kontextwissen fokussiert hätte, kann sich bei den begleitenden Referaten von Rolf Grolimund in die Materie einführen lassen. 13


hörwerkstatt* 28. August bis 2. September  Der Zürcher Komponist Alfred Zimmerlin leitet diesen Sommer die Hörwerkstatt in Ernen. Eine einmalige Gelegenheit für das Publikum, ein neues Stück von den ersten Proben bis hin zur Uraufführung zu begleiten. Text: Thomas Meyer

«‚Ich werde mich für dich nicht öffnen‘, sagte der Riegel, ‚wenn du mir meinen Namen nicht nennst.‘ – ‚Zehe seiner Mutter ist sein Name.‘» So heisst es – etwas seltsam für moderne abendländische Ohren – im altägyptischen «Pfortenbuch», dem «Buch von den Unterweltlichen, die Osiris beistehen». Erzählt wird die Reise des Sonnengottes Re durch die Nacht. Durch Pforten betritt er die zwölf verschiedenen Stunden-Räume und hat dort jeweils bestimmte Fragen zu beantworten. Was, so mag man sich gleich dazu fragen, hat das nun mit einem neuen Klaviertrio zu tun? Nichts und doch sehr viel. Wer in der Musik irgendwelche Andeutungen an altägyptische Musik oder den pharaonischen Totenkult entdecken will, wartet vergebens. Darum geht es auch nicht, ebenso nicht um Programmmusik, noch um ein Bekenntnis. Wichtiger ist Alfred Zimmerlin der sprachliche und erzählerische Gestus des «Pfortenbuchs»: Jede Stunde betritt Re eine neue Kammer. Die Zeit wird also als eine Art Raum verstanden, der nicht nur linear, sondern multidimensional bestimmt ist. Und in jedem Zeit-Raum hat der Sonnengott zwar andere Aufgaben zu erfüllen, sie werden ihm aber jeweils in einer immer ähnlich ritualisierten Sprache gestellt. Höchst Unterschiedliches begegnet ihm also in ähnlicher Formulierung, und so mag es auch dem Ohr ergehen, wenn es die fünf Sätze – Zeiträume – von Zimmerlins neuem Klaviertrio hört. Sie werden an fünf Tagen im September mit dem Trio Nota Bene in öffentlichen Proben erarbeitet und am 2. September uraufgeführt – neben Franz Schuberts Klaviertrio Nr. 2 D 929. 14


Die zu durchwandernde Zeit wird also (wie bei Schubert übrigens) zum Thema des Stücks, und damit tritt das «Pfortenbuch», das für Zimmerlin eher eine Anregung und ein Auslöser war, ganz in den Hintergrund. Die fünf insgesamt etwa eine halbe Stunde dauernden Sätze seines Klaviertrios denken vielmehr über musikalische Verhaltensweisen nach. Wie, so die kompositorische Frage, lassen sich diese Räume durch unterschiedliche Mittel charakterisieren? Zimmerlin wendet seine Kompositionstechniken aber nicht stur an, er verändert sie vielmehr spontan, stört sie, überlagert sie und lässt auch eine starke, aber nie pathetische Emotionalität einfliessen. Darin wiederum zeigt sich eine Flexibilität, die von der Improvisation herrühren mag. Zimmerlin reagiert auf den Moment – auf vielseitige Weise.

Körper und Hirn Zimmerlin nämlich, 1955 geboren, aufgewachsen im solothurnischen Schönenwerd, studierte in Zürich Musikwissenschaft und Musikethnologie, und wurde da schon mit einer Vielfalt von Musiken konfrontiert. Auch die beiden Komponisten, deren Rat Zimmerlin privat suchte, waren keine Dogmatiker: Hans Ulrich Lehmann hatte längst das System der seriellen Musik über Bord geworfen, und Hans Wüthrich erfand damals schon schräge kompositorische Versuchsanordnungen. Ausserdem hatte Zimmerlin als Jugendlicher im Jazzbereich improvisiert. So ist er auch heute noch auf mindestens zwei Gleisen musikalisch unterwegs: einerseits als Komponist, der ein umfangreiches Oeuvre inkl. vier Musiktheaterwerken geschaffen hat, andererseits als frei improvisierender Cellist, der die Schweizer Szene etwa im Trio «Karl ein Karl» mitgeprägt hat und diese Erfahrungen mittlerweile an der Musikakademie Basel an Studierende weitergibt. Dennoch sollte man diese Sparten nicht miteinander verwechseln, wie Zimmerlin einmal sagte: «Spazierengehen ist eine Sache, Zeitung lesen eine andere; Improvisieren ist eine Sache, Komponieren eine andere. Es sind also für mich zwei Arten, zwei verschiedene Methoden, Musik zu machen. Musik ist das dritte, das eigentliche Ziel. Sicher gibt es auch Beziehungen zwischen den Methoden, aber das Komponieren ist eine sehr reflektierende Tätigkeit und das Improvisieren ist etwas, das sehr vom Körper her geschieht, was nicht heisst, dass beim Improvisieren das Hirn ausgeschaltet ist und beim Komponieren der Körper ausgeblendet wird. So spielen die Körpererfahrung und – ganz wichtig – auch die Zeiterfahrung des Improvisierens auch beim Komponieren eine Rolle, genauso wie die Reflexionserfahrung des Komponisten beim Improvisieren.»

