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Nachrichten aus der Kultur.Region Niederösterreich . Dezember 2013/Januar 2014

schaufenster

KULTUR.REGION Jahreswechsel Thema / Hausmusik . Rede / Silke Hassler über Europa und Kulturpolitik

P.b.b. · Vertragsnummer 10Z038552S · Erscheinungsort: 3452 Atzenbrugg · Verlagspostamt: 3451 Michelhausen · DVR: 0933 295

Ballsaison / Trachtenball & schöne Ballsäle in Niederösterreich


WIEN NORD

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EinBlick / 3

Editorial

WÜNSCHEN UND SCHENKEN

Viel Glück und viel Segen als Begleiter auf all unseren Wegen

Es gehört zu den guten Bräuchen und schönen Gewohnheiten, in der Zeit um den Jahreswechsel Glück- und Segenswünsche auszusprechen, verbunden mit der Überreichung von Geschenken und Glücksbringern. Gerade Weihnachten ist ohne das Schenken gar nicht auszudenken. Der Wert und die Art der Geschenke haben sicher viel mit der Person der oder des Beschenkten zu tun: Spielzeug, Sportartikel und Kleidung für Kinder, Bücher und CDs für Erwachsene, ein Seidentuch oder Selbstgemachtes für die Mutter, einen guten Tropfen oder die obligate und sonderbar gemusterte Krawatte für den Vater und allerhand mehr oder weniger Brauchbares für Kolleginnen und Mitarbeiter sowie für gute Freunde und Geschäftspartner. Schenken gehört zu den lebendigsten und sich ständig wandelnden Bräuchen. In diesem Zusammenhang werden wir alle Zeugen darüber, welche Mächte derzeit Einfluss auf die Entwicklung solcher Bräuche nehmen. Waren es früher oft obrigkeitliche Vorschriften, die das sittliche Leben der Untertanen zu regeln trachteten – von diversen Kleidungsvorschriften bis zu Ausgeh-, Trink- oder Tanzverboten –, so kommt heute aus der Ecke der Moralapostel jede Menge an Versuchen, menschliches Verhalten zu normieren und zu dirigieren. Also ist Vorsicht geboten, wenn es um das Pflegen alter Bräuche geht, denn ein festlicher Braten, ein kultiviertes Auftreten oder ein zu wertvolles Geschenk, etwa ein Aquarell, ein güldenes Kettchen oder ein

Theaterticket sollen weder ein schlechtes Gewissen noch den medialen Pranger zur Folge haben. Demonstrativ zur Schau getragene Bescheidenheit wäre also eine Zier. Ob aus dem Zwang, sich über die Zuwendung von bloßem Klumpert dann auch noch freuen zu müssen, jemals ein Brauch entsteht, wird sich weisen. Vielleicht ist es ein Zug unserer Zeit, unverbindlich zu bleiben, sich nicht festzulegen und zu jeder Position eine ebenso plausibel klingende Gegenposition parat zu haben. Was wünscht und schenkt man also, wenn jedes Geschenk zur Tretmine für die Schenkenden genauso wie für die Beschenkten werden kann? Schutz der Privatsphäre, überwachungsfreie Zonen oder Handschlagqualität wären sicher willkommene Geschenke: Qualitäten eben, die vielmehr auch als unumstrittene Rechte gelten sollten. Frieden zu wünschen, wäre in jedem Fall sinnvoll und angebracht, gerade in diesen Tagen, die dem Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs und den nachfolgenden Katastrophen gewidmet sind. Wird es schließlich ganz persönlich, dann ist ein guter alter Brauch nach wie vor gültig: Wir wünschen Glück, Gesundheit und Wohlergehen! Dorli Draxler, Edgar Niemeczek

MUSIKSCHUL management KULTUR . REGION NIEDERÖSTERREICH

schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014


Top-Termine / 4

Dezember 2013/Januar 2014

TOP-TERMINE

AUF NACH BETHLEHEM

ADVENTSINGEN BEIM GRAFENEGGER ADVENT

—————————————————— Fr, 13. 12. 2013, 19.30 Uhr Haus der Regionen 3504 Krems-Stein, Donaulände 56 ——————————————————

—————————————————— Do, 5., und Fr, 6. 12. 2013, 19.00 Uhr Auditorium Schloss Grafenegg —————————————————— Die besten Ensembles Niederösterreichs präsentieren musikalisch den Weihnachtsfestkreis. Der Familiengesang Wolf, die Texingtaler BlechMusikanten, Ö-Streich und der Chor der Chorszene Niederösterreich bieten ein sinnliches und einzigartiges Konzerterlebnis.

Eine musikalische Wanderung durch den Weihnachtsfestkreis bietet das bereits zur Tradition gewordene Adventkonzert im Haus der Regionen. Die Saitenhüpfer stimmen mit festlichen Melodien, die sie auf Saiteninstrumenten zu Gehör bringen, auf das bevorstehende Weihnachtsfest ein. Das Ensemble Mlynček aus der Slowakei tritt mit besinnlichen Liedern und Instrumentalstücken auf. Der Haus & Hof Dreigesang und die Edlitzer Weisenbläser runden das vorweihnachtliche Programm ab. Durch den Abend führen Dorli Draxler und Edgar Niemeczek.

Für heitere und besinnliche Zwischentöne sorgen die bekannten TV-Journalistinnen Barbara Stöckl (5. Dezember) und Nadja Mader-Müller (6. Dezember). Mit der Konzertkarte erhalten Sie am Konzerttag einmalig freien Eintritt zum Grafenegger Advent, geöffnet ab 10.00 Uhr.

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Information

Information

Tel. 02732 85015 ticket@volkskultureuropa.org

Tel. 02735 5500 oder Tel. 01 5968383 www.grafenegg.com

www.volkskultureuropa.org

3. NIEDERÖSTERREICHISCHER TRACHTENBALL —————————————————— Fr, 31. 1. 2014, 20.30 Uhr Auditorium und Reitschule Schloss Grafenegg —————————————————— Der Niederösterreichische Trachtenball zählt zu den Höhepunkten der Ballsaison. Bereits zum dritten Mal laden die Volkskultur Niederösterreich und die „Wir tragen Niederösterreich“-Partner zum Niederösterreichischen Trachtenball auf Schloss Grafenegg ein. Die Weinviertler Kirtagsmusik, das Tanzorchester der Militärmusik Niederösterreich, AB 3 und Franz Posch mit seinen Innbrügglern spielen in den beiden Ballsälen zum Tanz auf. Die Eröffnung mit Tänzern aus allen Bezirken, Heurigenmusik mit dem Duo Gradinger-Koschelu, eine „Wir tragen Niederösterreich“-Bar mit Spezialitäten aus ganz Niederösterreich und vieles mehr versprechen eine aufregende Ballnacht. Die Spitzengastronomie mit Toni Mörwald rundet das Ballprogramm ab. —————

OFFENLEGUNG NACH § 25 MEDIENGESETZ

Information und Karten:

Herausgeber: Dr. Edgar Niemeczek, Dorothea Draxler. Medieninhaber: Volkskultur Niederösterreich GmbH / FN 308711m / LG St. Pölten, Sitz: Schlossplatz 1, 3452 Atzenbrugg, Tel: 02275 4660 0, Fax: 02275 4660 27, office@volkskulturnoe.at, www.volkskulturnoe.at

Kartenbüro im Auditorium Grafenegg: Tel. 02735 5500 (Fr–So 11.00–17.00 Uhr bis 22. 12. 2013)

Ziel der Zeitung („Blattlinie“): Information über Regionalkultur mit besonderer Berücksichtigung des Landes Niederösterreich durch Berichte, Beiträge aus Wissenschaft und Praxis, Ankündigungen und Hinweise. Geschäftsführer: Dorothea Draxler, Dr. Harald Froschauer. Gesellschafter: Die Volkskultur Niederösterreich GmbH ist zu 100% eine Tochtergesellschaft der Kultur.Region.Niederösterreich GmbH (3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1), deren Anteile zu je 50 % bei den beiden Vereinen „Regionalkultur Niederösterreich“ (ZVR-Zahl 385049411) und „Volkskultur Niederösterreich – Niederösterreichisches Volksliedwerk“ (ZVR-Zahl 673094821) liegen. Beteiligung: Die Volkskultur Niederösterreich GmbH ist zu 80% an der „Genuss und Tradition – Gastro und Event GmbH“ beteiligt. Diese Gesellschaft ist auf die Professionalisierung des Veranstaltungswesens ausgerichtet.

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Kartenbüro der Tonkünstler Grafenegg im Museumsquartier Wien: Tel. 01 5868383 (Mo–Fr 9.00–17.30 Uhr) tickets@grafenegg.com www.wirtragennoe.at


Inhalt / 5

Dezember 2013/Januar 2014

INHALT Advent Winterwald

6 /

—————— Weihnachten

8 /

Von Aranzini bis Zimt ——————

Superintendent Paul Weiland Zwischen Himmel und Erde

10 /

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Kremser Kamingespräche Selbermachen

11 /

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Hausmusik Weihnachtslied

12 /

in der Hausmusik

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Handwerk Zinnfiguren

24 /

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Ballsaison Ballsäle

27 /

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Ballsaison Festtagstracht &

30 /

Trachtenball ——————

Auslage Bücher, CDs & feine Ware

32 /

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Musikschulen Musikschulen

Rede Silke Hassler

Diskurs Kriege gehören

laden zur Hausmusik ——————

Waldviertel Familienmusik Trauner

18 /

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Waldviertel Strudl & Sterz

20 /

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Museum Katzelsdorf

22 / Advent in der Kellergasse

16 /

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—————— Weinviertel

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40 / Kinderwelt

Advent Adventmärkte

Museum Mödling

21 /

——————

15 /

Mostviertel Krippen

34 /

——————

36 /

ins Museum

42 / Papierkrippen Kulturarbeit Ehrenamt

43 /

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St. Pölten 100 Jahre Synagoge

44 /

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Porträt Indologe

46 /

Moriz Winternitz ——————

Kultur.Region Fortbildung

47 /

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Kultur.Region

49 / Intern & Nachberichte 50 / Die letzte Seite

—————— Museum

38 / Kaiserhaus Baden

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IMPRESSUM Herausgeber: Dr. Edgar Niemeczek, Dorothea Draxler. Chefredakteurin: Mella Waldstein. Redaktionsteam: Karin Graf, MA, Mag. Michaela Hahn, Mag. Katharina Heger, Mag. Marion Helmhart, Mag. Andreas Teufl, DI Claudia Lueger, Dr. Freya Martin, Dr. Veronika Plöckinger-Walenta, Mag. Ulrike Vitovec, Mag. Anita Winterer, Mag. Eva Zeindl, Michaela Zettl, Mag. Doris Zizala. Mitarbeiter dieser Ausgabe: Friedrich Almer, Mag. Doris Buchmann, Mag. Monika Chromy, Dr. Peter Gretzel, Silke Hassler, Hans Hornyik, Dr. Erich Rabl, Franz Rieder, Mag. Paul Weiland, Dr. Helga Maria Wolf, Mag. Karin Wolf. Produktionsleitung, Marketing, Anzeigen und Beilagen: Mag. Marion Helmhart. Eigentümer/Medieninhaber: Volkskultur Niederösterreich GmbH, 3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1, FN 308711m, LG St. Pölten. Tel. 02275 4660, office@volkskulturnoe.at, www.volkskulturnoe.at. Geschäftsführung: Dorothea Draxler, Mag. Dr. Harald Froschauer. Sekretariat: Petra Hofstätter, Tina Schmid. Grafik/Layout: Atelier Olschinsky Grafik und Design GmbH, 1060 Wien. Druck: good friends Druck- und Werbeagentur GmbH. Verlagspostamt: 3451 Michelhausen. Versandpostamt: Postamt 3112 St. Pölten. ISSN 1680-3434. Copyrights: Kultur.Region.Niederösterreich GmbH, 3452 Atzenbrugg. Artikelübernahme nur nach Vereinbarung mit dem Herausgeber. Fotos: Wenn nicht anders angegeben, Bildarchiv der Volkskultur Niederösterreich GmbH. Ziel der Zeitung: Information und Berichterstattung über Kunst und Kultur und ihre gesellschaftlichen Bedingtheiten mit besonderer Berücksichtigung der Regionalkultur im Bundesland Niederösterreich, Beiträge aus Wissenschaft und Praxis, Ankündigungen und Hinweise. Alle in der Zeitschrift verwendeten Begriffe, Personen- und Funktionsbezeichnungen beziehen sich ungeachtet ihrer grammatikalischen Form selbstverständlich in gleicher Weise auf Frauen und Männer. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers und der Redaktion widerspiegeln. Coverfoto: Gregor Semrad

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Advent / 6

Waldviertel

WINTERWALD Manche Landschaften bleiben der Welt entrückt. So der Weinsberger Wald mit seiner Weite, den dunklen Teichen und den hellen Himmelsflecken über den Wiesen. Die Ruhe der Wälder rührt ans Herz, insbesondere zu Weihnachten, wenn wir uns nach Erdung sehnen. Hier ist der Platz, wo Christbäume wohnen.

Saggraben, Weinsbergwiese, Schöngrund – Holzfällersiedlungen, die knapp auf 1.000 Meter Seehöhe liegen. Hier werden Baumstämme zugespitzt.

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Advent / 7

Bescherung in einem ehemaligen Holzfällerhaus …

… die Christbäume wachsen gleich hinter dem Haus.

Stille riecht nach Wald und schmeckt nach Schnee und fühlt sich an wie die raue Luft des Waldviertels. Hoch auf über 900 Meter Seehöhe, wo der Granit vor der Welt schützt und die grauen Stämme der Fichten wie eine Wand stehen, liegen auf Wiesen verstreut die ehemaligen Holzfällersiedlungen des Weinsberger Waldes. Es sind niedrige Häuser: halb aus Stein, halb aus Holz und ein kleiner Stall anbei. Im Winter reicht der Schnee bis unters Dach und durch die Fenster scheint ein milchiger Tag. Bis ins 18. Jahrhundert war die Region ein Urwald, in der nur ein paar Glashütten verborgen lagen. Als mit der Industrialisierung der Holzbedarf der Metropole Wien rasant anstieg, erwarb der Erbpostmeister und Entrepreneur Josef von Fürnberg die Wälder. Aus dem Böhmischen kamen Teichbauer und errichteten Teiche und Schwemmkanäle, um das Holz hinunter zur Donau zu bringen. Und aus dem Salzburgischen wurden Holzfäller angesiedelt. Sie kamen, wohl auch weil sie durch ihre Leistungen im einsamen Wald vom Militärdienst freigestellt wurden. Ledig

Sandstraßen und keine Wegweiser. Der Wald bedeckt 95 Prozent des Gemeindegebiets von Bärnkopf.

sollten sie sein, denn im Weinsberger Wald war eine Familie kaum zu ernähren. Nahrungsmittel stellte die Herrschaft zu Verfügung, sie wurden in den Wirtshäusern verteilt. Erst als die Burschen trotz allem Frauen und Kinder hatten, wurden die kargen Rodungen in Landparzellen aufgeteilt. Schweine wurden im Wald gemästet, die Kuh im Stall hatte Laub als Einstreu, auf Waldlichtungen waren Krautgärten eingezäunt.

es zu schneien, bis in den Mai hinein ging der Schlitten. Erst Mitte Mai konnten die Leute Korn und Kartoffel anbauen …“ (aus der Pfarrchronik Bärnkopf, 1917). Bis heute muss man hier mit dem harten Winter leben. Es ist um „einen Rock kälter“, wie die Waldviertler sagen. In manchen Jahren will sich der Winter gar nicht verabschieden: „Nur Juli und August war kein Schnee zu sehen“, vermerkt die Pfarrchronik Bärnkopf.

Die meiste Arbeit fiel zur Schneeschmelze an, wenn die Bäche genügend Wasser führten, um die Holzbloche zur Donau zu triften. Einerseits lagerte das Holz in den Teichen, andererseits wurden sie als Reservoir genützt, um das Wasser der Bäche zu regulieren. Wer nicht im Wald beschäftig war, arbeitete für den Holztransport. Die Holzbringung erfolgte mit den Schlitten, danach rutschte das Holz die Bäche zur Donau hinab und wurde dort mit Rechen aufgefangen. Die sortierten Stämme wurden zusammengebunden und nach Wien geflößt.

Bis vor ein paar Jahrzehnten war der Wald ein weißer Fleck auf der Landkarte. Selten verirrte sich dort hinauf ein Fremder. Als der Wirt August Marschall aus Gutenbrunn 1960 das „skandinavische Skifahren“ für sich entdeckte, wurden die ersten Langlaufloipen gespurt. Sie ziehen sich zwischen Bärnkopf und Martinsberg durch die hohen Nadelwälder, entlang von Granitmauern, Teichufern und queren Lichtungen. Kristalle funkeln. Und in weißen Fahnen geht der Schnee von den Bäumen ab. /

„Ein endloser Winter! Mitte Jänner begann

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Text: Mella Waldstein Fotos: Manfred Horvath


Weihnachtszeit / 8

Kekse

VON ARANZINI BIS ZIMT Eine kleine Kulturgeschichte des Weihnachtsgebäcks.

Sorten wurden hergestellt und dann als Kollektion präsentiert, wobei wohl jede Mutter ihre mehr oder minder geheimen Rezepte im Erfahrungsschatz hat(te). Heute zählen „Teeund Weihnachtsbäckereien“ zum kulinarischen Erbe Österreichs. Die Definition weckt Geruchs- und Geschmackserinnerungen: „Kleine, knusprige oder mürbe Feinbackwaren, die aus Mürbteig, Lebkuchenteig, Makronenmasse etc. zubereitet und z. B. mit Schokolade, Nüssen, Marmelade oder Marzipan verfeinert werden. Die Teige für Weihnachtsbäckerei sind meist noch etwas üppiger und mehr gewürzt als die der Teebäckerei, u. a. mit Vanille, Zimt, Muskat, Kardamom und Nelken. Beide sind relativ lange haltbar.“

Luxusgut Zucker

Weihnachtskekse.

Der erste Adventkalender der Welt bestand aus Weihnachtskeksen. Er war die Idee der Frau eines deutschen Pastors. Um ihrem kleinen Sohn die Wartezeit bis zum Fest zu versüßen, nähte sie 24 „Wibeles“, schwäbische Biskuitkeks, auf einen Karton. Jeden Tag durfte sich der Bub ein Stück herunternehmen. Die Kindheitserinnerung war nachhaltig: Gerhard Lang (1880–1974), später Buchhändler und Verleger, wurde zum Erfinder des Adventkalenders. Dieser erschien 1902 unter dem Titel „Im Lande des Christkinds“.

Für die Herstellung in großen Auflagen waren Kekse damals ungeeignet, aber die Collage-Idee blieb. Auf einem Karton waren 24 Gedichte aufgedruckt, ein zweiter Bogen enthielt bunte Bilder. Die Kinder konnten jeden Tag das Passende ausschneiden und über das Gedicht kleben. Der Adventkalender gehört zu den vorweihnachtlichen Kindheitsreminiszenzen wie das Keksbacken. Meist war der Feiertag am 8. Dezember der passende Termin, mehrere

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Teegebäck entwickelte sich parallel mit dem Konsum von Tee, Kaffee und Kakao. Nach der Gründung des ersten Wiener Kaffeehauses (1684) entstand eine Reihe von Gebäckarten und -formen, die mit ihren Zutaten und Füllungen den Genuss des Kaffees steigern sollten. Damen der gehobenen Gesellschaft boten bei ihren privaten Kaffeekränzchen gerne Kekse an. Bis in das 19. Jahrhundert blieben Konditorwaren aufgrund der hohen Preise von Zucker, Mandeln und Kakao Luxus. Um 1780 kostete in Österreich ein Pfund Zucker 3 bis 7 Gulden, ein Pfund Schokolade 1 bis 5 Gulden. Ein Handwerker verdiente durchschnittlich 24 Kreuzer am Tag. Die Herstellung von süßen Backwaren in den Haushalten wurde erst möglich, nachdem billigere Rohstoffe und entsprechende


Weihnachtszeit / 9

Spekulatius-Nikolaus.

Küchenherde der Allgemeinheit zur Verfügung standen. Zuckerfabriken gab es in Österreich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Backpulver in Päckchen für den Hausgebrauch kam um 1890 in den Handel. Eiserne „Kochmaschinen“ mit Backrohren wurden seit den 1860er Jahren serienmäßig hergestellt. Heute nennt das Internet tausende Keksrezepte.

Husarenkrapferl & Klosterkipferl Vanillekipferl zählen zu den wichtigsten Weihnachtsbäckereien. Ihre Erfolgsgeschichte begann nach der Erfindung des synthetisch hergestellten Vanillin-Aromastoffes 1874. Die Kapselfrüchte der Gewürzvanille (Vanilla planifolia) waren in Europa seit 1520 bekannt und zählten zu den teuersten und edelsten Gewürze der Welt. Andere typische Spezialitäten sind Florentiner – runde Plätzchen aus Mandelteig, der Honig, Zucker, Butter, Obers und Aranzini enthält und deren Boden in Kuvertüre getunkt ist.

Wachszieher.

Hausfreunde sind meist viereckige Kekse mit kandierten Früchten darin. Für Husarenkrapferl formt man Mürbteig zu Kügelchen mit einer Vertiefung in der Mitte, die mit Marmelade gefüllt wird. Makronen (maccherone: feiner Teig) sind ein Gebäck aus Mandeln, Zucker und Eiklar, das in venetianischen Klosterbäckereien entstanden sein soll. Im 16. Jahrhundert brachte sie die aus Florenz stammende Königin Katharina von Medici (1519–1589) nach Frankreich. In Wien heißen Makronen Mandelbusserl und Kokosmakronen Kokosbusserl. Von der Kirchenlehrerin Theresa von Avila (1515–1582) stammen viele kluge Aussprüche, unter anderem: „Wenn Fasten, dann fasten – wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.“ Anders ausgedrückt: Man soll die Feste feiern, wie sie fallen – und die kulinarischen Freuden dabei nicht zu kurz kommen lassen. Gebäck wie Klosterkipferl, Nonnenkrapferl, Bischofsbrot oder Kardinalschnitte bestätigen die Devise. Im Mittelalter, als Zucker in

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unseren Breiten unbekannt bis unerschwinglich war, verwendete man Honig als Süßstoff. Die ersten Erzeugungsorte für Lebkuchen fanden sich in den Klöstern. Den Verantwortlichen nannte man „Bruder Lebküchner“. Der „gesottene Teig“ des Lebkuchens besteht aus Honig, Wasser, Milch und Mehl, er muss längere Zeit lagern, um zu gären, und wird dann mit weiteren Zutaten verfeinert.

