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SPe C IA L e D IT Io N D AvoS Fe ST I vAL

A uguST 2016

Familienzone

composer Valentin Silvestrov

thema «Die Schweizer Familie» – ein vergessener Opernhit aus Schuberts Zeit Es darf (mit)gesungen werden

artists Ensemble ALMA Lea und Esther Birringer Anton Spronk Quatuor Van Kuijk


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editorial

Liebe Leserin, lieber Leser «Familienzone» – das erinnert eher an ein Spielabteil im eisenbahnwaggon oder an die Feuerstelle mit grill an einem Wanderweg, als dass es uns an den thematischen Leitfaden eines musikfestivals denken lässt. Wohl genau solche Irritationen hatte reto bieri – selbstverständlich mit einem verschmitzten Augenzwinkern – im Hinterkopf, als er sich sein Programm für das diesjährige DAvoS FeSTIvAL – young artists in concert ausheckte. Denn so verstandene unverkrampfte Sinnlichkeit verblüfft mit unerwarteten gegenüberstellungen und eröffnet der Fantasie neue räume. ein Festival, das sich immer wieder neu erfindet, bleibt jung. Natürlich ist diese an sich lapidare Feststellung nicht auf Festivals und ihre programmatische Fantasieskala zu beschränken, sondern lässt sich auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche übertragen. unbestritten bleibt, dass auch noch so renommierte veranstaltungen inhaltlich bis zur belanglosigkeit auszuleiern und zu erstarren drohen, wenn sie sich mit der leierhaften Wiederholung des erfolgreichen zufrieden geben. reto bieri ist einer, der inhaltlich tüftelt, der lustvoll mit dem Kontrast spielt und unerwartete verbindungen sucht, auch leise und verborgene. Seinen Ideen kommt daher das Konzept von DAvoS FeSTIvAL entgegen. Hier kann er Sommer für Sommer einen ebenso klug gewobenen wie vielfarbigen Programmteppich ausbreiten. und damit dafür sorgen, dass das DAvoS FeSTIvAL sich seine jugendliche Frische auch nach dreissig Jahren bewahrt und gleichzeitig sachte Wurzeln am ort zu schlagen sucht, etwa mit der einladung zum gemeinsamen offenen Singen mit dem DAvoS FeSTIvAL Kammerchor. ein geglückter Impuls aus dem vorjahr, der diesen Sommer seine lustvolle und erfolgreiche Fortsetzung finden soll. Herzlich, Ihr

Andrea meuli

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50 Konzerte, 80 JUnge Künstler aUs über 20 ländern

animato stiftung

Familienzone 6. - 20. aUgUst 2016 liebe und Hass, nähe und distanz, Wir versus ich, Küche, stube und schlafzimmer – die Familie ist ein heikles gebilde, ort intimster gefühle und ein entschiedener eingriff ins Privatleben! einzigartige Konzerterlebnisse in der atemberaubenden davoser bergwelt bekommen sie bereits ab CHF 480.– 3 nächte im ****Hotel mit Halbpension und weiteren angeboten alle informationen zu Programm, Künstlern und Vorverkauf sowie attraktive reiseangebote finden sie unter

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inhalt

Passend zum Festivalmotto «Familienzone» wartet das DAVOS FESTIVAL mit einer Opernrarität auf: «Die Schweizer Familie» von Joseph Weigl.

Die Schwestern Lea und Esther Birringer, ein Geschwisterduo an Klavier und Geige, zwischen Einigkeit und Reibung.

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Die vier Musiker des französischen Quatuor Van Kuijk suchen beim Davos Festival die «bouillon de culture» und setzen programmatische Akzente.

Der ukrainische Komponist Valentin Silvestrov ist zu Gast in Davos. Sein kammermusikalisches Schaffen zieht sich als roter Faden durch das Programm.

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editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

thema «Die Schweizer Familie» – ein opernhit des 19. Jahrhunderts . . . . . . . . .

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Was richard Wagner mit Joseph Weigls oper zu tun hat. . . . . . . . . . . . . . 8 Wie Andreas Felber das DAvoS FeSTIvAL zum Singen bringt . . . . . . . . . . 20

composer Wie der Chorleiter Andreas Felber Profis und Laien zusammenbringt und den Chorgesang zu einer tragenden Säule des Festivals gemacht hat.

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valentin Silvestrov: Im gegensinn der einbahnstrasse . . . . . . . . . . . . . . . . 10

artists «Wir suchen keine Nischen»: das Quatuor van Kuijk . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 ALmA: Transalpine Kammermusik aus Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

Wie Philip Bartels «Die Schweizer Familie» für Kammerensemble arrangierte – und dabei auf eine Einlagearie Richard Wagners für den einstigen Opernhit stiess.

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Lea und esther birringer: «Kennenlernen und Ausprobieren» . . . . . . . . . . 24 Anton Spronk und der ausbalancierte Ton . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

kolumne Fünf Fragen an DAvoS FeSTIvAL Intendant reto bieri . . . . . . . . . . . . . . . . 23

service Das Festivalprogramm. «Familienzone» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Die Festivalkünstler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 Wie aus ALMA keine Girl Group wurde, und von der Lust einer lebendigen Volksmusik.

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Titelfoto: Priska Ketterer

Jung und doch schon abgeklärt, der holländisch-schweizerische Cellist Anton Spronk.

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thema


thema Joseph Weigls oper «Die schweizer Familie» – ein opernhit des 19. Jahrhunderts

Ein Alpenzoo als Musiktheater Passend zum Festivalmotto «Familienzone» wartet das Davos Festival mit einer besonderen opernrarität auf: «Die schweizer Familie» vom heute vergessenen, einst aber sehr populären Komponisten Joseph Weigl. Und damit nicht genug, der arrangeur Philip Bartels kann zudem mit einer unbekannten einlage-arie von Richard Wagner auftrumpfen. Reinmar Wagner (text) & Priska Ketterer (Fotos) «Die Schweizer Familie», ja das ist eine Zeitschrift. aber es war auch einmal eine oper, eine sehr erfolgreiche zudem. Der Österreicher Joseph Weigl (1766-1846) brachte sie 1809 in Wien heraus und landete damit einen Welterfolg. Weigl war sehr beliebt zu seiner Zeit, Schüler von Salieri, Patenkind von Haydn, Kapellmeister der Wiener Hofoper, Schöpfer von etwa drei Dutzend opern und Singspielen. er verkehrte mit Haydn, Schubert und Mozart, dem er bei den Uraufführungen von «Don Giovanni» und «Così fan tutte» assistierte. Seine oper «Die Schweizer Familie» erlebte allein in Wien über 200 aufführungen, wurde in mehrere Sprachen übersetzt, in fast allen Ländern europas und selbst in amerika auf die Bühne gebracht.

liebe, Wahnsinn, Happy end

So bekannt er zu seiner Zeit war, so vergessen ist Joseph Weigl heute. Reto Bieri, intendant des DavoS FeStivaLS, hat für diesen Sommer «Familienzone» zu seinem Festivalmotto gekürt und ist dadurch auf dieses vergessene Singspiel aufmerksam geworden. Die Handlung ist schnell erzählt: ein deutscher Graf verunfallt in den Schweizer Bergen. Den Bauern, der ihm das Leben rettet, belohnt er, indem er ihn auf sein anwesen in Deutschland einlädt und ihm und seiner Familie dort nicht nur ein sorgenfreies Leben ermöglicht, sondern ein echtes Schweizer alpendorf nachbaut, damit sie sich auch möglichst wohl fühlen im exil. Nur emmeline, die tochter, ist unzufrieden, denn ihr Geliebter ist in der Schweiz geblieben. Sie liebt ihn so sehr, dass sie wahnsinnig wird. aber der Graf ahnt den

eindrücke von den Proben an der Berner Hochschule der Künste mit dem Regisseur Mathias Behrends. Grund ihrer Krankheit und lässt den Hirten ebenfalls nach Deutschland holen. Nach einigen unterhaltsamen verwechslungs-Szenen, wie sie typisch sind für dieses Genre, finden die Liebenden gesund und glücklich zusammen. Die Schweiz war en vogue in jenen Zeiten. Fünf Jahre vor Weigls «Schweizer Familie» schrieb Schiller seinen «Wilhelm tell», die Mendelssohns bereisten mehrmals das Land, später kamen Künstler wie Liszt, Brahms oder Joseph Joachim, der Flüchtling

Wagner wählte Zürich und Luzern als politisches asyl. Schon die aufklärer hatten Ursprünglichkeit, Natürlichkeit und Unverfälschtheit mit der Schweiz in verbindung gebracht, albrecht von Haller hatte diese ideen in sein Monumentalgedicht «Die alpen» gegossen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war ein klischeebeladenes Schweizbild beim bürgerlichen Publikum äusserst populär geworden, und Weigls «Schweizer Familie» hatte nicht unwesentlich dazu beigetragen.

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thema

«Sehr schöne melodische Einfälle» Der Zürcher Komponist Philip Bartels hat Weigls Partitur der «schweizer Familie» für ein farbig besetztes Kammerensemble arrangiert. Und im Zug dieser arbeit ist er auf eine unbekannte arie von Richard Wagner gestossen, die seit 150 Jahren nun zum ersten Mal wieder zu hören sein wird. interview: Reinmar Wagner M&t: Philip Bartels, kannten sie Weigls oper «Die schweizer Familie» bevor die anfrage vom Davos Festival kam? Philip Bartels: ich hatte entfernt davon gehört, aber keine ahnung wie berühmt dieses Stück damals war. in der Zürcher Zentralbibliothek finden sich sechs oder sieben Klavierauszüge dieser oper, das lässt ermessen, dass jede bürgerliche Familie in der Stadt, die etwas auf sich hielt, diesen Klavierauszug besessen haben muss. Die Uraufführung war 1809 in Wien, die Schweizer erstaufführung 1827 in Zürich, und «Die Schweizer Familie» war auch hier sehr erfolgreich. Die oper hat einen unglaublichen Siegeszug um die ganze Welt angetreten. Weigl war zu Lebzeiten in Wien mindestens so berühmt wie Mozart und Haydn, er war ab 1791 Direktor der Hofoper und sowohl künstlerisch wie finanziell sehr erfolgreich. M&t: Wie kann man die oper musikalisch einordnen? Philip Bartels: Sie liegt ziemlich genau zwischen Mozart und Schubert. Die innovativste Nummer ist ein Melodram, was die aufkommende Romantik schon ahnen lässt. Spannend ist auch eine Solo-Klarinette, die ganz allein auf der Bühne den «Ranz des vaches» spielt, eine Sehnsuchtsmelodie für das Liebespaar. Weigl ist durchaus ein innovativer Kopf gewesen, daneben brilliert seine oper durch wirklich sehr schöne melodische einfälle, die auch sängerfreundlich ausgestaltet werden. Das hat zusammen mit der Schweizbegeisterung jener Zeit zu diesem enormen erfolg geführt. M&t: es ist eine ziemlich seltsame Handlung, die Geschichte vom deutschen Grafen, der eine schweizer Familie zu sich holt und sie wie im alpenzoo in einem nachgebauten schweizer Dorf leben lässt.

