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HÖHLEN

RUND UM EINBLICKE

KUCHL

IN DIE UNTERWELT


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INHALT

Josef Pichler

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Hรถhlen rund um Kuchl - Warum dieses Thema?

Wolfgang Gadermayr

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Faszination der Hรถhlenforschung

Gerhard Zehentner

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Landesverein fรผr Hรถhlenkunde in Salzburg

Gerhard Zehentner

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Hรถhlenrecht

Gerhard Zehentner

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Grobe Einteilung der Hรถhlen

Gerhard Zehentner

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Schauhรถhlen in Salzburg

Peter Danner

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Geschichte

Christian Mitterbauer

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Schlenkendurchgangshรถhle

Milosch Dryjanski

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Hรถhlenvermessung und Kartierung

Gerhard Zehentner

26

Katastertafeln

Gerhard Zehentner

27

Hรถhlenbiwak

Wolfgang Gadermayr

30

Hรถhlenrettung

Giorgio Hรถfer-ร–llinger

34

Untersuchungen der Karsthydrogeologie

Peter Danner

44

Hรถhlensagen

Milosch Dryjanski und Walter Klappacher

51

Der Gรถll und seine Hรถhlen

Walter Klappacher und Gerhard Zehentner

59

Das Hagengebirge und seine Hรถhlen

Peter Danner

67

Scheukofen

Gerhard Zehentner

77

Das Tennengebirge und seine Hรถhlen

Peter Danner

95

Eisriesenwelt

Walter Klappacher und Gerhard Zehentner

108

Die wenig besuchte Unterwelt des Salzburger Jura

Gerhard Vรถlkl

113

Kuchl - Das Epizentrum der Hรถhlenforschung?

116

Impressum

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PROLOG

HÖHLEN RUND UM KUCHL - WARUM DIESES THEMA? von Josef Pichler, Museumsobmann

Die Frage lässt sich einfach beantworten: Weil die Höhlen bei der Göllausstellung im Jahr 2011 auf ein sehr großes Publikumsinteresse gestoßen sind, der heutige Forschungsstand aber ein ganz anderer ist! Höhlen haben was geheimnisvolles an sich – wer war selbst jemals in einer Höhle drinnen? Das bewog den Museumsverein Kuchl, das Thema Höhlen als eigene Ausstellung anzugehen und die reichhaltige Unterwelt rund um Kuchl zu präsentieren. Mit dem Salzburger Landesverein für Höhlenkunde, deren polnischen Freunden, der Salzburger Höhlenrettung und der Eisriesenwelt fanden wird sehr kompetente und engagierte Partner, mit denen es uns als kleines Museum gelang, eine sehenswerte Ausstellung auf die Beine zu stellen. Ich möchte mich bei all jenen Personen und Organisationen, die am Entstehen dieser Ausstellung mitwirkten, sehr herzlich bedanken. Dies gilt auch ganz besonders für das hohe Engagement meiner Vereinskollegen. Schicksalhaft ist, dass gerade in der ohnehin sehr hektischen Phase vor dem Ausstellungsbeginn die Corona-Pandemie mit all ihren gesellschaftlichen Einschränkungen über uns hereingebrochen ist. Obwohl durch diese Ereignisse eine termingerechte Ausstellungseröffnung Anfang Mai 2020 verhindert wurde, hoffen wir durch die zweijährige Laufzeit dennoch auf reges Interesse und wünschen Ihnen spannende Einblicke in die uns ansonsten kaum zugänglichen Tiefen der Unterwelt!

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FASZINATION

DER

HÖHLENFORSCHUNG

von Wolfgang Gadermayr

Was bewegt Männer und Frauen dazu, tagelang in den abgeschiedenen Tiefen der Kalkberge bei Kälte und Nässe unbekannte Höhlenteile zu erforschen? Höhlen sind die letzten Bereiche auf unserem Planeten, welche sich nicht mit Satellitenbildern oder technischen Hilfsmitteln erkunden lassen, sie erfordern den körperlichen Einsatz des Forschenden. Die Erkundung der letzten weißen Flecken in unserem Land weckt das Interesse und die Neugier nach Neuem. Höhlenforscher sind keine Abenteurer, welche sich bewusst oder unbewusst einer Gefahr aussetzen, sondern naturinteressierte Personen, welche versuchen, die Tiefen unserer Kalkgebirge mit großem Engagement und Interesse zu erforschen. Das Bundesland Salzburg ist dank seiner jahrzehntelangen Explorationstätigkeit eines der am besten untersuchten Höhlengebiete der Welt. Dabei ist hier, wie beispielsweise im Tennengebirge, die Dichte an Karsthöhlen so hoch wie nirgendwo anders in Österreich. Klingende Namen wie die Eisriesenwelt, oder der Lamprechtsofen als die tiefste Durchgangshöhle der Welt, ließen die Karstforschung in Salzburg weit über die Grenzen des Landes bekannt werden. Die langjährige, internationale Zusammenarbeit der höhlenforschenden Vereine unter der Koordination des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg ermöglichte die Erforschung zahlreicher schwieriger Karsthöhlensysteme. Diese erreichen teilweise Tiefen über eintausend Meter und über 50 km Gesamtlänge, sodass Salzburg einen hohen Erforschungsgrad der unterirdischen Naturschätze aufweist.

Höhlenforschung liefert auch Daten über Wassermessungen in Höhlen, eine wichtige Grundlage als Klimazeuge, zur Berechnung von Hochwasserabflüssen und des Rückhaltevermögens von Karstgebieten. So sind beispielsweise die Erkenntnisse der Karsthöhlen im östlichen Tennengebirge auch Grundlage für die Realisierbarkeit und die geologisch-hydrogeologische Beurteilung von Tunnelund Tiefbauprojekten. Diese Daten bilden die Basis, um wirtschaftliche und ökologische Schäden bereits im Vorfeld zu vermeiden. Auch andere Wissenschaftsbereiche wie Biologie und Paläontologie profitieren von den Beschreibungen und Funden der Höhlenforschung. Am Tennengebirge wurde im September 2019 durch ein Team des Museum Burg Golling und des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg Knochenmaterial vom Rothirsch geborgen. Die Datierung der Knochen erbrachte ein Alter von rund 4800 Jahren, womit die Ergebnisse wichtige Einblicke in die hochalpine Fauna des Mittelholozäns erwarten lassen. Höhlenforschung lässt sich durch technische Hilfsmittel nicht ersetzen und erfordert einen hohen körperlichen Einsatz. Dieser Einsatz ermöglicht aber auch einen engen Kontakt des Forschers zum Berg und als „menschliches Endoskop“ kann der Untergrund sprichwörtlich „hautnah erlebt“ werden. Lohn für die Anstrengungen sind die zauberhaften unterirdischen Formen von Sinterbildungen, Flussläufen und Seen, welche nur für kurze Zeit durch das Licht der Forscher erhellt werden, ehe sie wieder von der ewigen Dunkelheit der Tiefe verdeckt werden.

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PUBLIKATIONEN LVHK Salzburger Höhlenbuch Band 1 – 6 Beschreibung der bekannten Höhlen in Salzburg bis 1996 (W. Klappacher et al.) Die Salzburger Höhlenbücher sind im Museum Kuchl erhältlich.

Atlantis Vereinszeitschrift LVHK Berichte über die aktuelle Höhlenforschung in Salzburg.

Die Höhle Publikationsmedium des Verbandes Österreichischer Höhlenforscher (VÖH), in dem wissenschaftliche Forschungsergebnisse vorgestellt werden. www.hoehle.org/die_hoehle

Hagengebirge - Tantalhöhle 6


LANDESVEREIN FÜR HÖHLENKUNDE IN SALZBURG von Gerhard Zehentner

DER VEREIN

STELLT SICH VOR

Der Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg (kurz LVHK) wurde im August 1911 von Alexander Mörk von Mörkenstein (1887 - 1914) und Kameraden gegründet und stand durch die Erforschung der Eisriesenwelt bald im öffentlichen Interesse. Seit der Vereinsgründung konnten bereits 4.572 Höhlen in Salzburg erforscht und vermessen werden. Es gibt aber noch immer zahlreiche Höhlengebilde, die erst teilweise erforscht sind und sicherlich noch sehr viele Höhlen, die noch auf ihre Entdeckung warten. Der Verein ist politisch unabhängig und möchte alle an Höhlen interessierten Personen zusammenbringen. Wir treffen uns jeden Mittwoch ab 20:00 in unseren Vereinsräumen (Schloss Hellbrunn, Objekt 9, 5020 Salzburg). www.hoehlenverein-salzburg.at

ZWECK

DES

VEREINS

Erforschung und Dokumentation Die Höhlenforschung umfasst das Auffinden, Erkunden und Vermessen, sowie die Beschreibung (Dokumentation) von neuen Höhlen und Höhlenteilen. Diese Dokumentation wird in den Salzburger Höhlenkataster eingebracht, in dem alle Salzburger Höhlen erfasst werden. Neben den vereinseigenen Forschungsprojekten arbeiten auch bulgarische, polnische und deutsche Forschergruppen mit uns an der Erforschung der Salzburger Höhlen.

Schutz der Höhlen im Bundesland Salzburg Höhlen, allen voran die bisher noch Unbetretenen, sind die letzten Flecken der unberührten Natur in Salzburg. Da uns der Schutz und die Erhaltung der Höhlen sehr am Herzen liegen, gilt der Grundsatz: Nimm nichts mit und hinterlasse nichts als deinen Fußabdruck.

Förderung der Höhlenforschung in Salzburg Unsere Mitglieder haben Zugang zu Vereinsmaterialien (Seile, Verankerungen, Kataster, usw.) und können die sechs vereinseigenen Forscherhütten nutzen.

Höhlenrettung Im LVHK entstand in den 1960er Jahren, auf Basis der Kameradenrettung, die erste Höhlenrettungsgruppe in Österreich. 2018 wurde die Einsatzgruppe LVHK Salzburg in den Österreichischen Höhlenrettungsdienst, Landesleitung Salzburg (kurz ÖHRD), eingegliedert. www.hoehlenrettung.at

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HÖHLENRECHT von Gerhard Zehentner

Ziel des Höhlenschutzes ist die Erfassung, Bewahrung und der Schutz der im Bundesland Salzburg gelegenen Höhlen einschließlich ihrer Umgebung, ihres natürlichen Inhalts, ihrer besonderen Lebensräume und ihrer hydrologischen Verhältnisse.

GRUNDSCHUTZ Jede Maßnahme, die zur Zerstörung oder Beeinträchtigung einer Höhle, von Teilen oder Inhalten einschließlich ihrer näheren Umgebung führen kann, ist untersagt. Erlaubt sind daher übliche Befahrungen bei möglichster Schonung der Unversehrtheit der Höhle. Ausnahmebewilligungen vom Verbot können von der Bezirksverwaltungsbehörde erteilt werden. Rechtsgrundlage: § 4 Salzburger Höhlengesetz

HÖHLENEXPEDITIONEN Für mehr als dreitägige Höhlenbefahrungen ist eine Bewilligung der Landesregierung erforderlich. Rechtsgrundlage: § 10 Salzburger Höhlengesetz

BESONDERS

GESCHÜTZTE

HÖHLEN

Höhlen oder Höhlenteile, die wegen ihrer Eigenart, ihres besonderen Gepräges, ihrer naturwissenschaftlichen Bedeutung oder aus besonderen ökologischen Gründen einschließlich ihrer näheren Umgebung besonders erhaltungswürdig sind, können durch Bescheid der Landesregierung unter besonderen Schutz gestellt werden. Für jede Befahrung ist eine Ausnahmebewilligung der Landesregierung erforderlich. Rechtsgrundlage: § 5 Salzburger Höhlengesetz, diverse Unterschutzstellungsbescheide Quelle: Amt der Salzburger Landesregierung www.salzburg.gv.at/umweltnaturwasser_/Seiten/hoehlenschutz

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GROBE EINTEILUNG

DER

HÖHLEN

Größenordnung (durch Angabe der Gesamtlänge): •

Kleinhöhle unter 50 m Gesamtlänge

Mittelhöhle 50 m bis 500 m Gesamtlänge

Großhöhle 500 m bis 5000 m Gesamtlänge

Riesenhöhle über 5000 m Gesamtlänge

Art der Höhle:

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E Eishöhle (enthält ganzjährig Eis)

S Schachthöhle (vorwiegend oder bedeutend vertikal verlaufend)

T Trockenhöhle (vorwiegend trocken)

W Wasserhöhle (ständig wasserführend)

(W) Wasserhöhle (fallweise wasserführend)

H Halbhöhle (Felsdächer, Wandnischen, Uferhöhlen; ohne weitere Gangfortsetzungen)


SCHAUHÖHLEN

IN

SALZBURG

Eisriesenwelt, Werfen täglich geöffnet vom 1. Mai bis zum 26. Oktober

Lamprechtshöhle, St. Martin bei Lofer ganzjährig geöffnet / Tel. +43 (0) 6582 8343 Führungen sind auch über den Besucherteil hinaus möglich. Anmeldung unter Tel. +43 (0) 699 12794723

Entrische Kirche, Bad Hofgastein Führungen werden im Juli und im August täglich um 11:00, 12:00 und 14:00 Uhr angeboten Anmeldung unter Tel. +43 (0) 664 9800570 oder hoehle@dorfgastein.net

Eiskogelhöhle, Werfenweng Schauhöhle im Naturzustand, nur für geübte Alpinisten. Anmeldung bei: Herbert Burian unter h.burian@sbg.at

Feuchter Keller, St. Koloman Schauhöhle im Naturzustand Anmeldung bei: Cornelia Feichtner Tel. +43 (0) 664 9219764 oder feichtner.c@gmx.at

www.eisriesenwelt.at

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GESCHICHTE von Peter Danner

HÖHLENNUTZUNG

AB DER

STEINZEIT

Sichere Spuren von Menschen der Altsteinzeit gibt es im Land Salzburg bisher nur in der Schlenkendurchgangshöhle (vor ca. 40.000 Jahren). In der Torrener Bärenhöhle im Hagengebirge wurde Knochen von Höhlenbären gefunden, die nach Ansicht einiger Forscher Bearbeitungsspuren steinzeitlicher Jäger tragen, was aber keine allgemeine Zustimmung fand.

Kroatenhöhle Torrener Bärenhöhle

Von der Mittelsteinzeit (10.000-5.500 v. Chr.) bis zur frühen Neuzeit diente, wie Steinabschläge und Keramik zeigen, eine Halbhöhle am Pass Lueg zumindest als zeitweiliger Unterstand.

Paß Lueg Halbhöhle 12

Ein am Gipfel des Hohen Göll gefundenes Steinbeil aus der Jungsteinzeit (5.500-2.200 v. Chr.) und Spuren der Almwirtschaft aus der Bronzezeit (2.200-1.200 v. Chr.) im Tennengebirge beweisen, dass sich seit mehreren Jahrtausenden Menschen im Tennengebirge, im Hagengebirge und am Hohen Göll aufhielten. Die älteste Nennung einer Höhle in diesem Gebiet ist jene der heute Kroatenloch genannten Höhle bei der Schilderung eines Hochwassers des Jahres 1316 in einer mittelalterlichen Leobener Chronik. Spuren früher Anwesenheit von Menschen in Höhlen sind mittelalterliche Keramik im Stierloch (Tennengebirge), Kienspanreste in der Schachthöhle westlich der Lengtalschneid und in der Reinersberghöhle, Ritzzeichen in der Labyrinthhöhle


(Hagengebirge) oder Jahreszahlen. In der Fenster höhle im Gotzentauern (Hagengebirge) sind die Jahreszahlen 1606, 1626 und 1631 angebracht, in der Lindwurmhöhle im Gotzentauern (Hagengebirge) die Jahreszahlen 1778 und 1866 sowie Felsritzungen, in der Saukarhöhle (Tennengebirge) Jahreszahlen ab 1843. Als Zuflucht von Jägern und Wilderern wurden der Korallenofen, die Wildschützkuchl und der Arkadenkeller im Hagengebirge genutzt. Der Wasserversorgung dienten die Auschartenhöhle, das Brunnloch, die Lengtalalmhöhlen, das Wasserloch im Hochfeldkopf (Hagengebirge), die Eiswasserhöhle, der Kircherlschacht und der Sulzenofen (Tennengebirge).

Brunnloch

Das Kroatenloch im Hagengebirge nahe dem Pass Lueg hatte seit dem Jahr 1742 eine strategische Bedeutung. Damals hielt sich während des Österreichischen Erbfolgekrieges eine kroatische Einheit der österreichischen Truppen versteckt und deckte den Pass Lueg. 1809 war die Höhle Bestandteil der gegen bayerische Truppen verteidigten Talsperre. Von 1834 bis 1837 wurden der Pass Lueg und die Höhle wieder befestigt. In den Jahren des Kalten Krieges wurden in die Höhle Mannschaftsunterkünfte, Magazine, ein Lazarett und Nassräume eingebaut. Die Höhle hieß einst „Unsinnige Kirche“, was vielleicht damit zu erklären ist, dass Protestanten dort Gottesdienst abhielten.

Brunnloch

Brunnloch 13


DIE SUCHE NACH SCHÄTZEN, ERZEN, TROPFSTEINEN UND BERGMILCH Sagen über in Höhlen verborgene Schätze lockten wahrscheinlich seit dem Mittelalter viele Leute in Höhlen. Eine der bekanntesten Schatzhöhlen im Land Salzburg war der Scheukofen (Hagengebirge). 1600 und 1791 wurden dort Schädel von Schatzsuchern gefunden, die nicht mehr den Weg zum Eingang gefunden hatten. 1914 entdeckten Höhlenforscher sogar im schwer zugänglichen hinteren Teil der Höhle Menschenknochen. Ein Schatzsucher aus Werfen ließ um 1850 vor dem Eingang des Seeofens im Tennengebirge Röhren zurück, mit deren Hilfe er den See auszupumpen versuchte. In der Tricklfallhöhle im Tennengebirge suchten Leute nach Gold. Einige Leute suchten im Scheukofen Erze und Tropfsteine. Eine Untersuchung des Pfleggerichts Werfen im Jahr 1650 ergab, dass die Höhle von zahlreichen Inländern und Ausländern besucht wurde, die aus dem Scheukofen Bergmilch, das sogenannte Nix, mitbrachten. Dieses wurde als Volksheilmittel verwendet und an Apotheken verkauft.

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TOURISTEN In den Jahren um 1800 wurden die ersten ausführlichen Befahrungsberichte des Scheukofens vom Salzburger Pädagogen und Publizisten Franz Michael Vierthaler (1758-1827) und vom Wiener Arzt Joseph August Schultes (1773-1831) veröffentlicht. Die Besuche dieser Herren waren auch durch wissenschaftliches Interesse motiviert, ohne dass man von Höhlenforschung sprechen kann. Um diese Zeit setzten touristische Besuche ein, zu der diese Reiseberichte, die ohne Nennung der Verfasser in Sammelwerke und Reiseführer übernommen wurden, wesentlich beitrugen. Bei der Aschaubrücke konnte man Führer engagieren. Der prominenteste Besucher dieser Zeit war Erzherzog Johann von Österreich, der im Scheukofen 1801 war und eine Vermessung der Höhle in Auftrag gab, die noch im gleichen Jahr durchgeführt wurde.

