Page 57

links: Vertiefungsraum zum »Zeitalter der Weltkriege« unten: 60 Schuhe aus dem Vernichtungslager Majdanek, 1930/1940er Jahre, Leihgabe: Aus den Sammlungen des Staatlichen Museums Majdanek in Lublin, Polen

In der Weimarer Republik hatte man sich für einen kurzen Moment im Frieden eingerichtet und doch wurde diese Zeit nur zu einer Atempause, in der auch Konzepte entwickelt wurden, wie der Erste Weltkrieg doch noch zu gewinnen sei. Die Nationalsozialisten fanden für ihre Politik, mit allen Mitteln eine Revision des Versailler Vertrages zu erreichen, Unterstützung in breiten Bevölkerungsschichten. Die Revisionspolitik ging bruchlos in eine uneingeschränkte Eroberungspolitik über. Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 löste das Deutsche Reich den Zweiten Weltkrieg aus. Aus dem übersteigerten Nationalismus des Ersten Weltkriegs wurde unter nationalsozialistischer Herrschaft ein rassenideologischer Vernichtungskrieg. Die militärischen Erfolge der Wehrmacht vergrößerten den deutschen Herrschaftsbereich und führten unter anderem zur Besetzung Norwegens, Frankreichs, des Balkans und weiter Teile Osteuropas. Deutsche Kriegführung und Völkermord waren im Zweiten Weltkrieg eng miteinander verwoben. An der Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas war die Wehrmacht mittelbar und unmittelbar beteiligt. Insgesamt wurden bis Kriegsende rund sechs Millionen europäische Juden Opfer des Völkermordes.

Einbezogen war die Wehrmacht auch in die rassenideologische Verfolgung und Ermordung slawischer oder anderer Bevölkerungsgruppen wie der Sinti und Roma. Viele von ihnen wurden für tödliche medizinische Versuche missbraucht, die mitunter direkt im Auftrag der Luftwaffe durchgeführt wurden. Zudem war die Wehrmacht auch an der systematischen Erschießung von Sinti und Roma hinter der Ostfront beteiligt. Nur wenige Angehörige der Wehrmacht leisteten einzeln oder in Gruppen Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime. Formen, Motive und Ziele dieses militärischen Widerstandes waren vielfältig. Sie reichten vom Wunsch, den Krieg zu verhindern, später ihn zu beenden, über Unzufriedenheit mit den militärischen Entscheidungen Hitlers bis hin zur moralisch begründeten Ablehnung der verbrecherischen NS-Politik. Die bekannteste Form militärischen Widerstands ist das von Oberst i.G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg verübte Attentat vom 20. Juli 1944. Neben diesem Attentat und dem damit verbundenen Umsturzversuch gab es auch die mit dem Gewissen begründete Kriegsdienstund Befehlsverweigerung, politisch oder moralisch motivierte »Fahnenflucht« sowie das Verfassen und Verteilen von Flugblättern gegen das NS-Regime.

57

Profile for museum.de

Magazin Museum.de Nr. 8  

Magazin Museum.de Nr. 8

Magazin Museum.de Nr. 8  

Magazin Museum.de Nr. 8

Profile for museum.de
Advertisement