Philip Bartels: Das ist auch ein Grund für den erfolg gewesen: Das idealisierte Schweizbild, das mit Freiheit und Wilhelm tell, aber auch mit einer gewissen Ursprünglichkeit, Natürlichkeit und Gemütlichkeit assoziiert wurde. Die Geschichte ist einfach gestrickt, eine typische Singspielhandlung im Stil des vaudeville, mit sehr langen gesprochenen Passagen, die damals lustig gefunden wurden, aber auf uns geschwätzig wirken. Wir haben sie stark gekürzt und sie als Rezitative vertont. eine nette Liebesgeschichte, ein bisschen Wahnsinn, aber sonst keine Probleme. Das abgründige, Dunkle, Zwiespältige der Romantik, das fehlt hier noch. M&t: Welche Besetzung haben sie für ihre Bearbeitung gewählt? Philip Bartels: Wir haben Streichquartett mit Kontrabass, die gängigen Blasinstrumente mit den variantinstrumenten englischhorn und Bassklarinette. Dazu zwei Perkussionisten und das präparierte Klavier, was dem Ganzen eine sehr durchsichtige, aber auch perkussive Klanglichkeit gibt. Schon Weigl hat übrigens recht farbig instrumentiert, seine arien unterscheiden sich deutlich voneinander, und dieses abwechslungsreiche Klangbild wollte ich möglichst beibehalten. M&t: Und dann haben sie noch diese einlagearie von Richard Wagner gefunden, die jetzt seit 150 Jahren zum ersten Mal wieder gesungen wird. Philip Bartels: es war ein mehrfacher Zufall: 2013, im Wagner-Jahr, war ich auf der Suche nach unbekannter Musik von ihm und stiess auf seine Jugendoper «Die glückliche Bärenfamilie», an der Wagner 1837 arbeitete, den Plan aber dann nicht weiter verfolgte. es sind etwa zehn oder elf Blätter erhalten, aber in

bild: Davos Festival

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diesem Konvolut, das in Bayreuth aufbewahrt wird, gab es auch eine einlagearie für die «Schweizer Familie», die Wagner 1837 für eine von ihm selbst geleitete aufführung in Riga und für seinen Bass komponierte. Und daran erinnerte ich mich, als Reto Bieri mich für die «Schweizer Familie» anfragte. Solche einlage-arien waren damals überhaupt nicht selten. Wagner hat, wie üblich bei ihm, den text selber geschrieben. Musikalisch bleibt die Bassarie im Stil von Weigl, Wagner hat sich damit nicht profilieren wollen, sondern seinem Darsteller einen zusätzlichen auftritt verschafft.


thema Frisches arrangement

Die oper ist denn auch in erster Linie ein unterhaltsames Singspiel, angereichert mit humorvoll gewürzten Sprechpassagen. Für das DavoS FeStivaL erstellte der Zürcher Komponist Philip Bartels eine Neufassung für Kammerensemble, die mit den Klangfarben eines präparierten Klaviers und viel Schlagwerk vielfältige Kontraste zu den traditionellen instrumenten sucht. Die gesprochenen texte hat Bartels stark gekürzt und in neu komponierte Rezitative einfliessen lassen. Unter der Leitung von Riccardo Bovino und in der Regie von Mathias Behrends singen Studierende des opernstudios der Berner Musikhochschule. Und Philip Bartels Fassung hat noch eine spektakuläre Besonderheit zu bieten: eine verschollene arie von Richard Wagner, vor 20 Jahren wieder aufgetaucht, aber erstaunlicherweise bisher nicht aufgeführt. es war in jenen Jahren keine Seltenheit, dass die Kapellmeister bei der aufführung fremder opern ihren besten Sängern eigene einlage-arien hinzukomponierten. Das hat auch Richard Wagner, der «Die Schweizer Familie» 1837 in Riga dirigierte, so gehalten und dem Bauern Boll eine Bass-arie in die Stimmbänder geschrieben, die nun in Davos erstmals wieder zu hören sein wird. ■

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composer

Im Gegensinn der Einbahnstrasse

der ukrainische komponist Valentin silvestrov ist in davos zu gast

bild: roberto masotti / eCm

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valentin silvestrov: «ich habe das singen der Menschen auf dem Majdan gehört und mit meiner Musik darauf reagiert.»

auf einer Fotografie sieht man den Komponisten in der via antonio Frizzi, wohl in Ferrara, stehen. Wir wissen nicht genau, ob er den Strassennamen betrachtet oder aber das darunterstehende «Senso unico», aber natürlich blinken bei einem solchen Bild sofort alle metaphorischen alarmlichter auf, denn gerade dieser Musiker, valentin Silvestrov, ist einer jener Künstler, die sich nicht an die vorgegebene Fahrtrichtung gehalten haben: Moderne Musik ist für ihn keine einbahnstrasse, kein freudig dahineilender Fortschritt, sondern eine viel komplexere Bewegung: zögernd, überdenkend, nachfühlend, innehaltend, zurückgehend. Der 1937 geborene ukrainische Komponist gehört damit wie arvo Pärt zu den bedeutenden anti-Stars in der zeitgenössischen Musik. «Kitsch-Musik» hiess ein Klavierzyklus von 1977. als ich ihm erstmals begegnete, kam er mir provokativ und ironisch vor. ich dachte an ein popgewandtes Stück Musik: Hollywood vielleicht, im avantgarde-Gewand. aber diese Stücke selber machen es einem nicht so einfach. Silvestrov meint es durchaus ernst mit dieser romantischen Musik, die irgendwie an Chopin oder Schumann erinnert. er sagt gleichsam: ihr werdet das für Kitsch halten, aber so bin ich nun mal, so kommt es mich an beim Komponieren, so fühle ich… Und tatsächlich empfindet es Silvestrov als Kompliment und nicht als vorwurf, wenn jemand schreibt, seine Walzer oder Bagatellen für Klavier erinnerten an die Romantiker oder an Debussy und Ravel. Die Kitsch-Musik entstand in jenen späten 70er-Jahren, wo allgemein eine abwendung von der radikalen Darmstädter avantgarde stattfand: Gérard Grisey und seine französischen Kollegen entwarfen die Spektralmusik, die Minimalisten drangen in europa durch, Wolfgang Rihm bezog wieder romantische und emotionale Gesten ein, und auch bei den sowjetischen Komponisten, die zuvor im Land mit ihrem avantgardismus angeeckt waren, vollzog sich ein Wandel. Beim esten arvo Pärt etwa, beim Georgier Gija Kancheli oder eben beim Ukrainer valentin Silvestrov. es ging hin zu einer ruhigeren, stillen, tonalen, kontemplativ-geistlichen Musik. Das war bei Pärt und Kancheli freilich auf so radikale Weise formuliert, dass


composer sich sogar westliche Kritiker damit anfreunden konnten. Nicht sogleich bei Silvestrov: seine Musik klingt zugänglicher, liebevoller, ja schön und zuweilen unverschämt lieblich, so etwa seine «Quiet Music» für Streichorchester. Soft-Music also, für einen nicht mehr existierenden Salon? es war eine umso radikalere Umkehr mitten in der einbahnstrasse. Nun sollte man nicht denken, dass Silvestrov ein Brävling ist, ein konzessionsbereiter opportunist, der in der Beliebigkeit, in der ständigen verfügbarkeit aller möglichen Stile badet. im Gegenteil: sein Weg ist lang und gewunden, gar keine einbahnstrasse. Schon am Konservatorium in Kiew eckte er bald an, weil er nicht den Sozialistischen Realismus bediente, sondern mit Polytonalität und Zwölftontechnik experimentierte. Deshalb erhielt er zum abschluss nur eine Studienbescheinigung und kein Diplom. Und während er mit seinen Werken im Westen bald erste anerkennung fand – sogar adorno hielt ihn für «ausserordentlich begabt», wurde er zu Hause zurückgebunden. als er schliesslich auch noch öffentlich einen betrunken auftretenden vertreter des Proletariats fragte: «Wer hat dir eigentlich den Wodka bezahlt?», wurde er aus dem Komponistenverband ausgeschlossen. als freischaffender Musiker musste er sich und seine Familie durchbringen. Heute gilt er in seiner Heimat gerade deswegen auch als moralische instanz. auch in der zurzeit so fragilen Situation der Ukraine äussert er sich politisch, so im Gespräch mit der Musikjournalistin Mariya Kautz über die tage auf dem Majdan: «Die Musik verträgt keine Falschheit. Die klassische Musik ist eng mit der Wahrheit verbunden.» Während die versammlung auf dem Majdan die altertümliche und «aggressionslose» Nationalhymne von Mychajlo Werbyzkyj sowie ukrainische Lieder sang und betete, um «diesen Schurken von Präsidenten dazu zu überreden, mit ihnen zu kommunizieren und auf ihre Wünsche zu reagieren», habe die Menge auf dem anti-Majdan geschwiegen. Man liess stattdessen über Lautsprecher sowjetische Musik der 50er Jahre laufen. «ich habe das Singen der Menschen auf dem Majdan gehört und mit meiner Musik darauf reagiert.» Mehrere Werke hat er den protestierenden Menschen und den opfern, den sogenannten «Himmlischen Hundert» gewidmet. So bezog er Stellung für die Zukunft des Landes. Das thema jener «Kitsch-Musik», der musikalische Dialog mit der vergangenheit, ist ein zentrales Moment in

Silvestrovs Schaffen. «Der Bote» etwa, ein Stück für Streicher und Klavier von 1996, ist eine Mozart-Hommage, ein Gespräch mit der jenseitigen Welt, die «wie im Nebel, dolcissimo, lontano, hell und traurig» aufscheint. Ähnliche Reminiszenzen finden sich häufig. erinnerungen an Bach, Schubert, Schumann, Wagner und tschaikowsky etwa wird man in Davos begegnen. Diese Rückkehr oder vielmehr Hinwendung zu einer «Neo-Romantik» empfand Silvestrov selber nicht als Umbruch, sondern als Übergang, als «Fortsetzung der avantgardistischen Bewegung, die sich in ihrer früheren Form in grossem Masse selbst erschöpft» hatte. er verspürte das Bedürfnis nach Schweigen. Seine «Kitsch-Musik», die «Stillen» oder die «einfachen Lieder» seien vertontes Schweigen, «ein Schweigen aufgrund einer nicht aktuellen Sprache oder eines schwachen Stils». er selber nennt es Metamusik oder «metaphorische Musik». Seine Musik ist abschied, ein ständiges Postludium (der titel taucht mehrmals bei ihm auf). Und er meint damit auch die Musik unserer tage: «Wir sind schon ins dritte Jahrtausend getreten, und allein deshalb ist alles, was wir sagen möchten, ein Nachhall, ein anklang, ein Postludium zu dem, was schon irgendwann gesagt wurde. Postludium ist der Geist unserer Zeit.» Für sein verständnis handle es sich dabei um einen bestimmten Zustand der Kultur. auch dieses Danach (ein Nach der avantgarde ebenso wie ein Nach der Sowjetunion) trägt eine Zukunft in sich. «tatsächlich bedeutet das nicht das ende der Musik als Kunst, sondern das ende der Musik – ein Zustand, in dem sie sich lange aufhalten kann: Gerade im Bereich der Coda ist ein gigantisches Leben möglich.» Diese Beschäftigung mit der vergangenheit ist für ihn auch eine mit den toten, vor allem mit seiner 1996 unerwartet früh verstorbenen Frau, der Musikwissenschaftlerin Larissa Bondarenko. 1996-99 entstand ein grossangelegtes «Requiem für Larissa». Seither komponiert Silvestrov in ihrem andenken: Neben viel Klaviermusik und Liedern, vor allem geistliche Stücke und zwei Sinfonien. «Man hat im Leben nur eine Mutter und eine Frau.» sagte er einmal. Und so bleibt er in seiner vertrauten Umgebung. anders als viele ex-sowjetische Künstler ist er nicht emigriert. Heute noch wohnt er in Kiew an der Uliza entusiastov. inmitten seiner familiären Gewohnheiten: «Jeden tag das Gleiche: er steht auf und stellt den Kessel an. Bis das Wasser kocht, hat er nichts zu tun. also schreibt er die Melodie auf, die ihn umtreibt. er beginnt

zu schreiben, ist abgelenkt und der Wasserkessel läuft über. Der Kessel hat schon vieles ertragen müssen.» So berichtet seine tochter inga Nikolenko. Sie ist heute gewissermassen Silvestrovs aussenstation zur westlichen Welt, denn er selber spricht weder englisch noch Deutsch. So passt das Davoser thema «Familienzone» ausgezeichnet zu diesem Musiker. Ähnlich wie im Fall des Ungarn György Kurtág besteht neben der engen familiären Bindung auch eine musikalische Familie von interpreten, die sich seiner Werke annehmen und eng mit ihm verbunden sind. Zu ihnen gehört etwa die Cellistin anja Lechner und das Rosamunde Quartett, der Pianist alexei Lubimov – und schliesslich auch das Label eCM und sein Gründer Manfred eicher, wo seit Jahren die wichtigen Neuerscheinungen herauskommen. Silvestrov schart jedoch auch seine Werke wie eine Familie um sich. «ich spreche oft in einem breiteren Sinn von Familie, wenn ich über meine Musik diskutiere. in meinem «Bagatellen»-Zyklus verweise ich auf einen Familienbegriff, um die zyklische Form vom Konzept der Miniatur zu unterscheiden. Für mich ist eine solche Familie nicht mehr eine Miniatur, sondern teil eines grossen texts. So basiert eine Grossform nicht notwendigerweise auf einer Dialektik der entwicklung (wie in der Sinfonik), sondern kann auch von einer Familie kleiner Formen getragen werden. Diese idee ist symbolisch ausgedrückt im a-capella-Chorwerk «Maidan-2014», das auch den titel «Der Zyklus der Zyklen» trägt.» es ist jedoch bezeichnend für Silvestrovs Fühlen und Denken, dass er es nicht bei einer solchen, rein musikalischen, antwort bewenden lässt und fortfährt: «Diese monumentale Komposition von vierzig Minuten Dauer schliesst mit einem kleinen Wiegenlied, das eine Familie symbolisiert – das, was zu allen Zeiten eine triebkraft für die entstehung vieler neuer Nationen oder Staaten war, aber auch – unglücklicherweise – ein auslöser für Kriege und Revolutionen.» Und er schliesst, indem er den Kreis noch weiter zieht: «Der Bibel gemäss ist die ganze Menschheit eine grosse Familie. So ist es höchste Zeit, gewisse Schlüsse daraus zu ziehen, die Kriege und die geopolitischen Spekulationen zu beenden, wenn wir diesen zerbrechlichen Planeten – unsere gemeinsame Heimat – vor nicht mehr wiedergutzumachendem Schaden bewahren wollen.»

thomas Meyer

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artists Das französische Quatuor van Kuijk im Gespräch über entscheidende Begegnungen, Konzerthygiene und smetanas Kammermusik

«Wir suchen keine Nischen»


artists Bei ihren auftritten am Davos Festival fühlen sich die Mitglieder des Quatuor van Kuijk wie in einer «bouillon de culture». Die vier jungen Franzosen versprechen sich anregungen und zeigen zugleich ihr Können in der ganzen Breite. auf einer autofahrt durch südfrankreich, auf der Reise zwischen zwei tour-orten, hat M&t die Mitglieder des Quartetts am telefon erreicht. Priska Ketterer traf die vier zur Fotosession in Paris. Benjamin Herzog (text) & Priska Ketterer (Fotos)

Fotoshooting in Paris mit dem Quatuor van Kuijk.