Friedrich Kardinal Schwarzenberg (1809-1885), der von 1836 bis 1850 Erzbischof von Salzburg war, veranlasste einige Einbauten im Scheukofen, die den Besuch der Höhle erleichterten. 1879 führte eine schon stark verwitterte Schnur als Orientierungshilfe vom Eingang zum Großen See. 1885 wurde der Weg zur Kroatenhöhle vom Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein ausgebessert und mit neuen Stiegen, Brücken und Geländern ausgestattet. Mitglieder der Sektion Salzburg der Naturfreunde führten 1907 Exkursionen in den Scheukofen und in die Tricklfallhöhle (Tennengebirge) durch. 1920 wurde der Schauhöhlenbetrieb in der Eisriesenwelt eröffnet, und nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Führungen in die Eiskogelhöhle.

Neben dem Scheukofen wurde auch die Kroatenhöhle in Reiseberichten und Reiseführern häufig erwähnt. Der Salzburger Domherr Fürst Ernst von Schwarzenberg (1773-1821) ließ 1805 den Weg zum Schwarzbachfall (Gollinger Wasserfall) errichten, der nahe zur Quellhöhle führt.

Scheukofen - Großer See

Eisriesenwelt - Gustave Antoine Abel im Eistor 15


HÖHLENFORSCHUNG

BIS

1945

Als im Winter 1823 die Quelle des Schwarzbaches, der den Schwarzbachfall oder Gollinger Wasserfall bildet, versiegte, untersuchten die Salzburger Professoren Simon Stampfer (1790-1864) und Peter Thurwieser (1789-1865) mehrmals die Quellhöhle, maßen die Wasserstände und die Wasser- und Lufttemperatur. Sie stellten fest, dass die Gänge, aus denen normal das Wasser fließt, in die Höhe führten und folgerten daraus, dass das Wasser nicht, wie vielfach angenommen wurde, über das Kuchlerloch aus dem Köngissee floss, sondern vom Massiv des Hohen Göll kam. Durch ihre Beobachtung am Kuchlerloch, dass damals der Königssee über 2 Meter tiefer stand als der Schwarzbach beim Ausfluss aus der Quellhöhle, und dass aus dem Kuchlerloch etwas Wasser herausfloss, widerlegten sie die weit verbreitete Ansicht von einer unterirdischen Verbindung zwischen Königssee und Gollinger Wasserfall.

Königssee 16

Systematische Höhlenforschungen führten im Land Salzburg in den 1860er Jahren der Arzt und Schriftsteller Heinrich Wallmann (1827-1898), in den 1870er Jahren der Salzburger Landesbeamte Anton Posselt-Csorich (1854-1911) und der Gymnasiallehrer Eduard Richter (1847-1905) und seit den 1870er Jahren der Salzburger Realschullehrer Eberhard Fugger (1842-1919) durch. Obwohl deren Forschungsschwerpunkt der Untersberg war, wurden auch einige Höhlen des Göll, des Hagen- und Tennengebirges untersucht. Fugger befasste sich mit den Höhlenmineralen des Scheukofens. Eduard Richter entdeckte 1877 im Tennengebirge im Bereich des Eiskogels die später nach ihm benannten Eduard Richter-Eishöhlen. Posselt-Csorich besuchte in Begleitung einheimischer Führer im Jänner 1878 und im April 1879 den Scheukofen im Hagengebirge und im August 1879 den Seeofen und die Eisriesenwelt im Tennengebirge. Vereinzelt befuhren auch auswärtige Höhlenforscher Höhlen im Tennen- und Hagengebirge. Der Wiener Franz Kraus (1834-1897), der Gründer des ersten Höhlenvereins in Österreich-Ungarn, besuchte 1878 den Scheukofen. Der steirische Landesbeamte Hermann Bock (1882-1969), der Vorsitzende des Vereins für Höhlenkunde in Österreich, erforschte 1911 die Winnerfallhöhle.

Winnerfallhöhle


1910 begannen systematische Höhlenforschungen im Land Salzburg durch den Maler Alexander Mörk von Mörkenstein (1887-1914) und seine Begleiter. Dabei wurden der Scheukofen und die Bruneckerhöhle im Hagengebirge und die Winnerfallhöhle im Tennengebirge aufgesucht. 1911 gründete Mörk die Sektion Salzburg des Vereins für Höhlenkunde in Österreich-Ungarn. In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg wurden in mehreren Expeditionen der Scheukofen und die Eisriesenwelt erforscht.

von Neuland in bereits bekannten Höhlen, z. B. der Eisriesenwelt. Auch im Krieg gingen trotz gewisser Einschränkungen die Forschungen weiter, da Czoernig und Abel, die bedeutendsten Höhlenforscher dieser Zeit, nicht eingerückt waren. Zu den bedeutendsten Neuentdeckungen dieser Zeit zählt die Entdeckung der Eiskogelhöhle durch Abel im Jahr 1942.

Walther Czoernig-Czernhausen

Scheukofen - Alexander Mörk von Mörkenstein

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die systematische Erforschung der Höhlen des Landes Salzburg fortgesetzt. Es wurden ständig neue Höhlen entdeckt, vermessen, beschrieben und dokumentiert. Die wichtigsten Forscher waren Erwin Angermayer (1888-1963), Walther Czoernig-Czernhausen (1883-1945), Gustav Freytag (1881-1947), Poldi Fuhrich (1898-1926), Hermann Gruber (18851952), Friedrich Oedl (1894-1969), Robert Oedl (1899-1978), Theo Rullmann (1904–2000) und ab 1926 Gustave Antoine Abel (1903-1988). In Czoernigs Buch über die Höhlen Salzburgs von 1926 sind 70 Höhlen des Tennengebirges, 22 Höhlen des Hagengebirges und 5 Höhlen des Hohen Göll erfasst. Die Forschungen führten bis 1945 zu zahlreichen weiteren Neuentdeckungen und Erforschungen

LITERATUR Erwin Angermayer-Rebenberg

Zur Geschichte der Höhlenkunde und Höhlenforschung in Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 101, 1961, 189-220.

Albert Morocutti

75 Jahre Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, in: Die Höhle. Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde 37, 1986, Nr. 2, 27-116.

Walter Klappacher & Harald Knapczyk (Red.) Salzburger Höhlenbuch, Band 3, Salzburg 1979.

Walter Klappacher & Harald Knapczyk (Red.) Salzburger Höhlenbuch, Band 4, Salzburg 1985.

Walter Klappacher

Salzburger Höhlengeschichte – Teil 1: Die Höhlenforschung bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs, in: Festschrift – 100 Jahre Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Salzburg 2011, 8-17.

Walter Klappacher

Salzburger Höhlengeschichte – Teil 2: Die Höhlenforschung in der Zwischenkriegszeit, in: Festschrift – 100 Jahre Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Salzburg 2011, 18-38.

Peter Danner

Höhlenforschung in Salzburg von 1938 bis 1945. Berichte der Geologischen Bundesanstalt 119, Wien 2017.

Peter Danner

Höhlenbesuche und Höhlenforschung in Salzburg um 1800. In: Mitteilungen aus dem Haus der Natur 24, 2017, 100-131.

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SCHLENKENDURCHGANGSHÖHLE von Christian Mitterbauer

Bei der Verfolgung einer Fuchsspur im Schnee durch einheimische Jäger wurde die Schlenkendurchgangshöhle im Jahr 1926 oder 1928 „entdeckt“. Dass diese Höhle jedoch bereits vor 40.000 Jahren eiszeitlichen Jägern und Sammlern Schutz und zeitweiligen Wohnraum bot, war zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt. Die Höhle liegt auf ca. 1560 m Höhe und ist NordSüd ausgerichtet. Von der Südseite zieht der „Bärengang“ ca. 30 m gerade nach Norden. Nach einem leichten Knick gelangt man in die ca. 40 x 15 m große „Bärenhalle“.

von Höhlenbären aufgefunden werden. Erste Grabungen erfolgten noch im selben Jahr. An drei Stellen wurden Gruben mit Profilschnitten angelegt und brachten reichlich Knochenmaterial ans Tageslicht. Anfang der 1960er Jahre wurden Raubgrabungen in der Höhle entdeckt, die Höhle daraufhin 1965 unter Denkmalschutz gestellt und weitere Grabungen veranlasst. Unter Leitung des Paläontologen Prof. Kurt Ehrenberg und dem Zoologen und Höhlenforscher Karl Mais (Bundesdenkmalamt) fanden von 1965 bis 1986 jährlich meist mehrwöchige Grabungen statt. Zahlreiche Pollen und Sporen, die in den natürlichen Hinterlassenschaften der Höhlenbären gefunden wurden, weisen darauf hin, dass sich die Bären weitgehend pflanzlich ernährten. Auch Schliffspuren an den mächtigen Eckzähnen, die durch Abreißen der Pflanzen entstanden sind, belegen dies.

Abb1.: Aufriss und Grundriss der Schlenkendurchgangshöhle (nach Döppes & Rabeder, 1997)

1934 erfuhren Ernst Heger und Walter Czoernig, Mitglieder des Salzburger Höhlenvereins, durch einen Jäger von der Schlenkendurchgangshöhle und brachen sofort zu einer Besichtigung auf. Gleich beim ersten Besuch der Höhle konnten Knochen 18

Heutige Bären würden einen entsprechenden Lebensraum in einigen hundert Metern tiefer gelegenen Lagen finden. Demnach muss damals das Klima wärmer gewesen sein als heute. Die Baumgrenze lag höher, die Vegetationszeiten waren länger und die Winter kürzer. Anhand von Knochenfunden von u.a. Hamster, Murmeltier, Wolf und Höhlengroßkatze konnte eine artenreiche Fauna nachgewiesen werden. 1967 wurden erste Spuren von Menschen in der Höhle gefunden. Ein ca. 30 x 20 mm großes Kalkstück mit eindeutig klingenartigem Abschlag und Randretuschen wurde als Werkzeug angesprochen. 1970 fand ein weiteres Steinwerkzeug mit den Abmessungen 64 x 37 mm die Aufmerksamkeit der damaligen Forschung. Nach dem Urteil der Prähis-


toriker Richard Pittioni und Friedrich Berg hat dieses Stück eine mousterienartige Form, die typischerweise dem Neandertaler zugeschrieben wird. Diese Steinwerkzeuge und weitere Steinabschläge belegen, dass sich eiszeitliche Jäger und Sammler in der Höhle aufhielten. Es ist aber aus den Funden auch herauszulesen, dass die Schlenkendurchgangshöhle nicht dauerhaft bewohnt war, sondern nur gelegentlich aufgesucht wurde.

Schlenkendurchgangshöhle - Bärengang

LITERATUR Erwin Angermayer-Rebenberg Zur Geschichte der Höhlenkunde und Höhlenforschung in Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 101, 1961, 189-220

Albert Morocutti Die Schlenkendurchgangshöhle - Die ältesten menschlichen Zeugnisse im Land, in: Vigaun – von Natur, Kultur und Kur, Hrsg. Gemeinde Vigaun, 1990

Abb.2.: Werkzeug eines Neandertalers, Originalgröße: 64x37mm, 1970

Tatjana Knaus, Christine Frischauf, Bernd Schopf, Gernot Rabeder Die fossilen Bären der Schlenkendurchgangshöhle bei Bad Vigaun (Osterhorngruppe, Salzburg), in: Die Höhle / 69. Jg. / Heft 1–4/2018

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HÖHLENVERMESSUNG

UND

von Milosch Dryjanski

Göll - Vermessung der Gruberhornhöhle (1964), links beginnend: Bruno Kaufmann mit Maßband, Franz X. Koppenwallner mit „Xavermeter“ und Walter Klappacher mit Karbidlampe. Foto: Gernot Stuchlik 20

KARTIERUNG


Die Beschreibung seiner Umgebung liegt in der Natur des Menschen. So beschrieben Entdecker die von ihnen aufgefundenen Kontinente und skizzierten Karten von bis dahin unbekannten Ufern. Und genau so machen es auch die Höhlenforscher. Um eine Karte zeichnen zu können, müssen die Hohlräume aber zuerst vermessen werden. In der Frühzeit der Höhlenforschung bediente man sich dabei oft an Kenntnissen aus dem Bergbau. Beginnend bei der Sprache wird die Höhle nicht begangen, sondern befahren. Aber auch die Beleuchtung und Bekleidungselemente wurden teilweise übernommen. Somit war es logisch, sich auch bei den Vermessungsmethoden am Bergbau zu orientieren. Dort hat man die Strecken mit dem sogenannten „Hängezeug“ vermessen.

in besonderem Maß für die alpine Höhlenforschung. Einen anderen Ansatz stellte die Benutzung eines Geologenkompasses und eines Maßbands dar. Diese Methode war am Anfang des 21. Jahrhunderts noch recht verbreitet.

Göll - Vermessung der Gamssteighöhle; Foto: Mateusz Golicz

Es gab jedoch schon rechte frühe Bemühungen, ein eigenes Vermessungswerkzeug für die Höhle zu schaffen. Im Salzburger Verein entwickelte Franz Xaver Koppenwallner, der als Spross der Salzburger Goldschmiedefamilie auch Feinmechaniker war, bereits Anfang der 60er Jahre des vorherigen Jahrhunderts das sogenannte „Xavermeter“. Durch die Zieleinrichtung visierte man den Messpunkt an und hatte dabei gleichzeitig die beleuchtete Skalen von Kompass und Neigungsmesser im Blickfeld. Die Entfernung wurde nach wie vor mit dem Maßband ermittelt. Vermessung mit Hängezeug Foto: Arbeitskreis Kluterhöhle (© Wikipedia)

Die Himmelsrichtung, magnetischer Azimut genannt, wurde mit einem präzisen Kompass vermessen, der an einer Schnur hing. Die in Gradbogen angegebene Neigung wurde hingegen mit einem Pendel festgestellt und die Entfernung der Messpunkte zueinander mit einem Maßband ermittelt. Diese Methode ist zwar auch nach heutigen Maßstäben präzise genug, jedoch sehr zeitaufwändig und stößt vor allem bei steilen Passagen an ihre Grenzen. Dies gilt natürlich

Göll - Franz Xaver Koppenwallner mit „Xavermeter“ beim Vermessen der Gruberhornhöhle; Foto: Gernot Stuchlik 21


Mit den polnischen Höhlenforschern kam auch das von den französischen Kollegen entwickelte „Topofil“ in die Salzburger Höhlen. Hier wurden Kompass, Gradbogen und ein Faden mit einem Zählwerk für die Entfernungsmessung, in einem Gehäuse kombiniert.

Populär waren aber auch Geräte der Firma Suunto, die sowohl einen Kompass als auch einen Neigungsmesser hatten. Wenn die Visurlinie im Gerät mit dem Messpunkt auf einer Höhe war, konnte man die Neigung ablesen. Leider gibt es auch bei dieser Methode Probleme beim Ablesen der Himmelsrichtung bei sehr steilen Messzügen.

Topofil als Bestandteil der Höhlenforscherausrüstung

Vermessung mit Suunto-Kompass

Topofil im Einsatz 22

Messzüge aus der Höhle


Skizze der Höhle

Mit dem Aufkommen von bezahlbaren Laserdistanzmessgeräten hielten auch diese Einzug in die Höhlenvermessung. Hier gab es ebenfalls verschiedene Ansätze, bis der Schweizer Höhlenforscher Beat Heeb Anfang des Jahrhunderts eine Zusatzplatine für handelsübliche Laserdistanzmessgeräte entwickelte. Die Elektronik dieser Platine übernimmt die Entfernung vom Laserdistanzmessgerät, ergänzt sie mit Hilfe von auf der Platine befindlichen Sensoren um Himmelsrichtung und Neigung und schickt die Daten über Bluetooth auf einen kleinen Computer oder auch ein Handy. Mit Messungen werden die Umrisse der Höhlenteile erfasst und skizziert. Die Skizze erfolgt auf Papier oder auch elektronisch, wozu von Höhlenforschern eine Reihe von speziellen Programmen für PalmOS, WindowsMobile, iOS oder Android entwickelt wurden.

Gamssteighöhle - Vermessen mit Lasermessgerät DISTO X

Tennengebirge - Vermessung mit Lasermessgerät DISTO X

Göll - Gamssteighöhle - Zeichnen auf PDA 23


Nach der Höhlentour werden die Skizzen in eine Reinzeichnung übertragen. Heutzutage geschieht dies meist elektronisch, mit Hilfe von speziell entwickelten Softwareprogrammen. Am Ende entsteht dann ein Höhlenplan, der uns den Grundriss der Höhle darstellt. In der Draufsicht ist die horizontale Ausdehnung der Höhle erkennbar. Neben dem angesprochenen Höhlenplan entsteht auch Aufriss, in dem die Höhle auf eine vertikale Fläche projiziert dargestellt wird. Diese Ansicht zeigt uns, wie weit sich

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eine Höhle in die Höhe oder Tiefe erstreckt. Um den Höhlenverlauf in einem Gebirgsstock darzustellen, braucht man auch die genaue Lage der Eingänge. Heute werden diese mit Hilfe von Satelliten erfasst. Ein Handyempfänger erlaubt bei guter Himmelssicht Genauigkeiten bis auf ca. 5 m horizontal und 15 m vertikal. Geodätische Empfänger, bei denen für längere Zeit erfassten Daten im Nachhinein umgerechnet werden (Postprozessing), ermöglichen sogar Genauigkeiten von wenigen Zentimetern.


Auf diese Weise können genaue Übersichtspläne oder auch multimediale Präsentationen erstellt werden.

Geodätischer Empfänger am Eingang des Jubiläumsschachts im Kar östlich des Gruberhorns

Die in der Höhle erfassten Daten, welche mit einer Höhlenbeschreibung und Fotos ergänzt wurden, bieten so einen wertvollen Einblick in die Geologie des jeweiligen Gebirgsstocks. Die gesamte Dokumentation wird im Auftrag des Landes in dem vom Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg geführten Höhlenkataster gesammelt und steht somit interessierten Forschern und Institutionen zur Verfügung.

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KATASTERTAFELN von Gerhard Zehentner

An jedem Höhleneingang wird im Auftrag des Amts der Salzburger Landesregierung eine Höhlenplakette mit der Katasternummer angebracht. Da in Salzburg jedes Gebirge nur eine Katastergruppennummer hat (z.B.: 1511 für das Tennengebirge), muss diese nicht zwingend angegeben werden. Immer angeführt werden jedoch die Katasternummer der Höhle und bei mehreren Eingängen zusätzlich auch noch die

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jeweilige Eingangsnummer. In sehr höhlenreichen Gebieten sind auch Höhlenplaketten zu finden, die nur ein X aufweisen. Diese Plaketten sagen aus, dass das Objekt bereits untersucht worden ist, aber nicht in den Salzburger Höhlenkataster aufgenommen wurde, da es zu unbedeutend ist. Besonders geschützte Höhlen werden zusätzlich mit einer entsprechenden Hinweistafel versehen.