Spekulatius & Pinten Alt ist auch das Gewerbe der Lebzelter und Wachszieher, das die beiden Bienenprodukte Honig und Wachs verarbeitet. Erstmals wird es 1282 in Konstanz genannt. Die Nähe zur Kirche – wegen der Erzeugung von Kerzen und Wachsvotiven – unterstützte die Bildung von starken Zünften, die zugleich religiöse Bruderschaften waren. In Niederösterreich sind zwischen 1650 und 1850 in 69 Städten und Märkten rund 600 Meister nachweisbar. Die Lebzelter verkauften ihre Waren in Wallfahrtsorten, auf Märkten und Kirtagen und


Weihnachtszeit / 10

Zwischen Himmel und Erde

RITUALE DES ÜBERGANGS Neues ist aufregend, erzeugt Spannung, kann auch Unsicherheit und Angst hervorrufen.

Zwischen Himmel und Erde beginnt es neu. Jedes Jahr, und das gleich zwei Mal. Das kirchliche Jahr hat mit dem ersten Adventsonntag, heuer am 1. Dezember, begonnen. Der bürgerliche Kalender startet mit dem 1. Jänner. Neues ist aufregend, erzeugt Spannung, kann auch Unsicherheit und Angst hervorrufen. Das ist wohl auch der Grund, warum es so viele Rituale um den Übergang vom alten zum neuen Jahr gibt. Das neue Jahr wird von guten Wünschen und von guten Vorsätzen begleitet. Der vierblättrige Klee, Rauchfangkehrer und Schwein sollen für das notwendige Glück, für Erfolg und für die Gesundheit sorgen. Mit Bleigießen wird versucht, einen Zipfel der Zukunftsdecke zu öffnen.

Lebzelter.

hatten geschnitzte Model für die Feiertage parat. Die Holzformen dienten zur Verzierung des hineingepressten Teiges. Dadurch war eine Herstellung gleich aussehenden Gebäcks in großen Stückzahlen möglich. Geformt wurde damit Lebkuchen, Spekulatius (Teig aus doppelt so viel Mehl wie Fett und wenig Ei, ohne Treibmittel), Springerle (EierZucker-Masse) und Marzipan. Die Aachener Printen sind eine spezielle Weiterentwicklung eines Lebkuchengebäcks, das um das Jahr 1820 in Aachen ihren Anfang nahm. Der Begriff „Printen“ (Abdruck, vgl. engl. to print: drucken) verrät die Verwandtschaft zum Bilderbogen. Die Model wurden auch „hölzernes Bilderbuch“ genannt. Mit ihrer Hilfe ließen sich Heiligenlegenden ebenso wie die aktuelle Mode oder Sensationen darstellen. Für die Advent- und Weihnachtszeit gab es eine Reihe spezieller Motive: Nikolaus und Krampus, Jesus, Maria und Josef im Stall, Jesuskinder, Christusmonogramme, Anbetung der Hirten und der Könige … Aus kleinen Figuren ließen sich ganze Lebkuchenkrippen zusammenstellen. Lebkuchenhäuser sind bis heute beliebte Geschenke. / Text: Helga Maria Wolf Illustrationen: Magdalena Steiner

Am Beginn des Kirchenjahres gibt es den schönen Brauch des Adventkranzes. Der Kranz mit den vier Kerzen soll in der oft hektischen Adventzeit daran erinnern, innezuhalten und das Geschehen zu Weihnachten in den Blick zu nehmen. Das ist auch die ursprüngliche Idee des Kranzes. Entstanden ist er vor über 170 Jahren. Der evangelische Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern hat ihn im Jahr 1839 in einem Haus für verwahrloste Kinder eingeführt. Um diesen Kindern aus ärmsten Verhältnissen im Advent die Zeit bis Weihnachten mit der Geburt des Gottessohnes nahe zu bringen, entzündete man in diesem Haus der Diakonie jeden Abend eine Kerze an einem großen Wagenrad. Aus dieser Idee entstand der uns heute bekannte Adventkranz. Der ursprüngliche Adventkranz hatte immer genau so viele Kerzen wie der Advent Tage zählte. Im Jahr 2013 sind das 24 Kerzen, vier große weiße für die Adventsonntage, 20 kleine rote für die Wochentage im Advent. Mit seinen Lichtern ist der Adventkranz auch Symbol dafür, dass Menschen mit Zuversicht in das neue Jahr mit allen seinen uns unbekannten und unvorhersehbaren Ereignissen gehen können, weil Gott schon da ist in unserer Welt. / Mag. Paul Weiland, Superintendent der Diözese Niederösterreich

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Haus der Regionen / 11

Kremser Kamingespräche

SELBERMACHEN Wie viel Regeln und wie viel Entscheidungsfreiheit? Organisierte Schulsysteme oder alternative Lebensmodelle – bei den kommenden Kamingesprächen sind spannende Diskussionen zu erwarten.

Foto: Daniela Kloock

gezielten Förderung optimal entfalten können. Ist freie Entfaltungsmöglichkeit das Zauberwort der Pädagogik? Oder ist ein strikter Lehrplan zielführender? In welchem Verhältnis stehen alternative oder „selbstgemachte“ Bildungsmodelle zu jenen des staatlich organisierten Schulsystems? Wie lassen sich standardisierte Bildungsziele mit der bestmöglichen Förderung individueller Fähigkeiten vereinbaren? /

Dr. Barbara Kolm und Mag. Dr. Stephan Schulmeister.

HR Hermann Helm und Prof. Beatrix Konicek.

Im Dezember ist Selbermachen unter dem Fokus „Regeln schaffen“ Thema des Kremser Kamingesprächs. Einerseits ist die politische Landschaft Österreichs von latenter Passivität und sinkender Wahlbeteiligung geprägt, andererseits engagieren sich Einzelne mehr denn je – sei es im Rahmen zivilgesellschaftlicher Initiativen oder in der Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung. Viele Bürger wollen sich nicht bevormunden lassen und wünschen sich, unabhängig von staatlichen Rechtsnormen, ihre eigenen Regeln.

beschäftigen sich Barbara Kolm (Präsidentin des Friedrich A. v. Hayek Instituts) und der Wirtschaftsforscher und Universitätslektor Stephan Schulmeister.

Regeln schaffen Welche Möglichkeiten bieten sich bei der Schaffung individueller Regeln? Wo liegen die Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements? Wie stellt sich der Ausgleich von Gruppenegoismen und dem Allgemeinwohl gegenwärtig dar? In welchen Lebensbereichen sind Regulierungen notwendig? Und in welchen Bereichen wäre mehr Entscheidungsfreiheit zielführend? Mit diesen Fragen

Talente fördern Zum Staffelfinale setzen sich Hermann Helm (Amtsführender Präsident des Landesschulrates für Niederösterreich) und Beatrix Konicek (Vizerektorin für Fortbildung und regionale Vernetzung der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems) mit Bildungsfragen auseinander und erörtern die Vor- und Nachteil von staatlich organisierten Schulsystemen im Vergleich zu alternativen oder „selbstgemachten“ Lebensmodellen. Schon der Schriftsteller Theodor Fontane meinte „Die Talente sind oft gar nicht so ungleich, im Fleiß und im Charakter liegen die Unterschiede.“ Demnach schlummern in jedem Menschen Begabungen und Talente, die sich jedoch erst im Rahmen einer

schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014

Text: Karin Graf

KREMSER KAMINGESPRÄCHE

——————————————————— Mi, 11. 12. 2013, 18.00 Uhr Regeln schaffen Dr. Barbara Kolm, Mag. Dr. Stephan Schulmeister Mi, 8. 1. 2014, 18.00 Uhr Talente fördern HR Hermann Helm, Prof. Beatrix Konicek Eintritt frei, Anmeldung erbeten! _ Haus der Regionen 3504 Krems-Stein, Donaulände 56 Tel. 02732 85015 www.volkskultureuropa.org


Weihnachten / 12

Hausmusik

MITMACHEN! Beim Weihnachtslied in der Hausmusik ist das religiöse Element zugunsten dem stimmungsvollen gewichen. Wie auch immer die Motive sind – Hauptsache, es wird zu Hause gemeinsam gesungen und gespielt.

Die stillste Zeit im Jahr lädt wie keine andere Zeit im Jahreskreis zur Hausmusik ein, zur Musik im kleinen, familiären Kreis. Nicht der passive Genuss von Musik steht dabei im Vordergrund, sondern das aktive Musizieren möglichst vieler im privaten Bereich.

Das Phänomen Hausmusik ist facettenreich und hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert und entwickelt. Die Wurzeln gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Einer der ersten Belege für den Begriff „Hausmusik“ dürfte Bartholomäus Gesius’ „Christliche

schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014

Hauß und Tisch Musica. Darin sehr schöne Gesänge des H. Paschasij Reinicken, durch den Catechismum D. Mart. Lutheri, auff alle Tag (…) zu singen“ sein, die 1605 in Wittenberg gedruckt wurde. Erstmals nachweisbar tritt der Begriff „Hausmusik“ in Titeln von


Weihnachten / 13

Notensammlungen auf. Unzweifelhaft wird hier das christliche Haus als wesentlicher Ort für das gemeinsame Musizieren definiert und der Schule und der Kirche als ebenbürtig erklärt. In der Familie geschah Verkündigung in Form des geistlichen Musizierens, das zeitweilig auch von Hausandachten begleitet wurde. Was das Repertoire an Stücken für diese Art von Hausmusik angeht, war darauf zu achten, dass die Gesänge „von einem jeden Hauß vatter mit seinen Kindern“ gesungen werden konnten. Einfachheit und leichte Singbarkeit der Stücke waren ebenso erforderlich wie die Eignung zu häuslicher Andachtsübung. Das Singen „über Tische“ wurde als Gegenbewegung zu den rauen und ungehobelten Gesängen auf den Gassen forciert. Ein wesentliche Wandlung von der frommen Hausmusik, die seit dem Mittelalter dem Vertreiben „melancolischer einsamkeit“ diente, hin zu jener Hausmusik, die Ausdruck idealistischer Familienidylle sein sollte, vollzog sich in der Biedermeierzeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wolfgang Riehls Geleitbrief zu seiner „Hausmusik“ (1855) war Maßstab für die neue Funktion und Richtung der Hausmusik: Sie sollte „schlicht und ehrlich, rein und züchtig“ werden und der „Verflachung der Kunst“ entgegenwirken. Die Rückkehr zu einem einfachen, gedankenreichen, schlichten und strengen Stil sei nur durch das Musizieren im Haus erreichbar. Tatsächlich bewirkte diese neue Praxis des häuslichen Musizierens eine Verengung auf eine reine erbauliche Innerlichkeit.

Geselliges Ereignis Ort der Hausmusik war im 18. Jahrhundert das adelige und bürgerliche Haus. Das halböffentliche und auch gerade dem Dilettanten zugängliche Musizieren wurde zu einem beliebten geselligen Ereignis. Gerade hier konnte man den „erquickenden Atem des Lebens“ erfahren, der der Musik innewohnt. Allerdings wurde die Kluft zwischen professionellen Musikern und Musikliebhabern immer größer. Neu definiert wurde das Hausmusikrepertoire durch die Leitbilder der Jugendbewe-

gung Anfang des 20. Jahrhunderts, die sich speziell der Volksmusikpflege annahm und proklamierte, dass die „wahre Volksmusik aus der Familie herauswachsen“ müsse und so die „tiefsten und heiligsten Werte der Seele“ pflege. Im Gefolge dieser Strömung vereinnahmte der Nationalsozialismus die Hausmusik als seinen genuinen Auftrag. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dafür plädiert, die Hausmusik von ideologischem Ballast zu befreien und sie wieder als Stück bürgerlicher Kultur zu etablieren. Heute schließlich ist häusliches Musizieren stark von jenen qualitativen Maßstäben geprägt, die auch für öffentliche Aufführungen gelten. Was nun das Weihnachtslied angeht, brachte speziell die Hausmusik des 19. Jahrhunderts einen neuen Schatz an Liedern hervor. Da gibt es jene Lieder, die melodisch Anleihe an Kompositionen der Barockzeit nehmen. So ist die Melodie des Liedes „Tochter Zion, freue dich“ Händels Oratorium „Josua“ entnommen. Johann Escheburg bzw. Friedrich Heinrich Ranke haben es mit neuem Text unterlegt. Letzterer übertrug auch den Text von „Adeste fideles“ ins Deutsche und unterlegte ihn mit einer Melodie aus dem 18. Jahrhundert. Derartige Lieder wurden neu ein- oder auch mehrstimmig und für Klavierbegleitung gesetzt.

„Stille Nacht“, das heute bekannteste aller Weihnachtslieder, eroberte von einer Dorfkirche ausgehend sehr rasch die bürgerlichen Häuser des 19. Jahrhunderts. Die erste Veröffentlichung 1833 kennzeichnete es noch als „Tyroler Lied“. Wilhelm Fink rechnete es 1843 schon zum musikalischen Hausschatz der Deutschen. Über das häusliche Musizieren hinaus erlangte das Lied einen unerreichten Bekanntheitsgrad, da es die Herzen zu rühren vermochte und obendrein auch im Kirchenraum liturgisch einsetzbar war. Die Hausmusik des 19. Jahrhunderts hat den Weihnachtsliederschatz erheblich vermehrt. Diese Lieder sind zu einem fixen Bestandteil unseres heutigen Repertoires an Weihnachtsliedern geworden, ohne dass sie die weihnachtlichen Volks- und Kirchenlieder verdrängt hätten. Jedes Weihnachtslied ist geeignet, im Kreis der Familie auf das Weihnachtsfest vorzubereiten sowie der Freude Ausdruck zu verleihen und der stillen Zeit den eigenen Klang und die besondere Stimmung zu geben. / Text: Peter Gretzel Foto: Manfred Horvath

Vorfreude wecken Eine weitere Gruppe von Weihnachtsliedern kreist thematisch nicht mehr so sehr um das Geheimnis der Menschwerdung Christi, sondern hauptsächlich um das Weihnachtsfest als Familienfest mit Bescherung der Kinder und geschmücktem Weihnachtsbaum. Das religiös erbauliche Element ist hier dem stimmungsvollen gewichen. Der Weihnachtsbaum wird in den Liedern „O Tannenbaum“ oder „Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen“ als Weihnachtssymbol thematisiert. Das Christuskind wird zum Gabenbringer in den Liedern „Kling Glöckchen, klingelingeling“, „Süßer die Glocken nie klingen“ oder auch im Lied „Alle Jahre wieder“. Die Lieder „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ sollen die kindliche Vorfreude auf die Bescherung wecken. Eine zauberhafte Winteridylle wollen die Lieder „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ oder „Leise rieselt der Schnee“ transportieren.

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WEIHNACHTSLIEDERTELEFON

——————————————————— Weihnachtslieder-Hotline Suchen Sie bestimmte Lieder? Alte oder neue? Klingt die Melodie noch im Ohr und es fehlt Ihnen der Text? Haben Sie noch Textpassagen im Kopf, aber keine Melodie mehr dazu? Das Team des NÖ Volksliedarchivs, Dr. Peter Gretzel und Mag. Daniela Fuchs, hilft Ihnen gern rasch und zuverlässig weiter. NÖ Volksliedarchiv c/o NÖ Landesbibliothek 3109 St. Pölten Landhausplatz 1 archiv@volkskulturnoe.at Tel. 02742 9005-12878 Für Sie geöffnet: Di–Do 9.00–15.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung


Advent / 14

Advent im Brandlhof

Mitmachen

HANDWERK & MUSIK

MEIN CHRISTKIND

Advent als stressfreie Zone. Die Volkskultur Niederösterreich hat gehaltvolle Angebote.

Advent – Wie ich mich auf das Christkind vorbereite

Der 800 Jahre alte Brandlhof ist durch seine Handwerksmärkte weithin bekannt. Der Adventmarkt bietet Ihnen die Gelegenheit mit Kunsthandwerken in Kontakt zu treten. Am Samstag, den 7. Dezember wird der Christbaum illuminiert – eine feierliche Geste, die zum Verweilen einlädt. /

Advent: Das ist die Zeit des Wartens. Die Zeit, in der sich vor allem die Kinder auf den Heiligen Abend und auf das Christkind freuen. Und die Zeit, in der in den Familien und Gemeinden in Niederösterreich zahlreiche Bräuche – alte, aber auch moderne – gepflegt werden. Deshalb laden wir alle Kinder und Jugendlichen in Niederösterreich ein, an der Aktion „Advent – Wie ich mich auf das Christkind vorbereite!“ mitzumachen und uns mitzuteilen, wie sie sich in ihren Familien, in Schule und Kindergarten, in ihren Gemeinden auf den Heiligen Abend und auf die Geburt Christi vorbereiten. Mit dieser Aktion wollen wir den Kindern ein bisschen den ursprünglichen Sinn und Zauber des Weihnachtsfests begreifbar machen. Der Advent soll als Zeit der besinnlichen Vorbereitung auf das Weihnachtsfest erhalten bleiben. Und das Christkind ist für uns das Symbol für das Friedensfest Weihnachten. /

ADVENT IM BRANDLHOF

——————————————————————————————— Sa, 7. 12., 14.00–18.00 Uhr, So, 8. 12. 2013, 10.00–18.00 Uhr Weihnachtsmarkt und Rahmenprogramm 3710 Radlbrunn, Brandlhof

AKTION CHRISTKIND

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Eintritt frei!

Schreibt uns, welche Bräuche ihr im Advent pflegt. Schickt uns eine Zeichnung von „eurem“ Christkind.

Sa, 7. 12. 2013, ab 14.00 Uhr: Weisenblasen mit voixBrass, Lesung, ARTSchmidatal, Illuminierung des Christbaums, Offenes Singen

NÖ Medienzentrum Rennbahnstraße 29/4/403, Stiege C, 3109 St. Pölten

So, 8. 12. 2013, ab 10.00 Uhr: Weisenblasen mit den Pulkauer Weisenbläsern, Lesungen, ARTSchmidatal, Offenes Singen im Hof mit Dorli Draxler

Fax 02742 9005 16530 mitmachen@mein-christkind.at www.mein-christkind.at Einsendeschluss ist der 9. Dezember 2013

An beiden Tagen stimmungsvoller Weihnachtsmarkt mit traditionellem Handwerk. Information: Brandlhof, Tel. 0664 8208595 www.volkskulturnoe.at

Alle Einsendungen werden im Internet auf www.mein-christkind.at veröffentlicht. Als kleines Dankeschön werden unter allen Einsendern ein Tablet und Einkaufsgutscheine der Firma SPAR verlost.

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Advent / 15

Advent im Haus der Regionen

So schmeckt Niederösterreich

AUF NACH BETHLEHEM

ADVENT IM PALAIS

Klein, aber fein: Adventmarkt am Ludwig-vonKöchel-Platz und in der Galerie der Regionen.

Ein stimmungsvoller Markt des Landes Niederösterreich für seine Landsleute und Freunde in Wien.

Foto: Helmut Lackinger

Bereits zum sechsten Mal werden kulinarische Schmankerln und köstliche Raritäten aus unserem Bundesland im Innenhof sowie in den Prunkräumen des ehemaligen Niederösterreichischen Landhauses präsentiert und die Besucher auf eine vorweihnachtliche Reise durch die Regionen Niederösterreichs und ihrer Spezialitäten entführt.

Seien Sie Gast beim beschaulichen Adventmarkt am Ludwig-vonKöchel-Platz in Krems-Stein und tauchen Sie ein in eine zauberhafte Adventidylle. Genießen Sie die vorweihnachtliche Zeit in Ruhe, stöbern Sie im Angebot des Markts und lassen Sie sich von Volksmusikensembles und weihnachtlichen Liedern auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmen. Der Adventmarkt zeichnet sich durch seine liebevolle Gestaltung und stimmungsvolle Atmosphäre aus. Die Aussteller bieten sorgfältig hergestelltes Kunsthandwerk wie handbemalte Zinnfiguren, weihnachtliche Kerzen und Drechselkunst ebenso wie Produkte aus der Region und Glühwein und Punsch an. /

ADVENT IM HAUS DER REGIONEN

——————————————————————————————— Sa, 14. 12., 14.00–19.00 Uhr, So, 15. 12. 2013, 10.30–18.00 Uhr ADVENT / Markt am Ludwig-von-Köchel-Platz Eintritt frei! Fr, 13. 12. 2013, 19.30 Uhr ADVENT / Konzert „Auf nach Bethlehem!“ Konzertkarten: Kat. I: VVK: EUR 16,00, AK: EUR 18,00 Kat. II: VVK: EUR 14,00, AK: EUR 16,00 Tipp: Genießen Sie vor den Konzerten ab 17.30 Uhr ein dreigängiges Menü im Restaurant Blauenstein inkl. Konzerteintritt um insgesamt EUR 34,00.

Zum Schauen – Kunsthandwerk aus Niederösterreich, Krippenausstellung. Zum Schenken – Produkte aus Niederösterreich, geschmackvolle Geschenkideen. Zum Zuhören – Chöre, Bläser und Musikgruppen aus Niederösterreich, besinnliche und heitere Gedanken für Groß und Klein. Zum Genießen – traditionelle Köstlichkeiten und geschmackvolle Raritäten. Freitag: Mostviertler BlechMusikanten, Stubenmusik Rauchengern, Wienerwald Viergesang, Alpine Carolers, Chorgemeinschaft Kilb, Chor der Musikhauptschule Blindenmarkt; Lesungen: Annemarie Eppinger, Marlen-Christine Kühnel, Herbert Eigner begleitet von Eva Wallisch an der Harfe. Samstag: Krass Brass, WiazHausmusi, Ernsthofner Viergesang & Doppelquartett, Scheibbser3er, Chor der Pfarre Ybbsitz, TexSinger Dreier; Lesungen: ARTSchmidatal, „Buchabauer“ Erich Stöger, Günter Brauneis begleitet von den Mostviertler Zitherfreunden. /

SO SCHMECKT NIEDERÖSTERREICH ADVENTMARKT

——————————————————————————————— Fr, 29. 11., und Sa, 30. 11. 2013, 10.00–21.00 Uhr

Information und Kartenbestellung Haus der Regionen, 3504 Krems-Stein, Donaulände 56 Tel. 02732 85015, ticket@volkskultureuropa.org

Palais Niederösterreich 1010 Wien, Herrengasse 13

www.volkskultureuropa.org

www.soschmecktnoe.at

Der Eintritt ist frei!