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artists haben. Wir waren dort gewissermassen einquartiert, hatten mehrere Unterrichtswochen pro Jahr und einen Probesaal im Pariser Marais-viertel, wo wir intensiv arbeiten konnten. M&t: Wer war der entscheidende impulsgeber für die Gründung ihres Quartetts? Nicolas Van Kuijk (1. Geige): Das war eindeutig Günter Pichler, der Gründer und Primarius des alban Berg Quartett. ihn haben wir in Paris kennengelernt, hatten Unterricht bei ihm. Pichler sagte uns, er könne sich gut vorstellen, dass wir als Quartett Karriere machen könnten. er hat wirklich an uns geglaubt, unser Potenzial gesehen und uns ermutigt, Wettbewerbe zu spielen und uns zu professionalisieren. M&t: Gab es auch einen entscheidenden Moment, wo sie sich sagten: Jetzt stürzen wir uns ins professionelle Quartettleben? Nicolas Van Kuijk: eigentlich nicht. es hat sich alles ganz natürlich ergeben. irgendwann haben wir gemerkt, dass so ein Quartett auch gegenseitige verantwortung bedeutet. Diese verantwortung haben wir übernommen. aber wir haben uns zugleich nie untersagt, neben dem Quartett anderen Beschäftigungen als Musiker nachzugehen. M&t: spielen sie selbst noch anderswo? Nicolas Van Kuijk: Nein, ich nicht. als Primarius des Quartetts habe ich viel zu viel zu tun. aber Grégoire, unser Bratschist, spielt im orchester der Pariser oper.

in der «bouillon de culture»: Das französische Quatuor van Kuijk. M&t: Wo erreiche ich sie gerade? François Robin (Violoncello): Wir sind in Südfrankreich. in der Nähe von Rodez, auf tournee. M&t: es ist elf Uhr vormittags, sind sie gerade am Proben? François Robin: Nein, wir sind unterwegs im auto. am Nachmittag werden wir am Konzertort vor Primarschülern unsere instrumente vorstellen und zeigen, wie man damit im Quartett spielt. auch die Werke – Schumann, Mozart – die wir heute abend im Konzert spielen, zeigen wir diesen Kindern. Danach wird

geprobt und anschliessend ist dann das Konzert. M&t: sie spielen seit 2012 als Quartett zusammen. Wo haben sie sich gefunden? François Robin: ich selbst bin erst seit eineinhalb Jahren dabei. Mein vorgänger war der Bruder von Nicolas, Sébastien van Kuijk, daher auch der Name unseres Quartetts. Drei von uns haben in Lyon studiert, Sylvain, der zweite Geiger kommt aus Paris. Begonnen hat das Quartett in Lyon. eine wichtige Station aber war Paris, wo wir am Förderprogramm «ProQuartet» teilgenommen

M&t: orchester und Quartett unter einen Hut zu bringen – ich stelle mir vor, das ist nicht ganz einfach. Grégoire Vecchioni (Viola): allerdings. ich habe das Probespiel an der Pariser oper, einen Monat, bevor wir den ersten Preis beim «Wigmore Hall» QuartettWettbewerb bekamen, gewonnen. Das war im Frühling 2015. ich habe das so nicht erwartet. Das Quartettspiel ist musikalisch anregender als im orchester zu spielen. aber der Reisestress, das adrenalin – das spüre ich im orchester viel weniger. M&t: Und werden sie beides weiterhin tun? Grégoire Vecchioni: ich dachte anfangs, ich kann beides machen. aber ich werde mich in ein paar Monaten entscheiden müssen. M&t: sie sind in verschiedenen Förderprogrammen, haben wichtige Wettbewerbe gewonnen. von woher sind die stärksten impulse für ihr Quartett gekommen? Grégoire Vecchioni: von diesem «Wigmore»-Wettbewerb. Wir hatten da-


artists nach eine vielzahl von Konzertauftritten auf mehreren tourneen. M&t: Wenn ich richtig gezählt habe, so spielen sie in den Monaten Mai und Juni 33 Konzerte. Sylvain Favre-Bulle (2. Violine): Ja, dreissig Konzerte, das ist schon an der oberen Grenze. Wichtig ist, dass man die tage zwischen den Konzerten gut für die erholung nützt. Dass man eine gewisse Hygiene bewahrt.

ein unbekannteres Werk zu spielen. Gerade Smetana ist dabei sehr zugänglich für die Hörer.

M&t: Was heisst Hygiene? Sylvain Favre-Bulle: Damit meine ich eine effizienz im Proben und in der Freizeit. Die vielen ortswechsel sind eigentlich das ermüdenste. Wir fahren oft im Zug und mieten dann vor ort ein auto. Dann sind die Proben- und Konzertsäle immer ganz verschieden. Da muss man schon sehr organisiert sein.

M&t: smetana gehört nicht zum Kanon in einer Quartettausbildung. Haben sie sich das stück selbst erarbeitet? Sylvain Favre-Bulle: Wir haben es hauptsächlich selbst erarbeitet, ja. Mit dem Cellisten des Pavel Haas Quartet, den wir in London kennengelernt haben, haben wir über Smetana diskutiert. Dieses Quartett ist auf tschechische Musik ja spezialisiert. Smetana hat den grossen vorteil, dass die aufführungstradition noch relativ unbelastet ist. Das heisst, wir sind in unseren künstlerischen entscheidungen hier viel offener als bei einem Mozart oder Beethoven. Man kann sich besser mit dem Komponisten verbinden.

M&t: am Davos Festival spielen sie neben Quartetten von Maurice Ravel und Béla Bartók auch Bedrˇ ich smetanas 1. streichquartett «aus meinem leben». Hierzulande nicht unbedingt das Kernrepertoire eines streichquartetts. Was ist das für Musik? Sylvain Favre-Bulle: Smetanas Quartett ist sehr tschechisch, sehr stark, ja extrem in den emotionen. ein Meisterwerk. aber, Sie haben recht, es wird nicht allzu häufig gespielt. Wir mögen es, auch mal

M&t: smetanas Quartett steht in einem Programm, das den eigenartigen titel «Privatsphäre iii: Küchentisch» trägt. Unter anderem steht da auch ein Konzertstück von Felix Mendelssohn «für Dampfnudel und Rahmstrudel» oder Bohuslav Martinu˚s «Revue de cuisine» auf dem Programm. Sylvain Favre-Bulle: ah ja? Das DavoS FeStivaL ist wirklich eine «Bouillon de culture». Wir sind gespannt auf die Begegnungen dort.

smetana zwischen Dampfnudel und Rahmstrudel: eine «Revue de Cuisine»

M&t: Der Geiger Frank Peter Zimmermann hat kürzlich in einem interview gesagt, er habe lieber ein streichtrio gegründet als ein weiteres Quartett. Der Quartett-Markt ist in der tat sehr gesättigt. Wie wollen sie sich in Zukunft positionieren? Was wäre ihr erkennungsmerkmal? Nicolas Van Kuijk: Wir suchen keine Nischen, wollen kein Spezialensemble sein. Sondern einfach gute Musik gut spielen. Dann wird man sehen. ■

Das Quartett wurde 2012 gegründet. In der laufenden Saison und noch bis 2017 ist das Ensemble Teil des BBC New GenerationProgramms. Beim Internationalen Wigmore Hall Streichquarett-Wettbewerb gewann das Quatuor Van Kuijk 2015 den Ersten Preis. Weitere Preise erhielt das Quartett an Wettbewerben in Trondheim sowie in Aix-en-Provence. Das Quatuor Van Kuijk studierte im Programm des europäischen Kammermusik-Zentrums «ProQuartet» in Paris mit Mitgliedern des Alban Berg, des Artemis und des Hagen Quartet. Ebenso erhielt das Ensemble Unterricht an der Escuela Superior de Mùsica Reina Sofia in Madrid. Die heutigen Mitglieder des Quartetts sind Nicolas Van Kuijk und Sylvain Favre- Bulle (Violinen), Grégoire Vecchioni (Viola) und François Robin (Violoncello).

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Wie aus alMa keine Girl Group wurde und von der lust an einer lebendigen volksmusik

Transalpine Kammermusik Die experimentierfreudige Gruppe alMa – diesen sommer young artists beim Davos Festival – ist zwar in der Üsterreichischen volksmusik verwurzelt, negiert aber alle staats- oder Genregrenzen. thomas trenkler


bilder: Daliah Spiegel

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aLMa lässt sich nicht fassen. Man könnte vielleicht sagen: aLMa macht Kammermusik mit volksweisen, ohne auf Staats- oder Genregrenzen zu achten. Die intention, wenn man so will, zeigt sich schon am Namen. verbürgt ist, dass die Gruppe immer «con aLMa y vida», mit Leib und Seele, musiziert. aber «aLMa» ist auch ein anderes Wort für «Jodeln»: im oberösterreichischen innviertel «almert» man. Und aus oberösterreich, genau genommen aus Bad Hall, kommt Julia Lacherstorfer, die Gründerin der Band. inspiriert durch die Kremsmünsterer Bock- und Leiermusik der eltern und das akkordeongequetsche des Grossvaters, bildete sich Julia Lacherstorfer mit sechs Jahren ein, Geige lernen zu wollen. «Mit dem Üben hatte ich es damals noch

nicht so, dafür hörte ich mir umso lieber Unmengen an CDs mit Jodlern, Wienerliedern, Gstanzln und estnischer Dudelsackmusik an», erinnert sich Julia Lacherstorfer. Mit der Zeit verspürte sie «einen unheimlichen Drang, diese Höreinflüsse in eine musikalische tat umzusetzen». Das erste Projekt nannte sich «Lacherstorfer Soatnkråtzer», es sei allerdings wirklich noch «ein Gekratze» gewesen. 2003 kam das energiebündel mit den blondierten Haaren nach Wien, um Musikerziehung und Psychologie zu studieren. Und nun liessen sich die visionen realisieren: Mit anderen Musikern gründete Julia Lacherstorfer 2005 die Gruppe «aufstrich», die «urbane volksmusik» machte, also zum Beispiel Ländler und Polkas mit Schlagern und einflüssen vom Balkan ergänzte.

Die Gruppe zerbrach 2011, und Julia Lacherstorfer rief eine neue ins Leben. eben aLMa. «Mir war klar: Die Leute sollten eine fundierte ausbildung in der klassischen Musik oder im Jazz haben, aber die Wurzeln in der volksmusik. Damit man auf dieser Basis experimentieren kann.» Der Geigerin ging es darum, einen «neuen Sound» zu finden: «Nicht, um zu verstören. Sondern um Spieltechniken und entwicklungen aus anderen Genres in die volksmusik zu bringen. Weil ich glaube, dass man sie weiterentwickeln muss – wie alle anderen Kunstsparten auch.» ihr ensemble stellte Julia nicht nach instrumenten zusammen (es fehlt also zum Beispiel die Bratsche), sondern nach Sympathie: «Wenn man ein solches Projekt realisieren will, muss man sich untereinander mögen.» also fragte sie evelyn Mair. Kennengelernt hatten sich die beiden 2008 beim Xong-Festival im vinschgau. «ich lernte Geige, spielte daneben acht Jahre Querflöte bei der Blaskapelle», erzählt die Südtirolerin. «ich war also in klassischen ensembles tätig – und gleichzeitig in der Blaskapelle. Diese zwei Welten kennenzulernen: Das hat mich geprägt. 2009 ging ich nach Wien, um Geige zu studieren.» auch die akkordeon-Spielerin Marietheres Stickler sei von anfang an festgestanden. Die Niederösterreicherin aus Puchberg am Schneeberg absolvierte ihr Studium der volksmusikinstrumente am Mozarteum in Salzburg und ist Mitglied der weiterhin aktiven Gruppe «Die tanzgeiger». als vierte Frau kam die Schwester von Julia Lacherstorfer, Marlene, hinzu: «am anfang war noch nicht klar, ob sie Zeit hat. Denn sie spielte bei velojet, einer Band aus dem indie-Rock-Bereich.» Marlene Lacherstorfer studierte e-Bass in Wien, bei aLMa streicht und zupft sie den Kontrabass. eigentlich sollte bei aLMa noch eine Geigerin mitwirken. aber dann entschied sich Julia Lacherstorfer für Matteo Haitzmann: «ich dachte mir, es ist gescheiter, keine Girl Group sein zu wollen. aLMa wäre ein Stempel aufgedrückt worden, um den es nicht geht. es ist uns egal, wer welches Geschlecht hat – oder wer sich in welchem Körper wie fühlt. Wir sind für jede feministische Bewegung dankbar, aber ich würde nicht wollen, dass man uns engagiert, nur weil wir eine Frauenband sind.» auf Matteo Haitzmann stiess Julia Lacherstorfer bei der Musikantenwerkstatt «Glatt & verkehrt», später studierten sie gemeinsam an der anton Bruckner Privatuniversität in Linz Jazz und improvisierte Musik. er stammt aus dem Pinzgau (Salzburg), seinen ersten Musikunterricht erhielt er auf einer blauen Plastikgeige.