HÖHLENBIWAK von Gerhard Zehentner

Forschungen in größeren Höhlen erfordern einen sehr hohen Zeitaufwand. Um derartige Höhlen erfolgreich und sicher erkunden zu können, sind Forschungstouren von mehreren Tagen, manchmal auch für ein bis zwei Wochen, notwendig.

Trotz der meist recht spartanischen Ausstattung bietet das Biwak Geborgenheit und Wärme. Hier kann man sich erholen, um für den nächsten Forschungstag oder den langen Ausstieg aus der Höhle ausgeruht zu sein.

Daher werden an ausgesuchten Stellen Biwaks errichtet. Besonders gut dafür geeignet sind trockene Bereiche, die vom Höhlenwind (Luftzug) geschützt sind. Hier lagern Lebensmittel, Schlafutensilien und Forschungsmaterial wie etwa Seile und Verankerungen. Das aktuell benötigte Material kann aus dem Depot entnommen werden und muss somit nicht bei jeder Tour erneut durch die ganze Höhle transportiert werden. Forschen mehrere Gruppen in verschiedenen Höhlenteilen, ist das Biwak der Treffpunkt für die Forschungsmannschaften.

Sollte es zu einem Unfall kommen, erhöhen Höhlenbiwaks auch die Sicherheit. Von hier können bei Bedarf rasch Schlafsäcke und weiteres benötigtes Material zum Unglücksort gebracht werden, um die verletzte Person bis zum Eintreffen der Rettungskräfte möglichst gut zu versorgen. Ist ein Biwak nicht mehr nötig, werden die Materialien zu einem noch tiefer im Berg liegenden neuen Biwakplatz gebracht oder gänzlich aus der Höhle entfernt, da kein Müll zurückbleiben darf.

Hagengebirge - Tantalhöhle

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Tennengebirge - Sandkar - Fata Morgana

Tennengebirge - Sandkar - Offenbarungseishöhle

Tennengebirge - Sandkar - Offenbarungseishöhle

Tennengebirge - Röthkar - Kuchlberg-Höhlensystem

Tennengebirge - Röthkar - Schneeloch

Tennengebirge - Röthkar - Kuchlberg-Höhlensystem

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Tennengebirge - Röthkar - Schwarzloch

Tennengebirge - Röthkar - Kuchlberg-Höhlensystem

Göll - Sakristei

Hagengebirge - Tantalhöhle

Tennengebirge - Sandkar - Offenbarungseishöhle

Tennengebirge - Sandkar - Offenbarungseishöhle

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HÖHLENRETTUNG von Wolfgang Gadermayr

Gemeinsam mit den Kameraden aus Oberösterreich wurde 1965 eine „Betriebsfeuerwehr“ gegründet, um bei Höhlenunfällen eine schnelle Hilfe für verletzte Forscher und Höhlenbesucher zu ermöglichen. An der Gründung war der begeisterte Bergsteiger und Bergretter Albert Morocutti wesentlich beteiligt. Die Idee hinter der gegründeten Höhlenrettung bestand darin, dass die aktiven Höhlenforscher auch als Retter die Bergung verunglückter Kameraden durchführen können.

AUFGABEN

DER

EINSATZSTELLE SALZBURG

Die Aufgabe der Österreichischen Höhlenrettung besteht darin, Personen zu retten und außer Gefahr zu bringen, welche in Naturhöhlen oder künstlichen Stollensystemen (z.B.: aufgelassene Bergwerke), in eine ihr Leben oder ihre Gesundheit unmittelbar und erheblich bedrohende Gefahrensituation geraten sind. Hierzu gehört auch die Leistung Erster Hilfe an Ort und Stelle. Die Erfahrungen der aktiven Höhlenretter als Höhlenforscher ermöglichen auch in abgelegenen Höhlenteilen eine rasche und professionelle Rettung. Rettungseinsätze in Höhlen stellen in physischer, technischer und psychischer Hinsicht hohe Anforderungen an die Höhlenretter. Da sich größere Höhlenfahrten meist über mehrere Tage erstrecken, ist vor allem die psychische Belastung sehr groß. Der Umgang hiermit kann nur durch mehrjährige Erfahrung bei Höhlenbefahrungen und Forschungen erlernt werden.

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ANFORDERUNGEN •

• • •

AN DIE

HÖHLENRETTUNG

Sofortmaßnahmen durch Vortrupp, welcher in der Lage ist, jeden Höhlenteil in Salzburg kurzfristig und sicher zu erreichen Medizinische Versorgung des Verunfallten Eigenständige Bergung aus Höhlen Durchführung von Sucheinsätzen

AUSBILDUNG

UND

SICHERHEIT

In der über 100-jährigen Vereinsgeschichte kam es nur zu wenigen Unfällen, welche die Alarmierung der Höhlenrettung erforderten. Durch die enge Verknüpfung von Höhlenrettung und Forschung ist eine Weiterbildung der Forscher hinsichtlich der technischen und medizinischen Rettung gewährleistet. Bei Unfällen in Höhlen ist es erforderlich, dass die eigenen Kameraden Sofortmaßnahmen durchführen. Dies sind neben der Bergung des Verletzten in sichere Verhältnisse auch die Wärmeversorgung und die psychische Betreuung. Es wurden grundlegende Anforderungsprofile für Retter festgelegt, welche die Befahrungstechnik und das sichere Bewegen in Höhlen als Hauptanforderungen beinhalten. Zusätzlich werden werden den Höhlenrettern von der Höhlenrettung Spezialausbildungen in den Bereichen Bergetechnik, Erste Hilfe, Kommunikation, Sprengtechnik, etc. angeboten, welche zu der jeweiligen Spezialisierung der Einsatzkräfte führen.

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EINSATZSTÄRKE Die Einsatzstelle Salzburg verfügt derzeit über Höhlenretter, welche vorwiegend auch aktive Höhlenforscher sind. In Verbindung mit anderen Forschergruppen aus dem In- und Ausland kann auch kurzfristig eine äußerst effiziente Rettungsgruppe aktiviert werden, welche in der Lage ist, die geforderten Aufgaben eigenständig durchzuführen.

ZUSAMMENARBEIT Die Aufgaben der Höhlenrettung Salzburg konzentrieren sich auf Rettungs- und Bergungstechniken unter Tage. Die Zusammenarbeit mit der örtlichen Bergrettung, dem Roten Kreuz, den Feuerwehren und den Einheiten des Bundesministeriums für Inneres (Alpinpolizei) sowie Sondereinheiten besteht und wurde bereits mehrfach erfolgreich erprobt.

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Tennengebirge - Rรถth-Eishรถhle 33


UNTERSUCHUNGEN

DER

KARSTHYDROGEOLOGIE

von Giorgio Höfer-Öllinger Auszug aus: Grundwasser - Zeitschrift der Fachsektion Hydrogeologie https://doi.org/10.1007/s00767-019-00439-6 Eingegangen: 30. April 2019 / Überarbeitet: 4. September 2019 © Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

ABSTRACT Die Gebirge des Landes Salzburg sind in wesentlichen Teilen aus verkarstungsfähigen Gesteinen aufgebaut. Zwischen 1967 und 1981 erfolgten zahlreiche Färbeversuche, um Durchgangszeiten und Einzugsgebietsgrößen der jeweiligen Quellen festzustellen. Seit 2007 werden diese Karstgebiete mit modernen Methoden neu untersucht. Vorgestellt werden Untersberg, Hagengebirge, Tennengebirge, Leoganger Steinberge und Kitzsteinhorn. Im Untersberg befindet sich ein zentral unter dem Plateau liegender unterirdischer See mit einer Gesamtfläche von 1 ha, der sich über eine Länge von 3 km erstreckt. Der Seespiegel weist Schwankungen von etwa 50 m auf. Einst vermutete direkte Verbindungen vom Karst zum Porengrundwasser der angrenzenden Täler können ausgeschlossen werden. Im Hagengebirge sind Schwankungen des Karstgrundwasserspiegels von über 220 m instrumentell nachgewiesen. Hier werden bei Grundwasserhochstand Bereiche geflutet, die störungsgebunden Hochschleppungen von Evaporitgestein führen, was bei rückläufiger Hochwasserwelle zu deutlicher Mineralisierung einer bei Niederwasser nur schwach mineralisierten Karstquelle führt. Die Grundwasserschwankungen im Tennengebirge liegen – lokal stark unterschiedlich – zwischen 5 und 75 m. Kontinuierliches Monitoring erlaubt in den Leoganger Steinbergen die Beobachtung der Entstehung einer Heberquelle durch ein Hochwasserereignis und in den Kesselfallquellen im Kitzstein34

horn die Beeinflussung von Abfluss, Temperatur und elektrischer Leitfähigkeit durch den Pumpspeicherbetrieb eines nahen Kraftwerkes. Die wasserwirtschaftliche Bedeutung des ostalpinen Karstes ist insbesondere hinsichtlich seiner Rolle in der Trinkwasserversorgung sehr hoch. Zwischen den 60er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Salzburger Kalkalpen systematisch hinsichtlich ihrer unterirdischen Fließwege und Verweilzeiten untersucht. Im Hagengebirge wurde mit den Markierungen eine verdeckte Wasserscheide entdeckt, die entlang der Torschartenstörung verläuft. Farbstoffeingaben östlich derselben zeigen eine Entwässerung zum Salzachtal, jene westlich in das nördlich gelegene Bluntautal. Die Durchgangszeiten betrugen meist zwischen 24 und 100 h. Auch im Tennengebirge wurden Zeiten bis zum Erstauftreten des Farbstoffes von lediglich 3 bis 5 Tagen ermittelt. Die Ergebnisse flossen in der Folge in wasserwirtschaftliche Planungen ein, in die Ausweisungen von Schutz- und Schongebieten bzw. in wasserwirtschaftliche Rahmenverfügungen. Im neuen Jahrtausend wurden diese Karstgebiete für Forschungszwecke einerseits mit Einrichtungen zur Dauerregistrierung von quantitativen und qualitativen Daten ausgestattet. Andererseits kamen zusätzliche Methoden wie Dauerbeobachtung der Hydrochemie, Isotopenmessungen und Zeitrafferkameras zum Einsatz.


EINFÜHRUNG Die wasserwirtschaftliche Bedeutung des ostalpinen Karstes ist – insbesondere hinsichtlich seiner Rolle in der Trinkwasserversorgung – in Benischke et al. (2016) im Allgemeinen und im Speziellen für das Tennengebirge in Dachs et al. (2006) dargestellt. Zwischen den 60er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Salzburger Kalkalpen systematisch hinsichtlich ihrer unterirdischen Fließwege und Verweilzeiten untersucht. Die Bearbeitungen erfolgten damals mittels Quellkartierungen und Färbeversuchen und sind zusammenfassend in Völkl (2011) dargestellt. Im Untersberg bei Salzburg wurden Laufzeiten von 6 bis 157 Tagen ermittelt, wobei nahezu alle Einspeisungen in der Fürstenbrunner Quelle mündeten. Im Hagengebirge wurde mit den Markierungen eine verdeckte Wasserscheide entdeckt, die entlang der Torschartenstörung verläuft. Farbstoffeingaben östlich derselben zeigen eine Entwässerung zum Salzachtal, jene westlich in das nördlich gelegene Bluntautal. Die Durchgangszeiten betrugen meist zwischen 24 und 100 h. Auch im Tennengebirge wurden Zeiten bis zum Erstauftreten des Farbstoffes von lediglich 3 bis 5 Tagen ermittelt. In den Leoganger Steinbergen wurde eine unterirdische Wasserscheide anhand mehrerer Färbeversuche identifiziert, wobei der Großteil der Kare nach Nord durch den Lamprechtsofen entwässert. Die kürzeste Durchlaufzeit aller Tests wurde im Kitzsteinhorn ermittelt, wo die Farbstoffe die 3 km zwischen dem Schmiedingerkees und den Kesselfallquellen in wenigen Stunden zurücklegten. Die Ergebnisse flossen in der Folge in wasserwirtschaftliche Planungen ein, in die Ausweisungen von Schutz- und Schongebieten bzw. in wasserwirtschaftliche Rahmenverfügungen. Im neuen Jahrtausend wurden diese Karstgebiete für Forschungszwecke einerseits mit Einrichtungen zur Dauerregistrierung von quantitativen und qualitativen Daten ausgestattet. Andererseits kamen zusätzliche

Methoden wie Dauerbeobachtung der Hydrochemie, Isotopenmessungen und Zeitrafferkameras zum Einsatz. Diesen Untersuchungen liegt auch ein neues Netz an Erreichbarkeit durch in der Zwischenzeit neu erforschte Höhlensysteme zugrunde. Die übergeordnete Fragestellung der neuen Untersuchungen ist hydrologischer Natur (Schwankungsbreiten von Mineralisierung, Temperatur, Grundwasserstand und Abfluss, Speichervolumen und -verhalten, Abflussbilanzen etc.).

GEOLOGISCHER ÜBERBLICK Das Bundesland Salzburg liegt im Herzen Österreichs und ist von den Alpen dominiert. Nur der nördlichste Bereich des Flachgaus wird von der relativ sanften Geomorphologie der Molassezone charakterisiert. Dieser Bereich ist meist durch pleistozäne Ablagerungen überprägt. Verkarstungsfähige Gesteine gibt es hier nur untergeordnet in Form von Konglomeraten mit karbonatischen Komponenten. Gegen Süden folgt ein etwa 17 km breiter Streifen Rhenodanubischer Flysch mit Einschuppungen von Helvetikum; die Berge erreichen hier Höhen von 800 müA bzw. 300 m über dem Talniveau. Auf Höhe der Stadt Salzburg quert die W-E verlaufende Überschiebung der Nördlichen Kalkalpen. Die Abfolge startet mit terrigenen Sedimenten der Permotrias und baut darüber eine kilometerdicke Plattform aus Karbonatgesteinen auf. Mit einer Breite von 50 km dominiert dieser Gebirgszug den zentralen Abschnitt des Bundeslandes und den Rupertiwinkel im Berchtesgadener Land des benachbarten Bayerns. Die Nördlichen Kalkalpen erreichen in Salzburg Höhen von knapp 3000 müA bzw. überragen das Vorflutniveau mit bis zu mehr als 2000 m. Diese Gruppe 35


von abflusslosen plateauartigen Gebirgsstöcken ist von bis zu 2 km tiefen schluchtartigen Einbrüchen gekennzeichnet. Sie wird im Volksmund zur Gruppe der „Steinberge“ gezählt und ist Träger des nordalpinen Karsts mit zehntausenden Höhlen und Schächten sowie zahlreichen Karstquellen. Im gegenständlichen Artikel werden vier dieser Plateaus behandelt, die eine generell gegen Nord einfallende Schichtfolge aufweisen. Dieser folgt im Wesentlichen auch der unterirdische Abfluss, wobei der flächenhaft auftretende Dolomit gegenüber dem hangenden Dachsteinkalk stets als relativer Wasserstauer auftritt. Südlich der Kalkalpen schließt die 10 bis 20 km breite Gebirgslandschaft der Grauwacken- und Quarzphyllitzone an. In scharfem Kontrast zu den Kalkalpen ist diese Zone von einer ausgeglicheneren Morphologie und Grasbewuchs charakterisiert. Diese bis zu 2100 müA hohen Berge werden im Volksmund daher als „Grasberge“ bezeichnet. Verkarstungsfähige Gesteine liegen in dieser Folge in Form von Marmoren oder Kalkschiefern vor; für eine maßgebliche Ausbildung von Karst ist die Ausdehnung dieser Einschaltungen zu gering. Der südlichste Abschnitt des Bundeslandes ist durch die Zentralalpen aufgebaut. Südlich der Salzach-Ennstal-Störung erheben sich diese im Land Salzburg bis auf eine Höhe von über 3600 müA und sind (noch) signifikant vergletschert. Sie werden daher im Volksmund als „Keesberge“ bezeichnet. Die Gesteinsfolge ist von Metamorphiten, von penninischen Abfolgen des Tauernfensters und seiner Schieferhülle, gekennzeichnet. Das Zentrum bilden mächtige Lamellen aus Zentralgneis, auf denen teilweise noch eine parautochthone Sedimentbedeckung aus Sandstein oder Marmor aufliegt. Die Schieferhülle beinhaltet metamorphe klastische Sedimente aus Tiefseetrögen („Bündner Schiefer“) aber auch Schelf- und Lagunenablagerungen. Über weite Bereiche vom Oberpinzgau bis in die Radstädter Tauern ist Karst aus hydrogeologischer Sicht 36

maßgeblich. Im gegenständlichen Artikel wird als Beispiel das Karstgebiet um das Kitzsteinhorn herausgegriffen. Einen detaillierteren Überblick über die Geologie und Geomorphologie des Landes Salzburg geben Seefeldner (1961), Kieslinger (1963), Del-Negro (1983) sowie Braunstingl und Pestal (2005).

HAGENGEBIRGE Das Hagengebirge zeigt generell eine einförmige Schichtfolge einer Karbonatplattform, die vom Haselgebirge, über Reichenhaller Schichten, Werfener Schichten, Wettersteindolomit, Wettersteinkalk, Raibler Schichten und Dachsteinkalk bis zu roten Fleckenmergeln reicht (Plöchinger 1987; Plöchinger et al. 1990). Während im zentralen Plateau die jurassische Folge nur mehr reliktisch vorkommt, ist sie im Bereich des Gotzenplateaus oberhalb des Königssees landschaftsformend. Diese Schichtfolge ist an Störungen zerlegt und an den Bruchlinien wurden Gesteine sowohl des Liegenden (Reichenhaller Rauhwacke) als auch des Hangenden (Mergel und Kalke des Jura) eingeschuppt, was einen Hinweis auf die Persistenz – sowohl in zeitlicher als auch räumlicher Hinsicht – dieser Strukturen gibt. Jene Störungen, die diese Fremdgesteine eingeschalten haben, scheinen durchwegs in SW-NE (bis SSWNNE)-Richtung das Hagengebirge zu durchschlagen und die größeren sind – von West nach Ost – als Langtal, Schlum und Torschartenstörung bekannt. Es handelt sich um Riedel der Torrener Joch Störungszone. Diese Struktur ist Teil der sinistralen Königssee-Lammertal-Traunsee-Blattverschiebung (Decker et al. 1994). Die Strukturgeologie hat im Hagengebirge einen maßgeblichen Einfluss auf das unterirdische Abflussgeschehen, wobei die Blattverschiebung als Stauer und die Riedel als Leiter fungieren. Wie sich die Verhältnisse im Detail darstellen, ist Gegenstand der aktuellen Forschung.


