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Räumliche Neuausrichtung

Themenparcours

Die Gesamtkonzeption von Architektur und neuer Dauerausstellung steht für das Nebeneinander von klassischen und neuartigen Sichtweisen und Ausdrucksformen. Tradition und Innovation – alte und neue Zugänge zur Militärgeschichte – bilden die Eckpunkte der Konzeption.

Die zwölf Ausstellungsbereiche des Themenparcours folgen keiner nach Daten sortierten chronologischen Ordnung, sondern präsentieren innerhalb einer systematischen Gliederung sehr unterschiedliche und zum Teil überraschende Aspekte der Militärgeschichte.

Das MHM besteht aus zwei Museen zur Militärgeschichte, die sich architektonisch und durch die Ausstellungsgestaltung unterscheiden; thematische Querschnitte im Neubau und chronologischer Rundgang im sanierten Altbau.

Fotos: © Andrea Wark; © Holzer Kobler Architekturen / janbitter.de

Mit der Grundsanierung des alten Arsenals – einer dreiflügeligen Anlage der Semper-Schule aus den 1870er Jahren – und einem Erweiterungsbau wurde 2002 der amerikanische Architekt Daniel Libeskind beauftragt. Bei dem historischen Arsenalgebäude handelt es sich um ein neoklassizistisches Gebäude, das wie ein Tempel auf einem künstlichen Plateau thront. Der von Daniel Libeskind entworfene keilförmige, asymmetrische Neubau durchdringt den massiven, klassisch gegliederten Altbau.

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Eine transparente Fassade aus Metalllamellen überlagert den historischen Baukörper. Der Neubau ergänzt die stark horizontal ausgerichteten, durch ein starres Säulenraster gegliederten Flügel des Arsenals durch vertikale, geschossübergreifende Säle und schafft damit Platz für große und sperrige Schwerexponate. Der Raum folgt hier der Funktion. Und gleichzeitig sind auf diesen inhaltliche Codierungen übertragen, die das Gebäude zum ersten und größten Exponat der Ausstellung machen. Der Neubau wird zu einem Gewaltinstrument, wodurch er »den Geist der alten Architektur aufnimmt« (Thomas Schmid, »Die Welt«), gleichzeitig wird er zu einem Zeichen von Krieg und Schmerz, zu einem Kontrapunkt des Arsenalgebäudes, der den Krieg nicht als Hochamt feiert oder als unausweichliches Schicksal der Menschheit hinnimmt, sondern hinterfragt.

Der Themenparcours beginnt im 4. Obergeschoss. Mit einem spektakulären Blick auf die Frauenkirche, das Schloss und den Rathausturm öffnet sich der Neubau zur Stadt hin.

»Man kann nicht gegen die Architektur von Libeskind arbeiten« Die beiden Museumsgestalter HG Merz und Holzer Kobler Architekturen erschließen mit einprägsamer Bildsprache einen neuartigen, gesellschaftsübergreifenden Zugang zu der komplexen Thematik. Ihre Ausstellungsarchitektur geht sowohl eine Symbiose mit dem klassizistischen Altbau als auch dem keilförmigen Neubau ein. Die Architektur von Daniel Libeskind ermöglichte den Szenografen zu experimentieren und für ein Museum unkonventionelle Maßstäbe zu finden. In begehbaren Rauminstallationen und mit einer sehr reduzierten Auswahl von Objekten werden die Themen der Ausstellung wirkungsvoll in assoziative Bilder übersetzt. Die offenen Enden des Keils durchdringen den Bau von unten bis oben. Sie bieten Raum für großformatige Exponate und erlauben Sichtbeziehungen und Querverweise zwischen den unterschiedlichen Themenbereichen. Als zusätzliche Bildebene verknüpfen zeitgenössische Medienkunstwerke Raum und Exponate. Im Zusammenspiel von Architektur, Szenografie und Inhalt entstehen eindrückliche Bilder, die den Besucher verblüffen, irritieren und zugleich sensibilisieren. www.holzerkobler.ch www.hgmerz.com

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