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Musikschule / 16

Hausmusik

DAS FAMILIENLEBEN BEREICHERN Musikschule und Hausmusik – wie geht das zusammen? Ganz einfach, indem die Musikschulen Familienkonzerte veranstalten und Familien musikalisch zusammenführen.

gemeint (siehe auch Seite 12). Typisch für dieses Zeitalter sind die Schubertiaden, die als Prototyp und historisches Vorbild der Hausmusik verstanden werden und die Verlagerung der Musik in den Privatbereich verkörpern. Idyllische Beschreibungen von Hausmusik, Szenen aus dem 19. Jahrhundert – durch Massenmedien und Tonträger hat sich der Stellenwert der Hausmusik verändert. Das gemeinsame Musizieren wird dennoch fortgeführt, wenn auch in anderen Formen und Bedeutungen.

Sieben Mitglieder hat die Familie Pilz – mindestens ein Instrument spielen sie alle. Foto: Pilz

Wem es gelingt, der Hektik in der Vorweihnachtszeit im Einkaufsrausch zwischen Arbeitsstress und Punschstand zu entkommen, der erlebt hin und wieder – alle Jahre wieder – einen Moment der Ruhe und Besinnlichkeit. Adventkranzbinden, Kekse backen, Musikmachen – mehr als sonst besinnt man sich in der Weihnachtszeit auf Traditionen wie diese. Das gemeinsame Musizieren und Singen ist in vielen Familien das ganze Jahr über fixer Bestandteil des Alltags. „Hausmusik“ bezeichnet das Musizieren

im häuslichen Bereich, im Kreis der Familie, im Freundeskreis oder sozialen Gemeinschaften und ist nicht an bestimmte Musikrichtungen gebunden. Obwohl die Praxis des Musizierens im Haus bereits seit dem Mittelalter nachweisbar ist, findet der Begriff „Hausmusik“ heute häufig in einem anderen Kontext Erwähnung. Spricht man von Hausmusik, so ist oft die bürgerliche Gattung, die in der Salonkultur des Biedermeier ihren Höhepunkt erreichte,

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Der Name Hausmusik findet sich heute vielfach in Ensemblenamen, oft auch im Bereich der Volksmusik, wieder. Andererseits wird sie als Gegenpol zur Massenkultur gesehen und nützt diesen Status zur Hervorkehrung der Individualität. Zahlreiche Aktionen und Projekte thematisieren Hausmusik – so setzt die Volkskultur Niederösterreich mit der Initiative Hausmusik ein deutliches Zeichen. In der Steiermark wiederum liefert eine Konzertagentur „Hausmusik auf Bestellung“, wobei die Bewohner als Gastgeber fungieren und die Musik „mitgebracht“ wird. Ein ähnliches Format wählt ein Ensemble für zeitgenössische Musik, PHACE, mit „rent a musician“. Dabei können sich interessierte Zuhörer Formationen vom Solisten bis zur Triobesetzung für ein Minikonzert ins eigene Wohnzimmer bestellen. Die Thüringer Bachwochen wiederum initiierten eine „Lange Nacht der Hausmusik“ und luden Kinder, Erwachsene, professionelle Musiker und Amateure ein, zu Hause Werke von Bach zu spielen und ihre Wohnungen dabei der Öffentlichkeit zu öffnen.


Musikschule / 17

Familie Haas bei der Probe für das Familienkonzert in der Musikschule. Foto: Regionalmusikschule Bisamberg/Leobendorf/Enzersfeld

Die Familiengemeinschaft stärken Hausmusik im traditionellen Sinn wird nicht zuletzt aufgrund eines sehr aktiven Musikschulwesens in vielen Familien und Freundeskreisen praktiziert. Sieben Mitglieder hat die Familie Pilz – mindestens ein Instrument spielen sie alle. Von der jüngsten, Susanne (4), die die musikalische Früherziehung besucht, bis zu Samuel (18), der Fagott spielt, besuchen bzw. besuchten alle fünf Kinder die Musikschule Tulln, wo sie sowohl Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Stücke als auch bei den Proben finden. Beim gemeinsamen häuslichen Musizieren ist Mutter Claudia das Bindeglied der Familie – sie begleitet beim Üben und initiiert Proben. Denn neben dem gemeinsamen Musizieren zu Hause hat die Familie Pilz auch Auftritte in der Musikschule, bei Taufen, Gottesdiensten oder Familienfeiern. „Auch wenn alle Familienmitglieder in verschiedenen Bereichen musizieren, kann doch die Motivation für das gemeinsame Musizieren in der Familie sehr unterschiedlich hoch sein. Zusätzlich machen Geschwisterkonflikte das Proben manchmal schwierig. Als förderlich haben wir erlebt, wenn von außen Anfragen zum gemeinsamen Musizieren kommen.

Ein ,Auftrag‘ von außen motiviert alle Beteiligten, gemeinsam einen schönen Beitrag zu leisten. Die Aufführungen machen dann nicht nur den Zuhörern Freude, sondern sie stärken auch die Gemeinschaft innerhalb der Familie“, ist man sich einig.

„Wenn Eltern nervöser sind als ihre Kinder" Die Musikschule Bisamberg/Leobendorf/ Enzersfeld veranstaltet jährlich ein Familienkonzert. Bei diesem Konzert spielen nicht nur „fixe“ Familienmusiken, sondern es werden für diesen Anlass auch Familien „musikalisch zusammengeführt“. Die Lehrer bearbeiten Stücke für ausgefallene Besetzungen, sodass auch Elternteile, die kein Instrument beherrschen, mitwirken können. Ein Konzept, das Familie Haas begeistert hat: Die beiden Töchter, Zoe und Lilly-Ann, lernen Geige an der Musikschule, Mutter Claudia spielt Klavier. Für das Familienkonzert studierte Vater Manfred, der kein Instrument spielt, über Wochen hinweg ein Stück am Klavier ein, die Oma wirkte am Tamburin mit. „Das Miteinander ist für alle Familienmitglieder ein wunderbares Erlebnis. Und die Kinder sehen: auch Erwachsene müssen üben“, schwärmt Claudia Haas.

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Musiziert wird fast jeden Tag, vor dem Konzert noch intensiver. Wie das Musizieren und Proben abläuft? „Die siebenjährige Zoe ist unsere Lehrerin – sie hat Oma geholfen. Alle zusammen haben Papa motiviert. Und es hat funktioniert: Er möchte nun Klavier lernen“, erzählt Claudia Haas, die auch Musikschullehrerin Gudrun Bergmann als wesentlichen Faktor für den Erfolg sieht, denn das Konzert ist zu einem Highlight des Jahres geworden – „auch wenn die Eltern dabei nervöser sind als ihre Kinder“. Für das zweite Konzert versuchte sich der Vater erfolgreich auf dem Violoncello. „Das gemeinsame Musizieren hat das Familienleben enorm bereichert“, meint Claudia Haas – und ist gespannt, welches Instrument ihr Mann als Nächstes lernen wird. / Text: Katharina Heger

AKTION HAUSMUSIK

——————————————————— Dieser Ausgabe des Schaufenster Kultur. Region ist die Broschüre „Aktion Hausmusik. Weihnachtslieder lieber selber singen“ beigelegt. Viel Spaß beim Singen und Musizieren! Das Heft kann auch bei der Volkskultur Niederösterreich bestellt werden: office@volkskulturnoe.at


Waldviertel / 18

Familienmusik Trauner

RUNDUM MUSIK Die Hausmusik bestimmt schon seit Langem das Leben der Familie Trauner. Manuela und Johann Trauner leben gemeinsam mit ihren elf Kindern in Altenburg am Rande des Horner Beckens.

Familie Trauner: Musik ist Bestandteil des Alltags – jedes Kind spielt mehrere Instrumente. Foto: z. V. g.

Als erstes begannen die Kinder mit der Blockflöte, sie spielten von Anfang an im Kreise der Familie, wo auch Bekannte mitmusizierten. Die Kinder merkten so, dass die Flöte kein Kinderinstrument ist und von Erwachsenen genauso gespielt wird. Ein Zusammenspielen passiert ab dem ersten

Ausprobieren in der Familie, die Musikschullehrer bieten den weiteren Instrumentalunterricht. Ab dem 3. Lernjahr „nehmen die Kinder meistens ein zweites Instrument dazu“. Die abgespielten Blockflöten wandern in die Hände der kleineren Geschwister. Diese geben den Instrumenten dann „den

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Rest“, indem sie mit dem Flötenkopf alleine durch das Haus tröten. Vor drei Jahren hat die Familienmusik Trauner ein Programm erarbeitet, welches ausschließlich Adventmusik in verschiedensten Besetzungen und Gesänge enthält. Der


Waldviertel / 19

Advent, welcher für die Familie ein bedeutendes kulturelles und religiöses Anliegen ist, bietet ein unerschöpfliches Repertoire an Musikliteratur. Das Adventprogramm wird mit einigen klassischen Stücken bereichert.

Lampenfieber unbekannt Die Kinder konzertieren nicht, sondern sie spielen und musizieren einfach. Sehr wohl sind sie mit dem nötigen Ernst und großem Eifer dabei, aber Lampenfieber müsste man ihnen erst beibringen, da sie ihre Auftritte nicht als Konzert betrachten. Bei Bewerben spielen die Kinder ohne Lehrer oder Eltern, bei Auftritten spielen die Eltern jedoch mit. Hat die Familie anfangs nur instrumental musiziert, so begann man vor einiger Zeit auf Anregung der Mutter zu singen. Sieben Kinder treten bereits als Vokalensemble auf und konnten heuer einen 1. Preis beim landesweiten Volksmusikwettbewerb in Leobendorf erringen. Als Belohnung gab es dann eine Einladung zu der von der Volkskultur Niederösterreich organisierten tanz&MUSIKwoche in Hollenstein/Ybbs. Die Übungseinheiten für das gemeinsame Musizieren sind auftrittsbezogen und werden intensiviert, wenn ein Bewerb ansteht. Alle wohnen zu Hause, wo zu bestimmten Zeiten gemeinsam geprobt wird. Natürlich muss es mehrere Proberäume fürs gleichzeitige Üben geben. Das Klavier- und das Flügelzimmer reichen nicht aus, in genügender Entfernung wird auch im Bügelzimmer oder im Abstellraum bei der Getreidemühle geübt. Viele Kinder sind aber auch außerhalb der Familie musikalisch tätig wie zum Beispiel bei der Blasmusik Pölla (fünf), beim Gesangs- und Musikverein Horn (sieben plus Mama) oder bei Prima la Musica. Einige Kinder werden laufend zu kleineren Ensembles eingeladen, zu Aktivitäten der Musikschule oder ähnlichen Projekten. Durch das häufige Praktizieren der Hausmusik werden die Fähigkeiten am Instrument automatisch und vor allem „im Spiel(en)“ gefestigt. Magdalena ist mit 17 ½ Jahren die Älteste und spielt Klavier, Violine, Gitarre und Hackbrett und steht im zweiten Lehrjahr als Verkäuferin in einem Horner Handarbeitsgeschäft. In den Mittagspausen kehrt sie nach Hause zurück, um an gemeinsamen Proben teilnehmen zu können, oder nimmt Hornunterricht

an der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Musikschule. Franz, der Zweitälteste, besucht die Bundesfachschule für Flugtechnik in Langenlebarn und ist heuer für ein Jahr beurlaubt. Er konzentriert sich auf Violine und Oboe. Daneben kümmert sich sein Onkel Pater Arnold, der ein Jahr zur Erholung aus Afrika im Kreise der Familie Trauner verweilt, um die humanistischen Fächer Latein und Französisch. Die Drittälteste ist Maria, sie spielt Block- bzw. Querflöte, seit über drei Jahren auch Cello und absolviert im Moment von zu Hause aus ihr letztes Pflichtschuljahr. Der einzige externe Unterricht, den die Kinder bekommen, ist der Instrumentalunterricht über den Gemeindeverband der Musikschule Horn. Die Zweigstellenleiterin von Altenburg, Sonja Walther, hat Tonsatz, Violine und Viola studiert und hilft, das Notenmaterial an das Können der Kinder anzupassen. Jedes Kind spielt mehrere Instrumente, daher ist auch professionelle Hilfe für die Besetzung gefragt. Mag. Andrea Straßberger ist eine große Stütze der Familie. Bei Vorlage eines drei- bis vierstimmigen Satzes weiß sie sofort, welche Stimme mit welchen Instrumenten besetzt werden soll. Das betrifft auch die Stückauswahl! Welches Stück in welcher Besetzung dann wirklich „aufgeht“, erfordert großes Fingerspitzengefühl.

Mutter Manuela Trauner ...

... und alle elf Traunerkinder. Fotos: z. V. g.

Irgendwo spielt immer jemand Hausmusik bedeutet im Fall der Familie Trauner gleichzeitig Familienmusik, weil viele Möglichkeiten der Besetzung auch für klassische Musik vorhanden sind. Drei Mädchen spielen Klavier und begleiten ihre Geschwister auch schon bei Bewerben. Rund um die Uhr spielt irgendwer irgendwo im Haus, manchmal müssen selbst die Eltern nachsehen, wer da spielt, so sprunghaft sind oft die Fortschritte am Instrument. Die drei ältesten Kinder begannen heuer mit der theoretischen Ausbildung in der Oberstufe. Dieses Umfeld färbt auf die kleineren Geschwister in der Weise ab, dass man sie bei improvisierten Orchesterproben erwischt. Dabei steht ein Kind am Wohnzimmertisch und dirigiert summend eine allen bekannte Melodie, die anderen spielen dazu ihre Phantasieinstrumente (zwei Flötenputzer kreuzweise aneinander gerieben in der richtigen Stellung sind sie Violine und Viola, der Koch-

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löffel ist die Querflöte, die Nackenrolle zwischen den Knien das Cello und eine große Fruchtsalatdose die Trommel). So intonieren und simulieren die Kinder mehrstimmig das angesagte Stück. Neujahrskonzerte oder Beethovenkonzerte auf DVD, Buchbinder am Klavier die Philharmoniker leitend, das fesselt auch schon die Zwei- bis Siebenjährigen mehr als eine Stunde. Illegales Selbsterlernen eines Instrumentes wird längst nicht mehr geahndet, auf die korrekte Instrumentenhaltung sind die Argusaugen der rechtmäßigen Instrumentenbesitzer gerichtet. Der Druck „der Basis“ ist so enorm, dass ein Streicherensemble mit einem Altersdurchschnitt von neun Jahren einen 2. Preis beim Volksmusikwettbewerb errang. Wo wird das noch hinführen – und das Ganze nur deshalb, weil die Eltern nie was dagegen unternommen haben! / Text: Andreas Teufl


Waldviertel / 20

Kochbuch

STRUDL & STERZ Aus alten Wirtshäusern, Bauernküchen und urgroßmütterlichen Kochbüchern hat Gisela Toth hunderte Rezepte aufgestöbert, ausprobiert und die besten in diesem Kochbuch zusammengefasst. Kulinarischer Streifzug

Ganslsuppe. Foto: Werner Fröhlich

Das Kochbuch „Strudl & Sterz“ erscheint in der Reihe „Wir tragen Niederösterreich“ und besticht mit regionalen, bodenständigen, aber dennoch pfiffigen und raffinierten Rezepten. Gisela Toth stellte diese einzigartige Sammlung alter, handschriftlich aufgezeichneter Rezepte zusammen. Bei ihren Recherchen stieß sie auf so manche kulinarische Rarität, die bisher nur mündlich weitergegeben wurde. Gisela Toth kochte diese Speisen nach, verfeinerte sie und schrieb die Rezepte nieder. Somit enthält „Strudl & Sterz“ außergewöhnliche Waldviertler Gerichte, die fast in Vergessenheit geraten waren, jetzt aber zum Nachkochen einladen.

Aus alten Wirtshäusern, Bauernküchen und urgroßmütterlichen Kochbüchern hat Gisela Toth hunderte Rezepte aufgestöbert, ausprobiert und die besten in diesem Kochbuch zusammengefasst. Einige dieser Aufzeichnungen sind noch in Kurrentschrift verfasst, da und dort mussten alte Begriffe und Maßeinheiten „übersetzt“ werden. Diese Gerichte wieder in die heimische Küche zu integrieren, motivierte Gisela Toth zur Zusammenstellung der Rezeptsammlung. So bietet das Kochbuch nicht nur kulinarische Schmankerl aus dem Waldviertel, sondern auch eine kulturgeschichtliche Reise durch die Jahrhunderte. Es gibt viele Köstlichkeiten zu entdecken: von deftiger, bodenständiger Hausmannskost bis hin zu feinsten Mehlspeisen. „Strudl & Sterz“ zeigt die einfache, aber trotzdem raffinierte Küche des Waldviertels. Das Kochen zählt zu den ältesten Kulturtechniken des Menschen, es steht aber auch für Genuss und Sinnlichkeit. Das vorliegende Kochbuch „Strudl & Sterz“ ist für Leib und Seele gedacht und bietet einen kulinarischen Streifzug durch das Waldviertel. Erdäpfel, Karpfen, Mohn, Käse und Kräuter sind die typischen Produkte für das Waldviertel. Ganz im Sinne der Initiative „Wir tragen Niederösterreich“ legt das Kochbuch Wert auf Originalität der Rezepte und bringt den Geschmack der Region in die Küche. Heitere Geschichten von der Waldviertler Mundartdichterin Isolde Kerndl als „Zuaspeis“ rund ums Kochen runden das Buch

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ab. Die Leser dieses Kochbuches können die Rezepte getrost nachkochen, denn fast alle sind von Frau Toth auch in Zusammenarbeit mit der Fachschule Edelhof vorgekocht und von Vorkostern für gut befunden worden. Die detaillierten Kochanleitungen garantieren das Gelingen der Gerichte. / Text: Andreas Teufl

STRUDL & STERZ

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Waldviertler Schmankerl nach Rezepten von Gisela Toth & Gschichtln von Isolde Kerndl EUR 19,00 ISBN 978-3-901820-86-1 Erhältlich über Volkskultur Niederösterreich office@kulturregionnoe.at Tel. 02275 4660


Mostviertel / 21

Krippen

ZEIGT EURE HÄNDE Besonderes Merkmal: vorgestreckte Hände. Die Krippenfiguren und Krippen des Franz Roitner aus dem Ybbstal.

Allgemein kann das Ybbstal als beachtenswertes Krippengebiet bezeichnet werden. Schon die älteste Erwähnung einer Kirchenkrippe findet sich in der Bürgerspitalkirche von Waidhofen. Dort heißt es in der Jahresabrechnung des Spitalmeisters von 1843, dass „am 23. Dezember obgenannter Zimmermann ein Tagwerk, so er bey dem Kripperl zugebracht, bezahlt wurde“. Weiters ist das Heimatmuseum Waidhofen/Ybbbs im Besitz des ältesten Krippenguts, denn dort befinden sich einzelne Figuren einer ehemals mechanischen Krippe, die noch um 1800 gespielt haben soll. Wenn auch die in der Bürgerspitalkirche aufgestellte Krippe dem Waidhofner Krippenbauer Ignaz Oberratter (1852–1929) zugeschrieben wird, steht nach jetzigen Erkenntnissen eindeutig fest, dass die Landschaftsgestaltung – der sogenannte Krippenberg – von diesem gefertigt wurde. Man kann jedoch annehmen, dass einige der vorhandenen Figuren aus einer älteren Krippe stammen. Neben dem erwähnten Ignaz Oberratter ist in Waidhofen noch Ignaz Obermüller (1921–2007) und in Lunz am See der Krippenschnitzer Heinrich Hummelsberger (1900–1985) zu erwähnen. Nach einem weiteren Krippenbauer mit Figuren, die eine typische Handhaltung vorweisen, wurde schon längere Zeit gesucht. Zum Teil wurde als Herkunft dieser Krippen die Steiermark oder einfach nur „Holzknechtkrippe“ angegeben. Über einen Auftrag des Vereins der Niederösterreichischen Eisenstraße kam der Autor auch zum Hause Groß-Stanglau im Steinbachtal, Göstling/

Ybbs. In diesem Haus fiel erstmals die Bemerkung, dass die dort vorhandene Krippe von einem „Roitner aus Kogelsbach“, St. Georgen am Reith, sei. Nach weiteren Forschungen konnte ich schließlich im Haus Kogelsbach 13, bei Frau Berta Haselsteiner, erfahren, dass die Werkstatt von Franz Roitner in diesem Haus (früher Kogelsbach 19) gewesen war.

Naturalien statt Geld Roitner baute Krippen und hat auch die Figuren selbst geschnitzt. Als Bezahlung für seine Arbeit wollte er lieber Naturalien statt Geld. Elfriede Käfer vom Haus KogelsbachBauer erzählte, dass die Krippe von Franz Roitner nur ungern hergezeigt wurde, weil die Besucher, die damals die Krippe besichtigten, sich immer abfällig über die Figuren mit den eigentümlich gestalteten Händen äußerten. Nach einiger Zeit wurde die Krippe von ihrem Mann ausgemustert. Betrachtet man heute die Krippen von Franz Roitner, ist diese besondere Händehaltung ein wesentliches Charakteristikum seiner Figuren. Auch die Könige haben vorgestreckte Hände und tragen mit beiden Händen ihre Gaben. Beim Jesuskind ist die Händehaltung ebenfalls die gleiche. Das bisher bekannte Verbreitungsgebiet der Roitner-Krippen ist das obere Ybbstal. In den Sterbematriken der Pfarre Waidhofen/ Ybbs fand sich folgender Eintrag: „Roitner Franz, r. k., Pfründner in St. Georgen am Reith, ledig, Kogelsbach 19, weiteres unbekannt, geboren am 2. Oktober 1867 in Groß Hollenstein a. d. Ybbs, begraben in Waidho-

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Roitner-Krippe: das Jesuskind mit ausgestreckten Händen.

fen an der Ybbs, gestorben am 16. Jänner 1938, 19.00 Uhr Krankenhaus Waidhofen an der Ybbs an Herzschwäche.“ / Text und Foto: Friedrich Almer

KRIPPENFORSCHUNG

——————————————————— Der Krippenbauer und -forscher Friedrich Almer würde gerne weitere Roitner-Krippen ausforschen und bittet um Hinweise: ADir. i. R. Friedrich Almer 3340 Waidhofen/Ybbs Vorgartenstraße 3 Tel. 07442 52794


Weinviertel / 22

Advent

RASCH NACH RASCHALA! Am Sonntag, den 1. Dezember 2013 findet der traditionelle Adventmarkt in einer der schönsten Kellergassen des Weinviertels statt.

Krippe am Ende der Kellergasse.