Im Hagengebirge erfolgten 1976 und 1978 Markierungsversuche auf österreichischer Seite und auf der Gotzenalm auf bayrischer Seite 1987 und 1988 (Völkl 1977; Klappacher und Knapczyk 1979; Krafft 2012). Die Arbeiten auf österreichischer Seite wurden durch ein intensives hydrogeologisches Untersuchungsprogramm vorbereitet. Im Zeitraum 1972–1974 wurden eine Quellaufnahme und ein anschließendes Dauermessprogramm mit den 15 bedeutendsten Quellen des Hagengebirges durchgeführt (Klappacher und Knapczyk 1979). Während der Färbeversuche wurden über 70 Beobachtungsstellen beprobt. Es wurden sowohl Wasserproben als auch Aktivkohle verwendet. Die Versuche brachten teils unerwartete Ergebnisse. Beim ersten Versuch 1976 zeigte sich einerseits eine hydrogeologische Wasserscheide entlang der Torschartenstörung. Eingaben auf und westlich der Torschartenstörung entwässern zum Torrener Quellbezirk, Einspeisungen östlich davon zu Quellen im östlichen Salzachtal. Einspeisungen direkt auf der Störung entwässern zu einem geringen Anteil auch zur sogenannten Jodquelle bei Ofenau. Entlang dieser Linie benötigte der Farbstoff 14 Tage für eine Distanz von 10,8 km (Völkl 1977). 1978 wurde ein Versuch mit einer genaueren Fokussierung auf das nordöstliche Plateau durchgeführt, mit vergleichbaren Ergebnissen: Einspeisungen westlich der Torschartenstörung münden im Torrener Quellbezirk, östlich davon im Salzachtal. Die Laufzeiten bis zum Erstauftreten betrugen generell zwischen 40 und 124 h beim ersten (Ausnahme: 10,8 km entlang der Torschartenstörung mit 336 h) und 24 h (Fillingalm zu den Quellen bei Stegenwald) bis 24 Tage (Schlumsee zum Torrener Quellbezirk, Einspeisung von 5 kg Uranin) beim zweiten Versuch. Das letztgenannte Ergebnis war äußerst überraschend, da der Abstand vom Schlumsee zur Schwarzen TorrenQuelle (unterhalb Bärenhöhle in Abb. 1) lediglich etwas mehr als 1 km beträgt. Es kam auch zu keiner ausgeprägten Durchgangskurve, sondern lediglich

zu einem extrem langgezogenen konstant niedrigen Gehalt an Uranin im Quellwasser. Die Färbeversuche auf der Gotzenalm waren im Jahr 1987 von mehreren Fehlern behaftet und wurden daher 1988 wiederholt. Es zeigte sich ein gesicherter Abfluss insbesondere gegen Südwesten Richtung Königssee und Obersee. Bei beiden Versuchen gilt ein „Abfluss nach Österreich als gesichert“ (Krafft 2012). Bei welcher Quelle in Österreich die Farbstoffe detektiert wurden, ist leider nicht bekannt und es kann nur gemutmaßt werden, dass es sich wohl um die Schwarze Torrenquelle im Bluntautal gehandelt hat, die entfernungsmäßig nächste, höhenmäßig tiefste und aus tektonischer Sicht wahrscheinlichste Quelle. Nach diesen Untersuchungen erfolgte eine lange Pause, in der anhand einiger Messstellen in Dauermessprogrammen (des Hydrographischen Dienstes in Salzburg sowie für die Erhebung der Wassergüte) wertvolle Zeitreihen gesammelt wurden. Die aktuelle hydrogeologische Bearbeitung des Hagengebirges begann mit der Installation einer Druckund Temperatursonde am tiefsten Punkt der Bärenhöhle im Torrener Quellbezirk im Jänner 2012 (Abb. 1). Mittlerweile liegt von dort eine Zeitreihe über 7 Jahre Messungen im 10-Minuten-Rhythmus vor. Im Juni 2015 wurden durch den Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg zwei Sonden (Druck, Temperatur und elektrische Leitfähigkeit) in der Schwarzen Torrenquelle – dem wichtigsten Austritt im Torrener Quellbezirk – installiert, von denen eine mit dem Fernübertragungsnetz des Landes Salzburg verbunden ist. Im Juli 2015 wurden erste Zeitrafferkameras bei Quellen im Torrener Quellbezirk installiert und im Mai des Jahres 2016 durch Messstellen im ganzen Bluntautal ergänzt. Bis Herbst 2018 waren bis zu sieben Kameras gleichzeitig im Einsatz. Im Jahr 2015 wurde im Wassergang der Bärenhöhle eine zweite Drucksonde zur Überprüfung der Plausibilität der 37


Sonde im tiefsten Teil der Höhle eingesetzt. Im Jahr 2017 waren sechs weitere Sonden in verschiedenen Quellen und Siphonen im Torrener Quellbezirk, in der Jodquelle und in den Quellen bzw. Quellhöhlen im Salzachtal im Einsatz. 2017 wurden um die Torrener Joch-Störungszone hydrogeologische und strukturgeologische Bearbeitungen gestartet. 2016 wurde ein qualitatives Monitoringprogramm begonnen, das eine regelmäßige Beprobung der Schwarzen Torrenquelle, des Fischbachs, des Grundwasseraustritts in die Bluntauseen, der Abflüsse von Königs- und Bluntausee und des Torrener Bachs beinhält. Von den Proben werden stabile Isotopen (δ18O,δ17O,δ2H) gemessen. Aufgrund der Zwischenergebnisse der aktuellen Forschungen ergaben sich auch neue Fragestellungen für Tracertests. Die erste Einspeisung wurde im Februar 2018 im Herzen des Torrener Quellbezirks durchgeführt. Auch im Hagengebirge erfolgten seit den alten Untersuchungen vielversprechende Neuentdeckungen in Höhlen. Die „Interessante Höhle“ erreichte im Sommer 2018 eine Länge von über 20 km, im „Brunnloch“ bei Stegenwald wurde eine interessante Fortsetzung entdeckt (Rothauer 2018; Wierzbowski 2018). Trotz des Erfolges in den beiden Objekten wurde im Hagengebirge noch kein dem Untersberg vergleichbarer Zugang zu einem mutmaßlichen Karstwasserspiegel geschaffen. Die Ergebnisse der neuen Untersuchungen bestätigen zum einen die frühen Studien: Ein Großteil des unterirdischen Abflusses des Hagengebirgsplateaus entwässert in Richtung Torrener Quellbezirk. Östlich der Torschartenstörung, im Salzachtal, gibt es einzelne Quellbezirke, die hydrologisch nicht zusammenhängen dürften. Zum anderen traten im Torrener Quellbezirk Phänomene auf, die ihresgleichen suchen. Als erstes fiel die starke Schwankung des Grundwassers auf. Bereits Klappacher und Knapczyk (1979) erwähnen die Wirksamkeit der Bärenhöhle als natürlicher Grundwasserpegel und spre38

chen von Wasserschwankungen von über 180 m. Diese Vermutungen wurden messtechnisch bestätigt und übertroffen – 2013 wurden Fluktuationen von bis zu mehr als 220 m aufgezeichnet. Darüber hinaus muss aufgrund der Art des Schwankungsverhaltens und der Geometrie des bislang erforschten Teils der Höhle davon ausgegangen werden, dass sich diese jenseits des Endsiphons weit und womöglich bis auf das Talniveau oder darunter fortsetzt. In weiterer Konsequenz kann von Grundwasserschwankungen um 300 m ausgegangen werden. Von großer Bedeutung ist der Verlauf der Mineralisierung. Die Daten der Überwachung der Gewässergüte der letzten 35 Jahre zeigen einen chaotisch anmutenden Verlauf der Mineralisierung, die auf das störungsgebundene Hochschleppen von Haselgebirge zurückzuführen ist. Solche Vorkommen liegen sowohl innerhalb des Hagengebirges als auch in seinen Randbereichen vor. Das Besondere ist, dass bei hoher und niedriger, sowie bei steigender Schüttung unbeeinflusste Karstwässer vorliegen. Lediglich bei fallender Schüttung kommt es zu einer verstärkten Führung von gelösten Stoffen (insbesondere Calcium, Natrium, Chlorid und Sulfat), die zu elektrischen Leitfähigkeiten von mehr als 1200 μS/cm führt. Das Phänomen erklärt sich durch die Geometrie und Lage der evaporitführenden Störungszone im Zusammenhang mit den großen Grundwasserschwankungen: Bei niedrigen Abflüssen wird die Störungszone unterströmt, bei Anstieg und hohen Wasserständen geflutet und erst beim Rückgang kann höher konzentriertes Grundwasser der Quelle zuströmen (Buske 2018). Um diese These zu beweisen, wurde im natürlichen Pegel – der Bärenhöhle – im Februar 2018 ein Färbeversuch mit zwei Tracern an zwei unabhängigen Höhlenbächen, die in Trockenzeiten höhlen- und bergeinwärts fließen, durchgeführt. Der Erstauftritt bei der Quelle zeigte sich nach 7,5 (Uranin, großer Höhlenbach) bzw. nach 12  h (Na-Naphtionat, Wassergang) in der Schwarzen Torrenquelle und innerhalb von 72  h


waren knapp 40 % der Tracer wiedergewonnen. Es wird vermutet, dass etwa 60 % in das Porengrundwasser des Bluntautals strömen (Höfer-Öllinger et al. 2018). Damit konnte für die in frühen Studien erwähnte These, dass kalte Wasserzutritte in Tiefboh-

rungen im Kies des angrenzenden Bluntautals aus dem nahen Karst stammen (Brandecker und Maurin 1982), ein weiteres Indiz gewonnen werden.

Abb. 1: Färbeversuche im Massiv des Hagengebirges im 20. Jhdt. sowie eine siebenjährige Messreihe von Grundwasser und Temperatur in der Bärenhöhle.

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TENNENGEBIRGE Das Tennengebirge ist im geologischen Aufbau mit dem Hagengebirge vergleichbar und es spricht vieles dafür, dass sich die Salzach im Neogen und im Pleistozän in eine ursprünglich einheitliche Plattform eingeschnitten und – im Pleistozän unterstützt durch die schürfende Wirkung des Salzachgletschers – die zwei Gebirgsstöcke getrennt hat. Im Tennengebirge fehlen die Einschuppungen von Fremdgestein entlang von Störungen, dennoch ist auch hier die Strukturgeologie maßgeblich für die Abflussverhältnisse verantwortlich. Von den fossilen Karstsacktälern (Weingartner 1983), die das Tennengebirgsplateau in S-N-Richtung durchschneiden, zeigt das westlichste Pitschenbergtal eine Aufragung des Dolomits. Da genau in diesem Gebiet der über 400 m tiefe Bretterschacht den östlichsten Ausläufern der Eisriesenwelt nahe kommt, ist auch hier von einer störungsgebundenen Einschaltung des Dolomits auszugehen. Mit mehr als 1000 erkundeten Objekten ist das Tennengebirge das höhlenreichste Gebirge im Land Salzburg und hinsichtlich seines hydrogeologischen Abflusses in mehreren Phasen untersucht worden. Erstmals wurde im Sommer 1969 bei hohem Grundwasserstand ein Markierungsversuch durchgeführt (Toussaint 1971). An drei Einspeisungen kamen Bärlappsporen und Uranin zur Anwendung, beobachtet wurden 67 Quellen und Gewässerabschnitte. Ein weiterer Versuch erfolgte im Herbst 1977 bei niedrigen Karstwasserständen. Hier kamen ausschließlich Fluoreszenztracer zum Einsatz (Brandecker und Maurin 1982). Die wasserwirtschaftlichen Untersuchungen durch Toussaint fanden Ende der 1970er Jahre ihren Abschluss in mehreren Publikationen (Toussaint 1971, 1976, 1977, 1978, 1980) und Eingang in die wasserwirtschaftliche Planung der frühen 1980er Jahre (Brandecker und Maurin 1982). In den späten 1980er Jahren wurde das Thema der Hydro40

graphie noch einmal aufgegriffen (Audra et al. 1990; Audra 1994). Die Untersuchungen wurden durch die Verbindung der Cosa Nostra-Höhle mit dem Berger-Platteneck-System gekrönt (Audra et al. 1990; Höfer-Öllinger 2011), Lage siehe Abb. 2. Zeitgleich begann im Großraum Sandkar – Dunkle Gruben die erfolgsgekrönte Forschung durch den Salzburger Höhlenverein, die viele Dutzend dokumentierter Kilometer Neuland brachte (Pointner 2011; Pointner und Klappacher 2016). Die moderne hydrologisch/meteorologische und hydrogeologische Untersuchung des Tennengebirges basiert auf Einrichtungen dreier voneinander unabhängiger Stellen: Dem Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg und zweier Privatpersonen – Wolfgang Gadermayr und dem Verfasser dieses Artikels. Der Hydrographische Dienst unterhält zwei Wetterstationen (im Talort Golling und am Happischhaus auf 1925 müA) sowie eine Dauerbeobachtungsstelle (Druck, Temperatur, elektrische Leitfähigkeit) am Dachserfall bei Abtenau (https:// www.salzburg.gv.at/wasser/hydro/#/Quellen). Wolfgang Gadermayr hat eine Drucksonde im Winnerfall (Druck, Temperatur) eingerichtet, zudem beobachtete er 2009 auch die Brunnecker und Tricklfallhöhle. Der Verfasser hat seit 2010 mehrere Sonden im Bierloch und in der Brunneckerhöhle installiert. Eine Zusammenfassung der (nahezu ausschließlich unterirdischen) Abflussverhältnisse im Tennengebirge geben Klappacher und Haseke-Knapczyk (1985), Toussaint (1985) und Völkl (1985). Dabei wurden sowohl die Tatsache, dass es im Tennengebirge mehrere mehr oder weniger voneinander unabhängige Abflusssysteme gibt, die sich im Laufe geologischer Zeiträume unter ehemaligen Tälern entwickelt haben, als auch die Rolle der „Ofenrinnenstörung“, eine WSW-ONO-streichende Störung im NW-Eck des Plateaus, herausgearbeitet. Dass die Karstriesen-


quellen am Nordrand des Gebirges den Großteil des oberflächlich trockenen Plateaus entwässern, ist in Analogie zu den meisten Massiven der Salzburger Kalkalpen der Geologie geschuldet – genaugenommen dem nordfallenden Dolomit und, einige hundert Meter darunter, den nicht verkarstungsfähigen Werfener Schichten. Die Fließwege der Färbeversuche breiteten sich in drei Richtungen aus, was eher der Methode als einer hydraulischen Tatsache geschuldet sein dürfte; die Sporendriftversuche wurden in den 70er Jahren aufgelassen und die publizierten Ergebnisse dürfen durchaus kritisch betrachtet werden. Der Versuch 1977 erfolgte mit Fluoreszenzfarbstoffen und es wurde ein Augenmerk auf eine mögliche unterirdische Wasserscheide am Südrand des Plateaus gelegt. Diese interessante Frage konnte insofern positiv beantwortet werden, als dass in der Eiskogelhöhle eingebrachtes Uranin sowohl in den nördlichen Karstquellen als auch in der südlich gelegenen Aualm wiedergefunden wurde. Dass die Störung der Ofenrinne nicht nur durch Fluoreszenzfarbstoffe, sondern auch unterirdisch in langen Fußmärschen orthogonal durchschritten werden kann, zeigen eindrucksvoll Audra et al. (1990). Die neuen Ergebnisse zeigen, dass der scheinbar einheitliche Karstwasserspiegel auf etwa 716 müA nur kleinräumig begrenzt vorliegt. Nichts deutet auf einen großen „See“ hin, wie er im Untersberg über

mehrere Quadratkilometer nachgewiesen werden konnte und im Bereich des Torrener Quellbezirks im Hagengebirge indirekt nachweisbar ist. Im Raum Pass Lueg – Schildkar – Bergeralpl bis zu den Nordhängen der Wieselsteine liegt mit dem „Riesensiphon“ und der Siphonzone in Brunneckerhöhle und Bierloch zwar ein „abgetauchtes“ orthogonales Kluftnetz vor. Bereits wenige hundert Meter ostwärts, bei der Bergerhöhle, gibt es den einheitlichen „See“ nicht mehr: Der „Hopfen und Malz verlorene See“ im Bierloch hat eine völlig andere Dynamik als der meist etwa 2 m schwankende „Riesensiphon“ und in der Bergerhöhle konnte im Bereich der „Belgischen Schlüfe“ überhaupt kein Siphon angetroffen werden. Die weiteren Siphone in größeren Tiefen der Bergerhöhle liegen auf etwa 920 müA, ein weiteres lokales Niveau, das sich weiter berganwärts auch fortzusetzen scheint. So folgt man im Cosa Nostra-Loch auf eine Länge von etwa 1 km dem Höhlenbach entlang der Kalk-Dolomitgrenze (Audra 1994). Anders sieht es im Bereich des Winnerfalls aus, wo die Schwankungen des Karstwassers über 60 m, bei extremen Hochwasserereignissen sogar 75  m überschreiten können (Höfer-Öllinger et al. 2016). Dieses sehr unterschiedlichen Verhalten des Wasserstandes belegt einerseits indirekt die These unterschiedlich entwickelter Abflusssysteme, andererseits ist die in Audra et al. (2002, 2006) dargestellte laterale Entlastung in der „700 m phreatic zone“ zwar nicht bewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen.

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Abb. 2: Färbeversuche im Tennengebirge im 20. Jahrhundert und exemplarisch eine einjährige Ganglinie von Temperatur, Wasserstand und elektrischer Leitfähigkeit im Riesensiphon der Brunneckerhöhle.

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SCHLUSSFOLGERUNGEN Die Karstgebiete des Landes Salzburg zeigen zwar Gemeinsamkeiten und können hinsichtlich ausgewählter Kriterien verglichen werden. Die minutengenauen Aufzeichnungen erlauben vergleichsweise genaue Abschätzungen über das Speicherverhalten. Die detailliert untersuchten Gebiete Untersberg, Hagen- und Tennengebirge sowie die Leoganger Steinberge zeigen unterirdische Speicher, die bis zum Anspringen eines leistungsfähigen Überlaufs einen niedrigen Basisabfluss haben. Diese Speicher laufen bei Niederschlags- oder Schneeschmelzereignissen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten voll und können daher hinsichtlich ihrer Wirkung als abflusswirksame Puffer verglichen werden. Es gibt Karstgebiete, deren unterirdische Wasserläufe eher einer abgedeckten Klamm ähneln und mit dem Begriff „Grundwasser“ nur sehr schlecht charakterisiert werden können, während anderorts förmlich unterirdische Seen existieren, die über mehrere Kilometer hydraulisch kommunizieren. Der Nachweis, dass sich Niederschlagsereignisse innerhalb von Stunden in den Quellaustritten widerspiegeln, steht monatelangen Durchgangskurven bei Färbeversuchen und Isotopendaten gegenüber. Der Konnex zwischen Karst und Porengrundwasser konnte in manchen Bereichen bestätigt, in anderen Bereichen völlig ausgeschlossen werden. Nichtsdestotrotz können Tendenzen und Gemeinsamkeiten herausgegriffen werden: •

In den Nördlichen Kalkalpen Salzburgs überwiegt aufgrund der Lagerungsverhältnisse generell eine Abflussrichtung gegen Nord. Täler der Altlandschaften und tektonische Großstrukturen zeichnen das Abflussverhalten vor.