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«volksmusik muss man weiter entwickeln – wie alle anderen Kunstsparten auch.»


artists im Frühsommer 2013 erschien aLMas Debütalbum «Nativa», es folgten viele Konzerte und so manche Reise, etwa nach Peru und Bulgarien, nach Deutschland und Schweden. Das hat

nen. Und dann kommen «die traditionellen Sachen dazu», also zum Beispiel der admonter echojodler, der Zillertaler Walzer, der almschroa und der Wurzhorner.

«Wir sind progressiv – und trotzdem in der Volksmusik verwurzelt» den Horizont erweitert und zum zweiten album «transalpin» (2015) geführt: Die musikalischen einflüsse reichen von Marokko bis Finnland. auf zwei Nummern spielt die schräge, 2004 gegründete Blasmusikgruppe «Federspiel» mit. Julia Lacherstorfer lernte die Band beim schon erwähnten Xong-Festival kennen – und ihren trompeter Simon Zöchbauer lieben: «Wir wurden ein Paar. Daraus hat sich unser Duo «Ramsch & Rosen» entwickelt.» Wenn die beiden zusammen musizieren, geht die Post ab. Denn sie setzen auch Schellen und die Shruti Box – ein indisches Bordun-instrument – ein. Das Konzept aber ist nicht unähnlich zu aLMa. auf der Homepage des Duos ist zu lesen: «Zwischen alten Bildern, Handschriften und Zeilen stöbern Ramsch & Rosen nach alten Melodien. ist die Staubschicht erstmal behutsam beiseite gewischt, entpuppt sich das zum vorschein Kommende oftmals als richtiger Herzensschatz, bei dem selbst ein Hauch von Kitsch nicht aufdringlich wirkt: Zu Gstanzln und Liedern von der alm tänzelt die Geige – mal seufzend, mal jauchzend – auf der so vielsaitigen Zither umher, die Stimmen überschlagen sich zum Dudler, bis ihnen schliesslich ein Juchzer entfährt, der die Herzen des Publikums höher schlagen lässt.» Mitte Mai dieses Jahres bestritten aLMa und Federspiel die eröffnung der Wiener Festwochen. Man spielte auch gemeinsam ein paar Nummern bei Festivals wie «Glatt & verkehrt» in Krems an der Donau oder «alpentöne» in Uri. ein Programm ist aber nicht angedacht, sagt Julia Lacherstorfer: «Jede Gruppe hat ihren eigenen künstlerischen Weg, ihr eigenes Potenzial.» aLMa macht eben Kammermusik – und erinnert ein wenig an das legendäre Penguin Cafe orchestra, das in den 1970ern und 1980ern mit «imaginierter Folklore» begeisterte. Bei manchen beinahe jazzigen Stücken denkt man auch an das Kronos Quartet. ausgangspunkt für die alben – das dritte wird 2017 erscheinen – sind die eigenkompositio-

«Wir identifizieren uns mit der volksmusik. Wir wollen auch nicht mit traditionen brechen», beteuert Julia Lacherstorfer. Und Matteo Haitzmann ergänzt: «Wir nehmen ja nur Stücke, die uns taugen (= gefallen). Daher müssen wir auch nichts verändern. Wir arrangieren die Lieder nur neu.»

Dennoch wird der Gruppe mitunter vorgeworfen, die volksmusik zu verraten. «Wir schauen nur anders aus», stellt Matteo Haitzmann fest. «Wir tragen eben kein Dirndl und keine Lederhose.» Das zeigt sich auch im sehr speziellen artwork und den Bandfotos. «Für uns ist das kein Widerspruch», sagt Julia Lacherstorfer. «Wir sind progressiv – und trotzdem in der volksmusik verwurzelt.» Das hört man auch – etwa an der Klangfarbe der diatonischen Harmonika von Marie-theres Stickler. oder an den Jodlern. aLMa setzt die Stimme als instrument ein, richtige «Songs» gibt es fast nicht (wunderschöne ausnahmen sind «Der Mond ist aufgegangen» und «Mai Maadele, mai tschuurale»). Denn: «Wenn wir auf Deutsch singen, könnte das sehr leicht nach Schlager klingen.» Wer aLMa – heuer young artists beim DavoS FeStivaL – einmal erlebt hat, weiss: Diese Gefahr besteht unter Garantie nicht. ■

«Wir identifizieren uns mit der volksmusik, wir wollen nicht mit traditionen brechen.»

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thema «Wenn man in der schweiz einen professionellen Chor haben möchte, muss man ihn selber gründen – und finanzieren.»

Der Chorleiter andreas Felber bringt das Davos Festival zum singen

Singen mit Profis und Laien vom professionellen Kammerchor bis zum offenen singen mit laien – die Chormusik ist zu einer tragenden säule des Davos Festival geworden. stephan thomas (text) & Priska Ketterer (Fotos)


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andreas Felber gehört als Musiker zu einer äusserst raren Spezies, zumindest in der Schweiz: er setzt fast ausschliesslich auf Chorleitung, und hier schwerpunktmässig auf die arbeit mit professionellen oder halbprofessionellen ensembles. Diese Laufbahn kam nicht von ungefähr: als Jugendlicher war Felber Mitglied der Luzerner Sängerknaben. Das lässt uns daran denken, dass viele grosse Karrieren in Knabenkantoreien ihren anfang genommen haben, etwa jene von Peter Schreier, Karl Richter oder Christoph von Dohnányi. auch von andreas Felbers früheren Luzerner Chorkollegen hat eine ganze Reihe den Musikerberuf ergriffen. Zwei oder drei singen heute an deutschen opernhäusern, der tenor Mauro Peter reitet gar auf einer internationalen erfolgswelle.

Für Felber stand zunächst ebenfalls der Sologesang im vordergrund. «es war immer mein Wunsch, Sänger zu sein. Während des Studiums haben sich dann aber die aktivitäten in Richtung Dirigieren verschoben. Zu Beginn meiner Berufstätigkeit waren beide Bereiche noch gleich gewichtet. Heute bestimmt das Dirigieren über neunzig Prozent meiner aktivitäten.» Dabei steht die Chorleitung klar im vordergrund. Hin und wieder dirigiert Felber zwar ein orchesterkonzert oder leitet ein Musiktheater – so war er 2010 und 2012 musikalischer Leiter der Walensee-Bühne – doch der Chor bleibt sein Kerngeschäft. an einem bestimmten Punkt hat er den mutigen entscheid gefällt, keine Chöre mit regelmässigen Proben mehr zu leiten, sondern weitestgehend auf Projektbasis zu arbeiten. ein

Sonderfall ist das Luzerner ensemble «molto cantabile», das jeden Sonntag probt. «Dort habe ich allerdings einen zweiten Dirigenten, der schon seit Jahren mit mir zusammenarbeitet. er weiss ganz genau, was ich möchte, arbeitet in die gleiche Richtung, und so kann ich sehr gut an ihn übergeben. Das gibt mir die nötigen Kapazitäten für Gastdirigate.» Die Konzentration auf Chorleitung im professionellen Bereich ist in der Schweiz keine einfache Sache. Wohl gibt es im Chorwesen eine sehr breite und gut organisierte Basis. an der Spitze ist die Luft jedoch dünn, besonders wenn man es mit den hier führenden nordischen und baltischen Ländern vergleicht. «in der Schweiz geht die Förderung in allen Bereichen – nicht nur bei der Chormusik – in die Breite. Dadurch haben viele Chöre eine Chance. Für professionelle ensembles ist es hingegen extrem schwierig. Wir haben in der Schweiz kaum Berufschöre, wo die Mitglieder wirklich vom Singen leben können, die opernchöre einmal ausgenommen. Meines erachtens wäre so etwas sehr wichtig. Die Rundfunkchöre in Deutschland beispielsweise bieten ein hervorragendes Forum für die jungen Chorschaffenden. Bei uns jedoch muss jeder für sich schauen. Wenn man in der Schweiz einen professionellen Chor haben möchte, muss man ihn selber gründen – und finanzieren.» Reto Bieri, der DavoS FeStivaL intendant, hörte vorzeiten in Luzern ein von andreas Felber geleitetes Chorkonzert. Der gute eindruck blieb, und wenige Jahre später fragte er Felber an, ob er den Chorbereich am DavoS FeStivaL aufbauen möchte. Dieser ruht heute auf zwei Säulen: Die eine ist der DavoS FeStivaL Kammerchor, ein professionelles ensemble von zwölf Sängerinnen und Sängern, die andere die arbeit mit singfreudigen Laien. Hier steht ein offenes Singen im vordergrund, das fest zum Programm des Festivals gehört und eine eigentliche erfolgsgeschichte geworden ist. Bewährt hat sich auch die idee, diese beiden Bereiche in Form einer Singwoche im Februar, ausserhalb der Festivalzeit, zusammenzuführen. Hier versieht der Kammerchor die Funktion eines anschiebers und Motivators. am ende steht ein Konzert, das zu teilen vom Kammerchor und dem Gesamtchor bestritten wird. auch beim offenen Singen ist der Kammerchor mit von der Partie, dazu nicht wenige Musiker, die am Festival auftreten. «Das kommt beim Publikum sehr gut an. Dadurch, dass Profis und Laien gemeinsam singen, entsteht ein austausch. auch hilft es den Laien, die sich zunächst nicht zu singen trauen,

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thema dass jemand daneben steht, der mitzieht. es ist überhaupt erstaunlich zu sehen, wie viele Leute sich das Singen nicht zutrauen. ich sage dann immer, komm trotzdem, es geht um nichts, es gibt auch kein Konzert. es geht einzig darum, dass wir gemeinsam singen. So machen dann manche mit, die zunächst nicht wollten. Nachher sagen sie, es sei grossartig gewesen. Darum geht es. viele besuchen dann auch die Festivalkonzerte, weil sie am offenen Singen einen Bezug zu den mitsingenden Musikern geschaffen haben. So entsteht eine eigentliche Community.» Dieses Jahr bietet der Kammerchor wieder ein dichtgepacktes und äusserst vielseitiges Programm. So wirkt er bei der oper «Die Schweizer Familie» von Joseph Weigl mit; dieses Werk war zu sei-

ner entstehungszeit im frühen 19. Jahrhundert ein Kassenschlager, geriet aber nachher fast gänzlich in vergessenheit. ein weiterer Schwerpunkt sind Werke von valentin Silvestrov, der in Davos als Composer in Residence anwesend sein wird. Daneben bietet der Kammerchor so Gegensätzliches wie die Bachkantate «Weinen, Zagen» und ausschnitte aus Dieter Schnebels «Maulwerke». all dies ist nicht frei von Herausforderungen, wie andreas Felber mit Blick auf die Chorwerke von Silvestrov sagt: «Russische Kirchenmusik rechnet immer mit sehr tiefen Bässen und ist zudem meistens sehr vielstimmig. original sind bei Silvestrov oft sechzehn, manchmal sogar zwanzig Stimmen vorgesehen, und die Bässe müssen bis ins Kontra-a singen. Das ist in unseren Breitengra-

«es ist erstaunlich zu sehen, wieviele leute sich das singen nicht zutrauen.»

den schwierig. Mit kleinen abstrichen können wir das dennoch machen. Und bei Schnebel gibt es in der Partitur nicht weniger als 52 Seiten anleitung, wie man die Sache überhaupt singen muss.» Sympathisch auch, dass man keine Berührungsängste hat, wenn es darum geht, ungewohnte Konzertorte zu erschliessen. in der vergangenheit wurde schon auf der Skipiste, in der Bahnhofshalle oder im Warenhaus gesungen. Diesen Sommer wird der Kammerchor eine Wanderung musikalisch begleiten – mit Liedern aus der Romantik, die teilweise schon von ihren Komponisten zum «Singen im Freien» bestimmt wurden. ■ Die kommende Davos Festival singwoche findet vom 19.–25. Februar 2017 statt.