Vielleicht liegt zwischen den Rebzeilen Schnee und zieht sich in feinen Linien durch die Weingärten. Unter dem Nussbaum finden sich noch ein paar Nüsse. Im Winter haben Kellergassen ihren besonderen Charme. Die eine oder andre Kellertür steht offen und daraus dringen warmes Licht und wohltemperierte Kellerluft. So wie in Raschala bei Hollabrunn, wo zum 21. Mal zum Advent in der Kellergasse eingeladen wird.

Zuerst sollte man wissen, dass es hier Raschala heißt (mit Betonung auf dem letzten a). Und dass die Kellergasse Pinkelstein genannt wird. Sie ist mittlerweile schon so berühmt, dass sie in die Reiseliteratur Eingang gefunden hat. „Hier hat Mozart auf der Reise nach Prag Rast gemacht“, erklären die beiden Köllamauna Helmut Leirer und Werner Daim – und sie kichern, weil sie damit eine Legende geschaffen haben, die für viele schon eine Tatsache geworden ist. Das ist eben so,

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wenn man im Keller zusammensitzt, da kommen einem allerhand Ideen. Die Idee zum Pinkelstein kam den Kellerbesitzern in einer fröhlichen Runde, basierend auf Eduard Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“. Als Stein musste ein aus dem Waldviertel stammender Granitblock herhalten, der im Fasching 1976 in der Kellergasse aufgestellt wurde. Der besagte Pinkelstein steht am Platz, wo die Kellergasse


Weinviertel / 23

Im Christkindlkeller wird gebastelt ...

beginnt. Ganz so abwegig ist der Gedanke gar nicht, denn durch die Kellergasse von Raschala führte die Poststraße Wien–Prag. Und vielleicht hat der Komponist auf seiner Reise nach Prag Wein aus Raschala getrunken. „Kellergasse Poststeig“ ist auf Ankündigungsplakaten des Heurigenausschanks aus den 1950er Jahren noch zu lesen.

Vom Wein … Die Kellergasse von Raschala ist ein Schmuckkästchen. Blitzweiß getünchte Presshäuser, dunkelgrüne Türen, alte Bogenlampen, Tische und Bänke unter Hollerbüschen, worauf im Winter kleine Schneehäubchen balancieren. Als der Architekt Helmut Leirer 1968 von Wien ins Weinviertel zog, gab man ihm den Tipp: „Wennst’ hier was gelten willst, brauchst’ einen Keller.“ So kaufte er einen Keller in Raschala und begann ihn herzurichten. „Dann haben die Leut’ gesagt: Wie kann man bloß Geld in einen Keller stecken?“ Da waren Kellergassen noch Werkstätten des Weins. Und die, die nicht mehr in Verwendung standen, verfielen – das Gebüsch der Hohlwege begann sie zu umschließen wie das Dornröschen im Schlaf. In Raschala begann Architekt Leirer seinen Keller liebevoll und sachverständig herzurichten – und in der Kellergasse, das ist im Weinviertel ein erfreuliches Phänomen, kam es zum Dominoeffekt: Die Nachbarn begannen ebenfalls ihre Keller instand zu setzen. Die Renaissance der Kellergassen setzte in 1990er Jahren ein. Im Pulkautal startete ein EU-Projekt zum Erhalt der Kellergassen.

... und in der Kellergasse haben die Weisenbläser Aufstellung genommen.

Architekt Leirer hat auch viel zur Bewahrung und vor allem zum Verständnis der Keller beigetragen. Er begann, Kellerführerinnen und -führer auszubilden – mittlerweile gibt es davon schon rund 400. „Der Keller ist das einfachste Wirtschaftsgebäude“, erklärt Helmut Leirer beim Gang durch die Kellergasse von Raschala. „Die Lett’n, die aus der Kellerröhre herausgeholt wurde, vermischte man mit Strohhächsel zum Bau des Presshauses. Das Presshaus hat eine Tür, eine Lüftungsluke – und bitte kein Fenster, denn das stört die Luftzirkulation und der Keller wird feucht – und ein Gaidtürl. Da wurden die im Bottich gemaischten Trauben mit einer Holzrutsche in die ,Seih-Tenn‘ geschüttet. Gedeckt wurde das Presshaus mit Stroh. Im Presshaus stand die Presse und allerlei Gerät sowie ein Tisch und ein paar Sesseln. Die Türen der Kellergassen sind deshalb traditionell grün gestrichen, weil irgendjemand auf die Idee kam, sie mit Kupfervitriol, das im Weingarten zum Einsatz kommt, zu imprägnieren. Heute nimmt man natürlich einen grünen Lack.“ Im Schaukeller von Raschala ist alles so, wie es vor 100 Jahren gewesen ist. Hier beherrscht die Hengstpresse den Raum, kleinere Keller kamen mit einer Spindelpresse aus. An der Presse ist der „Quargelkasten“, in dem die Jause aufbewahrt wurde, und daneben steht das Köllazegerl, ein Strohgeflecht oder ein ausrangierter Stiefelschaft, in dem die Flasche mit dem Haustrunk für die Feldarbeit aufbewahrt wurde. Für den Haustrunk wurden die gemaischten Trauben mit Wasser gestreckt. Für die Arbeiter hatte man den Robitsch „das

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kommt von Robot“, erklärt Werner Daim, das waren zwei Hölzer, die gegengleich ineinander passten. Für jeden Arbeitstag wurde in die Hölzer eine Kerbe geschnitzt. Das eine Stück bewahrte der Weinhauer auf, das andere der Arbeiter, am Schluss wurde abgerechnet.

… zum Verein Die Kellergasse von Raschala erfreut sich eines regen Gemeinschaftslebens. Der Verein zur Erhaltung der Raschaer Kellergasse veranstaltet im Juni den „Ringelreihn am Pinkelstein“ mit Tanzboden, Konzerten sowie den Adventmarkt mit Kunsthandwerkständen, guter Verpflegung und natürlich mit Glühweinausschank der „Köllamauna“. Seminare und Vorträge zum fachgerechten Renovieren von Kellergassen finden großen Zuspruch und werden im Vereinskeller abgehalten. Auf das Ergebnis kann der rührige Verein stolz sein. / Text: Mella Waldstein

Fotos: Andreas Heske und Sabine Fasching

ADVENT IN RASCHALA

——————————————————— So, 1. 12. 2013, 10.00–19.00 Uhr Großnondorfer Weisenbläser, Kinderchor Voci Chiare, Kunsthandwerk, Weinviertler Schmankerl, Christkindlkeller für Kinder sowie die größte Weinviertler Krippe 2020 Raschala, Kellergasse Pinkelstein Tel. 0664 2563981 www.pinkelstein.at


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Zinnfiguren

DAS SILBER DES KLEINEN MANNES Zinnfiguren – einst Spielzeug in bürgerlichen Haushalten, heute begehrte Sammlerstücke sowie stilvoller Weihnachtsschmuck.

Die große Welt der kleinen Zinnfiguren: Zinnfigurenwelt Katzelsdorf bei Wiener Neustadt.

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Die bosniakischen Regimenter der k. u. k. Armee erkennt man an der roten Kopfbedeckung.

„Es waren einmal fünfundzwanzig Zinnsoldaten, die waren alle Brüder, denn sie waren aus einem alten zinnernen Löffel gemacht worden. Das Gewehr hielten sie im Arm und das Gesicht geradeaus; rot und blau, überaus herrlich war die Uniform; das allererste, was sie in dieser Welt hörten, als der Deckel von der Schachtel genommen wurde, in der sie lagen, war das Wort ,Zinnsoldaten!‘ Das rief ein kleiner Knabe und klatschte in die Hände; er hatte sie erhalten, denn es war sein Geburtstag, und er stellte sie nun auf dem Tische auf. Der eine Soldat glich dem andern leibhaft, nur ein einziger war etwas anders; er hatte nur ein Bein, denn er war zuletzt gegossen worden, und da war nicht mehr Zinn genug da; doch stand er ebenso fest auf seinem einen Bein wie die andern auf ihren zweien, und gerade er war es, der sich bemerkbar machte.“ So lässt Hans-Christian Andersen sein Märchen vom „Standhaften Zinnsoldaten“ beginnen. Und so ähnlich beginnt auch die Geschichte der Zinnfiguren. Mit der Massenproduktion von billigem Steingut waren viele Zinnkandlmacher gezwungen, ihre Absatzmärkte neu zu regeln. Sie verlegten sich auf die Produktion von Spielzeug. Vorerst werden Tiere gegossen, um in adeligen und bürgerlichen Kinderstuben Tiergärten, Bauernhöfe und Schäfereien zu bestücken. Zinnfiguren – und vor allem exotische Tiere wie Giraffen und Elefanten – sind auch als Anschauungsobjekte in Schulen zu finden. Monstranzen, Weihrauchfässer, Kerzen-

leuchter und Kreuze in Miniaturausgabe werden aus Zinn gegossen und sind Spielzeug für Buben, denn im Allgemeinen spielten Kinder im 19. Jahrhundert die Erwachsenenwelt, da Kinder als kleine Erwachsene wahrgenommen wurden und sich auf ihre Rollen vorzubereiten hatten.

Zinnsoldaten & Monstranz Infolge der Revolutionsjahre und der Kolonialkriege werden die Zinnfiguren ab 1850 militärisch. Regimenter sind in rosa Seidenpapier gewickelt und in Pappschachteln verpackt. „Hier die Bosniaken mit dem roten Fez am Kopf, dort die große Parade von der Schmelz anno 1910.“ Museumsleiter Franz Rieder führt durch die Zinnfigurenwelt in Katzelsdorf bei Wiener Neustadt. In großen Dioramen nimmt die k. u. k. Armee Aufstellung, in Originalschachteln, ganz genauso wie Andersen sie beschrieb, liegen Jägerbataillone, Ulanen und Soldaten des Dragonerregiments Nr. 9 Erzherzog Albrecht. „Sie atmen nicht, aber leben doch“, sagt Franz Rieder – und wirklich, jedes Schnurrbarthaar des Kaisers ist auf der gerade drei Zentimeter großen Figur zu erkennen. Nach dem Ersten Weltkrieg verschwinden die Zinnfiguren als Spielzeug und die Leidenschaft des Sammelns beginnt. Oder wie es Franz Rieder ausdrückt: „Zinnfiguren, das ist k. u. k. Klumpert und Krempel!“ An die 400.000 Formen existieren in der kleinen, weiten Welt der Zinnfigurensammler.

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Zinngießer Markus Schindel.

Nicht nur die Sammelleidenschaft hat Franz Rieder nach seiner Pensionierung ergriffen, sondern auch der Wunsch nach der Bewahrung des Handwerks. So hat die Zinnfigurenwelt etwa 1.500 Modeln und verkauft jährlich, denn das Museum wird als Betrieb geführt, 60.000 Zinnfiguren. „Momentan sind die Russen unsere größten Abnehmer, natürlich auch die Souvenirgeschäfte.“ Für die Spanische Hofreitschule wird die Hohe Schule der Lipizzaner gegossen und für Weihnachten Christkindeln, Weihnachtsbäume, Rentiere und Nussknacker en miniature.

Model aus Schieferstein Die Zinnfigur beginnt beim Zeichnen der Entwürfe. Auch hier ist die Zinnfigurenwelt Katzelsdorf gut bestückt, denn Franz Rieder hat im Antiquariat die Originalzeichnungen von der Parade auf der Schmelz des Militärmalers Alexander Pock gekauft, er ist somit im Besitz historisch exakter Vorlagen. Mit dem Sammeln von Zinnfiguren beginnt auch der Anspruch auf historische Authentizität. Die Zeichnungen werden mit Tusche auf Pergamentpapier übertragen. Dann ritzt der Graveur aus dem Schieferstein das Relief heraus. Der Model besteht aus zwei Schiefersteinen, die beim Gießvorgang zusammengehalten werden. Es werden vollplastische, halbplastische und Flachfiguren hergestellt. Die Flachfiguren mit dem Nürnber-


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In den detailreich gestalteten Dioramen der Zinnfigurenwelt fährt eine Equipage vor.

ger Maß sind etwa drei Zentimeter groß. Über den Gießkanal, der ebenfalls aus dem Schieferstein herausgeschnitzt ist, wird die flüssige, etwa 100 Grad Celsius heiße Zinnlegierung gegossen. Die Legierung – und da beginnt das Geheimnis jedes Zinngießers – ist aus Zinn, Blei, Wismut und Antimon zusammengesetzt und wird nach den gehüteten Rezepten in einer Legieranstalt hergestellt. Nimmt man mehr Zinn, werden die Figuren silbriger. Zinn war immer schon das „Silber des kleinen Mannes“. Ein höherer Bleianteil macht die Produktion günstiger, denn derzeit erzielt Zinn hohe Weltmarktpreise, sodass bereits geschlossene Zinnminen in England wieder in Betrieb genommen wurden. Wenn Franz Rieder, der die Modeln von aufgelassenen Zinngießereien gekauft hat, neue Figuren anfertigen lässt, kommt der Schieferstein aus stillgelegten Bergwerken in Thüringen. „Die alten Kumpel wissen noch, wo sie den Stein brechen können.“ Mittlerweile hat der Gießer seinen Arbeitsplatz eingerichtet. Die Schiefersteine werden unter einer Ferkellampe angewärmt, dann werden sie über einer Petroleumlampe gerußt und mit Babypuder (Talkum) eingestaubt. So lösen sich die Soldaten und Christkindeln, die Halloweenhexen und Lipizzaner mühelos aus den Modeln. Mit einem Schöpfer gießt er die silbrige Flüssigkeit in den Gießkanal, die Luft entweicht durch feine Ritzen – „Pfeifen“ genannt – aus dem Schieferstein. Ruckzuck ist die Zinnfi-

gur fertig. Sie lagern in den Schubladen der Archivkästen. Da kann man schon den Überblick verlieren. „Wo ist der Erzherzog Rainer?“, ruft Rieder – und findet ihn dann doch. Denn auch das kürzlich eröffnete „Kaiserhaus“ in Baden (siehe Seite 38) verkauft Zinnfiguren in seinem Souvenirladen.

Mit feinsten Pinseln Nachdem die Figuren entfettet werden, beginnt die Arbeit der Zinnfigurenmalerinnen. So wie bei Sonja Krimshandl aus Rohrendorf bei Krems. Die Tischlerin und ihre Schwester Sylvia haben jetzt Hochsaison, denn auf Weihnachtsmärkten ist ihr feiner und liebevoll bemalter Christbaumschmuck begehrt. Als Sonja Krimshandl das Haus ihrer Großmutter erbte, fand sich auf dem Dachboden Puppengeschirr aus Zinn. Und damit begann die Liebe zu Zinnfiguren und das Bemalen der Rohware an vielen Wochenenden. Was heute Liebhaberei ist, war früher schlecht bezahlte Heimarbeit. „Die Frauen saßen, gerade von einer Kerze erhellt, in der Küche und bemalten mit feinsten Pinseln hunderte Figuren für einen Laib Brot“, so Franz Rieder. Auch Hans-Christian Andersens standhafter Zinnsoldat, dem zwar ein Bein fehlte, war schön bemalt, mit glänzenden Goldknöpfen und rotem Streifen an seinem Hosenbein. Und er verliebte sich in die Tänzerin aus Papier. Doch ach, er fiel vom Fensterbrett in die Gasse und weiter in die

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Sylvia Krimshandl bemalt Christbaumschmuck.

Gosse – und irgendwann landete er in einem Karpfenbauch, kam aus eben diesem wieder hervor, als ihn die Magd vom Markt nach Hause trug. Just in dem Haus, wo er neben seinen Kameraden in der Pappschachtel gelegen war. „Da nahm der eine der kleinen Knaben den Soldaten und warf ihn gerade in den Ofen, obwohl er gar keinen Grund dafür hatte, es war sicher der Kobold in der Dose, der schuld daran war. Der Zinnsoldat stand ganz beleuchtet da und fühlte eine Hitze, die schrecklich war; aber ob sie von dem wirklichen Feuer oder von der Liebe herrührte, das wusste er nicht.“ / Text: Mella Waldstein Fotos: Gregor Semrad

ZINNFIGUREN

——————————————————— Zinnfigurenwelt Katzelsdorf 2801 Katzelsdorf Hauptstraße 69 Tel. 02622 78250 oder 02622 78200 www.zinnfigurenwelt-katzelsdorf.at

Zinnfiguren Krimshandl Adventmarkt, Haus der Regionen 3504 Krems-Stein Ludwig-von-Köchel-Platz Sa, 14. 12. 2013, 14.00–19.00 Uhr So, 15. 12. 2013, 10.30–18.00 Uhr www.zinnfigurenwelt.at


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Säle

EIN TÄNZCHEN IN EHREN Vom Tanz unter der Linde bis zum Saal des Luxushotels: Säle für die Ballsaison.

Saal im Haus der Regionen: einstmals das Tanzcafé Homer, wo es Tanzmusik für jedermann gab – für Einheitsschritt-Tänzer genauso wie für Könner am Parkett.

Meist herrscht an diesem Ort Stille. Gerne wird hier Wäsche aufgehängt. Oder er wird als großräumige Abstellkammer genutzt. Doch dann und wann erwacht er zum Leben: der Gasthofsaal. Mit Girlanden im Fasching geschmückt, mit Rosen für Hochzeiten und Tränen beim Leichenschmaus, mit Kulissen

bestückt für die Aufführungen der Laientheatergruppe. Hochsaison hat der Gasthofsaal in der Ballsaison, wenn Jäger-, Sportler- und Trachtenbälle abgehalten werden. Tanzveranstaltungen waren lange Zeit eine Angelegenheit an der frischen Luft. Reigen-

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tänze fanden in mittelalterlicher Weise im Freien statt. Es wurde auf der Gasse oder unter der sprichwörtlichen Dorflinde getanzt, denn es gab keine Räume, die für eine größere Zahl an Tänzern geeignet gewesen wären. Tanzen war bis in das beginnende 18. Jahrhundert strengen Reglements unter-


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Österreichischer Kinoball in Drosendorf/Thaya. Foto: Barbara Krobath

Konzerthaus Weinviertel in Ziersdorf, erbaut als Tanzsaal der Jahrhundertwende. Foto: Volkmar Zeilinger

worfen, an dem nur „ehrliche Leute“ teilnehmen durften; beispielsweise war es „gefallenen“ Mädchen verboten, eine Tanzveranstaltung zu besuchen. In den Aufzeichnungen der Herrschaft Rohrau aus 1717 ist zu lesen, dass die ledigen Burschen nur beim Wirt (Leitgeb) zu tanzen hatten: „Es soll auch an den gemainen tänzen und kürchtägen der leedigen pursch an keinen anderen ort und hauß alß bei dem leitgeben zu tanzen gestattet sein.“

Winkeltänze, Rockentänze Außer dem Tanz im Freien gab es in Städten des Spätmittelalters „Spilstuben“, wie es in Retz erwähnt wird, und Tanzhäuser (z. B. wird 1557 in St. Pölten ein solches genannt),

aber auch in öffentlichen Gebäuden konnte ein Saal als Tanzraum zur Verfügung stehen. In der Reformationszeit ist in Niederösterreichs Städten auch in großen Bürgerhäusern getanzt worden. Das Bild eines Sgraffitohaus in Krems zeigt um 1560 Darstellung von Musikern und Tänzern. Bevor die Gasthöfe einen Saal dazu- bzw. ausbauten, wurde in den Dörfern der Gasthofgarten als „Tanzlaube“ hergerichtet. Adolf Graf aus Groß-Nondorf, Bezirk Hollabrun, berichtet um 1900: „Rundherum wurden Pfähle eingerammt und mit Querhölzern verbunden, das ganze mit Laubästen dicht überdeckt und die Tanzhütte war fertig. Auf eine Seite kam der traditionelle Leiterwagen mit einem Sitz- und einem Pultbrett für die

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Saal des ehemaligen Gasthofes Haller, Puchenstuben. Foto: Manfred Horvath

Musik.“ Kleine Tanzfeste wurden als Winkeltänze bezeichnet. Abschlusstänze nach Arbeiten gab es nicht nur nach der Ernte, sondern auch in der Spinnstube, sie waren im Waldviertel als „Rockentanz“ bekannt. Einen schönen Einblick gibt der Romantiker Joseph von Eichendorff in seinen Tagebüchern von einer Tanzveranstaltung in einem Weinviertler Schloss: „Das größte, schnell ausgeräumte Wohnzimmer mit oft bedrohlich elastischem Fußboden stellte den Saal dar, der Schulmeister mit seiner Bande das Orchester, wenige Lichter in den verschiedenartigsten Leuchtern warfen eine ungewissen Dämmerung in die entfernten Winkel umher und über die Gruppen von Verwalter- und Jägerfrauen, die in der offenen


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KLEINER BALL-KNIGGE

——————————————————— Garderobe: An der Garderobe hilft der Begleiter seiner Partnerin aus dem Mantel. Und zieht danach den seinen aus. _ Bitte zu Tisch:

Speise- und Ballsaal im ehemaligen Südbahnhotel am Semmering. Foto: Manfred Horvath

Am Tisch lässt man, sofern möglich, der Dame die Platzwahl und rückt ihr den Sessel zurecht. Sie sitzt rechts neben ihrem Begleiter. Erhebt sie sich, steht der Mann aus Höflichkeit auch auf oder deutet dies zumindest an. Kommt sie vom Ausflug zurück, wiederholt sich diese Geste. 
 _ Vorstellung:

Nebentüre Kopf an Kopf dem Tanze der Herrschaften ehrerbietig zusahen.“ Um 1900 hatten viele Gasthöfe bereits einen Saal. Ein schönes Beispiel ist der Gastwirt Ernest Fröhlich aus Ziersdorf, der 1910 den damals so benannten „Jugendstilsaal“ in Betrieb nahm und nach Plänen des Wiener Stadtbaumeisters Heinrich Blahosch errichtet wurde. Der Gastwirt Fröhlich hatte die Idee zum Ballsaal, nachdem er durch Zufall an eine große Menge Ziegel gekommen war. Ein Ziegelofenbesitzer hatte seine Schulden beim Gastwirt mit Ziegeln aus eigener Produktion abgezahlt. Einst galt der Jugendstilsaal in Ziersdorf als der schönste Ballsaal zwischen Wien und Prag, denn auch das Wiener Publikum nahm gerne die Anreise mit der Franz-Josefs-Bahn in Kauf, waren doch die glanzvollen Bälle weithin bekannt.