Durch die Dauerbeobachtung werden Extremereignisse erfasst (Höfer-Öllinger et al. 2016). Dies gilt sowohl für Hoch- als auch für Niedrigwasserereignisse. Im Zuge der Auswertung der neuen Daten liegt ein Vergleich der Ergebnisse mit den früheren Färbeversuchen nahe. Für die Karstgebiete Unters-

berg, Leoganger Steinberge, Kitzsteinhorn und Hagengebirge zeigten die unterschiedlichen Methoden gute Übereinstimmungen. Im Tennengebirge zeigt sich ein heterogenes und komplexes Abflussverhalten. Im Vergleich zeigen sich markante Unterschiede im Schwankungsverhalten, das vom geologischen und geomorphologischen Setting abhängt. Der Auslaufkoeffizient hingegen wird von der Durchlässigkeit der Karstspalten bestimmt. So fällt der Karstwasserspiegel im Torrener Quellbezirk aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit der Schwarze Torrenquelle in drei Tagen mehr als 100 m, während er im Untersberg maximal 1,5 m pro Tag fällt. Die Temperaturen sind ein Abbild von Verweildauer und terrestrischem Wärmefluss und daher beim Untersberg (relativ höchste Verweildauer) und beim Kitzsteinhorn (relativ höchste Wärmeflussdichte) am höchsten. Der lokale Höheneffekt der stabilen Isotope nimmt gegen den zentralalpinen Raum bzw. mit der absoluten Höhe zu. Sehr stark variiert die maximale Schüttung pro Quadratkilometer Einzugsgebiet: Sie erreicht beim Untersberg nahezu 2 m3/s·km2 und beim Kitzsteinhorn mit 0,2 m3/s · km2 ein Zehntel davon. Es ist davon auszugehen, dass der Abfluss im Bereich des Kitzsteinhorns durch enge Spalten limitiert ist und es im Hochwasserfall zu einem extremen Rückstau (über viele hundert Meter) kommt, was mit Beobachtungen von Audra (2001) übereinstimmt. Die Untersuchungen liefern Beiträge für wasserwirtschaftliche Fragestellungen und ändern damit teils substanziell traditionelle Modellvorstellungen über die Herkunft des Talgrundwassers nahe dem Kontakt von Fest- und Lockergestein. Derzeit wird keines der bearbeiteten Karstgebiete maßgeblich für die Trinkwasserversorgung herangezogen. Eine mögliche Nutzung kann ausschließlich über Anreicherung von Porengrundwasser durch Versickerungsanlagen. erfolgen. Beim Untersberg (Fürstenbrunner Quelle) sind solche Anlagen bereits eingerichtet.

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HÖHLENSAGEN von Peter Danner (unter Mitarbeit von Thomas Siegel)

Seit frühesten Zeiten hatten die Höhlen eine Bedeutung im Volksglauben und in der Religion. Das Innere der Berge wurde als „andere Welt“ empfunden, die sich gelegentlich unter bestimmten Umständen offenbart. Solche Vorstellungen kommen in Höhlensagen zum Ausdruck. Im Tennengebirge, Hagengebirge und Hohen Göll gibt es einige Sagenhöhlen, die der einheimischen Bevölkerung schon lange bekannt waren, weil sie in Talnähe oder in der Nähe ihrer Almen und Aufenthaltsorte im Gebirge waren oder von weitem sichtbar waren. Die Höhlensagen wurden meistens im späten 18. und im 19. Jahrhundert schriftlich aufgezeichnet und gelegentlich im 20. Jahrhundert noch mündlich überliefert. Mit Höhlen dieses Gebietes sind vor allem Schatzsagen, Sagen von Wildfrauen und Sagen über weit entfernte Höhlenausgänge verbunden. Solche Sagen gab es im ganzen deutschen Sprachraum.

LITERATUR: Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.) Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band IV, Berlin – Leipzig 1931/32, 175-183 s. v. Höhle (Hünnerkopf).

Helmut Fielhauer Sagengebundene Höhlennamen in Österreich. Wissenschaftliche Beihefte zur Zeitschrift „Die Höhle“ 12, Wien 1969.

Erika Kittel Höhlensagen aus den Alpen, Linz 1970.

Walter Klappacher Sagenhöhlen und Höhlensagen in Salzburg, in: Die Höhle 65, Nr. 1-4, 2014, 96-110.

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SCHATZSAGEN Weit verbreitet waren Sagen von unterirdischen Schätzen, in deren Besitz man durch magische Mittel gelangen konnte. Die Schätze waren häufig von einem Geist, einem wilden Tier oder Lindwurm bewacht und nur zu festgelegten Zeiten Menschen mit bestimmten Eigenschaften zugänglich. Die bekannteste Schatzhöhle dieses Gebietes war der Scheukofen, der, wie Untersuchungen des Pfleggerichtes Werfen im Jahr 1650 ergaben, von zahlreichen In- und Ausländern besucht wurde. Den Schatzsagen wurden also Glauben geschenkt, und einige Besucher bezahlten diesen Glauben mit ihrem Tod, wie das Auffinden von Totenköpfen im Scheukofen in den Jahren 1600 und 1791 und von Menschenknochen in den hinteren Bereichen der Höhle im Jahr 1914 zeigt. Schatzhöhlen im Tennengebirge waren das Goldbründl am Hochkogel, die Eselslöcher in der Elmau, das bisher nicht eindeutig identifizierte Schmarackelloch auf der Pitschenbergalm und vielleicht auch der Seeofen am Hühnerkrallkopf. Über diesen ist zwar keine Sage bekannt, aber ein Zimmermannsgeselle aus Werfen versuchte um 1850, den See auszupumpen und nach Schätzen zu graben.


SCHEUKOFEN

GOLDBRÜNDL

„Zwischen dem Paß Lu[e]g und Werfen ist eine Berghöhle, welche in den Tagen der Finsterniß Schatzgräbern und Exorcisten wohl bekannt war. Diese versicherten nämlich, ein Berggeist habe in derselben seinen Wohnsitz, und bewache einen großen Schatz. Feurige Hunde stehen ihm zur Seite. Dieses Umstandes wegen erhielt die Höhle den Namen Scheukofen (Spukhöhle).“

„In den höheren Schluchten des Tännengebirges befindet sich eine Höhle, in welcher eine goldhältige Wasserquelle sich befindet, jedoch nicht von jedem Menschenkinde, sondern nur von Auserwählten aufgefunden werden könne. Zu diesen Auserwählten gehörten 2 Wellische (Italiener), welche alle 3 Jahre in der Zeit vom Monate Juli bis September aus weiter Ferne kamen, das in der Höhle angesammelte Geld erhoben und dann wieder unbemerkt verschwanden. Ein alter Schafhirte vom Stegenwaldgute, der über 106 Jahre alt geworden ist, soll diese Wellischen öfters gesehen haben, aber die Höhle nicht auffinden können. (Alter Schafhirte im Stegenwalde.)“

Franz Michael Vierthaler, Aus den Papieren eines Reisenden (Fortsetzung). Der Scheukofen, in: Intelligenzblatt von Salzburg, 11. 4. 1801, Nr. 15, Sp. 215-216.

ESELSLÖCHER

IN DER

ELMAU

„Es geht die Sage, daß vor vielen Jahren ein fremder Mann mit einem Esel zu gewissen Zeiten kam und aus der Höhle Gold und Geschmeide holte. Eines Tages kam der Mann nimmer aus der Höhle, doch der Esel wartete, bis er Hungers starb.“ Forst- und Domänen-Direktion Salzburg, Zl. 1149 ex 1921, Nachweisung von Naturhöhlen (zitiert in: Walther Czoernig-Czernhausen, Die Höhlen des Landes Salzburg und seiner Grenzgebirge, Spelaeologische Monographien 10, Salzburg 1926, S. 84).

SCHMARACKELLOCH „Im Schmarackelloch, jenseits des Hochkogels auf der Pitschenbergalpe [...] soll ein See sein, und im selben Goldfische, mit Goldsand im Magen, die einzelnen Sandkörner so gross wie Kreuzersemmeln. Im Stegenwaldgut befand sich hierüber eine alte schriftliche Beschreibung; diese ging aber bei einem Brand verloren.“

IM

TENNENGEBIRGE

Johann Hörrer, Orts-Chronik des Marktes Werfen im Pongau, Salzburg 1879, S. 259.

„Ein Mann soll einmal, als er zu diesem Brünnlein kam, ein Gefäss untergestellt gefunden haben, halb mit Wasser, halb mit vom Wasser mitgespültem feinem Sand erfüllt. Der Mann trank daraus und rührte, bevor er wegging, mit seinem Stock im Bodensatz herum. Als er später, da der Stock wieder getrocknet war, diesen zufällig ansah, fand er ihn mit Goldstaub überzogen. Er eilte zurück, das Gefäss war aber inzwischen verschwunden.“ A. Posselt-Czorich, Höhlenwanderungen im Salzburger Kalkgebirge, in: Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins 11, 1880, S. 272.

A. Posselt-Czorich, Höhlenwanderungen im Salzburger Kalkgebirge, in: Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins 11, 1880, S. 272. Scheukofen - Vorhalle

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WILDFRAUEN

WEIT ENTFERNTE HÖHLENAUSGÄNGE

Die Wildfrauen sind Wesen der niederen Mythologie, die in Höhlen und Steinklüften wohnen. Sie können unterschiedlichen Charakter haben und den Menschen nutzen oder schaden. Sie tragen einerseits Züge der Götter, andererseits Merkmale der Menschen. Sie wurden auf die germanischen Schicksalsgöttinnen zurückgeführt, die aber in der weiteren Entwicklung ihren Charakter änderten und den Menschen überwiegend freundlich gesinnt waren.

Der Volksglaube, dass Höhlen weit entfernte Ausgänge haben, war weit verbreitet. Mehrmals wurde angeblich dafür der Beweis erbracht, indem Enten, die auf einer Seite hineingeschickt wurden, später auf der anderen Seite wieder herauskamen.

Beim Frauenloch in Abtenau ist die Sage von den Wildfrauen mit einer Schatzsage verbunden.

Noch bekannter war die Sage, dass die Schwarzbachquelle ein Abfluss des Königssees sei. Ferner gab es die Sage von einer unterirdischen Verbindung des Kuchler Wassers oberhalb der Unterröthalpe mit Kuchl. Obwohl 1823, als die Schwarzbachquelle versiegt war, Simon Stampfer (1790-1864) und Peter Thurwieser (1789-1865) die Unmöglichkeit der Verbindung von Königssee und Schwarzbachquelle bewiesen, wurde weiterhin daran geglaubt. Der Wiener Beamte Joseph Kyselak (1798-1831) behauptete 1829, dass beim Kuchlerloch hineingeworfene Sägespäne beim Gollinger Wasserfall wieder zutage getreten seien. Selbst der Geologe Carl Wilhelm von Gümbel (1823-1898) hielt 1861 diese Verbindung für wahrscheinlich. Durch einen Markierungsversuch im Jahr 1896 mit 10 Kilo des Farbstoffes Fluorescin glaubte man, die Nichtigkeit dieser Annahme endgültig widerlegt zu haben.

FRAUENLOCH

BEI

ABTENAU

„Oberhalb der freundlich gelegenen Ortschaft Abtenau erblickt man an den Wänden des Tännengebirges die Oeffnung einer Höhle, die einst mit wilden Frauen bewohnt war und seitdem im Volksmunde den Namen ‚Frauenloch’ führt. Hier lagen vor langer, langer Zeit Schätze der kostbarsten Art in Menge aufgespeichert, ohne daß es Jemandem gelungen wäre, dieselben zu heben.“ R. Freisauff, Salzburger Volkssagen, Wien – Pest – Leipzig 1880, S. 204.

Dem Höhlenforscher Anton von Posselt-Csorich (1854-1911) wurde erzählt, dass der Scheukofen eine Mündung bei Saalfelden habe.

Auch eine Verbindung vom sogenannten „Kuchler Wasser“ mit der Schwarzbachquelle wurde angenommen. Jüngeren Datums ist die von einem alten Schafhirten Höhlenforschern erzählte Sage, dass das Frauenloch oberhalb von Abtenau ein Eingang zur Eisriesenwelt sei.

Frauenloch bei Abtenau 46


KUCHLERLOCH

UND

SCHWARZBACHQUELLE

„Es ist eine alte und einstimmige Sage, daß der Schwarzenbach aus dem großen Königssee in Berchtesgaden entspringe. Auf dem Königssee selbst weiset man eine Kluft, in die sich das Wasser des Sees ergießt. Die Schiffer nennen dieselbe das Kuchlerloch. Denn das überströmende Wasser soll einige Stunden im Innern der Berge fortströmen, und dann zwischen Golling und Kuchl, unter dem Namen Schwarzenbach, wieder zu Tage brechen. Sollte die Sage ebenso wahr, als wahrscheinlich seyn, so ist es ein glücklicher Umstand, daß der ungeheure Göhl hier die Scheidewand zwischen Berchtesgaden und Salzburg macht. Denn wäre diese minder mächtig, groß und stark, so dürfte der See, welcher wenigstens 500 Fuß höher als Kuchl liegt, einst den Damm durchbrechen, und die ganze Gegend ersäufen.“ [Franz Michael Vierthaler,] Aus den Papieren eines Reisenden, in: Salzburger Intelligenzblatt, 21. 3. 1801, Sp. 176.

„Man hat viel gegen und für den Ursprung dieses Gewässers behauptet, bis vor wenig Jahren erst einige verdienstvolle Naturforscher die wahre Quelle des Falles ausmittelten. Nach heftigen Winden und Sonnenhitze wird die Wassermasse stets zunehmender, dagegen bei Schnee oder Regenwetter merklich kleiner, es mußte also diese Cascade von einem hohen See ihr Daseyn entlehnen, dem die Winde einen schnelleren Abfluß oder die Sonne mehr geschmolzene Schneemassen von Alpenhöhen brachten. Nach mehreren Versuchen ward man auf eine Wasserhöhle links in der Felsenwand des Königssees, dem Schlößchen St. Bartholomä gegenüber, aufmerksam. Gestein und Lage entsprachen dem Vermuthen, einige Säcke Sägespäne, welche man dort hineinließ, kamen als bewährte Dokumente der gelungenen Wassererforschung, nach Stunden mit den Gulinger-Cascaden zu Tage. Man mußte sich mit dieser Gewißheit begnügen, und die frühere Idee von einem grossen unterirdischen See im Göllengebirge aufgeben.“

Joseph Kyselak, Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien, nebst einer romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer Volkssagen, Gebirgsgegenden und Eisglätscher auf dieser Wanderung, unternommen im Jahre 1825. Erster Theil, Wien 1829, S. 135-136.

„Schließlich sei auch noch der Sage erwähnt, dass während des Ausbleibens der Cascade ein Engländer, einer schönen Kuchlerin zuliebe, in die Ursprungskluft eindrang, um die Verbindung des Schwarzbaches mit dem Königssee zu constatiren, jedoch durch die plötzlich wieder ausbrechenden Wasser in eiliger Flucht zurückgetrieben wurde.“ Josef Rabl, Golling und seine Naturschönheiten, in: Touristische Blätter 4, August 1878, Heft 2, S. 298.

„Die Forschungen, ob der Gollinger Wasserfall wirklich als Abfluß des Königssees zu betrachten sei, wurden in neuester Zeit wieder aufgenommen und vom Landvolke mit der größten Opferwilligkeit unterstützt. So warf eine junge Kuhmagd von der Saletalm kürzlich ihr neugeborenes Kind bei der Kuchler-Höhle in den Königssee und wartete dann tagelang am Schwarzbachfall in Golling, um das Wiedererscheinen des Kindleins constatieren zu können.“ Stempel, [Ohne Titel,] in: Grazer Tagblatt, 15. 9. 1895, S. 11.

KUCHLER WASSER „Auch über der Alpe Unterröth in der Gegend: Uebers Joch lauft ein Bach, das Kuchler Wasser genannt. Es soll nähmlich im Bauche des Gebirges fortsetzen, und jenseits bey Kuchel im Herzogthum Salzburg wieder zu Tage brechen. Wirklich bricht da aus der Mitte des hohen Göhl’s ein Strom hervor, von welchem die Anwohner dasselbe versichern.“ Beyträge zur Kenntniß des Fürstenthums Berchtesgaden. Dritter Beytrag, in: Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat 1, 1808, S. 81.

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Kรถnigssee 48


IN HÖHLEN

GEFANGENEN

SEELEN

Die Sage vom Wassermann, der Seelen von Ertrunkenen in umgekehrten Töpfen hütet, damit sie nicht entweichen können, war nicht nur in Zusammenhang mit Höhlen verbreitet. Die Sage. dass die Seelen von Ertrunkenen in einer Höhle gefangen gehalten werden, entspricht Vorstellungen des Volksglaubens von Höhlen als Wohnorten dämonischer Wesen, als Ruhestätten der Toten und als Pforten zur Unterwelt.

KUCHLERLOCH

UND

SCHWARZBACHQUELLE

„Durch unterirdische Klüfte, Gänge und Oefen steht also der Wasserfall mit dem See in Verbindung. In diese finstern Höhlen führt der Wassermann die Seelen der im See Ertrunkenen und stürzt neugebrannte Töpfe von allen Farben über sie. Wenn jemand sie wegnehmen könnte, wären die Seelen befreit und würden vor Freude in die Höhe hüpfen.“ F. V. Zillner, Salzburger Sagen, Zweites Hundert, in: Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 2, 1862, S. 57, Nr. 16.

Schwarzbach - Quellhöhle

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Göll - Gruberhornhöhle, in der Nähe des Petersdoms 50


DER GÖLL

UND SEINE

HÖHLEN

Milosch Dryjanski und Walter Klappacher

Bis zu dem Jahr 1959 verzeichnete der Salzburger Höhlenkataster in dieser Katastergruppe lediglich 20 Höhlen, obwohl die bekannte Karstquelle des Schwarzbachs mit dem Gollinger Wasserfall bereits auf den Höhlenreichtum des Göllstocks hindeutete. Heute finden sich in der Katastergruppe mit der Nummer 1336 hingegen 361 erforschte und dokumentierte Höhlen. Im Jahr 1959 stieg eine Gruppe junger Salzburger Forscher (Kaufmann, Klappacher, Reichegger und Völkl) zu dem vom Hagengebirge aus sichtbaren Riesenportal in den Steilhängen des Vorderen Freiecks auf.

Jubiläumsschacht, erstmals in Österreich, mehr als 1100 m Tiefe erreicht.