thema Fünf Fragen an Davos Festival intendant Reto Bieri zum Festivalthema 2016 «Familienzone»

Wie familiär ist das Davos Festival? ich würde sagen: ganz und gar! Das alljährliche Stelldichein anfangs august hat Familienfestcharakter. Unser Festival ist so etwas wie Weihnachten, ostern, erstkommunion, Geburt, Beerdigung und Geburtstag in zwei Wochen. es gibt da vaterfiguren, starke Mütter, immer eine Schar junger Menschen und natürlich eine grosse Festival-verwandtschaft. Die Freuden und die enttäuschungen gehören ebenso dazu wie ausgelassenheit, anstand und Gemütlichkeit. Man isst und nächtigt hier in Davos als generationsübergreifende Festivalgemeinschaft zusammen und sieht sich mit vielen erwartungshaltungen und abhängigkeiten konfrontiert, so wie in einer richtigen Familie. Musikalische Familien hat es viele gegeben in der Musikgeschichte, von Bach bis Mendelssohn, und so weiter. Bedeutet die Familie eine besonders musikfreundliche struktur? Familie heisst für uns alle immer Ursprung, ausgangspunkt, erste Heimat, erstes Zuhause. Man kann durchaus sagen: die Familie bildet so etwas wie den Grundton, den Grundakkord, die tonika unseres Lebens. auf diese tonika beziehen wir uns dann immer wieder. ob wir wollen oder nicht. ob wir Meier, Müller, Bach oder Mendelssohn heissen. Wenn der Musiktheoretiker Gustav Güldenstein in seiner Modulationslehre beispielsweise schreibt, dass verwandtschaft teilhaben an gemeinsamer Substanz sei, dann bezieht er sich voll und ganz auf das innermusikalische Geschehen, spricht damit aber auch eine ganz archaische angelegenheit in uns an. in der tat ist der Begriff der «verwandtschaft» ein für die tonalität wesentliches Kriterium, denn er bedeutet das in Beziehung setzen von

«Familienzonen» sind oft «spielzonen», vom eisenbahnwaggon bis zum Picknickplatz. Wie sieht das beim diesjährigen Davos Festival aus? Bei allen Programmen geht es um Zonen, wo Familie als solche stattfindet. Zum einen gibt es adressen wie die «Nussdorfer Strasse 54». Da steht in Wien noch heute das Geburtshaus von Schubert. von dort aus hat sich der ganze Schubertsche Kosmos entfaltet. auf diesen ersten Lebensabschnitt bezieht sich Schubert in seinen Musiken immer wieder. Wir besuchen die «Wohnung 49», den Korpus 1 mitten in Kiew, wo unser Gastkomponist valentin Silvestrov seit mehr als 40 Jahren zu Hause ist. an solchen Familienadressen finden ungeheure Privatheiten statt. Das interessiert mich. Zum anderen beleuchten wir unsere ureigenen Privatsphären: das Kinderzimmer und das Spielzimmer, die Küche und die Stube. Da wird diskutiert, erzählt, berichtet, getratscht und gesungen. Wussten Sie, dass Mendelssohn am Küchentisch schneller komponieren konnte als sein Freund Bärmann zur gleichen Zeit Dampfnudeln zubereiten? Und selbstverständlich unternehmen wir auch klassische Familienausflüge: die Landpartie mit Brunch am See. oder die traditionelle Festival-Wanderung. Da greift die SBB-Kampagne im eisenbahnwaggon voll und ganz: «Unterwegs zuhause»! Die Familie kann auch eine zugespitzte Konfliktzone sein. Fliesst diese seite ebenfalls in ihr Festivalprogramm ein? es gibt Programmtitel, die mit der erwartungshaltung an die Familie spielen und ganz bewusst mehrdeutig angelegt sind: «Harmonielehre» zum Beispiel, «Heute leider Sonntag», «elternabend» oder «Ödipussi». alleine hinter diesen titeln stecken tausend Geschichten. Da-

«Familie heisst für uns alle immer Ursprung» akkorden, tonleitern oder tonarten zueinander. im durmolltonalen Bezugsfeld werden alle vorkommenden Klänge und Klangverbindungen immer auf ein Zentrum bezogen. Dieses Zentrum bezeichne ich gerne als eine art «Familienzone». von da aus wird gewirkt und geflüchtet, dahin zieht es uns immer wieder.

mit stechen wir mitten ins Bienennest der familiären Befindlichkeiten. Wir alle wissen davon zu berichten. Karl Kraus hat schon recht, wenn er sagt, dass das Familienleben ein erheblicher eingriff ins Privatleben sei. Wir lassen uns von den irdischen Konflikten im ehetagebuch der Schumanns oder von den lebendigen

bild: Priska Ketterer

«…wie in einer richtigen Familie»

Reto Bieri: «von da aus wird gewirkt und geflüchtet, dahin zieht es uns immer wieder.» Geschichten des noch lebenden Urenkels von Felix und Fanny Mendelssohn leiten. Das Programm mit den Mendelssohns trägt übrigens den titel «Familienkonferenz» und bezieht sich auf einen Bestseller aus den 80er-Jahren, in dem der amerikanische Psychologe thomas Gordon eine fantastische Methode zur Lösung von Konflikten zwischen Familienmitgliedern vorstellt. Zur erfolgsgeschichte dieser äusserst wertvollen Methode (ich kenne sie aus eigener erfahrung) trug übrigens ein Bündner Psychologe bei: John Rimml. Kammermusikalische Besetzungen spiegeln sozusagen familiäre Konstellationen. auch ein Gedanke ihrer Festivalprogramme? Wir haben drei ganz fantastische Streichquartette zu Gast, die seit Langem eine «ehe zu viert» führen und sicher nicht nur musikalisch darüber berichten werden. Unter unseren Young artists gibt es selbstverständlich Geschwisterpaare: esther und Lea Birringer aus Deutschland, Julia und Marlene Lacherstorfer aus Österreich, Joëlle und Magalie Martinez aus Frankreich. Die instrumentenfamilie der Holzbläser tritt in diesem Jahr mehrfach als oktett auf und die Streicherfamilie musiziert sich mit Mendelssohn und tschaikowsky durch grandiose Meisterwerke. Das wichtigste ist stets, dass die Programme musikalischen Sinn ergeben und inhaltlich ganz fundamental mit dem jeweiligen thema verknüpft sind. Wenn Beethoven beispielsweise mit der terz-verwandtschaft im Programm «Muttersprache» spielt und dabei in op. 59/1 auch noch ein russisches Mutterlied zitiert, kommen wir da nicht vollends in die Familienzone? ■ Fragen: andrea Meuli

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artists schwesterliches KünstlerMotto: «aufsaugen, was einen bereichert.»

lea und esther Birringer, ein Geschwister-Duo zwischen einigkeit und Reibungspunkten

«Kennenlernen und ausprobieren» Die schwestern lea und esther Birringer gastieren beim Davos Festival und erzählen von gemeinsamer Kindheit, der arbeit als Duo und ihrem status als Generationen-Botschafter. Christoph vratz


bilder: Felix broede

artists austrahlung? aura? «Ja, so etwas gibt es, vor allem auf der Bühne», gesteht esther Birringer. «Sie vermittelt sich meist, sobald jemand das Podium betritt, noch bevor der erste ton erklungen ist.» Was aber zeichnet diese aura aus? «Schwer zu sagen. Das ist wie eine Sprechblase, die jemand unsichtbar vor sich her trägt.» eine art imaginäres ausrufezeichen. Natürlich ist es auch eines von esthers Zielen, selbst die Konzertbesucher mit einer solchen austrahlung zu fesseln. aura ist keine Frage des alters, sondern der Persönlichkeit. esther, die Pianistin, ist drei Jahre älter als Schwester Lea, die Geigerin. Beide stammen aus einem saarländischen Lehrerhaushalt, einer eigentlich musikfreien Zone, bis sich der vater, ganz Pädagoge, eines tages auf die Suche machte, wie man einem dreijährigen Kind das Klavierspiel beibringen könne. «er markierte die tasten farbig, und auch die Noten trugen die entsprechenden Farben. Wichtig war unserem vater die Regelmässigkeit des Übens, selbst wenn es nur ein paar Minuten am tag waren.» auch Lea sollte ans Klavier herangeführt werden. Die Faszination für die Musik hatte sie schnell von der älteren Schwester übernommen. Doch esthers inzwischen neu engagierter Lehrer meinte, es sei «allein übetechnisch nicht so gut, wenn sich beide Schwestern dem Klavier widmen» – und er verwies auf seine Frau, eine Geigenlehrerin, spezia-

«Wir verstehen uns auch als Botschafter unserer Generation.»

lisiert auf Kinder. «in ihrem Zimmer lagen viele Geigenkoffer unter der Couch, und etliche instrumente hingen an der Wand. Das ist mir als Bild genau in erinnerung geblieben», erzählt Lea, und so erhielt sie ihre erste 32stel Geige. «Das war die attraktion schlechthin, in der ganzen Familie und für mich.» von diesem frühen Zeitpunkt an haben Lea und

phase für einen künftigen Beruf die Wahl auf ein Musikstudium fiel. «als im Jugendalter unsere ersten internationalen Wettbewerbe hinzukamen, zeichnete sich der weitere Weg ab.» Stundenlang haben sie täglich geübt, aus Neigung und Berufung, ohne von aussenstehenden getriezt zu werden. «alles entwickelte sich wie ein Schneeballeffekt.»

«Es muss Diskussionen geben, sonst entsteht Langeweile» esther auch zusammengespielt, Lea zaghaft über die leeren Saiten streichend, und esther am Klavier, mit ausgewählten akkorden begleitend – kindliche experimente, aus purer Lust an klanglichen entdeckungen. Wenn Lea und esther von ihren anfängen erzählen, sprudeln sie vor Begeisterung, sie werfen sich verbal die Bälle nur so zu und man spürt, welche Faszination die Musik schon früh auf sie ausgeübt hat. Kein Wunder also, dass, nach erfolgen beim Wettbewerb «Jugend musiziert», in der entscheidungs-

Zwei Beamtentöchter, die es auf die freie Wildbahn des Künstlertums hinaustrieb – innerhäusliche auseinandersetzungen gab es darüber nicht. esther ging nach Hannover, studierte unter anderem beim grossen KarlHeinz Kämmerling und, nach einem intermezzo in Berlin, bei arie vardi; Lea zog es nach Salzburg, ans Mozerteum. «aufsaugen, was einen bereichert», sagt esther. Das könnte als Lebensmotto für beide gelten. «Daher ergänzen wir uns auch so gut. Weil wir als Duo ständig im Dialog sind.» Reine Überzeugungsarbeit

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artists allein hilft nicht. «Wir müssen uns schon mit dem, was wir als Lösungen anstreben, beide wohl und heimisch fühlen», gesteht esther. «Natürlich funkioniert es leichter, weil wir Geschwister sind.» Das aber, ergänzt Lea, werde beispielsweise bei den Konzerten wie in Davos ganz anders sein: verschiedene Besetzungen von Solo bis Septett, neue Musiker als Partner: «Da wird das gemeinschaftliche Kennenlernen als Gruppe und das erarbeiten neuer Stücke äusserst spannend.» anderer arbeitsprozess, andere anforderungen, andere Möglicheiten des Musizierens. «aufregend», auf diesen Begriff einigen sich die beiden Schwestern schliesslich. ihre erste CD zeigt, wie leicht es dem Birringer-Duo fällt, sich auf Neues einzulassen: Szymanowski, Hindemith, Respighi – kein alltagsprogramm. Wie gut sie harmonieren, beweisen schon die ersten takte der Szymanowski-Sonate. «Patetico»: Satte akkorde zu Beginn, dann ein entschlossener Geigenlauf und anschliessend ein gemeinschaftliches Crescendo. Schliesslich ein abebben und ein neuer anlauf, bis sich irgendwann ein zweites, sehr lyrisches thema durchsetzt. esther und Lea durchschreiten diesen Beginn mit grosser Mühelosigkeit, kraftvoll und selbstbewusst, empfindsam und klangsensibel. entsprechend rundet sich diese aufnahme, die mit der Passacaglia aus Respighis Sonate von 1917 schliesst: knurrend punktierte Rhythmen, die ihre Herkunft im Barock nicht verleugenen und nahtlos die Wirren des ersten Weltkriegs einfangen. Dieser Spagat gelingt den Birringers eindrucksvoll. ihre aufnahme verrät Mut, entschlossenheit und Stilsicherheit, sie vereint kalte Nachtbläue und flimmernde Sonnenglut. Bei so viel Gemeinsamkeit stellt sich die Frage nach den Unterschieden. «Ja, wir sind schon verschieden. Das fängt schon beim Betreten der Bühne an. Während die eine von uns eher schreitet, stürmt und zieht die andere mehr.» Lässt die art des auftretens auch auf ihre art des Probens hinter verschlossenen türen schliessen? – Zögern, Schweigen, zum ersten Mal in diesem Gespräch. «es muss Diskussionen geben, Reibungspunkte, sonst entsteht Langeweile», meint esther schliesslich. Dabei kommen beiden ihre erfahrungen als Solisten zuhilfe. «als Solist muss man sich ständig kritisch hinterfragen. allein und für sich. im Duo aber spricht man nicht zu sich selber, sondern zu einem Partner.» Junge Musiker stehen oft vor einer Gewissensfrage: Spiele ich die grossen Werke der Literatur schon in frühen Jahren, oder lasse ich mir – aus Respekt