Federweiß & frische Luft Manche Gasthofsäle wurden als Kinosäle adaptiert, wie etwa der Saal im Gasthof Failler in Drosendorf/Thaya im Jahre 1920. Der Saal, der im Sommer als Speisesaal genutzt wurde, bekam eine Leinwand und eine Bühne, auf dem das Klavier für die Stummfilmbegleitung stand. Bei Bällen saß die Kapelle auf der Bühne. Bevor der Saal mit einem Parkett ausgestattet wurde, streute man Federweiß auf den Bretterboden, damit die Tanzfläche glatt wurde. In der Gaststube wurden Mäntel, wollene Strümpfe und feste Schuhe abgegeben, denn die Besucher eines Balles kamen bis in die 1950er Jahre zu Fuß aus den umliegenden Dörfern zum Ball.

Nach dem Tanz ging die lustige Gesellschaft nicht nach Hause, sondern versammelte sich in der Gaststube. Da half es auch nicht, dass die Wirtin die Tür sperrangelweit öffnete, um die kalte Luft hereinzulassen. „Da haben alle die Mäntel angezogen und sind sitzengeblieben“, erinnert sich Frau di Giorgio, Wirtin des Gasthofes Failler.

Trifft man auf andere, teils unbekannte Gäste, wird der Herr der Dame, der „Untergebene“ dem Höherrangigen, der Jüngere dem Älteren zuerst vorgestellt.

Große Hotels waren und sind für einen Ballabend eine gute Adresse. Das Südbahnhotel am Semmering zählte zu den ersten Häusern in den Alpen mit den aufwändig, von den Architekten Wildhack und Morpurgo geplanten „Trakt der großen Säle“. Der mit Stuck reich verzierte Speisesaal hatte einen extra angefertigten Konzertflügel. Neben den drei, mit altägyptischen Motiven gestalteten, riesigen Hauptlüstern sorgten unzählige auf den die Säulen überspannenden Bögen angebrachte Deckenschalenlampen mit geschliffenen Bleikristallgläsern und vergoldeten getriebenen Messingblechrahmen für strahlendes Licht. Doch auch ein so nobles Hotel wie das Südbahn am Semmering konnte sich den Luxus eines eigenen Tanzsaales nicht leisten, sodass dieser das Jahr über als Speisesaal in Benützung stand. Wie schrieb Peter Rosegger („Unser lieber Semmering“, 1904) so schön: „Hier ist es den armen Reichen, die manchmal nicht wissen, für was sie sich entscheiden sollen, möglich, Salon und Kuhstall, Seide und Loden, Sekt und Ziegenmilch nebeneinander zu genießen.“ /

Aufforderung:

Text: Mella Waldstein

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Kommt jemand zu Besuch an den Tisch, erheben sich Männer und Frauen zur Begrüßung. 
 _

Beim Tanz sind die Geschlechter gleich berechtigt – jeder darf auffordern. „Darf ich bitten?“ ist sehr formell, kennt man sich gut, genügt ein einfaches „Hast du Lust zu tanzen?“. Einen Tanz abzulehnen ist erlaubt, allerdings sollte man dann nicht sofort mit dem nächsten Kandidaten übers Parkett fegen. Die früher übliche Pflicht, mit jeder Dame am Tisch zu tanzen, ist hinfällig. _ Tanz: Auf dem Tanzparkett führt der Mann die Dame. Falls er besser tanzt, passt er sich der Partnerin an, nötigenfalls wird der Ehrgeiz am Parkett etwas zurückgestuft. Nach dem Tanz bedankt man sich und begleitet die Dame zu ihrem Platz zurück. _ Mobiltelefon: Das Handy sollte zumindest auf Vibrationsalarm geschaltet werden. Muss man unbedingt telefonieren, entschuldigt man sich und verlässt kurz den Saal. _


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Niederösterreichischer Trachtenball

DIE NACHT DER TRACHT Immer wieder stellt sich die Frage: Wie bin ich bei einem Trachtenball richtig gekleidet? „Schaufenster Kultur.Region“ gibt Tipps.

nicht allzu großer Musterung. Die Krawatte wird im Farbton auf die Weste abgestimmt. Die passenden Schuhe aus schwarzem Glattleder sind idealerweise mit profilloser Ledersohle, die auf dem Tanzparkett wahre Wunder erwirken.

Kittelblech & Schürzenbänder

Niederösterreichischer Trachtenball in Grafenegg. Foto: Atelier Olschinsky

Wenn die Einladung zum 3. Niederösterreichischen Trachtenball am 31. Jänner 2014 in Grafenegg ins Haus flattert und bevor wir an diesem Abend in das wunderschön beleuchtete und kunstvoll dekorierte Schloss Grafenegg zum Ball gehen, beschäftigt uns zuerst die Frage: Was ziehe ich denn an? Welches Dirndl ist das schönste für so einen edlen Trachtenball? Ein Ball mit dem Dress-

code: Festliche Tracht heißt ein Trachtenanzug für den Herren und ein besonders ausgewähltes Dirndl für die Dame. Der Herr trägt also einen dunklen Trachtenanzug aus Loden, Cool Wool oder Samt. Das Hemd ist klassischerweise weiß und ohne Muster. Festlich ist auch eine Weste aus Brokatstoff in roten oder blauen Farbtönen mit

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Nun ist es aber für die Dame wesentlich schwieriger, das passende Festdirndl zu wählen. Nicht jedes knöchellange Dirndl eignet sich als Balldirndl. Passend sind Dirndl aus Seide oder Brokat, wobei die Rocklänge idealerweise über den Knöchel reicht. Das A und O ist ein perfekt sitzender Miederleib, der auf die Figur zugeschnitten ist. Der angesetzte Rock kann in Stehfalten gezogen, in kleine Falten gelegt oder auch in Bahnen verarbeitet sein, auf jeden Fall muss er eine schwingende Weite haben. Ideal ist auch ein Kittelblech, das den Saum des Rocks beendet und eine gewisse Schwere erzeugt, somit sitzt der Rock perfekt. Die Schürze aus Seide oder Brokat ist drei bis fünf Zentimeter kürzer als der Dirndlrock. In Niederösterreich wird die Schürze klassischerweise hinten gebunden, die langen Bänder enden ca. 20 Zentimeter über dem Rocksaum. Die Dirndlbluse hat sich aus dem „Pfoad“ oder Hemd entwickelt – sie ist aus Baumwollgewebe oder feinem Leinenbatist genäht. Zum festlichen Balldirndl passt allerdings eine Bluse aus feinerem Material, sie hat weite, gezogene Puffärmel, alpenländische Schiebeärmel oder ganz lange Ärmel


Festtracht / 31

3. NIEDERÖSTERREICHISCHER TRACHTENBALL

——————————————————— Fr, 31. 1. 2014 Schloss Grafenegg Einlass: 19.30 Uhr, Eröffnung: 20.30 Uhr Balleröffnung: Auftanz in den Trachten Niederösterreichs mit Tanzforum Niederösterreich und Tanzleiter Franz Huber, zwei Ballsäle: Auditorium und Reitschule, Heuriger der „Vinothegg“ Grafenegg, Marstall-Bar, Milchbar der Landjugend, Schmankerlreigen in der Schlossstube, „Wir tragen Niederösterreich“-Bar Flanierkarte: EUR 35,00

Die von Gitta Liska und Gexi Tostmann entwickelte Klosterneuburger Tracht. Foto: z. V. g.

und ist durch Zierstiche, Smockarbeit und Spitzen veredelt. Ganz wesentlicher Bestandteil der Festtracht sind Strümpfe und Unterrock. Strümpfe oder Strumpfhosen trägt man weiß, naturfarben oder auch modern farblich zum Rock passend in schwarz oder blaugrau, sie können glatt, möglichst blickdicht oder mit Muster gearbeitet sein, auf keinen Fall passen jedoch Nylonstutzen oder Socken zur Tracht. Der Unterrock, ein ganz wesentlicher Bestandteil der Tracht, gibt dem Dirndlrock Halt, ist etwas kürzer als der Rock und darf nur beim Tanzen hervorblitzen.

Weniger ist mehr Zum Abschluss ist noch den Accessoires Beachtung zu schenken: Trachtenschmuck sollte echt sein, klassischer Trachtenschmuck ist aus Silber, manchmal mit Granatsteinen, Edelsteinen oder Korallen besetzt. Alles ist möglich: Kropfkette, Anhänger, Kollier, Ohrringe, Armbänder oder Ringe. Jedoch beim Tragen von Schmuck gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr! Komplett ist das Outfit der Dame mit einem Trachtenbeutel aus Samt, Brokat, Leinen oder Leder und einem Trachtentuch aus kostbarer Seide, alles farblich abgestimmt. Der Frisur ist natürlich auch Aufmerksam-

keit zu schenken – geordnetes Kurzhaar oder aufgestecktes Langhaar. Schon der Kärntner Volkskundler Franz Koschier sagte: „Zur Tracht gehört ein zåmgramter Kopf!“

Klosterneuburger Tracht Ein schönes Beispiel einer festlichen Balltracht für die Dame ist die neu entwickelte und erst im Oktober vorgestellte Klosterneuburger Tracht, die es in verschiedenen Ausführungen gibt. Unter der Leitung von Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager wurde monatelang an der Umsetzung einer neuen Klosterneuburger Tracht gearbeitet.

Kartenbüro Grafenegg im Auditorium Grafenegg: bis 19. 12. 2013 Tel. 02735 5500 (bis 22. 12. 2013, Fr–So 11.00–17.00 Uhr) Kartenbüro der Tonkünstler Grafenegg im Museumsquartier Wien Tel. 01 5868383 (Mo–Fr 9.00–17.30 Uhr) tickets@grafenegg.com Tischplatzkarte: EUR 75,00 (inkl. Eintritt, Tischplatz, Gedeck, Vorspeisenpotpourri, Schmankerlreigen) tischkarten@volkskulturnoe.at Dresscode: festliche Tracht Informationen Tel. 0664 8485388 www.wirtragennoe.at www.volkskulturnoe.at

Gemeinsam entwickelten Designerin Gitta Liska und Trachtenexpertin Gexi Tostmann verschiedene stilvolle Trachten für Herren und Damen: ein Baumwolldirndl und ein Leinendirndl in royalblau mit goldener Seidenschürze und Goldstickerei im Rücken und die Klosterneuburger Festtracht, ein Seidendirndl. Passend dazu in den Farben sind die Anzugvarianten für den Herrn. In der Festtracht ist man für den Niederösterreichischen Trachtenball perfekt gekleidet. /

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Text: Claudia Lueger

Erhältlich bei: Volkskultur Niederösterreich

NIEDERÖSTERREICHISCHE TRACHTENMAPPE

Ausgabe Nr. 6 der Niederösterreichischen Trachtenblätter neu erschienen: Großgerungs, Ottenschlag, Poysdorf, Ybbstal, Mostviertel Anzug, Dunkelsteinerwald, Annaberg, NÖ Zackendirndl

EUR 8,00 www.volkskulturnoe.at

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Bücher, CDs & feine Ware / 32

AUSLAGE JODELN & DUDELN

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Christina Zurbrügg: Yodels from Vienna CD, EUR 18,00 Orvuse On Oanwe! DVD und Buch, EUR 29,90 www.preiserrecords.at Die Ethnopopperin Christina Zurbrügg ist bekannt für ihre einzigartige Kombination aus Gesang, Rap und modernem Jodeln. Mit ihrer unverwechselbaren Stimme schlägt sie Brücken zwischen erdigen Traditionals und urbanen Klangwelten. Eine Schweizerin kommt nach Wien, lernt die Wiener Dudlerinnen kennen und ist fasziniert. Sie beginnt den Dokumentarfilm „Orvuse On Oanwe – Servus in Wien“ zu drehen und erlernt dabei das Liedrepertoire von Trude Mally. Ergebnis dieser 15-jährigen Auseinandersetzung mit dem Wiener Salonjodler sind elf Neuinterpretationen, die mitten ins Herz treffen. Eine mutige Umsetzung in ein heutiges Klangbild: archaischer Naturklang und Elektronika, eine klare, unmanirierte Stimme, traditionelle und jazzige Anklänge (schmissig, rockig, radikal), klassisch kammermusikalische Arrangements bis zum Electronic Dance Floor. Christina Zurbrügg ist es gelungen, einen neuen urbanen Heimatsound zu schaffen: Jetzt ist der Jodler und Dudler überall zu Hause. Der Film „Orvuse On Oanwe!“ steht als immaterielles Kulturerbe unter der Schirmherrschaft der UNESCO. Orvuse On Oanwe heißt „Servus in Wien“ in der Sprache der alten Wiener Volkssängerinnen. Trude Mally, Poldi Debeljak und Luise Wagner gehörten zu den letzten ihrer Spezie, die neben dem Liedvortrag auch die fast vergessene Kunst des Dudelns, eine Wiener Art des Jodelns, beherrschten. Die Lebensgeschichten dieser drei alten Damen sowie der singenden Wirtin Anny Demuth sind skurril, wehmütig und voller Lebenslust. /

ÅLLAWEI STADER WIRD’S

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Ausseer Bradlmusi und Ausseer Zithermusi EUR 19,00 zzgl. Versandkosten Erhältlich über Tel. 0699 11465618 www.bradlmusi.at Die Ausseer Bradlmusi zählt seit mehr als 30 Jahren zu den bekanntesten Volksmusikgruppen Österreichs. Die Bradlmusi setzt mit ihrer Musik die lange Tradition der Geigenmusik im Ausseerland fort. Mit „ållawei stader wird’s“ bringen sie Aufnahmen vom Jodler über Walzer und „Schottischen“ bis zu weihnachtlichen Weisen. Der Name „Bradlmusi“ kommt übrigens aus der Zeit, als die Musikanten beim Wirt für ein Essen – ein „Bradl“ – aufgespielt haben. Auch diese Tradition ist ihnen nicht fremd. /

bis hin zu Literatur aus dem Singbuch „Lieder aus dem Waldviertel“. Mit ihrer CD schaffen es die Sängerinnen, eine vorweihnachtliche Atmosphäre entstehen zu lassen, die uns aus der Hektik ein wenig herausnimmt. Sanfte Hügel, grüne Wiesen, fruchtbare Äcker und idyllische Plätze prägen das Landschaftsbild des kleinen Ortes Purk im südlichen Waldviertel. Der Name „Purk“ leitet sich wahrscheinlich von „Burg“ ab, eine solche soll sich um 1100 im Gebiet der heutigen Ortschaft Purk befunden haben. Der Chor purklang entwickelte sich aus dem örtlichen Kinder- und Jugendchor, dessen Gründung auf Sigrun Anthofer-Fröschl zurückgeht. Seit 1999 leitet Alexandra Vogl den Chor. /

AUF DIE PLÄTZE, FERTIG, MARSCH

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militärmusik niederösterreich – obendrauf Erhältlich über Tel. 050201 3040971 www.militaermusiknoe.at

… das wünsch ich mir zur Weihnachtszeit EUR 18,00 zzgl. Versandkosten Erhältlich über Volkskultur Niederösterreich office@kulturregionnoe.at Tel. 02275 4660

Die Militärmusik Niederösterreich ist seit 1964 in St. Pölten stationiert. Infolge ihrer großen Tradition und ihrem Wirken ist die Militärmusik Bindeglied zwischen der Bevölkerung und ihren Soldaten. Seit 2011 ist Major Adolf Obendrauf Militärkapellmeister und legt mit „militärmusik niederösterreich – obendrauf“ seinen ersten Tonträger vor. Die CD beginnt mit dem neuen Traditionsmarsch „Schwert Österreich“, es folgen der „Banfield-Marsch“ der Fliegerschule Langenlebarn und der „Pionier-Jubiläumsmarsch“ der Melker Pioniere. Überdies finden sich flotte Rhythmen wie Samba, Rock und Swing und Solotiteln der Militärmusiker Niederösterreichs. /

PURKLANG

Für alle, die sich ein wenig besinnlicher auf die schönste und stillste Zeit des Jahres einstimmen wollen, hat die Volkskultur Niederösterreich mit dem jungen, engagierten Chor purklang eine zum Advent passende CD produziert. Unter dem Titel „… das wünsch ich mir zur Weihnachtszeit!“ spannt purklang den Bogen von traditionellen Advent- und Weihnachtsliedern

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Bücher, CDs & feine Ware / 33

WILDFRUCHT ELSBEERE

—————————————————————— Mayer, N.; Klump, R. Th. (Hg.): Elsbeere in Österreich EUR 28,00 zzgl. Versandkosten Erhältlich über elsbeere@aon.at Dieses erste österreichische Buch über die Baumart Elsbeere ist reich illustriert mit faszinierenden Fotos und historischen Beispielen. Der österreichische Baum des Jahres 2012 wird naturwissenschaftlich, in seiner regionalen Verbreitung und kulturgeschichtlich beleuchtet. Das vorliegende Werk zeigt die enormen Fortschritte in der Kenntnis der Verbreitung, der Vermehrung, der waldbaulichen Behandlung und des Konkurrenzverhaltens des Baumes. Ausführlich sind Möglichkeiten der Vermarktung und Verwertung dieser einzigartigen Wildfrucht und ihre hochwertige Verarbeitung beschrieben. Rezepte komplettieren das Buch. /

MÄUSCHEN MAX BEKOMMT BESUCH

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Eine musikalische Nikolausgeschichte Geschichte: Christina Foramitti. Musik: Ensemble klangmemory EUR 15,00 zzgl. Versandkosten Erhältlich über christina@maeuschenmax.at www.maeuschenmax.at Auch die neue musikalische Geschichte von Mäuschen Max können Familien nun ab sofort daheim erleben. Das sonst so quirlige Mäuschen Max sitzt heute ganz still und neugierig auf dem Schoß seiner Mama, um ihrer spannenden Geschichte aufmerksam zu lauschen. Sie erzählt ihm vom glitzernden Schnee, von den funkelnden Lichtern am Himmel und auf der Erde, vom strahlenden Klang der Glöckchen und vom freundlich lachenden Nikolaus. Mäuschen Max wünscht sich nichts sehnlicher, als dass der Nikolaus auch zu den kleinen Mäusekindern auf Besuch kommt, und er beginnt, das Haus für seinen Gast gemütlich zu machen. Zu hören sind Geige, Kontrabass, Klarinette, Bassklarinette, Querflöte, Blockflöte, Gitarre, Kalimba, Maultrommeln und Klavier. /

BEI LICHT BITTE NICHT LÄUTEN

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Peter Meissner: Sie werden lachen! Kral Verlag, ISBN 978-3-99024-224-7 Euro 19,90 www.kral-verlag.at Die meisten der 99 enthaltenen Kurzgeschichten, Sketches und Gedichte hat bestimmt schon jeder selbst erlebt, der Rest könnte einem jederzeit begegnen: Herr Licht, der mit seinem Namensschild an der Türglocke gar keine Freude hat; der Vickerl, der mit Hannerl im Tschecherl ein Pantscherl anfangen will; der Augenarzt, der dazu rät, ein Gerstenkorn im Auge zu behalten; die Pizza, die man sich ganz bequem aus dem Internet herunterladen kann; die Echowand, die nur während geregelter Betriebszeiten funktioniert; der Krimiautor, der nicht mehr weiß, wen er in seinem Dorf noch sterben lassen könnte; das Bewerbungsgespräch im Bundesministerium für faule Ausreden und der Geschäftstüchtige, der seinen gebrauchten elektrischen Strom weiterverkaufen will. Peter Meissner – von ihm stammen unter anderem die Weihnachtsbücher „Auch Engel lachen gerne“ – hat aus kleinen Alltagssituationen wieder erfrischend heitere Geschichten gemacht. /

DAS GROSSE SUMMEN

—————————————————————— Rudolf Gstättner: Vom Lebzelt, Wachs und Met Edition Strahalm ISBN 978-3-9502732-5-0 EUR 27,00 www.rudolfgstaettner.at Nun wissen wir, warum der Lebkuchen auch Pfefferkuchen genannt wird. Das ist der Verwendung von exotischen Gewürzen („Geh hin, wo der Pfeffer wächst!“) im Lebkuchen geschuldet. Der Autor erzählt vom Bienenaufwecken Ende Februar („Beinl, auf, auf!“), wo mit einem Schlüssel auf die Bienenhäuser geklopft wurde. Er weiß um Bauernregeln und Kulturgeschichte, Lieder und Gedichte um Bienen, Honig, Wachs und Lebkuchen. Auf gut 100 Seiten geht Gstättner der Geschichte und dem Wandel der alten Handwerksberufe der Lebzelter, Wachszieher und Metsieder nach. / schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014

DAS GLÜCK IS A BACKHENDL

—————————————————————— Das Glück ist a Vogerl – Die schönsten Wienerlieder Wiener Volksliedwerk/Herbert Zotti (Hg.), Perlen-Reihe. EUR 14,95 ISBN 978-3-99006-025-4 www.perlen-reihe.at Wie sagt es Gerhard Bronner? „Wo … ein vernünftiges, zünftiges Weanerlied klingt, durt wohnt sogar noch heut’ echte Gemütlichkeit, wie in der Backhendlzeit.“ Geordnet nach Themen, die der Wiener Seele zupass kommen – wie etwa Wein und Weib, Erotik, Schmäh und Tod –, legt die Perlen-Reihe ein Singbuch mit Wienerliedern vor. Die kenntnisreiche Zusammenstellung umfasst nicht nur Klassiker, sondern auch Hits von Ambros oder Danzer. Zu recht: Mehr Wienerlied als „Es lebe der Zentralfriedhof“ geht ja nun wirklich nicht. „Das Glück ist a Vogerl“ passt in jede Hosentasche und kann beim Heurigen oder in der Tram spontan gezückt werden. /

TRADITION AUS DEM NORDEN

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Es ist vermutlich die älteste als Familienbetrieb geführte Weberei: Ekelund in Schweden. Der Betrieb wurde 1692 von einer Frau gegründet. Seit Mitte des 19. Jhdts. wird auf Jacquardwebstühlen gewebt. Große Teile der Kollektion werden im sogenannten „Rainbow“-Verfahren gefertigt, bei dem bis zu acht Farben gleichzeitig verwebt werden. Diese Technik ist einzigartig, wurde von Ekelund entwickelt und patentiert. Der unverwechselbare Stil wurde maßgeblich von Designerin Britt-Marie Henriksson beeinflusst. Ihre Handschrift prägt die meisten Kollektionen. Qualität hat treue Kunden: das schwedische Königshaus, den russischen Kreml, den Kaiser von Japan – und Sie in der Galerie der Regionen. / Galerie der Regionen 3504 Krems-Stein, Donaulände 56 Tel. 02732 85015 15 Öffnungszeiten Di–Fr, 10.00–12.00 u. 15.00–18.00 Uhr, jeden 1. Sa im Monat 10.00–12.00 u. 14.00–17.00 Uhr, an Konzerttagen bis 21.00 Uhr


Rede / 34

Silke Hassler

IM HIER UND HEUTE Es war schon immer ein Problem des Zeitgeists, dass er lange Zeit braucht, um den künstlerischen Geist zu erkennen. Gedanken zu Kultur und Kunst.