Dieses entpuppte sich zwar nur als eine mächtige Höhlenruine, das Portal beherbergt seither jedoch die als „Sakristei“ bekannten Unterkunft für die Forschung in der nahen Gruberhornhöhle und anderen Höhlen. In den Sechzigerjahren war die Gruberhornhöhle das Hauptziel seiner Entdecker. Man erreichte die, für die damalige Befahrungstechnik mit Strickleitern, enorme Tiefe von über 800 m. Für kurze Zeit war die Gruberhornhöhle sogar die tiefste Höhle Österreichs. Ab 1969 beteiligte sich auch eine Gruppe polnischer Forscher an diesen Erkundungen. Dabei brachten sie die von französischen Höhlenforschern entwickelte Einseil-Befahrungstechnik mit Steigklemmen und Abseilhilfen nach Salzburg. Trotz großen Neuerungen der technischer Möglichkeiten stagnierte die Erforschung der Gruberhornhöhle in den Siebzigerjahren bei einer Länge von 6.700 m und einer Tiefe von 860 m.

Bereits knapp vor der Jahrhundertwende begannen die Forscher ihre Aktivitäten in die westlich des Freiecks gelegene Hochscharte zu verlagern. Im dort befindlichen Hochschartenhöhlensystem wurde nach Jahren mit schwierigsten Expeditionen eine Tiefe von 1400 m bei 15 km Länge erreicht. Die Vermessung zeigte, dass die Gruberhornhöhle und die Kammerschartenhöhle sich bis auf ca. 30 m annähern. Versuche, eine Verbindung zu finden, schlugen wegen unüberwindbarer Verstürze bis heute fehl.

Die polnischen Forscher konzentrierten sich auf die Eroberung einiger Riesenschächte im Ostkamm des Freiecks. Dabei wurde in der Mondhöhle ein neuer Direkttiefenrekord von 500 m erzielt und im

Etwa zehn Jahre lang wurde es ruhig in der Unterwelt des Göllmassivs. Ende des zwanzigsten Jahrhunderts versuchte eine polnische Mannschaft im Grutred, dem östlichsten Karstplateau des Göllkamms, unterirdisches Neuland zu erkunden und erzielte dabei beachtliche Erfolge.

EIN

NEUES

JAHRHUNDERT

Ab 2013 wurde die aus frühen Salzburger Forscherzeiten bekannte Biwakhöhle Sakristei wieder zum Ausgangspunkt der Expeditionen. Die größten Erfolge gelangen dabei in der schon von den Salzburgern in den Sechzigerjahren entdeckten Gamssteighöhle. Neue technische Hilfsmittel schufen neue Möglichkeiten für die extreme Forschung. Der derzeitige Forschungsstand verweist auf 4,5 km Ganglänge und 720 m Tiefe. Ein Ende der Höhle ist nicht in Sicht. Vielmehr besteht die Möglichkeit eines Zusammenschlusses mit der Gruberhornhöhle.

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Flug durch ein fotogrammetrisches 3D-Modell

Video Expedition Göll 2017

Video Expedition Göll 2018 „Erzählung ohne Worte“

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Göll - Dependance, in der Nähe des Eingangs

Göll - Gamssteighöhle, etwa -450 m

Göll - Gamssteighöhle, höchster Raum der Höhle (+40 m)

Göll - Gamssteighöhle, 2019 entdeckte Horizontalgänge in etwa 80 m Tiefe

Göll - Gamssteighöhle, „Studnia Mięczaków” (-400 m)

Göll - Gamssteighöhle (etwa -100 m)

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Göll - „Canyon con Calamari Fritti“, 2019 entdeckt

Göll - Gamssteighöhle, der höchste Raum der Höhle

Göll - Gamssteighöhle, „Saal Foto” (etwa -200 m)

Göll - Horizontaletage der Gamssteighöhle (-280 m)

Göll - Horizontaletage der Gamssteighöhle

Göll - Gamssteighöhle, „Kominy na Pałe” (etwa -250 m)

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Göll - Gamssteighöhle, 2019 entdeckte Horizontalgänge in etwa 80 m Tiefe 56


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Hagengebirge - Tantalhรถhle 58


DAS HAGENGEBIRGE

UND SEINE

HÖHLEN

von Walter Klappacher und Gerhard Zehentner

Das Hagengebirge stellt mit seiner riesigen und stark verkarsteten Hochfläche eines der am wenigsten bekannten Kalkmassive unseres Landes dar. In dieser schwer zugänglichen Katastergruppe mit der Nummer 1335 sind aktuell 558 Höhlen bekannt. Nur wenige Steige ermöglichen die Überschreitung dieser Gebirgslandschaft, die im Salzburger Gebiet keine Schutzhütten aufweist, die den touristischen Besuch erleichtern. Anders sieht es im bayerischen Teil des Massivs aus, wo Almlandschaften, eine Seilbahn und gute Übernachtungsmöglichkeiten ein reges touristisches Leben fördern. Während die Höhlen der Hochregion bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wenig Beachtung fanden, waren einige talnahe Höhlen bereits beliebte Touristenattraktionen. Besonders der Scheukofen (Naturdenkmal) ist eine schon seit Jahrhunderten von Schatzgräbern aufgesuchte Höhle und wurde bekannt durch zahlreiche Sagen. Die Höhlen wurden für viele Zwecke genutzt. So diente das benachbarte Brunnloch lange Zeit der Wasserversorgung des Steinwendguts und das Kroatenloch in den Salzachöfen wurde bereits in uralte Befestigungsanlagen integriert. Viele Funde von Höhlenbären, die in den regionalen und nationalen Museen zu bewundern sind, stammen aus der Bärenhöhle im Bluntautal. Diese stellt den obersten Überlauf der „Schwarzen Torren“ dar, der mit Abstand bedeutendsten Karstquelle im Hagengebirge.

In den Südabstürzen zum Blühnbachtal hin befindet sich die Tantalhöhle (Naturdenkmal), welche mit einer Gesamtlänge von rund 35 km das größte Höhlengebilde im Hagengebirge darstellt. Die Höhle wurde 1947 von Alfred Koppenwallner entdeckt und in den Folgejahren von ihm, seinem Bruder Xaver, Albert Morocutti und vielen anderen Salzburger Höhlenforschern erkundet. Bis 1953 fanden mehrwöchige Expeditionen statt, die erst nach 1971 fortgesetzt wurden. Zwischen 1976 und 1990 versuchten Salzburger und Kattowizer Forscher eine Verbindung zwischen der Tantalhöhle und der Jägerbrunntroghöhle herzustellen. Letztere ist eine unserer schönsten Eishöhlen mit einer Länge von 28 km und einer Tiefe von 1300 m. Eine gangbare Verbindung konnte bisher jedoch nicht aufgefunden werden. Im Bereich des Zentralplateaus wurden in der Nachkriegszeit viele Klein- und Großhöhlen erkundet. Der erste durchschlagende Erfolg gelang vor wenigen Jahren der Expedition aus Breslau (Wrocław, Polen) , die nahe dem Kahlersberg die Interessante Höhle entdeckte und erforschte. Hierbei handelt es sich um die drittlängste Hagengebirgshöhle mit einer Länge von 21 km und einer Tiefe von 640 m.

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3D Modell der Hรถhlen im Hagengebirge 60

Expedition 2018 Hagengebirge


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Hagengebirge - Tantalhรถhle


Hagengebirge - Tantalhรถhle

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Hagengebirge - Brunnloch


Hagengebirge - Scheukofen

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Hagengebirge - Scheukofen 66


SCHEUKOFEN von Peter Danner

Der Scheukofen ist eine Höhle im Hagengebirge oberhalb von Sulzau. Ihr Eingang liegt in einer Höhe von 740 m. In einem Bericht aus dem Jahr 1797 wird der bereits 1650 nachgewiesene Name der Höhle erklärt: scheukig bedeutet: Grausen erregend, fürchterlich, und Ofen: Felsen oder Höhle. Wahrscheinlich lockten seit dem Mittelalter Sagen über im Scheukofen verborgene Schätze Schatzsucher an. Als das Hofgericht des Fürsterzbistums Salzburg im Jahr 1650 Kenntnis davon erlangte, dass eine Person den Scheukofen aufgesucht hatte, befahl es den Pfleggerichten Werfen und Radstadt, Untersuchungen darüber durchzuführen. Ursache dafür war, dass der Erzbischof als Landesherr das Bergregal und das Schatzregal innehatte und daher über die Bodenschätze und die Schätze, deren Eigentümer nicht bekannt waren, verfügen konnte. Die Untersuchungen ergaben, dass zahlreiche Inund Ausländer öffentlich und heimlich den Scheukofen besuchten, und Bergmilch, das sogenannte Nix, herausholten und als Volksheilmittel an die Apotheken verkauften. Einzelne verhörte Personen gaben an, dass sie vor vielen Jahren die Höhle auf der Suche nach Erzen oder aus „Kurzweil“ besucht hatten. Ein Besucher fand um 1600 in der Höhle zwei Totenköpfe. 1791 fanden zwei Bergknappen, die Tropfsteine aus der Höhle holen wollten, den Schädel eines seit 40 Jahren vermissten Schatzsuchers. Als der Erzbischof 1796 die Vorlage aller verfügbaren Daten für eine geplante Bergwerksgeschichte des Erzbistums anordnete, erstellte die Eisenbergwerksverwaltung von Werfen umfangreiche Unterlagen, in denen neben den Bergwerken auch zwei Höhlen im Hagengebirge, der Scheukofen und das Brunnloch, erfasst waren. Darin finden sich geologi-

sche Informationen zu den Höhlen. Um 1800 setzten dann die wissenschaftlich motivierten und touristischen Besuche der Höhle ein, für die an der Aschaubrücke Führer engagiert werden konnten. Die Berichte des Salzburger Pädagogen und Publizisten Franz Michael Vierthaler (1758-1827) und des Wiener Arztes Joseph August Schultes (1773-1831) über ihre Besuche des Scheukofens in den Jahren 1799 und 1802, die in der Folge von vielen anderen Autoren übernommen wurden, machten den Scheukofen zu einer der bekanntesten Höhlen Österreichs Friedrich Kardinal Schwarzenberg (1809-1885), der von 1836 bis 1850 Fürsterzbischof von Salzburg war, veranlasste einige Einbauten, die den Besuch der Höhle erleichterten, darunter eine fünf Meter lange Brücke über den Ersten See. Ausführlichere Berichte über Befahrungen des Scheukofens verfassten der Wiener Publizist Mathias Koch (1798-1877) im Jahr 1846, der ebenfalls aus Wien stammende Franz Kraus (1834-1897), der Gründer des ersten Höhlenvereins in Österreich-Ungarn, im Jahr 1878, und der aus Galizien stammende Beamte der Salzburger Landesregierung Anton von Posselt-Csorich (1854-1911), der ein begeisterter Alpinist und Höhlenforscher war, im Jahr 1879. Systematische Forschungen führten Alexander von Mörk (1887-1914), der Gründer der Sektion Salzburg des Vereins für Höhlenkunde in Österreich-Ungarn, und seine Begleiter von 1910 bis zu seinem Tod 1914 und Walther Freiherr von Czoernig-Czernhausen (1883-1945) mit verschiedenen Kameraden ab 1912 durch. Im Sommer 1911 wurde im Vorderen und Hinteren („Rückwärtigen“) Niphargussee die 67


Kleintierkrebsart Niphargus stygius entdeckt. 1913 veröffentlichte Mörk einen Bericht über den Scheukofen, der einen Grundriss und Aufriss enthält. Czoernig drang bis in die hintersten Abschnitte der Höhle vor, führte eine neue Vermessung der Höhle durch und zeichnete Pläne. Nachdem er selbst mehrere Höhlentiere gefunden hatte, regte er den Wiener Zoologen Otto Wettstein-Westersheim (1892-1967) zu einer Untersuchung der Tierwelt der Höhle an. Dieser besuchte den Scheukofen am 4. April 1921 und wertete in der Folge mit Hilfe weiterer Forscher die Ergebnisse aus. Da Czoernig den Großen See für einen Siphon hielt, versuchte er ab 1915 ohne Erfolg, ihn mit Hilfe eines Schlauches auszupumpen, um in die dahinter liegenden Teile vordringen zu können. 1921 unternahm August Gugg einen ersten erfolglosen Versuch, durch den Siphon zu tauchen.

Scheukofen - Tauchversuch 04.12.1975, Leopold Wiener Foto: Franz Lindenmayr

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1936 versuchten Klaus Grasmayr (1914-1998) und sein Bruder Gottfried (1918-1943), ohne technische Geräte und mit je ½ Kilo Erdnusssfett als Kälteschutz den Siphon zu durchtauchen, was jedoch nicht gelang. Drei Wochen später sprengten die Brüder Grasmayr zur Beseitigung des Sperrblockes beim Hinteren Niphargussee ein mit Schwarzpulver gefülltes Eisenrohr. Der sich entwickelnde Pulverdampf zwang sie zur Flucht aus der Höhle. Auch Pumpversuche im Jahr 1953, an denen Soldaten der US-Army beteiligt waren, scheiterten. 1957 durchtauchten Alfred Koppenwallner und Walter Tisch erstmals den Siphon. Am 12. April 1975 verunglückten Günther Hackl und Leopold Wiener bei einem Tauchversuch tödlich. Nach diesem Unfall wurde eine Pumpe installiert, mit deren Hilfe der Siphon ausgepumpt werden kann. Dadurch konnten die Abschnitte hinter dem 40 m langen und 8 m hohen Siphon erforscht werden, deren Länge etwas größer als jene des Abschnittes vom Eingang bis zum Großen See ist. Während eines Hochwassers wurde im August 1977 beobachtet, dass dem Höhlenportal des Scheukofens ein Wildbach entströmte.

Scheukofen - Großer See, Walther Freiherr von Czoernig-Czernhausen Foto: Erwin Angermayer-Rebenberg


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BERICHT

ÜBER EINEN

BESUCH

DES

SCHEUKOFENS

IM

JAHR 1799

Der in Salzburg wirkende Pädagoge Franz Michael „Im Hintergrunde führt ein enger Gang, der bald Vierthaler (1758-1827) berichtete über seinen Be- abwärts, bald aufwärts steigt, in verschiedene Grotten, welche kleinen Kammern gleichen. Wenn such des Scheukofens am 29. Juli 1799: man diese unterirrdischen Kämmerchen verfolgt, „Wir [...] arbeiteten uns sodann weiter durch Ge- und ungefähr 200 Klafter weit vorgedrungen ist, büsch und Strauchwerk hindurch, und sahen nach so kommt man zu einer Stelle, wo sich die Steinwand ganz zu schließen scheint. Nur am Boden einer halben Stunde plötzlich: zeigt sich noch eine Schlucht. Ein etwas starker – – – Specus ingens Exesi latere in montis – den Scheukofen vor uns. Auf die Erinnerungen Mann muß hier seine Kleider ablegen, um durchunsers Hutmanns erhoben wir zusammen ein gro- kriechen zu können. Die Höhle erweitert sich nun ßes Geschrei, um Vögel und Thiere aufzuscheu- wieder. Man findet einen kleinen Saal, und in demchen, welche sich oft darin verborgen halten; und selben einen See, der nur 20 Fuß lang, 12 breit, und 5 Fuß tief ist. Das Wasser ist so rein und klar, zündeten zugleich unsere Fackeln an. Der Eingang ist ungefähr 30 Fuß breit und 10 hoch: die Felsen- daß man deutlich bis auf den Grund sieht. Eine decke hängt schwer und drohend über demselben, Ritze am Boden weiset, daß der unterirrdische Gang noch weiter fortsetzt; allein sie ist so enge, und erfüllt den Eintretenden mit banger Furcht.“ daß ein Mann nicht imstande ist, durch dieselbe Fr[anz]. M[ichael]. Vierthaler, Meine Wanderungen durch Salzzu kriechen. burg, Berchtesgaden und Österreich. Erster Theil, Wien 1816, Alle Grotten und Kammern sind [...] voll TropfsteiS. 182-183. ne, in unzählig verschiedenen Formen. Der ganze Himmel (die Oberdecke) hängt voll Zäpfchen, Pfeif-

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chen, Röhren und andern zufälligen und bizaren Figuren. An den Wänden laufen vorstehende Ränder und Riefe herab: auch sieht man ein sonderbares Gewinde, wie ein Blumenstock. Die Wasserperlen, die an allen Röhren hangen, und die ganze vom Wasser geschwängerte Firste, werfen beym Fackelscheine einen matten Silberglanz von sich. Man glaubt in einer Grotte Tritons zu seyn. Die ganze Höhle ist eine wahre Werkstätte der Natur. Sie verlängert hier die Stalaktiten, und schaffet dort neue. Man sieht, wie das aus der Röhre sinternde Wasser hervordringt; es bildet sich ein Bläschen; schwillt und zerspringt. Wie eine Perle fällt ein Tröpfchen heraus; und der Kalksinter bleibt schwebend an der Röhre, die er verlängert, hangen. Er ist Anfangs breyartig und weich zu fühlen; in wenigen Minuten erhartet er aber, und wird am Ende so fest, daß er starken Hammerschlägen widersteht, und geschliffen, wie Marmor läßt.

Vor Jahrhunderten muß der Scheukofen ungleich länger und geräumiger gewesen seyn. Denn da die Natur ununterbrochen fortarbeitet, den Boden erhebt und die Firste senkt, so verenget sich die unterirrdische Gallerie immer mehr und mehr; und schon jetzt ist Gewalt vonnöthen, um an einigen Stellen die Klüfte offen zu erhalten. Wenige Tage vor uns hatten einige arme Italiener, unter Anführung eines Oehlträgers, den Scheukofen besucht. Wir fanden halb verbranntes Holz, Lumpen und zerschlagene Stalaktiten umher. Die Unglücklichen suchten wahrscheinlich nach Gold und Silber; und fanden nur Tropfsteine. Wir waren zufrieden, diese letztern gefunden zu haben; suchten uns Stücke von verschiedenen Formen aus, und verließen sodann die Zauberhöhle; voll Vergnügen über das Abentheuer, das wir bestanden hatten.“ [Franz Michael Vierthaler,] Aus den Papieren eines Reisenden (Fortsetzung). Der Scheukofen, in: Intelligenzblatt von Salzburg, 11. 4. 1801, Nr. 15, Sp. 217-219.

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FORSCHUNGEN

IM

SCHEUKOFEN 1917

Der Hotelier, Schriftsteller und Höhlenforscher Alois Grasmayr (1876-1955) veröffentlichte 1920 einen Erlebnisbericht über den Vorstoß zum Vierthalergang zusammen mit Walther Freiherr von Czoernig-Czernhausen (1883-1945) am 11. Februar 1917:

eine Hand hält etwas in unablässiger Sorgfalt und Aufmerksamkeit umklammert, was in diesen grabdunklen Gründen alles bedeutet: das Licht. Die kleine Flamme ist unser Leben, ihr endgiltiges Verlöschen im besten Fall stunden- und tagelanger Schrecken, und wenn niemand uns sucht, ein lebendiges Begrabensein. [...] Ein von boshaften Bergkobolden recht hübsch ausgedachtes Hindernis ist gerade vor uns. Ein schräger, mannshoher Spalt, zimmerlang und tiefbreit mit glatten Wänden. Mein ortskundiger Begleiter lächelt erwartungsvoll und verdächtig und bald sehe ich, was los ist. Der Spalt ist halb mit Wasser gefüllt, das wie immer in windstillen Höhlen, fast unsichtbar ist und in das ungewitzte und unvorsichtige Höhlenbesucher ahnungslos hineinpatschen. Nun heißt es, sich mit Armen, Beinen und Sitzgegend in den oberen wasserfreien Teil des Spalts zu verspreizen und durchzuarbeiten. Bei jeder unvorsichtigen Bewegung kommt man ins Rutschen, gleitet langsam aber sicher dem Wasserspiegel zu und nimmt, in der Regel zum innigen Ergötzen der Begleiter, ein höchst erfrischendes unentrinnbares Sitzbad. [...]