Experiment und Expression Zimmerlin strebt in seiner Musik jeweils eine fragile Balance an: Nichts dominiert über Gebühr, aber es gibt vieles darin, so dass die Aufmerksamkeit des Hörens auf positive Weise immer wieder umgelenkt und angeregt wird. Die Erfahrung der Zeit, die sich auch in den Zeit-Räumen, den zu durchwandernden Stunden des «Pfortenbuchs» andeutet, ist für Zimmerlin ganz wesentlich: Zeit als improvisierte, als gestaltete, aber eben auch als eine erfahrene, als historische Zeit, die stets vorhanden ist. Zimmerlin vergleicht das oft mit der so vielgestaltigen Landschaft am Jura-Südfuss, wo er aufwuchs. Die verschiedensten Zeiten seien dort nebeneinander präsent. Diese Heterogenität ist ein wesentliches Charakteristikum in seiner Musik. Expressives und Experimentelles, Emotionales und Kalkuliertes, Alltägliches und Ausserordentliches erscheint nebeneinander. Die Elemente kommen aus den verschiedensten Schichten und werden einander nun so angenähert, dass etwas geschieht, Spannung zwischen ihnen entsteht oder Entwicklungen sich aufbauen. Mit dem jüngsten noch namenlosen, vom «Pfortenbuch» angeregten zwölfteiligen Werkzyklus nun, zu dem die fünf Sätze des Klaviertrios gehören, denkt Alfred Zimmerlin mit neuem Ansatz über diese Zusammenhänge nach. Er sucht die Heterogenität in einer neue Einheit zu führen, Verbindungen zu schaffen und doch verschiedene Perspektiven zum Durchhören zu öffnen.

Die Bilanz von Thomas Demenga von der Hörwerkstatt 2010 «Die Hörwerkstatt in Ernen hat etwas geschafft, was man selten erlebt: Gegenseitige, nachhaltige Inspiration, Gespräche zwischen Musikern, dem kleinen aber hochinteressierten Publikum und mir selber als Komponisten. Und dazu das herrlichste Wetter in einer wunderschönen Berglandschaft.»

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Das Tal im Tal* Kristalline Wasser, mineralische Kristalle, kristallklare Luft – das Binntal, das kleine Tal im grossen Tal, bietet eine Vielzahl von Genüssen für Körper und Geist. Text: Bruno Rauch