Die Kunst kann alles sein – gut, durchschnittlich, schlecht, langweilig, sinnlos, aber eines ist sie ganz sicher nicht. Kunst ist nicht patriotisch, sonst wäre sie keine Kunst, sondern im harmlosen Fall Folklore, im schlimmsten Fall politische Propaganda.

schaufenster / Kultur.Region / Dezember 2013/Januar 2014


Rede / 35

Ich habe, als ich die Einladung bekam, etwas zur „Rolle der Kultur bei der europäischen Integration und in den EU-Außenbeziehungen“ zu sagen, vorerst abgesagt. Nicht aus terminlichen Gründen, sondern aus inhaltlichen. Ich stehe hier als österreichische Theaterautorin, die Ihnen die Frage, ob ich mit den Aufführungen meiner Theaterstücke im Ausland etwas zur europäischen Integration oder zu Außenbeziehungen jedweder Art beitrage, nicht beantworten kann. Der Grund meiner ursprünglichen Absage hat mit dem Begriff „Kultur“ zu tun. In einem Land wie Österreich wird „Kultur“ und „Kunst“ ständig miteinander verwechselt – wie sonst wäre es zu erklären, dass eine Künstlerin dazu eingeladen wird, etwas über die Rolle der Kultur in Europa zu sagen? Wäre ich Mitarbeiterin in einem österreichischen Kulturinstitut, zum Beispiel in Warschau oder London, könnte ich Ihnen viel über die Wirkung und Aufnahme der österreichischen Kultur in Polen oder Großbritannien erzählen. Unter „Kultur“ verstehe ich das Gewesene, die Tradition, den kulturellen Kanon, wenn Sie so wollen, die Kunst von gestern. Und alle Institutionen und Einrichtungen, die das Wort „Kultur“ in ihrem Titel tragen, wie Kulturinstute, Kulturforen, Kulturvereine, Kulturwerkstätten, sind weitestgehend mit der Verwaltung und Verbreitung des Vorhandenen beschäftigt. Sie verwenden viel Einsatz, Mühe und Geld darauf, das Bild einer „Kulturnation Österreich“ im Ausland zu verbreiten und zu einer gegenseitigen kulturellen Verständigung beizutragen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Kulturpolitik. Ganz besonders dann, wenn sich die Kulturpolitik mit den Künstlern dafür stark macht, dass die Urheberrechte im immer tiefer werdenden Sumpf der digitalen Piraterie europaweit verteidigt werden. Ja, ich schätze einige österreichische Kulturforen in Europa sogar besonders, aber es hat nichts mit dem eigentlichen Wesen der Kunst zu tun. Kunst entsteht jetzt, im Hier und Heute, immer wieder neu. Und es ist auch nicht die Aufgabe der Kunst, etwas zur Verbesserung der österreichischen Beziehungen in der EU beizutragen. Es ist ein Irrtum, die Kunst

überhaupt mit einer Nation, dem Nationalen, in Verbindung zu bringen. Jede Kunst, die etwas auf sich hält, hebt oder sprengt nationale Grenzen auf. Es ist nicht die Frage, woher die Kunst kommt, sondern nur, ob sie gut ist. Wenn ich an einem Theaterstück schreibe, dann denke ich ganz sicher nicht an die Europäische Gemeinschaft, ja, ich denke nicht einmal an ein österreichisches Publikum, welches das Stück als erstes zu sehen bekommen wird. Ich denke über Monate hinweg an ein paar Menschen, die real gar nicht existieren, also an meine erfundenen literarischen Figuren, die ich möglichst wahrhaftig und genau zu beschreiben versuche. Ob die Geschichte, die ich mit meinem Stück erzählen will, dem Publikum etwas bedeuten wird, weiß ich im Vorhinein nie. Ob es einem fremdsprachigen Publikum, das ich gar nicht kenne, etwas bedeuten kann, schon überhaupt nicht. Wenn meine Stücke dann übersetzt und in einem europäischen Land aufgeführt werden, dann treffen sie dort auf eine andere ästhetische Tradition, einen unterschiedlichen kulturellen Kanon. Als zum ersten Mal ein Stück von mir in Polen aufgeführt wurde, sagte man mir kurz vor der Vorstellung, die polnischen Theaterbesucher würden, wenn ihnen ein Stück missfällt, nicht lärmend und türenschlagend das Theater verlassen, sie würden bleiben und ihren Unmut durch lautes Zischen bekunden. Erfreulicherweise haben sie nicht gezischt. Wenn also Theater im Ausland beschließen, ein Stück von mir zu spielen, dann tun sie das sicher nicht, weil ich eine österreichische Autorin bin, sondern weil ihnen mein Stück etwas zu sagen hat. Und selbstverständlich eignen sich Regisseure und Regisseurinnen, Schauspieler und Schauspielerinnen dieses Stück an und in ihren eigenen künstlerischen Kontext ein. Als ich vor Kurzem eine Aufführung in Frankreich hatte, sagte mir der Regisseur, mein Stück sei „typisch französisch“. Seit ich die Aufführung meines eigenen Stückes in Paris gesehen habe, weiß ich also nun, was ein typisch französisches Stück ist. Gerade an diesem Beispiel können Sie sehen, dass der Versuch, die Kunst in nationale Kategorien zu fassen, sinnlos ist. Und er ist nebst-

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bei auch politisch gefährlich. In den letzten Jahren gab es, vor allem im Süden von Österreich, um nicht zu sagen: in Kärnten, einen permanenten Vereinnahmungsversuch der Kunst durch die Politik. Wer sich künstlerisch kritisch äußerte, beleidigte damit angeblich gleich ein ganzes Land. Die Kunst kann alles sein – gut, durchschnittlich, schlecht, langweilig, sinnlos, aber eines ist sie ganz sicher nicht: sie ist nicht patriotisch, sonst wäre sie keine Kunst, sondern im harmlosen Fall Folklore, im schlimmsten Fall politische Propaganda. Ob das heute künstlerisch Entstehende jemals Teil der Kultur eines Landes und seiner kulturellen Tradition wird, ist nicht abzusehen. Das beurteilt auch nicht der Künstler oder die Künstlerin selbst, sondern auch dafür gibt es Institutionen wie jene der Wissenschaft, die mit dem Einordnen von Kunst in die vorhandene Tradition beschäftigt ist. Es gibt, für eine lebende Künstlerin wie mich, einen Weg meine Chance, Teil der österreichischen Kultur zu werden, zu erhöhen, und der lautet: möglichst früh zu sterben. Nur auf diese Weise kommt man zu einem überschaubaren, abgegrenzten Werk, das wesentlich leichter in einen literarischen Kanon eingeordnet werden kann. Vieles, was heute der Inbegriff der österreichischen Kultur ist, war im Moment seiner Entstehung beim Publikum verpönt und von der Kritik geschmäht. Es war schon immer ein Problem des Zeitgeists, dass er lange Zeit braucht, um den künstlerischen Geist zu erkennen. Oder um mit Woody Allen zu sprechen: „Das Problem mit der Nachwelt ist: Man kann ihr nicht mehr die Meinung sagen.“ /

Die Dramatikerin Silke Hassler hielt das Einführungsreferat „Mehr Europa durch mehr Kultur: Die Rolle der Kultur bei der europäischen Integration und in den EU-Außenbeziehungen“ beim Europa-Forum Wachau in Stift Göttweig, Juni 2013.

Foto: Manfred Horvath


Museen / 36

Diskurs

GEHÖREN KRIEGE INS MUSEUM? Das Jahr 2014 wird im Zeichen des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren stehen. Die Frage „Gehören Kriege ins Museum?“ stellen sich Experten im Tagungsband der Museumsakademie Joanneum. Museumsbau von Wien. 1850 wurde mit dem Bau nach Plänen des Architekten Theophil Hansen begonnen. Bestimmt war es als kaiserliches Waffenmuseum, der Öffentlichkeit wurde es erst 1891 als Heeresmuseum übergeben – man hatte bereits 40 Jahre „Bemühungen hinter sich, dem Haus eine Linie zu geben“, wie es auf der Homepage des HGM zu lesen ist.

Heeresgeschichtliches Museum Wien: die Nürnberger Monatsrohre, 1708 von Johann Balthasar Herold in Nürnberg gegossen.

„Kriege gehören ins Museum“ – mit diesem Slogan wirbt das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Diesem Satz kann jeder nur begeistert zustimmen. Aber gehören Kriege ins Museum? Wie sollen Waffen und Gewalt gezeigt werden? Und wenn ja, mit welchen Zielen und Mitteln? Kann das Museum Banalisierung und Ästhetisierung, die Verwandlung von Gewalt, Tod und Trauma in Sehenswürdigkeiten vermeiden? Welche Bilder von Betroffenheit oder Identifikation erzeugt man – und welche wären wünschbar? Rüstungen, Schwerter, Kanonenkugeln – bei-

nahe jedes Museum stellt Artefakte des Krieges aus. Wie weit weg muss Gewalt sein, dass sie uns nicht berührt? Ab welchem Jahrhundert wird ein Krieg zur „verstaubten Historie“? Darstellungen in Museen changieren meist zwischen der Faszination des Schreckens und seiner Instrumente einerseits und dem pädagogischen Impuls, Gewalt zu erklären und durch Deutung verarbeitbar bzw. vermeidbar zu machen andererseits. Das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) im Areal des Wiener Arsenals ist der älteste

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Die Rollenbilder militärhistorischer Museen im 20. Jahrhundert reichen von der „Heldenhalle“ über den verspielten Typus der „Boys and their toys“-Museen zum eher nachdenklichen Ort, der den Krieg als multiperspektivischen Erfahrungsraum deutet. So wie die neuen Ausstellungsebenen des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden. Schon die Architektur vermittelt: Da steckt ein Pfahl im Herzen. Der amerikanische Architekt Daniel Libeskind hat einen Glas-Stahl-Keil in die klassizistische Fassade getrieben und sie gespalten. In der Form eines Keils hatten die britischen Bomberverbände am 13. Februar 1945 die Altstadt Dresdens angeflogen und vernichtet. In den neuen Ausstellungsebenen werden Militär und Krieg dezidiert als kulturanthropologische Phänomene verstanden. „Krieg und Gedächtnis“, „Politik und Gewalt“ und „Leiden am Krieg“ sind einige der Themen. „Formation der Körper“ zeigt auf einer 30 Meter langen Tischvitrine anhand eines einzelnen Soldaten den Weg vom Einberufungsbescheid über den fertig ausgebildeten Soldaten bis hin zu Ausmusterung und gewaltsamen Tod. Der uniformierte Körper des Soldaten, das Prinzip von Befehl und Gehorsam, ein diszipliniertes


Museen / 37

Harnische und Hellebarden im Heeresgeschichtlichen Museum Wien.

Funktionieren jedes Einzelnen bestimmen die Strukturen im Gesamtorganismus aller Armeen. Die Formierung markiert einen wichtigen Schritt, um aus dem Zivilisten einen Soldaten zu machen.

Ästhetik der Waffen? Das Blitzen der Rüstungen, die fein ziselierten Beschläge der Jagdwaffen, die dekorative Anordnung von Lanzen, die Schönheit eines japanischen Schwertes – der Umgang mit der Ästhetik von Waffen ist in beinahe jedem Museum ein Thema und braucht kulturgeschichtliche Erklärungen, die selten an die Besucher weitergegeben werden. Die Instrumente der Zerstörung waren gleichzeitig Kennzeichen der eigenen Wehrfähigkeit. Größte Sorgfalt legte man auf die technische Ausführung. Waffen fungierten als Kostüm oder modisches Accessoire, sie standen sowohl unter dem Einfluss wehrtechnischer Entwicklungen wie auch allgemeiner Modeströmungen. Daher veranschaulichten sie nicht zuletzt den gesellschaftlichen Rang ihres Trägers. Der historische, emotionale und ästhetische Wert macht die Waffe zu einem begehrten Sammlungsgegenstand und erklärt somit die Tatsache, dass Museen „bis an die Zähne bewaffnet“ sind. Immer wieder steht das Imageproblem im Fokus: „Viele Besucher nennen uns ,Kriegsmuseum‘ und werfen uns vor, eine aggressive, blutrünstige und sexistische Institution zu sein“, klagen die Museumspädagoginnen des Königlichen Militärhistorischen Museums Brüssel. Mit didaktischen Programmen

wird diesem Image entgegengearbeitet. Anhand von Spielen wird der Alltag im Krieg vorgestellt. Helme werden besprochen und ausprobiert. Vieles wird möglich gemacht, aber eines bleibt bei den interaktiven Führungen Tabu: Krieg spielen. Das Heeresgeschichtliche Museum Wien und World Vision organisieren seit 2011 „Ich krieg dich – Kinder im Krieg“, wo Jugendliche, die Krieg als Kindersoldaten und Flüchtlinge erlebten, Schülern von ihrem Leben berichten.

Verdammter Krieg!

John Kon Kelei, Anwalt und ehemaliger Kindersoldat aus dem Sudan, bei den Aktionswochen „Ich krieg dich – Kinder im Krieg“ im Heeresgeschichtlichen Museum 2014.

KRIEG IM MUSEUM

——————————————————— Wolfgang Muchitsch (Hg.): Does War Belong In Museums? Edition Museumsakademie Joanneum ISBN 978-3-8376-2306-2 EUR 28,80 www.transcript-verlag.de _ Hieb. Stich. Schuss

Im Gegensatz zu militärhistorischen Museen mit großen Waffensammlungen steht das international ausgezeichnete Museum in Kobarid, Slowenien, das die Schrecken der Isonzofront schmerzlich ins Gedächtnis ruft. Der slowenische Historiker Branko Marušič erläutert: „Das Museum Kobarid ist kein Kriegsmuseum, sondern ein Museum des Menschen und seiner Not. Es ist kein Museum, das von Sieg und Ruhm, von eroberten und niedergetrampelten Fahnen, von Eroberung und Rachsucht, Revanchismus und Nationalstolz handelt. Im Mittelpunkt steht der Mensch, jener, der laut oder in Gedanken, für sich oder seine Kameraden in den verschiedenen Sprachen der Welt unaufhörlich ,Verdammter Krieg!‘ sagt. In diesem Fluch ist die zentrale Botschaft des Museums Kobarid enthalten.“ / Text: Mella Waldstein Fotos: HGM

Das Volkskundemuseum zeigt erstmals eine repräsentative Auswahl seiner historischen Waffen, die aus Albanien, Bosnien, Dalmatien, Süddeutschland, Österreich und Galizien stammen. Österreichisches Museum für Volkskunde 1080 Wien Laudongasse 15–19 Tel. 01 4068905 Öffnungszeiten Bis So, 2. 2. 2014, Di–So 10.00–17.00 Uhr www. volkskundemuseum.at _ Ich krieg dich – Kinder im Krieg Mi, 12. 2.–Fr, 28. 2. 2014 Heeresgeschichtliches Museum 1030 Wien Arsenal Objekt 1 Tel. 01 79561-0 Öffnungszeiten Tägl. 9.00–17.00 Uhr www.hgm.or.at

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Museum / 38

Kaiserhaus Baden

DAS BÜRGERHAUS DES KAISERS Das Kaiserhaus Baden wurde revitalisiert und mit der Ausstellung „Die Welt der Habsburger“ eröffnet.

Eduard Gurk (1801–1841): Das Kaiserhaus in Baden bei Wien, 1833 (rechts). Albertina Wien

Landesrätin Dr. Petra Bohuslav und Bürgermeister Kurt Staska eröffneten am 3. Oktober das neu renovierte Kaiserhaus in Baden. In Gegenwart von zahlreichen Ehrengästen, darunter viele Mitglieder der Familie Habsburg-Lothringen (angeführt von Kaiserenkel

Karl), betonte Bürgermeister Kurt Staska die Wichtigkeit der ehemaligen Kaiserresidenz für Badens Tourismus. Seit der Öffnung wird das Kaiserhaus von Besuchern regelrecht gestürmt. In den kaiserlichen Wohnräumen werden wechselnde Ausstellungen zur k. u. k.

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Monarchie präsentiert: Den Anfang macht „Die Welt der Habsburger“, zusammengestellt von Prof. Gerhard Tötschinger. Die Sommerfrische von Kaiser Franz I. und seiner Familie sind ebenso Thema wie die Zeit des Armeeoberkommandos unter Kaiser Karl I.


Museum / 39

Ausstellung „Die Welt der Habsburger"

Gerhard Tötschinger (links) und Architekt Gerhard Lindner beim Aufstellen der Krauhs’schen Figurinen.

Bürgerlicher Wohnsitz der Habsburger

lichen Nachkommen. Das adaptierte Kloster dient heute als Bundesgymnasium.

Das 1792 vom Bankier Johann Jacob Gontard errichtete Haus ließ Nikolaus II. Fürst Esterházy in den Jahren 1807 bis 1811 vom französischen Architekten Charles Moreau in ein adeliges Stadtpalais umbauen. Die neue Fassade samt vorgelagertem Säulenportikus, der Umbau der Seitentrakte und die neuen Hofstallungen (heute ein Stützpunkt der Feuerwehr) verwandelten das Bürgerhaus in ein herausragendes klassizistisches Ensemble.

Mit Franz I. kam jeden Sommer auch seine Familie ins biedermeierliche Idyll südlich von Wien. Die Erzherzöge Anton und Carl errichteten eigene Residenzen, wobei Carls Weilburg bis 1918 ein zentraler Treffpunkt der Habsburger bleiben sollte. Erzherzog Rudolf, der große Gönner und Schüler Beethovens, weilte hier ebenso wie Erzherzogin Maria Luise, die ehemalige Kaiserin der Franzosen. Dem Kaiserhof folgten die Größen aus Kunst, Wirtschaft und Politik nach Baden.

Kaiser Franz weilte schon ab 1793 fast jeden Sommer in der Kurstadt. Durch den Stadtbrand 1812 und die Auflösung des Badener Konvents der Augustiner Eremiten war das bisherige kaiserliche Sommerquartier in deren Kloster verloren gegangen. Die Suche nach einer neuen Unterkunft war von den Finanznöten der napoleonischen Kriege überschattet. Schulden Esterházys beim Kaiser dürften die Quartierwahl beeinflusst haben. Im Frühjahr 1813 erwarb Kaiser Franz I. (II.) das Palais des Fürsten, das ab sofort „Kaiserhaus“ tituliert wurde. Der harsche Protest von Kaiserin Maria Ludovika Beatrix gegen die wenig repräsentable Bleibe war vergebens. Bis 1834 residierte hier der Kaiser beinahe jeden Sommer. Franz I. war ein Sparmeister. Nur zögerlich stimmte er Verbesserungen am Haus zu. Der Hofstaat musste großteils in Privatunterkünften untergebracht werden. Erst Ende 1826 entschloss sich der Kaiser zum Erwerb des ehemaligen Klosters samt Kirche, der heutigen Frauenkirche. Somit gab es ausreichend Platz für den Hofstaat und die Sommerwohnungen der kaiser-

Nach dem Tod von Kaiser Franz wurde es um das Kaiserhaus still. In den Sommern vermietete die Burghauptmannschaft das Haus an kaiserliche Beamte. 1878 bis 1900 war es Sommersitz von Erzherzog Carl Salvator von Österreich-Toscana bzw. dessen Familie. 1914 bis 1916 ein Offizierslazarett, diente das Haus nach Verlegung des Armeeoberkommandos von Teschen nach Baden im Jänner 1917 als „allerhöchste Hofstatt”. Oberbefehlshaber Kaiser Karl I. führte in der Beletage das Kommando der k. u. k. Armee. In den ersten Monaten der Jahre 1917 und 1918 wohnte hier auch seine Familie mit Kaiserin Zita und Thronfolger Otto. Ende 2008 von der Stadt Baden erworben, wurde, nach umfassender Erforschung der Baugeschichte, das Gebäude in den vergangenen beiden Jahren unter der Leitung von Projektkoordinator Hans Hornyik und Architekt Gerhard Lindner wieder in den Zustand der kaiserlichen Sommerresidenz nach 1819 gebracht.

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Prof. Gerhard Tötschinger präsentiert die wertvollen historischen Figurinen des Künstlers Helmut Krauhs und weitere Exponate, welche die Welt der Habsburger zeigen und in Bezug zum Kaiserhaus und der Zeit der Monarchie stehen: Die Erbhuldigungszüge von Kaiser Karl VI. und Maria Theresia, ein Jagdfrühstück des Kaisers ebenso wie ein biedermeierlicher Jagdausflug, ein Hauerumzug oder ein Fischmarkt sind mit den Krauhs’schen Figurinen dargestellt. Begleitet werden diese Kunstwerke von vielen Versatzstücken aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie: Bilder, Bücher, Hausrat und vieles anderes vermitteln ein Gefühl der lange vergangenen Epoche. Figurinen von Helmut Krauhs sind in zahlreichen Museen zu finden – im Bayerischen Armeemuseum Ingolstadt, in der Royal Military Academy Sandhurst, im Heeresgeschichtlichen Museum Wien, in den Vatikanischen Museen, in der US-Militärakademie West Point etc. Helmut Krauhs kam am 4. April 1912 in Kaschau/Košice, heute in der Slowakei, zur Welt. Seine Familie übersiedelte 1922 nach Wien. Er besuchte die Militärakademie in Wiener Neustadt, musterte 1936 als Leutnant aus und wurde 1938 zur deutschen Wehrmacht eingezogen. In US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft begann er, Figurinen zu modellieren. Der Zeitvertreib wurde zum Beruf, Krauhs zum gefeierten Künstler. Er ist 1995 in Wien verstorben. / Text und Foto: Hans Hornyik

KAISERHAUS BADEN

——————————————————— Die Welt der Habsburger 2500 Baden, Hauptplatz 17 Tel. 02252 86800-231 u. -232 Öffnungszeiten Di–So 10.00–18.00 Uhr www.badenonline.at


Museum Mödling / 40

Kinderwelt

ERWACHSEN SPIELEN Spielzeug war früher oftmals die Miniaturausgabe von Gebrauchs- und Arbeitsgegenständen aus der Erwachsenenwelt. Das Museum Mödling zeigt Schätze aus dem Depot, von Nachlässen und Dachböden.

cher. Zur Ausstellung „Kinderwelt“ wurden zusätzlich zahlreiche Leihgaben beigesteuert, das Lieblingsspielzeug aus Kindertagen vom Dachboden geholt und ins Museum getragen.