Alois Grasmayr

„Es gibt aber auch kaum eine Körperverrenkung, die man beim stundenlangen Durcharbeiten durch dieses auf- und neben- und übereinandergelagerte Labyrinth von Spalten und Kaminen und Röhren und Schluchten nicht einmal dringend benötigte, will man nicht alle Augenblicke in irgend ein finsteres Loch rutschen oder fallen, sich einklemmen oder total steckenbleiben. Man brauchte zehn Hände, um sich anzuhalten und hat nicht einmal den vollen Gebrauch seiner zwei Hände, denn die 72

Ein geübter Höhlenschliefer wie mein Begleiter oder ein Barfußkletterer wie ich erspart sich das Sitzbad und kann dann, ohne eine Weile nasse Flecken zu hinterlassen, weiter klettern. Mein Begleiter war unruhig vorausgeeilt. [...] Plötzlich hörte ich ihn laut rufen, verstand ihn aber infolge des Widerhalls in den verschlungenen Gewölben erst, als ich fast bei ihm stand. Er zeigte aufgeregt und begeistert auf den Boden des niederen, schräg sich senkenden Ganges: ‚Das Wasser! Der Viertalergang!’ Wir legten uns hin, das


Gesicht nahe am Wasserspiegel. Ein breiter wagrechter Gang lag vor uns mit fast ebenem Boden und nahezu wagrechter Decke, die aber so tief hinabreichte, daß man nur stark gebückt darin gehen konnte. Er war diesmal nicht voll Wasser wie sonst. Zwischen der Decke und dem Wasserspiegel war knapp so viel Platz, daß man hoffen konnte, darin mit dem Kopf und dem Licht unbenetzt bis ans Ende durchzukommen. Der übrige Körper mußte dabei allerdings bis an den Hals in das eisige glasklare Wasser. – Wir waren durch die Höhlenstimmung, durch das hinter dem Wassergang lockende Geheimnis derart in Eifer geraten, daß wir uns eiligst auszogen; mein Begleiter hängte sich in einer Kapsel Kerze und Feuerzeug um den Hals. Ich selber knüpfte mir, um ‚drüben’ doch etwas standesgemäß auftreten zu können, mein zusammengerolltes Hemd um den Hals, und dann ging es los, hinein ins Wasser. Unser Eifer war so groß, dass ich nachher nicht mehr wußte, ob es warm oder kalt war. [...]

ter! An einer Stelle sieht es so aus, aber die Aussicht scheint so gering, daß wir es nach kurzen zähne-klappernden Erörterungen aufgeben. Nun wieder hinein ins Wasser. Drinnen klappert man nicht oder man merkt es nicht, weil man so viel zu tun hat. Nun zurück, langsam, aber viel sicherer bis der Lichtschein unsere am Wasserrand liegenden dunklen Kleiderbüschel trifft. Wir stürzen uns darauf, aber es geht nicht sehr schnell in einem nur meterhohen Gang, die Kleider an den nassen Körper zu bringen. Schon dabei wurde uns warm und während wir nun wieder aufwärts steigen und klettern und schliefen, der Oberwelt zu, ersetzt die ausgiebige Muskelarbeit sehr bald wieder den Wärmeverlust bei unserer Wasserpantomime im Viertalergang, die uns auch nicht die Spur eines Schnupfens eintrug.“ Alois Grasmayr, Der Viertalergang, Eine naßkalte Höhlenerinnerung, Salzburger Volksblatt, 31. 1. 1920, S. 3-4.

Alle Aufmerksamkeit mußte darauf gerichtet werden, den Kopf oder im Notfall wenigstens den Mund und die Nasenlöcher und das Licht durch den Luftraum zwischen Decke und Wasserspiegel durchzukriegen. Mitunter ging das so knapp, daß man den Kopf auf die Seite legen und mit dem einen Ohr an der rauhen Decke, mit dem andern im Wasser, das bis an den Mundwinkel reichte, sich entlangschieben mußte. [...] Endlich wird das Wasser seichter, eine knapp aus dem Wasser ragende Geröllbank schließt den Hintergrund ab. Wir kriechen auf ihr herum und suchen. Im Wasser war es warm, scheint uns jetzt; nun liegen wir nackt und naß auf dem kalten Geröll, zittern vor Kälte und leuchten bald die Felsen, bald uns selber an. – Schluß. Es geht nicht wei73


TOD

EINES

SCHATZSUCHERS

Über das Schicksal eines Schatzsuchers um 1750 im Scheukofen, dessen Überreste 1791 entdeckt wurden, ist einem amtlichen Bericht aus dem Jahr 1797 zu entnehmen: „In ältern Jahren hatten die Schatzgräber noch ihren eifrrigsten Zutritt in diese Berghölle, in welch albernen Absichte einer von diesen ob den See in der zu sehr verengten Steinöffnung mit den Kopf sich versteckte und so hängend bleibend darinn verdarb. Der todten Kopf blieb zwischen den sehr engen hangend und liegend Blatt, wo der arme Tropf nicht mehr vorwärts oder zuruck kommen konnte, stecken, wie man solchen auch da vor etlichen Jahren antraff. Der Leib aber fiel nach erfolgter Fäullung des Halsbeins in den See hinunter. Vermuthlich wird dieser neugierige Mensch auf den heilen liegend Blatt gestraucht, und sich den Kopf zwischen das enge schliefens Gestein gewaltig eingeklemmt haben, und da er keinen Stand mehr fassen konnte, so elend hat bleiben müssen.“ Salzburger Landesarchiv, Bergwesen, Fasz. 9/2, 1800, 2. Teil, causa Domini. Nr. 63, Karton 44, Berg-Protokoll, Nr. 18.

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Tennengebirge - Rรถthkar - Kuchlberg-Hรถhlensystem 76


DAS TENNENGEBIRGE

UND SEINE

HÖHLEN

von Gerhard Zehentner

Diese Katastergruppe mit der Nummer 1511 umfasst derzeit 1092 Höhlen und stellt somit die höhlenreichste Katastergruppe in Österreich dar. Die Eisriesenwelt ist die bekannteste Tennengebirgshöhle und mit 42 km auch die längste Höhle des Gebirgsstocks. Jedes Jahr werden mehrere Forschungsfahrten in die Eisriesenwelt unternommen, bei denen immer wieder neue Gänge und Hallen entdeckt werden. Intensiv geforscht wird aber auch an der Nordseite des Tennengebirges (Gamskar und Röthkar) und im Sandkar, das sich am Zentralplateau befindet. 2017 gelang die Verbindung der 13.368 m langen Gamskar-Eishöhle mit der 12.390 m langen Felsbrückenhöhle. Dem mittlerweile 26 km langen System, das nun als Kuchlberg-Höhlensystem angesprochen wird, konnten zudem einige weitere Höhlen angeschlossen werden, die bereits aus Forschungen aus den 1970er bis 1990er Jahren bekannt sind. Damals ging man noch von einer anderen Höhlenbildungstheorie aus und vermutete an der Nordseite des Tennengebirges keine so riesigen Horizontalsysteme auf rund 1.600 m Seehöhe. Die Forschungen konzentrierten sich vielmehr auf Tiefenabstiege, um in die vermuteten horizontalen Systeme auf etwa 1.000 m Seehöhe und die Quelletage der Riesenquellen von Dachser-, Trickl- und Winnerfall zu gelangen.

Und das ist das Spannende an der Höhlenforschung: Mit jeder Forschungstour gewinnen wir mehr Wissen über die alten Entwässerungswege in unseren Gebirgen und bereits bestätigt geglaubte Theorien müssen anschließend oftmals neu aufgestellt werden. Mittlerweile glauben und hoffen wir, dass die Riesenhöhlen des Zentralplateaus auch mit dem Kuchelberg-Höhlensystem zusammenhängen. Neben den drei bekannten Riesenhöhlen des Sandkars (Altherrenlabyrinth mit einer Länge von 14 km, der 10 km langen Offenbarungseishöhle und der bereits in den 1960er Jahren entdeckten fast 9 km langen Thorhöhle), gibt es auch zwei neu entdeckte Höhlen mit viel Forschungspotential: die 2 km lange Barbarahöhle und den 705 m langen Sandkar-Express. Es werden noch einige Generationen von motivierten Höhlenforscherinnen und Höhlenforschern nötig sein, um die gewagte Hoffnung vom Zusammenschluss der Höhlen im Bereich des Zentralplateaus mit dem Kuchlberg-Höhlensystem (vielleicht) zu verwirklichen. Hervorragende Forschungsarbeit in den Höhlen des Tennengebirges leisten auch unsere Freunde vom Speleoklub Bobry Zagan (Bereich Laufener Hütte – Bleikogel) und Caving Club and Speleo School Sofia (Bereich Knallstein – Platteneck).

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Tennengebirge - Rรถthkar - Kuchlberg-Hรถhlensystem 78


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Tennengebirge - Rรถthkar - Kuchlberg-Hรถhlensystem


Tennengebirge - Rรถthkar - Kuchlberg-Hรถhlensystem

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Jack-Daniels Hรถhle

Expedition 2018 Tennengebirge

Tennengebirge - Rรถthkar - Kuchlberg-Hรถhlensystem 83


Tennengebirge - Röthkar - Eisstüberl

Tennengebirge - Röthkar - Wandauge

Tennengebirge - Röthkar - Schwarzloch

Tennengebirge - Röthkar - Trügerischer Mäander

Tennengebirge - Röthkar - Umgebung

Tennengebirge - Röthkar - Umgebung

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Tennengebirge - Röthkar - Trügerischer Mäander

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Tennengebirge - Rรถthkar - Schneeloch 86


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Tennengebirge - Rรถthkar - Schneeloch


Tennengebirge - Rรถthkar - Schneeloch

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Tennengebirge - Sandkar - Altherrenlabyrinth

Tennengebirge - Sandkar - Altherrenlabyrinth

Tennengebirge - Sandkar - Barbarahรถhle

Tennengebirge - Sandkar - Umgebung der Fata Morgana

Tennengebirge - Sandkar - Offenbarungseishรถhle

Tennengebirge - Sandkar - Offenbarungseishรถhle

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Tennengebirge - Sandkar - Altherrenlabyrinth

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Tennengebirge - Sandkar

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Tennengebirge - Sandkar - Altherrenlabyrinth

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EISRIESENWELT von Peter Danner

DIE ERFORSCHUNG

DER

HÖHLE

BIS

1945

Der Jäger Eckschlager, den der aus Galizien stam- und Mörk und Pehany biwakierten beim Eingang. mende Salzburger Landesbeamte Anton von Pos- Am nächsten Tag betraten die beiden um 7 Uhr die selt-Csorich (1854-1911) im August 1879 als Füh- Höhle und gelangten bis zum Eiswall, wo sie umrer für eine Tour auf den Hochthron engagiert hatte, kehren mussten, weil sie keinen Pickel hatten, nur berichtete diesem von einer den Einheimischen Mörk Steigeisen hatte und das Seil zu kurz war. Sie schon länger bekannten Eishöhle im Tennengebirge, erreichten um 1 Uhr wieder den Eingang, biwakierdem Seeofen. Als Posselt-Csorich im Oktober 1879 ten noch einmal und stiegen bei Tagesanbruch ab. mit Eckschlager zum Seeofen ging, erzählte dieser ihm, dass er eine zweite Höhle, die Eisriesenwelt, Am 2. August 1913 drangen Mörk, Hermann Rihl entdeckt habe. Ihr Eingang liegt in einer Höhe von (1895-1918) und Erwin von Angermayer-Re1646 m oberhalb des Achselgrabens in den Süd- benberg (1888-1963) über den Eiswall bis zum wänden des Hochkogels. Nach dem Besuch des Sturmsee vor. Am frühen Morgen des 24. August Seeofens führte Eckschlager Posselt-Csorich am 1913 durchquerten Angermayer, Mörk, Rihl und Rugleichen Tag noch zur Eisriesenwelt, in die dieser dolf von Saar (1886-1963) mit dem sogenannten etwa 200 m, bis zur heute Posselt-Turm genann- „Tauchanzug“ den Sturmsee und drangen in die daten Stelle, vordrang. Nach einem mit Begeisterung hinter liegenden Höhlenteile bis zum später „Mörkaufgenommenen Vortrag von Posselt-Csorich über dom“ genannten Teil vor, den Mörk damals als erster seine Höhlentouren im Tennengebirge beschloss Mensch betrat. Im Expeditionsbericht bezeichnete der Alpenverein am 4. November 1879, die später Mörk die Höhle als „Reich der Eisriesen“ und stellte „Eisriesenwelt“ genannte Höhle „Posselt-Höhle“ zu fest: „Die Höhle ist die größte Eishöhle der Welt.“ nennen. Im Herbst 1919 wurden die Forschungen in der Eisriesenwelt fortgesetzt, und es wurden ständig weiteAnschließend geriet die Höhle in Vergessenheit, bis re Höhlenteile entdeckt. Alexander Mörk von Mörkenstein (1887-1914), der 1911 die Sektion Salzburg des Vereins für Höh- Auf Anregung des Wiener Chemikers Ernst Alfred lenkunde in Österreich-Ungarn gegründet hatte, die Hauser (1896-1956), einem Mitglied des Vereins Aufzeichnungen und Pläne Posselt-Csorichs fand für Höhlenkunde in Salzburg, der den Großteil der und beschloss, eine Expedition des Vereins in die Finanzierung des Unternehmens übernahm, unterHöhle durchzuführen. Nachdem Mörk am 22. Sep- suchten in der Zeit vom 29. März bis 6. April 1921 tember 1912 bei der Konkordiahütte in Tenneck zwei im Auftrag und mit Unterstützung der Akademie der Stunden vergeblich auf die angemeldeten Teilneh- Wissenschaften in Wien die Wiener Privatdozenten mer gewartet hatte, gewann er dort Benno Pehany Dr. Otto Lehmann (1884-1941), ein Geograf, und als Begleiter. Der Jäger Schmidl führte die beiden Dr. Julius Pia (1887-1943), ein Geologe, Dr. Ernst zum Höhleneingang. Der beschwerliche Aufstieg Hauser, der Techniker und Höhlenforscher Robert nahm 5 Stunden in Anspruch. Der Jäger kehrte um, Oedl (1899-1978) und der Wiener Zoologe Dr. Otto 95


Wettstein-Westersheim (1892-1967) mit Unter- von Proben von Höhleneis aus der Eisriesenwelt stützung durch den Verein für Höhlenkunde in Salz- „für die physikalisch-chemische Untersuchung von burg die Eisriesenwelt. Mehrere Mitglieder des Ver- Höhleneis betreffend pH-Bestimmung“. Der Salzeins, darunter Dr. Erwin Angermayer (1888-1963), burger Höhlenforscher Gustave Abel (1903-1988) Ing. Walther Czoernig-Czernhausen (1883-1945), ließ 1940 Knochen- und Schwarzerdeproben von Dr. Gustav Freytag (1881-1947), stud. phil. Pol- der Forschungsstätte für Karst- und Höhlenkunde di Fuhrich (1898-1926), Hermann Gruber (1885- analysieren. Erich Lange (1896-1981) von der Uni1952) und Dr. Friedrich Oedl (1894-1969), nah- versität Erlangen führte 1941 in der Eisriesenwelt men an der Expedition teil. Die Vermessung der Forschungen über Eiskristalle durch, die der SchafHöhle führten Robert Oedl und Czoernig durch. fung eines Mittels gegen Vereisungen an FlugzeuNeben der Erforschung und Aufnahme von Neuland, gen dienen sollten. Dabei wurden „an grossen Eisdie den überwiegenden Teil der Forschung aus- kristallen die elektrischen Spannungsdifferenzen machten, und neben Temperaturmessungen, die in zwischen den einzelnen Kristallflächen“ gemessen. Salzburg eine lange Tradition hatten, gab es weite- Mit einem Blitzschlag in der Eisriesenwelt, durch re Forschungen in verschiedensten Disziplinen. Die den der Höhlenforscher Walter Hubka (*1926) Forschungsstätte für Karst- und Höhlenkunde der einen elektrischen Schlag erhielt, befassten sich Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnen- 1943 Erich Lange und der Brünner Elektrotechniker erbe” der SS bat Czoernig 1940 um die Entnahme Volker Fritsch.

Eisriesenwelt - Tropfsteinwand

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ERSTER BESUCH Über den ersten touristischen Besuch der Eisriesenwelt im Tennengebirge im Oktober 1879 in Begleitung des Jägers Eckschlager berichtete Anton von Posselt-Csorich (1854-1911): „Es ist begreiflich, daß ich mit vor Erwartung klopfendem Herzen in dieselbe eintrat. Schon der Eingang zeigte sich mit einer Breite von 8-10 Meter und eben solcher Höhe bedeutend genug. [...] Eine kurze Strecke ging es aufwärts, dann senkte sich die Höhlensohle bis zu einem bei 35 Meter vom Eingang entfernten, 16 Meter langen und 20 Meter breiten Eisspiegel. Links zeigten sich Ueberreste von Eispyramiden, rechts fluthete aus einer Felsbucht ein 4 Meter hoher Eissturz herab. Jenseits der ebenen Fläche wandte sich die Höhle, welche bis dahin von Südwest nach Nordost strich, streng nördlich, und zog sich als großartige Halle mäßig steil bergan. Der Boden war mit gewaltigen Felstrümmern bedeckt, zwischen welchen sich Flächen spiegelnden Eises emporzogen, das hier so durchsichtig war, dass

man den Felsgrund darunter erkennen konnte. In dem von meiner Laterne kaum erhellten Dunkel des Hintergrundes zeigte sich hoch über mir eine gewaltige bläulich schimmernde Eispyramide von wunderbar regelmäßiger Form. Eckschlager mußte, da er keine Steigeisen hatte, zurückbleiben; ich dagegen stieg mit deren Hilfe, stellenweise mit dem Eispikel nachhelfend, bis zur Pyramide, einem Eiskegel von circa 6 Meter Durchmesser und 7 Meter Höhe, der bei 170 Meter vom Eingang entfernt sein mochte, umging denselben nicht ohne Mühe auf der linken Seite und klomm dann noch nahezu eine Strecke von 80 Meter weiter empor, bis wo ein senkrechter, die Höhle in ihrer ganzen Breite abschließender, in der Mitte von einem Felszahn durchbrochener Eiswall von 6 Meter Höhe weiterem Vordringen ein Ziel setzte. Doch konnte ich erkennen, daß die Höhle, wenn auch mit geminderter Höhe, auch noch oberhalb der Eiswand sich in’s Ungewisse fortsetzte.“ A. Posselt-Csorich, Höhlen im Tännengebirge, Salzburger Volksblatt, 13. November 1879, S. 2.