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Bio, Knospe, AOC – was bei Lebensmitteln für Nachhaltigkeit, Einmaligkeit und Ursprünglichkeit bürgt und vom bewussten Konsumenten immer mehr geschätzt und gesucht wird, gewinnt auch im Zusammenhang mit Regionen und Landschaften zunehmend an Bedeutung. In Zeiten der schrankenlosen Zersiedelung und Verstädterung ist es sicher angezeigt, auch Gebiete, die sich – ohne deshalb museal zu stagnieren – durch die Wahrung ihres besonderen Charakters, ihrer Originalität auszeichnen, mit einem besonderen Label auszuzeichnen. Schon 1964 – noch bevor man allenthalben vom Öko-Tourismus sprach – hatten die schlauen Binner die Idee, ihr urwüchsiges Tal unter Naturschutz zu stellen. Das zeugt nicht nur von Weitsicht, sondern ebenso von Selbstbewusstsein. Was sich nicht zuletzt im Ausdruck «Üsserschwiiz» niederschlägt, mit dem die Oberwalliser den Rest der Schweiz bezeichnen. Grund zu Selbstbewusstsein und zum Stolz auf ihr Tal, das bei Ernen in südöstlicher Richtung vom Haupttal gegen das Ofenhorn hinauf greift, haben sie alleweil, die Menschen aus dem Binntal, die – so lassen vorrömische Grabfunde vermuten – das Tal als keltische Lepontier, über den Albrunpass einwandernd, besiedelt haben dürften. Neben der Nord-Süd-Verbindung über besagten Pass verdankt das Tal seinen Ruhm dem Mineralienreichtum: Über 200 Arten an Quarz, Kristall, Pyrit, Glimmer, Granat und Turmalin sollen es sein. Aber auch die heimische Flora ist überdurchschnittlich reich, worunter die endemische Grengjer Wildtulpe eine Besonderheit darstellt. Dazu kommen die übrigen Naturschönheiten: intakte Ortsbilder, römische und mittelalterliche Säumerpfade, Moorflächen, Lärchenwälder, Bergseen, in denen sich die monumentale Bergkulisse spiegelt … Kein Wunder also, dass sich die Gommer Gemeinden Ernen, Grengiols und Binn 2002 zum Trägerverein «Landschaftspark Binntal» zusammenschlossen, in der Absicht, dieses 160 Quadratkilometer grosse Gebiet als nationales Patrimonium vom Bund anerkennen zu lassen. Aufgabe und Ziel dieses Projekts ist es, das natürliche und kulturelle Erbe nicht nur zu bewahren, sondern es nachhaltig zu fördern und zu nutzen. Das zeigt sich in der Verwendung von heimischem Holz für neue Bauten genauso wie in der Herstellung traditioneller Produkte wie Feigenbrot oder Alpkäse. 2010 traten die Gemeinden Bister, Niederwald und Blitzingen dem Verbund bei. Im Januar dieses Jahres wurde das Bewerbungsdossier dem Bund eingereicht. Jetzt ist man zuversichtlich, dass der Landschaftspark noch im laufenden Jahr die angestrebte Zertifizierung als «Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung» und damit verbunden auch die Lizenz zu einer zehnjährigen Betriebsphase erhält.

Aus der Vielzahl der Projekte, die zurzeit in Realisation sind, seien nur ein paar wenige herausgegriffen: Etwa die Wiederherstellung der Trockenmauern auf der Binnegga. Die Sanierung der Twingistrasse. Die Pflege der Hochstammkulturen mit ihren zum Teil vom Verschwinden bedrohten Obstsorten. Dazu gehört aber ebenso die Ermunterung und praktische Anleitung der Besitzer von Häusern und Wohnungen, Ferienwohnungen zur Miete anzubieten. Denn: Die schönste Region soll und will schliesslich auch besucht werden! Nur so kann die Region überleben und prosperieren. Und schliesslich trägt auch das spannende Musik- und Literaturprogramm von Ernen buchstäblich eine attraktive Note zur lebendigen Vielfalt der Region bei, um den Aufenthalt im kleinen Seitental des grossen Tals zum unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

Ernen – Musikdorf mit Wakkerpreis Ernen, eine der sechs Gemeinden im Landschaftspark Binntal, war früher Hauptort des Zehnden Goms und Sitz der Gerichtsbarkeit. Davon zeugen die Verliese im Rathaus (ehemaliges Bezirksgefängnis) und der Galgen auf dem Hügel zwischen Ernen und Mühlebach. 1979 wurde Ernen dank dem Erhalt des Dorfkerns mit den wunderbaren historischen Gebäuden wie dem Tellenhaus mit den ältesten Tellfresken der Schweiz, vom Schweizer Heimatschutz der Henri-Louis-Wakkerpreis verliehen. Zu Ernen gehört auch die Ortschaft Mühlebach mit dem ältesten kompakten Dorfkern in Holzbauweise der Schweiz. Beide Ortschaften sind im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung klassiert.

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infos für sie* Infos und Tickets

Über Nacht

Der Vorverkauf für die Konzertsaison 2011 hat bereits begonnen. Die ausführliche Programmzeitschrift kann im Büro des Musikdorf Ernen gegen einen Unkostenbeitrag von CHF 10.– bestellt werden. Die Website des Musikdorf Ernen informiert übersichtlich und aktuell über sämtliche Konzerte. Auch Tickets können direkt auf der Website des Musikdorf Ernen bestellt werden – über eine sichere Internetverbindung. Für Musikfreunde, die mehr als ein Konzert besuchen möchten, besteht die Möglichkeit, ein Abonnement zu kaufen. Eintrittskarten und Abonnemente können bis fünf Tage vor dem Konzert, zuzüglich einer Buchungsgebühr von CHF 5.–, gegen Rechnung bestellt werden. Vorauszahlung mit Mastercard und VISA möglich. Selbstverständlich steht das Musikdorf Ernen auch telefonisch für Anfragen und Ticketreservationen zur Verfügung: Musikdorf Ernen, Postfach 28, 3995 Ernen, Tel. 027 971 10 00, E-Mail: mail@musikdorf.ch www.musikdorf.ch