Laterna magica

Brettspiel „Wettrennen“ aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Foto: Monika Chromy/Museum Mödling

Im Spiel, losgelöst von alltäglichen Verpflichtungen, kann sich der Bezug des Menschen zu seiner Umwelt, seinen Mitmenschen freier entwickeln als in den vielen anderen Lebenssituationen. Im Spiel zu sich selbst zu finden und mit seinen Spielpartnern in offenen Bezug zu treten, sei es als Kind oder als Erwachsener, macht glücklich. Das Museum Mödling zeigt in einer bunten, liebevoll zusammengestellten Schau Kinder-

spielzeug und kindbezogene Gebrauchsgegenstände vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zu den 1970er Jahren. Die Spielzeug-Sammlung des Museums, betreut von Ing. Ilse Jelus, ist im Laufe der Jahre dank vieler Sachspenden von Privatpersonen von wenigen Stücken zu einer beachtlichen Vielfalt an Objekten gewachsen. In manchem Nachlass, der dem Museum Mödling als Spendenkonvolut überlassen wurde, finden sich Spielzeug, Schulsachen und Kinderbü-

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Das älteste Objekt der Ausstellung ist eine – vom ursprünglichen Gasbetrieb auf elektrischen Betrieb umgebaute – Laterna Magica („Zauberlaterne“), ca. aus dem Jahr 1880. Sie zeigt die Bildgeschichte des Märchens „Der gestiefelte Kater“. Respekteinflößend wirkt eine aus Holz und Stroh gefertigte, in dunklen Farben gehaltene bewegliche Teufelsfigur mit hufartig verformtem Fuß, wogegen Zwerg Bumsti aus Stoff (ca. 1950, eine Figur aus der Kinderzeitschrift „Wunderwelt“) freundlich lächelt. Unterstützt wird er dabei durch eine Gruppe von bunten Kasperln aus verschiedenen Jahrzehnten. Die Sammlung der Brettspiele zeigt den Übergang von traditionellen Materialien zu Kunststoff. Die ältesten ausgestellten Objekte dieser Kategorie sind vermutlich das „Gnomen-Roulett“ (Anfang 20. Jahrhundert) und das Würfelspiel „Wettrennen“ mit Pferden und Reitern aus Zinn. In einer Vitrine sind historische Kleinkindutensilien zu sehen. Neben Babyjäckchen, Hauberln und Schühchen liegt eine Zahnungshilfe aus Silber, die zur Kühlung des Kiefers dienen sollte. Die Bissspuren darauf sind deutlich sichtbar. Als Kuriosum aus heutiger Sicht kann man religiöses Spielzeug in Form von Utensilien für die Heilige Messe im Miniaturformat bezeichnen, die dem Museum Mödling als


Museum Mödling / 41

Stofffigurine von Johanna Krausgruber.

Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Sie sind aus Zinn gefertigt und stammen aus der Zeit der Jahrhundertwende. Monstranz, Kelch, Kerzenleuchter und Weihrauchkessel dienten damals zur Vorbereitung auf den Priesterberuf. Überhaupt war Spielzeug früher oftmals die Miniaturausgabe von Gebrauchs- und Arbeitsgegenständen aus der Erwachsenenwelt, das Kinder an ihren späteren Aufgabenbereich heranführen sollte. Spielzeug in seiner Gestaltung ist auch immer ein Anzeiger für den Zeitgeschmack und damit verbundenen Stilwechsel. Ein rund 100 Jahre altes komplettes Ensemble von Puppenmöbeln, „Großmamas Puppenstube“, zu dem sogar eine ehemals funktionstüchtige winzige Standuhr gehört, zeigt detailreich, was in der bürgerlichen Wohnungsausstattung damals en vogue war.

Barbies Vorgängerin Unter den vielen gezeigten Puppen in allen Größen sind ein entzückend eingekleidetes Bub/Mädel-Pärchen aus den 1920er Jahren sowie eine original „Bild-Lilli“ hervorzuheben. Die Geschichte der heute nur mehr wenig bekannten Bild-Lilli ist untrennbar mit der Geschichte der Bild-Zeitung (Deutschland) verbunden. Die erste Ausgabe der Zeitung erschien 1952 mit dem Comic „Lilli“. Der Comic wurde so populär, dass die Bild-Redaktion 1953 beschloss, eine Puppe als Werbemittel nach dem Vorbild der Titelfigur produzieren zu lassen. Später übernahm der US-amerikanische Spielzeughersteller Mattel das Konzept der Bild-LilliPuppe und schickte die meistverkaufte

Krenns Theateralbum. Fotos: Monika Chromy/Museum Mödling

Puppe in die weite Welt, die berühmte „Barbie“.

Linde-Figuren Eine Vitrine der Ausstellung „Kinderwelt“ ist Serien von Mini-Möbeln aus Kunststoff, die Kaffepackungen beigelegt waren, gewidmet – den sogenannten Linde-Figuren. Spielzeug war in der Nachkriegszeit rar, sodass die Idee, in den Packungen Spielzeug im Sinne von Werbebeigaben beizulegen, den Umsatz steigerte und aufgrund der Sammelleidenschaft Kundentreue garantierte. Linde-Figuren waren unter Kindern sehr beliebt und haben unter den heutigen Ausstellungsbesuchern einen hohen Wiedererkennungswert. Nicht wegzudenken aus der Kinderwelt unseres Kulturkreises waren und sind Bücher: Bilderbücher, Märchenbücher, Kinder- und Jugendromane, Comics und natürlich Schulbücher, die alle ein Spiegelbild ihrer Zeit sind. Buchtitel wie „Murli Brumm“, „Puppelinchen“, „Die Biene Maja“, „Puckerl und Muckerl“ oder „Hänschen im Blaubeerwald“ lassen bei den Ausstellungsbesuchern, die das Kindesalter schon viele Jahre hinter sich gelassen haben, Erinnerungen wach werden. Und Damen und Herren der Babyboom-Generation freuen sich über die Auswahl an 50 Jahre alten Mickymaus-Hefterln. Eine Sonderstellung im Rahmen der Ausstellung haben die Kostümfigurinen der Mödlingerin Johanna Krausgruber, die als Spende an das Museum Mödling übergeben wurden. Die in historische Trachten gekleideten Stoff-

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figurinen, die im Rahmen der Ausbildung zur Mode- und Bekleidungstechnikerin von Hand angefertigt wurden, geben einen Überblick über die Entwicklung der Mode von der Antike bis zum Jahr 1950. Das kommunikative Spiel und der dabei stattfindende verbale und nonverbale Austausch mit anderen sind Meilensteine in der Entwicklung eines Kindes und Basis für vieles im Leben. Vermutlich ist gerade das der Grund dafür, dass Erwachsene oft und meist gerne an ihr Spielzeug und an ihre Spielgefährten zurückdenken. Wir hören noch die Zauberworte: „Willst mitspielen …?“ / Text: Monika Chromy

KINDERWELT

——————————————————— Bis So, 26. 1. 2014 Sonderausstellung „Kinderwelt – Schätze aus dem Museumsarchiv“ Museum Mödling – Thonetschlössl 2340 Mödling, Josef-Deutsch-Platz 2 Tel. 02236 241569 Öffnungszeiten Mo–Do 9.00–13.00 Uhr Sa 10.00–14.00 Uhr So u. Fei 14.00–18.00 Uhr Weihnachtsfeiertage und Neujahrstag geschlossen Eintritt mit der NÖ-Card frei www.museum.moedling.at.tf


Museen / 42

Papierkrippen

SPARKRIPPEN Die heurige Weihnachtsausstellung in der Zinnfigurenwelt in Katzelsdorf/Leitha präsentiert an die 100 Papierkrippen.

Papierfiguren ermöglichen ein platzsparendes Aufstellen und Aufbewahren.

Moderne Böhmische Krippe (Detail). Foto: z. V. g.

Die Weihnachtszeit bildet eine Insel der Ruhe, der Gemütlichkeit und des Glücks in unserer hektischen Zeit und führt uns oft wieder in die ganz von poetischem Zauber erfüllte Kindheit zurück. Dazu trägt der Aufbau einer Weihnachtskrippe bei. Die ersten figürlichen Darstellungen gehen auf die Antike zurück. Franz von Assisi stellte 1223 eine lebende Krippe mit Ochs und Esel dar. Seit dieser Zeit finden wir diese Tiere in den Weihnachtskrippen. Im Barock glänzten prächtige Krippen in den Gotteshäusern. Ein Verbot des Aufstellens von Weihnachtskrippen durch den Kaiser Joseph II. 1782 führte dazu, dass die Bevölkerung die Kirchenkrippen mit nach Hause nahm. Bei manchen, die keine dieser Krippen erwerben konnten, entstand der Wunsch, auch Derartiges zu besitzen. Sie versuchten selbst einige Krippenfiguren mit Papier, Pinsel und Farbe herzustellen. Die Papierkrippen waren geboren.

Im 18. Jahrhundert ließen sich auch Adelige und reiche Bürger von berühmten Malern biblische Figuren in Öl oder Tempera auf Papier oder Karton malen. Nicht selten waren bei ihnen über 100 Figuren in einer Papierkrippe zu finden. Durch die Erfindung des Steindrucks waren nun hohe Auflagen möglich geworden. Gustav Kühn aus Neuruppin brachte in der Zeit von 1835 bis 1900 insgesamt 175 „Kripperlbilder“ heraus. „Ist dein altes Kripperl hin, so kauf dir eins von Gustav Kühn“, lautete ein geflügeltes Wort. Der Scholz-Verlag in Mainz bot 55 verschiedene Papierkrippen in seinem Katalog an. Krippenbogen aus dem J.-F.Schreiber-Verlag gab es bis in die 1960er Jahre. In Österreich nannte man die Ausschneide-Bilderbögen „Mandlbögen“.

Schwejk vor der Krippe Tschechien ist heute führend in der Papierkrippenproduktion. Immer neue Figurentypen fanden ihren Platz in den Krippen, die somit reichhaltiger wurden. Hier ist die ganze bunte Dorfgemeinschaft zu finden: der Schornsteinfeger neben dem Müller, der Lehrer, Schuster und Schneider neben der „Gänseliesel“. Musikanten runden das Krippenbild ab. Und wie könnte es anders sein: In einigen Prager Papierkrippen ist sogar der „brave Soldat Schwejk“ zu Hause. Heute sind Papierkrippen eine echte Besonderheit. In Österreich sind es nur wenige Krippenfreunde, die sich mit dieser Krippen-

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art auseinandersetzen. Wenige Verlage erstellen noch neue bzw. drucken alte nach. Was früher „Arme-Leute-Krippen“ waren, sind heute echte „Schätzchen“ geworden. / Text: Franz Rieder

PAPIERKRIPPEN

——————————————————— Zinnfigurenwelt Katzelsdorf 2801 Katzelsdorf, Hauptstraße 69 Tel. 02622 78250 oder 02622 78200 Öffnungszeiten Sa, So u. Fei 10.00–17.00 Uhr www.zinnfigurenwelt-katzelsdorf.at

3. NÖ LANDESKRIPPENAUSSTELLUNG

——————————————————— Bis Mo, 6. 1. 2014 Der Krippenverein Vösendorf zeigt Krippen aus Niederösterreich sowie historische und moderne Krippen. Rundum gibt es ein Rahmenprogramm – vom Krippenbaukurs über ein Papiertheater bis zum Zinngießen. 2331 Vösendorf, Johannisweg 2 Tel. 0664 32 57 410 krippevoesendorf@a1.net Öffnungszeiten Fr, Sa 14.00–18.00 Uhr So, Fei 10.00–18.00 Uhr 24. 12. 10.00–13.00 Uhr 25. u. 26. 12. geschlossen


Kulturarbeit / 43

Ehrenamt

PROFESSIONELL ENGAGIERT Arbeit mit Ehrenamtlichen – Chance für weitere Professionalisierung.

In ganz Niederösterreich sorgt eine große Anzahl von Menschen mit Engagement und Herzblut dafür, dass in den Gemeinden und Regionen „der Laden läuft“, sei es in einem Museum, in einem Kulturverein oder in einer Theatergruppe. Typisch für den Kulturbetrieb ist, dass sie nicht alle zu denselben Bedingungen arbeiten: In den meisten Kulturorganisation sind gleichzeitig bezahlte und unbezahlte Menschen beschäftigt. Die Meinungen zum ehrenamtlichen Arbeiten gehen auseinander: Für die einen ist es ein weiteres Indiz für die prekären Arbeitsbedingungen in der Kultur; andere wiederum stellen den Aspekt des Engagements für die Gesellschaft in den Vordergrund und streichen die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und der positiven Effekte für die Gemeinde hervor. Beiden Positionen kann nicht widersprochen werden, und aus der Diskrepanz, die sich daraus ergibt, können im Arbeitsalltag eine Reihe von Problemen und Unklarheiten auftauchen, vor allem in der Teamarbeit.

Arbeit oder privat?

Klare Ziele und Aufgaben

Ehrenamtliche sind sich oft selbst nicht sicher, ob die Arbeit, die sie leisten, wirklich professionell ist – sie findet ja in der Freizeit statt. Und sie wird nicht bezahlt. Weiters findet man oft unklare Tätigkeitsprofile und Kompetenzverteilungen – es gibt weder Arbeitsvertrag und noch Jobbeschreibung. Das ist auch für die Führungsperson nicht einfach: Kann ich einem Ehrenamtlichen überhaupt eine Anweisung geben? Oder muss ich nicht vielmehr froh sein, dass jemand umsonst arbeitet? Aber wie soll ich meinen Kulturverein professionalisieren, wenn meine ehrenamtlichen Mitarbeiter am Arbeitsplatz in Wirklichkeit ihre Freizeit verbringen und sich dementsprechend privat z. B. den Besuchern oder auch den anderen Mitarbeitern gegenüber verhalten?

Der Arbeitgeber soll sich, noch bevor die ehrenamtlichen Aufgaben verteilt werden, zwei Dinge überlegen. Erstens: Welche Aufgaben, welche Arbeitsabläufe und regelmäßigen oder punktuell anfallenden Tätigkeiten können von Ehrenamtlichen übernommen werden? Für diese ehrenamtlichen Aufgaben wird ein Jobprofil erstellt inklusive dem geschätzten Zeitaufwand. Zweitens: Was kann ich anstelle einer Bezahlung anbieten? Was ist die „nicht monetäre“ Gegenleistung?

Es ist notwendig und, wie ein Blick in andere Länder zeigt, auch möglich, dass ehrenamtliche Arbeit auf professionellem Niveau einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg einer Kulturorganisation leistet. Dafür gilt es auf Seiten aller Beteiligter, ein Verständnis für die speziellen Fragestellung zu entwickeln und die Arbeit mit Ehrenamtlichen im Sinne des Volunteer Management (wie es im angelsächsischen Raum bereits etabliert ist) als eine der zentralen Aufgaben des Personalmanagements anzuerkennen. Wenn eine Kulturorganisation an professionellem Management interessiert ist und sich mit Themen wie Teambuilding, Marketing, PR und Finanzierung auseinandersetzt, dann finden auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter Wertschätzung und persönlichen Entwicklungsspielraum.

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Fünf praktische Tipps 1. Klare Aufteilung in der Organisation: Was wird ehrenamtlich erledigt, was bezahlt. 2. Kein Unterschied in der Wertigkeit von bezahlter und unbezahlter Arbeit. 3. Gegenleistungen vereinbaren, die dem ehrenamtlichen Mitarbeiter einen persönlichen Vorteil bringen. 4. Ehrenamtliche Stunden als Eigenleistung in den Kalkulationen von Projekten und Jahresbudgets auflisten. 5. Immer wieder aufs Neue Argumente gegenüber dem Geldgeber für die ange- messene Bezahlung von Kulturarbeit finden. / Text: Karin Wolf Karin Wolf ist Leiterin des Instituts für Kulturkonzepte und unterrichtet im Lehrgang „Professionelle Kulturarbeit“ des Museumsmanagement Niederösterreich (siehe Seite 47).


St. Pölten / 44

100 Jahre Synagoge

DER STADT ZUR ZIERDE Vor 100 Jahren wurde in der Dr.-Karl-Renner-Promenade in St. Pölten die Synagoge eröffnet. Im anschließenden Kantorhaus ist seit 25 Jahren das Institut für jüdische Geschichte Österreichs untergebracht.

Die Synagoge St. Pölten mit ornamentaler Wandmalerei. Foto: Marius Höfinger

Jüdische Ansiedlung lässt sich in Niederösterreich über viele Jahrhunderte nachweisen, wobei die rechtliche Situation der Juden vom Landesherren abhing. Schien es politisch opportun, mussten die jüdischen Familien ihre Wohnungen verlassen. Mit dem Ausweisungsdekret Leopolds I. wurden mit einem Schlag sämtliche jüdischen Gemeinden in Niederösterreich ausgelöscht, viele Familien ließen sich im heutigen Tschechien oder in der Slowakei nieder. Während in Wien bald wieder Juden zugelassen wurden, hielt sich das Ansiedlungsverbot in Niederösterreich bis zur Revolution 1848. Durch das Staatsgrundgesetz im Jahr 1867 wurden die Juden zu vollkommen emanzipierten Bürgern – Rechtsgleichheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie die Unverletzlichkeit

des Eigentums wurde ihnen garantiert. Dass sich in St. Pölten wieder Juden niedergelassen haben, ist durch die Gründung eines Bethausvereins 1851 belegt. 1859 wurde am heutigen Pernerstorferplatz ein jüdischer Friedhof eingerichtet. 1863 wurde die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) gegründet, die aber viele Orte im Umland der Stadt einbezog und rund 250 Personen jüdischen Glaubens umfasste. 1906 errichtete die Kultusgemeinde St. Pölten im Anschluss an den Stadtfriedhof einen neuen Friedhof mit einer Zeremonienhalle.

Tempelbaufond In St. Pölten diente bis 1885 ein Raum in der ehemaligen Gasserfabrik als Bethaus, in wei-

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terer Folge ein adaptiertes Gebäude derselben. Doch schon 1888 wollten die Mitglieder der IKG eine neue Synagoge errichten, da sich die Gemeinde in diesen Jahren rasch vergrößerte. Nach längeren Verhandlungen war im Jahr 1911 der Platz für die neue Synagoge fixiert, die Kultusgemeinde hatte über die Jahrzehnte auch einen Tempelbaufond in der Höhe von 67.230 Kronen angespart. Die Ambitionen für den Tempelbau waren hoch gesteckt, man erklärte, „nur ein Gebäude aufführen zu wollen, welches der Stadt zur Zierde gereicht“. Der Hauptraum ist als Oktogon angelegt, ein Davidstern ist auf der Kuppel angebracht. Der Innenraum ist mit üppigen Ornamenten ausgestattet, die den Anschein von bedruckten Textilien erzeugen. Gleich im Anschluss wurde ein Kantorhaus errichtet. Am 17. August 1913 konnte das Gebäude in Anwesenheit lokaler Prominenz seiner Bestimmung übergeben werden, die Zeitungen berichteten ausführlich von diesem Ereignis.

Blühende Gemeinde, planmäßige Zerstörung 25 Jahre erfüllte das Gebäude seine Funktion. Zu der IKG St. Pölten gehörten die Bezirkshauptmannschaften St. Pölten, Lilienfeld, Melk und Hietzing-Umgebung, in diesem Einzugsbereich lebten mehr als 1.200 Menschen mit mosaischem Bekenntnis. Allein in der Stadt St. Pölten waren am 12. März 1938 fast 400 Juden und Jüdinnen gemeldet. Über das Alltagsleben, die blühende jüdische Gemeinde mit ihrem aktiven Vereinsleben wurde in den späten 1990er Jahren intensiv geforscht und publiziert.


St. Pölten / 45

Ausstellung auf der Empore. Foto: Marius Höfinger

Thoraschrein – nur 25 von 100 Jahren war die Synagoge als Gotteshaus genutzt. Foto: Peter Rauchecker

Ab dem März 1938 wurden Juden systematisch aus dem wirtschaftlichen und sozialen Leben in St. Pölten hinausgedrängt. Am 10. November 1938, dieser Tag ging als Reichsprogromnacht in die Geschichte ein, wurde der St. Pöltner Tempel, wie so viele andere im deutschen Reichsgebiet, zerstört. Ein SS-Standartenführer aus Krems war gekommen, um mit SS-Leuten die Zerstörung planmäßig durchzuführen. Zwischen 300 und 400 Menschen hatten sich vor der Synagoge versammelt, nach dem gewaltsamen Eindringen wurden Fenster, Inneneinrichtung, Bücher und Kultusgegenstände zerstört und verbrannt. Das Gebäude wurde danach nur mehr notdürftig instandgesetzt, ab 1942 wurden hier arbeitsverpflichtete russische Zivilpersonen untergebracht. Bei den Bombenangriffen auf St. Pölten entstanden weitere Schäden, die wiederum nur provisorisch ausgebessert wurden. Nach dem Krieg gab es keine jüdische Gemeinde mehr in St. Pölten.

goge als Kulturdenkmal mit einer Ausstellung der Judaica-Sammlung von Max Berger eröffnet.

Als Rechtsnachfolger der Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten beantragte die Kultusgemeinde Wien in den 1970er Jahren den Abbruch der ehemaligen Synagoge. Nachdem in einem Gutachten 1979 festgestellt wurde, dass es sich bei dem Bau „als ein für die Entstehungszeit außerordentlich charakteristisches Werk“ handelt, „das dem Zeitgeschmack, der sich gerne als ‚Wiener Barock‘ verstand, eine selbstständige künstlerische Lösung abgerungen hat“, setzte sich sowohl die Stadt St. Pölten als auch das Land Niederösterreich für die Erhaltung als Kulturdenkmal ein. 1980 konnte mit den Arbeiten begonnen werden, 1984 wurde die Syna-

Nur wenige der vertriebenen Juden St. Pöltens haben den Weg zurück in ihre Heimat gefunden, eine Kultusgemeinde wird es hier wahrscheinlich nie wieder geben, aber die Wiedererrichtung der Synagoge als Bauund Kulturdenkmal, die Einrichtung des Forschungsinstituts in den Räumen des ehemaligen Kantorhauses bringt zum Ausdruck, dass die Geschichte und das Schicksal der jüdischen Mitbürger Teil unserer österreichischen Geschichte ist. /

1982 entstand aus den Erfahrungen mit der Ausstellung „1000 Jahre österreichisches Judentum“ im österreichisch-jüdischen Museum in Eisenstadt der Wunsch eines eigenen Forschungsinstitutes für die Geschichte der österreichischen Juden. Klaus Lohrmann und, wie er selbst sagt, vielen Zufällen und dem Fluss politischer Ereignisse der folgenden Jahre ist es zu verdanken, dass im Jahr 1988 die Arbeit für das Institut für Geschichte der Juden in Österreich aufgenommen werden konnte. Als Sitz des Institutes wurde das Kantorhaus der Synagoge in St. Pölten gewählt. In den 25 Jahren seines Bestehens wurden zahlreiche Publikationen herausgegeben: beginnend von den mittelalterlichen jüdischen Ansiedlungen bis zur Dokumentation der Vertreibungen während der NS-Zeit.