vor dem Komponisten, vor dem Werk – bewusst noch Jahre Zeit? Lea: «Natürlich spielt man das Beethovenkonzert als junger Mensch anders als in späteren Jahren. aber soll man es deswegen nicht spielen?» – esther: «Wir waren, jeder für sich, ebenso wie zusammen als Duo, von anfang an so eingestellt, dass wir ein breites Repertoire erkunden möchten. Möglichst alles einmal kennenlernen und ausprobieren.» Kein Schmalspurdenken, kein zu frühes Spezialisieren. Dass esther «für Debussy sterben könnte» und 2007 den Würzburger BachWettbewerb gewonnen hat, ist kein Widerspruch und zeigt ihre Bandbreite. «aber genauso gern spiele ich Lera auerbach.» Manchmal sei es auch phasenabhängig, schränkt Lea ein. «Manchmal fasziniert mich die architektonik Bach-

scher Fugen mehr, dann schwärme ich wieder für eines der grossen romantischen Konzerte.» Weil diese Phasen nur schwer Jahre im voraus vorherzusagen sind, beäugen sie den üblichen Konzertund veranstaltungs-Modus durchaus kritisch. Die Birringer-Schwestern sind neuen Konzertformen gegenüber, fernab des Ritualisierten, durchaus offen. Daher ist es für sie selbstverständlich, dass sie auch bei Projekten wie «Rhapsody in school» mitwirken, bei dem Musiker in Schulen gehen und dort ihre Musikbegeisterung junge Menschen spüren lassen. «Wir verstehen uns in gewisser Hinsicht auch als Botschafter unserer Generation.» Dieser Satz hat nichts Überhebliches, nichts apodiktisches. Diese Natürlichkeit ist vielmehr Kennzeichen ihrer eigenen, ganz persönlichen aura. ■


artists

anton spronk: «schon als Junge brauchst du Disziplin.»

Der holländisch-schweizerische Cellist anton spronk: ein abgeklärter Youngster

«Da muss ich erst überlegen» Der Holländer anton spronk ist ein neues talent am Cello. sein Klang schmeckt weder nach kühlem Wunderkind noch nach schweissgetränkter Betroffenheit. er überzeugt auf anhieb mit einem ausbalancierten ton. tom Hellat (text) & Priska Ketterer (Fotos)

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artists Wenn man den jungen Holländer anton Spronk interviewt, dann kann er schon mal sagen «Da muss ich erst überlegen». Der Junge ist also nett. Und wenn man ihn auf seine Begabung anspricht, hält er den Ball erstmal flach: «Früher als Kind habe ich für die Grosseltern gespielt und gemerkt: ich erreiche die Leute. Das Publikum wird nun einfach immer grösser.» Bescheiden ist er also auch noch. Dabei gäbe seine Karriere im Moment anlass, so richtig abzuheben. Seitdem er den Förderpreis des MigrosKulturprozents gewonnen oder beim Nationalen Wettbewerb der Cello Biennale in amsterdam für Furore gesorgt hat, füllen viele Solokonzerte und tourneen seine agenda, die ihn vom Concertgebouw über das DavoS FeStivaL bis in die tonhalle Zürich führen. obwohl ein Perfektionist («Jedes Konzert ist eine Generalprobe für das nächste, das besser werden muss als das vorherige»), ist der Schüler des Zürcher Hochschullehrers thomas Grossenbacher doch kein zielfixierter Musterknabe, auch kein scheuklappenbewehrter Spezialistenvirtuose, sondern ein ziemlich gereifter Youngster, der gerne von «Balance» spricht und statt dogmatischer vorgaben im eigenen, unverwechselbaren Celloton seine Musik kundtut. aufgewachsen in einer musikalischen Familie, bleibt anton Spronk von anfang an scheinbar keine Wahl, er ist quasi von Klassik umzingelt – war doch sein vater ein anerkannter Cellolehrer und Musik im Hause Spronk ein ständiger Begleiter. «es dürfte naheliegend gewesen sein, dass ich mit Cello anfangen würde», lacht Spronk. So naheliegend, dass der junge anton schon bald bedeutend ältere Semester unterrichtet – als Haushilfe für seinen vater. Nicht von oben herab, sondern von unten herauf: «etwas seltsam war das schon. aber mit der nötigen Professionalität ging’s». Da ist sie wieder: Die Spronksche Bescheidenheit. Das Cello wurde also sein Lieblingsspielzeug. auch gegenüber anderen verlockungen. «Wenn du bereits als Zwölfjähriger einen traum hast, musst du entscheiden, ob du üben gehst oder Fussball spielst. Schon als Junge brauchst du Disziplin.» trotz seiner ausserordentlichen Begabung ging Spronk nicht an ein spezialisiertes Musikgymnasium. er besucht eine gewöhnliche öffentliche Schule. «es ist gefährlich, wenn man nur in einem elfenbeinturm agiert. ich möchte abseits der Musik ein ganz normales Leben führen.» Gleichwohl getraut er sich lange nicht, seine Freunde zu seinen Konzerten einzuladen. «ich dachte, sie würden sich für anderes interessieren», redet er sich


artists sein. Bis er sie einmal zu einem seiner Cellokonzerte einlädt und alle restlos begeistert sind. So ist Spronk davon überzeugt, dass Klassik auch heute «noch aktuell ist, junge Leute müssten nur an sie herangeführt werden.» Nicht die Rettung der Klassik steht an. Das schaffe sie dank ihrer emotionalen Kraft wahrscheinlich selbst. Nein, die veränderten Lebenswelten junger Klassikhörer sollten endlich Beachtung finden. So fortschrittlich seine Musiküberzeugungen sind, so kontinuierlich hat der heute 22-Jährige sich sein Repertoire erarbeitet und die Konzerttätigkeit nach und nach ausgebaut, ohne beim terminplan zu überziehen – alles mit Bedacht, alles sehr vernünftig. ihm hätte thomas Grossenbacher allemal einen gelben Ferrari ausleihen können, ohne angst haben zu müssen, dass das auto gegen den nächsten Baum gesetzt wird. Mit vernunft allein wird man allerdings noch kein grosser Musiker. Wenn anton Spronk am Cello sitzt, agiert er mit einer entwaffnenden Souveränität. technisch beherrscht er längst alle tricks und Finessen und kurvt ganz unangestrengt durch das schwierigste Repertoire. er bewegt sich in der Barockmusik so geschmackssicher wie in der französischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts. Spronk ist nicht der typ, der sich jugendlich glühenden eskapaden hingibt, der Brahms’ Doppelkonzert heute so und morgen so gibt. eine interpretatorische idealvorstellung habe er von dem jeweiligen Stück, eine idee, der er nachstrebe, freilich mit immer neuen erkenntnissen und variationen. Das hört man zu jedem Moment seiner Musik an. Sein Klang ist transparent und klar. Klar gefasst, der musikalische Gedanke, eingepackt in eine lyrische, feinfühlige innerlichkeit. «Mir ist eine gute Balance wichtig. es gibt Leute, die sehr technisch und kontrolliert spielen, die die schwierigen Stellen auf den Punkt spielen. Dann gibt es solche, die zu sehr aufgehen in der Musik und dadurch den Überblick verlieren. Das sind die beiden extreme. aber ich versuche, dazwischen eine Balance zu finden.» es ist diese Nüchternheit, die Spronks ton gross macht. Man muss geradezu verblüfft sein, wie unbekümmert und reif einem der junge Holländer mit Schweizer Pass entgegentritt. Keine allüren, kein Grössenwahn, allenfalls eine unterschwellig freudige aufgeregtheit darüber, was ihm da in einigen Jahren auf den grossen Konzertpodien widerfahren wird. Dass es gut kommt, ist so sicher, dass es «gar nichts zu überlegen gibt». ■

«als Kind habe ich für die Grosseltern gespielt und gemerkt: ich erreiche die leute. Das Publikum wird nun einfach immer grösser.»

«Ich möchte abseits der Musik ein ganz normales Leben führen»

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service

FAMILIENZONE

6. BIS 20. AUGUST 2016

Samstag, 6. August

FAMILIENZONEN I DER ERÖFFNUNGSABEND

20.30 Uhr, Hotel Schweizerhof thierry de mey (*1956) table Music für drei Percussionisten Beder | Cáceres | Dupree Valentin silVestroV (*1937) «8.vi.1810… zum Geburtstag von R. schumann» (2004) für 2 violoncelli (quasi «vc-solo») Myöhänen | spronk clara schumann (1819–1896) aus den ehetagebücher 1840–1844 «sey geküßt für Deinen letzten Bericht…» lehr dieter schnebel (*1930) aus Maulwerke für artikulationsorgane und Reproduktionsgeräte (1968–1974) Davos Festival Kammerchor | Felber robert schumann (1810–1856) in modo d’una Marcia und scherzo aus dem Klavierquintett op. 44 für 2 violinen, viola, violoncello und Klavier Horváth | Quatuor ardeo Franz liszt (1811–1886) Weinen, Klagen, sorgen, Zagen s. 179 für Klavier solo Dupree robert schumann (1810–1856) so wahr die sonne scheint op. 101 für Kammerchor und Klavier ensemble Davos Festival Kammerchor | e. Birringer richard wagner (1813–1883) tribschener idyll mit Fidi-vogelgesang und orange-sonnenaufgang… für Flöte, oboe, 2 Klarinetten, Fagott, 2 Hörner, trompete, 2 violinen, viola, violoncello, Kontrabass Demin | Ham | andrey | Fernández | Plath | Reˉrihs | Graf | Calvo Royo | asasello Quartett| varga

Sonntag, 7. August

LANDPARTIE DER FAMILIENBRUNCH AM SEE

10.00 – 13.00 Uhr, Schwarzsee und Kirche Davos Laret Mit Bläsermusik und Feldpartien von Mozart und Haydn, Männerchören von schubert, solowerken

von Bach und Ravel und volksmusik mit der Gruppe alMa aus Wien. Der Familienbrunch am see wird in Zusammenarbeit mit dem «GRisCHa – Das Hotel Davos» organisiert. Bei schlechtem Wetter spielen sich Brunch und Musik im Hotel ab. Programm nach ansage Ham | Cholokyan | andrey | Fernández | Plath | Pérez Diego | Reˉrihs | Graf | varga | Davos Festival Kammerchor | Davos Festival Publikumschor | Felber | alMa | Demin | Yang | Martinez | lehr

gerhard meier (1917–2008) einem Kind aus «im schatten der sonnenblumen» (1967) lehr heinz holliger (*1939) Duöli für zwee und meh Giige ou zum Mitsinge und Mitpfyffe (auswahl nach ansage) Kozhevnikov| Kuster

NUSSDORFER STRASSE 54

w.a. mozart (1756–1791) Quartett Nr. 15, d-moll, Kv 421 für 2 violinen, viola und violoncello asasello Quartett

chick corea (*1941) Children’s songs (1–4) für Klavier solo Dupree

leoš Janácˇek (1854–1928) Märchen (1911/1923) für violoncello und Klavier spronk | Nakada

Franz schubert (1797–1828) Kupelwieser Walzer (trv.285) für Klavier solo Dupree

John cage (1912–1992) suite for toy Piano (1948) für spielzeugklavier Dupree

Sonntag, 7. August

17.00 Uhr, Hotel Schweizerhof

Mein traum (3. Juli 1822) Prosatext von Franz schubert lehr Valentin silVestroV (*1937) Zwei Dialoge mit Nachwort für streichorchester und Klavier Quatuor ardeo | Davos Festival Camerata | Dupree Franz schubert (1797–1828) adagio es-Dur op. posth. 148 D. 897 «Notturno» für violine, violoncello und Klavier l. Birringer | spronk | e. Birringer

J. a. Peter schulz (1747–1800) Der Mond ist aufgegangen abendlied nach einem Gedicht von Matthias Claudius (1740–1815) alMa | Davos Festival Kammerchor | Davos Festival Publikumschor | Felber alFredo casella (1883–1947) Pupazzetti op. 27c (1920) für Flöte, oboe, Klarinette, violine, viola, violoncello und Klavier Demin | Ham | andrey | l. Birringer | vecchioni | Robin | e. Birringer

Valentin silVestroV (*1937) Hommage à Schubert op. 59 (2005) für Klavier Solo Nakada

Montag, 8. August

Franz schubert (1797–1828) Quartett Nr. 13, a-moll, D 804 «Rosamunde» (1824) für 2 Violinen, Viola und Violoncello Quatuor ardeo

ein kurzes musikalisches alMa-Flickwerk zum tagesabschluss. Programm nach ansage.