In Ernen und Umgebung stehen verschiedene Hotels und zahlreiche attraktive Ferienwohnungen für jedes Budget zur Verfügung. Manche Wohnungen sind über das Welcome Center Ernen online buchbar. Ansonsten geben die Mitarbeitenden per Telefon gerne Auskunft: Welcome Center Ernen, 3995 Ernen, Tel. 027 971 15 62

Anreise In früheren Jahrhunderten war Ernen eine wichtige Station auf der Nord-Süd-Route über die Alpen. Auch heute noch ist das Musikdorf, dank gut aufeinander abgestimmten Verbindungen, näher als man denkt. Die schnellen Fernverbindungen bringen Reisende bequem nach Brig (mit direktem Anschluss an die Matterhorn-Gotthard-Bahn) oder Fiesch (mit direktem Anschluss ans Postauto). Dank eines ExtraKonzertbus-Shuttles ist auch nach Konzertende die Rückfahrt in praktisch alle Schweizer Zentren möglich.

Konzertbus Zu den Konzerten der Klavierwoche, der Barockwochen und des «Festival der Zukunft» in Ernen fährt zusätzlich ein Konzertbus von Oberwald nach Ernen sowie von Ernen nach Brig für das Konzert vom 8. August 2011 im Briger Stockalperschloss. Der Konzertbus hält nach den Konzerten von Sonntag, 10. Juli, Sonntag, 17. Juli, Sonntag, 31. Juli und Samstag, 6. August 2011, am Bahnhof in Fiesch. Dort haben Sie Anschluss mit dem öffentlichen Verkehr nach Brig, von wo Sie nach Bern, Basel, Lausanne, Sion und Zürich weiterreisen können.

Für Leseratten Mit dem «Queerlesen» bietet das Musikdorf Ernen ein literarisches Wochenende an, das zwischen den Barockkonzerten stattfindet (23. und 24. Juli). Dieses Jahr lesen die Autoren Angela Steidele – sie promovierte zum Thema «Liebe und Begehren zwischen Frauen in der deutschsprachigen Literatur», der mit zahlreichen Auszeichnungen geehrte Alain Claude Sulzer und Michael Roes, ein von der NZZ hochgelobter Autor. Ins Gespräch verwickelt werden sie von der Fernsehjournalistin Bettina Böttinger, die u. a. im Westdeutschen Rundfunk die Talkshow «Kölner Treff» und die Kultursendung «west.art am sonntag» moderiert.

Impressum: Herausgeber: Verein Musikdorf Ernen, 3995 Ernen. Autoren: Thomas Meyer, Werner Pfister, Bruno Rauch, Stephan Thomas, Reinmar Wagner Bilder: Thomas Andenmatten, Marie-Noële Guex, Priska Ketterer, Marlise Mumenthaler, Ariga Terasawa, Brigitte Wolf Gestaltung: NOSE Design AG, 8005 Zürich Korrektorat: Hans Reichert Druck: Südostschweiz Presse und Print AG, 7007 Chur Copyright: 2011 Verein Musikdorf Ernen, 3995 Ernen

Diese Ausgabe des Musikdorf Ernen Magazin 2011 erscheint in Zusammenarbeit mit Musik & Theater, www.musikundtheater.ch 18


MUSIKDORF ERNEN*JAH RESPROGRAMM 2011* Klavierwoche*

Barockkonzert 1 Sonntag, 17. Juli, 18 Uhr, Kirche Ernen

Orchesterkonzert 1 Dienstag, 2. August, 20 Uhr, Kirche Ernen

Pianomania Samstag, 9. Juli, 20 Uhr, Tellenhaus Ernen

Johann Sebastian Bach, Karl Amadeus Hartmann, Ástor Piazzolla, Peter Tschaikowsky

Ein Film über Liebe, Perfektion und ein kleines bisschen Wahnsinn …

Girolamo Frescobaldi, Domenico Gabrielli, Giovanni Girolamo Kapsberger, Marco Uccellini, Giuseppe Colombi, Bartolomeo Montalbano, Dario Castello, Antonio Vivaldi