Text: Eva Zeindl

INFORMATION

——————————————————— Gott und Kaiser. 100 Jahre ehemalige Synagoge St. Pölten Stadtmuseum St. Pölten 3100 St. Pölten Prandtauerstraße 2 Tel. 02742 333 2643 Öffnungszeiten Bis So, 27. 4. 2014 Mi–So, 10.00–17.00 Uhr www.stadtmuseum-stpoelten.at _ Institut für jüdische Geschichte Österreichs 3100 St. Pölten Dr.-Karl-Renner-Promenade 22 Tel. 02742 771 71-0 injoest.ac.at _ Christoph Lind: Kleine jüdische Kolonien. Juden in Niederösterreich 1782–1914 304 Seiten, Verlag Mandelbaum ISBN 9-78385476-406-9 EUR 24,90 Der letzte Jude hat den Tempel verlassen. Juden in Niederösterreich 1938–1945 323 Seiten, Verlag Mandelbaum ISBN 3-85476-141-4 EUR 24,90 www.mandelbaum.at

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Waldviertel / 46

Moriz Winternitz

EIN INDOLOGE AUS HORN Moriz Winternitz (1863–1937) – ein Indologe aus dem Waldviertel. Eine Skizze zum 150. Geburtstag.

Jahr 1670 ließen sich erst ab 1857 wieder jüdische Ansiedler in Horn nieder; die meisten waren Zuwanderer aus Böhmen und Mähren. 1880 hatten die jüdischen Bewohner in Horn einen Anteil von vier Prozent der Bevölkerung. Bald bildete sich eine Betgenossenschaft, 1874 wurde die „Israelitische Kultusgemeinde in Horn“ errichtet, die 1903 eine Synagoge einrichtete. Moriz Winternitz wurde am 23. Dezember 1863 in Horn als Sohn des Produktenhändlers Bernhard und seiner Frau Theresia Winternitz geboren. Seine Eltern, aus Böhmen zugewandert, betrieben in Miete ein kleines Gemischtwarengeschäft, zuerst in Horn, später in Sigmundsherberg. Die Erlöse reichten kaum aus, die Armutsgrenze zu überwinden. Schon bevor Moriz Winternitz in die Volksschule eintrat, erlernte er zu Hause mit Hilfe seines Vaters Hebräisch in Wort und Schrift. Von 1872 bis 1880 konnte Moriz Winternitz das traditionsreiche Horner Landesgymnasium besuchen und dort die Reifeprüfung ablegen. Der Indologe und Ethnologe Moriz Winternitz (1863–1937). Repro: Johann Fenz

Moriz Winternitz ist Fachleuten als weltbekannter Indologe geläufig, sein Name scheint in großen Nachschlagewerken auf, doch in der „Heimat“, dort wo er seine Jugend verbrachte, ist sein Name heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Moriz Winternitz entstammte einer jüdischen Familie der Waldviertler Kleinstadt Horn. Nach der Vertreibung der jüdischen Bewohner aus Horn im

Tagore & Einstein Es folgte von 1880 bis 1886 ein Studium an der Universität Wien, zuerst klassische Philologie, dann Sanskrit und vergleichende Sprachforschung. Seine Dissertation über ein indisches Hochzeitsritual wurde mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ bewertet. Als Gelehrter wirkte er zehn Jahre lang in Oxford, im Jahr 1899 habilitierte sich Winternitz an der Deutschen Universität Prag für Sanskrit und Ethnologie. Er lehrte dort vorwiegend altindische Literaturgeschichte, von 1911 bis

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1934 als ordentlicher Professor. Unter ihm erreichte das Fachgebiet der Indologie in Prag eine erste Blüte. Sein Hauptwerk ist die bisher unersetzte „Geschichte der indischen Litteratur“ in drei Bänden, in denen er die vedische Literatur, Epen und Puranas, buddhistische und JainaTexte sowie Lyrik und Wissenschaft behandelte. Die Winternitz-Biographen Margot und Martin Kraatz bewerten das so: „Die ,Geschichte der indischen Litteratur‘ ist noch immer eines der wichtigsten Hilfsmittel für den Lernenden und für den Lehrenden, sie ist in dieser Form bisher nicht übertroffen worden.“ Sein wissenschaftliches Œuvre, auch philosophische, volkskundliche und religionswissenschaftliche Forschungen, umfasste für den Zeitraum 1884 bis 1937 453 Arbeiten, eine Reihe seiner Schriften wurde nach 1945 neu aufgelegt. Winternitz war mit dem Physiker Albert Einstein, der von 1911 bis 1912 drei Semester in Prag unterrichtete, und mit dem indischen Nobelpreisträger Rabindranath Tagore befreundet. 1922/23 unterrichtete Winternitz an der Tagore-Universität in Shantiniketan in Indien. Das gesamte Wirken von Moriz Winternitz war getragen von den Gedanken der Humanität und Völkerverständigung, er unterscheidet sich damit deutlich von den diktatorischen und menschenverachtenden Ideologien, die in den 1930er Jahren die Oberhand gewannen. / Text: Erich Rabl


Kultur.Region / 47

Kurse & Seminare

FORTBILDUNG LEHRGANG PROFESSIONELLE KULTURARBEIT

—————————————————————— Achtung: Startverschiebung! Modul 1: Fr, 13.–Sa, 14. 12. 2013 Projektplanung und -finanzierung Institut für Kulturkonzepte, 1060 Wien, Gumpendorfer Straße 9/10 Referent: Mag. Christian Henner-Fehr Wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Kulturorganisation ist eine gute Planung der internen Abläufe und der Finanzierung. Themen: Mission, Vision, Ziele und Strategien. Strategische und operative Ziele. Vom Projektstrukturplan zum Budget. Eigenleistung, Einnahmen, Förderungen. Modul 2: Fr, 24.–Sa, 25. 1. 2014 Kultursponsoring Haus der Regionen, 3504 Krems-Stein, Donaulände 56 Referentin: Mag. Leonie Hodkevitch Erfolgreiches Sponsoring beginnt mit einem Projektkonzept und einer überzeugenden Sponsoringmappe. Themen: Die Sicht des Unternehmens. Auswahl der Partner und Kontaktaufnahme. Verhandlungstaktik und nachhaltige Zusammenarbeit. In Kooperation mit dem Institut für Kulturkonzepte bietet das Museumsmanagement Niederösterreich einen praxisorientierten Lehrgang, der sich speziell an Leiter und Mitarbeiter von Vereinen und Museen richtet, die ihre Arbeit und Projekte erfolgreich umsetzen, vermarkten und verbessern möchten. Information Institut für Kulturkonzepte Tel. 01 5853999, office@kulturkonzepte.at www.kulturkonzepte.at

GRUNDLAGEN DER VERMITTLUNGSMETHODEN

—————————————————————— Fr, 10.–Sa, 11. 1. 2014 Haus der Regionen, 3504 Krems-Stein, Donaulände 56 Referentin: Helga Steinacher Umfassende Einführung in die methodischen wie didaktischen Möglichkeiten, die im Rahmen von Führungen und anderen Vermittlungsangeboten umgesetzt werden können. Praxisorientiert verweisen „Best Practice“-Beispiele aus verschiedenen Kulturinstitutionen auf die Vielfältigkeit und Anwendbarkeit von Vermittlungsmethoden. Anmeldung & Information Museumsmanagement Niederösterreich Tel. 02732 73999 museen@volkskulturnoe.at www.noemuseen.at _

MUSEUMSBESUCHER/INNEN

—————————————————————— Fr, 17.–Sa, 18. 1. 2014 Haus der Regionen, 3504 Krems-Stein, Donaulände 56 Referentin: Helga Steinacher Bedürfnisse von Museumsbesuchern, Zielgruppenorientierung, Kulturvermittlungskonzepte, museumspädagogische Programme.

KULTURPREISE NIEDERÖSTERREICH 2013

——————————————————— In einer glanzvollen Gala überreichte Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll am 8. November die Kulturpreise des Landes Niederösterreich. In seinen Aussagen zollte der Landeshauptmann den Preisträgern Dank und Anerkennung: „Die Impulsgeber der zahlreichen Kulturaktivitäten sind die heimischen Künstlerinnen und Künstler, die dafür sorgen, dass unser Land geistig rege und innovativ bleibt.“ Den Würdigungspreis der Volkskultur und Kulturinitiativen erhielt Prof. Dr. Helga Maria Wolf, die Anerkennungspreise (gesponsert von der RaiffeisenHolding Niederösterreich- Wien und der Novomatic AG) der Familienmusik Zehetner und pink noise – Verein zur Förderung feministisch popkultureller Aktivitäten – zugesprochen.

V. l. n. r.: Alois Zehetner; Dorli Draxler, Volkskultur Niederösterreich; Edgar Niemeczek, Kultur.Region.Niederösterreich; Elisabeth Nesslinger, Präs. Erwin Hameseder, Raiffeisen-Holding NÖ-Wien; Michaela Zehetner; Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll; Elfi Pernkopf; Alois Zehetner jun. _

Anmeldung & Information Museumsmanagement Niederösterreich Tel. 02732 73999, museen@volkskulturnoe.at www.noemuseen.at _ V. l. n. r.: Alexandra Nagl, Novomatic AG; Ulrike Mayer, pink noise; Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll; Julia Boschmann, pink noise; Veronica Lion, pink noise.

Anmeldung Museumsmanagement Niederösterreich Tel. 02732 73999 museen@volkskulturnoe.at www.noemuseen.at

Fotos: Erich Marschik _

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Nachschau / 48

VOLKSMUSIKSENDUNGEN DES ORF

Museumsdorf Niedersulz

ÜBER 50.000 BESUCHER

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ORF 2 Wetter-Panorama täglich 7.00–9.00 Uhr Fernsehfrühschoppen, 8. 12., 12.00 Uhr: Frühschoppen aus dem Großarltal 26. 12. und 6. 1., 12.00 Uhr: Frühschoppen aus Zell am See _

ORF 3

Mit 55.608 Besuchern kann das Museumsdorf auf die bisher erfolgreichste Saison zurückblicken.

Unser Österreich, Sa 17.00 Uhr, Mo 12.00 Uhr Klingendes Österreich, Weihnachten im Pongau – von Werfen nach Wagrain. Sa, 7. 12., 18.45 Uhr; Mo, 9. 12., 13.20 Uhr; Mi, 11. 12., 12.00 Uhr _

RADIO NIEDERÖSTERREICH

V. l. n. r.: Mag. Hermann Dikowitsch, Kulturabteilung Niederösterreich, Bgm. Franz Pirkner, Abg. z. NR Ing. Hermann Schultes, Obmann NÖ Bauernbund, Dr. Edgar Niemeczek, Geschäftsführer Kultur.Region Niederösterreich, Martina und Michael Bauer mit Simon und Peter, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Dorli Draxler, Geschäftsführerin Volkskultur Niederösterreich, Herbert Nowohradsky, Obmann des Niederösterreichischen Seniorenbundes. Foto: NLK Filzwieser

Am Mittwoch, den 16. Oktober 2013 konnten Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und Dr. Edgar Niemeczek, Museumsdorf NiedersulzChef und Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich mit der Familie Bauer aus Klosterneuburg den 50.000sten Besucher der Saison 2013 begrüßen. „Das Museumsdorf Niedersulz ist ein Ort, wo Geschichte spürbar wird. Der Blick in die Vergangenheit gibt dabei auch Kraft für die Zukunft, denn damals wie heute standen die Menschen vor Herausforderungen, die sie zu bewältigen hatten. Bewusst wurde den Gebäuden aus dem 19. und 20. Jahrhundert ein neues, modernes Eingangsgebäude gegenübergestellt, um harmonisch an die Geschichte anzubinden und in die Zukunft zu weisen. Familie Bauer ist ein gutes Beispiel dafür, dass das Museumsdorf eine Ort der Begegnung der Generationen ist, wo Traditionen und die Geschichte unseres Landes Niederösterreich weitergegeben werden“, freut sich Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll über die Erfolgsgeschichte des neuen Museumsdorfes Niedersulz. Für Familie Bauer war es der erste Besuch im Museumsdorf. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der Weitläufigkeit des Areals, von den herrlichen herbstlichen Gärten und der friedlichen Atmosphäre, die das Museumsdorf ausstrahlt. /

aufhOHRchen, Di 20.00–21.00 Uhr Di 3. 12.: „Es kommt eine frohe Zeit“. Ein Gang durch den Advent. Gestaltung: Edgar Niemeczek Di 10. 12.: Volkskultur aus Niederösterreich. Gestaltung: Dorli Draxler Di 17. 12.: „Nun es nahen sich die Stunden“. Lieder und Weisen zur Weihnachtszeit. Gestaltung: Edgar Niemeczek Di 7. 1.: Wieder rückt ein neues Jahr entgegen. Gestaltung: Hans Schagerl Di 14. 1.: Volkskultur aus Niederösterreich. Gestaltung: Dorli Draxler Di 21. 1.: „Alles Walzer!“ Traditionelle Tänze in der Ballsaison. Gestaltung: Edgar Niemeczek Kremser Kamingespräche, Mi 18. 12. 2013, Mi 15. 1. 2014, 21.00 Uhr „vielstimmig“ – Die Chorszene Niederösterreich, Do 20.00 Uhr 5. 12.; 2. 1.; 16. 1.; 30. 1. G’sungen und g’spielt & Für Freunde der Blasmusik, Mi, Do 20.00–21.00 Uhr Musikanten spielt’s auf, Fr 20.00–21.00 Uhr Frühschoppen, So 11.00–12.00 Uhr Aufzeichnung vom Grafenegger Advent: Mi 18.12., 20.00 Uhr Mitschnitt des NÖ Adventsingen beim Grafenegger Advent: Mo 23.12., 20.00–22.00 Uhr Programmänderungen vorbehalten Detailprogramme unter www.orf.at _ Für Freunde der Blasmusik Seit 15. Mai 2013 wird die Blasmusiksendung von Radio Niederösterreich „Für Freunde der Blasmusik“ von einem Redaktionsteam des Niederösterreichischen Blasmusikverein moderiert und gestaltet. Dieses Redaktionsteam besteht aus LKpm. Manfred Sternberger, Lkpm. Stv. Gerhard Schnabl und Bez. Jrf. Sonja Wurm. Ein besonderes Anliegen der drei Moderatoren ist es, die Blasmusik in seiner ganzen Vielfalt und Breite dem Publikum zu präsentieren. Natürlich liegt der inhaltliche Schwerpunkt in Niederösterreich.

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Kultur.Region / 49

Kultur.Region.Niederösterreich

INTERN WIR GRATULIEREN!

EHRUNGEN

Ihren runden Geburtstag feiern unsere Ehrenmitglieder:

Das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland NÖ wurde Oberschulrat Ernst Sachs verliehen. Ernst Sachs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der nur mehr selten gesprochenen Weinviertler ui-Mundart. Durch sein Wirken leistet er einen wesentlichen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes.

Konrad Hackner (65), Texing, 22. Dezember OLdwR DI Leopold Parrer (85), Baden, 22. Dezember OSR Karl Thalhammer (85), Lilienfeld, 31. Dezember Dr. Anton Denk (90), Zwettl, 18. Jänner Manfred Geyer (60), Albrechtsberg an der großen Krems, 21. Jänner Richard Büchsenmeister (60), Oberpiesting, 22. Jänner LAbg. a.D. Erich Fidesser (75), Zellerndorf, 22. Jänner Adolf Rodler (75), Korneuburg, 26. Jänner

Foto: NLK Pfeiffer

Ihren besonderen Geburtstag feiert unser Ehrenmitglied:

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Brigitte Schwandl, Wallsee, 17. Jänner

Die Goldene Medaille des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland NÖ wurde Karl Hauer, Mitbegründer der Mostgalerie und des Vereins der Mostbarone, verliehen. Karl Hauer leistet auch in der Chor- und Volksmusik (Stifta Geigenmusi) einen wertvollen Beitrag zur kulturellen Identität des Mostviertels.

Ihren runden Geburtstag feiert unser Mitglied: Heinrich Zimmerhackl (90), Wien, 22. Dezember Ihren besonderen Geburtstag feiern unsere Mitglieder: Franziska Hirsch, Altlengbach, 21. Jänner Josefa Wladecker, Mödling, 21. Jänner Herzliche Gratulation! Prof. Hiltraud Ast ist 90. Die Begründerin des Waldbauernmuseums in Gutenstein hat sich um die Dokumentation der traditionellen Holzverarbeitung mehr als verdient gemacht. Sie verfasste zahlreiche Publikationen, im Besonderen über die holzverarbeitenden Nebengewerbe im Piestingtal und Schneeberggebiet. Prof. Ast ist Trägerin des Goldenen Ehrenzeichens der Regionalkultur Niederösterreich. www.waldbauernmuseum.at _

Foto: NLK Pfeiffer

_ Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll überreichte dem bekannten Musiker und Moderator Dr. Franz Posch das Große Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland NÖ. Der Tiroler, der heuer seinen 60. Geburtstag feierte, präsentiert seit 1988 die ORFFernsehreihe „Mei liabste Weis“, mit der er auch immer wieder in Niederösterreich gastiert.

NEUE MITGLIEDER Unterstützende Mitglieder: Mag. Gabriele Smetana, Maria Taferl SONNEN TOURISMUS- und Beteiligungsgesellschaft M.B.H., Martina Wagner, Sprögnitz Erika Kraft, Neudorf bei Staatz Foto: NÖLPD/Reinberger

Fördernde Mitglieder:

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Beate Trölss, Perchtoldsdorf Mag. (FH) Sophie Schmid-Szoloczki, Perchtoldsdorf Franz Fellner, 1150 Wien

Der Winterausgabe 2013/14 ist ein Zahlschein beigelegt. Wir danken für Ihre Unterstützung.

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Die letzte Seite / 50

2nd LIFE Auch wenn Sie Ihren Christbaum noch nicht geschlägert haben – es ist beruhigend, schon jetzt zu wissen, dass seine Spitze nicht nur den Stern tragen wird, sondern danach auch als Quirl in der Küche seine Verwendung finden kann. Milchquirler wurden einst aus den Spitzen der Christbäume hergestellt. Bevor der Baum, verzeihen Sie das unprosaische Wort, entsorgt wird, schneidet man die

Spitze knapp unterhalb der oberen AstRosette ab und kürzt die Äste dann auf die gewünschte Länge ein. Anschließend ent-

fernt man die Rinde und lässt den Quirl ein paar Tage trocknen. Mit Sandpapier bearbeiten und Olivenöl einlassen. /

Landeinwärts

BUBI!

Familien zeichnen sich dadurch aus, dass sie Wörter verwenden, die nur sie verstehen. Ich will Ihnen zwei aus meiner Familie verraten. „Nestroy“ ist eine bestimmte Art, einander im Haus anzutreffen. Das Haus ist verwinkelt, viele Räume haben mehr Türen als nötig. So kann man links und rechts in die Küche gehen und wieder rechts zurück in

das Speisezimmer und geradeaus zurück ins Wohnzimmer, von dort über den Vorraum zurück ins Speisezimmer und sofort. So viele Möglichkeiten, einen Raum zu betreten und zu verlassen, gibt es sonst nur auf der Bühne. Manche Bühnenstücke, und es sind gar nicht die schlechtesten, haben über Generationen hinweg von Regisseuren und ihren Bühnenausstattern Türen verpasst bekommen, hier hinaus – dort hinein. Sie sind ein unverzichtbares Requisit der Verwechslungskomödien. Und der Tradition der Komödie eingedenk, wird das unvermutete Aufeinandertreffen mindestens zweier Personen, die soeben den gleichen Raum durch verschiedene Türen verlassen haben und sich in einem anderen Raum zufällig wieder treffen, als Nestroy bezeichnet. „Oh, ein Nestroy!“, rufen sich die soeben zufällig Getroffenen einander zu. Und wer weiß, dem Meister – sähe er hinab auf dieses verwinkelte Haus – würde es gefallen.

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„Bubi“ ist ein Schlachtruf. Die Schlacht findet am Küchentisch statt. Hier sitzen einige Kinder immer bei bestem Appetit. Sie essen Brote: Marmeladebrote, Honigbrote, Käsebrote. Die Brote werden mit Butter beschmiert. Davor aber, und das bitte konnte ich mir ein Leben lang nicht abgewöhnen, beiße ich ins Brot. Also Schritt für Schritt: Brot nehmen, hineinbeißen, Butter schmieren, dann Käse oder Honig drauf. Zuerst aber wird das Brot markiert. Mit einem Biss und daher auch mit Speichel. Offensichtlich weiß jedes Kind unbewusst von der Einzigartigkeit seiner DNA. Mit dem Biss ins Brotstück ist der Beweis erbracht: Das Brot ist meines – und das hält jeder Laboranalyse stand. Da wir aber trotz offensichtlichen Futterneides zu höflichen Menschen erzogen wurden – „Bitte, heißt es!“ –, sagen wir „Bubi“: die Abkürzung für „Butter bitte“. / Mella Waldstein


Damit Visionen Wirklichkeit werden, ermöglicht Raiffeisen viele Kulturveranstaltungen durch seine regionalen und lokalen Förderungen. Denn Realisierung und Erfolg von Kulturinitiativen hängen nicht nur von Ideen, sondern auch von finanziellen Mitteln ab. Gemeinsam ist man einfach stärker. www.raiffeisen.at


3. Niederösterreichischer

Trachtenball Freitag, 31. Jänner 2014 Einlass: 19.30 Uhr Schloss Grafenegg Auditorium · Reitschule Musik:

Franz Posch & seine Innbrüggler AB 3 · Weinviertler Kirtagsmusik Duo Gradinger-Koschelu Tanzorchester der Militärmusik Niederösterreich

Karten: EUR 35,00 01 5868383 oder 02735 5500 tickets@grafenegg.com Informationen: www.wirtragennoe.at Ehrenschutz: Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll · 1. Botschafter der Tracht


Schaufenster Kultur.Region Dezmber 2013/Jänner 2014