Montag, 8. August

Dienstag, 9. August

PATCHWORK I

23.00 Uhr, Living Room Hotel Schweizerhof

alMa

PRIVATSPHÄRE I : KINDERZIMMER

HABEMUS PAPAM

20.30 Uhr, Hotel Schweizerhof

15.15 Uhr, Kirche Monstein

Valentin silVestroV (*1937) Naive Musik Nr. 1–3 für Klavier solo Nakada

J. sebastian bach (1685–1750) Partita in a- moll, BWv 1013 für Flöte solo Demin


service Johann christian bach (1735–1782) sonate in c-moll, op. 17/2 für Cembalo sprosse wilhelm Friedemann bach (1710–1784) sonate Nr. 1 in e-moll für Flöte und oboe Demin | Ham Valentin silVestroV (*1937) Quartett Nr. 2 (1988) «in erinnerung an meine Mutter und meinen vater» für zwei violinen, viola und violoncello Quatuor van Kuijk carl PhiliPP emanuel bach (1714–1788) triosonate, d-moll Wq 145 für Flöte, oboe und Cembalo Demin | Ham | sprosse

Dienstag, 9. August

PRIVATSPHÄRE II: STUBETE

20.00 Uhr, Kulturschuppen Klosters

ein «Familienabend» mit dem ensemble alMa, Wien. Programm nach ansage alMa

Mittwoch, 10. August

WOHNUNG 49, KORPUS 1, ULITSA ENTUSIASTOV 20.30 Uhr, Kirche St. Johann

Valentin silVestroV (*1937) Bagatelle Nr. 1 (2005) für Klavier solo e. Birringer John cage (1912–1992) imaginary landscape iv für 12 Radios und 24 ausführende ensemble Davos Festival Kammerchor | Davos Festival Camerata | Bovino Valentin silVestroV (*1937) Quartett Nr. 1 in einem satz (1974) für 2 violinen, viola und violoncello Quatuor ardeo

Donnerstag, 11. August

Samstag, 13. August

8.45 – 16.00 Uhr, Schatzalp – Erbalp – Stafelalp – Frauenkirch

11.00 Uhr, Zentrum Guggerbach

AUSFLUG – DIE FESTIVALWANDERUNG

auf Wanderschaft mit Bach, Beethoven, Kodály, dem Kammerchor, dem ensemble alMa aus Wien, einem Familien-statistiker und vielen weiteren «Familienmitgliedern». Mit einem Morgenkonzert auf der schatzalp, einem ständchen zur Mittagszeit auf der stafelalp und einem ankunftskonzert in der Kirche Frauenkirch. Programm nach ansage l. Birringer | e. Birringer | Davos Festival Kammerchor | alMa | J. Martinez | Yang | lehr

Donnerstag, 11. August HEIMWEG I

20.30 Uhr, Kirchner Museum

silvestrov | eicher | Beyer

Samstag, 13. August

WEINEN, KLAGEN, SORGEN, ZAGEN 20.30 Uhr, Kirche St. Johann

Valentin silVestroV (*1937) Drama (1970/71) für violine, violoncello und Klavier Petitdemange | spronk | Dupree

Franz schubert (1881–1945) Quartett Nr. 14, d-moll, op. post. D 810 für 2 violinen, viola und violoncello Quatuor ardeo

Frédéric choPin (1810–1849) Nocturnes op. 55 (1844) für Klavier solo Nakada

Freitag, 12. August

STAMMBÄUMCHEN – DAS KINDERKONZERT 15.15 Uhr, Hotel Schweizerhof

Mit dem ensemble alMa aus Wien. Programm nach ansage alMa

Freitag, 12. August

Valentin silVestroV (*1937) aus liturgical Chants (2005) für Kammerchor Davos Festival Kammerchor | Felber J. s. bach (1685–1750) Weinen, Klagen, sorgen, Zagen Kantate BWv 12 (1714) für alt-/ tenor-/ Bass-solist, Kammerchor, 2 violinen, 2 violen, violoncello, Kontrabass, oboe, Fagott, trompete, Cembalo Binggeli | Gmünder| Pérez | Davos Festival Kammerchor Quatuor van Kujik | Hara | varga | schmahl | Plath | Calvo Royo | sprosse | Felber

DIE SCHWEIZER FAMILIE DIE KAMMEROPER – PREMIERE

Sonntag, 14. August

oPer Von JosePh weigl (1766–1846) nach einem libretto von ignaz Franz Castelli (1781–1862)

bohuslaV martinu˚ (1890–1959) Promenades (1939) für Flöte, violine und Cembalo Demin | l. Birringer | sprosse

20.30 Uhr, Aula Schweizer Alpine Mittelschule

Franz schubert (1797–1828) Fantasie in f-moll, D 940 für Klavier zu vier Händen e. Birringer | Nakada

Musikalische leitung inszenierung und Bühne Kostüme und Maske technik, Beleuchtung

alleluja für gemischten Chor a cappella (2006) Davos Festival Kammerchor | Felber

Teil 2 Gespräch mit valentin silvestrov und Manfred eicher (Produzent eCM) Moderation: theresa Beyer, sRF 2 Kultur

Valentin silVestroV (*1937) Moments of silences and sadness für violoncello solo (2002) Müller-Crépon

in einer Davos Festival-Neufassung für Kammeroper von Philip Bartels und einer Neuinszenierung von Mathias Behrends

Valentin silVestroV (*1937) «Über allen Gipfeln ist Ruh» für gemischten Chor a cappella (version 2009)

Teil 1 Dialoge Der Komponist valentin silvestrov ein Film von Dorian supin (*1948) (ZDF/aRte 2008)

Frédéric choPin (1810–1849) Nocturnes op. 9 (1833) für Klavier solo Horváth

Franz schubert (1797–1828) Moments musicaux, D 780 (1–3) für Klavier solo Horváth

heinz holliger (*1939) «(t)air(e)» aus dem scardanelli-Zyklus für Flöte solo Demin

HEIMWEG II DER DOKUMENTARFILM – DAS GESPRÄCH

Riccardo Bovino Mathias Behrends stephanie Metzner Florian Kunz

sängerensemble des schweizer opernstudios der Hochschule der Künste Bern (HKB) Mathias Bein (Bariton) | Nikolaus loosli (tenor) | Frédéric Jost (Bass) | Nora Bertogg (sopran) |sarah Kollé (sopran) | Patrik Reiter (tenorbariton) Davos Festival Kammerchor einstudierung andreas Felber Davos Festival opernensemble Jirˇí Neˇmecˇek | Magalie Martinez | Yuko Hara | Joachim Müller-Crépon | viktor varga | andrey Cholokyan | José andrés Fernández Camacho | Riccardo Bovino | Carlota Cáceres | eléna Beder

HEUTE LEIDER SONNTAG

11.55 Uhr, Hotel InterContinental

erich kästner (1899–1974) Kleine sonntagspredigt aus «Doktor Kästners lyrische Hausapotheke» (1934) lehr w.a. mozart (1756–1791) streichquartett Nr. 19, C-Dur, Kv 465 «Dissonanzen-Quartett» (1785) für 2 violinen, viola und violoncello Quatuor van Kuijk g.Ph. telemann (1681–1767) Domenica aus Pyrmonter Kurwoche für violine, viola, violoncello und Cembalo Favre-Bulle | vecchioni | Robin | sprosse Peter bichsel (*1935) Heute ist sonntag aus «Heute kommt Johnson nicht» Kolumnen 2005-2008 lehr

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service leoš Janácˇek (1854–1928) idyll für streicher Neˇmecˇek | Davos Festival Camerata Das Brunchkonzert findet in Zusammenarbeit mit dem Hotel interContinental Davos statt.

Sonntag, 14. August

DIE SCHWEIZER FAMILIE DIE KAMMEROPER

JosePh haydn (1732–1809) Harmonie in der ehe für Kammerchor Hob. XXvc:2 ensemble Davos Festival Kammerchor schildknecht | Widmer | Beltrani | May

«immer mehr enthüllt der Ödiupuskomplex seine Bedeutung…» lehr

arnold schönberg (1874–1951) aus dem vorwort zur Harmonielehre (1911) «Diese Buch habe ich von meinen schülern gelernt» lehr

loriot (1923–2011) aus Ödipussi: Frau Winkelmann singt Brahms Filmausschnitt im Nebenzimmer lehr

Im Schatzalp Filmzimmer:

w.a. mozart (1756–1791) oktett, es-Dur, Kv 375 für 2 oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte und 2 Hörner schmahl | Cholokyan | andrey | Fernández | Plath | Pérez Diego | Reˉrihs | Graf | varga

maurice raVel (1875–1937) Quartett, F-Dur, op. 35 für 2 violinen, viola und violoncello (1902/03) Quatuor van Kuijk

AMOUR DER FILMABEND

Dienstag, 16. August

Mittwoch, 17. August

PRIVATSPHÄRE III: KÜCHENTISCH

ELTERNABEND

20.30 Uhr, Kino Arkaden

20.30 Uhr, Hotel Schweizerhof

20.30 Uhr, Aula Schweizer Alpine Mittelschule

aMoUR von Michael Haneke (*1942).

Felix mendelssohn (1809–1847) Konzertstück Nr. 1, op. 113 «ein grosses Duett für Dampfnudeln oder Rahmstrudel» für Klarinette, Fagott und Klavier andrey | Plath | Horváth

c. saint-säens (1835–1921) aus dem septett, op. 65 für 2 violinen, viola, violoncello, Kontrabass, trompete und Klavier Kozhevnikov | Favre-Bulle | Hara | Robin| varga | Calvo Royo | Nakada

17.00 Uhr, Aula Schweizer Alpine Mittelschule Die zweite aufführung (angaben zur Kammeroper siehe 12. august 2016)

Sonntag, 14. August

Montag, 15. August

MUTTERSPRACHE

20.30 Uhr, Hotel Schweizerhof richard wagner (1813–1883) elegie, WWv 93 Widmungsblatt an Mama… für Klavier solo Horváth Valentin silVestroV (*1937) Zwei Dialoge mit Nachwort für streichorchester und Klavier Quatuor ardeo | Davos Festival Camerata | Dupree

trad. apfelmusette und andere spezialitäten Programm nach ansage alMa bedrˇich smetana (1824–1884) Quartett Nr. 1, e-moll «aus meinem leben» (1876) für 2 violinen, viola und violoncello Quatuor van Kuijk

györgy kurtág (*1926) officium breve in memoriam andreae szervánsky op. 28 für zwei violinen, viola und violoncello Quatuor ardeo

w. a. mozart (1756–1791) la tartine Beurée, Kv C 27.09 (anh. 284n) für Klavier solo Dupree

Paula bartók (1857–1939) Mein lieber, kleiner Junge! Brief an ihren zehnjährigen enkel Béla jun. lehr

dieter schnebel (*1930) aus Maulwerke für artikulationsorgane und Reproduktionsgeräte (1968–1974) Davos Festival Kammerchor | Felber

béla bartók (1881–1945) sonate sz 80 für Klavier solo Horváth trad. ach talan li moi, talan takoi Russisches lied einer Mutter Davos Festival Kammerchor | Felber l. Van beethoVen (1770–1827) Quartett op. 59/ 1 für 2 violinen, viola und violoncello asasello Quartett Dieses Konzert wird von schweizer Radio sRF 2 aufgezeichnet und in der sendung «Weltklasse» am Dienstag, 23. august 2016, 22–24 Uhr auf sRF 2 Kultur gesendet.