Klavierrezital 1 Sonntag, 10. Juli, 18 Uhr, Kirche Ernen

Barockkonzert 2 Mittwoch, 20. Juli, 20 Uhr, Kirche Ernen

9. bis 15. Juli 2011

mit Hüseyin Sermet Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt

Vortrag über Charles-Valentin Alkan Montag, 11. Juli, 20 Uhr, Tellenhaus Ernen mit Hüseyin Sermet

Klavierrezital 2 Dienstag, 12. Juli, 20 Uhr, Kirche Ernen

mit Hisako Kawamura Johann Sebastian Bach, Guillaume Connesson, Ferruccio Busoni, Franz Liszt

Klavierrezital 3 Mittwoch, 13. Juli, 20 Uhr, Kirche Ernen mit Pietro De Maria György Ligeti, Franz Liszt, Frédéric Chopin

Vortrag zum 200. Geburtsjahr von Franz Liszt Donnerstag, 14. Juli, 20 Uhr, Tellenhaus Ernen mit Arthur Godel

Klavierrezital 4 Freitag, 15. Juli, 20 Uhr, Kirche Ernen

mit Konstantin Scherbakov Franz Liszt, Ludwig van Beethoven

Barockmusikwochen* 17. bis 28. Juli 2011

mit dem Erner Barockensemble

Carl Philipp Emanuel Bach, Sylvius Leopold Weiss, Heinrich Ignaz Franz Biber, Georg Friedrich Händel, Giuseppe Tartini, Antonio Vivaldi

Barockkonzert 3 Freitag, 22. Juli, 20 Uhr, Kirche Ernen Johann Joseph Fux, Georg Christoph Wagenseil, Georg Friedrich Händel, Carl Philipp Emanuel Bach, Wilhelm Friedemann Bach, Johann Sebastian Bach

Barockkonzert 4 Dienstag, 26. Juli, 20 Uhr, Kirche Ernen Johann Christoph Graupner, Johann Joachim Quantz, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann

Barockkonzert 5 Donnerstag, 28. Juli, 20 Uhr, Kirche Ernen Anthony Holborne, Thomas Campian, William Lawes, John Dowland, Anthony Holborne, Matthew Locke, Henry Purcell, John Coprario

25. Festival der Zukunft*

31. Juli bis 13. August 2011 Kammerkonzert 1 Sonntag, 31. Juli, 18 Uhr, Kirche Ernen Franz Schubert, Leoš Janáˇcek

Kammerkonzert 2 Donnerstag, 4. August, 20 Uhr, Kirche Ernen Robert Schumann, Per Arne Glorvigen, Gideon Klein, Johannes Brahms

Kammerkonzert 3 Samstag, 6. August, 18 Uhr, Kirche Ernen Ludwig van Beethoven, Richard Strauss, Johann Sebastian Bach, Ástor Piazzolla, Antonín Dvoˇ rák

Jazzkonzert Sonntag, 7. August, 18 Uhr, Kirche Ernen

mit dem Charles Du Plessis Trio und Ockie Vermeulen Karl Jenkis, Johann Sebastian Bach, Franz Liszt, Franz Schubert, Matthew Fisher/Keith Reid/Gary Brooker, Frédéric Chopin, Tomaso Albinoni

Kammerkonzert 4 Montag, 8. August, 20 Uhr, Rittersaal, Stockalperschloss in Brig Claude Debussy, Jean Sibelius, Camille Saint-Saëns, Gabriel Fauré

Kammerkonzert 5 Mittwoch, 10. August, 20 Uhr, Kirche Ernen Gustav Mahler, Anton von Webern, Alfred Schnittke, Franz Schubert

Kammerkonzert 6 Donnerstag, 11. August, 20 Uhr, Kirche Ernen Maurice Ravel, Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy

Orchesterkonzert 2 Freitag, 12. August, 20 Uhr, Kirche Ernen Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Johannes Brahms


Pianissimo und fortissimo. Professionell und familiär.

Die familiäre Kultur unseres Private Banking gründet auf Unabhängigkeit und Professionalität. Im Rahmen unseres Engagements «Concours Géza Anda» fördern wir junge Meisterpianisten. Weitere Informationen: www.gezaanda.ch Privatbank IHAG Zürich AG Bleicherweg 18, Postfach, CH-8022 Zürich Telefon +41 44 205 11 11, Fax +41 44 205 12 85 info@pbihag.ch, www.pbihag.ch

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Musikdorf Ernen | Magazin 2011