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Eisriesenwelt - Buch der Expeditionen


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BEGINN

DER SYSTEMATISCHEN

ERFORSCHUNG

Alexander Mörk von Mörkenstein (1887-1914) berichtete über seinen ersten Besuch in der Eisriesenwelt am 23. September 1912:

Meter hoch, bis fast zur Decke reichend. [...] Über ein Meer von Blöcken gelangten wir wieder in Eishallen, in denen Säulen von Eis das Gewölbe zu stützen schienen.“

„Zumeist stiegen wir rechts über Felsblöcke empor, bis der von Posselt erwähnte ‚Felszahn’ erreicht Erwin von Angermayer-Rebenberg, in: Buch der Expeditionen (Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg) war. Bis zu dieser Stelle ist Posselt vorgedrungen. Diese Eisstufe bot indes kein übergroßes Hindernis, auch der folgende Eisfall wurde überwunden, Über die Durchquerung des Sturmsees am 24. Auindem wir rechts zwischen Blöcken einen Schluf gust 1913 wurde berichtet: entdeckten. Hierauf standen wir abermals vor einer etwa 10 m hohen Eiswand, welche die ganze „Doch der ‚Sturmsee’ bot eine der größten SchwieBreite der Höhle einnahm.“ rigkeiten, da er eine Eishalle fast bis zur Decke erfüllte und infolge des heftigen Luftzuges stürAlexander von Mörk, in: Buch der Expeditionen mischen Wellenschlag aufwies, so daß er nicht (Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg) gefrieren konnte, obwohl das Wasser tief unterkühlt war. Es hatte ein eigens konstruierter TauErwin von Angermayer-Rebenberg (1888-1963) cheranzug hergestellt werden müssen, in den berichtete über die Besteigung des Eiswalls am 2. jeder einzelne Teilnehmer hineinschlüpfen mußte, August 1913, die er zusammen mit Mörk und Her- um sich durch das Eiswasser hindurchzuarbeiten. Der leere Anzug wurde wieder an das diesseitige mann Rihl durchgeführt hatte: Ufer gezogen, der Nächste musste sich derselben Vermummung anpassen, hatte es aber schon viel „Rasch seilten wir uns an und klirrend sausten die leichter, da ihm durch den Vorgänger die Hilfe des Pickel in den mächtigen Leib des Eisungetüms, so Seiles zuteil werden konnte. [...] Nach Überwindaß wir, einander ablösend, in kurzer Zeit eine ganz dung dieses Hindernisses eröffnete sich wie zum annehmbare Stiege errichtet hatten. Rihl betrat als Lohn ein schier unermesslicher Reichtum voll GeErster die oberste Planfläche, [...] im frohen Gefühl, heimnis und Wunder.“ daß noch keines Menschen Fuß diese glashellen Flächen betreten, eilten wir in die Tiefe der Nacht hinein. Es erschlossen sich unsern trunkenen Augen Eisgebilde von seltsamen Formen, mehrere

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Karl Schoßleitner, Alexander Mörk. Der Höhlenforscher, Maler und Poet, in: Wiener Abendpost, 28. 10. 1919, S. 3.


Eisriesenwelt - Wimur mit Franz Xaver Koppenwallner 103


Eisriesenwelt - Eisvorhang Friggaschleier mit (von links) Gustave Antoine Abel, Albert Morocutti, Käthe Allerberger, Irmi Moser 104


NEUERE FORSCHUNGEN EISRIESENWELT

IN DER

von Gerhard Zehentner

Obwohl die systematische Erforschung der Eisriesenwelt 1912 noch unter ganz anderen Voraussetzungen begann, kann man vor den Leistungen der Vereinsgründer und der nachfolgenden Forschergenerationen nur respektvoll den Hut ziehen, da ihnen nur wenig verborgen geblieben ist. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist der 2010 entdeckte, rund 800 m lange Hochkogeltunnel. Dieser erstreckt sich in beachtlicher Dimension von Midgard aus in Richtung des Hochkogel Wandfußes. Bärenknochen am Ende des Tunnels belegen, dass hier einst ein weiterer Eingang in die Eisriesenwelt existierte, der mittlerweile vom Hangschutt verlegt ist.

Eisriesenwelt - Hochkogeltunnel

Im Jahr 2016 wurden mehrere Forschungstouren durchgeführt, die zu einem weiteren Neulandzuwachs führten und 2019 konnten neue Horizontalgänge entdeckt werden. Die Forschungen werden ständig weitergeführt und entlocken der Eisriesenwelt so immer wieder einmal das eine oder andere ihrer zahlreichen Geheimnisse. Eisriesenwelt - Hochkogeltunnel

Eisriesenwelt - Hochkogeltunnel - Bärenknochen

Eisriesenwelt - U Tunnel

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Eisriesenwelt - Hochkogeltunnel

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Eisriesenwelt - Hochkogeltunnel

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DIE

WENIG BESUCHTE

UNTERWELT

DES

SALZBURGER JURA

von Walter Klappacher und Gerhard Zehentner

SCHLENKEN

UND

TRATTBERG

Der Schlenken (Katastergruppe 1525, 52 Höhlen) und der Trattberg (Katastergruppe 1524, 71 Höhlen) sind zwei markante Gipfel des Salzburger Jura und befinden sich nördlich bzw. südlich der imposanten Tauglschlucht. Sie unterscheiden sich in Höhe und Charakter grundlegend von den südlich und westlich gelegenen Massiven der Salzburger Kalkalpen. Während dort weite und kahle Karstflächen die Hochregionen bestimmen, reichen in der Jurazone Wälder und Almwirtschaft bis in die zwischen 1600 und 1700 m hohe Gipfelregion. Auch die unterirdischen Karsterscheinungen, die Höhlen, unterscheiden sich wesentlich in Größe und Charakter von den benachbarten, gewaltigen Systemen. Sind dort gigantische, weit verzweigte Unterweltsysteme zu erkunden, so bestimmen im Jura meist relativ kurze und kaum vernetzte Gänge bescheidener Dimension das Höhlenbild. In diese Kategorie gehören die zahlreichen kleinen und größeren Wasserhöhlen, von denen einige auch der Wasserversorgung von kleinen Ortschaften und verstreuten Bauernhöfen dienen. Viele dieser Quellhöhlen sind einen Besuch wert, da ihre in den Oberalmer Kalken bizarr ausgewaschenen Gänge mit Bächen, Seen und Wasserfällen lohnende Wanderziele darstellen. Nicht wenige dieser vermutlich relativ jungen Grotten weisen zudem einen zauberhaften Tropfsteinschmuck auf. Die Tropfsteine bilden von der Farbe und ihrer Zartheit her einen wirkungsvollen Kontrast zu den blaugrauen Kalkbändern mit den eingelagerten Hornsteinrippen, die fast schwarz sind.

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Weit über Salzburgs Grenzen hinaus bekannt ist die in der Gipfelregion des Schlenkens gelegene Schlenkendurchgangshöhle. Das reiche Vorkommen von Höhlenbärenknochen und anderen fossilen Tierknochen führte zu wissenschaftlichen Grabungen und Auswertungen. Den nicht völlig gesicherten Funden von Steinartefakten nach, könnte die Höhle auch von Urzeitmenschen besucht worden sein. Am Trattberg klafft hoch über der Schlucht der Taugl das Riesenportal des Hundsgföll-Lochs, das ausschließlich über eine ausgesetzte Hangquerung erreicht werden kann. Die fast 1,5 km lange Wasserhöhle wird nur durch einen mächtigen Deckeneinsturz vom Feuchten Keller, einer aktiven Schlingerhöhle in der Almregion des Hintertrattbergs, getrennt. Deren Einstieg liegt unweit des Parkplatzes am Ende der Mautstraße. Es besteht die Möglichkeit einer fachgerechten Führung durch die Unterwelt der Tauglalmen. Eine wenig bekannte Trattberghöhle ist das über 2 km lange Kühloch, welche die längste derzeit bekannte Höhle der Salzburger Juraberge darstellt. Die Höhle wird von verschiedenen Fledermausarten als Winterquartier genutzt und bildet einen wichtigen Rückzugsort der vom Aussterben bedrohten Tierart. Um den Winterschlaf dieser Höhlenbewohner nicht zu stören, sollte auf winterliche Besuche der denkmalgeschützten Höhle verzichtet werden.


Wer den besonderen Reiz der Tauglhöhlen selbst erleben möchte, dem kann eine Führung in den Feuchten Keller empfohlen werden. Von Juni bis Oktober bietet der Österreichische Höhlenrettungsdienst Führungen in dieser Höhle an. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.hoehlenrettung.at oder Tel.: +43 664 9219764

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Osterhorngruppe - Lengfeldkeller 110


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Schlenken - Emmahรถhle (Reitlloch) 112


EPILOG KUCHL – DAS EPIZENTRUM

DER

HÖHLENFORSCHUNG?

von Gerhard Völkl

Fast könnte man das so sagen, weil doch das Heimatmuseum Kuchl innerhalb weniger Jahre nach der Göll Ausstellung nun schon zum zweiten Mal eine Sonderschau dem Thema Höhlen widmet. Kuchl ist von Höhlen durchsetzten Gebirgsstöcken geradezu umringt. Freilich muss sich Kuchl diese prächtige Kulisse mit seiner Nachbargemeinde Golling teilen. So kann sich zum Beispiel die Schwarzbachquelle (Gollinger Wasserfall, Schwarzbachfall), die in verschiedenen Beiträgen in diesem Buch immer wieder angesprochen wird, nicht so recht entscheiden, ob sie nun in Kuchl oder Golling entspringt und die vielen Höhlensysteme im Göll Ostkamm pendeln im Bergesinneren ständig unter den Gemeindegrenzen hin und her. Viele Beiträge in diesem Buch handeln von der Bedeutung der Höhlen für die Menschen von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Eine faszinierende Entwicklung vom Steinzeitmenschen bis zu dem mit modernster Technik bestückten Höhlenforscher, der in über 1000 Meter tiefen Schächten versucht den Karstwasserspiegel zu erreichen. Höhlenforschung ist bei uns keine Trendsportart, sondern eine fundierte, kontinuierliche Erforschung und Dokumentation des Inneren unserer Gebirgsstöcke auf Basis rein privater, ehrenamtlicher Freizeitaktivität. Ein leuchtendes Beispiel geben dabei unsere polnischen Kameraden, die nun seit 50 Jahren Generationen übergreifend, über alle politischen Umbrüche hinweg, alljährlich zu uns kommen und sehr profes-

sionell im Expeditionsstil die schwierigsten Höhlensysteme erforschen und ausgezeichnete Dokumentationen erstellen. Im Höhlenkataster des Landesvereines für Höhlenkunde in Salzburg haben sich nun seit über 100 Jahren wahre Schätze an Dokumentationsmaterial in Form von Berichten, Plänen und Fotografien angesammelt. Von 1975 bis 1996 wurden diese Unterlagen in 6 umfangreichen Bänden im Salzburger Höhlenbuch zusammengefasst. Eine ungeheure Leistung auf privater Basis, nur die Eisriesenwelt Gesellschaft konnte dafür als Sponsor gewonnen werden. Seither findet eine laufende Dokumentation der Neuforschungen in der Vereinszeitschrift Atlantis statt. Alle diese Dokumentationen stehen der interessierten Öffentlichkeit, der Wissenschaft und den Behörden zur Verfügung. So steht es in den Vereinsstatuten. Die Anerkennung dieser Leistungen durch die politischen Ebenen bleibt freilich weitgehend aus. Dafür wird der Dschungel aus behördlichen Auflagen immer dichter und undurchdringlicher. Aber sich durch Latschenfelder zu kämpfen sind Höhlenforscher gewohnt! Vielleicht liegt das aus unserer Sicht befremdliche Unverständnis mancher Leute an der Leistung der Höhlenforscher auch daran, dass für viele Finsternis, Enge, Kälte, Nässe und Höhlenlehm etwas Abstoßendes haben. Der Eine fühlt sich in der Höhle wohl und geborgen, dem Anderen graust es davor. Ying und Yang, Rosinen im Kuchen oder nicht, es gibt 113


viele solcher Gegensätze, die sich quer durch die Gesellschaft, aber auch durch die eigene Familie ziehen können! In meiner Tätigkeit in der Wasserwirtschaft im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (wie es früher einmal so einfach geheißen hat), waren die Unterlagen aus dem Höhlenkataster stets eine wertvolle Unterstützung. Die Serie der Salzburger Höhlenbücher, die in meinem Büro im Regal stand, ist ziemlich abgegriffen und zerknittert, durch das oftmalige Pressen auf den Kopierer. Nicht nur in Österreich ist diese Dokumentation des Salzburger Höhlenvereins einzigartig, ich hatte im Laufe der Jahrzehnte auch viele Kontakte mit internationalen Fachkollegen und traue mich daher zu sagen: Sie ist weltweit einzigartig. Dem Zug der Zeit folgend verlagert sich die Dokumentation von der Vermessung, über die Planerstellung bis zur Präsentation mehr und mehr auf die digitale Ebene. Auch da ist die Höhlenforschung in Salzburg auf einem guten Weg. Aber alle diese elektronischen Speichermedien und Programme, wie lange werden sie wirklich Bestand haben? Wer hat denn heute noch einen PC mit einem Schlitz für eine Diskette, auf die er vor 20 Jahren in vielen Stunden Arbeit Fahrtenberichte geschrieben hat? Selbst die CD Laufwerke sind schon aus der Mode gekommen. Um so wichtiger ist es, gelegentlich etwas zu Papier zu bringen - wie es hier gerade geschieht. Der Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg hat im Verband Österreichischer Höhlenforscher der Zahl seiner Mitglieder entsprechend eine starke Stimme. Über viele Jahre war der Salzburger Verein das Maß der Dinge in Österreich. In den Jahren 1962, 1963 und 1965 wurde er zur Ausrichtung von VerbandsExpeditionen erwählt, wobei es besonders berüchtigte Schachthöhlen wie die Windlöcher im Toten Gebirge, den Tonion Schacht in der Steiermark und 114

eben die Gruberhornhöhle im Göll Ostkamm zu erforschen galt. Im Anschluss an die sieben tägige Expedition in die Gruberhornhöhle mit internationaler Beteiligung, fand die Jahrestagung des Verbandes Österreichischer Höhlenforscher beim Bärenwirt im Bluntautal statt. Aber schon in der Gründungszeit des Vereines vor und nach dem Ersten Weltkrieg mit der Erforschung der Eisriesenwelt und nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Erforschung der Tantalhöhle war die Salzburger Forschung richtungsweisend. Ein besonderer Höhepunkt war 1961 der Internationale Kongress für Speläologie, der nach Stationen in Wien und Obertraun in Salzburg seinen Höhepunkt fand. Aus ganz Österreich, ja aus aller Welt kommen also Höhlenforscher hierher, um mit großem Einsatz Höhlen zu erforschen. Wie sieht es aber mit dem Interesse der Einheimischen aus an diesen Forschungen teilzunehmen? Es wäre doch höchste Zeit, dass sich einmal ein paar Kuchler auf die Suche nach „Ihrer“ Höhle machen würden! Einen Tipp könnte ich da schon geben. In fast allen Gebirgsstöcken gibt es in bestimmten Höhenlagen so genannte Horizontal Niveaus, in denen ausgedehnte Tunnel- und Gangstrecken vorkommen. Das hat mit Entwicklungsphasen in der Erdgeschichte zu tun. Ein solches Niveau, das im Tennengebirge, im Hagengebirge und im Untersberg vorgefunden wurde, liegt in 800 - 1000 Meter Seehöhe. Im Göll Ostkamm ist dieses Niveau noch nicht entdeckt worden. Es wäre sehr lohnenswert, sich den Wandfuß der Nordseite des Göll Ostkammes im Gasteiger Tal genau anzusehen, ob es da nicht irgendwo ein Loch gibt, durch das man dieses Höhlenniveau leichter erreicht als durch die 1000 Meter Schächte von oben. Wie findet man ein solches Loch? Durch den Luftzug! Das Gebirge hat ein ausgeprägtes Bewetterungssystem. Im Winter ist die Luft in den Höhlen wärmer als draußen, bläst dadurch oben aus und zieht Luft von unten nach. Mit Beginn der warmen Jahreszeit kehrt sich das


um, die kühle Luft aus dem Bergesinneren strömt bei den tieferen Höhlenöffnungen aus. Dabei kommt es bei bestimmten Wetterlagen im Frühsommer sogar zu Nebelfahnen aus den Höhleneingängen. Im Bergeralpl im Tennengebirge haben wir alle Höhleneingänge auf diese Weise entdeckt. Freilich sind das meist nicht bequeme Gänge, durch die man in

den Berg schreiten kann. Auf die Knie, ja auch auf den Bauch muss man da schon und dem Berg den nötigen Respekt zu erweisen! Kompetenz, Beratung und Unterstützung bietet der Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg.

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IMPRESSUM © 2020 Museumsverein Kuchl O BMANN : Josef Pichler H ERAUSGEBER : Christian Mitterbauer G RAPHIC D ESIGN : Tom Halwa - pixREmix C OVERFOTO : Dirk Peinelt, Kuchlberg-Höhlensystem L EKTORAT : Peter Danner, Josef Ries TEXTE & FOTOS: Danner Peter Dryjanski Milosch Gadermayr Wolfgang Golicz Mateusz Höfer-Öllinger Giorgio Kathoni Achmad Klappacher Walter Krebs Michael

Mitterbauer Christian Pawlikowski Michał Peda Marcel J. Peinelt Dirk Pichler Josef Pointner Peter Romanek Artur Schöffel Frank

Seidl Herbert Siegel Thomas Stuchlik Gernot Völkl Gerhard Zehentner Gerhard

Die Nutzung von Fotos der Eisriesenwelt wurde von der Eisriesenwelt GmbH ermöglicht.

HISTORISCHE BILDER: Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg (Höhlenkataster) Naturhistorisches Museum Wien, Karst- und höhlenkundliche Arbeitsgruppe Dr. Peter Tomasi (Salzburg)

SUPPORT: Dachs Edgar, Grill Petra

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ISBN 978-3-200-06947-3

Museum Kuchl Markt 24c, Severinplatz | 5431 Kuchl Museum-Kuchl@aon.at Tel. 06244 / 30386

w w w. h o e h l e n v e re i n - s a l z b u r g . a t

www.cucullis.at

Öffnungszeiten: 8. Mai - 26. Oktober, Fr. - So. und Feiertage 15.00 - 18.00 Uhr

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Höhlen rund um Kuchl  

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