Dienstag, 16. August HARMONIELEHRE

15.15 Uhr, Zentrum Guggerbach w.a. mozart (1756–1791) le nozze di Figaro, Kv 492, ouvertüre in einem arrangement von Johann Went (1791) für 2 oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte und 2 Hörner schmahl| Cholokyan | andrey | Fernández | Plath | Pérez Diego | Reˉrihs | Graf | varga

bohuslaV martinu˚ (1890–1959) la Revue de Cuisine (1928) Ballettmusik für Klarinette, Fagott, trompete, violine, violoncello und Klavier andrey | Plath | Calvo Royo | l. Birringer | Martinez | Dupree

Dienstag, 16. August PATCHWORK II

23.00 Uhr, Living Room Hotel Schweizerhof ein kurzes musikalisches Flickwerk zum tagesabschluss. Programm nach ansage alMa

Mittwoch, 17. August ÖDIPUSSI

15.15 Uhr, Berghotel Schatzalp gustaV mahler (1860–1911) Quartettsatz, a-moll für Klavier, violine, viola und violoncello Nakada | Yang | vecchioni | spronk sigmund Freud (1856–1939) aus «Der Untergang des Ödipuskomplexes» (1924)

heinz holliger (*1939) KlaUs-UR für Fagott solo Plath georg kreisler (1922–2011) Die ehe (Fassung a) ensemble Davos Festival Kammerchor l. Van beethoVen (1770–1827) ehestands-sonate op. 14/2 G-Dur für Klavier solo Dupree wise guys Meine Deutschlehrerin Männerchor Davos Festival Kammerchor Jeremias gotthelF (1797–1854) aus «leiden und Freuden eines schulmeisters» ausschnitte aus dem fünften Kapitel: «Wie aus einem erbprinzen ein schulprinz werde» lehr JosePh haydn (1732–1809) sinfonie Nr. 55 «Der schulmeister» Neˇmecˇek | Davos Festival Camerata | schmahl | Cholokyan | NN | Graf | Plath | Pérez Diego

Donnerstag, 18. August FAMILIENKONFERENZ I

15.15 Uhr, Hotel Belvedere Begegnung mit Dr. thomas Wach, dem Urenkel von Felix Mendelssohn. Moderation: Julia Kaiser, Berlin Mit einer eintrittskarte für das Konzert Familienkonferenz ii können sie ebenso diesen anlass besuchen. Wach | Kaiser

Donnerstag, 18. August FAMILIENKONFERENZ II

20.30 Uhr, Hotel Schweizerhof mani matter (1936–1972) ahneforschig in einer Bearbeitung für Chansonier und Klavier ensemble Davos Festival Kammerchor


service Valentin silVestroV (*1937) lieder ohne Worte für violine und Klavier (2007) Kozhevnikov | Nakada

Valentin silVestroV (*1937) «25.X.1893… in memorian P. i. tsch.» (2004) Fassung für 2 violoncelli (quasi «vc-solo») Martinez | Müller-Crépon

Fanny mendelssohn (1805–1847) sechs Gartenlieder, op. 3 für Kammerchor Davos Festival Kammerchor | Felber

P.i. tschaikowsky (1840–1893) sextett d-moll, op. 70 souvenir de Florence für 2 violinen, 2 violen und 2 violoncelli Yang | l. Birringer | sliwa | Hara | Müller-Crépon | spronk

Felix mendelssohn (1809–1847) oktett es-Dur, op. 20 für 4 violinen, 2 violen und 2 violoncelli Quatuor ardeo | Quatuor van Kuijk

Freitag, 19. August

FOTOALBUM

20.30 Uhr, Hotel Schweizerhof

Samstag, 20. August FAMILIENZONEN II DER ABSCHLUSSABEND

18.00 Uhr, Hotel Schweizerhof

Valentin silVestroV (*1937) Post scriptum (1990) sonate für violine und Klavier l. Birringer | e. Birringer

1. Teil | Konzert max reger (1873–1916) Nachtlied op. 138/3 «Die Nacht ist kommen» für Chor nach einem Gedicht von Petrus Herbert (1566) Davos Festival Kammerchor | Felber

mani matter (1936–1972) Farbfoto in einer Bearbeitung für Kammerchor von iris szeghy (*1956) Davos Festival Kammerchor

Valentin silVestroV (*1937) Quartett Nr. 3 (2011) für 2 violinen, viola und violoncello asasello Quartett

rodion shchedrin (*1932) Russian Photographs (1994) saitenmusik für streichorchester Neˇmecˇek | Davos Festival Camerata

heinz holliger (*1939) Rosa loui (2006-2007) vier Chorlieder nach Gedichten von Kurt Marti Davos Festival Kammerchor | Felber

max reger (1873–1916) Romantische suite op. 125 (1912) nach Gedichten von Joseph von eichendorff bearbeitet für 2 violinen, viola, violoncello, Kontrabass, Flöte, Klarinette, Fagott, Klavier und Harmonium von arnold schönberg und Rudolf Kollisch (1920) van Kuijk | Petitdemange | sliwa | Myöhänen| varga | Demin | andrey | Horváth | Dupree | Ševarlic´ Valentin silVestroV (*1937) abschiedsserenade für streichorchester (2003) Davos Festival Camerata | Quatuor ardeo | asasello Quartett 2. Teil | Essen, Musik und Tanz Das Nachtessen wird vom Hotel schweizerhof Davos zubereitet. Für musikalische Unterhaltung sorgt das Davos Festival salon ensemble. Nur tanzen müssen die Gäste selbst. Programm nach ansage Davos Festival salon ensemble Kozhevnikov | Birringer | Hara | Robin | varga | Demin | andrey | Plath | Dupree | Ševarlic´

Kartenverkauf: Destination Davos Klosters Talstrasse 41, 7270 Davos Platz +41 (0)81 415 21 21 oder www.davosfestival.ch

Festivalkünstler Composer in Residence | Valentin Silvestrov, Ukraine

Benedek Horváth, Ungarn | Riccardo Bovino, Italien

violine | Nicolas Van Kuijk, Frankreich | Mi-sa Yang, Japan | Lea Birringer, Deutschland | Sylvain Favre-Bulle, Frankreich | Rostislav Kozhevnikov, Russland | Barbara Kuster, Deutschland | Jirˇí Neˇmecˇek, Tschechien | Zeynep Simge Acunaz*, Türkei | Kamile˙ Macˇiulyte˙*, Litauen | Charalampos Karasavvidis*, Griechenland | Alisa Spilnik*, Russland | Carole Petitdemange, Frankreich | Maya Grünebach*, Belgien | Sybille Deleau*, Frankreich | Lauryna Lelyte˙*, Litauen | Egle˙ Venslovaityte˙* Litauen | Julia Lacherstorfer, Österreich | Evelyn Mair, Österreich | Matteo Haitzmann, Österreich | Kerstin-Elisabeth Kullerkupp*, Estland | Magalie Martinez, Frankreich

Cembalo | Jermaine Sprosse, Deutschland

viola | Justyna S´liwa, Polen | Yuko Hara, Japan | Grégoire Vecchioni, Frankreich | Greta Staponkute˙*, Litauen | Caroline Vischer*, Schweiz | Marina Pavlenko*, Russland violoncello | Anton Spronk, Holland/Schweiz | Teemu Myöhänen, Finnland | Joachim Müller-Crépon, Schweiz | François Robin, Frankreich | Joëlle Martinez, Frankreich| Miriam Griess*, Deutschland | Helga Luksevica*, Litauen Kontrabass | Marlene Lacherstorfer, Österreich | Victor Varga, Ungarn | Kazuaki Tsuda*, Japan | Rutawat Sintutepparat*, Thailand Klavier | Frank Dupree, Deutschland | Mizuho Nakada, Japan | Esther Birringer, Deutschland |

akkordeon | Marie-Theres Stickler, Österreich | Marko Ševarlic´, Serbien Flöte | Matvey Demin, Russland oboe | Andrey Choloykhan*, Russland | Kyeong Ham, Südkorea | Juri Schmahl, Deutschland Klarinette | Lionel Andrey, Schweiz | José Andrés Fernández Camacho*, Spanien Fagott | Theo Plath, Deutschland | Miguel Angel Pérez Diego*, Spanien Horn | Ka¯rlis Re¯rihs, Lettland | Henrike Graf*, Deutschland trompete | Raúl Calvo Royo, Spanien Perkussion | Eléna Beder*, Frankreich | Carlota Cáceres, Spanien

Bass | Jonas Atwood, Schweiz | Grégoire May, Schweiz | Daniel Pérez, Schweiz | Michael J. Schwendinger, Österreich Kammeroper Sängerinnen und Sänger des Schweizer Opernstudios (HKB) Quartette | Quatuor Ardeo, Frankreich | Asasello Quartett, Deutschland | Quatuor Van Kuijk, Frankreich ensembles | Ensemble ALMA, Österreich | Geschwister Birringer, Deutschland | Geschwister Lacherstorfer, Österreich | Geschwister Martinez, Frankreich Dirigent | Andreas Felber, Schweiz (Kammerchor) | Riccardo Bovino, Italien (Kammeroper) Komponist | Philip Bartels, Deutschland/ Schweiz Regisseur | Mathias Behrends, Schweiz

Davos Festival Kammerchor

schauspieler, statistiker, sprecher | Julian Lehr, Deutschland

sopran | Larissa Bretscher, Schweiz | Marianne Knoblauch, Schweiz | Anne Montandon, Schweiz | Svea Schildknecht, Deutschland

spezialgäste | Dr. Thomas Wach, Mendelssohn Gesellschaft Schweiz | Manfred Eicher, Label ECM | Daniel Fueter, Musiker

alt | Laura Binggeli, Schweiz | Nadia Catania, Schweiz | Lisa Weiss, Österreich | Sarah Widmer, Schweiz

Davos Festival Junge Reporter | Julia Kaiser, Deutschland

tenor | Marco Beltrani, Schweiz | Achim Glatz, Schweiz | Nino Aurelio Gmünder, Schweiz | Beat Vögele, Schweiz

Davos Festival Hörgang | Magalie Martinez, Frankreich * Stipendiatin/ Stipendiat der Animato Stiftung (Zürich) und Mitglied der DAVOS FESTIVAL Camerata

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impressum

impressum 36. Jahrgang, august 2016 Special Edition DaVOS FESTiVaL – young artists in concert 2016 Erscheinungsweise sechsmal jährlich + Specials Redaktionsanschrift: Somedia Production aG Musik&Theater Neugasse 10, CH-8005 Zürich Tel. +41 44 491 71 88, Telefax 044 493 11 76 http://www.musikundtheater.ch redaktion@musikundtheater.ch Herausgeberin Somedia Production aG Sommeraustrasse 32 Postfach 491, CH-7007 Chur Verlagsleitung Ralf Seelig Tel. +41 81 255 54 56 ralf.seelig@somedia.ch

Chefredaktor andrea Meuli Redaktion Reinmar Wagner, Werner Pfister Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe Reto Bieri, Tom Hellat, Benjamin Herzog, Priska Ketterer (Fotos), Thomas Meyer, Stephan Thomas, Thomas Trenkler, Christoph Vratz, Reinmar Wagner Anzeigen Musik&Theater +41 44 491 71 88 redaktion@musikundtheater.ch Abonnementverwaltung Kundenservice/abo Sommeraustrasse 32 Postfach 491, CH-7007 Chur Tel. 0844 226 226 abo@somedia.ch Herstellung Somedia Production aG Korrektorat Ernst Jenny Copyright Musik&Theater, Somedia aG alle Rechte vorbehalten Abonnementspreise und -bedingungen 1 Jahr CHF 120.– 2 Jahre CHF 230.– Studenten (mit beigelegter Legitimation): CHF 78.– Schnupperabonnement (2 ausgaben): CHF 25.– ausland: 1 Jahr Einzelverkaufspreise:

CHF 170.– CHF 18.–

abonnementspreise sind inkl. MwST. Das abonnement ist mit einer Frist von 2 Monaten vor seinem ablauf kündbar. Ohne schriftliche Kündigung erneuert es sich automatisch um ein Jahr. Für unverlangt eingesandtes Bild- und Tonmaterial übernimmt der Verlag keine Haftung. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion. Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen i.S.v. art. 322 StGB: Südostschweiz Radio aG, Südostschweiz TV aG, Somedia Partner aG iSSN 0931-8194


inserate

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HELIOPARK Hotels & Alpentherme

Leukerbad | Wallis

Die Vorteile der Hotelcard: • Bestpreis-Garantie in sämtlichen Hotels. • Die Hotels sind im Schnitt an 75% der Tage zum ½ Preis verfügbar. • Die Hotelcard amortisiert sich bei der ersten oder zweiten Übernachtung. • Um ein Doppelzimmer zu buchen, genügt eine Hotelcard. • Die Hotelcard ist beliebig oft einsetzbar.

Junior Suite inkl. Frühstück ab

Doppelzimmer Classic-Class inkl. Frühstück ab

CHF

CHF

330.–

statt CHF 660.– (pro Zimmer)

Silvretta Parkhotel

Klosters | Graubünden

129.50

statt CHF 259.– (pro Zimmer)

Hotel Lindeneck

Güttingen | Ostschweiz

Hotelcard

für 1 Jahr

CHF

79.–

statt CHF 95.–

Doppelzimmer Standard inkl. Frühstück ab

Doppelzimmer inkl. Frühstück ab

CHF

CHF

100.–

statt CHF 200.– (pro Zimmer)

95.–

statt CHF 190.– (pro Zimmer)

www.hotelcard.ch/musiktheater 0848 711 717 (Rabattcode musiktheater01 angeben)

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Musik & Theater Special Davos Festival 2016  

Spezialausgabe der Schweizer Kulturzeitschrift «Musik & Theater» zum Davos Festival 2016

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